Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Die zweite Pauke

18.01.2017. Die russischen Schriftsteller verlassen den PEN, berichtet die Welt, unter anderem möchte Swetlana Alexijewitsch nicht länger "die Stiefel der Machthaber lecken". Voller Wehmut blicken die Kritiker mit Kenneth Lonergans "Manchester by the Sea" auf das Erzählkino von gestern. Die SZ sieht auf der Kölner Möbelmesse die Moderne auf dem Rückzug. Die Presse erlebt im Wiener MAK ausgerechnet in der Glaskunst von Adolf Loos das Ornament in aller Perfektion. Auf ZeitOnline weiß Siri Hustvedt, dass es bei Künstlicher Intelligenz nicht um Rechenleistung geht: "Die Hardware ist extrem wichtig".

Vorne tat ich harmlos

17.01.2017. Der Standard erlebt mit Georg Stefan Troller Paris als Stadt des verzweifelten Lebenshungers. Die taz ist gar nicht dankbar für das Museum Barberini, das Hasso Plattner der Stadt Potsdam geschenkt hat. Domus besucht in Mumbai das Design Museum Dharavi. Der Guardian stößt in Lima auf einen modernen Machu Picchu. Und: Maxim Biller verlässt das Literarische Quartett.

Ein Rausch, ein Glanz

16.01.2017. Einen großen Menschheitstext erkennt die Nachtkritik in Elfriede Jelinkes Mode-Stück "Das Licht im Kasten (Straße? Stadt? Nicht mit mir!)", das Kant mit Roland Barthes und Gisele Bündchen verbindet. Schließlich trug sie ja auch Chanel, als sie die KPÖ verließ, weiß die SZ. Jörg Widmanns Oratorium "Arche" versöhnt die Kritiker jetzt auch mit der Akustik der Elbphilharmonie, vor allem in Block E. Die NZZ huldigt den poetischen Interventionen des Architekten Zhang Ke in Pekings altem Hutong-Viertel. Der Freitag begutachtet am Rande Berlins Mufs und Superspaces.

Die Seichtigkeit der eigenen Träume

14.01.2017. Richard Prince sprengt mit einem geklauten Foto von Ivanka Trump die Grenzen der Konzeptkunst. Spektrum geht in Surinam Raupen sammeln mit der vor 300 Jahren gestorbenen Forscherin Maria Sibylla Merian. Tell setzt die Debatte um die neue Ich-Literatur fort. Die Feuilletons feiern die Indieband The xx. Nur die SZ gruselt sich.

Flüge durch Wurmlöcher

13.01.2017. Die Kritiker spitzen in der Elbphilharmonie die Ohren und diskutieren die Akustik: Grandios (SZ)! Gnadenlos (taz)! Nachbesserungsbedürftig (FAZ)! Die SZ erzählt die unwahrscheinliche Erfolgsgeschichte des Theaterstücks "Clean City" über fünf Putzfrauen in Athen. Und Otto Freundlichs Skulptur "Der neue Mensch", Aushängeschild der NS-Propaganda gegen "Entartete Kunst", wurde von den Nazis gefälscht, erfährt die FAZ.

Diätischer Klassizismus

12.01.2017. Die FR blickt den gnadenlosen Erben Caravaggios ins kalte Auge. Raphaël Merlin vom Ensemble Quatuor ­Ebène schildert in der Zeit die Gefahren, die von Bratschistinnen ausgehen. Die Welt hört es in der Elbphilharmonie krachen. Die FAZ verteidigt das fiktionale Erzählen. In der NZZ muss sich Milo Rau gegen den Vorwurf kleinbürgerlicher Skandallust wehren.

Und ich gehe schon wieder in die Kirche

11.01.2017. Heute Abend wird die Elbphilharmonie eröffnet. Etwas beklommen verspürt die SZ in Hamburg eine Stimmung wie im Wirtschaftswunder. Auf ZeitOnline schlägt sich Ann Cotten recht tapfer durch den amerikanischen Bible Belt. Ebenfalls auf ZeitOnline beklagt die Regisseurin Julia von Hein die eskapistische Tristesse öffentlich-rechtlichen Filmemachens. Die FAZ blickt mit Josh Kline in Turin in ein unfreundliches Morgen.

Jenes Reich der Zwänge

10.01.2017. Trotz aller Golden Globes: Zum deutschen Kinostarts kommt Damien Chazelles "La La Land" bei den Kritiker nicht gut an: Critic.de erschrickt gar über die strenge Miene, mit der hier zum Exzess angehalten wird. Die SZ wünscht sich mehr Musik-Nerds unter Mädchen. Keine gehuldigten Herrscher, sondern hilflose Helden erlebt die FAZ bei den Händel-Aufführungen in Mannheim und Frankfurt. Im Guardian empfiehlt Jonathan Jones statt eines Museumsstreiks gegen Donald Trump eine Pause im Reality-TV.

Es gab einen Urknall

09.01.2017. Die Nachtkritik lernt in René Polleschs Zürcher Hippie-Zirkusstück "High (Du weißt wovon)", warum die Menschen nicht mehr ganz dicht beieinander sind. Wieviel Fiktion verträgt die Gegenwart?, fragen Welt und FAZ. Ist Kunst überhaupt noch kritisch oder schon ein Ornament der Macht, fragt die FAS. Die SZ erinnert daran, wie aus der Avantgarde Agit-Pop wurde.

How can you not benutz it?

07.01.2017. Die Welt fragt, warum der auf Slowenisch schreibende Autor Florjan Lipuš nicht den Österreichischen Staatspreis erhalten darf. Der Standard empfiehlt Kunstkäufern, in ihrer Anlagestrategie die Preisentwicklung des Feminismus zu berücksichtigen. Die taz lässt sich von der israelischen Performerin Orit Nahmias daran erinnern, dass Therapien von Krankenkassen bezahlt werden. Und in der NZZ verbreitet Kent Nagano Vorfreude auf das Eröffnungskonzert der Hamburger Elbphilharmonie in der kommenden Woche.