Perlentaucher-Autor

Lukas Foerster

354 Artikel

Lukas Foerster, geboren 1981 in Freiburg im Breisgau, studiert an der Freien Universität Berlin Filmwissenschaft und Japanologie . Seit 2005 arbeitet er als Filmkritiker für das Internetmagazin critic.de und seit August 2007 auch für den Perlentaucher. Weitere filmbezogene Texte veröffentlicht er auf seinem Blog Dirty Laundry.
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Auf Augenhöhe: Die starken Frauen im Berlinale-Wettbewerb 2013

Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2013 "How to do things with women": Das könnte, spätestens seit der Nouvelle Vague, ein Motto des internationalen und hinter der Kamera nach wie vor weitgehend männlichen Autorenkinos sein. Der aktuelle Berlinalewettbewerb ist da keine Ausnahme; schon alleine in den Filmtiteln tauchen sechs Frauennamen auf und kein einziger Männername. Bei den Regisseursnamen sieht die Verteilung anders aus: drei weibliche, siebzehn männliche. Das ist eine offensichtliche Schieflage, aus der man andererseits auch nicht zuviel machen muss, schließlich wird auch diese Perlentaucher-Kolumne sexistische Strukturen nicht aus der Welt schaffen. Was man aber schon machen kann: sich etwas genauer anschauen, was die Filme von den vielen Frauen wollen, die sie in ihre Zentren stellen. Denn das sind jeweils durchaus unterschiedliche Dinge. Von Lukas Foerster

Nicht nur untergründig bösartig: Emir Baigazins 'Harmony Lessons' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2013

Vorletzter Wettbewerbstag, die Pressevorstellung liegt auf der Frühschiene, um neun Uhr morgens, der Film ist ein fast zwei Stunden langes Debüt aus Kasachstan: Dass der Berlinalepalast auch bei "Harmony Lessons" gut gefüllt ist, spricht für die Ausdauer der akkreditierten Festivalgänger. Als dann gleich in den ersten drei Minuten ein Schaf direkt vor der Kamera erst eingefangen, dann geschlachtet und ausgeweidet wird, geht zwar ein hörbares Stöhnen durchs Publikum (nebenbei bemerkt: Das ist bei weitem nicht die erste derartige Szene des Festivals; im Gegenteil sind derartige, von der Kamera beglaubigte Tiertötungen eines der quintessentiellen Motive des Festivalkinos, fast könnte man meinen, dass die Schlachtung im Weltkino wieder eine rituelle Bedeutung zurückgewinnt, ein Band über Raum und Zeit hinweg zum Zuschauer knüpft). Es dauert dann allerdings nicht lang, bis man erkennt, dass der junge Regisseur Emir Baigazin einen der interessantesten Filme des diesjährigen Wettbewerbs gedreht hat.
Von Lukas Foerster

Beängstigender Wald: Andreas Bolms 'Die Wiedergänge' (Perspektive Deutsches Kino)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2013

Wohin man auch blickt, überall Bäume auf dieser Berlinale: Besonders im Wettbewerb jagt ein Waldfilm den nächsten. Nina Hoss
schlägt sich bei Thomas Arslan als Teil einer exildeutschen Reisetruppe durchs unwirtliche, grenzmystische Nadelholz. Tendenziell mindestens ebenso aggressiv (genauer gesagt: mindestens eine Bärenfalle aggressiver) gebärt sich der - gleichfalls kanadische - Wald, in dem Vic und Flo bei Denis Côté abhängen. Von der freundlichen Seite zeigt sich die Pflanzenwelt bei David Gordon Green: Obwohl er gleich zu Filmanfang abbrennt, bietet ein (wieder aufgeforsteter und dezent verzauberter) Wald Paul Rudd und Emile Hirsch Unterschlupf, hilft ihnen beim bonding und beim Verarbeiten von Liebesproblemen. Den Waldfilm to end all Waldfilme hat, wen wundert’s, James Benning gedreht: Gut zwei Stunden lang steht im Forumsfilm "Stemple Pass" eine Hütte im Wald herum; die Jahreszeiten wechseln, die Lichtverhältnisse aus, manchmal werden Texte des Unabombers Theodore Kaczynski verlesen, der sich jahrelang in einer ähnlichen Hütte verkrochen hatte, dann herrscht wieder minutenlang, viertelstundenlang Stille, gelegentlich tritt Rauch aus dem Schornstein der Hütte - aber der Wald, der bleibt. Von Lukas Foerster

Sehnt sich hinaus ins Freie: Keisuke Kinoshitas 'Farewell to dream' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2013

Yoichi sitzt am Fenster, im ersten Stock des Hauses, den Rücken der Kamera zugewandt und blickt durch ein Fernglas nach draußen. Und gleichzeitig, sagt der Voice Over, auf die Vergangenheit, auf sein vier Jahre jüngeres Ich, das noch nicht war, was er jetzt ist: ein Fischverkäufer, wie der Vater vor ihm, Ernährer einer kleinen Familie, die Dank ihm gerade einmal so über die Runden kommt.
Von Lukas Foerster

Alle ontologischen Anker gelichtet: 'Closed Curtain' von Jafar Panahi und Kamboziya Partovi (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2013

Der Richterspruch hat nach wie vor Bestand, allen Protesten zum Trotz: zu sechs Jahren Haft (bislang wohl vollzogen als Hausarrest) wurde der iranischer Regisseur Jafar Panahi im Jahr 2010 verurteilt, außerdem wurden ihm zwanzig Jahre Berufsverbot erteilt. Das hielt ihn nicht davon ab, 2010 einen gemeinsam mit Mojtaba Mirtahmasb inszenierten Film in den Wettbewerb von Cannes zu schmuggeln, der einen schlagenden, mit Blick auf das Urteil folgerichtigen Titel trägt; Filme drehen darf Jafar Panahi nicht mehr, also: "This Is Not a Film". Zwei Jahre später setzt sich Panahis Geisterexistenz auf internationalen Filmfestivals fort, mit einer weiteren kollaborativ entstandenen Regiearbeit: "Closed Curtain" heißt der Film, Kambuzia Partovi der Co-Regisseur.
Von Lukas Foerster