Perlentaucher-Autor

Ekkehard Knörer

Ekkehard Knörer, geboren 1971 im Fränkischen, hat Englisch, Deutsch, Philosophie und Kulturwissenschaften studiert. Promotion zu "Witz und Ingenium in Rhetorik und Poetik des 17. und 18. Jahrhunderts", danach Postdoktorand am Graduiertenkolleg "Figur des Dritten" in Konstanz. Ekkehard Knörer ist Kulturwissenschaftler, Film- und DVD-Kritiker, u.a. für die taz (Kolumne "dvdesk"), war von1998 bis 2008  Herausgeber des Internet-Magazins für Film & Kritik Jump Cut, ab 2008 Redakteur bei der Filmzeitschrift Cargo. Ab 2000 war er Mitarbeiter des Perlentauchers, Autor der Krimi-Kolumne "Mord & Ratschlag" und der Film-Kolumne "Im Kino". Seit Oktober 2011 ist Ekkehard Knörer Redakteur des Merkur.
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Körperlos schwebend

Im Kino vom 29.06.2010 29.06.2010. Die Videokünstlerin Shirin Neshat hat mit "Woment Without Men" ihren ersten Spielfilm gedreht: Die Bilder, die sie und ihr Kameramann finden, sind allerdings entschieden zu schön. Unterdessen geht der grüne Oger Shrek im Lande Weitweitweg bereits in die vierte Runde und reiht sich damit ein in die Blockbuster mit hohen Seriennummern.

Volle Kanne poetisch

Im Kino vom 23.06.2010 23.06.2010. In klugen Bildern erzählt Seyfi Teoman in seinem Debüt "Tatil Kitabi" von einem Jungen und einer Familie und einem Dorf im Sommer in der türkischen Provinz. Mordsmäßig metaphysisch kommt dagegen das Blindenerlösungswerk "Altiplano" des Regieduos Brosens & Woodworth daher: Ungutes tut sich im peruanischen Hochandenland.

Stein ist erweicht

Im Kino vom 16.06.2010 16.06.2010. Frisch von der Fußball-WM-Resterampe: Oliver Hirschbiegels virtuos an seinem eigentlichen Inhalt vorbeigefilmtes Nordirland-Drama "Five Minutes in Heaven". Mark Stephen Johnson führt in "When in Rome" eindrucksvoll vor, wie man mit lauter interessanten Darstellern Fernsehen und Kino selbst betrügt.

Und eine Kamera in die Hände

Im Kino vom 09.06.2010 09.06.2010. Zum Auftakt des Sommerlochs verzichten wir heute auf Rezensionen. Dafür ein langes Gespräch mit den Kuratoren der Filmreihe "Spuren eines dritten Kinos", die gerade im Berliner Zeughaus-Kino läuft: über den Widerstand gegen filmischen Nationalismus, Reaktionen des Kinos auf koloniale Vergangenheit sowie politische Unterdrückung der Gegenwart. In China, auf den Philippinen, in Brasilien, im französisch-maghrebinischen Kino und in der als "Nollywood" bezeichneten Videokultur in Nigeria.

Dokumentarisch fabuliert

Im Kino vom 02.06.2010 02.06.2010. Eine faszinierende Verschränkung von Dokumentarischem und Fiktion gelingt dem portugiesischen Regisseur Miguel Gomes in seinem Film "Our Beloved Month of August". Wie man einen Dokumentarfilm mit spannendem Sujet zugrunderichtet, führt dagegen Rick Minnich mit seiner innerfamiliären Spurensuche "Forgetting Dad" vor. 

Film trifft Wirklichkeit

Im Kino vom 26.05.2010 26.05.2010. Mit Menschen, die niemand anderen spielen als sich selbst, erzählen die Filmemacher Tizza Covi und Rainer Frimmel in "La pivellina" von einem Kind, das einfach so im Leben eines älteren Paars auftaucht. Breck Eisner verfilmt den Romero-Klassiker "The Crazies" neue - und verfehlt das Original nach allen Regeln der Hollywood-Kunst.

