Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.08.2018 - Film

20 Jahre ist es schon wieder her, dass Franke Potente in Tom Tykwers "Lola rennt" durch Berlin rannte. Jenni Zylka hat sich den Film für die taz nochmal angesehen und dabei ein paar melancholische Beobachtungen gemacht: Nicht nur wäre die Prämisse des Films in der heutigen, von Digitalkommunikation geprägten Zeit kaum mehr plausibilisierbar, sondern auch die Stadt bietet nicht mehr die Kulisse von einst: Denn Lola rennt durch die "leere, gemütlich-ramschige, menschenlose Umgebung des ungentrifizierten Bezirks Mitte. Lola rennt, Berlin pennt. ... Als einer der letzten RegisseurInnen eines Berlin-Films hatte Tykwer die Stadt also wie eine geräumige Theaterbühne nutzen können - später, nach Einzug der TouristInnen und Smoothie-Ketten, musste man die verbleibende Enge entweder erzählerisch einbauen und sich auf bestimmte, kartografisch mehr oder weniger undefinierte Orte beschränken."

Weitere Artikel: Nadine Lange berichtet im Tagesspiegel vom 24. Filmfestvial in Sarajevo. Besprochen werden Gus van Sants "Don't Worry, weglaufen geht nicht" (Freitag), Jan Bonnys gestriger "Polizeiruf 110" mit Matthias Brandt ("eine kluge Variation auf das Krimigenre", urteilt TV-Krimi-Experte Matthias Dell auf ZeitOnline), Norbert Pötzls Buch über den Klassiker "Casablanca" (Tagesspiegel), Jennifer Fox' "The Tale" (ZeitOnline) und neue Veröffentlichungen auf Heimmedien, darunter Raoul Walshs "Die Teufelsbrigade" und André de Toths "Gegenspionage", beide mit Gary Cooper (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.08.2018 - Film

Andreas Dresen hat lange gebraucht, um seinen Film "Gundermann" über denn Baggerfahrer und DDR-Liedermacher Gerhard Gundermann, der lange Zeit für die Stasi spitzelte, dann aber selbst bespitzelt wurde, durchzusetzen, erklärt der Filmemacher im großen taz-Gespräch: "Warum einen Film über den? Diese Fragen hätte niemand bei einem Rio Reiser gestellt. ... Es gab immer so einen gewissen Rechtfertigungszwang, warum uns der Film wichtig ist. Dabei konnte man ja im Drehbuch sehen, was für eine schillernde Persönlichkeit das ist. Aber weil die Leute aus dem Westen diesen Sänger aus dem Osten - auch noch Arbeiter und zwanzig Jahre tot - nicht kannten, wurde schnell mal geurteilt, der interessiere doch keinen."

Sonntag läuft der vorletzte Polizeiruf mit Matthias Brandt, inszeniert hat Jan Bonny. Elmar Krekeler sah in der Welt in dem Fall um einem Mord an einem syrischen Flüchtling einen "beinahe klassischen Noir". Tagesspiegel-Kritiker Nikolaus Festenberg lobt: "Bonny verkneift sich jedes Pathos und setzt auf die Abwesenheit jeder Dämonie. In seiner streng sachlichen Perspektive erscheint die Rechte als Bestandteil einer primitiven Spaßgesellschaft." SpOn-Kritiker Christian Buß sah "Bilder aus einem deutschen Abgrund". Holger Gertz schreibt in der SZ.

Weitere Artikel: Andreas Busche spricht im Tagesspiegel mit dem Filmwissenschaftler Tobias Haupts über die Frage, ob es heute noch Videotheken braucht. Tal Leder hat für die Jungle World israelische Porno-Drehs besucht. Für die taz wirft Andreas Hartmann einen Blick ins Programm der Langen Nacht der Filmfestivals in Berlin.

Besprochen werden Jakob Lass' "So was von da" (Zeit), Matt Groenings neue Animationsserie "Disenchantment" (ZeitOnline, FAZ), Philippe Le Guays "Ein Dorf zieht blank" (Freitag), Marc Forsters "Christopher Robin" (FAZ) und Annekatrin Hendels Dokumentarfilm "Familie Brasch" (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.08.2018 - Film

Im Walrus Magazine stellt Anna Peppard den neuesten ethnischen Marvel-Helden vor: die Inuit-Superheldin Amka Aliyak aka Snowguard. Auf Artechock erinnert sich Rüdiger Suchsland an den verstorbenen Filmhistoriker Enno Patalas. Tobias Sedlmair gratuliert in der NZZ Robert de Niro zum 75. Geburtstag.

