Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.03.2017 - Film


"Über Barbararossaplatz" (Bild: WDR)

Ziemlich begeistert sind die Kritiker von Jan Bonnys Fernsehserie "Über Barbarossaplatz", deren erste Episode das Erste heute ausstrahlt. Es geht um die Beziehungen zwischen Psychotherapeuten und Patienten - "also ans Eingemachte", freut sich Axel Weidemann in der FAZ: "In kurzen Etappen und mit sprunghaften Schnitten folgt die Kamera den Figuren und ihrer Drangsal. Der Einsatz der Handkamera sorgt für intensive Nähe. So kommen Szenen zustande, die wirken, als fühlten sich die Schauspieler unbeobachtet, als gingen sie ihrer ganz alltäglichen Selbstzerstörung nach." Jens Müller von der taz lobt "die drei famosen, fantastischen, fulminanten Hauptdarsteller Bibiana Beglau, Joachim Król und Franziska Hartmann" und geht den Fassbinder-Vergleichen nach, mit denen der Regisseur bereits belegt wird.

Elmar Krekeler ärgert sich in der Welt prächtig darüber, dass der Sender so wagemutige Erzählexperimente im Spätprogramm vebuddelt: "Den Mut amerikanischer und skandinavischer Serienerzähler bewundern, sich aber bei der ersten sich bietenden Gelegenheit vor möglichen, vielleicht sogar erwartbaren Publikumsreaktionen hinter dem Schlafbaum des normalen Angestellten zu verstecken, ist peinlich." Ähnlich sieht es Fernsehkritiker Rainer Tittelbach in seinem Online-Journal.

Weiteres: Die FAZ hat Alexander Horwaths Plädoyer für analoges Filmmaterial in der Debatte um das Filmerbe online nachgereicht. Sebastian Dörfler erinnert in der taz zum 20-jährigen TV-Jubiläum von Joss Whedons "Buffy - The Vampire Slayer" daran, wie die einflussreiche Teenie-Horrorserie damals das Patriarchat zur Primetime zerlegte. Die FAS hat Mariam Schaghaghis Gespräch mit Scarlett Johansson über deren neuen Film "Ghost in the Shell" online nachgereicht. Wenn deutsche Fernsehproduktionen sich mit dem Thema "Überwachung" beschäftigen, entstehen dabei Seifenopern, gähnt Carolin Ströbele auf ZeitOnline. Im Tagesspiegel schreibt Christiane Peitz zum Tod des Berliner Kinomachers Franz Stadler. Unter anderem ZeitOnline meldet, dass die Schauspielerin Christine Kaufmann gestorben ist.

Besprochen werden Pia Lenz' Dokumentarfilme "Alles gut" über Geflüchtete in Hamburg (SZ) und Aki Kaurismäkis "Die andere Seite der Hoffnung" (Berliner Zeitung, unsere Kritik hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.03.2017 - Film

In der FAZ plädiert Alexander Horwath vom Österreichischen Filmmuseum für ein Umdenken in der deutschen Debatte um das Filmerbe: Selbst engagierte Kommentatoren versteiften sich schon viel zu sehr auf die Digitalisierung als einzige Möglichkeit der Überlieferung der Bestände. Der Film selbst drohe dabei, verloren zu gehen und bloß auf Content reduziert zu werden. Denn: "Der historische Charakter des Mediums wird erst begreiflich, wenn man darin nicht primär ein 'Ding' sieht, sondern ein Aufführungsereignis, das maschinell hervorgebracht wird und zeitlich bestimmt ist." Für die historischen Archive ergeben sich laut Horwath drei Sammelaufträge: "Erstens: seine Notation - die aufgerollten und kopierfähigen Filmstreifen ... Zweitens: die Projektionsvorrichtungen, um Serien statischer Fotografien in jene vergrößerten und zeitlich bestimmten Bewegtbild-Ereignisse zu verwandeln, die Film sind. Drittens: die gebauten und verdunkelbaren Räume, um das Ergebnis solcher Verwandlungen adäquat sichtbar zu machen." An der Sicherung der Bestände auf Analogfilm führt für Horwath daher kein Weg vorbei.



