Perlentaucher-Autor

Ekkehard Knörer

Ekkehard Knörer, geboren 1971 im Fränkischen, hat Englisch, Deutsch, Philosophie und Kulturwissenschaften studiert. Promotion zu "Witz und Ingenium in Rhetorik und Poetik des 17. und 18. Jahrhunderts", danach Postdoktorand am Graduiertenkolleg "Figur des Dritten" in Konstanz. Ekkehard Knörer ist Kulturwissenschaftler, Film- und DVD-Kritiker, u.a. für die taz (Kolumne "dvdesk"), war von1998 bis 2008  Herausgeber des Internet-Magazins für Film & Kritik Jump Cut, ab 2008 Redakteur bei der Filmzeitschrift Cargo. Ab 2000 war er Mitarbeiter des Perlentauchers, Autor der Krimi-Kolumne "Mord & Ratschlag" und der Film-Kolumne "Im Kino". Seit Oktober 2011 ist Ekkehard Knörer Redakteur des Merkur.
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Walden, Wurzeln, Bäume

Im Kino vom 02.03.2011 02.03.2011. Stark wald- und baumlastig ist die kommende Kinowoche: In "Man tänker sitt" hilft angesichts der schwedischen Mittelschicht-Suburbia-Gegenwart nur noch ein Gang nach Walden mit Henry David Thoreau. Und in Julie Bertucellis Australien-Ausflug "The Tree" wird ein Baum zur Metapher für einen verstorbenen Mann und Charlotte Gainsbourg richtet sich mit ihrer Tochter ein - in Metapher und Baum.

Ein ziemlich kleiner Traum

Im Kino vom 23.02.2011 23.02.2011. "Der ganz große Traum" ist ein Fußballfilm sehr mittleren Formats. Vor allem aber auch ein Werk, das deutlich macht, wie bescheiden in der deutschen Filmlandschaft vom großen Kino geträumt wird. Ein Porträt des Produzenten Anatol Nitschke und seiner Firma deutschfilm.

Anhalt am Irdischen

Im Kino vom 02.02.2011 02.02.2011. Ein Film, der Sprünge macht, und Töne und Bilder findet, die dauerhaft in Erinnerung bleiben, das ist Joao Pedro Rodrigues' Drag-Queen-Drama "To Die Like a Man". Einen Blick wert ist auch "I Killed My Mother", in dem der erst zwanzigjährige Frankokanadier Xavier Dolan in wilden Bildern von heftigsten Auseinandersetzungen eines schwulen Heranwachsenden mit seiner Mutter erzählt.

Ins Diesseits erlöst

Im Kino vom 26.01.2011 26.01.2011. Clint Eastwoods Film "Hereafter" rückt die Frage nach dem Wirklichkeitsgehalt der jenseitigen Dinge sehr an den Rand. Er konzentriert sich nicht auf die großen Bögen, sondern aufs äußerst Konkrete. In Mike Leighs "Another Year" ist nur ein altes Ehepaar glücklich. Alle anderen wünschen sich ein anderes Leben.

Kamera im Genick

Im Kino vom 19.01.2011 19.01.2011. Eine so wilde wie sehenswerte Mischung aus Küchenpsychoanalyse und Horroraffekten ist Darren Aronofskys Schwanensee-Paraphrase "Black Swan". Pia Marais präsentiert in ihrem Zweitling "Im Alter von Ellen" eine von Jeanne Balibar gespielte Figur, die mit sich und der Welt auf verstörende Weise nicht im reinen ist.

Spontaner Sex am Baggersee

Im Kino vom 12.01.2011 12.01.2011. Ein vorpommersches Filmwunder, in dem aller guten Dinge am Schluss drei sind, ist Rudolf Thomes jüngstes Werk "Das rote Zimmer". M. Night Shyamalan ist bei "Devil" nur Story-Erfinder und Produzent, die Pranke des Löwen erkennt man doch: Hier steckt der Teufel leibhaftig im Aufzug.