Besprochen werden Marc Forsters "Christopher Robin" (FR, Standard, Tagesspiegel), Gus van Sants "Don't Worry, weglaufen geht nicht" (Zeit, FR), Annekatrin Hendels "Familie Brasch" (taz, Tagesspiegel, Artechock, unsere Kritik hier), Jakob Lass' Clubnacht-Film "So was von da" (SZ), Damian John Harpers Veteranendrama "In the Middle of the River" (Welt, Tagesspiegel) und "Disentchantment", die neue Serie des "Simpsons"-Schöpfers Matt Groening (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.08.2018 - Film

Manövriert durch eine komplexe Maschinerie: Denzel Washington in "Equalizer 2"
Auch ein schwächerer Film von Antoine Fuqua ist immer noch sehenswert, schreibt Lukas Foerster im Perlentaucher zum Kinostart von "Equalizer 2", in dem Denzel Washington - es ist sein erstes Sequel! - einmal mehr einen Vigilanten von fast superheldenartigen Qualitäten spielt: "Wie aus dem Fluss des Großstadtverkehrs und der smooth in ihn eingepassten teuren Hollywoodbilder sich langsam Figuren und Dramatik herausschälen: Das ist die schönste Passage in 'The Equalizer 2'. Das langsame Hochfahren einer komplexen Maschinerie, deren exaktes Funktionsprinzip verborgen bleibt hinter einer detaildichten, fast schon hyperrealen Oberfläche." Für den Tagesspiegel bespricht Andreas Busche den Film.

Weitere Artikel: Susanne Ostwald porträtiert in der NZZ die beiden Filmemacherinnen Florine und Kim Nüesch. Bernhard Blöchl schreibt in der SZ über die Brüder Jakob und Tom Lass, die mit ihren improvisierten Filmen im deutschen Kino für viel Aufsehen und Aufmerksamkeit sorgen. Der Berliner Filmrauschpalast würdigt den im Juli gestorbenen Kameramann Roby Müller, schreibt Andreas Hartmann in der taz.

Besprochen werden Annekatrin Hendels Dokumentarfilm "Familie Brasch" (FAZ, Berliner Zeitung, Perlentaucher), Gus van Sants Biopic "Don't worry, weglaufen geht nicht" über den querschnittsgelähmten Cartoonisten John Callahan (Tagesspiegel, taz), Marc Forsters "Christopher Robin" (SZ), Alexandra Deans Dokumentarfilm "Geniale Göttin" über Hedy Lamarr (SZ), Ferzan Özpeteks "Das Geheimnis von Neapel" (taz, FAZ), Jakob Lass' "So was von da" (Standard), Joseph L. Mankiewicz' auf DVD veröffentlichter Film "No Way Out" von 1950 (taz), und die Serie "Patrick Melrose" mit Benedict Cumberbatch (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.08.2018 - Film

Mit etwas Kummer nimmt Birgit Walter in der Berliner Zeitung zur Kenntnis, dass Andreas Dresens Film "Gundermann" über den gleichnamigen DDR-Liedermacher sich vor allem auf dessen Stasi-Spitzeleien kapriziert - auch wenn der Film es dennoch schafft, "großes Kino" zu werden. Aber Gundermann war eben mehr, sagt sie: "Weil seine Lieder von einem Land handeln, das so schnell unterging, dass das tiefe Verlustspuren hinterließ." Er schrieb "Balladen von erschütternder Innigkeit und Poesie, die von der Endlichkeit des Lebens erzählen, von Gras, das immer wieder wächst, von harten Händen und von Schutzengeln, die nichts mehr zu tun haben, seit ihnen die Bergleute ausgehen. Selbst einer leeren Kohlegrube schrieb Gundermann ein Liebeslied: 'Brigitta'."



