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Chile

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Lissette Orozcos Doku 'Adriana's Pact' (Panorama)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2017 […] film über ihre Tante Adriana gedreht: eine gutaussehende lebhafte Frau, immer berufstätig gewesen, voller Unternehmens- und Lachlust, die in Australien lebt. Bei einem Besuch bei den Verwandten in Chile 2007 wird sie verhaftet. Der Vorwurf: Sie soll für Pinochets Geheimpolizei DINA gearbeitet, Gefangene "befragt" und gefoltert haben. Adriana streitet das vehement ab, und hier beginnt der Dokumentarfilm […] Fernsehinterview, in dem sie die Taten des Pinochet-Regimes verharmlost. Nach dem Motto: Man musste doch foltern, sonst hätten die Kommunisten nichts verraten, verteidigt sie ein Regime, dem Tausende Chilenen zum Opfer fielen. Auch die Zeugen, die Adriana nennt, erinnern sich ganz anders als sie. Orozco spricht auch mit Historikern, aber eigentlich braucht sie das nicht mehr, denn die Wahrheit ist klar […] spricht. Doch die hält es nicht mehr aus, sie bricht den Kontakt ab. Ich glaube nicht, dass Adriana sich stellen wird.   El Pacto de Adriana - Adriana's Pact. Regie: Lissette Orozco. Dokumentarfilm, Chile 2017, 96 Minuten (Vorführtermine) […] Von Anja Seeliger

Held im postheroischen Zeitalter

Im Kino 01.12.2016 […] Diplomaten, Politikers, eines Widerständigen gegen den internationalen Faschismus seiner Lebenszeit, als Schreibender, Verleger, in Ämtern und schließlich aus dem Untergrund und dem Exil heraus. In Chile ist Neruda bis heute Ikone und Nationalheld. Ein Film über ihn könnte schnell zur üblichen Hagiographie des konventionellen Biopic geraten. Erfreulicherweise interessiert sich der Regisseur Pablo Larraín […] Abwahl der Diktatur Augusto Pinochets in Form einer medienarchäologischen Dokufiktion, collagiert aus historischen Originalaufnahmen und mit alten U-Matic-Fernsehkameras aufgezeichneten Spielsequenzen. "Chile, die Freude erwartet uns", so heißt es am Ende - eine frohe Botschaft, die so erst denkbar wird, weil Larraín in den beiden Vorgängerfilmen "Tony Manero" und "Post Mortem" die finstersten Abgründe der […] der Pinochet-Diktatur durchschritten hatte. Simplistischer Realismus war daher niemals die Sache dieses Filmemachers. Deutlich wird das etwa an "Tony Manero", der seine Psychopathologie des Chile der Pinochet-Jahre durch den Filter einer sehr idiosynkratischen Obsession erzählt. In seinem Protagonisten Raúl kristallisieren die Brutalität und der moralische Bankrott einer Diktatur auf dem Zenit ihrer […] Von Thomas Groh, Jochen Werner

Kleine Gesten: Indigenes Kino aus Lateinamerika

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2015 […] Film "Las Niñas Quispe" von 2013, der auf einem wahren Fall aus den siebziger Jahren beruht. Er erzählt von drei Schwestern, Justa, Lucia und Luciana, die in absoluter Abgeschiedenheit im Hochland von Chile als Ziegenhirtinnen leben. Es sind wunderbar knorrige, herbe, maskuline Frauen in einer rauen, unfruchtbaren und unwirtlichen Gebirgslandschaft. Wenn sie sich mit ihren wettergegerbten Gesichtern und […] Ortiz und Felipe Román. Bolivien/Mexiko/Norwegen 2013, 105 Minuten.(Vorführtermine) Sebastián Sepúlveda: Las Niñas Quispe. The Quispe Girls. Mit Digna Quispe, Catalina Saavedra und Francisca Gavilán. Chile/Frankreich/Argentinien 2013, 80 Minuten. (Vorführtermine) Paz Encina: Hamaca Paraguaya. Mit Ramón Del Río und Georgina Genes. Argentinien/Frankreich/Niederlande/Paraguay/Spanien 2006, 78 Minuten. […] Von Thekla Dannenberg

Erzählt von der jüngsten politischen Geschichte Chiles: Patricio Guzmans Filmessay 'Der Perlmuttknopf' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2015 […] Mit "La batalla de Chile" hat Patricio Guzmán in den 1970ern einen engagierten Dokumentarfilm von epischen Ausmaßen über Anfang und Ende der Ära Allende gedreht. Nach dem Militärputsch fertiggestellt, ist etwas von der unterbrochenen Revolution in dem Film bewahrt und aufgehoben. Auch darum gilt "La batalla de Chile" nach wie vor als Meilenstein des politischen Kinos: weil er auch heute noch vergangene […] Wettbewerbsbeitrag "El botón de nácar" (Der Perlmuttknopf) ist es kein weiter Weg. Wieder sucht Guzmán nach geologischen und kosmischen Resonanzen von Ereignissen aus der jüngeren politischen Geschichte Chiles, und wieder spiegelt er das Größte im Kleinsten - daher der etwas unglücklich nach Kunsthandwerk klingende Titel. Als Zentralmetapher, kraft derer Guzmán seine weit ausholenden Vergleiche anstellt […] erwartet ein origineller Filmessay von stellenweise atemberaubender Reichweite. Aus der zugleich marginalen und kosmischen Perspektive der patagonischen Ureinwohner nähert er sich der jüngeren Geschichte Chiles: den Camps auf der Feuerlandinsel Dawson, wo Pinochets politische Gegner interniert waren, und den Desaparecidos, deren Leichname das chilenische Militär ins Meer warf. In den 1990ern wurden einige […] Von Nikolaus Perneczky

Gedrosselte Ambitionen: Sebastian Lelios 'Gloria' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2013 […] auch einmal ein paar rote Fahnen und Parolen im Film vorkommen. Nein, da hätte der Film lieber zugeben sollen: Meine Geschichte könnte überall spielen und das Land, in dem ich spiele (for the record: Chile), interessiert mich nicht einmal ein bisschen, seltsamerweise nicht einmal als Kulisse. Und bei der Gelegenheit: Es wäre auch durchaus angenehm, wenn der Film nicht derart penetrant darauf bestehen […] sich sofort und vorbehaltslos in seine Protagonistin zu verlieben habe. Lukas Foerster "Gloria". Regie: Sebastián Lelio. Mit Paulina García, Sergio Hernández, Diego Fontecilla, Fabiola Zamora u.a., Chile / Spanien 2012, 105 Minuten (alle Vorführtermine) […] Von Lukas Foerster