Mittwoch, 01.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
01.04.2015 Der Standard versinkt in den Pixelfluten von Pipilotti Rists Donau. In der Zeit erklärt Wim Wenders die Risiken der 3-D-Technik. Die Berliner Zeitung wünscht sich die Volksbühne nach Frank Castorf als Dauerprobenraum. Die NZZ bestaunt das ganz große Seelentheater Alexander McQueens im Londoner Victoria and Albert Museum. Der Guardian grübelt über Tidal, den neuen Streamingdienst für mittelalte Multimillionäre.
9punkt - Die Debattenrundschau
01.04.2015 Schon weil er die Annexion Elsass-Lothringens betrieb, war Bismarck nicht der kluge Politiker, als den ihn manche bis heute feiern, meint der Historiker Christoph Nonn in der Zeit. In Amerika und Britannien fragen linke Feministinnen: Schadet der Säkularismus den Frauen und ihrem Recht aufs Kopftuch? Bei Spiegel Online übt Bertelsmann-Chef Thomas Rabe Kritik an seinen Vorgängern. Der Konflikt im Jemen ist nicht nur ein Stellvertreterkrieg, meint die taz.
Medienticker
01.04.2015 Bilanz: Bertelsmann sieht sich auf Sieben-Jahres-Hoch & trotz Minusbilanz Gruner + Jahr auf Kurs - Welterbestätten als Schlachtfelder: Hermann Parzinger über die Kulturzerstörung durch den IS - "Trauer ist ja eigentlich still": Heribert Prantl über die Flugzeugkastrophe und die Medien - Geballte Enttäuschung: Polizeisprecherin rechnet mit der Presse ab - "Arbeitsgruppe Sprachgesetze" fordert Strafen für schlechtes Deutsch - Wie klingen Computerviren? Operation Olympic Games + Thomas Pynchons "Bleeding Edge" erkundet die Restspielräume einer nicht korrumpierbaren Literatur.
Bücherschau des Tages
01.04.2015 Mit großem Respekt vor dem Mut des Autors liest die FR die Texte des saudischen Bloggers Raif Badawi. Die taz ist dem Donat Verlag dafür dankbar, dass er die 1906 gehaltenen Bismarck-Vorlesungen des völlig vergessenen Historikers Max Lehmann ausgegraben hat. Die NZZ erfährt von Anton Tantners Geschichte der "Ersten Suchmaschinen", wie Informationen im analogen Zeitalter organisiert wurden. Und die Zeit liest die Memoiren der Sonic Youth-Gitarristin Kim Gordon.
Im Kino
01.04.2015 Einen todessehnsüchtigen Blockbuster inklusive 9/11-Rachefantasien hat James Wan mit "Fast & Furious 7" abgeliefert. Originelle Raumerkundungen in der philippinischen Unterwelt unternimmt Khavn de la Cruz in seinem neuesten Streich "Ruined Heart: Another Lovestory Between a Criminal and a Whore".
Donnerstag, 02.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
02.04.2015 Jochen Werner schildert von seinem Feldbett aus 30 Stunden Musikperformance "The Long Now" bei der MaerzMusik. Die New York Times porträtiert den algerischen Autor Kamel Daoud. Der Freitag beschreibt die Welt der Audiodeskription. Die SZ gibt einen Ausblick aufs Cranach-Jahr 2015. Oh, und Claus Peymann fordert den Rücktritt von Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner: der wolle die Volksbühne verhunzen.
9punkt - Die Debattenrundschau
02.04.2015 Die NZZ fürchtet, dass die Russen sich für heilsgeschichtlich auserwählt halten könnten. Der russische Künstler Dmitri Vrubel erklärt im Freitag, warum er nach Berlin emigriert ist. Die SZ schildert die Torturen des Schönheitszwangs in Hollywood. Die Equipe von Charlie Hebdo erklärt in Le Monde, wie sie sich vor dem "Gift der Millionen" schützen will. Auf der Krim hat das letzte nicht putinistische Medium zugemacht, berichtet die taz.
Medienticker
02.04.2015 Internet & Ethik: Die Macht der Algorithmen - Spaß mit Trendforschern: Das Internet ist so gut wie erledigt - Gruner + Jahr: Julia Jäkel verbreitet Zuversicht - Zeit des Umbruchs. Gespräch mit Rachel Kushner über ihren Roman "Flammenwerfer" - Auf der Todesliste: Russische Journalisten im Untergrund - Pop & Geschichte: Zur Theorie & Historie eines Massenphänomens - Richard Meng über medialen Echtzeitvoyeurismus + Kein Tag ohne eine Zeile: Emile Zola wurde vor 175 Jahren geboren.
Bücherschau des Tages
02.04.2015 Willkommen in der Ständegesellschaft 2.0, meint die SZ nach der Lektüre von Julia Friedrichs' "Wir Erben" und Marco Maurers "Du bleibst, was du bist". Außerdem betrachtet sie fasziniert die am Set von Hollywoodfilmen entstandenen Fotografien von Ernst Haas. Die FAZ lässt sich von David J. Hand "Die Macht des Unwahrscheinlichen" vor Augen führen und liest beglückt Heinrich Deterings Gedichtband "Wundertiere".
Samstag, 04.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
04.04.2015 Der Tagesspiegel fürchtet immer mehr nivellierende Projektkultur in Berlin - vor allem, wenn Chris Dercon die Volksbühne übernimmt. In der Welt ärgert sich Leander Haußmann über die Rostocker Politiker, die ihr Vier-Sparten-Haus schleifen wollen. In der FAZ schreibt Orhan Pamuk einen Liebesbrief an die Kunst Anselm Kiefers. Die Welt sieht den Blutstrahl der Gnade auf Lucas Cranach landen. Und: Alle trauern um Manoel de Oliveira, der mit 106 Jahren als dienstältester Regisseur der Welt gestorben ist.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.04.2015 Die NZZ fragt, ob nach Abschluss der hundertbändigen Heidegger-Ausgabe nicht dringend eine neue fällig wäre, die philologisch-kritischen Ansprüchen gerecht würde. Laut artechock wollen die Studenten der Berliner Filmhochschule dffb bei der Besetzung der Leitungsposition durchaus nicht einfach ihren Willen durchsetzen. Die FAZ liest die Blogbeiträge Raif Badawis, die nun auf deutsch erschienen sind, und findet einen klugen Säkularisten. Und wie funktioniert mediale Wahnehmung an Karfreitag?
Bücherschau des Tages
04.04.2015 Die FAZ liest ein kleines großes Buch des zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilten saudischen Bloggers Raif Badawi. Die Welt feiert ein glänzendes Debüt: Gesa Olkusz' "Legenden". Die NZZ schlendert vergnügt durch Barbara Honigmanns bunt gemischte Wohnstraße in Straßburg. Die NZZ würdigt die erste deutsche Übersetzung von William Butler Yeats' "Eine Vision". Die SZ stürzt sich begeistert mit Rachel Kushners "Flammenwerfer" ins stürmische New York der Siebziger.
Dienstag, 07.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
07.04.2015 In der FAZ schreibt Amir Hassan Cheheltan über Leben und Sterben der Schriftsteller im Iran. In der SZ erklärt Clemens J. Setz seine Leidenschaft für gräu. Die Schirn sitzt durchgeknallten Christusgurus auf, ärgert sich die taz. Weltkunst erklärt, was unter Post-Internet-Art zu verstehen ist. Und alle denken an Billie Holiday, die vor 100 Jahren geboren wurde.
