Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.12.2017 - Film


Von Fragen unbehelligt: Szene aus Till Cösters "Super Friede Liebe Love" (Bild: obs/ZDF/Franz Kastner)

In der taz empfiehlt Jens Müller den vom ZDF online gestellten Dokumentarfilm "Super Friede Liebe Love", in dem Till Cöster eine Gruppe älterer Herren in einem katholischen Männerwohnheim porträtiert. Cöster "behelligt sie nicht mit seinen Fragen. Das wäre ein allzu journalistischer Ansatz. Sie erzählen einfach drauf los, etwa der Mann, dem der Film seinen Titel verdankt. Jeden Quadratzentimeter seines Zimmers hat er mit seinen Friedensbotschaften vollgeschrieben."

Weitere Artikel: In der Welt setzt Peter Huth zur Ehrenrettung der bei Fans und Kritik gleichermaßen verfemten "Star Wars"-Prequels an, die George Lucas in den 00er Jahren nachgeliefert hat. Die Serie "Outlander" ist "erzählte Quantenphilosophie für die Sehnsüchte der Post-Post-Moderne", erklärt Petra Kohse in der FR nach dem Ende der dritten Staffel. Gaston Kirsche schreibt in der Jungle World Wissenswertes über Michael Curtiz' Klassiker "Casablanca", der vor 75 Jahren in die Kinos kam.

Besprochen werden die Serie "One Mississippi" mit Tig Notaro (Freitag) und das Weihnachts-Special der britischen Science-Fiction-Serie "Doctor Who", bei der mal wieder ein Wechsel in der Besetzung der Titelfigur ansteht (Welt).
Stichwörter: Männer, Dokumentarfilm

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.12.2017 - Film

SZ-Kritiker David Steinitz steht das synthetische Blockbuster-Einerlei bis hierhin. In Analogie zum Bechdel-Test, der ermitteln soll, ob in einem Film die Frauenrollen nur Beiwerk sind, fordert er einen Homo-Sapiens-Test: "Auf der Leinwand geht es fast nur noch um Maschinen, mutierte Überwesen und Zeichentrickfiguren. Unter den erfolgreichsten Filmen findet man keine einzige Geschichte ohne Superheld, Superauto oder Supermonster." Fragen sollte man sich also: "Gibt es mindestens zwei Menschenrollen? Sprechen sie miteinander? Unterhalten sie sich über etwas anderes als Maschinen oder Fabelwesen?"

Besprochen werden Claire Denis' "Meine schöne innere Sonne" mit Juliette Binoche (Freitag, unsere Kritik hier) und die Amazon-Serie "Jean Claude Van Johnson" mit Jean-Claude Van Damme (FAZ).
Stichwörter: Blockbuster, Hollywood

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.12.2017 - Film

Und schwupps hat die Maus den Fuchs geschluckt: Gestern haben sich die Gerüchte bestätigt, dass der Disney-Konzern mittels eines rund 52 Milliarden Dollar schweren Aktienpakets große Teile des Majors 21st Century Fox erworben hat. Das kommt einem Erdbeben für das Studiosystem gleich, kommentiert der Hollywood Reporter. Die wesentliche Faktenlage: Nach dem Erwerb von Pixar, Marvel und LucasFilm betreibt Disney sein Franchise-Shopping damit munter weiter, entledigt sich eines seiner Konkurrenten und positioniert sich bestens aufgestellt für einen eigenen Streamingdienst, mit dem der Konzern ab 2019 Netflix aufs Korn nehmen will: Über so eine von Kino über Fernsehen bis zu Merchandising breite und attraktive Produktpalette verfügt dann kein anderer Anbieter mehr - wobei Disney mit seinem Blockbuster-Portfolio schon jetzt seit Jahren die vorderen Chartplätze abonniert hat.

