Donnerstag, 01.06.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
01.06.2017 Ein Kreuz über dem Forum der Weltkulturen? Die Ratlosigkeit des Führungsgremiums in der Debatte verrät einiges über seine "schwere Konzeptarmut ", fürchtet die Zeit. Der Theologe und Präsident des Fördervereins Berliner Schloss, Richard Schröder, sieht in der Welt dagegen kein Problem mit dem Kreuz und bekommt Schützenhilfe vom Zentralrat der Muslime. Mit mehr Überwachung können die Behörden nicht von ihren internen Problemen ablenken, warnt Sascha Lobo in Spiegel online. In der Berliner Zeitung kritisiert Timothy Garton Ash Heiko Maas' Netzwerkdurchsetzungsgesetz.
Efeu - Die Kulturrundschau
01.06.2017 Die FAZ fürchtet um den europäischen Film, sollten alle ihn sehen dürfen. Die NZZ bewundert die Feldforschungen Peter Stamms. Die SZ lernt von Willy Fleckhaus, dass Wissen nicht grau sein muss. Der Guardian stellt die neuseeländische Künstlerin Susan Te Kahurangi King vor. Die taz besucht eine Ausstellung über Bunker.
Medienticker
01.06.2017 Aktualisiert: Tankred Dorst ist tot - Reporter ohne Grenzen fordert Schutz vor staatlichen Hackerangriffen & Sicherheit ist eine Inszenierung, meint Sascha Lobo - Urheberrechtsreform: In der Union regt sich Widerstand - Deniz Yücel: Maxim Biller würde es mit Gnade versuchen - Michael Kleeberg über Doderers "Strudlhofstiege": Trauen Sie nie den Warnungen lesender Freunde - Chet Baker: Genie gegen Sucht + Tweet: Jetzt mal einen #covfefe.
Bücherschau des Tages
01.06.2017 Als klugen, vielschichtigen und hochpolitischen Roman preist die FR Saleem Haddads "Guapa". SZ und Zeit lesen Studien über Gewalt nach dem Ersten Weltkrieg: "Die Besiegten" von Robert Gerwarth und "Am Anfang war Gewalt" von Mark Jones. Sehr empfehlen kann die Zeit außerdem neue Gedichte von Nico Bleutge, die Krimis von Adrian McKinty und den letzten Roman von Denis Johnson.
Freitag, 02.06.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
02.06.2017 Was hat der 2. Juni 1967 noch mit heute zu tun? Eine Menge, meinen eine Menge Autoren und Autorinnen, die dabei waren, überall. In der Welt erklärt Eva Quistorp, wie das mit den Fake News damals ging. Die taz fordert vom Berliner Senat eine Entschuldigung für das damalige kriminelle Behördenversagen. Der scheint auch geneigt zu sein. Außerdem: Das Silicon Valley schimpft auf Donald Trump. Die Berliner Zeitung ist entsetzt über die durchgepaukte Grundgesetzänderung für die Privatisierung von Autobahnen.
Efeu - Die Kulturrundschau
02.06.2017 Die NZZ erklärt, wie das iranische Kino von Repression und Zensur profitiert. Die Zeit erklärt, warum es ein Privileg der Lyrik ist, brotlos zu sein. Die SZ erfährt bei der Münchner Ausstellung "After the Fact", was die Gegenwartskunst der Propaganda entgegenzusetzen hat. Ebenfalls in der SZ erinnert Wolf Wondratschek an Zeiten, als sich Journalisten ihre Arbeit noch mit Gold aufwiegen lassen konnten. Und alle nehmen Abschied vom großen Dramatiker Tankred Dorst.
Medienticker
02.06.2017 Aktualisiert: FAZ, BILD & das Urheberrecht & Warum Verlage sich von der Reform des Urheberrechts bedroht fühlen - ScienceOpen: Forschung sichtbarer machen - Angriff auf die Kreativen: Die EU zerstört Europas Filmwirtschaft - Lyriker leben unter der Armutsgrenze, stellt Ijoma Mangold fest - Französische Kulturkritik: Frei sein heisst nicht modernistisch sein - EU-Parlament stimmt für reduzierten Mehrwertsteuer für E-Books & E-Paper + Heute vor 50 Jahren: Uwe Timm über den Freund & Fremden.
Bücherschau des Tages
02.06.2017 Christine Wunnickes Kurzroman "Katie" bezaubert die SZ mit Komik, Klugheit und Esprit. Maria-Anna Schulze Brüning und Stephan Clauss überzeugen die FAZ mit ihrer Streitschrift für die Schreibschrift. Die NZZ setzt sich im Essay "Das Geld" und in Joseph Hanimanns Biografie "Der Unzeitgenosse" mit dem französischen Denker Charles Péguy auseinander.
Samstag, 03.06.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
03.06.2017 In der SZ setzt der österreichische Regisseur Paul Poet auf die politische Sprengkraft des Schmuddelkinos. In der NZZ spricht der Kolumbianer Juan Gabriel Vásquez über politisches Engagement und den Friedensprozess. In der taz gleicht Matthias Borgmann Hans Schefczyks Roman "Das Ding drehn" mit seiner eigenen Vergangenheit bei den Revolutionären Zellen ab. Die FAZ liest die erotischen Liebesbriefe von Hanne Darboven. Der Standard tritt mit Frank Kunert in den Abgrund.
9punkt - Die Debattenrundschau
03.06.2017 In der Welt verteidigt Architekt Frank Stella das Kreuz auf der Kuppel des Humboldt-Forums. Konföderation statt Zweistaatenlösung - damit könnten sich sogar die israelischen Siedler anfreunden, hofft die Politikanalystin Dahlia Scheindlin in der taz. In der NZZ beschreibt Sonja Margolina Russland als Land der Fassaden. Die Columbia Journalism Review hört gerappte Nachrichten im Senegal. Spon und Zeit online sehen uns mit fünf neuen Gesetzen in den Überwachungsstaat rutschen.
Bücherschau des Tages
03.06.2017 Die ganze schillernde Seele von Gabriel Garcia Marquez' Klassiker "Hundert Jahre Einsamkeit" eröffnet sich der NZZ in Dagmar Ploetz' neuer Übersetzung. Als große philosophische Schriftstellerin rühmt die taz Rachel Cusk, deren neuer Roman "Transit" sie geradezu aufgewühlt hat. SZ und Welt lesen die Dorothy Parkers Gedichte "Denn mein Herz ist frisch gebrochen". Die FAZ lernt von Jochen Schimmang, mit Dämonen zu leben. Und die FR erlebt noch einmal mit Enrique Vila-Matas die Dokumenta von 2012.
Dienstag, 06.06.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
06.06.2017 Beglückt erleben die Kritiker, wie Jonathan Meese bei den Wiener Festwochen mit Wagner auf die Meta-Kacke haut. Der FAZ wird bei Adrian Villar Rojas' posthumanistischen Installationen in Bregenz ganz unbehaglich zumute. In der Zeit träumt Sandra Hüller von DDR-Filmen ohne Spreewaldgurken-Kitsch. In der FR will Kasper König Münster aufmischen. Und alle nehmen Abschied von dem spanischen Schriftsteller Juan Goytisolo.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.06.2017 Im Streit um das Kreuz auf dem Humboldt-Forum machen Horst Bredekamp, Neil MacGregor und Hermann Parzinger in der FAZ den Zweifel zum Gestaltungsprinzip. Welt und Guardian erklären uns die Zukunft, wie der Akzelerationismus sie sieht. Intercept veröffentlicht NSA-Dokumente, die zeigen, dass die Russen sehr wohl den amerikanischen Wahlkampf manipuliert haben. Libération erinnert daran, dass Feminismus auch etwas mit Solidarität zu tun hat. Und es hat sich gelohnt: Trumps Klimapolitik nützt - neben amerikanischen Ölmultis - vor allem den Russen, meint die SZ.
