Die Anlässe sind nichtig

İlker Çataks Berlinalegewinner "Gelbe Briefe" ist ein Film zur rechten Zeit. Im Kino mit Thomas Groh

Plädoyer für ein Russland-Tribunal

Vier Jahre nach Beginn seines zweiten mörderischen Überfalls auf die Ukraine sollten demokratische Staaten ein virtuelles Tribunal über Putin abhalten. Von Claus Leggewie

INTERVENTION

Wunsch nach Orientierung

09.03.2026. Kaum hatten die Feuilletons die Diskussion um die Berlinale und ihre Chefin Tricia Tuttle verkraftet, mussten sie sich einer neuen Herausforderung stellen: Der zuverlässig instinktlos agierende Kulturminister Wolfram Weimer hatte ein paar harmlose linke Buchläden von einer Preisliste gestrichen, die eine willkommene kleine Subvention mit sich bringt. Kuriosität am Rande: Einst waren Buchhandlungen stolz darauf, keine Staatsgelder zu wollen. Von Peter Mathews. Mehr...

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Wunderwerk der Verwirrung

09.03.2026. Die NZZ ist entzückt von Elias Hirschls neuem Roman "Schleifen", der vor verrückten Ideen nur so sprüht. Die SZ vertieft sich in Klaus Kellmanns Buch über die deutsch-französischen Beziehungen, in dem Frankreich gar nicht mal so gut wegkommt. Die FR schwärmt von Robert Menasses Roman "Die Lebensentscheidung". Dlf ist begeistert, wie feinsinnig Helene Bukowski von einer jungen Pianistin erzählt, die am System DDR zerbricht. Dlf Kultur empfiehlt Fatima Daas' "Spiel das Spiel" über eine Jugend in der Pariser Banlieue.  Mehr...

BÜCHERBRIEF

Köstlich befellmützt

09.03.2026. Wir stimmen uns auf den Frühling und die Leipziger Buchmesse ein: Kristof Magnussons spannender Agentenroman empfiehlt sich durch Drive und Witz. Dorota Maslowska findet das Paradies in einer Warschauer Mietskaserne, Nila setzt den Demonstranten im Iran ein Denkmal, Evan Osnos nimmt uns mit auf die Yachten der Superreichen, Norbert Gstrein erzählt in einem Jahrhundertroman von einem Mitläufer in den zwei Weltkriegen. Und Bruno Balz trällert dazu: Davon geht die Welt nicht unter. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Der seltsame Schmerz, ein Mensch zu sein

09.03.2026. Dass Russland seinen Pavillon auf der Biennale in Venedig dieses Jahr wieder selbst bespielen soll, sorgt für großen Unmut beim Tagesspiegel. Armin Petras bringt in Bremen Tolstois "Krieg und Frieden" auf die Bühne: Ein Stück voller emotionaler Kraft und Gegenwartsbezüge, wenn auch am Ende etwas zu melodramatisch, finden die Kritiker. In Nürnberg feiert Monopol die erste Ausstellung Julia Heywards in Europa. Der Schriftsteller John Niven warnt in der SZ nicht lesende Männer vor dem Verlust ihrer Empathiefähigkeit. Die taz empfiehlt allerwärmstens Isa Willingers Doku-Film "No Mercy". Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Frühestens zur übernächsten Amtszeit

09.03.2026. Modschtaba Khamenei, der Sohn, ist zum neuen geistlichen Führer Irans ernannt, meldet unter anderem die New York Times - wird er nun noch den schönen Blick auf die israelische Botschaft aus seinem Londoner Luxusappartment genießen können, fragt die Daily Mail. Die deutschen Feuilletons sind noch sehr stark mit den linken Buchhandlungen und Wolfram Weimer befasst. In der FAZ schreibt Ute Frevert über die "soft exclusion" israelischer Wissenschaftler, die fast schlimmer ist als der offene Boykott. Der Wahlsieg Cem Özdemirs in Baden-Württemberg ist eine dreifache Sensation, freut sich die taz. Mehr...

IM KINO

Die Anlässe sind nichtig

Wider die Kultur der unterstellten bösen Absichten: İlker Çataks Berlinalegewinner "Gelbe Briefe", ist ein Film zur rechten Zeit. Und eine Absage an die langweiligen Ausstattungs-Exzesse des Gegenwartsfilms gelingt Çatak auch. Von Thomas Groh. Mehr...

