Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Der illusionslose Blick des Expressionisten

22.02.2017. Die FAZ fragt, ob eigentlich auch Frauenbünde im Opernbetrieb funktionieren würden. Die SZ zeichnet den Architekten, der auf sein Recht besteht, als tragischen Helden. Der Standard erschauert vor der entblößten Wahrheit in den Zeichnungen Egon Schieles. Der Tagesspiegel sinniert nach Peter Bergs Dokudrama-Thriller "Boston" über die innere Leere nach einem Terroranschlag. Die taz fragt, ob das deutsche Kino jemals einen Film mit dem Titel "Breitscheidplatz" zuwege brächte.

Es geht nicht ums Auserzählen

21.02.2017. Packend, kraftvoll und wild finden NZZ und Tagesspiegel Andrea Scartazzinis Oper über den taumelnden König "Edward II". Der Standard bewundert die Ballerina Rebecca Horner. Die taz feiert die kanadische Bildhauerin Liz Magor. Die Welt stürzt sich mit Walt Whitman ins vibrierende New York. Die Zeit führt vor, wie von Trollen inspirierte Musik klingt.

Die Kämpfe nahen

20.02.2017. Nichts einzuwenden haben die Kritiker gegen den Goldenen Bären für Ildikó Edyenis "On Body and Soul". Und selbst etwas lauwarm resümieren sie eine Berlinale, die im Guten wie im Schlechten wenig Grund zur Aufregung bot. Schlichtweg umwerfend findet der Tagesspiegel György Ligetis von den Berliner Philharmonikern aufgeführte Oper "Le Grand Macabre". Am Wochenende hatte außerdem Ersan Mondtags "Ödipus und Antigone" am Maxim-Gorki-Theater Premiere: Die Berliner Zeitung sah ein erschlafftes Bürgertum seiner Abschaffung entgegentrippeln.

Wir selbst sind das Medium

18.02.2017. Die Feuilletons nehmen Abschied vom großen griechischen Künstler Jannis Kounellis. Die Welt erklärt, was an dem filmischen Dokument von Marcel Proust so aufregend ist. Die FAZ erlebt mit Philip Tiedemanns Inszenierung von Heiner Müllers "Herzstück" im Berliner Ensemble einen vergnüglichen Abschiedsabend. Der Kurier verzweifelt an der Wiener Unfähigkeit zu spektakulärer moderner Architektur. Das Zeit Magazin entdeckt die Unterhose als Mittel des politischen Protests. Und A.V. Club meldet: Der heilige Gral der Nouvelle Vague ist bei Youtube aufgetaucht!

Es war wie die Geburt des Rock'n'Roll

17.02.2017. Unbedingt sehenswert findet der Tagesspiegel Denzel Washingtons Verfilmung von August Wilsons Theaterstück "Fences". Der Freitag rät dringend, den Film in der Originalversion zu sehen. Die NZZ erklärt, warum vom Schweizer Jahresetat für Literaturpreise gerade mal die Hälfte bei den Autoren ankommt. Brian Eno erzählt in Pitchfork, wie sein Album "Reflection" entstand. FAZ und NZZ erliegen in der Münchner Aufführung von Rossinis "Semiramide" dem berückenden Wohllaut der Mezzosopranistin Joyce DiDonato.

Minimalismus ist die Essenz

16.02.2017. Die Feuilletons erliegen einer atemberaubend angstfreien Isabelle Huppert in Paul Verhoevens Vergewaltigungsdrama "Elle". Volker Schlöndorffs "Rückkehr nach Montauk" stößt auf geteiltes Echo. Der Freitag lernt in der Germanistik kritisches Denken. Die FAZ filetiert mit Otto Dix in Düsseldorf die morbide Nachkriegsgesellschaft. Und das art-magazin analysiert die Gewalt der Geste in Medienbildern.

So beginnen die Farben zu leuchten.

15.02.2017. Auf der Berlinale reißt Aki Kaurismäkis Wettbewerbsfilm "Die andere Seite der Hoffnung" die Kritiker mit. Außerdem kommt Paul Verhoevens "Elle" mit Isabelle Huppert ins Kino, die FAZ geht in die Knie vor der Königin des europäischen Kinos. Im Guardian wünscht sich Edouard Louis ein bisschen Willkommenskultur auch in der Literatur. Die NZZ feiert die akrobatische Gesangskunst der Barbara Hannigan als Lulu in Hamburg.

Mit dem Bügeleisen auf Margarinewürfel

14.02.2017. In der SZ erklärt Andres Veiel Joseph Beuys zum Antipoden der RAF und der dogmatischen humorlosen Linken. Im Guardian wirft Wolfgang Tillmans einen letzten Blick auf den schwindenden pan-europäischen Geist. Die taz wünscht sich eine Stadt, die auch über die Bücher spricht, die sie liest. Und die Welt mokiert sich über die Grammy-Verleihung: handzahm wie DDR-Kabarett!

Hang zum Höheren

13.02.2017. Zum Abschied gab Claus Peymann Heinrich von Kleists "Prinz von Homburg": Die FAZ sah den Träumer und Rebellen zum harmlosen Schmerzensmännchen minimiert. Die Welt schluckt ausgerechnet von Peymann die Botschaft: In der Demut liegt die wahre Größe. Die taz lernt mit Milo Raus Zürcher Inszenierung "120 Tage von Sodom" dagegen, wie freundlich Grausamkeit daherkommen kann. Bei den Grammys wurde dagegen der Muttergöttin gehuldigt.

Mirakulöse Voix mixte

11.02.2017. Die Welt wird vor David Hockneys Doppelporträts zum Paartherapeuten. In der FAZ schreibt Zadie Smith über Balthasar Denners Gemälde "Alte Frau". In der Welt erklärt Nora Bossong den Zusammenhang von liebevollen Bärchen und geilen Ludern. Die Musikkritiker trauern um den schwedischen Tenor Nicolai Gedda