Freitag, 01.06.2007
Heute in den Feuilletons
01.06.2007 Die FAZ berichtet, dass China aus Anlass der Frankfurter Buchmesse erstmals Dissidenten akzeptiert. Die SZ schildert die Nöte der Handtaschen-, Kultur- und Pharmaindustrie mit den Raubkopierern. In der FR stellt der Schriftsteller Abdourahman A. Waberi aus Dschibuti fest, dass Afrika in Berlin abwesend ist. Die NZZ ist überwältigt von Luc Bondys "König Lear"-Inszenierung in Wien. Die Welt deckt auf: Auch in der Kunstwelt wird gedopt. Die taz deckt auf: Es gibt die Scorpions immer noch.
Bücherschau des Tages
01.06.2007 Mit Kritiken zu Peter Weiss: "Die Ästhetik des Widerstands" in der NZZ, : "Handbuch Politikberatung" in der FAZ, Benjamin Black: "Nicht frei von Sünde" in der SZ, Peter Atkins: "Galileos Finger" in der SZ und Vaclav Havel: "Fassen Sie sich bitte kurz " in der NZZ.
Bücherbrief
01.06.2007 Ein sehr wichtiges und ein sehr schwieriges Buch, eine alte Gesellschaft und ein greiser Leopard. In diesem Monat geht es auf den Rummelplatz, an niedersächsische Baggerseen und per Pauschalreise nach Mekka. Viel Freude mit den besten Büchern im Juni!
Samstag, 02.06.2007
Heute in den Feuilletons
02.06.2007 Imre Kertesz warnt in seiner in der SZ abgedruckten Berliner Europarede: Das Jahrhundert von Auschwitz ist noch nicht vorbei. Slavenka Drakulic gibt ebenfalls in der SZ zu, dass sie bei der Nierenshow mitgemacht hätte, wenn man sie gefragt hätte. Aber diese Show war ein Fake, wie jüngste Meldungen bestätigen. In der NZZ denkt Dan Diner über die historische Zäsur des Sechstagekriegs nach. In der FAZ betont Ralph Giordano, dass er sich seine Meinungsfreiheit auch weiterhin nicht von den Bestimmungen der Scharia begrenzen lassen will. Die Welt besingt den "einzigartigen, wunderbaren Mr. Bloor", den Neuerfinder der Motorräder von Triumph (mit Dreizylindermotor). Auch in der FR wird neueste Technik besungen, und zwar von Martin Walser höchstpersönlich, der das CERN in Genf besuchte.
Die Buchmacher
02.06.2007 Warum Buchhändler bald zum Content-Broker umschulen müssen. Wie stark die Großen auf dem italienischen Buchmarkt die Kleinen dominieren. Was Bertelsmann in den Niederlanden und im Web 2.0 vorhat. Und wie (mies) der US-Buchmarkt 2006 abgeschlossen hat.
Bücherschau des Tages
02.06.2007 Mit Kritiken zu Aharon Appelfeld: "Elternland" in der NZZ, Uwe Soukup: "Wie starb Benno Ohnesorg" in der TAZ, Martin Cüppers: "Halbmond und Hakenkreuz" in der TAZ, Jean de La Bruyere: "Die Charaktere" in der TAZ und Karl Valentin: "Im Besonderen" in der FAZ.
Montag, 04.06.2007
Heute in den Feuilletons
04.06.2007 Weltpolitisches Feuilleton, heute. In der FR kritisiert der chinesische Soziologe Wang Hui die Sicherheitsfixierung in Heiligendamm - ist der Westen auf dem Weg zum asiatischen Autoritarismus? In der NZZ beklagt der israelische Schriftsteller Meir Shalev "vierzig Jahre der Unaufrichtigkeit und Ungerechtigkeit" nach dem Sieg im Sechstagekrieg. In der SZ beschreibt Navid Kermani, wie er bei einer Diskussion zur Kölner Moschee eine Kölner Botschaft empfing. In der taz begrüßt der kamerunische Schriftsteller Patrice Nganang den Haager Prozess gegen den ehemaligen Präsidenten Liberias Charles Taylor. In der FAZ schreibt Ingo Schulze den Nachruf auf Wolfgang Hilbig.
Bücherschau des Tages
04.06.2007 Mit Kritiken zu Wojciech Kuczok: "Dreckskerl" in der SZ, Ulrich Beck: "Weltrisikogesellschaft" in der FAZ, Ignacio Martinez de Pison: "Der Tod des Übersetzers" in der NZZ, Richard Meng: "Merkelland" in der FAZ und : "Die Entstehung von Goethes Werken in Dokumenten" in der FAZ.
Medienticker-Archiv
04.06.2007 Heute u.a.: In Memoriam Wolfgang Hilbig: Der Grenzgänger zwischen Lyrik und Prosa - Festival des Flimmern und Rauschens - Schriftsteller dopen - Murdoch streitet um den Himmel - Pressefreiheit auf mexikanisch - IT-Veteranen unter sich: Jobs kuschelt mit Gates + Kultur im Radio am Montag. Von Rüdiger Dingemann
Dienstag, 05.06.2007
Magazinrundschau
05.06.2007 du fährt vom Schwarzwald ans Schwarze Meer - immer auf der Donau. Die New York Review of Books freut sich, dass Frankreich endlich wieder aufregend wird. Für die London Review of Books ist Fritz Stern perfekt - für die Deutschen. In De Groene Amsterdammer verteidigt Boudewijn Chabot den "guten Tod". In Plus-Minus erklärt Cristian Mungiu, warum die Osteuropäer seinen Film "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" lieben. Im Economist warnt Tony Blair vor der Raffinesse des islamistischen Terrors. Elet es Irodalom erzählt von ungarischen Schriftstellern in Berlin. Die New York Times weiß, was Jesus beim Abendmahl aß: Fliegenpilze.
