Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.09.2026. An der Deutschen Oper erleben die Kritiker in Karlheinz Stockhausens Oper "Mittwoch aus Licht" esoterischen Wahn samt Streichquartett in fliegenden Helikoptern. Im Gropius Bau entdecken die Kritiker migrantische Kunst, die seit den 1960er-Jahren entschieden die Kreuzberger Szene mitprägt. Auf dem Filmfestival Toronto kann die FAZ die Bruchlinien sehen, die sich zwischen chinesischem, amerikanischem und europäischem Kino auftun. Die Posener Synagoge verfällt, obwohl sie ein bedeutender Erinnerungsort ist, klagt die Kulturhistorikerin Agnieszka Pufelska in der NZZ.
19.09.2026. Die Theaterkritiker erleben einen ziemlich sanften Frank Castorf in dessen "Mephisto"-Inszenierung am Berliner Ensemble. Der Dokufilm "Musk" wird wohl außerhalb der USA erstmal nicht ins Kino kommen, Elon Musk macht Druck, weiß die FAZ. Die SZ dankt dem Zahnarzt Uwe Neumann für die Rettung der Kunsthalle Rostock. Musikkritik ist nicht tot, beruhigt die taz. Literatur ist keine Brücke, sondern eine Leiter in unsere Abgründe, meint in der FAZ der Lyriker Tadeusz Dąbrowski. Und die FAS schläft einen ganzen Tag im Pokéball.
18.09.2026. Mit zwölf Jahren Verspätung ist die 1,5 Milliarden teure Sanierung des Schauspiels Köln fertig: Dafür kann man jetzt in akustisch optimierten Sesseln sitzen, staunt die SZ. Die taz geht in Bonn über die zeitgenössische Brücke, die die Malerin Chunqing Huang zu August Macke schlägt. Die Theaterkritiker lauschen überwältigt dem Fauchen der 48-fach geteilten Streicher in Barrie Koskys Inszenierung von Aribert Reimanns Oper "Lear". Und BackstageClassical fragt sich, welchen Einfluss öffentlich-rechtlicher Sender wie ZDF und Arte mit Medienproduktionen auf den Klassik- und Opernbetrieb haben.
17.09.2026. Der 7. Oktober war ein "abgebrochener Holocaust-Versuch", sagt Maxim Biller in der Zeit. Ebenda erklärt Naomi Beckwith, neue künstlerische Leiterin der Documenta, wie sie mit dem Antisemitismusproblem in der Kunst umgehen will. Angesichts der Affäre um Ed Sheeran und den Rapper Macklemore fragen sich die Zeitungen, ob überhaupt noch eine Veranstaltung ohne politischen Bekenntniszwang möglich ist. Die FAZ blickt außerdem im Städel auf tausend Jahre Maria Magdalena. Und der Perlentaucher bewundert, wie empathisch Marie Kreutzer von Kindesmissbrauch erzählt.
16.09.2026. Die Welt erkennt in Paris, dass Tintoretto auch in bescheidenen Formaten das ganz große Spektakel liebte. Die FR sammelt in Frankfurt mit Bildern der Künstlerin Amiel Bashier Kraft zum Kampf für die Freiheit von Frauen. Die FAZ erinnert die israelische Regierung mit Blick auf Yuval Abrahams und Rachel Szors "Naza" daran, dass der IDF eine demokratische Armee ist. VAN wünscht sich nach dem Musikfest Berlin, öfter Werke von Vladimir Jurowski zu hören.
15.09.2026. critic.de birgt in Venedig einen frisch geschliffenen Diamanten mit Lav Diaz' Film über spanischen Kolonialismus auf den Philippinen. Israels Kulturminister Miki Zohar will Yuval Abraham und Rachel Szor wegen ihres Films "Naza" die israelische Staatsbürgerschaft entziehen, und Ulf Poschardt applaudiert, notiert die SZ. Die FAZ blendet die Splattermovies in Matthew Wilds Inszenierung der Tschaikowski-Oper "Mazeppa" in Frankfurt aus - und erliegt der betörenden Musik. In der SZ plädiert die Architektin Almut Grüntuch-Ernst für mehr "Hortitecture".
14.09.2026. May el-Toukhy gewinnt in Venedig den Goldenen Löwen: Die Kritiker sind uneins über diese Auszeichnung. Insgesamt sind die Zeitungen mit dieser Ausgabe des Festivals aber sehr zufrieden. Jan-Christoph Gockels Inszenierung des "Schwejk"-Stoffes am Schauspiel Frankfurt ist für die Feuilletons der helle Wahnsinn. Die Zeit gerät beim Pariser Celine-Dion-Konzert ins Schwärmen. Der Tagesspiegel lernt auf der Kunstmesse Positions Ramazan Cans Werk kennen, das die Lebensweise der Nomaden mit modernem Neon verbindet.
12.09.2026. Die FAZ dokumentiert einen Briefwechsel zwischen der Dichterin Esther Kinsky und einer Sheba genannten afghanischen Autorin, die Kinsky die Tradition der paschtunischen Landay-Dichtung erklärt. Die taz betrachtet in der Kunsthalle Gießen kongolesisch-deutsche Kunst der Verwandlung von DUO. In der FAS kritisiert Volker Kutscher den verschwörungstheoretischen Umgang der ARD-Serie "Babylon Berlin" mit historischen Fakten seiner Romanvorlage. nachtkritik überlegt, wie die Berliner Bühnen in Zeiten einer Rekordverschuldung Berlins zu retten sind. War Chopin schwul, fragt die FAZ, und wenn ja, ist das zu hören?
11.09.2026. Gerhard Richter bekommt einen eigenen Pavillon in Qatar, meldet Monopol: Der einzig richtige Ort, findet er. In der FR erzählt der Regisseur Jan-Christoph Gockel von seinen Gesprächen mit russischen Soldaten, in denen doch noch ein Gewissen zu schlummern scheint. Dass Yuval Abrahams und Rachel Szors Film "Naza", in dem IDF-Ehemalige über den Gazakrieg sprechen, im Wettbewerb in Venedig gezeigt wird, schadet dem Festival, findet Zeit Online. Die FAZ tankt ein wenig Restenergie mit Franz Marc in Düsseldorf.
10.09.2026. Die Zeit schießt mit einer sehr zornigen Niki de Saint Phalle in Düsseldorf auf Eier und Spaghetti. Die Welt lässt sich in Berlin von Maurizio Cattelan an humanitäre Katastrophen erinnern. Erste Bewerbungen werden durch den Erfolg der AfD zurückgezogen, erzählt das Leitungsteam des Theaters Magdeburg in der SZ. Von einem Porno kaum noch zu unterscheiden, winkt die FR in Venedig mit Blick auf das Finale von Ilya Khrzhanovskys "Dau"-Projekt ab. Und die taz sieht Caroline Wahl als Vorreiterin einer neuen Popliteratur.