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Western

6 Artikel

Unterschiedlich gealterte Kinokörper

Im Kino 17.04.2019 […] Restaktivität, die ihren Niederschlag auf der Tonspur findet. Stefanie Diekmann Der Funktionär - Deutschland 2018 - Regie: Andreas Goldstein - Laufzeit: 72 Minuten. --- Mit dem amerikanischen Western ist es wie mit dem Kapitalismus: Er befindet sich immer schon in seiner Spätphase. Der sogenannte Spätwestern ist, so gesehen, weniger Entwicklungsstufe als Strukturprinzip. Eigentlich geht es im Genre […] innerlich alte Männer, die noch einmal in den Sattel steigen, im Namen von Prinzipien, die längst keine Geltung mehr haben. Seither ist es höchstens zu einer selbstreflexiven Schließung gekommen: Die Western der letzten paar Jahrzehnte haben kaum noch ein anderes Thema als die Bedingungen und Spezifikationen ihrer eigenen Verspätung. Im Fall von "The Highwaymen" beginnt das schon beim Titel. Schließlich […] Von Stefanie Diekmann, Lukas Foerster

Alle Ideologien sind falsch - der zweite Berlinale-Tag im Pressespiegel

Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2018 […] "widerspricht der simplen Handlungsplausibilität um ein Quäntchen zu viel; die krampfhafte Bemühung um Originalität wird so sichtbar. Mit Subversion des Western-Genres hat das herzlich wenig zu tun." Auch Andreas Busche vom Tagesspiegel winkt ab: Zum Western hätten die beiden Regie-Brüder wenig zu sagen. "Das leicht infantile Fantum der Zellners, das sich mit der Rekonstruktion der eigenen Obsessionen begnügt […] raus." Immerhin interessant findet Beatrice Behn von Kinozeit, wie der Film mit der "Idee von westernhafter Maskulinität" umgeht, "die er erst aufstellt, um sie komplett zu demontieren. Eine Art Meta-Western also." Flucht als Normalzustand: Paula Beer und Franz Rogowski in "Transit" (Bild: Schramm Film/Marco Krüger) Christiane Peitz spricht im Tagesspiegel mit Christian Petzold, dessen neuer Film "Transit" […] Von Thomas Groh

Wühlt im atavistischen Morast: Radu Judes 'Aferim!' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2015 […] zumindest ich angesichts dieses Beginns hatte, ganz und gar nicht: "Aferim!" ist keine postmoderne Western-Anverwandlung, die sich einen Spaß daraus macht, das amerikanischste aller Genres in ein denkbar unamerikanisches Setting zu verpflanzen (tatsächlich existieren bereits eine Reihe rumänischer Western, Mircea Veroiu hat einst eine ganze "Transylvanische Trilogie" gedreht). Statt dessen präsentiert […] bösartigen Juden entstanden seien; und bereits Adam habe Eva in den Bauch getreten, meint eine übereifrige Dienerin, um Costandins Thesen zum Geschlechterverhältnis zu untermauern. Warum überhaupt der Western? Am Ende sind die Genremarkierungen vielleicht eher Verkaufsargument (koproduziert hat HBO Romania) als irgendetwas anderes. Costandin schwafelt zwar gelegentlich vom Gesetz, das jetzt endlich Einzug […] gehaltloses Gesetz humorlos aus der Einstellung gedrängt werden, wenn es ans Eingemachte geht und die Macht sich selbst vollzieht. Wenn man doch eine Verbindung ziehen möchte zur filmhistorischen Gattung Western, könnte man vielleicht sagen: "Aferim!" ist ein "Wild Bunch" ohne wilden Bunch. Die Welt ist genauso dreckig und verkommen wie in Peckinpahs Magnum opus, aber es gibt im rumänischen Morast keine virile […] Von Lukas Foerster

Bleibt ein Unvollendeter: George Sluizers 'Dark Blood' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2013 […] Atombombentest durchgeführt, infolgedessen große Gebiete radioaktiv verstrahlt sind. Auch Boys Frau – sie starb an Krebs – war den Strahlen zum Opfer gefallen. "Dark Blood" moduliert das Genre des Western fürs postnukleare Zeitalter. Was an dem Film in der vorliegenden Form fehlt, sind nicht nur Kleinigkeiten, sondern viele Schlüsselszenen. Bisweilen bezieht "Dark Blood" aus seinen Auslassungen eine […] Von Nikolaus Perneczky

Post-Berliner-Schule-Western: Thomas Arslans 'Gold' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2013 […] entkommen - sofern man die Strapazen meistert, die zwischen den jungen städtischen Zentren und dem Goldvorkommen in unwirtlichem Gebiet lauern. So finden sich in Thomas Arslans Post-Berliner-Schule-Western denn auch eine Gruppe deutscher Migranten ein, die dem Ruf des Goldes, genauer: der Annonce eines windigen Reiseführers, der zum geringen Preis eine weniger strapaziöse Passage zum neuen Reichtum in […] Von Thomas Groh

Neigt zur Makellosigkeit: 'True Grit' von den Coen-Brüdern

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2011 […] die mit "True Grit" gerade den größten kommerziellen Erfolg ihrer bisherigen Karriere feiern, liegt die Antwort klar auf der Hand: Mehrfach betonen sie auf der Pressekonferenz, dass der John-Wayne-Western für sie nur eine blasse Kindheitserinnerung darstelle, der Roman sie aber sehr fasziniert und gereizt habe. Und dennoch, stets aufs Neue, die Fragen nach ihm, dem einzigen, dem großen: John Wayne. […] in ihrer burschikos-androgynen Uneindeutigkeit wie ein Echo der zeitgenössischen Frauenbewegung erscheint. Von solchen Einbrüchen und Krisen ist in "True Grit" '11 freilich nichts zu merken. Der Western ist hier keine Schaubühne mehr, auf der Symptome bildhaft greifbar werden, sondern eine nostalgische Form, die zur Makellosigkeit und damit Könnerschaft strebt. Jedes Bild, jede schmutzige Textur, […] Kehle gerät präzise zur Aufführung und schwelgt in eigener Detailverliebtheit. Die wuchtigen Landschaften - im Wayne-Film noch mit der trotzigen Insistenz ins Bild gerückt, dass die große Zeit des Westerns, entgegen allen Anzeichen, nicht vorbei ist - bleibt hier vor allem närrische Blickbezirzung. In all dem ist "True Grit" in der neuen Variante ungeheuer schön anzusehen und mitzuverfolgen, aber doch […] Von Thomas Groh