Montag, 02.10.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
02.10.2017 Was für ein Armutszeugnis, stöhnt der Tagesspiegel: In der morgen wiedereröffnenden Staatsoper in Berlin wird alles genauso aussehen wie zuvor. Paul Klee war kein Abstrakter, lernt die NZZ in der Fondation Beyeler. Die SZ erzählt die Geschichte des Angriffsfotografen. In der taz spricht die Autorin Virginie Despentes über die Depression französischer Männer. Die Zeit ergründet die irre Wut des Oskar Roehler.
9punkt - Die Debattenrundschau
02.10.2017 Spiegel online und politico.eu kritisieren den vorhersehbaren Clinch zwischen katalanischen Separatisten und Zentralregierung in Spanien. Der größte verbleibende Revolutionär in der arabischen Welt ist ein Mann von 91 Jahren, schreibt Kamel Daoud in der New York Times mit Blick auf den tunesischen Präsidenten Essebsi und sein Engagement für Frauenrechte. FAZ-Kolumnist Bülent Mumay geht der Hut hoch angesichts von Imamen, die Frauen in der Türkei verbieten wollen, in Hosen zu gehen. Und der neuerdings fromme Mark Zuckerberg entschuldigt sich, dass er die amerikanischen Wahlen vermasselt hat.
Medienticker
02.10.2017 Aktualisiert: Suchmaschine: Google will Paid Content fördern & killt das First-Click-Free-Prinzip - Soziale Netzwerke: Maas rüstet personell gegen Facebook & Co. auf - ARD & ZDF wollen sparen - Aufgeblasen am rechten Rand? Die AfD in den Medien - Buchmarkt: Wie das gedruckte Buch neuen Formaten weichen muss oder behauptet sich das Buch - Kaffeehaussitzers Netzrückblick: Literaturblogs 9/17 - Theater-Nachtkritiken u. a. aus Berlin, Frankfurt, München, Zürich + Glückwünsche: Peter Stein zum Achtzigsten & W.S. Merwin zum Neunzigsten.
Bücherschau des Tages
02.10.2017 Die SZ lässt sich von Edna O'Brien erzählen, wie sich ein ganzes irisches Dorf vom Wolf verführen lässt. So nachdenklich wie uneitel findet sie Eva Demskis Memoiren "Den Koffer trag ich selber". Außerdem liest sie Andreas Fahrmeirs kurze, bemerkenswert postideologische "Deutsche Geschichte". Die FAZ liest Krimis von Grame Macrae Burnet, Antnonin Varenne und Lisa Sandlin.
Mittwoch, 04.10.2017
Magazinrundschau
04.10.2017 Anne Applebaum in der New York Review of Books über die Zukunft Europas, Gábor Schein in Elet es Irodalom über die Post-Orbán-Zeit, Wayne Bell in Quietus über seine Musique Concrète für das "Texas Chain Saw Massacre", Jiri Pehe in Novinky über den Geist Mitteleuropas und GQ über den Mord an Kim Jong-nam.
Efeu - Die Kulturrundschau
04.10.2017 Die Kritiker überschlagen sich vor Begeisterung über Denis Villeneuves "Blade Runner 2019". Der Guardian feiert mit Dali und Duchamp die beiden großen Versauten der Kunstgeschichte. Die SZ lässt sich an den Münchner Kammerspielen von Eugène Labiche das Hirn durchfegen. Der Welt gefällt der neue Nachhall in der umgebauten Staatsoper. Aber wo ist Richard Paulicks egalitäre Idee geblieben?, fragt die Berliner Zeitung.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.10.2017 59 Menschen sind bei dem Massaker von Las Vegas ums Leben gekommen - und Amerika ist bei den Waffengesetzen in den letzten Jahren nicht um einen Zentimeter vorangekommen, stöhnen die Kommentatoren. Es gibt Sicherheitsgesetze für Leitern, durch die in Amerika 300 Menschen im Jahr umkommen, aber nicht für Waffen, die hundertmal mehr Menschen, stöhnt Nicholas Krisof in der New York Times. Der spanische Premier Mariano Rajoy hat die Unruhen in Katalonien selbst zu verantworten, meint politico.eu. Die Bundestagswahl war auch eine Genderwahl, schreibt Ralf Bönt in der Welt.
Medienticker
04.10.2017 Affäre um G20-Akkreditierungen & der nächste Skandal: LKA Berlin vernichtet Beweismittel - Nach russischer Anzeigenkampagne: Facebook stellt 1000 neue Prüfer ein - Fake-Flut nach dem Attentat in Las Vegas - Warum gedruckte Bücher dem Niedergang geweiht sind, weiß Ana Marija Milkovic - Nobelpreis für Einsteins Erben & der Nachweis von Gravitationswellen + American Trotzkopf: Zum Tod von Tom Petty.
Bücherschau des Tages
04.10.2017 Die
FAZ besichtigt mit
Marie Luise Knott die Trümmer des Jahres
1930 (hier unser
Vorgeblättert). Die
FR folgt
Yaa Gyasis Geschichte einer
aus Ghana in die Sklaverei verschleppten Familie über acht Generationen. Die
NZZ feiert "Die
Königinnen der Würstchen". Die
FAZ lobt das didaktische Sightseeing in
Dan Browns neuem Thriller "Origin".
SZ und
Welt winken ab, die
taz greift lieber zu
Sven Heucherts "Dunkels Gesetz".
Donnerstag, 05.10.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
05.10.2017 Der Showdown in Katalonien geht weiter: Der katalanische Ministerpräsident ruft händeringend nach "Vermittlung", weil er sonst die Unabhängigkeit erklären muss. Die taz streitet über das Pro und Contra: Eine der Fragen wäre wohl, ob die Wahlbeteiligung von 42 Prozent wirklich ausreicht, um die Unabhängigkeit auszurufen. In Deutschland wird weiter über die AfD diskutiert: Die Ossis sind durchanalysiert, aber warum reüssiert die AfD in Bayern und Baden-Württemberg, fragen Zeit und SZ. Und Golem.de notiert: Die Bundesregierung verzichtet lieber auf die geplante Evaluierung des Leistungsschutzrechts.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.10.2017 Die Staatsoper Unter den Linden wurde am Einheitstag mit großem Brimborium neu eröffnet. Der Klang ist besser, aber die Kritiker trauern um die verpasste Chance, einen modernen großen Saal zu bauen. Nur die FAZ ist zufrieden. Der Tagesspiegel porträtiert die Künstlerin Jeanne Mammen. Der Dichter Dirk von Petersdorff berichtet in der FAZ von einem Lyrikertreffen in Peking. Die SZ begleitet das Underdox-Filmfestival in München.
Medienticker
05.10.2017 Aktualisiert: Literaturnobelpreis für Kazuo Ishiguro & Inside Nobel - Nichts gefunden: Generalbundesanwalt beendet die NSA-Affäre - Im Interim: Zur Ästhetik & Politik von Ausweich-Theaterspielstätten - Bildagentur: Gettys Kampf gegen Photoshop - Verschwörungstheorien: Die angeblichen Krisenschauspieler - Monika Maron über Deutschland, ein entzweites Land? - Marcel Proust: Der Autor als Agent in eigener Sache - Buchmesse ante portas: Frankreich lesen + Mammutserie: Wie die ARD ihre Zuschauer warten lässt.
Bücherschau des Tages
05.10.2017 Die SZ lernt von Ute Frevert hochnotpeinliche, die Zeiten überdauernde Techniken der Demütigung. Die Zeit lässt sich von Oliver N. erzählen, wie er als 16-Jähriger beim IS in Syrien landete. Die FAZ gruselt sich auf das Wunderbarste mit deutschen Schauergeschichten aus der Romantik. Die taz taumelt durch das Textgebirge von Thomas Lehrs "Schlafende Sonne".