Heute in den Feuilletons
05.06.2007 In der FAZ erklärt Necla Kelek, warum der Bau einer Moschee keine Frage der Glaubensfreiheit, sondern eine politische Frage ist. Die Welt berichtet über Proteste in Polen gegen die Streichung von Goethe, Kafka, Dostojewski und Gombrowicz von den Lehrplänen. Die NZZ untersucht die Rolle Russlands im Kosovo. Der Tagesspiegel recherchiert zum Streit um Fassbinders Nachlass. In der FR sehnt man sich nach Altstadt. Die SZ aktiviert uns Massenpublikum indirekt für die kommende Documenta.
Bücherschau des Tages
05.06.2007 Mit Kritiken zu Uwe Soukup: "Wie starb Benno Ohnesorg" in der SZ, Curzio Malaparte: "Zwischen Erdbeben" in der SZ, Herman Bang: "Exzentrische Existenzen" in der FAZ, Jean Amery: "Die Schiffbrüchigen" in der NZZ und Rainer Klis: "Steinzeit" in der SZ.
Medienticker-Archiv
05.06.2007 Heute u.a.: Baidu tritt gegen Google an - Schäuble ohne Gesicht - Gefahr für die Meinungsfreiheit - BookExpo America: Wenig Spannung in New York - Googles Volltextsuche auf Verlagsseiten - Verkaufserfolg in Second Life gesucht - Internet-TV soll "Generation Online"zur Zeitung locken - Schunkeln im Pralinen-Hagel + Kultur im Radio am Dienstag. Von Rüdiger Dingemann
Mittwoch, 06.06.2007
Heute in den Feuilletons
06.06.2007 "Stoppt Putin!" ruft Elena Tregubova in einem Offenen Brief in der SZ den G8-Chefs zu. Die Welt steht verzückt vor Damien Hirsts mit 8601 Diamanten bestücktem Schädel. In der NZZ weist Fassbinder-Nachlassverwalterin Juliane Lorenz alle Vorwürfe zurück. Die Zeit hört eine afrikanische Oper, die Flugzeuge zum Absturz bringt. Die taz stellt Luk Percevals Filmprojekt "Düsseldorf, mon amour" vor.
Bücherschau des Tages
06.06.2007 Mit Kritiken zu Kevin Vennemann: "Mara Kogoj" in der ZEIT, Tom Segev: "1967 - Israels zweite Geburt" in der ZEIT, Ariane Breidenstein: "Und nichts an mir ist freundlich" in der ZEIT, Paul Brodowsky: "Die blinde Fotografin" in der ZEIT und Thomas Melle: "Raumforderung" in der ZEIT.
Im Kino
06.06.2007 "Ocean's 13", die zweite Fortsetzung des überflüssigen Remakes eines überflüssigen Films, ist ein lässiges Vergnügen. In Todd Verows Provinz-Drama "Vacationland" begegnet der Held in der Schwulenklappe ausgerechnet dem verhassten Französischlehrer.
Donnerstag, 07.06.2007
Heute in den Feuilletons
07.06.2007 Die NZZ vermisst die action in einem Wiener "Sturm". Moscheen befördern die Integration, lesen wir in der Berliner Zeitung. In der taz erklärt der Historiker Tom Segev, warum es zum Sechstagekrieg kommen musste. In der Welt fragen sich die Documenta-Kuratoren Roger Buergel und Ruth Noack, ob sie relevant sind. Die anderen sind so souverän und feiern Fronleichnam.
Bücherschau des Tages
07.06.2007 Mit Kritiken zu Tim Winton: "Weite Welt" in der NZZ und Jutta Rosenkranz: "Mascha Kaleko" in der NZZ.
Medienticker-Archiv
07.06.2007 Aktualisiert: Ehrensenf-TV-News vom G-8-Tiefpunkt - Zur Kulturgeschichte der Umzäunung - Cui Bono Vox? - Gewalt und Berichterstattung - Rückkehr der Weißen Dame - Amazon bringt BookSurge - Was kostet die Harry Potter-Erstausgabe? - Pragmatischer Kulturpessimismus - Sprachsalz in Tirol + Kultur im Radio am Donnerstag. Von Rüdiger Dingemann
Meldungen
07.06.2007 Martin Mosebach erhält den Büchner-Preis.
Freitag, 08.06.2007
Heute in den Feuilletons
08.06.2007 Die taz erklärt, warum Muslime ausgerechnet in den USA so gut integriert sind. Die Welt warnt vor einem Generalangriff auf den Islam. In der SZ erzählt der Autor Ishmael Beah von seiner Zeit als Kindersoldat in Liberia. Die FR problematisiert den Begriff des "Existenzrechts" Israels. Die FAZ ist ernüchtert von der Kunstbiennale in Venedig: die Künstler halten dem Boom nicht mehr Stand und liefern nurmehr Bewährtes.Alle würdigen den wilden Konservativen Martin Mosebach, der in diesem Jahr den Büchner-Preis erhält.
Bücherschau des Tages
08.06.2007 Mit Kritiken zu Tom Segev: "1967 - Israels zweite Geburt" in der NZZ, Gerd Langguth: "Horst Köhler" in der NZZ, Elena Tregubova: "Die Mutanten des Kreml" in der NZZ, Norberto Angeletti / Alberto Oliva: "Vogue" in der SZ und : "Diplomatische Dokumente der Schweiz" in der NZZ.
Samstag, 09.06.2007
Heute in den Feuilletons
09.06.2007 Führt die Rückkehr des Politischen zur Rückkehr platter Abbildhaftigkeit? In den ersten Berichten über die Kunstbiennale von Venedig schwanken die Kritiker zwischen leiser Ernüchterung und freundlichem Applaus. Auch auf den von Isa Genzken bespielten deutschen Pavillon gibt es zwiespältige Reaktionen. In der FAZ erinnert Werner Spies daran, dass ohne Picassos "Demoiselles d'Aignon" ohnehin keine Moderne in der Kunst stattgefunden hätte. In der Welt erklärt der kenianische Ökonom James Shikwati, warum er Entwicklungshilfe für Afrika rundheraus ablehnt.
Bücherschau des Tages
09.06.2007 Mit Kritiken zu Tom Segev: "1967 - Israels zweite Geburt" in der FR, Hans Joachim Schädlich: "Vorbei" in der NZZ, Pascal Mercier: "Lea" in der TAZ, Ariane Breidenstein: "Und nichts an mir ist freundlich" in der NZZ und Jonathan Lethem: "Du liebst mich, du liebst mich nicht " in der TAZ.
Meldungen
09.06.2007 Der Autor und taz-Kunstredakteur Harald Fricke ist tot. Ein Nachruf.
Montag, 11.06.2007
Heute in den Feuilletons
11.06.2007 In der SZ schreibt Jürgen Habermas zum Tod von Richard Rorty. Ebenfalls in der SZ analysiert Ernst-Wilhelm Händler die Krise des Ich in der Ökonomie. Die taz erklärt, warum sich Rechtsextreme plötzlich für Theater interessieren - besonders in den Neuen Ländern. Im Tagesspiegel bekennt sich der neue Chef der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Hermann Parzinger zur Idee des Humboldtforums. Die NZZ versucht, die Unterschiede zwischen China und Taiwan auszuloten.
Die Buchmacher
11.06.2007 Welche neuen Unregelmäßigkeiten bei der Buchhändler-Abrechnungs- Gesellschaft aufgefallen sind. Wie wichtig der erste Satz in der Literatur ist. Warum das Romangeschäft nicht rund läuft. Und weshalb Amazon zur Großmacht aufsteigt.
Bücherschau des Tages
11.06.2007 Mit Kritiken zu Ian Buruma: "Die Grenzen der Toleranz" in der SZ, Martin Dehli: "Leben als Konflikt" in der FAZ, Alice Schwarzer: "Die Antwort" in der SZ, Lukas Hartmann: "Die letzte Nacht der alten Zeit" in der SZ und Hans Christoph Buch: "Black Box Afrika" in der SZ.
Medienticker-Archiv
11.06.2007 Heute u.a.: In der "eigenen Zeit sterben": Zum Tod von Michael Hamburger - Berlin: Hauptstadt der Barbaren - Netzeitung verkauft - Google Street View: Paradies der Gaffer und Spanner - Grass, Kaiser, Walser: Was ist von der Gruppe 47 geblieben? - Techno-Teddy rettet die Welt + Kultur im Radio am Montag. Von Rüdiger Dingemann
Vorgeblättert
11.06.2007 "Tod eines Dissidenten. Warum Alexander Litwinenko sterben musste" ist der Bericht von Marina Litwinenko und Alex Goldfarb über die Giftmordaffäre, gespeist aus eigenen Erinnerungen, hinterlassenen Dokumenten des ehemaligen russischen Geheimdienstmannes und Gesprächen mit - genannten und ungenannten - Insider-Informanten. Lesen Sie einen Auszug aus dem ersten Kapitel.
Dienstag, 12.06.2007
Magazinrundschau
12.06.2007 Die New York Review of Books beobachtet den internationalen Dschihad im Libanon. In Elet es Irodalom staunt Peter Esterhazy über liberale Intellektuelle unter Polens Katholiken. Outlook India porträtiert die Bhuttos als shakespeareanische Königsfamilie. Einfach naiv findet der Historiker Henri Beunders in Trouw Al Gores Buch "Assault on Reason". Im Nouvel Obs erklärt Umberto Eco den Unterschied zwischen einem Piemontesen und einem Neapolitaner. Al Ahram stellt den magischen Realisten Ibrahim Farghali vor. Die New York Times widmet sich der pekuniären Ungleichheit. Vanity Fair erzählt, wie man in den USA dagegen kämpft. Der Spectator erzählt, wie man in Deutschland dagegen kämpft.
Heute in den Feuilletons
12.06.2007 In der taz unterstützt der Historiker Ulrich Herbert das Projekt einer großen Ausstellung über Zwangsarbeit. In der FR bekennt sich Timothy Garton Ash zum "Leben der Anderen". Die Welt fragt sich, ob die Buchmesse Frankfurt mittlerweile bedauert, Katalonien in diesem Jahr als Gastregion eingeladen zu haben. In der NZZ lässt der Arabist Tilman Nagel kein gutes Haar an Tariq Ramadans bisher nur auf Englisch erschienener Mohammed-Biografie "In the Footsteps of the Prophet".
Bücherschau des Tages
12.06.2007 Mit Kritiken zu Josef H. Reichholf: "Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends" in der SZ, Joachim Fest: "Bürgerlichkeit als Lebensform" in der NZZ, Mladen Dolar: "His Master's Voice" in der FR, Karl Kraus / Kurt Wolff: "Zwischen Jüngstem Tag und Weltgericht" in der SZ und Eric-Emmanuel Schmitt: "Odette Toulemonde" in der NZZ.
Medienticker-Archiv
12.06.2007 Heute u.a.: Googles Retourkutsche - Droht "digitale Demenz"? - Sprühender Unsinn - Medienkonzerne vermarkten sich schlecht im Web - Phoenix: Ein Kind der Politik - Streit beim Spiegel - Lehrer klagen über Internet-Mobbing - Sloterdijk und die Produktivkraft Wut - Blümerant und Kleinod sowie acht weitere schönste bedrohte Wörter + Kultur im Radio am Dienstag. Von Rüdiger Dingemann
In eigener Sache
12.06.2007 Am 9. Oktober fand vor dem Oberlandesgericht Frankfurt in zweiter Instanz die Verhandlung in der Sache FAZ und SZ gegen Perlentaucher statt. Das Urteil wird am 13. November verkündet. Erste Reaktionen in der Presse.
Virtualienmarkt
12.06.2007 Richard Charkin, oberster Boss des zur Holtzbrinck-Gruppe gehörenden Wissenschaftsverlags Macmillan, hat vor gut einer Woche auf der BookExpo America in New York am Google-Stand zwei Laptops geklaut - und wieder zurückgegeben. eine kleine Performance, die der Kulturindustrie zu denken geben sollte.