Souverän leichthin

Im Kino vom 19.05.2010 19.05.2010. Mia Hansen-Loves auf vielen Festivals schon gefeierter Spielfilm "Der Vater meiner Kinder" erzählt nach einer wahren Geschichte von einem Filmproduzenten in höchst prekärer Lage. In Haim Tabakmans Spielfilmdebüt "Du sollst nicht lieben" kommen sich zwei ultraorthodoxe Juden in Jerusalem sehr viel näher, als ihr Glaube ihnen erlaubt.

Gehobener Weltschmerz

Im Kino vom 12.05.2010 12.05.2010. Aus einer Roald-Dahl-Welt eine Wes-Anderson-Welt machen: In "Der fantastische Mr. Fox" gelingt das mit links. Von einem türkischen Sozialisten, den das Gefängnis zum lebenden Toten gemacht hat, erzählt Özcan Alper in "Herbst".

Ganz spezielle Starkörper

Im Kino vom 05.05.2010 05.05.2010. Ausnahmsweise diesmal Hinweise auf gleich drei Filme: Jon Favreaus "Iron Man 2" bietet mehr als Teil eins der Superheldensaga und ist dennoch oder deshalb weitaus weniger amüsant. George A. Romero liefert mit "Survival of the Dead" ehrliches Zombie-Handwerk mit starkem Western-Einschlag. Und dann war da in der letzten Woche ein Film von Jim Field Smith, den Sie sehen sollten, obwohl er den Titel "Zu scharf, um wahr zu sein" trägt.

Vergleichgültigungsformel

Im Kino vom 28.04.2010 28.04.2010. Rechtspopulistische Staatskunst vom Meister der Nostalgie: Giuseppe Tornatore zeigt mit "Baaria", was sich Silvio Berlusconi & Co. unter Kino vorstellen. Wahre Geschichten in unwahren Bildern präsentiert mit deutlich niedrigerem Verlogenheitsfaktor Cary Fukanaga in seinem Migranten-Drama "Sin Nombre".

Wasser und Öl

Im Kino vom 14.04.2010 14.04.2010. Lisandro Alonso lässt in "Liverpool" einen Mann Bilder von Innen- und Außenräumen queren, in denen den Mann nichts hält. Und Jan Kounen interessiert sich für die Verbindung von "Igor Stravinsky & Coco Chanel", reißt aber nur in seiner Reinszenierung des vielleicht berühmtesten Konzerts des 20. Jahrhunderts mit.

Das Lebende und das Tote

Im Kino vom 07.04.2010 07.04.2010. An die paradoxe Macht der Fotografie und des Films, Augenblicke verweilen zu lassen, glaubt Jan Troell in seinem schönen Spätwerk "Die ewigen Momente der Maria Larsson". Wie man eine Romanvorlage mausetot inszeniert, das lässt sich dagegen im Regiedebüt "A Single Man" des Ex-Gucci-Designers Tom Ford studieren.

Mehr Vergeltung als Erlösung

Im Kino vom 31.03.2010 31.03.2010. In Jessica Hausners Film "Lourdes" produziert eine Wunderheilung nichts als Unsicherheit. In Antoine Fuquas "Gesetz der Straße - Brooklyn's Finest" porträtieren Ethan Hawke, Richard Gere und Don Cheadle drei ziemlich derangierte Gesetzeshüter.

Virtuoser Hermeneut

Im Kino vom 09.03.2010 09.03.2010. Sacha Gervasis Dokumentarfilm über die kanadische Metalband "Anvil" knallt wie Dosenbier, auch wenn das Personal schon über 50 ist. Jacques Audiards "Ein Prophet" will eine Subjektwerdung zeigen und tut das Gegenteil.

Release Me!

