Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Kreuzfeuer, 40 Sekunden lang, völlig irre

23.06.2018. In der NZZ beklagt der Schriftsteller Chalid al-Chamissi das Grau der Repression, unter dem sogar der ägyptische Humor erdrückt wird. In der taz erklärt die Künstlerin Patricia Belli, wie die Sandinisten gerade ihre letzte Verbundenheit verspielten. Mehr als bizarr findet die SZ, wie sich Mariette Rissenbeek als Geschäftsführerin der Berlinale suchte und fand. Außerdem feiert sie Kamasi Washingtons dyadisch spirituelles Protestalbum "Heaven & Earth". Und die Welt wünscht sich wieder etwas mehr Pepp im Literarischen Quartett.

Interesse an einer strengen Form

22.06.2018. In der SZ erklärt Museumsdirektor Eicke Schmidt, warum der Bildhauer Fritz König in die Uffizien gehört. Der Freitag denkt über eine Revision der deutschen Filmförderung nach, die nicht gegen EU-Recht verstößt. Die FAZ hört politischen Jazz von Kamasi Washington.

Anti-Dercon

21.06.2018. Die Filmkritiker sind einstimmig begeistert vom mutmaßlich neuen Berlinaleleiter Carlo Chatrian, der in Deutschland keine falschen Freunde habe. Einig sind sie sich auch mit Werner Herzog in der Wertschätzug für die chinesisch-amerikanische Filmregisseurin Chloé Zhao. Man kann selbst in Israel ganz wunderbar unpolitisch schreiben, versichert David Grossman im Tagesspiegel. Simon Rattle hat sich aus Berlin mit Mahlers Sechster verabschiedet: Reine Klanglust hörte der Tagesspiegel und wartet jetzt auf den musikalischen Höllensturz Kirill Petrenkos.

Der Tanz ist in den Shifts

20.06.2018. Offiziell wird der neue Berlinale-Chef erst am Freitag bekannt gegeben, inoffziell sind IndieWire und Tagesspiegel schon ganz glücklich mit der wahrscheinlichen Entscheidung für Carlo Chatrian, bisher Chef des Festivals von Locarno. In der taz erklärt die Choreografin Meg Stuart die Energiewende im Tanztheater. Die SZ erlebt in Paris die Befreiung der Architektur durch Junya Ishigami. Und der Standard lernt von Beyoncé und Jay-Z, dass auch Musik vor Geld stinken kann.

Nur mit etwas zu viel Wobble

19.06.2018. Die SZ erkundet in Frankfurt mit Lucian Freud und Frank Auerbach das im Fleisch verborgene Individuum. Der Guardian versucht Christos Grabpyramide im Hyde Park zu enträtseln. In der Jungen Welt nimmt sich Anke Stelling die Platzhirsche der Debattenkultur vor. In der FR spricht Linn Ullmann über 10.000 Tonnen Zement, die auf ihr lasten. Und die NZZ feiert Harry Kupfers Berliner "Macbeth"-Inszenierung mit Anna Netrebko und Plácido Domingo als Sternstunde der Oper.

Zum Mitsingen und Mitklatschen

18.06.2018. In Berlin tagte der große Kongress zur Zukunft der Volksbühne, und die Kritiker erleben wie selten Theater als Wunscherfüllungsmaschinerie. In der NZZ erklärt Teju Cole, wie ein Netzwerk aussieht, das nicht Cyber ist. In der Zeit ruft Tina Uebel: Die politische Korrektheit ist aus dem Ruder gelaufen. Der Standard versucht, sich nicht beim Blick auf Lena Henkes Bilder ertappen zu lassen. FAZ und taz ärgern sich über die Entscheidung der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft, das Verfahren gegen Farid Bang und Kollegah einzustellen.

Die Tauben auf dem Campus füttern

16.06.2018. Die NZZ taumelt - beseelt von der Manifesta - im Konfettiregen durch Palermo. Das Böse im amerikanischen Kino gewinnt wieder an Kraft, stellt der Standard mit Blick auf Ari Asters Horrorfilm "Hereditary" fest. Die Berliner Zeitung huldigt der ruppigen Poesie Valie Exports. Zum Bloomsday sucht die SZ den gelehrten und hinreißend schrulligen Joyce-Herausgeber John Kidd. Und große Trauer herrscht in allen Feuilletons um den großen Entzauberer Dieter Wellershoff.

Ganz neue Dichter bauen

15.06.2018. Klaus Dörr bleibt bis 2020 Interimschef der Volksbühne. In der Stuttgarter Zeitung spricht er über weitere Pläne. Der Tagesspiegel erfreut sich mit Luigi Ghirri an der Vergnügungssucht im Nachkriegsitalien und feiert Kindergeburtstag mit Iron Maiden und Winston Churchill. Die FAZ durchschaut Steve Bannons Agitprop in Rotterdam. Und die NZZ spielt mit einem Playmobil-Fontane.

Essenzielle Irritation der Seele

14.06.2018. Im Guardian erklärt Jürgen Teller, weshalb seine derzeit in Moskau gezeigte Fußball-Ausstellung von den Russen für Kinder verboten wurde. Die SZ staunt, wie gelassen die Kunstszene in Istanbul mit Erdogan umgeht. In der Welt schimpft der Architekt Rob Krier über Baukriminalität im modernen Städtebau. Im Logbuch Suhrkamp setzt Svenja Leiber die Literatur der Minoritäten gegen die Normierungssucht durch Sprachregeln. Und der Standard erlebt mit Zeal & Ardor, wie gut Black Metal und Gospel zusammen funktionieren.

Grünlich erbleichte Zuschauer-Kohorten

13.06.2018. Die SZ blickt auf die Arbeit der Gruppe Forensic Oceanography, die für die Biennale Manifesta in Palermo den Fall um das Rettungssschiff Juventa rekonstruiert. Die NZZ wagt sich bei der Art Basel auf ein subversives Champagnerfrühstück. Die New York Times wirft einen ziemlich kritischen Blick auf die Berlin Biennale. Die taz verneigt sich vor dem italienischen Theatermacher Roberto Ciulli und seinen roten Clowns. Die FAZ bekommt beim Bachfest in Leipzig etwas zu viel tröstliche Wärme.