Samstag, 01.04.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
01.04.2017 Teletubbies auf LSD? Tibetische Totenbegleitung? An den Münchner Kammerspielen inszeniert Susanne Kennedy sehr frei Jeffrey Eugenides' "Selbstmordschwestern" und lässt die Kritiker recht konsterniert, fasziniert, befremdet und unberührt zurück. Die Welt lernt von der russischen Revolutionskunst in der Royal Academy, dass Fliegen aus reiner Menschenkraft möglich sein müsste. Die FAZ sorgt sich um den Fortbestand des Manesse-Verlags bei Random House. ZeitOnline wünscht sich mehr Licht in Johns Zorns Musik.
9punkt - Die Debattenrundschau
01.04.2017 Der Brexit-Prozess ist mitnichten unaufhaltsam, meint in Politico der Verfasser des Artikels 50. Theresa Mays Sinn für Kleidung ist genial, schwärmt Laurie Penny im Tages-Anzeiger. Die FAZ beklagt, dass der Freitag die investigative Journalistin Petra Reski nicht vor der Mafia in Schutz nimmt. Eine amerikanische Crowdfunding-Kampagne spart auf die Browserverläufe führender Politiker, meldet Resistance Report. Und in der NZZ gerät Sibylle Lewitscharoff über Luthers wortbewimmeltes Hirn ins Schwärmen.
Bücherschau des Tages
01.04.2017 Geradezu ansteckend findet die FAZ die Lebensfreude in Jan Wagners Prosa-Band "Der verschlossene Raum". Die FR bricht mit Dave Eggers aus der Vorstadt in Ohio auf und reist im Wohnmobil bis zur kanadischen Grenze. Die NZZ liest einen ganzen Stapel Luther-Bücher. Die Welt verfolgt mit Catherine Merridale gefesselt Lenins Zugfahrt von Zürich nach Moskau. Außerdem spürt sie sie in den Bildern des chinesischen Fotografen Ren Hang der Emanzipation einer prüden Gesellschaft nach.
Montag, 03.04.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
03.04.2017 In der Nachtkritik fordert der Theaterwissenchaftler Thomas Schmidt eine Entmachtung der Intendanten. Die FAS schreibt in der Diskussion um kulturelle Aneignung bei der Whitney-Biennale: "Es gibt keine Zensur in einer Demokratie, auch keine aus verletzten Gefühlen." Die SZ blickt mit Bangen einem neuen Monumentalismus in der Kunst entgegen. Die FAZ hört bei Wolfgang Rihms "Requiem-Storphen" die Flüsse erstarren. Und während Bob-Dylan-Fans in den Feuilleton die Entgegennanhme des Nobelpreises bejubeln, seufzt die Welt: "Kein Sänger hat so pubertäre Anhänger wie er."
9punkt - Die Debattenrundschau
03.04.2017 Im Standard prangert Sergej Lebedew den russischen Kult der historischen Größe an. Und Swetlana Alexijewitsch schreibt im Tages-Anzeiger über die "rote Utopie". In der FAZ erinnert Heinrich August Winkler an die Spaltung der SPD vor hundert Jahren. Sueddeutsche.de berichtet über die brutale Verfolgung Homosexueller in Tschetschenien. In der Welt fragt Ian Buruma die osteuropäischen Länder: Wie steht ihr zu George Soros? In der FAS kritisiert der kurdische Autor Yavuz Ekinci die mangelnde Solidarität der türkischen Intellektuellen.
Medienticker
03.04.2017 Aktualisiert: Anti-Fake News-Portal: faktenfinder.tagesschau.de - Vorwärts in die Vergangenheit: Die Rache des Analogen in digitalen Zeiten - Streiten statt Ausgrenzen: Diskurs in Zeiten der Filterblasen & Phänomenologie der Konflikte: Über Martin Wolffs "Ernst und Entscheidung" - Der Komponist Turgut Ercetin: "Die Türkei ist nie eine Demokratie gewesen" - Kritik: Was bitte ist heute ein Literatur-Klassiker, Herr Scheck? + 1967: Love is not enough oder Warum der Summer of Love so kurz war.
Bücherschau des Tages
03.04.2017
Die SZ liest fasziniert Jeanette Erazo Heufelders Porträt "Der argentinische Krösus" über Felix Weil, der sein Vermögen der marxistischen Wissenschaft des Institut für Sozialforschung spendete. Als Standardwerk empfiehlt sie auch Michael Walters Geschichte der "Oper". Die Welt und FAZ lesen Krimis und suchen Orientierung beim kritischen Leser T.S. Eliot.
