9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Irgendwo auf diesem Spektrum

21.10.2021. Nichts fasziniert alle Verlage, die nicht Springer sind, mehr als Springer: Die Affäre hat der Recherche über Springer aber geschadet, weil viele betroffene Frauen nun nicht mehr über ihre Geschichten reden wollen, berichtet die SZ. Die Zeit greift die Versuche auf, eine kommende Parteistiftung der AfD zu verhindern.  Die taz staunt über die Polen im Osten des Landes, die den Flüchtlingen grüne Lichter ins Fenster stellen. Die Zeitungen diskutieren außerdem über die Frage, wie sinnvoll ein Boykott der Buchmesse wegen der Präsenz rechtsextremer Verlage ist.

Sich in eine pluralistischere Gesellschaft einbringen

20.10.2021. Polen ist "ganz an den Rand Europas" gerückt, fürchtet die FAZ nach dem gestrigen Auftritt des polnischen Premierministers  Mateusz Morawiecki vor dem EU-Parlament. geschichtedergegenwart.ch erzählt, warum es Griechenland und Bulgarien so schwerfällt, sich mit der Existenz Nordmazedoniens abzufinden. Die Aufregung um den Rauswurf Julian Reichelts ist immer noch sehr groß. Die SZ reduziert ihren Lokalteil um drei Seiten, schimpft das Münchner Lokalradio Lora.

Achtkantig

19.10.2021. Es gibt nur ein Thema in den Medien: Springer feuert Julian Reichelt. Zehn AutorInnen gehen bei Spiegel online den ungeheuren Vorgängen um Julian Reichelt auf den Grund. Deutsche Medien hatten unter anderem deshalb nichts gegen Springer ausrichten können und brauchten das diskrete Hüsteln der New York Times, weil sie die Klagen des Konzerns fürchten, erläutert die FAZ. Digitalexpertre Enno Park wirft in seinem Steadyblog einen kritischen Blick auf die Position der Verleger in der Debatte um "Online-Ausleihe". In der taz kritisiert Joachim Wagner die deutsche Justiz, die nicht ausreichend gegen rechtsextreme Richter und Staatsanwälte in ihren Reihen vorgeht.

Unsichtbare Spuren der wahren Genies

18.10.2021. In der SZ wettert Bernard-Henri Lévy gegen Eric Zemmour. In der Welt sprechen sich Gabriele von Lutzau, Flugbegleiterin der 1977 von der RAF entführten "Landshut"-Maschine, und der FDP-Politiker Till Mansmann vehement für ein Gedenken des "Deutschen Herbstes" aus. Die New York Times kommt auf die Sexaffären Im Springer Verlag zu sprechen, der neuerdings auf dem amerikanischen Markt konkurriert, und behauptet, Springer kille Geschichten über Julian Reichelt in deutschen Medien. Der Guardian untersucht die britische Rolle bei den antikommunistischen Massakern in Indonesien in den sechziger Jahren.

Die Demokratie schrumpft

16.10.2021. Dass der britische Abgeordnete David Amess bei einer Bürgersprechstunde ermordet wurde, hat eine besonders düstere symbolische Dimension, kommentiert der Guardian nach dem wohl islamistischen Attentat auf den Politiker. In Frankreich hat sich der Diskurs zu Einwanderung verschärft, das zeigt besonders eine Figur wie der mögliche rechtsextreme Präsidentschaftskandidat Eric Zemmour, notiert die FAZ. Was wird, wenn die AfD, die ebenfalls immer weiter nach rechts rückt, nun auch noch ihren Anteil aus den 700 Millionen Euro jährlich für die Parteistiftungen bekommt, fragt Heribert Prantl in der SZ. Hanno Loewy übt in der taz Kritik an A. Dirk Moses.

Stets unter der Oberfläche

15.10.2021. In der SZ spricht der russische Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow über die Medien in Russland und ihre immer schärfere Drangsalierung durch den Putinismus. In Frankreich bringt die NGO "Reporters sans frontières" selbst eine Dokumentation über den Medienunternehmer Vincent Bolloré, der eine immer dominierendere Stellung im französischen Markt hat. Es kann keinen Rassismus gegen Weiße geben, befand die taz neulich, der Soziologe Sebastian Wessels sieht das in der Berliner Zeitung anders. Wer Facebook für den Hass in der Gesellschaft verantwortlich macht, macht es sich zu einfach, schreibt Richard Herzinger im Perlentaucher.

Ohne ironischen Vorbehalt

14.10.2021. Die FAZ bringt Omer Bartovs furiose Replik auf den "Revisionisten " und Verschwörungstheoretiker A. Dirk Moses. In der Welt warnt Armin Nassehi vor der Idee, man könne den Klimawandel bewältigen, in dem man "durchregiert".  Der New Statesman bringt eine Hommage auf Deutschland. Die SZ dekonstruiert das System hinter dem System Kurz:  Man kann die öffentliche Meinung in Österreich mit Millionen korrumpieren, indem man auf einem völlig verzerrten Medienmarkt sein Image aufhübscht.  In der Zeit bringen zwei Historiker neue Erkenntnisse über den Völkermörder Lothar von Trotha.

Wir verlieren nie

13.10.2021. China will in Hongkong eine Säule abreißen, die an das Tienanmen-Massaker erinnert. Es gibt nur ein Problem, so die SZ, sie gehört dem Künstler Jens Galschiøt, der gegen den Abriss klagen will - und der Abriss wäre so Teil seines Werks. taz  recherchiert zu sexueller Gewalt in religiösen Organisationen. Grüne und FDP sehen sich ähnlicher, als sie es beim Blick in den Spiegel vielleicht verkraften würden, sagen Andreas Reckwitz und Hartmut Rosa im Spiegel. Die NZZ erzählt, wie der Neokolonialist Tayyip Erdogan das Osmanische Reich wieder aufbauen will. Und ist Jürgen Habermas ein Extremist der NoCovid-Strategie, fragt die Welt.

Mit diesem und jenem und auch mit Sklaven

12.10.2021. Die taz bringt einen Schwerpunkt zu Polen: ein Polexit droht nicht, aber da Polen EU-Recht nur noch anerkennen will, wenn es ihm passt, muss die EU Sanktionen ergreifen, meint die Zeitung. Heute ist Weltmädchentag: Die Lage von Mädchen hat sich weltweit in der Coronakrise deutlich verschlechtert, berichtet emma.de. Afrika war vor dem Kolonialismus in großen Teilen auch schon kolonisiert, schreibt Richard Schröder in der NZZ. Necla Kelek und Lale Akgün kritisieren in cicero.de und Facebook, die Entscheidung der Kölner Bürgermeisterin, den Muezzinruf zuzulassen.

Platz für eine Portion Buchweizengrütze

11.10.2021. Tschechien geht nicht den Weg Polens oder Ungarns, freut sich die SZ nach der Wahlniederlage Andrej Babiš'. Und die Polen lassen die Regierung Polens auch nicht in Ruhe, berichtet die SZ nach den großen Pro-EU-Demos in Polen.  Der Dlf erklärt, warum man in Österreich von "Anzeigenkorruption" spricht. Der Standard untersucht das Ausmaß dieser Korruption. Die FAZ liest den Abschlussbericht zur sexuellen Gewalt in der Katholischen Kirche Frankreichs: 330.000 Opfer.