Mit seiner Verfilmung von Tino Hanekamps Roman "So was von da" über die Exzesse des Club-Lebens gelingt Impro-Filmemacher Jakob Lass "'eine Art Widerspruchsbalance', wie es Rainald Goetz in seiner Erzählung 'Rave' formuliert hat", schreibt Gerrit Bartels, der das ganz gelungen findet, im Tagesspiegel. Lass "versucht etwas zu erzählen, was sich der Sprache verweigert, etwas zu zeigen, für das es nur wenig Bilder gibt - und das zudem ein Höchstmaß an Authentizität erfordert."

Weitere Artikel: Filmemacherin Isabell Šuba spricht im ZeitOnline-Gespräch über ihre Forderungen, mehr Frauen vor und hinter der Kamera an der Filmproduktion zu beteiligen. Sonja Thomaser freut sich in der FR über die Rückkehr der MTV-Animationsserie "Daria". Andreas Kilb gratuliert in der FAZ Nicolas Roeg zum 90. Geburtstag. Rainer Komers erinnert sich auf der Website der AG Dok an Klaus Wildenhahn, zu dessen Tod der NDR nun vier seiner Arbeiten ins Netz gestellt hat. Auf Youtube gibt es einen Porträtfilm über Wildenhahn:



Besprochen werden Annekatrin Hendels Dokumentarfilm "Familie Brasch" (FAZ) und die Netflix-Serie "Insatiable" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.08.2018 - Film

Ein Blick zurück nach vorn, im wilden Galopp durch die frühe Filmtheorie, den sowjetischen Stummfilm, den Neuen Deutschen Film und Bündnisse mit Pop und Massenkultur: Im vom Perlentaucher dokumentierten Essay "Das Versprechen des Kinos" hält der Filmhistoriker Alexander Horwath Rückschau auf die "Utopie Film". Und heute? Digitalisierung und fortschreitender Publikumsschwund in den Kinosälen: "Man könnte von einer Zerstäubung des Films sprechen, die sich gleichzeitig anfühlt wie eine umfassende Ansteckung: eine epidemische Welteroberung von allem, was im weitesten Sinn Film evoziert.  ... Für viele ist das die Utopie Film in ihrer heutigen Gestalt. Sie hätte sich dann, wie andere Utopien auch, der Herrschsucht des gerade Neuen in der Gegenwart gefügt, um endlich aus dem Schatten ins Licht zu treten. Sie hätte das Versprechen, das vom Kino gegeben worden ist, auf diese Weise eingelöst und dabei natürlich zu einem Gutteil verraten. Es erscheint dumm oder sinnlos, dies kulturkonservativ zu beweinen (so wie es derzeit, in ihrem Feld, viele Vertreter/innen der 'Buchkultur' und des Buchhandels tun). Stattdessen spricht einiges dafür, Siegfried Kracauers 'kleinen Messianismus des Wartens' (Karin Harrasser) zum Vorbild zu nehmen und weiterhin - im Hinblick aufs Filmische wie auf alles andere auch - mögliche, noch verpuppte Zukünfte zu erkunden, darunter jene aus der Vergangenheit."

Weitere Artikel: Im Blog Eskalierende Träume rettet André Malberg die Ehre von Dario Argentos verfemtem "La Terza Madre" aus dem Jahr 2007. Fritz Göttler gratuliert Nicolas Roeg in der SZ zum 90. Geburtstag, den der Regisseur allerdings erst morgen feiert. Ebenfalls (und tatsächlich heute) 90 Jahre alt wird Lina Wertmüller, der Andreas Busche im Tagesspiegel gratuliert. In der FAZ erinnert sich Thomas Schadt an den verstorbenen NDR-Dokumentarfilmemacher Klaus Wildenhahn, dem auch der NDR heute Nacht eine kleine Werkschau bieten will. Auf New Filmkritik erinnert sich Werner Sudendorf an den Filmhistoriker Enno Patalas.

