Sprachmagisches Zirpen

Robert Macfarlanes Zaubersprüche, Vladimir Sorokins Dystopie und A.L. Kennedys zarter London-Roman: Der Bücherbrief

Jims Körper

In der Kunst bewegt mich nicht das "Echte", sondern das Artifizielle, das sich eine Form schafft, die auch anders sein könnte, aber nicht versucht mich zu überwältigen. Von Katharina Hacker

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Die Wortreinigungskraft der Poesie

13.12.2018. Die FAZ folgt mit Ronit Matalon dem Selbstfindungsparcours in der engen Wohnung einer sich verweigernden Braut und verliert sich fast im Surrealen der Poesie Aglaja Veteranyis. Die NZZ sieht im vierten Band von Frederic Pajaks "Ungewissem Manifest" die Schwarz-Weiß-Bilder in unsichtbaren Farben leuchten. Die SZ bewundert das lässige Aufeinandertreffen von poetischer Sprache und Zeitgeschehen in Nora Bossongs Lyrikband "Kreuzzug mit Hund". Die Zeit empfiehlt Alexander Demandts Biografie des Kaisers Marc Aurel. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Am Gürtel hingen die Waffen

13.12.2018. Die Zeit wünschte sich weniger neue Museen in Berlin und dafür mehr Ausstellungen. Die SZ blickt gerührt auf einen kleinen Fluchtweg für die Nymphen in der neuen Eingangshalle der Berliner Museumsinsel. Die NZZ lernt etwas über "Politics of Design, Design of Politics" in einer Münchner Ausstellung. Die taz bewundert die Unentschiedenheit in Sachen Wunder in Xavier Giannolis "Die Erscheinung". Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Komplett unvermittelt nebeneinander

13.12.2018. In Libération erklärt Thomas Piketty, wie er mit Steuern für Reiche Gerechtigkeit in Europa schaffen will. Die "Gilets jaunes" sind ein lupenreines Facebook-Phänomen, schreibt Sascha Lobo in Spiegel online. Thomas Schmid deutet sie in der Welt eher als Ausdruck des uralten Konflikts zwischen Provinz und Paris. Die Zeit veröffentlicht einen Appell von Historikern für einen neuen Umgang Europas mit Kolonialgeschichte. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Ignoranz verleiht Flügel

11.12.2018. Die Gesichtserkennung eröffnet dem New Yorker neue Dimensionen der Fernüberwachung. Der Guardian verfolgt, wie China die Botschaft seiner Macht und Großzügigkeit in der Welt verbreitet, aber nicht die der Menschenrechte, wie die Blaetter hinzufügen. En attendant Nadeau lernt vom polnischen Historiker Karol Modzelewski, die Geschichte zu reiten. Wired versucht, den Thwaites-Gletscher in der Antarktis zu stützen. Und Atlantic glaubt: Die Spur zu Elena Ferrante führt über Heinrich von Kleist und Karoline von Günderrode. Mehr...

BÜCHERBRIEF

Sprachmagisches Zirpen

10.12.2018. A. L. Kennedy zeichnet ein ebenso zartfühlendes wie bitterböses Porträt zweier Londoner, Vladimir Sorokin wirft in seiner tiefschwarzen Dystopie Nabokov, Proust und Co. auf den Grill, Robert Macfarlane schreibt mit lautmalerischen Zaubersprüchen gegen den Verlust der Wörter an und Christopher Clark erkärt tiefenscharf, wie Herrscher das Zeitbewusstsein ihrer Epoche prägten. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Dezember. Mehr...

FOTOLOT

Riss des gesellschaftlichen Gefüges

27.11.2018. Die großartige Michael-Wolf-Ausstellung im  Hamburger Haus der Photographie ist nur durch Zufall zustande gekommen. Eigentlich sollte dort eine Bruce-Weber-Ausstellung stattfinden, die wegen #MeToo-Vorwürfen gegen den Fotografen abgesagt wurde. In künstlerischer Hinsicht war nicht die Ab-, sondern schon die Ansetzung der Weber-Ausstellung ein Problem. Von Peter Truschner. Mehr...

ESSAY

Jims Körper

26.11.2018. Ich kann mit der Idee des Authentischen nichts anfangen und misstraue ihren Verteidigern. In der Kunst bewegt mich nicht das sogenannte Unverfälschte, Echte, sondern das Artifizielle, das, was sichtlich gemacht und hergestellt ist, das sich eine Form schafft, die auch anders sein könnte, aber schön ist und gültig, ohne mich zu überwältigen. Ideen anlässlich einer Verfilmung. Von Katharina Hacker. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Der Perlentaucher braucht Ihre Unterstützung

08.11.2018. Wir Perlentaucher sind überzeugt, dass das Netz ein Feuilleton braucht. Wir halten an einer Idee von Kunst fest, die ihren Anspruch nicht aufgibt, und wir wollen eine offene, auch polemische Debatte. Ort dieser Offenheit ist für uns das Internet. Aber es wird immer schwieriger, sich von Werbung zu finanzieren. Mehr...