Medienticker
06.06.2017 Aktualisiert: News-Sperre: Wissen über Medien - Medien in Tschechien: Kritik am "tschechischen Berlusconi" - Fake News zu London-Terror - Absturz? Verlorene "Breitbart"-Leser wiedergefunden - "Kassel. Eine Fiktion": Mit multiplen Identitäten auf der documenta - 50 Jahre "Summer of Love": Ausstellung in San Francisco - Nachruf: Wolfram Schütte über Juan Goytisolo + Literaturnobelpreisrede: Bob Dylan hat seine Vorlesung (mit Klaviermusik) abgeliefert.
Magazinrundschau
06.06.2017 Die New York Review of Books begibt sich auf das Schlachtfeld Abtreibung. Der Guardian ruft: Smart Cities sind undemokratisch. Der Merkur attackiert die feudale Pfründewirtschaft der akademischen Buchverlage. La vie des idees stellt fest, dass nach den Attentaten auf Charlie Hebdo die Toleranz in Frankreich gewachsen ist. Magyar Naracz beklagt das Verschwinden guter Chöre. Und Wired begegnet in Cupertino dem Architektur gewordenen Steve Jobs.
Bücherschau des Tages
06.06.2017 FAZ und SZ loben Magnus Brechtkens Albert-Speer-Biografie, die mit der Märchen des guten Nazis ein für allemal aufräumt. Schockiert liest die FAZ außerdem einen Sammelband über rechte Gewalt in Deutschland. Die NZZ lernt von Daniel-Pascal Zorn, wie man mit Populisten diskutiert. Sehr unterschiedlich urteilen FR und FAZ über Paula Hawkins zweiten Thriller "Into the Water".
Mittwoch, 07.06.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
07.06.2017 Die taz porträtiert die Dokumentarfilmerin Marcela Zamora aus El Salvador, die bekennt, abgetrieben zu haben: Dafür wurden Frauen in dem Land schon schon zu dreißig Jahren Gefängnis verurteilt. Am Humboldt-Forum soll laut Tagesspiegel jetzt auch nach dem Willen des Künstlers Lars Ramberg neben dem Kreuz der Zweifel angebracht werden. In NZZ und Guardian machen Ian McEwan und Timothy Garton Ash den Remainern Mut. Nein, Religion ist nicht für Terror mit verantwortlich, meint die Soziologin Z Fareen Parvez im Guardian.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.06.2017 Die FAZ streift kurz vor Eröffnung der Documenta in Kassel durch die Weltmusikabteilung. Dezeen erzählt, warum Banksy jetzt lieber doch nicht die britischen Wahlen ungültig machen will. Auf ZeitOnline reist Michael Kumpfmüller nach Nowosibirsk und Tomsk und Irkutsk. Auf Netzpolitik fordert die EU-Abeordnete Julia Reda eine Vereinfachung der Online-Rechte für Rundfunkanbieter. Die FR lauscht Bob Dylans von Klaviermusik unterlegter Nobelvorlesung. Und die SZ erlebt im West Village die Luxusverödung von New York.
Medienticker
07.06.2017 Türkei: Chef von Amnesty International festgenommen - Medien in Russland: Kreml-kritische New Times vor dem Aus - Ausbau des Bildungsgeschäfts: Bertelsmann übernimmt US-Unternehmen WhiteCloud - Arte & WDR: Streit um Antisemitismus-Doku - Karin Röhricht: Wie kann man in Klagenfurt gewinnen? - "Honigsüße Stimme mit beißendem Spott": Zum 50. Todestag von Dorothy Parker & Dieser Peymann zum heutigen Achtzigsten + Ungezügelte, freie Energie beim Moers Jazz-Festival.
Bücherschau des Tages
07.06.2017 Die SZ bewundert weiterhin Karl Ove Knausgards monumentalen Ehrgeiz, den Geheimnissen des Lebens auf den Grund zu kommen. Die FAZ liest schwer schluckend Anke Stellings Inzest-Roman "Fürsorge". FAZ und SZ stimmen sich zudem mit Claus Peymanns "Mord und Totschlag" auf dessen achtzigsten Geburtstag ein. Die FR lässt sich von Annie Proulx über die Zerstörung der Wälder belehren. Brillanz und Pfiff genießt die NZZ mit Dorothy Parkers Gedichten "Denn mein Herz ist frisch gebrochen".
Donnerstag, 08.06.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
08.06.2017 Schon wieder! Heute wählen die Briten. Ian Dunt wundert sich bei politics.co.uk, warum der Brexit im Wahlkampf auf so kleiner Flamme gekocht wurde. Brendan O'Neill zupft in der NZZ an der britischen stiff upper lipp. Und Nick Cohen attackiert im Spectator Seumas Milne, den wichtigsten Berater Jeremy Corbyns und Verteidiger der DDR. Die taz bestaunt eine irre Debatte über Straßenbenennungen im Berliner Kolonialviertel. Und die Zeit-Geschäftsführer müssen eine Anzeige im eigenen Blatt schalten, um die Enteignung der freien Presse anzuprangern.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.06.2017 Im unspektakulären Kassel kann Kunst doch noch richtig wirken, stellt der Tagesspiegel zum Documenta-Auftakt zufrieden fest. In der FAZ schreibt Olga Martynova über inoffizielle Lyrik in der Sowjetunion. Zeit online stellt einen Band über die unabhängige Theaterszene in China vor. Die SZ hört Igor Levit mit Rachmaninows "Rhapsodie über ein Thema von Paganini".
Medienticker
08.06.2017 Aktualisiert: Einmütigkeit: Publizistische Sorgfaltspflicht statt Netzwerkdurchsetzungsgesetz - Neues Urheberrecht: Aufbruch oder Enteignung? - Branchenweite Ratlosigkeit: Digitalisierung im Buchhandel - Türkei: Börsenverein setzt Zeichen für Intellektuelle - Russland: Bibliothekarin verurteilt wg. "anti-russischer Propaganda" - Ian McEwan will back to the EU + Glanz & Elend einer Legende: Spielfilm über Chet Baker.
Bücherschau des Tages
08.06.2017 Jakob Noltes Roman "Schreckliche Gewalten" entfaltete schreckliche Gewalten für die Seele des mehr als hingerissenen Zeit-Rezensenten. In der Zeit wird außerdem Tom Espedals "Biografie, Tagebuch, Briefe" sehr gelobt. Die NZZ empfiehlt Claudio Magris' Roman "Verfahren eingestellt". Die FAZ liest die Komödien des Aristophanes in neuer Übersetzung.
Freitag, 09.06.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
09.06.2017 Das britische Schlammassel geht weiter: Theresa May verliert ihre Mehrheit. Nick Cohen hofft im Spectator, dass gemäßigte Kräfte nun einen weicheren Brexit durchsetzen können. Die SZ fragt: Wie kann es sein, dass die Renovierung der Oper und des Schauspielhauses in Frankfurt annähernd eine Millarde Euro kosten soll? Liegt es am Luxusgeschmack der Institutionen? In der Jüdischen Allgemeinen analysiert der Politologe Martin Kloke das pathologische Verhältnis deutscher Linker zu Israel.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.06.2017 In der Zeit verbittet sich der Sänger Cornelius Hauptmann die Instrumentalisierung der Elbphilharmonie für Protest gegen den G20-Gipfel. Die nachtkritik amüsiert sich beim Bregenzer Frühling mit dem Stück "Ich glaube" des aktionstheater ensembles. Welt und FAZ kehren schwer enttäuscht von der Documenta aus Kassel zurück. Und das Zeit Magazin wünscht deutschen Jugendlichen einen Politiker in Turnschuhen.