Dienstag, 04.04.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
04.04.2017 Besonders in Krankenhäusern wird gefoltert: Die Washington Post berichtet über Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Syrien. In Russland demonstrieren Tausende Jugendliche gegen Korruption, den Westen interessiert das bisher nicht, kritisiert Jan-Philipp Hein auf shz.de. In der NZZ zeichnet der weißrussische Schriftsteller Viktor Martinowitsch nach, wie Präsident Lukaschenko seine Autokratie errichtete. Ebenfalls in der NZZ widerspricht der Biologe Axel Meyer der These, Geschlcht seine eine "Konstruktion". Und überall wird jetzt gegen Fake News gekämpft.
Efeu - Die Kulturrundschau
04.04.2017 Der Guardian jubelt über die große Schau der Tate Britain zu hundert Jahren schwuler Kunst. In der taz erklärt Feridun Zaimoglu, warum ihn Luther mehr interessiert als der knallverrückte Thomas Müntzer. Die NZZ lässt sich von der magischen Stimme des Juan Diego Flórez betören. Die SZ feiert Ibrahim Amirs böse Migrationskomödie "Homohalal" und wünscht sich mehr politisch unkorrektes Theater. Und der Tagesspiegel freut sich, dass Sam Raimis Horrorklassiker "Tanz der Teufel" endlich freigegeben ist.
Medienticker
04.04.2017 Aktualisiert: Zeitschriftenverleger kritisieren Netzwerkdurchsetzungsgesetz - Türkei: "Kurden werden als Terroristen dargestellt", sagt Yavuz Ekinci - Auf allen Social-Media-Kanälen: Wie gefährlich sind Filterblasen? - Religionspolitik: Die Forderung nach einem Islamgesetz wird zurecht kritisiert, kommentiert Christiane Florin - Interview mit Aki Kaurismäki: Zwischen skurrilem Humor & harscher Kritik - Die Rechtschreibung ist tot: Lang lebe die Sprache! - Poesieschlacht in München: Bayernslam 2017 + Uraufführung der Oper "Lot": Musik Giorgio Battistelli & Libretto Jenny Erpenbeck.
Magazinrundschau
04.04.2017 In Brooklyn Rail entpuppt sich Agnès Varda als minimalistische Anhängerin digitaler Verbreitungswege. New Yorker und Spectator debattieren über Dana Schutz' Gemälde "Open Casket". Was wird nach dem Brexit aus Nordirland, fragt der Merkur. Outlook India porträtiert die indische Feudalgesellschaft. Die New York Times erzählt von den Schuldgefühlen ultraorthodoxer Juden.
Bücherschau des Tages
04.04.2017 In Feridun Zaimoglus Luther-Roman "Evangelio" erlebt die SZ ein Mittelalter aus Dreck, Blut und Aberglaube und ohne einen Hauch von Transzendenz. Als eine Phänomenologie der Angst liest die NZZ Roman Ehrlichs Roman "Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens". Eine rasende Sehnsucht nach Unschuld erkennt die FAZ in Christa Wolfs Briefen "Man steht sehr bequem zwischen allen Fronten". Und die FR begibt sich mit Heike Kleffner und Matthias Meisner unter jammernde Sachsen.
Mittwoch, 05.04.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
05.04.2017 Kinderrechte im Grundgesetz untergraben Elternrechte, kritisieren FAZ
und Welt. Victor Orbans Gesetz gegen die Central European University
wird bei den osteuropäischen Autokraten Schule machen, fürchten taz und
FAZ. In der Welt schildert die dagestanische Autorin Alissa Ganijewa die
Indoktrination russischer Schüler. Aber rasende Vernunft ist auch keine
Lösung, meint die NZZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.04.2017 In tunesischen Gefängnissen wird jetzt gelesen wie nie zuvor, erzählt die NZZ: Bei Gründung eines Lesezirkels gibt es Straferlass. Die taz stellt die präzis-unscharfe Fotografie der Künstlerin Shirana Shahbazi vor. Die Welt plädiert auch im urbanen Quartier für eine strikte Trennung von Öffentlichem und Privatem. Die FAZ feiert den Kinderbuchautor und Wunderwirker Wolf Erlbruch.
Medienticker
05.04.2017 Aktualisiert: Die Cyber-Truppe der Bundeswehr: IT-Einheit installiert - Trumps meistgehasste Zeitung: Inneneinsichten in die New York Times - Türkei: Yücel ruft zu Solidaritäts-Abos auf & Börsenverein will Anzeigen schalten - Wahlkampf: "Frankreich ist eine Jihadisten-Universität" - Fake News: George Soros finanziert Correctiv-Projekt - "Kinderbuch-Nobelpreis": Wolf Erlbruch bekommt den Astrid-Lindgren-Preis + George Orwell reloaded:"1984" kehrt in US-Kinos zurück.
