Dienstag, 01.04.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
01.04.2025 Die SZ legt in Rom den Menschendenker Caravaggio hinter dem Rebellen frei. Die FR betrachtet in Berlin fasziniert launische Streptomyceten auf Erbsenpflanzen, die Kathrin Linkersdorff auf Fotografien bannt. In der NZZ ruft der Filmproduzent Martin Moszkowicz dazu auf, mehr in deutschen Film zu investieren, auch weil er gern mehr verdienen würde. FAZ und FR trotzen in Frankfurt dank Daniela Löffler mit Aribert Reimanns letzter Oper dem Tod. Die SZ verneigt sich vor der norwegischen Virtuosin Vilde Frang, die Robert Schumanns Violinkonzert von 1853 die lange versagte poetische Noblesse zurückgab.
Magazinrundschau
01.04.2025 Die LRB beschreibt die totale staatliche Überwachung in Chinas Xiong'an New Area. Ein Vorbild Donald Trumps ist Viktor Orban: In The Atlantic prophezeit Anne Applebaum den Amerikanern denn auch ungarische Stagnation, ungarische Korruption und ungarische Armut. Der New Yorker porträtiert den einzigen Mann, der das vielleicht verhindern kann: John Thune. In Desk Russie zählt die französische Historikerin Francoise Thom die Gefälligkeiten auf, die Trump bereits Putin erwiesen hat. Der Guardian blickt mit einer versteckten Kamera auf den dänischen Traum.
9punkt - Die Debattenrundschau
01.04.2025 Marine Le Pen wurde schuldig gesprochen und darf nun fünf Jahre nicht mehr bei einer Wahl antreten. Die Partei könnte dadurch weiter radikalisiert werden, fürchtet die taz. Die Verurteilung zeigt, dass der Aufstieg des Rechtsextremismus vom Rechtsstaat aufgehalten werden kann, glaubt derweil die SZ. Bei Zeit-Online erklärt der Politikwissenschaftler Stephen Walt, warum er Donald Trump für einen "Neandertaler-Realisten" hält. Der amerikanische Imperialismus gegenüber Grönland ist eine strategische Katastrophe für die USA, ruft Timothy Snyder im Guardian.
Bücherschau des Tages
01.04.2025 Die FAZ fühlt sich bestens unterhalten von Simon Ravens "sardonisch-gemeiner" Gesellschaftssatire "Die Überlebenden". Mit Roland Lochte macht sie sich Gedanken über die Rolle des Westens im Afghanistan-Krieg. Die NZZ schmökert in den Gedichten Mascha Kalékos, herausgegeben von Daniel Kehlmann. Die SZ zieht sich mit Katharina Köllers Roman "Wild wuchern" in ein vermeintliches Tiroler Berg-Idyll zurück. Dlf Kultur reist mit Hartmut Lange zu den Gladiatoren, den Medici und Goethe - und findet überall Mord und Totschlag.
Mittwoch, 02.04.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
02.04.2025 Ist das Urteil gegen Marine Le Pen nun gut für die Demokratie oder nicht? Einerseits ist es ein wichtiges demokratisches Symbol, andererseits könnte es auch Verschwörungstheorien Aufschub geben, überlegt die taz. In der NZZ hegt der Schriftsteller Ismail Güzelsoy leise Hoffnungen, dass sich durch die massiven Proteste in der Türkei etwas am Status quo ändert. Erdogan diplomatisch die kalte Schulter zu zeigen, wird nicht helfen, denken derweil die Ruhrbarone. Die FAZ berichtet über das israelische "Katargate".
Efeu - Die Kulturrundschau
02.04.2025 Heute vor hundert Jahren wurde Hans Rosenthal geboren. Das ZDF würdigt den Moderator mit einem Biopic von Oliver Haffner, das die Welt als Momentaufnahme eines Lands im Umbruch empfiehlt. Mohammad Rasoulof wird weiter Filme über den Iran und die Lügen des Regimes machen, berichtet er der FAZ, zur Not von Deutschland aus. Die deutschen PEN-Dependancen sollen amerikanischen Autoren Asyl anbieten, schlägt Nora Gomringer ebenfalls in der FAZ vor. Nacktheit und geistliche Musik passen erstaunlich gut zusammen, lernt die FR in einem humorvollen Tanzstück von Emese Cuhorka und Csaba Molnár.
Bücherschau des Tages
02.04.2025 Die SZ singt Hymnen auf Kaveh Akbars Debütroman "Märtyrer!", in dem ein Dichter mit dem Dschihad liebäugelt. Die FAZ taucht ein in Urszula Honeks Dorfroman "Die weißen Nächte" und findet ein magisch-realistisches Panorama voller Licht und Dunkelheit. Von Ingo Dachwitz und Sven Hilbig lässt sie sich erklären, wie große Techkonzerne neue Formen kolonialer Abhängigkeit geschaffen haben. Die FR liest bewegt Fernando Aramburus Roman "Der Junge" über ein tragisches Unglück im Baskenland im Jahr 1980. Die NZZ begegnet bei Helene Hegemann Berliner Druffis, Hipstern und einer unheimlichen Doppelgängerin.
Donnerstag, 03.04.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
03.04.2025 Nach der Raubkunst-Affäre in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen entlässt Bayerns Kulturminister Markus Blume deren Generaldirektor Bernhard Maaz, verkündet die SZ. Es lag noch viel mehr im Argen, mutmaßt die FR. Die taz würde im Berliner Haus am Waldsee gern an Ull Hohns schwefelgelben Gemälden über amerikanischen Kolonialismus lecken. Die Zeit fühlt sich unwohl, wenn Blixa Bargeld von Claudia Roth das Bundesverdienstkreuz erhält. Und alle trauern um Hollywoods leuchtenden Boomer Val Kilmer.
9punkt - Die Debattenrundschau
03.04.2025 Gestern hat Donald Trump für alle Länder Zölle angekündigt - mit einer Ausnahme: Russland. Im Zeit-Online-Interview erklärt der Ökonom Maurice Obstfeld, warum das für die USA wirtschaftlich eigentlich schlecht ist. In der SZ hofft der Protestforscher Tareq Sydiq , dass der Widerstand in den USA zunehmen wird. In der FAZ glaubt der Historiker Joseph de Weck, dass die "europäische Wende" den europäischen Populisten ihr Handwerk erschwert. Die Welt beleuchtet den Einfluss der 68er-Rhetorik auf den Front National.