Medienticker
09.06.2017 Aktualisiert: Medien-Entwicklung: Reichweite allein reicht nicht mehr - Katar-Krise: Zensur & konzertierte Repressalien gegen Al-Dschasira - documenta 14: Das Parthenon der Bücher-Zensur in Kassel - Datenjournalismus: "Automatisier' Dich, Lokaljournalismus!" - Türkische Chronik XLI: Wer gegen Erdoğan ist, muss hungern - Micheal Moore: Welcome to TrumpiLeaks - Jeden Monat ein Buch & Online-Geschäft stärkt Buchhändler - Karikaturen: Technische Paradiese + Inside Magazin: Beulenpest & Schenkelschande.
Bücherschau des Tages
09.06.2017 Mit ihrer Studie über den SS-Richter Konrad Morgen erschüttern Herlinde Pauer-Studer und J. David Velleman viele moralische Gewissheiten über die NS-Zeit, stellt die SZ beeindruckt fest. Die NZZ verfolgt gebannt Tomas Espedals in "Biografie, Tagebuch, Briefe" gesammtelten Schreibexperimente von 1999 bis 2005. Aufregend findet sie auch Bandis Erzählungen aus Nordkorea. Und die FR blickt mit Viktor Remizovs Roman "Asche und Staub" auf die russische Provinz.
Samstag, 10.06.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
10.06.2017 Ziemlich uneins sind sich die Kritiker nach dem ersten Tag der Documenta 14 in Kassel: Einen tief traurigen Bußgang erlebt der Tagesspiegel, die SZ entdeckt, wie Realismus im 21. Jahrhundert funktioniert und die NZZ lernt: Der Kurator ist Gott. FAZ und Nachtkritik schauen mit dem Belarus Free Theatre in die Unterwelt des Putin-Regimes. Auf Zeitonline erinnert sich Castorf-Biograf Robin Detje an schockierende Exzesse an der Volksbühne. Und in der FAZ verfällt Sibylle Lewitscharoff schließlich doch noch dem wollüstigen Ächzen des Teufels in Thomas Manns "Doktor Faustus".
9punkt - Die Debattenrundschau
10.06.2017 Der Guardian erklärt, warum Schadenfreude über May und Jubel über Corbyn unangebracht sind: die Tories bleiben, der Brexit kommt. Die jamaikanische Kulturwissenschaftlerin Imani Tafari-Ama erzählt in der taz, weshalb es das Thema Kolonialismus in Deutschland besonders schwer hat. Zweifel und Glauben sind nach evangelischem Verständnis nicht Gegner, sondern Brüder, erklärt Johann Hinrich Claussen im Tagesspiegel mit Blick auf die Berliner Schlosskuppel. Und die NZZ tendiert nach reiflicher Überlegung gegen offene Grenzen.
Bücherschau des Tages
10.06.2017 Als Pflichtlektüre für angehende Journalisten empfiehlt die taz Maxim Billers gesammelte Tempo-Kolumnen "Hundert Zeilen Hass". In "Die Stute" zaubert Mary Gaitskill aus den Mustern des Jugend-Pferderomans ein Buch für Erwachsene, staunt die NZZ. Die Welt ist dankbar für die Veröffentlichung von Victor Klemperers Briefen und J.R.R. Tolkiens "Beren und Lúthien". Die FR liest gebannt Javier Cercas' Roman "Der falsche Überlebende" über den Hochstapler Enric Marco. Und die SZ lässt sich von Lawrence Osbornes Roman "Denen man vergibt" in ihrer moralischen Urteilsfähigkeit herausfordern.
Montag, 12.06.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
12.06.2017 Trotz der Schwächung ihrer traditionellen Parteien, siegt mit Emmanuel Macron auf paradoxe Art die Fünfte Republik, staunt Libération nach der ersten Runde der französischen Parlamentswahlen. Und der Mann ist schlau! Im NYRB Blog fragt Fintan O'Toole, wer in Britannien überhaupt das Volk ist. Die SZ stellt die peinliche Frage, wer ein rechtsextremes Buch auf die Sachbuchbestenliste des NDR gebracht hat. Die taz fordert Arte auf, die Antisemitismus-Dokumentation von Sophie Hafner und Joachim Schröder zu zeigen.
Efeu - Die Kulturrundschau
12.06.2017 Nach der Documenta wurde in Münster mit den Skulptur Projekten gleich das nächste Kunstgroßereignis eröffnet: Welt und Berliner Zeitung freuen sich über so viel entspannte und poetische Gegenwartskunst. Die SZ fordert allerdings eine Förderung der Projekte durch die Krankenkassen. Die FAS blickt erschrocken in die kulturelle Leere des New Yorker Amazon-Shops. Die taz erlebt, wie René Pollesch das Raumschiff Volksbühne im Mainstream verglühen lässt.
Medienticker
12.06.2017 Türkische Inquisition: Eine Reportage von Attila Anday - Neutralität & Unabhängigkeit sind nicht mit Relativismus zu verwechseln - Regenbogenpresse empört: "Wir lügen doch gar nicht immer nur!" - Schriftsteller & Politik: Vom politischen Wandel der Belletristik - Grauen als Genre: Was der Terror mit der Literatur macht - Die langweiligste Buchhandlung von New York.
Bücherschau des Tages
12.06.2017 Die FR liest betört Jürgen Beckers autobiografisches Jounalgedicht "Graugänse über Toronto". Die taz steht mit Jan Wagner geblendet wie eine gerettete Barockseele im italienischen Licht. Und die SZ reist mit dem Zeichner Christoph Niemann von Berlin über Rio nach Kalifornien.
Dienstag, 13.06.2017
Magazinrundschau
13.06.2017 Islam und Vernunft fanden schon mal im 19. Jahrhundert zusammen, dank Napoleon, erklärt Kenan Malik im New Statesman. Novinky unterscheidet zwischen post-truth, postfaktisch und bullshit. Die New York Review of Books lässt sich von Marjorie Perloff die posthabsburgische Moderne erklären. Der New Yorker erzählt, wie Augustinus den Sex erfand. Die New York Times unterhält sich mit muslimischen Le-Pen- und Sarkozy-Wählern in der Pariser Banlieue.
Der Balkan ist wieder bereit zum Krieg, warnt Miljenko Jergovic in New Eastern Europe.
9punkt - Die Debattenrundschau
13.06.2017 Auf Youtube und bei Bild.de ist jetzt die umstrittene Arte-Doku über Antisemitismus zu sehen, die Arte partout nicht zeigen will - wird es rechtliche Probleme geben? Der Ärger um die Sachbuchbestenliste des NDR ist nicht zu Ende - NDR Kultur setzt die Zusammenarbeit mit der Jury aus. Was für einen Begriff von Religion hat die ARD eigentlich, wenn sie das Nicht-Glauben als eine bloße Unterform des Glaubens darstellt, fragt hpd.de. Libération erzählt, wie der Koalitionspartner von Theresa May über Homosexualität und Abtreibung denkt. Und die NZZ weiß: Die russische Jugend hat Putin satt.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.06.2017 Die NZZ bewundert im Warschauer Zamek Ujazdowskie, mit welcher Intensität polnische Künstler Staatlichkeit und Religion infrage stellen. Die SZ begleitet den Regisseur Stefan Otteni zur "Konferenz der irakischen Vögel" ins kurdische Sulaimaniyya. ZeitOnline huldigt der verschlagenen Synthese aus Authentizität versus Literarizität. Außerdem seufzt die NZZ seufzt in Erinnerung an das Popjahr 1967: Alben sind für die Alten.
