Freak der Freaks

Timothy Garton Ash über die deutschen Rechten. Mihaly Kornis über Mut. GQ über William Browder. Magazinrundschau

Über Dokumentarfilme richten

Die Aufregung bei den Dokfilm-Festivals in Leipzig und Duisburg zeigt, wie sich Horizonte verengen. Von Frédéric Jaeger

Radikaler Optimismus

Frisch für Sie zusammen- gestellt, liebe Leser: die aktuellsten, besten und umstrittensten Bücher in diesem Herbst.

MEDIENTICKER

Läuft doch

23.11.2017. Freiwillig in die Abhängigkeit: Facebook & die Medien - Politische Inszenierung: Wie soziale Medien Deutschland regieren -  Android-Überwachung: Google sammelt Standortdaten - Höckes Mahnmal: Youtube sperrt Account - Haltlose Unterstellung: Verteidigung des Schweizer Buchpreises + In der Tate Modern Modigliani & die Frauen.

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Schlag in den Nacken

23.11.2017. In der Berliner Zeitung verteidigt Philipp Ruch seine Mahnmal-Aktion im Garten neben Björn Höcke: Wir leisten Nachbarschaftshilfe. Die Feuilletons sind wenig beeindruckt. Mahn­mal-In­itia­to­rin Lea Ro­sh findet die Aktion dagegen prima. In der NZZ denkt Saša Stanišić über die Bedeutung von Herkunft nach. Der Freitag sucht einen Nachfolger für Dieter Kosslick, möglichst nicht aus der Filmförderung. Der Perlentaucher feiert Kathryn Bigelows "Detroit" als Anti-Tarantino. Zeit online wird mit Björk zum Rainer Langhans.

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Drei wurden verkauft

23.11.2017. Wieviele Karrieren hat der Sexismus in Hollywood und anderswo zerstört, fragen das New York Magazine und die New York Times. Auch die Tabus des weiblichen Bewusstseins müssen thematisiert werden, schreibt Urlula März in der Zeit. Le Monde Afrique berichtet über Sklaverei in Libyen und prangert die Kollaboration der EU an. Was treibt den WDR eigentlich, ein großes Spektakel mit dem Antisemiten Roger Waters zu planen, fragt die Jüdische Allgemeine.  Das Urteil gegen Ratko Mla­dic wird begrüßt - und doch lesen sich die Kommentare bitter.

IM KINO

Heiliger Furor

22.11.2017. In Kathryn Bigelows meisterlichem Feelbad-Movie "Detroit" bricht ein rassistischer Polizist ein furchterregendes Folterspektakel vom Zaum. Fatih Akin bringt in "Aus dem Nichts" Form und Inhalt in keinen produktiven Zusammenhang - schon gar nicht, wenn man noch das reale Vorbild des Films, die NSU-Morde, mit ins Spiel bringt. Von Nicolai Bühnemann, Thomas Groh.

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Dritte Avantgarde

22.11.2017. Wie man frei über Wissenschaft und Kunst nachdenken und dabei poetisch und doch verständlich schreiben kann, lernt die FAZ aus Gaston Bachelards Essays aus den 30er Jahren, die im Band "Der Surrationalismus" vereinigt sind. Großes Lob auch für Christophe Boltanskis Familiengeschichte "Das Versteck". Die SZ lässt sich von Julia Kissina Autoren der russischen "neuen Welle" vorstellen. Die taz steuert mit Max P. Häring und Arno Tauriinen durch die "goldgefasste Finsternis" Wiens.

MAGAZINRUNDSCHAU

Freak der Freaks

21.11.2017. In der NYRB empfiehlt Timothy Garton Ash den Deutschen, mit ihren Rechten zu reden. Im New Yorker erklärt Peter Schjeldahl seine Frustration mit Leonardo da Vinci. Im New York Magazine überlegt Rebecca Traister, wo genau wir in der Missbrauchs-Debatte gerade stehen. In Eurozine zupft Maurice Earls den Briten schon die Mohnblume aus dem Knopfloch. Micromega beglückwünscht den Zentralrat der Ex-Muslime. Gentlemen's Quarterly erzählt, warum Putin William Browder hasst.

IM KINO

Über Dokumentarfilme richten

17.11.2017. Die beiden wichtigsten deutschen Festivals für Dokumentarfilme, das Dok Leipzig und die Duisburger Filmwoche, treffen sich trotz ihrer unterschiedlichen Ausrichtung in ihren Diskursen. In Leipzig sorgt dafür ein Film über Pegida, in Duisburg das Porträt eines sich weltoffen gebenden Imams. Und eine Diskussion im Anschluss an Romuald Karmakars "Denk ich an Deutschland in der Nacht" zeigt, dass ein Film über elektronische Musik die Gemüter stärker erhitzen kann als jeder Populismus. Von Frédéric Jaeger.

BÜCHER DER SAISON

Radikaler Optimismus

06.11.2017. Tristan Garcia will "intensiv leben". Annie Ernaux, die von den deutschen Feuilletons entdeckt wird, und Peter Nadas machen ihm vor, wie das geht - "Die Jahre" und die "Aufleuchtenden Details" gehören zu den Romanen der Saison, die bleiben. Im Sachbuch geht ein Gespenst um, der Kommunismus. Durchs politische Buch kreuzen die Flüchtlinge, durchs Kinderbuch rollt ein grüner Stachelball. Hier sind sie, die Bücher der Herbstsaison 2017.

Literaturbeilagen

Wir haben die Buchmessenbeilagen aus dem Herbst 2017 ausgewertet. Unsere Notizen zu den besprochenen Romanen, Kinder-, Sach- und politischen Büchern finden Sie hier.

ESSAY

Nur mit Genehmigung des Instituts für Zeitgeschichte

18.10.2017. Schon 1963, zwei Jahre nach Erscheinen der Originalausgabe, erwarb der Droemer Knaur Verlag die deutschen Rechte für Raul Hilbergs Standardwerk "Die Vernichtung der Juden in Europa". Die Veröffentlichung scheiterte nicht zuletzt aufgrund negativer Voten der Institution, die für die Aufarbeitung der Geschichte gegründet worden war. Erst 1982 brachte ein winziger linker Verlag die deutsche Übersetzung des Werks. Von Götz Aly.

FOTOLOT

Die umgekehrte Jacke

04.10.2017. Versuche, die Transzendenz mit negativen Figuren zu beschreiben, gibt es seit dem Mittelalter. Die Negative des Neuropsychologen und Fotografen Hennric Jokeit versuchen wie mit einem Röntgengerät den Stützapparat der Dinge, der Objekte zu erfassen. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass auf seinen Aufnahmen so viele Bauwerke sind, aus denen sich Archiformen herausschälen, die ursprünglichen Strukturen, auf die die Welt sich gründet. Ein Versuch, die Negative zu lesen. Von Eugenijus Alisanka.