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Durs Grünbein

14 Artikel

Fabeltier Sozialismus

Vom Nachttisch geräumt 28.10.2019 […] sich von den physischen Anstrengungen erholen kann." Wir sind mit Durs Grünbein einen weiten Weg gegangen von der "Süße, die in der Zerstörung der Formen lag" bis zur Utopie des guten Lehnstuhls. Aber vergessen wir nicht: Es spricht zwar immer Durs Grünbein, aber immer durch eine von ihm kreierte Person hindurch. Durs Grünbein: Aus der Traum (Kartei) Aufsätze und Notate, Suhrkamp, Berlin 2019, 573 […] Ich machte mir Sorgen um Durs Grünbein: "Aufsätze und Notate" steht unter dem Titel seines neuesten Buches. Ich bin einer seiner schüchternen Bewunderer. Dass es kein Buch ist, sondern eine Kompilation, machte mir Sorgen. Ich begann auch noch hinten mit der Lektüre. So machen die dümmeren unter den professionellen Lesern es gerne. Da stand dann "Aus der sammelnden und ordnenden Kartei seiner Stichworte […] einem Gedicht gesprochen hätte von einem "immer wiederkehrenden Glücksmoment, sich als Teil des Universums lebendig zu fühlen". Um dieses "immer wieder" beneide ich ihn. Ich muss mir Null Sorgen um Durs Grünbein machen. Viele Seiten sind Notizen und Erinnerungen an 1989. Wie er verhaftet und verprügelt wurde, wie er an der Bornholmer Brücke die "Staatsgrenze" überquerte. Davor stehen die Erzählungen von […] Von Arno Widmann

Hörnerschwung

Tagtigall 12.07.2014 […] Sprachverständnisse nicht einfach nacheinander lesen zu lassen, sondern einander zuzuführen. Dieses Jahr lasen die Schweizerin Katharina Faber, der Südafrikaner Charl-Pierre Naudé, der Wahl-Römer Durs Grünbein und die in Berlin ansässigen Dichter Esther Kinsky und Ernest Wichner. Urweider selbst widmete jedem als Kommentar ein Gedicht aus eigener Produktion und so bekam man eine Idee vom Wandern der Bilder […] Beiträge zu Bodo Hell, Literaturverlag Droschl 2014. - Urs Mannhart, Bergsteigen im Flachland, Sezession 2014. - Ernest Wichner, bin ganz wie aufgesperrt. Gedichte, Wunderhorn 2010. - Aris Fioretos, Durs Grünbein, Verabredungen. Gespräche und Zwischenspiele über Jahrzehnte, Suhrkamp 2013. - Raphael Urweider, Das Gegenteil von Fleisch, Köln, Dumont 2003. - Robert Walser, Der Teich, hg. und mit einem Nachwort […] Von Marie Luise Knott

Abgeschrieben oder eigenes Werk? Links zum Streit über Helene Hegemanns Roman 'Axolotl Roadkill'

Redaktionsblog - Im Ententeich 18.03.2010 […] bei den Lesern, dass er Durs Grünbeins Intervention im Fall Helene Hegemann, die auf einem Text von Gottfried Benn basierte, für bare Münze genommen hat - bleibt aber bei seinem Widerwillen gegen die von ihm kritisierte Stelle. In der NZZ freut sich Philipp Theisohn, der Verfasser der Studie "Plagiat. Eine unoriginelle Literaturgeschichte", freut sich über Durs Grünbeins Plagiat in der FAZ und wirft […] zu viele eitle Hahnenkämpfe hinter den Kulissen und weiß auch von solchen. Und ich sehe nur noch selten Respekt vor der Arbeit eines Autors." 23.2.2010 Unter der Überschrift ""Plagiat"" singt Durs Grünbein in der FAZ eine Hymne auf Helene Hegemanns ersten Roman: "Dass von ihm jene erregende Sicherheit ausgeht, dass sich etwas Notwendiges und Neues unausweichlich auf einen zubewegt, jenes 'Lawinengefühl' […] Pastiche? Und dann die große moralische Frage, die man schon im zarten Kindesalter gestellt bekommt: Was ist Mein und was ist Dein?" In der Welt schreibt Uwe Wittstock einen empörten Kommentar über Durs Grünbeins Hegemann-Verteidigung, weiß aber noch nicht, dass sie von Benn ist. Ähnlich wie Dorothea Dieckmann vor einer Woche im Freitag sieht auch Lothar Müller in der SZ Helene Hegemann als Opfer, als […] Von Anna Steinbauer

Ungewollte Widersprüche

Essay 12.12.2007 […] Tageslichtbirne an über Acis und Daphne. Zu fragen, zu untersuchen wäre, ob und inwieweit der allerseits erhobene, vielleicht doch nicht ganz so neue Plauderton auf die Stimmgabel (Stimmgabe) des Durs Grünbein zurückgeht. Grünbein, der anscheinend alle Bücher gelesen und alle Wissenschaften frequentiert hat, vermag ja tatsächlich aus Schädelbasen ebenso wie aus der Vita des Cartesius lyrische Lektionen […] folgenden Rezensionstexte: Ann Cotten, "Fremdwörterbuchsonette" (Gedichte), Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2007; Wolfram Malte Fues, "Vorbehaltfläche" (Gedichte), Passagen Verlag, Wien 2007; Durs Grünbein, "Strophen für übermorgen" (Gedichte), Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2007; stefan schmitzer, "moonlight on clichy" (gedichte), literaturverlag droschl, graz 2007; Armin Senser, "Kalte Kriege" […] Von Felix Philipp Ingold