Angesichts dieser so erdrückenden wie bedrückenden Marktmacht versucht David Steinitz in der SZ in einer dialektischen Wendung das Positive an diesem Deal zu sehen: Vielleicht ist dies ja jetzt der "Weckruf" für die restlichen großen Studios, "weiterhin relevante Filme zu machen und Filmgeschichte zu schreiben. Sony, Warner, Universal und Paramount machen derzeit nämlich in vielen Fällen nicht mehr, als Disney-Produkte zu kopieren. ... Da Disney die Bereiche FSK0 bis FSK12 abgesteckt hat, mit Filmen und Nebenprodukten, die für die ganze Familie auf der ganzen Welt funktionieren, könnten es die anderen Studios zum Beispiel mal wieder mit weniger Trickfiguren aus dem Computer und echter Erwachsenenunterhaltung probieren." Über die Wundertüte, die Disney von Fox abgreift, schreibt die New York Times.

Von der Gegenwart des Kinos in dessen Vergangenheit: Elvira Notari war die erste italienische Filmemacherin - von 1912 bis 1930 war sie aktiv, überliefert ist jedoch nur ein Rumpf ihres Werks. Diesen zeigt jetzt die von Heide Schlüpmann und Karola Gramann gegründete Frankfurter Kinothek und zwar sehr zur Freude von Daniel Kothenschulte: "Elvira Notaris ist ein hoch musikalisches Kino, das thematisch wie kompositorisch die Nähe zum neapolitanischen Liedgut verrät", schreibt er in der FR. "Wahrheit und Künstlichkeit, Naturalismus und Überhöhung waren keine Gegensätze im frühen Kino, und in Elvira Notaris Werk schien diese kultivierte Unschuld länger als anderswo lebendig." Für den Freitag hat sich Vivien Kristin Buchhorn mit den beiden Kuratorinnen unterhalten: "Das Realistische bei Notari entsteht dadurch, dass sie ihre Filme im proletarischen und subproletarischen Teil von Neapel ansiedelt", erklärt Heide Schlüpmann. "Sie hat auf der einen Seite die Exzessivität von Leidenschaft und Gewalt, auf der anderen wirken die Filme dokumentarisch darin, wie Straßen, Landschaften oder Menschen auf neapolitanischen Festen inszeniert werden. Sie entwickelt quasi einen Realismus vor dem Neorealismus." Weitere Informationen bietet dieser Überblick. Ein Ausschnitt aus Notaris "A Santanotte" steht auf Youtube:



Besprochen werden Claire Denis' "Meine schöne innere Sonne" (FR, Tagesspiegel, im Standard unterhält sich Dominik Kamalzadeh mit der Regisseurin), die zweite Staffel der Netflix-Serie "The Crown" (NZZ), Darren Thorntons "Ein Date für Mad Mary" (Tagesspiegel) und Thomas Riedelsheimer zweiter Dokumentarfilm "Leaning into the Wind" über den Land-Art-Künstler Andy Goldsworth (SZ, Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.12.2017 - Film


Juliette Binoche in Claire Denis' "Meine innere schöne Sonne"

Lose inspiriert von Roland Barthes' Essay "Fragmente einer Sprache der Liebe" erzählt Claire Denis in "Meine schöne innere Sonne" davon, wie Juliette Binoche als Künstlerin etwas reiferen Alters "ihr Liebesleben auf neue Betriebstemperatur bringt", erklärt Claudia Lenssen in der taz, die bei diesem Film allerdings das für die französische Regisseurin typische "Hexengelächter" vermisst: "Was bleibt, ist eher ein Lächeln im Desaster und eine Portion Komik bei all den Tränen und gemurmelten Selbstgesprächen." Zwar dekonstruiere die Regisseurin "scharfsinnig die Erwartung an romantische Komödien", doch "nimmt sie um dieses großartigen Effekts willen ihrer Hauptfigur alles, was mich jenseits des engen thematischen Korsetts Liebessehnsucht auch interessiert hätte. Einen einzigen Strich mit dem Pinsel zieht die Malerin im ganzen Film, Kunst fungiert nur als Gimmick, nicht als Ausdruck, Ausweg, Eigenes."