Besprochen werden Jakob Lass' "Sowas von da", in dem es laut Lukas Stern in der Berliner Zeitung um "Koksen und Kotzen und Krebs" geht, Jon Turteltaubs Monsterfilm "The Meg" (SZ, unsere Kritik hier) und Eran Riklis' israelischer Agententhriller "Aus nächster Distanz" (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.08.2018 - Film

Bild- und Erzählmaschine: Mariano Llinás "La Flor" (Bild: Festival Locarno)

Mit einem Goldenen Leoparden für Yeo Siew Huas "A Land Imagined", einem bedrückende nüchternen Film über die Arbeitskultur in Asien, ist am Wochenende das Filmfestival von Locarno zu Ende gegangen. Gerechnet hatte mit dieser Entscheidung allerdings niemand: NZZ-Kritikerin Susanne Ostwald wittert in dieser offenbar thematisch gefällten Entscheidung gar einen Verrat an der Filmkunst. Auch Daniel Kothenschulte winkt in der FR angesichts dieses "Pastiches aus Versatzstücken des Autorenfilms" eher ab und präsentiert stattdessen einen ausgemachten Liebling der KritikerInnen: Mariano Llinás in sechs Etappen gezeigter, knapp 14-stündiger "La Flor", der "alle Spielarten des Erzählkinos zelebriert: Vom Hollywood-Musical über das B-Picture bis zur französischen Nouvelle-Vague stellt sie der Filmemacher in den Dienst einer schwelgerisch-surrealen Traumerzählung. Dass er bei der Preisverleihung leer ausging, verwunderte viele bei diesem Festival der Extreme."

Auch Lukas Foerster hat sein Herz an diesen Film verloren, wie er in der taz schreibt: Um die "Verkomplizierungen und (durchaus gezielten) Verwirrungen und selbst um die exorbitante Länge kümmert man sich gar nicht mehr, wenn man erst einmal im Kino sitzt. Da ist man einfach nur überwältigt von der puren Lust am Fabulieren, die aus jeder einzelnen Szene spricht, von einer nimmersatten Bild- und Erzählmaschine, die fröhlich zwischen den Kontinenten und Zeitebenen hin und her springt." Auch Michael Pekler vom Standard kam mit jedem neuen Kapitel dieses Films "zunehmend aus dem Staunen nicht mehr heraus." Im Tagesspiegel freut sich Patrick Wellinski über die große Zahl "vielschichtig angelegter Frauenfiguren", die das Festival zu bieten hatte.

Stefan Reinecke schreibt in der taz einen Nachruf auf den TV-Dokumentarfilmemacher Klaus Wildenhahn, der mit seinen am Direct-Cinema orientierten Arbeiten unter anderem die Arbeitskämpfe der 70er und 80er beobachtet hatte. Der Filmemacher "war nicht nur die 'Fliege an der Wand'", erklärt Daniel Kothenschulte in der FR. "Seine Beobachtungen formte ein natürlicher Bildfluss und nicht zuletzt eine soziale Haltung, die mit der Intimität der Ästhetik in Einklang stand. Oder, anders ausgedrückt, die das den Menschen Abgeschaute in den Dienst einer höheren Menschlichkeit und politischen Relevanz stellte." Der NDR wiederholt in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ausgewählte Filme aus Wildenhahns Schaffen.

Weitere Artikel: Frank Junghänel hat sich für die Berliner Zeitung auf ein Gespräch mit Andreas Dresen über den DDR-Liedermacher und Baggerfahrer Gerhard Gundermann getroffen, über den Dresen gerade einen Film gedreht hat. Besprochen werden eine Heimkino-Veröffentlichung von Richard Lesters Antikriegsfilm "Wie ich den Krieg gewann" mit John Lennon (SZ) und Annekatrin Hendels Dokumentarfilm "Familie Brasch" (Freitag).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.08.2018 - Film

Lyrische Bilder: "Gangbyun Hotel" von Hong Sang Soo (Bild: Filmfestival Locarno)
Zum letzten Mal unter Carlo Chatrians Leitung werden heute Abend in Locarno die Preise verliehen. Susanne Ostwald  zieht in der NZZ Bilanz und drückt Hong Sang Soo alle Daumen, schließlich hat er mit "Gangbyun Hotel" einen "überragenden Beitrag" geliefert. Es geht um "einen lebensmüden alten Dichter, der sich ein letztes Mal mit seinen beiden Söhnen trifft, und einer jungen Frau, die vor einer gescheiterten Beziehung mit einem verheirateten Mann geflohen ist und nun Trost von einer Freundin erfährt. In makellosen, lyrischen Bildern führt Hong Sang Soo diese Geschichten parallel, auf dass sie sich zu einem melancholischen Panorama des Daseins an sich weiten."

