Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.10.2018 - Film

Dominik Kamalzadeh erkundigt sich für den Standard bei Eva Sangiorgi nach ihrer Arbeit als neue Leiterin der Viennale. Die verspricht nach dem überraschenden Tod des bisherigen Leiters Hans Hurch zwar durchaus Kontinuität, die sich viele gewünscht hatten, will sich die Arbeit an dem Festival allerdings auch nicht verbieten lassen. "'Eine meiner ersten Änderungen war es auch, die Programmkonsulenten auszutauschen', sagt Sangiorgi. Für das nächste Jahr plant sie überdies, ein Gremium zu installieren, das ihr bei der Auswahl behilflich ist. Der Mythos des Festivaldirektors als einziger Instanz bekommt mithin erste - durchaus berechtigte - Kratzer."

Weitere Artikel: Übermedien hat Matthias Dells großes Interview mit Rainer Bock online freigeschaltet, in dem der Schauspieler von seinen Erfahrungen beim Dreh der US-Erfolgsserie "Better Call Saul" berichtet. Ein neues Filmfördergesetz bereitet israelischen Filmemachern Sorge, berichtet Alexandra Föderl-Schmid in der SZ. Für ZeitOnline spricht Carolin Würfel mit der Schauspielerin Florence Kasumba, die ab Freitag in der zweiten Staffel von "Deutschland 86" zu sehen ist. In der taz empfiehlt Alicja Schindler Filme aus dem DokuArts-Festival im Berliner Zeughauskino.

Besprochen werden Matteo Garrones "Dogman" (Welt, FAZ), Gustav Möllers "The Guilty" (SZ) und Sönke Wortmanns "Der Vorname" (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.10.2018 - Film

Besprochen werden Hüseyin Tabaks Dokumentarfilm "Die Legende vom hässlichen König" über den kurdisch-türkischen Regisseur Yilmaz Güney (Tagesspiegel, mehr dazu hier) und Bernadett Tuza-Ritters Dokumentarfilm "Eine gefangene Frau" über eine Haussklavin (Jungle World, mehr dazu hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.10.2018 - Film

Auf Netflix läuft Paul Greengrass' "22. Juli" an, der nicht nur fast identisch so heißt wie Erik Poppes kontrovers diskutierter "Utøya 22. Juli" (hier unsere Kritik), sondern sich auch ebenfalls mit Anders Breiviks rechtsradikalem Anschlag befasst. Greengrass findet allerdings eine deutlich andere Strategie als Poppe, der Breivik zumindest im Filmbild gar nicht erst auftreten ließ, erklärt Tobias Kniebe in der SZ: Bei Greengrass geht es nämlich gar nicht so sehr um die Massaker selbst, "sondern um dessen Nachhall." Und damit "trifft Greengrass - der in Norwegen und ausschließlich mit norwegischen Darstellern gedreht hat, der internationalen Reichweite wegen aber in englischer Sprache - in der Folge klügere Entscheidungen als Erik Poppe".

Weitere Artikel: Beate Scheder porträtiert in der Berliner Zeitung die Schauspielerin Jana Fritzi Bauer. Besprochen werden Ramin Bahranis Neuverfilmung von "Fahrenheit 451" (SZ), Drew Goddards "Bad Times at the El Royale" (Freitag),
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.10.2018 - Film

Anlässlich von Hüseyin Tabaks Dokumentarfilm "Die Legende vom hässlichen König" über das Leben des kurdisch-türkischen Autorenfilmers Yilmaz Güney erzählt Hanns-Georg Rodek in der Welt Anekdoten aus dem Leben Güneys, dem die Türkei den ersten großen Auftritt in Cannes verdankte, wofür sich die politische Führung des Landes prompt mit diversen Verboten bedankte. Auch ins Gefängnis hatte man den Regisseur geschmissen, wo er sich vom Arbeiten nicht abhalten ließ: "Güney schreibt sieben Drehbücher, vier Romane und unzählige Zeitungsartikel. Weil ihm das verboten ist, erhöht sich mit jeder Publikation sein Strafmaß. Er ist aber auch ein Mustergefangener und erhält an manchen Wochenenden Freigang. Dann arbeitet er an den nächsten Filmen, die - nach seinen genauen schriftlichen Anweisungen - von renommierten Kollegen inszeniert werden; 'Dusman' (deutsch: Feind) erhält den Silbernen Bären in Berlin. Die Muster werden ins Gefängnis geschmuggelt, wo Güney sie auf Hofwände projiziert und in der Zelle schneidet."

