Stichwort

Lars von Trier

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Herrenwitz des Narzissten

Im Kino 29.11.2018 […] Morden zur Geltung kommen, doch alles Mühen verstehen sie als Vergeudung an einer Welt im Niedergang. So potenzieren Selbst- und Weltekel einander wie in einem Spiegel. In einer Schlüsselszene in Lars von Triers neuem Film "The House That Jack Built" sitzt Jack (Matt Dillon) mit seinem bald 61. Opfer, einer jungen Frau (Riley Keough), die er verächtlich Simple nennt, auf dem Sofa. Als er ihre nackten Brüste […] öffnet sich. So bestätigt, greift Jack zum Küchenmesser und schneidet Simple die Brüste ab. Mit den ersten Blut- und Fettspritzern springt der Film gnädig zur nächsten Szene. Vieles von dem, was Lars von Triers Filme und seinen persönlichen Markenwert als Global Player des Autorenkinos ausmacht, kommt in diesen Minuten zusammen: Der schier endlose "build-up", bis die Gewalt sich endlich entlädt, das […] wird, wie Jack als Junge ein Entenküken misshandelt - auch wenn das Aufstöhnen im Kinosaal nicht zu überhören war. All das ist wohlkalkulierte Provokation. Wirklich verstörend ist hingegen, dass Lars von Trier mit diesem Film vorerst seinen Platz unter jenen jammerlappigen männlichen Künstlerbiografien einnimmt, die ihr Verhältnis zur untergangsgeweihten Welt nur noch im Sinne einer hyperästhetisierten […] Von Janis El-Bira, Lukas Foerster

Selbstportrait als Serienmörder

Im Kino 16.05.2018 […] ahnen wir schon, dass was hier anfängt nicht einfach nur ein neuer Killerfilm wird. Sondern das großangelegte Selbstportrait des Künstlers Lars von Trier, eine lange kreisende Poetik des Mordens. Foto: © Zentropa-Christian Geisnaes Ein neuer Lars-von-Trier-Film im Festival von Cannes, das ist dieses Jahr mehr denn je ein Politikum. Es ist erst sieben Jahre her, da wurde der dänische Regisseur […] die schön schrägen Streifen in der Nebenreihe "Un Certain Regard" versteckt werden: Dieser Eindruck will immer noch nicht weichen. Jedenfalls hat die nervige Frau aus der Eingangssequenz von Lars von Triers Film recht, Matt Dillon sieht verdammt nach Serienmörder aus. Gleichzeitig sieht er verdammt aus wie das alter Ego seines Regisseurs - nicht von der Physiognomie, aber von seiner Unbeirrtheit, […] Von Lutz Meier

Früher erotisch, heute neurotisch

Im Kino 15.10.2014 […] stellt sich in einer Christo-Verhüllung vor Reichstag und kitschig orangepinken Sonnenuntergang oder zerschneidet mit einem Messer ein Selbstbildnis und wirft es mit großer Geste in die Ostsee. Da Lars von Trier während seines Besuchs in Kopenhagen schweigt, sitzen die beiden stumm am Tisch und lesen Zeitung. In einer Pariser Galerie zeigt man ihm die Kopie einer Fotografie, die Robert Mapplethorpe von […] Distinguierung und elitärem Genuss. Vielmehr wird das Erhabenen permanent durch Ironie korrigiert. Friederike Horstmann Arteholic - Deutschland 2014 - Regie: Hermann Vaske - Mitwirkende: Udo Kier, Lars von Trier, Rosemarie Trockel, Udo Kittelmann - Laufzeit: 82 Minuten. --- Kaum ermessbares Leid ist den Frauen während des Genozids an den Armeniern widerfahren: Vergewaltigt, aus ihren Familien gezerrt […] Von Thomas Groh, Friederike Horstmann