9punkt - Die Debattenrundschau
07.04.2015 Diejenigen, die Angela Merkel mit Hitler-Bärtchen zeichnen, tragen heimlich selber eins, meint Bernard-Henri Lévy in der Welt. In der SZ hat ein Seelsorger die Erklärung für Andreas Lubitz' Tat gefunden: Zu viele Krimis. Die NZZ rauft sich die Haare über die deutsche Reparationen-Frage. In den USA sorgt ein Skandal um eine erlogene "Gang Rape"-Geschichte im Rolling Stone für Riesendebatten. In The Daily Beast erklärt Ayaan Hirsi Ali, warum sie den Islam für reformfähig hält.
Medienticker
07.04.2015 Türkei: Sperre für Twitter und YouTube aufgehoben - Rolling Stone: Bittere Analyse des Versagens - Der Schmerzensmann: "Cobain: Montage of Heck" - Klamauk: John Oliver interviewt Edward Snowden - Raddatz & Ledig: Nachruf auf die Freundschaft zweier Exzentriker - Theatekritiken aus Bern, Hof & Wien + Billie-Holiday-Variationen zum Hundersten.
Magazinrundschau
07.04.2015 Die New York Review of Books schickt Joseph Mitchell zur Hölle für seine giftige Mischung aus Fakten und Fiktionen. Vanity Fair porträtiert die Zarnajew-Verteidigerin Judy Clarke. NPR entdeckt das Innenleben afro-amerikanischer Männer. Zehn mal mehr Milliardäre macht zehn mal mehr teure Kunst, schlussfolgert La vie des idees. Quarterly Conversation untersucht die neue Frivolität Antal Szerbs. Wired erklärt, wie teuer billige chinesische Waren in Wirklichkeit sind.
Bücherschau des Tages
07.04.2015 Notwendig im Sinne der Aufklärung findet die SZ Malte Spitz' Buch "Was macht ihr mit meinen Daten?" über die Sammelwut von Unternehmen und Behörden. Nach Lektüre von Wolfgang Schivelbuschs Essay "Das verzehrende Leben der Dinge" fragt sich die NZZ engstrengt und bang, wer wen konsumiert. Und die FR lässt sich Ricardo Piglias Thriller "Munk" über den Unabomber als Compusroman gefallen.
Mittwoch, 08.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
08.04.2015 Die Atmosphäre bleibt kalt: Weder Andrea Breths "Macbeth"-Inszenierung in Amsterdam noch Antú Romero Nunes' Inszenierung von Tolstois "Die Macht der Finsternis" in Wien konnten die Theaterkritiker begeistern. Die Welt hört schwarzen Himmelslärm aus Brooklyn. Filmregisseur Francois Ozon erklärt im Standard, warum jede Liebe ein wenig nekrophil ist.
9punkt - Die Debattenrundschau
08.04.2015 Libération kann sich den griechischen Reparationsforderungen an Deutschland ganz und gar nicht anschließen. Die taz warnt unterdessen vor russischen Kreditbedingungen. Während alle anderen Regionen nach Fortschritt suchen, fragen sich die Araber, wer das höhere Recht hat zu hassen oder zu morden - Schiiten oder Sunniten? -, ächzt Najem Wali in der SZ. Die FAZ feiert Ayaan Hirsi Ali. In Amerika wird weiter über den GAU beim Rolling Stone diskutiert.
Medienticker
08.04.2015 E-Lektüren: Die Wortwelt von Homers Erben - Das Q-Wort: Qualitätsjournalismus ist höchst wichtig, ganz im Gegensatz zu Qualitätsmusik & Qualitätsmalerei, weiß Kurt W. Zimmermann - Der Wert von Google & Facebook: Wie gefährlich sind große Internet-Unternehmen? - Computerspiel "Touchtone": Die Welt aus der NSA-Perspektive - Eine Frage der Ehre? Alfred Andersch desertiert: Fahnenflucht und Literatur + Alltag einer Epoche: Mit Bruno Preisendörfer in die Goethezeit.
Bücherschau des Tages
08.04.2015 Die FAZ macht sich mit Ayaan Hirsi Ali Hoffnungen auf eine Fortsetzung des Arabischen Frühlings. Die NZZ ist beeindruckt von Carlo Emilia Gaddas Aufzeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg und von Terezia Moras Poetikvorlesungen. Die FR entdeckt Lydia Tschukowskaja. Die SZ fragt mit Karl-Heinz Bohrer: "Ist Kunst Illusion?"
Donnerstag, 09.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
09.04.2015 In der Zeit beschimpft Claus Peymann Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner als "leeres, nettes weißes Hemd". In der Berliner Zeitung findet der Filmemacher Volker Heise diesen Hochmut schwer zu ertragen. Die NZZ versinkt in Paris in den schwülen Träumen des Barockzeitalters. Und Oliver Hirschbiegels Film über den Hitler-Attentäter Georg Elser spaltet die Kritik.
9punkt - Die Debattenrundschau
09.04.2015 Alle Zeitungen sind happy: Neil MacGregor wird Gründungsintendant des Humboldt-Forums und muss sich jetzt nur noch ein bisschen gegen die Berliner wehren. Alain Jakubowicz prangert in der Huffpo.fr die Feigheit und Passivität der internationalen Gemeinschaft angesichts der Genozide an Christen und anderen nicht-muslimischen Bevölkerungsgruppen durch Islamisten an. Journalisten in der Türkei werden immer mehr drangsaliert, so AFP und FAZ. Für die Zeit liest Jürgen Habermas den Briefwechsel zwischen Theodor W. Adorno und Gershom Scholem.
Medienticker
09.04.2015 Cyberattacke: IS-Hacker legen französischen TV-Sender lahm - Google: YouTube plant werbefreie Videos gegen Gebühr & Googles Umgang mit Nutzerdaten bleibt unzulässig - Distributed Content: Wie werden die Verlage reagieren? - Investigativjournalist ohne Handy: Warum Marvin Oppong auf Telefonzellen setzt - Digitale Bohème: Oder Online-Proleten? + Mein erstes eBook: Protokoll eines Selbstversuchs in digitalem Lesen von Jakob Noltes Debütroman ALFF.
Bücherschau des Tages
09.04.2015 In der Zeit liest Jürgen Habermas mit großer Sympathie den hauptsächlich um Walter Benjamin kreisenden Briefwechsel Adornos mit Gershom Scholem. Wer wissen will, wie die Gräueltaten des Nationalsozialismus in der Nachkriegs-BRD verdrängt wurden, der muss Götz Aly lesen, meint Per Leo in der SZ. Antonia Baums Post-Pop-Roman "Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf..." bescheinigt die Zeit Intellekt und Gefühl. Super findet die FR die Erinnerungen Friedrich Liechtensteins.
Im Kino
09.04.2015 In Ahmad Abdallas Paranoia-Thriller "Décor" führen Gespenster der Vergangenheit eine Frau ins Heute. In Alfonso Gomez-Rejons "Warte, bis es dunkel wird" lasten sie wie ein Alb auf der Gegenwart.
Freitag, 10.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
10.04.2015 Zeit online warnt vor Kunst, die unmittelbare Wirkung haben will: da lauert schon der Terrorismus. Der Begriff "lateinamerikanische Architektur" macht der SZ Kopfschmerzen. Die Welt zeigt auf Claus Peymann und fordert: Schmeißt den feisten Revolutionsopa raus. Die FAZ empfiehlt David Schalkos österreichische Serie "Altes Geld". In der taz fordern Laibach ein repolitisiertes Europa.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.04.2015 Das Kopftuch einer Lehrerin ist sehr wohl ein Problem, meint Seyran Ates in der Welt. Quartz.com verteidigt die nützlichen Wörter des indischen Englisch. Kamel Daoud singt im Quotidien d'Oran ein Loblied auf Tunesien. Die FAZ schildert die Kehrseiten eines neuen Kinderbooms. Und Libération wundert sich über den Vatikan, der den neuen französischen Botschafter offenbar nicht akkreditieren will.