Bücherschau des Tages
03.04.2025 Die FAZ bewundert die poetische Prägnanz von Nadja Küchenmeisters Langgedicht "Der Große Wagen". Die FR sucht mit Hartmut Lange die Kunst auf einer Zeitreise vom Römischen Reich bis nach Auschwitz. Die Zeit begibt sich mit Christoph Hein auf "Das Narrenschiff" namens DDR. Dlf Kultur empfiehlt Giselle Clarksons Kindersachbuch "Schau genau hin!", dass Käfer, Schmetterlinge und Insekten unter die Lupe nimmt.
Freitag, 04.04.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
04.04.2025 Jetzt nur nicht Realist sein, ruft Gustav Seibt in der SZ, zumindest nicht im Sinne geopolitischer Zyniker, die nur halb verstanden haben, wie "Macht" funktioniert. Nicht nur im Wirtschaftsteil der FAZ rauft man sich die Haare angesichts der Pi-mal-Daumen-Formeln, mit denen Donald Trump die Weltwirtschaft in den Abgrund reißt. FAZ und FR bedauern, dass Omri Boehm nicht in Buchenwald reden darf. Und die SZ beobachtet Habermas-Schüler, die begreifen wollen, warum ihre Theorie nicht funktioniert hat: Düster und hilflos in Nymphenburg.
Efeu - Die Kulturrundschau
04.04.2025 Die Raubkunst-Affäre in Bayern zieht immer weitere Kreise: FAZ, SZ und NZZ vermuten, dass Bernhard Maaz als Sündenbock für das Fehlverhalten von Minister Markus Blume herhalten muss. Wie schwierig es war, im Nachwende-Osten aufzuwachsen, lernt der Tagesspiegel von Constanze Klaues Film "Mit der Faust in die Welt schlagen" nach dem Roman von Lukas Rietzschel. Kader Attous "Prélude" überzeugt die FR auf dem Tanzmainz-Festival durch seine Rhythmusbetontheit. SpOn kann in der Debatte um den Preis der Leipziger Buchmesse an Kristine Bilkau nicht nachvollziehen, woher der Vorwurf kommt, männliche Kritiker würden ihr den Preis nicht gönnen.
Bücherschau des Tages
04.04.2025 Die FAZ blickt mit den Historikern Sören Urbansky und Martin Wagner auf das komplexe Verhältnis zwischen China und Russland seit dem 17. Jahrhundert. Die SZ bewundert, wie Martin Prinz in seinem Roman über die letzten 41 Tage des Zweiten Weltkriegs in Österreich gegen das Vergessen anschreibt. Außerdem empfiehlt sie Wanda Dufners wunderbar ausufernde Graphic Novel über eine Teenager-Schwangerschaft. Die taz reist mit Helge Timmerberg im alten Benz nach Marokko. Der Dlf umkreist mit Kathrin Bach "German Angst" in all ihren Spielarten.
Samstag, 05.04.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
05.04.2025 In der SZ erklärt die israelische Soziologin Eva Illouz, nachdem ihr aufgrund einer Unterschrift unter einer Petition von Israels Bildungsminister Yoav Kish der Israel-Preis verweigert wurde, sich dem "autoritären Regime" weiterhin zu widersetzen. In der Berliner Zeitung bekundet Jens-Christian Wagner, Direktor der Gedenkstätte Buchenwald, indes sein Entsetzen darüber, dass er gedrängt wurde, Omri Boehm nicht sprechen zu lassen. In FAZ, Welt und taz diskutieren die amerikanischen Professoren Jason Stanley, Marci Shore und Russell A. Bermann über Trumps Kulturkampf an US-Unis. Und die taz erzählt, was Radio Free Europe für die Meinungsfreiheit in Kasachstan bedeutet.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.04.2025 Im Perlentaucher protestiert der Schriftsteller Christian Kortmann gegen die schlechten Bedingungen, die sogenannte Schriftstellerstipendien und Stadtschreiberstellen bieten. Das Kino ist heute nicht mehr so frei wie früher, klagt der italienische Regisseur Paolo Sorrentino in der WamS. In der FAZ schwärmt der slowakische Schriftsteller Michal Hvorecký von der atemberaubenden Schönheit der Cecilia Gonzaga, die Donatello in einer Büste verewigt hat, zu sehen im slowakischen Zips.
Bücherschau des Tages
05.04.2025 Die FAZ tanzt mit dem neuen Roman von Patrick Modiano durch Paris. Die FAS versteht Mary Shelleys Roman "Mathilda" über Inzest zwischen Vater und Tochter als Kommentar "zur monströsen Aggression literarischer Empfindsamkeit". Die SZ wird in Andreas Langers Science-Fiction-Roman "They are everywhere" von Robotern gejagt und kommt bei den Amischen und den Ludditen vorbei. Die taz hört in Liz Moores Krimi "Der Gott des Waldes" das "Knirschen im Sozialgefüge". Die Welt ergründet mit Ilka Quindeau den Zusammenhang zwischen "Psychoanalyse und Antisemitismus".
Montag, 07.04.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
07.04.2025 Die SZ druckt die Rede, die Omri Boehm in Buchenwald gehalten hätte, wenn er nicht ausgeladen worden wäre. Es geht um Frieden. In der NZZ beschreibt Sergej Lebedew, wie Putin Krieg macht: Sein Sieg besteht nicht unbedingt in militärischen Eroberungen. In der SZ malt Voker Weiß ein sehr düsteres Szenario der kommenden politischen Verwerfungen im Zeichen von Trumps Machtpolitik. Die FR erzählt, wie auch die Traditionsmedien von Künstlicher Intelligenz profitieren können.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.04.2025 Die SZ ist Schorsch Kamerun dankbar, dass er in seiner Musik-Revue "Große Gewinne Schwere Verluste" am Deutschen Theater Berlin die Hauptstadt mal wieder in purer Lebensfreude erstrahlen lässt. Die FAZ blickt in einer Ausstellung im Lenbachhaus wehmütig auf die Landschaften vergangener Zeiten. Die taz fühlt sich in Fleur Fortunés Science-Fiction-Film "The Assessment" an Kafka und Mondrian erinnert. Außerdem trauert sie um den Singersongwriter Michael Hurley, der alles mögliche war, aber niemals "career-minded". Die FAS greift eine amerikanische Kunstdebatte auf: Ist es reaktionär gegen "woke" zu sein?
