Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.10.2021 - Film

Der Schock sitzt tief über den Unfall am Set des Low-Budget-Films "Rust", bei dem eine offenbar mit Platzpatronen bestückte Waffe nach einem Schuss von Alec Baldwin zum Tod der Kamerafrau Halyna Hutchins führte und den Regisseur Joel Souza schwerverletzt ins Krankenhaus brachte. Auf Yahoo.com liefert Ross A. Lincoln Hintergründe, wie es überhaupt dazu kommen kann, dass echte Waffen am Set benutzt werden (wirkt realistischer), und wieso selbst mit Platzpatronen bestückte Waffen durchaus tödliche Wucht entfalten können. Flottierenden Verschwörungstheorien, dass dem Schauspieler womöglich arglistig eine echte Patrone untergejubelt wurde, erteilt Claudius Seidl in der FAZ eine Absage: "Damit alles realistisch wirkt, mit dem Druck des Schusses und dem Feuer aus der Mündung, muss der Pistolenlauf umgebaut und manipuliert werden. Eine echte Patrone in einer solchen Waffe würde im Lauf explodieren und eher den Schützen als jemand anderen töten. Viel wahrscheinlicher, sagen Leute, die sich damit auskennen, sei es, dass irgendwelche Teile sich gelöst haben und mit der Wucht von Kugeln aus dem Lauf herausgeschossen sind. Dass Alec Baldwin zwei Schüsse abgegeben habe, behauptet niemand, getroffen wurden aber die Kamerafrau und der Regisseur." Weitere Hintergründe liefert Wolfgang Greber in der Presse.

Näher am Geschehen sind Meg James und Amy Kaufman, die für die L.A. Times berichten. Sie zeichnen das Bild einer schwer problembehafteten Produktion - bereits im Vorfeld des tödlichen Unfalls habe es Proteste gegen die im Zuge des niedrigen Budgets erdrückenden Arbeitsbedingungen gegeben. "Den Quellen zufolge wurden in der Industrie gängige Sicherheitsstandards, inklusive der Kontrolle der Waffen, am 'Rust'-Set in Santa Fe nicht durchgängig aufrecht erhalten. Mindestens ein Kameraassistent beklagte sich am letzten Wochenende gegenüber einem Produktionsmanager über mangelnde Waffensicherheit auf dem Set." So "feuerte Baldwins Stuntdouble bereits am Samstag versehentlich zwei Schüsse ab, nachdem ihm gesagt wurde, dass die Waffe 'kalt' sei. ... 'Man hätte untersuchen müssen, was da passiert ist', sagte ein Crewmitglied. 'Es gab keine Meetings zur Sicherheit. Niemand versicherte uns, dass es nicht noch einmal vorkommen würde. Alles, was sie wollten, war Tempo, Tempo, Tempo.'"

Außerdem: Im Standard spricht die Filmemacherin Jessica Beshir über ihren Debütfilm "Faya Dayi" über die Folgen der Droge Kat in Äthiopien.

Besprochen werden Wes Andersons "The French Dispatch" (Standard, Jungle World, mehr dazu bereits hier), Clint Eastwoods "Cry Macho" (Freitag, mehr dazu bereits hier), Dash Shaws und Jane Samborskis auf Mubi gezeigter Animationsfilm "Cryptozoo" (Tagesspiegel), die auf Disney+ gezeigte Serie "Reservation Dogs" (Freitag, mehr dazu bereits hier) und der Superheldenfilm "Venom 2" (Presse).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.10.2021 - Film

Drei Generation und ein See: "Walchensee Forever"

