Stichwort

Hamburg

14 Artikel

Monströs: Fatih Akins "Der Goldene Handschuh" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2019 […] Fatih Akin hat ganze Arbeit geleistet. "Der Goldene Handschuh" ist ein monströser Film. Eine Art Ekel-Horror-Comic, grotesk und grell überzeichnet. Schon in der ersten Szene beginnt Fritz Honka, der Hamburger Frauenmörder, sein perverses Werk: In seiner stinkigen, mit Porno-Bildern tapezierten Wohnung in St. Pauli schnürt er den wuchtig-wabbeligen Leib einer Frauenleiche zusammen, verpackt ihn in Plastiksäcke […] die Huren lassen sich von dem Typen einen Kurzen spendieren: "Der ist so hässlich, den würde ich nicht mal anpissen, wenn der brennt", höhnt eine. Im "Handschuh" versammelt sich Abend für Abend der Hamburger Abschaum: Soldaten-Norbert, Doornkaat-Max und Tampon-Jürgen. Anus serviert. Die Vorhänge sind zugezogen, damit die Leute die Sonne nicht sehen: "Sie trinken nichts, wenn die Sonne scheint." Die Huren […] Akin, seit "Gegen die Wand" der Darling der Berlinale, seinen Ehrgeiz daran gesetzt hat, Heinz Strunks "Goldenen Handschuh" zu verfilmen. Der Roman hatte seine Fans. Wahrscheinlich ist das so ein Hamburg-Ding, die Faszination für die traurig-schaurigen Gestalten. Aber er hat für seinen Film einen passend inkommensurables Genre gewählt. In der Pressekonferenz wurde Akin gefragt, ob Deutschland nicht […] Von Thekla Dannenberg

Im Rosengarten: Hong Sangsoos 'On The Beach At Night Alone' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2017 […] von "On The Beach At Night Alone" ist Younghee auf Reisen in einer Stadt, die zwar nicht beim Namen genannt oder durch bekannte Sehenswürdigkeiten markiert ist, sich dem Eingeweihten aber bald als Hamburg zu erkennen gibt. Vom "Lese-Café im Rosengarten" kündet ein handbeschriebenes Schild im Stadtpark, in dem Younghee mit ihrer Freundin (Seo Younghwa) am liebsten Zeit verbringt. Eine Umfrage habe ergeben […] Von Katrin Doerksen

Haarscharf neben dem Bordstein

Mord und Ratschlag 20.05.2016 […] Simone Buchholz ist eine große Stilistin. Das Hamburg, von dem sie in ihrem Roman "Blaue Nacht" erzählt, ist kein realistisches Abbild der Stadt, nicht einmal von St. Pauli. Dieses Hamburg ist ein Erzählkosmos, der ganz von seiner Sprache getragen wird, einer ausgefeilten Schlichtheit, die ans Schnoddrige grenzte, wäre sie nicht so leicht und witzig. Seine Energie speist dieser Kosmos aus Strömen von […] Und er will auch nicht mit ansehen, wie dieser üble Typ sein schmutziges Geld jetzt sauber in die Hafencity investiert und dafür sogar zum Neujahrsempfang im Rathaus geladen wird. Auch wenn man in Hamburg besser Geschäfte machen kann als in Neapel: "Geld wird leise verdient, wir machen kein großes Aufhebens darum, und alle, die mitverdienen wollten, halten gefälligst die Schnauze. Das Gesetz gilt in […] en Haustieren oder die närrische Liebe zu Pferden, von denen ausgerechnet die mutigsten und gelassensten in der Reiterstaffel der Polizei landen. Christine Lehmann: Allesfresser. Roman. Ariadne. Hamburg 2016, 252 Seiten, 12 Euro (Bestellen). […] Von Thekla Dannenberg

