Perlentaucher-Autor

Thekla Dannenberg

Thekla Dannenberg, 1970 geboren, studierte Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut in Berlin, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München und arbeitete als Redakteurin bei der taz. Sie ist Redakteurin beim Perlentaucher, Mitglied der Jury für die Krimi-Bestenliste und unterrichtet Journalismus an der Universität Hildesheim. 2014 erschien ihre Übersetzung von Robert Warshows Essayband "Die unmittelbare Erfahrung".
Rubrik: Berlinale Blog - 136 Artikel - Seite 1 von 10

Melodram mit Starbesetzung: Wang Xiaoshuais "So long, my Son" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2019 Nicht nur Zhang Yimous Film "One Second" über die Kulturrevolution ist von den chinesischen Behörden zensiert worden. Auch Derek Kwok-cheung Tsangs "Better Days", der in der Reihe Generation laufen sollte, hat keine Freigabe bekommen. In  Variety gibt Rebecca Davis einen guten Einblick in die Lage des chinesischen Independent-Kinos, das Davis zufolge so gut wie tot sei. Wenn Filme heute Indie aussähen, würde damit nur einem Publikumsgeschmack Rechnung getragen, der für das kommerzielle Kino nicht zu haben sei. Die Zensur passiert hätten aber auch diese Filme. Von Thekla Dannenberg

Kiffen, Skaten, Rumhängen: Jonah Hills "Mid90s" (Panorama)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2019 Die neunziger Jahre waren das letzte Jahrzehnt, in dem Schule keine Rolle spielte. Woraus es ankam, waren Stil, Musik und ein paar gute Skateboard-Tricks: "Keep a positiv attitude." Die coolsten Typen in "Mid90" sind die aus den Ghetto von Los Angeles. Von Leuten wie Ray, Fourth Grade, Ruben und Fuckshit lernt man alles, was man fürs Leben braucht: Rumhängen, Kiffen, Skaten. Und ab und zu auf einer Party Mädchen aufreißen. Stevie vergöttert sie. Von Thekla Dannenberg

Marmor, Kupfer, Kohle: Nikolaus Geyrhalters "Erde" (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2019 Eine der größten Baustellen der Welt befindet sich im San Fernando Valley in Kalifornien, wo für ein gigantisches Immobilienprojekt ganze Berge abgetragen werden. Aus der Vogelperspektive gefilmt, ergibt es eine tolle Choreografie, wenn die Planierraupen und Schaufelbagger in großen Schleifen ihre Bahnen ziehen und Tausende Tonnen Erde wegschaffen. Bei den Fahrern der Bulldozer unten am Boden herrscht vollbärtige Zufriedenheit: "Wie sich das anfühlt, sein Geld damit zu verdienen, dass man Berge versetzt? Gut, denke ich." Ein anderer reibt sich die Hände: "Die Erde ist ein widerspenstige Geliebte." Sie hat keine Chance, die Maschinen werden immer größer: "Am Ende gewinnen wir." Von Thekla Dannenberg

Am Beispiel des Hummers: Mark Jenkins "Bait" (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2019 Von der ersten Sekunde an weiß man, woran man bei Mark Jenkin ist: Sein Schwarzweiß-Film, in 16-Millimeter gedreht und von Hand entwickelt, lässt an Cornwalls Küste nicht sanft den britischen Spirit von 1945 durchs Bild wehen, der Film ist sozialrealistisches Kino reinsten Wassers: Keine Inszenierung, keine langen Einstellungen, keine Kamerabewegung. Stattdessen Nahaufnahmen und suggestive Montagen. So viel Offenheit ist selten. Von Thekla Dannenberg

Monströs: Fatih Akins "Der Goldene Handschuh" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2019 Fatih Akin hat ganze Arbeit geleistet. "Der Goldene Handschuh" ist ein monströser Film. Eine Art Ekel-Horror-Comic, grotesk und grell überzeichnet. Schon in der ersten Szene beginnt Fritz Honka, der Hamburger Frauenmörder, sein perverses Werk: In seiner stinkigen, mit Porno-Bildern tapezierten Wohnung in St. Pauli schnürt er den wuchtig-wabbeligen Leib einer Frauenleiche zusammen, verpackt ihn in Plastiksäcke, bekommt ihn nicht weg gewuchtet, dann schleppt er den Sack wieder die Treppe bis zu seiner Mansarde hoch und beginnt die Leiche zu zersägen. Was in den Koffer passt, wird auf den Sperrmüll geworfen, der Rest landet, klatsch, im Wandschrank. Dazu läuft Adamos Schlager "Es geht eine Träne auf Reisen". Um den Lärm zu übertönen, aber auch weil es einen krassen Effekt setzt. Von Thekla Dannenberg

