Perlentaucher-Autor

Thekla Dannenberg

Thekla Dannenberg, 1970 geboren, studierte Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut in Berlin, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München und arbeitete als Redakteurin bei der taz. Sie ist Redakteurin beim Perlentaucher, Mitglied der Jury für die Krimi-Bestenliste und unterrichtet Journalismus an der Universität Hildesheim. 2014 erschien ihre Übersetzung von Robert Warshows Essayband "Die unmittelbare Erfahrung".
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Melodram aus Jakutiens: Milko Lazarovs "Aga" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 23.02.2018 Der Name Nanook hat Bedeutung in der Filmgeschichte. Angeblich ist er Wort für Mensch. "Nanook of the North" hieß der erste Dokumentarfilm des Amerikaners Robert Flaherty von 1922. Es ist ein großartiges Werk, voller Abenteuerlust und Entdeckerdrang, aber in seinem exotisierenden Blick auf die kanadischen Inuit auch von einer Unbedarftheit, die heute niemandem mehr verziehen wird. Von Thekla Dannenberg

Der König hat die Schlusspointe: Die Castorf-Hommage "Partisan" (Panorama)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 22.02.2018 Die Volksbühne liegt zerschlagen darnieder, Chris Dercon hat einen desaströsen Start vorgelegt, das Ensemble ist zerbrochen, und wahrscheinlich spukt es schon im Haus. Das Letzte, was man jetzt gebrauchen kann, ist eine Hommage auf den einzigartigen, überragenden, schändlich vertriebenen und doch triumphierenden Frank Castorf. Lutz Pehnert und seine Ko-Autoren Matthias Ehlert und Adama Ulrich liefern sie: "Wir sind die Guten", prangt an einer Wand der Bühnenwerkstatt, gleich neben einem Hinweisschild für Begrüßungsgeld. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Theaterfürsten müssen andere übernehmen. Von Thekla Dannenberg

Tut nicht weh: Gus van Sants "Don't Worry, He Won't Get Far on Foot" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 20.02.2018 In seinen besten Filmen hat Gus Van Sant immer von Außenseitern erzählt. In "Mala Noche" und "My Own Private Idaho", und natürlich in "Elephant", seiner leisen Antwort auf das Massaker an der Columbine High School. Darin porträtiert er einfühlsam die Teenager einer High School in seiner Heimatstadt Portland, die am Ende von zwei schießwütigen Rechtsradikalen ermordet werden. Es ist der diskrete, poetische Gegenfilm zu Erik Poppes gestern im Wettbewerb gezeigtem "Utoya", der aus dem Massaker des Norwegers Anders Breivik ein gewaltiges Schockerlebnis macht. Für "Elephant" bekam Gus Van Sant in Cannes 2006 die Goldene Palme, dennoch entfachte er eine ähnliche Debatte wie jetzt Poppes "Utoya": Darf man aus einem solchen Gemetzel Kino machen? Muss man ihm Sinn geben? Von Thekla Dannenberg

Sei ein Nazi! José Padilhas "7 Tage in Entebbe" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 20.02.2018 José Padilha gibt seinen Filmen gern einen politisch-kritischen Anspruch, am Ende steht sein Kino aber doch auf der Seite, die das bessere Equipment hat, die schnelleren Autos, die geileren Waffen. So war das bei "Tropa de Elite", so ist es bei "Entebbe". Der Vorspann, demzufolge gleich nach der Ausrufung des Staates Israel die Palästinenser dem Staat den Krieg erklärten, lässt schlimmste Geschichtsklitterung befürchten. Doch eigentlich rekonstruiert Padilha die Geschichte der Flugzeugbefreiung in seinem kruden Mix aus Action-Kracher und politischem Drama halbwegs wirklichkeitsgetreu. Von Thekla Dannenberg
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