Perlentaucher-Autor

Ekkehard Knörer

Ekkehard Knörer, geboren 1971 im Fränkischen, hat Englisch, Deutsch, Philosophie und Kulturwissenschaften studiert. Promotion zu "Witz und Ingenium in Rhetorik und Poetik des 17. und 18. Jahrhunderts", danach Postdoktorand am Graduiertenkolleg "Figur des Dritten" in Konstanz. Ekkehard Knörer ist Kulturwissenschaftler, Film- und DVD-Kritiker, u.a. für die taz (Kolumne "dvdesk"), war von1998 bis 2008  Herausgeber des Internet-Magazins für Film & Kritik Jump Cut, ab 2008 Redakteur bei der Filmzeitschrift Cargo. Ab 2000 war er Mitarbeiter des Perlentauchers, Autor der Krimi-Kolumne "Mord & Ratschlag" und der Film-Kolumne "Im Kino". Seit Oktober 2011 ist Ekkehard Knörer Redakteur des Merkur.
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Wahnsinn der Vernunft

Mord und Ratschlag vom 07.04.2008 07.04.2008. In Robert Littells um ein Weniges in eine mögliche Zukunft versetztem Roman "Die Söhne Abrahams" steht der Frieden im Nahen Osten unmittelbar bevor. Andrew McGahan dagegen blickt mit "Last Drinks" zurück auf einen Skandal aus dem Brisbane der späten Achtziger Jahre.

Gefesselter Blick

Im Kino vom 26.03.2008 26.03.2008. Julian Schnabels Film "Schmetterling und Taucherglocke" fesselt erst unseren Blick an den seines völlig gelähmten Helden - und macht es sich am Ende doch zu leicht. Ryan Flecks Film "Half Nelson" hat einen grandiosen Ryan Gosling als drogensüchtigen Lehrer zu bieten und ist nicht didaktisch, sondern dialektisch.

Endstation Lethe

Im Kino vom 19.03.2008 19.03.2008. Roy Andersson sperrt in seinem Film "Das jüngste Gewitter" kalkweiße Untote in starre Tableaus voller Elend, Musik und Komik. Der ägyptische Altmeister Youssef Chahine verbindet in "Chaos" auf verstörende Weise die melodramatische Soap-Opera-Form mit beißender Gesellschaftskritik.

Heil in der Flucht

Mord und Ratschlag vom 12.03.2008 12.03.2008. Von Brüssel nach Mexiko, vom Polizeialltag in Grenzbereiche des Absurden geht die wilde Jagd in Linus Reichlins Romandebüt "Die Sehnsucht der Atome" - erstaunlicherweise folgt man da gerne. Die beste Gelegenheit, Bekanntschaft mit einer der erfolgreichsten japanischen Krimiserien zu schließen, bietet der zweite Band um Arimasa Osawas "Hai von Shinjuku".

Quicklebendiger Fremdkörper

Im Kino vom 12.03.2008 12.03.2008. Mit zweiunddreißig Jahren Verspätung ist der charmant avantgardistische Schwulenfilm "Johan - Eine Liebe in Paris im Sommer 1975" bei uns zu sehen: eine schöne Entdeckung. Mit drei Jahren Verspätung und viel Festivallorbeeren kommt Gela Babluanis Regiedebüt "13 - Tzameti" in unsere Kinos: eine bittere Enttäuschung.

Choreografie der Körper

Im Kino vom 05.03.2008 05.03.2008. Die Geschichte einer Rache, die nicht gelingt, einer Annäherung, die gefährdet bleibt, eine Parabel auf Gewalt und Versöhnung ist Mahamet-Saleh Harouns Film "Daratt". Franziska Meletzkys krampfhaft beschwingte Komödie "Frei nach Plan" dagegen ist ein Abgrund an Frauenzeitschriften-Spießigkeit.