Medienticker
10.04.2015 Aktualisiert: Schmerzhafte Schnitte oder Sparen statt fahren: Roman Bucheli & Thomas Steinfeld über den Sparkurs des Diogenes-Verlages - 5-Sterne-Bewertungen: Amazon klagt gegen Bewertungsverkäufer - "Mediapart": Unabhängiger Journalismus im Netz - Ungeahnte Freiheiten: Was macht Geoblocking mit dem europäischen Kino? - Trister literarischer Abgesang: Wolfram Schütte über Milan Kunderas "Fest der Bedeutungslosigkeit" + Glückwunsch: Herbie Hancock zum 75. Geburtstag.
Bücherschau des Tages
10.04.2015 Da lernten die Rezensenten noch was dazu: in Albrecht Schönes Band über den Briefschreiber Goethe und Angela Pabsts Biografie des Kaisers Augustus. Stephan Hermlins geschönte Erinnerungen und David Eggers neuer Roman "Eure Väter, wo sind sie? Und die Propheten, leben sie ewig?" trieben FAZ und SZ dagegen glatt auf die Bäume.
Samstag, 11.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
11.04.2015 Auch in Griechenland, weiß Marlene Streeruwitz, kommt es vor allem auf das Oben und das Unten an. Welt und Standard rufen dazu auf, wieder Lateinamerikaner zu lesen, vor allem César Aira. Der Standard vermisst außerdem Michael Glowgger. Die NZZ entdeckt in Genf Luigi Cherubini als ganz unverstaubten Komponisten. Die FAZ beobachtet Chinas neues Interesse an der westlichen Oper. Und die Huffpo.fr erinnert anlässlich der kommenden Le Corbusier-Schau im Centre Pompidou an das faschistische Engagement des Architekten.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.04.2015 Das King-Lear-Drama um Jean-Marie Le Pen bedeutet keinen politischen Wandel seiner Partei meint huffpo.fr. In der Welt spricht Ralf Bönt über Vaterschaft als blinden Fleck. New York Times und Washington Post diskutieren über die Zukunft von Print. Und hoffen wir mit der taz, dass der Sommer nicht wird wie der nach dem Vulkanausbruch des Tambora in Indonesien vor 200 Jahren.
Bücherschau des Tages
11.04.2015 Die taz liest mit großem Vergnügen Riad Sattoufs Comic "Der Araber von morgen", der von einer Kindheit zwischen Libyen, Syrien und Frankreich erzählt. Außerdem enpfiehlt sie dringend, Pierre Michon zu entdecken, von dem wir unter anderem lernen können, dass der Himmel ein großer Mann ist. FR und Welt bewundern noch einmal die literarischen Höhen, in die Mosche Kahn sie mit seiner Übersetzung von Stefano D'Arrigos Großroman "Horcynus Orca" führt. Die Welt feiert Ricardo Piglias "Munk".
Montag, 13.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
13.04.2015 Kunst ist zur Legitimationsideologie für die Ökonomie geworden, lernt der Standard. In Russland besteht kritische Kunst heute im Organisieren sozialer Prozesse, lernt der Tagesspiegel. Kunstvermittlung ist heute oft Kunstverharmlosung, kritisiert die Zeit. Im Standard erweist sich Péter Esterházy als großer Freund der - gern auch falschen - Fußnote, denn: Jeder Text baut auf einen anderen auf, erklärt er. Es kommt eben drauf an, die alten Wortschichten miteinander ins Glimmen zu bringen, meinte einst Thomas Kling. Und die Theaterkritiker? Saßen am Wochenende zumeist in Armin Petras' Münchner Uraufführung seines Stücks "Buch (5 Ingredientes de la Vida)".
9punkt - Die Debattenrundschau
13.04.2015 Hillary Clinton will US-Präsidentin werden. Wir bringen eine Menge Links zu Lesestoff über sie. Die NZZ erklärt, warum Sex unter Mao nicht angesagt war. Andreas Lubitz ist für seine Tat verantwortlich, schreibt der Psychologe Rainer M. Holm-Hadulla in der FAZ, und er handelte wohl nicht aus Depression. Im Tagesspiegel erklärt die Soziologin Alice Goffman, wie der Rassismus der amerikanischen Polizei funktioniert. Netzpolitik ist sauer über die nachträgliche Legalisierung illegaler Abhörpraktiken beim BND.
Medienticker
13.04.2015 Aktualisiert: Günter Grass ist tot: die ersten Nachrufe sind schon online - BamS bezeichnet Thomas Knüwer als Troll - IVW: Rekordzahlen bei den großen News-Websites - Boykott am Kiosk: Zeitungsverkäufer gegen Bild - Schweizer Buchverlage: In der Bredouille - Spaniens Medien: Im Griff der Mächtigen - Digitale Demokratie: Jacques de Saint Victor über den elektronischen Faschismus - Erfolg in der digitalen Welt: Die acht Grundsätze von Mathias Döpfner & Springer kauft: 25 Prozent von Laut.de & Laut.fm + Baby-Blogs: Das Internet vergisst nie.
Bücherschau des Tages
13.04.2015 Die SZ erkundet mit Isabella Straub die österreichische Provinz und feiert freudig mit ihr "Das Fest des Windrads". Außerdem genießt sie Liebeswerben und Donnergrollen im Briefwechsel zwischen Marcel Reich-Ranicki und Peter Rühmkorf. Die FAZ vergnügt sich mit Dave Zeltsermans tiefschwarzem Roman "Killer".
Dienstag, 14.04.2015
Magazinrundschau
14.04.2015 Der Guardian analysiert die psychologische Kriegsführung Putins. Dichten sollte sich nicht nur die Mittelschicht leisten können, fordert die Lyrikerin Virág Erdős in Nepszabadsag. Der New Yorker erklärt, warum die erste Marsreise an einem Glas Nutella scheitern könnte. Le Monde diplomatique beschreibt die rücksichtslose Ausbeutung Russlands durch seine korrupte Elite. In Ceska pozice erklärt Filmemacher Štěpán Altrichter, warum gute Filme selten von satten Regisseuren gedreht werden. The Chronicle erklärt, warum Frauen demnächst die Welt regieren. In Medium erinnert sich Colin Robinson, wie er in den 70ern verbotene Bücher nach Tschechien schmuggelte. Al Ahram wird warm ums Herz mit Don Quichotte.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.04.2015 Günter Grass ist tot. Die Feuilletons haben ihn noch nicht bewältigt. Den freiesten Blick hat der Guardian. Die FAZ verabschiedet ihn ziemlich kaltschnäuzig, die SZ bringt eine Menge Stoff, die taz bekennt: "Irgendwo ist auch eine Dankbarkeit dafür da, dass man nicht in seiner Haut stecken musste." Eine leidenschaftliche Verteidigung bringt ausgerechnet Springers Welt. Und Salman Rushdie rauft sich die Haare über das Verhältnis deutscher Journalisten zu ihrem Nationaldichter.
9punkt - Die Debattenrundschau
14.04.2015 In The Daily Beast analysiert der Geheimdienstspezialist Andrei Soldatov Edward Snowdens Verhalten in Russland. Micha Brumlik fragt in der taz, ob der Pariser Mai 1968 jüdisch war. Gegen den Streit bei den Le Pens wirken die "Atriden" wie die "Sesamstraße", meint die Welt. Und der Pariser Rapper Booba fragt laut Huffpo.fr: Habe ich eine Fresse wie Charlie? Wenn du die Religion nicht repektierst, gibt's was auf die Nase. Das ist die Straße, Mann.
