Das egoistische Gen

Der Fotograf Will McBride, queere Kunst, falsches Lob und ein Monsterpenis. Arno Widmann räumt Bücher vom Nachttisch.

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Die Geschichte flutscht

17.07.2019. Als verblüffende Vorgeschichte zu "Patria" würdigen FAZ und Dlf-Kultur Fernando Aramburus frühen Roman "Langsame Jahre". Außerdem freut sich die FAZ über den Sprachwitz von Raymond Queneaus "Zazie" in frischer Übersetzung. Die NZZ staunt, wie scharfzüngig und stachelig Radka Denemarkova die sexuelle Gewalt an Frauen in der tschechischen Gegenwart thematisiert. Die taz begibt sich derweil mit Jachym Topol  auf einen grotesken Roadtrip durch Tschechien. Die FR wandert mit Cornelius Pollmer, Robert Rauh und Theodor Fontane lieber durch die Mark Brandenburg. Mehr...

MEDIENTICKER

Blindheit der Medien

17.07.2019. Wie Medien Falsches berichten, weil es ins Narrativ passt - Sprache im Dienst der Propaganda -  Medienhype um die Klinikstudie: Versteckter Lobbyismus -  Digitalwährung: Sicherheitsprobleme bei Facebooks Kryptowährung Libra - Polizei & Pressearbeit: Per se keine seriöse Quelle - AfD contra "Monitor" oder wenn die Biedermänner zündeln + Was Milva & Angela Merkel gemeinsam haben. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Der Tarnumhang ihrer Träume

17.07.2019. Aktualisiert: Die italienischen Medien trauern um Andrea Camilleri, der im Alter von 93 Jahren gestorben ist. Der Tagesspiegel denkt über fremd gewordene Heimat nach im Bucerius Kunst Forum. Die SZ feiert das fotorealistische Spektakel von Jon Favreaus Film "König der Löwen". Der Tagesspiegel sehnt sich dagegen nach dem derangierten Charme des Originals. In der FAZ würdigt der Filmwissenschaftler Johannes Rhein die Shoah-Filme Arthur Brauners. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Unvermeidlicher Konflikt

17.07.2019. Welt-Autor Thomas Schmid ist froh über die Wahl Ursula von der Leyens zur Kommissionspräsidentin: Die EU bleibt handlungsfähig. Amerikanische Medien diskutieren über Trumps rassistische Tweets. Klar ist er ein Rassist, schreibt David Remnick in der New York Times. Und die Extreme werden durch den Streit gestärkt, schreibt David Brooks ebendort. Eine moderne Stadtpolitik nutzt den Bobos und schadet der Peripherie, konstatiert der Standard bei einem Paris-Spaziergang. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Ist das Kunst oder schon Verbrechen?

16.07.2019. Der Guardian staunt über das Ausmaß der Korruption des ANC. In 168 ora findet der Kadar-Biograf György Földes die Gleichsetzung des Orban-Regimes mit dem Kadars etwas sehr bequem. In American Interest ruft der russische Autor Boris Akunin dem Westen zu: Helft der Ukraine! Respekt feiert die Präsidentin der Slowakei, Zuzana Čaputová, als neuen Havel. In der London Review wünscht sich Adam Tooze eine neue, europafreundlichere deutsche Regierung. Die New York Times porträtiert den russischen Künstler Pjotr Pawlenski.
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IM KINO

Monströse Extraktoren

11.07.2019. Zweimal geht es um Superhelden. Spiderman kann in paradoxaler Akteurialität zwar Berge versetzen, sieht sich aber immer wieder Handlungszwängen unterworfen, die unter anderem der Disney-Marvel-Dramaturgie geschuldet sind. Und die Menschheit hat sich zwar einen gewissen Fortschritt erarbeitet, muss sich aber einiger unbequemer Fragen Nikolaus Geyrhalters erwehren. Von Stefanie Diekmann, Nikolaus Perneczky. Mehr...

FOTOLOT

Luxus, Moral und Absolution

11.07.2019. Die Idee des Werks und erst recht die eines Oeuvres, die über Jahrhunderte hinweg zentral war, verliert heute auffallend an Relevanz. Entstanden ist statt dessen - neben der Kunst für den Markt, der immer neue Rekorde feiert - eine Kuratorenkunst, in der sich die Künstler und Künstlerinnen einem strengen Regime unterwerfen müssen. Aber dann wird die Kunst wieder abgebaut und verschwindet. Der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich im Gespräch. Von Peter Truschner. Mehr...