Passend dazu: Auf klassischem Filmmaterial hat tatsächlich auch Aki Kaurismäki seinen neuen Film "Die andere Seite der Hoffnung" gedreht, der zum Kinostart in einigen wenigen Häusern von einer analogen Filmkopie gezeigt wird (so etwa hier in Berlin). In der Zeit schwärmt Georg Seeßlen von dem Film, der zwar keine politische Hässlichkeit verschweigt, aber dennoch nicht bloß ein "realistischer Film" ist: "Das hat nicht nur mit Kaurismäkis höchsteigener Poetik der Reduktion zu tun, mit den wundersam dekorierten Innenräumen, dem Nebeneinander von moderner Technik und nostalgischen Reminiszenzen in Gerätschaften aus den fünfziger und sechziger Jahren - Schreibmaschinen, Jukeboxes, Radiomonstren. Es liegt auch an der Verflechtung von Musik und Handlung (...), an den wunderbar unbewegten Gesichtern der Schauspieler in den Rollen von Menschen, die fest entschlossen scheinen, sich von keiner Gemeinheit des Lebens noch überraschen zu lassen." Hier unsere Besprechung zur Berlinale-Premiere des Films.

Weiteres: Für die Welt unterhält sich Hanns-Georg Rodek mit der britischen Autorin Paula Milne, die das Drehbuch zu Oliver Hirschbiegels ZDF-Dreiteiler "Der gleiche Himmel" geschrieben hat, in dem Tom Schilling einen Romeo-Spion der DDR in den 70ern spielt (hier ab 10 Uhr die erste Folge online).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.03.2017 - Film

Im Freitag spricht Matthias Dell mit dem Psychologen und Autor Red Haircrow, der mit einer Crowdfunding-Kampagne die finanziellen Mittel für den Film "Forget Winnetou" zusammentragen will. Darin soll es vor allem um die sonderbaren Images der Native Americans gehen, die sich selbst noch in der aktuellsten Winnetou-Verfilmung dem im Vorfeld postulierten Realismus-Anspruch zum Trotz niedergeschlagen haben. So spricht etwa die Titelfigur im letzten Winnetou-Film eine Sprache, die mit der der Apachen nicht das geringste zu tun hat."Ich glaube nicht", sagt Haircrow zu seinem geplanten Film, "dass Karl May gewollt hätte, eine Form der kulturellen Aneignung über Jahrhunderte zu konservieren. In den späten Jahren, als er nach Amerika gereist war, hatte sich sein Bild geändert. Heute, 100 Jahre danach, gibt es ein anderes Wissen, neue Bücher, die Leute können hinfahren, sich besser informieren über die Natives. Sie müssen also nicht an Stereotypen festhalten, die überholt sind. Dabei bestand bei dem Winnetou-Film ja Hoffnung, dass er was Neues macht. Aber dann blieb das Bild der Natives wieder reduziert auf Stereotype. Das war enttäuschend."

Weiteres: Für die SZ hat Martin Wittmann Jake Gyllenhaal im Berliner Hotel Adlon besucht. Besprochen werden James Grays Abenteuerfilm "Die versunkene Stadt Z" (taz) und der auf DVD veröffentlichte Internet-Horrorfilm "Bedeviled" (Filmgazette).
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.03.2017 - Film

Matthias Rüb bringt in der FAZ Hintergründe dazu, dass das Havana Film Festival in New York Carlos Lechugas von der kubanischen Regierung nach anfänglichen Auszeichnungen unter Verschluss gehaltenen Film "Santa y Andrés" wieder aus dem Wettbewerbsprogramm genommen hat (mehr dazu in Variety): "Zur Begründung sagte Festivalchefin Carole Rosenberg, Lechugas Film habe 'im Internet zu viel politischen Staub aufgewirbelt', und weil das Festival 'nichts mit diesen politischen Gerüchten zu tun' haben wolle, habe man sich zu diesem Schritt entschlossen. ... An dieser Darstellung zweifeln viele. Denn die Veranstalter des seit 2000 bestehenden Havana Film Festivals von New York erfüllen ihre angeblich apolitische 'Mission als Brückenbauer' auch durch die Organisation von Reisen für Amerikaner nach Kuba. Zu den Sponsoren des Festivals gehören auf Kuba spezialisierte amerikanische Reisebüros."

In Iran lässt man wirklich keine Gelegenheit aus, um die eigenen Künstler zu gängeln. Nun stellen sich die Machthaber des Landes auf die Hinterbeine, weil in Israel ein Interview mit dem gerade in Los Angeles mit dem Oscar ausgezeichneten Regisseur Asghar Farhadi aufgetaucht ist. Dabei handelt es sich um kein Exklusivinterview, wie der Regisseur versichert, sondern um ein bei der Berlinale gegebenes Press Junket. Doch "im Iran ist jeder Kontakt mit dem sogenannten 'Erzfeind' Israel strikt verboten, deshalb könnte das publizierte Gespräch für Farhadi gefährlich werden", erklärt Christiane Peitz im Tagesspiegel.

Weiteres: Carolin Haentjes spricht im Tagesspiegel mit der Regisseurin Marie-Castille Mention Schaar über deren (von Leyla Yenirce besprochenen) Film "Der Himmel kann warten", der von der Rekrutierung und Radikalisierung einer französischen Jugendlichen durch den Islamischen Staat handelt. Der Verband der deutschen Filmkritik protestiert mit einer Unterschriftenaktion gegen die Kündigung von Anke Westphal, der Filmredakteurin der Berliner Zeitung. Für den Standard spricht Bert Rebhandl mit Raoul Peck über dessen Film "Der junge Karl Marx".

Besprochen werden Daniel Espinosas Science-Fiction-Film "Life" (FR, unsere Kritik hier), der Dokumentarfilm "Bauer Unser" (Tagesspiegel) und die Kifferkomödie "Lommbock" mit Moritz Bleibtreu (SZ, FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.03.2017 - Film


Leuchte der Menschheit: Jake Gyllenhaal in "Life" (Bild: Sony)

Mit seinem bereits gestern veröffentlichten, deftigen Verriss von Daniel Espinosas Science-Fiction-Horrorfilm "Life" steht FAZ-Kritiker Dietmar Dath einigermaßen alleine da. "Erfrischend humorlos" fand etwa Tagesspiegel-Kritiker Andreas Busche den sich geradezu dreist Ridley Scotts "Alien" und Alfonso Cuaróns "Gravity" plündernden Film über eine Raumstation, deren Besatzung von einem fremdartigen Organismus gemeuchelt wird. In seinem schlanken Funktionalismus mache sich der Film "die Kritik, Hollywood produziere nur noch überteuerte B-Movies, mit gesundem Selbstbewusstsein zu eigen", schreibt Busche weiter. "Bemerkenswert düster" findet auch Perlentaucher Thomas Groh den Film - aber auch ein wenig bedenklich: "'Life' jubelt zunächst über die Existenz des Anderen - plädiert dann aber doch, spürbar im Kontrast im Übrigen zu Denis Villeneuves Außerirdischen-Film 'Arrival', für die Wappnung und Mobilmachung."

Viel Freude hatte Philipp Stadelmaier von der SZ: "Der Film kennt keine Thesen und Themen, nur Kamerafahrten und Handlung, straight forward. Er kennt auch keine Helden. Ist die Crew mit Ferguson, Reynolds und Gyllenhaal zwar mit einigen Stars besetzt, so ist doch kein Schauspieler wichtiger als ein anderer. Alle sind gleich, auf kollegialer Ebene in ihrer schleichenden Vernichtung." Tim Slagman von der NZZ hält den Film gar für einen "der schönsten Monsterfilme der jüngeren Zeit." Abwägender schreibt Tim Caspar Boehme in der taz: Es gelingen dem Film einige Spannungsmomente, er bleibe im wesentlichen aber doch "etwas vorhersehbar".

Weiteres: Julia Niemann porträtiert für die SZ die österreichische Filmemacherin Veronika Franz und deren Neffen Severin Fiala, die gemeinsam Filme drehen und nach ihrem Erfolg von "Ich seh, ich seh" vor zwei Jahren nun an einem Drehbuch für einen us-amerikanischen Film arbeiten. Für die Welt berichtet der Filmhistoriker Rolf Giesen vom Stand der Dinge im deutschen Animationsfilm, der daran kranke, dass Trickfilme in diesem Metier vor allem als Ware fürs Vorschulalter aufgefasst würden.

Besprochen werden Noah Baumbachs Interviewfilm über Brian De Palma, den arte am kommenden Wochenende zeigt (Perlentaucher), Pia Lenz' Dokumentarfilm "Alles gut" über den Alltag zweier Flüchtlinge (taz), Gerhard Kleins auf DVD erschienener "Eine Berliner Romanze" von 1956 (taz), Martin Zandvliets "Unter dem Sand" (NZZ), die unterfränkische Kifferkomödie "Lommbock" mit Moritz Bleibtreu und Nikolas Schuppe (Welt) sowie die neue Spielzeug-Verfilmung "Power Rangers" (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.03.2017 - Film

Im Standard empfiehlt Michael Pekler eine Retrospektive des Filmarchivs Austria zum Kino der Weimarer Republik. Für die Berliner Zeitung spricht Frank Willmann mit Sönke Wortmann über dessen im Ersten ausgestrahlte historische Krankenhausserie "Charité". Norbert Joa hat sich für den Bayerischen Rundfunk ausführlich mit Josef Hader über dessen Regiedebüt "Wilde Maus" unterhalten.
 