Freitag, 06.10.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
06.10.2017 Politico.eu macht sich Sorgen um Rumänien, wo ein Referendum gegen die Homoehe vorbereitet wird - und gute Chancen hat: EU-Regeln würden damit gebrochen. In der FAZ legt die Ökonomin Justyna Schulz dar, warum die polnische Forderung nach Reparationen nicht abwegig ist. In der Welt fordert der Thinktank-Gründer Chandran Nair, dass sich die Welt nicht allein an westlichen Werten orientieren solle.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.10.2017 Rundweg einverstanden sind die Literaturkritiker mit dem neuen Nobelpreisträger für Literatur, Kazuo Ishiguro, ein Schöpfer weitgehend unbemerkt gebliebener Meisterwerke, wie die FAZ notiert. Die SZ bewundert zwei Wassertropfen im delirierenden Liebesrausch, die sich als "Paneum" verkleidet haben. Struktur ist alles, erklärt Robert Wilson im Tagesspiegel. Identität ist nur Behauptung, lernt die NZZ von den tierischen Skulpturen Jimmie Durhams.
Medienticker
06.10.2017 Aktualisiert: Wiedervereinigte Medienrepublik: Was eint, was trennt - Leipziger Medienpreis für Deniz Yücel & Asli Erdogan - Lokaljournalismus: Die Reise zum Mittelpunkt des Bebens - & Morddrohungen gegen Journalisten - Kazuo Ishiguro: Der ideale Preisträger & Kompromiss-Kandidat, der Misstrauen lehrt & ein Gespräch mit ihm - Deutsche mögen ihre Bücher: Das Kopfkino ist nicht zu ersetzen & die Hälfte der Buchhändler führt Selfpublishing-Titel.
Bücherschau des Tages
06.10.2017 Die FAZ begibt sich mit Jean-Christophe Bailly auf einen poetischen und erkenntnisreichen Streifzug durch die französische Provinz. Dank Jan Rüger kann sie sich auch für Helgoland erwärmen. Die NZZ reist lieber mit Marion Poschmanns zu den "Kieferninseln": Eine Hymne auf das Zwielicht, schwärmt sie. Die SZ attestiert Andrea de Carlos liebevoller Satire auf die internationale Kulturszene einen "Flutscheffekt". Die FR würdigt Norbert Abels Britten-Biografie als Standardwerk. Und die taz lernt von Milena Glimbovski, wie man ohne Müll lebt.
Samstag, 07.10.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
07.10.2017 Auf Dezeen wirft Joep van Lieshout dem Louvre vor, seine Skulptur "Domestikator" aus Feigheit vor religiös Konservativen und Tierschützern nicht aufstellen zu wollen. Die SZ denkt über die Schizophrenie der Frankfurter Stadtplanung nach. Die Literaturkritiker feiern die französische Literatur, die gerade eine Glanzzeit erlebt. In der Berliner Zeitung erklärt Michael Haneke, warum sein neuer Film "Happy End" nicht einfach ein Film über Migranten ist: Kunst muss verkomplizieren. In der taz erklärt Musiker Tricky, warum er gern in Berlin lebt: Es ist so klein.
9punkt - Die Debattenrundschau
07.10.2017 In der Berliner Zeitung hat Ingo Schulze den Schuldigen für den Aufstieg der AfD gefunden: Es ist der Neoliberalismus. In der NZZ meditiert Cécile Wajsbrot über verborgene Strahlungen, die am Ende auch die Gesellschaften prägen. Während der Spiegel einen Titel über die Macht der Öffentlich-Rechtlichen bringt, wehrt sich tagesschau.de ausgerechnet im "Faktenfinder" gegen den Begriff des "Staatsfunks". Eine Abspaltung Kataloniens könnte auch andere Konflikte wieder aufbrechen lassen, meint die Politologin Sabine Riedel in der taz. Im Tagesspiegel schreibt Shimon Stein den Nachruf auf Sylke Tempel.
Bücherschau des Tages
07.10.2017 Die Buchmesse steht bevor und damit bricht auch eine Woche französischer Literatur an: Die taz liest Leila Slimanis Roman "Dann schlaf auch du" als brillantes Sittenbild der modernen französischen Gesellschaft. Die FAZ empfiehlt Didier Fassins "kritische Gebrauchsanweisung" für das Leben. Die FR möchte unterdessen das Buch "Klassikkampf" des Musikproduzenten Berthold Seliger - einen polemische Blick auf den gegenwärtigen Musikbetrieb - zur Pflichtlektüre für Kulturpolitikerinnen machen. Die Welt feiert Daniel Kehlmanns neuen Roman "Tyll".
Montag, 09.10.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
09.10.2017 In der NZZ beschwört Alexandre Gefen den Geist eines neuen Humanismus in der französischen Literatur. Nur warum kommt davon so wenig in den französischen Zeitungen an?, fragt Frédéric Wandelère ebenfalls in der NZZ. Der Tagesspiegel besingt die poetischen Momente aufrichtiger Aufmerksamkeit. Die FAZ erlebt mit György Ligetis "Grand Macabre" exzellentes Musiktheater in Meiningen. Die Welt erlebt, wie Werner Herzog die Kontrolle verliert. Und die SZ erliegt dem Größenwahn der Pariser Modeschauen.
9punkt - Die Debattenrundschau
09.10.2017 In Britannien erregt eine scharfe Polemik des niederländischen Journalisten Joris Luyendijk Aufsehen: Er erklärt, das der Brexit für die Briten so oder so traurig ausgehen wird. Katalonien ist ein Fall von "Erfindung der Tradition" erklärt José Antonio Sanahuja in der SZ. Die FR widerspricht dem Steinmeierschen Heimatbegriff. Die Rolle der New York Times bei der Enthüllung der Affäre um den Filmmogul Harvey Weinstein ist nicht ganz so glorios, wie sie tut, meint das Hollywood-Blog thewrap.com.
Medienticker
09.10.2017 Aktualisiert: Robert Menasse erhält den Deutschen Buchpreis 2017 - Politik & Journalismus: Die unsichtbare Grenze der Diskretion - Über "Political Correctness" diskutieren ... aber bitte nicht so - Messe-Flucht: Kleine Verlage in Frankfurt & "Neue Debattenkultur" gefordert: Börsenverein verteidigt umstrittenen Verlags-Stand - Wozu Autoren Verlage brauchen, erklärt Dietmar Dath - Tatortsichtung: Wie porno ist Deutschland? + Tod in den Anden: Vor 50 Jahren starb Che Guevara.
Bücherschau des Tages
09.10.2017 Die FR liest Orhan Pamuks neuen Roman als Meistererzählung über Liebe und Tod, Hoffnung und Verrat und das Leben in einem autoritären Land. Die SZ bewundert noch einmal die intellektuelle Kraft des Historikers Tony Judt und lässt sich von Josef Foschepoth darlegen, dass nicht die KPD, sondern ihr Verbot verfassungswidrig war. Die FAZ greift zu John Stuart Mill.
