Perlentaucher-Autor

Ekkehard Knörer

Ekkehard Knörer, geboren 1971 im Fränkischen, hat Englisch, Deutsch, Philosophie und Kulturwissenschaften studiert. Promotion zu "Witz und Ingenium in Rhetorik und Poetik des 17. und 18. Jahrhunderts", danach Postdoktorand am Graduiertenkolleg "Figur des Dritten" in Konstanz. Ekkehard Knörer ist Kulturwissenschaftler, Film- und DVD-Kritiker, u.a. für die taz (Kolumne "dvdesk"), war von1998 bis 2008  Herausgeber des Internet-Magazins für Film & Kritik Jump Cut, ab 2008 Redakteur bei der Filmzeitschrift Cargo. Ab 2000 war er Mitarbeiter des Perlentauchers, Autor der Krimi-Kolumne "Mord & Ratschlag" und der Film-Kolumne "Im Kino". Seit Oktober 2011 ist Ekkehard Knörer Redakteur des Merkur.
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Dämmerung in Boston

Im Kino vom 29.11.2007 29.11.2007. Von erstaunlicher Subtilität ist Ben Afflecks Regiedebüt, die Krimiverfilmung "Gone Baby Gone". Scott Wipers gänzlich unsubtiles Knochenbrecher-Spektakel "Die Todeskandidaten" gehört eigentlich auf den Direct-to-Video-Markt, bringt aber die Übertretungswünsche seines Publikums präzise auf den Punkt.

Herbst 2007

Bücher der Saison vom 26.11.2007 26.11.2007. Dieser Literaturherbst gehört zwei russischen Schriftstellern: Wassili Grossman und Warlam Schalamow, deren Jahrhundertwerke endlich auf Deutsch erschienen sind. Einen respektablen Auftritt haben aber auch die deutschen Autoren der mittleren Generation, polnische Tunten, rumänische Manieristen, deutsche Romantiker, streitlustige Atheisten, neapolitanische Camorristi, katalanische Ritter und ein ungenierter Genussmensch.

Fortgesetzte Seitwärtsbewegung

Im Kino vom 21.11.2007 21.11.2007. Mit fließender und vibrierender Kamera evoziert Cristian Mungius Palmen-Gewinner "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" das spätkommunistische Rumänien des Jahres 1987. Die Verfilmung von Marjane Satrapis Erfolgs-Comicroman "Persepolis" balanciert west-östliche Innen- und Außenperspektiven.

Bruchlandungen und Avatare

Im Kino vom 14.11.2007 14.11.2007. Hans Weingartners fernsehkritisches Pamphlet "Free Rainer - dein Fernseher lügt" ist leider ein Teil des Problems, auf das er eine Antwort zu sein glaubt. Mit dem ehrwürdigen Epos "Beowulf" erlauben sich Regisseur Robert Zemeckis und seine Drehbuchautoren allerlei Unsinn - vergnüglich ist er leider nicht.

Driver und Dronten

Mord und Ratschlag vom 09.11.2007 09.11.2007. James Sallis destilliert in seinem knappen, klaren Roman "Driver" berauschende Noir-Essenzen, Heinrich Steinfest verknüpft in "Die feine Nase der Lilli Steinbeck" einen actionreichen Plot, gezielte Abschweifung und die Sehnsucht nach Stille

Sanft ist sie nicht

Im Kino vom 07.11.2007 07.11.2007. Die aufregende Isild le Besco spielt in "Pas douce" eine Krankenschwester, die scharf zu schießen versteht. Joe Wrights Ian McEwan-Verfilmung "Abbitte" beginnt furios und ist am Ende von allen guten Geistern verlassen

Astreine Indoktrination

Im Kino vom 31.10.2007 31.10.2007. Im Rahmen des durch die Republik tourenden Aktion-Mensch-Festivals "ueber morgen" gibt es unter anderem Werner Herzogs sehr seltsame Science-Fiction-Fantasie "The Wild Blue Yonder" und die US-Evangelikalen-Kinder-Indoktrinations-Doku "Jesus Camp" zu sehen. Der australische Film "Jindabyne" demonstriert, wie man Raymond Carver besser nicht verfilmt.

Arbeit am Mythos

Im Kino vom 25.10.2007 25.10.2007. Der von Brad Pitt produzierte Spätest-Western "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" ist wild entschlossen, weiß nur nicht recht, wozu. Und Stefan Westerwelles Filmhochschul-Abschlussfilm "Solange Du hier bist" ist ein Geschenk, ein Versprechen und einer der schönsten deutschen Filme der letzten Jahre.

