Plädoyer für ein Russland-Tribunal

Vier Jahre nach Beginn seines zweiten mörderischen Überfalls auf die Ukraine sollten demokratische Staaten ein virtuelles Tribunal über Putin abhalten. Von Claus Leggewie

Und plötzlich hebt er ab

Vorwort zu dem Dichter und Romancier Ben Lerner und seinem neuen Roman "Transkription".
Von Angela Schader

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Woher kommt dieser Aufbruchsgeist?

06.03.2026. Die NZZ lernt im Kunsthaus Zürich dank Kerry James Marshall, wieviele Schwarztöne es gibt. Artechock und FAZ applaudieren Kristen Stewart, die in ihrem Regiedebüt "The Chronology of Water" wahre Wunder vollbringt. Die FAZ betrachtet in Kopenhagen die frühen Schädel von Jean-Michel Basquiat. Und die Feuilletons trauern um den großen Schriftsteller António Lobo AntunesMehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Diese Doppelmoral ist schwer zu ignorieren

06.03.2026. Die Beschwörungen des Völkerrechts sind ja rührend, schreibt der iranische Künstler Saleh Rozati im Standard, aber wo waren die sorgenvollen Experten, als der Iran seine Bevölkerung massakrierte? Die taz verabschiedet sich liebevoll vom Stuttgarter Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, obwohl dieser Rostbraten liebt. Für die Zeit besteht Hoffnung für eine europäische Konkurrenz zu Tiktok und Instagram: Da ist das Start-up Crags, das Kletterer zusammenbringt. Alle Feuilletons kritisieren die Überprüfung linker Buchhandlungen durch den Verfassungsschutz.  Mehr...

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Die KI versteht uns nicht

05.03.2026. Die FAZ lernt in Mahmoud Jarabas "Die Clans aus al-Rashidiya" eine Menge über Clankriminalität und ihre neueste Generation. Ebenfalls empfehlen kann sie Christina Struncks Familienmemoir "Die Aufsteiger" über eine Unternehmerfamilie in der Nazizeit. Die Zeit loest Jörg Baberowskis AfD-Entwarnung "Am Volk vorbei" mit Zustimmung und Kritik. Die taz feiert nun auch Anja Kampmanns Sankt-Pauli-Roman "Die Wut ist ein heller Stern". Mehr...

IM KINO

Die Anlässe sind nichtig

Wider die Kultur der unterstellten bösen Absichten: İlker Çataks Berlinalegewinner "Gelbe Briefe", ist ein Film zur rechten Zeit. Und eine Absage an die langweiligen Ausstattungs-Exzesse des Gegenwartsfilms gelingt Çatak auch. Von Thomas Groh. Mehr...

IM KINO

Mit jeder Faser seines Körpers

Jean-Pierre und Luc Dardenne versuchen sich in "Jeunes mères" erstmals an einer episodischen Erzählstruktur. Im Zentrum stehen vier junge Mütter, die auf jeweils unterschiedliche Art der Welt ausgesetzt sind. Von Lukas Foerster. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Im Namen des Guten

03.03.2026. Die New York Times bringt eine erschütternde Recherche zu den Toten der iranischen Proteste vom Anfang des Jahres. Wie es im Iran nach dem Tod Ali Khameneis weitergeht, entscheiden die Revolutionsgarden, meint der New Statesman. Und Wired fragt sich, welche Folgen der Krieg für Trump haben wird. New Lines sammelt die Stimmen von glücklich Geschiedenen in Mauretanien. Der New Yorker fragt sich, warum Shere Hite heute fast vergessen ist, deren Report erstmals erklärte, wie amerikanische Frauen Sex mögen. In Atlantico erklärt der französische Intellektuelle Samuel Fitoussi, warum "Antifaschismus" ein kindischer Begriff ist. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Ulli Kulke, Reinhard Mohr (Hrsg.): "Wenn das Denken die Richtung ändert"

03.03.2026. Sich als links Lesende haben eine Hauptbeschäftigung: Sie definieren, wer "rechts" ist. Die so produzierte Geografie ist in den Köpfen zur Mentalität geworden. Einige deutsche Intellektuelle wie Henryk M. Broder, Reinhard Mohr, Monika Maron, Peter Schneider erzählen in dem Band "Wenn das Denken die Richtung ändert", warum es ihnen nicht mehr sinnvoll erscheint, sich "links" zu verorten. Aus dem Band veröffentlichen wir Ulrike Ackermanns autobiografischen Essay "Einmal Dissident, immer Dissident?" Sie erzählt, wie die westliche Linke seit 1968 in ihren Augen intellektuell verkümmerte. Und "dass die Linke antitotalitäre Impulse und Traditionslinien mehrheitlich verachtete oder totschwieg, habe ich ihr nie verziehen". Mehr...

VORWORTE

Und plötzlich hebt er ab

27.02.2026. Insbesondere mit seinen Romanen hat sich Ben Lerner im deutschen Sprachraum einen Namen gemacht. Teils autobiografisch grundiert, legen sie Perspektiven auf Gegenwartsthemen und auf die amerikanische Lebenswelt des Autors an und vermitteln sein Verständnis von Literatur, Kunst und Dichtung. Auch als Lyriker hat Lerner ein herausforderndes Œuvre vorgelegt - und es ist, als hätte dieser Geist auf neue Art Eingang in seinen jüngsten, überraschenden Roman gefunden. Von Angela Schader. Mehr...