Bücherschau des Tages
07.04.2025 Die SZ löst mit dem japanischen Phantom-Autor Uketsu ein hochspannendes Bilderrätsel. Die FR schwelgt mit Patrick Modiano in melancholischer Erinnerung an "Die Tänzerin". Die NZZ wird von Urszula Honek in "Die weißen Nächte" in die rauhe Welt eines polnischen Bergdorfes versetzt. Die SZ entziffert mit Georgi Demidows Roman "Zwei Staatsanwälte" Handschriften aus dem stalinistischen Straflager. Die taz beugt sich über bisher unveröffentlichte Gedichte von Rolf-Dieter Brinkmann.
Dienstag, 08.04.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
08.04.2025 Der Streit um Omri Boehm geht weiter: In der NZZ fragt Michael Wolfssohn mit Blick auf Boehm, warum man ausgerechnet an einem Gedenktag die Trauernden belehren will. Die FAZ hätte die Rede nicht weiter gestört, fand sie aber auch etwas unklar. Für Europas Rechte entwickelt sich Donald Trumps Wahlsieg langsam zu einem echten Problem, stellt der Spiegel fest. Die Welt fragt, was "Asylbewerbende" sind.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.04.2025 Die FAZ berichtet von der russischsprachigen Buchmesse "Berlin Bebelplatz", die vor allem literarischen Dissidenten Gehör verschaffen will. Die SZ hängt in einer Bochumer Ausstellung auf dem "Hug Sofa" der Künstlerin Valentina Karga ab und schaut sich dabei Videos vom Klimawandel an. Die FR würde in einer Wiesbadener Inszenierung des "Barbiers von Sevilla" am liebsten mit Nikolaus Habjans Puppen über die Bühne fliegen. Und die NZZ macht in einer Zürcher Ausstellung über die frühen Techno-Jahre die Nacht zum Tag. Und Peter Handke ist sich in der NZZ sicher: Europa hat Selenski zum Krieg ermuntert...
Magazinrundschau
08.04.2025 Elon Musks Politik ist eigentlich die seines Großvaters Joshua Halderman, erklärt die New York Times. Ceska Televize lernt aus einem neuen Buch, dass der tschechische Kultautor Egon Bondy ein Stasispitzel war. Der Merkur rekonstruiert die jüngere Geschichte der politischen Rechten Dänemarks. Der New Yorker erzählt, wie in Brasilien ein Richter die sozialen Medien in ihre Schranken weist. Osteuropa erklärt, welche Kritiker Putin willkommen sind. New Lines erzählt, wie Polen in Uganda die rassistischen Hierarchien der Briten durcheinander brachten.
Bücherschau des Tages
08.04.2025 Die FAZ blättert fasziniert in den Gedichten des russischen Schriftsteller Sergej Sawjalow, der europäische Antike und die Kultur der finno-ugrischen Mordwinen verwebt. Die taz amüsiert sich mit Titiou Lecoqs Balzac-Biografie, die Balzacs Talent zum Bankrott und seinen Größenwahn in den Blick nimmt. Die FR folgt Michael Thumann auf seiner Reise von Moskau nach Berlin, nach Georgien und die baltischen Staaten und schaut zurück in die Zeit, als die Russen noch neugierig waren auf den Westen. Dlf Kultur wandert in Anna de Marckens Apokalypse-Roman mit der einarmigen Zombiefrau Geneviève gen Westen.
Mittwoch, 09.04.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
09.04.2025 Im Spiegel verteidigt Natan Sznaider Omri Boehm und plädiert für eine Art Fließgleichgewicht zwischen Universalismus und Partikularismus. Ebenfalls in der FAZ antworten die Politikwissenschaftler Julian Nicolai Hofmann und Oliver Eberl auf Egon Flaig: Keine Opferpflicht des Bürgers ohne Ausgleich und gerechte Ordnung. In der FR stellt Aleida Assmann den palästinensischen Politologen Bashir Bashir vor, der den Nahostkonflikt durch einen egalitären Binationalismus zu befrieden hofft. Warum schweigt die sonst so mitteilungsbedürftige Annalena Baerbock zu den Protesten in Gaza gegen die Hamas, fragen die Ruhrbarone.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.04.2025 Paolo Sorrentinos "Parthenope" ist eine filmische Liebeserklärung an Neapel und an die Schönheit schöner Frauen, in der alles ein bisschen zu üppig geraten ist, wie die taz findet. Wenn Stephen Lawless am Theater Lübeck Wagner inszeniert, wird nicht mehr aus Liebe gestorben, staunt van. Synchronsprecher europaweit schlagen Alarm, berichtet die SZ: KI bedroht ihre Arbeit. Die Welt flaniert in Karlsruhe durch eine Medienkunst-Ausstellung und meint: die klassischen Künste sind irgendwie sinnlicher. Musiker, die sich als Rebellen inszenieren, bringen uns nicht weiter, meint der Jazzer Wynton Marsalis im NZZ-Gespräch.
Bücherschau des Tages
09.04.2025 Die FAZ singt eine Hymne auf den Roman "Nachtgäste" des bosnischen Schriftstellers Nenad Velickovic, der vom Leben im belagerten Sarajewo erzählt. Außerdem gibt sie sich mit Konrad Paul Liessmanns Essay der Plattenspieler-Nostalgie hin. Die NZZ gibt sich mit Emmanuel Carrère auf einen "wilden Trip" durch das von LSD und Verfolgungswahn gesprägte Leben des Science-Fiction-Schriftstellers Philip K. Dick, den vor allem die "Droge Amerika" in den Wahnsinn trieb. Für "stilistisch brillant" erklärt die FR Franzobels Roman "Hundert Wörter für Schnee" über das Schicksal des Inughuit-Jungen Minik, der vom Polarforscher Robert Peary nach New York mitgenommen wird.
Donnerstag, 10.04.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
10.04.2025 In der Zeit eröffnet der Historiker Thomas Gruber einen Zufallsfund: Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld war ab 1942 NSDAP-Mitglied. Der Tagesspiegel wundert sich, dass beim Blick in Unselds Biografie niemand vorher danach gefragt hat. Die FAZ erliegt in Paris dem verwegenen Zauber leuchtender Landmaschinen auf David Hockneys iPad-Malereien. Der Filmdienst empfiehlt Jan Schomburgs ZDF-Serie "Die Affäre Cum-Ex", die auch die Verbindungen zur Politik andeutet.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.04.2025 In der Zeit diskutieren die Historiker Peter Longerich und Frank Bajohr darüber, wie geeint die Deutschen hinter der NSDAP standen. Finstere Zeiten sind für die Redefreiheit angebrochen, konstatiert Omri Boehm im Zeit-Gespräch, und auch um die Erinnerungskultur stehe es schlecht. Im Interview mit der NZZ kritisiert der Philosoph Alain Finkielkraut das Gerichtsurteil gegen Marine Le Pen und wirft der französischen Justiz vor, zu links zu sein. In der FAZ erklärt der Jurist Christoph Möllers, warum das Rechtssystem der USA gegenüber der Politik schwach aufgestellt ist.
Bücherschau des Tages
10.04.2025 Die FAZ blättert angeregt in den Tagebüchern der österreichischen Schriftstellerin und Canetti-Geliebten Friedl Benedikt und möchte nun auch deren schriftstellerisches Werk kennenlernen. Die NZZ schlendert mit Tomasz Rozyckis Glühbirnendieben einen langen kafkaesken Flur im ehemaligen Ostblock entlang. Die Zeit lässt sich von Hubert Winkels vom Aufwachsen am Niederrhein erzählen und staunt, wie gut "Die drei ???" mit Thomas Mann funktionieren. Und der Dlf amüsiert bestens mit Anja Salomonowitz' schrillen Schilderungen aus dem Seniorenheim.
Freitag, 11.04.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
11.04.2025 Die Feuilletonchefs beugen sich über die kulturpolitischen Passagen im Koalitionsvertrag und finden nur weltanschauliche Plattheiten und Hoffnung auf Umwegfinanzierung. Die SZ wundert sich sehr über die Zeit: Anders als Jesus kommt Giovanni Di Lorenzo nicht mit zwölf Jüngern aus. golem.de rechnet aus, was ein Iphone kosten würde, wenn es in Amerika hergestellt würde. Europa ist nicht nur dadurch geschwächt, dass Amerika sich zurückzieht, konstatiert Richard Herzinger im Perlentaucher.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.04.2025 Die Feuilletons diskutieren über Siegfried Unselds NSDAP-Mitgliedschaft: Die FR wundert sich über die späte Entdeckung, die NZZ vermutet gar ein "intellektuelles Kartell des Schweigens". Peter Truschner fragt sich im Perlentaucher, ob Juergen Tellers Auschwitz-Buch den Ort wirklich neu beleuchten kann. Die FR bestaunt im Wallraf-Richartz-Museum die Impressionisten-Sammlung des Ehepaars Brown. Die taz stellt fest: Immer mehr Frauen nehmen die Turntables als DJs für sich ein.
Bücherschau des Tages
11.04.2025 Die FR amüsiert sich prächtig, wenn Margaret Atwood ältere Damen aufs Kritikerpatriarchat loslässt. Der Dlf lässt sich mit dem Soziologen Wolfgang Engler durch ein von Schuld und Scham geprägte ostdeutsches Leben treiben. Dem Literaturwissenschaftler Martin Puchner folgt der Dlf in einer Globalgeschichte der Welt auf den verschlungenen Pfaden des kulturellen Austauschs. Die FAZ vergnügt sich derweil mit den Göttern, die ihr Sarah Iles Johnston vorstellt. Und Dlf Kultur birgt viele zarte Schätze in Katharina Hackers "Handbuch der Traurigkeiten".
Samstag, 12.04.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
12.04.2025 Die FAZ staunt im Gropius Bau über Yoko Ono. Die Literaturkritiker begrübeln Unselds Schweigen über seine NSDAP-Mitgliedschaft. In der FAZ erklärt Jürgen Habermas, er und Kluge hätten aber nichts davon gewusst. Die nachtkritik fragt, ob sie sich gemeint fühlen soll, wenn Emre Akal in seiner Münchner Inszenierung von Fassbinders "Katzelmacher" den Rassismus in die Mittelschicht verlegt. Die taz kann sich in Köln kaum satt sehen an den Kinderspielen aus aller Welt, die Francis Alÿs gefilmt hat.
9punkt - Die Debattenrundschau
12.04.2025 Die taz beleuchtet mit der Figur des Russell Vought die Rolle des "Christlichen Nationalismus" im aktuellen politischen Wahn Amerikas. Die FAZ fragt, ob sich die Demokraten aus der Schockstarre lösen und aus dem Bann des Wokismus befreien können. In der FAS erklärt Evgeny Morozov , wie das neue Oligarchentum in Amerika funktioniert. Und nochmals die taz erklärt die immer schwierigere Lage von ungewollt schwangeren Frauen in Europa.
Bücherschau des Tages
12.04.2025 Dlf Kultur feiert die bekannte Märchen verfremdenden und betörend parfümierten Erzählungen Angela Carters. Die FAZ taucht mit Sidik Fofana in die Welt eines Wohnblocks in Harlem ein. Außerdem lässt sie sich von Wolf Gregis in ein Karfreitagsgefecht mit den Taliban ziehen. Die taz lernt von Riccardo Nicolosi, Putins Kriegsrhetorik ernst zu nehmen. Die SZ amüsiert sich mit Regenwurm und Anakonda, die sich gegenseitig vorstellen. Und lässt sich von Christoph Türcke die "Philosophie der Musik" erklären.
Montag, 14.04.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
14.04.2025 Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa ist tot: Die Zeitungen trauern um einen Autor, der politische Missstände aufgezeigt und mit der "atemberaubenden Vitalität lateinamerikanischer Wirklichkeiten" gespielt hat. Die Welt feiert die Ambivalenz von Stefanie Reinspergers Sissi am Burgtheater, die SZ hingegen nervt der Feminismus in einfacher Sprache von Mareike Fallwickls Stück. Backstage Classical kritisiert die ARD, die klassische Konzerte auf Youtube hochlädt.
9punkt - Die Debattenrundschau
14.04.2025 In der FR erklärt Anetta Kahane mit Blick auf Omri Boehm, warum ihr "Universalismus" nicht behagt. In der FAZ erzählt Heinrich August Winkler, wie die KPD vor hundert Jahren Hindenburg möglich machte. In der NZZ beschreibt der russische Journalist Andrei Kolesnikow die Pathologie des russischen Blicks auf Amerika. Und in der Jungle World spricht Wolfgang Kraushaar über linken Antisemitismus und eine Einstaatenlösung für Israel.
Bücherschau des Tages
14.04.2025 Die Welt kämpft mit Nils Westerboers Science-Fiction-Roman "Lyneham" ethische Kämpfe über Naturbeherrschung durch den Menschen aus - aber in einer fernen Galaxie. Dlf erfährt von Michael Thumann, warum die Stadt Kaliningrad Immanuel Kant kurzerhand zum Russen erklärte. Die SZ lernt von Gunilla Buddes Biografie über Jutta Limbach, was emanzipatorischer Mut bedeutet. Dlf Kultur vertieft sich in Raimund Schulz' Globalgeschichte der Antike.