Bewusst hässlich gehalten: Jan Bonnys "Wintermärchen" (Bild: Filmfestival Locarno)
Dem deutschen Wettbewerbsbeitrag, Jan Bonnys an die NSU-Mordserie angelehnten Film "Wintermärchen", rechnet sie, obwohl sie ihn "hervorragend" findet, weniger Chancen aus: Zu sehr Thema, zu wenig Filmkunst als solche, die in Locarno hoch im Kurs steht. In Frédéric Jaeger von critic.de hat der Film, in dem "das Miteinander von Zügellosigkeit und Terror unnachgiebig das Menschliche des Bösen vorführt", jedoch einen Fürsprecher gefunden. SpiegelOnline-Kritikerin Hannah Pilarczyk sah einen "grenzenlos hässlichen Film. ... Wann hat sich ein deutscher Film zuletzt so vehement und unzweideutig mit Figuren der Zeitgeschichte auseinandergesetzt? Nach 'Wintermärchen' muss sich das deutsche Kino an neue Maßstäbe der politischen wie auch der persönlichen Dringlichkeit gewöhnen."

Katrin Doerksen von kino-zeit.de nimmt neben der McCarey-Retrospektive Milorad Krstics Animationsfilm "Ruben Brandt, Collector" als ganz großes Highlight von Locarno mit. Bei Artechock kürt Rüdiger Suchsland Philippe Lesages "Genesis" zu seinem Festivalhöhepunkt.

Weitere Artikel: Statt künftig den beim Publikum populärsten Film auszuzeichnen, sollte die Academy lieber neue Kategorien für Casting, Stunts und Trailer einrichten, schlägt David Steinitz in der SZ vor. Im Filmdienst schreibt Marius Nobach über das Verhältnis zwischen Cello und Kino. Zum 100. Geburtstag von Robert Aldrich hat der Filmdienst Michael Hanischs Würdigung aus dem Jahr 2003 online gestellt. Im Blog von epdFilm denkt Gerhard Midding darüber nach, warum Aldrich im deutschssprachigen Raum zuletzt so in Vergessenheit geraten ist.

Besprochen werden der neue "Mission Impossible"-Film mit Tom Cruise (Freitag, unsere Kritik hier), Matt Groenings neue Netflix-Serie "Disenchantment" (Welt) und Ed Herzogs Krimikomödie "Sauerkrautkoma" (Zeit).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.08.2018 - Film

Cary Grant vermisst Ginger Rogers in Leo McCareys "Once upon a honeymoon" von 1942


Ganz Locarno befindet sich im fröhlich lachenden Taumel. Zumindest, wenn man Daniel Kothenschulte in der FR glauben kann, der begeistert von der Leo McCarey gewidmeten Retrospektive berichtet. Insbesondere McCareys Stummfilme würden frenetisch gefeiert: "Die meisterhaften Langfilme von Chaplin, Harold Lloyd und Keaton haben uns vergessen lassen, zu welcher modernen Kunstform der Kurzfilm in den Hal-Roach-Studios gereift war - maßgeblich dank Leo McCarey. ... Es heißt, die große Zeit des Stummfilms in Hollywood sei eine Zeit der Unschuld gewesen. Für McCarey und seine Komiker aber ging es weniger um Poetisierung der Wirklichkeit als um eine analytische Bestandsaufnahme und die Bloßstellung der gesellschaftlichen Doppelmoral." Richtig populär wurde McCarey schließlich mit seinen Screwball-Komödien im Tonfilm, erklärt Esther Buss in der Jungle World: In seinen besten Filmen entwickle er gar "einen gewissen 'McCarey-Touch'. Musik spielt eine große Rolle, ebenso ein ungewöhnlich lebendiger, immer wieder auf Improvisation zurückgreifender Schauspielstil - in der gut geölten Hollywood-Maschinerie ein kleiner Systemausreißer."