EIN WORT GIBT DAS ANDERE

Sportlich soll es laufen, klar

26.02.2026. Die Soziologiestars Stephan Lessenich, Steffen Mau, Heinz Bude und Koloma Beck (in der Reihenfolge ihres Auftretens) stellten sich im Berliner Renaissance-Theater einem "Battle" zur entscheidenden Frage ihrer Disziplin: Aus welcher Denkschule kommst Du? Es gab keine Sieger, aber viele Verletzte. Das dankbare Publikum gehörte nicht dazu. Von Elke Schmitter. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Keine Weltschöpfung ohne Spiel

24.02.2026. Der New Yorker beobachtet im letzten Tiefland-Urwald in Europa die wahre Flüchtlingskrise. New Lines versteht an der ukrainischen Front den Wert von Fliegenpilzen. Der französische Historiker Georges Bensoussan spricht in Le Point über seine monumentale Geschichte des Zionismus. Der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó erklärt in HVG, warum er heute in Amerika dreht. Harper's blickt auf die AI-infizierte Tech-Szene der Gegenwart. Tikvah Ideas analysiert den linken jüdischen Antizionismus in Amerika. Mehr...

INTERVENTION

Plädoyer für ein Russland-Tribunal

23.02.2026. Gewiss Wladimir Putin erkennt internationale Gerichtsbarkeit nicht an und meidet Länder, die ihn an den Internationalen Strafgerichtshof ausliefern würde. Das sollte demokratische Länder aber nicht davon abhalten, vier Jahre nach Beginn seines zweiten mörderischen Überfalls auf die Ukraine zumindest ein virtuelles Tribunal unter Einbeziehung kompetenter Rechtsgelehrter und Heranziehung aller Beweisquellen abzuhalten. Je eher sich ein solches Tribunal an völkerrechtliche Regularien hielte, desto effektiver würde es Putin und die Putinisten bloßstellen. Von Claus Leggewie. Mehr...

TASCHENBÜCHERBRIEF

Taschenbücherbrief Februar 2026

22.02.2026. Kurt Prödel entspinnt in seiner Coming-of-Age Geschichte über den Außenseiter "Klapper" eine zarte Liebesgeschichte zwischen zwei Außenseitern. Lana Lux erzählt in "Geordnete Verhältnisse" mit Verve und dunklem Humor von der Anziehungskraft des Bösen. Clemens Meyer geht in "Die Projektoren" auf einen wilden Ritt durch das 20. Jahrhundert, von Jugoslawien, über Karl May bis zum NSU. Ines Geipel erzählt in "Fabelland" ihre persönliche geprägte Geschichte des Ostens.  Von Alice Fischer. Mehr...

FOTOLOT

Wie eine Krone aus lebenden Tieren

18.02.2026. Graciela Iturbide, eine der bedeutendsten Fotgrafinnen Mexikos, siedelt ihre Fotografie bewusst an Schnittstellen an: von indigener und hispanischer Kultur, von Arm und Reich, von urbanen und ruralen Räumen, von Mann und Frau, von Leben und Tod. Sie fotografiert Zapoteken, tote Kinder, sich selbst, Vögel, Kakteen. Ihre Retrospektive im C/O Berlin ist ein Muss für alle Freunde der Fotografie.   Von Peter Truschner. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Susanne Heim: Die Abschottung der Welt

09.02.2026. Viele Juden versuchten in den 1930er Jahren verzweifelt, sich aus Nazi-Deutschland ins Ausland zu retten. Doch Aufnahme zu finden, wurde immer schwieriger. Auch auf der internationalen Konferenz von Evian 1938 konnten sich die teilnehmenden Staaten nicht auf Aufnahmekontingente einigen. Nach Kriegsbeginn flohen vor allem polnische Juden Richtung Osten in die Sowjetunion und später in den Iran, wo Margot Kupfer und ihr Mann landeten, nachdem sie erst ins sowjetische Jakutien deportiert worden waren. Eine Leseprobe aus Susanne Heims Buch "Die Abschottung der Welt".  Mehr...

INTERVENTION

Benennen und sprengen

21.01.2026. Gern wird beim Thema "Linke und Iran" auf Michel Foucaults begeisterte Äußerungen zur iranischen Revolution hingewiesen. Gut so, aber die deutsche Geschichte beginnt früher und war eher noch fataler. Und der Schulterschluss der Linken mit den iranischen Mullahs setzt sich auch lange nach der Revolution noch fort. Von Thierry Chervel. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

18.12.2025. Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Zuverlässige Information ist gerade in unzuverlässigen Zeiten wichtig: Wir machen seit dem dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. Besonders danken möchten wir 2.000 unter ihnen, die uns monatlich mit einem  freiwilligen "Abo" unterstützen.  Von Thierry Chervel. Mehr...

SPENDEN

Unterstützen Sie den Perlentaucher

24.11.2021. Der Perlentaucher bietet seinen Service für die Leser kostenlos und möchte dabei bleiben. Falls Sie uns unterstützen mögen - regelmäßig oder einmalig - freuen wir uns! Hier finden Sie verschiedene Möglichkeiten. Mehr...