Perlentaucher-Autor

Thomas Groh

7 Artikel - Stichwort: Barock

Thomas Groh, geboren 1978, lebt seit 1997 in Berlin, dort Studium der Film-, Kultur-, Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Humboldt und Freien Universität. Seit 2001 freier Autor für die Online-Filmmagazine f-lm.de und jump-cut.de sowie seit 2002 für die Filmzeitschrift "Splatting Image", einzelne Beiträge für "Telepolis" und "Jungle World". Weitere Texte, Notizen und Hinweise veröffentlicht er auf seinem Blog http://filmtagebuch.blogger.de 

Flirrendes Gespensterhaus: Guy Maddins 'Keyhole' (Berlinale Special)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2012

Jeder, der es ernst meint mit der Berlinale, wird diesen Zustand kennen: Nach einigen Tagen blenden die Filme ineinander über, eine leicht fiebrige Müdigkeit überfällt einen im Kino, das Gefühl für Zeit, die Fähigkeit, einem Plot zu folgen, wird fragil: Stattdessen Lichtreflexe, denen man mit den Augen folgt. Wenn man so will hat Guy Maddin mit "Keyhole" den Film zu diesem Zustand gedreht: Doppelbeleuchtungen, schummriges Licht, oft totes Schwarzweiß, ein Soundtrack, der so wabert wie es im Innern eines betrunkenen Seemanns nachts auf Deck klingt, eine assoziative Montage, die die Geschehnisse nicht so sehr in Zeit anordnet, sondern die Dinge aufeinander schichtet. Sitzt man selbst dazu berlinale-übernächtigt im dunklen Kino, geht man dazu ganz eigene Korrespondenzen ein. "Im Kino zu schlafen, heißt dem Film vertrauen", lautet ein Satz in Rudolf Thomes "Berlin Chamissoplatz". Bei Guy Maddins "Keyhole" kann man einschlafen, wieder aufwachen oder ganz in den Schwebezustand zwischen Traum und Diesseits-Verankerung eintauchen, den schwere Augenlider im Kinosaal markieren – der Film verzeiht einem diese Schwäche ohne weiteres, ja, er wattiert einen gleichsam ein, vielleicht will er das sogar so.
Von Thomas Groh