Blut durch die Finger

Isabelle Huppert in Paul Verhoevens grimmigem Thriller "Elle". Lasse Hallströms Edeltrash-Epos "Bailey". Im Kino

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Die Quälerei der Auflösung

24.02.2017. Als estnischen Klassiker stellt die FR Anton Hansen Tammsaare vor, der in "Das Leben und die Liebe" so diskret wie herzzereißend eine unglückliche Liebesgeschichte erzählt. Als erzählerischen Kraftakt rühmt die NZZ Lukas Bärfuss' Roman "Hagard". Die FAZ lernt mit Jürgen Osterhammel Essayband "Die Flughöhe der Adler", historischen Großerzählungen zu misstrauen. Außerdem dankt sie Philip Siegel für nüchterne Einblicke in die Pornoindustrie.

MEDIENTICKER

Perfide Petition

24.02.2017. Aktualisiert: Verlagslobby verleumdet Entwurf zum Wissenschaftsurheberrecht - Und morgen die ganze Türkei: Deniz Yücel über Erdogans Aufstieg - Google will  mit künstlicher Intelligenz bekämpfen - Nudging bei Facebook: Subtiles Stupsen gegen den Terror? - Zensur: Kuba beschlagnahmt Bücher des Ch. Links Verlags - Bachmann Gesamtausgabe: Ein Gespräch mit den Herausgebern Irene Fussl & Hans Höller + Der tägliche Medien-Donald: Steve Bannon kündigt tägliche Medien-Auseinandersetzung an.

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Wer weint, hat keinen klaren Blick

24.02.2017. In Berlin haben sich Kultursenator Klaus Lederer und der neue Volksbühnen-Chef Chris Dercon darauf geeinigt, sich nicht zu einigen, meldet der Tagesspiegel: Der Dissens bleibt eklatant. In der Welt erklärt Documenta-Kurator Bonaventure Ndikung, was Griechenland von Kamerun lernen kann. Die FAZ erkennt in dem Wiener Maler Richard Gerstl einen unglückseligen Narzissten. In der Debattte um die Germanistik möchte die NZZ doch noch auf einige Schwächen des Fachs hinweisen, zum Beispiel das terminologische Geschwurbel.

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Hashtag- und Sprachvorschriftsgetöse

24.02.2017. Stephen Bannon hat sich zum ersten Mal seit Trumps Amtsübernahme geäußert und beharrt auf seiner Düsternis, berichtet die Washington Post. Nicht Putin ist schuld an Hillary Clintons Niederlage, sondern Hillary Clinton, meint Keith Gessen im Guardian. Die FAZ ist fassungslos über die Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal, die Opfer von Vergewaltigungen lieber als "Erlebende" bezeichnen möchte. Der Berliner Zeitung geht das Feuilleton aus, meldet die taz.

IM KINO

Blut durch die Finger

22.02.2017. Die dezent zurückhaltenden Bilder von Paul Verhoevens Vergewaltigungs-Thriller "Elle" entpuppen sich als riesengroße Falle. Lasse Hallströms Hundereinkarnationsfilm "Bailey - Ein Freund fürs Leben" ist ein high-concept-Edeltrash-Epos, aber momentweise auch großes Kino. Von Nicolai Bühnemann, Lukas Foerster.

MAGAZINRUNDSCHAU

Dort leben die Unsichtbaren

21.02.2017. Harper's berichtet vom Treffen des World Congress of Families, auf dem sich westliche Schwulenfeinde von östlichen trösten ließen. In El Pais Semanal träumt Valeria Luiselli von maßgeschneiderten Landkarten. Die LARB trauert dem metaphysischen Abgrund der osteuropäischen Literatur hinterher. In Ceska pozice sieht der israelische Historiker Yuval Noah Harari schon die nächste große Ungleichheit voraus - die bioglogische. Wired sucht Wege aus der Krise des Journalismus.

VORGEBLÄTTERT

Götz Aly: Europa gegen die Juden 1880 - 1945

15.02.2017. In seinem Buch "Europa gegen die Juden 1880 - 1945" stellt Götz Aly den modernen Antisemitismus als grenzüberschreitendes Phänomen dar. Ohne die Schuld der deutschen Täter zu mindern, zeigt er, wie Diskriminierung und Pogrome seit Ende des 19. Jahrhunderts vielerorts dazu beigetragen haben, den Boden für den Völkermord zu bereiten. Wir wählen als "Vorgeblättert" seinen Abschnitt über die Konferenz von Evian 1938 - wo die westlichen Länder über die Aufnahme verfolgte Juden verhandelten. Aly stellt sein Buch nächste Woche in Berlin vor.

AUßER ATEM: DAS BERLINALE BLOG

Verlassen und Verlassen-Werden - ein Festivalresümee

17.02.2017. Beziehungskrisen, aber vor allem ein Rückzug in die ästhetische Komfortzone prägen diesen Jahrgang. Liegt es daran, dass das Kino auf der Berlinale wirkte wie eine überalterte Kunst? Aber an den Rändern des Festivals plädieren einige Filme für einen absichtslosen Blick in die Welt. Und in Nebensektionen gab es die Filme, über die eigentlich gestritten werden sollte, Nicolas Wackerbarths "Casting" und Raoul Pecks "I am not your Negro" (Auf dem Bild: Bärenfavorit Aki Kaurismäki, Foto: Malla Hukkanen) Von Thomas Groh, Anja Seeliger.