Im Filmdienst spricht Bettina Hirsch mit Janna Ji Wonders über deren (besprochen auf Artechock, ZeitOnline und in der SZ besprochenen) Dokumentarfilm "Walchensee Forever", in dem die Filmemacherin ihre Familiengeschichte matrilinear als Chronik weiblicher Emanzipation rund um ein von den Frauen ihrer Familie betriebenes Café erzählt. "Ich konzentriere mich dabei vor allem auf die Sicht der Frauen, von denen jede auf ihre Weise den patriarchalen Strukturen ihrer Zeit trotzt", sagt die Filmemacherin. "Meine Großmutter hat ihr Leben pflichtbewusst im Café am See verbracht, ganz hermetisch mit harter körperlicher Arbeit, symbolisch von äußeren Mauern umgeben. Die einzige kleine Rebellion gegen ihre Eltern war die Wahl ihres Ehemannes, der ja Künstler war. Im Gegensatz zu meiner Großmutter wollte sich meine Mutter dann aus der Enge des Dorfes befreien und ist als Fotografin und Musikerin um die Welt gereist. Der Walchensee hat aber auch sie nie ganz losgelassen. Ich wiederum habe heute eigentlich alle Freiheiten. Und ich habe das Gefühl, dass ich keine äußeren Mauern einreißen muss, sondern eher innere Mauern, um mich weiterzuentwickeln."

Außerdem: Im Standard empfiehlt Dominik Kamalzadeh die dem Filmkurator Amos Vogel gewidmete Retrospektive der Viennale. Rüdiger Suchsland schreibt auf Artechock einen Nachruf auf den Filmproduzenten Eberhard Hauff. Im Guardian schreibt Ai Weiwei einen Nachruf auf die Dokumentarfilmproduzentin Diane Weyermann.

Besprochen werden Monika Treuts Dokumentarfilm "Genderation" (Artechock), Clint Eastwoods "Cry Macho" (critic.de, SZ, Welt, mehr dazu bereits hier), Wes Andersons "The French Dispatch" (Artechock, NZZ, mehr dazu bereits hier), Yuri Ancaranis bei der Viennale gezeigter Film "Atlantide" (Standard, mehr dazu bereits hier), Todd Haynes' auf AppleTV+ gezeigte Doku "The Velvet Underground" (SZ, mehr dazu bereits hier), Dash Shaws und Jane Samborskis auf Mubi gezeigter Animationsfilm "Cryptozoo" (SZ), Laura Gabberts kulinarischer Dokumentarfilm "Ottolenghi und die Versuchungen von Versailles" (ZeitOnline), die Sky-Serie "Die Ibiza-Affäre" (FAZ), die Netflix-Serie "Squid Game" (taz) und die Netflix-Serie "Life's a Glitch", in der sich der Influencer Julien Bam selbst spielt (FAZ),

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.10.2021 - Film

Einer der letzten Helden der Kunst des 20. Jahrhunderts: Clint Eastwood in "Cry Macho"

Wenn Clint Eastwood in seinem neuen Film "Cry Macho" mit gestandenen 91 Jahren noch einmal in den Sattel steigt, schmelzen die Herzen aller Kritiker: Als Cowboy verhilft er in diesem, im Jahr 1979 spielenden Film einem mexikanischen Jungen zur Flucht. Mit dieser "herzergreifenden Geschichte" glückt Eastwood eine "faszinierende Metaebene", schreibt Daniel Kothenschulte in der FR: Eastwood "überlässt die Spielfläche der Leinwandpersona, seiner Lebensgeschichte als Schauspieler, ja seiner überwirklichen Aura. Natürlich muss ein vaterloser Junge, der seinen Kampfhahn Macho nennt, so einem Mann verfallen, der mit jeder Falte ein Cowboy ist. Es ist dieselbe verteufelte Coolness, die schon Sergio Leone vor bald sechzig Jahren in diesem Gesicht entdeckt hat. ... Wir blicken auf die Kunst des vergangenen Jahrhunderts mit den Augen eines ihrer letzten Helden."

