9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Bürger kommt herunter vom Balkon

19.02.2018. Der Satz des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki, es hätte auch jüdische Täter im Holocaust gegeben, empört unter anderem taz und Welt. Im Weekly Standard erklärt Steven Pinker, warum Identitätspolitik nicht aufgeklärt ist. In der NZZ zieht Ivan Krastev eine Parallele zwischen der liberalen Revolution in Osteuropa 1989 und heutigen Migrationsbewegungen. Wenn das Buch verschwindet, verschwindet auch die Wahrheit, fürchtet Florian Felix Weyh in seinem Dlf-Essay,

Ungehinderte Geld- und Ideologieströme

17.02.2018. Deniz Yücel ist frei - aber das zeigt auch noch einmal, wie unfrei die türkische Justiz ist, sagt Can Dündar in Zeit online.  "Atemberaubend" nennt die New York Times nach einer FBI-Anklage das Ausmaß und die Raffinesse russischer Einflussnahme im amerikanischen Wahkampf. Wieviel Chancen gibt es auf eine muslimische Demokratie, nachdem selbst Indonesien im schwarzen Loch des Islamismus verschwindet, fragt Marco Stahlhut in der FAZ. Die Basler Zeitung erkundet antisemitische Tendenzen in der Labour-Partei. Und Sibylle Lewitscharoff sagt in der NZZ, auch wenn sie an Jacob Taubes denkt, nicht #MeToo.

Die Perspektive des Objektes

16.02.2018. Die AfD wird immer unflätiger und fühlt sich dabei immer besser. Die klassischen Parteien haben kaum ein Mittel, diese Blase zu durchstechen, analysiert Richard Volkmann bei den Salonkolumnisten. Politico.eu stellt die italienische Zentrumspolitikerin Beatrice Lorenzin vor, die mit einer neuen Partei gegen die Impfgegner in den populistischen Parteien kämpft. In Frankreich organisieren muslimische Organisationen eine Soli-Kampagne für Tariq Ramadan, berichtet Libération. Und: Herfried Münkler gibt in der NZZ und Welt Auskunft über den aktuellen Stand der Kriegsführung.

Deradikalisierung

15.02.2018. Steven Pinker in der SZ und Bernhard Pörksen in der NZZ diagnostizieren im Blick auf die Debatte in den Demokratien eine "große Gereiztheit". Liegt's am Internet oder an der Wiederkehr der Romantik? Die katholische Kirche in Deutschland ist in Finanzskandale verstrickt, konstatiert die FAZ - Aber der Theologe  Jan-Heiner Tück hat in derselben Zeitung nur eine Sorge: In Unis zu lehren, in denen kein Kreuz im Hörsaal hängt. In der NZZ prangert Roseann Rife von Amnesty International die Unterdrückung der Uiguren durch China an.

Egal wie traurig das Gesicht einer Gegend ist

14.02.2018. Deniz Yücel ist heute seit einem Jahr in türkischer Haft. Nach neuesten Meldungen gibt es jetzt Hoffnung, dass er freigelassen wird. Sein Fall hat Aufmerksamkeit für die Lage aller drangsaliserten Journalisten in der Türkei geschaffen, meint Georg Löwisch in der taz. In der SZ macht sich Aleida Assmann Sorgen um die Zukunft der Erinnerung in Deutschland. Im Guardian geht Natalie Nougayrède einen Schritt weiter und fordert eine europäische Erinnerungskultur. Der Berliner Integrationsbeauftragte Andreas Germershausen erklärt in der taz, dass er sich als politischen Repräsentanten der muslimischen Verbände ansieht - auch in der Kopftuchfrage.

Das Feuer, die Begeisterung

13.02.2018. In der SZ schimpft Ronald Lauder über deutsche Bräsigkeit bei der Restitution geraubter Kunst. In Großbritannien und Frankreich gibt es Debatten über das koloniale Erbe - unter anderem entzaubern Alain Mabanckou und Achille Mbembe im NouvelObs die Idee der "Frankophonie". In der Berliner Zeitung findet Götz Aly deutliche Worte: "Wenn es in Deutschland heute eine versiffte Ekelecke gibt, dann in der AfD." Und warum glaubten alle Journalisten unisono an Martin Schulz, fragt Hans-Martin Tillack im Stern.

Völkerrechtsbruch mit Humor

12.02.2018. In der NZZ beklagt Hans Ulrich Gumbrecht das Verschwinden der Zukunft und das Schrumpfen der Gegenwart in der heutigen Politik. Die SZ schildert den Putin-Kult in Russland, in der FAZ warnen drei Politologen vor der "Soft Power" Chinas und Russland, die in Wahrheit eine "Sharp Power" sei. China beweist es, indem es den Hongkonger Buchhändler Gui Minhai zu Videogeständnissen zwingt, berichtet die taz. Und außerdem hat die FAZ  die FR verkauft.

Nach allen Regeln der Kunst einseifen

10.02.2018. Seit einem Jahr sitzt Deniz Yücel ohne Aklage in der Türkei in Haft, die taz bringt seine Texte aus dem Gefängnis. Wo sind die lockenden Kühe?, fragt die Berliner Zeitung die traurigen Matadore in der SPD-Arena. Der Tagesspiegel blickt nach Frankreich, von wo ihm eine ausgemergelte Vogelscheuche winkt. Die FAZ beobachtet beschämt die Kotaus des Dieter Zetsche vor Pekings Machthabern. Und der Guardian steht ratlos vor dem nordirischen Trilemma.

Der fast schon magisch einlullende Verben-Sound

09.02.2018. Die Welt wirbt um Verständnis für polnische Empfindlichkeiten in der Bewältigung der Vergangenheit.  NZZ und SZ fragen, wie künftig mit dem Erbe des Kolonialismus umzugehen sei. Focus online meldet, dass die AfD einen eigenen Newsroom aufmachen und die sozialen Medien mit ihren Inhalten bespielen will - mit zwanzig Redakteuren 24 Stunden am Tag und in den Räumen der Bundestagsfraktion. Recode.net freut sich: Die Digitalstrategie der New York Times geht auf, alle wollen sie abonnieren.

Nicht nur das Kegeln

08.02.2018. Zwei Jahre nach dem Putsch ist in der Türkei die Luft raus, der Feldzug gegen Afrin geschieht auch aus Populismus, konstatiert Bülent Mümay in der FAZ. Die taz kritisiert die EU-Politik im Westbalkan: Warum schreitet sie nicht gegen die Nationalisten ein? Und warum bestimmen Transhumanisten über Künstliche Intelligenz, fragt der Kultursoziologe Thomas Wagner in der NZZ. In der Welt  sieht Tilman Krause Theodor W. Adorno als Vater der policitcal correctness.