Bücherschau des Tages
05.04.2017 Die FAZ reist erst mit Catherine Merridale und Lenin in die Revolution und kehrt dann mit Shumona Sinha ins kommunistische Kalkutta zurück. Die FR lernt bei Olaf Velte die Faszination von Schafen kennen. Arno Franks Hochstaplerroman "So, und jetzt kommst du" lässt selbst Felix Krull alt aussehen, weiß die SZ. Und die NZZ liest Kinderbücher über schlafende Fische und Kuchen backende Löwen.
Donnerstag, 06.04.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
06.04.2017 Die Feuilletons bejubeln die asoziale Energie in Jakob Lass' "Tiger Girl". Im SZ-Interview beklagt der Regisseur die hiesige Filmförderung. FAZ und Tagesspiegel finden in Paris das Primitive in Picassos Bildern. In der NZZ erklärt Raoul Schrott die Analogien von Poesie und Physik. Und in der Zeit wirft Maxim Biller seinen Kritikern Antisemitismus vor.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.04.2017 In der NZZ geißelt Jochen Hörisch die um sich greifende Idee, man könne Autor sein, ohne gelesen zu haben. Auf Spon erklärt Sascha Lobo am Beispiel des Giftgasangriffs in Syrien, wie Social Propaganda funktioniert. Die NZZ beklagt die Feigheit der EU vor Viktor Orban. Selbst Zeitungsverleger können dem neuen Gesetz gegen Hate Speech nichts abgewinnen, meldet der Tagesspiegel.
Medienticker
06.04.2017 Aktualisiert: "Wächterpreis": Drei Kölner Zeitungen ausgezeichnet - Deutsche Zeitungsverleger zeichnen Deniz Yücel aus - Likemedien-Top-100 von 10000 Flies mit neuen Rekorde - Gruner + Jahr: Digitalaktivitäten sollen wachsen - Sociale Medien: Die Story hinter der Story-Mania & Die Konsequenzen von Facebook Live für den Journalismus - Propaganda, selbstgemacht: Computerspiel "Fake It To Make It" - Der Klischeereport: Bericht über Moscheen - Felix Philipp Ingold über Autorschaft als Weltenschöpfung + Glückwunsch: Zum 75. von Peter Greenaway.
Bücherschau des Tages
06.04.2017 Meisterhaft findet die FAZ Pawel Salzmans Roman "Die Welpen", der den Krieg aus der Perspektive von tieren schildert. Außerdem würdigt die FAZ Karl Hein Bohrers neuen Memoirenband. Die FR begrüßt den ersten Band in der neuen Uwe-Johnson-Ausgabe. Die NZZ ist mit der Rekonstruktion von Ulrich Becks letztem Projekt "Die Metamorphose der Welt" nicht so glücklich. Die Zeit bespricht Kinderbücher und verliebt sich in einen "Hund namens Bär".
Freitag, 07.04.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
07.04.2017 Manfred Flügge prangert im Tagesspiegel die Ignoranz einiger französischer Präsidentschaftskandidaten gegenüber Osteuropa an. Basler Zeitung und New Statesman beleuchten den Antisemitismus in der Labour-Partei. Die taz befasst sich mit der Rolle der katholischen Kirche und Frankreichs beim Völkermord an den Tutsis. Die FAZ erzählt, wie der Fachhochschulprofessor Thomas Royen eines der berühmtesten mathematischen Probleme löste - und niemand hat es gemerkt. Laut Tagesspiegel ist der Direktor des Danziger Weltkriegsmuseums, Pawel Machcewicz, jetzt von den Nationalisten entmachtet worden. Die NZZ feiert gerade noch das von ihm konzipierte neue Museum.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.04.2017 Der Übersetzer Frank Heibert seziert für Tell detailliert und kenntnisreich Stephan Kleiners Übertragung von Hanya Yanagiharas Roman "Ein wenig Leben". Bei der Möbelmesse in Mailand staunt die SZ, wie die LED-Technik die Fantasie der Lampendesigner beflügelt. Sehr angetan sind die Kritiker von Claudio Caligaris drittem und letztem Spielfilm "Tu nichts Böses". Die Zeit stöhnt über reaktionäre Regression und Weltmüdigkeit in der deutschen Rockmusik.