Platinblonder Kampfpanzer

Im Kino vom 05.01.2011 05.01.2011. Die feministisch wie gentrifizierungskritisch informierte Abstiegsgeschichte einer Frau aus dem Gegenwartsberlin erzählt in ihrem Regiedebüt "Eine flexible Frau" Tatjana Turanskyj. Noch deprimierender ist allerdings die Erzählung vom Aufstieg Christina Aguileras zur "Burlesque"-Tänzerin in einer von Cher geleiteten Lokalität.

Tanz den Wiseman!

Im Kino vom 29.12.2010 29.12.2010. Zum Jahresabschluss: Vergnügen und Genuss. Dokumentarfilm-Großmeister Frederick Wiseman zeigt die Arbeit, die Virtuosität und den Alltag, die in und hinter den Aufführungen des Pariser Opernballetts stecken. Und die Berliner Filmreihe "Unknown Pleasures" ermöglicht seltene Blicke auf weitere Beispiele wahrer amerikanischer Independents - darunter aufs Werk des Essayfilmers Thom Andersen.

Dreizeit

Im Kino vom 22.12.2010 22.12.2010. In seinem Film "Drei" erzählt Tom Tykwer vom Leben in Berlins kulturell arrivierten Schichten und zwar mit einem hundertköpfigen Orchester aus Pauken und Trompeten. In "Nostalgia de la luz" begibt sich Patricio Guzman in die Atacama-Wüste, um die astronomische und chilenische Vergangenheiten zu erforschen.

Imitat, eher opak

Im Kino vom 08.12.2010 08.12.2010. Wer "Nowhere Boy", Sam Taylor-Woods Spielfilm-Debüt, sieht, könnte glauben, die Künstlerin hätte ihr Leben lang nichts anderes getan als John-Lennon-Biopics zu drehen. Ein Debüt ganz anderer Art ist Gareth Edwards' billigst budgetierter "Monsters" - mehr als nur ein Achtungserfolg, der das Genre einerseits in die Allegorie und andererseits ins Leere laufen lässt.

Da capo

Im Kino vom 01.12.2010 01.12.2010. Woody Allen feiert heute seinen 75. Geburtstag. Passend dazu kommt sein jüngstes Werk "Ich sehe den Mann deiner Träume" ins Kino, der eines auf jeden Fall ist: mit Naomi Watts, Josh Brolin, Anthony Hopkins und Freida Pinto eklatant gut besetzt. Ganz anderer Schauplatz: Mit logistischer Unterstützung von Tom Tykwer hat die Regisseurin Hawa Essuman in Nairobi den Spielfilm "Soul Boy" gedreht. Ein Projekt, auf dessen Fortsetzung man gespannt sein kann.

Das stimmt

Im Kino vom 24.11.2010 24.11.2010. Isabelle Huppert spielt in "Villa Amalia" eine Frau, die aus ihrem eigenen Leben abhaut. Regisseur Benoit Jacquot macht daraus einen mitreißenden Film. Der Isländer Dagur Kari versammelt in einer ort- und zeitlosen New Yorker Kneipe bizarre Geschichten und skurrile Figuren und stellt das unter die beziehungsreiche Überschrift "Ein gutes Herz".

Ennui-Etüde

Im Kino vom 17.11.2010 17.11.2010. In Sofia Coppolas Venedig-Gewinner "Somewhere" fährt ein vom eigenen Leben ermüdeter Hollywood-Star mit seinem schwarzen Ferrari im Kreis. Das Leben einer Familie erzählt in Andeutungen Hirokazu Kore-eda in "Still Walking" und bleibt dabei stets aufs Wesentliche konzentriert.

Doppelte Mopplung

Im Kino vom 10.11.2010 10.11.2010. Macht höllisch Tempo: "Unstoppable", Tony Scotts Film über einen führerlos Richtung flammendes Inferno rasenden Zug. Ironisches Mittdreißiger-Ding mit filmhistorisch klugen Bezügen: Will Glucks Highschool-Komödie "Einfach zu haben" mit der verdienten ersten Hauptrolle für Emma Stone.