Weitere Artikel: Im Kracauer-Stipendiatenblog des Filmdiensts verneigt sich Lukas Foerster vor dem französischen Regisseur Guillaume Brac und dessen neuen Film "L'île au trésor". Besprochen werden Ula Stöckls und Edgar Reitz' um 1970 entstandene Kurzfilm-Reihe "Geschichten vom Kübelkind", die nach einer Restaurierung wieder auf Kino-Tour geht (Filmdienst), Drew Goddards "Bad Times at the El Royale" (ZeitOnline), die Doku "Eine gefangene Frau" (Freitag, mehr dazu hier), die Serie "Sharp Objects" (Freitag) und die Netflix-Serie "Maniac" (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.10.2018 - Film

Kino der Interventionen: Bernadett Tuza-Ritters "Eine gefangene Frau"

Moderne Sklaverei: Eine Frau besorgt den Haushalt für eine Familie, dient den Kindern derselben als Sündenbock und muss ihr schmales Gehalt aus Fabrikarbeit noch bei der Familie abgeben. So geschehen in Ungarn, worüber Bernadett Tuza-Ritter mit "Eine gefangene Frau" einen Dokumentarfilm gedreht hat. Ein gutes Beispiel für ein gelungenes "Kino der Interventionen", lobt FR-Kritiker Daniel Kothenschulte. Zu dessen Merkmalen zählt es, "schon beim Filmen in das Gezeigte einzugreifen. In diesem Fall in einen unglaublichen, aber keineswegs außergewöhnlichen Fall von Ausbeutung. Der sachte und zurückhaltende Ton, die leisen, erklärenden Monologe der Protagonistin haben etwas Konspiratives. Daraus entsteht unterschwellige Spannung: Wann wird der Ausbruch gelingen? ... Wie jede Avantgarde überwindet auch das 'interventionalist cinema' eine Grenze. Was dieses bemerkenswerte Debüt indes respektiert, sind die Grenzen von Scham und Respekt."

Für die taz plaudert Benjamin Moldenhauer mit dem Filmhistoriker Christian Keßler, der sich in seinem neuen, sehr persönlichen Buch seiner Leidenschaft für Horrorfilme widmet: "'The Eye' habe ich mit Freunden zusammen geschaut. Als die Oma im Krankenhausflur erscheint, bin ich kreischend rücklings an die Heizung geflogen. Ein Triumph."

Besprochen werden Drew Goddards "Bad Times at the El Royale" (FR, Tagesspiegel), Christian Alvarts Thrillerverfilmung "Abgeschnitten" (ZeitOnline), Michael Moores trump-kritischer Dokumentarfilm "Fahrenheit 11/9" (NZZ), die französische Komödie "Verliebt in meine Frau" (Berliner Zeitung) und Matthew Weiners neue Amazon-Miniserie "The Romanoffs" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.10.2018 - Film

Großer Zeitdruck: Die zweite Staffel der Serie "4 Blocks"
Die im Berlin-Neuköllner Clan-Milieu angesiedelte Serie "4 Blocks" hatte mit ihrer ersten Staffel Maßstäbe für die hiesige Produktion gesetzt. Die nun anstehende zweite Staffel, diesmal inszeniert von Oliver Hirschbiegel und Özgür Yildirim, überzeugt ZeitOnline-Serienkritikerin Carolin Ströbele indessen gar nicht, insbesondere auch, weil sich in der Figurenentwicklung geradezu "schwarze Löcher" zwischen den beiden Staffeln auftun. "Man sieht der Fortsetzung an, dass sie unter großem Zeitdruck entstanden ist. ... Es ist verständlich, dass die Produktion schnell an den Erfolg des vergangenen Jahres anschließen wollte - die Erinnerungsspanne im Seriengeschäft ist schließlich kurz. Dafür wurde an der Handlung gespart. Oder, um es im 4-Blocks-Jargon zu sagen: Wenn der Stoff so gut ankommt, kann man ihn ruhig ein bisschen strecken. Vieles ist lieblos arrangiert und montiert." In der taz ist auch Jens Mayer unzufrieden: Die neuen Folgen "wirken gehetzt inszeniert, so viele Erzählstränge und Figuren müssen sie unterbringen."

