Die große Kapitulation

Grausam: Wie die SPD-Führung von der CSU/CDU vorgeführt wird und wie die Süddeutsche Zeitung dabei assistiert. Was wenn die "Basis" dagegen votiert? Von Wolfram Schütte

Verschobene Offenbarungen

Michael Almereydas Sci-Fi-Film "Marjorie Prime" und François Ozons "Der andere Liebhaber". Im Kino

Die kritische Differenz

Wer mehr Freiheit in der Kunst will, müsste mehr (und nicht weniger) über soziale Differenz sprechen. Eine Replik auf Wolfgang Ullrich von Eva-Maria Troelenberg

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Eine Art Litfasssäule für Poesie

24.01.2018. Der Guardian trifft Nan Goldin, die dank der kultivierten Familie Sackler wieder heroinabhängig wurde. Die FR jubelt über Manfred Trojahns virtuos-verrückte Musikkomödie "Enrico" an der Oper Frankfurt. Die SZ staunt, wie die Alice-Salomon-Hochschule Eugen Gomringers angefeindetes Gedicht "Avenidas" in Routine verschwinden lassen will. Die NZZ erlebt in Dubai die neue Architektur der heißen Luft. Die FAZ erinnert daran, wie in München mit dem Denkmalschutz kurzer Prozess gemacht wird.  Und alle trauern um Südafrikas Jazz-Legende Hugh Masekela.

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Auf der Suche nach Narren

24.01.2018. Die SZ fragt nach dem Sinn ethnologischer Museen im Zeitalter der Globalisierung. Die NZZ erklärt, wie die Abschaffung der Netzneutralität in Zensur resultieren kann. Setzt Beppe Grillo sich von der Fünf-Sterne-Bewegung ab, fragt politico.eu. Spiegel online prangert den Verrat des Westens an den Kurden an. Die SPD hat die Arbeiterklasse verraten, aber anders als man denkt, analysiert die FAZ. Und auch die deutschen Zeitungen wollen jetzt Geld von Facebook.

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Die Hellhörigkeit des Eremiten

23.01.2018. Heute werden Gedichte besprochen: Die NZZ lauscht den betörenden Klängen der beiden Schweizer Sprachmagier Pierre Chappuis und Ugo Petrini und lernt so die Welt kennen. Die SZ bewundert Transzendenz und Sinnlichkeit in Pia Tafdrups Band "Tarkowskis Pferde". Und die FAZ entdeckt bisher unbekannte Gedichte von Pablo Neruda.

MAGAZINRUNDSCHAU

Zeit ist ein Pfeil

23.01.2018. Der New Yorker sucht nach den Spuren des vergessenen Autors William Melvin Kelley. Das New York Magazine untersucht Glenn Greenwalds kuschliges Verhältnis zu Russland. In Magyar Narancs bekennt sich der Maler Ákos Birkás zu  seiner Unberechenbarkeit. In der New York Review of Books denkt Masha Gessen über Wahlmöglichkeiten nach. Intercept präsentiert die umfassenden Stimmerkennungstools der NSA.

MEDIENTICKER

Rache im Remix

23.01.2018. NetzDG: Facebook will keine Meinungspolizei sein - Rassistische Demo in Cottbus: Bedrohung von rbb-Mitarbeitern - Netflix-Quartalsbilanz: Streaming-Pionier steigt zum 100 Milliarden-Dollar-Koloss auf - Tendenz fallend: Verschwinden Bücher aus der öffentlichen Wahrnehmung? - Manipulation ist Entmündigung oder Manipulation als legitimes Mittel - Podcasts & Kolumnen: Hörbücher mit Journalismus? - Buch der Zahlen: Der Roman des digitalen Zeitalters + Zum  Tag der Handschrift: Warum die Handschrift so wichtig ist.

IM KINO

Verschobene Offenbarungen

17.01.2018. In Michael Almereydas zauberhaften Science-Fiction-Film "Marjorie Prime" wird künstliche Intelligenz zum Medium der Erkenntnis. François Ozons "Der andere Liebhaber" schickt eine Frau erst zum Gynäkologen, dann zu zwei fast identischen Psychiatern. Von Nicolai Bühnemann, Lukas Foerster.