Hingegen "hinreißend" fand Janis El-Bira den Film: "Wem Sprechen und Sehen versagen, der muss zwangsläufig tasten", schreibt er im Perlentaucher. "Und weil der Körper nicht lügt, nicht stottert und stammelt in seinem Begehren, lässt Denis die Körper ihrer Figuren immer wieder den schwierigen Anläufen zur Sprache zuvorkommen", so etwa in einer umwerfenden Tanzszene: "Es scheint, als atmeten die Tanzenden eine andere Luft, als sei es ausgerechnet der Körper, der für das Leichte am Menschen steht. Sprachlose Schönheit."

Sehr frustriert zeigt sich Matthias Dell im Freitag von Verlauf und Erliegen der jüngsten Berlinale-Debatte um Dieter Kosslicks Nachfolge: Nach einer souverän abmoderierten Diskussionsveranstaltung im Haus der Kulturen der Welt ist die Diskussion "zu Ende, bevor sie begonnen hat. Sichtbar geworden ist immerhin, wie schwer der Streit einer Kultur fällt, die davon leben soll. Wie groß der Konformismus von Künstlern ist, die sich von dem Mut distanzieren, den sie gehabt haben."



Im neuen "Star Wars"-Film "Die letzten Jedi" lassen sich auch feinere Beobachtungen anstellen anstatt bloß Begeisterung oder Ablehnung zu markieren: Um was es in dem neuen Film nämlich eigentlich geht, ist "das Prinzip der Verbindung (versinnbildlicht durch häufige Nahaufnahmen sich berührender Hände) gegen das Prinzip der Trennung (versinnbildlicht im Hass von tosenden Flammen im Weltall)", schreibt etwa Patrick Holzapfel im Perlentaucher. So springt Regisseur Rian Johnson "nicht nur in gewohnter Sternenkriegs-Manier durch Raum und Zeit, um waghalsige Parallelmontagen zu inszenieren, sondern führt auch den Schuss-Gegenschuss jenseits räumlicher Logik ins Star-Wars-Universum ein." Rian Johnson ist ohnehin als quirliger Genre-Neudenker bekannt, erklärt Dietmar Dath in der FAZ und bescheinigt dem Regisseur und Drehbuchautor, das "Star Wars"-Filmuniversum in mindestens vier Aspekten umzukrempeln. Weitere Besprechungen in taz, Standard und Berliner Zeitung.

Weiteres: Hanns-Georg Rodek gratuliert in der Welt den europäischen Filmproduzenten zum Lobby-Erfolg in Sachen Geoblocking innerhalb der EU. Urs Bühler porträtiert in der NZZ die chilenische Schauspielerin Paulina García. Andreas Hartmann empfiehlt den Berliner taz-Lesern das Experimental-Filmfestival im Kino Movimento.

Besprochen werden Robert Sigls in den 80ern entstandener, deutscher Horrorfilm "Laurin", der jetzt auf BluRay wiederentdeckt wurde (taz) und Philippe Liorets "Die kanadische Reise" (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.12.2017 - Film

Daisy Ridley in der Star-Wars-Episode "The Last Jedi" (2017)

Die Filmkritik begibt sich mit dem nunmehr achten Teil der "Star Wars"-Saga um den Skywalker-Clan einmal mehr in eine "weit, weit entfernte Galaxis". Die Reiseberichte fallen jedoch uneins aus. Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson hat viel richtig gemacht, schreibt sehr zufrieden Andreas Busche im Tagesspiegel. Zu sehen gebe es "mehr reale, also realistischere Action, weniger computergenerierte Bilder, ein ausgezeichnetes Timing, eine durchweg gute Chemie zwischen den Figuren, das richtige dramaturgische Verhältnis zwischen persönlichen Konflikten und Schlachtszenen." Peter Huth gibt sich in der Welt als Fan der ersten Stunde zu erkennen, doch der neue Film ist ihm zu brav: "Jede Fernsehserie geht mittlerweile schonungsloser und dadurch liebevoller mit den Hauptfiguren um, selbst wenn sie in den Tod geschickt werden." Juliane Liebert von der SZ vermisst unterdessen die Utopie in diesem und anderen SF-Filmen: "Die glatten Sternenflottenstreber wirken genauso Burn-out-gefährdet wie ein durchschnittlicher BWL-Student."