Medienticker
07.04.2017 Aktualisiert: Klage gegen US-Regierung: Twitter schützt Trump-Kritiker - Ist das Vertrauen in die Medien wirklich gestiegen?, fragt sich Michael Haller - Zukauf: Bertelsmann baut Bildungsaktivitäten in den USA aus - Chinas Angst vor Pu & Co: Peking will ausländische Kinderbücher vom Markt bannen - Poesie & Physik: Was liegt südlich vom Südpol?, fragt sich Raoul Schrott - Wie ein Dichter sich aus seiner Dichtung befreit: Johannes Bobrowski zum Hundertsten (9. 4.) + Berliner Schnauze: "Ick kieke, staune, wundre mir".
Bücherschau des Tages
07.04.2017 Die von Jochen Meyer kenntnisreich kommentierten Briefe Johannes Bobrowskis aus den Jahren 1937-1965 erfüllen die SZ mit großer Freude. Als perfekte Urlaubslektüre kann sie außerdem Vincent Almendros' Kurzroman "Ein Sommer" empfehlen. Die FAZ erfährt von Vesa Sirén alles über "Finnlands Dirigenten". Claus Peymann hat mit "Mord und Totschlag" ein Theater-Wimmelbuch mit tollen Fotos vorgelegt, freut sich die NZZ. Und die Welt studiert vergnügt Maria Theresias Ehetipps für Marie Antoinette.
Samstag, 08.04.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
08.04.2017 Heute eröffnet die Documenta in Athen, statt in Kassel, und zahlt griechische Schulden in Oliven-Valuta zurück: Die Welt winkt dankend ab. Die Zeit bewundert immerhin den Mut zur Selbstentwurzelung. In der NZZ erklärt Herbert Fritsch, was er an der Bibel liebt: sie ist so schön grausam und pervers. Hexameter machen den Krieg auch nicht schöner, lernt Brigitte Kronauer in der FAZ. Im Zeit-Blog 10 nach 8 feiert Annett Gröschner die Ästhetik des doppelten Blicks der Sibylle.
9punkt - Die Debattenrundschau
08.04.2017 Ein Wahlsieg des Front national ist in Frankreich durchaus möglich, meint der Historiker Thomas Maissen im Tages-Anzeiger - mit Hilfe klassisch linker Stimmen. Warum sind die Grünen in Kreuzberg eigentlich gegenüber Erdogan und seinen Anhängern so schüchtern?, fragt der Hauptstadtbrief. Längst geht es bei Videoüberwachung nicht mehr um Gesichtserkennung, sondern um Konformitätskontrolle, meint die SZ. Investoren aus Übersee machen nicht mehr nur London unbewohnbar, warnt der Guardian. Die taz stellt eine unheimliche Frage: Was unterscheidet eigentlich die einstige linke von der heutigen rechten Idee von Gegenöffentlichkeit?
Bücherschau des Tages
08.04.2017 Die FAZ fühlt sich von Erika Fatlands Reportage "Sowjetistan" zur Reise durch Turkmenistan, Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan und Usbekistan ermuntert. Die taz wird durch den Band "So war Auschwitz" noch einmal daran erinnert, was für ein genauer Beobachter Primo Levi war. Die Welt feiert Dieter Borchmeyers "Was ist deutsch?" Die SZ liest drei neue Romane aus Berlin.
Montag, 10.04.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
10.04.2017 Das Ethnologische Museum Berlin wird im kommenden Humboldt-Forum zum bloßen Leihgeber degradiert und als Institution nicht mehr sichtbar sein, fürchtet die SZ. Anke Groener erklärt in ihrem Blog, warum Künstler doppelt tot sein müssen, bevor ihre Bilder bei den Münchner Pinakotheken ins Netz gestellt werden. Die Aktivistin Zana Ramadani kritisiert in der SZ westliche Feministinnen, die das Kopftuch im Namen der Freiheit verteidigen. Der syrische Autor Sami Alkayial fordert im Freitag Schutzzonen für die Zivilbevölkerung.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.04.2017 Die Eröffnung der Osterfestspiele in Salzburg und Baden-Baden steht die FAZ nur mit einem kräftigen Schluck Retro-Zaubertrank durch. NZZ und Nachtkritik feiern in Zürich mit Herbert Fritschs "Grimmigen Märchen" der schwarzen Bürgerseele eine Messe. Die taz hadert mit der unanstößigen Eleganz des südafrikanischen Künstlers Kemang Wa Lehulere. Die Welt erliegt dem Größenwahn von Father John Misty.