ESSAY

Die kritische Differenz

17.01.2018. Wolfgang Ullrich preist in seiner Bilanz des "Superkunstjahres" 2017 die Freiheit des Kunstmarktes gegenüber dem Moralismus der Kuratorenkunst - aber er meint die Freiheit des ökonomisch Erfolgreichen. Wer mehr Freiheit in der Kunst will, müsste mehr (und nicht weniger) über soziale Differenz sprechen, die sich an Kategorien von Ethnie, Geschlecht, und eben nicht zuletzt auch ökonomischer Teilhabe manifestiert. Eine Replik
Von Eva-Maria Troelenberg.

FOTOLOT

Eingeschriebene Abwesenheit

04.01.2018. Alec Soth ist weniger Klassiker geworden, als dass er vielmehr von Anfang an wie ein Klassiker an die Sache heranging. Seine Bilder von Außenseitern und sanft insistierenden Panoramen haben ebenso viel mit der Gegenwart des US-Heartlands zu tun wie mit Landschaften von Ruisdael bis Corot. Die Hamburger Ausstellung läuft noch bis zum 7. Januar. Von Peter Truschner.

ESSAY

In offener Feindschaft

22.12.2017. In seinem Essay "Zwischen Deko und Diskurs" beschrieb Wolfgang Ullrich im Sommer das sich abzeichnende Schisma in der Kunstwelt. Dieses Schisma hat sich im "Superkunstjahr" weiter vertieft: Wenn Kunst nur noch entweder als Luxus oder als Statement funktioniert, gelten dann überhaupt noch künstlerische Kriterien? Ein Gutes hat der Markt aber: Er ist nicht moralisch. Eine Bilanz.
Von Wolfgang Ullrich.

INTERVENTION

Die rote Linie ist überschritten

21.12.2017. Lange Zeit erschienen mir Autoren wie Daniel Bax oder Lamya Kaddor irrelevant  - sie haben zur Sache nichts zu sagen. Aber es lässt sich nicht leugnen, dass sie mit ihrer Strategie der Diffamierung der Debatte schaden. Sie attackieren einzelne Personen, weil sie deren Argumente nicht zulassen wollen - und weil sie selbst ein reaktionäres Gesellschaftsbild verfechten. Von Necla Kelek.

ESSAY

Stakkato der Infamie

18.12.2017. Lamya Kaddor hat die religionskritische Autorin Necla Kelek über Jahre mit einem verfälschten Zitat desavouiert. Eine ganze Kohorte bekannter Autoren und Autorinnen von Hilal Sezgin über Wolfgang Benz, Cem Özdemir, Klaus Jürgen Bade bis hin zu Jakob Augstein hat das Gerücht bis zum Überdruss wiederholt. Nein, Kelek behauptet nicht "frei von der Leber weg", dass muslimische Männer es zur Not mit Tieren treiben. Kaddor behauptet, dass Kelek das behauptet. Von Thierry Chervel.

ESSAY

Gegen die Zerstörung des Rechtsstaats in Polen

15.12.2017. Ausgerechnet Ungarn und Polen, ehemals Vorreiter im Aufbau des Rechtstaats nach dem Sieg über den Kommunismus, sind jetzt Vorreiter im Abbau des Rechtsstaats. Der polnischen Regierung scheint besonders an der Abschaffung der Gewaltenteilung gelegen zu sein. Eine Rede für das Erbe Czeslaw Milosz' und der mitteleuropäischen Dissidenz - gehalten vor der möglichen Entscheidung der EU, ein Rechtsstaatsverfahren gegen Polen einzuleiten. Von Ulrike Ackermann.

INTERVENTION

Warum erst so spät?

14.12.2017. Wieso wurde dieser islamistische Anschlag nicht verhindert, wieso der Typ nicht festgenommen oder abgeschoben, wieso der Platz überhaupt nicht gesichert, warum wurden die Opfer nicht benannt und ausreichend entschädigt? Ein paar einfache Fragen zum Berliner Anschlag vor einem Jahr - Fragen, die ich hier schon vor einem Jahr stellte. Von Eva Quistorp.