Dienstag, 10.10.2017
Magazinrundschau
10.10.2017 In der New York Times fragt Thomas Chatterton Williams Ta-Nehisi Coates, warum Weiße auch im negativen Sinne immer etwas Besonderes sein sollen. Carlo Ginzburg erklärt in der New York Public Library, wie er Jude wurde. Der Merkur kreist um Exoplaneten. Die Paris Review erinnert an die sowjetische Kampffliegerin Lilja Litwjak. Hospodarske noviny würdigt den tschechischen Dichter František Listopad. In Film Comment erklärt Regisseur Todd Haynes, warum man in New York keine Spur der Siebziger mehr findet.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.10.2017 Robert Menasse erhält für seinen Brüssel-Roman "Die Hauptstadt" den Deutschen Buchpreis. Schön europäisch findet das der Tagesspiegel, zu politisch die FAZ. In der NZZ erklärt der türkische Schriftsteller Ahmet Altan, wie er seinem Gefängnis flieht. Als surrealistisches Meisterwerk feiert die SZ Aribert Reimanns in Berlin uraufgeführte Oper "L'Invisible". In der Berliner Zeitung betont Thomas Oberender, dass Theater keine closed Shops werden dürfen. Und die FAZ erlebt im Kölner Wallraf-Richartz-Museum Tintoretto als Meister der Bewegung.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.10.2017 Heute wird wird der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont möglicherweise die Unabhängigkeit erklären - und die spanische Regierung wird den Artikel 155 der Verfassung anwenden, vermutet politico.eu. Stinkbeleidigt antwortet die ARD auf einen Spiegel-Titel, der die Anstalten kritisierte. In der NZZ fordert Karl Schlögel die Aufrechterhaltung der Sanktionen gegen Russland. Nach den Enthüllungen gegen den Filmmogul Harvey Weinstein sprechen laut New York Times und Guardian die Frauen - und die Männer schweigen. Bei Medium verteidigt Lawrence Lessig Hillary Clintons Buch über ihre Niederlage.
Medienticker
10.10.2017 Aktualisiert: Messe-Eröffnung mit Glamour-Faktor & rechten Verlagen - Buchpreis: Robert Menasse liest & in Interviews - Buchmarkt: Self-Publishing, Stationärer Buchhandel & Stadtentwicklung - #np13: Netzpolitik Podcast - Web-Lokoaljournalismus: Unsere kleine Stadt - Netzneutralität: Bundesnetzagentur zwingt Telekom zum Nachbessern - "Die unheimliche Macht": ARD kontert dem Spiegel + Die Floskel des Monats.
Bücherschau des Tages
10.10.2017 Geradezu widerstandsunfähig zeigt sich die FAZ gegenüber Tristan Garcias Roman "Faber", der von einem jungen verführerischen Rebellen und Zerstörer erzählt. Schön findet sie auch, dass Robin Lane Fox in seiner Biografie Augustinus mal nicht als egozentrischen Ehrgeizling, sondern als Suchenden beschreibt. Die SZ erkennt mit Norbert Scheuer in der Eifel das "Zentrum des großen Welttheaters".
Mittwoch, 11.10.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
11.10.2017 Die Katalonen werden nun doch nicht unabhängig - vorerst jedenfalls nicht. Reinste politische Akrobatik, meint dazu Politico. Die FAZ sieht in den Katalanen die Vorhut für eine neue Form der Bürgermobilisierung gegen langweilige demokratische Verfahren. Demokratie kann man auch durch Unfähigkeit kaputt machen, erkennt die Berliner Zeitung mit Blick auf den Berliner Senat. In der SZ erklärt Christoph Butterwegge, warum das bedingungslose Grundeinkommen ungerecht ist. Und: Gleichstellung ist Frauenförderung, erklärt auf Zeit online die Verfassungsrechtlerin Anna Katharina Mangold.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.10.2017 Auf der Buchmesse begegnen die Feuilletons einem charismatischen Macron und einer blassen Merkel. In der Welt verteidigt Robert Menasse den französischen Präsidenten gegen Didier Eribon. Selbst wenn es um Architektinnen geht, ist das Frauenghetto nicht mehr zeitgemäß, ermahnt die NZZ das Frankfurter Architekturmuseum. Die SZ erlebt, wie Kirill Petrenko mit Brahms zu einem Tanz des Verderbens und der Düsternis aufspielt. In der FR huldigt Ayrson Heráclito dem Gott der Blätter.
Medienticker
11.10.2017 Aktualisiert: Internet-Studie: Zahl der Nutzer wächst weiter - Online-IVW: September-Rankings - Nachrichten-Magazine: Was stern & Spiegel einst stark machte, macht sie heute schwach - Türkei: Prozess gegen Journalistin Mesale Tolu beginnt - Messeeröffnung: Macron schwärmt, Merkel geht früher - Lesen: Papier schlägt E-Book oder Das Buch ist tot! Es lebe der Quellcode! - Nicht originell & inkonsistent: ARD+ZDF-Debatte + Der Jazzzentriker: In memoriam Thelonious Monk.
Bücherschau des Tages
11.10.2017 Die FAZ reist, von Anne Hartmann angeleitet, mit Lion Feuchtwanger ins Moskau der dreißiger Jahre und mit Rebecca Hunt in die Antarktis. Die NZZ feiert Daniel Kehlmanns Erzählkunst in "Tyll". Die Welt klärt mit Volker Kutscher ein Attentat im Gefängnis von Berlin-Moabit.
Donnerstag, 12.10.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
12.10.2017 Die Feuilletons sind nach dem Buchmessenauftakt ganz verliebt in Emmanuel Macron: Die FAZ möchte gleich nach Frankreich auswandern, nur die NZZ ist auch ein bisschen verknallt in Merkel. Die Berliner Zeitung vermisst den Egon Schiele des 21. Jahrhunderts. In der Zeit erklärt Lars Eidinger, warum er lieber nicht zur Premiere von Alexej Utschitels Film "Mathilde" nach Russland reisen will. Und im Freitag erklärt die Regisseurin Anta Helena Recke, wie sie Whiteness sichtbar machen will.
9punkt - Die Debattenrundschau
12.10.2017 Die SZ denkt über demokratisch-kapitalistische und nationalistische Identitäten nach. Jeder soll Kopftuch tragen können, aber feministisch ist das nicht, meint in der NZZ der marokkanische Schriftsteller Kacem El Ghazzali. Die taz wünscht sich auch diejenigen vor Gericht, die Harvey Weinstein mit ihrem Schweigen jahrelang deckten. Im Guardian erklärt die Schauspielerin Lea Seydoux, warum sie sexuelle Nötigung von Regisseuren nie öffentlich machte. In der New York Times wünscht sich Lena Dunham, dass die Männer im Kampf gegen Sexismus vorangehen.
Medienticker
12.10.2017 Aktualisiert: Trump stellt Sendelizenz von NBC infrage - Prozess in der Türkei: Mesale Tolu muss in Untersuchungshaft bleiben - Mutige Medienschaffende: Raif Badawi Award für Ahmet Şik - Leipziger Abhörskandal: Erfolglose Ermittlungen in linker Szene - Maschinen-Texte: Der rechnende Reporter - Messe-Splitter: Bücher hinter Gittern oder Infotainment aus Holz & Plastik + Gerhard Rühm: Universalkünstler/gelehrter.
Bücherschau des Tages
12.10.2017 FAZ und Zeit feiern die Erinnerungen von Peter Nadas, "Aufleuchtende Details", die die private und die große Geschichte verbinden. Die SZ langweilt sich zu Tode mit Marie N'Diayes Roman "Die Chefin", von dem die Zeit ganz hingerissen ist. Außerdem empfiehlt die Zeit Philipp Thers "Die Außenseiter" über Flüchtlinge im Europa der letzten 500 Jahre, und sie stellt eine Reihe Kinder- und Jugendbücher vor.