Mittwoch, 13.06.2007
Heute in den Feuilletons
13.06.2007 Die Welt bringt das letzte Interview mit Richard Rorty, der sich eine vom Iran ausgehende islamische Aufklärung erhofft. In der Berliner Zeitung geißelt Ines Geipel die "kriminelle Aushebelung der Demokratie" in Ostdeutschland. Die NZZ entdeckt nichts auf der Art Basel. In der FR droht Wim Wenders Europa mit einer Utopie. Die taz rüttelt auf mit einem Gedicht von Rolf Hochhuth: "Vorbeuge-Haft/die Schäuble plant, haben Nazis KZ genannt; auch Schutzhaft: War doch seit 33 bekannt..." Und die FAZ meint zur Documenta: Wenn die Moderne unsere Antike ist, dann ist die Gegenwart Vergangenheit.
Bücherschau des Tages
13.06.2007 Die NZZ schwärmt von Lotta Lotass' wunderbar wundersamen Roman über den Überwinder der Schwerkraft - Juri Gagarin. Geballten Irrsinn hat die FAZ mit Fanny van Dannens "Zurück im Paradies" genossen. Mit Bryan Ward-Perkins stellt sie klar, dass es die barbarischen Germanen waren, die Roms Untergang verschuldeten, und nicht die Umstände. Die SZ bedankt sich bei Marica Bodrozic für ihr Geschenk an die deutsche Sprache "Sterne erben, Sterne färben". Und die taz antwortet unwirsch auf Alice Schwarzers "Antwort"
Medienticker-Archiv
13.06.2007 Heute u.a.: Ernst Jandl-Preis für Paul Wühr - Google lenkt bei Datenschutz ein - TV-Anstalten verlieren Vormachtstellung an Internet-Portale - ARD-Programme auch fürs Netz - Ein pädagogisches Armutszeugnis - Modernes Urheberrecht für das digitale Zeitalter - Buchhändlertage in Berlin - Lyrik: Marjana Gaponenkos Nachtflug + Kultur im Radio am Mittwoch. Von Rüdiger Dingemann
Im Kino
13.06.2007 "Buongiorno, notte", Marco Bellocchios Film über die Aldo-Moro-Entführung, ist eine komplexe Politerzählung aus dem Italien der späten siebziger Jahre. Eli Roths "Hostel 2" will schlitzen, ohne sich blutig zu machen.
Donnerstag, 14.06.2007
Heute in den Feuilletons
14.06.2007 In der Zeit erklären sich Günter Grass und Martin Walser in einem dreiseitigen Gespräch ihre gegenseitige Liebe. In Spiegel Online schildert Ahmet Altan das gefährliche Paradox der türkischen Demokratie. In der NZZ beschäftigt sich Sonja Margolina mit den Wurzeln des neuen russischen Autoritarismus. Die Welt zitiert aus einem wissenschaftlichen Gutachten zu Maxim Billers Roman "Esra", über den jetzt vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt wird. In der FAZ bekennt Dieter Wellershoff sein Unbehagen über die geplante Kölner Großmoschee.
Bücherschau des Tages
14.06.2007 Die FAZ ist schlicht überwältigt von Joanna Olczak-Ronikiers grandioser Familienbiografie "Im Garten der Erinnerung": Sie erzählt die Geschichte einer jüdisch-polnischen Großfamilie, die in sämtliche Irrungen und Wirrungen der europäischen Moderne gerissen wird. Die NZZ unterhält sich bestens mit Robert Gernhardts Erzählungen "Denken wir uns". Schwarzen Humor und Subtilität genießt die SZ in Hanna Johansens Roman "Der schwarze Schirm". Und die Zeit preist Anmut und Würde in einem von Franz Fühmann und Jacky Gleich nacherzählten "Sommernachtstraum" für Kinder.
Medienticker-Archiv
14.06.2007 Aktualisiert: Saul Friedländer erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels - Sprachfestival in Berlin: Die Macht der Sprache - Roger M. Buergels Rätsel-Documenta - Die neue E-Book-Generation - Flickr wird polyglott - Yahoo-Aktionäre kippen Anti-Zensur-Programm - Härtere Gangart gegen "Musik-Piraten" - Malmö liegt am Mittelmeer + Kultur im Radio am Donnerstag. Von Rüdiger Dingemann
Freitag, 15.06.2007
Heute in den Feuilletons
15.06.2007 Erste Enttäuschung über die Documenta. Die Formen migrieren, aber der Klatschmohn blüht nicht, und der Auepavillon ist eine Rumpelkammer. Die Kunstreporter der Feuilletons klagen über oberseminarhafte Attitüden und kuratorische Willkür. Die SZ porträtiert die polnische Bestsellerautorin Dorota Maslowska: "ein Gesicht wie ein Kind und ein Stil wie ein verstopfter Abfluss".Die FR fragt nach Nachhaltigkeit in der Architektur. Die NZZ stellt afghanische Religionsgelehrte vor, die es wagen, den Terror und andere Exzesse der Taliban zu kritisieren.
Bücherschau des Tages
15.06.2007 Bisher wurde Alona Kimhis Melodram "Lilly die Tigerin" als Schmonzette verschmäht und mit Betroffenheit bedacht. Die FAZ nun amüsiert sich prächtig mit diesem vor Witz berstenden "Frauenroman wie von Kafka". Die SZ erfährt in Jan Philipp Reemtsmas Essay "Lessing in Hamburg", wie die deutsche Sprache gelernt hat, Ich zu sagen. Und die FR versinkt in Aharon Appelfelds bisher schönstem und tröstlichstem Roman "Elternland".
Samstag, 16.06.2007
Heute in den Feuilletons
16.06.2007 Nur leicht coupiert, mal waldorfhaft, mal brodelnd, meist grenzüberschreitend, jedenfalls ohne Botschaft: Die zwöfte documenta ist eröffnet und löst wohltemperierte Kommentare aus. In der Welt klagt Louis Begley über den europäischen Antiamerikanismus. Und in der FR wird Georg Klein älter und fatalistisch matt.