Herbst 2007

Bücher der Saison 26.11.2007 […] Gedichtband "Achtzehn Pasteten". Ganz auf den Geschmack gekommen nennt die FAZ ihn ein "Musterbuch sprachlicher Haute Cuisine", die NZZ fühlt sich dagegen eher an "kostbare Trompe-l'Oeils" erinnert. () Durs Grünbein spaltet auch mit seinem neuen Lyrikband "Strophen für übermorgen" die Kritik, wenn nicht gar die Kritiker. Die FAZ nennt ihn zwar ein "lyrisches Genie", aber eines ohne Sprachmusikalität. Und die […] Von Thekla Dannenberg, Ekkehard Knörer

Sehnsucht nach dem Staub

Vom Nachttisch geräumt 08.01.2007 […] der Erzählung. Sie sind ihr wesentlich. Sie bedarf des "dunklen Grundes", der alles zu verschlingen droht, um ihre Gegenbewegung zu wecken. Die Schönheit der Steinerschen "Gedankenmusik", so Durs Grünbein in seinem bewunderungswürdigen Nachwort, hat viel mit den unterschiedlichen Fallhöhen seiner zehn - nennen wir sie ruhig Erzählungen - zu tun. Wie er zum Beispiel in der dritten in kleinen Seku […] entkommen ist, sondern die dessen, der ihn vor sich sieht. George Steiner: "Warum Denken traurig macht". Zehn (mögliche) Gründe. Aus dem Englischen von Nicolaus Bornhorn. Mit einem Nachwort von Durs Grünbein. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2006. 91 Seiten, 14,80 Euro. ISBN 3518418416. […] Von Arno Widmann

Gibt es einen neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit?

Fallende Blätter 15.09.2003 […] Mitarbeitern der Feuilletons, und zwar vor allem in der literarischen Reportage. Wenn dieses Genre noch heute einen großen Teil der deutschsprachigen Literatur definiert (von Felicitas Hoppe bis zu Durs Grünbein, von Burkhard Spinnen bis zu Annette Pehnt ), so liegt das vor allem an dem Forum, das durch das Feuilleton entstand. Die Feuilletons reagierten auf ihren Bedeutungsgewinn nicht nur, indem sie […] Von Thomas Steinfeld

Vom Nachttisch geräumt

Vom Nachttisch geräumt 27.09.2002 […] wie eine Fahrt mit der Achterbahn. Nelly Arcan: "Hure". Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller, C.H. Beck Verlag, 191 Seiten, 19.90 Euro, ISBN 3-406-49318-1 Verliebt Durs Grünbein hat eine Tochter bekommen. Er hat wie viele Eltern vom ersten Tag an Buch geführt über ihr Leben. Es ist ein Gedichtband geworden. Einunddreißig, wenn ich mich nicht verzählt habe, und alle sind […] zu unterscheiden sind. Mit dem Finger das treffen können, was man treffen will, ist jede Anstrengung wert, aber die Anstrengung selbst scheint dem Körper, der sich darin erfährt, ein Vergnügen. Durs Grünbein hat das alles beobachtet und aufgeschrieben in Versen, bei denen sich Lachen auf Wachen und Kind auf Hyazinth reimen. Es hat Leser gegeben, die sich daran störten, dass Grünbein gar zu Gelehrtes […] Knaller ist "dieser winzige Expressionist". Der sprengt die Geschichte und er erhellt nicht nur das Baby, sondern auch den Expressionismus. Das Kind klärt den Dichter auf und nicht etwa er es. Durs Grünbein stülpt dem Kind nicht den Expressionismus über, sondern das Kind macht ihm klar, was es mit dem Expressionismus auf sich hat. Leider gibt es unschöne Fehler in dem kleinen Bändchen. Im Italienischen […] Von Arno Widmann

Vom Nachttisch geräumt

Vom Nachttisch geräumt 08.01.2002 […] darauf, die man leicht überliest, geht man ihnen aber nach, dann erheitern sie einen oder jagen einem einen neuen Schauder über den Rücken. "Sie" schreibe ich. Es sind nicht viele. Einer davon ist Durs Grünbein. Als 1979 Niklas Luhmann die folgenden Sätze schrieb, war Grünbein keine 17 Jahre alt: "Ich denke manchmal, es fehlt uns nicht an gelehrter Prosa, sondern an gelehrter Poesie. Wissenschaftliche […] Rollenverteilung falsch. Die Poesie ist keine ergänzende Maßnahme. Möglicherweise ist seine Wissenschaft selbst die Parallelpoesie einer noch im Entstehen befindlichen Wissenschaft, an der der Autopoet Durs Grünbein arbeitet. Fast ganz allein. Vielleicht arbeitet er ja an der Wiedergeburt des Lehrgedichts. Eine alexandrinische Marotte? Schöneres als Lukrez' "De rerum natura" wurde selten geschrieben. Grünbeins […] unendliche Kette der Wesen, die schon seit Jahrtausenden besungen wird, jetzt, da wir genauer wissen, wie sie beschaffen ist, gewitzter schildern. Niemand wird das in Deutschland besser tun als Durs Grünbein. Und man muss nur seinen Eintrag vom 8. August 2000 weiterlesen und sehen, wie er in seiner Verachtung sich immer weiter steigert bis es ganz am Ende kommt, das große Wort, das schöne, vieldeutige […] Von Arno Widmann