Montag, 03.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
03.05.2021 hpd.de berichtet über den Aufruf des pakistanischen Premierministers Imre Khan zu einem Handelsboykott gegen alle westlichen Staaten, die Blasphemie nicht unter Strafe stellen. Die Beleidigung des Propheten Mohammed setzt Khan mit einer Leugnung des Holocausts gleich. In den armen Ländern beginnt die Coronakrise erst, fürchtet die taz. In den reichen endet sie auch nicht, fürchtet die FAZ. Auf Zeit online erzählt Fabian Wolff, wie er als linker Jude in Deutschland leidet. In der SZ lässt Gerhard Matzig hemmungslos seinem Abscheu vor dem deutschen Eigenheim und seinen Besitzern freien Lauf. Ist das "Klassismus", würde die taz vielleicht fragen.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.05.2021 Die Nachtkritik studiert mit Yukio Mishima bei den Ruhrfestspielen die Verhaltenslehre der Kälte. Der Tagesspiegel möchte der Skandalreihe der Berliner Bühnen auch etwas Positives abgewinnen. Die FAZ lernt im Musée du Luxembourg, wie französische Malerinnen die männliche Bastion der Pariser Akademie einnahmen. Auf Revolver huldigt der Filmhistoriker Christoph Draxtra der technischen Imperfektion. Standard und Jungle World reagieren mit verhaltener Begeisterung auf das neue Album von Ja, Panik.
Medienticker
03.05.2021 Tag der Pressefreiheit: Woche der Meinungsfreiheit & Sorge um die freie Rede - Jürgen Habermas verzichtet auf Buchpreis aus Emiraten - West vs. Ost: Wie der Kalte Krieg in die Literatur kam - Trotz Digitalisierung: Buch schlägt E-Book - Nachtkritiken über das Schauspielhaus Bochum & die Ruhrfestspiele, online sowie das Zürcher Schauspielhaus - Krimiklischees: Abbild der Gesellschaft? - Gespräch mit dem Komponisten Samuel Adler + #allesdichtmachen: Zurück zur Sache, Schätzchen, fragt Nils Markwardt.
Bücherschau des Tages
03.05.2021 Der DlfKultur lernt von Giulia Mensitieri, wie gern sich die Menschen in der Modebranche, "dem schönsten Gewerbe der Welt", ausbeuten lassen - nur um dazuzugehören. Die SZ liest berührt die Erinnerungen des Bayern-Präsidenten Kurt Landauer. Die taz lernt mit Stefan Gärtner, den einverständigen Sprachgestus - Alles gut! - zu verabscheuen. Und die FAZ bewundert, wie David Peace in seinem Krimi "Tokio, neue Stadt" Poesie und Wahrhaftigkeit verbindet.
Dienstag, 04.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
04.05.2021 Nordirland wird hundert. Kevin Rooney, Betreiber eines neuen Referendums für Nordirland, erzählt in Spiked online, warum er eine Vereinigung zwischen Nordirland und der Republik näherrücken sieht. Neben dem Staat trägt vor allem eine Bevölkerungsgruppe die Kosten der Corona-Pandemie, die Sebständigen - der Regisseur Achim Michael Hasenberg schlägt darum in der taz einen Solibeitrag vor. In der SZ erklärt der afroamerikanische Publizist Thomas Chatterton Williams, warum er anders als die Antirassisten an der Idee der Farbenblindheit festhält. Die Welt repliziert auf Tagesspiegel-Artikel über die Aktion #allesdichtmachen.
Magazinrundschau
04.05.2021 Himal staunt, wie sehr die Bauernproteste die klassen- und kastenbezogenen Gegensätze in Indien im Kleinen widerspiegeln. Die London Review erklärt, warum gerade linke arabische Intellektuelle zu den schärfsten Kritikern von Edward Said gehörten. Quillette erklärt, warum James Baldwin mit seiner Ablehnung des Protestromans richtig lag, auch wenn er seine Haltung später änderte. A2larm porträtiert den Roma-Rapper Gipsy.cz, der in seiner Autobiografie am Mythos vom familiären Zusammenhalt in Romafamilien kratzt. Der New Yorker benennt das Haupthindernis für die Unabhängigkeit Schottlands.
Efeu - Die Kulturrundschau
04.05.2021 Der Observer feiert Überschwang und Lebensfreude in Jean Dubuffets Art Brut. Der DlfKultur berichtet von den Schikanen gegen kritische KünstlerInnen in Russland. Ohne Arbeit bleibt die Kunst ungefährlich, erkennt die SZ bei den Ruhrfestspielen. Dem CrimeMag bleibt Lee Daniels' Biopic über die große Billie Holiday zu lau. Als Soziologe des Gangstarap erklärt Martin Seeliger in der taz, was Haftbefehl zu irre geilem Punk macht. Und das ZeitMagazin lernt von Alexander McQueen: Leder ist die neue Seide.
Medienticker
04.05.2021 Sozialer Aufstieg in der Literatur - PEN-Präsidentin über Meinungsfreiheit & Andere Meinungen aushalten: Ist die Meinungsfreiheit in Deutschland tatsächlich in Gefahr? - Literaturfest Lübecker Bücherpiraten: Der Pandemie eins mit der Bratpfanne verpassen - Habermas & Abu Dhabi: Keine Trophäe des Regimes - Neue Studie zur ökonomischen Situation des Buchmarktes: Die Zahl der Verlage & Buchkäufer geht zurück -Lesenswertes in Funk & Fernsehen - Stichtag: John Coltrane begann am 4. Mai 1959 "Giant Steps" aufzunehmen ...
Bücherschau des Tages
04.05.2021 Der DlfKultur bewundert Kunstfertigkeit und Hellsicht in Ling Mas Roman "New York Ghost", in dem die Stadt vom Shen-Fieber heimgesucht wird. Als Baldwins polnischen Erben feiert die taz Tomasz Jedrowskis für seinen Roman "Im Wasser sind wir schwerelos". Die SZ preist Tom Hollands Opus "Herrschaft", das keinen Unterschied mehr kennt zwischen Geschichte und schöner Literatur. Brillant findet die NZZ Christine Korsgaards Ethik "Tiere wie wir". Auch über die Neuauflage von George Orwells frühen Werken freut sie sich. Und als Hommage auf Paris lässt sich die FAZ Marc Petitjeans Erzählung "Das Herz" gefallen, die von der Affäre seines Vaters mit Frida Kahlo erzählt.
Mittwoch, 05.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
05.05.2021 Die SZ befasst sich mit der Künstlergruppe "Peng", die Biontech-Mitarbeiter auffordert, Impfstoffpatente zu leaken - leider lässt sich der Stoff aber nicht nachbacken wie ein Rezept von chefkoch.de, erläutert die Zeitung zugleich. Die taz ist erleichtert, dass "NSU 2.0" gefasst ist und froh, dass er nur ein arbeitsloser Berliner und nicht ein ganzes Netzwerk in der Polizei ist. Aus Anlass des 200. Todestages von Napoleon beleuchten die Medien das schillernde Verhältnis Emmanuel Macrons zur Geschichte.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.05.2021 In der FAZ sprechen fünf Opern-IntendantInnen über Geniekult und Machtmissbrauch an den Bühnen. Außerdem besucht die FAZ die deutsch-russische Romantik-Schau in Moskau und erkennt ein "Ringen um Freiheit". Die NZZ ahnt, dass bei der Sanierung des Zürcher Schauspielhauses nicht Geld und Technik entscheidend sein werden, sondern die Vision. Der Tagesspiegel blickt auf die heikle Lage der Comiczeichner in Brasilien. Vor der Eröffnung des Dokfest München denkt die SZ über die Ästhetik der Gattung nach. Außerdem lernt sie: Gangsta-Rap macht frauenfeindlich und antisemitisch, aber nicht rassistisch.
