9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Hashtag- und Sprachvorschriftsgetöse

24.02.2017. Stephen Bannon hat sich zum ersten Mal seit Trumps Amtsübernahme geäußert und beharrt auf seiner Düsternis, berichtet die Washington Post. Nicht Putin ist schuld an Hillary Clintons Niederlage, sondern Hillary Clinton, meint Keith Gessen im Guardian. Die FAZ ist fassungslos über die Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal, die Opfer von Vergewaltigungen lieber als "Erlebende" bezeichnen möchte. Der Berliner Zeitung geht das Feuilleton aus, meldet die taz.

Revolutionäre Versatzstücke

23.02.2017. Aus Videoüberwachung wird Gesichtserkennung, aus Kontrolle Erzwingung von Wohlverhalten, fürchtet Sascha Lobo in Spiegel Online nach Ankündigung neuer Überwachungstechnik in Berlin. Zeit und und Zeit online zeigen, wie die Türkei nun auch in Deutschland Medienpolitik macht: brachial. Auch Emily Bell fordert in der CJR nun Google und Facebook auf, Journalismus zu finanzieren. Die Verharmlosung des Kommunismus befeuert den Rechtspopulismus, füchtet der Tagesspiegel. Die Zeit dagegen lechzt von ihrem gemütlichen Hamburg aus dann doch nach einer etwas prickelnderen Kapitalismuskritik.

Die Geheimdienste am Datentisch

22.02.2017. Religionsfreiheit hat eine Grenze, sie liegt dort, wo staatliche Neutralität in Frage gestellt wird, schreibt Ahmad Mansour in der Welt. Die FAZ geißelt die Willfährigkeit der EU bei der Speicherung von Flugdaten. Facebook und Google sollten etwas von ihren Gewinnen für investigativen Journalismus abgeben, findet Steven Waldman in der New York Times. Und politico.eu beschreibt die Angst der Iren vorm Brexit.

Dämonisches Doppelspiel

21.02.2017. Großes Thema Sufismus. Auf Zeit online  plädiert der pakistanische Wissenschaftler Syed Qamar Afzal Rizwi für den Sufismus als Gegenpol zum islamistischen Extremismus. In Guardian und FAZ schreiben William Dalrymple und Ilija Trojanow über das Attentat auf den Sufi-Tempel in Sehwan Sharif, Pakistan. In Russland wird die "Beleidigung religiöser Gefühle" drakonisch verfolgt, berichtet politico.eu. In der taz kritisiert Mark Terkessidis die "kritische Weißseinforschung". Und der Tagesspiegel berichtet über eine spektakuläre Revolte der Technischen Universität Berlin gegen die Wissenschaftsverlage.

Im Interesse der erzählten Geschichten

20.02.2017. Wer ein Versagen der Aufklärung kritisieren will, kommt ohne ihre Instrumente nicht aus, sagt Kenan Malik im Observer an die Adresse postkolonialer Studenten und ihrer Kritik an der "Whiteness" von Kant und Platon. FR und SZ  sind fassungslos über die Jubelstimmung der Erdogan-Anhänger beim Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim in Oberhausen.  In Zeit online untersuchen Luc Boltanski und Arnaud Esquerre das Bündnis von Kunst und Luxus.  Die New York Times sucht nach Wegen, Donald Trump abzusetzen.

All die Visionäre

18.02.2017. Peter Sloterdijk taucht für die NZZ tief ins neosophistische ZeitalterJulian Barnes denkt in der Welt über die Dehnbarkeit des Wahrheitsbegriffs schon zu Schostakowitschs Zeiten nach. Die SZ lernt den Kulturbegriff von Algorithmen kennen. Die Zeit verstrickt sich in den Widersprüchen Facebooks.

Also ging ich

17.02.2017. Es reicht nicht, über Trumps Performance bestürzt zu sein, meint das Editorial Board der New York Times - die Presse muss auch verstehen, wie sie von Trump benutzt wird. Die FAZ erzählt, warum die Franzosen Emmanuel Macron lieben - weil sie seine Frau Brigitte Trogneux lieben. Mark Zuckerberg verspricht uns in einem Manifest eine globale Community, die wir alle lieben werden.  Und nach 130 Sitzungstagen muss der Untersuchungsausschuss zur Geheimdienstaffäre feststellen, dass der BND die Snowden-Enthüllungen als Machbarkeitsstudie aufgefasst hat, resümiert die taz.

Mitten in der Zelle gab es ein Loch

16.02.2017. In der Zeit schildert ein ehemalige syrischer Häftling die grauenhafte Zustände in Baschar al-Assads Gefängnissen. Die New York Times fordert nach den jüngsten Enthüllungen über Trump und Russland einen Untersuchungsausschuss im Kongress. Die Berliner Zeitung erklärt, warum Deutsch als Fremdsprache im Goethe-Institut zur Zeit nicht so läuft. Slate.fr fragt sich, warum es nach einem schockierenden  Fall von Polizeigewalt in der Banlieue von Paris nicht zu Protesten kommt.

Was macht die Frauen stark?

15.02.2017. Ilija Trojanow  schildert in der taz die Folgen einer globalisierten Textilindustrie für Pakistan. Donald Trump ist trotz Putin-kritischer Äußerungen aus seiner Russland-Bredouille noch nicht raus, insistiert die New York Times. Slawomir Sierakowski hat in Project Syndicate  das Rezept gegen den Rechtspopulismus gefunden: Frauen. Correctiv.org möchte vom Erzbistum Köln wissen, in welche Aktien es investiert. In der NZZ fordert die Politologin Silja Häusermann die Linke auf, sich ihrer universalistischen Ideen zu besinnen.

Riesige Mengen an Dokumenten

14.02.2017. Im russischen Fernsehen werden ganz offen Szenarien zur Eroberung der Ukraine diskutiert, schreibt Andrej Kurkow in der FAZ. Der Guardian erzählt, wie lang der Antrag ist, den EU-Bürger ausfüllen müssen, wenn sie bleiben wollen: 85 Seiten.  Die Zeit erzählt, wie sich der BND in seinem eigenen Labyrinth verheddert, wenn es um die Aufklärung von Überwachungsskandalen geht.  Vice verlangt Eintritt in einen Londoner Privatklub.