Dienstag, 15.04.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
15.04.2025 Gerade jetzt ist die Zeit gekommen, nicht mehr über die Nazizeit zu schweigen, sagt Psychologe Louis Lewitan in der FR. Die humanitäre Krise im Sudan verschärft sich mit jedem Tag, warnt die SZ. In Meduza erfahren wir, wie sich der russische Diskurs über Amerika ändert, welches Putins Propagandisten unter Trump in viel rosigerem Licht erscheint. Und die taz sagt Ja zu "Ja heißt Ja".
Efeu - Die Kulturrundschau
15.04.2025 Der Berliner Senat überlegt, die ehemaligen Ost-Berliner Theater umzustrukturieren, berichtet die taz, Theatermacher bangen um ihre Jobs. Die NZZ lässt sich in London von Tuschezeichnungen Victor Hugos auf Wendeltreppen in die Hölle führen. Die FAZ zeichnet Mario Vargas Llosas Wandel vom glühenden Linken zum passionierten Liberalen nach.
Magazinrundschau
15.04.2025 Atlantic staunt über den geradezu maostischen Kulturkampf, den Donald Trump gegen die "Kreative Klasse" entfacht hat. Dabei ist die "Kreative Klasse" jetzt auch noch von KI bedroht, lernt der New Yorker. La vie des idees erzählt von dem Gerücht, weiße Franzosen würden afrikanischen Männern ihren Penis stehlen. New Lines berichtet aus dem gefährlichsten Flüchtlingslager der Welt. In der Public Domain Review findet die Historikerin Eva Miller die ersten Wolkenkratzer im alten Babylon. Aktualne würdigt den in Bergen-Belsen ermordeten tschechischen Maler und Dichter Josef Čapek. Die LRB erkundet das saure Verhältnis der Grönländer zu Dänemark.
Bücherschau des Tages
15.04.2025 Die FAZ folgt Feridun Zaimoglu auf eine "phantasmagorische Trauer-Reise" in die Türkei. Außerdem wird sie von Zach Williams wie in einem David-Lynch-Film aus dem Alltag ins Absurde katapultiert. Die FR empfiehlt Pierre Jarawans Roman "Frau im Mond", der strukturiert ist wie ein gutes Baklava. Und Dlf Kultur ist völlig begeistert von Heike Geißlers philosophischen Gedanken übers "Arbeiten".
Mittwoch, 16.04.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
16.04.2025 Im Sudan hat der Bürgerkrieg mit der Verwüstung des größten Flüchtlingslagers in Darfur durch die RSF einen schaurigen Höhepunkt erreicht, berichten taz und Zeit. Europa (und der Rest der Welt) wirft einen Blick und widmet sich dann wieder Donald Trump. Auch die Demokratiebewegung in Georgien interessiert hier kaum: Nimmt Europa seine eigenen Versprechen ernst, fragt in der FAZ der Literaturwissenschaftler Zaal Andronikaschwili. In der SZ staunt Steven Pinker über die komplette Verachtung der Wissenschaft durch Donald Trump. In der Zeit kritisiert die Politologin Martyna Linartas unsere Erbengesellschaft.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.04.2025 Die FAZ ist hin und weg von Nadezhda Karyazina, die sich in Simon McBurneys Salzburger "Chowanschtschina"-Inszenierung bis in größte Gottesnähe singt. Die Zeit ist irritiert, dass manch einer Siegfried Unselds NSDAP-Mitgliedschaft als Nebensächlichkeit abtun will. "Liebe", ein Film des Berlinale-Gewinners Dag Johan Haugeruds, ist zwar literarisch grundiert, findet jedoch zu einer sinnlichen Sprache des Kinos, freut sich der Filmdienst. Die Feuilletons verabschieden sich von Peter Seiffert - der weltweit gefeierte Tenor war ein Wagner-Held aus dem Bilderbuch, findet die Welt.
Bücherschau des Tages
16.04.2025 Die Zeit kauft sich ein Retromotorrad und fährt mit Ulf Erdmann Zieglers Helden Aldus Wieland Mumme vor einer Lebenskrise davon. Die FAZ schwärmt von der "Leichthändigkeit und Grandezza", die Anne Tyler auch in ihrem neuen Roman "Drei Tage im Juni" beweist. Die FR lobt Jörg Baberowskis Buch über den Zerfall des russischen Zarenreichs im Revolutionsjahr 1917. Dlf Kultur setzt sich mit Sara Mesa gegen den Kontrollwahn eines Familienvaters zur Wehr. Und Dlf planscht mit Clemens J. Setz' "Mopsfisch" im Meer.
Donnerstag, 17.04.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
17.04.2025 Siegfried Unseld hat seine NSDAP-Mitgliedschaft nicht verschwiegen, finden zwei Forscher aus Marbach für die FAZ heraus. Die Zeit hält an ihrem Blick auf die Sache fest und kritisiert sein späteres Schweigen. Die SZ blickt in der Bundeskunsthalle Bonn in die bis heute nachwirkenden Abgründe der Lebensreformbewegung, von denen deutsche Institutionen lieber nicht allzu viel wissen wollen. Die Filmkritiker erleben in Alex Garlands und Ray Mendozas "Warfare" den puren Krieg ganz ohne "weltdeuterisches Mackertum".
9punkt - Die Debattenrundschau
17.04.2025 Der russische Angriff auf das Stadtzentrum Sumys war kein Versehen, sondern die bewährte russische Taktik des "Doppelschlags", erklärt Politico. Die NZZ blickt fassungslos auf ein Stück Pipeline, das die orthodoxe Kirche als eine Art Reliquie für den Heldenmut russischer Soldaten ausstellt. Die Jüdische Allgemeine stellt den islamischen Gelehrten Ali al-Qaradaghi vor, der hinter der Fatwa gegen Israel steckt. In Berlin sind Plakate aufgetaucht, die zum Mord an dem taz-Journalisten Nicholas Potter aufrufen. Das machen doch sonst Rechte, ruft entsetzt die Chefredaktion der taz.
Bücherschau des Tages
17.04.2025 Dlf Kultur bewundert die Kraft, mit der Hervé Le Tellier in seinem neuen Roman von dem weitgehend unbekannten Résistance-Kämpfer André Chaix erzählt. Den wohl besten Roman des Frühjahrs liest der Dlf hingegen mit Tarjei Vesaas’ Kammerspiel „Frühlingsnacht“. Von Svealena Kutschke lässt er sich hundert Jahre Psychiatriegeschichte erzählen. Einen gelungenen Mix aus Freud und Kafka entdeckt die NZZ in Gesa Olkusz' neuem Roman „Die Sprache meines Bruders“. Und die FAZ lauscht angetan Herbert Grönemeyers Münchner Rede zur Poesie.
Samstag, 19.04.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
19.04.2025 Die FAZ beäugt beim Photo Brussels Festival skeptisch die "alternative Vergangenheit", die durch Künstliche Intelligenz geschaffen wird. Die SZ sieht in der aufgedeckten NSDAP-Mitgliedschaft von Siegfried Unseld eine "Fallstudie des deutschen Kleinbürgertums". Die Filmkritiker werden umgehauen von Ryan Cooglers "Blood & Sinners", der gleichzeitig Vampirfilm, Drama über Rassismus und Horrorfilm aus schwarzer Perspektive ist. Die Welt würde sich wünschen, dass Christian Thielemann als Generalmusikdirektor der Staatsoper klare Kante in kulturpolitischen Fragen zeigt.
9punkt - Die Debattenrundschau
19.04.2025 Wir haben kein neues 1933, sondern ein neues 1914, prophezeit der Ökonom Branko Milanovic in der FR. Die belarussische Aktivistin Palina Sharenda-Panasiuk berichtet in der FAS von den Zuständen in Lukaschenkos Gefängnissen. Die taz erzählt vom jüdischen Widerstand gegen das NS-Regime. Der Historiker Sven Reichardt denkt in der FAS über den Begriff des "Postfaschismus" nach.
Bücherschau des Tages
19.04.2025 Die taz liest bewegt Victoria Amelinas Dokumentation russischer Kriegsverbrechen in der Ukraine. Von Hartmut Lehmann erfährt sie, was wir aus Apokalypsen lernen können. Die FR lauscht den Nachtigallen und Schwalben, die in Gedichten von Esther Kinsky von Gewalt an Frauen erzählen. Die NZZ geht mit einer neuen Rolf Dieter Brinkmann-Biografie in ein anderes Blau. Als Meisterwerk würdigt Dlf Kultur Tan Twan Engs Roman „Das Haus der Türen“, der William Somerset Maugham durch das von Kolonialismus geprägte Malaysia reisen lässt. Und der Perlentaucher wünscht allen Leserinnen und Lesern frohe Ostern!
Dienstag, 22.04.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
22.04.2025 Die SZ bewundert, wie Raoul Peck in seinem Dokumentarfilm das Leben des südafrikanischen Fotografen Ernest Cole anhand von dessen Aufnahmen erzählt. Die NZZ staunt, wie Norman Foster einen 60-stöckigen Bankenkoloss in New York auf Zehenspitzen tänzeln lässt. Die taz demontiert in Berlin den Heroismus von Georg Kolbes Skulpturen. Und der FAZ ist unwohl, wenn Sandra Hüller in Halle eine genderneutrale Penthesilea auf die Bühne bringt.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.04.2025 Papst Franziskus war "sympathisch auf der menschlichen Ebene", konstatiert Volker Reinhardt im Zeit-Online-Interview. Trotzdem kühlte die Begeisterung für sein Pontifikat schnell ab, stellt die SZ fest. Im Perlentaucher blickt Claus Leggewie auf die nochmalige Verschärfung des Tons zwischen Algier und Paris. In der taz prangert palästinensische Aktivist Hamza Howidy die "propalästinensischen" Aktivisten im Westen an, deren Unterstützung eher der Hamas als den Palästinensern zu gelten scheint.
Bücherschau des Tages
22.04.2025 Unbedingt empfiehlt die SZ die Lektüre von Rachel Kushners neuem Roman, der eine Agentin in eine französische Ökokommune einschleust. Von Wolfgang Niess lässt sie sich Hindenburgs Rolle am Scheitern der Weimarer Republik darlegen. Die taz bewundert, wie Francois Warzala Philip Kerrs harte Berlin-Trilogie in dezente Bilder bannt. Die FR kann gar nicht genug von den Referaten bekommen, die Bibi Dumon Tak Tiere über Tiere halten lässt. Von Bernhard Malkmus erfährt sie, was das Leben der Vögel mit dem Überleben der Menschen zu tun hat.
Mittwoch, 23.04.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
23.04.2025 Die öffentlich-rechtlichen Anstalten Europas sollten aufrüsten, sich verbünden und eine Plattform gegen Youtube und Tiktok schaffen, meint die SZ. In Zeit online versucht der Jesuitenpater Klaus Mertes das religiöse Programm Peter Thiels und seiner Kreatur J.D. Vance zu entschlüsseln. Im kanadischen Wahlkampf führt Trumps Wüten zu einer Blüte des Liberalismus, erzählt der Politologe John Grant in der taz. Die Jüdische Allgemeine fragt: Warum lieben die Deutsche Omri Boehm so? In der Welt will sich Rüdiger Safranski endlich von der AfD dulden lassen.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.04.2025 In der Zeit fragen Charlotte Gneuß und Dana Vowinckel, ob nicht wenigstens die jüdischen Suhrkamp-Autoren ein Recht darauf hatten zu wissen, dass Siegfried Unseld in der NSDAP war. Warum, empört sich die Welt, kaufen die Freunde der Nationalgalerie 2024 ein Werk der Künstlerin Jumana Mannas, die nach dem 7. Oktober die Mordtaten der Hamas feierte? Zwischen E und U muss in der Musik auch weiterhin unterschieden werden, sonst ist unsere geistige Versorgung in Gefahr, meint der Komponist Helmut Lachenmann ebenfalls in der FAZ. Und: Die Feuilletons trauern um den Schweizer Germanisten Peter von Matt.
Bücherschau des Tages
23.04.2025 Die FAZ taucht mit der Mediävistin Racha Kirakosian in die Geschichte der Ekstase. Mit dem Argentinier Patricio Pron denkt sie über Dimensionen des Verschwindens nach. Die FR entkräftet mit Stephan Lehnstaedts Buch über jüdischen Widerstand den "Mythos der Passivität". Die taz wird von Gerhard Paul derweil an das absurde Ende des "Dritten Reiches" erinnert. Außerdem lässt sie sich mitreißen von der orgiastischen "Demokratiekunst" der Sissi Tax.