Auch FAZ-Kritiker Bert Rebhandl erblickt in diesem Film vor allem Eastwoods Gesicht und darin wiederum die Spuren der Filmgeschichte: "Für Clint Eastwood ist dieser Mike Milo eine weitere von nun schon einer ansehnlichen Reihe von letzten Rollen, denen er immer wieder noch eine weitere hinzufügt." Zwar zeige er "keinerlei Ambitionen, das Männerkino neu zu erfinden. Es geht einfach darum, den Strom von Geschichten, die sich mit dieser hageren Gestalt mit der markant hohlen Stimme verbinden, nicht abreißen zu lassen. Eastwood ist keineswegs gefeit vor den Polarisierungen, die in der amerikanischen Gesellschaft auch dazu führen, dass Männer sich ständig als richtige Männer beweisen müssen", doch "als Star, als Mann, als Erzähler transzendiert er das alles, und fast schon ein bisschen auch sich selbst." Weitere Kritiken finden sich auf ZeitOnline und in der taz.

Besprochen werden Wes Andersons "The French Dispatch" (FR, Tagesspiegel, Welt, mehr dazu hier), Dave Gordon Greens "Halloween Kills" (so "blutrünstig und sadistisch wie bisher kein anderer Teil der ohnehin nie zimperlichen Serie", stellt Rajko Burchardt im Perlentaucher beeindruckt fest), Heinz Emigholz' "The Last City" (taz, Perlentaucher Jochen Werner konstatiert "eine hochspannende neue Schaffensphase"), die Miniserie "Die Ibiza Affäre" auf Sky (taz, ZeitOnline, Presse), Janna Ji Wonders' Dokumentarfilm "Walchensee Forever" (Freitag, Tagesspiegel) und der Superheldenfilm "Venom 2" (SZ).
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.10.2021 - Film

Bill Murray als Zentrum in einem Wimmelbildfilm: "The French Dispatch"

Wes Andersons neuer Film "The French Dispatch" ist eine Liebeserklärung ans schön gestaltete Printmagazin. Die Geschichten des deutlich am New Yorker orientierten Magazins bilden dabei die mit übersprudelnder kreativer Energie gestalteten Episoden des Films, die noch bis in kleinste Winkel mit Stars vollgestopft sind. So ist "The French Dispatch denn auch "mehr Wimmelbild als Film", hält Juliane Liebert in der SZ fest. "Wer am schnellsten die meisten Schauspielerikonen findet, gewinnt. Tilda Swinton, Timothée Chalamet, Christoph Waltz, Elisabeth Moss, Bill Murray und Frances McDormand geben sich hier blitzschnell die Klinke in die Hand." Murray bildet allerdings das Zentrum, wenn er "als weiser Chefredakteur nicht nur seine Redaktion zusammenhält, sondern den ganzen Film. Von ihm kann man lernen, dass Redakteure eigentlich nichts tun können, außer ihren Autoren gut zureden und drucken, was kommt. Und wenn Sie jetzt diesen Schlusssatz lesen, dann ist es wohl genauso passiert."

Auch dieser Anderson-Film ist wieder ein Puppenhaus und entspricht damit ziemlich ausgezirkelt der ästhetischen Marke dieses Auteurs (in der FAZ erklärt sie uns Jan Wiele), schreibt Andrey Arnold in der Presse: "Wer einen von Andersons Filmen gesehen hat, hat seine Bildsprache gemeinhin intus und abrufbar. Dann reicht bereits ein zentralperspektivisches Standbild, und die ganze wunderliche Anderson-Welt flammt im Hippocampus auf." Und dennoch muss Arnold "konstatieren, dass es doch wieder ein schöner und durchaus sehenswerter Film geworden ist." Übersatt rollt tazler Tim Caspar Boehme aus dem Kino: "Am Ende ist es ein bisschen viel. ... Der Film zerfällt darüber in lauter Vignetten, die sich gegenseitig ausbremsen und deren ausgestellte Künstlichkeit für zunehmende Distanz beim Betrachten sorgt. Man fühlt sich wie vor einer exquisiten Pralinenschachtel, von der ein, zwei Stück hervorragend schmecken mögen, die man aber besser nicht in einem Zug aufessen sollte."

