Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Republik der Fans

18.09.2018. Anne Applebaum hört in Polen einen Haufen mittelgroßer Lügen. Ivan Krastev sucht den Bürger. Respekt fürchtet sich vor der Angst der Tschechen. Micromega untersucht die Konstruktion des Multikulturalismus. Die New York Times vermisst eine neue Gewerkschaftsbewegung. Bloomberg besucht das schwarze Schaf der EU - und es ist nicht Ungarn.

Hand in der Keksdose

11.09.2018. Popula schreibt über das Leben nach der Abschiebung. Der Rolling Stone lernt in Mexiko, was noch lukrativer ist als Drogenhandel. Eurozine denkt über Kryptowährungen nach. Die London Review geißelt das Duckmäusertum der Millennials. GQ zählt seine Spermien. Die NYT lässt sich von Lina Khan Amazon's Antitrust Paradox erklären. Longreads schnuppert den Duft der Zibetkatze.

Die Regierung war tot

04.09.2018. Der New Yorker betrachtet mit Wolfgang Tillmans, was neu ist. Im Merkur diagnostiziert die Soziologin Cornelia Koppetsch eine Ära der gesellschaftlichen Schließung. Im Guardian erklärt Kwame Anthony Appiah das Problem mit der lupenreinen Identität am Beispiel seines Verhältnisses zu Taxifahrern. Das Smithsonian Magazine stellt Codeknackerinnen im Kalten Krieg vor. The Atlantic erzählt, wie russische Neonazis versuchten, Montenegro aufzumischen. Wired erzählt, wie russische Hacker die Ukraine lahm legten. Die New York Times feiert die Fluidität des Comme-des-Garcons-Mannes.

Junger Mann von göttlicher Natur

28.08.2018. In Magyar Narancs erinnert Viktor Horváth an die ungarische Kollaboration bei der Niederschlagung des Prager Frühlings. Der New Yorker inspiziert Daniel Ortegas Wandel vom Revolutionär zum Autokraten. El Malpensante  fordert: Guerrilleros zu Parkwächtern. In Eurozine fragt der ukrainische Philosoph Mykola Rjabtschuk die Tschechen, ob nur die Mitteleuropäer Freiheit verdienen. In Quietus erinnert sich Terence Stamp an sein Vorstellungsgespräch mit Pasolini für "Teorema". In Elet es Irodalom sieht László F. Földényi nur noch horizontales Verlangen, wo früher vertikales Heimweh war.

Das Ausmaß des öffentlichen Ärgers

21.08.2018. Der Guardian resümiert, wie gründlich die BDS-Kampagne in dreizehn Jahren das Koordinatensystem im Nahen Osten zerschossen hat. Eurozine singt ein Loblied auf die Kritikerinnen des feministischen Mainstreams. HVG beobachtet, wie Orbans Oligarchen in den Medien auf Skalpjagd gehen. Rue 89 lädt zum Essen mit Baron Samedi und Maman Brigitte. Der New Yorker feiert mit Alex Katz die Sensation der äußeren Erscheinung. Künstliche Intelligenz mag effizient sein, erkennt der New Statesman, aber sie ist nicht demokratisch. Auf Paley Matters lernt Alan Moore mit Agent Nummer 6, wie höllisch klug die Arbeiterklasse ist.

Verrückte Wände

14.08.2018. Ohne die kleinen Magazine gibt es keine neue Architektur, ruft Eurozine. Der Believer hört Miles Davis' "Nardis" mit Bill Evans. In Novinki erinnert der Regisseur Robert Sedláček an den Studenten Jan Palach. Spiked staunt über die Apartheid in Amsterdam. Le Monde diplomatique besucht Swasiland, die letzte absolute Monarchie Afrikas. Der Guardian versucht zu begreifen, warum Matteo Salvinis national-soziale Politik so gut bei den Italienern verfängt. Die NYT zieht eine desaströse Bilanz des Afghanistankrieges.

Mit Tausenden Lichtern

07.08.2018. Im Merkur vermessen Gaia und der Astronom Aleks Scholz das  Universum. Das New York Magazine bilanziert die große Rezession seit 2008. In Quillette bekennt sich der kanadische Arzt Ali A. Rizvi stolz als atheistischer Muslim - wie Millionen andere Muslime auch. Auch in der Türkei setzt der Cumhuriyet-Journalisten Özgür Mumcu im Interview mit Novinky auf die Säkularen. Eurozine fragt, warum Online-Diskussionen immer so aus dem Ruder laufen. Longreads sucht nach den unreinen Ursprüngen der Country-Musik. Und die New York Times bilanziert eine seit über hundert Jahren angekündigte Katastrophe: den Klimawandel.

Die Schurken waren die Präsidenten

31.07.2018. Die New York Review of Books sucht den tiefen Staat und findet ihn im Weißen Haus. Silicon Valley rückt nach links und frönt nach dem Libertarismus jetzt dem Liberaltarianismus, informiert Wired. Ludwig Erhard wäre begeistert. Bei Lidovky empfiehlt der türkische Autor Murat Uyurkulak seinen ungeduldigen Kollegen, sich ein Beispiel an Homer zu nehmen. Die London Review liest die beste de-Gaulle-Biografie, die selbstverständlich aus England kommt. Die New York Times erzählt, wie man mit Yoga, Nationalismus und Religion zum Milliardär wird.

Die Scham und die Pracht

24.07.2018. Der New Yorker schickt Reportagen über Brexit-Britannien und das Polen Kaczyńskis. In Serbien haben sich die Neulinken als Nachfahren von 1968 etabliert, nicht die Reformkommunisten, notiert Laszlo Vegel in Magyar Narancs. Der Guardian möchte Emily Brontë gerade mal als "schwierige Frau" würdigen. In Eurozine fragt Carl Cassegård nach den Kosten einer individualisierten Solidarität. Wired sucht mit Jonathan Albright nach rechten Diskursknotenpunkten im Web. The Nation kritisiert die amerikanischen Medien, die nur noch Trump, Trump, Trump, Trump bringen.

Wunsch zur Neuerfindung

17.07.2018. In Vanity Fair verkündet Tim Berners Lee, wie er das Internet revolutionieren will. Die London Review of Books erklärt, warum Anthony Powell verglichen mit Proust vielleicht der bessere Autor ist. In Magyar Narancs denkt die Schriftstellerin Edina Szvoren über die Gründe für Erfolg und Misserfolg von Übersetzungen nach. La Vie des Idees fragt, was genau eigentlich der Mehrheitswille ist. Der New Yorker erklärt, wie der Internethandel ländliche Identitäten in China verändert. Der Believer lernt von Clarice Lispector, dass man sich zu seiner Wiedergeburt auch ohrfeigen kann.