Auf kino-zeit.de kommt Rajko Burchardt auf einen unschönen Aspekt der Sache zu sprechen: Disney, wo "Star Wars" seit dem Franchise-Neustart produziert wird, bringt den Film nämlich ziemlich rüpelhaft ins Kino: Mit erhöhten Abgabeforderungen und einer Mindestspielzeit-Dauer nämlich, denen sich die Kinos schlicht beugen müssen, um an der Sache überhaupt mitverdienen zu können. "Wer das erpresserische Spiel mit der Verlängerungsklausel, den Abgabeerhöhungen und Strafgebühren nicht mitspielen will, hat schlicht und ergreifend Pech gehabt. ... So schreibt der Konzern die besten Zahlen seiner Firmengeschichte und leistet zugleich einen widersprüchlichen Beitrag zum Kinosterben. 121 Millionen Besucher verzeichneten deutsche Filmtheater im letzten Jahr. Es war der niedrigste Wert seit 1992."

Außerdem: Im Freitag portätiert Rebecca Nicholson die Sängerin Mary J. Blige, die jetzt bei Netflix ihr Debüt als Schauspielerin gibt (hier der im Guardian veröffentlichte Text im Original).

Besprochen werden die auf Geschichten von Philip K. Dick basierende Anthologie-Serie "Electric Dreams", die FR-Kritiker Karsten Essen eher enttäuscht, und Claire Denis' "Meine schöne Sonne" (Welt, FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.12.2017 - Film

Für Aufsehen sorgte gestern die Meldung, dass Saudi-Arabien nach 35 Jahren Verbot nun wieder Kinos im Land erlauben will. Dahinter steckt allerdings nicht ausschließlich hehre Einsicht, erklärt Dunja Ramadan in der SZ: Unter dem Projekttitel "Vision 2030" will der junge Kronprinz Mohammed bin Salman "den Golfstaat auf eine Zeit nach dem Öl vorbereiten, neue Wirtschaftszweige erschließen, wie Tourismus oder eben Unterhaltung. Die Kinobranche soll zum Wirtschaftswachstum beitragen. ... Unter dem arabischen Hashtag 'Kino in Saudi-Arabien' feiern junge Saudis die Neuigkeit. Ein Mann schreibt: 'Endlich eine Alternative zum Restaurantbesuch.' Andere schlugen Titel für künftige Produktionen vor, etwa 'Ich weiß was du letzten Ramadan gegessen hast' oder 'Fifty days of pray'."

Sanjay Leela Bhansalis
neuer Film "Padmavati" über die Legenden um die Rajputen-Könige gleichen Namens ist in Indien noch gar nicht in die Kinos gekommen, aber schon immensen Anfeindungen ausgesetzt, berichtet Martin Kämpchen in der FAZ: Im Filmtrailer "tanzt Padmavati unverschleiert, was der Organisation Rajput Karni Sena ausreichte, um auf die Barrikaden zu steigen." Der Filmstart wurde nun auf unbestimmte Zeit verschoben - hier der Trailer zum Stein des Anstoßes, der vor allem viel nackte Brust des Hauptdarstellers zeigt:



Besprochen werden die aktualisierte Neuauflage von Lars Henrik Gass' Streitschrift "Film und Kunst nach dem Kino", an die Tagesspiegel-Kritiker Andreas Busche Julian Rosefeldts auch im Kino ausgewertete Film-Installation "Manifesto" anlegt, Rüdiger Suchslands von Arte online gestellter Dokumentarfilm "Hitlers Hollywood" über die Filmproduktion des "Dritten Reiches" (FR), Yesim Ustaoglus "Clair Obscur" (Welt, unsere Kritik hier), Katell Quillévérés "Die Lebenden reparieren" (SZ) und der heute Abend im ZDF gezeigte Dokumentarfilm "Der große Zampano" über den einstigen Medienmogul und Filmrechtehändler Leo Kirch (taz, FR, Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.12.2017 - Film

Mit insgesamt sechs Auszeichnungen wurde Ruben Östlunds Kunstbetriebs-Sezierung "The Square" (hier unsere Kritik) am Samstag beim Europäischen Filmpreis überhäuft - soviele wie 2014 der große Abräumer "Ida" von Paweł Pawlikowski. Bei der Vergabe in Berlin "spürte man das erste Mal ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit, ein aus wachsendem Leidensdruck geborenes Gefühl", schreibt Hanns-Georg Rodek in der Welt. Was auch damit zu tun hat, dass ein Film wie "The Square" mit Mitteln aus insgesamt fünf Nationen produziert wurde - notwendigerweise, denn "ab einem bestimmten Budget und Niveau lassen sich europäische Filme in den kleineren Ländern nicht mehr finanzieren. Das ist erschreckend, erzwingt aber auch das Überwinden von Grenzen. Nationalistischen Egoismus können sich Filmprojekte nicht mehr leisten, was aber - im Gegensatz zu früher - nicht zu dem berüchtigten 'Europudding' führt, diesen Filmen ohne Charakter. 2017 war ein gutes europäisches Filmjahr, und aus 'The Square' spricht die distinktive Stimme seines Regisseurs." Wozu Frank Junghänel in der FR leise Skepsis anmeldet: Ist "The Square" tatsächlich "der beste Film, den Europa in diesem Jahr zu bieten hat? Eine Koproduktion, die auch in Toronto oder Boston hätte spielen können, mit den US-Serienstars Elisabeth Moss ('Mad Men') und Dominic West ('The Wire') in Gastrollen."

Immerhin: "Was den Geschmack angeht, sind die EuropäerInnen anscheinend tatsächlich erstaunlich oft einer Meinung", notiert Jenni Zylka in der taz, nachdem sich in den letzten Jahren die Konsens-Filme und Preisabräumer merklich häufen. Neben "The Square" waren vor allem die osteuropäischen Filme erfolgreich, vermerkt Christiane Peitz im Tagesspiegel, die sich außerdem darüber ärgert, dass die Frauen mal wieder deutlich das Nachsehen haben.

Szenenwechsel vom europäischen Autoren-, zum kommerziellen Unterhaltungskino: In der Welt trauert Elmar Krekeler nämlich der romantischen Komödie hinterher. Früher polierte sie - insbesondere im Advent - die Kinobilanz ordentlich auf, heute führt sie ein Schattendasein. Und wer ist dran schuld? Die Online-Partnerbörsen! "Wir leben in postromantischen Zeiten. ... Wie nämlich das Automobil dem Urwestern den Garaus machte, macht die moderne Massenkommunikation, das Tindern, das WhatsAppen, die RomCom unmöglich. Die lebt von der direkten, menschlichen Auseinandersetzung. Vom Ineinanderhineinlaufen, vom Übereinanderstolpern. Daten, Posten, Übereinanderherfallen ist das Gegenteil davon."

