9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Kontrolle über die Rotation

11.12.2017. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung erklärt Thomas Wagner, Autor des Buchs "Die Angstmacher", was die Neue Rechte ist und wie sie hochkommen konnte. Vier Bundesländer wollen mit einer Bundesratsinitiative den Paragrafen 219a kippen, meldet die taz. Der Guardian hat eine Idee: Lasst und das Rad abschaffen, aber bitte nicht ohne "Übergangsperiode". Netzpolitik fragt, was "Presseähnlichkeit" sein soll.

Auch im größten Stadtgedränge

09.12.2017. Warum hasst die Linke die Minderheiten der Minderheiten, fragt Kacem El Ghazzali in der NZZ. Die Berliner Zeitung schildert mit nüchternen Zahlen die Realität der Integration in Deutschland. Die Ehrung für Ken Jebsen könnte nach einen Gerichtsurteil nun doch im Berliner Kino Babylon Mitte stattfinden, berichtet die taz. Unterdessen solidarisiert sich Oskar Lafontaine auf Facebook mit dem Verschwörungstheoretiker.  Am 21. Dezember werden die Katalanen mal wieder wählen - und wissen selber nicht, was werden soll, konstatiert die taz.

Karlsruhe sei hyperaktiv

08.12.2017. Warum wird die Europa-Debatte in Deutschland eigentlich von so alten Männern dominiert, fragt das Merkur-Blog. Politico.eu wirft einen Blick auf die protestantische nordirische Partei DUP, einen gefährlichen Bündnispartner der Brexiteers. Über Trumps Jerusalem-Entscheidung wird weiter gestritten. Die NZZ fürchtet, dass Toronto von Google zu einer allzu smarten City gemacht wird. Die SZ schildert, wie der Messenger Telegram.org in Russland genutzt wird, um die Zensur zu umgehen.

Lass mein Knie, Joe

07.12.2017. Der Berliner Kopftuchstreit ist noch nicht ausgestanden: Eine parteiübergreifende Initiative will sich für das Berliner Neutralitätsgesetz einsetzen, berichtet die taz. Und selbst Grüne sind dabei! Es knallt immer heftiger in der Ukraine, erzählt Andrej Kurkow in der Welt und hofft doch, dass das Land mit der Korruption fertig wird. Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa sind die öffentlich-rechtlichen Sender unter Druck, konstatiert die Zeit. Und die SZ macht sich Hoffnungen, dass das Urheberrecht für audiovisuelle Inhalte in Europa doch noch liberalisiert wird.

Na, so zwischen sieben und vielleicht zwölf

06.12.2017. In der Welt analysieren Anne Appplebaum und Peter Pomeranzew russische Einflussnahme auf deutsche Politik. Die Sopranistin Edda Moser erinnert sich in der Welt, wie James Levine stets mit einem Tross von Jungen umgeben war. Die New York Times nimmt "Weinstein's Complicity Machine" auseinander. Das Metropolitan Museum hängt laut hyperallergic.com seinen Balthus nicht ab. Und endlich finden sittsam gekleidete Frauen auch ein passendes Emoji by Apple und Android, freut sich Netzpolitik.

Als nicht relevant weggewischt

05.12.2017. Am vorletzten Tag ihrer Laufzeit erregt die Ausstellung "Märtyrermuseum" im Kunstquartier Bethanien Aufsehen: Die französische Botschaft hat protestiert, weil ein Bataclan-Attentäter als Märtyrer dargestellt wird. Selbst der Guardian berichtet. Vulture.com fragt sich, ob die Met den Sturz James Levines, mit dem sie sozusagen identisch war, überleben kann. Auch in Europa war Levine lange aktiv und mächtig, so die Welt - warum also bisher so wenig Aufsehen hier? Und der Guardian titelt: "Die 'Hard Brexiters' mussten gerade feststellen, dass Britannien schwächer ist als Irland."

Verwundbarkeitsparadox

04.12.2017. Mit unserer Technikphobie und dem neuen Kult der Wurzeln sind wir auf dem Weg zurück ins 17. Jahrhundert, diagnostiziert in der NZZ der Historiker Volker Reinhardt. Mehr Effizienz und weniger "Herumreiten auf 'demokratisch' genannten Verfahren" im Westen fordert der Politikwissenschaftler Parag Kkanna in der FR. Mehr Moderne und weniger Schloss im Innern des Humboldt-Forums fordert Viola König, bis vor kurzem Direktorin des Ethnologischen Museums in Dahlem, in der Berliner Zeitung. Weniger Spaß an Überwachungstechniken wünscht sich die SZ.

Jeder so seine eigene Wahrheit

02.12.2017. Der senegalesische Historiker Tidiane N'Diaye macht in Le Point Afrique arabischen Rassismus und westliche Gleichgültigkeit verantwortlich für den Sklavenhandel in Libyen. In der taz warnt der Bürgerjournalist Abdalaziz Alhamza: Nach dem Abzug des IS aus Raqqa terrorisiert die kurdische SDF die syrische Bevölkerung. In der NZZ erklärt der Osteuropahistoriker Jörg Baberowski, warum Aufarbeitung in Russland etwas anderes ist als in Deutschland. Und der Philosoph Thomas Metzinger entwirft eine künstliche Superintelligenz, die uns von allem Leiden erlöst. Auf Zeit online wirbt die Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig für den Erhalt der Wahrheit.

Plötzlich war nicht mehr Russland der größte Feind

01.12.2017. Auf Zeit online erklärt die polnische Journalistin Izabela Szuman, wie der Flugzeugabsturz von Smolensk und die nachfolgenden Proteste, die Spaltung in Polen entscheidend vertiefte. Die FR feiert Philipp Ruchs Mahnmal für Björn Höcke als "geradezu intime Schenkung". Die Deutschen mögen den Islam nicht, weil sie leider Gottes selbst nicht mehr religiös sind, fürchtet der Tagesspiegel.  Die SZ erklärt, warum Viktor Orban in Budapest einen teuren Museumspark bauen lässt.

Angst vor blinkenden Werbetafeln

30.11.2017. Die Zeit betrachtet mit Schaudern das neue Sozialkreditsystem in China, das tugendhaftes Verhalten belohnt. Lea Rosh graut's laut Tagesspiegel vor AfD-Politikern im Beirat der Stiftung "Denkmal für die ermordeten Juden". Die meisten Parteien außer CDU wollen laut taz den Paragrafen 219a abschaffen. Der New Yorker basht Frankreich wegen seines Verhältnisses zu Tariq Ramadan und den Muslimen.  Und wenn die Süddeutsche Zeitung eine 16-seitige Propaganda-Beilage für China beilegt, dann tut sie das laut taz aus Respekt für die Meinungsfreiheit.