Shapeshifter

Im Kino vom 27.02.2008 27.02.2008. So oscargekrönt, aber auch so noir und so amerikanisch wie in ihrer Cormac McCarthy-Verfilmung "No Country For Old Men" waren die Coen-Brüder noch nie. Todd Haynes dekonstruiert in "I'm Not There" Identitäten und Bob Dylan und das Biopic.

Mut zur Flachheit

Im Kino vom 20.02.2008 20.02.2008. Als erstaunlich kühl kalkulierter Genre-Film aus Hollywood erweist sich James Grays "Helden der Nacht". Und Hartmut Bitomsky ist in seinem Essayfilm dem kleinsten Objekt des Kinos auf der Spur: "Staub".

Versammlung des Lauen

Außer Atem vom 16.02.2008 16.02.2008. Nur ein wirklich origineller Autorenfilmer hat es in den Berlinale-Wettbewerb geschafft: "Nacht und Tag" zeigt den koreanischen Regisseur Hong Sangsoo (Foto) als einen der großen Eigensinnigen des Kinos. Ansonsten dominierte in diesem Jahr abgemagerter Wischi-Waschi-Realismus.

Berlinale 8. Tag

Außer Atem vom 15.02.2008 15.02.2008. Gnadenloser Realismus der Laien: Lance Hammers "Ballast". Da freut man sich doch auf Elizabeth: Justin Chadwicks "The Other Boleyn Girl". Und untun druntur munkuln die Bässe: Dem einst so bedeutenden Regisseur Andrzej Wajda fehlen zum Katyn-Stoff heute die filmischen Mittel. Höllische Gemeinheit: Philippe Claudels "Il y a longtemps que je t'aime - I've Loved You So Long". Verhandelt einen Tempelberg an Komplexen: Amos Kolleks "Restless".

Öl, Schweiß und Tränen

Im Kino vom 13.02.2008 13.02.2008. Eine gewaltige Ur-Dissonanz durchzieht die Bilder und Klänge von P.T. Andersons Öl-Epos "There Will Be Blood". Eher brav buchstabiert dagegen der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona das ABC des Horrorfilms in seinem Debüt "Das Waisenhaus".

Berlinale 6. Tag

Außer Atem vom 13.02.2008 13.02.2008. Wie Federball im Krieg: Yoji Yamadas "Kabei". Erklärt die feinen Unterschiede zwischen krimineller und legaler Folter: Errol Morris' Dokumentarfilm "Standard Operating Procedure". Kichert alles nieder: Mike Leighs "Happy Go Lucky". Beschreibt die Komödie der männlichen Existenz: Hong Sangsoos "Nacht und Tag". Miss-Helden in Leipzig: Gunther Scholz findet sie in "Sag mir, wo die Schönen sind..."

Berlinale 4. Tag

Außer Atem vom 11.02.2008 11.02.2008. Ist Jose Padilhas "Tropa de Elite" ein Egoshooter-Film? Keineswegs. Aber er ist auch weit davon entfernt, das Gegenteil zu sein. Betulich: Dennis Lees "Fireflies in the Garden". Angenehme Überraschung: John Crowleys "Boy A".

Berlinale 3. Tag

Außer Atem vom 10.02.2008 10.02.2008. Spielt mit zwei Königstigern: Isabel Coixets "Elegy". Dingsymbolisch: Majid Majidis "Avaze Gonjeshk-ha - The Song of Sparrows". Tolle Bewegungsstudie eines Nichtsnutzes: Charles Burnetts "My Brother's Wedding". Abgerechnet wird zum Schluss: Renaud Barrets und Florent de La Tullayes "Victoire Terminus, Kinshasa". Liebt den Gin: Erick Zoncas "Julia". Die reinste Poesie: Boris Despodovs Dokumentarfilm "Corridor #8".

