Keine Romantik. Nirgends

Zu Anne Golaz' Fotoband über das Landleben in der französischen Schweiz. Fotolot von Peter Truschner

Im Limbo

Yeşim Ustaoğlus Sozial- drama "Clair Obscur" und Christian Pasquariellos Wachturmfilm "Sum 1". Im Kino

Vorwärts, Prenzlin

Oliver Bottini erzählt grandios vom Landgrabbing im traurigen Osten Europas. Mord und Ratschlag von Thekla Dannenberg

MEDIENTICKER

Wortanteil-Kleinkrieg

12.12.2017. Verlage vs. ARD+ZDF: VDZ fordert Schranken für Netzaktivitäten - Medien-Trends für 2018: Von der großen Facebook-Ernüchterung bis zum kommenden Audio-Hype - Riff-Reporter: Journalismus direkt vom Erzeuger - Influencer Marketing: Das waren die erfolgreichsten Instagram-Werbeposts im November - Der Wintersport und der MDR oder der distanzlose Sportjournalist + Europäische Filmpreise: Die wichtigsten Produktionen des europäischen Kinojahres 2017.

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Dopamin-getriebene Feedback Loops

12.12.2017. Die Politologin Renata Mienkowska ist sich in Zeit online sicher, dass die polnische Regierung mit dem Abbau des Rechtsstaats fortfahren wird. Außerdem fordert sie die Bevölkerung auf, endlich wieder mehr Kinder zu machen, berichtet die taz. Der Politikwissenschaftler Stefan Luft fürchtet in der SZ, das die Flüchtlinge dem Arbeitsmarkt für Geringqualifizierte schaden. Im Tagesspiegel attackiert Necla Kelek Grüne und Linkspartei beim Thema Integration. In der NZZ sieht Bora Cosic die Oktoberrevolution als Peripetie in einem Zerfallsprozess.

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Die Erotisierung der Konsumgüter

11.12.2017. Die SZ huldigt dem britischen Zeichner Jamie Hewlett, der dem Pop-Universum das Tank-Girl und die Gorillaz geschenkt hat. Etwas gestrig findet die SZ das Frauenbild von Veronica Raimo, ihre Erzählungen "Eines Tages alles dir" aber nicht schlecht. Außerdem liest sie ein Porträt über Österreichs jungmännischen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Die FR liest mit Wohlwollen Harriet Cummings englischen Dorfkrimi "Eine von uns".

BÜCHERBRIEF

Plädoyer für die Fantasie

11.12.2017. Attila Bartis erinnert mit kalter Schönheit und surrealem Glanz an eine Jugend im sozialistischen Ungarn. Zurab Karumdize streift mit der femme fatale und Munch-Muse Dagny Juel durch Georgien. Elvira Dones schickt uns mit einer Schwurjungfrau in die albanische Provinz der Achtziger. Scott Anderson erklärt, wie die arabische Welt aus den Fugen geriet. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Dezember.

FOTOLOT

Keine Romantik. Nirgends

05.12.2017. Wer auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, kennt den unsentimentalen Blick der Landwirte auf ihren Alltag und die Nüchternheit, mit der sie ihre Arbeit verrichten und sich selbst und ihre nähere Umgebung wahrnehmen. Über den Fotoband "Corbeau", Anne Golaz' Darstellung des Landlebens in der französischen Schweiz. Von Peter Truschner.

IM KINO

Im Limbo

06.12.2017. Für die beiden vom Patriarchat gepeinigten Hauptfiguren von Yeşim Ustaoğlus Sozialdrama "Clair Obscur" bleibt als Ausweg nur die Wassermetaphorik. In Christian Pasquariellos postapokalyptischem Wachturmfilm "Sum 1" bleibt die Science-Fiction-Garnitur ein Rattenschwanz aus falschen Fährten. Von Lukas Foerster, Karsten Munt.

MAGAZINRUNDSCHAU

Ihre Sünde in Gold

05.12.2017. In Polen spülen illegale Abtreibungen viel Geld in die Kassen der Ärzte, berichtet der Guardian. Tablet und Spiked staunen über die weiße Liebe zu Ta-Nehisi Coates. Der New Yorker wägt die Chancen von Nicolas Maduro ab, Venezuela durch die Krise zu führen. Die New York Times besucht Bandenkrieger in El Salvador.

ESSAY

Das Schinkenbrot

23.11.2017. Multikulturalismus ist laut Kenan Malik die Idee, dass Menschen "nicht trotz ihrer Unterschiede gleich, sondern wegen dieser Unterschiede verschieden" zu behandeln seien. Er liefert in einem neuen Buch einige der besten Argumente gegen diese Ideologie. Von Thierry Chervel.

INTERVENTION

Die Berlinale muss wieder Experimentierfeld werden

23.11.2017. Das Problem an der Berlinale ist nicht die Anzahl der Filme, sondern die Indifferenz, mit der sie präsentiert werden. Es wäre schön, wenn das Festival mit dem Abgang von Dieter Kosslick 2019 wirklich die Chance für einen Neuanfang nutzt statt ihre diskursfeindliche Betriebsamkeit weiter zu pflegen. Von Lukas Foerster.

IM KINO

Über Dokumentarfilme richten

17.11.2017. Die beiden wichtigsten deutschen Festivals für Dokumentarfilme, das Dok Leipzig und die Duisburger Filmwoche, treffen sich trotz ihrer unterschiedlichen Ausrichtung in ihren Diskursen. In Leipzig sorgt dafür ein Film über Pegida, in Duisburg das Porträt eines sich weltoffen gebenden Imams. Und eine Diskussion im Anschluss an Romuald Karmakars "Denk ich an Deutschland in der Nacht" zeigt, dass ein Film über elektronische Musik die Gemüter stärker erhitzen kann als jeder Populismus. Von Frédéric Jaeger.

ESSAY

Nur mit Genehmigung des Instituts für Zeitgeschichte

18.10.2017. Schon 1963, zwei Jahre nach Erscheinen der Originalausgabe, erwarb der Droemer Knaur Verlag die deutschen Rechte für Raul Hilbergs Standardwerk "Die Vernichtung der Juden in Europa". Die Veröffentlichung scheiterte nicht zuletzt aufgrund negativer Voten der Institution, die für die Aufarbeitung der Geschichte gegründet worden war. Erst 1982 brachte ein winziger linker Verlag die deutsche Übersetzung des Werks. Von Götz Aly.