9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Scharfer Gegenwind ist das Mittel erster Wahl

19.08.2017. Auf ZeitOnline stimmt Jordi Punti eine Elegie auf die Rambla an. Der indonesische Islam-Gelehrte Kyai Haji Yahya Cholil Staquf pocht in der FAZ auf einen Zusammenhang von Terrorismus und Islamismus. In der New York Times hält Timothy Snyder unter anderem fest: Trumps Versagen nach Charlottesville ist kein unschuldiges. Die FR erinnert allerdings daran, dass der Faschismus eine europäische Erfindung ist. Die NZZ ächzt: Der Diskurs von heute kennt nur noch Diversity, aber keinen Pluralismus mehr.

Cäsarenhafte Dekadenz

18.08.2017. Die New York Times hat einen sehr plausiblen Vorschlag für den Friedensnobelpreis: die Organisatoren der Regenschirm-Proteste, die ersten politischen Gefangenen Hongkongs. Die Volksrepublik China beweist unterdessen laut Reuters, dass man das Internet tatsächlich abschalten kann. Der Tagesspiegel erklärt, warum das Humboldt-Forum unbedingt mehr Provenienzforscher braucht. In der Berliner Zeitung rettet Jochen Hörisch die Medien. Netzpolitik kritisiert die Google-Wahlkampfhilfe für die Kanzlerin. In der Welt rauft sich Robert D. Kaplan die Haare - natürlich wegen Trump.

Irgendetwas läuft da gewaltig schief

17.08.2017. Das Berliner Festival Pop Kultur wird von der Israel-Boykottbewegung BDS attackiert, weil Israel 500 Euro Reisekosten zugeschossen hat - und tatsächlich sagen einige Bands ab, berichtet die taz. Eine HBO-Dokumentation über Charlottesville macht im Netz Furore - wir binden sie ein. Die Zeit beschreibt, wie ein ganz Linker mit ganz Rechten spricht und dann über die innere Verwandtschaft staunt.  In der NZZ wiederholt Mark Lilla seine Vorwürfe gegen die modische Linke, die Zeit liest Lillas neues Buch.

Die Bedürfnisse der Wirtschaft

16.08.2017. Die Guardian-Kolumnistin Amina Lone protestiert gegen Kopftücher für immer kleinere muslimische Mädchen. Die NZZ wirft einen Blick auf die rigide Einwanderungspolitik in Kanada. Die New York Times geißelt die gestrige Pressekonfernz Donald Trumps - nie habe er die Rechtsextremen so deutlich unterstützt. Der Tagesspiegel fordert weniger Chefs für das Humboldt-Forum.

Wie aus einer Apfelsaftreklame

15.08.2017. In der New York Times schreibt der Medienwissenschaftler Siva Vaidhyanathan ein kleines Porträt der Stadt Charlottesville. in der Welt fordert Perlentaucher Thierry Chervel Generalstände über die deutsche Medienlandschaft. Die SZ beschreibt, wie deutsch-tschechische Institutionen eine nach der anderen eingehen.  Die taz geht den Antisemitismusvorwürfen gegen eine Arte-Doku über den Gaza-Streifen nach. Laut FAZ diskutieren Briten, Inder und Pakistaner über das Erbe des Kolonialismus.

Mit Anti-Glanzeffekt

14.08.2017. Jared Genser, Anwalt von Liu Xia, prangert in Libération das Kuschen des Westens vor chinesischen Menschenrechtsverletzungen an. Der Gewaltakt von Charlottesville widerspricht innersten amerikanischen Werten - was heißt es, dass Trump dies nicht beim Namen nennt, fragt die New York Times. Die SZ singt ein Abschiedlied auf Gärten. Die taz erklärt die komplizierte vietnamesische Community in Berlin. Die NZZ beklagt den fehlenden Technikjournalismus im deutschsprachigen Raum.

Ein bisschen Differenzierung

12.08.2017. Die Debatte um das "Diversity-Memo" von James Damore und um Sexismus bei Google geht weiter: Der New York Times-Kolumnist David Brooks fordert in einem scharfen Kommentar den Rücktritt des Google-CEO Sundar Pichai. Politico.eu erklärt das Verhalten Nordkoreas aus der Geschichte. Politico.eu beleuchtet auch das recht herzliche Verhältnis zwischen Papst Franziskus und Wladimir Putin. In der taz erzählt Manuel Karasek von seiner venezolanischen Mutter, ihrem Glauben an das chavistische Regime und den Kriegsvorbereitungen in dem Land.

Zögerlich im Blick auf die Opfer

11.08.2017. Aus Angst vor "Alt-Right" sagt Google eine Mitarbeiterversammlung ab, in der über Sexismus und das "Diversity-Memo" eines entlassenen Mitarbeiters diskutiert werden sollte, meldet recode.net. Zeit online konstatiert einen spezifischen Sexismus auch in der deutschen Techbranche. Die FAZ blickt mit Schrecken auf den "Hexensabbat" bei Google. In mehreren Medien wird über linke Solidarität mit dem chavistischen Regime in Venezuela debattert - auch Papst Franziskus wird kritisiert. In Le Monde diplomatique bekräftigt Bénédicte Savoy ihren Standpunkt zur Provenienzforschung.

Individuelle Unterschiede

10.08.2017. An die Adresse Judith Butlers, die sich über den angeblichen Rassismus der Emma Sorgen macht, antwortet Alice Schwarzer in der Zeit heute: "Die ersten Opfer der Islamisten waren und sind Musliminnen." Es wird weiter über das Diversity-Memo des Google-Programmierers James Damore gestritten: Das Blog @keinetheorie vermutet, dass das Memo kritisiert wird, weil es bestimmte Denkschablonen nicht bedient, der "Diversityberater" Robert Franken sieht es in Zeit online als den Text eines frustrierten Nerds. Die NZZ freut sich, dass auch die Färöer Inseln die Homoehe einführen.

Die Sohle ist der Schlüssel

09.08.2017. In der FAZ übt der Historiker Jürgen Zimmerer scharfe Kritik am Konzept des Humboldt-Forums. In der NZZ meditiert der Soziologe Tilman Allert über die Architektur unserer Sneaker. Google versucht laut Daily Mail fast panisch die Folgen eines sexistischen Manifests eines Programmierers zu begrenzen - der CEO unterbricht seinen Urlaub! Die Frage, wie Schauspiel, Oper und Kammerspiel Frankfurt saniert werden sollen, ist laut taz noch immer ungelöst.