Berlinale 2. Tag

Außer Atem vom 09.02.2008 09.02.2008. Lernt von Bruce Lee: Fernando Eimbckes "Lake Tahoe". Eine Bemerkung zur Live-Aufführung von Guy Maddins "My Winnipeg" im Delphi. Doppelter Pas de Deux in Richtung Zukunft: Jacques Doillons "Le Premier Venu". Heillos verwickelt: Petri Kotwicas "Musta Jää". Brennt lichterloh: Paul Thomas Andersons "There will be blood". Tristesse pekinese: Wang Xiaoshuais "Zuo You".

Berlinale 1. Tag

Außer Atem vom 08.02.2008 08.02.2008. Natalie Assouline (Foto) zeigt einen Dokumentarfilm über palästinensische "Brides of Allah". In Aditya Assarats "Wonderful Town" steckt der Welkino-Wurm. Der Blick der anderen ist der wahre Fluch: Audrey Estrougos "Regarde-moi". Zahlt Jaggers Mittagessen: Martin Scorseses Dokumentarfilm "shine a Light". Zeigt seine Heimatstadt als Fantasiegespinst: Guy Maddins Forumsfilm "My Winnipeg". Song-and-Dance-Exzesse mit Badminton-Spiel und Piratenkostüm: Farah Khans "Om Shanti Om" (Berlinale Special).

Kühl bis ans Herz

Außer Atem vom 07.02.2008 07.02.2008. Der italienische Filmregisseur Francesco Rosi wird auf der Berlinale mit dem Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Berlinale liebt politisches Kino. Bei Rosi kann man lernen, wie das geht. Und erfahren, welche Wirkung die Kombination aus sachlicher Akten-Montage und neorealistischer Ästhetik auch nach 40 Jahren noch hat. (Sogar bei youtube findet man das)

Echt seltsame Nasenfixierung

Im Kino vom 06.02.2008 06.02.2008. Die Geschichte, wie Charlie Wilson in Afghanistan den Krieg gegen die Sowjetunion gewann, ist trotz mancher Vereinfachung wahr. Mike Nichols' Filmsatire "Charlie Wilsons Krieg" will jedoch nicht so recht zünden. Der Dokumentarfilm "Herr Vig und die Nonne" erzählt von einem alten Mann, der es durch eigene Schuld mit einer resoluten Verkörperung der russisch-orthodoxen Kirche zu tun bekommt.

Fast schon ein Wunder

Außer Atem vom 06.02.2008 06.02.2008. Ein furchterregend intensiver Daniel Day Lewis, Musik drin mit Papa Scorsese, Madonna und Patti Smith, handgemachte Basteleien eines Videoclipgenies, wenig aus Deutschland, viel aus dem fernen Osten. Nach dem Absturz der letzten Berlinale hoffen wir nun ganz stark auf diese. Morgen geht's los, und wir berichten wie immer täglich.

Schopenhauer zur Nacht

Mord und Ratschlag vom 31.01.2008 31.01.2008. Nord-Idaho ist ein schöner und einsamer, in C.J. Box' vielschichtigem Thriller "Stumme Zeugen" aber auch ein mordsgefährlicher Landstrich. Kein bisschen heiler ist die Welt in den englischen Midlands, wie Iain McDowall sie in "Zwei Tote im Fluss" schildert: Im Provinznest Crowby sind nämlich die Neo-Nazis los.

Freiheitsstatue: kopflos

Im Kino vom 30.01.2008 30.01.2008. Rein funktional, aber wirkungsvoll: "Cloverfield", der New-York-Monsterfilm aus Handkameraperspektive. Will mehr als ein fernsehkompatibles Sozialmelodram: Sylke Enders' "Mondkalb", ein Film, bei dem nicht nur die Musik Gefühle anschaffen geht.

Leerer Gegensinn

Im Kino vom 23.01.2008 23.01.2008. Zwei deutsche Dokumentarfilme: Volker Koepp begibt sich mit "Holunderblüte" ein weiteres Mal nach Kaliningrad und trifft auf Kinder, die ihr Glück suchen. In Marcel Wehns "Von einem der auszog" sieht man: Wim Wenders brütet, Wim Wenders erinnert sich, Wim Wenders führt Super-Acht-Filme vor von Familienspaziergängen mit seinen Eltern.

