Er blickt, sitzt und wartet

Elia Suleimans "Vom Gießen des Zitronenbaums" und "Go Trabi Go 2" von Wolfgang Büld und Reinhard Klooss. Im Kino

Zwischen Folie und Amour

Maren Kames zündet ein Feuerwerk mit Gedichten, Dorota Maslowska rappt über Warschauer Platten- bauten. Bücherbrief

Nicht auf Dauer angelegt

Für Berlin war das Kunst- und Fotojahr 2019 eher ein trauriges. Aber Hoffnung gibt es auch. Peter Truschner

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Was vernünftig ist

18.01.2020. Hegel war ein Philosoph der Freiheit - und Klaus Vieweg beweist es mit seiner Biografie, versichert ein begeisterter Micha Brumlik in der taz. In der FAZ feiert Hermann Parzinger Tim Flannerys Überblick über 100 Millionen Jahre Europa. Außerdem bespricht die FAZ eine Neuausgabe des phantastischen Autors Arthur Machen. Dem Dlf schaudert's mit Aksel Sandemose vor "Jantes Gesetz". Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Literarischer Edelboulevard vom feinsten

18.01.2020. Die Welt feiert das Genre des Reverse Harem, in dem Frau sich eine Reihe Liebhaber hält. Außerdem empfiehlt sie, lieber Gide als Proust zu lesen. Die Junge Welt folgt der Pianistin Dina Ugorskaja in die Nicht-enden-Wollenden tiefen Pianissimotriller von Schuberts B-Dur-Sonate. Kunst als Dienstleistung, das praktizierten feministische Künstlerinnen mit "Maintenance Art" schon in den Siebzigern, lernt die SZ in einer Düsseldorfer Ausstellung. Dezeen bewundert die multifunktionale Unisex-Mode des finnischen Werkzeugherstellers Fiskars. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Nur privat mit ihrer Gefolgschaft

18.01.2020. Zeit online wirft einen Blick auf die deutsche Umsetzung des Leitungsschutzrechts: Verlinken dürfte demnächst schwierig werden. Emma spricht mit Naïla Chikhi über die "Studis gegen rechte Hetze". In der NZZ kritisiert der Historiker Wlodzimierz Borodziej die EU, die auf Wladimir Putins geschichtsrelativistische Äußerungen zum Hitler-Stalin-Pakt nicht reagiert. Die taz recherchiert zu den Vorwürfen gegen die Deutsche Welle. Und im Guardian mokiert sich Fintan O'Toole über die Brexiteers, die zum Brexit gern die Glocken des Big Ben schlagen würden - oder doch lieber nicht? Mehr...

INTERVENTION

Mit Vehemenz

17.01.2020. Der Westen, hört man oft, könne anderen Kulturen nicht "seine Werte aufzwingen" und solle daher aufhören, andersartige politische Systeme zur Demokratie "bekehren" zu wollen. In Wirklichkeit aber sind es autoritäre Regimes wie die des Iran, Chinas und Russlands, die ihrer eigenen Bevölkerung ebenso wie anderen Völkern mit Gewalt ihre "Werte" aufzwingen. In diesen Ländern regen sich Demokratiebewegungen, die der Westen nicht im Stich lassen sollte. Von Richard Herzinger. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Marion Messina: Fehlstart

16.01.2020. Marion Messina erzählt in ihrem Debütroman von einer jungen Jurastudentin, die dem elterlichen Arbeitermilieu in der französischen Provinz entflieht und an der neoliberalen Realität scheitert. Mit Wut, Witz und soziologischer Schärfe zerlegt Messina Paris und die Illusionen einer resignierten Generation. Lesen Sie hier einen Auszug aus Messinas Roman "Fehlstart". Mehr...

IM KINO

Er blickt, sitzt und wartet

15.01.2020. Elia Suleiman ist in seinem Film "Vom Gießen des Zitronenbaums" seine eigene - stumme - Hauptfigur, die in Nazareth, Paris und New York von Palästina träumt. Wolfgang Büld und Reinhard Klooss mischen den DDR-Klischees in "Go Trabi Go 2 - Das war der wilde Osten" noch etwas Kapitalismusgroteske bei. Von Nicolai Bühnemann, Ekkehard Knörer. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Der Narzissmus der kleinen Unterschiede

14.01.2020. Der New Yorker erklärt, warum Vielfalt affirmative action braucht. Respekt erinnert an den Filmemacher Ivan Passer. Bloomberg erzählt, wie sich die katholische Kirche in Amerika arm rechnet. The Atlantic warnt vor den Echokammern der sozialen Medien, die zu Realitätsverlust und Stammesdenken führen können. Die New York Times stellt die neue Technologie des Genantriebs vor, die uns weniger Malariatote, einen boomenden Markt für Ethiker und jede Menge noch unbekannter Folgen bescheren könnte. Mehr...

BÜCHERBRIEF

Zwischen Folie und Amour

13.01.2020. Maren Kames zündet ein poetisches Feuerwerk mit David Bowie und Friedrich Schiller, Dorota Maslowska rappt rhythmisch, rau und unbändig über das Leben in Warschauer Plattenbauten, Tim Flannery entfaltet ein funkelndes Panorama der ersten 100 Millionen Jahre Europa und Ulrich Pfisterer erdet Raffael. Dies alles und mehr in unseren besten Büchern des Monats Januar. Mehr...