Bücherschau des Tages
16.06.2007 Gleißendes Licht, harte Schatten und ein phänomenaler Beat: Die FAZ ist begeistert von Dorota Maslowskas Rap "Die Reiherkönigin", dessen Sprachwitz sich in Olaf Kühls Übersetzung noch steigert. Unberechenbar findet sie auch die Gedichte "Gefährliche Launen" der rumänischen Lyrikerin Nora Iuga. Die Wucht von Milan Kunderas "Unerträglicher Leichtigkeit des Seins" haut sie - in der Lesung von Heikko Deuitschmann - auch nach knapp vierzig Jahren noch um. Die FR findet Paul Brodowskys Erzählungen "Die blinde Fotografin" ebenso streng wie zart. Und die taz liest interessiert Karin Gabberts Studie zu Frauen im Us-Militär "Gleichstellung - zu Befehl!".
Montag, 18.06.2007
Heute in den Feuilletons
18.06.2007 In der SZ erklärt Hassan Khader, warum für ihn der romantische Nationalismus der Palästinenser am Ende ist. Die FR erinnert an den Aktionskünstler Gustav Metzger, der einen großen Einfluss auf den Pop hatte. Die NZZ erklärt, was es mit dem "Histrio" auf sich hat. Viele Zeitungen besuchten zwei Veteranentreffen der Gruppen 47 und Genesis.
Die Buchmacher
18.06.2007 Mit wem Guido Zanolli am liebsten nächtelang über seine Pleite spricht. Welche Zukunft die kriselnde Verbandsinstitution BAG hat. Wie sich die Aufgabe der Verleger im Web 2.0 ändert. Und welche Themen die Branche am meisten bewegen.
(Die Buchmacher sind noch im Urlaub. Die nächste Ausgabe erscheint am 23. Juli 2007)
Bücherschau des Tages
18.06.2007 Die FAZ empfiehlt einen nüchternen Band von Fred Pearce über die besorgniserregende Verschwendung des Süßwassers. Beeindruckt ist sie vom Mut Jaana Eichhorns, die in ihrer Dissertation eine historische Darstellung des eigenen Fachs - Frühneuzeitgeschichte - wagt. Die FR liest mit gemischten Gefühlen den Briefwechsel zwischen Horkheimer und Adorno. Die SZ empfiehlt einen Band von Sylvia-Yvonne Kaufmann, Europaabgeordnete der Linkspartei und Befürworterin der gescheiterten EU-Verfassung.
Medienticker-Archiv
18.06.2007 Heute u.a.: Die Kamera ist wie eine Rasierklinge - Michael Moore leidet nicht unter Raubkopien - Wall Street Journal: Alles britisch, oder was? - Ex Machina: Computerkunst in Bremen - Buchhändlertage-Resümee - Memento verbindet CD mit dem Internet - Oberammergauer Passions-Posse: Jesus darf auch nachts an Kreuz + Kultur im Radio am Montag. Von Rüdiger Dingemann
Essay
18.06.2007 Momentan stehen die nationalen Interessen im politischen Diskurs der Europäer im Vordergrund, und wie sind mehr oder weniger im Wirkungskreis lokaler Medien gefangen. Eine europäische Öffentlichkeit muss erst noch entstehen. Und sie darf sich nicht auf Kleineuropa beschränken.
Dienstag, 19.06.2007
Magazinrundschau
19.06.2007 Der amerikanische General Antonio M. Tabuga erklärt Seymour Hersh im New Yorker, dass die USA in Abu Ghraib die Genfer Konvention verletzen. Il Foglio verfällt auf der Biennale dem Charme der Zwangsminimalisten aus Rumänien. Die London Review of Books stellt eine Geschichte der Berliner Mauer vor. In al-Sharq al-Awsat erzählt der Journalist al-Sayed Yassin, warum er in den Fünfzigern ein Muslimbruder wurde. Elet es Irodalom bestreitet, dass die ungarische Schwiegertochter Clemenceaus Schuld hat am Verlust großer Teile des ungarischen Staatsgebiets. Im Guardian streitet Hitchens für Marx. New Criterion untersucht das Desaster der Kunstwelt.
Heute in den Feuilletons
19.06.2007 In der FR rechnet der Schriftsteller Wojciech Kuczok mit der "Vierten Republik" der Gebrüder Kaczynski in Polen ab. Die Welt berichtet über Polen in der Wehrmacht. Die NZZ findet die Skulptur-Projekte in Münster manchmal geradezu witzig. Außerdem untersucht der Islamwissenschaftler Stefan Rosiny die Ursachen des Konflikts zwischen Hamas und Fatah. Im Tagesspiegel fragt der Literaturkritiker Hubert Winkels, warum der heutigen Kritik der Furor fehlt. In der SZ porträtiert Navid Kermani den oppositionellen iranischen Ajatollah Borudscherdi. Allein die Zeit regt sich über die neuen Morddrohungen gegen Salman Rushdie auf.
Bücherschau des Tages
19.06.2007 Die FAZ stellt ein bedeutendes Romanwerk der slowenischen Literatur vor: Lojze Kovacics Roman-Trilogie "Die Zugereisten" erzählt die Geschichte einer Familie, die 1938 von der Schweiz nach Slowenien auswanderte. Beifall findet auch Helga Grebings mit innerem Engagement geschriebene Geschichte der Arbeiterbewegung von 1848 bis heute. Die NZZ lobt eine erhellende Stefan-Zweig-Biografie von Oliver Matuschek. (Wer wissen will, wie man sein Oberhasl und sein Unterhasl zusammenhält, muss allerdings die Briefe lesen.) Und die SZ blättert staunend durch einen Bildband mit russischer Revolutionsarchitektur.
Medienticker-Archiv
19.06.2007 Heute u.a.: Google/Ebay: Streit der Onlineriesen - Leibniz-Briefwechsel gehört zum Weltdokumentenerbe - Internet: Die kreativen Zerstörer - Der Buhmann von Paris: Marthalers "La Traviata" - Taschenbuch-Bestseller: Düsterer Deutsch-Unterricht - Mediengesellschaft der Zukunft + Kultur im Radio am Dienstag. Von Rüdiger Dingemann
Mittwoch, 20.06.2007
Heute in den Feuilletons
20.06.2007 Die Welt fragt sich, warum für Kultur nie genug Geld da ist, für dicke Abfindungen aber immer. In der taz fragt sich Ilija Trojanow, warum die Schweizer nicht den Bankraub legalisieren - wo sie schon die Buchpreisbindung abgeschafft haben. In der FR stellt Elif Shafak ihre fünf Istanbuls vor. Die SZ denkt über die deutsch-französische Verdrossenheit nach. In der FAZ freut sich Katharina Hacker über den Friedenspreis für Saul Friedländer.
Bücherschau des Tages
20.06.2007 Die FAZ ist überwältigt von Ulrich Schreibers unfasslich kenntnisreichem Opernführer für Fortgeschrittene. Mit etwas weniger Zynismus hätte Will Selfs Roman "Dorian" - eine Dorian-Gray-Geschichte im Homosexuellenmilieu der achtziger Jahre - ein gutes Buch werden können, meint die NZZ. Die SZ entdeckt in Michel Foucaults Schriften zur Lebenskunst das zentrale Motiv des Foucaultschen Denkens. Die taz empfiehlt Charlotte Mullins Bildband "People - Kunst heute" als aufschlussreiche Bestandsaufnahme der figürlichen Malerei der Gegenwart.
Im Kino
20.06.2007 In "Shrek 3" wird nun auch noch die Artus-Legende ins skrupellos synkretistische Oger-Universum gemischt. Mehr als eine gelegentlich komische Nummern-Revue ist es beim dritten Mal aber nicht geworden. Der spanische Film "Obaba" erzählt in loser Verknüpfung Geschichten aus der baskischen Vergangenheit und Gegenwart.
Medienticker-Archiv
20.06.2007 Heute u.a.: Der wahre Sieger macht sich zum Affen - Katrins letzte Sendung - ARD startet digitalen Großangriff - Annette Humpe: "Das ist doch alles Ego-Shit" - Buchpreisbindung: Gericht soll prüfen - Die Zeitung: Ein Medium aus toten Bäumen - Alles Neo, oder was? - Videokunst: Befreiung aus der Püppchenrolle + Kultur im Radio am Mittwoch. Von Rüdiger Dingemann
Donnerstag, 21.06.2007
Heute in den Feuilletons
21.06.2007 Die taz findet die hasserfüllten Reaktionen auf Salman Rushdie und Großbritannien unlogisch. In der Welt zeigt sich Irshad Manji angesichts der Drohungen gegen Rushdie beleidigt. In der SZ warnt der indische Schriftsteller Kiran Nagarkar davor, den pakistanischen Religionsminister nicht ernst zu nehmen. Die Zeit beobachtet die professionelle Jugendarbeit von Rechtsextremen. In der FAZ erklärt Sohrab Mahdavy, was man im Iran vom Westen lernt.
Bücherschau des Tages
21.06.2007 Die Zeit sieht nach Lektüre von Barack Obamas Buch "Hoffnung wagen" echtes Präsidentenmaterial im Autor. Sehr gelobt wird auch Horst Bredekamps (Anfang Juli erscheinendes) Buch "Galilei der Künstler". Die FAZ empfiehlt John Cheevers erstmals in den fünfziger Jahren veröffentlichtes Familienmosaik "Die Geschichte der Wapshots". Die SZ begrüßt die wohltuend sachliche Art, mit der Svenja Flaßpöhler das schwierige Thema Sterbehilfe behandelt. Die NZZ lernt radikales Lesen mit Walter Grasskamps Anthologie sonderbarer Museumsbesuche. Die FR verdankt Wolfgang Matz' Buch "1857 - Flaubert, Baudelaire, Stifter" erhellende Augenblicke.
Medienticker-Archiv
21.06.2007 Heute u.a.: Sag mir was Du liest - Privatsphäre vor Pressefreiheit - Ulrich Peltzer will weg von all diesem Ost-West-Blödsinn - Unwetter zerstört Documenta-Kunstwerk - Cindy Sherman wollte schon als Kind hässlich aussehen - Hollywood-Folter- Wechsel nicht möglich - Digital oder gar nicht + Kultur im Radio am Donnerstag. Von Rüdiger Dingemann
Freitag, 22.06.2007
Heute in den Feuilletons
22.06.2007 In der FAZ macht Marina Litwinenko, die Witwe des ermordeten Ex-KGB-Offiziers, Wladimir Putin für den Mord verantwortlich. In der FR fordert Adam Krzeminski eine europäische Öffentlichkeit. Die SZ staunt über das heutige Theater: Der Regisseur wird zum Autor und der Autor zum Medium. Außerdem hofft hier der bulgarische Autor Vladimir Zarev, dass sein Land mit der EU nun endlich vom Chaos der Nachwendezeit erlöst werde.
Bücherschau des Tages
22.06.2007 In eine Art feierliches Stakkato verfällt die SZ angesichts der literarischen Verschachtelung von SS, KZ und Nachkriegszeit in Thomas Harlans Roman "Heldenfriedhof". Vollkommen verknallt taucht sie aus den Schriften der feuerköpfigen Olympe de Gouges auf. Die NZZ liest Beatrix Mesmers informative Studie über Schweizer "Staatsbürgerinnen ohne Stimmrecht". Oskar Weggels "Geschichte Taiwans" lobt sie als Standardwerk. Die FAZ staunt, dass ihr Tina Browns Diana-Biografie sehr gut gefällt.