Im Kino vom 24.02.2010 24.02.2010. Mit seinem "Bad Lieutenant"-Nicht-Remake liefert Werner Herzog eine Hollywood-Auftragsarbeit von äußerstem Eigensinn ab. Ein Genre-Film mit bizarren Tieren und irren Stellen, mit Wahnsinn, Gelächter und Song. Das muss man mit eigenen Augen sehen, um es zu glauben.

Der Job-Schnitter

Im Kino vom 03.02.2010 03.02.2010. Fast als Vergnügen stellt es sich Jason Reitmans Komödie "Up in the Air" vor, von George Clooney als luftreisendem Überbringer schlechter Botschaften gefeuert zu werden. In Bewegung gesetzt ist auch die Heldin von Guo Xiaolus preisgekröntem Spielfilm "She, a Chinese" - er erzählt allerdings vor allem, wie man von einer Abhängigkeit in die andere gerät am Rand der Gesellschaft.

Koepp-Country

Im Kino vom 27.01.2010 27.01.2010. Der Dokumentarfilmer Volker Koepp betrachtet in "Berlin-Stettin" sein eigenes Leben, aber stets so, dass es ihm als Zugang zu anderen Geschichten und zur (ost)deutschen Nachkriegsgeschichte ingesamt dient. Einen krachenden Erfolg hat Ex-Madonna-Gatte Guy Ritchie mit seiner "Sherlock Holmes"-Verfilmung gelandet: Er zeigt den Denker als Action-Star im Körper des Robert Downey Jr.

Soifz Fähigmann

Im Kino vom 20.01.2010 20.01.2010. Die Coens führen in "A Serious Man" einen Mann, der ihnen nichts Böses getan hat, an der Nase herum bzw. mit Fleiß in sein Unglück. Nach "Avatar" und "Gamer" ist Jonathan Mostows "Surrogates" schon wieder ein Film, der über die Logik der Stellvertretung nachzudenken versucht. Betonung in diesem Fall auf: versucht.

Jesusmäßiges Lichtspiel

Im Kino vom 13.01.2010 13.01.2010. Der europäische Autorenfilm lebt - in der Türkei: Die Rätselbilder von Semih Kaplanoglus "Süt - Milk" sind der Beweis. Eher ins Register Seelenbildung für Universitätsprofessoren dagegen gehört Thomas McCarthys zweiter Film "Ein Sommer in New York - The Visitor".

Echts

Im Kino vom 06.01.2010 06.01.2010. In ihrem umwerfenden SciFi-Videospiel-Actioner "Gamer" zeigen Mark Neveldine und Brian Taylor etwas wie Live-Bilder aus der Höhle des Löwen der zeitgenössischen Unterhaltungsindustrie. Als Mann von gestern erweist sich dagegen Terry Gilliam mit seiner aufwendigen Fantasieapparatur "Das Kabinett des Dr. Parnassus", in der Heath Ledger seinen letzten Auftritt hat.

Im Kino gewesen, genickt.

Im Kino vom 30.12.2009 30.12.2009. John Sayles hat mit "Casa de los Babys" einen hervorragend besetzten Film zum Thema Adoptionstourismus gedreht - nach sechs Jahren ist er nun in (wenigen) deutschen Kinos zu sehen. Und Sony hat es für nötig erachtet, ein Remake des Horror-Halbklassikers "The Stepfather" zu produzieren.

Schmetterlinge, Frittierfett

Im Kino vom 23.12.2009 23.12.2009. In seiner Hamburg-Komödie "Soul Kitchen" will  Fatih Akin das Leben selbst zeigen: Blut, Schweiß, Fritten und die zarten Hände einer Chiropraktikerin. Und mit "Bright Star" hat Jane Campion einen Kostümfilm über die sehr befristete Liebe des Dichters John Keats zu seiner Nachbarin Fanny Brawne gedreht.

