Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Wo wild die Wildgeword'nen streiten

03.11.2026. In Eurozine erklärt der ukrainische Autor Mykola Riabchuk, warum die Ukrainer so am Habsburgerreich hängen. Der New Yorker fragt, warum die Alzheimer-Forschung sich auf Menschen konzentriert, die gar keine Symptome zeigen. Seznam Zprávy weiß, wie es der tschechische Kulturminister Oto Klempíř in kürzester Zeit geschafft hat, sich die tschechische Kulturszene zum Feind zu machen. Die London Review of Books taucht ein ins wenig glamouröse Alltagsleben im Römischen Reich. Der Merkur erkennt in einem Pariser Keller: "Ja heißt ja" ist auch noch nicht die Lösung. Und die Blätter denken über Ethik und KI im Krieg nach.

Die großen modernen Dinge

27.10.2026. Die London Review of Books erinnert an den Ursprung der Proteste in Frankreich: Ratten, Kakerlaken und kaputte Toiletten in Schulen. Mit den Kuchenstücken von Wayne Thiebaud wartet sie auf Zeugen. In Eurozine beobachtet die französische Dichterin Carolyn Forché, wie die Kriege in der Ukraine und in Gaza die Sprache zerstören. Die Minderheiten in Russland lassen sich die Freiheit ihrer Sprachen indes nicht nehmen, weiß die Novaya Gazeta Europe. Im Dlf seufzt Barbara Sichtermann: Sex ist im feministischen Diskurs zum Sündenpfuhl schlechthin geworden. Und Newlines kostet blauen Wein aus Syrien.

Die Welt widerfährt uns

20.10.2026. Die London Review stellt den Anwalt Roy Cohn vor, rechte Hand von Joe McCarthy und später Mentor von Donald Trump sen. und jun. Eurozine bewundert die Plastikdeserteure des Künstlers Sergei Prokofiev. Tablet träumt von einer Welt, in der der Raphael Glucksmann klug genug wäre, im Wahlkampf wenigstens Mélenchon zu schlagen. Queer Nations erinnert an Michel Foucaults produktive Jahre in Hamburg. Verstka erzählt, was einen in Russland erwartet, wenn im Kino ein Kurzfilm angekündigt wird.

Zarte Kritzeleien

13.10.2026. Der Guardian porträtiert Scheich Tahnoun bin Zayed Al Nahyan, Chef des KI-Konzerns G42 und praktischerweise auch Geheimdienstchef der Vereinigten Arabischen Emirate. Eurozine fragt, warum die EU den serbischen Autokraten Aleksandar Vučić so herzlich hofiert. In Le Grand Continent denkt Eva Illouz über Dreyfus-Affäre und Genozidvorwurf-Affäre nach. Vanity Fair porträtiert einen der reichsten (und verschuldetsten) Vertreter des "neuen Establishments" in den USA: Larry Ellison.

Überfluss an unverbrauchter Zeit

06.10.2026. Am 90. Jahrestag der Schlacht in der Cable Street offenbarte sich der endgültige Bruch der Allianz zwischen Linken und Juden, notiert Times of Israel. In Eurozine träumen Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie von einem Dienstjahr für alle jungen europäischen Frauen und Männer. Der Guardian berichtet von Morden an Menschen mit Albinismus in Madagaskar, deren Augen besonders begehrt sind. Seit mehr als hundert Jahren wird der Untergang des Abendlandes beschworen, beruhigt in HVG der ungarische Historiker Balázs Ablonczy.

Stürzt die kreative Klasse?

29.09.2026. In Quillette kritisiert der amerikanische Historiker Jeffrey Herf eine kanadische Ausstellung über die Nakba, die den Anteil der Palästinenser am Geschehen verschweigt. The Ideas Letter porträtiert den Jazzpianisten Randy Weston, der sich als Afrikaner in Amerika begriff. Harper's besucht die panamaische Stadt Bajo Chiquito, die vom Migrantenboom in die USA profitiert hat. Apricitas Economics untersucht den Einfluss von KI auf die Kulturindustrie. Der New Yorker lernt von William Hitchcock, wie die USA unter Franklin D. Roosevelt antifaschistisch wurden.

Obsession statt Gefühle

22.09.2026. Izabella Tabarovsky, Expertin für die Geschichte des linken Antizionismus, erkundet in Tablet, welchen Anteil Kurt Waldheim an der Dämonisierung Israels in der UN hatte. Verstka besucht nahe Moskau eine von Putin errichtete folkloristische Kopie Russlands. New Lines erzählt wie der marokkanische Staat für die Fußball-WM reihenweise Wohnhäuser abreißt. Critic.de stellt Yasuzo Masumura vor, eine rätselhafte Figur der japanischen Nouvelle Vague. Der New Yorker watet in Israel durch den Sumpf des Qatargate-Skandals.

Hand in Hand mit der Liebe

15.09.2026. Swetlana Alexijewitsch spricht in Meduza über "Menschen der Kriegskultur".  Der New Yorker porträtiert den Trump-Gesandten Jared Kushner als Virtuosen des Win-Win. Aber auch Donald Trump Jr. geht es bestens - er ließ sich laut Propublica seine Hochzeitsfeier von einem Putin-Vertrauten bezahlen.  Elet es Irodalom begleitet die Regierung Peter Magyars nun doch mit einiger Skepsis. In der London Review of Books schwärmt Literaturwissenschaftler Colin Burrow über Gedichtbesprechungen der amerikanischen Kritikerin Helen Vendler.

Früher oder später erlischt das Licht

08.09.2026. Die LRB erklärt,  warum eigentlich das Militär in Pakistan regiert. In der NYT fragt der Palästinenser Ahmed Fouad Alkhatib, warum die Linke die Hamas liebt. László F. Földényi findet das Licht bei Péter Nádas. Bei Dekoder denkt die belarusische Schriftstellerin Volha Hapeyeva über Identität nach. In The Nation erklärt der linke US-Demokrat Abdul El-Sayed, warum er sich um den Kapitalismus sorgt. Der New Yorker denkt über Klasse, Kultiviertheit und Charme nach.

Zwischen einem Petaflop und einem Exaflop

01.09.2026. Newlines begibt sich in gut belüfteten unterirdischen Kammern auf die Suche nach den geheimen Goldvorräten des Islamischen Staates. Außerdem erzählt New Lines die grausame Geschichte der Unterdrückung der Jesiden. Der New Yorker besucht Susan Te Kahurangi King, Neuseelands berühmteste Künstlerin, die sich durch Zeichnungen von Menschen mit Schweinegesichtern ausdrückt. Novaja Gazeta Europe berichtet von russischen Familien, die die falschen Leichen ihrer im Krieg gestorbenen Söhne zugeschickt bekamen. Modisch ist, wer den besten Fake besitzt, lernt der Dlf. Und Eurozine lernt, wie aufwändig es wird, dass vollständige menschliche Konnektom zu kartieren.
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