Katrin Gänsler berichtet in der taz vom Filmfestival Fespaco in Ouagadougou in Burkina Faso, wo unter anderem über die Lage der afrikanischen Filmindustrien gesprochen wird. Ein Problem, das sich diesen stellt: Es gibt kaum noch Kinos, seit "in den Achtzigerjahren mit einem Strukturanpassungsprogramm von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) begonnen" wurde: "Verschuldete afrikanische Staaten sollten zinsgünstige Kredite bekommen, wenn sie ökonomische Reformen durchführen. Im Senegal führte das dazu, dass die Regierung unter anderem die nationale Kinogesellschaft privatisierte ... Sie betrieb damals 80 Kinosäle, die verkauft und in Einkaufzentren und Geschäftsgebäude umgewandelt wurden. In neue Kinos wird heute mit einer Ausnahme nicht mehr investiert. Das französische Bezahlfernsehen Canal Plus, das im frankophonen Afrika massiv um Zuschauer*innen wirbt, betreibt unter dem Namen Canal Olympia eigenen Angaben zufolge 18 Kinosäle in 12 Ländern."

Außerdem: Die Aufregung um Dave Chappelles Comedyspecial "The Closer" (mehr dazu) ist ein großes Missverständnis, meint Wenke Husmann im Kommentar auf ZeitOnline: "Die Erwartungshaltung gegenüber Comedy, sie habe unserer moralischen Erbauung zu dienen, ist eine grundfalsche." Wilfried Urbe berichtet in der taz von den Diversitätsplänen bei BBC und Netflix. Im Standard empfiehlt Dorian Waller die Retrospektive Terence Davies der Viennale. Der auf abwegig verdrehte Horrorfilme spezialisierte Filmemacher M. Night Shyamalan wird der nächsten Berlinale als Jurypräsident vorstehen, meldet Susan Vahabzadeh in der SZ. Besprochen wird Andrew Haighs auf Magenta TV gezeigte BBC-Miniserie "The North Water" (taz).

Und: Wir freuen uns! Zwei bei uns veröffentlichte Texte sind für den Siegfried-Kracauer-Preis für die beste Filmkritik des Jahres nominiert. Einmal Olga Baruk über "Space Dogs" und Lukas Foerster über Alexander Kluges und Khavns Experimentalfilm "Orphea".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.10.2021 - Film

Dave Chappelles Netflix-Comedyspecial "The Closer" wird erheblich kritisiert: Transfeindlichkeit lautet der Vorwurf, bei Netflix selbst drohten Mitarbeiter mit einem Streik, eine diesbezüglich besonders engagierte Person wurde bereits entlassen. Würde sie Chappelles Gags bloß auf dem Papier lesen, würden sie wohl auch auf sie verletztend wirken, glaubt die Schriftstellerin Nele Pollatschek in einem SZ-Gastbeitrag. Dennoch hat sie selbst Stunden nach der Sichtung "immer noch Tränen in den Augen (wirklich wahr, ich heule), nicht vor Verletzung, sondern vor Rührung, Befreiung, sowas Unaussprechlichem wie Menschenliebe?" Denn "auch wenn man Chapelle bei vielem Unrecht gibt, von Israel bis Geschlechteridentität, glaubt man ihm, dass er mit menschlichem Leid mitfühlt. ... In Chappelles Comedy leidet jeder, und jeder verdient Mitleid, und jeder verdient es, ob er will oder nicht, dass sein Leid zu Kunst sublimiert wird. Chappelles Kunst ist Comedy."