Deutlich anders sieht es Claudia Schwartz in der NZZ: Zwar wundert auch sie sich darüber, dass manche Figuren im Staffelsprung wenig kontinuierlich wirken, doch ist "4 Blocks" für sie quasi das TV-Begleitprogramm zur Clan-Debatte der letzten Wochen: Die Serie "entwickelt ihre realistische Qualität, weil sich hier das Fernsehen einmal nicht als moralische Anstalt versteht. ... Die Sehnsucht, anzukommen und in der Mehrheitsgesellschaft anerkannt zu werden, breitet sich in immer größerer Verzweiflung im Bild aus. Bei den Männern mündet das in entgrenzte patriarchalische Brutalität."

Weitere Artikel: Im Tagesspiegel spricht Andreas Busche mit dem Filmemacher Paul Greengrass, der mit seiner Netflix-Produktion "22. Juli" nach Erik Poppes "Utøya 22. Juli" den zweiten Film über Anders Breiviks Terroranschlag gedreht hat. Fritz Göttler schreibt in der SZ zum Auftakt des Underdox-Festivals in München.

Besprochen werden Hüseyin Tabaks Dokumentarfilm "Die Legende vom hässlichen König" über den kurdisch-türkischen Filmemacher Yılmaz Güney (FAZ, taz), Drew Goddards Neo-Noir-Thriller "Bad Times at the El Royale" (Berliner Zeitung, taz, SZ), Bernadett Tuza-Ritters Dokumentarfilm "A Woman Captured" (taz), Vitali Manskis Putin-Doku "Putin's Witnesses" (NZZ), Paolo Sorrentinos Berlusconi-Satire "Loro" (NZZ), Christian Alvarts gleichnamige Verfilmung von Sebastian Fitzeks Thriller "Abgeschnitten" (Berliner Zeitung), Debra Graniks "Leave No Trace" (NZZ) und der Dokumentarfilm "Elternschule" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.10.2018 - Film

Szene aus Andreas Dresens "Gundermann"


Die DDR als Boutique und Vorstellung: Matthias Dell hat für den Tagesspiegel genau hingesehen, wie jüngere Filme insbesondere in den Interieurs die DDR darstellen. Als interessant sind ihm dabei lediglich Matti Geschonnecks "In Zeiten des abnehmenden Lichts" und Andreas Dresens "Gundermann" aufgefallen, die sich mit neuen Ideen von der Vorstellung der DDR als reinem Retro-Fundus emanzipieren: "In beiden Fällen reagieren die Interieurs auf die plakative Routine, mit der die DDR im deutschen Kino über ihre signifikantesten Objekte zu Tode entworfen wurde: Sie wiederbeleben das Erscheinungsbild der DDR mit einer geradezu luxuriösen Fülle und Unordnung, und sie verzichten auf die üblichen Requisiten-Klischees in der DDR-Ausstattung." Außerdem erfahren wir von der Ausstatterin Susanne Hopf, wie schwierig es mittlerweile in der gründlich aus dem Straßenbild wegsanierten DDR ist, noch günstige Orte für Außendrehs zu finden.

Weitere Artikel: In der Berliner Zeitung gratuliert Ralf Schenk dem Regisseur Günter Stahnke zum 90. Geburtstag. Besprochen werden Drew Goddards Neo-Noir-Thriller "Bad Times at the El Royale" (Standard), die Serie "American Vandal" (FR) und die Comicverfilmung "Venom" mit Tom Hardy (SZ).
Stichwörter: DDR, Filmausstattung

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.10.2018 - Film

Im Cargo-Blog veröffentlicht Bert Rebhandl seine Notizen vom Filmfestival in Toronto. Im Freitag sprechen Pepe Egger, Christine Käppeler mit den Autoren Jana Burbach und Oliver Kienle über ihre Arbeit an der zweiten Staffel der Banker-Serie "Bad Banks". Gary Budden blickt für The Quietus zurück auf Martin Rosens vor 40 Jahren veröffentlichten Animationsfilm "Watership Down", der eine ganze Generation von Kindern traumatisiert haben dürfte.

