Perlentaucher-Autor

Anja Seeliger

Anja Seeliger, geboren 1961 in Koblenz, hat Jura studiert. Als freie Journalistin hat sie u.a. für die taz, Financial Times, Spiegel und Vogue geschrieben. Sie ist Mitbegründerin des Perlentauchers.
Mail: redaktion@perlentaucher.de
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Bücher von Anja Seeliger finden Sie hier.
124 Artikel - Seite 2 von 11

Energy Healing in Bosnien: Igor Drljacas Doku "Kameni govornici - The Stone Speakers" (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2019 Bosnien-Herzegowina ist ein Land, das von Kriegen und anderen Katastrophen gezeichnet ist, den beiden Weltkriegen, dem Kommunismus, dem jugoslawischen Bürgerkrieg und jetzt einer freien Marktwirtschaft, die sich im internationalen Konkurrenzkampf nicht behaupten kann. Überall wurden Fabriken geschlossen und die Leute zogen weg. Einige Städte haben daraufhin Alleinstellungsmerkmale entwickelt, die irgendwie mit einer mächtigen Strömung in der Bevölkerung korrespondieren. Der bosnische Regisseur Igor Drljača stellt vier solche Städte in seinem Dokumentarfilm "The Stone Speakers" vor - alle im Südosten gelegen. Von Anja Seeliger

Betrügt den Zuschauer: Denis Cotes "Repertoire des villes disparues - Ghost Town Anthology" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2019 Eine winterliche Landschaft, im Vordergrund eine Art Baustelle, auf der zwei Bagger stehen. Dann hört man ein Auto, das schnell näher kommt, und das ist es, rast von hinten ins Bild, macht eine kurze scharfe Kurve nach links und knallt mit voller Geschwindigkeit in die kleine Steinmauer. Stille. Die Kamera wandert um das Autor, dann auf zwei Beine, die herbei rennen, und dann sieht man zwei kleine Gestalten mit grauen Halloween-Masken auf dem Gesicht, die auf das Auto starren. Von Anja Seeliger

Allein mit Vater: "Pferde stehlen" von Hans Petter Moland (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019 Würden heute noch Western gedreht werden - der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgård wäre ihr Held. Er ist vielleicht der letzte männliche Schauspieler, den man noch an seiner Haltung und seinem Gang erkennt. Auch kann er sich jederzeit ganz in sich zurückziehen, so dass nur noch eine Außenhülle zurückzubleiben scheint. Das alles kommt ihm auch in dieser Rolle eines alten Mannes zurück, der fühlt, dass sein Leben zu Ende geht und der sich in ein kleines Dorf an der norwegisch-schwedischen Grenze zurückzieht. Trond, so heißt der Mann, hat hier den letzten Sommer allein mit seinem Vater verbracht, der die Familie dann aus Liebe zur Nachbarsfrau verließ. Ein Verlust, den der Junge auch als alter Mann offenbar nie verwunden hat. Von Anja Seeliger

Absolut modern: Die Viehhirten in "Öndög" von Wang Quan'an (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019 Dieser Film tut so, als könnte er kein Wässerchen trüben, als wäre er einer dieser chinesischen Breitwandfilme mit rotbackigen Mongolen, die ihr Vieh, ihre Familie und das traditionelle Bogenschießen hochhalten. Auch hier endlose Weiten, die endlose Minuten lang durchquert werden müssen. Lange schaut die Kamera immer wieder auf die goldgelbe Steppe unter einem riesigen blauen Himmel. Wir sehen beim Schlachten eines Schafs zu und bei der Geburt eines Kalbs - jedesmal in Echtzeit. Von Anja Seeliger

Man ist schließlich Mensch: Thomas Stubers "In den Gängen" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 23.02.2018 Das erste Bild ist eine Landstraße, Morgendämmerung, die Laternen sind noch an, ein paar kahle Bäume zeichnen sich am Rand gegen den Himmel ab, hier und da mal ein Auto. Dann setzt die Musik ein und während die Kamera in den Großmarkt fährt und durch die Gänge schwebt, spielt das Orchester den Donauwalzer. Es ist ein wunderbarer Anfang. Die Lichter gehen an, Gabelstapler fahren hin und her. Und das Publikum schwebt mit. Von Anja Seeliger

Halbgarer Genrebrei: Alonso Ruizpalacios' "Museo" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 22.02.2018 Zwei Loser, Juan und Benjamin, räumen das anthropologische Museum in Mexiko Stadt aus, um die Beute zu verkaufen. Warum? Fragen Sie mich nicht. Es scheint nur am Rande um Geld zu gehen. Die beiden wollen für den unermesslichen Maya-Schatz gerade mal eine Million Dollar. Es geht um das Abenteuer, sicher. Und ein bisschen um die Familie, auf die Juan aus unerfindlichen Gründen herabguckt. Oder geht es um das generelle Problem ethnologischer Museen heutzutage? Von Anja Seeliger

Die Pistole war nicht echt: Philip Grönings "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot"

Außer Atem: Das Berlinale Blog 21.02.2018 Drei Stunden Geschwisterliebe (und -hass), Pubertät, Sommer, eine heldenhafte Heuschrecke, Augustinus' Philosophie über die Zeit, Inzest, Vergewaltigung und ein Mord. Langweilig ist Philip Grönings "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" trotz der Länge nicht. Obwohl in den ersten anderthalb Stunden nicht viel passiert. Wir beobachtet ein Zwillingspaar, Bruder und Schwester, die ein Wochenende auf dem Land verbringen. Eltern sind nicht in Sicht. Jeden Tag platzieren sich die beiden mitten in ein Weizenfeld, in Sichtweite der Tankstelle an der Straße, wo sie sich mit Bier und Essen eindecken und aufs Klo gehen. Von Anja Seeliger

Trägt eine Maske: Mani Haghighis "Schwein" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 21.02.2018 Dieser Film will um jeden Preis eine Komödie sein, und das gelingt ihm auch. Mani Haghighi, nahe Teheran lebender Philosoph und Filmemacher, ist ein Spezialist fürs Absurde. 2006 stellte er für "Men at Work" vier Männer vor einen riesigen Felsbrocken und beobachtete ihre absurden Versuche, das Trumm aus dem Weg zu schaffen. 2013 schickte er in "Modest Reception" ein Paar mit Plastiktüten voller Geld durch die Gegend, das sie bereitwillig abgaben, sofern die Empfänger sich ihren sadistischen Spielchen unterwarfen. Und 2016 ließ er in "A Dragon Arrives!" zwei men in black im orangefarbenen Chevy einen fünfzig Jahre alten politischen Mord untersuchen. Von Anja Seeliger
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