Und hier McCareys wunderbarer Film "Ruggles of Red Gap" von 1935 - eine Emanzipationskomödie mit Charles Laughton:



Die für 2020 angekündigten Pläne der Academy, die Live-Übertragung der Oscar-Verleihung zu kürzen, sie nochmals um zwei Wochen nach vorne zu verlegen (was insbesondere die Berlinale interessieren dürfte) und mit der Kategorie "bester populärer Film" die Großproduktionen wieder zurück ins Programm zu holen, hält Thomas Klein von der Berliner Zeitung für keine guten: "Wer die besten Filme gegen die beliebtesten stellt, macht Umsatzzahlen preiswürdig und künstlerische Ambition zur Nischen-Sache." Auch Jürgen Schmieder ist in der SZ verzweifelt angesichts dieses Modernisierungsprogramms: "Es ist wirklich so hanebüchen, wie sich das nun liest. ... Mit dieser Entscheidung gibt die Akademie ihre Rolle als Bewahrer der Filmkunst zugunsten höherer Einschaltquoten auf." Und Wenke Husmann von ZeitOnline sieht in einer Auszeichnung für den größten Publikums "eine Ehrung, die nicht nur sinnlos wäre, sondern auch gleich noch das Publikum für dumm verkauft."

Weitere Artikel: Urs Bühler gratuliert dem Locarno-Maskottchen Pardo zum 50. Geburtstag. Fritz Göttler (SZ), Andreas Platthaus (FAZ) und Hans Helmut Prinzler (Tagesspiegel) schreiben Nachrufe auf den Filmhistoriker Enno Patalas.

Besprochen werden Cory Finleys "Vollblüter" (Tagesspiegel), Mike Newells "Deine Juliet" (Tagesspiegel), Jon Turtletaubs Haifisch-Blockbuster "The Meg" (Zeit, unsere Kritik hier) und Annekatrin Hendels Dokumentarfilm "Familie Brasch" (Berliner Zeitung).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.08.2018 - Film

Gestern Abend lief im Ersten Regina Schillings Essayfilm "Kulenkampffs Schuhe" über den Zusammenhang zwischen "Drittem Reich" und der Unterhaltungskultur im BRD-Fernsehen der 60er und 70er. Die Feuilletonkritiken trudeln langsam online und dank Mediathek ist das angesichts dieses sehenswerten Films auch heute noch aktuell. Der "großartige" Film ist überaus mehrschichtig, erklärt Bert Rebhandl im Cargo-Blog: Er ist "eine Geschichte der Nachkriegs-BRD im Spiegel ihrer Samstagabendliturgien, eine Familiengeschichte im Zusammenhang der kollektiven Geschichte, eine Krankengeschichte als Symptombild gesellschaftlicher Überanstrengung, und eine Geschichte von einer Geschichte, die nicht vergeht. ... Jede einzelne Sekunde in der Montage ist interessant", daneben "gibt es großartige Nebensächlichkeiten wie einen Auftritt von Fassbinder bei Rosenthal."

Cornelia Geißler erklärt in der Berliner Zeitung, dass "der Film durch die Folie der Unterhaltung ein eindrückliches Bild der frühen Jahre der Bundesrepublik zeichnet." Der Film "verblüfft, klärt auf, unterhält auf hohem Niveau", erklärt Harald Keller in der FR. "Nicht geringen Anteil daran haben der Cutter Jamin Benazzouz und die für den Dialogschnitt verantwortliche Luise Hofmann." Und Heike Hupertz erklärt in der FAZ: "Unter der Oberfläche der Harmlosigkeit dieser Unterhaltungsshows gibt es überall Bodenloses. Einiges sieht man erst durch Schillings Film."

Weitere Artikel: Im Standard resümiert Bert Rebhandl das Filmfestival in Jerusalem. Birte Carolin Sebastian spricht auf ZeitOnline mit der Schauspielerin Lily James. Barbara Hordych erinnert in der SZ daran, wie Klaus Lemke mit Cleo Kretschmer in Schwabing "Amore" gedreht hat. Urs Bühler widmet sich in den NZZ dem komödiantischen Angebot des Filmfestivals Locarno. Und eine amüsante Randnotiz: Disney darf auf seinem geplanten Streamingdienst offenbar seine eigenen "Star Wars"-Filme nicht ins Angebot nehmen, meldet watson.ch.

Besprochen werden Justin Bensons und Aaron Moorheads Horrorfilm "The Endless" (Perlentaucher, taz), Cory Finleys Thriller "Vollblüter" (taz, SZ), Eran Riklis' Thriller "Aus nächster Distanz" (Tagesspiegel, FR), Mike Newells "The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society" (NZZ) und der Monsterfilm "The Meg" mit Jason Statham (Perlentaucher, FR, NZZ, Standard).