Freitag, 13.10.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
13.10.2017 Die Nachtkritik reist nach Georgien und erlebt eine Theaterszene zwischen Aufbruchsstimmung und Sowjetrealität. Nicht mal zur Buchmesse bekommen Literaten Sendezeit in den Öffentlich-Rechtlichen, stöhnt Zeitonline. Die taz lernt Michel Houellebecq in Frankfurt als Linken kennen. Die SZ unterhält sich mit türkischen Schriftstellern über das Schreiben im Exil. Die FAZ lässt sich von gespensterhaften Hauskatzen täuschen.
9punkt - Die Debattenrundschau
13.10.2017 In Kairo wackelt nach einem Schwenken der Regenbogenflagge der Thron Gottes, meldet die taz. In der FR ermuntert der Grüne Malte Spitz zu etwas mehr Kompetenz der Politiker in Sachen Digitalisierung. In der Berliner Zeitung beschreibt Kathrin Schmidt in einer Antwort auf Ingo Schulze die zunehmende Unüberwindlichkeit sozialer Grenzen in Deutschland. Im Interview mit der SZ erklären Per Leo, Max Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn, wie man mit Rechten streitet: Argumentieren statt moralisieren. Die taz plädiert mehr für eine Umarmungsstrategie.
Medienticker
13.10.2017 Aktualisiert: Türkei: US-Journalistin verurteilt & Schreiben im Exil: Erfahrungen von Aslı Erdoğan, Can Dündar und Burhan Sönmez - Radikaler NZZ-Umbau: In Zürch geht die Angst um - Vernünftig honorieren: Mehr Penunzen für freien Journalismus & Was Schriftsteller verdienen - Buchmarktzahlen: Wer kauft denn heute noch Bücher? - Fake Followers: Viel Schein in der Influencer-Welt + Journalisten kaufen: Harvey Weinstein & die Medien.
Bücherschau des Tages
13.10.2017 Die FR lässt sich von Karl Ove Knausgards Miniessays über Wespen, Äpfel und Fieber verzaubern. Die FAZ begleitet den Leipziger Maler Werner Tübke in seinen Tagebüchern auf der Suche nach sich selbst. Bei Ulrich Körtner lernt sie, dass Gefühl und Moralisierung in Politik und Kirche nichts zu suchen haben. Die NZZ setzt mit Jennifer Ackermans "Genies der Lüfte" zum Höhenflug an. Und die SZ bespricht Kinder- und Jugendbücher.
Samstag, 14.10.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
14.10.2017 Die taz schaut sich in der afrikanischen Literaturszene um: Einen homogenen Kanon gibt es nicht, lernt sie. Die Welt blickt in die entblößenden Augen der Alice Neel. Die Nachtkritik lernt auf Kampnagel, dass für Frankreich der Balkan schon in Deutschland beginnt. Ziemlich gestrig finden NZZ und Nachtkritik Ante Helena Reckes ausschließlich mit schwarzen Schauspielern besetzte "Mittelreich"-Inszenierung. Und die SZ lauscht elektronischem Rythm & Blues von Kelela.
9punkt - Die Debattenrundschau
14.10.2017 In der taz sagt Robert Menasse voraus, dass die EU ohne die Briten so gut wird, dass sie in spätestens fünfzehn Jahren zurück wollen. Im Tages-Anzeiger spricht Philipp Felsch über die RAF, Große Koalitionen und Gewalt in der bürgerlichen Gesellschaft. In Sachen Künstlicher Intelligenz lernt die SZ von Wittgenstein, dass man angesichts eines neuen Wesenszustandes selbst verändert. Und in der Affäre um Harvey Weinstein richten die Zeitungen ihr Augenmerk jetzt auf das Schweigen der Frauen und Weinsteins willige Helfer in Vorzimmer und Vorstand.
Bücherschau des Tages
14.10.2017 Die taz wirft mit Elnathan Johns Roman "An einem Dienstag geboren" einen Blick in die Koranschulen Nigerias. Von Arlie Russell Hochschild lässt sich sich ins ebenfalls deprimierende Kernland der amerikanischen Rechten führen. Die FAZ nimmt eine Auszeit in Sven Regeners "Wiener Straße". In der FR preist Otfried Höffe die Gelehrsamkeit Pierre Bourdieus und legt auch Staatstheoretikern seine soziologischen Vorlesungen ans Herz. Und nicht einmal ein toter Immobilienhai im Meer kann der FR das herbschöne Bild vermiesen, das Tanguy Viel von der bretonischen Küste zeichnet.
Montag, 16.10.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
16.10.2017 Frankreich war als Gastland geladen, gekommen war Europa, resümiert die NZZ die Frankfurter Buchmesse. Die FAZ quittiert den Friedenspreis für Margaret Atwood mit einem gemütlichen Lächeln. Die Welt lernt in einer Londoner Ausstellung, dass Oper eine Anti-Brexit-Kunst ist. Die Nachtkritik bewundert, wie Pinar Karabulut in Köln die Leidenschaft von "Romeo und Julia" in Eiseskälte erstrarren lässt. Und die SZ geht mit Sol Calero ins Nagelstudio.
9punkt - Die Debattenrundschau
16.10.2017 Aktualisiert: Im Tagesspiegel fordert Neil MacGregor mehr enzyklopädische Museen weltweit. Bei der Buchmesse kam es zu Tumulten, als linke Gegendemonstranten eine Veranstaltung des Antaios-Verlags stören wollten. Aber es wäre falsch gewesen, diesen Verlagen keinen Stand zu geben, meinen SZ und Welt. Wie es wirklich zugeht, wenn man von Rechtsextremisten bedroht wird, erzählt die Autorin Manja Präkels im Interview mit der FR. Was heute "links" und "rechts" ist, ist heute längst nicht mehr so leicht zu sagen wie in den gloriosen Zeiten der großen Volksparteien, schreibt der Politologe Arnim Schäfer in der FAZ.
Medienticker
16.10.2017 Aktualisierung: Feindbild Algorithmus: Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages erkennt "Bedarf" an einer Regulierung der Algorithmen - Onlinehandel: Manipulierte Kundenbewertungen - Komplett skrupellos, ohne Moral: Mark Zuckerberg im Image-Tief - Hinter die Fronten. Reporterin interviewt IS-Strategen - Hans Hoff über Modewörter - Messe-Nachlese: Dialog unmöglich & LSD auf der Buchmesse + Vor 40 Jahren erschien Michel Foucaults "Überwachen und Strafen".
Bücherschau des Tages
16.10.2017 Die SZ liest noch einmal Alban Nikolai Herbsts Roman "Meere", der nach langem Verbot nun ganz legal von einer sadomasochistischen Liebesbeziehung erzählt. Mit Begeisterung hört sich die FAZ durch die Mammut-Edition "Der Kreis des Zauberers", die siebzehn Stunden Aufzeichnungen von Thomas Mann und seiner Familie versammelt: etwa Erika Manns Bericht von den Nürnberger Prozessen etwa oder Klaus Manns Interview mit Hermann Göring. Hingerissen lauscht sie auch Peter Simonischeks Lesung von Heimito von Doderers "Strudlhofstiege".
