9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Reiche Interaktion mit den Lesern

29.03.2017. Heute reicht Theresa May den Brexit offiziell ein. Der Guardian versucht "das kulturelle Ausmaß unserer Niederlage" zu ermessen. Politico.eu gibt einen detaillierten Überblick über alle Verhandlungen, die nun folgen. Die Bauern werden sich freuen. Die Bauern werden sich ärgern.  In der SZ begrüßt der Ökonom Robert J. Shiller die Idee, Steuern auf Roboter einzuführen.  Der Paragrafendschungel in Heiko Maas' Hate-Speech-Gesetz wird immer undurchdringlicher, warnt Netzpolitik.  Und die Nutzer sollen immer mehr für Medien zahlen. Entweder freiwillig oder so oder so.

Schweigen in eigener Sache, das können wir gut

28.03.2017. Constantin Schreiber hört wenig ansprechende Freitagsgebete in verschiedenen deutschen Moscheen. Im Tagesspiegel erklärt Marcia Pally, was "Verzweiflungstode" sind und warum sie in Amerika mehr Weiße als Schwarze betreffen. Bei Cicero.de attackiert der Jurist Alexander Peukert das von Heiko Maas geplante Gesetz zur Verfolgung von Hate Speech bei Facebook.  In der NZZ wendet sich der amerikanische Soziologe Shelby Steele gegen das "weiße Schuldgefühl". In der taz fragt Isolde Charim, ob es einen "guten Populismus" geben könne. Und Zeit online erzählt eine Betroffene, wie sie in einer Sekte gelitten hat, die von Lena Dunham, Ivanka Trump und Thomas Tuchel unterstützt wird.

Wer die Kontrolle hat

27.03.2017. Wenn die Rechte ihre Politik durchsetzen kann, was genau soll dann mit den muslimischen Staatsbürgern in Europa geschehen? Im Guardian bittet Nick Cohen um Konkretisierung. Im Streit um Abtreibung geht es längst nicht mehr nur um Abtreibungsverbote, lernt die SZ. In der Jungle World fordert der senegalesische Ökonom und Anthropologe Tidiane N'Diaye die arabischen Länder auf, sich endlich mit ihrer Geschichte des Sklavenhandels auseinanderzusetzen. In der NZZ feiert Giorgio Fontana die Schönheit des Räsonierens.

Ästhetik der Existenz

25.03.2017. Heute wird in ganz Europa für Europa demonstriert. In der taz hat André Wilkens kein Problem damit, die EU ein "Elitenprojekt" zu nennen - da hat es weitaus schlimmere gegeben.  Kenan Malik erinnert daran, wie sich selbst Index on Censorhip einst weigerte, die Mohammed-Karikaturen abzudrucken und dabei alle Argumente deklamierte, sie zu bringen. In der NZZ erklärt Hans Ulrich Gumbrecht seinen Begriff des "Sozialdemokratismus".  Die Kolumnisten sind bestürzt über die mickrigen Entschädigungen, die Opfer des Paragrafen 175 erhalten sollen.

Gründe für einen verhaltenen Optimismus

24.03.2017. Haben Trumps Leute das Land an den russischen Geheimdienst verraten, fragt die New York Times. In der SZ erzählt der russische Hacker Kris Kaspersky kurz vor seinem Tod, warum das russische Hackermilieu heute dem Vaterland dient. Annekathrin Kohout untersucht in ihrem Blog, was der Kampf gegen moderne Kunst und der gegen populäre Kultur gemeinsam haben. Im TagesAnzeiger hebt der Historiker Ian Kershaw das Kinn.

Verstörend nah an der Realität

23.03.2017. Sechs Quadratmeter Türkei: Die taz schildert die Haftbedingungen Deniz Yücels. In der SZ schildert der nigerianisch-deutsche Journalist Olaleye Akintola, wie schwer es ist, das Heimweh und die Kritik a der Heimat zusammenzubringen. Jetzt ist es soweit: Die Künstliche Intelligenz wird wirklich intelligent, meint Sascha Lobo in Spiegel online. In der taz erklärt der Kölner Verleger Helge Malchow, warum er die Lit.Cologne lieber mag als die Messe in Leipzig. In WUV.de erzählt Thomas Fischer am Beispiel VW, wie Werbetreibende die Medien mit Rabatten erpressen.

Die kleine Schwester der Dämonisierung

22.03.2017. Vielsprachigkeit ist das Geheimnis der dritten Kultur, erklärt der Chemiker Gerd Folkers in der NZZ. Die FAZ macht sich Sorgen um das Lesen im digitalen Zeitalter. In L'Histoire erinnert Emmanuel Macron daran, dass die Kolonisierung Algeriens ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit war. Die taz besucht das  Danziger Museum des Zweiten Weltkriegs.

Globaler Waschsalon

21.03.2017. Der Brexit wird jetzt offiziell gestartet - und die Frage ist, ob die Briten zahlen müssen. Laut politico.eu wollen sie aber nicht so. Ein neues Geschäftsmodell zeichnet sich laut Guardian, SZ und anderen Medien aber schon ab: Geld waschen für Russland. Unterdessen diskutieren viele Medien und Politiker über die Frage, ob die Meinungsfreiheit nicht doch ein bisschen eingeschränkt werden sollte. Und Bob Silvers, der langjährige Herausgeber der New York Review of Books, ist gestorben. Wir verlinken auf Nachrufe.

Unsere Gemeinschaftsstandards

20.03.2017. Wenn in einem Zürcher Theater ein AfD-Mann auftreten soll, herrscht überall Empörung, warum eigentlich nicht, wenn an gleicher Stelle Alain Badiou spricht, fragt der Blogger Jörg Scheller. Nicht nur Facebook, auch die Staatsanwaltschaft interessiert es nicht, wenn kritische Russlandberichterstatter mit Morddrohungen verfolgt werden, schreibt Boris Reitschuster in der deutschen Huffpo. Die Welt kritisiert das Verhalten des WDR, der ein Geert-Wilders-Porträt nach Antisemitismus-Vorwürfen einfach in bereinigter Fassung zeigt, ohne eine Diskussion zuzulassen.

Das Layout seit Urzeiten nicht geändert

18.03.2017. Die NZZ beobachtet mit Entsetzen, wie bereitwillig sich die Türken in Deutschland von Erdogan in Identitätskonflikte stürzen lassen. Der FAZ geht es ähnlich beim Blick auf die neuen Emojis, die Musliminnen jetzt mit Hidschab repräsentieren. Der Guardian fürchtet, dass Theresa May Schottland aus dem Vereinigten Königreich treibt. Im Blog NYRB erklärt Sue Halpern den Unterschied zwischen Julian Assange und Edward Snowden. In der taz fordert Tabea Rößner für freie Kulturschaffende Mindesthonorare.