Medienticker
05.05.2021 Vielfalt des Büchermarkts gefährdet: Hoffen auf Staatshilfe - lit.COLOGNE 2021: 50 Veranstaltungen online - Soziale Medien & Konservative US-Medien fördern Verschwörungsglauben - Ausstellung zum 100. Geburtstag von Wolfgang Borchert - #allesdichtmachen: Spaltung statt Zusammenhalt - 200. Todestag von Napoleon: Nur über Jesus wurden mehr Bücher geschrieben - Die Carnegie Hall wird 130 Jahre + Lieder von Christian Morgenstern.
Bücherschau des Tages
05.05.2021 Dlf Kultur gibt sich betört dem Frühlingsmärchen von Ali Smith hin. Und falls Papa in nächster Zeit frühlingsbedingt ein heikles Gespräch mit dem Nachwuchs bevorsteht, wird das Aufklärungsbuch von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn empfohlen. Die NZZ lernt von Anna Baars Debütroman "Nil", dass der Verlust der Gewissheit auch ein Gewinn sein kann. Die FR vertieft sich in Anna Brüggemanns "Trennungsroman". Und die FAZ lernt von Birgit Schönau die Patchworkfamilie Neros kennen.
Donnerstag, 06.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
06.05.2021 Der Perlentaucher druckt ein Kapitel aus Götz Alys neuem Buch "Das Prachtboot". Er kritisiert das Humboldt-Forum, das immer noch nicht deutlich über den gewaltsamen Erwerb einiger seiner Glanzstücke aufkläre. Die Zeit setzt sich in einem epischen Artikel mit der Nazigeschichte einiger ihrer prominenten frühen Redakteure auseinander. Das Bundesverfassungsgericht setzt die moralische Lebensführung über die Freiheit, schreibt Jan Grossarth in der Welt zum Klimaurteil. Die taz porträtiert die niederländische Autorin Lale Gül, die im Versteck leben muss.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.05.2021 In der Debatte über Rassismusvorwürfe an deutschen Theatern hört Bernd Stegemann (Zeit) nur noch moralische Empörung, keine Argumente mehr. Auch die nachtkritik fragt sich, ob es nun um Inhalte geht, oder nur die nächste Generation schreiender Rechthaber*innen ans Ruder will. Im Van Magazin erzählt die kroatische Komponistin Sara Glojnarić, wie sie ihre eigene internalisierte Misogynie überwinden musste. Die Welt führt durch die Verfilmungen des Lebens von Sophie Scholl, die vor hundert Jahren geboren wurde.
Medienticker
06.05.2021 Dem unversöhnlichen Philanthropen & streitbaren Liebes-Poeten Erich Fried zum 100. Geburtstag + Die Akte "Red Rudi" - Friedrich Wolf, Kommunist & Lebemann - Hörspiel-Studio: Peter Handkes "Kaspar", nach seinem Theaterstück - Über den reformbedürftigen Machtbegriff am Theater + Die teuflische Lust am Mittelmäßigen - Das Büro für Eskapismus präsentiert ein Zoom-Game über Alan Turing + Weibliches Ensemble auf Sauftour mit Heiner Müller.
Bücherschau des Tages
06.05.2021 Die FAZ lässt sich mit den Liebesgedichten von Edip Cansever, Cemal Süreya und Turgut Uyar durch das libertinäre Istanbul der fünfziger Jahre treiben. Der Dlf amüsiert sich mit Olga Flors satirisch aufgebrezeltem Polit-Dorf-Roman "Morituri". Die Zeit lernt am Beispiel von 13 tragisch misslungenen Bauwerken, was ein echtes Wagnis ist. Die FR durchlebt mit Orkun Erteners Roman "Was bisher geschah (und was niemals geschehen darf)" ein wunderbar lebenskluges Roadmovie.
Freitag, 07.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
07.05.2021 Amerika spricht sich für eine Freigabe der Patente auf Impfstoffe aus - und löst damit die größte Debatte des Tages aus. Bei CNN begründet Özlem Türeci, Miterfinderin des Biontech-Impfstoffs, warum sie dagegen ist. Netzpolitik plädiert für eine Open-Source-Politik. Bei emma.de erzählt die ehemalige Prostituierte Huschke Mau, warum sie von Antirassisten als Rassistin beschimpft wurde, obwohl sie Rassismus in der Prostitution anprangerte. Für die SZ schickt Serhij Zhadan einen Lagebericht aus der Ukraine. Der Guardian fragt, warum sich ausgerechnet Jacinda Ardern, die neuseeländische Ministerpräsidentin, nicht stärker für die Uiguren einsetzt.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.05.2021 Die New York Times schlendert über die Kunstmesse Frieze und stellt sich vor, sie wäre nicht der Kopf einer Kuh. Während die staatlichen Bühnen ihren Mikroaggressionen nachspüren, gehen die privaten Theater pleite, meldet die SZ. 54books fragt, warum es in Kinderbüchern fast nie arme Kinder gibt. FAZ Quarterly stellt modernes Design aus China vor. Die Welt schreibt zum Tod von Nick Kamen, dessen Schönheit in den Achtzigern eine aufregende, wüste, exzessive Zukunft versprach.
Medienticker
07.05.2021 Aktualisiert: Branchen-Monitor Buch April: Gemischte Bilanz fürs erste Jahresdrittel & Bertelsmann setzt im ersten Quartal zehn Prozent mehr um - Leipzig liest extra - Weltbild startet Live-Stream-Shopping - BücherFrauen-Literaturpreis - Onkel Wanja am Theater Basel: Tschechow in die Schweizer Gegenwart - Europe Media Jazz Charts Mai 2021 + TV+Radio-Tipps fürs Wochenende.
Bücherschau des Tages
07.05.2021 Die FR bricht mit einer Auswahl von Erzählungen Gaito Gasdanows die "kanonisierte Geschichtsstille" auf. Die SZ genießt die sanfte Weltuntergangsatmosphäre in Nicolas Mahlers und Jaroslav Rudiš' "Prager Noir" Comic "Nachtgestalten". Außerdem bespricht sie Kinder- und Jugendbücher und empfiehlt besonders "Poedu", eine Auswahl von Gedichten für und von Kindern. Dlf Kultur schlüpft mit Jan Wagners "beiläufiger Prosa" als Borkenkäfer in Büchners Botanisierungstrommel. Und die FAZ empfiehlt Biografien über Sophie Scholl und Joseph Beuys.
Samstag, 08.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
08.05.2021 Der deutsche Antisemitismus ist nicht ein Problem mit den Juden, sondern ein Problem mit uns selbst, schreibt Peter Longerich in der FAZ. In Zeit online warnt Josef Joffe: "Mikroaggression bedeutet universelle Sprachkontrolle." In der taz ist Andreas Fanizadeh Jürgen Habermas dankbar, dass er einen Preis eines Scheichs letztlich ausschlug. Rico Grimm erinnert bei den Krautreportern daran, was ein Patent eigentlich ist. Die Katastrophe am Berg Meron war eine Katastrophe mit Ansage, stellt hpd.de fest. Und Richard Herzinger will die Welt nach Herfried Münkler lieber nicht betreten.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.05.2021 "Goworit Moskwa" - Moskau spricht - singt die russische Elektropopgruppe Shortparis, da hört auch die FAZ zu. Die SZ liest sich durch neue digitale Lyrik. Der Standard blickt mit Valentyn Vasyanovychs Film "Atlantis" aus dem Jahr 2025 zurück auf die Ukraine, jetzt ein surreales Trümmerfeld. Die taz vermisst Corona im Film. Hyperallergic staunt über die Wandlungen der Malerin Deborah Remington. Die FR erklärt, was in den Siebzigern Beuys und Habermas mit jungen Köpfen anstellten.