Keine Moral ohne Eleganz

Mord und Ratschlag 12.05.2015 […] Moral ohne Eleganz auskommt. Wu Ming: 54. Roman Aus dem Italienischen von Klaus-Peter Arnold. Assoziation A, Berlin/Hamburg 2015, 526 Seiten, 24,80 Euro (Bestellen). *** Gewaltsamer kann ein Roman eigentlich kaum anfangen als Robert Bracks "Die drei Leben des Feng Yun-Fat": Das Hamburger Detektivbüro Rabe & Adler wird vom Hafen aus mit einer Granate beschossen. Doch einem Autor wie Brack liegt jede […] Polit-Aktivistin Nadine Adler ihr Detektivbüro mit Blick auf den Hamburger Hafen. Von hier aus haben sie einen guten Blick auf die Handelswege hanseatischer Kaufmannskunst: Kriegswaffen für den Mittleren Osten, Autos und Maschinen für China, Schrott für Westafrika. Das Büro hat ihnen Leninas Vater überlassen, ein berühmter Hamburger Ermittler, von dem der Ausspruch überliefert ist: "Der Tod ist Teil […] Shuo führt die beiden Detektivinnen durch die China-Küchen der Stadt, vor allem aber an Orte wie den gigantischen Asia-Großmarkt "Acht Köstlichkeiten", der sich mit seinem direktem Anschluss an den Hamburger Hafen als perfekter Umschlagplatz für Importe/Exporte aller Art erweist, oder in ein schwer bewachtes Barackenlager am Maschener Kreuz, in dem die Vertragsarbeiter kaserniert sind: "Chinesische Wachleute […] Von Thekla Dannenberg

Außerhalb des Blumenbeets

Redaktionsblog - Im Ententeich 17.03.2015 […] Der Gewinner des Leipziger Buchpreises ist ein Netter. Er vereint die Gediegenheit der Hamburger Schule mit einer Sanftheit, die beinahe schmerzt. Auf die zahnlosen Fragen der Kulturzeit-Redakteurin Andrea Meier antwortet er mit vollendeter Geduld und Freundlichkeit. Aber in Wagners Augen blitzt es auch schelmisch. Keine Frage, der Mann verfügt über Einfühlsamkeit und Humor. Als Lyriker geht Wagner […] Von Sascha Josuweit

Verströmt den Charme von Moleskine-Notizbüchern: Wim Wenders' 'Every Thing Will Be Fine' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2015 […] er gehüllt sieht er aus wie ein der Winterkollektion von Peek und Cloppenburg entstiegener James Dean, wie die Farbwerte und Gegenstandsbesetzungen des Films überhaupt stark an einen Katalog des Hamburger Bekleidungshauses denken lassen. Wiederkehrende Fetischobjekte sind, neben Francos Pullis, gusseiserne Öfen, Moleskine-Notizbücher mit zur Kamera hingedrehten Gebrauchsspuren und auratisch leuchtendes […] Von Nikolaus Perneczky

Aufzeichnungen über Grenzen und Säume

Außer Atem: Das Berlinale Blog 05.02.2015 […] Städten". Auch hier liegt der ganze Reiz des Ruhrgebiets in den vor dem Abriss stehenden Arbeitersiedlungen einer zu Ende gehenden Industriekultur. Im "Amerikanischen Freund" wohnt Bruno Ganz in einem Hamburger Abrisshaus vor Hafenkulisse, und er fährt nicht irgendeinen Käfer, sondern einen mit ovalem (aber nicht geteiltem!) Rückfenster, wie sie in den Fünfzigern gebaut wurden. In den Siebzigern setzte […] Von Thierry Chervel

Der Schwanenfänger von Hamburg

Mord und Ratschlag 26.06.2012 […] ein Söldner, aber im Gegensatz zu Niemand trägt er seine Haut nicht zu Markte, sondern bedeckt sie mit Anzügen von Ermenegildo Zegna. Er arbeitet für die vornehme Detektei Weidermann & Kloster in Hamburg an der Schönen Aussicht, im Dienst von Wirtschaftsunternehmen, die sich gegenseitig ausspionieren, abtrünnige Manager jagen oder verschwundene Gelder aufspüren. Dafür zapfen sie die weltweiten Com […] besorgen, einen so undurchsichtigen wie unantastbaren Mann des internationalen Handels (Waffen, Drogen, Sklaven), der gern auch Geheimdienste für seine Geschäfte einspannt. Bald tummeln sich auf Hamburgs Ausflugsdampfern CIA und DIA, MI5 und MI6, BND und Mossad wie die Schwäne auf der Alster. Und wie diese Schwäne schwimmen sie unkontrolliert und planlos, wenn sie einmal aus ihren Winterquartieren […] Händler im globalen Geschäft mit der Information, bei dem Journalisten und Geheimdienste mitspekulieren, ohne zu ahnen, wessen Kurs sie in die Höhe treiben und wer die Gewinne einstreicht, während in Hamburg, London und Montana die Fußsoldaten auf der Strecke bleiben. Und dass internationale Konglomerate so leicht einen Staatsstreich auf den Seychellen organisieren wie sie Schweizer Nummernkonten eröffnen […] Von Thekla Dannenberg