Donnerstag, 24.04.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
24.04.2025 Der Perlentaucher hört die Farben im Laub rascheln in Naoko Yamadas synästhetischem Animefilm "The Colors Within" über zwei Mädchen in einem religiösen Internat. Die SZ staunt über die bahnbrechende Idee der Oscar-Akademie: Die Juroren sollen die Filme künftig auch anschauen. Die FAZ erfährt in den Bildern von Céline Ducrot und Cathrin Hoffmann in Gießen: Auch im Posthumanismus sind Frauen noch dem männlichen Blick unterworfen. In der Welt hält der Literaturwissenschaftler Alexander Pschera mit Blick auf dessen Briefe fest: Ernst Jünger war kein Pazifist.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.04.2025 Die AfD ist laut einer Forsa-Umfrage erstmals stärkste Partei in Deutschland. Was tun? Die Demokraten brauchen ein überzeugendes Zukunftsmodell, meint der Friedensforscher Daniel Mullis in der FR. Wie wärs mit der im Wahlkampf versprochenen Mitte-Rechts-Politik, fragen die Ruhrbarone. Lehramtsstudenten an der FU Berlin glauben tatsächlich, dass Juden die Welt beherrschen, lernt man aus einem taz-Interview mit dem Studenten Lahav Shapira. Die SZ recherchiert zu den Single Use Agents, die Russland für Sabotageakte in der EU einsetzt.
Bücherschau des Tages
24.04.2025 Als den großen Roman zum Krieg gegen die Ukraine würdigt die Zeit Szczepan Twardochs "Die Nulllinie", der vom Leben an der Front erzählt. Die FAZ blickt mit dem palästinensischen Schriftsteller Atef Abu Saif in die Gesellschaft Gazas. Mit Ásta Sigurdardóttirs Erzählungen über isländische Frauen lauscht sie Regentropfen, die "wie dem Tode geweihte Nachtfalter" auf die Erde trudeln. Die NZZ amüsiert sich, wenn Nora Osagiobare in "Daily Soap" den Rassimus in der Schweiz aufs Korn nimmt. Und Dlf Kultur verbringt mit Frank Göhre und dem Surrealisten Raymond Roussel eine mörderische Nacht in Palermo.
Freitag, 25.04.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
25.04.2025 Der Guardian wartet mit Antony Gormleys Menschen aus Blei bang darauf, abgefeuert zu werden. Besteht der Musikjournalismus eigentlich nur noch aus Gossip und Skandälchen, seufzt die taz. Die FAZ fragt sich, was Zootiere eigentlich von Erlebnisarchitektur halten. Der Standard stellt österreichische Literatinnen vor, die einen modernen Heimatbegriff pflegen.
9punkt - Die Debattenrundschau
25.04.2025 Trumps Verachtung für die Ukraine ist Verachtung für Demokratie, die sich im klaren sein sollte, was ihr blüht, wenn er mit seinem "Friedensplan" durchkommt, schreibt Richard Herzinger im Perlentaucher. Trump will sich de facto die Ukraine mit Russland teilen, meint auch Thomas Avenarius in der SZ. Unter dem Beifall von Putins fünften Kolonnen im Westen verabschieden sich die USA von ihrer Rolle als Führer der freien Welt, konstatiert Laurent Joffin in lejournal.info. Außerdem geht's in FAZ und SZ nochmal um Omri Boehm.
Bücherschau des Tages
25.04.2025 Die FAZ lernt mit Oren Kessler in "Palästina 1936" die Vorgeschichte des Nahost-Konflikts kennen. Mit Arnfrid Schenk und Stefan Schnell schaut sie in einen Atlas vom Aussterben bedrohter Sprachen. Die FR wird mitgerissen vom rauen Erzählton der Gayl Jones, die ihr in "Evas Mann" von einer Frau erzählt, die sich an Männern rächt. Die taz erfährt in einem neuen Band, wie der Hamburger Punk Kid P. den deutschen Pop-Journalismus erfand. Und der Dlf Kultur blickt mit Sigrid Boo ins Leben eines Dienstmächens im Oslo der 1930er Jahre.
Samstag, 26.04.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
26.04.2025 Im FAZ-Interview ist der Filmregisseur Michael Lokshin schockiert, wie schnell sich der "neue Stalinismus" in Russland ausbreitete. Der syrische Schriftsteller Ahmad Katlesh schildert auf Zeit Online das Grauen, das ihn bei seiner Rückkehr nach Syrien erwartete. Die FAZ lernt in Chemnitz Künstler des Realismus' aus 22 Ländern kennen. Die SZ gerät in Trance, wenn Igor Levit unter Leitung von Marina Abramović dreizehn Stunden lang Erik Saties "Vexations" spielt. Und die FAS denkt heute ausgiebig über Original und Fälschung nach.
9punkt - Die Debattenrundschau
26.04.2025 In der FAZ erklärt der amerikanische Verfassungsrechtler Bruce Ackerman, dass die Gerichte in den USA Donald Trump nicht werden stoppen können: Das können nur die Wähler 2026. In der SZ erklärt Timothy Snyder, warum Trump obsolet werden könnte, wenn seine digitalen Oligarchie-Kameraden das Ruder übernehmen. In der FAS erzählt der Medienwissenschaftler Roland Meyer, wie KI von ebendiesen Oligarchen benutzt wird, Geschichte umzuschreiben. In der taz erklärt der Politologe Marc Saxer, wie ein neuer Westfälischer Frieden aussehen könnte: ganz ohne demokratische Missionierung.
Bücherschau des Tages
26.04.2025 FR und FAZ werfen mit dem Historiker Wolfgang Niess einen neuen Blick auf die Rolle Hindenburgs im Schicksalsjahr 1925. Die taz wechselt die Perspektive mit Maria Ospina Pizano, die ihr aus Sicht eines Stachelschweinweibchens und eines Scharlachkardinals erzählt. Außerdem empfiehlt sie einen sorgsam illustrierten Band mit unbekannten Erzählungen von Anne Frank. Der Dlf durchquert mit Jiri Hajicek die dörfliche Lebenswelt in der spätsozialistischen Tschechoslowakei.
