9punkt - Die Debattenrundschau

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Sehr spezifische Hässlichkeit

20.10.2018. Saudi Arabien bestätigt in einer komplett fabriziert wirkenden Mitteilung den Tod des Journalisten Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat. Manchmal ist es der Tod eines einzelnen, der ein Schlaglicht auf ein verbrecherisches Regime wirft, schreibt Guardian-Autor Jonathan Freedland zum Fall Khashoggi.  In der NZZ plädiert Martin Amis dafür, die Zwiespältigkeit in den Äußerungen eines Autors zuzulassen. In Deutschland zerbrechen sich Soziologen den Kopf über die Genese des Populismus. Die taz inspiziert die Mauern von Belfast.

Hundertprozentige Tochter

19.10.2018. Putin fängt an Fehler zu machen, aber vorher hat er sein Volk an den Abgrund geführt, schreibt ein zorniger Viktor Jerofejew in der FAZRussland versucht, mit einigen Medien Einfluss auf die linke Szene in Deutschland zu gewinnen, berichtet t-online.de. In der FAZ versuchen zwei Lobbyisten den Gegnern der EU-Urheberrechtsreform nachzuweisen, dass sie Lobbyisten sind.  Deutschland und EU zahlen Geld an die palästinensische Autonomiebehörde. Die palästinensische Autonomiebehörde zahlt Attentätern mit ihrem Geld stattliche Renten, berichtet die Welt.

Alles mit allem erklären

18.10.2018. Die Washington Post veröffentlicht die letzte Kolumne des offenbar ermordeten Journalisten und Post-Kolumnisten Jamel Khashoggi: Es geht um Meinungsfreiheit. Auch in Polen wird jetzt über pädophile Priester und Machtmissbrauch der katholischen Kirche diskutiert, berichtet hpd.de. In der SZ erklärt Henrik Hanstein vom Auktionshaus Lempertz, warum er gern auch mal einen Schrumpfkopf versteigert. Und Bellingcat und Sascha Lobo in Spiegel online bringen uns einen neuen Begriff bei: "Red-Pilling".

Sich von den Knochen zu ernähren

17.10.2018. Laut der New York Times verdichten sich die Hinweise, dass Jamel Khashoggi  von saudischen Sicherheitsleuten ermordet wurde. Forbes präsentiert eine Studie des Atlantic Council, die zeigt, wie Millionen von Euro unklaren Ursprungs die Populisten in Deutschland oder den USA päppeln - schuld sind die laxen Gesetze der traditionellen Parteien. Auch von jetzt schon geltenden Überwachungsgesetzen könnten populistische Parteien einst profitieren, warnt die Bloggerin Katharina Nocun in der SZ. Daphne Caruana Galizia ist vor einem Jahr umgebracht worden. Margaret Atwood fordert im Guardian eine unabhängige Untersuchung.

Eine Provokation, selbst für Hirnforscher

16.10.2018. Die Saudis bereiten laut CNN eine Erklärung zum Fall des mutmaßlich ermordeten Journalisten Jamel Khashoggi vor. Sie klingt wie ein Geständnis. Der Brexit würde um einiges leichter, wenn sich Irland endlich vereinigen würde, meint die Publizistin Patricia Mac Bride in politico.euNetzpolitik fürchtet, dass EU-Politiker die ePrivacy-Verordnung auf Druck von traditionellen Medien und Internetkonzernen fallen lassen. Und der Dlf findet die "Armen Dienstmägde" gar nicht so heilig.

Sie, und nicht der Prinz

15.10.2018. Die Zeitungen staunen über die Zweistimmigkeit der gemeinsamen Rede Aleida und Jan Assmanns zum Friedenspreis. Der Guardian bringt die längst fällige Hommage auf das Bürgerjournalismusprojekt Bellingcat, das über die Skripal-Attentäter mehr herausfand als die Geheimdienste.  Guardian und SZ stellen sich der düsteren Perspektive eines möglichen Präsidenten Jair Bolsonaro in Brasilien. Und ein Glück, das die CSU so stark verloren hat, meint Bernd Ulrich in der Zeit.

Ein Prosit auf die Wohlstandsgemütlichkeit

13.10.2018. In der NZZ beschreibt die Historikerin Marine-Janine Calic den Streit in Serbien und Kroation über die ideologische Deutung ihrer faschistischen Terrorgruppen im Zweiten Weltkrieg. Die FAZ warnt die Bayern: Wer nicht wählen geht, hat schon verloren. Die SZ fordert, die Information über Abtreibung aus der rechtlichen Grauzone zu nehmen. Sonst gibt's bald keine Ärzte mehr, die überhaupt noch Abtreibungen vornehmen, sekundiert die taz. In der NZZ kritisiert Francis Fukuyama die destruktive Macht der Mini-Identitätspolitik und plädiert für nationale Identitäten.

Von der Peripherie des westlichen Kapitalismus

12.10.2018. In der taz fordert die tschechische Politologin Veronika Sušová-Salminen die Europäer auf: demokratisiert euch erstmal, bevor ihr Russland kritisiert. Die FAZ lernt aus zwei Studien: syrische Flüchtlinge können eigentlich nirgends hin. In der SZ kritisiert der Anwalt Wolfgang Kaleck Monika Grütters juristische Tricks zum Umgang mit Raubkunst aus Afrika. Meedia meint zum FAZ-Kommentar Alexander Gaulands: War doch gut für die Meinungsvielfalt. Und die Welt meint zu Gauland: Mit mehr Globalisten hätte es weniger Fehler in der Flüchtlingsdebatte gegeben.

Gegensatzpaare

11.10.2018. Brandgefährlich findet auf Zeit online der Schriftsteller Zaza Burchuladze die mächtige Kirche in Georgien. In der taz wünscht sich der Sozialwissenschaftler Werner Schiffauer mehr Zusammenarbeit von Juden und Muslimen, schließlich lebten beide hier in einem "Drittland". Die taz findet durchaus Analogien in Alexander Gaulands Antiglobalisierungskommentar in der FAZ zu einer Hitler-Rede. Die NZZ winkt dagegen ab: So reden Linke doch schon lange. In der Zeit zieht Eva Illouz positive Bilanz von #MeToo. Politico schlägt vor, Facebook zu verstaatlichen.

Gedanken zur Elitenkritik

10.10.2018. Illiberale Demokratien gibt es nicht, nur undemokratische, warnt die NGO Democracy Reporting International in der SZ. Hat Alexander Gauland eine Rede Hitlers für seine Elitenkritik in einem FAZ-Kommentar zur Vorlage genommen? Das behauptet Wolfgang Benz im Tagesspiegel. Wer soll die Probleme denn richten, wenn nicht die Eliten, fragt der Literaturwissenschaftler Alfred Koschorke in der NZZ: Egomane Clowns? Neue Cybercrime-Gesetze machen die arabische Welt zu einem einzigen Freiluftgefängnis, warnt die jordanische Journalistin Rana Sabbagh auf Zeit online.