Medienticker
14.04.2015 Internet: Harald Welzer über die Okkupation der Privatsphäre - Medienethik Journalismus: Dienst an der Gesellschaft & Journalisten hängen an Klickzahlen wie Junkies an der Nadel - PEN-Resolution: Schriftsteller protestieren gegen die europäische Flüchtlingspolitik - Umfragen: Welche Schweizer Verlage fahren zur Buchmesse & Ist die Nachfrage nach Gedichtbänden gestiegen? + Von der Sprengkraft des Jazz überzeugt: Emil Mangelsdorff wird 90.
Bücherschau des Tages
14.04.2015 Vergnügt erlebt die FAZ mit James Gordon Farrell und einem grotesk viktorianischen Figurenensemble den Sepoy-Aufstand von 1857 und "Die Belagerung von Krishnapur". Überzeugend und vor allem glasklar findet sie Dan Diners Buch "Rituelle Distanz" über die deutsch-israelischen Beziehungen. Die SZ empfiehlt noch einmal Michael Zantovskys Biografie von "Vaclav Havel". Und die FR liest Simon Wehrles Variationen auf die antike Tragödie "Mythen. Mutanten".
Mittwoch, 15.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
15.04.2015 Im Freitext-Blog fragt sich Nora Bossong, ob es wirklich besser ist, als braves Zirkuspferd in der Arena zu traben statt wie Günter Grass die Hufe zum Keilen zu nutzen. Der Ensemble-Gedanke lebt, auch an jüngeren Bühnen, ruft der Tagesspiegel Claus Peymann zu. Die NZZ lernt von der kolumbianischen Künstlerin Doris Salcedo, wie man das Grauen sichtbar macht. Die taz porträtiert den amerikanischen Filmkritiker und Videoessayisten Kevin B. Lee.
9punkt - Die Debattenrundschau
15.04.2015 Scharf attackiert Kenan Malik in seinem Blog den New York Times-Zeichner Garry Trudeau, der Charlie Hebdo "Hate Speech" vorwarf. Im SZ-Interview erklärt Adam Szymczyk, Chef der Documenta 2017, warum er gern die Gurlitt-Sammlung zeigen würde. In der NZZ lobt der Theologe Jan Heiner Tück die Papst-Äußerungen zum Völkermord an den Armeniern. Ähnliche Offenheit wünschte ich die FR in Bezug auf die Rolle der Katholischen Kirche im Holocaust. Die Huffpo.fr sucht nach Repräsentanten nicht gläubiger Muslime. Und laut Horizont wollen drei der vier Spiegel-Erben ihre Anteile verkaufen.
Medienticker
15.04.2015 Spiegel: Erben um Jakob Augstein wollen ihre Anteile verkaufen - Offizielles Verfahren: EU verschärft die Gangart gegenüber Google - Recht im Internet: Wer für Beleidigungen im Netz verantwortlich ist - International: Deutschlands Netzwerkfähigkeit sinkt - Fernsehunterhaltung: Die Letzten machen das Licht aus & Öffentlich-rechtliche Inhalte brauchen Archivierungs-Pflicht - Internetfernsehen: Ringier stellt BlickTV ein + Nachruf auf Percy Sledge: "When a Man Loves a Woman" ...
Bücherschau des Tages
15.04.2015 Als Wunderwerk der russischen Erzählkunst bejubelt die NZZ das im Band "Mein Taubenschlag" gesammelte Erzählwerk von Isaak Babel. Sehr dankbar ist sie außerdem György Dalos für seine differenzierte "Geschichte der Russlanddeutschen". Die FAZ erfährt von Ayad Al-Ani, dass die Araber schon in der Antike zur westlichen Welt gehörten, und liest mit Interesse und Skepsis Max Tegmarks Theorie über "Unser mathematisches Universum".
Im Kino
15.04.2015 Chris Rock schließt in dem atemlosen New-York-Film "Top Five" gekonnt an seine Stand-Up-Performances an. Reichlich steril wirkt dagegen das Brooklyn in Jaume Collet-Serras Liam-Neeson-Actioner "Run All Night".
Donnerstag, 16.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
16.04.2015 Die Welt fragt gerade noch: Warum gibt es nach Grass nur noch Biedermeier-Intellektuelle in Deutschland? Da lässt der Maler Markus Lüpertz in der Zeit schon die Muskeln spielen: "Es ist doch nur Mist aus dem Osten herübergekommen." Die NZZ singt dafür ein Lob der Ostmoderne. Ebenfalls in der Zeit erzählt Martin Walser, warum er Grass nur betrunken ertrug. Wolkenkratzer werden zum Nadelöhr des sozialen Aufstiegs, meldet der Freitag. Die SZ staunt über die Frauen Leonardo Da Vincis.
9punkt - Die Debattenrundschau
16.04.2015 Wie lange soll das Flüchtlingssterben im Mittelmeer noch weitergehen, fragen einige Politikerinnen in der Huffpo.fr und der Soziologe Ludger Pries in der FAZ. Spiegel Online fürchtet, dass die deutsche Regierung vor Tayyip Erdogan kuscht und den Völkermord an den Armeniern nicht beim Namen nennt. In der taz fordert die Techniksoziologin Zeynep Tufekci mehr Kontrolle über die Algorithmen. In der Zeit wehrt sich Tim Renner mit Popkultur gegen Claus Peymann.
Medienticker
16.04.2015 Neuauflage: Vorratsdatenspeicherung als Verletzung der Bürgerrechte & Industrie zweifelt am IT-Sicherheitsgesetz - Deutsche Verleger zum EU-Google-Verfahren: "Ein wichtiger Schritt für die Medienfreiheit" - Digitalisierung: Unsere Gesellschaft braucht Journalismus, weiß Tobias Schwarz & die FAZ will digitaler werden - Georg Stefan Troller im Gespräch: Wie kommen Sie Ihren Interviewpartnern so nah? + "Wer hat gesagt, daß sowas Leben ist?": Rolf Dieter Brinkmann zum 75. Geburtstag.
Bücherschau des Tages
16.04.2015 Zum Geburtstag von Sarah Kirsch, die heute achtzig geworden wäre, lesen FAZ, FR und SZ mit großem Vergnügen und leiser Wehmut ihren Südengland-Reisebericht "Ænglisch". Nicolas Mahlers Lyrikband "Dachbodenfund" und die "Unsichtbaren Übungen" von Klaus Johannes Thies versetzen die FAZ in Verzückung. Und die SZ ist hin- und mitgerissen von Antonia Baums Roman "Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf".
Freitag, 17.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
17.04.2015 Regisseur Clemens Bechtel schickt der Nachtkritik einen Brief vom Theaterfestival "Buja Sans Tabou" in Burundi. Die Indie-Labels mögen zu Recht protestieren, aber am Ende siegt bei den Öffentlich-Rechtlichen immer der Mainstream, fürchtet der Freitag. Die Filmkritiker lernen eine Menge über griechische Befindlichkeiten in Syllas Tzoumerkas' Film "A Blast". Und: Mit Louis Vuitton ins Jenseits. Die Welt steht staunend in Dresden vor chinesischen Brandopfern aus Papier.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.04.2015 Respekt! Der Rapper Booba erklärt auf seiner Instagram-Seite, worin er und der Papst d'accord gehen. Die SZ lässt sich von Herfried Münkler über überraschende Vorzüge der deutschen Geschichte aufklären. Die NZZ begibt sich auf die Suche nach der äußersten Grenze des Wissens. Die Welt verteidigt das Rostocker Theater gegen Rostock.