Lummerland voll Wüstensand

Im Kino vom 16.12.2009 16.12.2009. James Cameron setzt in seinem Hyper-Spektakel "Avatar" die Logik der Avatare gegen die Logik der Cyborgs. Und Spike Jonze lässt Max, den Helden aus Maurice Sendaks Kinderbuchklassiker "Wo die wilden Kerle wohnen", im Land seiner Fantasie auf eine zottelige Depri-Truppe stoßen.

Sei kein Held!

Im Kino vom 09.12.2009 09.12.2009. Mit angenehmer Lässigkeit karriolt Ruben Fleischers inspirierte Horror-Komödie "Zombieland" durch die zeitgenössische Genrelandschaft. Zoltan Pauls "Unter Strom" versucht sich an einer deutschen Screwballkomödie und landet in einem Ferienhaus voller herumflatternder Irrer.

Schluss mit Oktopus

Im Kino vom 02.12.2009 02.12.2009. In seinem Spielfilmdebüt "Tulpan" versetzt Sergey Dvortsevoy nicht nur seine Figuren, sondern auch uns auf recht atemberaubende Weise in die Hungersteppe von Kasachstan. In "Whatever Works" laufen Woody Allens Boulevardtheaterfiguren mal wieder am Schnürchen durch einen Pointenparcours in einer Märchenwelt namens Manhattan.

Ganz andere Kraft

Im Kino vom 25.11.2009 25.11.2009. Michael Glawogger führt in seiner Josef-Haslinger-Verfilmung "Das Vaterspiel" vor, wie man aus einem wüsten Kolportage-Mix etwas Faszinierendes macht. Türkisches Arthaus-Kino zwischen ökolinkem Establishment und Istanbul ferner Bergwelt bietet Yesim Ustaoglu in ihrem vierten Film "Pandoras Box".

Letzte Seufzer

Im Kino vom 19.11.2009 19.11.2009. Oren Pelis Debütfilm "Paranormal Activity" ist der profitabelste Film aller Zeiten - ob der Haunted-House-Schocker mit minimalem Effekteinsatz aber tatsächlich gruselig ist, muss wohl jede/r an sich selbst austesten. Aus einer ganz anderen Sorte Nichts taucht der sympathische koreanische Independent "House & Guest" auf, der einander zwei sehr Fremde sich nahe kommen lässt.

Schönere Störung

Im Kino vom 11.11.2009 11.11.2009. In "Kapitalismus. Eine Liebesgeschichte" wählt sich Michael Moore diesmal gleich den Kapitalismus im Ganzen als Zielscheibe seiner populistischen Agitatorik: ein Gegenstand, den nicht mal ein Schrotgewehrschütze wie er so richtig verfehlen kann. Almut Gettos Liebesgeschichte "Ganz nah bei dir" dagegen muss man gesehen haben, um zu glauben, was für Drehbücher hierzulande so durchgewinkt werden.

Smartassifizierung

Im Kino vom 04.11.2009 04.11.2009. Mit Ausrufezeichen und einem dicken Matt Damon, mit merkwürdigem Off-Kommentar und Easy-Listening-Jazz nähert sich Steven Soderbergh in seinem jüngsten Film einem "Informanten". Kult-Drehbuchautorin Diablo Cody (Juno") plus Sexsymbol Megan Fox: ergibt blutig pürierte Vampirmythologie in Karyn Kusamas "Jennifer's Body".

A wie Allegorie

Im Kino vom 28.10.2009 28.10.2009. Die historischen Trümmer des 20. Jahrhunderts möchte der griechische Kunstfilmer Theo Angelopoulos in "The Dust of Time" noch einmal mit großer Geste zu Form und Darstellung sammeln. Regisseur Chris Columbus dagegen zeigt in "I Love You, Beth Cooper" nach seinen Harry-Potter-Ausflügen, was er als Komödienregisseur kann: nämlich gar nichts.