Besprochen werden Marie-Castille Mention-Schaars "Der Himmel wird warten" über die IS-Radikalisierung einer französischen Jugendlichen (SZ), die Serie "Scandal" (Freitag), Kai Wessels "Nebel im August", der sich mit den "Euthanasie"-Programmen des Nationalsozialismus befasst (Freitag) und Daniel Espinosas Science-Fiction-Horrorfilm "Life", über den sich Dietmar Dath in der FAZ fürchterlich ärgert: "Scharf blödsinnig", lautet das Verdikt.
Stichwörter: Horrorfilm

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.03.2017 - Film

Der Festivalbetrieb überaltert, die Strukturen verkrusten - aus den Problemen, die sich den mittlerweile rund 400 Filmfestivals in Deutschland stellen, kommt man auf diese Weise nicht heraus. So lautet Frédéric Jaegers Befund auf SpOn zum Stand der Dinge im Filmbetrieb. Für ihn täsucht die Berlinale mit dem geplanten neuen Filmhaus kaum über die eigene Schwerfälligkeit hinweg: "Machtkonzentration über lange Zeiträume kann gerade in Kunst und Kultur verheerende Folgen haben. Hinzu kommt, dass sich Filmfestivals heute ohnehin verändern müssen, weil sie inzwischen eine völlig andere Rolle einnehmen als noch vor 10, geschweige denn 20 Jahren. ... [Das] Unbedingte, für das es sich zu kämpfen lohnt, das muss wieder in den Vordergrund, das müssen Festivals vermitteln. Das geht nicht mit Routine, aber erst recht nicht ohne Vision. Und da hilft ein neues Filmhaus nur bedingt. Nein: ab mit den alten Zöpfen!"

Besprochen wird Sönke Wortmanns ARD-Serie "Charité" (taz, Welt, FAZ, hier die ersten beiden Folgen in der Mediathek).
Stichwörter: Filmfestival

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.03.2017 - Film

Im Standard unterhält sich Dominik Kamalzadeh mit der iranischen Schauspielerin Taraneh Alidoosti über Asghar Farhadis "The Salesman", in dem sie die Hauptrolle spielt: Sie glaubt, dass die Situation der Künstler und Filmemacher in ihrem Land sich derzeit etwas bessert: "Schon allein durch das Internet hat diese Generation eine andere Sensibilität. Sie hat keine Angst davor, dass ihre Filme keine Erlaubnis bekommen, gezeigt zu werden. Die Leute wissen, dass sie anderswo ihre Zuschauer finden. Ich sehe da wirklich eine Veränderung. Auch die Gesellschaft wird punkiger, roher, direkter - es gibt weniger Platz für Postkartenkunst."

Besprochen werden Tatjana Turanskyjs und Marita Nehers "Orientierungslosigkeit ist kein Verbrechen" (Freitag) und eine DVD-Ausgabe von Fernando Birris Experimentalfilm-Epos "ORG" aus den 70ern mit Terence Hill in der Hauptrolle (SZ, unsere Besprechung hier).


Szene aus Fernando Birris Experimentalfilm "ORG"
Stichwörter: Asghar Farhadi, Iran

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.03.2017 - Film


Für den Deutschen Filmpreis nominiert: "Wild" von Nicolette Krebitz.

In Berlin wurden die Nominierungen für den Deutschen Filmpreis bekanntgegeben. Dass es neben dem obligatorischen "Toni Erdmann" auch Nicolette Krebitz' "Wild" auf viele Nominierungen gebracht hat, sieht FR-Kritiker Daniel Kothenschulte als Anzeichen einer "Trendwende" in der Geschichte des Preises, dessen Nominierungs- und Vergabeverfahren in den letzten Jahren eher Konsens- und Erfolgsfilme begünstigten: "Aus einem durchschnittlichen Kinojahr wurden mit 'Toni Erdmann' und 'Wild' zwei seltene Perlen gefischt. Und noch ein zweiter erfreulicher Paradigmenwechsel bahnt sich an: Die Hälfte der für den 'Besten Film' nominierten Filme wurde von Frauen inszeniert."

Andreas Busche vom Tagesspiegel reagiert trotz aller Freude über die "Wild"-Nominierung um einiges skeptischer. Dass der problematische Naziaufarbeitungsfilm "Blumen von Gestern" und die Geflüchtetenkomödie "Willkommen bei den Hartmanns" ebenfalls besonders berücksichtigt wurden, empfindet er als ziemlichen Makel. Mit diesen Nominierungen "tut sich die Akademie keinen Gefallen."

