Bild zu Klang

Homosexuelle als Sündenböcke, Schriftsteller und ihr Bankkonto. Die Magazinrundschau

Intrigen und Herzflimmern

Elena Ferrante. Catherine Meurisse. Otfried Höffe und Michael Lewis über Daniel Kahneman. Der Bücherbrief

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Der Radius des Pikaresken

18.02.2017. Mit gemischten Gefühlen liest die FAZ Ingeborg Bachmanns Traumaufzeichnungen, Briefe und Briefentwürfe, die den Auftakt zur großen Salzburger Werkausgabe bilden. Der SZ hat Julian Barnes' Roman "Der Lärm der Zeit" außerordentlich gut gefallen. Die NZZ empfiehlt Joshua Cohens Roman "Solo für Schneidermann". Und die Welt preist Franzobels Historienroman "Das Floß der Medusa" als das größte Grausamkeitstheater seit Grimmelshausen.

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Wir selbst sind das Medium

18.02.2017. Die Feuilletons nehmen Abschied vom großen griechischen Künstler Jannis Kounellis. Die Welt erklärt, was an dem filmischen Dokument von Marcel Proust so aufregend ist. Die FAZ erlebt mit Philip Tiedemanns Inszenierung von Heiner Müllers "Herzstück" im Berliner Ensemble einen vergnüglichen Abschiedsabend. Der Kurier verzweifelt an der Wiener Unfähigkeit zu spektakulärer moderner Architektur. Das Zeit Magazin entdeckt die Unterhose als Mittel des politischen Protests. Und A.V. Club meldet: Der heilige Gral der Nouvelle Vague ist bei Youtube aufgetaucht!

AUßER ATEM: DAS BERLINALE BLOG

Verlassen und Verlassen-Werden - ein Festivalresümee

17.02.2017. Beziehungskrisen, aber vor allem ein Rückzug in die ästhetische Komfortzone prägen diesen Jahrgang. Liegt es daran, dass das Kino auf der Berlinale wirkte wie eine überalterte Kunst? Aber an den Rändern des Festivals plädieren einige Filme für einen absichtslosen Blick in die Welt. Und in Nebensektionen gab es die Filme, über die eigentlich gestritten werden sollte, Nicolas Wackerbarths "Casting" und Raoul Pecks "I am not your Negro" (Auf dem Bild: Bärenfavorit Aki Kaurismäki, Foto: Malla Hukkanen) Von Thomas Groh, Anja Seeliger.

AUSSER ATEM: DAS BERLINALE-BLOG

Kleine Internationale nach Brandenburg

17.02.2017. Kunstdiskurs und revolutionäre Praxis bei der Apfelernte: Julian Radlmaiers "Selbstkritik eines Bürgerlichen Hundes". Das Beil schon in der Hand: Liu Jians Anime "Have a Nice Day". In den saftigsten Farben: Merzak Allouaches "Investigating Paradise". Im Rosengarten mit Hong Sangsoos Wettbewerbsbeitrag "On The Beach At Night Alone". Wie ein komplizierter Tanz: Raja Amaris "Foreign Body". Das Verlangen nach Reinheit schafft Monster: Raoul Pecks "I Am Not Your Negro" und "Der junge Karl Marx".

MEDIENTICKER

Nein, Sir, wir sind keine Deppen

17.02.2017. Aktualisiert: Trumps manipulative Medien-Umfrage -Viele Zeitungen vertreten nicht das Interesse ihrer Leser, meint Jakob Augstein -  Urheberrechts-Reformpläne: Appell der Verlage & Schriftsteller zur Publikationsfreiheit - Türkei: Schlagstöcke gegen die Freiheit der Wissenschaft & Eine Art Fäulnis, die dem Faschismus den Boden bereitet - Auszeichnung: Rüdiger Safranski erhält Ludwig-Börne-Preis & Ein Kommentar von Svenja Flaßpöhler + In memoriam:Hedwig Courths-Mahler zum Hundertfünzigsten & Carson McCullers zum Hundertsten.

