EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Ach dieses Nödelsensibelchen!

24.02.2018. Erinnert an die schlechtesten Castorf-Jahre, stöhnen die Kritiker einstimmig über Albert Serras Rokoko-Stück "Liberté" an der Volksbühne. In der FAZ fordert der baskische Schriftsteller Fernando Aramburu die Aufklärung des ETA-Terrors. Die Zeit erkundet die verschiedenen Modernen der Sowjetarchitektur in Minsk. SZ und Freitag läuten mit Ryan Cooglers Film "Black Panther" eine mentalitätsgeschichtliche Zeitenwende ein. Und die FAZ entstaubt mit Dirigent Andris Nelsons beschwingt das Klangmobiliar des Leipziger Gewandhausorchesters.

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Dahinplätscherndes Pseudo-Diversity-Getalke - der Berlinale-Freitag im Rückblick

24.02.2018. Uneins ist sich die Kritk, ob man von Thomas Stubers Großmarkt-Liebesgeschichte "In den Gängen" nun Depressionen kriegt oder ein Kinoglück erlebt. Noch kontroverser diskutiert wird Adina Pintilies "Touch Me Not", der konfrontativ von sexuellen Nöten berichtet: Konkret feministisch oder eher doch keine Kunst? Breiten Zuspuch erntet hingegen Małgorzata Szumowskas polnische Metal-Fabel "Twarz". Dies und mehr: Im Pressespiegel.
Von Thomas Groh.

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Aufforderung zum Transparentwerden

24.02.2018. Doch, der Westen hätte etwas tun können, kommentiert Spiegel online mit Blick auf Ost-Ghuta - Israel hat gezeigt, wie's geht. Die No Billag-Abstimmung in der Schweiz, die vielen in Europa Angst macht, steht bevor: Die taz besucht Florian Maier, den Initiator der Abstimmung über die Rundfunkgebühren. Standard und NZZ blicken sich mit Unbehagen im Superinternet der Dinge um. Würden sich wirklich nochmal britische Soldaten nach Nordirland verschiffen lassen, um dort das Gesetz durchzusetzen, fragt der Guardian.

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Ein reizendes Paar

23.02.2018. Melodram aus Jakutien: Milko Lazarovs "Aga". Man ist schließlich Mensch: Thomas Stubers "In den Gängen". Der Mann mit den zwei Gesichtern: Malgorzata Szumowska "Twarz". Epochal: Adamu Halilus Film "Shaihu Umar" über den arabischen Sklavenhandel. Die die Dosentomaten ernten: Markus Imhoofs Flüchtlingsdoku "Eldorado". Schlusspointe für den König: Die Castorf-Hommage "Partisan". Mit dem Iphone gedreht: Steven Soderberghs "Ausgeliefert". Die Pistole war nicht echt: Philip Grönings "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" ...

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Ein Supermarkt namens Glück

23.02.2018. Die FAZ lernt Lenin in den scharfsinnigen Schriften des Philosophen Hugo Fischer als Machiavell des Ostens kennen. Von dem Ornithologen Jonathan Elphick lässt sie sich in einem Prachtband in die Kunst der Vogelillustration einführen. Die SZ lauscht beschwingt Émilie de Turckheims surrealistischer "Popcorn Melody". Die NZZ beobachtet mit Adam Haslett das Zerbrechen einer amerikanischen Familie aus mehreren Perspektiven. Und die FR gruselt sich prächtig mit Nadia Buddes "Eins, zwei, drei, Vampir".

MEDIENTICKER

Kenntnisfreie Fakten-Checker

23.02.2018. Aktualisiert: Plasberg+Bild strapazieren das "gesunde Volksempfinden", die Lüge von der "Sex-Broschüre für Kita-Kinder" & Wer hat Julian Reichelt erlaubt, die Demokratie so in den Dreck zu ziehen? - Amnesty International: Hass-Reden gegen Menschenrechte - Fotojournalismus: Änderungen in der Google-Bildsuche,  Probleme bleiben - E-Book-Markt: Zahl der Käufer sinkt + Kunstfreiheit: Brandenburger Tor von zwei Gomringer-Gedichten umrahmt + Die Hörfunk-Tipps fürs Wochenende.

MAGAZINRUNDSCHAU

Fromme Illusionen

20.02.2018. Der Guardian beobachtet Widderkämpfe in Algerien. Juergen Tellers sozialistisch-realistisches Titelfoto für die neue polnische Vogue kommt nicht gut an, erzählt das tschechische Magazin Respekt. In Magyar Narancs stöhnt László F. Földényi über die Auswirkungen der Postmoderne: Festivalfilme und Buchmessenliteratur. In der New York Review of Books kann Enrique Krauze dem Chavismo von Venezuelas Nicolas Maduro aber gar nichts abgewinnen. Und Karl Ove Knausgaard erliegt in der New York Times dem Lächeln einer 102-jährigen Russin.

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Voraussetzung für zukünftige Utopien

15.02.2018. Heute abend eröffnet Wes Andersons Animationsfilm "Isle of Dogs" die Berlinale 2018. Über 300 Filme werden in den verschiedenen Sektionen über zehn Tage hinweg gezeigt. Hat der einzelne Film da überhaupt noch eine Chance? Ein Blick ins übervolle Programm. Von Anja Seeliger.

ESSAY

Erschöpfte ligne claire

08.02.2018. Das Festival international de la Bande dessinée von Angoulême ist immer noch maßgeblich, trotz seines Sexismus (es bisher kaum Frauen mit den wichtigen Preisen ausgezeichnet worden) und trotz einer zu starken Tendenz zu frankophonen Comics. Einige der gerade ausgezeichneten Werke setzen dennoch neue Akzente in dieser Kunst, zum Beispiel Marion Fayolles "Les Amours suspendues" und Nick Drnasos "Beverly". Von Stefanie Diekmann.

TAGTIGALL

Der Stein der Zukunft

07.02.2018. Morgen geht die Ausstellung "Urbans Orbit" im Literarischen Colloquium am Berliner Wannsee zu Ende. In ihr versammelten Andreas Tretner und Marie Luise Knott Einblicke in den Nachlass des Übersetzers Peter Urban, der letztes Jahr vom Deutschen Literaturarchiv übernommen wurde. Einige Kisten darin geben Aufschluss über die Entstehung der zweibändigen deutschen Werkausgabe des russischen Avantgarde-Dichters Velimir Chlebnikov (1885-1922), der als unübersetzbar galt. Oskar Pastior, Paul Celan und andere wagten es dann aber doch. Von Marie Luise Knott.