Meldungen
22.06.2007 "Das ist so seit 1989, und das bleibt so: Wenn Salman Rushdie gedroht wird, wird jedem Schriftsteller gedroht." Ein offener Brief für Salman Rushdie. (Die Unterzeichnerliste wird laufend aktualisiert, letzter Stand: 14.8.07)
Samstag, 23.06.2007
Heute in den Feuilletons
23.06.2007 Die FR sucht ein Kino in Afghanistan. In der Welt beschreibt Martin Amis die sechs oder sieben verschiedenen Lächeln des Tony Blair. In der taz widerspricht der Historiker J. Adam Tooze Götz Alys Thesen über die deutsche Ausplünderung der Juden. In der NZZ fragt Ernst-Wolfgang Böckenförde ob der Islam die Trennung von Staat und Religion mitmachen wird. Die SZ verteidigt die zeitgenössische Architektur. In der FAZ beschreiben Ranjit Hoskote und Ilija Trojanow die durchsichtige Inszenierung des Volkszorns gegen Salman Rushdie.
Bücherschau des Tages
23.06.2007 Die SZ liest großartige Briefsammlungen von Nicolas Born und Erwin Panofsky und taucht selig in die 50er bis 70er Jahre ein. Wolfgang Hubers Buch zur Ökumene findet in der FAZ nicht den ungeteilten Beifall des katholischen Kollegen Walter Kasper. Als wild und sexy feiert die FR Arnold Stadlers "Komm, gehen wir". Und die NZZ versteht mit Ernst Tugendhat endlich unsere Angst vor dem Tod.
Montag, 25.06.2007
Heute in den Feuilletons
25.06.2007 In der Welt feiert Ayaan Hirsi Ali die Queen als Symbol des freiheitlichen Lebens. Walter Kempowski befragt den Tagesspiegel. In der taz erklärt Bekir Alboga von Ditib, er wolle eine offene Moschee in Köln. In der FAZ erklärt Broder, warum er den Börne-Preis verdient hat. In der Presse geißelt Andre Glucksmann das Verbrechen der Gleichgültigkeit. In der SZ macht Said einen Unterschied zwischen Iranern und obskurantistischen Mullahs.
Bücherschau des Tages
25.06.2007 Oliver Bernhardts dtv-Bändchen über Alfred Döblin versüßt der FAZ das Warten auf die große Biografie. Martin Mulsows Hommage an verpönte Gelehrte der Neuzeit gefällt ihr nicht nur wegen des überaus kuriosen Personals. Die SZ kann Alexandra Senffts Familienbiografie "Schweigen tut weh" nur in Kombination mit Malte Ludins Dokumentarfilm zum gleichen Thema empfehlen.
Medienticker-Archiv
25.06.2007 Heute u.a.: Der Dichter und die Brandstifter - Archive des Schweigens geöffnet: Gerhard Roth wird 65 - Bloggen für eine Handvoll Dollar - Verkauf der SZ steht bevor - Martin Mosebach im Gespräch - Wolfram Schütte über Anna Netrebko - Fotograf Bernd Becher ist tot + Kultur im Radio am Montag. Von Rüdiger Dingemann
Dienstag, 26.06.2007
Magazinrundschau
26.06.2007 In der Lettre erzählt Mircea Cartarescu von der ersten Frau, mit der er Sex hatte. Das TLS sieht Russlands Zukunft dunkelschwarz. Przekroj stellt den Informatiker Lukasz Foltyn vor, der in die Politik geht. Outlook India zeigt die Grenzen für Habermas' Konzept der Öffentlichkeit in Indien auf. Der New Yorker ahnt, warum Murdoch das Wall Street Journal kaufen möchte. Elet es Irodalom denkt über die - noch - westeuropäische Öffentlichkeit nach. In Trouw beschreibt der protestantische Prediger Sam Janse den wunden Punkt der Niederländer in Afghanistan. Der Economist vergleicht zwei Bücher zur Postkolonial-Geschichte Indiens. Die Weltwoche findet die documenta zu elitär.
Heute in den Feuilletons
26.06.2007 In der NZZ erzählt Frank Castorf, wie er seinen Schutzgott Obatala gefunden hat. Die taz warnt vor einer Konzentration auf Muslime, obwohl serbische, italienische und griechische Einwandererkinder enorme Bildungsdefizite haben. In der Welt feiert Rüdiger Safranski das Glück der freien Beweglichkeit in seiner Freundschaft mit Peter Sloterdijk. Die FR kritisiert einen Antimoderneaffekt der Unesco. In der SZ sucht der Dichter Jan Wagner den spielerischen Bruch der Regeln.
Bücherschau des Tages
26.06.2007 In Carlos Eugenio Lopez' Roman "Abgesoffen" unterhalten sich zwei Auftragsmörder über ihre Arbeit: wöchentliches Ertränken eines maghrebinischen Einwanderers zwecks Abschreckung. Für die FAZ ist dies einer der schwärzesten, sarkastischsten und scharfsinnigsten Texte der spanischen Gegenwartsliteratur. Die NZZ versucht, ein Huhn in eine Aktentasche zu stopfen - so sei es jedenfalls, wenn man Kristian Grecsos Romandebüt "Lange nicht gesehen" besprechen wolle. Nur halb gelungen findet die SZ eine Hörspielfassung von Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz".
Medienticker-Archiv
26.06.2007 Heute u.a: Montgomery speckt die Blätter ab - Google und die Meinungsfreiheit - Der Ton macht die Musik: Jonathan Lethems Rockroman - Dichtung nicht nur zwischen Buchdeckeln - Was Antiquare über Ebay sagen - Der deutsche Durchschnittssurfer ist 40 - Iran startet Konkurrenz zu CNN und BBC + Ein Radioabend für, mit und über Alfred Döblin. Von Rüdiger Dingemann
Mittwoch, 27.06.2007
Heute in den Feuilletons
27.06.2007 Die Zeitungen widmen sich ausgiebig Tony Blair, der heute sein Amt als Premierminister abgibt. Die FR resümiert die Blair-Jahre als Kulturkampf. In der NZZ rechnet die Schriftstellerin Jenny Diski mit Blairs Politik des Herzens ab. Die Welt hofft, dass er seinen Übertritt zum Katholizismus überlebt. Außerdem: In der SZ reist Richard Swartz über die Dörfer von Belgrad nach Zagreb.
