Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Die Rücksichtslosigkeit

13.12.2017. Die FAZ beobachtet das Werden einer Schreckenssiedlung nördlich der A5. Die NZZ sieht die USA mit der Debatte um Balthus zwischen Prüderie, Pornografie und Hysterie taumeln. Die FR folgt Yves Tanguy ins "Reich der Misteldruiden". Die SZ besucht in Saarbrücken einen Museumsneubau, dem die eigene Beliebtheit eingeschrieben ist. Und die Filmkritik folgt den Sternenflottenstreber des achten Star-Wars-Films an den Rand des Burn-outs.

Ein Leben lang erfolgreich nachgedacht

12.12.2017. Die SZ lernt im neuen Außenministerium in Den Haag, dass die Holländer weder Pathos noch Abstand mögen. Die FAZ lernt im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, Affen zu lieben. Die Welt macht sich keine Sorgen mehr ums Deutsche. Und in der taz gratuliert Stephan Wackwitz dem unverändert coolen Giwi Margwelaschwili zum Neunzigsten.

Eine Klangwelt wie eine Gummizelle

11.12.2017. Im Bolschoi-Theater wurde nun doch noch Kirill Serebrennikows Nurejew-Ballett aufgeführt: Selbst unter den dicken Moskauer Schichten von Macht, Pelz und Botox ist niemand in Ohnmacht gefallen, berichtet die SZ. Die Welt fragt, wie die Berliner Staatsoper mit ihrer Rentnerregieriege internationalen Anspruch erheben will. Nach der Verleihung des Europäischen Filmpreis an Ruben Östlunds Kunstbetriebssatire "The Square" hadern FR und taz mit dem europäischen Konsens. Im Guardian stellt Jonathan Jones klar: Ein Bild ist kein Angriff.

Misanthropisch verstimmte Design-Hölle

09.12.2017. Kino oder Theater? In Apichatpong Weerasethakuls "Fever Room" wird diese Frage immerhin interessant gestellt, freut sich die taz. War doch alles transparent, wehrt Bono in der SZ alle Vorwürfe wegen seiner Steuervermeidungstricks ab. Die Franzosen begleiten heute Johnny Hallyday auf seinem letzten Weg über die Champs-Elysées, meldet France Bleu. Die NZZ langweilt sich in der Scala.

Unerschrocken pathetisch

08.12.2017. Die NZZ geißelt den Schmus des Authentischen in der Literatur. Nichts steht einem Geist so gut, wie ein übergeworfenes Bettlaken, lernt der Tagesspiegel in David Lowerys "A Ghost Story". Die taz hätte sich mehr Mut beim "Rework" von George Clintons Funkadelic gewünscht. Und sie besucht Palermo, wo demnächst die Kunstbiennale "Manifesta" stattfinden soll.

Lichtgestalt des Röck en Röll

07.12.2017. Die taz bewundert das Timing für Transplantation, Skalpell, Säge, Nadel, Faden, schlagendes und nicht mehr schlagendes Herz in Katell Quillévérés Film "Die Lebenden reparieren". Der Standard beobachtet das Verschwinden der Gletscher in einer Ausstellung des Fotografen Michel Comte. Die NZZ besucht eine Ausstellung der Dame en noir Christa de Carouge, Schweizer Schwester im Geiste von Rei Kawakubo und Yohji Yamamoto. Die Musikkritiker sind baff, mit welcher Intensität die Franzosen um Johnny Hallyday trauern.

Manifestation eines seltsamen musikalischen Syndroms

06.12.2017. Die 63-jährige Künstlerin Lubaina Himid bekommt in diesem Jahr den Turner-Preis. Der Guardian reagiert mit verhaltener Freude. Auf Zeit Online erzählt Ann Cotten von ihrer Reise nach China. Die FAZ erlebt am Krakauer Stary Teatr eine Stimmung wie unter General Jaruzelski. Die Zukunft der Berlinale liefert weiter Diskussionsstoff: Die SZ träumt schon den Albtraum der hausgemachten Lösung. Und Frankreich unter Schock: Der eigentlich unsterbliche Johnny Hallyday, größter Rockstar der Welt, ist tot.

Die Sprache der Versöhnung

05.12.2017. Die NZZ hält den Atem an, wenn Medea in Peter Konwitschnys Inszenierung an der Stuttgarter Oper auf die Knie gehen muss. Die SZ erlebt in Paris mit Wajdi Mouawad Romeo und Julia in der Nahost-Version. Der Freitag berichtet von einer Diskussion zur Zukunft der Berlinale und lernt von Christian Hochhäusler: Beißhemmung ist kein Frieden. Beim Festival in Baden-Baden blickte die FAZ in den Abgrund des deutschen Fersehfilms.

Die kubanische Faust aufs französische Auge

04.12.2017. Siebeneinhalb Stunden gingen die Kritiker mit Frank Castorfs "Les Misérables" am BE durch die Kloaken von Paris: Die SZ genoss den Abend als mittleres Erdbeben auf der Castorfschen Voodoo-Skala. Die Berliner Zeitung liebt einfach diese Dreckfressen auf der Bühne. Nur der Tagesspiegel winkt ab: Peinlicher Altmännerstil! Die taz huldigt dem Glamrock. Der Standard trifft sich mit Peter Handkes Einkaufsberaterin. Und die SZ trauert um den Fassbinder-Schauspieler und Regisseur Ulli Lommel.

Alles gehört abgeschafft

02.12.2017. In der Volksbühne hatte Susanne Kennedys "Women in Trouble" große Premiere. Die Nachtkritik feiert mit ihr eine "Messe der Oberflächlichkeit". Die NZZ jubelt. Der Merkur erlebte ein Theater der Affektvernichtung. Die Welt findet das Stück dagegen so stromlinienförmig und heimatlos, wie es Chris Dercons Kritiker befürchtet haben. Die Berliner Zeitung betrachtet die Bilder Jürgen Hohmuths und fragt sich noch einmal, wie fröhlich die Ostzone war. Die taz unterhält sich mit der iranischen die Schriftstellerin Négar Djavadi. Die SZ ruft mit dem Frankfurter Architekturmuseum zur Rettung der Betomonster auf.