Medienticker
13.06.2017 Aktualisiert: Margaret Atwood erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2017 - Studie: Wer abonniert kostenpflichtige News & warum? - Hamburg: Gefährdet neues Urheberrecht den Medienstandort? - Kein Nischenthema mehr: Datenjournalismus: - Gefällt uns vielleicht: Facebook räumt zögerlich Fehler im Umgang mit Hass und Propaganda ein - Buchbranche malt gerne Untergangsszenarien, habe aber keinen Grund zum Jammern, meint Hans-Peter Siebenhaar - Henry David Thoreau: Der Nationaldichter aus dem Wald + Geprägt von Diktatur & Exil: 100. Geburtstag von Augusto Roa Bastos.
Bücherschau des Tages
13.06.2017 Als finsteres Märchen aus der Pfalz liest die Welt Monika Geiers hervorragenden Kriminalroman "Alles so hell da vorn". Die SZ ist auch beeindruckt von der kargen Humanität in Cynan Jones' Roman "Alles, was ich am Strand gefunden habe". Die FAZ wünschte sich, Bernie Sanders würde die Bewegungslinke aus der Defensive herausführen. Bei J.M.G. Le Clézio schätzt sie allerdings auch "gefälliges Gefühl".
Mittwoch, 14.06.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
14.06.2017 Welt und FR freuen sich sehr über den Friedenspreis für Margaret Atwood, die als gute Dystopikerin auch eine klarsichtige Spötterin sei. Wenn nicht nach Kassel, dann aber unbedingt nach Münster, ruft die Zeit und erkundet bei den Skulptur Projekten Mondlandschaften und Asia-Läden. Im Standard will die Tänzerin Louise Lecavalier den Körper aus dem Bild befreien. Die taz stellt die Jazzcellistin Helen Gillet aus New Orleans vor. Die NZZ erkundet den neuen Together-Spirit in der Architektur.
9punkt - Die Debattenrundschau
14.06.2017 Das Interesse an der Antisemitismusdoku "Auserwählt und ausgegrenzt" war groß - aber die Meinungen über den Film sind geteilt. Arte will aber nicht gegen die Veröffentlichung durch bild.de klagen und begrüßt, dass die Zuschauer, denen der Sender den Film verweigerte, sich nun ein Bild machen konnten. In der Zeit kritisiert Seyran Ates die Islamkonferenz. "Der Kommunismus ist machbar", verkündet der amerikanische Soziologe Erik Olin Wright in der Berliner Zeitung. Allerdings nur im Kapitalismus.
Medienticker
14.06.2017 Aktualisiert, 15.6.: Man-Booker-Preis für David Grossman - Reporter ohne Grenzen: Keine Journalisten-Visa für den Südsudan - Reichweiten: Springers Welt überholt Spiegel Online - Reform bei Regeln für die Wissenschaft: Union streitet & Heiko Maas verteidigt - Buchtage: Schlechte Zeiten für Wissenschaftsverlage - Digitalisierung: Verlage zwischen Theorie & Praxis - Wenn Computer Texte schreiben: Verliert der Mensch seine Sprache? - 150 Jahre Kapital: Mit Philosophie die Welt verändern - Junge, heitere Spießer: Über Hipster & andere Zeitgenossen + Die Wahrheit: Lesedauer 100 Minuten.
Bücherschau des Tages
14.06.2017 Die Zeit liest fasziniert "Der falsche Überlebende", Javier Cercas' Roman über den Hochstapler Enric Marco. Die FAZ lässt sich vom stimmenhörenden Erzähler in Michael Stavarics Roman "Gotland" an einen teuflisch dunklen Ort entführen. Die SZ entdeckt mit Sarah Khan die unglaublichen Geschichten hinter den Kleinanzeigen bei Ebay. Die NZZ empfiehlt Dominique Goblets autobiografischen Comic "So tun als ob heißt lügen".
Donnerstag, 15.06.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
15.06.2017 Die taz kommt erfrischt von der Skulptur Projekte in Münster zurück. Hat Bob Dylan für seine Literaturnobelpreisrede eine Webseite mit Interpretationshilfen für Schüler geplündert? Slate findet erstaunliche Ähnlichkeiten. Die FR feiert Jeff Nichols' Rassismusdrama "Loving". Stefan Heuckes "Deutsche Messe", in Berlin uraufgeführt, lässt Tagesspiegel und Berliner Zeitung kalt.
9punkt - Die Debattenrundschau
15.06.2017 Im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen vermutet Ahmad Mansour Gründe der politischen Korrektheit hinter der Weigerung von Arte und WDR, die Antisemitismus-Doku "Auserwählt und ausgegrenzt" zu senden. In Frankreich hat die Debatte um den Film bisher überhaupt kein Echo - trotz des Mords an einer jüdischen Ärztin, der die Frage aufwirft, ob Antisemitismus in dem Land massiv verdrängt wird. In der New York Times hält Kenan Malik ein deutliches Plädyoer für "Kulturelle Aneignung".
Bücherschau des Tages
15.06.2017 Hingerissen ergeht die NZZ mit Oswald Egger das Tal des Neins und die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Sprache. Außerdem fragt sie mit Dieter Borchmeyer: Was ist deutsch? Die taz liest Jutta Winkelmanns graphic novel über "Mein Leben ohne mich".
Freitag, 16.06.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
16.06.2017 Der Großbrand im Grenfell Tower ist ein Fanal und ein Symbol für die Behandlung der Armen in einer Metropole, die nur noch Superreiche will, schreibt Brendan O'Neill im Spectator. Die islamistischen Terroristen stammen meistens nicht aus den muslimischen Gemeinden, sondern von ihren Rändern, betont Olivier Roy in Le Monde. Buzzfeed präsentiert eine Recherche über mysteriöse Todesfälle in London, die auf die Sphäre der russischen Geheimdienste und Mafia verweisen. Die Zeit warnt vor Staatstrojanern auf der Suche nach Bagatelldelikten.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.06.2017 Sollte Bob Dylan für seine Nobelpreis-Vorlesung plagiiert haben, wäre das weder überraschend noch empörend, meinen Zeit Online und SZ. Der Tagesanzeiger wirft mit Richard Dawsons neuem Album "Peasant" einen erbarmungslosen Blick ins englische Mittelalter. Die SZ wohnt bei Jossi Wielers Stuttgarter Inszenierung der Tschaikowsky-Oper "Pique Dame" seltsamen Ritualen bei. Die FAZ schlägt sich für eine Museumseröffnung durch den kongelesischen Dschungel. Und Diedrich Diederichsen ruft uns in der taz entgegen: Hört Barney Wilen!
Medienticker
16.06.2017 Aktualisiert: Werbemarkt 2017: Online überholt erstmals TV - Buchtage Berlin: IG Meinungsfreiheit im Börsenverein gegründet - Geschichte eines Tweets oder Wie Populismus digital funktioniert - Jury als Geisel: Herfried Münkler über den Streit um die NDR-Bestenliste - Ikonen unter Sturmhauben: Uraufführung: "Pussy Riots" am Schauspiel Essen - Wulf Segebrecht über Hans Wollschläger als Rezensent + Monterey Pop Festival 1967: Start des "Summer of Love".