'Internet, wie haben Sie das gemacht?' - Eine Diskussion

Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2012 […] der großen Städte zunehmend zu einem infrastrukturellen Problem, überhaupt noch in den Genuss etwa originalsprachlicher Vorführungen zu kommen, von Repertoireprogramm ganz zu schweigen. Bereits in Hamburg ist es nicht mehr selbstverständlich, dass das aktuelle Verleihprogramm auch wirklich komplett die Kinos erreicht. Als kürzlich in Berlin eine Kampagne zum Erhalt des wenig später geschlossenen Kinos […] Von Thomas Groh

Diesen Kuss der ganzen Welt

Redaktionsblog - Im Ententeich 16.02.2012 […] für Reportagen. Sonntag Aktuell könnte also - wenn sie uns das mitteilen und unser Einverständnis einholen, wie jetzt auch im Fall der Abendzeitung geschehen - eines Tages auch den Reiseteil des Hamburger Abendblatts produzieren. Und den des Tagesspiegel in Berlin. Und den der WAZ. Und den der Badischen Zeitung. Und mit Verweis auf die Vergütungsregeln müssten sie uns dafür keinen Cent extra bezahlen […] Von Thierry Chervel

Fantasie über die Zukunft des Schreibens

Redaktionsblog - Im Ententeich 14.03.2010 […] Am 14. März 2000 gründeten Anja Seeliger, Niclas Seeliger, Adam Cwientzek und ich bei einem Hamburger Notar die Perlentaucher Medien GmbH. Das Wetter habe ich als noch winterlich, aber nicht unfreundlich in Erinnerung. Am Tag darauf gingen wir mit der ersten Feuilletonrundschau online, die heute verloren ist, weil wir die Feuilletonrundschauen zunächst noch Tag für Tag überschrieben. Erst ab 2. April […] Von Thierry Chervel

Das Behagen an der Unkultur

Redaktionsblog - Im Ententeich 18.01.2010 […] bezeichnet, früher aber nannte man es Taktgefühl." Der Verzicht auf den Abdruck der Karikaturen in einem Buch über den Karikaturenstreit, der Verzicht auf Gregor Schneiders schwarzen Würfel vor dem Hamburger Bahnhof in Berlin: All das sind Akte eines "verantwortungsvollen Umgangs mit der Meinungsfreiheit". Und unsere Qualitätsmedien sind heute oft die prominentesten Unterstützer religiöser Vorzensur. […] Von Thierry Chervel

Hamburger Abendblatt - bezahlen trotz freien Zugangs?

Redaktionsblog - Im Ententeich 16.12.2009 […] Seit vorgestern sind einige regionale Inhalte des Onlineauftritts des Hamburger Abendblattes nur noch für zahlendes Publikum einsehbar. Über dieses Thema hat bereits Stefan Niggemeier in seinem Blog berichtet. Wer sich den Internetauftritt des Hamburger Abenblatts näher ansieht, stellt aber schnell fest, dass die Bezahlschranke nur zum Schein errichtet wurde. In Wirklichkeit waren am 16. Dezember […] zugänglich. Als Beispiel nehmen wir den Artikel "Stadt investiert so viel Geld wie noch nie" beim Abendblatt. Wer den Artikel einfach so annklickt, bekommt folgende Seite zu sehen: Aber das Hamburger Abendblatt fährt eine Doppelstrategie: Der Leser soll zahlen, bei Google aber möchte man trotzdem vorkommen. Für Google sind die Bezahlinhalte weiter einsehbar, schließlich sollen die Artikel weiterhin […] Von Peer Skrzypek

Schutzlos ausgeliefert im Internet?

Redaktionsblog - Im Ententeich 15.11.2009 […] Verlegern andererseits vornimmt, und warnen davor, "den bestehenden Interessenausgleich einseitig zugunsten der Verleger zu verschieben". Ehmann und Szilagyi wundern sich ferner über die sogenannte "Hamburger Erklärung" (hier als pdf-Datei), in der es heißt, Presseverleger sollten nicht zum Verschenken ihres Eigentums ohne vorherige Zustimmung gezwungen werden, und stellen fest, dass dies keineswegs der […] Von Ilja Braun