VORGEBLÄTTERT

Götz Aly: Europa gegen die Juden 1880 - 1945

15.02.2017. In seinem Buch "Europa gegen die Juden 1880 - 1945" stellt Götz Aly den modernen Antisemitismus als grenzüberschreitendes Phänomen dar. Ohne die Schuld der deutschen Täter zu mindern, zeigt er, wie Diskriminierung und Pogrome seit Ende des 19. Jahrhunderts vielerorts dazu beigetragen haben, den Boden für den Völkermord zu bereiten. Wir wählen als "Vorgeblättert" seinen Abschnitt über die Konferenz von Evian 1938 - wo die westlichen Länder über die Aufnahme verfolgte Juden verhandelten. Aly stellt sein Buch nächste Woche in Berlin vor.

MAGAZINRUNDSCHAU

Technik der Angsterzeugung

14.02.2017. Unter Trump werden Homosexuelle auf der ganzen Welt zu leiden haben, fürchtet Foreign Affairs. Wie man soziale Identität in eine Waffe umschmiedet, kann man von Trump gut lernen, meint die Columbia Journalism Review. Hier ein Deal, da eine Fassbombe - Assad ist sehr flexibel, konstatiert die NYRB. Magyar Narancs untersucht die Hintergründe des neuen Imre-Kertesz-Instituts in Ungarn. Das Bookforum denkt über Geld und gute Literatur nach. Roads & Kingdoms reist ins georgische Poti, wo einst Herodot die Grenze zwischen Europa und Asien zog.

AUßER ATEM: DAS BERLINALE BLOG

Als es noch Zukunft gab

09.02.2017. Die Zukunft ist auch nicht mehr, was sie einmal war: Mit "Future Imperfect" nimmt die Retrospektive der Berlinale das eher düstere Science-Fiction-Kino in den Blick. Ein Streifzug durch die Vergangenheit des Kinos der Zukunft. Von Thomas Groh.

AUßER ATEM: DAS BERLINALE BLOG

Gemacht, um umwerfend zu sein

09.02.2017. Die Hommage der Berlinale gilt in diesem Jahr der italienischen Kostümdesignerin Milena Canonero, die mit einem Ehrenbären ausgezeichnen wird. Canonero, berühmt für ihre farbintensiven Entwürfe, schuf unter anderem die Kostüme für Kubricks "Clockwork Orange", Pollacks "Out of Africa" und Coppolas "Marie Antoinette". Eine Würdigung Von Katrin Doerksen.

BÜCHERBRIEF

Intrigen und Herzflimmern

06.02.2017. Ales Stegers Logbuch der Gegenwart erschließt uns die Welt. Alexander Goldstein führt uns in Zeiten der UdSSR nach Baku. Charlie-Hebdo-Zeichnerin Catherine Meurisse liefert "Bewusstseinsanschauungen in Tusche". Michael Lewis erzählt die Geschichte der Verhaltenspsychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky - dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Februar.

IM KINO

Natürlich Fado

01.02.2017. Aktueller, als einem lieb ist, fühlt sich "Hidden Figures" an, Theodore Melfis Biopic über drei schwarze Wissenschaftlerinnen, die in den 1960er Jahren bei der NASA Karriere machten. Nicolas Pesces Horrorfilm "The Eyes of My Mother" schert sich nicht darum, seine bizarre Welt mit der Normalität zu vermitteln. Von Lukas Foerster, Fabian Tietke.

FOTOLOT

Geformt von Unsichtbarem

20.01.2017. Es ist das Wesen von Armand Quetschs Bildern, dass man in ihnen gewissermaßen zu Hause und dass es einem dabei dennoch unheimlich ist. Das Vertraute schaut dem Fremden zum Verwechseln ähnlich. Von Peter Truschner.

ESSAY

Eine einfache Frage

24.12.2016. Hört auf mit den Trauerfloskeln: Eine der Debatten, die nach dem Berliner Attentat zu führen sind, ist die schlichte Debatte, ob es überhaupt ein Sicherheitskonzept für den Breitscheidplatz gegeben hat. Dass Weihnachtsmärkte im Visier der islamistischen Terroristen stehen, war doch längst bekannt. Und der Platz um die Gedächtniskirche ist ein symbolischer Ort. Gerade die Opfer des Anschlags haben einen Anspruch auf Aufklärung. Von Eva Quistorp.