9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Keine Kunstreligion, bitte

26.05.2018. In der NZZ plädiert der italienische Philosoph Roberto Esposito für eine stärkere Integration Europas und schuldenfinanziertes Investieren. Auf Zeit online schießt Robin Detje gegen den heiligen Tempel der Kunst. Viel Unsicherheit über die juristisch unberechenbare neue Datenschutzverordnung: Vertreter von Familienunternehmen und Vereinen fordern in FR und SZ besseren Schutz gegen Abmahnanwälte und mehr Beratung. Auf Zeit online ist der grüne EU-Politiker Jan Philipp Albrecht sehr traurig über diese Ängste: Schließlich sei die Verordnung eben nicht nur von Hinterzimmerverhandlungen geprägt.

Angeblich neutrale Webseiten

25.05.2018. Heute tritt das DSGVO in Kraft. Das Internet fragt sich, ob man jetzt auch seine Telefonbücher abgeben soll. In der NZZ beschreibt Isolde Charim, wie die Neue Rechte den muslimischen Antisemitismus für sich nutzt. Die IrInnen stimmen heute über eine Liberalisierung der Abtreibung statt - Zeit online berichtet über die Aktivitäten amerikanischer Abtreibungsgegner vor dem Referendum.

Wie Demut aussieht

24.05.2018. Angela Merkel ist heute in China. Auf ihr ruhen die Hoffnungen für Liu Xia - Merkel ist eine der letzten westlichen Repräsentantinnen, die Menschenrechtsverletzungen in China überhaupt noch ansprechen, schreibt die die taz. Nach wie vor wird über Mark Zuckerbergs Auftritt vor dem EU-Parlament diskutiert - Zuckerberg stand schlechter da, als er selber glauben mag, meint Sascha Lobo in Spiegel online. Unter deutschen Wissenschaftlern hat sich eine rege Debattenkultur entwickelt - abseits der Zeitungen, auf Twitter, berichten Jörg Scheller und Wolfgang Ullrich in der Zeit.

Wiederentdeckte Rückwärtsgewandtheit

23.05.2018. In immer mehr arabischen Ländern wird Atheismus unter Strafe gestellt, berichtet der Schriftsteller Kacem El Ghazzali in der NZZ. Die deutschen Politiker sollten weniger eifrig mit Rücksendungen sein - bei Kunstwerken sei das ja ok, aber bei Menschen? So provozierte Achille Mbembe laut SZ bei einer Konferenz in Hamburg.  Was richtet die DSGVO mit dem Internet an, fragt die Berliner Zeitung. Und der Islam-Historiker Bernard Lewis ist im Alter von 101 Jahren gestorben.

Umfassende Selbstverprinzessinung

22.05.2018. Marlene Streeruwitz nimmt im Standard die Hochzeit von Harry und Meghan zum Anlass für eine kleine Prinzessinnenkunde. Mark Zuckerberg wird nun auch vom Europäischen Parlament befragt - politico.eu hat sich schon mal ein paar Fragen ausgedacht. Zeit online spekuliert über den Nutzen der Blockchain-Technologie für die nachhaltige Wirtschaft. In der taz spricht die Frauenärztin Silvana Agatone über Abtreibung in Italien.

Mediengeborene Kollektive

19.05.2018. In politico.eu warnt der serbische Politologe Srdan Cvijic von der Open-Society-Stiftung: Wenn die EU keine Mittel gegen die Orbanisierung Ungarns findet, wird sich als nächstes der Westbalkan orbanisieren. Mit Schauder blickt Thomas Schmid in der Welt auf das rechts-linke Koalitionsprogramm in Italien. Im Inverview mit der Berliner Zeitung sucht der neue Humboldt-Forum-Chef Hartmut Dorgerloh nach Alternativen zu Restitution. Warum wüten die Missbrauchsfälle ausgerechnet in der kulturellen Sphäre so stark, fragt Dirk Knipphals in der taz.

Endlich mal Gedanken machen

18.05.2018. Die taz feiert die neue Datenschutzgrundverordnung. Sascha Lobo bleibt in einer Diskussion mit dem Grünen-Politiker Jan-Philipp Albrecht bei seiner kritischen Position. In der SZ versucht eine ganze Gruppe deutscher Wissenschaftler eine differenzierte Position zu der Debatte um "Race" und Genetik zu formulieren, die von dem amerikanischen Biologen David Reich ausgelöst wurde. Der Soziologe Piero Ignazi will die europafeindlichen Äußerungen der wohl kommenden italienischen Regierung in der taz nicht ernst nehmen. Und auf allen Kanälen: Hartmut Dorgerloh, der designierte Intendant des Humboldt-Forums.

In dieser Gespaltenheit

17.05.2018. Die EU hat's nicht leicht: Nach Brexit, Polen, Ungarn kommt nun Ärger aus Italien, fürchtet politico.eu. Zornig antwortet die Frauenärztin Kristina Hänel auf einen Artikel des Richters und Kolumnisten Thomas Fischer, der ihr vorwirft, eine Kampagne losgetreten zu haben. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat Objekte indianischer Stämmer zurückgegeben - aber so einfach wird das mit der Restitution nicht immer sein, warnt der Ethnologe Karl-Heinz Kohl in der FAZ. Und das Internet ist nicht schuld am Populismus, schreibt Perlentaucher Thierry Chervel.

Liebe zum Meister

16.05.2018. In Le Monde sieht der  bulgarische Politologe Ivan Krastev die populistischen Bewegungen der Gegenwart als eine Art Replik von 1968. Bei Zeit online unterhalten sich die Autorinnen Deborah Feldman und Mirna Funk  über Antisemitismus in Deutschland. In der SZ schildert die Extremismusforscherin Julia Ebner, wie Rechtsextreme auf ihre eigenen sozialen Netze ausweichen. Die FAZ druckt ein Kapitel aus Michael Angeles biografischem Porträt über Frank Schirrmacher ab.

Ein bisschen mehr Telefonüberwachung

15.05.2018. In der NZZ erklärt Slavenka Drakulic, warum die #MeToo-Bewegung in Osteuropa bisher so wenig Resonanz gefunden hat. Die New York Times stellt die Pastoren vor, die bei der gestrigen amerikanischen Botschaftseröffnung in Jerusalem die Gebete sprachen. Die "Datenschutzgrundverordnung" (DSGVO) ist ein Horror für kleine Website-Betreiber, protestiert Enno Park in t3n. Ganz aktuell: Die Soros-Stiftung verlässt Budapest und geht nach Berlin.