Klassentreffen auf dem Friedhof

Im Kino vom 15.01.2008 15.01.2008. In Barbara Alberts neuem Film "Fallen" sehen sich fünf Frauen Anfang Dreißig bei der Beerdigung eines Lehrers mit ihrer Vergangenheit und, schlimmer noch, ihrer Gegenwart konfrontiert. George Ratliffs Horrorfilm "Joshua" ist völlig frei von allem Übersinnlichen, an subtilen Verstörungen des Kleinfamilienglücks aber umso reicher.

Handlung ist ein Virus

Im Kino vom 09.01.2008 09.01.2008. Still, leer, tot ist New York nach der Apokalypse in Francis Lawrences Film "I am Legend" - und solange es so bleibt, ist der Film sogar richtig gut. Gordian Maugg vermischt in seinem Historienfilm "Zeppelin!" die Zeitebenen ebenso wie Dokumentaraufnahmen und eigenes Bildmaterial.

Die Unerbittlichkeit des Schnees

Mord und Ratschlag vom 02.01.2008 02.01.2008. Russische Gegenwart: Monster tauchen auf, Menschen verschwinden, der Held bekommt eine Kugel in den Kopf - und über alles legt sich in Martin Cruz-Smiths Roman "Stalins Geist" der Schnee. In "Das Gesetz der Ehre", Gianrico Carofiglios drittem Roman um den Avvocato Guido Guerrieri, ist das Leben bittersüß und die Wahrheit relativ.

Abgefahrener Zug

Im Kino vom 02.01.2008 02.01.2008. Regisseur Wes Anderson schickt in "Darjeeling Limited" drei heilungsbedürftige Brüder mit dem Zug durch Indien und alle, sogar Bill Murray, der eigentlich nicht mitspielt, landen dabei in Anderson-Ville. Chris Sivertsons kruder Horror-Thriller "Ich weiß, wer mich getötet hat" wurde beim US-Start von der Kritik heftig verprügelt, ist aber stylisher Trash der beinahe begnadeten Sorte.

Die Schrift ist ein Virus

Im Kino vom 27.12.2007 27.12.2007. David Cronenberg konfrontiert in seinem Film "Tödliche Versprechen" Körper, Inschriften und einander sehr ferne Milieus - das Ergebnis ist eine hoch explosive Mischung. Und Pia Marais' erzählt in ihrem Spielfilmdebüt "Die Unerzogenen" von der großen Freiheit, als Teenager von den Eltern alleingelassen zu sein.

Die Unberührbare

Im Kino vom 19.12.2007 19.12.2007. Der Disney-Film "Verwünscht" schickte eine Zeichentrick-Märchenprinzessin in die New Yorker Wirklichkeit und hat dazu so hübsche wie harmlose Ideen. Die Historienfilm-Fortsetzung "Elizabeth - Das goldene Königreich" ist ein weiterer Triumph für Cate Blanchett, aber nicht unbedingt zum Nutzen des Films.

Winter im Gemüt

Mord und Ratschlag vom 10.12.2007 10.12.2007. Auf den ersten Blick gleichen sich die verwitweten Helden von Brian Freemans "Doppelmord" und Peter Temples "Vergessene Schuld" - dennoch gibt es einen Unterschied zwischen den Büchern: Das eine taugt was, das andere nicht.

Die nichts mehr schrecken kann

Im Kino vom 05.12.2007 05.12.2007. Eine gänzlich unfanatische Suchbewegung zum türkisch-kurdischen Konflikt ist die Dokumentation "Close Up Kurdistan" des in Deutschland lebenden kurdischen Filmemachers Yüksel Yavuz. Rudolf Thomes jüngster Film "Das Sichtbare und das Unsichtbare" hat sehr schöne Momente, aber leider auch die Tendenz, seine Künstlergeschichte im Klischee zu ertränken.