Bücherschau des Tages
08.05.2021 Mit "Das Prachtboot" beweist Götz Aly mal wieder seinen erstklassigen Ruf als Zerstörer historischer Mythen - in diesem Fall den Mythos, das große Südseeboot im Humboldt Forum sei freiwillig von den Bewohnern der Insel Luf hergegeben worden -, lobt die FAZ. Die SZ lernt von Ruth Herzberg, wie man mit einem Mann unglücklich wird. Die Welt sympathisiert mit einem Panoptikum der Gescheiterten in den Erzählungen von John Wray. Die taz liest ergriffen Ahmad Danny Ramadans schwule Liebesgeschichte "Die Wäscheleinen-Schaukel".
Montag, 10.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
10.05.2021 In der FR blickt Soziologe Sighard Neckel leicht amüsiert auf das bürgerliche Publikum, das sich plötzlich von zu viel Staat gemaßregelt sieht. In der FAZ erzählen die Historiker Stephan Lehnstaedt und Daniel Brewing, wie die polnische Regierung den Begriff des "Genozids" für die polnische Geschichte mobilisiert, um aktuelle politische Ansprüche zu untermauern. Die NZZ freut sich, dass soziale Medien jetzt von der Politik wohl doch stärker kontrolliert werden sollen. In Afghanistan ziehen die westlichen Truppen ab. Und in Kabul wird eine Mädchenschule in die Luft gejagt. Die taz fragt nach den möglichen Tätern.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.05.2021 Die Nachtkritik feiert Svenja Viola Bungartens kraftmeiernde Splatter-Blasphemie "Maria Magda", die auf dem Heidelberger Stückemarkt den Autor*innenpreis erhalten hat. Die Welt goutiert Christian Thielemanns nobel gestrigen Eskapismus. Auf einen zur Schau getragenen Starrsinn erkennt der Tagesspiegel bei Peter Handke, der sich in der Republik Srpska von Milosevic-Getreuen feiern lässt. In der FAZ überlegt die Bauingenieurin Lamia Messari-Becker, was wir mit all den Ruinen des Leerstands anfangen, die uns die Pandemie hinterlassen wird. Und die taz freut sich, dass Clubs künftig als Kulturstätten gelten.
Medienticker
10.05.2021 Erfreuliche Zahlen: Felicitas von Lovenberg über den Piper-Verlag & die Pandemie - Überblick über den geplanten Staatstrojaner - Peter Handke in der Republik Srpska: "Die Causa" nimmt kein Ende - Platz 1 der Belletristik-Charts: Sebastian Fitzek kennt jede Tankstelle in Deutschland" - Brückenbauer zwischen Moderne & Postmoderne: Architekt Helmut Jahn ist tot + Zum Tod des Philosophen Hermann Schmitz + Donovan wird heute 75.
Bücherschau des Tages
10.05.2021 Als tolle Entdeckung feiert die taz die schwarze Dichterin und Aktivistin Wanda Coleman, die ein Faible für Charles Bukowski hatte. Voll des Lobes ist die NZZ auch für Yulia Marfutovas Debütroman "Der Himmel vor hundert Jahren". Die FR begegnet der Schlechtigkeit des Menschen in Christoph Heins "Guldenberg". Der DlfKultur liest berührt Boris Golzios Graphic Novel "Geschichte von Francine R". Nach Götz Alys bestürzendem Buch "Das Prachtboot" möchten SZ und Dlf das Objekt lieber nicht mehr im Humboldt-Forum sehen.
Dienstag, 11.05.2021
Magazinrundschau
11.05.2021 Africa is a Country würdigt die äthiopischen Filmemacherinnen. Lidove noviny feiert die surrealistische Malerin Toyen. Der New Yorker begibt sich mit Tim Harper in den asiatischen Underground des 20. Jahrhunderts. La vie des idees nimmt die französischen Funktionseliten aufs Korn, die mit ihrer Gehorsamskultur in Ruanda so kläglich versagt haben. In der London Review blickt der Historiker Colin Kidd zurück auf die Troubles. In Unherd malt sich der Dichter Colm Toibin ein Irland aus, das nie geteilt wurde.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.05.2021 Jan-Werner Müller denkt in der Welt über eine neue "demokratische digitale Infrastruktur" ganz ohne "Aufhetzungskapitalismus" nach. Einverstanden wäre sicherlich Christian Humborg, der neue Chef von Wikimedia Deutschland, für den die offene Struktur aber schon da ist: Sie heißt offenes Internet, sagt er in der SZ. SZ und Welt erläutern die neuen Unruhen in Jerusalem. In der taz widersprechen zwei jüdische Studenten dem Zeit-Online-Essay von Fabian Wolff. Und in der FAZ antworten einige bayerische Künstler ihrem Akademiepräsidenten.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.05.2021 Sachsen will den Vertrag mit Christian Thielemann nicht verlängern. Die SZ fragt, ob mit dem Dirigenten etwa keine Oper von morgen zu machen sei. FAZ und NZZ nehmen weiter Anstoß an Peter Handkes Auszeichnung durch die Republika Srpska. Die taz stellt fest, dass jetzt sogar der Pop anfällig wird für Verschwörungstheorien. Recht erschrocken schreiben die Feuilletons über den Tod des amerikanischsten aller Architekten, Helmut Jahn.
Medienticker
11.05.2021 Identitätspolitik & Klassismus: Sie sagen Klasse, aber meinen es nicht so - Aussteller der Frankfurter Buchmesse werden unterstützt - Zwischen allen Fronten: Autorin Lale Gül erhält in den Niederlanden Morddrohungen - Urlaub trotz Corona: Pack die Badehose & Maske ein + Clubs sind nun Kultur - Eric Burdon wird 80 + Carla Bley zum 85. Geburtstag.
Bücherschau des Tages
11.05.2021 Ziemlich cool findet der DLf, wie Fatima Daas in "Die jüngste Tochter" vom Leben einer muslimischen Lesbe erzählt - und die Liebesszenen sagenhaft! Der DlfKultur mag die sympathische Ratlosigkeit, mit der Rumena Buzarovska in ihren Stories "Mein mann" auf die Geschlechterbeziehungen blickt. Hin und weg ist er auch von Jamaica Kincaids Roman über ihren Vater "Mister Potter". Und die FAZ empfiehlt nachdrücklich Rudolf Bussmann fundierten Reise-Essay "Herbst in Nordkorea", der ganz ohne Überheblichkeit auskommt.
Mittwoch, 12.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
12.05.2021 Vielleicht ist das Problem mit den sozialen Medien, dass sie das, was früher "eine saudämliche Bemerkung in einem privaten Gespräch" war, heute zu einem Zeugnis der Schriftkultur adeln, fragt die Welt. Boris Palmer entschuldigt sich in der Zeit nicht. Aber der Tagesspiegel entschuldigt sich für seine Berichterstattung über #allesdichtmachen. In der Zeit fordert Götz Aly einen wesentlich offeneren Umgang der Museen mit der Gewaltgeschichte einiger ihrer Exponate.
