Rekonstruktion der Mitte

Emmanuel Macron versucht erstmals die defizitär gewordene repräsentative Demokratie aus den Hinterzimmern der politischen Klasse herauszuführen. Von Max Thomas Mehr

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Universum des Rauschens und Röhrens

24.03.2017. Als äußerst anregend und lehrreich empfiehlt die FAZ Klaus Bergers umfangreichen Kommentar zur Apokalypse des Johannes und Bernd Wedemeyer-Kolwes Darstellung der Lebensreform in Deutschland "Aufbruch". Die Welt begegnet in Wallace Strobys Krimi "Geld ist nicht genug" einer harten Berufsverbrecherin mit Sehnsucht und Herz. Und die SZ schwelgt mit Jochen Schmidts Roman "Zuckersand" im possierlichen Sein der kleinen Dinge am Wegesrand.

MEDIENTICKER

Ungeniert gaffen

24.03.2017. Aktualisiert: ZDF streicht 70 Stellen - Pressekodex: Neue Richtlinie ist "tendenziös" - Dilemma: Stefan Aust & die Wahrheit - Facebook: Fake-Markierung als Symbolpolitik - Bulgarien: Erkaufte  loyale Berichterstattung - Landesmedienanstalten gehen gegen Streamer vor - Lyrisch-wissenschaftliche Hexenküche: Steffen Popp gibt Einblicke - "Unsere Hände brennen": Solidarität mit türkischen Autoren + Marcel Reich-Ranicki über die Kritiker & die Schriftsteller.

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Erotik des Wissens

24.03.2017. Sehr einverstanden sind die Kommentatoren in Leipzig mit der Verleihung der Buchmesse-Preise an Barbara Stollberg-Rilinger, Eva Lüdi Kong und Natascha Wodin. Auch Leyla Dakhlis Laudatio auf Mathias Énard und dessen Dankesrede kommen gut an. In Berlin liegen die Kritiker den Philharmonikern und ihrem designierten Chefdirigenten Kiril Petrenko zu Füßen. Und alle gratulieren Martin Walser zum Neunzigsten.

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Gründe für einen verhaltenen Optimismus

24.03.2017. Haben Trumps Leute das Land an den russischen Geheimdienst verraten, fragt die New York Times. In der SZ erzählt der russische Hacker Kris Kaspersky kurz vor seinem Tod, warum das russische Hackermilieu heute dem Vaterland dient. Annekathrin Kohout untersucht in ihrem Blog, was der Kampf gegen moderne Kunst und der gegen populäre Kultur gemeinsam haben. Im TagesAnzeiger hebt der Historiker Ian Kershaw das Kinn.

MAGAZINRUNDSCHAU

Bandbreiten des kriechenden Schreckens

21.03.2017. Vanity Fair betrachtet die Spaltung der USA in Kolonie und Nation. The Nation porträtiert die algerischen Verleger Sofiane Hadjadj und Selma Hellal. Buzzfeed schildert die Methoden russischer Regierungshacker. En attendant Nadeau erzählt, wie die Soziologie die Philosophie erledigt und weiterführt. Die New York Times begleitet einige Aktivisten des arabischen Frühlings ins Gefängnis.

FOTOLOT

Der scheinbar schwebende Teppich

20.03.2017. Die meisten Magnum-Bücher verfolgen einen dokumentarischen Ansatz, das versteht sich bei dieser Agentur von selbst. Aber die Magnum-Fotografen sind mehr als Journalisten, ja, mehr als Reporter. Das "Magnum Photobook" zeigt, welche Bedeutung das Buch für sie hatte und - was im Zeitalter der Digitalisierung das Erstaunlichste ist - hat. Von Thierry Chervel.

ESSAY

Rekonstruktion der Mitte

15.03.2017. Mit Emmanuel Macron versucht erstmals ein ernstzunehmender Demokrat die defizitär gewordene repräsentative Demokratie aus den Hinterzimmern der politischen Klasse herauszuführen, sie zu transformieren und ihr wieder zu mehr Legitimation zu verhelfen. Weder das politische Retrodesign eines Martin Schulz, noch die Verwaltung der Stadt Berlin nach den Vorstellungen von Radfahrern und Mieterinnen können dazu eine Alternative bieten. Von Max Thomas Mehr.

ESSAY

In der Sonosphäre

14.03.2017. Was wäre, wenn die Schwebezustände der minimalistischen Klang-Blasen ein höheres Subversionspotenzial bereit halten als alles, was die Avantgarden des 20. Jahrhunderts bis hin zu Free Jazz und Artrock mit ihren Konflikt-, Protest- und Radaudramaturgien einst zu mobilisieren versuchten? Meditation über Brian Enos "Reflection" Von Daniele Dell'Agli.

BÜCHERBRIEF

Resümieren, Sterben und Morden

11.03.2017. Andrej Platonow beschreibt in "Die Baugrube" beispielhaft den Zusammenhang von Totalitarismus und Utopie. Juliana Kálnay führt in ein geheimnisvolles Mietshaus. Joachim Radkau erzählt die Geschichte der Zukunft und Tom Burgis beschreibt den Fluch des Reichtums - dies alles und mehr in den besten Büchern des März.

VORGEBLÄTTERT

Götz Aly: Europa gegen die Juden 1880 - 1945

15.02.2017. In seinem Buch "Europa gegen die Juden 1880 - 1945" stellt Götz Aly den modernen Antisemitismus als grenzüberschreitendes Phänomen dar. Ohne die Schuld der deutschen Täter zu mindern, zeigt er, wie Diskriminierung und Pogrome seit Ende des 19. Jahrhunderts vielerorts dazu beigetragen haben, den Boden für den Völkermord zu bereiten. Wir wählen als "Vorgeblättert" seinen Abschnitt über die Konferenz von Evian 1938 - wo die westlichen Länder über die Aufnahme verfolgte Juden verhandelten. Aly stellt sein Buch nächste Woche in Berlin vor.