Perlentaucher-Autor

Ekkehard Knörer

Ekkehard Knörer, geboren 1971 im Fränkischen, hat Englisch, Deutsch, Philosophie und Kulturwissenschaften studiert. Promotion zu "Witz und Ingenium in Rhetorik und Poetik des 17. und 18. Jahrhunderts", danach Postdoktorand am Graduiertenkolleg "Figur des Dritten" in Konstanz. Ekkehard Knörer ist Kulturwissenschaftler, Film- und DVD-Kritiker, u.a. für die taz (Kolumne "dvdesk"), war von1998 bis 2008  Herausgeber des Internet-Magazins für Film & Kritik Jump Cut, ab 2008 Redakteur bei der Filmzeitschrift Cargo. Ab 2000 war er Mitarbeiter des Perlentauchers, Autor der Krimi-Kolumne "Mord & Ratschlag" und der Film-Kolumne "Im Kino". Seit Oktober 2011 ist Ekkehard Knörer Redakteur des Merkur.
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Akt der Trauer

Im Kino vom 13.06.2007 13.06.2007. "Buongiorno, notte", Marco Bellocchios Film über die Aldo-Moro-Entführung, ist eine komplexe Politerzählung aus dem Italien der späten siebziger Jahre. Eli Roths "Hostel 2" will schlitzen, ohne sich blutig zu machen.

Spielarten des Fun

Im Kino vom 06.06.2007 06.06.2007. "Ocean's 13", die zweite Fortsetzung des überflüssigen Remakes eines überflüssigen Films, ist ein lässiges Vergnügen. In Todd Verows Provinz-Drama "Vacationland" begegnet der Held in der Schwulenklappe ausgerechnet dem verhassten Französischlehrer.

Eine exemplarische Drecksau

Mord und Ratschlag vom 31.05.2007 31.05.2007. In Växjö wird eine Frau ermordet. Linda. Stockholm schickt ausgerechnet Evert Bäckstrom in das schwedische Provinznest, um den Buschsheriffs unter die Arme zu greifen. Mit "Mörderische Idylle" legt Leif GW Persson nicht nur eine guten Krimi vor, sondern auch das schreiend komische Porträt eines cleveren Kotzbrockens.

Kein Ausgang

Im Kino vom 30.05.2007 30.05.2007. David Fincher rekonstruiert so kühl wie obsessiv die wahre Geschichte des nie überführten Serienkillers "Zodiac". Bettina Blümner erkundet in "Prinzessinnenbad", was es heißt, heute in Kreuzberg 15 Jahre alt zu sein.

Sehenden Auges

Im Kino vom 18.05.2007 18.05.2007. Michael Caton-Jones' Ruanda-Drama "Shooting Dogs" will kein Meisterwerk sein, nur zeigen, was geschehen ist. In Gregory Hoblits "Das perfekte Verbrechen" geht es nicht um Rache oder Gerechtigkeit, sondern ums Rechthaben.

Realismus zweiter Ordnung

Im Kino vom 11.05.2007 11.05.2007. Paul Verhoevens Film "Black Book" zeigt uns die Mata Hari des niederländischen Widerstands. Das ist manchmal krude, manchmal geschmacklos, aber es geht völlig in Ordnung. Der gar nicht verschämte Rückgriff auf Thrillerklischees, erweist sich der Obszönität der Ereignisse als eigentümlich angemessen.

Hoffnungsloses Unglück in Bari

Mord und Ratschlag vom 07.05.2007 07.05.2007. In seinen Krimis lässt Gianrico Carofiglio, eigentlich Staatsanwalt in Bari, das Unglück ganz unspektakulär, aber "Im freien Fall" auf seine Figuren herniedersausen. Weiß der Himmel, woher sie noch die Kraft nehmen, dem Geld und der Macht zu trotzen.

Liebe, Luftkampf, Legendenbildung

Im Kino vom 02.05.2007 02.05.2007. Die Extreme des Kinos: Sam Raimis "Spider-Man 3" ist einer der teuersten Filme aller Zeiten und randvoll mit Liebe und Luftkampf. Kein Budget hatte der deutsche Regisseur Carsten Gebhardt für seinen Episodenfilm "Wochentage" - und macht das beste daraus.