Besprochen werden Ruth Beckermanns Dokumentarfilm "Waldheims Walzer" (Tagesspiegel) und Wojciech Smarzowskis kirchenkritischer Film "Klerus" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.10.2018 - Film

Szene aus Polanskis "Rosemary's Baby"

Im Jungle-World-Essay führt Magnus Klaue Roman Polanskis "Rosemary's Baby" und die (kurz nach der Premiere des Films vollzogenen) Manson-Morde eng: "Mit einer präzisen Fantasie, wie sie wohl nur jemand aufbringt, der die Gesellschaft, deren Teil er ist, immer auch als Exterritorialer erfährt, entfaltet Polanski das politische Unbewusste der Achtundsechziger-Zeit, indem er deren vermeintliche Modernität als fortwesenden Archaismus vor Augen führt. ...  Doch ergiebiger als der Versuch, die Tate-Morde als reenactment von Polanskis Film zu deuten, dürfte es sein, 'Rosemary's Baby' als Darstellung und Analyse der kollektiven psychischen Disposition zu verstehen, die jene Morde ermöglicht hat. Die Fantasiewelt des Horrorfilms wurde für Polanski zur adäquaten Denkform bei der Beantwortung der Frage, wie eine von Libertinage, Zukunftsoptimismus und Experimentierfreude geprägte Gesellschaft aus ihrer eigenen Dynamik heraus auf Naturglauben, gemeinschaftsselige Schicksalsergebenheit und glücksbesoffene Apokalpytik regredieren kann."

Besprochen werden Ruth Beckermanns "Waldheims Walzer" (Freitag, mehr dazu hier) und der auf Heimmedien veröffentlichte "Summer of '84" von François Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.10.2018 - Film

Autoritäten und Hierarchien: Wojciech Smarzowskis "Kler"
In Polen stellen sich Klerus, Konservative und die nationalistische Rechte auf die Hinterbeine gegen Wojciech Smarzowskjs Film "Kler", wie Jan Opielka in der FR schreibt, "künstlerisch höchst radikaler und offenbar wirkungsvoller Hieb gegen die katholische Kirche Polens", der zudem noch die Kinokassen landauf, landab zum Klingeln bringt: "Smarzowski projiziert die Themen Kindesmissbrauch sowie Geld- und Machtgier in der Kirche schonungslos auf seine Heimat. ... Die Mechanismen der Autoritäts- und Hierarchiebildung, die er in fiktiver Überspitzung zeigt, stabilisieren seit Jahrhunderten das Innere der Institution der katholischen Kirche und ihren korrumpierenden Kern - nicht nur in Polen. "

Weitere Artikel: Im Tagesspiegel empfiehlt Andreas Busche die von Perlentaucher-Kritiker Lukas Foerster kuratierte Abel-Ferarra-Werkschau im Berliner Kino Arsenal (mehr dazu hier). Susan Vahabzadeh schreibt in der SZ über ihr Treffen mit Bradley Cooper und Lady Gaga, die ihren gemeinsamen (in der Welt besprochenen) Film "A Star is Born" promoten. Urs Bühler berichtet in der NZZ von Johnny Depps Stippvisite beim Zurich Film Festival. Anna Edelmann und Thomas Willmann resümieren bei Artechock das Fantasy Filmfest 2018. Gerhard Midding führt bei epdFilm durch das Programm der Kölner Filmreihe "Zwischen Anmut und Tragik", die ausgesuchte japanische Filme präsentiert.

Besprochen werden Ruth Beckermanns "Waldheims Walzer" (FR, mehr dazu hier), Christoph Hübners und Gabriele Voss' Essayfilm "Nachlass" (Filmdienst), Claus Drexels beim Zurich Film Festival gezeigter Dokumentarfilm "America" (NZZ), Susan Gordanshekans "Die defekte Katze" (Freitag), die Netflix-Serie "Élite" (FAZ) und die Ausstellung "Zwischen den Filmen: eine Fotogeschichte der Berlinale" im Filmmuseum in Berlin (Filmdienst).