Helden der Globalgeschichte

Überreiche Ausbeute diese Woche: Die NYRB lernt, dass man im 18. Jahrhundert als Schwarzer gegen Rassendiskriminierung kämpfen und trotzdem Sklaven besitzen konnte. La vie des idees lernt, dass Aufklärung ein Ursprung des Rassismus ist und trotzdem die Abolition beförderte. Der Guardian lernt in Melbourne, dass es jetzt eine globale schwarze Identität gibt. Africa is a Country blickt auf die neuen Privatstädte in Afrika. Auch in Weißrussland hätte es nach der Wende eine Stasi-Aufarbeitung geben müssen, erklärt Swetlana Alexijewitsch in Eurozine. Die NYT staunt über die irakische Kleptokratie, die fröhlich das Land plündert.

Die entgangene Speise

Recht auf ein eigenes Leben: Michael Nichols fotografiert Tiere ohne Romantisierung. Fotolot von Peter Truschner

MEDIENTICKER

Wenn blische fubbern

06.08.2020. Lyrik für Kinder von Nils Mohl & Katharina Greve - Sortiments-Buchhandel: Stationäre Verkäufe steigen wieder - Kritik an Re-Commerce-Unternehmen Momox - Buchbloggerin darf ihre Rezensionen auch im Laden präsentieren - Hamburger Literaturfest streicht Auftritt der Kabarettistin Lisa Eckhart - Einige Lektüreeindrücke zu Olga Tokarczuk - Otto A. Böhmer: Wie Hegel zum Philosophen wurde - Vor 75 Jahren:  Atombombenabwurf auf Hiroshima & die Popmusik. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Diesem jungen Mann ging es nicht um den Körper

06.08.2020. Die Filmkritiker liegen der großartigen Barbara Sukowa in Filippo Meneghettis Lesben-Thriller "Wir beide" zu Füßen. Der Tagesspiegel entdeckt in den Fotografien von Maria Sewcz letzte Reste von Toleranz in Istanbul: Etwa ein nachlässig gebundenes Kopftuch. Die nachtkritik reist mit Rimini Protokoll lieber in die eigenen Ohrmuscheln. Nicht Sarah Kirsch, sondern Anna Seghers bezeichnete sie als SED-Funktionärin, erklärt Helga Schubert im Dlf-Kultur. Die taz erzählt, wie deutsche Bands versuchen, die Sympathie der Italiener zurückzugewinnen. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Die amorphen Räume der res publica

06.08.2020. Zornig prangert Arundhati Roy im Guardian die Zustände in Kaschmir an, das vor einem Jahr von der hindunationalistischen Regierung gleichgeschaltet wurde und bis heute unter dem Militärregime leidet. Der Tagesspiegel offenbart einen möglichen Justizskandal in Berlin: Rechtsextreme Sympathien in der Staatsanwaltschaft. Die FAZ schildert die schwierige Lage amerikanischer Museen in Corona-Zeiten. In der taz ruft Ronya Othmann : "Der Kampf gegen den Islamismus ist Teil des antifaschistischen Kampfes." Mehr...

IM KINO

Die nächste Machtlosigkeit

05.08.2020. Man hätte sich im unterhaltsamen Trott von Jon Stewarts politischer Komödie "Irresistible" etwas mehr zielstrebigen Humor gewünscht. Aber man wird durch einen unerwarteten Perspektivwechsel entschädigt. Nicht nur die Gefühle sind ankerlos, sondern auch die Menschen:  Anna Sofie Hartmann zeigt in ihrem Film "Giraffe", was Kapitalismus, Neoliberailsmus und die Fehmarnbeltquerung in den Menschen anrichten. Von Patrick Holzapfel, Fabian Tietke. Mehr...

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Im Niemandsland der Sehnsüchte

05.08.2020. Dlf Kultur lauscht dem von Hans Thill beschworenen "Heiseren Anarchimedes". Die FAZ erkundet mit der Philosophin Donatella Di Cesare die Erkundung des Fremdseins als theoretische Kunst. Die taz taucht ein in die Welt der Vagabunden. Die NZZ bewundert die beschwingte Genauigkeit von Sandra Gugics Familienroman "Zorn und Stille". Die SZ reist mit Lina Meruane nach Palästina. Die FR reist mit Norman Davies ins Unbekannte. Mehr...