Bücherschau des Tages
16.06.2017 Als Leitartikel, Autobiografie und aktivistisches Manifest in einem liest die FAZ Seyran Ates' Bericht über die Gründung einer liberalen Moschee in Berlin. Die FR findet Manfred Geiers Doppelbiografie von Wittgenstein und Heidegger so spannend wie unterhaltsam. Der SZ mag sich die Notwendigkeit einer Neuübersetzung von Gabriel Garcia Marquez' Klassiker "Hundert Jahre Einsamkeit" nicht recht erschließen. Und die NZZ kommt mit Hanns Zischler und Franz Kafka beglückt aus dem Kino.
Samstag, 17.06.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
17.06.2017 Helmut Kohl ist tot. Bettina Gaus erinnert daran, wie die deutsche Linke den Kanzler unterschätzte. Bei Emma.de erklärt Necla Kelek, warum sie Lamya Kaddors Aufruf zur Ramadan-Demo wenig glaubwürdig findet. Bei hpd.de erklärt Mina Ahadi, warum es so wichtig war, einen "Zentralrat der Ex-Muslime" zu gründen. Und die Diskussion hat geholfen: Die Antisemitismus-Doku "Auserwählt und ausgegrenzt" wird nun doch in der ARD gezeigt.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.06.2017 Sex und Schmerz, alles, was einen Teenager bewegt, findet Tracey Emin in den Bildern Egon Schieles. Im Standard taucht Regisseur Marco Arturo Marelli in die depressive, harte Welt von Debussys "Pelléas et Mélisande". Die taz hört vietnamesischen Beatmusik der sechziger und siebziger Jahre. Und die NZZ fragt: Warum wird die neue Intendanz des Zürcher Schauspielhauses hinter verschlossenen Türen ausgehandelt?
Bücherschau des Tages
17.06.2017 Die FR lernt mit Jennifer Haighs Roman "Licht und Glut" aus einer ehemaligen Kohlestadt einiges über die heutige Arbeitswelt. Die FAZ lernt in der Macron-Biografie Anne Fuldas einen außergewöhnlichen Mann kennen. Lob geht auch an Jasna Zajceks Flüchtlingsreportage "Kaltland". Die SZ empfiehlt wildes Denken mit Charles Peguys Schrift "Das Geld" aus der Vorzeit unserer Finanzkrisen. Die taz berauscht sich an Charles Baudelaires Essays über "Wein und Haschisch".
Montag, 19.06.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
19.06.2017 Emmanuel Macron hat jetzt auch im Parlament die absolute Mehrheit: Pierre Rosanvallon fällt in Le Monde beim Blick auf den Wahlkampf die starke Personalisierung auf - bei mangelnden Experimenten in der Form. Was ist das für eine Umweltpolitik, die Hochhäuser in Dämmstoff aus Erdölprodukten einpackt, fragt die FAZ. Sechs Professoren warnen in der NZZ vor einer neuen Religion: dem Transhumanismus. Mashable analysiert neue Zahlen zur Internetwerbung: Google und Facebook haben inzwischen einen Anteil daran von siebzig Prozent.
Efeu - Die Kulturrundschau
19.06.2017 Den Kritikern des Standard klebt nach den Wiener Festwochen noch immer furchtbar viel Diskurswatte im Mund. Winckelmanns Liebe zu Griechenland war eine zu nackten Männern. Der Tagesspiegel besucht die Film-Guerilla, die im Berliner Wedding operiert und für die Bewahrung von klassischem Filmmaterial kämpft. Und Salman Rushdie wird siebzig: Die Berliner Zeitung feiert seine Romane, die kein Entweder-Oder kennen.
Medienticker
19.06.2017 Maas' Netz-Gesetz: Gut oder schlecht? - Lobbyismus: Das neues Transparenz-Portal ist eine wahre Fundgrube - Gegen Online-Hass & Propaganda: Google präsentiert Vier-Punkte-Plan - Politiker-Rhetorik: Worthülsen & Sprechblasen - Nachlese: Der mediale Tod eines Altkanzlers - Wiederentdeckte Kapitalismuskritik: Upton Sinclairs "Boston" von 1928 ist auch heute noch sehr aktuell + Amsterdam: Weltpremiere von Dmitri Kourliandskis Oper "Octavia. Trepanation".
Bücherschau des Tages
19.06.2017 Mit seinem Buch über die "Salafisten" führt Rüdiger Lohlker die SZ tief hinein in den Irrgarten islamistischer Frömmelei. Bei Markus Bickel informiert sie sich über die Mesalliance westlicher Rüstungsfirmen und korrupter Potentaten. Die FAZ stellt neue Hörbücher vor: Bürgerliches Selbstbewusstsein schallt ihr aus Walter Benjamins Briefsammlung "Deutsche Menschen" entgegen. Theodor Storms norddeutschen Realismus genießt sie in der "Großen Höspiel-Edition" am liebsten pur.
Dienstag, 20.06.2017
Magazinrundschau
20.06.2017 Hlidaci pes lässt sich erklären, warum in China so viele Menschen hingerichtet werden, die vorher gesundheitlich bestens betreut wurden. The New Republic würdigt das souverän entworfene Selbstbild Georgia O'Keefes. Der Spectator stellt drei weitere Genies weiblicher Selbstdarstellung vor. Der Guardian plaudert mit dem Propheten des Anthropozän, dem britischen Philosophen Timothy Morton. Das New York Magazine erkundet die neuen Datenbanken der Gelüste. Die LRB sucht nach Gründen für den erstmals wieder steigenden Hunger in der Welt. Feminismus als derber Slapstick - ein Fortschritt, findet der New Yorker.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.06.2017 In der taz pocht Regisseur Roger Vontobel auf sein Recht, eine rassistische Realität zu zeigen und zu reflektieren. In der FAZ beklagt der Literaturwissenschaftler Kai Kauffmann die Ausnüchterung des Literaturbegriffs in der Germanistik. Die Welt ahnt, warum Thomas Hengelbrock seinen Posten als Chefdirigent der Elbphilharmonie räumt. ZeitOnline beoabchtet Katy Perry im 72-Stunden-Livestream. Und der Standard hält in Münster einfach mal die Füße ins Wasser.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.06.2017 Die Kreuzdebatte greift zu kurz - das ganze Humboldtforum ist eine von political correctness und Neukolonialismus gelenkte Fehlkonstruktion, meint Philipp Oswalt im Tagesspiegel. Der Belfaster Schriftsteller Paul McVeigh kann es in der Welt kaum fassen, dass Theresa May mit der Partei der Protestanten paktiert. Ein düsterer Fall von massivem Kindsmissbrauch erschüttert Argentinien - und bringt laut Le Monde auch den heutigen Papst in Bedrängnis. Vegetarier leben in einem Paradox, meinen die Kolumnisten.
Medienticker
20.06.2017 Aktualisiert: Büchner Preis 2017 für den Lyriker Jan Wagner + ein Interview mit dem Preisträger - Zeitungen werden nicht überleben, meinen Roger Nickl & Thomas Gull - Appell: Reporter ohne Grenzen fordern beim NetzDG einen grundlegenden neuen Ansatz - Neuer Blick auf Elfriede Jelineks Theatralik: "Wut" in der Frauenkirche in Dresden - Nach Gott: Peter Sloterdijks Ritt durch die Geschichte der Theologie - Wolfram Schüttes Petits riens + Herr der Harmonien: Brian Wilson zum 75.