Efeu - Die Kulturrundschau
12.05.2021 Zu Joseph Beuys' hundertstem Geburtstag fragt sein Biograf Hans Peter Riegel in der Welt, ob der große Kunst-Schamane heute bei den Querdenkern mitmarschierte. In der SZ huldigt ihm unter anderem Katharina Sieverding als ihrem wichtigsten Lehrer, gleich nach Gustav Gründgens. In der Nachtkritik wünscht sich Berlins Kultursenator Klaus Lederer mehr Sensibilität am Theater und weniger anonyme Anwürfe. Die FAZ geht bei den Kurzfilmtagen Oberhausen auf Entdeckungstour. Und in der Zeit beschwört St. Vincent den Geist der Siebziger: "Das Leben war schlecht, aber die Musik war richtig gut."
Medienticker
12.05.2021 Leipzig liest extra - KIM-Studie: Leseverhalten der Kinder ist stabil - Osiander & Ravens-Buch fusionieren - Hasskampagne gegen Orkan Özdemir - Elke Heidenreich im Interview - Gregor Keuschnig über Constantin Schreibers "Die Kandidatin" - Kurzfilm "Proll!" gewinnt in Oberhausen + Fett, Filz + Hut: Joseph Beuys wird 100 oder Alter Hut & immer noch aktuell?
Bücherschau des Tages
12.05.2021 Vitomil Zupan lesen, ruft die NZZ, die nicht begreift, dass der slowenische Dichter bis heute in Deutschland unbekannt ist, und empfiehlt seinen verzweifelt-abenteuerlichen Antikriegsroman "Menuett für Gitarre (zu 25 Schuss)". Die FAZ lässt sich von Anna Pavlovna Nerkagi in das nomadische Dasein der Nenzen einführen. Dlf Kultur lernt von Thomas de Padova, wie sich die Mathematik in der Renaissance neu erfand. Die Zeit versinkt in den Liebesbriefen von Albert Camus und Maria Casares.
Freitag, 14.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
14.05.2021 In Israel geht die Gewalt weiter, und in den Medien wird weiter über sie diskutiert. Die neue Qualität ist, dass sich die Gewalt auch in gemischten israelischen Städten zwischen israelischen Arabern und extrem rechten Israelis fortsetzt, berichtet etwa die SZ. Ebenfalls in der SZ wirft David Grossman Israel Apartheid vor. Bari Weiss beobachtet in ihrem Blog mit Sorge, wie sich Lügen über die aktuelle Situation in den sozialen Medien verbreiten. Wer gegen israelische Politik vor Synagogen protestiert, ist ein Antisemit, hält die taz fest.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.05.2021 Darf Shermin Langhoff als Intendantin des Maxim Gorki Theaters bleiben, weil sie eine Frau ist, fragt die Welt und denkt über ein "generisches Patriarchat" nach. Joseph Beuys war kein Rassist, kein Antisemit und auch kein Genie, meint Philipp Ursprung im Standard-Gespräch. Am Wiener Volkstheater scheitert Jonathan Meese derweil daran, den "Kunst-" vom "Polit-Beuys" zu trennen, erkennt die nachtkritik. Zu viel Sex, Promiskuität und Transgender, befand der Ständige Rat der Bischofskonferenz offenbar und entschied deshalb, dieses Jahr keinen Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis zu vergeben, glaubt die SZ. Die Welt trauert um die Filmemacherin und Riefenstahl-Biografin Nina Gladitz.
Medienticker
14.05.2021 Aktualisiert: Hintergründe der Habermas-Debatte & Ablehnung des Sheikh Zayed Book Award - Steigende Nachfrage: Amazons Einstellungsoffensive - Buchwissenschaft: Studierende auf dem Abstellgleis - Wer, was & warum? Künstlersozialkasse für Selfpublisher - Ann Cotten über Ihre Übersetzungsarbeit - Kryptowährung: Elon Musk mag keine umweltschädliche Bitcoins mehr - Donald-Trumps Netzwerk: Hilfloser Versuch, sich Gehör zu verschaffen + TV+Hörfunk-Tipps fürs Wochenende - Hörfunktipp: Die Bücherverbrennung 1933 und ihre Folgen.
Bücherschau des Tages
14.05.2021 Die SZ geht mit Kae Tempest auf die schmerzhafte Suche nach Identität und Mitgefühl. Von David Goodhart erfährt sie, was der Statusverlust der "Herz- und Hand-Berufe" mit dem Erfolg populistischer Kräfte zu tun hat. Die Welt blättert im bunten Leben der Billie Eilish. Die FR lernt von dem Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt, weshalb Chicago als Paris und Moskau als Rom durchgeht. Die FAZ schaut sich mit Charlotte Van den Broeck derweil 13 tragische Bauwerke an. Dlf Kultur geht in Pascal Bressons und Sylvain Doranges Graphic Novel mit Beate und Serge Klarsfeld auf Nazijagd.
Samstag, 15.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
15.05.2021 Wie gehen Medien und Politik mit den antisemitischen Ausschreitungen der letzten Tage um? Die Empörung darüber wird immerhin vielfach formuliert. Aber es bleibt ein Unbehagen, das Alfred Bodenheimer in der NZZ benennt: Schon in normalen Zeiten trauen Juden sich oft nicht, sich in der Öffentlichkeit frei zu bewegen. In der FAZ attackiert Jürgen Kaube jene Intellektuellen, die den Antisemitismus vor allem rechts verorten. In der SZ erklärt die Grünen-Politikerin Aminata Touré, warum sie nicht gefragt werden will, woher sie kommt. Bei hpd.de macht Ralf Nestmeyer eine eigenartige Beobachtung: Die Kirchen verlieren an Rückhalt in der Bevölkerung, aber nicht an Einfluss in der Politik.
Efeu - Die Kulturrundschau
15.05.2021 In Berlin hat das Theatertreffen begonnen - online, seufzt der Tagesspiegel, der sich mehr digitale Skepsis gewünscht hätte. Schnelleres Internet wäre auch schon ganz gut, meint die FAZ. Die Welt bewundert die gewaltigen Bilder in Barry Jenkins' Verfilmung von Colson Whiteheads Roman "Underground Railroad", der die Fluchtrouten schwarzer Sklaven in den USA nachzeichnet. Zeit online erinnert die Serie eher an die Feel-Good-Rituale mittelalterlicher Passionsspiele. In der FAZ überlegt Anne Weber, warum Schriftsteller zwar häufig von Hindi oder Wolof ins Englische oder Französische wechseln, aber nie umgekehrt. In der NZZ denkt der Schriftsteller Georgi Gospodinov über Gott und Ideologien nach. Die Welt feiert mit Tim Burgess Twitter Listening Parties.
Bücherschau des Tages
15.05.2021 Die SZ liest mit Gewinn zwei Romane, die vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in Hongkong spielen, Naoise Dolans "Aufregende Zeiten" und Ling Mas "New York Ghost". Die taz bespricht den Briefwechsel Rahel von Varnhagens mit ihren Jugendfreundinnen und Hannah Arendts berühmte Varnhagen-Biografie in kritischer Neuausgabe.Die FR empfiehlt Ulrike Kolbs "Erinnerungen so nah" und die Welt Alexander Tismas Memoiren.
Montag, 17.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
17.05.2021 Der Nahostkonflikt ist das einzige Thema, das zugleich zu einer Ritualisierung und zu rauschhafter Emotionalität führt, stellen verschiedene Autoren in den Debatten über die jüngsten Ereignisse fest. Auch andere Debatten gehen weiter: Kolonialismushistoriker Jürgen Zimmerer schlägt in der taz Stacheldraht an der Fassade des Humboldt-Schlosses vor, um kolonialer Verbrechen zu gedenken. Sprachwissenschaftler Jürgen Trabant fragt in der Welt, ob Gendern wirklich "außerhalb unseres Einflussbereichs" liegt. Und hpd.de fragt, ob Frank-Walter Steinmeier Säkularisierung für etwas Böses hält.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.05.2021 Die SZ erinnert an den Abriss des Nationaltheaters in Tirana vor einem Jahr. Im Tagesspiegel fürchtet die Regisseurin Simone Dede Ayivi, dass sich in herrischen Theaterstrukturen vor allem die zähen und lauten Typen durchsetzen. Die Welt möchte lieber vor Bismarck als vor der Majestät der politischen Korrektheit in die Knie gehen. Die FAS hadert dagegen mit dem Literarischen Quartett als neuer Trutzburg gegen die Cancel Culture. Und die NZZ genießt Literaturlesungen auch gern beim Spazierengehen.