Sublimer Schmarrn

Im Kino vom 25.04.2007 25.04.2007. In "Inland Empire" schickt David Lynch Laura Dern als Frau in Schwierigkeiten von Tür zu Tür und Realitätsebene zu Realitätsebene. Zhang Yimou begibt sich mit seinem opulenten Palast-Kammerspiel "Der Fluch der Goldenen Blume" ins historische China.

Verfolgende Unschuld

Im Kino vom 19.04.2007 19.04.2007. Mark Wahlberg entfacht in "Shooter" einen Guerillakrieg im amerikanischen Herzland. In "Slumming" werden der reiche Schnösel August Diehl und der dichtender Penner Paulus Manker in und um Wien zu besseren Menschen.

Frühjahr 2007

Bücher der Saison vom 19.04.2007 19.04.2007. Einen großen Auftritt haben in diesem Jahr die deutschen Erzähler und Erzählerinnen, und zwar quer durch alle Altersklassen. Wir begegnen verliebten Trollen in Schweden, erbarmungswürdigen Pechvögeln aus Dänemark, piemontesischen Schmugglern und abgestürzten bulgarischen Schriftstellern. Bei den Sachbüchern stechen vor allem die Reportagen und Essays zum Multikulturalismus von Ian Buruma und Amartya Sen hervor, aber auch Geschichtsbände zum Kalten Krieg und Preußen. Und die Kunst wird übersichtlich.

Dringend erlösungsbedürftig

Im Kino vom 10.04.2007 10.04.2007. Mit animalischem Geheul untermalt David in Bruno Dumonts jüngstem Film "Twentynine Palms" seinen Orgasmus. Aber er bleibt Selbstzitat. Ganz anders Robert Altman, der auch in seinem nachgelassenen Film "Last Radio Show" zur Sentimentalität unbegabt bleibt.

Mordswut

Mord und Ratschlag vom 14.03.2007 14.03.2007. Unerbittlich führt Kate Atkinson in "Liebesdienste" ihre Helden durch das Festivalgedränge von Edinburgh und ihrem Schicksal entgegen. Auf diesen Wegen wächst dann leider kein Gras mehr.

Berlinale 9. Tag

Außer Atem vom 17.02.2007 17.02.2007. Francois Ozon lässt in seinem Wettbewerbsfilm "Angel" Tränen zittern und Busen beben. Li Yus großartiger Wettbewerbsfilm "Lost in Beijing" erzählt von Kummer, Kränkung und Rache und hat mindestens den Goldenen Bären verdient. David Mackenzie lässt in seinem Wettbewerbsfilm "Hallam Foe" über den Dächern von Edinburgh die Liebe und sich selbst finden.
Eine Liste aller besprochenen Filme finden Sie hier.

Berlinale 8. Tag

Außer Atem vom 16.02.2007 16.02.2007. Jiri Menzels "Ich habe den englischen König bedient" nötigt uns, die Welt mit den Augen eines geldgierigen, sexistischen Narren zu sehen. Mit "Brand Upon the Brain" serviert Guy Maddins Gehirnnektar. In Jacques Rivettes Wettbewerbsfilm "Die Herzogin von Langeais" belagern sich Jeanne Balibar und Guillaume Depardieu fürsorglich in einem Krieg um Liebe. In Gregory Navas "Bordertown" ist Jennifer Lopez echt betroffen. In David Ondiceks "Grandhotel" gibt's die schönste Liebeserklärung des Festivals.
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Berlinale 7. Tag

Außer Atem vom 15.02.2007 15.02.2007. In Zhang Lus "Desert Dream" ist die mongolische Steppe sehr weit und leer, hin und wieder erklingen nordkoreanische Volkslieder. Zack Snyders Comic-Verfilmung "300" ist nicht der schlechteste Film der Welt - aber nahe dran. Olivier Meyrous besucht für "Celebration" das gespenstische Haus Saint Laurent.
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Berlinale 6. Tag

Außer Atem vom 14.02.2007 14.02.2007. Christian Petzolds Wettbewerbsfilm "Yella" zeigt Risse - und einen Minimalismus der Mundwinkel. In Joseph Cedars Wettbewerbsfilm "Beaufort" wird nicht nur eine Festung mürbe gemacht. In "Das Haus der Lerchen" erzählen die Brüder Taviani vom türkischen Völkermord an den Armeniern. Sam Gabarskis "Irina Palm" erobert Marianne Faithfull im Blümchenkittel die Londoner Sex Worlds. Kazuhiro Soda zeigt in "Campaign", wie japanische Politik funktioniert. Frederick Wiseman zeigt in "State Legislature", wie amerikanische Politik funktioniert.
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Berlinale 5. Tag

