Perlentaucher-Autor

Lukas Foerster

13 Artikel - Stichwort: Pulp

Lukas Foerster, geboren 1981 in Freiburg im Breisgau, studiert an der Freien Universität Berlin Filmwissenschaft und Japanologie . Seit 2005 arbeitet er als Filmkritiker für das Internetmagazin critic.de und seit August 2007 auch für den Perlentaucher. Weitere filmbezogene Texte veröffentlicht er auf seinem Blog Dirty Laundry.

Patrone für Patrone: Thomas Arslans 'Im Schatten'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2010 Die Titelsequenz liegt über einem Straßenzug in Berlin Mitte. Ampeln und Leuchtreklamen dominieren das Bild und werfen bunte Schlieren, die nahelegen, dass die Kamera hinter einer Glasscheibe positioniert ist. Danach, in kurzer Folge, drei Einstellungen von Trojan (großartig in seiner körperlichen Präsenz: Misel Maticevic, zuletzt unter anderem in den beiden tollen Dominik-Graf-Filmen "Eine Stadt wird erpresst" und "Das Gelübde" und auf der Berlinale außerdem in Grafs sehnsüchtig erwarteter Serie "Im Angesicht des Verbrechens" zu sehen). Er steht an einer Häuserfassade, blickt sich um und macht sich schließlich auf den Weg in einen Berliner Gangsterfilm. Trojan, gerade aus dem Gefängnis entlassen, betritt zunächst einen Hausflur, dann eine Wohnung, bald darauf eine weitere, er wartet in Straßencafes, er besorgt sich ein Auto, ist damit auf Berliner Straßen und in Berliner Parkhäusern unterwegs, bezieht ein Hotelzimmer mit denkbar unglamouröser Aussicht, funktionalisiert sein Leben wie der Film ihn und die Stadt funktionalisiert. Ziel der Funktionalisierung ist ein Geldtransporter, den Trojan mit einem alten Kollegen gemeinsam ausrauben will. Kriminalität als Handwerk, in Autowerkstätten, Straßencafes und unter Autobahnbrücken: Wie Can in Arslans erstem Genrefilm "Dealer" seine Drogenbriefchen verpackt hat, so lädt Trojan seine Waffe und die Kamera beobachtet ihn dabei: Patrone für Patrone. Und genau wie… Von Lukas Foerster

Postmodernisiert: Zhang Yimous 'A Woman, a Gun and a Noodle Shop'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2010


Das Titelbild ist altmodisch. Dann drei Schüsse und durch drei Risse im Bild dringen Lichtstrahlen. Mehrmals wird der Film dieses Motiv spiegeln: die Risse in einer zerbrechlichen Oberfläche, durch die Licht eindringt. Am Anfang kommt hinter dem Riss die Welt zum Vorschein. Oder das, was der neue Film von Zhang Yimou als die Welt ausgibt. Farbenfroh ist sie und völlig artifiziell. Rot-weiß gestreifte, pittoresk zerklüftete Hügellandschaften, über die bald schwarze Soldaten mit blauen Fahnen geritten kommen werden.
Doch zunächst macht die Welt, die durch den Riss in der Oberfläche bricht, Krawall. Wir sind im Nudelrestaurant, das Wang gemeinsam mit seiner deutlich jüngeren Frau betreibt. Jetzt werden erst einmal Pistolen und Kanonen eingeführt. Zumindest in diesem einsamen, hinterwäldlerischen Fleckchen Erde (wer soll hier eigentlich ein Nudelrestaurant frequentieren? Uninteressant, nächste Frage) sind Schusswaffen noch unbekannt. Das Personal des Restaurants, insbesondere ein tumber Riese mit überdimensionierten Vorderzähnen, staunt und sieht im Übrigen aus, wie einem albernen Hongkongfilm der Siebziger entsprungen. Subtil ist was anderes.
Man darf dieses Personal wenige Szenen später bei der virtuosen Zubereitung von Nudelteig bewundern. Einen virtuos zubereiteter Nudelteig von einem Film: das zustande gebracht zu haben, könnte man Zhang Yimou gerade…
Von Lukas Foerster

Berlinale 2. Tag

Außer Atem 07.02.2009 Radu Judes "The Happiest Girl in the World" klammert sich so fest an ihre Chance wie an ihre gehäkelte Handtasche. Informationspolitische Cleverness beweist Asghar Farhadi in seinem Wettbewerbsfilm "Darbareye Elly - About Elly". Verstreut symbolisch Samen: Mans Manssons "Mr. Governor". Francois Ozons "Ricky" fliegt, hebt aber nicht ab. Stephen Daldrys "Der Vorleser" scheitert an seiner obszönen Symbolik. Dante Lams "The Beast Stalker" ist feines Pulp-Entertainment über Menschen mit Narben. Von Thekla Dannenberg, Lukas Foerster, Thomas Groh, Ekkehard Knörer