Einparken kann sie tadellos: Lars von Triers "Nymphomaniac" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2014 […] Alle reden über die Sexszenen. Dabei zelebriert Lars von Triers "Nymphomaniac Volume I" das uneigentliche und metaphorische Sprechen über Sex mindestens so sehr wie den eigentlichen und explizit gezeigten Sex. Ein Tarkovsky-hafter Einstieg, Schwarzbild, man hört ein leichtes Brummen und Tröpfeln; erst nach einer Weile wird etwas sichtbar, die Kamera tastet dunkle Backsteinmauern ab, ein Lüftungsschacht […] vom Filmemacher zunächst in Sicherheit gewogen und dann – zack – doch erbeutet wird. Dazu später mehr. "Nymphomaniac Volume I" ist – nach "Antichrist" und "Melancholia" – als dritter Teil von Lars von Triers "Depressions-Trilogie" angelegt, und genau wie "Antichrist" führt der Film die Variation, vielleicht auch Perversion, eines therapeutischen Settings vor: ein Mann, eine Frau, und ihre Krankheit […] Metaphern sein kann, dass das Begehren etwas ist, dem man sich letztlich nur über Umwege und "uneigentliches" Sprechen nähern kann. Elena Meilicke Nymphomaniac Volume I (long version). Regie: Lars von Trier. Darsteller: Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgård, Stacy Martin, Shia LaBeouf. Dänemark / Deutschland / Frankreich / Belgien / Schweden 2013, 145 Minuten (Wettbewerb, alle Vorführtermine) […] Von Elena Meilicke

Leseprobe zu Matthias Göritz: Träumer und Sünder. Teil 2

Vorgeblättert 11.07.2013 […] sein Handy. Die Sekretärin. Er könne am Nachmittag kommen, so gegen zwei? Ins Mercure. Es sei leider etwas passiert, gestern bei der offiziellen Pressekonferenz, wie, er habe noch nichts gehört, Lars von Trier, ach so, ja, er hätte das in der Zeitung … unglücklich, wirklich sehr unglücklich, und der Produzent wäre angegriffen deswegen, er möge das mit einkalkulieren bei ihrem Gespräch, nicht zu lang […]

Leseprobe zu Matthias Göritz: Träumer und Sünder. Teil 3

Vorgeblättert 11.07.2013 […] Schleimhaut zusammen, schüttelte der Interviewer den Kopf. "Schade! Hatten Sie keine Akkreditierung? Sagen Sie nächstes Mal doch Bescheid. Hier klatschen sie ja sogar, wenn ein Filmemacher wie Lars von Trier mal wieder seine Eskapaden zelebriert. Haben Sie ihn vorher gemocht?" Der Interviewer schluckte, so viel er konnte, und murmelte "Riget" durch den Rest der religieuse. "Ja, Riget … hab ich sogar […] komischen Arte-Film dazu, man hat ja Zeit, wenn man in meinem Alter ist, krank und schlaflos und ohne Familie. Ja, so glücklich sind diese Dänen, dass sie die Grenzen wieder dichtmachen und sich Lars von Trier zum Nationalregisseur auserkoren haben. Aber lassen Sie mich nicht unfair sein." Der Interviewer hatte endlich die Süßigkeit verputzt und den ganzen cremig-krümeligen Restbestand in seinem Mund […] durchgehend für Originalversionen einsetzten, oder? Hat nicht geholfen, den Kinos nicht, den Zuschauern nicht, die sich heute wieder überall diese albernen Synchronsprecher anhören müssen, und Lars von Trier erst recht nicht - aber so einem Film wie Breaking the Waves, dem konnte man sowieso nicht helfen. Schmierig, traurig, wahnsinnig deprimierend - und der Sex war nicht mal sexy. Und dann kam ja […]

Die Welt, in der das Böse einbricht

Im Kino 21.05.2013 […] "Noorderlingen" von sich reden machte, wollte eine humorvolle Geschichte erzählen. Es ist dann aber doch eher ein Horrorfilm der subtilen Art geworden, als sei der Holländer der sanftmütige Bruder von Lars von Trier. Cannes-Stammgast von Trier darf ja seit seinen Nazi-Provokationen vor zwei Jahren nicht mehr an die Côte d'Azur (sonst wäre er womöglich mit seinem neuen Werk "Nymphomatic" mit Charlotte Gainsbourg […] Von Lutz Meier