Weiteres: Im Standard denkt Bert Rebhandl über die Star-Wars-Industrie nach und zählt die Stunden, bis irgendwann auch Jesus einmal in die Jedi-Mythologie eingebaut wird. Dazu passend plaudert Markus Tschieder in der Berliner Zeitung mit Luke-Skywalker-Darsteller Mark Hamill, der soweit ganz gut damit leben kann, wenn mit seinem Konterfei Cornflakes verkauft werden. Besprochen wird eine Box mit den Filmen von Paolo Sorrentino (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.12.2017 - Film

In Berlin wird heute der Europäische Filmpreis verliehen - Andreas Busche führt im Tagesspiegel durch Geschichte und Gegenwart des Preises. Nominiert sind in diesem Jahr fünf Filme: Robin Campillos "120 BPM" (unsere Kritik), Aki Kaurismäkis "Die andere Seite der Hoffnung" (unsere Kritik), Andrei Swjaginzews "Loveless" (unsere Kritik) sowie die Berlin-, bzw. Cannes-Gewinner Ildikó Enyedis "Körper und Seele" (unsere Kritik) und Ruben Östlunds "The Square" (unsere Kritik) - alles in allem "ein starker Jahrgang", meint Busche. "Ein europäisches Stimmungsbild lässt sich anhand der fünf Filme nur in Facetten nachzeichnen, sehr unterschiedlich ist ihr Tonfall, sehr diffus mitunter das Unbehagen. Aber sie zeigen Risse auf, die sich quer durch die Nationen und das fragile europäische Gesamtgefüge ziehen."

Jürgen Schmieder befasst sich in der SZ mit dem Schicksal zahlreicher anonymer Film-Arbeiter in Hollywood, die wegen der vielen, als Folge von #MeToo abgeblasenen Filmen und Serien ihre Jobs verloren haben: "Dieses Hollywood, das sich gern glamourös und selbstbewusst inszeniert, wirkt gerade arg ängstlich, weil die bange Frage nicht etwa lautet: Was kommt da noch? Wen erwischt es als Nächsten? Sie ahnen ja alle, was da noch kommen könnte, so wie viele von Weinstein gewusst haben und von Spacey und Ratner. Die entscheidende Frage lautet deshalb für viele, so zynisch das klingen mag: Erwischt es einen Star, der am selben Projekt beteiligt ist wie ich?"

Außerdem: Raphale Piotrowski spricht in der taz mit der Künstlerin Sophia Tabatadze über deren Idee, in Berlin ein Filmfestival über Großmütter zu veranstalten. Uwe Ebbinghaus schreibt im FAZ-Blog darüber, wie in Serien geraucht wird.

Besprochen werden Katell Quillévérés "Die Lebenden reparieren" (Tagesspiegel, weitere Kritiken hier) und Yeşim Ustaoğlus "Clair Obscur" (Freitag, unsere Kritik hier). Außerdem stellt ZeitOnline die besten neuen Serien vor.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.12.2017 - Film


Zeitgefühl der Verlorenheit: Casey Affleck als Hui Buh in "A Ghost Story".

In David Lowerys "A Ghost Story" stirbt Casey Affleck, um dann als Gespenst seine von Rooney Mara gespielte Ehefrau zu begleiten. Klingt nach Schmus, ist es aber nicht, versichert Andreas Busche im Tagesspiegel - schon alleine, weil sich Affleck für diesen Film schlicht ein Laken mit zwei Gucklöchern über den Körper wirft. Was erstmal albern klingt, aber schlussendlich funktioniert: "Dieser Hui Buh ist ein entfernter Verwandter der sprechenden Welse und Affengeister aus dem Zwischenreich von Apichatpong Weerasethakuls Kino. ... David Lowery findet einen traumhaften Rhythmus für dieses Zeitgefühl der Verlorenheit, zwischen fließenden Langeinstellungen und elliptischen Bildmontagen, die den Lauf der Zeit fast unmerklich aufheben."

Dazu regt sich Widerspruch bei Daniel Kothenschulte in der FR: Die Bilder "stehen freilich meist lange über ihre ideale Betrachtungszeit hinaus auf der Leinwand", sagt er. Auch er muss an Weerasethakul und andere asiatische Regisseure denken, doch "wäre diesen Minimalisten dieser Stoff zu dürftig. ... Das Wort 'Kunst' ist diesen Bildern wie ein Stempel aufgedrückt, als sei das phantastische Kino in seiner Geschichte nicht immer wieder ein Quell der Kunst gewesen. "

Weiteres: Für die SZ besucht Alexandra Föderl-Schmidt Dani Levy bei Dreharbeiten in Jerusalem.

Besprochen werden die zweite Staffel von Jane Campions "Top of the Lake" (FR), Hari Kondabolus Dokumentation "The Problem with Apu", die sich kritisch mt der indischstämmigen Simpsons-Figur Apu befasst (ZeitOnline), Yeşim Ustaoğlus "Clair Obscur" (Tagesspiegel, unsere Kritik hier), die zweite Staffel der Netflix-Serie "The Crown" (FAZ) und der deutsch-französische Donnerstagabendkrimi im Ersten "Über die Grenze", dessen "Intensität" FR-Fernsehkritiker Harald Keller sehr positiv auffällt.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.12.2017 - Film


Bewegt und bewegend: Szene aus "Die Liebenden reparieren"

Begeistert sind die Kritiker von Katell Quillévérés "Die Lebenden reparieren", eine Adaption von Maylis de Kerangals gleichnamigem Roman, in dem es um Leben, Tod und Organtransplantion geht. Er "ist von einer großzügigen, lebensbejahenden, aufmerksamen, berückend schönen und analytisch klaren Perspektive beseelt", schwärmt Frédéric Jaeger in der Berliner Zeitung. Und weiter: "Die Inszenierung ist daran interessiert, Fragmente dessen vibrieren zu lassen, was an Schauspielern und ihren Rollen nicht durchdringbar ist." Auch Ekkehard Knörer sah einen fantastischen Film, wie er in der taz versichert: "Mit großer Aufmerksamkeit setzt der Film noch die kleinste seiner Nebenfiguren ins Bild; aber auch die medizinischen Dinge, das Timing für die Transplantation, Skalpell, Säge, Nadel, Faden, schlagendes und nicht mehr schlagendes Herz: All das ist von großem Gewicht. Weil er an die Grenze zum Tod führt, liebt dieser Film alles, was lebt. ... Quillévéré erzählt mit sicherer Hand und am offenen Herzen, bewegt und bewegend." Die Berliner Zeitung hat sich mit der Regisseurin unterhalten.

Nach der Sichtung des mit Sinti- und Roma-Klischees hantierenden ARD-Fernsehfilms "Eine Braut kommt selten allein" hält es der (nicht am Film beteiligte) Schauspieler Hamze Bytyci für "höchste Zeit, dass wir unsere Geschichten erzählen", wie er gegenüber Matthias Dell im Freitag-Interview erklärt. Der Film zeigt "Möglichkeiten und märchenhafte Möglichkeiten" auf, versichert unterdessen Joachim Huber auf ZeitOnline.

Außerdem: Andreas Hartmann empfiehlt in der taz eine im Berliner Kino Arsenal gezeigte Reihe mit Filmen aus Los Angeles.

Besprochen werden Jane Campions zweite Staffel der Serie "Top of the Lake" (NZZ), David Lowerys "A Ghost Story" mit Casey Affleck und Rooney Mara (taz, SZ, Welt), Alexandra Balteanus "Vânătoare" (taz, Tagesspiegel), Hany Abu-Assads "The Mountain Between Us" mit Kate Winslet und Idris Elba (Standard), Margarethe von Trottas "Forget about Nick" mit Katja Riemann (Welt, Tagesspiegel), Ildikó Enyedis Berlinale-Gewinnerfilm "On Body and Soul" (NZZ), Yeşim Ustaoğlus "Clair Obscur" und Christian Pasquariellos "Sum 1" (Perlentaucher) sowie der deutsch-französische TV-Krimi "Über die Grenze", den Heike Hupertz in der FAZ für sehr gelungen hält: "Ein gro­ßer, vor al­lem aber ein har­ter Wurf, den man auf dem Donners­tags­kri­mi-Sen­de­platz im Ers­ten nicht ver­mu­ten wür­de."
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