Intrigen und Herzflimmern

Elena Ferrante. Catherine Meurisse. Otfried Höffe und Michael Lewis über Daniel Kahneman. Der Bücherbrief

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Paris, Neapel, Ibiza

22.02.2017. Im Rezensentenhimmel schwebt die FAZ mit Walter Benjamins neu edierten Essays "Über Städte und Architekturen". Geradezu atemberaubend findet die NZZ Gusel Jachinas Debütroman "Suleika öffnet die Augen", der von einer jungen Tatarin in Stalins Sowjetunion erzählt. Außerdem lässt sie sich von Georg Seeßlen erklären, wie man einem Rowdy in der Politik beikommt. Die taz liest Götz Alys neues Buch "Europa gegen die Juden".

MEDIENTICKER

Prosa als Programm

22.02.2017. Aktualisiert: Amnesty-Jahresbericht: Die Welt wird finsterer &  unsicherer - Pressefreiheit auf Türkisch: Warum Ankara Angst vor Deniz Yücel hat - Roboterjournalismus: Erkennen Leser den Unterschied? - Identitätsdebatte: "Deutsch-Sein heißt, weltbürgerlich zu denken", sagt Dieter Borchmeyer - Heimat & Zuhause: Vereinnahmt von Klischees - Dichter & Mystiker: Peter Handke & Jakob Böhme - Jane Bowles zum Hundertsten: Attacke auf bürgerliche Anstandsregeln +  "Godfather of Fusion": Zum Tod von Larry Coryell.

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Der illusionslose Blick des Expressionisten

22.02.2017. Die FAZ fragt, ob eigentlich auch Frauenbünde im Opernbetrieb funktionieren würden. Die SZ zeichnet den Architekten, der auf sein Recht besteht, als tragischen Helden. Der Standard erschauert vor der entblößten Wahrheit in den Zeichnungen Egon Schieles. Der Tagesspiegel sinniert nach Peter Bergs Dokudrama-Thriller "Boston" über die innere Leere nach einem Terroranschlag. Die taz fragt, ob das deutsche Kino jemals einen Film mit dem Titel "Breitscheidplatz" zuwege brächte.

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Die Geheimdienste am Datentisch

22.02.2017. Religionsfreiheit hat eine Grenze, sie liegt dort, wo staatliche Neutralität in Frage gestellt wird, schreibt Ahmad Mansour in der Welt. Die FAZ geißelt die Willfährigkeit der EU bei der Speicherung von Flugdaten. Facebook und Google sollten etwas von ihren Gewinnen für investigativen Journalismus abgeben, findet Steven Waldman in der New York Times. Und politico.eu beschreibt die Angst der Iren vorm Brexit.

MAGAZINRUNDSCHAU

Dort leben die Unsichtbaren

21.02.2017. Harper's berichtet vom Treffen des World Congress of Families, auf dem sich westliche Schwulenfeinde von östlichen trösten ließen. In El Pais Semanal träumt Valeria Luiselli von maßgeschneiderten Landkarten. Die LARB trauert dem metaphysischen Abgrund der osteuropäischen Literatur hinterher. In Ceska pozice sieht der israelische Historiker Yuval Noah Harari schon die nächste große Ungleichheit voraus - die bioglogische. Wired sucht Wege aus der Krise des Journalismus.

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Die freie Liebe im Südpazifik

20.02.2017. Als Tolle Wortmusik feiert die FAZ das Klangkunstwerk  "Peng Peng Peng"  von Nora Gomringer und Philipp Scholz. Außerdem folgt sie auch in der Hörbuchfassung von Thoma Luz Judith Schalansky freudig durch alle Weltmeere und zu den abgelegenen Inseln.  Die SZ ackert sich durch Dieter Borchmeyers tausendseitige Untersuchung der "Was ist deutsch?"

BÜCHERBRIEF

Intrigen und Herzflimmern

06.02.2017. Ales Stegers Logbuch der Gegenwart erschließt uns die Welt. Alexander Goldstein führt uns in Zeiten der UdSSR nach Baku. Charlie-Hebdo-Zeichnerin Catherine Meurisse liefert "Bewusstseinsanschauungen in Tusche". Michael Lewis erzählt die Geschichte der Verhaltenspsychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky - dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Februar.

VORGEBLÄTTERT

Götz Aly: Europa gegen die Juden 1880 - 1945

15.02.2017. In seinem Buch "Europa gegen die Juden 1880 - 1945" stellt Götz Aly den modernen Antisemitismus als grenzüberschreitendes Phänomen dar. Ohne die Schuld der deutschen Täter zu mindern, zeigt er, wie Diskriminierung und Pogrome seit Ende des 19. Jahrhunderts vielerorts dazu beigetragen haben, den Boden für den Völkermord zu bereiten. Wir wählen als "Vorgeblättert" seinen Abschnitt über die Konferenz von Evian 1938 - wo die westlichen Länder über die Aufnahme verfolgte Juden verhandelten. Aly stellt sein Buch nächste Woche in Berlin vor.

AUßER ATEM: DAS BERLINALE BLOG

Verlassen und Verlassen-Werden - ein Festivalresümee

17.02.2017. Beziehungskrisen, aber vor allem ein Rückzug in die ästhetische Komfortzone prägen diesen Jahrgang. Liegt es daran, dass das Kino auf der Berlinale wirkte wie eine überalterte Kunst? Aber an den Rändern des Festivals plädieren einige Filme für einen absichtslosen Blick in die Welt. Und in Nebensektionen gab es die Filme, über die eigentlich gestritten werden sollte, Nicolas Wackerbarths "Casting" und Raoul Pecks "I am not your Negro" (Auf dem Bild: Bärenfavorit Aki Kaurismäki, Foto: Malla Hukkanen) Von Thomas Groh, Anja Seeliger.