Aufzeichnungen über Grenzen und Säume

Außer Atem: Das Berlinale Blog 05.02.2015 […] in dieser Zeit ein Avantgardist der Nostalgie. Dennoch: Der Blick auf die Moderne ist bei ihm gebrochen, aber das nimmt ihr nicht die Verheißung. Unvergesslich sind im "Amerikanischen Freund" die Bilder des nagelneuen Défense-Viertels in Paris, die den Eiffelturm von außen in den Blick nehmen, als erstes Monument der Moderne, nicht als letztes des alten Paris. Und die Türme des World Trade Centers […] Versehrtheit interessierte - die später den Charme West-Berlins ausmachte -, sondern wegen ihrer Intaktheit. Diese Landschaft zeigt er als eine Art wahres Deutschland, das noch nicht durch die banale Moderne der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit verunstaltet war. Die Kleinstädte in dem Film wirken allerdings ebenso aus der Zeit gefallen wie später West-Berlin. Die Stadt Wolfsburg, von der einmal die […] hier ein paar Jahre zuvor mit einem winzigen Laden in der Rue du Dragon angefangen und die Vogue zu Spezialnummern über Japan inspiriert. Seine und Rei Kawakubos Kleider waren in der Geschichte der Mode, was New Wave für Pop war. Sie waren die Künstler der nach außen gedrehten Nähte, der Asymmetrie und Dekonstruktion, einflussreich bis heute. Das rote Kleid, das Dommartin in der Barszene im "Himmel […] Von Thierry Chervel

Kritik an der totalen Dienstleistungskultur: Tatjana Turanskyjs 'Top Girl' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2014 […] einsetzt: es gibt da ein Interesse für die exotische Fantastik und das Statuarische der Lack-und-Leder-Outfits und zugleich eine schöne Sensibilität für den langweilig-seriösen Konsens-Look, der die Mode der neuen Mitte charakterisiert. Groß ist nicht zuletzt das Spiel von Julia Hummer, deren verehrungswürdige Schlunzigkeit lange nicht mehr im Kino zu sehen war und die sich und ihren Körper hier uneitel […] Von Elena Meilicke

Hat alles richtig gemacht: Max Linz' 'Ich will mich nicht künstlich aufregen' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2014 […] produzieren und urban gardening betreiben. Zu Beginn des Films lesen sie abwechselnd aus einem theoriegesättigten Buch, das aus einer Zeit stammt, als sich Kapitalismuskritik noch intelligent und modern anhörte. Sentimentale Anbiederung ans Proletariat fehlt hier: Ob aus Zehlendorf oder Neukölln, mit Down oder ohne - alle haben was drauf. Selbst die Klage über die gestiegenen Mieten wird mit Niveau […] Von Anja Seeliger

Pamphlet für den Ernst

Redaktionsblog - Im Ententeich 11.04.2013 […] Sprachaufmerksamkeit und Sprache stimmen. Als einziger von uns früheren Popautoren hat Joachim Bessing es auf sich genommen, weiterhin ein Leben in der Gegenwart zu leben. Mit den Neuheiten der Dinge, der Mode, der Kontaktools und Gadgets, auch der Musik. Die Gewalt dieser Dinge hält man nur aus, wenn man selber, naturgegeben von der Frühe des Lebensmoments, von Jugend und Aufbruch ins Dasein, gewaltbereit […] Von Rainald Goetz

Hämmer im Schwall: Slavoj Zizeks Endlösung der Geschichte

Redaktionsblog - Im Ententeich 25.06.2010 […] Badious nämlich schon 2007 als Zeit-Artikel veröffentlicht. Dort liest sich sein Satz als Resümee einer Kritik an Badiou: "Die Juden und ihre Treue zum Gesetz seien das letzte Hindernis, das sich der modernen Verflüssigung, der Überwindung aller Trennungen in einer allumfassenden Einheit, entgegenstellt, weshalb es für totalitäre Universalisten wie Badiou nur eine Lösung der jüdischen Frage gebe, nämlich […] englischen Ausgabe fehlt nun allerdings wieder der kleine Satz "Hier ist Widerspruch angebracht". Es geht nach dem Hammersatz gleich weiter mit "But is it not rather the case that, in the history of modern Europe, those who stood for the striving were precisely atheist jews?" Die kunstvoll-infame Schwebe ist in der deutschen Fassung der Zeit also in die politisch korrekte Verständnisrichtung geerdet […] sound, the problem with Hitler was that he was not violent enough, that his violence was not 'essential' enough. Nazism was not radical enough, it did not dare to disturb the basic structure of the modern capitalist social space (which is why it had to focus on destroying an invented external enemy, Jews)." Eine vertrackte Technik des Philosophierens! Es ist, als würde man sagen: Zizek ist nicht nur […] Von Thierry Chervel

Momente der Freiheit: Drei Filme von Yasujiro Shimazu (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2010 […] weiß nicht recht, wie es auszuschöpfen ist. In "The Trio?s Engagement" will ein Kaufhaus junge, moderne Kundschaft anlocken, die entsprechenden Bemühungen wirken allerdings eher hilflos. Auch gegendert ist "Nippon Modern": das Modern Girl bekommt, gerade in den Filmen Shimazus, Oberwasser, der Modern Boy muss sehen, wo er bleibt. In zwei der drei Filme stehen Männer im Zentrum, die sich zumindest […] verloren. Inzwischen sieht die Archivlage etwas besser aus (wie die NZZ 2005 im Friaul erfuhr). "Nippon Modern: 1930s" heißt das Programm, in dem letztes Jahr in Tokio neben anderen Filmen sieben Arbeiten Yasujiro Shimazus gezeigt wurden. Drei davon sind jetzt in Berlin zu sehen. Im Zentrum von "Nippon Modern" steht der Kamata-Stil, mit dem das Studio Shochiku schon ab den späten zwanziger Jahren, vor allem […] den frühen dreißiger Jahren das japanische Kino erneuerte. Formal sind die Filme nahe an Hollywood und dessen analytischer Montage. Der Kamata-Stil ist aber zuerst eine Frage des Inhalts. Denn die Moderne, das ist diesen Filmen vor allem der Westen: Europa und Amerika; genauer deren Populär- und Hochkultur. Immer wieder stimmen die jungen Männer und Frauen nicht nur bei Shimazu, sondern auch in den […] Von Lukas Foerster

Schirrmachers Payback kommt über Bande

Redaktionsblog - Im Ententeich 06.11.2009 […] Buch (englisch: "The age of the Informavore") - oder zumindest einen darauf basierenden Vortrag Schirrmachers - offensichtlich schon zur Kenntnis nehmen: "We are apparently now in a situation where modern technology is changing the way people behave, people talk, people react, people think, and people remember. And you encounter this not only in a theoretical way, but when you meet people, when suddenly […] Von Thierry Chervel