Montag, 28.04.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
28.04.2025 Für Befremden, ja Empörung in den Feuilletons sorgt die Entscheidung Friedrich Merz', ausgerechnet den Journalisten Wolfram Weimer zum Staatsminister für Kultur zu küren, der bisher nicht durch kulturpolitische Taten, dafür aber mit unseriösen reaktionären Traktaten hervorgetreten ist. Das Wiener Haus der Geschichte soll aus jenem Haus, in dem die Geschichte gemacht wurde, ausziehen, berichtet die NZZ. Außerdem warnen wir in diesen späten April- und und frühen Maitagen vor einem äußerst dichten Cluster historischer Gedenktage: Die FAZ erinnert zunächst mal an 75 Jahre Montanion und fünfzig Jahre Ende des Vietnamkriegs.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.04.2025 Die FAZ erinnert Rieke Süßkows Inszenierung von Jean Genets "Zofen" daran, wie radikal fremd die Avantgarde mal war, die FR findet sie eher dekorativ. Die Zivilisation ist ins Wanken geraten, lernt die FAZ von den Klimawandel dokumentierenden Fotografien in der Kunsthalle München. Backstage Classical unterhält sich mit der israelischen Sopranistin Chen Reiss über den wachsenden Antisemitismus in der E-Musik-Szene. Ist der Schweizer Pass eine Design-Ikone, möchte der Tages-Anzeiger wissen.
Bücherschau des Tages
28.04.2025 Sehr eindruckt berichtet die NZZ über eine Reportage Taina Tervonens, die erzählt, wie bis heute Leichen des Kriegs in Bosnien-Herzegowina exhumiert und zugeordnet werden. Die SZ befasst sich mit den Abgründen der frühen Bundesrepublik und ihres Recycling alter Nazis. Die Welt teilt die Auffassung Peter Longerichs über die "Unwillige Volksgenossen" nicht. Der Dlf lässt sich von Philipp Lepenies über das "Werden und Vergehen der Demokratie" informieren.
Dienstag, 29.04.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
29.04.2025 Die taz erfährt von Frank Auerbach-Biografin Catherine Lampert, dass der jüdische Maler, der nun erstmals in Berlin zu sehen ist, von einem Einfluss des Holocaust auf seine Bilder nichts wissen wollte. Ein obszönes Spektakel erlebt die SZ, wenn Albert Serras in seinem Dokumentarfilm über den Stierkämpfer Andrés Roca Rey den Übergang vom Leben zum Tod eines Stiers einfängt. Backstage Classical tanzt mitten im Bible Belt beim Big Ears Festival zu Avantgarde-Postrock und Noise in Kirchen. Wer nachhaltig wohnen will, muss auf Keller verzichten, lernt die Welt in Berlin.
9punkt - Die Debattenrundschau
29.04.2025 Sie haben sich zerstritten und wieder versöhnt: In einem gemeinsamen Text für die SZ hoffen Navid Kermani und Natan Sznaider auf die Zivilgesellschaften in Israel und Gaza und haben einen Rat für die neue deutsche Regierung. Der designierte Kulturminister Wolfram Weimer erschreckt die Feuilletons nach wie vor - Zeit online und Welt machen allerdings auch Positives aus. Die SZ weiß außerdem, warum Merz Weimer so gern hat. In der NZZ legt Viktor Jerofejew einen niederschmetternden Essay über die Lage der Ukraine und Europas vor.
Magazinrundschau
29.04.2025 Atlantic sieht in den USA einen Alptraum wahr werden: Den von Trump und Musk beherrschten gläsernen Bürger. Und was, wenn China das Rennen um die KI gewinnt, fragt der New Statesman. Bei Persuasion diskutieren Yascha Mounk und Ivan Krastev die Demontage des amerikanischen Ideals durch Rechte und Linke. Eurozine porträtiert die ukrainische Künstlerin Marharyta Polovinko, die an der Front starb. IStories porträtiert den amerikanischen Peacenik Michael Gloss, der auf der anderen Seite der Front starb. Africa is a Country fragt sich am Beispiel Kenias, wie Demokratie funktionieren soll, wenn die Eliten parteiübergreifend zusammenhalten. Der New Yorker gibt der amerikanischen Demokratie noch eine Chance.
Bücherschau des Tages
29.04.2025 In der NZZ nimmt der Historiker Ernst Piper kleinere Korrekturen in Wolfgang Benz' Buch über das Exil zwischen 1933 und 1945 vor, kann es dann aber überzeugt empfehlen. Auch wenn Graham Swift über Menschen im Krieg erzählt, erweist er sich als großer Gegenwartsseismograph, lobt die NZZ außerdem. Die FAZ lässt sich von Gary J. Bass über die Kriegsverbrecherprozesse in Tokio aufklären und empfiehlt Bücher von und über Bruce Springsteen. Bewegt liest der Dlf, wie ihm Yannic Han Biao Federer vom Tod seines Kindes im Mutterleib erzählt.
Mittwoch, 30.04.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
30.04.2025 Die Feuilletons stürzen sich auf Michael Lockshins Stalinismus-Satire "Meister und Margarita", die in Russland inzwischen verfemt ist: So viel Avantgarde gab's selten im russischen Kino, staunt die FR. Aber wo bleibt die Relevanz für die Gegenwart, fragt die taz. Die SZ lernt von Ed Atkins in London, was Avatare nicht können: schwitzen und riechen. taz und nachtkritik blicken auf die jüngsten Proteste gegen die Umstrukturierung der Berliner Landesbühnen. Und die Welt resümiert eine Diskussion zwischen den Soziologen Heinz Bude und Michael Hutter zum Documenta-Skandal.
9punkt - Die Debattenrundschau
30.04.2025 Die Zeitungen werden der Flut der Jahrestage kaum mehr Herr. In der FAZ erinnert der Historiker Manfred Kittel an die Vertreibung von Millionen Deutschen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg - und die sowjetische Rolle bei dem Geschehen. In der FR lotet Wolfgang Kraushaar das Trauma des Vietnamkriegs aus. In der Zeit fordern Svenja Flaßpöhler, Hartmut Rosa, Frauke Rostalski und Juli Zeh, doch erstmal längere Zeit nachzudenken, bevor man gegen Putin aufrüstet. Bei hpd.de stellen sich säkulare Sozialdemokraten gegen die grüne Idee, das Kopftuch in der Polizei zuzulassen.
Bücherschau des Tages
30.04.2025 Die Zeit betritt mit dem polnischen Klassiker "Die Puppe" von Boleslaw Prus einen unbekannten Kontinent auf der literarischen Landkarte und entdeckt Tolstoi'sche Wucht. Ein Monument der Melancholie entdeckt die FAZ in den fragmentarischen "Grabbeigaben" des Norwegers Tor Ulven. Der Dlf Kultur liest bei dem mexikanischen Schriftsteller Juan Pablo Villalobos, wie schrecklich es ist, keine Probleme zu haben. Und die NZZ trifft mit Uwe Schütte und David Bowie "Sternenmenschen" in der Nervenheilanstalt Gugging.