Dienstag, 17.10.2017
Magazinrundschau
17.10.2017 Kapitalismus und Gleichberechtigung vertragen sich nicht, lernt Alena Wagnerova in Novinky. Die New York Times staunt über den Internationalismus der neuen Rechten. Die LRB sieht schwarz für Kurdistan. La vie des idees liest Identitätsmuster aus der Gänseleber. Im New Yorker erinnert sich Jonathan Franzen an den Rassismus im New York der Achtziger.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.10.2017 In La Repubblica droht Robert Menasse, aus Österreich wegzuziehen, falls sich das Land der drakonischen Flüchtlingspolitik der Visegrad-Gruppe anschließt. Dominik Grafs "Tatort" vom Sonntag löst Kontroversen aus, weil er nicht auszuschließen scheint, dass die Terroristen in Stammheim 1977 ermordet wurden: Stefan Aust und Wolfgang Kraushaar verwahren sich in Bild und FAZ dagegen. taz und Tagesspiegel kommen auf die Tumulte bei der Buchmesse zurück. Und laut MIT Technology Review steigt durch Online-Partnerbörsen die Zahl interethnischer Ehen in den USA stark an.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.10.2017 In der Fotografie geht es nicht mehr ums Sehen, sondern nur noch ums Zeigen, klagt Wim Wenders im Guardian. Die SZ erstarrt in Köln vor dem furchterregenden Intellekt des jungen Tintoretto. Die Berliner Zeitung goutiert Barrie Koskys streng minimalistische Inszenierung von Debussys "Pelléas et Melisande" in der Komischen Oper Berlin. ZeitOnline erkundet die Neoklassik-Szene in der Berliner Nalepastraße. Und die taz gratuliert der Zeitschrift für Architektur und Städtebau arch+ zum Fünfzigsten.
Medienticker
17.10.2017 Aktualisiert: Anschlag auf Malta: Investigativjournalistin durch Autobombe getötet - Ab jetzt nur noch neutral: Journalisten auf Twitter & Facebook - Social Media als Verleger. Das Ende der sozialen Medien, wie wir sie kennen - Konsequenzen: Amazon kippt Weinstein-Serie - Erdogan-Regime: Ein Gespräch mit Orhan Pamuk - Post-Messe-Nachlese: Testgelände für das freie Wort: Buchmessen-Direktor verteidigt Zulassung rechter Verlage & Auf der Messe legte sich Europa erschöpft aufs Krankenlager + Jubiläumstreffen in der Provinz: 50 Jahre nach Ende der Gruppe 47.
Bücherschau des Tages
17.10.2017 Ergriffen und erschüttert liest die NZZ Peter Nadas' monumentale Autobiografie "Aufleuchtende Details", die zugleich Seelenwerk, Familiensaga und Schreckensgeschichte des 20. Jahrhundert ist. Mit viel Lob bedenkt die SZ Franziska Meiforts Biografie des großen Soziologen und Liberalen Ralf Dahrendorf. Die FR streift mit einem ganzen Trupp SchriftstellerInnen durch Israel und Palästina. Und die FAZ lichtet mit H.P. Lovecraft die Wirklichkeitsanker.
Mittwoch, 18.10.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
18.10.2017 Eine Kontroverse zwischen Götz Aly und dem Institut für Zeitgeschichte bahnt sich an: Aly wirft dem Institut vor, die deutsche Ausgabe von Raul Hilbergs epochalem Buch "Die Vernichtung der europäischen Juden" nach Kräften behindert zu haben. Die SZ bringt einen Auszug von Alys Text, der Perlentaucher wird ihn heute Nachmittag vollständig veröffentlichen. Die Welt sieht in den Vorwürfen nichts Neues. In Amerika wird weiter über Harvey Weinstein diskutiert: Was sollten wir tun, fragt der Produzent Scott Rosenberg. Und DLF Kultur fragt , was nun ist: Mit "Rechten reden" oder nicht?
Efeu - Die Kulturrundschau
18.10.2017 22 Prozent der Intendanzen sind von Frauen besetzt, dafür stellen sie 80 Prozent der Souffleusen: In der Nachtkritik sprechen die Regisseurinnen France-Elena Damian und Angelika Zacek über ihre gestern lancierte Initiave Pro Quote Bühne. NZZ und FAZ feiern die Eröffnung von Griechenlands Nationaloper mit "Elektra" und der großen Diva Agnes Baltsa. Les Inrocks fragt, ob ein Mann, der seine Freundin tot geprügelt hat, ein Recht auf ein Leben als Rockstar hat. Die SZ erinnert daran, dass Hollywoods berühmte "Castingcouch" von Männern und Frauen für ihre Zwecke genutzt wurde. Und im Standard erklärt Sibylle Berg, warum sie keine Literatur mehr liest.
Medienticker
18.10.2017 Aktualisiert: Belästigung: Björk beschuldigt Lars von Trier - ARD: Medienminister will Tagesschau abschaffen - Journalisten-Mord: Angriff auf die Werte Europas - Abbau in den Kulturredaktionen: Kurzer Abstieg in die Provinz - Auszeichnungen: Man-Booker-Preis für George Saunders, Deutscher eBook Award, Self-Publishing-Preis & Buchblog-Award - Interview mit Hans Magnus Enzensberger über die Grupe 47 - Didier Eribon & Edouard Louis über Literatur als Ort des Widerstands - Peter Handke: Erzähler, Leser, Träumer + Mythos RAF: Deutscher Herbst vor 40 Jahren.
Bücherschau des Tages
18.10.2017 Die FR erliegt den Zwischentönen in Angie Thomas' den Rassenhass behandelnden Roman "The Hate U Give". Höchst aufschlussreich findet die FAZ Ulrich Wegeners Erinnerungen an den Aufbau der GSG 9. Die NZZ blickt mit Pascale Kramer auf eine Vater-Tochter-Beziehung. Die SZ lernt mit Klaus Böldl das Verschwinden.
Donnerstag, 19.10.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
19.10.2017 Der Flaneur ist nicht ausgestorben, er ist nur von der Straße ins Internet abgewandert, erklärt Alain Claude Sulzer in der NZZ. Der Standard sucht einen frischen Blick auf Rubens. Asterix in Italien ist in Hochform, freut sich die Welt. Das tiefste Schwarz und die schönsten Farben bewundert die taz im Yves Saint Laurent Museum in Marrakesch. Zeit online feiert Fred Hersch als intelligentesten und radikalsten Klaviervirtuosen des modernen Jazz.
9punkt - Die Debattenrundschau
19.10.2017 Im Perlentaucher erzählt Götz Aly, wie Fritz J. Raddatz einst ein Buch von Raul Hilberg ablehnte, um Bücher von Che Guevara und Mao zu bringen. In der FR ist Arno Widmann entsetzt über die Geschichtvergessenheit der Ausstellung über die Oktoberrevolution im DHM. In der Zeit kommt Gerd Koenen auf den intimen Clinch der feindlichen Brüder Faschismus und Kommunismus zurück. Politico.eu und FAZ malen sich den harten Brexit aus. Im Interview mit der NZZ versucht Stefan Chwin die Gemütslage in Polen zu erklären.
Medienticker
19.10.2017 Aktualisiert: Paid Content: Deutsche Verleger setzen auf weiche Paywall - Netzpolitik in China: Wen man im Internet kritisieren darf - Abhörskandal: "Vertrauliche Quellen sind eingeschüchtert" - Buchmessen-Nachschlag: Judoka mit braunem Gürtel & Sie reden doch die ganze Zeit - Aber da war mehr: Das Jahrzehnt der Verfeindungen & Analysen zur Aufarbeitung zu 40 Jahren Deutscher Herbst - Günter Grass über Heinrich Böll: Ein unbekannter Text von 1967 + Jazztouristen statt Puristen: Das Scope Festival Berlin.
Bücherschau des Tages
19.10.2017 Heute könnten alle Buchpreisträger zusammen splitternackt den Huchiguchi tanzen, die Rezensenten würden nicht mal mit ein Auge heben, alle sind in ihren neuen Asterix vertieft. Die Zeit immer hin lässt sich von Karl Schlögel in eine Kommunalka führen und atmet dort den Duft des sowjetischen Jahrhunderts. Die SZ beugt sich mit Patrick Eiden-Offe über den Mythos des Proletariats in der Literatur. Die FAZ empfiehlt Kurt Steinmanns Neuübersetzung der "Ilias".
