Sie nennen es Baum

Die Mundart-Dichtung von Natascha Gangl vermischt Sprachmagie mit rätselhaftem Ernst. Von Marie Luise Knott

Think Pink

In Jane Schoenbruns Horrorfilm "Teenage Sex and Death at Camp Miasma" lauert das Glück in der Wiederholung. Im Kino mit Stefanie Diekmann

Baden im flachen Wasser

Saša Vajdas "The Lights, They Sleep" über abgelegene Seiten Berlins ist klug komponiert.  Im Kino mit Lukas Foerster 

MAGAZINRUNDSCHAU

Speziell für Teenager-Mädchen zum Verweilen

25.08.2026. Iran heuert weltweit "billige Kriminelle" an, um Exil-Iraner zu bedrohen oder zu töten, berichtet der New Yorker. Eurozine erklärt, wie geschlechtersensible Stadtplanung funktioniert. Art Spiegelman im Guardian und Jan-Werner Müller im Merkur blicken auf die verheerende Zerstörung der Demokratie unter Trump. Bei Hlidaci Pes erinnert der tschechische Historiker Prokop Tomek an die Beteiligung der DDR am Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei. Und New Lines reist in eines der größten Ölfördergebiete Südsudans, eine wichtige Zufluchtsstätte für Sudanesen, in der das Wasser von giftigen Schwermetallen kontaminiert ist. Mehr...

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Fahrerlaubnis, Margonwasser, Kraxe

25.08.2026. Die FAZ öffnet mit Vergnügen Ingo Schulzes literarische Matrjoschka "Das Wasser im August". Außerdem spürt sie in den Versen der deutsch-dänischen Autorin Liv Thastum fernen Sagen nach. Die NZZ freut sich über Suspense aus dem Einzelhandelsmilieu in Yael Inokais Krimi über einen ermordeten Kaufhausboss. Die taz ist beeindruckt von Kobai Halstenbergs Oral History, in der obdachlose Jugendliche ihre Geschichte erzählen. Dlf Kultur empfiehlt Ilse Losas autobiografischen Roman, in dem sie von ihrer eigenen Flucht aus Nazideutschland nach Portugal erzält.  Mehr...

FOTOLOT

Ein Totentanz, ein Fiebertraum

24.08.2026. Benita Suchodrevs Fotobuch "Find me paradise " ist ein fotografisches Memorandum, gebaut aus Ekstase und Routine, menschlichen Torheiten und Triumphen. Ähnlich rastlos wie Suchodrev, aber auf eine ganz andere, ungleich stillere Art, war auch Fred Hüning, der vor Kurzem verstorben ist. Für ihn zählte nicht das Prestige, sondern nur die Fotografie: Sein Fotobuch "One Circle" ist heute Anschauungsmaterial für den fotografischen Nachwuchs von Montréal bis Helsinki. Von Peter Truschner. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Wurde schon die Pauke erwähnt?

25.08.2026. Die taz vernimmt in einer Bochumer Ausstellung der Neofluxus-Künstler Ei Arakawa-Nash und Yuko Mohri das "beharrlich-fordernde Trommeln der Katastrophe". Die Kunsthistorikerin Julia Voss erklärt bei Zeit Online mit Blick auf die deutsche Geschichte, warum Berlin bisher noch keine Porträtgalerie hat. Die SZ fliegt mit den Livealben des Jazzsaxofonisten Immanuel Wilkins in die harmonischen Tiefebenen der Ekstase. Die FAZ untersucht Thomas Manns Verhältnis zur Populärkultur.  Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Das bessere System denkt länger nach

25.08.2026. Wie umgehen mit Rechten? Eine Integration ins politische System bringt jedenfalls nichts, warnen in der SZ Gustav Seibt und die Sozialpsychologin Beate Küpper, denn zerlegt werden nur die Parteien, die sich mit ihnen einlassen. Derweil plädiert Frauke Brosius-Gersdorf im Tagesspiegel dafür, dass alle Fraktionen im Bundestag ein Vorschlagsrecht für Bundesverfassungsrichter bekommen. In der Welt warnt Rüdiger Safranski vor einer Machtergreifung durch KI - das dauert aber noch, winkt in der FAZ der Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl ab. Mehr...

IM KINO

Baden im flachen Wasser

19.08.2026. Berlin, janz weit draußen: Zwischen Badeseen und Baumärkten schlägt sich der 16-jährige Ilay durch einen trägen Sommer. Saša Vajdas "The Lights, They Sleep" ist durchweg durchdacht und klug komponiert. Gleichzeitig würde man den arg kommunikationsscheuen Film auch immer wieder gern aus der Reserve locken. Von Lukas Foerster. Mehr...

IM KINO

Think Pink

18.08.2026. Detailfixiertes Fantum und medienwissenschaftliche Generalkompetenz geraten in Jane Schoenbruns hochreflexiven Horrorfilm "Teenage Sex and Death at Camp Miasma" aneinander. Die etwas enttäuschende Reiseroute des Films lautet: zurück zum Körper. Das Glück hingegen lauert in der Wiederholung. Von Stefanie Diekmann. Mehr...