Machete Don't Text

Im Kino vom 03.11.2010 03.11.2010. Dem PoMo-Splatteranten Robert Rodriguez ist mit "Machete" eine linksliberale Einwanderungsallegorie und sein bisher bester Film gelungen. Im Islamismus-Actioner "5 Minarette in New York" von Mahsun Kirmizigül bewegt sich das türkische Mainstream-Kino von Istanbul bis in den amerikanischen und türkischen Osten.

Gemälde der Macht

Im Kino vom 27.10.2010 27.10.2010. Vom Eis der Tradition befreit sich im Lauf von Luca Guadagninos großer Kameraoper "I Am Love" die großartige Tilda Swinton - hier, weil ihr nichts unmöglich ist, als russlandstämmige Italienerin. Und in "Jackass 3D" kommen die Darsteller bei ihren Körperexperimenten dem Zuschauer sehr viel näher, als diesem lieb sein kann.

Bildspuckmaschine

Im Kino vom 20.10.2010 20.10.2010. Immer noch auf der Suche nach dem Guten im Kapitalismus: Oliver Stone, in dessen "Wall Street"-Fortsetzung das Geld niemals schläft. Edgar Wright schickt in "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" seinen Helden als Avatar seiner selbst in den Videospielkampf gegen die Ex-Lover der Frau, die er begehrt.

Verknappung des Sichtbaren

Im Kino vom 13.10.2010 13.10.2010. Zweimal Israel: Samuel Maoz zeigt in seinem Venedig-Gewinnerfilm "Lebanon" Bilder aus dem Libanonkrieg des Jahrs 1982 (fast) ausnahmslos durchs Zielfernrohr eines israelischen Panzers. Eyal Sivan versucht in seiner Dokumentation über die "Jaffa"-Orange, die Möglichkeit des friedlichen Zusammenlebens von Juden und Palästinensern in einem gemeinsamen Staat historisch plausibel zu machen.

Schuss/Gegenschuss

Im Kino vom 06.10.2010 06.10.2010. Ein stylishes Sittenbild, das um die nicht sehr ergiebige Frage kreist, ob Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nun ein Arschloch ist oder nicht; außerdem ein Dialogfeuerwerk a la Aaron Sorkin: das ist David Finchers "The Social Network". John Hillcoat malt die Welt in seiner Cormac-McCarthy-Verfilmung "The Road" als einen Ort aus, mit dem es wirklich besser aus und vorbei wäre.

Miserabilismus zu sehr ermäßigten Konditionen

Im Kino vom 22.09.2010 22.09.2010. In "Fishtank" lässt Andrea Arnold ihre Heldin Mia einen sozialen Flipperparcours absolvieren. Sie knallt mal an dies, mal an das, und wir immer mit. Peter Kern schickt in "Blutsfreundschaft" einem gemütlich gealterten Helmut Berger eine Pogo tanzende Versuchung ins Haus.

Rennend auf riesigen Wellen

Im Kino vom 15.09.2010 15.09.2010. Land und Meer und Mensch und Tier setzt der große Anime-Meister Hayao Miyazaki in seinem jüngsten Film "Ponyo" in Bewegung und erzählt von einem Meermädchen, das sich in einen Landjungen verliebt. Eher unbewegt dagegen George Clooney, der als berufsmüder Killer in Anton Corbijns "The American" in einem Abruzzendorf zu Grönemeyer-Klaviermusik Waffen bastelt.

Bumstag

Im Kino vom 08.09.2010 08.09.2010. Freundlich opak erzählt Francois Ozon in seinem Film "Rückkehr ans Meer" von einer Frau, die ihren Freund verliert, dessen Kind austrägt und mit dem Bruder des Toten etwas anfängt. Aus einer Kifferidee macht Lynn Shelton in "Humpday" einen ganzen, sehr wortreichen Film: Zwei Heteromänner wollen einander zu Nutz und Frommen der eigenen Liberalität für einen Kunstporno ficken.