Freitag, 20.10.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
20.10.2017 Eine ganze Flut von Artikeln befasst sich mit der Affäre Harvey Weinstein. In der New York Times spricht erstmals Quentin Tarantino, der immer schon alles wusste und nie etwas sagte. Und Lupita Nyong'o schildert sehr eindrücklich, wie Weinstein sie sexuell unter Druck setzte. Erst wenn Frauen in Hollywood mehr Macht haben, werden sich die Verhältnisse ändern, glaubt Barbara Schweizerhof in Zeit online. In der NZZ porträtiert Alena Wagnerová den nächsten europäischen Populisten: Andrej Babiš. Im Guardian fürchtet der Politologe Francesc Badia i Dalmases eine bewusste Eskalation des Konflikts um Katalonien.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.10.2017 In Youtube Videos findet man mehr Jetztzeit als im Kino, behauptet Filmregisseur Ruben Östlund im Tagesspiegel. Zu Ligeti kann man mindestens so gut tanzen wie zu Bowie, behauptet die Sopranistin Sara Hershkowitz in der taz. In Warschau bringt Michail Jurowski die erste - konzertante - Gesamtaufführung von Anton Rubinsteins Oper "Moses" auf die Bühne, berichtet die FAZ.
Medienticker
20.10.2017 Aktualisiert: Mehr Internet für ARD+ZDF: Das wird den Verlegern nicht gefallen - Auflagen der Zeitungen & Magazine - Instant Articles: Facebook testet Abo-Modell - Kultur verteidigen: Terry Eagletons Streitschrift - Rückankunft: Dogan Akhanli beschimpft - Messe-Debatte: Uwe Tellkamp verteidigt Einladung rechter Verlage & Hilfe, Nazis! Öffentlichkeit macht die Rechten gross - 30jähriger Krieg: Herfried Münkler liest Daniel Kehlmanns "Tyll" - Alexander Kluge & Ferdinand von Schirach über die "Die Herzlichkeit der Vernunft" - Lenin stirbt langsam an der Berliner Schaubühne + Making me Dizzy: Dizzy Gillespie zum Hundertsten.
Bücherschau des Tages
20.10.2017 Die FAZ legt mit Fethi Benslama den Islam auf die Couch und lernt den Islamismus als Zeichen der Krise des Islam in Konfrontation mit der sündhaften Moderne kennen. Bei Peter Berthold liest sie, warum wir Vögel brauchen und wie wir sie schützen können. Von Andreas Fahrmeir lässt sie sich das Verhältnis der Deutschen zu ihrer Nation erklären. Die SZ wird in Sabrina Janeschs "Goldener Stadt" von der Abenteuerlust gepackt. Und die NZZ wagt mit Lukas Holligers Midlife-Kriselndem den Ausbruch aus Basel.
Samstag, 21.10.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
21.10.2017 Warum werden nach Terroranschlägen eigentlich immer neue Maßnahmen der Überwachung beschlossen, wenn doch eigentlich Behördenversagen vorliegt, fragt Netzpolitik, nachdem klar wurde, dass ein V-Mann den Attentäter Anis Amri zur Tat aufgefordert hatte. Die Salonkolumnistinnen haben Zweifel an der #MeToo-Aktion. Unter dem französischen Hashtag der Aktion, #balanceTonPorc, wird jetzt auch Tariq Ramadan der sexuellen Belästigung beschuldigt. Die SZ bringt Reaktionen auf den im Perlentaucher veröffentlichten Vortrag Götz Alys über Raul Hilberg und das Institut für Zeitgeschichte.
Efeu - Die Kulturrundschau
21.10.2017 Im Gespräch mit der taz erklärt die Musikerin Jamila Woods, was Afrofuturismus bedeutet. In der Welt erklärt Ian Buruma seine Pläne für die New York Review of Books. Die FAZ feiert die allumfassende Depression in Hans-Christian Schmids Miniserie "Das Verschwinden". Die Theaterkritiker verreißen die allumfassende Langeweile in Milo Raus "Lenin".
Bücherschau des Tages
21.10.2017 Die Welt verliebt sich in Ernst Haeckels wunderbare Illustrationen von Quallen, Flechten und Mikroben. Die taz gruselt sich mit Hans-Henning Scharsach vor der "stillen Machtergreifung" der FPÖ. Die FAZ vertieft sich in Szilard Borbelys Fragment gebliebenen Roman "Kafkas Sohn". taz und FR empfehlen Doron Rabinovicis Variante der Tribute von Panem, "Die Außerirdischen".
Montag, 23.10.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
23.10.2017 taz und NZZ versuchen zu verstehen, warum die Tschechen, denen es eigentlich recht gut geht, einem Populisten zum Erfolg verhelfen. In der NZZ beschreibt Serhij Zhadan die schwierige Suche der Ukrainer nach sich selbst. In der FAS reflektiert die Autorin Emma Cline die Zwangslage vieler Frauen nach sexuellen Belästigungen. Im Tablet Magazine geißelt Bernard Henri Lévy die mangelnde Solidarität der westlichen Länder mit den Kurden. Spiegel Online erzählt, wie China Orwells Visionen wahr macht.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.10.2017 Die NZZ begreift mit Camille Henrot im Pariser Palais de Tokyo die Trauer des Phallus-Trägers. Die SZ betrachtet mit Anita Rée in der Hamburger Kunsthalle die isolierte Frau. In der FAZ nimmt Alena Wagnerova noch einmal die Journalistin und Kafka-Geliebte Milena Jesenská in den Blick. Der Standard empfiehlt den Machern des Humboldt-Forums einen Besuch im Wiener Weltmuseum. Die FAS pocht in der Debatte um Dominik Grafs RAF-Tatort auf das Prinzip des fiktionalen Erzählens.
Medienticker
23.10.2017 Aktualisiert: Echo Moskwi: Radiojournalistin in Moskau niedergestochen - Auflagenzahlen der Regionalzeitungen - Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Die "Staatsfunk"-Kampagne wird weitergehen - Can Dündar ist Europäischer Journalist des Jahres 2017 - Buchhandels-Petition Charta 2017: Mediale Aufmerksamkeit durch Weglassen von Fakten & Suggestion - Fake & News?: Bernd-Jürgen Fischer über Mysteriöse Briefe vom Spin-Dr. Proust - Autoren-Wettstreit: Gesucht Deutschlands Poetry-Slam-Meister + Fünf Kanal-Tipps: Schlauer werden mit YouTube.
Bücherschau des Tages
23.10.2017 Erschüttert liest die SZ Ibram X. Kendis Geschichte des amerikanischen Rassismus "Gebrandmarkt". Erhellend findet sie auch Wolfgang Kraushaars "Die blinden Flecken der RAF". Die FR ist hingerissen von all den Knalltüten, gegen die Jean Echenoz "Unsere Frau in Pjöngjang" antreten lässt. Und die FAZ amüsiert sich prächtig mit Clementine Beauvais' witziger Roadnovel "Die Königinnen der Würstchen": Die junge Mireille macht sich darin auf Suche nach ihrem Vater, der die Mutter wegen einer mächtigeren Frau verlassen hat.
