Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Die skandalöse Realität der aktuellen Popkultur

26.04.2018. In der Zeit erklärt Thea Dorn, warum Kulturpatriotismus links ist. Bilder einer zerbrochenen Männlichkeit findet die Berliner Zeitung in Lynne Ramsays Film über einen traumatisierten Auftragskiller, "A Beautiful Day". Die NZZ studiert den Einfluss afrikanischer Kunst auf die europäische Avantgarde am Beispiel Karl Schmidt-Rotluffs. Die Musikkritiker sind zufrieden, dass der Echo abgeschafft wird. Das Zeit Magazin unterhält sich mit dem Klaus Kinski des Designs, Luigi Colani.

Der Kuss ist eben der Kuss

25.04.2018. Der Guardian erlebt, wie Rodin im British Museum von griechischen Göttinnen deklassiert wird. Die SZ geißelt anlässlich der Hamburger Ausstellung "Mobile Welten" Kuratoren-Klimbim und schamanistisches Kulturerspüren. Außerdem diskutiert sie den Feminismus im Pop. Die NZZ stellt auf der Mailänder Möbelmesse fest, dass Luxus einfach nicht nachhaltig sein kann. Der Freitag erinnert an Versuche in der alten Bundesrepublik, einen literarischen Schutzwall gegen Anna Seghers zu errichten. 

Plötzlich liegt da ein Brocken Käse

24.04.2018. Der Standard erlebt im Kunsthaus Bregenz, wie Mika Rottenberg Männer gebären lässt, allerdings keine Kinder. Die taz entdeckt im Berliner Gropiusbau die Videos der kubanischen Künstlerin Ana Mendieta. Die NZZ sieht in der Zürcher Greencity die Architektur in die Knie gezwungen. Die SZ huldigt dem Krächzevogel. Die Berliner Zeitung warnt davor, die Zukunft der Volksbühne einem Verwaltungsfunktionär zu überlassen.

Bebender, sehnender Gesamtzweifel

23.04.2018. Die taz erlebt beim Theaterfestival Radical in München, wie Schauspieler, Regisseure und Performer die Rollen wechseln. Außerdem lernt sie den neuen Pragmatismus der Dokumentarfilm-Kollektive kennen. Dass der Eklat bei der Tabori-Inszenierung in Konstanz ausblieb, lässt die SZ aufatmen.  Der Hip-Hopper Ben Salomo kündigt in der FAS an, den Battle-Rap zu verlassen, der so antisemitisch sei wie Rechtsrock.

Es scheppert, witzelt und knallt an allen Ecken

21.04.2018. In der FAZ lässt Helmut Krausser weder am deutschen Literaturkanon noch an der Gegenwartsliteratur ein gutes Haar: Belanglos und gaga. In der Welt geißelt Rainer Moritz die Literaturverlage, die das Lesen als Vanille-Eis für die Seele anpreisen. Die SZ schlendert geschockt über die Mailänder Möbelmesse: überall Farben, Konfetti, Lebensfreude! Die Musikkritiker streiten über Antisemitismus und Homophobie im Rap und im Dancehall.

Genug Worte gesammelt

20.04.2018. Im Freitext erzählt die in Petersburg geborene Schriftstellerin Lena Gorelik, wie sie sich das Deutsche eroberte. Im Dlf Kultur wirbt Jörg Buttgereit für die Unterstützung des Videodroms, einer der schönsten, besten und engagiertesten Videotheken hierzulande. Die Plattenfirma BMG will jetzt doch nicht mehr mit ihren Goldeseln Kollegah und Farid Bang weiterarbeiten. Pffft, denkt dazu Jens Balzer in der Zeit. Die NZZ feiert das dunkle Stimm-Metall des Countertenors Max Emanuel Cencic.

Was für ein Licht!

19.04.2018. Zum Echo äußert sich jetzt auch das Label der Rapper, Bertelsmanns BMG: Was wollt ihr denn? Läuft doch! Die nachtkritik fragt, warum sich alle über Dercon streiten, wo das Land doch nach rechts driftet. Schafft die Schwedische Akademie ab, ruft die NZZ. Die Filmkritiker liegen Greta Gerwigs "Lady Bird" zu Füßen. Die SZ  feiert eine Bremer Ausstellung niederländischer Malerei aus der Sammlung Schünemann. In der Zeit erklärt Ingrid Mössinger, wie man erfolgreich ein Museum leitet: Man muss sein Publikum kennen.

Antike würde ich machen

18.04.2018. In der Berliner Zeitung erinnert Volksbühnen-Interimschef Klaus Doerr daran, dass außer Chris Dercon keiner die Castorf-Nachfolge hatte antreten wollen. Regisseur Ersan Montag hat sich jetzt gemeldet: Volksbühne wär ok für ihn, oder sonst die Schaubühne? Die Welt betrachtet Claude Monets "effets". Und der Zivilcourage-Tsunami schwillt an mit weiteren Echo-Rückgaben und Protest-Notizen.

Man sieht Fleisch, Fleisch, Fleisch

17.04.2018. In der NZZ erklärt die Schriftstellerin Rachel Cusk das Baumaterial ihrer Romane. Die Welt schwelgt in den Körpern von Delacroix. Pop-Veteran Klaus Voormann erklärt, warum er seinen Echo zurückgegeben hat. Zu spät, findet der Tagesspiegel. Und auch die Dercon-Debatte schwelt weiter: Klaus Lederer weist alle Schuld von sich, critic.de staunt über die Selbstgerechtigkeit der Berliner Kulturszene. Der war Dercon wohl nicht männlich genug, spottet Zeit online.

Was Neues, mit Tradition

16.04.2018. Der Standard staunt über den Jazz von Andrea Breths Eugene-O'Neill-Inszenierung "Eines langen Tages Reise in die Nacht" an der Burg. Die Berliner Kritiker streiten noch ein bisschen über die Volksbühne. Wie man Prozesse neu denken kann, lernt die taz in Paris von dem japanischen Architekten Junya Ishigami. Die Welt verteidigt die viel kritisierten Deutschrapper Kollegah und Farid Bang: Ist doch alles nicht so gemeint mit dem Antisemitismus und der Misogynie. Die Rechten können jetzt auch Ironie im Design, erkennt der Standard. Die Filmkritiker trauern um Milos Forman.