Medienticker
17.05.2021 Umstritten: Neue Datenschutzbestimmungen bei WhatsApp - Giganten-Hochzeit: AT&T & Discovery stehen vor Fusion - "Der Vornehmste von allen": Biographie des Schriftstellers Hans Erich Nossack - Wie eine Kunstfigur: Udo Lindenberg zum 75. - Was haben Politiker über Bob Dylan zu sagen + TV-Tipp: Jean-Luc Godards "Bildbuch".
Bücherschau des Tages
17.05.2021 Die FAZ feiert Stanislaw Lems große Sprach- und Gedankenkunst, der unter anderem Martin Held in der großen Hörspiel-Box ganz hervorragend Ausdruck verleihe. Die taz rühmt den walischen Autor Arthur Machen als Vater des modernen Horrors. Der DlfKultur lässt sich von Asa Wikforss das Hörensagen austreiben. Und der Dlf begibt sich beglückt mit dem Pastor und Naturkundler Gilbert White auf die Spuren von Zwergmaus und Ringdrossel.
Dienstag, 18.05.2021
Magazinrundschau
18.05.2021 Rest of World schildert am Beispiel burmesischer Blogger, wie das zarte Pflänzchen der Demokratie in Myanmar zertreten wird. HVG würdigt das architektonische Erbe des Realsozialismus. Die LRB ist froh, dass wenigstens ein britischer Verlag Blake Baileys Philip-Roth-Biografie veröffentlicht. In Global Voices fragt Ai Weiwei, welche Geheimnisse die chinesische KP hat. NeoText erinnert an die farbenprächtigen Cover des Science-Fiction-Illustrators Paul Lehr. Tehelka berichtet über 'Hexenjagden' in Indien.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.05.2021 Die Franzosen sind müde, schreibt Martina Meister in der Welt und schildert ein Land, das über sich selbst verzweifelt. Was in Israel ausgebrochen ist, ist nicht ein Konflikt, es sind mehrere, die sich überlagern, schreibt der Historiker Dror Wahrmann in der FAZ. Die Hoffnung liegt für ihn in der israelischen Gesellschaft selbst. Der Politologe Armin Pfahl-Traughber fächert bei hpd.de Geschichte und Ideologie der Hamas auf. Der amerikanische Autor Peter Beinart erklärt im Guardian, warum er für eine Aufnahme der palästinensischen Flüchtlinge in Israel ist.
Efeu - Die Kulturrundschau
18.05.2021 Der Standard erkundet im Kunsthistorischen Museum die Manifestationen Höherer Mächte. Die FR erlebt mit Rameaus Barockoper "Hippolyte et Aricie" in Mannheim, wie sich das Streaming verselbständigt. Die taz lässt sich von David France erklären, warum er für seine Doku über Homophobie in Tschetschenien auf Deep Fakes zurückgriff. SZ und FAZ schreiben zum Tod des deutsch-iranischen Dichters SAID.
Medienticker
18.05.2021 Gespräch mit Christoph Hein über seinen neuen Roman "Guldenberg" - Naturschützer: Techno-DJ Dominik Eulberg - Facebook startet Facebook News - Dokumentarfilm über die Investigativredaktion der Süddeutschen Zeitung - 75 Jahre DEFA: Das Filmerbe der DDR + Rechtsrock: Mit Gitarren und Volksverhetzung Geld verdienen.
Bücherschau des Tages
18.05.2021 Nach Amy Waldmans Roman "Das ferne Feuer" macht sich die FR keine Illusionen mehr über den Krieg in Afghanistan. Der DlfKultur lässt sich von Helen Macdonalds schillernden Essays "Abendflüge" bezaubern. Scharfsinn und Frische feiert die SZ in John Greens Band "Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?". Der Dlf erkundet deutsche Schuld mit Francis Neniks Roman "E. oder Die Insel". Die FAZ liest neue Bücher zum Antisemitismus.
Mittwoch, 19.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
19.05.2021 Marko Martin stellt in der Welt die Frage, warum gerade in Deutschland die Apokalyptik, verbunden mit Technikfeindlichkeit, ein so beliebtes Genre ist. Im Tagesspiegel spricht der Migrationsforscher Ruud Koopmans über muslimischen Antisemitismus. In der Welt erklärt Deniz Yücel, mit welchen Versatzstücken Rechte und Linke ihren Antisemitismus kaschieren. emma.de erklärt, warum es keine Selbstverständlichkeit ist, dass das "LesbenFrühlingsTreffen" in Bremen stattfindet. In der SZ spricht der Flüchtling und Politiker Shoan Vaisi von der Linkspartei über seine Kandidatur für den Bundestag. In der Berliner Zeitung plädiert Götz Aly für den Erhalt der Mohrenstraße in Berlin.
Efeu - Die Kulturrundschau
19.05.2021 In der SZ feiert Michael Maar Rahel Varnhagen als Genie der Feder, des Zuhörens und der Freundschaft. Im Tagesspiegel verteidigt Kerstin Decker das Prinzip der kulturellen Aneignung: Was heute Wokeness heißt, hieß gestern revolutionäre Wachsamkeit. Der Guardian lässt Yayoi Kusamas Lichtgewitter unberührt an sich abprallen. Die taz trauert mit Gob Squad um Zukunftsvisionen in Berlin. Und ZeitOnline möchte sich gern vom männlichen Filmgeschmack emanzipieren. NZZ und SZ trauern zudem um den Cantautore Franco Battiato.
Medienticker
19.05.2021 Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit - Facebook News: Die Plattform zahlt, die Medien liefern - Gatekeeper: Springer & Facebook - Vor 250 Jahren geboren: Rahel Varnhagen, Lichtgestalt der literarischen Salons & Musikgeschmack im Salon diskutiert.
Bücherschau des Tages
19.05.2021 Die Welt lernt von Harald Haarmann, dass die Samen noch mehr Wörter für Schnee haben als die Eskimos. FAZ und SZ vertiefen sich in Hannah Arendts Biografie der Rachel Varnhagen. Die FAZ hüpft mit Alastair Bonnett und Gavin Francis von Insel zu Insel - jedenfalls gedanklich. Mit Daniel Kahneman lernt sie, Störgeräusche zu identifizieren. Dlf Kultur umkreist mit Mathias Enards Roman "Das Jahresbankett der Totengräber" Kartenspiel, Blutwurst, Mittelalter und andere existenzielle Fragen.
Donnerstag, 20.05.2021
Efeu - Die Kulturrundschau
20.05.2021 Die Diskussion um Machtmissbrauch am Theater geht weiter: Shermin Langhoffs "Viertelentschuldigung" ist doch schon wieder eine Machtdemonstration, moniert die Zeit, mehr kulturpolitische Kontrolle bei der IntendantInnen-Wahl fordert das VAN Magazin. Die FAZ lernt bei Hito Steyerl in Paris, warum auch Siri auf Kriegsrealitäten keine Antwort weiß. Außerdem erklären die Ethnologin Shalini Randeria und der Schriftsteller Ilija Trojanow in der FAZ, weshalb die indische Lyrikerin Parul Khakkar nach einem Gedicht über die indische Coronakatastrophe jetzt als "Volksverräterin" gilt. Indisches Kino ist mehr als Bollywood, lernt die taz mit Ivan Ayrs Truckerdrama "Milestone". Und in der Welt erklärt David Hockney, weshalb keine Zeitung seine Leserbriefe druckt.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.05.2021 In Deutschland wird zwar gern über Israel diskutiert, aber eigentlich handeln diese Diskussionen von Deutschland, schreibt Richard C. Schneider in der Zeit. Antisemitismus ist in Deutschland alles andere als "importiert", insistiert Ronen Steinke in der SZ. Der jetzige Konflikt in Israel ist kein religiöser Konflikt, betont die israelisch-palästinensische Journalistin Rajaa Natour in der taz. FAZ-Kolumnist Bülent Mumay legt offen, welchem Druck er in der Türkei wegen seiner Artikel ausgesetzt ist. Die EU-Urheberrechtsreform ist unter Dach und Fach. Jens Balzer spricht sich in der Zeit gegen die EU-Urheberrechtsreform aus, die ihm trotz allem Lobbydruck immer noch zu lasch ist.
Medienticker
20.05.2021 Iris Radisch über Judith Hermanns "Daheim" - Klaus Reicherts Erinnerungen & Briefe an Paul Celan - Thalia & HDE ziehen vor dem Kanzleramt auf - Daniele Krien mit dem Sächsischen Literaturpreis ausgezeichnet - Hörtipp zum 125. Todestag von Clara Schumann - Gartenphilosoph Karl Foerster: Der biegsame Staudengärtner + Am heutigen Tag wäre Wolfgang Borchert 100 Jahre alt geworden + Die Buchcharts, die aktuellen Bestsellerlisten.
Bücherschau des Tages
20.05.2021 Dlf Kultur erwärmt sich mit Yanick Lahens Roman "Sanfte Debakel" für die Komplexität Haitis. Die FAZ lässt sich von Manfred Enzenspergers Gedichten durch Kölner und Düsseldorfer Straßen und Cafés mitnehmen. Die FR feiert die Poetisierung der Welt durch Anna Baar. Die Zeit lässt sich von Lisa Krusche in die radikale Sanftheit einführen.
Freitag, 21.05.2021
Efeu - Die Kulturrundschau
21.05.2021 Der Guardian feiert den Fish'n'Chips-Surrealismus von Eileen Agar, der ganz ohne obskure Theorien französischer Denker auskommt. FAZ und SZ sausen mit futuristischen Tech-Hummeln über die Architektur-Biennale in Venedig und berauschen sich am Duft ausgerotteter Pflanzen. In der FAZ will Peter Handke von den vielen Auszeichnungen, die er auf seiner Serbien-Reise erhalten hat, im Vorfeld nichts gewusst haben. Die nachtkritik freut sich in Wien über die nackten Körper und Seelen in Majeta Kolezniks "Fräulein Julie", hätte aber auf Strindbergs abstruse Thesen über "degenerierte Mannweiber" gern verzichtet. Die SZ lässt sich von Till Lindemann in Russland mit Viren, Fischen und Torten bewerfen.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.05.2021 Die EU-Urheberrechtsreform ist jetzt auch in Deutschland durch. Die Verlegerverbände haben viel bekommen, sind aber trotzdem nicht zufrieden. Die Reform ist so komplex, dass sie vor allem den Berufsstand der Anwälte absichern wird, vermuten taz und golem.de. Jörg Häntzschel analysiert in der SZ einen Text Hans-Georg Maaßens und kommt zu dem Ergebnis, dass dieser die indirekten Codes des Rechtsextremismus perfekt beherrscht. In der Welt bewundert Ulf Poschardt die Virtuosität von Luisa Neubauers Antisemitismusvorwurf gegen Maaßen - denn "Fridays for Future" sei in den letzten Tagen selbst durch antisemitische Äußerungen hervorgetreten. In Britannien wird über das Selbstverständnis von BBC und Guardian diskutiert.
Medienticker
21.05.2021 Aktualisiert: Jens Balzer über die Urheberrechtsreform & der Börsenverein begrüßt Wiederherstellung der Verlegerbeteiligung - Serbien-Reise: Handkes Erwiderung in der FAZ & für welche Hoffnung seine serbische Reise steht - Hörtipps: Klaus Theweleit und andere über Bob Dylan - Uncovered: "Herr Zimmerman sagt …" Songs+Zitate, "All the world's a stage", Dylan & Shakespeare - Das 50. Moers-Festival + Hörfunk+TV-Tipps für die Feiertrage.
Bücherschau des Tages
21.05.2021 Ganz neue Welten eröffnen sich der FAZ im Briefwechsel von Hofmannsthal, Richard Strauss und dem Bühnenbildner Alfred Roller. Die NZZ reist mit Achim Engelberg gebannt an die Ränder Europas. Die SZ bespricht Kinder- und Jugendbücher und empfiehlt besonders Henning Wagenbreths überraschende Kürzestgeschichten. Dlf Kultur taucht mit Birgit Schönau und "Neros Müttern" ein ins Dickicht dynastischer Heiratspolitik im alten Rom. Von Daphna Joel und Luba Vikhanski lernt er: "Das Gehirn hat kein Geschlecht".
Samstag, 22.05.2021
Efeu - Die Kulturrundschau
22.05.2021 Tagesspiegel und FAZ feiern in der Berliner Gemäldegalerie den Aufbruch mit spätgotischen Fliegen und Fratzen. Der Guardian häutet in London mit Matthew Barney einen Wolf im Schnee. Dass Peter Handke seit über einem Jahr nichts von seiner Auszeichnung in Serbien gewusst haben will, hält die FAZ für ziemlich erstaunlich. Mit Blick auf die Instagram-Serie über die letzten Monate Sophie Scholls fragt der Freitag: Wäre Instagram von den Nazis nicht eher als Mittel der Faschisierung eingesetzt worden? Die Zeitungen senden giftige Glückwünsche zum Achtzigsten von Bob Dylan, dem Großvater der Wokisten.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.05.2021 taz und FR stellen fest, dass in den Debatten über Nahost die Extremisten die Regie übernehmen, wie auch in der Realität. Robert Misik versucht sich in der NZZ an einer Versöhnung zwischen Sozialisten und Identitätslinken. In der SZ untersucht Timothy Garton Ash, was den neuen plutokratischen Populismus erfolgreich macht. Und im Guardian blickt Marina Hyde ungläubig auf das Rennen zwischen den Tabloids und der BBC um die schmutzigsten Diana-Berichte.
Bücherschau des Tages
22.05.2021 Die Welt erkennt mit Thomas Chatterton Williams "Selbstporträt in Schwarz und Weiß", wieviel Fiktion in der Konstruktion von Schwarz und Weiß steckt. Die taz erfährt von Riad Sattouf, wie schwer es sei, dem "Araber von gestern" zu entkommen. Der Dlf lässt sich von einem Comic über das Nazijäger-Paar Beate und Serge Klarsfeld inspirieren. Die FAZ erlebt mit Vitali Alekseenok noch einmal die Dramatik der "Weißen Tage von Minsk". Von geradezu unheimlicher Eleganz erscheint der SZ Leila Slimanis neuer Roman "Das Land der Anderen". Und der DlfKultur erlebt in Colins Niels Polar "Nur die Tiere" ein Plot-Wunder.
Dienstag, 25.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
25.05.2021 Der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko hat ein Flugzeug, das zwischen zwei EU-Ländern unterwegs war, zur Landung gezwungen, um den oppositionellen Blogger Roman Protassewitsch festzunhemen: Das hätte er nicht ohne die Unterstützung Russlands tun können, sind sich Timothy Snyder, Anne Applebaum und viele Medien einig. Für den Guardian-Journalisten Chris McGreal ist es eine ausgemachte Sache, dass Israel ein Apartheid-Regime ist. Hans-Georg Maaßen könnte für das Zustandekommen einer schwarz-grünen Koalition noch zu einem erheblichen Problem werden, prophezeit Patrick Bahners in der FAZ nach Lektüre einiger Schriften Maaßens in abgelegenen Quellen. Und der Streit übers Gendern geht weiter.
Efeu - Die Kulturrundschau
25.05.2021 Die SZ erfährt in der Ausstellung "Boden für alle", warum Österreich Ackerfläche in der Größe der Steiermark verloren hat. SZ und Le Monde bewundern gebührend die von Tadao Ando umgebaute Börse für die neue Collection Pinault. Die NZZ lernt auf der Architekturbiennale in Venedig, dass Grenzen kein Ende, sondern ein Anfang sind. IndieWire erkennt, dass die Hollywood-Studios ihren Rang nicht nur in der Realität, sondern schlimmer noch in der Hierarchie der Konzerne eingebüßt haben.
Medienticker
25.05.2021 Mainstream im Zeitalter der Medienvielfalt - Das Wirus: Wenn aus der Masse eine Meute wird - Julia Rothenburg erhält den Wortspiele-Preis 2021 für "Mond über Beton" - Birgit Recki: Zurück zur Natur" löst keine globalen Umweltprobleme - BuVision-Highlights: Digitaler Citybummel zur Leipziger Buchmesse & Preis der Messe - Bestseller unabhängig von amazon & Co möglich + Coltrane geht immer ...
Bücherschau des Tages
25.05.2021 Hingerissen ist die FAZ von Annette Pehnts Kinderbuch, in dem der schüchterne Luki dank Waschbär Hieronymus über sich hinauswächst. Die FR genieß die Lakonie, mit der Naoise Dolan von Politik und Liebe in Hongkong erzählt. Mit Spannung und Entsetzen liest der DlfKultur Karin Smirnoffs Roman "Mein Bruder", der von einer Kindheit im Schatten eines prügelnden Vaters erzählt. Die NZZ begegnet in Silvia Tschuis Roman "Der Wod" der blanken Angst. Und die taz folgt Timo Dorsch zu den Drogenkriegen von Michoacán.
Mittwoch, 26.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
26.05.2021 Russische Oligarchen nutzen das britische Justizsystem, um mit Klagen gegen unliebsame Bücher Informationen über das Putin-Regime und ihre Verwicklung darin zu verhindern, berichtet die FAZ. Die SZ veröffentlicht interne Briefe über mögliche Sicherheitsprobleme im Humboldt-Forum. Der amerikanische Historiker A. Dirk Moses prangert bei geschichtedergegenwart.ch den "Katechismus der Deutschen" an, der an der Singularität des Holocaust festhalte.
Efeu - Die Kulturrundschau
26.05.2021 Die SZ feiert eine Abschiedsparty fürs digitale Theater. Die NZZ erlebt in Aribert Reimanns "Lear"-Oper, wie der Machtmissbrauch die Zivilisation in den Abgrund reißt. Die Welt freut sich, dass Kevin Spacey in Italien ent-cancelt wird. Der Freitag wünscht sich dies auch für den DDR-Staatsautor Hermann Kant. Und die FAZ lauscht den Morsezeichen, die Klangkünstler Julien Desprez von einem anderen Planeten nach Moers sandte.
Medienticker
26.05.2021 In den Medien: Danach fragen Kunden - Christentum, Kolonialismus & Rassismus. Katharina Döbler über ihren Familienroman - Saudi-Arabien: Google-Cloud-Stopp gefordert - Corint Media reicht medienrechtliche Beschwerde gegen ARD+ZDF ein - Die Sender sind nicht sakrosankt: FDP fordert einen schlanken, modernen öffentlich-rechtlichen Rundfunk - Kompromissloses Debüt: Fabia Mantwills Orchestra + Bob Dylans Songbook: Rock-Bibel & Geschichtsbuch.
Bücherschau des Tages
26.05.2021 Die FAZ staunt mit Svetlana Alpers darüber, wie Walker Evans Amerika im Augenblick seines Verschwindens ablichtete. Außerdem wünscht sie der rasanten Rosmarie Waldrop endlich mehr Leser in Deutschland. Die FR empfiehlt Henning Lobins „Sprachkampf“ all jenen, die sich durch geschlechtergerechtes Sprechen bedroht fühlen. Die SZ schaut mit Michael Hagner dem Schwingen von Foucaults Pendel zu und lässt sich von Mia Couto durch die Kolonialgeschichte Mosambiks führen. Und der Dlf Kultur rät der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu ein paar Nachhilfestunden in Sachen Raubkunst bei Götz Aly.
Donnerstag, 27.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
27.05.2021 Die beste Waffe gegen das Lukaschenko-Regime sind nicht Sanktionen, sondern Migration, meint der britische Historiker Alexander Clarkson in Zeit online. Die beste Waffe sind nicht Sanktionen, sondern die Unterstützung der Zivilgesellschaft, findet dagegen politico.eu. Emma staunt über die Theorien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum "Jungfernhäutchen". Die Schweiz will kein Rahmenabkommen mit der EU: In der Republik zeichnet Roger De Weck das Bild einer dysfunktionalen und arroganten Schweizer Politik und eines gleichgültigen Publikums.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.05.2021 Der Standard feiert den Erfinder der radikal subjektiven Ich-Fotografie: Nobuyoshi Araki. Die NZZ bewundert die Verflechtung zweier Hochkulturen in der Miniaturmalerei der Moguln. In der SZ überlegt die Schriftstellerin Ruth Herzberg, wie man nach Corona ein Gespräch beginnt. Die neue musikzeitung denkt über Gender und Stimme in den Opern Aribert Reimanns nach. Amazon hat MGM gekauft, berichtet die Welt.
Medienticker
27.05.2021 Börsenverein & Bundeszentrale für politische Bildung - Johny Pitts' Reportage "Afropäisch" erhält Buchpreis für europäische Verständigung - Kulturgeschichte des Post-its oder im Notizzettel kommt von Niklas Luhmann über Ludwig Wittgenstein bis zu Leonardo da Vinci das Denken zu sich - Ein Bond fürs Leben: Amazon übernimmt das Filmstudio MGM - Kritik an Sat.1: Die Medienaufsicht ist ein zahnloser Tiger + Kleine Raupe Nimmersatt: Kinderbuchautor Eric Carle gestorben.
Bücherschau des Tages
27.05.2021 Die Zeit bleibt zwiespältig bei der Lektüre von Zeruya Shalevs neuem Roman "Schicksal", der Familiengeschichte mit der Geschichte Israels verknüpft. Großes Lob gibt es für Timon Kalr Kaleytas provokative "Geschichte eines einfachen Mannes". Der Dlf taucht mit Steve Sem-Sandbergs Roman über Woyzeck tief ein in den Zusammenhang von Gewalt und Sexualität. Die FR freut sich über die Entdeckung der japanischen Autorin Yukiko Motoya. Die taz amüsiert sich mit Alltagsszenen aus der Endzeit der DDR in Patricia Holland Moritz' Roman "Kaßbergen". Die FAZ erkundet mit Michael Görings Roman "Dresden" die Zustände in der DDR zwischen 1975 und der Wende.