Dienstag, 24.10.2017
Magazinrundschau
24.10.2017 Emmanuel Carrère studiert für den Guardian die Verführungskunst Emmanuel Macrons am lebenden Objekt. La regle du jeu denkt über den feinen Unterschied zwischen Verführung und Belästigung nach. In Eurozine erklärt Slavenka Drakulic den Katalanen, was es braucht, um einen Bürgerkrieg auszulösen. Die London Review würdigt Mut, Verstand und Genie der vor 100 Jahren geborenen Carson McCullers.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.10.2017 In Stuttgart hatte Humperdicks Märchen- und Hungeroper "Hänsel und Gretel" Premiere - ohne den inhaftierten Regisseur Kirill Serebrennikow. SZ, Welt und FAZ loben den engagierten und bewegenden Abend. Die NZZ lernt auch: Wir Konsumenten sind die Knusperhexe. Der Standard betrachtet mit Thomas Bayrle im Wiener MAK das Faszinosum kapitalistischer Massenproduktion. Die FR bemerkt, dass auch in Zombie-Serien Frauen eine andere Rolle spielen. Und im Zeit Magazin bedauert der Gestalter Tom Dixon, dass niemand mit ihm einen Design-Sarg bauen will.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.10.2017 Die Diskussion um den Fall Harvey Weinstein ist noch nicht ausgestanden. Heike-Melba Fendel äußert in Zeit online ihr Unbehagen über die Berichterstattung und ihre Bebilderung. Juliette Binoche spricht in Le Monde über die Verletzlichkeit von SchauspielerInnen und die Stärken, die sie brauchen. Und Brit Marling erzählt in Atlantic, warum sie die Kraft fand, Weinsteins Hotelzimmer schlicht zu verlassen. Politico.eu blickt mit Erstaunen auf den offiziellen Geldsegen, der auf die AfD wartet. Die FAZ setzt sich für Open Data ein.
Medienticker
24.10.2017 Aktualisiert: Maulkorb für die Pressefreiheit: Sechs Journalisten in der Türkei angeklagt - "In was für einer Welt, verdammt noch mal, wollen wir leben?", fragen sich Gila Lustiger & Didier Eribon - Auflagensteigerung: New Yorker verkauft 400.000 Exemplare - Linksliberalismus: "Das Magazin (New York Review of Books) soll Republik sein, keine Monarchie", sagt Ian Buruma - Messe-Tumulte: Kampfplatz & Kulturkampf - 238 Städte buhlen um Amazon & seine Milliarden + Verlags-Singularität: "Alle fischen im selben Teich".
Bücherschau des Tages
24.10.2017 Die NZZ arbeitet sich durch Bernd Roecks Trumm "Der Morgen der Welt", mit 1300 Seiten keine leichte Kost, dafür nicht weniger als eine Geschichte der Renaissance nach dem Ende des Eurozentrismus. Die FAZ lernt mit dem Band "Spionage unter Freunden", was alles geht und schon immer ging. Die SZ liest Gedichte von Uwe Kolbe. Und die taz erlebt mit Michael Rutschky noch einmal den großen Aufbruch "In die neue Zeit".
Mittwoch, 25.10.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
25.10.2017 Die Donaueschinger Musiktagen fordern den Kritikern starke Nerven ab: Die FAZ durchsteht eine halbe Stunde den Lärm von Düsenjets, kapituliert aber bei Yoga-Musik. Auf ZeitOnline berichtet Ulrike Draesner aus dem behäbig-lässigen Finnland. Die SZ nimmt die Kulturarbeit der CIA in den Blick. Und die NZZ erkennt, warum das queer-feministische PorYes-Festival eine geschlossene Veranstaltung bleibt.
9punkt - Die Debattenrundschau
25.10.2017 An tunesischen Schulen herrscht Unruhe, berichtet das Blog Nawaat.org: Schülerinnen wollen die für sie vorgeschriebene unkleidsame Schürze nicht mehr tragen. Die Debatten um #MeToo gehen weiter. In amerikanischen Medien zirkuliert ein Papier über "Shitty Media Men". Erstes Opfer ist Leon Wieseltier, der eine Zeitschrift gründen wollte und nun kein Geld mehr bekommt. In der NZZ spricht György Dalos über seinen marxistischen Phantomschmerz. Und in China ist die große Ära des "Xi-Jinping-Denkens" angebrochen. FAZ und SZ suchen eine Erklärung.
Medienticker
25.10.2017 Aktualisiert: Springer mit neuem Kurs-Allzeithoch - Tageszeitungen: Print schrumpft unaufhaltsam - Vertrauen in Medien: Müssen Journalisten transparenter arbeiten? - Neue Urteile: Wer verlinkt, muss nicht immer prüfen - Türkei: Prozessbeginn gegen Peter Steudtner - EU-Parlament will Whistleblower besser schützen . Polizei: Von NDR-Journalisten Herausgabe von TV-Material gefordert - Eugen Gomringer zum "Avenidas"-Streit: "Kommt mir vor wie eine Säuberung" - Digitale Plattform über die Brüder Grimm & Digitaler Winterschlaf - Verbergen & preisgeben: Immer schweigt das Tagebuch Thomas Manns + Nachruf: Fats Domino ist tot.
Bücherschau des Tages
25.10.2017 Die FAZ lernt von Remo H. Largo, wie man Anpassungsdruck widersteht. Die NZZ lässt die Gedanken schweifen mit Sandor Lenards alltagsgeschichtlichen Erinnerungen an das faschistische Rom und Eliot Weinbergers intellektuellen Streifzügen durch die Jahrhunderte. Die SZ schluckt mit Angel Santiestebans Geschichten aus Kuba eine kräftige Dosis harscher Realität.
Donnerstag, 26.10.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
26.10.2017 Die Debatten um sexuellen Missbrauch gehen weiter: Die SZ bringt eine Reportage über eine große Gruppe von Männern zumeist pakistanischer Herkunft, die in verschiedenen britischen Städten mehr als tausend junge Mädchen jahrzehntelang sexuell missbraucht und zwangsprostituiert hatten. In Paris protestieren Feministinnen laut Libération gegen eine geplante Roman-Polanski-Retro der Cinémathèque, diese verwahrt sich gegen den "Zensurversuch". Die FAZ empfiehlt eine Arte-Reportage über den jüdischen Jungen, der in Berlin von antisemitischen Mitschülern gequält wurde. Die FAZ stellt auch den Diskurs über Katalonien als bloßes Opfer des Franco-Regimes in Frage.
Efeu - Die Kulturrundschau
26.10.2017 Die NZZ feiert zwei Opernproduktionen zum Mitdenken: Peter Konwitschnys "Penthesilea" und Stefan Herheims "Wozzeck". Die Zeit geht mit einem Feuerzeug einen Pelz kaufen. Im Blog Das Schema ärgert sich Kurt Scheel über die Lobeshymnen für Berlin Babylon. In der taz erklärt die Cutterin Monika Willi Michael Glawoggers Verhältnis zum Realen. Die Musikkritiker trauern um Fats Domino.
Medienticker
26.10.2017 Aktualisiert: Zeitschriften-Anzeigenmarkt: Nachrichtenmagazine verlieren, Wochenzeitungen gewinnen - Münchner Medientage: Burdas Bullshit & Nicht konsequent, nicht kreativ: Sascha Lobo liest Verlagen die Leviten - Istanbul: Peter Steudtner auf freiem Fuß - Dresden-"Tatort": Wenn Rechte als Helden auftreten - Erste große Biographie: Michael Opitz auf den Spuren Wolfgang Hilbigs - Fats Domino: Einer der Evangelisten des Rock'n'Roll + Blockbuster Ausstellung: Cézanne in der National Portrait Gallery.
