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David Peace

5 Artikel

Godzwill

Mord und Ratschlag 03.03.2014 […] verlassen, werden wir uns in einem fremden Land befinden, das mit dem Großbritannien von 1984 keine Ähnlichkeit mehr hat. David Peace: GB 84. Roman. Aus dem Englischen von Peter Torberg. Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2014, 544 Seiten, 24,80 Euro (Bestellen). David Peace liest aus seinem Buch am 14. März in Berlin in der Buchhandlung Ocelot, Katy Derbyshire moderiert. *** Karim Miské ist […] David Peace mutet seinen Lesern viel zu und gönnt ihnen nichts. Über fünfhundert Seiten harte wütende Prosa, unterschiedliche Erzählweisen, krass wechselnde Perspektiven, vertrackteste literarische Anspielungen und kein erkennbarer Handlungsstrang, der die Orientierung in diesem erzählerischen Labyrinth erleichtern würde. Dafür stößt Peace uns mit den ersten Zeilen mitten hinein in das traurigste Kapitel […] ihnen finden sich die schönsten und traurigsten Passagen des ganzen Buches, voller Verzweiflung und ohnmächtiger Wut. Im gesamten Hauptteil des Buches wird man nicht so viel Aufrichtigkeit finden. David Peace erzählt das Drama des Bergarbeiterstreiks als schwarze Rachetragödie in fünf Akten: Im Hintergrund laufen die Hits von George Michael, in den Hinterzimmern der Macht wird der Kampf um die Kohlereviere […] Von Thekla Dannenberg

Kein Schlaf, nur Albträume

Mord und Ratschlag 02.12.2009 […] David Peace ist schlicht und ergreifend der aufregendste Autor, den der britische Krimi derzeit zu bieten hat. Allerdings auch der düsterste. Fünfzehn Jahre lang hat Peace in Japan gelebt und als Englischlehrer gearbeitet. Dort schrieb er sein legendäres "Red Riding Quartet", ein Vierteiler über den Yorkshire Ripper und den Untergang der Industriereviere im England der siebziger und frühen achtziger […] achtziger Jahre. Nun, nach England zurückgekehrt, legt David Peace den ersten Teil einer Japan-Trilogie vor. Sie beginnt mit "Tokio im Jahr Null" - und ist der reinste Albtraum. Die Handlung beginnt an dem Tag, als für Japan alles zu Ende ist, am Tag der Kapitulation. Das Land liegt eigentlich schon am Boden und wartet auf die Ansprache des Kaisers. Im Keller einer zerbombten Uniformfabrik wird die übel […] getöteten Frauen hatte eigentlich im Sommer 1945 aus Tokio nach Nagasaki zurückkehren wollen. Jemandem nur die Wahl zu lassen zwischen Tod durch Serienmord oder Tod durch Massenmord - das ist pervers. David Peace: Tokio im Jahr Null. Roman. Aus dem Englischen von Peter Torberg. Liebeskind Verlag, München 2009. 408 Seiten, 22 Euro […] Von Thekla Dannenberg

So nah, zu nah

Mord und Ratschlag 23.05.2006 […] wieder geschehen:" Schon wieder ist ein Mord geschehen. Schon wieder, können wir als Leser uns sagen, schreibt David Peace über eine Mordserie in Leeds. Schon wieder müssen wir hinein, unerbittlich, in den Abgrund, den der Autor sich als Ort gewählt hat. Oder vielleicht hat der Ort auch David Peace gewählt, denn die Morde, von denen er erzählt, basieren, wie eine Vorbemerkung uns informiert, "auf tatsächlichen […] und in die große Medienmaschine eingespeist werden. David Peace will mit seiner Literatur das genau Gegenteil einer solchen Einspeisung. Die Welt, in die er seine Leser zwingt, ist radikal subjektiv. "1977" fasst eine Zeit in Worte, die selbst aus jeder Fassung gesprungen scheinen. Das ist Literatur als Sprache gewordene Atemnot. David Peace: "1977". Roman. Aus dem Englischen von Peter Torberg. […] Das erzählerische Prinzip von David Peace ist das medias in res, das Mittenhinein, und zwar in eine Welt des Verbrechens, in die Hölle von Yorkshire. "Leeds", das erste Wort der Erzählung, ist auch der erste Satz des Romans "1977". Die Zeitangabe des Titels wird im zweiten Satz präzisiert, "Sonntag, 29. Mai 1977". Eine Ortsangabe, eine Zeitangabe, das muss als Rahmen der Geschichte genügen. Was folgt […] Von Ekkehard Knörer