BÜCHERBRIEF

Voll an fremder Welt

07.07.2019. Rachel Kushner erzählt mit immenser Strahlkraft von der Brutalität in kalifornischen Frauengefängnissen, Carys Davies schickt einen Maultierzüchter und einen Indianer auf eine kühn-poetische Tour durch das Pennsylvania des Jahres 1815, Lawrence Osborne verbringt fiebrig-abgründige Sommertage auf der Insel Hydra, und Hans-Jürgen Heinrichs erkundet mit Leichtigkeit das Gefühl der Fremdheit. Dies alles und mehr in unseren besten Büchern des Monats Juli. Mehr...

INTERVENTION

Fortschreitende Selbsterniedrigung

06.07.2019. Wladimir Putin hat kürzlich die Idee des Liberalismus als "überholt" verhöhnt. Allzu viele Reaktionen kamen weder von westlichen Politikern, noch aus der Öffentlichkeit.  Der Impuls für eine Renaissance der westlichen Werte könnte heute von den aufstrebenden zivilgesellschaftlichen Bewegungen in Osteuropa kommen, etwa aus Georgien oder Tschechien - und zwar gerade, weil die dortigen Gesellschaften bereits intensive schlechte Erfahrungen mit der autoritären Regression machen. Von Richard Herzinger. Mehr...

ESSAY

Vielfacher Konsensdruck

03.07.2019. Eines der schlecht gehüteten Geheimnisse Literaturbetriebs ist, dass erst Preise für Preise qualifizieren: Wer einen der namhaften Literaturpreise für sich buchen kann, ist damit generell als Preisträger habilitiert und wird in der Folge immer wieder in die Kränze kommen. Eine Laudatio bietet sich als Vorlage für die nächste an. Für Sponsoren und Juroren entfällt damit das Risiko von Fehlentscheidungen. Und andere Einblicke ins aktuelle Literaturgeschehen Von Felix Philipp Ingold. Mehr...

MORD UND RATSCHLAG

Da gehen wir konträr

24.06.2019. In Franzobels Groschen-Roman "Rechtswalzer" arbeiten der Untergrutzenbacher Provinzadel und Wiener Politkarrieristen am Ausverkauf der Alpenrepublik. In Johannes Groschupfs Roman "Berlin Prepper" treiben Hasstiraden und Gewaltfantasien einen vereinsamten Content Moderator in die Arme der Reichsbürger. Von Thekla Dannenberg. Mehr...

TAGTIGALL

Der Traum vom singenden Strand

20.06.2019. In diesem Jahr gewannen drei litauische Künstlerinnen, darunter die Dichterin Vaiva Grainytė, den Goldenen Löwen für den besten Pavillon auf der Biennale in Venedig. Sie zeigen eine Strandperformance - reine Verführung und in der Sache hochaktuell: Das Anthropozän holt uns überall ein, auch dort, wo wir - in den "kostbarsten Tagen des Jahres" - nur Sommerstrand wollen. Klimawandel, hemmungslose Kapitalströme und Migration prägen längst unser ganzes Dasein. Oder nicht oder doch? Von Marie Luise Knott. Mehr...

FOTOLOT

Sichtbarkeitskriterium

11.06.2019. Mona Kuhn muss selbst geahnt haben, dass irgendetwas an der Art, wie sie die für ihr Werk wichtigen Elemente - Licht, Raum, Schönheit, Nacktheit - zusammenführt und arrangiert, zu glatt geht. Ihr neues Buch "She disappeared into Complete Silence" ist die großartige Bewältigung dieses Problems. Von Peter Truschner. Mehr...

VIRTUALIENMARKT

Dystopien auf allen Ebenen

02.06.2019. In den letzten Monaten manifestierte sich ein Paradigmenwechsel, der die Mitte - in Gestalt der traditionellen Parteien in Deutschland oder Österreich, aber auch in Gestalt der Buchbranche - recht alt aussehen lässt. Sie ist umstellt von entfesselten Rechten und einer "Generation Z", die sich plötzlich politisch betätigt. Von Rüdiger Wischenbart. Mehr...

FOTOLOT

Die Wichtigkeit biometrischer Daten

20.05.2019. Louisa Clement, die gerade im Sprengel Museum ausgestellt wird, gehört zu den exzeptionellen jüngeren Fotograf*innen in Deutschland. Sie arrangiert Puppen und reflektiert mit ihnen die voranschreitende Anthropotechnik, manchmal mit etwas zu viel Geschmack. Von Peter Truschner. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Der Perlentaucher braucht Ihre Unterstützung

08.11.2018. Wir Perlentaucher sind überzeugt, dass das Netz ein Feuilleton braucht. Wir halten an einer Idee von Kunst fest, die ihren Anspruch nicht aufgibt, und wir wollen eine offene, auch polemische Debatte. Ort dieser Offenheit ist für uns das Internet. Aber es wird immer schwieriger, sich von Werbung zu finanzieren. Mehr...