Sprachmagisches Zirpen

Robert Macfarlanes Zaubersprüche, Vladimir Sorokins Dystopie und A.L. Kennedys zarter London-Roman: Der Bücherbrief

Jims Körper

In der Kunst bewegt mich nicht das "Echte", sondern das Artifizielle, das sich eine Form schafft, die auch anders sein könnte, aber nicht versucht mich zu überwältigen. Von Katharina Hacker

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Was Identität bedeutet

15.12.2018. In der NZZ empfiehlt Marta Kijowska den Generationenroman "Das Licht der Frauen", in dem Zanna Sloniowska zugleich die Geschichte Lembergs erzählt. Die SZ stöbert begeistert in Wolfgang Kraushaars monumentalem Rader zu 1968. Die taz begibt sich mit Dörte Hansen ins nordfriesische Brinkebüll. Die FAZ kann mit Thomas Hardy wesentlich mehr anfangen als mit Jordan B. Peterson. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Es ist stets der Begriff der 'Unsittlichkeit'

15.12.2018. Der Tagesspiegel begutachtet das renovierte Afrika-Museum im belgischen Tervuren. Die taz feiert die neue, unwahrscheinlich zukunftszugewandte Bibliothek von Helsinki. Mit Matthias Brandts Polizeiruf-Ermittler Hanns von Meuffels verschwindet eine ganze Krimikultur der letzten Ermittlungen, langen Autofahrten und unendlichen Sehnsucht, klagt Spon. Die NZZ beschreibt die Unterdrückung der Jugend-Musikkultur in Russland. Und die Literaturkritiker trauern um Wilhelm Genazino. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Und übrigens, welche Demokratie?

15.12.2018. Michel Houellebecq veröffentlicht in Harper's eine wirre und böse Hommage auf Donald TrumpChristopher Clarke fordert in der Literarischen Welt eine Politik der Langsamkeit. Die Fotografin Romy Alizée, deren Konto bei Instagram gesperrt wurde, fragt in Libération: Was sollen Künstler tun, die auf diese Plattformen angewiesen sind? Die Ärztin Kristina Hänel erklärt in der taz, warum sie mit dem Kompromiss zum Paragrafen 219a nicht zufrieden ist. Und Monika Grütters und Forscher wetteifern um die Spitzenposition in der Aufarbeitung von Kolonialgeschichte. Mehr...

MEDIENTICKER

Verschwörung

14.12.2018. Aktualisiert: Wilhelm Genazino ist tot - It's a man's world: Wie weibliche Editorinnen von der Wikipedia verdrängt werden - Frankreich: Verschwörungstheorien wegen eines Tweets - Vietnam: Kritiker über Facebook verfolgt - Spiegel startet Ableger: Die gedruckte Version eines SpOn-Newsletters Spiegel Coaching - Springer testet Wochenmagazin Bild Politik - Nachruf: Der Philologe, Lektor, Journalist Jürgen Manthey ist gestorben + Hörfunk-Tipps fürs Wochenende ... Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Ignoranz verleiht Flügel

11.12.2018. Die Gesichtserkennung eröffnet dem New Yorker neue Dimensionen der Fernüberwachung. Der Guardian verfolgt, wie China die Botschaft seiner Macht und Großzügigkeit in der Welt verbreitet, aber nicht die der Menschenrechte, wie die Blaetter hinzufügen. En attendant Nadeau lernt vom polnischen Historiker Karol Modzelewski, die Geschichte zu reiten. Wired versucht, den Thwaites-Gletscher in der Antarktis zu stützen. Und Atlantic glaubt: Die Spur zu Elena Ferrante führt über Heinrich von Kleist und Karoline von Günderrode. Mehr...

BÜCHERBRIEF

Sprachmagisches Zirpen

10.12.2018. A. L. Kennedy zeichnet ein ebenso zartfühlendes wie bitterböses Porträt zweier Londoner, Vladimir Sorokin wirft in seiner tiefschwarzen Dystopie Nabokov, Proust und Co. auf den Grill, Robert Macfarlane schreibt mit lautmalerischen Zaubersprüchen gegen den Verlust der Wörter an und Christopher Clark erkärt tiefenscharf, wie Herrscher das Zeitbewusstsein ihrer Epoche prägten. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Dezember. Mehr...

FOTOLOT

Riss des gesellschaftlichen Gefüges

27.11.2018. Die großartige Michael-Wolf-Ausstellung im  Hamburger Haus der Photographie ist nur durch Zufall zustande gekommen. Eigentlich sollte dort eine Bruce-Weber-Ausstellung stattfinden, die wegen #MeToo-Vorwürfen gegen den Fotografen abgesagt wurde. In künstlerischer Hinsicht war nicht die Ab-, sondern schon die Ansetzung der Weber-Ausstellung ein Problem. Von Peter Truschner. Mehr...

ESSAY

Jims Körper

26.11.2018. Ich kann mit der Idee des Authentischen nichts anfangen und misstraue ihren Verteidigern. In der Kunst bewegt mich nicht das sogenannte Unverfälschte, Echte, sondern das Artifizielle, das, was sichtlich gemacht und hergestellt ist, das sich eine Form schafft, die auch anders sein könnte, aber schön ist und gültig, ohne mich zu überwältigen. Ideen anlässlich einer Verfilmung. Von Katharina Hacker. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Der Perlentaucher braucht Ihre Unterstützung

08.11.2018. Wir Perlentaucher sind überzeugt, dass das Netz ein Feuilleton braucht. Wir halten an einer Idee von Kunst fest, die ihren Anspruch nicht aufgibt, und wir wollen eine offene, auch polemische Debatte. Ort dieser Offenheit ist für uns das Internet. Aber es wird immer schwieriger, sich von Werbung zu finanzieren. Mehr...