Freitag, 28.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
28.05.2021 In Ruanda hat Emmanuel Macron für die französische Rolle beim Völkermord an den Tutsi um Verzeihung gebeten, die FAZ zitiert aus seiner Rede. Zugleich erkennt die deutsche Regierung die Verbrechen des Deutschen Reichs im heutigen Namibia als Völkermord an, meldet Spiegel online. In der FR schreibt der Politikwissenschaftler Rainer Forst über die Dialektik von Solidarität: Sie braucht Grenzen. In Zeit online beschreibt der Islamwissenschaftler Bernard Rougier, wie die westliche Linke und der Islamismus konvergieren.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.05.2021 Die Theaterkritiker amüsieren sich prächtig mit Rene Polleschs "Goodyear", in dem sich Sophie Rois und vier andere Theatergrößen als Rennfahrerwitwen ein amüsantes Szene-Pingpong liefern (aber es geht natürlich auch um Schein und Sein). Die FAZ empfiehlt eine Werkschau des ägyptischen Regisseurs Atteyat Al Abnoudy im Berliner Arsenal. Die NZZ würdigt die elitäre Ästhetik der Wiener Werkstätten. Die FAZ spaziert durch Anne Imhofs Verwandlung des Palais de Tokyo. Die Literaturkritiker trauern um den amerikanischen Kinderbuchautor Eric Carle, Schöpfer der unvergesslichen "Raupe Nimmersatt".
Medienticker
28.05.2021 Aktualisiert: Preisträger der Leipziger Buchmesse - Die Medienaufsicht ist ein zahnloser Tiger - Jochen Jung zur Frankfurter Buchmesse - Neustart Kultur: Gelder für Übersetzer - Sales Award 2020: Innovativ trotz Pandemie - Es geht nicht ums Schulterklopfen: Bilanz zur Woche der Meinungsfreiheit - Deutscher Hörbuchpreis 2021 - So werden die Corona-Beschlüsse umgesetzt: Aktuelles aus den Ländern im Überblick - Sachbuchbestenliste Juni + Bitkom-Umfrage: Das Homeoffice bleibt ... TV+Hörtipps am Wochenende.
Bücherschau des Tages
28.05.2021 Die FAZ begleitet die Transfrau Nora Eckert durch das Berlin der Achtziger. Die SZ ist dankbar für die Wiederentdeckung des Romans "Tramhalte Beethovenstraat", in dem sich die Fotografin Grete Weil an ihr Leben in Amsterdam während der deutschen Besatzung erinnert. Der Dlf staunt über die "verstörende Wucht", mit der Afonso Reis Cabra an den Mord einer Transperson im Portugal der 2000er Jahre erinnert. Dlf Kultur bewundert das innere Leuchten von Tomas Gonzalez' Kurzgeschichten aus Kolumbien. Dank Lucy Pollock verliert er die Angst vor dem Älterwerden.
Samstag, 29.05.2021
Efeu - Die Kulturrundschau
29.05.2021 Als "beste, konsequenteste" Entscheidung nickt der Tagesspiegel den Leipziger Buchpreis für Iris Hanika ab. Die FR hätte sich noch mehr über einen Preis für Friederike Mayröcker gefreut. In der Literarischen Welt schildert Leila Slimani, wie brutal die Marokkaner die Europäer nach dem Zweiten Weltkrieg wahrnahmen. Armin Petras kämpft nach den Rassismusvorwürfen um seine Existenz, weiß die taz. In der FR ärgert sich Hans Neuenfels darüber, dass am Theater nur noch in Klischees gedacht werde. Und die SZ versenkt sich in den eigentümlichen Philadelphia-Sound des Dirigenten Eugene Ormandy.
9punkt - Die Debattenrundschau
29.05.2021 In der Welt fürchtet der Historiker Karl Schlögel, dass Alexander Lukaschenko wirklich alles tun wird, um die belarussische Opposition zu vernichten. Die Aktivisten blicken in FAZ, taz und Standard entgeistert auf die Reaktionen der EU: Jetzt können sie das Land nur noch Richtung Osten verlassen. In der Financial Times ahnt Timothy Garton Ash, wie Boris Johnson einen Keil in die EU treiben will - Viktor Orban steht bereit. Die Welt erinnert auch an das Pogrom von Tulsa 1921. Und die SZ befindet, dass sich Deutschland bei den Herero und Nama inzwischen auch dafür entschuldigen müsste, dass sie so lange auf eine Geste warten mussten.
Bücherschau des Tages
29.05.2021 Die FAZ lauscht gebannt den schweigsamen Bierdialogen von Jaroslav Rudis’ und Nicolas Mahlers "Nachtgestalten". Die SZ zieht die Gespräche zwischen Marguerite Duras und Jean-Luc Godard vor: Denken in action, meint sie. Die NZZ öffnet mit Mathias Enards „Jahresbankett der Totengräber“ eine wahre Wunderkammer des Erzählens. Die taz bewundert die „rauschhaft-künstliche“ Sprache, mit der Zeruya Shalev vom Schicksal zweier Liebender in der zionistischen Untergrundorganisation Leki erzählt. Die Welt saugt mit Alfred Kerrs „sensationellen“ Feuilletons die Atmosphäre Westberlins ein. Und Dlf Kultur blickt mit Leila Slimani in die Geschichte Marokkos.
Montag, 31.05.2021
9punkt - Die Debattenrundschau
31.05.2021 Baschar al-Assad hat sich gerade mit 95 Prozent wiederwählen lassen. In The Atlantic denkt die Autorin Janine di Giovanni darüber nach, wie an die Verbrechen Assads erinnert werden soll, solange er nicht selbst zur Rechenschaft gezogen werden kann. In American Purpose kritisiert der Historiker Jeffrey Herf Benjamin Netanjahu, der jedes Bündnis der Mitte in Israel verhindere. Die SZ legt offen, wie der dänische Geheimdienst dem NSA half, deutsche Politiker abzuhören. In der NZZ attackiert der Ideenhistoriker Jürgen Große die Gründer des Humboldt Forums, die sich "als ehrliche Makler im endlosen Spiel der 'Narrative'" inszenieren wollten.
Efeu - Die Kulturrundschau
31.05.2021 In der SZ fürchten die Fotografen Thomas Demand, Annette Kelm, Thomas Struth und Wolfgang Tillmans um das Bundesinstitut für Fotografie, das im Streit um Standorte und Schulen zerrieben zu werden droht. In der taz setzt die Künstlergruppe ruangrupa für die Documenta15 auf das Prinzip Reisscheune. Die SZ fragt mit Blick auf die DDR-Geschichte, wo in der Literatur eigentlich das offene Gespräch unter Ostdeutschen stattfindet. Nicht einmal die eigenen Nestbeschmutzer gelten noch was am österreichischen Theater, klagt die NZZ.
Medienticker
31.05.2021 Leipzig liest extra. Eine verdiente Bühne & Starkes Zeichen für das Buch - Future-Bewegung für den Buchhandel? - Geruch als Kommunikationsmittel - Robin Alexanders "Machtverfall" - Der streitbare Stefan Aust - "Notizhefte des Buchhändlers" & weitere Eindrücke von der Buchmesse Abu Dhabi + Schräg. Mops des Monats Mai.
Bücherschau des Tages
31.05.2021 Dem Dlf gewährt Rahel Varnhagens "Briefwechsel mit Jugendfreundinnen" bemerkenswerte Einblicke in weibliche Lebenswelten. Die FR vergnügt sich in Niedersachsen mit Lisa Krusches Debüt "Unsere anarchistischen Herzen". Die FAZ nimmt erleichtert auf, dass mit Thomas Unnerstall mal ein Autor die ökologische Krise entdramatisiert. Und die NZZ erkundet mit dem Psychoanalytiker Peter Widmer das Böse im Guten und den Täter im Opfer.