Perlentaucher-Autor

Thomas Groh

Thomas Groh, geboren 1978, lebt seit 1997 in Berlin, dort Studium der Film-, Kultur-, Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Humboldt und Freien Universität. Seit 2001 freier Autor für die Online-Filmmagazine f-lm.de und jump-cut.de sowie seit 2002 für die Filmzeitschrift "Splatting Image", einzelne Beiträge für "Telepolis" und "Jungle World". Weitere Texte, Notizen und Hinweise veröffentlicht er auf seinem Blog http://filmtagebuch.blogger.de 
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Held im postheroischen Zeitalter

Im Kino vom 01.12.2016 01.12.2016. Während ihm die Arbeiter und Angestellten für seine Wahnsinnslandung auf dem Hudson River noch zuprosten, findet sich Clint Eastwoods Pilot "Sully" im Griff von Überwachungstechnik, Nachrichtendiskurs, Bürokraten und Computersimulationen. Pablo Larraíns "Neruda" ist kein Biopic, sondern ein Künstlerfilm - Annäherung an einen politischen Poeten und einen poetischen Politiker.

Erkundung einer Fremderfahrung

Im Kino vom 09.11.2016 09.11.2016. Millimeterarbeit im Fantastischen leistet Denis Villeneuve, der in seinem Science-Fiction-Film "Arrival" Amy Adams die Kommunikationsmöglichkeiten mit Außerirdischen austesten lässt. Edward Zwicks "Jack Reacher: Never Go Back" ist auf den ersten Blick ein romantischer Film noir der mittleren Budgetklasse und auf den zweiten Blick Tom Cruise beim Dienst nach Vorschrift.

Weltensprengung

Im Kino vom 02.11.2016 02.11.2016. Werner Herzog blickt bei seiner ewigen Suche nach der ekstatischen Wahrheit in den Schlund des Vulkans: "In den Tiefen des Infernos" startet nicht im Kino, aber dafür auf Netflix. Chad Hartigans "Morris aus Amerika" schickt einen schwarzen Jungen in die sehr deutsche real-life-Disney-Märchenstadt Heidelberg.

Dezenter Drift ins Zwangsgestörte

Im Kino vom 06.10.2016 06.10.2016. In Corneliu Porumboius kluger Komödie "Der Schatz" fällt eine Bewegung in der Gegenwart mit einer historischen Exploration in eins. Genitalien von rührender Anmut und Aggregatzustände kreatürlicher Ekstase präsentiert Emiliano Rocha Minters "We Are the Flesh", ein großer Wurf des transgressiven Kinos.

In der Vergangenheit hausen

Im Kino vom 28.09.2016 28.09.2016. Einen deutsch-französischen Totentanz inszeniert François Ozon mit seinem schönen Lubitsch-Remake "Frantz". Und schon einmal eine Vorschau auf nächste Woche: Tim Burton hält in "Die Insel der besonderen Kinder" die Geschichte kurz vor dem Weltenbrand an.

Kulturgeschichte des Wolfs

Im Kino vom 07.09.2016 07.09.2016. Vielleicht ein zukünftiger Klassiker des klaustrophobischen Terror-Kinos: "Don't Breathe" von Fede Alvarez. Christian Petzolds neue Polizeiruf-Episode "Wölfe" weckt Zweifel daran, ob Fernsehkommissare sich als Film-Nerds eignen.

Enthemmung und Entgleisung

Im Kino vom 31.08.2016 31.08.2016. Verhandelt den Exzess der Formen kontrolliert: Eiichi Yamamotos Animationsfilmmeisterwerk "Die Tragödie der Belladonna", das mehr als 40 Jahre nach seiner Premiere eine Wiederaufführung erlebt. In Jonas Rothlaenders "Fado" gibt sexuelle Eifersucht solange keine Ruhe, bis sich eine atmosphärische Studie in Einsamkeit in ein klaustrophobisches Melodram verwandelt hat.

Fortgeschritten stählern

Im Kino vom 04.08.2016 04.08.2016. Auf halber Strecke liegen bleiben die Ambitionen von Paul Feigs "Ghostbusters"-Remake, der infantile Karikaturen als Comedy von Frauen verkauft. Kunstvoll konstruiert, aber auf steril-heteronormative Art zeigt sich Pedro Almodovars zwanzigster Film "Julieta".