BÜCHERBRIEF

Friedliche Monster

12.08.2026. Wer seinen Sommerurlaub schon hinter sich hat, darf mit unserem Bücherbrief direkt weiterreisen, wenn auch mit starken Nerven: Stella Gaitano erzählt vom rauen Alltag im Sudan. Maciej Siembieda blickt in einem mitreißenden Spionagethriller auf die griechische Minderheit in Polen. Maria Reva schickt eine Schneckenforscherin mit viel Grandezza quer durch die Ukraine. Stephan Mösch schaut zurück auf 150 Jahre Bayreuth. Und Markus Bernauer entdeckt den philosophischen Gehalt der erotischen deutschen Literatur. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats August. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Christian Buckard: Café Babylon

09.08.2026. Der Glanz des Romanischen Cafés erstrahlte einst bis Paris, New York und Tokio. Hier traf man alle an: Bertolt Brecht, Mascha Kaléko und Joseph Roth, George Grosz, Marlene Dietrich und Albert Einstein. An den Marmortischen entstanden Bücher und Filmideen, wurden Kunstrichtungen geboren, wurde gestritten und geträumt - bis die Nazis die Lichter ausmachten. Christian Buckard erzählt die Geschichte der schillernden Cafébewohner in diesem Buch. Wir präsentieren das Kapitel über den Betreiber des Cafés, Bruno Fiering, den "Fürsten der Galut". Von Christian Buckard. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Necla Kelek: Glückskind

05.08.2026. Die Soziologin Necla Kelek hat sich als Kritikerin eines reaktionären, patriarchalen Islam einen Namen gemacht. In ihrer Autobiografie "Glückskind" erzählt sie, wie ihre Familie Anfang der 1960er aus Anatolien nach Istanbul zog. Die Keleks sind säkulare Muslime, die Atatürk verehren, an die Republik glauben, die Moderne und die Demokratie. 1966 dann zieht die Familie nach Deutschland, ins niedersächsische Bückeburg. Unterstützt von ihrer Familie begegnet Necla, damals neun Jahre alt, der deutschen Gesellschaft von Anfang an mit Neugier. Das geht bis zu Marxismusvorlesungen bei der IG Metall. Hier zwei Leseproben aus dem Buch: Über das Leben in Istanbul und dann in Bückeburg. Mehr...

TASCHENBÜCHERBRIEF

Harmlos ist hier gar nichts!

29.07.2026. In den neuen Taschenbüchern des Monats Juli führt uns Anne Weber durch die Pariser Banlieues.  Melania Mazzucco stellt uns mit Plautilla Bricci Roms erste Architektin vorUwe Wittstock erzählt von den Exilanten, die 1940 aus Marseille flohen. Und Perlentaucher Arnim Eisenhut empfiehlt "Wachs" von Christine Wunnicke. Von Arnim Eisenhut. Mehr...

INTERVENTION

Jene mühsam erkämpfte Freiheit

28.07.2026. Nach dem CSD-Attentat fragen die Medien nach einem möglichen Versagen der Behörden, zu diesem Zeitpunkt sicher zurecht. Aber das eigentliche Versagen lag vorher. Der Attentäter Abdul Ballout war Deutscher. Er sprach Deutsch. Er ist auf deutsche Schulen gegangen. Er wurde von deutschen Lehrern betreut. Ballout ist trotz seiner deutschen Sozialisierung abgedriftet. Was sagt das über die Qualität der Sozialisierung? Über einen Elefanten im Raum. Von Thierry Chervel. Mehr...

MIND THE GAP

Zwischenredestromland

21.07.2026. Der Perlentaucher hat mit "Toledo", dem Programm des Deutschen Übersetzerfonds, eine neue Kolumne - "Mind the Gap" gestartet: Hier geht's ums Übersetzen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Im zweiten Teil der Kolumne schreibt die Russisch-Übersetzerin Olga Radetzkaja: "Es sollte mich nicht wundern, wenn gerade übersetzte Literatur wegen der Extraportion Leben, die sie enthält, zum begehrtesten Rohmaterial zählt, mit dem die synthetischen Gehirne der großen Sprachmodelle gefüttert werden." Von Olga Radetzkaja. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Leseprobe 2 zu H. G. Adler: Der verwaltete Mensch

17.07.2026. 1958 lud das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) H. G. Adler ein, "eine Arbeit nach eigener Wahl" aus seinem deutsch-jüdischen "Themenkreis" zu verfassen. Daraus entstand "Der verwaltete Mensch", ein Grundlagenwerk zu Rolle der deutschen Bürokratie bei der Verschleppung der Juden. Warum das IfZ damals diese Arbeit ablehnte, lesen Sie im zweiten Teil des Vorworts von Götz Aly. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

H. G. Adler: Der verwaltete Mensch

17.07.2026. H. G. Adler veröffentlichte mit "Der verwaltete Mensch" ein grundlegendes Großwerk zum Holocaust, das die Rolle der Bürokratie bei der Vorbereitung und Umsetzung der Verschleppung und massenhaften Ermordung der Juden im Nationalsozialismus beschreibt. Im ersten Teil seines Vorworts zu dem Buch stellt der Historiker Götz Aly den 1910 in Prag geborenen Autor vor, der seine ganze Familie im Holocaust verlor. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

18.12.2025. Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Zuverlässige Information ist gerade in unzuverlässigen Zeiten wichtig: Wir machen seit dem dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. Besonders danken möchten wir 2.000 unter ihnen, die uns monatlich mit einem  freiwilligen "Abo" unterstützen.  Von Thierry Chervel. Mehr...

Beliebte Bücher

Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Tony Tulathimutte. Fiasko - Fiktionen . dtv, München, 2026.Tony Tulathimutte: Fiasko
Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen…
Heinz Strunk. Memories of Heidelberg - Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Heinz Strunk: Memories of Heidelberg
Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub…
Miriam Carbe. Unerwünschte Töchter - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter
Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…