Grenzverkehr

Im Kino vom 17.10.2007 17.10.2007. Ulrich Seidl wendet in "Import/Export" seine gnadenlose Drastik ins Menschliche. Und "Der Sternwanderer" ist ein Fantasy-Film, in dem Robert De Niro als Piratenkapitän in Frauenkleidern Cancan tanzt.

Blondes Gift

Mord und Ratschlag vom 15.10.2007 15.10.2007. Duane Louis setzt seinen Helden im rasanten Thriller "Blondes Gift" unter heftigen Zeit-, Raum- und Sozialdruck. Und Giwi Margwelaschwili lässt in "Officer Pembry" das "Schweigen der Lämmer" zukünftige Wirklichkeit werden.

Mit offenen Karten

Im Kino vom 10.10.2007 10.10.2007. Michael Moore bleibt ein Populist, liegt deswegen aber noch lange nicht falsch mit "Sicko", seiner Anklage gegen das US-Gesundheitssystem. Und Jan Bonny macht in seinem Spielfilmdebüt "Gegenüber" verständlich, wie es kommen kann, dass eine Frau ihren Mann verprügelt.

Perfekt komponiert

Im Kino vom 04.10.2007 04.10.2007. Eine aus der Art geschlagene Ratte mit bestem Geschmack präsentiert der hinreißende neue Pixar-Film "Ratatouille". In seinem in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneten Film "Still Life" beobachtet Jia Zhang-ke das vergehende Leben der auf die Flutung wartenden Stadt Fengje.

Mehr Lump als Advokat

Mord und Ratschlag vom 27.09.2007 27.09.2007. "Er wirkte glücklich wie ein erigierter Schwanz" - Joe Lansdales "Rumble Tumble" ist ein Fest für alle Freunde sprachlicher Drastik. Und Hannelore Cayre lässt in "Der Lumpenadvokat" das französische Rechtssystem so schlecht aussehen, wie es womöglich sogar ist.

Drehbuchdasein zum Tode

Im Kino vom 26.09.2007 26.09.2007. Fatih Akins neuer Film "Auf der anderen Seite" bietet nicht viel mehr als das Herumschieben von Figuren in Schicksalsbilanzen. In Nuri Bilge Ceylans "Iklimler - Jahreszeiten" wird dagegen das Zeigen des Ungesagten zum filmischen Ereignis.

Die Geister des Archivs

Im Kino vom 19.09.2007 19.09.2007. Zwei wichtige Filme aus Deutschland: In "The Halfmoon Files" nähert sich Philip Scheffner auf faszinierenden Umwegen der deutschen Kolonial- und Rassismusgeschichte. In den "Hamburger Lektionen" lässt Romuald Karmakar den Hassprediger Fazazi sprechen - durch den Mund des Schauspielers Manfred Zapatka.

Farmer John in seinem Widerspruch

Im Kino vom 12.09.2007 12.09.2007. Taggart Siegels Dokumentarfilm "Mit Mistgabel und Federboa - Farmer John" porträtiert einen wahrhaft bizarren Öko-Bauern aus dem Mittleren Westen der USA, und der renommierte Drehbuchautor Scott Frank überzeugt mit seinem sorgfältig kalibrierten Regiedebüt "Die Regeln der Gewalt".

Bewegtbilddreschflegelei

Im Kino vom 04.09.2007 04.09.2007. "Das Bourne Ultimatum", der dritte Teil der Bourne-Saga, verbreitet virtuos, aber wenig originell, viel Hektik und Lärm. In Erica von Moellers "Hannah" geht es in sehr viel ruhigerer Gangart um Nina Hoss als schöne Frau mit rätselhafter Vergangenheit.

Passant der Weltgeschichte

Im Kino vom 29.08.2007 29.08.2007. Christoph Hübner macht in "Thomas Harlan - Wandersplitter" Weltgeschichte lebendig - indem er den Zeitzeugen Thomas Harlan einfach erzählen lässt. Und in Mika Ninagawas Spielfilmdebüt "Sakuran" üben schöne Menschen in schönen Kleidern in schönen Bild-Tableaus die Kunst des distinguierten Vögelns.

Ausweichmanöver

Im Kino vom 14.08.2007 14.08.2007. Ohne Pathos, aber auch etwas mut- und ratlos erzählt der junge deutsche Regisseur Robert Thalheim in "Am Ende kommen Touristen" die Geschichte eines Zivis in Auschwitz. In der Comic-Verfilmung "Fantastic Four 2" ist eine Menge Talentlosigkeit auf engstem Raum versammelt - nur die Computeranimationen sind halbwegs gelungen.