Medienticker
17.04.2015 Aktualisiert: Michael Ringiers Absage an Paid Content: "Niemand verdient mit digitalen Inhalten Geld" - "Eine einzelne Online-Story kann viel mehr Leser anziehen als eine gesamte Zeitung", weiss Washington-Post-Chefredakteur Marty Baron - Kein Ende in Sicht: Die IVW-Tricks der Nachrichten-Websites - Eine Plage: Leser-Reporter - Charbs Vermächtnis: Sein letztes Buch kritisiert Medien - Slavoj Zizeks Welt: Blasphemische Gedanken + Die wilden 70er: Ein Gespräch mit Sadie Jones.
Bücherschau des Tages
17.04.2015 Die FAZ erkundet mit Hilfe des Biologen Michael Ohl die Feinheiten der taxonomischen Systematik. Die SZ begibt sich mit Lisa Moores "Der leichteste Fehler" in die Siebziger, als Drogenschmuggel noch mit Abenteuer und einem Freiheitsversprechen verknüpft war. Allen Zweijährigen empfiehlt sie Chris Haughtons Bilderbuch "Pssst! Wir haben einen Vogel".
Samstag, 18.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
18.04.2015 Zeit online porträtiert die Lyrikerin Mara Genschel, die Poesie als Störfall begreift. Der Tagesspiegel berichtet von der großen Sebastião-Salgado-Schau in Berlin. Die Berliner Zeitung widmet sich dem Thema deutsche Schuld und "Der Kommissar". Auch für Grass war die Welt nur ein old boys club, bemerkt Marlene Streeruwitz in der taz. Die taz feiert den Record Store Day. NZZ und SZ besuchen die Mailänder Möbelmesse.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.04.2015 Wenn die deutsche Regierung den Völkermord an den Armeniern nicht benennt, dann sollten die Vertreter ihres Souveräns es tun, meint der Tagesspiegel. Der Guardian staunt über die Gobbels-Erben, die Geld für Zitate sehen wollen. Die NZZ spürt den Ursprüngen des Schweizer Populismus nach. The Daily Beast liest Charbs Büchlein zum Begriff "Islamophobie" und den Strategien seiner Verfechter. Die FAZ erklärt, warum der Name des Kopiloten Andreas Lubitz genannt werden sollte. In der NZZ erzählt Peter Trawny, wie schwer es ein Heidegger-Herausgeber mit Heidegger-Adepten haben kann.
Bücherschau des Tages
18.04.2015 Die SZ streift mit Steffen Möller begeistert durch Warschau. Die taz feiert Frank Witzels monumentalen Roman "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion..." Für die FAZ leuchtet Anne Tylers Roman "Der leuchtend blaue Faden" wirklich. Für die taz versenkt sich Micha Brumlik in den Briefwechsel von Adorno und Scholem. Die NZZ staunt über die Bauten Mies van der Rohes in Carsten Krohns Monografie. Die Welt bringt ein Dossier zum Jahr 45.
Montag, 20.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
20.04.2015 Liebe, Begehren, Erfüllung ohne Furcht vor Verlust, magnetische Körper - alles da in Sasha Waltz' "Romeo und Julia"-Choreografie, jubeln die Theaterkritiker. Eher ins Frösteln kommt der Standard in Barbara Freys Inszenierung des Labiche-Schwanks "Die Affäre Rue de Lourcine". Die Dokumentationswut deutscher Stadtplaner könnte manchem Einwohner von Aleppo noch das Dach über dem Kopf retten, meldet die Welt. Die taz hörte mit wenig Gewinn deutsche Schriftsteller über die Welt grübeln.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.04.2015 Der Schock über die neue Flüchtlingskatastrophe ist groß. Alle fragen, wie die europäische Politik reagieren soll. Bernard-Henri Lévy will den Front national nicht "entdiabolisieren". "Ein Völkermord ist ein Völkermord", konstatiert die FAZ mit Blick auf die Ereignisse in der Türkei vor hundert Jahren. Aber wird der Bundestag dieses Wort aussprechen? Die NZZ besucht Kuba, bevor die Amerikaner kommen.
Medienticker
20.04.2015 Essay-Wettbewerb: Zukunft des Journalismus - Trolle, Empörungsjunkies & kluge Köpfe: Die fünfte Gewalt des digitalen Zeitalters - Roboterjournalismus: Aexea gibt Programmiersprache ATML3 frei - Sony-Hack: WikiLeaks wird zu Lächerleaks - ARD & ZDF sehen rot: Braucht es öffentlichrechtliche Sender? - Kriminalromane: Das U & E des deutschen Krimis - Theater-Nachtkritiken aus München, Neukölln, Stuttgart & Wien + Stark & total unabhängig: Pippi Langstrumpf wird 70.
Bücherschau des Tages
20.04.2015 Die FR liest Sämtliche Gedichte von Emily Dickinson und hebt ab. Die FAZ erliegt Robert Seethalers Stimme, der seinen Roman "Der Trafikant" jetzt als Hörbuch eingelesen hat. Gut gefallen hat ihr auch Lars Eidingers Lesung von David Foster Wallace "Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache". Die SZ begibt sich mit Ricardo Piglias "Munk" auf die Spur des Unabombers.
Redaktionsblog - Im Ententeich
20.04.2015 Der Perlentaucher wird jetzt per https ausgeliefert - und schützt damit seine Leser. Von Justin Salisbury
Dienstag, 21.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
21.04.2015 Die neuen Folgen von Mad Men, Game of Thrones oder House of Cards? Nicht hier! Jetzt gehts den Umgehern von Geoblockaden an den Kragen, meldet Heise. Seit wann ist die Volksbühne ein heiliger Tempel der Hochkultur, fragt die SZ genervt vom Berliner Theaterkrieg. Außerdem hätte sie gern mal ein Schwimmbad oder eine Bibliothek im Bahnhof, nicht immer nur noch eine Filiale von H&M. Die Berliner Zeitung lässt sich von Michael Beutlers Moby Dick verschlucken.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.04.2015 Der Bundestag wird den Völkermord an den Armeniern beim Namen nennen, wenn auch mit einem Satz, den Spiegel online spitzfindig findet. Der New Yorker erkennt Fortschritte in der Türkei bei diesem Thema. Großen Ärger hat François Hollande mit dem Satz ausgelöst, Marine Le Pen klinge wie ein kommunistisches Flugblatt von 1970. Libération gibt ihm recht. Heute startet politico.eu mit Artikeln gegen Austerität und pro Google. Die taz fordert eine Evakuierung der libyschen Flüchtlingslager.
Medienticker
21.04.2015 IVW-Quartalsauflagen: Aktuelle Wochenmagazine legen zu & So hoch ist die "harte Auflage" wirklich - Berliner Theaterstreit: Drei Intendanten sind alarmbereit - Pulitzer-Preise: Dreimal New York Times für investigative Recherche, internationale Berichterstattung & für Fotografie - Google: Piraterie-Filter weiter löchrig - Internet.org: Facebook sagt dem freien Netz den Kampf an - Kann man Terror verstehen lernen? Gespräch mit Klaus Theweleit + Gedenktag: Weltweite Lesungen für Armenien.
Magazinrundschau
21.04.2015 Der Völkermord an den Armeniern war eben das: ein Völkermord, notiert die Financial Times. Auch Israel sollte das als Tatsache anerkennen, meint Tablet. Die NYRB erzählt, wie ukrainische Oligarchen die Ostukraine unterstützen. In Eurozine warnt Mykola Riabchuk vor einem neuen Totalitarismus in der Ukraine. In der LRB fragt sich Christopher Clark, wer Kaiser Wilhelm II. ganz ernst nahm. La Vie des idees fordert mehr künstlerischen Patriotismus. Pitchfork sucht den Wert der Musik. Und Aeon fragt: Warum explodieren unsere Gehirne nicht, wenn wir Filme sehen?
