9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Das Bielefeld-Sandwich

21.10.2017. Warum werden nach Terroranschlägen eigentlich immer neue Maßnahmen der Überwachung beschlossen, wenn doch eigentlich Behördenversagen vorliegt, fragt Netzpolitik, nachdem klar wurde, dass ein V-Mann den Attentäter Anis Amri zur Tat aufgefordert hatte. Die Salonkolumnistinnen haben Zweifel an der #MeToo-Aktion. Unter dem französischen Hashtag der Aktion, #balanceTonPorc, wird jetzt auch Tariq Ramadan der sexuellen Belästigung beschuldigt. Die SZ bringt Reaktionen auf den im Perlentaucher veröffentlichten Vortrag Götz Alys über Raul Hilberg und das Institut für Zeitgeschichte.

Von Anfang an Träumer und Fantasten

20.10.2017. Eine ganze Flut von Artikeln befasst sich mit der Affäre Harvey Weinstein. In der New York Times spricht erstmals Quentin Tarantino, der immer schon alles wusste und nie etwas sagte. Und Lupita Nyong'o schildert sehr eindrücklich, wie Weinstein sie sexuell unter Druck setzte. Erst wenn Frauen in Hollywood mehr Macht haben, werden sich die Verhältnisse ändern, glaubt Barbara Schweizerhof in Zeit online. In der NZZ porträtiert Alena Wagnerová den nächsten europäischen Populisten:  Andrej Babiš. Im Guardian fürchtet der Politologe Francesc Badia i Dalmases eine bewusste Eskalation des Konflikts um Katalonien.

Die Falle der bolschewistischen Geschichtsschreibung

19.10.2017. Im Perlentaucher erzählt Götz Aly, wie Fritz J. Raddatz einst ein Buch von Raul Hilberg ablehnte, um Bücher von Che Guevara und Mao zu bringen. In der FR ist Arno Widmann entsetzt über die Geschichtvergessenheit der Ausstellung über die Oktoberrevolution im DHM. In der Zeit kommt Gerd Koenen auf den intimen Clinch der feindlichen Brüder Faschismus und Kommunismus zurück. Politico.eu und FAZ malen sich den harten Brexit aus. Im Interview mit der NZZ versucht Stefan Chwin die Gemütslage in Polen zu erklären.

Eingeübte Halbdistanz

18.10.2017. Eine Kontroverse zwischen Götz Aly und dem Institut für Zeitgeschichte bahnt sich an: Aly wirft dem Institut vor, die deutsche Ausgabe von Raul Hilbergs epochalem Buch "Die Vernichtung der europäischen Juden" nach Kräften behindert zu haben. Die SZ bringt einen Auszug von Alys Text, der Perlentaucher wird ihn heute Nachmittag vollständig veröffentlichen. Die Welt sieht in den Vorwürfen nichts Neues. In Amerika wird weiter über Harvey Weinstein diskutiert: Was sollten wir tun, fragt der Produzent Scott Rosenberg. Und DLF Kultur fragt , was nun ist: Mit "Rechten reden" oder nicht?

Das Gesicht kann nichts mehr verbergen

17.10.2017. In La Repubblica droht Robert Menasse, aus Österreich wegzuziehen, falls sich das Land der drakonischen Flüchtlingspolitik der Visegrad-Gruppe anschließt. Dominik Grafs "Tatort" vom Sonntag löst Kontroversen aus, weil er nicht auszuschließen scheint, dass die Terroristen in Stammheim 1977 ermordet wurden: Stefan Aust und Wolfgang Kraushaar verwahren sich in Bild und FAZ dagegen. taz und Tagesspiegel kommen auf die Tumulte bei der Buchmesse zurück. Und laut MIT Technology Review steigt durch Online-Partnerbörsen die Zahl interethnischer Ehen in den USA stark an.

Kulturelle Konfliktachse

16.10.2017. Aktualisiert: Im Tagesspiegel fordert Neil MacGregor mehr enzyklopädische Museen weltweit. Bei der Buchmesse kam es zu Tumulten, als linke Gegendemonstranten eine Veranstaltung des Antaios-Verlags stören wollten. Aber es wäre falsch gewesen, diesen Verlagen keinen Stand zu geben, meinen SZ und Welt. Wie es wirklich zugeht, wenn man von Rechtsextremisten bedroht wird, erzählt die Autorin Manja Präkels im Interview mit der FR. Was heute "links" und "rechts" ist, ist heute längst nicht mehr so leicht zu sagen wie in den gloriosen Zeiten der großen Volksparteien, schreibt der Politologe Arnim Schäfer in der FAZ.

Drei von vier Frauen

14.10.2017. In der taz sagt Robert Menasse voraus, dass die EU ohne die Briten so gut wird, dass sie in spätestens fünfzehn Jahren zurück wollen. Im Tages-Anzeiger spricht Philipp Felsch über die RAF, Große Koalitionen und Gewalt in der bürgerlichen Gesellschaft. In Sachen Künstlicher Intelligenz lernt die SZ von Wittgenstein, dass man angesichts eines neuen Wesenszustandes selbst verändert. Und in der Affäre um Harvey Weinstein richten die Zeitungen ihr Augenmerk jetzt auf das Schweigen der Frauen und Weinsteins willige Helfer in Vorzimmer und Vorstand.

So isses, ich hab Recht

13.10.2017. In Kairo wackelt nach einem Schwenken der Regenbogenflagge der Thron Gottes, meldet die taz. In der FR ermuntert der Grüne Malte Spitz zu etwas mehr Kompetenz der Politiker in Sachen Digitalisierung. In der Berliner Zeitung beschreibt Kathrin Schmidt in einer Antwort auf Ingo Schulze die zunehmende Unüberwindlichkeit sozialer Grenzen in Deutschland. Im Interview mit der SZ erklären Per Leo, Max Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn, wie man mit Rechten streitet: Argumentieren statt moralisieren. Die taz plädiert mehr für eine Umarmungsstrategie.

Toxische Form des Komplizentums

12.10.2017. Die SZ denkt über demokratisch-kapitalistische und nationalistische Identitäten nach. Jeder soll Kopftuch tragen können, aber feministisch ist das nicht, meint in der NZZ der marokkanische Schriftsteller Kacem El Ghazzali. Die taz wünscht sich auch diejenigen vor Gericht, die Harvey Weinstein mit ihrem Schweigen jahrelang deckten. Im Guardian erklärt die Schauspielerin Lea Seydoux, warum sie sexuelle Nötigung von Regisseuren nie öffentlich machte. In der New York Times wünscht sich Lena Dunham, dass die Männer im Kampf gegen Sexismus vorangehen.

Ein möglicher Bruch

11.10.2017. Die Katalonen werden nun doch nicht unabhängig - vorerst jedenfalls nicht. Reinste politische Akrobatik, meint dazu Politico. Die FAZ sieht in den Katalanen die Vorhut für eine neue Form der Bürgermobilisierung gegen langweilige demokratische Verfahren. Demokratie kann man auch durch Unfähigkeit kaputt machen, erkennt die Berliner Zeitung mit Blick auf den Berliner Senat. In der SZ erklärt Christoph Butterwegge, warum das bedingungslose Grundeinkommen ungerecht ist. Und: Gleichstellung ist Frauenförderung, erklärt auf Zeit online  die Verfassungsrechtlerin Anna Katharina Mangold.