9punkt - Die Debattenrundschau

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Einer Kirche unwürdig

15.08.2018. In der taz erzählt die rumänische Aktivistin Elena Calistru, warum sie eine Orbanisierung ihres Landes fürchtet. Netzpolitik und correctiv.org erzählen, wie die Brexiteers mit "Dark Ads" auf Facebook operierten. Der Bund der Steuerzahler will ein Ende der Staatsleistungen an Kirchen, meldet hpd.de. Das Problem könnte sich demnächst erübrigen, fürchtet die FAZ. Die Salonkolumnisten erinnern daran, dass Eugenik auch in Amerika einst populär war.

Ausgerechnet die Krebse

14.08.2018. Oleg Senzow ist dem Tode nahe - der Tagesspiegel berichtet über eine Petition von Filmemachern für den ukrainischen Regisseur.  Auch der Guardian berichtet jetzt über die Frage, ob  Jeremy Corbyn im Jahr 2014  bei einem Tunis-Besuch einen Kranz am Grab der Attentäter von München 1972 abgelegt hat. In der Berliner Zeitung fragt Götz Aly: Wie lange ist jemand ein Flüchtling? Wer über die "Krise des Lesens" spricht, zählt die Selfpublishing-Szene meist gar nicht mit, beobachtet die SZ.

Sakralisierung der Differenz

13.08.2018. Warum nicht "aufstehen", fragt Ingo Schulze in der SZ. Sahra Wagenknecht selbst legt in der FAS dar, dass sie an das Gute im AfD-Wähler glaubt.  Die FAS analysiert auch die innere Spaltung der Linken insgesamt. David Grossman zweifelt in der NZZ an Friedensaussichten im Nahen Osten. In der Berliner Zeitung spricht Ilko-Sascha Kowalczuk  von der Stasi-Unterlagenbehörde über die Enttäuschung des Ostens nach dem Mauerfall. Die taz bereitet laut turi2 den Ausstieg aus dem Print vor.

Trendy Widerstand

11.08.2018. In vielen Medien wird über Rassismus diskutiert: Diskriminierung läuft nur in eine Richtung, versichert die SZ. "Persons of color" sitzen nicht alle im selben Boot, erkennt dagegen die Künstlerin Moshtari Hilal im Freitag. Die SZ schildert außerdem das Engagement der Familie Badawi gegen die saudische Autokratie. In der taz prangert Architekturprofessor Stephan Trüby Rekonstruktionen wie die Frankfurter Altstadt oder das Berliner Stadtschloss als "rechts" an.  In der FR verrät Sahra Wagenknecht, wie "Aufstehen" funktionieren soll.

Früher undenkbares Desinteresse

10.08.2018. Eine linke Sammlungsbewegung? Wann hat sich denn die Linke je gesammelt, fragt der Freitag. taz und Dlf bringen Rechtfertigungen der Israelboykottbewegung BDS. Die SPD will ihre ehrwürdige "Historische Kommission" abschaffen, ein weiteres Zeichen des Verfalls, schreiben Jürgen Kocka in der FAZ und Thomas Schmid in der Welt. Und Hitler wurde nicht wegen Hitler gewählt, hat eine Studie laut NZZ herausgefunden.

Die gängigen Themen mit den gängigen Gesichtern

09.08.2018. Ohne einen Zeit-Artikel des Dramaturgen Bernd Stegemann, der die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin kritisierte, wäre Sahra Wagenknechts Bewegung "Aufstehen!" womöglich gar nicht zustande gekommen, freut sich die Zeit. In der FR spricht Politikwissenschaftler Thomas Kliche über Medienverdrossenheit. The Intercept schildert, wie  gründlich sich Google darauf vorbereitet, die Zensurbestimmungen in China erfüllen zu dürfen.

Noch deutlich niedrigschwelliger

08.08.2018. Eine Gruppe muslimischer Frauen wendet sich in einem Manifest in La Libre Belgique an die EU und fordert, dass das Kopftuch in allen europäischen Ländern auch von Beamtinnen getragen werden darf. Marianne wehrt sich gegen diese Idee und verteidigt die Idee staatlicher Neutralität. Auch gegen George Soros. Monika Maron porträtiert in der Welt Sarah Wagenknecht, deren Bewegung "Aufstehen" zwar bisher kein Programm, aber viel Sympathie erzeugt, wie die SZ konstatiert. Die größte Stärke am Kapitalismus ist die Kapitalismuskritik, schreibt Pascal Bruckner in der NZZ.

Imperiale Präsidentschaft

07.08.2018. Das Problem ist nicht allein Trump, das Problem sind strukturelle Probleme der amerikanischen Demokratie, von denen er profitiert, meint Simon Tisdall im Guardian. Arno Widmann protestiert in der FR gegen den italienischen Innenminister, der erwägt, Roberto Saviano von der Mafia abschießen zu lassen. "Ich warte seit sechs Jahren", sagt Ensaf Haidar, die Frau Raif Badawis, in Radio Canada - aber Saudi-Arabien verschärft Repressionen gegen Kritiker noch. Und Deutschland diskutiert über Wehrpflicht.

Eigenartige Lust am Untergang

06.08.2018. Die Krise der Demokratien ist das Thema, das von vielen ganz unterschiedlichen Beiträgen umkreist wird. Yuval Noah Harari sieht im Guardian eines der Probleme ausgerechnet in der "freien Information". In Zeit online sucht Jay Rosen nach Strategien des Journalismus gegen Trump und Rechtspopulismus. Die FAZ stellt fest, dass das chinesische Sozialkreditsystem bei den Bürgern beliebt ist. Der Historiker Leonid Luks untersucht unterdessen bei den Kolumnisten die Frage, wie sich die Bolschewisten halten konnten, obwohl sie nicht im Ansatz eine Mehrheit hatten.

So ein dunkles Blubb-blubb

04.08.2018. In der FAZ fordert Wolfgang Streeck weniger Flüchtlingsdiskussion und mehr Gerechtigkeitspolitik. In der taz erklärt  Lady Bitch Ray, warum sie sich nicht mit Mesut Özil identifizieren kann. In der NZZ beobachtet Jonathan Haidt, wie Republikaner und akademische Linke die USA spalten. In der Welt wirft Nick Cohen der Labour-Partei vor, mit Antisemitismus auf muslimischen Wählerfang zu gehen. Im Guardian erkennt Jeremy Corbyn an, dass Labour ein echtes Problem mit dem Antisemitismus hat. Und die SZ bangt noch lange nicht um die Demokratie: Sollen die tollen neuen Autokraten erst mal einen Machtwechsel organisiert bekommen!