Helden der Globalgeschichte

Überreiche Ausbeute diese Woche: Die NYRB lernt, dass man im 18. Jahrhundert als Schwarzer gegen Rassendiskriminierung kämpfen und trotzdem Sklaven besitzen konnte. La vie des idees lernt, dass Aufklärung ein Ursprung des Rassismus ist und trotzdem die Abolition beförderte. Der Guardian lernt in Melbourne, dass es jetzt eine globale schwarze Identität gibt. Africa is a Country blickt auf die neuen Privatstädte in Afrika. Auch in Weißrussland hätte es nach der Wende eine Stasi-Aufarbeitung geben müssen, erklärt Swetlana Alexijewitsch in Eurozine. Die NYT staunt über die irakische Kleptokratie, die fröhlich das Land plündert.

Die entgangene Speise

Recht auf ein eigenes Leben: Michael Nichols fotografiert Tiere ohne Romantisierung. Fotolot von Peter Truschner

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Homerisches Gelächter

08.08.2020. Die FAZ erfreut sich in drei Erzählungen noch einmal an der zynischen Komik von Roberto Bolano. Die SZ empfiehlt Dany Laferrieres Roman „Ich bin ein japanischer Schriftsteller“ als autofiktionale Satire auf den identitätspolitischen Essenzialismus. Die taz lässt sich von Ivan Krastev leise Hoffnung auf die Zeit nach Corona machen. Die FR bewundert die Menschlichkeit, mit der Emily Carr Indigene in Kanada porträtiert. Die Welt begegnet in mit Monika Marons Artur Lanz einem unangenehmen Zeitgenossen in der Männlichkeitskrise. Sascha Filipenko verdankt sie einen unverzichtbaren, schockierenden Roman über den Stalinismus. Mehr...

EICHENDORFF21

Von Soho bis Chelsea und zurück

06.03.2020. New York machte jüngst vor allem durch Katastrophenmeldungen von sich reden. Wir erinnern uns literarisch an Zeiten, in denen das große Freiheitsversprechen in der Luft lag: Elizabeth Gilbert lässt es mit ihren libertären Heldinnen im glamourösen New York der Vierziger krachen, Vivian Gornick flaniert durch die schwindelerregenden Straßenschluchten der Stadt und Iris Hanika tummelt sich auf Partys mit Beyonce.
Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Gepfefferte Bonmots und riskante Witze

08.08.2020. Die Grünen sind "hochideologisch" und haben die gesamte öffentliche Diskussion in Deutschland gekapert, sagt Monika Maron im großen FR-Gespräch und fühlt sich so ostdeutsch wie nie zuvor. In der taz erzählt der Schriftsteller Pedro Baran, wie Corona Kolumbien noch gefährlicher macht. Die Berliner Zeitung schaut in Orhan Pamuks Fotografien des nächtlichen Istanbul wehmütig auf das Sterben der Freiheit in der autoritären Türkei. Der neue Held im Film ist der Verräter, erkennt der Filmdienst. Und die SZ hört mit den "neißen" Hits der Glass Animals den perfekten Soundtrack für Post-Corona-Zeiten. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Die Kontrolle des Hafens

08.08.2020. In der taz erklärt Selim Nassib, dass sich im Libanon eine geradezu homerische Wut aufstaut. Die SZ berichtet von einer Meuterei der Museumsdirektoren in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. In der Welt verteidigt Slavoj Zizek die Aufklärung gegen die Identitätspolitik. In der NZZ erklärt Hans Ulrich Gumbrecht die Geschichte der Intellektuellen für beendet. Und die New York Times steigt hinter die Barrikaden von Seattle und begegnet dort der Black Lives Matter Community Patrol. Mehr...

INTERVENTION

Das Schwarze sind immer noch die Buchstaben

07.08.2020. Eine Lesung der Autorin Lisa Eckhart wurde von der Leitung des  Hamburger "Harbour Front Literaturfestivals" nach Drohungen von Extremisten abgesagt. Das ist nicht hinnehmbar. Eine offene Gesellschaft braucht den offenen Streit. Wer mit Gewalt droht, dem fehlen offenbar die Argumente. Aufruf an die Mitwirkenden, Autorinnen und  Autoren, des "Harbour Front Literaturfestival", sich mit Eckhardt zu solidarisieren. Von Peter Mathews. Mehr...

MEDIENTICKER

Redaktionszwist

07.08.2020. Aktualisiert: Generationenkampf bei der New York Times & taz - Stabilisierter Buchmarkt: BuBiZ 2020 mit Zahlen, Fakten, Analysen & Debatte um Gebrauchtbuchverkauf- Volker Schlöndorff über Beirut - Coronazeit: Nora Gomringer hat das nicht gut verkraftet - Pressefreiheit: Twitter will Konten von staatlich kontrollierten Medien kennzeichnen - Zensur: Kabarettistin Lisa Eckharts Auftritt abgesagt & offener Brief an die Mitwirkenden des Harbour Front Literaturfestivals + TV+Hörfunk-Tipps fürs Wochenende.
Mehr...

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Gestrichener Basston

06.08.2020. Die FR bestaunt die Radikalität von Sayaka Muratas Roman über eine Fünftklässlerin aus der fünften Dimension. Die SZ begleitet Filmregisseur Kore-eda Hirokazu in "So weit wir auch gehen" zu einem Familientreffen. Dlf Kultur bewundert die politischen Essays Eliot Weinbergers. Die FAZ liest mit Nicolas Mathieus Roman "Rose Royal" die Geschichte von einer Frau, die nicht mehr Opfer sein will. Mehr...