Bücherschau des Tages
20.06.2017 Eindeutig zu weit geht es der FAZ, wenn Jacques de Saint Victor dem Laizismus huldigt und unerschrocken die Blasphemie zum imaginären Verbrechen erklärt. Die taz empfiehlt das "Handbook Israel" als Grundlage für künftige Diskussionen über Israel. Für die NZZ gehören Ludwik Herings Erzählungen "Spuren" zum Eindrucksvollsten, was die polnische Kriegsliteratur zu bieten hat. Und die SZ lässt sich von zwei Fotobänden noch einmal die Großartigkeit Pina Bauschs vor Augen führen.
Mittwoch, 21.06.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
21.06.2017 Zadie Smith betrachtet für Harper's Dana Schutz' Gemälde "Open Casket" und fragt sich, ob ihre Kinder schwarz genug sind. In der Berliner Zeitung sucht Dirk Baecker einen Weg aus der Krise der Demokratien. Heute wird sich nach der Rede der Königin vor dem britischen Parlament zeigen, ob Theresa May regieren kann - die Brexit-Entscheidung erscheint der FAZ als Höhepunkt einer langen Krise. Und es läuft die Doku "Ausgegrenzt und auserwählt" in der ARD. Seit sechs Monaten hat die Anstalt nicht mit ihm geredet, beklagt der Filmemacher Joachim Schröder in der FAZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
21.06.2017 Der Büchner-Preis für Jan Wagner stößt auf einhellige Zustimmung bei den Kritikern, die den Lyriker als virtuos, lässig und jung feiern. Die taz erlebt auf dem Festival Africologne noch einmal, wie Fela Kuti seine Künstlerkommune in mitreißendes Chaos stürzte. Die Welt erkennt bei den in Bonn gezeigten frühen Gerhard-Richter-Bildern auf sinnlichen Zauber in Tateinheit mit intellektueller Kraft. Und auf Dezeen verrät der burkinische Architekt Francis Kéré, warum niemand mit seinem Sommerpavillon der Serpentine Gallery konkurrieren kann.
Medienticker
21.06.2017 Aktualisiert: Die TV-Autoren wurden nicht eingeladen - Vorwurf der Bundespressekonferenz: "Bundestag beschränkt Arbeit von Journalisten" - Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz: VG Wort sieht "erheblichen Änderungsbedarf" - Magazin Tempo: Journalismus der anderen Art - Der Wortmagier: Interview mit António Lobo Antunes - Boomt die Lyrik? Neuer Kurswert für eine alte Form der Sprachkunst + Im Bücherrausch: Über Leserplattformen
Bücherschau des Tages
21.06.2017 Noch radikaler als Beckett und Joyce, dabei schön schnoddrig: die FAZ liebt Mairtin O'Cadhains "Grabgeflüster". Die FR lässt sich von Don Winslows Krimi "Corruption" ummähen. Die NZZ erliegt der Negative captivity Rachel Cusks. Und die taz lernt von Jean-Pierre Luizard, dass nur das postkoloniale Staatensystem schuld ist am mörderischen Schlamassel im Nahen Osten.
Donnerstag, 22.06.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
22.06.2017 Die Ausstrahlung des Films "Auserwählt und ausgegrenzt" und die Diskussion darüber gerieten zur hochnotpeinlichen Angelegenheit, meint Spiegel online - so etwas muss wohl passieren, wenn man einen Film zugleich zeigen und sich von ihm distanzieren will. Erstmals äußern sich in Télérama auch französische Stimmen zu dem Film: Das Magazin hat ausschließlich scharfe Kritiker gefunden. Jörg Baberowsiki darf laut einem Gerichtsurteil als rechtsextrem bezeichnet werden. Anlass für Wolfgang Benz, im Tagesspiegel nachzutreten. Seyran Ates' liberale Moschee ist nun laut Zeit online auch Gegenstand einer Fatwa der Al-Azhar-Universität in Kairo - "im Klartext: todeswürdig".
Efeu - Die Kulturrundschau
22.06.2017 Die NYRB staunt über den Paragone, den der Künstler Bill Viola in Florenz mit Meisterwerken der Renaissance riskiert. Die Viennale Wien fürchtet den unmenschlichen Roboter. In London bastelt man bereits an einer Version, die nervt. Was könnte menschlicher sein? Michael Bays neuer "Transformers"-Film provoziert saftige Verrisse. Die SZ gerät mit dem Indie-Folk-Pop der Fleet Foxes in religiöse Ekstase.
Medienticker
22.06.2017 Aktualisiert: Staastrojaner: Wenn der Staat ab heute zum Hacker wird - Digital News Report: Interesse an Nachrichten ist in Deutschland hoch - USA: Milliardäre die freie Presse zum Abschuss geben frei - AfD-Leaks: "Wir müssen die Medien unterwandern" - Terrorbilder: Warum die NZZ sie zeigt- Macron & die Medien: Märchenprinz mit Kennedylächeln - Pay-Angebote: Fernsehen wird zum Luxusgut + Hazmat Modine oder Die Ehrenretter der Mundharmonika.
Bücherschau des Tages
22.06.2017 Die SZ ist so angeregt von Jörg Martin Merz' Neuinterpretation des Picasso-Gemäldes "Guernica", das sie nach Madrid fährt. Die FAZ liest Gedichte von Judith Hennemann. Die FR folgt dem Dichter Marcel Beyer ins "Blindgeweinte Jahrhundert". Die taz freut sich über intime Porträts Peggy Guggenheims. Die Zeit empfiehlt einige Bücher für den Sommer.
Freitag, 23.06.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
23.06.2017 In der lang erwarteten Rolle des Otello erlebt die Welt in London mit Jonas Kaufmann einen Tenor am Anschlag. NZZ und Tages-Anzeiger werden im Kunsthaus Zürich in Sachen Aktions- und Performancekunst aktiv. Die SZ berichtet von Hermann Pölkings siebenstündigem Monumental-Dokumentarfilm "Wer war Hitler", der auf dem Filmfest München Premiere hatte. Und die taz erliegt dem Wohlklang von Camilles neuem Album "OUÏ".
9punkt - Die Debattenrundschau
23.06.2017 Der Bundestag hat den Staatstrojaner losgelassen. Und zwar auf "fast betrügerische Weise", schreibt Heribert Prantl in der SZ. Im Guardian bekennt Timothy Garton Ash seinen Schmerz über das Chaos in Britannien ein Jahr nach dem Brexit-Votum. Le Monde stellt die Bewegung der "Entfaster" vor, die in Tunesien während des Ramadan öffentlich zu Mittag isst. Nach dem Debakel um die Ausstrahlung des Films "Auserwählt und und ausgegrenzt" fragt Caroline Fetscher im Tagesspiegel, ob eine Debatte über Antisemitismus in Deutschland überhaupt möglich ist.
Medienticker
23.06.2017 Aktualisiert: Kulturrat fordert Bundeskulturministerium - Hauptquelle Fernsehen: Jeder zweite Deutsche vertraut den Nachrichten - Der Medien-Overkill: Überall Kohl - Terror, Angst & die Medien: Von Anschläge erzählen - Ethikrat-Konferenz: Wer trägt die Verantwortung für autonome Systeme? - Theater-Nachtkritiken aus Mannheim & München - Die Erfindung der Pressefotografie & Die fotografierte Ferne - US-Mythos: Der immerwährende Summer of Love + Der Jazz ist ziemlich akademisch geworden.