EICHENDORFF21

Von Soho bis Chelsea und zurück

06.03.2020. New York machte jüngst vor allem durch Katastrophenmeldungen von sich reden. Wir erinnern uns literarisch an Zeiten, in denen das große Freiheitsversprechen in der Luft lag: Elizabeth Gilbert lässt es mit ihren libertären Heldinnen im glamourösen New York der Vierziger krachen, Vivian Gornick flaniert durch die schwindelerregenden Straßenschluchten der Stadt und Iris Hanika tummelt sich auf Partys mit Beyonce.
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MAGAZINRUNDSCHAU

Helden der Globalgeschichte

04.08.2020. Überreiche Ausbeute diese Woche: Die NYRB lernt, dass man im 18. Jahrhundert als Schwarzer gegen Rassendiskriminierung kämpfen und trotzdem Sklaven besitzen konnte. La vie des idees lernt, dass Aufklärung ein Ursprung des Rassismus ist und trotzdem die Abolition beförderte. Der Guardian lernt in Melbourne, dass es jetzt eine globale schwarze Identität gibt. Africa is a Country blickt auf die neuen Privatstädte in Afrika. Auch in Weißrussland hätte es nach der Wende eine Stasi-Aufarbeitung geben müssen, erklärt Swetlana Alexijewitsch in Eurozine. Die NYT staunt über die irakische Kleptokratie, die fröhlich das Land plündert. Mehr...

FOTOLOT

Die entgangene Speise

03.08.2020. Michael Nichols fotografiert Tiere ohne Romantisierung. Seine Fotos sind sowohl in Gestus als auch Farbgebung oft expressiv, richtiggehend dramatisch. Egal, ob ein Löwe in der kobaltblauen Dämmerung der Serengeti ein gerade erlegtes Zebra verspeist oder ob ein Tiger in Indien zum Sprung ansetzt - die Botschaft ist klar: Die Tiere haben ein Recht auf ein eigenes Leben. Von Peter Truschner. Mehr...

IM KINO

Billiges Fleisch und 5.000 Schuss Munition

31.07.2020. Camila Freitas zeigt in ihrem Dokumentarfilm "Chão - Landless" die Situation der landlosen Bauern in Brasilien, deren fast aussichtsloser Kampf um Land einem Western ähnelt. Judd Arpatow hat mit Pete Davidson für seine Komödie "The King of Staten Island" die perfekte Lusche gefunden. Ein Film mit einem großen Herzen, das man aushalten muss. Von Thekla Dannenberg, Lukas Foerster. Mehr...

INTERVENTION

Vom Überleben der Demokratien

24.07.2020. Der katastrophale EU-Gipfel hat gezeigt: In ihrem jetzigen Zustand droht die EU weiter in die Dysfunktionalität abzugleiten. Es muss deshalb ein ernsthaftes Nachdenken darüber beginnen, was im Falle ihres finalen Scheiterns an ihre Stelle treten könnte. Von Richard Herzinger. Mehr...

ESSENZEN

Mit Leinen-Anzug nebst Canotier-Hut

14.07.2020. Manuel Cross ist ein Duft-Archäologe. Sein Eau de Toilette "40 Rogue" ist eine Hommage auf den längst untergegangenen Duft "40 Love" von Jean Desprez. Der Duft - Nelke, Moschus, Eichenmoos und einiges mehr - weckt Assoziationen an Tennis, als dieser Sport noch weiß war. Und man seinen Körper puderte. Von Claus Brunner. Mehr...

ESSAY

Kleiner geht immer

09.07.2020. In Comics gibt es Superhelden oder Anti-Helden. Dazwischen ist wenig. Zum Gewimmel der Antihelden tragen neue Comics von François Schuiten, Paolo Bacilieri und Shane Simmons bei.  Bei Schuiten (einem neuen Band der Klassikerreihe "Blake und Mortimer") dominieren die Gebäude, Bacilieri erzählt die Geschichte eines Autors der Harakiri beging. Und bei Shannon werden die Helden zu Punkten. Von Stefanie Diekmann. Mehr...

EICHENDORFF21

Sommerlektüre

25.06.2020. Der Sommer hat begonnen - fehlt nur noch die richtige Lektüre für lange Zugfahrten, heiße Strandtage oder ruhige Stunden auf dem Balkon. Wir haben eine Liste mit erfrischenden Neuerscheinungen zusammengestellt: Helen Wolff erzählt eine leichtfüßige Sommerromanze in Südfrankreich und Maylis de Kerangal genießt Haute Cuisine in Brandenburg.
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MORD UND RATSCHLAG

Die Nonchalance der linken Hand

08.07.2020. Der Fotograf Gordon Parks beschrieb schon 1957 mit seiner Serie "The Atmosphere of Crime", wie Polizei, Gewalt und Verbrechen schwarzes Leben in New York und Chicago belastete. Und dazu kann natürlich auch Chester Himes in seinen Harlem-Romanen um die Cops Grave Digger Jones und Coffin Ed Johnson etwas sagen. Von Thekla Dannenberg. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Victor Auburtin: Der Feuilletonist greift in die Politik

16.06.2020. "Die Nachricht, daß einige Berliner Wohnungsämter bis zum September schließen wollen, hat unter uns Heimatlosen lebhafteste Bestürzung erweckt." Einige der Kolumnen, die Victor Auburtin Anfang der Zwanziger fürs Berliner Tageblatt schrieb, lesen sich, als wären sie heute geschrieben.  Auch die Kolumne über die berückende Enttäuschung, die Auburtin mit Filippo Tommaso Marinetti erlebte. Ein Vorabdruck Mehr...