Im Welt-Interview berichtet David Wnendt gegenüber Hanns-Georg Rodek von der Mühsal, sich als Kinoregisseur an einem "Tatort" zu versuchen. Mit Ambitionen komme man gar nicht erst weit. Er habe "die Grenzen zu spüren bekommen. 'Wenn wir uns hier besonders anstrengen, wird das vom NDR auch beim nächsten Fall verlangt', hat ihm einer von der Produktion offen erklärt. 'Tatorte' sind auch eine Art Jobsicherung, wie es sie im Filmbetrieb selten gibt. Beim Südwestrundfunk sind Kameraleute und Schnittmeister sogar noch fest angestellt, der Regisseur hat gar keine Wahl."

Weiteres: Sehr ärgerlich - und sehr symptomatisch - findet es Joachim Kurz von kino-zeit.de, dass Jeff Nichols' neuer Film "Loving" nach ersten Ankündigungen nun doch nicht in Deutschland ins Kino kommen, sondern direkt auf DVD ausgewertet wird. Für den Standard spricht Michael Pekler mit Filmemacher Pablo Larraín über dessen Biopic "Neruda" (hier unsere Kritik). Dietmar Dath gratuliert in der FAZ Glenn Close zum 70. Geburtstag. Besprochen wird Michael Dudok de Wits Animationsfilm "Die rote Schildkröte" (SZ, unsere Kritik).

Außerdem hat das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt ein 90-minütiges Filmgespräch mit Dominik Graf über dessen Essayfilme "Verfluchte Liebe Deutscher Film" und "Offene Wunde Deutscher Film" online gestellt: Im folgenden der erste Teil, hier der zweite.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.03.2017 - Film

Oh weh, so wird das wohl auch bis auf weiteres nichts mit dem lange versprochenen und mit Spannung erwarteten deutschen Serienwunder. Die ersten Kritiken zu Matthias Schweighöfers für Amazon produzierte Thriller- und Datenspionage-Serie "You Are Wanted" - die erste deutsche Produktion des früheren Online-Buchhändlers - fallen jedenfalls ziemlich durchwachsen aus. Mit der Last von Regie, Produktion, Mitarbeit am Drehbuch und Hauptrolle habe sich Schweighöfer eindeutig übernommen, seufzt Michael Hanfeld in der FAZ. Katharina Riehl von der SZ fühlt sich von dem Ergebnis - trotz toller Bilder - "streckenweise dann doch stärker an einen Tatort erinnert." Welt-Kritiker Elmar Krekeler rammt die Serie nach allen Regeln der Kunst ziemlich ungespitzt in den Boden. Nur Adam Soboczynski hegt in der Zeit durchaus Sympathien für Schweighöfers Versuch, sich aus dem "Rollenkorsett des schnuckeligen Trottels" zu befreien, und hält die Serie nach den zwei Episoden, die den Kritikern vorlagen, für vielversprechend. Im Welt-Interview präsentiert sich der ansonsten auf leichte, massenkompatible Komödien spezialisierte Macher gegenüber Hanns-Georg Rodek unterdessen von seiner bescheidenen Seite: "Mein Ziel ist, einmal einen Oscar und eine Goldene Palme abzuholen." Das dürfte dann wohl noch eine Weile dauern.

Disney-Experte Daniel Kothenschulte ärgert sich in der FR gründlich über die digital hochgerüstete Real-Neuverfilmung des Trickfilmklassikers "Die Schöne und das Biest": Diese "verhöhnt förmlich Disneys Erbe, indem sie die Anmut des Zeichentricks für obsolet erklärt. Gerade weil sie meint, sich daran messen zu können." Und dann auch noch das: "Die zusätzlichen Lieder [halten] quälend auf."

Besprochen werden Michael Dudok de Wits kunstvoller Animationsfilm "Die rote Schildkröte" ("eine kostbare Filmerfahrung", schwämt Daniel Kothenschulte in der FR, unsere Kritik hier), Marita Nehers und Tatjana Turanskyjs "Orientierungslosigkeit ist kein Verbrechen" (Tagesspiegel), Andŕe Téchinés "Mit Siebzehn" (Freitag, mehr im Efeu von gestern), Feras Fayyads Dokumentarfilm "Die letzten Männer von Aleppo" (taz, FAZ) und das von Margit Tröhler und Jörg Schweinitz herausgegebene Buch "Die Zeit des Bildes ist angebrochen" mit Texten französischer Intellektueller zum frühen Kino (FAZ).
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