Stichwort

Osmanisches Reich

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Die Chiffre 1915 - einsames oder gemeinsames Gedenken?

Essay 25.04.2015 […] im Ersten Weltkrieg, den Karl Kraus einmal als "Generalprobe des Weltuntergangs" bezeichnet hat. Zu einem wirklichen Weltuntergang wurden diese Exzesse mörderischer Gewalt für die Armenier im Osmanischen Reich, die plötzlich aus ihren seit 2000 Jahren angestammten Siedlungsgebieten in Ostanatolien und im Kaukasus vertrieben wurden. Sie wurden aus ihren Häusern geholt, ihrer Habe beraubt, in Lagern […] e Christen traf, auf sich zu ziehen. Eine Rahmenbedingung dafür war der Erste Weltkrieg, der die Aufmerksamkeit anderer Staaten von diesem Geschehen abzog. Eine weitere war die Umbildung des Osmanischen Reichs in einen homogenen türkischen Nationalstaat. Mit diesem Modernisierungsprojekt entstand zugleich eine ganz neue Art des Staatsterrors, der sich gegen einen Teil der eigenen Bevölkerung richtete […] überhaupt noch von diesem Ereignis? Nachwachsende Generationen in diesem Land sollten erfahren, dass der armenische Genozid auch Teil der deutschen Geschichte ist. Deutschland war mit den Türken des Osmanischen Reichs im Ersten Weltkrieg verbündet, von diesem Partner versprach man sich wichtige militärische Unterstützung. Als das Deportieren und Ermorden der armenischen Bevölkerung begann, waren deutsche Politiker […] Von Aleida Assmann

Leseprobe zu Rainer Pöppinghege: Tiere im Ersten Weltkrieg.Teil 3

Vorgeblättert 11.08.2014 […] ische Bedeutung, die andernorts Pferden zukam. Sie trugen Futter, Wasser und Ausrüstungen. Der Aufstand der vom britischen Kamelreiterkorps unter T. E. Lawrence unterstützten Araber gegen das Osmanische Reich im Juni 1916 wäre ohne die Mobilitätsvorteile berittener Kamelverbände nicht denkbar gewesen. In Deutsch-Südwestafrika, wo die kaiserliche Schutztruppe über eine berittene Kameleinheit und ein […]

Der Fall Europas?

Literarischer Rettungsschirm für Europa 29.09.2012 […] und brannte zwei Tage lang lichterloh. Als es abgebrannt war, plünderten es die Venezianer auch noch schamlos. Anfang des 19. Jahrhunderts machte sich schließlich der britische Botschafter im Osmanischen Reich, Thomas Bruce, 7. Earl of Elgin, über das her, was übrig geblieben war, indem er mit Erlaubnis des osmanischen Sultans einen Großteil der Marmorskulpturen nach England brachte und sie im Britischen […] Von Drago Jančar

Europa - Immer das Bessere als wir

Literarischer Rettungsschirm für Europa 16.09.2012 […] Die Aufklärung konnte in unserer Kultur nicht wirken. All das, was im fernen Europa geschah, war nur bruchstückhaft angekommen. Wir waren lange von Europa getrennt durch die Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich und haben uns viel mehr die Bakschischkultur angewöhnt, als uns lieb ist. Wir haben uns noch einmal, wegen der kommunistischen Diktatur, von Europa getrennt und haben viel zu lange geübt, den […] Von Lindita Arapi

Eine ganz neue Identität

Post aus Istanbul 18.03.2011 […] Kurtulus wieder ein Karneval stattfindet - nein, der Karneval: Bakla Horani ist ein Kind des ursprünglich hauptsächlich griechischen Stadtviertels. Seine Geschichte reicht bis weit in die Zeit des Osmanischen Reiches zurück. Auch damals wurde er bis zum Rosenmontag gefeiert, dem Tag vor Beginn der 40-tägigen Fastenzeit, dem sarikosti. Bakla Horani hat seine Wurzeln im Persischen und bedeutet grob übersetzt […] Von Constanze Letsch

Leseprobe zu Perry Anderson: Nach Atatürk. Teil 1

Vorgeblättert 09.03.2009 […] erdenklichen Verfolgungen, Inquisitionen, Vertreibungen, Pogromen sollten andere Glaubensgemeinschaften ausgelöscht werden, Juden oder Muslime, von den Ketzern des eigenen Glaubens nicht zu reden. Das osmanische Reich hingegen tolerierte Christen und Juden ohne Unterdrückung und Zwangsbekehrung, es erlaubte ganz verschiedenen Gemeinschaften, friedlich unter muslimischer Herrschaft zusammenzuleben, in einer […] genauem Hinsehen zusammengefügt ist - es sind dies Bilder, welche eher verdecken, worum es beim Beitrittsversuch der Türkei tatsächlich geht. Jede Abwägung dieser Fragen muss unbedingt mit dem osmanischen Reich beginnen. Denn der erste und grundsätzlichste Unterschied zwischen dem türkischen Kandidaten und all den osteuropäischen Beitrittsländern liegt darin, dass die EU es hier mit dem Abkömmling eines […]

Leseprobe zu Perry Anderson: Nach Atatürk. Teil 2

Vorgeblättert 09.03.2009 […] St. Petersburg. Die verschiedenen äußeren Bedrohungen - immer bedrohlicher, je größer die technologische Kluft zwischen dem osmanischen Reich und den Reichen Europas wurde - hätten sich im Prinzip noch lange genug gegenseitig neutralisieren können, um dem osmanischen Reich Gelegenheit zu geben, eine Generalreform von Staat und Gesellschaft durchzuführen und so der Herausforderung des Westens zu begegnen […] Übertritt gezwungen noch vertrieben, sondern sie konnten im Hause des Islam ihren Glauben ausüben, wie sie wollten. Dies war nicht eine Toleranzpolitik im modernen Sinne und auch keine Eigenheit des osmanischen Reiches - es entsprach einem traditionellen System islamischer Herrschaft, das sich bis auf das Kalifat der Umayyaden im achten Jahrhundert zurückverfolgen lässt.(2) Die Ungläubigen waren unterworfene […] proklamiert; Schulbildung und Wissenschaft wurden gefördert; Ideen und Bräuche aus dem Westen importiert. Unter einer Reihe von Wesiren, die mit dem Vorbild Englands sympathisierten, nahm das osmanische Reich seinen Platz im europäischen Konzert der Mächte ein. Doch konnten die Reformkräfte der Zeit, mochten sie auch säkularen Ideen verpflichtet sein, die religiösen Grundlagen osmanischer Herrschaft […]

Leseprobe zu Perry Anderson: Nach Atatürk. Teil 3

Vorgeblättert 09.03.2009 […] oft höchst autoritär agierten, aber entschiedene Feinde des Imperialismus waren (die Freien Offiziere in Ägypten, die Logen in Argentinien, die Dreißig Genossen in Burma). Die Bedrohung des osmanischen Reiches ging jetzt wie schon so lange von europäischen Mächten oder ihren Verbündeten in der Region aus, aber die Jungtürken wandten sich kulturell und politisch keineswegs vom Westen ab. Sie wollten […] eine moderne Massenbasis bekam, wie sie die Rivalen so stark gemacht hatte. Doch hier stand man vor einem akuten Dilemma. Welcher ideologische Appell konnte die buntscheckige Bevölkerung des osmanischen Reiches - getrennt durch Sprache, Religion und Volksgruppe - zusammenhalten? Eine Form des vereinheitlichenden Patriotismus war notwendig, aber die typischen zeitgenössischen Zutaten hierfür fehlten […]