Schweigen bei den Krokodilen: Thomas Heises "Heimat ist ein Raum aus Zeit" (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019 Thomas Heise war schon immer der verstörendste Dokumentarfilmer unter den Chronisten der untergegangenen DDR: In "Stau" erkundete er das Elend junger Neonazis in Halle, in "Imbiss Spezial" den Horror vacui der Wende, in "Material" spürte er dem verlorenen utopische Moment von 1989 nach. Für seinen neuen Film "Heimat ist ein Zeit aus Raum" kompiliert er über drei Generationen die Hinterlassenschaften seiner Familie - Fotos und Filmaufzeichnungen, Briefe und Tagebücher - zu einer Collage, die nicht unbedingt eine Familienbiografie ergibt, sondern eher eine Reflexion über Familie und Biografie. Von Thekla Dannenberg

Da lachen die Key Account Manager: Marie Kreutzers "Der Boden unter den Füßen" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019 Was für ergiebige Filmfiguren Unternehmensberaterinnen abgeben, hat Maren Ade mit ihrem "Toni Erdmann" bewiesen. Sandra Hüller haute einen mit ihrer Schlagfertigkeit und ihrem muskulösen Intellekt einfach um. Seitdem wagt niemand mehr, Witze über Frauenabende zu machen (Und worüber habt Ihr Schönes geredet?  Frauenquote, Paygap, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.) Von Thekla Dannenberg

Früchtchen des Zorns: Nora Fingscheidts "Systemsprenger" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 08.02.2019 Auf einmal ist nur noch wilde Wut auf der Leinwand. Eben noch zogen sich lustig bunte Kinderkleckse über den Vorspann, da rastet das Mädchen aus, schreit und tobt und schmeißt mit allem um sich, was ihm in die Finger kommt. Vor allem die bescheuerten Bobbycars. Lehrer, Erzieher, Betreuer flüchten hinters Panzerglas, doch das hält die Attacken ebenso wenig aus wie die Nerven aller Beteiligter. Benni ist neun Jahre, das aggressivste und brutalste Kind, das jemals auf der Leinwand zu sehen war, und man schließt dieses Früchtchen des Zorns sofort in sein Herz. Von Thekla Dannenberg

Den Wellen und Wolken folgen: Filme aus dem südlichen Pazifikraum in der Reihe NATIVe

Außer Atem: Das Berlinale Blog 08.02.2019 Die Native-Reihe mit Filmen indigener Filmemacher widmet sich in diesem Jahr Produktionen aus dem südlichen Pazifik: Aus Indonesien und den Philippinen, aber vor allem aus Hawaii, Neuseeland und all den Gebieten Ozeaniens, die die Polynesier einst mit ihren Einbäumen erschlossen, indem sie den Wellen und den Wolken folgten. Es ist filmisch ein spannendes Gebiet, thematisch längst nicht so erschöpft wie etwa die Lebenswelt der Inuit, aber auch visuell mit seiner ganz eigenen Ästhetik der Totems und Gesichtstätowierungen faszinierend. Von Thekla Dannenberg

In der Kälte der Großstadt: Lone Scherfigs "The Kindness of Strangers" eröffnet die Berlinale

Außer Atem: Das Berlinale Blog 08.02.2019 Gestern abend wurde in Berlin mit großer Gala, rotem Teppich und Lone Scherfings "The Kindness of Strangers" die Berlinale eröffnet. Scherfings Film ist ein Großstadtmärchen aus dem winterlichen New York, in dem eine Reihe von Unglücksraben Halt und Trost sucht. Das wird mit einer reichlichen Portion Humanismus dargeboten, und aus dem Konzerthaus dröhnen dazu die Klänge von Smetanas "Moldau". Von Thekla Dannenberg
Stichwörter