Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Ach dieses Nödelsensibelchen!

24.02.2018. Erinnert an die schlechtesten Castorf-Jahre, stöhnen die Kritiker einstimmig über Albert Serras Rokoko-Stück "Liberté" an der Volksbühne. In der FAZ fordert der baskische Schriftsteller Fernando Aramburu die Aufklärung des ETA-Terrors. Die Zeit erkundet die verschiedenen Modernen der Sowjetarchitektur in Minsk. SZ und Freitag läuten mit Ryan Cooglers Film "Black Panther" eine mentalitätsgeschichtliche Zeitenwende ein. Und die FAZ entstaubt mit Dirigent Andris Nelsons beschwingt das Klangmobiliar des Leipziger Gewandhausorchesters.

In verführerische Arrangements gegossen

23.02.2018. Die SZ lernt beim Schauspieler Thomas Schmauser den Wert eines Berufsinformationszentrum erkennen. In der NZZ fordert Hans Magnus Enzensberger energisch die Einführung von Hemd Studies an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Die taz besucht eine Tagung über die Geschichte widerständiger Musik in totalitären europäischen Staaten. Die NZZ steigt hinab in das "gemeingefährliche Universum" der Künstlerin Manon.

Sicher liegt das an seinen Nazieltern

22.02.2018. Die FAZ bewundert in der Berliner Ausstellung "Nautilus" die extreme Mathematik der Natur. Die Zeit begegnet in Frankfurt dem Mash-up-Künstler Rubens und dem Humanisten Basquiat. Der Standard sieht eine Verquickung von Interessen, wenn das Mumok dem Berliner Sammler Alexander Schröder eine Ausstellung widmet. Und in der Berliner Zeitung hält Regisseur Ersan Mondtag den Machtmissbrauch am Theater auch für eine Generationenfrage.

Ein einzelnes Männerknie

21.02.2018. In der FAZ  ruft der Dramatiker Ayad Akhtar Muslime auf, ins Theater zu gehen. Im Standard glaubt Regisseur Stefan Bachmann an radikales, anarchisches, erotisches Theater ohne Machtmissbrauch. Die NZZ lernt vom Fotografen Balthasar Burkhard, wie menschliche Körper zu Landschaften werden. Navid Kermani pocht in der ebenfalls in der NZZ darauf, dass Europa von den Unterschieden lebt, nicht von der Gleichheit. Die SZ meint: Uniforme und belanglose Städte brauchen nicht weniger moderne Architektur, sondern mehr:.

Liebevoll verpackte Verzweiflungsdrops

20.02.2018. Eleganter italienischer Razionalismo war uns versprochen worden, bekommen haben wir ein hüftsteifes Aktenregal klagt die FAZ vor der neuen Ostfassade des Humboldt-Forums. Auf Zeit online fragt sich Jackie Thoma anlässlich des schwarzen Superheldenfilms "Black Panther": Muss eine Identifikationsfigur aussehen wie man selbst? Die SZ hört Musik aus dem Ostkongo. Die NZZ wirft einen Blick auf die Opernszene in Finnland.

Verteilungskampf im kulturellen Gewand

19.02.2018. Berliner Zeitung und nachtkritik bewundern die hochkreative Selbstverschwendung des Castorf-Ensembles in Hamburg, wo drei Einakter von Eugene O'Neill gegeben wurden. Einige Altherrenwitze werden da gern verziehen. Darkroom und Dancefloor passen gut zusammen, erkennt die taz am Sound der Band Fischerspooner. Jeder kann den Kunstkanon in Frage stellen, auch Moralapostel, erinnert die NZZ.

Vorzugsweise auf Abwegen

17.02.2018. Die FAZ bringt eine  Vorabdruck aus Martin Mosebachs neuem Buch "21" - er schildert sehr detailreich ein IS-Video, das die Enthauptung koptischer Christen zeigt. In der NZZ singt Felix Philipp Ingold ein Loblied aufs nomadische Lesen. In der Nachtkritik schildert Regisseur Sebastian Hartmann, der gerade in Moskau inszeniert hat, die Beklemmung in der russischen Kulturszene. Die taz porträtiert die kosovarische Choreografin Teuta Krasniqi.

Eine anarchische Enzyklopädie

16.02.2018. Zeit online kritisiert die stiefmütterliche Behandlung der klassischen Musik durch Streamingdienste. Die FAZ lässt sich von Jean-Michel Basquiat in unvorhergesehene Tiefen führen. Die nachtkritik wird in den Münchner Kammerspielen angebaggert. Die SZ befindet kühl: Tabubruch im Kino ist passé. Das Zeit-Magazin sieht pink auf der New York Fashion Week.

Abhängen? Sicher nicht

15.02.2018. Heute abend eröffnet die Berlinale und die Kritiker sind schon prächtig am Streiten: Zuviel Filme? Zu wenig Zukunft? Berliner Zeitung, taz, Tagesspiegel, NZZ, SZ und Perlentaucher vermissen eine echte Einladung zum Diskurs. Die Zeit wirft dagegen den Kritikern Herrschaftsfantasien vor. In der FAZ möchte Regisseur Christian Petzold lieber über die Nachfolge von Berlinale-Chef Dieter Kosslick reden als über Dieter Kosslick. Außerdem: Der Standard ist froh, dass Man Ray in Paris die Malerei aufgab. Auf Zeit online erzählt der israelische Choreograf Nir de Volff, wie seine israelisch-deutsche Hybrid-Tanztheater-Sprache syrische Tänzer in Bewegung setzte.

Hier flammt kurz Wut auf

14.02.2018. In der FAZ fürchtet Horst Bredekamp den Opportunismus von Künstlern, die Museen säubern, um den Zeitgeist zu bedienen. Das ZeitMagazin will nicht mehr jugendlich sein, sondern so lässig wie Frauen, die im  Reformhaus einkaufen. Die taz erkundet in der ifa-Galerie die Phänomenologie aufgebrachter Menschenmengen. Einhellig gefeiert wird Guillermo del Toros Film "The Shape of Water". Vergeblich suchen die Feuilltons jedoch nach dem subersiven Funken im Superhelden-Blockbuster "Black Panther".