Außerdem: Fritz Göttler schreibt in der SZ einen Nachruf auf den Produzenten und Drehbuchautor Eberhard Hauff. Besprochen werden Clint Eastwoods "Cry Macho" (Tagesspiegel), die Joyn-Serie "Blackout" mit Moritz Bleibtreu (FAZ) und die auf Arte gezeigte, spanische Miniserie "Foodie Love" (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.10.2021 - Film

Stets zweigeteilt: "The Velvet Underground" operiert auf der Bildebene (AppleTV+)

Mit seinem schlicht nach der Band benannten, auf AppleTV+ gezeigten Dokumentarfilm über The Velvet Underground verlässt der Autorenfilmer Todd Haynes die ausgetrampelten Pfade der öden Musikdoku. Die Kritiker danken es ihm von Herzen: "Auf beglückende Weise" rückt Haynes den Fokus "auf die damals unerhörten Spielweisen, Klänge und Songs, die sich aus dem Zusammentreffen der scheinbar so unterschiedlichen Charaktere John Cale und Lou Reed ergaben", lobt Jens Balzer auf ZeitOnline. Haynes orientiert sich eher an den Experimentalfilmen eines Jonas Mekas, erfahren wir: "Die Bildfläche ist durchgehend geteilt, neben den ruhig gefilmten sprechenden Köpfen sind Konzertaufnahmen zu sehen, aber auch allerlei Material aus der zeitgenössischen Kino- und Performance-Avantgarde, etwa von Filmemachern wie Jack Smith. Es flimmert und wackelt, die Bilder sind zerkratzt und bearbeitet."

Dass es noch ein paar gängige "Talking Heads" aus der Tonspur ins On des Filmbildes geschafft haben, findet Dierk Saathoff in der Jungle World hingegen schade, wie er es auch bedauerlich findet, dass der Film die Band von der Gegenwart ziemlich abkapselt: Haynes "erzählt historisch über die Band, er hat wohl auch keine andere Möglichkeit, sie als etwas Vergangenes und Abgeschlossenes zu behandeln. Wieso das aber so ist, also die Frage danach, wieso eine so radikale Band wie The Velvet Underground, deren Universum von Schwulen und Transsexuellen, von Outlaws und anderen Ausgestoßenen, von verzweifelt Liebenden und Traurigen bevölkert ist, kein Vorbild mehr für Menschen von heute abzugeben vermag - diese Frage wenigstens zu stellen, bleibt der Film schuldig."

Außerdem: Jüngste Netflix-Fantasyserien wie "Ragnarök" oder "Sweet Tooth" zeigen, dass der wahre Horror "in der patriarchalen, heteronormativen Familie und im kapitalistisch-industriellen Wirtschaftssystem" stecke, donnert Christine Lötscher in der Geschichte der Gegenwart.

Besprochen werden die Netflix-Erfolgsserie "Squid Game" (Freitag, Tagesspiegel), die auf AppleTV+ gezeigte Fußballserie "Ted Lasso" (NZZ), Christophe Honorés "Zimmer 212" (SZ, mehr dazu hier) und der Horrorfilm "Halloween Kills" mit Jamie Lee Curtis (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.10.2021 - Film

Lukas Foerster schreibt im Filmdienst über die Filme von Abbas Kiarostami, dem das Berliner Kino Arsenal und der Streamingdienst La Cinetek derzeit Retrospektiven widmen.

Besprochen werden Ridley Scotts "The Last Duel" (NZZ, unsere Kritik hier), Gabriele Muccinos Italienfilm "Auf alles, was uns glücklich macht" (online nachgereicht von der FAZ), Chas Gerretsens Fotoband mit Eindrücken von den Dreharbeiten zu Francis Ford Coppolas "Apocalypse Now" (SZ) und die ZDFneo-Serie "Wir" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.10.2021 - Film

Auf Artechock setzt Rüdiger Suchsland (der uns nebenbei noch die ARD-Langzeitdoku über Kevin Kühnert ans Herz legt) auch film- und kulturpolitisch große Hoffnungen auf die Ampelkoalition und insbesondere auf die FDP: Diese, "so hört man aus den Koalitionsverhandlungen, will die FFA abschaffen. Hoffentlich stimmt die Info, hoffentlich setzen sie sich damit durch. Nur Mut, ihr Liberalen! Alles ist besser als der gegenwärtige Zustand. Man kann faule Glieder nicht mit Lavendelwasser heilen, und die wirtschaftliche Filmförderung wird nur dann besser, wenn sie von Grund auf neu gebaut werden wird."

