Bild zu Klang

Homosexuelle als Sündenböcke, Schriftsteller und ihr Bankkonto. Die Magazinrundschau

Intrigen und Herzflimmern

Elena Ferrante. Catherine Meurisse. Otfried Höffe und Michael Lewis über Daniel Kahneman. Der Bücherbrief

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Die freie Liebe im Südpazifik

20.02.2017. Als Tolle Wortmusik feiert die FAZ das Klangkunstwerk  "Peng Peng Peng"  von Nora Gomringer und Philipp Scholz. Außerdem folgt sie auch in der Hörbuchfassung von Thoma Luz Judith Schalansky freudig durch alle Weltmeere und zu den abgelegenen Inseln.  Die SZ ackert sich durch Dieter Borchmeyers tausendseitige Untersuchung der "Was ist deutsch?"

MEDIENTICKER

Jeden Morgen eine andere dumme Idee

20.02.2017. Aktualisiert: Die Top 20: Medien nach Facebook-Video-Views - Türkei: Der Fall Deniz Yücel bleibt in der Schwebe & FAS-Kommentar erzürnt Kollegen - Politik & Presse: Die Sache mit den Hintergrundgesprächen - Spinnen wir alle? Grenzen sich seriöse Journalisten von unseriösen ab? & Fake News in Self-Publishing-Plattformen - Auf dem Albtraum-Dampfer: Theater-Kritiken aus Berlin, Düsseldorf, Hamburg & Stuttgart + Smells like: Heute wäre Kurt Cobain fünfzig geworden.

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Die Kämpfe nahen

20.02.2017. Nichts einzuwenden haben die Kritiker gegen den Goldenen Bären für Ildikó Edyenis "On Body and Soul". Und selbst etwas lauwarm resümieren sie eine Berlinale, die im Guten wie im Schlechten wenig Grund zur Aufregung bot. Schlichtweg umwerfend findet der Tagesspiegel György Ligetis von den Berliner Philharmonikern aufgeführte Oper "Le Grand Macabre". Am Wochenende hatte außerdem Ersan Mondtags "Ödipus und Antigone" am Maxim-Gorki-Theater Premiere: Die Berliner Zeitung sah ein erschlafftes Bürgertum seiner Abschaffung entgegentrippeln.

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Im Interesse der erzählten Geschichten

20.02.2017. Wer ein Versagen der Aufklärung kritisieren will, kommt ohne ihre Instrumente nicht aus, sagt Kenan Malik im Observer an die Adresse postkolonialer Studenten und ihrer Kritik an der "Whiteness" von Kant und Platon. FR und SZ  sind fassungslos über die Jubelstimmung der Erdogan-Anhänger beim Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim in Oberhausen.  In Zeit online untersuchen Luc Boltanski und Arnaud Esquerre das Bündnis von Kunst und Luxus.  Die New York Times sucht nach Wegen, Donald Trump abzusetzen.

AUßER ATEM: DAS BERLINALE BLOG

Verlassen und Verlassen-Werden - ein Festivalresümee

17.02.2017. Beziehungskrisen, aber vor allem ein Rückzug in die ästhetische Komfortzone prägen diesen Jahrgang. Liegt es daran, dass das Kino auf der Berlinale wirkte wie eine überalterte Kunst? Aber an den Rändern des Festivals plädieren einige Filme für einen absichtslosen Blick in die Welt. Und in Nebensektionen gab es die Filme, über die eigentlich gestritten werden sollte, Nicolas Wackerbarths "Casting" und Raoul Pecks "I am not your Negro" (Auf dem Bild: Bärenfavorit Aki Kaurismäki, Foto: Malla Hukkanen) Von Thomas Groh, Anja Seeliger.

AUSSER ATEM: DAS BERLINALE-BLOG

Kleine Internationale nach Brandenburg

17.02.2017. Kunstdiskurs und revolutionäre Praxis bei der Apfelernte: Julian Radlmaiers "Selbstkritik eines Bürgerlichen Hundes". Das Beil schon in der Hand: Liu Jians Anime "Have a Nice Day". In den saftigsten Farben: Merzak Allouaches "Investigating Paradise". Im Rosengarten mit Hong Sangsoos Wettbewerbsbeitrag "On The Beach At Night Alone". Wie ein komplizierter Tanz: Raja Amaris "Foreign Body". Das Verlangen nach Reinheit schafft Monster: Raoul Pecks "I Am Not Your Negro" und "Der junge Karl Marx".