IM KINO

Die nächste Machtlosigkeit

05.08.2020. Man hätte sich im unterhaltsamen Trott von Jon Stewarts politischer Komödie "Irresistible" etwas mehr zielstrebigen Humor gewünscht. Aber man wird durch einen unerwarteten Perspektivwechsel entschädigt. Nicht nur die Gefühle sind ankerlos, sondern auch die Menschen:  Anna Sofie Hartmann zeigt in ihrem Film "Giraffe", was Kapitalismus, Neoliberailsmus und die Fehmarnbeltquerung in den Menschen anrichten. Von Patrick Holzapfel, Fabian Tietke. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Helden der Globalgeschichte

04.08.2020. Überreiche Ausbeute diese Woche: Die NYRB lernt, dass man im 18. Jahrhundert als Schwarzer gegen Rassendiskriminierung kämpfen und trotzdem Sklaven besitzen konnte. La vie des idees lernt, dass Aufklärung ein Ursprung des Rassismus ist und trotzdem die Abolition beförderte. Der Guardian lernt in Melbourne, dass es jetzt eine globale schwarze Identität gibt. Africa is a Country blickt auf die neuen Privatstädte in Afrika. Auch in Weißrussland hätte es nach der Wende eine Stasi-Aufarbeitung geben müssen, erklärt Swetlana Alexijewitsch in Eurozine. Die NYT staunt über die irakische Kleptokratie, die fröhlich das Land plündert. Mehr...

FOTOLOT

Die entgangene Speise

03.08.2020. Michael Nichols fotografiert Tiere ohne Romantisierung. Seine Fotos sind sowohl in Gestus als auch Farbgebung oft expressiv, richtiggehend dramatisch. Egal, ob ein Löwe in der kobaltblauen Dämmerung der Serengeti ein gerade erlegtes Zebra verspeist oder ob ein Tiger in Indien zum Sprung ansetzt - die Botschaft ist klar: Die Tiere haben ein Recht auf ein eigenes Leben. Von Peter Truschner. Mehr...

IM KINO

Billiges Fleisch und 5.000 Schuss Munition

31.07.2020. Camila Freitas zeigt in ihrem Dokumentarfilm "Chão - Landless" die Situation der landlosen Bauern in Brasilien, deren fast aussichtsloser Kampf um Land einem Western ähnelt. Judd Arpatow hat mit Pete Davidson für seine Komödie "The King of Staten Island" die perfekte Lusche gefunden. Ein Film mit einem großen Herzen, das man aushalten muss. Von Thekla Dannenberg, Lukas Foerster. Mehr...

INTERVENTION

Vom Überleben der Demokratien

24.07.2020. Der katastrophale EU-Gipfel hat gezeigt: In ihrem jetzigen Zustand droht die EU weiter in die Dysfunktionalität abzugleiten. Es muss deshalb ein ernsthaftes Nachdenken darüber beginnen, was im Falle ihres finalen Scheiterns an ihre Stelle treten könnte. Von Richard Herzinger. Mehr...

ESSENZEN

Mit Leinen-Anzug nebst Canotier-Hut

14.07.2020. Manuel Cross ist ein Duft-Archäologe. Sein Eau de Toilette "40 Rogue" ist eine Hommage auf den längst untergegangenen Duft "40 Love" von Jean Desprez. Der Duft - Nelke, Moschus, Eichenmoos und einiges mehr - weckt Assoziationen an Tennis, als dieser Sport noch weiß war. Und man seinen Körper puderte. Von Claus Brunner. Mehr...

ESSAY

Kleiner geht immer

09.07.2020. In Comics gibt es Superhelden oder Anti-Helden. Dazwischen ist wenig. Zum Gewimmel der Antihelden tragen neue Comics von François Schuiten, Paolo Bacilieri und Shane Simmons bei.  Bei Schuiten (einem neuen Band der Klassikerreihe "Blake und Mortimer") dominieren die Gebäude, Bacilieri erzählt die Geschichte eines Autors der Harakiri beging. Und bei Shannon werden die Helden zu Punkten. Von Stefanie Diekmann. Mehr...

EICHENDORFF21

Sommerlektüre

25.06.2020. Der Sommer hat begonnen - fehlt nur noch die richtige Lektüre für lange Zugfahrten, heiße Strandtage oder ruhige Stunden auf dem Balkon. Wir haben eine Liste mit erfrischenden Neuerscheinungen zusammengestellt: Helen Wolff erzählt eine leichtfüßige Sommerromanze in Südfrankreich und Maylis de Kerangal genießt Haute Cuisine in Brandenburg.
Mehr...

MORD UND RATSCHLAG

Die Nonchalance der linken Hand

08.07.2020. Der Fotograf Gordon Parks beschrieb schon 1957 mit seiner Serie "The Atmosphere of Crime", wie Polizei, Gewalt und Verbrechen schwarzes Leben in New York und Chicago belastete. Und dazu kann natürlich auch Chester Himes in seinen Harlem-Romanen um die Cops Grave Digger Jones und Coffin Ed Johnson etwas sagen. Von Thekla Dannenberg. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Victor Auburtin: Der Feuilletonist greift in die Politik

16.06.2020. "Die Nachricht, daß einige Berliner Wohnungsämter bis zum September schließen wollen, hat unter uns Heimatlosen lebhafteste Bestürzung erweckt." Einige der Kolumnen, die Victor Auburtin Anfang der Zwanziger fürs Berliner Tageblatt schrieb, lesen sich, als wären sie heute geschrieben.  Auch die Kolumne über die berückende Enttäuschung, die Auburtin mit Filippo Tommaso Marinetti erlebte. Ein Vorabdruck Mehr...