FOTOLOT

Nicht auf Dauer angelegt

08.01.2020. Für Berlin war das Kunst- und Fotojahr 2019 eher ein trauriges. Namhafte Galerien haben geschlossen, die musealen Institutionen erschöpfen sich in Routine, die Art Berlin schließt ihre Tore, der Kunstmarkt ist hier quasi inexistent, in der ganzen deutschen Kunstszene  gibt es einen Trend zu Musealisierung und Bürokratisierung, vorangegetrieben durch eine mutlose Kulturpolitik, die die größten Summen nur mehr in Gebäude und festes Personal investiert. Aber es gibt Grund zu Optimismus: Es kann nur besser werden. Von Peter Truschner. Mehr...

INTERVENTION

Peter Handke: Fossil und Pionier

19.12.2019. In Wahrheit ist das Gerede von der unberührbaren Autonomie des Ästhetischen Ausdruck einer Untertanenmentalität. Deren Vertreter werfen sich ersatzweise vor dem großen Schriftsteller in den Staub, für den die moralischen Standards von Normalsterblichen nicht gelten sollen. Rückblick auf die Debatte um Peter Handke, die den literarischen Geniekult deutscher Prägung endgültig diskreditierte. Von Richard Herzinger. Mehr...

FOTOLOT

Wenn man sich nur traut

17.12.2019. Über Lisa Barnard, eine Fotografin auf der Jagd nach Gold. Über "Rosetta", einen Kometen und Xavier Barral, einen zu jung verstorbenen Verleger. Und über einen Fotografen, der selbst einschlug wie ein Komet, Masahisa Fukase. Drei Fotobücher zu Weihnachten. Mehr...

ESSAY

Glücksversprechen

08.12.2019. Nicht nur, dass es in vielen dieser Geschichten schneit. Bei Posy Simmonds, Chris Ware, Max Cabanes und Riad Sattouf mischen sich einige Welten, die allesamt eines gemeinsam haben: Sie können dazu beitragen, das Weihnachtsfest unterhaltsamer zu gestalten. Eine Comic-Kolumne Von Stefanie Diekmann. Mehr...

INTERVENTION

Keine Sucht nach uns

02.12.2019. Eine "Widerstandssäule" mit der Asche ermordeter Juden? Bei mir lösen die Philipp Ruchs Aktionen stets eher einen physischen Widerwillen aus. Mich stört die Nekrophilie, das Kapern realer Leichen für ästhetische Zwecke. Man könnte es die Gunther-von-Hagenisierung der allerjüngsten Avantgarde nennen. Von Thierry Chervel. Mehr...

ESSAY

So müssen wir es kitten

20.11.2019. Man (und frau) kann der Sprache Gewalt antun. Und eine gewalttätige Sprache kann zu physischer Gewalt führen. Die ins Extrem getriebene Genderisierung und Political Correctness in der Sprache und die sprachliche Enthemmung, die auf Verletzung, ja Vernichtung einer Person zielt, sind Komplementärphänomene. Zu bekämpfen sind beide im Namen der Zivilität. Von Jochen Hörisch. Mehr...

ESSAY

Niemandsrechte mit Ewigkeitsklausel II

18.11.2019. Individualrechte sind, Eigentums- und Freiheitsrechte voran, als Mittel der Selbstbehauptung Einzelner gegen andere, gegen Gemeinschaft, gegen Gesellschaft und gegen Ansprüche des Staates ausgelegt. Da kommt so schnell keine Achtung für das Gemeinsame auf. Wer die Klimakrise bewältigen will, muss die Systemfrage stellen. Die Idee der "Commons" weist den Weg: Mieten oder pachten ja, besitzen nein. Von Daniele Dell'Agli. Mehr...

ESSAY

Handkes Serbien

07.11.2019. Peter Handke war schon vor dem Nobelpreis ein vielfach ausgezeichneter Schriftsteller. Aber ein Tag im Leben Handkes war doch besonders: Am 8. April 2013 erhielt er in Belgrad gleich drei Auszeichnungen. Die Preise, seine Laudatoren und die Autoren und Politiker, die ihn auszeichneten, erlauben einen unheimlichen Blick auf Handkes Serbien. Von Vahidin Preljevic. Mehr...

ESSAY

Die Spur des Irrläufers

25.10.2019. Man soll Peter Handke bitte genau lesen, sagen Eugen Ruge und Thomas Melle. Gut, dann sei er hier nochmal gelesen und in den Kontext gestellt. Vielleicht schauen die Handke-Verfechter dann auch mal aus ihrer Lektüre auf und nehmen die Fakten zur Kenntnis. Handke idolisierte die gleichen rechtsextremen Kriegsverbrecher wie später Andres Breivik und Brenton Tarrant. In einer extremistischen Postille relativierte Handke noch im Jahr 2011 den Genozid von Srebrenica. Von Alida Bremer. Mehr...