Bücherschau des Tages
21.04.2015 Die SZ empfiehlt "Atención!", einen Band mit Reportagen aus Südamerika. Allerdings sie versteht nicht, warum Carlo Strenger mit "Zivilisierte Verachtung" die Debatte um Freiheit und Vernunft auf die Ebene negativer Affekte drücken will. Ein bisschen mehr politisches Bewusstsein hätte sie sich von den Neuen Väter Marc Brost und Heinrich Wefing in "Geht alles gar nicht" gewünscht. Als souveräne Darstellung lobt die FAZ Rolf Hosfelds Buch "Tod in der Wüste" über den Völkermord an den Armeniern. Die NZZ liest Gila Lustiger und Hilary Mantel.
Mittwoch, 22.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
22.04.2015 Die NZZ geht vor dem Chor der Komischen Oper in die Knie, der mit ekstatischer Wucht Schönbergs dodekafone Gesangslinien in "Moses und Aron" bewältigt. Die taz sah Romeo und Julia in der Ukraine. Die Berliner Zeitung hüpft zur magischen Peitsche Blurs. Die FAZ lässt sich noch mal vom Terrororchester Günther Ueckers provozieren. Und Georg Seeßlen macht seinen Frieden mit der mechanischen Hand.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.04.2015 Ganz Italien verlangt eine europäische Intervention in der Flüchtlingsfrage, schreibt Libération. Politico.eu analysiert die europäischen Divergenzen in der Frage: Britannien hat nur 200 syrische Flüchtlinge aufgenommen, Deutschland und Schweden Tausende, Ungarn schließt die Grenzen ganz. In der FAZ prangert Navid Kermani die westliche Mitschuld an. In The Walrus erklärt Atom Egoyan, warum die Traumatisierung durch den Völkermord an den Armeniern bis heute nicht überwunden ist.
Medienticker
22.04.2015 Ungebetene Gäste: Pressefreiheit in der Türkei - Bitte ein Care-Team für Journalisten: Rainer Stadler über den Deutschen Presserat - Die Nierensteine waren nicht autorisiert: Zum Start von politico.eu - Land der Richter & Henker: Jan Süselbeck über Gisela Elsners "Fliegeralarm" & Essays - Digitale Schule: "Niemand will die Schulbücher verbrennen" + Mobiles Videostreaming: Der Hype und seine Grenzen.
Bücherschau des Tages
22.04.2015 Als literarisches Werk eigenen Ranges adelt die FAZ das Reisebuch "69 Hotelzimmer" des vor einem Jahr gestorbenen Dokumentarfilmers Michael Glawogger. In "Irma" verzahnt Tex Rubinowitz pralle Lebensskizzen und Reflexionen übers Schreiben, freut sich die NZZ. Aus Keith Lowes fesselnder Chronik "Der wilde Kontinent" erfährt sie außerdem, dass im Europa der 1940er Jahre von Nachkriegszeit keine Rede sein konnte.
Im Kino
22.04.2015 Tim Burtons "Big Eyes" erzählt eher von einer ökonomisch profitablen Lüge als von der Emanzipation einer Malerin. Gerd Kroskes Doku "Striche ziehen" über die subkulturelle DDR-Opposition und die Stasi bietet nicht nur Traumaforschern reichlich Material.
Donnerstag, 23.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
23.04.2015 Nun also doch: Chris Dercon kommt an die Volksbühne, meldet der Tagesspiegel und prophezeit: Der Berliner Theaterkampf beginnt jetzt erst richtig. Ebenfalls im Tagesspiegel macht der 73-jährige Jürgen Flimm das ganz große Fass auf und bescheinigt dem Neuen schon mal, doch nur alte, angejahrte Moderne unters Volk bringen zu wollen. Die taz immerhin freut sich auf Abwechslung. Die nachtkritik bewundert das Faust-Event von Wilson/Grönemeyer am BE. Vielleicht wird die deutsche Literatur besser, wenn sie nicht mehr subventioniert wird, überlegt der Freitag. Der Standard porträtiert den ukrainischen Filmregisseur Sergej Loznitsa.
9punkt - Die Debattenrundschau
23.04.2015 Die Flüchtlingskatastrophe treibt die Medien weiter um. Der Zeit ist sie - wie es für dieses Institut nun mal typisch ist - ein Pro und Kontra wert. Slate.fr erinnert an die Boat People, die es vor 35 Jahren noch schafften, die Intellektuellen und die Weltöffentlichkeit zu mobilisieren. In einer Grundsatzrede zur Digitalisierung verschluckt sich Monika Grütters am Internet - bei ihr kommt nur noch Aber Aber Aber raus. In Kanada gibt es noch Widerstand gegen die Verlängerung von Copyright-Schutzfristen. Und die wirklichen Debatten finden sowieso auf Facebook statt, behauptet die Zeit.
Medienticker
23.04.2015 Riot Girls & Shopping Queens: Diskussion zur aktuellen Jugendliteratur - USA: Google will den Mobilfunk revolutionieren - Frequenzauktion: Deutschland versteigert Mobilfunkfrequenzen neu - Biografie-Tantiemen: "Geld an Goebbels' Erben? Im Leben nicht" - Theater-Nachtkritiken aus Berlin, Bern, Braunschweig - RealFiktionen: Die Rolle des Textes im zeitgenössischen Theater - In memoriam zum 10. Todestag: Die Lyrik des Thomas Kling + 20 Jahre Welttag des Buches.
Bücherschau des Tages
23.04.2015 Die FAZ staunt, wie Jürgen Theobaldy in seinem Roman "Rückvergütung" Diskretion und Deutlichkeit unter einen Hut bringt. Von Greg Woolfs "Biografie eines Weltreichs" erfährt sie außerdem, wie das Römische Reich so lange bestehen konnte: mit Gewalt und rohem Expansionswillen. Die Zeit lässt sich von Jürgen Gottschlich die Rolle Deutschlands beim Völkermord an den Armeniern auseinandersetzen.
Freitag, 24.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
24.04.2015 Großes Bohei um die Berufung Chris Dercons an die Volksbühne: Tagesspiegel und SZ hätten das gern mit Tim Renner vorher ausdiskutiert. Die Berliner Zeitung freut sich schon mal auf einen ganz neuen Stil. Im Tagesspiegel meint Peter Raue: Schön, dass man nach 25 Jahren Castorf jetzt auch mal was anderes wagen will. In Standard und Presse erklärt Tracy Emin, was sie mit Egon Schiele verbindet. Die Jungle World feiert Ana Lily Amirpours iranischen Vampirwestern "A Girl Walks Home Alone at Night". Critic.de berichtet vom 35mm-Filmfestival "Terza Visione". Die SZ fordert mit den Seaford Slobs: Beschimpft die herrschende Klasse.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.04.2015 Die EU reagiert auf die Flüchtlingskatastrophe mit einer Verdreifachung der Mittel für die Grenzkontrollen - mehr Flüchtlinge will man auf keinen Fall aufnehmen, resümiert Politico.eu den gestrigen Sondergipfel in Brüssel. Bundespräsident Gauck sprach gestern Abend den Satz mit "Völkermord" aus, der heute auch im Bundestag gesagt werden wird. Die türkische Gesellschaft ist in der Auseinandersetzung mit dem Thema wesentlich weiter als die türkische Politik, konstatiert die FAZ. Und der BND scheint in Wirklichkeit für die NSA zu arbeiten, hat Spiegel Online herausgefunden.