Außer Atem vom 13.02.2007 13.02.2007. Hal Hartleys "Fay Grim" treibt seinen Plot ziemlich intelligent in haarsträubende Höhen. Ariel Rotters Wettbewerbsfilm "Der Andere" zeigt Argentiniens neue Langsamkeit. Yau Nai Hois "Eye in the Sky" macht einen gruseln. In Richard Eyres "Notes on a Scandal" brilliert Judi Dench als unterberührte Liebesterroristin. Angela Schanelecs "Nachmittag" zeigt uns die unerträgliche Schwere des Seins. Thomas Arslans "Ferien" ist sehr uckermärkisch.
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Berlinale 4. Tag

Außer Atem vom 12.02.2007 12.02.2007. In Andre Techines Wettbewerbsfilm "Die Zeugen" erschüttern Liebe, Begehren - und Aids. Ryan Esslingers Wettbewerbsfilm "When a Man Falls in the Forest" zeigt, warum Hollywood deutsches Geld für dumm hält. In Clint Eastwoods "Letters from Iwo Jima" wird militärisch sinnlos, politisch verwerflich, aber sehr heroisch fürs japanische Vaterland gestorben. Jeff Garlins Film über John Waters "This Filthy World" präsentiert ein wunderbar jugendgefährdendes Programm.
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Berlinale 3. Tag

Außer Atem vom 11.02.2007 11.02.2007. Saverio Costanzas Wettbewerbsfilm "In memoria di me" führt uns ins Kloster und auf eine falsche Spur. In Stefan Ruzowitzkys Wettbewerbsfilm "Die Fälscher" müssen KZ-Häftlinge für die Nazis Falschgeld herstellen. Hong Sang-soos "Woman on the Beach" ersetzt die falsche Obsession durch richtige Einbildung. Rodolphe Marconi zeigt einen Lagerfeld, der kein Problem hat mit Status, Privilegien und Glück. Ann-Kristin Reyels "Jagdhunde" zeigt Gespür für Talente und die Uckermark.
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Berlinale 2. Tag

Außer Atem vom 10.02.2007 10.02.2007. Robert de Niros Wettbewerbsfilm "The Good Shephard" zeigt einen vom Kalten Krieg erschaffenen Eisblock. Wang Quan'ans Wettbewerbsfilm "Tuyas Ehe" erzählt sehr lakonisch von einem Leben ohne Zukunft. Park Chan-wooks Wettbewerbsfilm "Ich bin ein Cyborg, aber das macht nichts" fragt erfrischend unclever nach dem Sinn der Existenz. Pascale Ferrans "Lady Chatterley" zeigt die größte Freiheit.
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Berlinale 1. Tag

Außer Atem vom 09.02.2007 09.02.2007. Maria Speths "Madonnen" müssen sehr genau und duldsam beobachtet werden. Für Steven Soderberghs Wettbewerbsfilm "The Good German" gab es Pfiffe. Cao Hamburgers Wettbewerbsfilm "Das Jahr, in dem meine Eltern im Urlaub waren" erschafft eine Idylle zur Zeit der brasilianischen Militärdiktatur. Bruce McDonalds Film "The Tracey Fragments" lässt keine Gehirnzelle frei. Olivier Dahans Eröffnungsfilm "La vie en rose" zeigt Edith Piaf zwischen Champagner und Morphium, Hofschranzen und Pflegern, Misere und Göttlichkeit.

Konsolidierung der Herrschaft

Außer Atem vom 08.02.2007 08.02.2007. Heute eröffnet Olivier Dahans Film "La vie en rose" die Berlinale, die Dieter Kosslick in seiner bisherigen Regentschaft zum kunterbunten Rummelplatz umgestaltet hat. Ein Ausblick auf die angewandte Sozialdemokratie im Wettbewerb und umwerfende Vielfalt, die den Filmfan in den Reihen Panorama und Forum erwartet.

Hass und Begehren

Mord und Ratschlag vom 07.02.2007 07.02.2007. John Harveys Krimis bieten keinen Trost, nur Aufklärung, die nichts besser, aber manches verständlich macht. In "Schrei nicht so laut" ermittelt erstmal der Inspector im Ruhestand Frank Elder.