IM KINO

Mit jeder Faser seines Körpers

Jean-Pierre und Luc Dardenne versuchen sich in "Jeunes mères" erstmals an einer episodischen Erzählstruktur. Im Zentrum stehen vier junge Mütter, die auf jeweils unterschiedliche Art der Welt ausgesetzt sind. Von Lukas Foerster. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Im Namen des Guten

03.03.2026. Die New York Times bringt eine erschütternde Recherche zu den Toten der iranischen Proteste vom Anfang des Jahres. Wie es im Iran nach dem Tod Ali Khameneis weitergeht, entscheiden die Revolutionsgarden, meint der New Statesman. Und Wired fragt sich, welche Folgen der Krieg für Trump haben wird. New Lines sammelt die Stimmen von glücklich Geschiedenen in Mauretanien. Der New Yorker fragt sich, warum Shere Hite heute fast vergessen ist, deren Report erstmals erklärte, wie amerikanische Frauen Sex mögen. In Atlantico erklärt der französische Intellektuelle Samuel Fitoussi, warum "Antifaschismus" ein kindischer Begriff ist. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Ulli Kulke, Reinhard Mohr (Hrsg.): "Wenn das Denken die Richtung ändert"

03.03.2026. Sich als links Lesende haben eine Hauptbeschäftigung: Sie definieren, wer "rechts" ist. Die so produzierte Geografie ist in den Köpfen zur Mentalität geworden. Einige deutsche Intellektuelle wie Henryk M. Broder, Reinhard Mohr, Monika Maron, Peter Schneider erzählen in dem Band "Wenn das Denken die Richtung ändert", warum es ihnen nicht mehr sinnvoll erscheint, sich "links" zu verorten. Aus dem Band veröffentlichen wir Ulrike Ackermanns autobiografischen Essay "Einmal Dissident, immer Dissident?" Sie erzählt, wie die westliche Linke seit 1968 in ihren Augen intellektuell verkümmerte. Und "dass die Linke antitotalitäre Impulse und Traditionslinien mehrheitlich verachtete oder totschwieg, habe ich ihr nie verziehen". Mehr...

VORWORTE

Und plötzlich hebt er ab

27.02.2026. Insbesondere mit seinen Romanen hat sich Ben Lerner im deutschen Sprachraum einen Namen gemacht. Teils autobiografisch grundiert, legen sie Perspektiven auf Gegenwartsthemen und auf die amerikanische Lebenswelt des Autors an und vermitteln sein Verständnis von Literatur, Kunst und Dichtung. Auch als Lyriker hat Lerner ein herausforderndes Œuvre vorgelegt - und es ist, als hätte dieser Geist auf neue Art Eingang in seinen jüngsten, überraschenden Roman gefunden. Von Angela Schader. Mehr...

INTERVENTION

Plädoyer für ein Russland-Tribunal

23.02.2026. Gewiss Wladimir Putin erkennt internationale Gerichtsbarkeit nicht an und meidet Länder, die ihn an den Internationalen Strafgerichtshof ausliefern würde. Das sollte demokratische Länder aber nicht davon abhalten, vier Jahre nach Beginn seines zweiten mörderischen Überfalls auf die Ukraine zumindest ein virtuelles Tribunal unter Einbeziehung kompetenter Rechtsgelehrter und Heranziehung aller Beweisquellen abzuhalten. Je eher sich ein solches Tribunal an völkerrechtliche Regularien hielte, desto effektiver würde es Putin und die Putinisten bloßstellen. Von Claus Leggewie. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

18.12.2025. Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Zuverlässige Information ist gerade in unzuverlässigen Zeiten wichtig: Wir machen seit dem dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. Besonders danken möchten wir 2.000 unter ihnen, die uns monatlich mit einem  freiwilligen "Abo" unterstützen.  Von Thierry Chervel. Mehr...

SPENDEN

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24.11.2021. Der Perlentaucher bietet seinen Service für die Leser kostenlos und möchte dabei bleiben. Falls Sie uns unterstützen mögen - regelmäßig oder einmalig - freuen wir uns! Hier finden Sie verschiedene Möglichkeiten. Mehr...