Stichwort

Hans Castorp

5 Artikel

Frühjahr 2005

Bücher der Saison 06.04.2005 […] und auch die FR ermüdet die Anekdotendichte eher. Die findige taz entdeckt aber selbst hier, wo andere schon verzweifeln, ein "systematisches Konstruktionsprinzip". Sich an Thomas Mann und seinen Hans Castorp aus dem Zauberberg heranzuwagen und ihm ein Vorleben als Student in Danzig anzudichten, das ist verwegen, darin sind sich alle Rezensenten einig. Und für beinahe alle ist Pawel Huelles Husarenstück […] Von Thekla Dannenberg, Anja Seeliger

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Vorgeblättert 14.01.2005 […] , als sei nichts geschehen, gab das Restgeld heraus und lochte die kleinen rechteckigen Kärtchen den Wünschen entsprechend - "Olivaer Tor" - "zweimal Polytechnikum" - "einmal Endstation" -, was Hans Castorp noch mehr aufbrachte, da dieser demonstrativ unhöfliche Mensch in Uniform nur von ihm die Angabe der Zone verlangte, während er die anderen Fahrgäste freundlich und zuvorkommend behandelte. Die […] n überzugehen, nämlich denen, die aus Frau Wibbes Brief resultierten, wo schwarz auf weiß geschrieben stand, daß es am Kastanienweg eine Haltestelle gebe? Zum ersten Mal in seinem Leben empfand Hans Castorp - wie man in seinen Kreisen in solchen Fällen zu sagen pflegte - die Notwendigkeit, jemandem eine Lektion zu erteilen - ja, man hätte, in diesem Sinne, streng die Stirn runzeln und in einem keinen […] müssen: "Ihre Dienstnummer, bitte! Das ist unerhört, Sie haben wohl vor, ihre Stelle aufzugeben? Ich werde mich noch heute bei der Direktion beschweren!" Doch statt irgend etwas zu sagen, setzte sich Hans Castorp auf den nächsten freien Platz und schaute, das Gesicht dicht an die Fensterscheibe gepreßt, zerstreut auf das Spalier der hundertjährigen Linden, hinter denen sich die Fahrbahn der Allee und der […]

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Vorgeblättert 14.01.2005 […] Besuch in den Hamburger Docks gewesen? Oder während der Ferien in Travemünde, wo man ähnliche Typen des niederen bürgerlichen Standes treffen konnte, wenn man an einem billigen Gasthof vorbeifuhr? Hans Castorp wußte nicht warum, aber der Unbekannte hatte etwas Fremdländisches an sich, obwohl kein Detail seiner ausgedienten, ein wenig altmodischen Garderobe - und noch viel weniger sein Akzent - zu diesem […] bezeichnen, er jedoch war geneigt, diesen Augenblick seines Lebens als fatalen Knoten zu sehen, dessen Entwirrung die Möglichkeiten seines erschöpften Nervensystems überstieg. Und deshalb verfiel Hans Castorp in einen jener jugendlichen Zustände der Teilnahmslosigkeit, von denen Doktor Heidekind gesagt hatte, sie könnten sich, wenn sie auch verständlich und nicht besonders gefährlich seien, in Zukunft […] bildhafter gesprochen - wäre in diesem Moment über Langfuhr ein Gewitter oder ein Schneesturm hinweggezogen, so hätte er sicherlich Unterschlupf gesucht. Da Derartiges jedoch nicht drohte, blieb Hans Castorp reglos auf dem Backsteinabsatz der Schleuse stehen und befand sich, den Blick auf die grüne Wasserfläche geheftet, außerhalb der Zeit. Selbstverständlich nur subjektiv gesehen, denn außerhalb seines […]

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Vorgeblättert 14.01.2005 […] inie soeben den Hauseingang im Kastanienweg 1 betrat. Hans Castorp konnte sie natürlich nicht sehen, und dank dessen hielt die Erinnerung an den Botanischen Garten, den Teich, die Schiffchen und Großvater Hans Lorenz, der ihm - übrigens nicht allzu lange - die früh verstorbenen Eltern ersetzte, noch etwas an. Erst jetzt wurde sich Hans Castorp darüber klar, daß die Spiele am Teich dem Senator nie gefallen […] ins Wasser gelassen und schubste es jetzt mithilfe einer Weidenrute in den Archipel der Seerosen. Während er jetzt, viele Jahre danach, mit der Droschke durch die fremde Stadt fuhr, erinnerte sich Hans Castorp daran, daß er die riesigen, flachen Blätter, auf denen sich Libellen niederließen, mit den seltsamsten Namen von Kontinenten bedacht hatte, die niemand kannte. Doch das Vergnügen hatte nie lange […] dem Weidenkorb, der hier ist speziell für Sie, die Wäscherin ist sehr solide, wenn auch Polin, aber billiger als die Bottcherowa an der Ecke, und stellen Sie sich bloß vor, die trinkt..." Doch Hans Castorp wollte sich gar nichts vorstellen anhand dieser Erzählung, und ganz bestimmt nicht die Physiognomie der ständig betrunkenen Wäscherin an der Ecke Kastanienweg und Ahornweg; von diesem Augenblick […]