Medienticker
24.04.2015 Aktualisiert: Zweifel am Erfolg von Paywalls: Stephan Goldmann benennt drei Gründe - Project Fi: Google degradiert die Netzbetreiber & steigert Umsatz und Gewinn weiter - Theater-Nachtkritik: "Herz der Finsternis" in Bonn, "Iphigenie" in Hamburg & Eine Chronik des Berliner Theaterstreits - Wer das liest, ist doof: Eine Publikumsbeschimpfung von Reto Hunziker - Debatte: Der Fall Heidegger - Werbung & Journalismus: Geile Themen für Journalisten & IT-Konzerne umwerben Journalistenfuzzis + Erst marxistisch, dann daneben: Die Lust an der Respektlosigkeit.
Bücherschau des Tages
24.04.2015 Zum Jahrestag des Völkermords an den Armeniern liest die taz "Tod in der Wüste" von Rolf Hosfeld und "Die Armenierfrage in der Türkei" von Sibylle Thelen. Blendend unterhalten, aber wenig überzeugt ist die SZ von Russell Brands Aufruf zur "Revolution". Und Lizzie Doron verdeutlicht der FAZ in ihrem Doku-Roman "Who the Fuck is Kafka?" den Nahostkonflikt auf einer zwischenmenschlichen Ebene.
Samstag, 25.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
25.04.2015 Der Theaterkampf ist beigelegt: Bei seiner Vorstellung in Berlin erobert Chris Dercon die Herzen seiner Gegner mit Charme und Konzept. Wie recht Dana Buchzik mit ihrer Kritik am Sexismus im Literaturbetrieb hatte, beweist die Reaktion, die sie hervorrief, schreibt sie in der taz. Die Kunstform Album lebt, freut sich die Spex angesichts neuer Veröffentlichungen von Faith No More und Blur. Die SZ ekelt sich vor dem Raumhunger der Internetgiganten. Und die FAZ staunt im Nachbau der Chauvet-Höhle über die hochentwickelte Kunstfertigkeit des frühen Homo Sapiens.
9punkt - Die Debattenrundschau
25.04.2015 Im Merkur-Blog taumelt Robin Detje im Glücksrausch durch eine Stadt voller Jugend und Lust auf Veränderung. Kann es Berlin sein? In der Welt beschreibt der Schriftsteller Kamel Daoud, auf welch verlorenem Posten die Kultur in Algerien steht. In der taz ruft der Künstler Artjom Loskutow: Ihr gefallt uns nicht! Die NZZ beobachtet nach der Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer das rhetorische Händeringen in Italien. Und das NYRB-Blog reist mit Franz Werfel nach Musa Dagh.
Bücherschau des Tages
25.04.2015 Bedrückt und beeindruckt liest die SZ eine frühe Erzählung von David Foster Wallace über Depression und lernt aus einem Hörbuch mit Gedichten von William Butler Yeats, wie man Poesie nicht wie Prosa spricht. Davide Longos Roman "Der Fall Bramard" ist viel mehr als ein Krimi, aber nie weniger, schwärmt die FAZ. Die NZZ freut sich über Tor Ulvens Erzählband "Das allgemein Unmenschliche". Und Hugo Hamilton bricht der taz mit seinem Roman "Jede einzelne Minute" das Herz.
Essay
25.04.2015 Auf den türkischen Genozid an den Armeniern folgte ein Mnemozid. Solange eine Opfergruppe mit der Erinnerung an das ihr zugefügte Leid und Unrecht allein bleibt, setzen sich die Bedingungen ihrer Verfolgung und Auslöschung fort. Die einzige Möglichkeit, diesen unerträglichen Zustand zu überwinden, besteht darin, dass diese tiefe Wunde anerkannt und von außen bestätigt wird.
Montag, 27.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
27.04.2015 Im Tagesspiegel fragt Thomas Oberender von den Berliner Festspielen, warum plötzlich so viel Mittel in die Volksbühne fließen statt in Radialsystem, Sophiensäle, HAU und Kunstwerke. Chris Dercon benennt das Problem der horizontalen Linken: Sie hat Probleme mit Veränderungen. Am neuen Whitney Museum ist das Schönste der Blick nach draußen, findet die SZ. Der Tagesspiegel hat einen neuen Chef für die Philharmoniker gefunden: den Florettfechter Andris Nelsons.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.04.2015 Mehrere Autoren, darunter Michael Ondaatje, Teju Cole und Taiye Selasi, wollen der jährlichen Gala des amerikanischen PEN-Clubs fernbleiben, weil dort Charlie Hebdo geehrt wird, meldet AP. In der Berliner Zeitung graut es Ian Kershaw vor dem deutschen Durchhalten vor der Niederlage 1945. In der Welt geißelt Henryk Broder Frank-Walter Steinmeiers Schweigen zum Völkermord an den Armeniern. Die FAZ macht sich Sorgen um Deutsch in Frankreich. In der NZZ wirft Mark Lilla den französischen Schulen vor, den kulturellen Faktoren nicht zu beachten.
Medienticker
27.04.2015 Schweizer Verlage: Die Währung & die Bücher - BND-Skandal: Was wusste das Kanzleramt wann? - Von wegen dümmer! Digitale Medien & die User - Menschen sind emotional. Soziologe über Digitalisierung - Ich mach dich fertig: Frauenfeindlicher Literaturbetrieb - Theater-Nachtkritiken aus Berlin, Bremen, Düsseldorf, Hamburg & Heidelberg + Revolutionär einer neuen Tonalität: Vor 100 Jahren starb Alexander Skrjabin.
Bücherschau des Tages
27.04.2015 Die SZ lernt von Andrea Di Nicola und Giampaolo Musumeci, dass unter Menschenhändlern nicht in eine Schleusermafia, sondern eine organische Struktur herrscht. In James Lee Burkes Krimiepos "Sturm über New Orleans" liest sie nach, welche Verbrechen nach Katrina an der verarmten Bevölkerung begangen wurden. Die FR liest etwas unbefriedigt Tahar Ben Jellouns Schrift "Der Islam, der uns Angst macht".
Dienstag, 28.04.2015
Magazinrundschau
28.04.2015 Warum gewinnen schwule Männer den Kampf für die gleichgeschlechtliche Ehe, während Frauen die Kampf um das Recht auf Abtreibung verlieren, fragt The Nation. Im Guardian erzählt Orhan Pamuk, wie die Arbeiten von Anselm Kiefer ihn lehrten, dass er kein Künstler war. In Telerama erklärt der Historiker Jean-Claude Caron, warum heute niemand mehr auf die Barrikaden geht. The New Republic stellt die Black Ducks vor, arabische Atheisten. Bloomsberg macht eine Kreuzfahrt mit Chinesen. In Hospodarske noviny erinnert sich Kim Novak an Hitchcock. Die New York Times verfolgt die Wege der Ratten in New York.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.04.2015 Eva-Maria Höckmayrs Berliner Inszenierung der Telemann-Oper "Emma und Eginhard" stößt auf freundliche Kritik: zu viel gurrende Flauto-d'amore-Flirts oder anders gesagt: zu viel erlesene Halbherzigkeit. Etwas thesenhaft kommt Tocotronics neues Konzeptalbum über die Liebe beim Tagesspiegel an, die Welt möchte dagegen sofort knutschen. Im Standard beklagt der Choreograf Chris Haring die neue Lust am Einteilen und Sortieren in der Kulturpolitik. Dem Tages-Anzeiger stellen sich die Nackenhaare hoch vor Berlinde De Bruyckeres Wachskadavern. Und der Guardian erklärt, wie John Galliano sich die Zukunft des Avantgarde-Modelabels Margiela vorstellt.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.04.2015 Scharfe Kontroverse in den USA über die Frage, ob der PEN Club Charlie Hebdo ehren soll. Sechs Autoren haben bekanntgegeben, dass sie die Gala boykottieren. Die FAZ freut sich. Salman Rushdie nennt sie Pussies. Glenn Greenwald vermisst die Verteidigung antisemitischer Witze. Das andere große Thema: Kurz vor den EU-Prozessen zu Googles Marktmacht schließt der Konzern einen Pakt mit acht europäischen Zeitungen, darunter die FAZ und die Zeit, und lässt 150 Millionen Euro für einen "Innovationsfonds" regnen.
