Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Im Tal wollte ich zu den Pflanzen gehören

19.08.2017. Die Welt ruft nach einem Besuch in der Bremer Kunsthalle in Richtung Berlin: So geht man mit Kolonialgeschichte um! Mit Colson Whitehead schaut sie hinter die Klischees in der Geschichte der amerikanischen Sklaverei. Einen kleinen Skandal gab's bei den Salzburger Festspielen schließlich doch noch: Athina Rachel Tsangaris "Lulu" wurde ausgebuht, die Kritiker wissen warum. In der SZ erklärt Virginie Despentes, warum sie nicht Frankreichs neuer Balzac sein will. Die NZZ entdeckt Mailand als Hotspot elektronisch-experimenteller Musik und fragt: Was ist aus den Pionieren der Neuen Deutschen Welle geworden? Und die taz lernt, wie man illegale Partys im Iran organisiert.

Bloßes Rauschen

18.08.2017. In der SZ erzählt der aus Vietnam stammende US-Autor Viet Thanh Nguyen, wie ihn "Apocalypse Now" traumatisiert hat. Deutscher Humor steckt noch in den Sechzigern fest, meint die Zeit mit Blick auf aktuelle Filmkomödien. Eine Dokumentation über Robert Doisneau lüftet das Geheimnis des Kuss-Fotos, melden Tagesspiegel und art-Magazin. In der New York Times lauscht David Lynch dem Klang von Elektrizität. Und die NZZ besucht die Tankstelle der Zukunft.

Mit Kraft und und großer Lautstärke

17.08.2017. Die NZZ feiert das Volumen der Tänzerin Eugénie Rebetez. Außerdem weiß sie, wer die Rechte an Georges Simenon bekommen hat. Die SZ freut sich, dass Soundcloud doch nicht dicht macht. Der Tagesspiegel besucht Theaterfestivals in Osteuropa. Im Standard praktiziert der Bildhauer Andreas Lolis Liebe mit einem Stein.

Fein, fließend und im Detail aufwendig

16.08.2017. Die Longlist für den Buchpreis kann die Kritiker nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Die NZZ ruft das Ende der Fotografie aus. Außerdem erzählt die senegalesische Autorin Ken Bugul in der NZZ von der Subversion der Schreibens. In der SZ spricht Wang Bing über seine Arbeit als Underground-Filmemacher in China. In der FAZ ruft Matthias Sauerbruch den Freunden von Schinkels Bauakademie zu: "Die Kunst ist überhaupt nichts, wenn sie nicht neu ist."

Alle sind im Widerstand

15.08.2017. In seiner Reihe zum türkischen Kino beschreibt der Filmdienst, wie die nationalen Filmfestivals als kritische Plattform ausgeschaltet wurden. Die FAZ verteidigt Adam Szymczyks Recht, eine schlechte Documenta zu kuratieren. Die Berliner Zeitung versinkt beim Berliner Tanz im August in einem Laughing Hole. Die Spex sucht Wut und Widerstand in der Kunst, nur Andreas Spechtl sucht einen Gegner. Und der Tagesspiegel erlebt im Dach der Philharmonie ein Gummistöpsel-Wunder.

Hauptsache très chic

14.08.2017. In der SZ sorgt sich Stuttgarts Schauspielintendant Jossi Wieler um den von den russischen Behörden drangsalierten Regisseur Kirill Serebrennikow. Euphorisch resümieren die Kritiker das Filmfestival von Locarno, das mit Goldenen Leoparden für Wang Bings Dokumentation "Mrs. Fang" zu Ende ging. In der FAS ächzt Zadie Smith über linke Debattenkultur. Die Welt erkennt die Schönheit einsamer tanzender Trinker in der österreichischen Fotografie. Der Tagesspiegel bewundert Speed und Spirit der eklektizistischen Kinshasa Collection. Im Perlentaucher betrauert Thekla Dannenberg Maigrets Verschwinden vom deutschen Buchmarkt.

Seien Sie nicht so enigmatisch!

12.08.2017. Bei Dezeen staunt die Kostümbildnerin Ane Crabtree, dass ihre Kostüme für "The Handmaid's Tale" selbst in Polen von der Frauenbewegung aufgegriffen werden. In der Welt erzählt der Schriftsteller Viet Thanh Nguyen, wie er Amerikaner wurde, um die amerikanische Erzählung zu verändern. Art Magazin porträtiert den niederländischen Künstler und Werber Erik Kessels. In der NZZ erklärt der Intendant des Lucerne Festivals Michael Haefliger das Motto dieses Sommers: Identität. In Locarno ducken sich die Filmkritiker vor den heute kommenden Leoparden.

Nichts für Träumer

11.08.2017. Der Tagesspiegel feiert die AK-47-Porträts des Künstlers Zhang Dali. In der SZ protestiert ZKM-Direktor Peter Weibel gegen religiöse Kacheln von Markus Lüpertz in der U-Bahn. In Deutschlandfunk Kultur antwortet Bazon Brock auf den Perlentaucher-Essay von Wolfgang Ullrich. Die taz erklärt, wie man sich a la Kizobazoba kleidet. Die FAZ denkt in Thomas Arslans Roadmovie "Helle Nächte" über Charaktere und Daten nach.

Polyfonie der Assoziationen

10.08.2017. Die Musikkritiker lassen sich in Salzburg von William Kentridges Inszenierung des "Wozzeck" überfordern. Die Filmkritiker staunen in Locarno über Jürgen Vogel als Ötzi. In der Zeit erklärt die Autorin Virginie Despentes, warum sie es nach einer Vergewaltigung befreiend fand, als Prostituierte zu arbeiten. Die Welt geht vor den Leuchtkastenbildern Rodney Grahams in die Knie.  Die SZ hört bei den  Musiktagen in Hitzacker ein wildes Stück von Rebecca Saunders.

Wumm, die Luft ist weg

09.08.2017. Im taz-Interview verzweifelt der georgische Schriftsteller Zaza Burchuladze an der Dummheit der Orthodoxie. Außerdem bewundert die taz Roberto Burle Marx' Gärten der tropischen Moderne. Die FAZ bewundert den Individualismus in der iranischen Literatenszene. Im NYRB Daily lernt von Barrie Kosky, dass auch die Schönheit nicht über der Gerechtigkeit steht. Und der Tagesspiegel übt mit dem chinesischen Sheng-Musiker Wu Wei die Flatterzunge.