Bücherschau des Tages
27.06.2007 Die NZZ ist empört über den konfliktscheuen Pantoffelhelden als neue Sympathiefigur französischer Autoren. Als Beispiele nennt sie Isabelle Minieres "Ein ganz normales Paar" und Nicolas Fargues' "Nicht so schlimm". Die FR rühmt die orginellen und sehr tiefen Gedichte Oswald Eggers. Die SZ träumt sich mit Tony Parsons Roman "Als wir unsterblich waren" zurück in die Londoner Punkszene.
Mord und Ratschlag
27.06.2007 Ein Dienstbote lässt seinen Herrn töten. Doch der Traum von Geld und Glück platzt. Elmore Leonard liefert mit "Callgirls" eine feine Etüde über menschliche Grobheit. In Rainer Gross' grüblerischem Debüt "Grafeneck" bringt eine mumifizierte Leiche verdrängte Naziverbrechen an den Tag.
Medienticker-Archiv
27.06.2007 Heute u.a.: Kein Mäusekino mehr - Solothurner Literaturpreis für Peter Weber - Ritter Rushdie und die Fundi-Runde - Arnold Stadler führt SWR-Bestenliste an - Übersetzungsförderung: Gelesene Leviten - Peter Sloterdijk: Publikumsmagnet und Rotes Tuch - Urheberrecht und Schule - Der mit dem Maul wirft + Kultur im Radio am Mittwoch. Von Rüdiger Dingemann
Donnerstag, 28.06.2007
Heute in den Feuilletons
28.06.2007 In der taz erklärt Werner Herzog, unter welchen Umständen die unbekannte Materie namens Schauspieler Auskunft gibt. Die NZZ sieht in Horrorfilmen ein Mittel der Produktdifferenzierung. Die SZ amüsiert sich mit Gänsen in der Pariser Oper. Die FAZ untersucht die Grenzen der französischen Nationalliteratur. In der Zeit erzählt Adam Krzeminski, dass die Polen gern als Königsmörder bewundert würden. Mit geteilter Begeisterung nehmen die Feuilletons David Chipperfields Entwurf für ein neues Eingangsgebäude der Berliner Museumsinsel auf.
Bücherschau des Tages
28.06.2007 Der NZZ blutet das Herz angesichts der verfallenden russischen Revolutionsarchitektur in dem Band "Verlorene Avantgarde". Die Zeit ist hin und weg von Truman Capotes Kurzgeschichtenband "Baum der Nacht". Die sollte man vielleicht lesen, bevor man zu Gerald Clarkes Capote-Biografie greift. Eva Menasse will nach der Lektüre nichts mehr wissen von Capote. Sehr gelobt wird Thomas von Steinaeckers Roman "Wallner beginnt zu fliegen". Die FAZ empfiehlt "Das erste Buch": Schriftsteller rezensieren ihr literarisches Debüt.
Medienticker-Archiv
28.06.2007 Heute u.a.: Transparenter Größenwahn - Aktion "Lebendiges Deutsch": Ab heute nur noch mit Prallkissen - Der Autor als Medienjongleur - Jörg Friedrich fühlt sich ständig durch die Geschichte provoziert - Rangliste der besten Bibliotheken Deutschlands + Kultur im Radio am Donnerstag. Von Rüdiger Dingemann
Im Kino
28.06.2007 In "Stirb Langsam 4.0" hat der alte Kämpe John McClane diesmal die Endverschrottung von Körpern und Computern im Sinn. Leider mangelt es der Inszenierung dabei an Konsequenz. Ein Action-Held des Gedankens ist der slowenische Philosoph Slavoj Zizek - ein vergnüglicher Dokumentarfilm zeigt ihn beim Denken, Reden und Flirten.
Freitag, 29.06.2007
Heute in den Feuilletons
29.06.2007 Die Welt hört Günter Grass und Norman Mailer in New York. In der FR liefert ein unbekannter New Yorker den schönsten Satz zu Günter Grass und den Nazis. In der taz rockt Debbie. Die NZZ erklärt, was Hikikomori ist. Die SZ bewundert die effektvollen Auftritte Lang Langs. Die FAZ arbeitet sich mal wieder am Perlentaucher ab.
Bücherschau des Tages
29.06.2007 Die SZ taucht mit Mohsin Hamids "Fundamentalist, der keiner sein wollte" in einen dunklen Strom der Einschüchterung und Gewalt. Mehr unerschrockene Leser für Ror Wolfs Gedichte wünscht sich die FAZ. Kurzweilig und erhellend findet die NZZ einen Band über die "Ökonomie 2.0".
Samstag, 30.06.2007
Heute in den Feuilletons
30.06.2007 In der Welt berichtet Dan Diner von Bestrebungen, den Islam mit westlichen Gesetzen zu versöhnen. Die NZZ begleitet den russischen Schriftsteller Warlam Schalamow an den Kältepol der Grausamkeit. Götz Aly will in der Berliner Zeitung die Landesbibliothek im Flughafen Tempelhof unterbringen. Die tolerante FR gesteht der hessischen Kulturministerin schließlich zu, so dumm zu sein, wie sie will.
Bücherschau des Tages
30.06.2007 Unterhaltsame Horrorgeschichte und lehrreicher Einblick in die argentinische Geschichte - das sind laut taz die Ingredienzien von Carlos Balmacedas kulinarischem Thriller "Das Kochbuch des Kannibalen". Sehr empfohlen werden außerdem zwei Bücher über antisemitische Klischees. Tief beeindruckt stellt die NZZ einen Klassiker der Lagerliteratur vor, Warlam Schalamows "Erzählungen aus Kolyma". Nicht vergessen wird sie auch die Psalmen von Said.
Bücherbrief
30.06.2007 "Keiner zu Hause". "Komm, gehen wir". "Vorbei". Sehr gut hört sich das alles nicht an, die Literatur dahinter aber gehört wie Tom Segevs Betrachtung von "1967" und einem opulenten "Vogue"-Bildband zu den besten Büchern im Juli.