Medienticker
28.04.2015 Profitables Milliardengeschäft: Bei Amazon ist das halbe Netz zu Hause - Leistungsschutzrecht: Verleger wollen sechs Prozent vom Google-Umsatz - Berliner Hebbel am Ufer: Wer ist hier Lustobjekt? - Facebook & Co.: Wie macht's die Buchbranche? - Der Minister & der Dichter: Albert Ostermaiers Lenz fliegt nach Beirut +
Die 40 größten Bestseller: Was die Deutschen am liebsten lesen.
Bücherschau des Tages
28.04.2015 Geradzu weihevoll hält die FAZ die neue Kostbarkeit von Ror Wolf in Händen: "Raoul Tranchirers Notizen aus dem zerschnetzelten Leben". Die SZ bewundert Henri Michaux' Band "Zeichen. Köpfe. Gesten". In Uwe Nettelbecks Gerichtsreportagen erlebt sie das Menschliche vor Gericht. Die FR geht mit Hedin Bru auf Grindwaljagd vor den Faröer-Inseln. Außerdem imponiert ihr Rudyard Kiplings erzählerische Souveränität.
Mittwoch, 29.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
29.04.2015 Die Zeit ahnt, warum Chris Dercon in Berlin einen so schweren Stand hat: Der Mann hat Charme, eine dem Berliner unheimliche Charakterdisposition! Critic.de freut sich über die Wiederentdeckung von Will Trempers Film "Flucht nach Berlin" aus dem Jahr 1961. Die New York Review of Books gruselt sich vor Goyas alten Frauen. Die Zeit stellt die Literaturminiaturen von Lydia Davis vor.
9punkt - Die Debattenrundschau
29.04.2015 Der Streit um die Ehrung von Charlie Hebdo durch den amerikanischen PEN Club geht weiter. Salman Rushdie zieht den Begriff "Pussies" zurück. Francine Prose begündet ihren Gala-Boykott im Guardian. Der Student und Blogger Karthick Ram Manoharan wendet sich in der Huffpo gegen die angelsächsische Political correctness. Hand in Hand marschieren Google, FAZ und Zeit laut taz einer leuchtenden Zukunft entgegen, jetzt, da Google 150 Millionen Euro regnen lässt. Die SZ hüpft hinterher. Alle anderen Zeitungen wollen sechs Prozent von Googles Umsatz.
Medienticker
29.04.2015 Leistungsschutzrecht: VG Media will angeblich sechs Prozent des Google-Umsatzes in Deutschland - Zeit-Chef Esser meint Digital News Initiative: "Gute Plattform, um Google die europäischen Interessen zu vermitteln" - Expansion: Amazon will verstärkt Unternehmen beliefern - Say it loud, say it clear: Festung Europa oder Das Theater mit den Flüchtlingen - Medienethik: Jörg Sadrozinski über heutigen Journalismus - Journalisten-Anfrage für 199,20 Euro + Literatur hören & performen: Michael Fehr über sein Buch "Simeliberg".
Bücherschau des Tages
29.04.2015 Empfindsam und messerscharf schildert Kristine Bilkau in "Die Glücklichen" den sozialen und kulturellen Abstieg eines Paares aus der Kreativszene, staunt die Zeit. Die NZZ bejubelt die Neuausgabe der mittelalterlichen Legendensammlung des Dominikaners Jacobus de Voragine. Die FAZ freut sich, dass Gregory Hickok mit dem Mythos der allmächtigen Spiegelneuronen aufräumt. Tief bewegt ist sie außerdem von Inger-Maria Mahlkes Roman "Wie Ihr wollt" über die kleinwüchsige, bucklige Cousine von Elisabeth I.
Maluma und Takete
29.04.2015 Isa Genzkens grelle Kunst ist ohne jede Aura. Vielleicht muss oder soll das so sein. Es gibt darin irgendeine Art von Verweigerung. Aber welche? Ist es Weltschmerz? Wo soll das hin? Eine Begehung ihrer "New Works" im Frankfurter Museum für Moderne Kunst.
Im Kino
29.04.2015 Annekatrin Hendels Porträtfilm "Fassbinder" erweist sich trotz Youtube-tauglichem Interviewmaterial als Schnellschuss mit Rammstein-Musik. Marjane Satrapis "The Voices" identifiziert sich mit der Schizophrenie seines Protagonisten und ist am interessantesten, wenn seine Protagonisten versuchen zu kommunizieren.
Tagtigall
29.04.2015 Ein unfertiges Gedicht von Ernst Jandl: Auch wenn es aus formalen oder thematischen Gründen in keinen seiner Gedichtbände Eingang fand, gibt es doch mehrere Fassungen.
Donnerstag, 30.04.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
30.04.2015 In der Paris Review erklärt der britische Knausgaard-Übersetzer Don Bartlett, warum er den Knausgaard-Sound mit dänischen Ohren hört. Die Berliner Theaterkritiker freuen sich schon auf politisches Gegenwartstheater beim Theatertreffen. In der Spex fragt HAU-Chefin Annemie Vanackere eben diese Kritiker anlässlich des Theaterstreits: Wo habt ihr eigentlich die letzten zwanzig Jahre gelebt? Der Freitag ist genervt vom halbwissenden Popkultur-Berlin. Die NZZ schickt einen ersten Bericht von der Mailänder Expo.
9punkt - Die Debattenrundschau
30.04.2015 Die Charlie Hebdo-Debatte spitzt sich weiter zu. Über 30 Schriftsteller schließen sich dem Protest der Gala-Boykotteure gegen eine Auszeichnung der Zeitung durch das amerikanische PEN-Zentrum an, darunter sind Joyce Carol Oates, Eliot Weinberger und Charles Simic. Wir verlinken auf ihren Brief. Auch der Präsident des deutschen PEN Zentrums, Josef Haslinger, wendet sich laut Tagesspiegel gegen eine Ehrung für die Zeitung. Außerdem: In der NZZ schreibt der Autor Boubacar Boris Diop über Ausländerfeindlichkeit in Südafrika. Politco.eu und Netzpolitik werfen kritische Blicke auf Googles Freundschaftsgeschenke an Zeitungen.
Medienticker
30.04.2015 Die deutschen ePaper-Charts: Die meistverkauften Zeitungen und Magazine - 25 aus 1.400: Grimme-Preis-Nominierung & Grimmeleaks - NSA-Affäre: Jahrelang belogen - Wo der Schwarm Kreative finanziert: Kickstarter geht nun auch in Deutschland online - "Himmelfahrtskommando Hindukusch": Interview mit Steffen Kopetzky zu seinem Roman "Risiko" - "Hinter den gleichen Fassaden": Peter Weiss' letzter Film - 30.04.1945: Alexander Kluge und der Tag, an dem sich Hitler erschoss.
Bücherschau des Tages
30.04.2015 Zum vierzigsten Jahrestag der Eroberung Saigons liest die taz tief beeindruckt Bao Ninhs "Die Leiden des Krieges" über die seelische Zersetzung eines vietnamesischen Veteranen. Die SZ ist hingerissen von Jesse Browners Coming-of-Age-Roman "Alles geschieht heute". Große Begeisterung ruft Siri Hustvedt mit ihrem Roman "Die gleißende Welt" bei der FAZ hervor. Sehr interessant findet sie außerdem Karl Corinos kleine Familiengeschichte der Musils.