Eine Geschichte wie ein Baum

Im Kino vom 09.08.2007 09.08.2007. Mit ihrer Aborigine-Mythe "10 Kanus, 150 Speere und 3 Frauen" tappen die Filmemacher Rolf de Heer und Peter Djigirr in keine der bereitstehenden Ethno-Film-Fallen. Und Barbara Kopples und Cecilia Pecks Dixie-Chick-Doku "Shut Up & Sing" menschelt ein bisschen zu sehr, ist aber dennoch höchst lehrreich.

Der Experte staunt, der Laie gähnt

Im Kino vom 01.08.2007 01.08.2007. Viel Lärm um ein dämliches Spielzeug: Michael Bays "Transformers" jagt außerirdische Kampfmaschinen aufeinander, leider kommen Intelligenz und Spannung dabei ziemlich unter die Räder. In "Der Date-Profi" entpuppt sich Jon Heder als Musterschüler in Sachen Selbstbehauptungskompetenz, aber die Komik hält sich in Grenzen.

Mehr überall als nirgendwo

Im Kino vom 26.07.2007 26.07.2007. Umweltverbrechen, einen tumben Präsidenten Schwarzenegger, Springfield unter einer gläsernen Käseglocke und natürlich jede Menge Homer bietet "Die Simpsons - Der Film". Nicht irritieren lassen sollte man sich vom verschwiemelten Titel von Marion Hänsels "Als der Wind den Sand berührte": Es handelt sich um ein nüchtern erzähltes Drama um eine verdurstende Familie in der afrikanischen Wüste.

Das Rohe und das Ausgekochte

Im Kino vom 18.07.2007 18.07.2007. In Quentin Tarantinos grandioser Grindhouse-Hommage "Death Proof" sieht alles nur auf den ersten Blick einfach aus. In Wahrheit geht es um die Lust an der Sprache und an der Gewalt und um Frauen, die den Phallus wollen und kriegen. Und in Lee Tamahoris "Next" guckt Nicolas Cage in die Zukunft und immer etwas dumm aus der Wäsche. Trotzdem ein Spaß, sobald man die Suche nach Plausibilitäten aufgibt.

Gefangen im Mc-Job-Provisorium

Im Kino vom 11.07.2007 11.07.2007. "Clerks 2 - Die Abhänger" zeigt die aus dem Original vertrauten Figuren noch immer im Mc-Job-Provisorium gefangen - aber mit Aussicht auf ein neues Leben am alten Ort. Und unter den Künstlerfilmen der letzten Wochen überzeugt "Henri Cartier-Bresson - Biographie eines Blicks" durch den klugen Umgang mit bescheidenen Mitteln.

Der Nymphomaninnen-Blues

Im Kino vom 03.07.2007 03.07.2007. In "Black Snake Moan" legt Samuel Jackson als Blues-Sänger namens Lazarus eine nymphomanische Christina Ricci in Ketten - zu ihrem Besten. Und in "Sketches of Frank Gehry" porträtiert Sydney Pollack seinen Freund, den Architekten Frank Gehry, als Genie.

Die große Endverschrottung

Im Kino vom 28.06.2007 28.06.2007. In "Stirb Langsam 4.0" hat der alte Kämpe John McClane diesmal die Endverschrottung von Körpern und Computern im Sinn. Leider mangelt es der Inszenierung dabei an Konsequenz. Ein Action-Held des Gedankens ist der slowenische Philosoph Slavoj Zizek - ein vergnüglicher Dokumentarfilm zeigt ihn beim Denken, Reden und Flirten.

Show, don't tell

Mord und Ratschlag vom 27.06.2007 27.06.2007. Ein Dienstbote lässt seinen Herrn töten. Doch der Traum von Geld und Glück platzt. Elmore Leonard liefert mit "Callgirls" eine feine Etüde über menschliche Grobheit. In Rainer Gross' grüblerischem Debüt "Grafeneck" bringt eine mumifizierte Leiche verdrängte Naziverbrechen an den Tag.

Welt ohne Mesalliancen

Im Kino vom 20.06.2007 20.06.2007. In "Shrek 3" wird nun auch noch die Artus-Legende ins skrupellos synkretistische Oger-Universum gemischt. Mehr als eine gelegentlich komische Nummern-Revue ist es beim dritten Mal aber nicht geworden. Der spanische Film "Obaba" erzählt in loser Verknüpfung Geschichten aus der baskischen Vergangenheit und Gegenwart.