9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Enge Verbindung von Kanzel und Bajonett

23.05.2017. Die Debatte um das Kreuz auf der Kuppel des Berliner Humboldt-Forums nimmt Fahrt auf. Gegen die religiös-kulturalistischen Argumente Monika Grütters' für das Kreuz bringt die FAZ historische in Anschlag: Das ursprünglich im 19. Jahrhundert angebrachte Kreuz steht unter anderem für den Triumph über die "in Blut erstickte bürgerliche Revolution von 1848". Was würden die Humboldts denken, wenn das nach ihnen benannte Forum unterm Kreuz agieren müsste, fragt der Tagesspiegel. Und in der Berliner Zeitung sprechen sich die Gründungsdirektoren des Forums für das Kreuz aus.

Diskussion sensibler Themen

22.05.2017. Die VG Wort hat getagt, und nun freuen sich auch die Gegner Martin Vogels über das, was er für sie erstritt. Die New York Times kritisiert Donald Trumps Rede in Saudi Arabien als kompletten Verzicht auf einen Menschenrechtsdiskurs, und sei es in Form von Lippenbekenntnissen. In der FR schätzt der Priester Krzysztof Charamsa, dass fünfzig Prozent seiner Kollegen schwul sind.

Absolute Schlankheit

20.05.2017. Einige Artikel geben heute Aufschluss über Stand und Klima der intellektuellen Debatte in Deutschland: Alice Schwarzer erzählt in ihrem Blog, wie sie von Studentinnen als Rassistin behandelt wurde.  Thomas Schmid denkt in der taz über ein Buch von Ralf Fücks und den Bedeutungsverlust der Grünen nach. Jörg Baberowski beklagt in der NZZ eine "kulturelle Hegemonie" der Linken. Dem Freitag graut's vor der Critical Whiteness. Und die Welt meint: Auf das nagelneue Stadtschloss gehört auch ein ordentliches Kreuz.

Algorithmen trimmen

19.05.2017. Wahlen im Iran: Bahman Nirumand graut's in der taz vor dem Kandidaten Ebrahim Raisi, der für Tausende von Hinrichtungen verantwortlich ist. Der Staat entdeckt das Internet: Was es hier noch alles zu regulieren gibt! Als erstes will die SPD jetzt Google zwingen, die öffentlich-rechtlichen Sender zu privilegieren, fürchtet die FAZ. Vor der neuen Mitgliederversammlung erzählt Wolfgang Michal in seinem Blog die interessante Vorgeschichte der VG Wort. Und die NZZ macht sich Sorgen um die Schweizer Verlage.

Das gute Miteinander

18.05.2017. Auch im Iran kann's noch schlimmer kommen als es schon ist, warnt die taz: Es muss nur der religiöse Scherge Ebrahim Raisi an die Macht kommen. In der FR erklärt Michael Wolffsohn, warum sich Deutsche und Israelis so schlecht verstehen: weil sie beide alles richtig machen. Libération findet die Ursachen für die erstaunliche Blüte der Internetmedien in Frankreich. In Zeit Wissen balanciert ein hoch alarmierter Harald Welzer auf "Shifting Baselines".

Und ob die Erde hohl ist

17.05.2017. Schadet das Internet der Demokratie? Die FAZ fürchtet ja. Die NZZ möchte der "Liquid Democracy" noch eine Chance geben. Heute ist der Tag gegen Homophobie: Europa sollte gegen die Drangsalierung Schwuler in Tschetschenien protestieren, schreibt eine Autorenkollektiv in Libération. Nur weil bei mp3 die Patente abgelaufen sind, ist die Technologie noch nicht tot, meint Marcel Weiß im Neunetz.

Manche Mönche fahren teure Autos

16.05.2017. Le Monde sucht nach Spuren der Philosophie Paul Ricoeurs bei Emmanuel Macron. Das größte Problem mit Donald Trump ist nicht, dass er böse, sondern dass er ein Kind ist, meint die New York Times. In der SZ erzählt Yavuz Baydar, wie der Belge-Verlag seines Freunds  Ragip Zarakolu drangsaliert wird. Politico.eu erzählt, wie Russland mit Hilfe der orthodoxen Kirche und schwulenfeindlicher Schläger Einfluss auf Georgien nimmt.

Spätere Blamage

15.05.2017. WannaCry ist treffend benannt: In der SZ weist Evgeny Morozov darauf hin, dass die Erpressungssoftware, die viele Behörden lahmlegte, von einer demokratischen Regierung geschaffen wurde. Auch Edward Snowdon staunt auf Twitter darüber. Die taz beschreibt, wie Russland die Schwäche der EU im Westbalkan ausnutzt. Was für ein Flop das deutsche Leistungsschutzrecht ist, wird laut Netzpolitik immer noch klarer. Die taz setzt sich in Berlin für mehr Lehrerinnen mit Kopftuch ein.

Zeichen des Läppischen

13.05.2017. Zum Schutz der Meinungsfreiheit lässt die türkische Medienaufsicht drei kurdische Satellitensender abschalten, meldet die FAZ. Vom türkischen Wirtschaftsministerium lässt sich die FAZ außerdem zum Überbringer von Fake News machen. SZ und Berliner Zeitung streiten über die Rekonstruktion der Kuppel auf dem Berliner Stadtschloss. In der taz erklärt die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger, warum die heute vor 300 Jahren geborene Maria Theresia keine Königin, sondern ein König war. Und Emma erklärt, warum Necla Kelek nicht bei einer Hamburger Demo gegen Rechtsextremismus und Islamismus redet.

Reden und Lesen gehören zusammen

12.05.2017. In der NZZ misstraut Pascal Bruckner dem Bild des alle Gegensätze versöhnenden charismatischen Anführers, das Emmanuel Macron von sich verbreitet. In Le Monde denkt der Soziologe Gérald Bronner über die Frage nach, warum Macron ein so beliebtes Futter für Verschwörungstheoretiker ist. Die NZZ bringt ein Dossier über George Soros. Die FAZ-Herausgeber wenden sich in einem offenen Brief gegen ein neues Urheberrechtsgesetz, und zwar ist die freie Presse in Gefahr.