Zeitgenossen

Geisterort für Gruselpartys, Christen an der Front, ein Wechsel ins Fach der ernsten Beziehung. Arno Widmann räumt Bücher vom Nachttisch

Was mit Migranten

n+1 ergibt sich dem Transhumanismus. Atlantic sucht 25 Millionen eingescannte Bücher. Die Magazinrundschau

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Ohne Kopfschmerzen

26.04.2017. Die FAZ erlebt mit Colin Jones die Revolution des Lächelns. Mit polnischem Witz übersteht man auch kräftezehrende slawische Identitätsdebatten, freut sich die SZ und empfiehlt Ziemnowit Szczereks Satire "Mordor kommt und frisst uns auf". Die NZZ lernt mit E.C. Osondu die Familie eines nigerianischen Patriarchen kennen. Die taz wagt sich unter Sachsen.

MEDIENTICKER

Selbstzerstörende News

26.04.2017. Aktualisiert: Documenta spaltet Athen - Reporter ohne Grenzen: Pressefreiheit weltweit in Gefahr -  PEN-Tagung in Dormund fordert Freiheit für Autoren in Gefangenschaft - Snapchat-App mit deutschen Medienpartnern &  Erfolgreiche Apps lösen sich vom linearen Charakter des Buches - Fake News: Jimmy Wales will den Journalismus retten & Google mit dem Project Owl auch - Auflagen: Zeitungen verlieren mehr als 10 Prozent - Klaus Böldl & die Sehnsucht nach dem eigenen Verschwinden + Gespräche mit Jagoda Marinic & Wladimir Kaminer.

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Diskriminierungsfreier Zugang

26.04.2017. In Le Monde kann es der Historiker Pascal Ory kaum fassen: Ein Zentrumsmann könnte Präsident in Frankreich werden. Aber es könnte ihm ergehen wie Matteo Renzi, fürchtet Politico.eu. Sigmar Gabriel wird nicht von Benjamin Netanjahu empfangen. Dabei fühlt er stark mit Israel, erklärt er in der Berliner Zeitung, denn "Sozialdemokraten waren wie Juden die ersten Opfer des Holocaustes". Der Freitag fürchtet, dass linke und rechte Identitätspolitik verwandter sind, als ihnen klar ist. Und die FAZ staunt über die brummende Musikindustrie.

POST AUS LOS ANGELES

Ende des kleinen Grenzverkehrs

24.04.2017. Donald Trumps Pläne, eine Mauer zwischen den USA und Mexiko zu bauen, werden immer konkreter. Fest steht: Sie wird den amerikanischen Steuerzahler rund 21 Milliarden Dollar kosten. Erste Entwürfe können bereits begutachtet werden. Malibu hat sich bereits zur sanctuary city für Einwanderer erklärt. Von Sascha Josuweit.

ESSAY

Ausgehaltene Netzwerke

12.04.2017. Wir dokumentieren György Konrads "Antwortschreiben an den Ministerpräsidenten Ungarns", ein Dokument des kalten Zorns auf den "schädlichsten ungarischen Politiker" seit der Wende, der sich erfrecht, die Central European University zu schließen, und sich nicht scheut, aus dem Phrasenarsenal des politischen Antisemitismus zu schöpfen. Von György Konrad.

FOTOLOT

Der scheinbar schwebende Teppich

20.03.2017. Die meisten Magnum-Bücher verfolgen einen dokumentarischen Ansatz, das versteht sich bei dieser Agentur von selbst. Aber die Magnum-Fotografen sind mehr als Journalisten, ja, mehr als Reporter. Das "Magnum Photobook" zeigt, welche Bedeutung das Buch für sie hatte und - was im Zeitalter der Digitalisierung das Erstaunlichste ist - hat. Von Thierry Chervel.

ESSAY

Rekonstruktion der Mitte

15.03.2017. Mit Emmanuel Macron versucht erstmals ein ernstzunehmender Demokrat die defizitär gewordene repräsentative Demokratie aus den Hinterzimmern der politischen Klasse herauszuführen, sie zu transformieren und ihr wieder zu mehr Legitimation zu verhelfen. Weder das politische Retrodesign eines Martin Schulz, noch die Verwaltung der Stadt Berlin nach den Vorstellungen von Radfahrern und Mieterinnen können dazu eine Alternative bieten. Von Max Thomas Mehr.

ESSAY

In der Sonosphäre

14.03.2017. Was wäre, wenn die Schwebezustände der minimalistischen Klang-Blasen ein höheres Subversionspotenzial bereit halten als alles, was die Avantgarden des 20. Jahrhunderts bis hin zu Free Jazz und Artrock mit ihren Konflikt-, Protest- und Radaudramaturgien einst zu mobilisieren versuchten? Meditation über Brian Enos "Reflection" Von Daniele Dell'Agli.

VORGEBLÄTTERT

Götz Aly: Europa gegen die Juden 1880 - 1945

15.02.2017. In seinem Buch "Europa gegen die Juden 1880 - 1945" stellt Götz Aly den modernen Antisemitismus als grenzüberschreitendes Phänomen dar. Ohne die Schuld der deutschen Täter zu mindern, zeigt er, wie Diskriminierung und Pogrome seit Ende des 19. Jahrhunderts vielerorts dazu beigetragen haben, den Boden für den Völkermord zu bereiten. Wir wählen als "Vorgeblättert" seinen Abschnitt über die Konferenz von Evian 1938 - wo die westlichen Länder über die Aufnahme verfolgte Juden verhandelten. Aly stellt sein Buch nächste Woche in Berlin vor.