VORGEBLÄTTERT

Götz Aly: Europa gegen die Juden 1880 - 1945

15.02.2017. In seinem Buch "Europa gegen die Juden 1880 - 1945" stellt Götz Aly den modernen Antisemitismus als grenzüberschreitendes Phänomen dar. Ohne die Schuld der deutschen Täter zu mindern, zeigt er, wie Diskriminierung und Pogrome seit Ende des 19. Jahrhunderts vielerorts dazu beigetragen haben, den Boden für den Völkermord zu bereiten. Wir wählen als "Vorgeblättert" seinen Abschnitt über die Konferenz von Evian 1938 - wo die westlichen Länder über die Aufnahme verfolgte Juden verhandelten. Aly stellt sein Buch nächste Woche in Berlin vor.

MAGAZINRUNDSCHAU

Technik der Angsterzeugung

14.02.2017. Unter Trump werden Homosexuelle auf der ganzen Welt zu leiden haben, fürchtet Foreign Affairs. Wie man soziale Identität in eine Waffe umschmiedet, kann man von Trump gut lernen, meint die Columbia Journalism Review. Hier ein Deal, da eine Fassbombe - Assad ist sehr flexibel, konstatiert die NYRB. Magyar Narancs untersucht die Hintergründe des neuen Imre-Kertesz-Instituts in Ungarn. Das Bookforum denkt über Geld und gute Literatur nach. Roads & Kingdoms reist ins georgische Poti, wo einst Herodot die Grenze zwischen Europa und Asien zog.

AUßER ATEM: DAS BERLINALE BLOG

Als es noch Zukunft gab

09.02.2017. Die Zukunft ist auch nicht mehr, was sie einmal war: Mit "Future Imperfect" nimmt die Retrospektive der Berlinale das eher düstere Science-Fiction-Kino in den Blick. Ein Streifzug durch die Vergangenheit des Kinos der Zukunft. Von Thomas Groh.

AUßER ATEM: DAS BERLINALE BLOG

Gemacht, um umwerfend zu sein

09.02.2017. Die Hommage der Berlinale gilt in diesem Jahr der italienischen Kostümdesignerin Milena Canonero, die mit einem Ehrenbären ausgezeichnen wird. Canonero, berühmt für ihre farbintensiven Entwürfe, schuf unter anderem die Kostüme für Kubricks "Clockwork Orange", Pollacks "Out of Africa" und Coppolas "Marie Antoinette". Eine Würdigung Von Katrin Doerksen.

BÜCHERBRIEF

Intrigen und Herzflimmern

06.02.2017. Ales Stegers Logbuch der Gegenwart erschließt uns die Welt. Alexander Goldstein führt uns in Zeiten der UdSSR nach Baku. Charlie-Hebdo-Zeichnerin Catherine Meurisse liefert "Bewusstseinsanschauungen in Tusche". Michael Lewis erzählt die Geschichte der Verhaltenspsychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky - dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Februar.

IM KINO

Natürlich Fado

01.02.2017. Aktueller, als einem lieb ist, fühlt sich "Hidden Figures" an, Theodore Melfis Biopic über drei schwarze Wissenschaftlerinnen, die in den 1960er Jahren bei der NASA Karriere machten. Nicolas Pesces Horrorfilm "The Eyes of My Mother" schert sich nicht darum, seine bizarre Welt mit der Normalität zu vermitteln. Von Lukas Foerster, Fabian Tietke.

FOTOLOT

Geformt von Unsichtbarem

20.01.2017. Es ist das Wesen von Armand Quetschs Bildern, dass man in ihnen gewissermaßen zu Hause und dass es einem dabei dennoch unheimlich ist. Das Vertraute schaut dem Fremden zum Verwechseln ähnlich. Von Peter Truschner.

ESSAY

Eine einfache Frage

24.12.2016. Hört auf mit den Trauerfloskeln: Eine der Debatten, die nach dem Berliner Attentat zu führen sind, ist die schlichte Debatte, ob es überhaupt ein Sicherheitskonzept für den Breitscheidplatz gegeben hat. Dass Weihnachtsmärkte im Visier der islamistischen Terroristen stehen, war doch längst bekannt. Und der Platz um die Gedächtniskirche ist ein symbolischer Ort. Gerade die Opfer des Anschlags haben einen Anspruch auf Aufklärung. Von Eva Quistorp.