Allzu baumhafter Vater

Im Kino vom 25.08.2010 25.08.2010. Eine sehr schönes Patchwork-Familien-Konflikt-Parallelogramm gelingt Franz Müller mit seiner Doppeldramödie "Die Liebe der Kinder". Und in Yoav Shamirs Dokumentation "Defamation" lernt man sehr viel mehr über Antisemitismus, als man zunächst denkt.

Von Spinnen und Russen

Im Kino vom 18.08.2010 18.08.2010. Als Action-Perpetuum-Mobile macht Angelina Jolie in Phillip Noyces Kalter-Kriegs-Revival-Film "Salt" immerhin eine gute Figur. In Thomas Siebens Filmdebüt "Distanz" schweigt, schießt und liebt ein Gärtner als Mörder und weiß nicht warum.

Superrechner vs. Supergroßmutter

Im Kino vom 11.08.2010 11.08.2010. In seinem Anime "Summer Wars" lässt Mamoru Hosoda die virtuelle Welt OZ gegen die japanische Tradition antreten und entwirft dabei ein Projekt der Versöhnung von Gegenwart und Vergangenheit, von Generationen und Geschlechtern: angenehm komplex, ohne Berührungsängste mit alten und neuen Welten und offen für ins Große gehende Fantastik.

Ein Furz, ein Schiss, ein Kinderspiel

Im Kino vom 04.08.2010 04.08.2010. In Dennis Dugans Komödie "Kindsköpfe" lümmeln die Protagonisten vor der Kamera rum und lassen den Plot einen guten Mann sein. Total sinnbefreit, aber auch irgendwie amüsant. In "Mother" des koreanischen Regisseurs Bong Joon-ho ordnet die Mutter eines Mordverdächtigen die Welt.

Warenförmige Nostalgie

Im Kino vom 28.07.2010 28.07.2010. In die dritte Runde geht das "Toy Story"-Franchise der Firma Pixar, deren Kolonialisierung der Fantasien von Groß und Klein weit fortgeschritten scheint. Immer wieder schön spitz zugeschliffen ist Dietrich Brüggemanns ganz und gar nicht betroffenheitsduseliger Rollstuhlfahrer-und-Zivi-Film "Renn, wenn du kannst".

Nichts ohne Etwas

Im Kino vom 21.07.2010 21.07.2010. Drei Männer in Istanbul aus drei Gesellschaftsschichten spielen sich selbst: Asli Özge macht es sich in ihrem Spielfilmdebüt "Men on the Bridge" nie zu einfach. Viel Lärm um Nichts veranstalten Cameron Diaz, Tom Cruise und ein kleines Energiewunder im Sommerblockbuster "Knight & Day".

Doppel- und Wiedergang

Im Kino vom 14.07.2010 14.07.2010. Mitten hinein ins gegenwärtige Manila versetzt einen "Lola", Brillante Mendozas wunderbar konkretistischer Film über zwei Großmütter. Von Einsam- und Zweisam- und Dreisamkeit auf dem Mond erzählt dagegen das mit Science-Fiction-Geschichte getränkte Spielfilmdebüt "Moon" von David Bowies Sohn Duncan Jones.

Das undankbare 13. Jahrhundert

Im Kino vom 07.07.2010 07.07.2010. Jaco van Dormael, manchem seit "Toto le heros" in guter Erinnerung, taucht mit einem ganz großen Film über alles - Titel: "Mr. Nobody" - aus der Versenkung auf und erzählt von einem sterblichen Mann und seinen vielen möglichen Leben. "The Office"-Erfinder Ricky Gervais kommt in "Lügen macht erfinderisch" drauf, dass die Wahrheit nicht immer die erste Wahl sein muss.