Jede Konsonantenhäufung ein Gebirge

Im Kino vom 20.07.2016 20.07.2016. In seinem Kinderfilm "BFG: Big Friendly Giant" erkundet Steven Spielberg ein für ihn ungewohntes Terrain: alteuropäische Apfelbutzenhaftigkeit. Mika Kaurismäki wehrt sich in "The Girl King" über die schwedische Königin Christina mit untergründiger Punk-Attitüde gegen den double bind von Kostümfilm und Biopic.

Dystopie kann so sexy sein

Im Kino vom 30.06.2016 30.06.2016. Hou Hsiao-Hsiens Schwertkampffilm "The Assassin" zeigt die ganze Anmut eines Kinos, das mit Enthüllen und Verbergen spielt. Ben Wheatleys Ballard-Verfilmung "High-Rise" berauscht sich in und an autonomen Türmen und den erotischen Spielen Tom Hiddlestons.

Ausgeliefert ans Werk

Im Kino vom 18.05.2016 18.05.2016. In der Zwangssituation einer Kinovorstellung macht Robert Eggers' texturintensiver Horrorfilm "The Witch" existenzielle Erfahrungen nachvollziehbar. Bryan Singers Superheldenfilm "X-Men: Apocalypse" erliegt dem Fluch vieler Blockbusterserien: Der dritte Film ist immer der schlechteste.

Gleißend, schillernd, schäumend

Im Kino vom 27.04.2016 27.04.2016. Spektakelkino sondergleichen aus Südindien: S.S. Rajamoulis "Bahubali: The Beginning" lässt alle Realismusetüden hinter sich. Tom Tykwers exotistische Bestsellerverfilmung "Ein Hologramm für den König" füllt alten Wein in noch ältere Schläuche.

Teil des Spiels

Im Kino vom 20.04.2016 20.04.2016. "Gods of Egypt" erzählt in bunter Fabulierlust - inklusive einer Art antiken Multitasking-Wikipedia - vom Kampf einer bunten Götterwelt gegen den Monotheismus. in "Chevalier" überwachen nicht der Staat oder Kameras die konkurrierenden Männer - sie tun es von selbst.

Atompilz der guten Laune

Im Kino vom 17.03.2016 17.03.2016. Der Verzicht ist Programm in Kevin Reynolds authentizitätsfixierten Bibelfilm "Auferstanden". Phil Collins gelingt in "Tomorrow Is Always Too Long" einigen kitschigen Scherenschnitten zum Trotz ein angenehm zwischen Affirmation und Dekonstruktion pendelndes Stadtporträt Glasgows.

Gewebe der Wirklichkeit

Im Kino vom 06.01.2016 06.01.2016. Zwei Filme für die Oskarsaison: Alejandro González Iñárritus grandioser Kunstporno "The Revenant" sucht die äußerste Realität und ein verloren gegangenes Erfahrungsspektrum. Tom Hoopers Transgenderdrama "The Danish Girl" führt in eine entweltlichte Welt, in der die Abblende regiert.

Saloon mit drolligen Aliens

Im Kino vom 16.12.2015 16.12.2015. Service am Fan, aber auch eine angenehm abgeranzte Erzählwelt hat J.J. Abrams' lang ersehnter Franchise-Relaunch Star Wars: Erwachen der Macht" zu bieten. Weitgehend Ton in Ton und außerdem eng am Text bleibt Sophie Barthes' bierernster Weltliteratur-Relaunch "Madame Bovary".

Alles auf Null

Im Kino vom 04.11.2015 04.11.2015. Etwas geht zu Ende in Sam Mendes' "Spectre" - und vielleicht nicht nur Daniel Craigs Amtszeit als Bonddarsteller. Kivu Ruhorahozas präferiert in seinem faszinierenden Rätselfilm "Things of the Aimless Wanderer" die Seitwärtsbewegung.

Reich an Geld und Neurosen

Im Kino vom 28.10.2015 28.10.2015. Jean-Jacques Annaud demonstriert den Chinesen mit "Der letzte Wolf", wie man eigene historische Verfehlungen in Erkenntnisgeschichte umdeutet. Benni Diez motzt in seinem Spielfilmdebüt "Stung" mit Monsterwespen die eigene Showreel auf.

Platz für ein paar mehr Passagiere

Im Kino vom 14.10.2015 14.10.2015. Ein beklemmender Film über das Scheitern der europäischen Migrationspolitik ist Jonas Carpignano mit "Mediterranea" gelungen. Aleksandar Nikolics "Der serbische Anwalt" porträtiert ruhig und konzentriert den Karadzic-Verteidiger Marko Sladojevic.

Krisen lassen sich meistern

Im Kino vom 07.10.2015 07.10.2015. Ridley Scotts "Der Marsianer" ist ein Blockbuster ohne eindeutige Heldenfiguren, aber mit Menschen, die anpacken. In "The Tribe" beschreibt Miroslav Slaboshpytskiy die gemeinschaftliche Einschwörung auf die Horde in einem Internat für Gehörlose.

Im Bann von Bughuul

Im Kino vom 16.09.2015 16.09.2015. Raoul Pecks "Mord in Pacot" verknüpft komplexe soziopolitische Analysen mit einem reduzierten Beziehungsdrama. Ciaran Foys filmische Grobheit "Sinister 2" berauscht sich geradezu an den Defekten des schmutzig prä-digitalen Medienzeitalters, erreicht aber nicht die Subtilität von Teil 1.

Gefährliche Erinnerungen

Im Kino vom 12.08.2015 12.08.2015. Mohammad Rasoulofs "Manuscripts Don't Burn" erzählt von Morden an iranischen Oppositionellen und funktioniert zugleich als Paranoia-Thriller, Psychodrama und Mahnmal staatlicher Verbrechen. Guy Ritchies Remake der Agentenserie Codename U.N.C.L.E. zelebriert die Übersichtlichkeit und den Chic der Sechziger.

Alles kaputt

Im Kino vom 06.08.2015 06.08.2015. "Mission: Impossible 5 - Rogue Nation" von Christopher McQuarrie ist gleichzeitig klassisches Unterhaltungskino und zeitgemäßes Abbild einer verfensterten Welt. Alexandre Ajas "Horns" holt erst am Ende den Hammer heraus.

Liebeskranker Bücherwurm

Im Kino vom 29.07.2015 29.07.2015. Ein wunderschöner, das Genre reflektierender Western ist John Maclean mit "Slow West" gelungen. In Naomi Kawases "Still the Water" stehen sich großspurige Themen und kleinformatige Schönheiten unversöhnlich gegenüber.

Narben auf der Seele

Im Kino vom 25.06.2015 25.06.2015. Christian Petzolds Polizeiruf-Episode "Kreise" schlägt den Bogen vom deutschen Fernsehkrimi zu Edward-Hopper-Melancholie. Ein Auge für die Gleichzeitigkeit der Dinge besitzt agnès b., die Regisseurin von "Je m'apelle Hmmm...".

Hervorragende Nase

Im Kino vom 11.06.2015 11.06.2015. Ganze 12 Dinosaurierarten mehr als das Original aus den Neunzigern präsentiert Colin Trevorrows "Jurassic World". Ein notwendiger Diskursbeitrag wider Volkes Stimme ist Hubertus Siegerts Dokumentarfilm über drei Strafvollzugskonzepte "Beyond Punishment".

Kleinschrittiger Pragmatismus

Im Kino vom 03.06.2015 03.06.2015. Claude Lanzmann spricht in "Der letzte der Ungerechten" mit Benjamin Murmelstein, dem Judenältesten von Theresienstadt. In Daniel Espinosas "Kind 44" hört man stalinnostalgische Drehbuchseiten rascheln.

Temporäre Inseln

Im Kino vom 27.05.2015 27.05.2015. Total anstößig: Brad Peytons "San Andreas", ein Katastrophenfilm im doppelten Sinn. Total unanstößig: George Ovashvilis gnadenlos ausbuchstabierte Flusspastorale "Die Maisinsel".

Andere Bilder gibt es immer

Im Kino vom 20.05.2015 20.05.2015. Gleich zweimal erinnert sich das Kino diese Woche an die alte Bundesrepublik: Jean-Gabriel Périots "Une jeunesse allemande" sucht nach filmischen Spuren von Studentenprotesten und linksradikalem Terror, "B-Movie" von Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck und Heiko Lange rekonstruiert subkulturelle Szenen der 1980er.

Neurosen verfeinern

Im Kino vom 29.04.2015 29.04.2015. Annekatrin Hendels Porträtfilm "Fassbinder" erweist sich trotz Youtube-tauglichem Interviewmaterial als Schnellschuss mit Rammstein-Musik. Marjane Satrapis "The Voices" identifiziert sich mit der Schizophrenie seines Protagonisten und ist am interessantesten, wenn seine Protagonisten versuchen zu kommunizieren.