Bücherschau des Tages
26.10.2017 Die FAZ katapultiert sich mit Robert Harris' "München" zurück ins Jahr 1938 und mit Ignacy Karpowiczs Roman "Sońka" ins von den Deutschen besetzte Polen. Die SZ lässt sich von Jean Echenozs "Frau in Pjöngjang" umgarnen. Die FR zieht mit Jean-Marie Blas de Robles fröhlich nach Tibet. Die NZZ klärt mit Charles Lewinsky einen Mord im Kreis der "Eidgenössischen Demokraten". Die Zeit lässt sich von Christian Lindner die Zukunft des Liberalismus erklären.
Freitag, 27.10.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
27.10.2017 Im Tagesspiegel prangert Klaus Rasch, dessen Frau in Berlin ermordet wurde, das Berliner Staatsversagen an. Bei Zeit online begrüßt der Raul-Hilberg-Biograf René Schlott die von Götz Aly angestoßene Auseinandersetzung um das Institut für Zeitgeschichte. In der Welt ruft Necla Kelek dem Anwalt Johnny Eisenberg, der ihr verbieten will, eine Berliner Moschee salafistisch zu nennen, ein "Allahu akbar, Herr Anwalt" zu. Die Académie française hat laut Figaro einen Brandbrief gegen die "inklusive Schreibung" veröffentlicht, die eine "tödliche Gefahr" für die französische Sprache darstelle.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.10.2017 Zwei Ausstellungen würdigen zwei große Schweizer Fotografen: Robert Frank und Jakob Tuggener. Das Weltmuseum Wien hat eröffnet, der Tagesspiegel war dabei. taz und Welt verstehen den Salafismus auch im neuen ZDF-Mehrteiler "Bruder - Schwarze Macht" nicht. Dürfen "weiße" Autoren überhaupt über Muslime schreiben, fragt die Welt. Die neue musikzeitung versinkt beim Luther-Oratorium in Halle in einer weichen Decke von Klängen. Die SZ feiert Grace Jones. Alle trauern um Silvia Bovenschen.
Medienticker
27.10.2017 Aktualisiert: Push-Nachrichten: Eil-Meldungs-Verwirrung - Quartalszahlen für Google & Amazon - Die Münchner Medientage suchen die Zukunft des Journalismus & Aufbruchstimmung am rechten Rand - Fotojournalismus: Preisverfall in der Bildbranche - Russland: Zeitung will Journalisten mit Waffen ausstatten - An das Buch: Jochen Jung über das Berühren von Büchern & Buchhändler als Autoren - Nora Gomringer: " Das Internet ist eine Gnade für die Literatur" + Schreiben mit "grimmiger Heiterkeit": Silvia Bovenschen im Gespräch.
Bücherschau des Tages
27.10.2017 Gerührt liest die FAZ, wie Karl Schlögel so liebevoll wie ein Vergil die Sowjetunion wieder ausgräbt. Interessiert liest sie auch einen Sammelband mit Analysen zur Migrationspolitik der Linken in ganz Europa. Die SZ erfährt bei Maurice Philip Remy, wie die Behörden im "Fall Gurlitt" versagten. Außerdem bespricht sie Kinder- und Jugendbücher: Von Peter Wohlleben lernt sie, wie man Kindern den Wald schmackhaft macht. Die NZZ führt mit Florjan Lipus ein seelenruhiges Selbstgespräch über Lust und Leid. Und die FR staunt, wie die Fotografin Mihaela Noroc in ihren Porträts Kulturgrenzen verschwinden lässt.
Samstag, 28.10.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
28.10.2017 Die FR lobt Claus Räfles Nazi-Drama "Die Unsichtbaren - Wir wollen leben" als Ausnahme der Ausnahmen. Die Welt fragt sich, warum der Literaturbetrieb ein so gestörtes Verhältnis zu Dichtern hat. Die nachtkritik vertieft sich in die Seestadt-Saga, eine Social-Media-Serie des Wiener Schauspielhauses. Zeit online fragt, warum prämierter Jazz zu sperrig fürs Fernsehpublikum sein soll. Die taz bringt ein letztes Interview mit Silvia Bovenschen.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.10.2017 Katalonien hat seine Unabhängigkeit erklärt, Madrid will Neuwahlen. Die taz schildert den dramatischen Moment. Politico.eu notiert, dass die EU zu Spanien steht. Im New Yorker legt Ronan Farrow nach und präsentiert neue Opfer, die Harvey Weinstein schwere Vorwürfe machen. In der FAZ zieht Dieter Grimm der Religionsfreiheit Grenzen. Die NZZ kommt auf Alain Finkielkrauts Buch "Die Niederlage des Denkens" von 1987 zurück - eine noch heute aktuelle Kritik am Multikulturalismus.
Bücherschau des Tages
28.10.2017 Die taz beugt sich gespannt über Pascale Kramers Autopsie eines erst linken, dann rechten Vaters. Die FAZ folgt dem Weg der Tomate von der Aussaat bis auf unseren Teller. Die FR empfiehlt György Dalos' Buch über den "Letzten Zaren". Die Welt freut sich über eine Gesamtausgabe von H. P. Lovecrafts fantastischem Werk.
Montag, 30.10.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
30.10.2017 Der Guardian kommt in zwei Artikeln auf die russische Propanda pro Trump in den amerikanischen Wahlen zurück. Die Auflösung der Grenzen zwischen Werbung und Inhalt war dabei ein Hauptproblem, meint Emily Bell. Der Tagesspiegel trifft auf den krassen Wahn der "Reichsbürger". Im Standard empfiehlt der Kulturhistoriker Wolfgang Müller-Funk, Joseph Roth zu lesen um die Oktoberrevolution zu verstehen. Zeit online bringt ein flammendes Plädoyer für mehr öffentlich-rechtliches Fernsehen.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.10.2017 München bekommt sein lang ersehntes Konzerthaus. Die SZ ist sehr zufrieden mit den Entwürfen für eine Kathedrale der Musik, die vielleicht auch Gewächshaus wird. Die Berliner Zeitung findet, man muss Münchner sein, um sich über reine Klimatechnik freuen zu können. Die NZZ erlebt am Hamburger Schauspielhaus, wie sich Ilse Ritter in Elfriede Jelineks Trump-Stück "Am Königsweg" gegen den dreieinhalb Stunden grausame Großmannssucht stemmt. Und die FAZ bringt Jan Wagners Eloge auf den nach Fisch stinkenden Georg Büchner.
Medienticker
30.10.2017 Aktualisiert: Studie: 2016 wurden 102 Journalisten getötet - 69 Gründe für den Untergang des Qualitätsjournalismus - Türkische Presse verfälscht Aussagen & Erdogan verfolgt in Deutschland lebende Wissenschaftler - Belgrad: Proteststurm gegen Herta Müller - Poetische Influencer: Instagram der Inkubator einer neuen Literatur? - US-Verlage mit Umsatzplus & Amazon mit mehr Gewinn - Audiovisuellen Erbes: Nur Analoges hält tausend Jahre - Vor 70 Jahren war Bert Brecht vor dem "Komitee für unamerikanische Umtriebe" + Reformationsjubiläum: Einfach mal die Tinte halten!
Bücherschau des Tages
30.10.2017 Die SZ ist ganz erschlagen von Bachtyar Alis kurdischem Epos "Die Stadt der weißen Musiker", das vom Zauber des Flötenspiels erzählt, von Hoffnung, Gerechtigkeit und Schönheit. In der Realität landet sie mit dem Band "Flucht", in dem drei Journalisten der Presse die Flüchtlingskrise aus österreichischer Perspektive rekonstruieren. Die FAZ lernt von Bruno S. Frey und David Iselin den ungezwungenen Umgang mit ökonomischen Theorien.