Weitere Artikel: Netflix-Angestellte planen einen Massenstreik, weil sie David Chappelles von ihrem Haus online gestelltes Comedyspecial "The Closer" für transphob halten, meldet Sonja Thomaser in der FR. Matthias Lerf porträtiert im Tagesanzeiger die koreanische Schauspielerin Jung Ho-yeon, die mit der Netflix-Serie "Squid Game" zum Superstar geworden ist. Jens Hinrichsen empfiehlt im Tagesspiegel die Retrospektive Heinz Emigholz im Berliner Haus der Kulturen. Die FAZ hat ihr Gespräch mit Moritz Bleibtreu zu seiner neuen Serie "Blackout" online nachgereicht. Isabella Caldart wirft für 54books einen Blick auf queere Repräsentation in frühen Teenie-Serien.

Besprochen werden Ridley Scotts Ritterdrama "The Last Duel" (Presse, Artechock, Freitag, Welt, Zeit, mehr dazu hier), Christophe Honorés "Zimmer 212" (Artechock, FAZ, mehr dazu hier), "Resistance" mit Jesse Eisenberg als Marcel Marceau im Widerstand gegen die Nazis (Tagesspiegel), Harry Macqueens Demenzdrama "Supernova" (Freitag), Franz Böhms Dokumentarfilm "Dear Future Children" über junge Aktivisten (Artechock), die Netflix-Serie "Squid Game" (Artechock), Andrea Schramms Doku "Endlich Tacheles" (Tagesspiegel), Pepe Andreus Doku "Lobster Soup - Das entspannteste Café der Welt" (Filmdienst), Florian Gallenbergers "Es ist nur eine Phase, Hase" (Artechock), eine Ausstellung in Paris zur Frühgeschichte des Kinos (Tagesspiegel) und die ZDFneo-Serie "Wir" (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.10.2021 - Film

Duell der Plattenpanzerträger in feinfühliger Inszenierung: "The Last Duel" von Ridley Scott

Männliche Macht und Misogynie im Mittelalter: Ridley Scott holt in seinem (von den Schauspielern Matt Damon und Ben Affleck gemeinsam mit der Filmemacherin Nicole Holofcener geschriebenen) Ritterdrama "The Last Duel" die ganz großen Themen auf den Tisch, wenn zwei Ritter sich hier, mit dem Segen des Königs, duellieren, weil der eine die Frau des anderen vergewaltigt haben soll. Doch "entgegen aller Versuche bekommt der Film die Opferrolle der Frau letztlich nicht in ein feministisches Narrativ von tatsächlicher Handlungsmacht umgedeutet", schreibt Karsten Munt im Perlentaucher. "Paradoxerweise löst er die empathische Geste am ehesten dort ein, wo die Energie von Marguerites Widerstand in das Duell der Plattenpanzer-Träger kanalisiert wird." Umso begeisterter ist allerdings FR-Kritiker Daniel Kothenschulte von dem Film: "Selten hat Ridley Scott in den letzten Jahren dem Kammerspiel den Vorzug vor den großen 'set pieces' gegeben. Hier hat er auch künstlerisch zurückgefunden zu einem lange vernachlässigten Feingefühl in der Inszenierung." Einen Ridley Scott "in Bestform" erlebt auch Bert Rebhandl vom Standard.

"Zimmer 212": Pointen, Ernstes und Frivoles streut Christophe Honoré mit leichter Hand

Spielerischer geht es zwischen den Geschlechtern allem Anschein nach in Christophe Honorés "Zimmer 212" zu: Alte Liebesbeziehungen, neue Liebschaften, Träume, dazu Paris - und "all das mit einer Selbstverständlichkeit in Szene gesetzt, als ganz alltägliches Wunder", schwärmt Ekkehard Knörer in der taz. "Die Leichtigkeit, die Künstlichkeit, das Herz für den intellektuellen Boulevard, all das verweist auch auf den großen Filmemacher Alain Resnais. ... Honoré streut lässig, mit rechts, mit links, auf große Gesten verzichtend, Verweise, Gedanken, Pointen, Ernstes, Frivoles, Überwirkliches und allzu Reales."

