Außer Atem: Das Berlinale Blog

Postmodernisiert: Zhang Yimous 'A Woman, a Gun and a Noodle Shop'

Von Lukas Foerster
14.02.2010.


Das Titelbild ist altmodisch. Dann drei Schüsse und durch drei Risse im Bild dringen Lichtstrahlen. Mehrmals wird der Film dieses Motiv spiegeln: die Risse in einer zerbrechlichen Oberfläche, durch die Licht eindringt. Am Anfang kommt hinter dem Riss die Welt zum Vorschein. Oder das, was der neue Film von Zhang Yimou als die Welt ausgibt. Farbenfroh ist sie und völlig artifiziell. Rot-weiß gestreifte, pittoresk zerklüftete Hügellandschaften, über die bald schwarze Soldaten mit blauen Fahnen geritten kommen werden.
Doch zunächst macht die Welt, die durch den Riss in der Oberfläche bricht, Krawall. Wir sind im Nudelrestaurant, das Wang gemeinsam mit seiner deutlich jüngeren Frau betreibt. Jetzt werden erst einmal Pistolen und Kanonen eingeführt. Zumindest in diesem einsamen, hinterwäldlerischen Fleckchen Erde (wer soll hier eigentlich ein Nudelrestaurant frequentieren? Uninteressant, nächste Frage) sind Schusswaffen noch unbekannt. Das Personal des Restaurants, insbesondere ein tumber Riese mit überdimensionierten Vorderzähnen, staunt und sieht im Übrigen aus, wie einem albernen Hongkongfilm der Siebziger entsprungen. Subtil ist was anderes.
Man darf dieses Personal wenige Szenen später bei der virtuosen Zubereitung von Nudelteig bewundern. Einen virtuos zubereiteter Nudelteig von einem Film: das zustande gebracht zu haben, könnte man Zhang Yimou gerade…


Das Titelbild ist altmodisch. Dann drei Schüsse und durch drei Risse im Bild dringen Lichtstrahlen. Mehrmals wird der Film dieses Motiv spiegeln: die Risse in einer zerbrechlichen Oberfläche, durch die Licht eindringt. Am Anfang kommt hinter dem Riss die Welt zum Vorschein. Oder das, was der neue Film von Zhang Yimou als die Welt ausgibt. Farbenfroh ist sie und völlig artifiziell. Rot-weiß gestreifte, pittoresk zerklüftete Hügellandschaften, über die bald schwarze Soldaten mit blauen Fahnen geritten kommen werden.
Doch zunächst macht die Welt, die durch den Riss in der Oberfläche bricht, Krawall. Wir sind im Nudelrestaurant, das Wang gemeinsam mit seiner deutlich jüngeren Frau betreibt. Jetzt werden erst einmal Pistolen und Kanonen eingeführt. Zumindest in diesem einsamen, hinterwäldlerischen Fleckchen Erde (wer soll hier eigentlich ein Nudelrestaurant frequentieren? Uninteressant, nächste Frage) sind Schusswaffen noch unbekannt. Das Personal des Restaurants, insbesondere ein tumber Riese mit überdimensionierten Vorderzähnen, staunt und sieht im Übrigen aus, wie einem albernen Hongkongfilm der Siebziger entsprungen. Subtil ist was anderes.
Man darf dieses Personal wenige Szenen später bei der virtuosen Zubereitung von Nudelteig bewundern. Einen virtuos zubereiteter Nudelteig von einem Film: das zustande gebracht zu haben, könnte man Zhang Yimou gerade noch zugestehen. Viel mehr allerdings nicht. "A Woman, A Gun and a Noodle Shop" ist Zhangs Rückkehr zum Kino, nachdem er im Sommer 2008 die Eröffnungszeremonie der olympischen Spiele in Peking inszenierte. Von Staatstragendem hat er offensichtlich erst einmal wieder genug, sein neuer Film ist unpolitisches Unterhaltungskino und gleichzeitig wohl eher für den chinesischen denn für den internationalen (Festival-)Markt gedacht.
Es gibt dann noch Li, einen weiteren jungen Angestellten, mit dem hat Wangs Frau eine Affäre. Und einen Polizisten, hager und verschlagen, der bringt die Sache ins Rollen. Die Ausgangssituation könnte dem einen oder anderen bekannt sein. Genauso der Verlauf, den das Ganze nimmt. "A Woman, A Gun and a Noodle Shop" ist ein allen kulturellen Differenzen zum Trotz recht originalgetreues Remake des Neo-Noirs "Blood Simple", mit dem Joel und Ethan Coen in den achtziger Jahren ihre Karriere starteten.



Manch einer hält diesen ersten Film immer noch für den besten der Brüder. Ich nicht, aber das muss erst einmal wenig heißen. Die Frage ist ja, was Zhang Yimou jetzt daraus macht. Man könnte das vielleicht so beschreiben, dass er um die Anführungszeichen, die die Coens um den klassischen Film Noir gesetzt hatten, noch einmal weitere Anführungszeichen setzt. Die Postmoderne wird weiter postmodernisiert, koste es, was es wolle. Sie schließt sich ein in immer abstraktere Dekors, hybridisiert sich einen Plot aus einer pulpifizierten Version von Filmgeschichte zusammen und schließt ihn immer wieder auf den naheliegensten Effekt hin kurz.
Die Feinmechanik der Intrige gelingt Zhang Yimou zugegebenermaßen ganz gut. Cross & Double-Cross, wer weiß was, wer beobachtet wen, wer begräbt wen und wer verschläft fast das gesamte Blutbad im Reisweinrausch. Durch welches Fenster gelangt man in welches Zimmer und gegen welchen Kessel stößt man dabei lieber nicht. Immer wieder lauert der Polizist im Keller, immer wieder lauscht der tumbe Riese an der Tür.
Zhang Yimou ist ein begnadeter Techniker, das wusste man schon immer und das bestätigt er hier ein weiteres Mal. Erträglicher als der protoimperialistische Prunk, dem sich der Regisseur in seinem letzten Film vor der Olympia-Auftragsarbeit "Curse of the Golden Flower" befleißigte, ist "A Woman, a Gun and a Noodle Shop" allemal.

Zhang Yimou: "San qiang pai an jing qi - A Woman, A Gun And A Noodle Shop". Mit Sun Honglei, Xiao Shenyang, Yan Ni. Volksrepublik China, Hongkong, China, 2009, 90 Minuten (Wettbewerb, Vorführtermine)