Mehr Rot! Mehr Blau!

Agnes Heller, Francois Soulages, Bela Tarr, Margaret Atwood und Elif Shafak in der Magazinrundschau

Unverjährbares Erzählen

Aharon Appelfeld über die Bukowina, Maggie Nelson über ihre queere Familie, David Miller über Ein- wanderung. Bücherbrief

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Sozialismus stinkt bekannt

18.01.2018. Die taz versucht unter die Oberfläche von François Ozons Film "Der andere Liebhaber" zu blicken. Sasha Marianna Salzmann erzählt im Logbuch Suhrkamp von ihrer Havanna-Reise. Zeit online ärgert sich über die deutsche Missachtung für Pussy Riot. In der FR fordert Bariton Holger Falk von den "schönen Stimmen": Singt mehr neue Musik! Die SZ bewundert die neue gediegene Gemütlichkeit auf der Kölner Möbelmesse.

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Folgen der Maschine

18.01.2018. Nun bringt auch die Zeit noch ein Pro und Contra zu Simon Strauß - Ergebnis: Er mag ja nerven, aber muss man ihn deshalb bei der AfD einsortierten? Drei taz-Autorinnen inspizieren den unklaren #MeToo-Fall Aziz Ansari und fordern künftig ein klares "Ja heißt Ja". Netzpolitik resümiert den Widerstand von immer mehr Universitäten gegen den Elsevier-Verlag. In der NZZ wirft Bassam Tibi der deutschen Islamwissenschaft Kulturrelativismus und einen umgekehrten Orientalismus vor.

IM KINO

Verschobene Offenbarungen

17.01.2018. In Michael Almereydas zauberhaften Science-Fiction-Film "Marjorie Prime" wird künstliche Intelligenz zum Medium der Erkenntnis. François Ozons "Der andere Liebhaber" schickt eine Frau erst zum Gynäkologen, dann zu zwei fast identischen Psychiatern. Von Nicolai Bühnemann, Lukas Foerster.

ESSAY

Die kritische Differenz

17.01.2018. Wolfgang Ullrich preist in seiner Bilanz des "Superkunstjahres" 2017 die Freiheit des Kunstmarktes gegenüber dem Moralismus der Kuratorenkunst - aber er meint die Freiheit des ökonomisch Erfolgreichen. Wer mehr Freiheit in der Kunst will, müsste mehr (und nicht weniger) über soziale Differenz sprechen, die sich an Kategorien von Ethnie, Geschlecht, und eben nicht zuletzt auch ökonomischer Teilhabe manifestiert. Eine Replik
Von Eva-Maria Troelenberg.

MAGAZINRUNDSCHAU

Mehr Rot! Mehr Blau!

16.01.2018. Der New Yorker erkundet mit Alessandra Cerreti die wirksamste Waffe gegen die kalabrische Mafia. In HVG denk Agnes Heller über 1968 in Ungarn und dem Rest der Welt nach. In Clarin beobachtet der französische Philosoph François Soulages das Schauspiel der Demokratisierung der Fotografie. Der American Cinematographer gruselt sich mit den Farben des Kameramanns Luciano Tovoli. In Elet es Irodalom sucht Bela Tarr nach einer neuen Filmsprache der digitalen Cinematographie. Novinky begutachtet das Konzept des geplanten Sudetendeutschen Museums in München. Im Globe and Mail outet sich Margaret Atwood als Schlechte Feministin. Im Guardian ist Elif Shafak schockiert von der Frauenfeindlichkeit der Türkei unter Erdogan.

MEDIENTICKER

Gebrandmarkt

16.01.2018. Aktualisiert: Medientrends 2018: Personalisierte Angebote, zahlende Nutzer - Wer baut den digitalen Super-Assistenten? Googles Großangriff auf Amazon läuft schon längst - Netzpolitik: EU-Expertengruppe "Fake News" nimmt Arbeit auf  & "Alternative Fakten" ist das Unwort des Jahres - Ehre + Verantwortung: Investigativer Journalismus & die Machtfrage - Warum geht es dem Buch nicht gut? Lesen wir bald keine Bücher mehr? + 1918 & 1968: Anregungen zu einem Vergleich.

FOTOLOT

Eingeschriebene Abwesenheit

04.01.2018. Alec Soth ist weniger Klassiker geworden, als dass er vielmehr von Anfang an wie ein Klassiker an die Sache heranging. Seine Bilder von Außenseitern und sanft insistierenden Panoramen haben ebenso viel mit der Gegenwart des US-Heartlands zu tun wie mit Landschaften von Ruisdael bis Corot. Die Hamburger Ausstellung läuft noch bis zum 7. Januar. Von Peter Truschner.

ESSAY

In offener Feindschaft

22.12.2017. In seinem Essay "Zwischen Deko und Diskurs" beschrieb Wolfgang Ullrich im Sommer das sich abzeichnende Schisma in der Kunstwelt. Dieses Schisma hat sich im "Superkunstjahr" weiter vertieft: Wenn Kunst nur noch entweder als Luxus oder als Statement funktioniert, gelten dann überhaupt noch künstlerische Kriterien? Ein Gutes hat der Markt aber: Er ist nicht moralisch. Eine Bilanz.
Von Wolfgang Ullrich.

INTERVENTION

Die rote Linie ist überschritten

21.12.2017. Lange Zeit erschienen mir Autoren wie Daniel Bax oder Lamya Kaddor irrelevant  - sie haben zur Sache nichts zu sagen. Aber es lässt sich nicht leugnen, dass sie mit ihrer Strategie der Diffamierung der Debatte schaden. Sie attackieren einzelne Personen, weil sie deren Argumente nicht zulassen wollen - und weil sie selbst ein reaktionäres Gesellschaftsbild verfechten. Von Necla Kelek.

ESSAY

Stakkato der Infamie

18.12.2017. Lamya Kaddor hat die religionskritische Autorin Necla Kelek über Jahre mit einem verfälschten Zitat desavouiert. Eine ganze Kohorte bekannter Autoren und Autorinnen von Hilal Sezgin über Wolfgang Benz, Cem Özdemir, Klaus Jürgen Bade bis hin zu Jakob Augstein hat das Gerücht bis zum Überdruss wiederholt. Nein, Kelek behauptet nicht "frei von der Leber weg", dass muslimische Männer es zur Not mit Tieren treiben. Kaddor behauptet, dass Kelek das behauptet. Von Thierry Chervel.

ESSAY

Gegen die Zerstörung des Rechtsstaats in Polen

15.12.2017. Ausgerechnet Ungarn und Polen, ehemals Vorreiter im Aufbau des Rechtstaats nach dem Sieg über den Kommunismus, sind jetzt Vorreiter im Abbau des Rechtsstaats. Der polnischen Regierung scheint besonders an der Abschaffung der Gewaltenteilung gelegen zu sein. Eine Rede für das Erbe Czeslaw Milosz' und der mitteleuropäischen Dissidenz - gehalten vor der möglichen Entscheidung der EU, ein Rechtsstaatsverfahren gegen Polen einzuleiten. Von Ulrike Ackermann.

INTERVENTION

Warum erst so spät?

14.12.2017. Wieso wurde dieser islamistische Anschlag nicht verhindert, wieso der Typ nicht festgenommen oder abgeschoben, wieso der Platz überhaupt nicht gesichert, warum wurden die Opfer nicht benannt und ausreichend entschädigt? Ein paar einfache Fragen zum Berliner Anschlag vor einem Jahr - Fragen, die ich hier schon vor einem Jahr stellte. Von Eva Quistorp.