Weitere Artikel: In der NZZ versuchen Andreas Scheiner (hier) und Hoo Nam Seelmann (hier) dem überwältigenden Reichweiten- und popkulturellen Erfolg der südkoreanischen Netflix-Serie "Squid Game" auf die Schliche zu kommen. Für die FR spricht Christina Bylow mit dem Filmemacher Franz Böhm über seinen Dokumentarfilm "Dear Future Children", der sich drei jungen Aktivisten an die Fersen heftet. Michael Ranze erinnert im Filmdienst an Yves Montand, der vor 100 Jahren geboren wurde.

Besprochen werden Julia Ducournaus Cannesgewinner "Titane" (Intellectures, unsere Kritik hier), Gabriele Muccinos "Auf alles, was uns glücklich macht" (taz), Jonathan Hensleighs "The Ice Road" mit Liam Neeson (Perlentaucher), Jonathan Jakuboviczs "Resistance" mit Jesse Eisenberg als Marcel Marceau (FR), Harry Macqueens Demenzdrama Supernova (critic.de), das von Katja von Garnier inszenierte Musical "Fly" (Tagesspiegel, Welt), die auf Joyn gezeigte Serie "Blackout" mit Moritz Bleibtreu (taz), der Dokumentarfilm "Sunset over Hollywood" über Rentner der Filmbranche (ZeitOnline) und der ARD-Film "Geliefert" mit Bjarne Mädel (ZeitOnline). Außerdem informieren uns die SZ-Kritiker darüber, welche Filme sich diese Filme lohnen und welche nicht.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.10.2021 - Film

Reservoir Dogs waren gestern, hier sind die Reservation Dogs (Disney+)

Patrick Heidmann freut sich in der taz über die auf Disney+ gezeigte Serie "Reservation Dogs", die erste, die von Native Americans geschrieben und produziert wurde. Gedreht wurde mitten im Nirgendwo in den USA. "Sehr eindrücklich" fange die Serie "die Trostlosigkeit dieser Welt ein, die Bear und Elora so gerne gegen das Unendliche weit weg und Kalifornien eintauschen wollen." Und auch wenn es unter anderem um die "Alltagsrealität amerikanischer Indigener" geht, ist die Serie dennoch nie "Sozial- oder Milieustudie, sondern immer in erster Linie Komödie. Der Humor ist oft albern und schräg."

Weitere Artikel: Sarah Pines spricht in der Welt mit den Gesellschaftsreportern Daphne Barak und Erbil Gunasti, die für ihre TV-Doku "Struggling for One America" mit Rechten, Konservativen und Trump-Anhängern in Hollywood gesprochen haben, die sich zwar bedeckt halten, was ihre politische Einstellung betrifft, um keine Einbußen hinnehmen zu müssen, aber offenbar sehr gerne in TV-Dokus darüber sprechen. Die ZDF-Kinderserie "Das Zockerhaus" sieht sich Vorwürfen gegenüber, sexistisch und homophob zu sein, berichtet Karsten Laske im Freitag. Schauspieler Christoph Maria Herbst plaudert in FR und ZeitOnline über seinen neuen Film "Es ist nur eine Phase, Hase". In der FR schreibt Daniel Kothenschulte einen Nachruf auf den Filmemacher Helmut Herbst, der aus dem Geist des Jungen Deutschen Films experimentelle Animations-, Kurz- und Dokumentarfilme produzierte. Ein Werkgespräch mit ihm gibt es auf Youtube:



Besprochen werden Ridley Scotts Ritterdrama "The Last Duel" (FAZ), die Netflix-Serie "Midnight Mass" (Freitag) und der ARD-Film "Geliefert" mit Bjarne Mädel (FR).