Nichts, das ist kein schlechter Slogan

Essay 23.11.2011 […] einen "ästhetischen Totalitarismus" (Busche) zu vertreten, ist Melancholia vielleicht Lars von Triers bis dato moralischster Film - und zwar exakt deshalb, weil er keine 'Moral von der Geschichte' hat. Fangen wir bei den antithetischen Enden an. Mit genüsslich-grimmiger Gründlichkeit erstickt Lars von Trier noch den blassesten Hoffnungsschimmer auf ein außer- oder überirdisches Leben in der finalen […] Raymond Klibansky, Erwin Panofsky und Fritz Saxl). Lars von Triers Figur der Justine mit ihrem seherischen Gebaren und ihrer Affinität zur Kunst ließe sich hervorragend in diese Ahnenreihe stellen, doch der ihr eigentümlichste Zug ist damit noch nicht erfasst: ihr unbedingter Wahrheitsanspruch. Der erste Teil von Melancholia zeigt, wie Lars von Trier in einem Interview auf der offiziellen Webseite zum […] zusammenhängend wird klar, dass es Lars von Trier wie Malick letztlich nicht um eine realistische Schilderung zu tun ist, weshalb es auch wenig von Belang ist, ob der "Todestanz Melancholias mit der Erde" astronomisch-physikalisch betrachtet Humbug ist oder nicht. Ulduar ist ein sogenannter dungeon, ein vom Rest der Spielwelt abgespaltenes Gebiet. Ebenso isoliert Lars von Trier seine Figuren im zweiten Teil […] Von Christina Striewski

Reine Kinowesen

Im Kino 05.10.2011 […] vielleicht als Verkomplizierung, vielleicht auch nur als Beschmutzung dieser perfekten, allzu perfekten ersten Bilder kennzeichnet. Angenehm low-key ist dann der hingekritzelte Titelschriftzug "Lars von Trier Melancholia" und auch die nächste Szene, in der Kirsten Dunst im Hochzeitskleid in einer endlosen weißen Limousine auf einem kurvigen, viel zu engen Feldweg stecken bleibt, scheint darauf angelegt […] tritt Justine vor die Tür, um auf den Rasen zu urinieren, schleichen sich die Wagner-Klänge an. Was hat es nun mit Justines Depression auf sich? Der skandalträchtigen Vorgänger "Antichrist" war, Lars von Triers eigener Aussage und auch einigen Kritiken zufolge, Ergebnis und vielleicht auch eine Art Überwindung einer depressiven Episode des Regisseurs. Den Nachfolger würde nun also die Krankheit in den […] Jahrzehnten gründlich abhanden gekommen ist, dass Referenzialität, Weltbezug und ein Programm vermutet werden, wo Zitat, Selbstbezug und Stil längst gesiegt haben. Natürlich kann man sich fragen, was Lars von Trier, dem Boss of it All des spätironischen Arthauskinos, überhaupt noch für Optionen bleiben, wenn selbst seine eigene (Mit-)Erfindung Dogma nur noch als schlechter Witz taugt. Schlimmstenfalls scheint […] Von Lukas Foerster, Nikolaus Perneczky

Vorhutkonkurrenz: Ausblick auf die Berlinale 2011

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2011 […] Festival ist noch immer der große Attraktor. Das muss nicht zuletzt die Berlinale Jahr für Jahr schmerzlich erleben. Mehr oder weniger fertige neue Filme von David Cronenberg, Terrence Malick, Lars von Trier, Aleksandr Sokurow, den Brüdern Dardenne, Andre Techine, Chantal Akerman, Aki Kaurismäki (um nur die ganz großen Gewichte zu nennen), laufen mal wieder nicht hier, sondern dann vermutlich an der […] Von Ekkehard Knörer