Medienticker
10.04.2017 Aktualisiert: Warum Amazon & Co. offline gehen - Neue Plattformen: Rubikon und andere Alternativen & das Watchblog für Desinformation und Propaganda in deutschen Medien - Meinungsfreiheit: Twitter klagt gegen US-Regierung - Mexiko: Jagdsaison auf Journalisten - Türkische Pressefreiheit: Cumhuriyet-Chefredakteur Murat Sabuncu sitzt immer noch in Untersuchungshaft - Theater-Nachtkritiken aus Hamburg, Wien & Zürich - Philosophie: Augustinus, Arendt & Heidegger - Ahnennachweis für Kritiker? oder Max Biller & die Literaturkritiker + Der Marathonmann: Günter Herburger zum 85.
Bücherschau des Tages
10.04.2017 Besprechungen gibt es heute nur in der SZ: Sehr empfehlen kann sie einen lehrreichen Band zur deutschen Kolonialgeschichte: Horst Gründers und Hermann Hierys "Die Deutschen und ihre Kolonien". Außerdem liest sie Manfred Geiers nüchterne Doppelbiografie der beiden Philosophen "Wittgenstein und Heidegger" sowie Werner Biermanns milde Adenauer-Biografie.
Dienstag, 11.04.2017
Magazinrundschau
11.04.2017 Nicht Brüssel muss die ungarische Demokratie verteidigen, sondern die Ungarn, meint Peter Nadas in HVG. Frauenrechte gelten wohl nur provisorisch, fürchtet Margaret Atwood im New Yorker. La Croix porträtiert den Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon. Die London Review sucht britische Jobs in Polen. Die LA Review untersucht den Raum in den Filmen von Straub Huillet. Die New York Times beleuchtet das symbiotische Verhältnis von CNN-Chef Jeff Zucker und Donald Trump.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.04.2017 Der Perlentaucher bringt einen Rundblick durch ungarische Medien zur gestern endgültig beschlossenen Schließung der Central European University. Marine Le Pen hat den "radical right gender gap" überwunden, erklärt die Politologin Nonna Mayer in Le Monde: Frauen wählen jetzt genauso oft rechtsradikal wie Männer. Für die FR analysiert Claus Leggewie die Rolle der algerischen Vergangenheit im französischen Wahlkampf. In der SZ schildert Andrei Soldatov den Niedergang des von Putin einst so gepeppelten Geheimdienstes FSB.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.04.2017 In der Sache Chris Dercon meldet sich jetzt auf einmal Klaus Wowereit zu Wort: Er finder seine Berufung nicht gut. Außerdem stellt die FAZ fest, dass in der Kunstwelt wieder erbittert gestritten wird. In der NZZ erklärt die Schriftstellerin Imbolo Mbue, warum afrikanische Einwanderer in den USA kaum etwas mit schwarzen Amerikanern zu tun haben. Der Standard erlernt in der Wiener Secession die Knotentheorie des Jean-Luc Moulène. Und in der taz erklärt der Hamburger Kunsthallen-Direktor Christoph Vogtherr die Schwierigkeiten multikultureller Museumpädgogik.
Medienticker
11.04.2017 Aktualisiert: Pulitzerpreise: Für die New York Times, für die Washington Post, für das Consortium of Investigative Journalists sowie für Colson Whiteheads Roman "The Underground Railroad" und Matthew Desmond für sein Sachbuch "Evicted" - Gegen die Monopolisten der Zukunft: Amazon, Google, Facebook & Uber - Türkei: Deniz Yücel oder Operation Gurkentruppe & "Das Land verwandelt sich in eine Art KZ" + Vor 100 Jahren Lenins Zug "Zürich-Petrograd einfach".
Bücherschau des Tages
11.04.2017 Vor dreißig Jahren nahm sich Primo Levi das Leben. Voller Verehrung und Zärtlichkeit lesen FAZ und Welt seine bisher unveröffentlichten Zeugnisse "So war Auschwitz". Mit großem Interesse folgt die FAZ auch Alain Demurgers Chronik "Die Verfolgung der Templer". Überfällig findet die SZ Nancy Princenthals Biografie der schizophrenen, aber großen Malerin Agnes Martin. Und die NZZ huldigt der magischen Trostlosigkeit in den Erzählwelten Laszlo Darvasis.
Mittwoch, 12.04.2017
Medienticker
12.04.2017 Aktualisiert: Meinungsfreiheit in der Türkei: Crowdfunding für Solidaritätsanzeigen & Deniz Yücels Buch "Taksim ist überall" als Soliausgabe - "Islamgesetz": Vorstoß Spahnplatte, dünn beschichtet - Literarisches Fernweh: Schweizer Männer auf der Flucht - