Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Abwesenheit von Dämonie

18.08.2018. Schafft die Ruhrtriennale einfach ab, fordert die Welt. In der FAZ erklärt der Schriftsteller Murathan Mungan, wie man im Türkischen homosexuelle Liebesgeschichten erzählt, ohne dass die Leser es merken. Die taz trifft sich mit Ex-Punk und Bankräuber Gilles Bertin in Toulouse. In der taz erklärt Andreas Dresen, warum er einen Film über Gerhard Gundermann machen wollte. Und die SZ träumt vom Leben im Ko-Dorf.

Selbstbewusst fauchend

17.08.2018. Die SZ lernt in Kopenhagen von Rem Koolhaas, was urbane Dichte ist. Eine Ablehnung oder Ausladung ist nicht Zensur, schreibt die neue musikzeitung den Schneeflöckchen ins Stammbuch. Das neue "Fotolot" stellt die Arbeit der Fotografin Vanessa Winships vor. Das Port Magazine feiert den apokalyptischen Glamour der Künstlerin Laure Prouvost. Und: alle trauern um die große Aretha Franklin.

Diese ganzen Obertöne

16.08.2018. Die Welt bewundert dänisches Design. Der Freitag sitzt im Städel Museum Menschen an Bushaltestellen gegenüber, die Ursula Schulz-Dornburg in aller Welt fotografiert hat. In der NZZ fragt der Chicagoer Philosoph Jason Hill anlässlich der Debatte über kulturelle Aneignung: Welche authentische Erfahrung mit Sklaverei hat ein heutiger Afroamerikaner? In der Berliner Zeitung lernt der Techno-DJ Henrik Schwarz Sounddesign von dem niederländischen Metropole Orkest. Und in der SZ erzählt der syrische Schriftsteller Adel Mahmoud vom Fund eines Notizhefts mit Briefen von Kindern.

Das ganze Wallis: total agglo!

15.08.2018. Nach Bekanntgabe der Longlist für den Buchpreis stimmt der Tagesspiegel verhalten in den Lobgesang auf die deutsche Gegenwartsliteratur ein. Die Berliner Zeitung erinnert an die innige Poesie des DDR-Liedermachers Gerhard Gundermann. Die taz reiht sich ein in die planetarische Monster-Internationale des dänischen Künstlers Asger Jorn. Die Welt verirrt sich mit Hans Kollhoff in den toten Ecken eines Berliner Neubau-Quatiers. Und die NZZ weiß: Agglomeration ist nicht Vorstadt, sondern cool, tough, bad.

Die verliebten Grauenvollen

14.08.2018. Alles Schöne und Schreckliche findet die SZ in Jan Lauwers Salzburger "Krönung der Poppea". Die FAZ dagegen fragt: Ist das noch Performance oder schon Dekoration? Es wird wieder mit Holz gebaut, freut sich die FR. In der taz fragt die Macherin des Berliner Popkultur-Festivals,  Katja Lucker, warum eigentlich Clubkultur weggentrifiziert werden darf. Bei der Oper traut man sich das doch auch nicht.

Gladiatoren der Erbärmlichkeit

13.08.2018. Große Trauer herrscht in den Feuilletons um den großen Reisenden und Literaturnobelpreisträger V.S. Naipaul: Er zeigte uns die Welt, wie sie war, nicht wie wir sie gern hätten, betont die FR. Die FAZ würdigt seinen uncharmanten Scharfsinn. Im Standard stellt sich Karl Ove Knausgard seinem inneren Hund. Die Nachtkritik lässt sich auf der Ruhrtriennale von Mohammad al Attar und Omar Abusaada erzählen, wie der französische Konzern Lafarge seine Arbeiter in Syrien dem IS auslieferte. NZZ und taz küren zum Ende des Filmfestivals von Locarno ihren eigenen Gewinnerfilm: Mariano Llinás "La Flor".

Lyrisches Cinemascope

11.08.2018. Mit vokalem und politischem Sprengstoff eröffnet William Kentridges Spektakel "The Head and the Load" die Ruhrtriennale: Die westeuropäischen Schafe nachtkritik und SZ applaudieren hingerissen, auch wenn sie nicht immer ganz folgen können. Die taz ergründet Transformationsprozesse bei der Biennale in Riga. Der Tagesspiegel bringt eine kritische Würdigung Wolf Wondratscheks, der bald 75 wird. Der Jungle World wird die Musik Stella Sommers zum Verhängnis. Berthold Seeliger antwortet im Perlentaucher auf FAZ-Kritiker Jan Brachmann.

Ein einziger Imperativ

10.08.2018. Die SZ erliegt Cecilia Bartoli als schaumgeborener Venus in Rossinis Oper "L'italiana in Algeri". Die FR feiert begeistert die Leo-McCarey-Retrospektive in Locarno. Die taz ist entsetzt: ein uralter Protestsong der Bots soll die neue "Aufstehn"-Hymne werden? Die NZZ schaudert: Zuviel positive Zukunftsideen im Londoner Victoria and Albert Museum.

Ein Akt gehobener Zeitverschwendung

09.08.2018. Auf Zeit online protestieren SchriftstellerInnen mit Migrationshintergrund gegen das Labeling im Literaturbetrieb. Die Filmkritiker sahen Bodenloses in Regina Schillings Essayfilm "Kulenkampffs Schuhe". In der SZ möchte Intendantin Stefanie Karb wissen, warum die Young Fathers auf der Ruhrtriennale ein Problem sind, nicht aber an den Kammerspielen oder in der Spex. In der NZZ erinnert sich Norman Manea an seine Freundschaft mit Philip Roth.

Wo Sprache sich nicht mehr auskennt

08.08.2018. Der Standard ist beeindruckt von der Doku-Performance "Mining Stories" des Künstlerpaars Silke Huysmans und Hannes Dereere, die die Umweltkatastrophe am Rio Doce thematisieren. Die taz macht bei Tirzah ein Diplom in abstrakter elektronischer Tanzmusiklogistik. Die FAZ verlernt mit den Horrorspezialisten Justin Benson und Aaron Moorhead die Wirklichkeit. Die Welt lässt sich erklären, was afrikanische oder generell "schwarze" Kunst eint.