Bücherschau des Tages
23.06.2017 Als Gleichnis und aktuelle Fluchtgeschichte in einem liest die SZ Pei-Yu Changs Bilderbuch "Der geheimnisvolle Koffer von Herrn Benjamin". Sehr empfehlen kann sie auch die Lyrik und Prosa von Yoko Tawada sowie Reinhard Mehrings Biografie über Carl Schmitt. Die NZZ erkennt in Hanne Orstavik eine Vorläuferin von Knausgard, Espedal und Co. Und die FAZ freut sich über Siegbert Rampes Biografie "Georg Philipp Telemann und seine Zeit".
Samstag, 24.06.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
24.06.2017 Total fasziniert blickt der Guardian auf Dekadenz und Flamboyanz in der Weimarer Kunst, der die Tate Liverpool eine große Ausstellung widmet. In der Welt erklärt Jan Wagner, warum er Gedichte nicht am Monitor verfassen kann. Die NZZ blickt mit De Stijl auf eine Welt reiner Formen und Farben. Spex feiert die Südstaatenband Algier, die dem Krach Empathie und Solidarität einbläut. Und die Nachtkritik erlebte mit Ersan Mondtags NSU-Stück "Das Erbe" die Kapitulation der Kunst vor dem echten Leben.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.06.2017 Zum Jahrestag des Brexit-Referendums schwankt der Guardian zwischen Hoffnung und Resignation. Die FAZ erinnert daran, dass die vom IS zerstörte Al-Nuri-Moschee in Mossul einst eine Kirche verdrängte und schon im 12. Jahrhundert zum Dschihad aufrief. Der Bundestag fordert die Einsetzung eines UN-Sonderbeauftragten zum Schutz von Journalisten, freut sich der Tagesspiegel. Und die NZZ erklärt, warum Jörg Baberowski als rechtsradikaler Rassist bezeichnet werden darf, ohne einer zu sein.
Bücherschau des Tages
24.06.2017 Die FAZ freut sich über die Rückkehr Ralf Königs und durchsteht mit Konrad und Paul das Älterwerden, Andropause und die Verringerung des Hodenvolumens. Unbedingt lesen, meint die taz zu J.D. Vance' "Hillbilly-Elegie" über die Deklassierung der weißen Arbeiter in den USA. Auch Philip Bloms Geschichte der Kleinen Eiszeit "Die Welt aus den Angeln" hat sie sehr beeindruckt. Und die SZ liest amüsiert, wie Fritz J. Raddatz einst Max Frisch auf den Leib rückte.
Montag, 26.06.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
26.06.2017 Der Tagesspiegel veröffentlicht das Plädoyer des türkischen Autors Ahmet Altan, dem wegen angeblicher Beteiligung am Putschversuch eine lebenslange Haftstrafe droht. Netzpolitik entschwärzt die geheimen Abschnitte im Abschlussbericht des Geheimdienstausschusses, den Constanze Kurz für die FAZ sehr kritisch liest. Seymour Hersh sieht in der Welt nicht Baschar al-Assad als Schuldigen des Giftgasangriffs von Chan Scheichun. Bellingcat antwortet mit einer Gegenrecherche. Laut Telepolis macht sich die Bundesregierung Sorgen über "Islamkritik".
Efeu - Die Kulturrundschau
26.06.2017 Geradezu betört sind Standard, Nachtkritik und FAZ von Christoph Marthalers Münchner Bodensee-Stück "Tiefer Schweb", das in wundermilden Gesängen von der geheimen Klausurdruckkammer 55b erzählt. Wim Wenders Berliner Operndebüt mit Bizets "Perlenfischer" nehmen die Zeitungen dagegen eher wohlwollend auf. Die Jungle World porträtiert die Clubmusikerin Jlin. Die SZ verspürt auf der Vienna Biennale angesichts der digitalen Zukunft die große Angst vor dem Souveränitätsverlust.
Medienticker
26.06.2017 Aktualisiert: Bundestag für UN-Sonderbeauftragten zum Schutz von Journalisten - Telekommunikationsüberwachung: Peter Schaar über staatliche Allmachtsfantasien - Neuer Rechercheverbund von Spiegel & BR - Digitales Power Pay: SZ setzt voll auf Paid Content - Zeitungslandschaft: Schrumpfendes Paradies in Berlin & Überlebenskampf in Bayern - Gefürchtete Stimme der Massen: Al Jazeera - Weltherrschaft: Fake News & Verschwörungstheorien - 450 Millionen Bücher: 20 Jahre Harry-Potter-Hype + Glückwunsch: Mick Fleetwood zum Siebzigsten.
Bücherschau des Tages
26.06.2017 Die FAZ lernt von Anna Desnitskaya und Alexandra Litwina, wie man Weltgeschichte anhand eines Miethauses auch als Familiengeschichte erzählen kann. Die SZ liest mit großem Interesse politische Jugendbücher aus aller Welt. Von Jost Auf der Maur lässt sie sich zudem zeigen, welche Höhen beziehungsweisen Tiefen die Schweizer Leidenschaft zum Tunnelbau erreichen kann.
Dienstag, 27.06.2017
Magazinrundschau
27.06.2017 Die akademische Linke braucht endlich Gewerkschaftsmuskeln, ruft The Baffler. Und muss sich dem Konflikt von Rasse und Klasse stellen, ergänzt The Atlantic. In Novinky erklärt der Historiker Roger Griffin, warum Teile der Avantgarde dem Faschismus verfielen. Tablet und der New Yorker schildern die Verfolgung iranischer und tschetschenischer Homosexueller. Die Jungle World taucht ins Drogenmilieu Sao Paulos. Der Guardian staunt über die monströsen Profite der großen Wissenschaftsverlage.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.06.2017 Die SZ überquert mit Frank Bowling den schwarzen Atlantik und entdeckt im Haus der Kunst einen ganz neuen Kontinent. Die NZZ besucht die Gärten der Kunst-Triennale in Aarhus. New Filmkritik bewundert die bösen Lichteffekte im Heimatfilm "Heiße Ernte" von 1956. Im Tagesspiegel plädiert Helene Hegemann gegen zu viel Klarheit: "Man darf auch mal was nicht verstehen." Außerdem gelingt dem Tagesspiegel die große Versöhnung von Volksbühne und Stadtschloss.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.06.2017 Nach über acht Jahren wird Liu Xiaobo aus dem Gefängnis ins Krankenhaus entlassen - aber nur weil er Leberkrebs hat. Noch ist nicht einmal klar, ob seine Frau Liu Xia, die im Hausarrest lebt, ihn zum Abschied besuchen darf, berichtet der Guardian. Westliche Länder werden sich kaum für die beiden einsetzen, denn sie haben Angst vor Strafen der Chinesen, erklärt politico.eu. Die SZ fordert, dass ausgerechnet Theologen das Problem mit den Religionen lösen.
Medienticker
27.06.2017 Aktualisiert: EU-Kommission verhängt Rekordstrafe gegen Google - Politiknachrichten zur Bundestagswahl: Deutsche Sprache, leichte Sprache - Rundfunkbeitrag: Glaubwürdigkeitsprobleme - Jan Wagners erstes Hörspiel bei den Frankfurter Lyriktagen - Digital: NZZ-Nordgelüste & Hauptstadtpresse im Überlebenskampf - Journalisten entzweit Kretschmann-Mitschnitt - Lebens- & Weltzeit der Elke Schmitter + Woodstock & Silicon Valley: Das wahre Erbe der Hippies.
Bücherschau des Tages
27.06.2017 Die NZZ taumelt im Mondschwindel nach den "Neuesten Berichte vom Cap der guten Hoffnung über Sir John Herschels höchst merkwürdige Astronomische Entdeckungen". Außerdem wünscht sie Ruud Koopmans viele Leser, für den der Weg zur Integration nur über die Assimilation verläuft. Die SZ lässt sich von Björn Vedder erklären, dass Facebook-Freunde echte Freunde sind. Und die FAZ empfiehlt Peter Waldmanns Essays "Der konservative Impuls".
Mittwoch, 28.06.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
28.06.2017 Der Guardian erinnert daran, wie Londons Kunstszene aussah, bevor
Nicholas Serota das Tate-Imperium errichtete. Die SZ fragt, warum die
Kuratoren so am unpolitischen Begriff des Südens hängen. Die NZZ bricht eine Lanze für den orgiastischen Neosurrealismus des Ersan Mondtag. Respekt ringt es ZeitOnline ab, wie sich Helene Hegemann mit ihrer Axolotl-Verfilmung aus der Umklammerung ihrer wohlmeinenden Kritiker gelöst hat.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.06.2017 Nun kommt die "Ehe für alle" überraschender Weise doch, frohlockt die taz. Gestritten wird über Reform des Urheberrechts im Bildungs- und Wissenschaftsbereich, die trotz starken Drucks der Verlage und Presse nun offenbar beschlossen wird. Im NZZ-Interview hält Seyran Ates nach Diffamierungen und einer Fatwa dennoch an ihrer liberalen Ibn-Rushd-Moschee in Berlin fest. In Libération spricht Manuel Valls über die von Dieudonné verkörperte Fusion von Rechts- und Linksextremismus.
Medienticker
28.06.2017 Hate-Speech-Gesetz: Neuer Entwurf gefährdet weiterhin die Meinungsfreiheit & Heiko Maas dikutiert mit Journalisten - Neues Urheberrechtsgesetz: Verlage appellieren an Merkel & Gabriel - Mexiko: Aktivisten & Journalistinnen ausspioniert - Radikalisierung: Die autonome Szene im Netz - Krach & Musik: Kreatives Kaputtmachen + Nur nicht vermünchnern: In memoriam zum 50. Todestag des "Provinzschriftstellers" Oskar Maria Graf.
Bücherschau des Tages
28.06.2017 Ein Amerikaner in Finnland, da hat Jussi Valtonen den Kulturschock für seinen Roman "Zwei Kontinente" vorprogrammiert. Die FR hat's amüsiert. Die NZZ lernt mit Michael Köhlmeiers Gedichten, wie befremdlich die Dinge nackt sind. Die taz fragt nach Lektüre von Christoph Heins "Trutz": Wann bekommt der Mann den Büchnerpreis?
Donnerstag, 29.06.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
29.06.2017 Die NZZ bewundert die japanische Landwirtschaft in Bürogebäuden. Die Zeit fragt anlässlich des geplanten Museums des 20. Jahrhunderts in Berlin: Warum sind kulturpolitische Entscheidungen so intransparent? Im Standard erklärt Matthias Lilienthal die neue Kluft zwischen alten und jungen Theaterbesuchern. In der SZ erklärt Jan Wagner, warum Formzwang die Freiheit erhöht. Die Filmkritiker streiten über das Frauenbild in Sofia Coppolas "Die Verführten".
9punkt - Die Debattenrundschau
29.06.2017 Hundert Autoren fordern, dass der krebskranke Liu Xiaobo in ein Krankenhaus in einem westlichen Land verlegt wird. Die Jüdische Allgemeine fragt sich, warum FAZ-Feuilletonist Patrick Bahners das "A-Wort" so fürchtet. Die FAZ ist zufrieden: Filmrechte sollen weiter länderweise vergeben werden - das europäische Publikum darf aber Vorabendserien des ZDF gucken. Le Monde betrachtet die Lage der Frauen in der Türkei, wo jede Äußerung Erdogans zur Fatwa wird.
Medienticker
29.06.2017 Aktualisiert: Maas & das Urheberrecht. Kann kommen? oder Lasst es lieber! - "Facebook-Gesetz". Versuch einer Ehrenrettung von Christian Humborg - Aufgeflogen: Gespräch mit Journalisten abgehört - Angela Merkels Privat-Audienz bei Brigitte - Immer mächtiger: Die Allmachtsphantasien des Jeff Bezos - Polens Künstler unter Druck - ARD: Betrogen & bestochen + Ror Wolf zum Fünfundachtzigsten: Meisterdichter & Literatur als Collage.
Bücherschau des Tages
29.06.2017 Ist Ror Wolf nicht der größte lebende deutsche Dichter überhaupt, fragt die taz. Die FAZ lässt sich vom Dichter Ryszard Krynicki an den Rand der Stille führen. Die SZ blickt mit Maurizio Torchio in den Kopf eines Strafgefangenen. Die Zeit empfiehlt wärmstens die Werke des irisch-griechischen Autors Lafcadio Hearn. Die NZZ lernt von Pascal Germann, wie gut international vernetzt Schweizer Rasssenforscher waren.
Freitag, 30.06.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
30.06.2017 Dass die Homo-Ehe nun beschlossen ist, stößt nicht auf einhellige Begeisterung: Die FAZ erinnert daran, dass die Ehe geschützt war, weil sie Kinder hervorbringt. In der NZZ erklärt Monika Maron ihre Schwierigkeit mit dem Begriff der "links". In Frankreich wird gerätselt und gelacht: Emmanuel Macron hat per Twitter sein offizielles Porträt veröffentlicht, das nun in allen Schulen und Behörden hängen wird. Aber was ist da genau drauf? Und wen kümmert es, dass deutsche Bürger von NSA und GCHQ ausspioniert werden? Die Regierung jedenfalls nicht, meint Constanze Kurz in Netzpolitik.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.06.2017 Mit dem im Gropius-Bau ausgestellten "Prozess"-Manuskript von Franz Kafka würde Arno Widmann am liebsten eine ganze Nacht verbringen, bekennt er in der Berliner Zeitung. Die NDW-Pioniere Der Plan melden sich nach 25 Jahren Funkstille mit einem Plädoyer für Europa zurück, freut sich die taz. In Reiner Holzemers Filmporträt "Dries" lernen die Kritiker Dries van Noten als feinsinnigen Weltverwandler kennen. FAZ und Nachtkritik staunen über die kippenden Ebenen in Michael Laubs "Fassbinder, Faust and the Animists" im Berliner HAU.
Medienticker
30.06.2017 Aktualisiert: Martin Kusej wird Wiener Burgtheater-Intendant - Heute im Bundestag: NetzDG-Schnellschuss, Neues Urheberrecht & 393 für, 226 gegen die "Ehe für alle" - Aufgebauscht bis falsch: Vorwürfe gegen Science & Nature - NRW: Funkes Medienminister - US-Krieg gegen Medien: Sarah Palin will TV-Sender gründen & Trumps Tweet #AmazonWashingtonPost - Theater gegen die Tendenz: Ende der Ära Castorf + Das Meer im Buch: Die Rückeroberung eines Sehnsuchtsortes.
Bücherschau des Tages
30.06.2017 Die bahnbrechenden Erkenntnisse Johannes Keplers vermag Thomas Posch in seiner Biografie bestens darzustellen, der Mensch Kepler bleibt jedoch blass, meint die FAZ. Die SZ verschlingt den von Kikuko Kashiwagi-Wetzel und Anne-Rose Meyer herausgegebenen Band zur "Theorien des Essens" und Christine Otts "Mythen der Esskultur". Und die FR lässt sich von Aras Ören ins migrantische Kreuzberg der Siebziger und Achtziger versetzen.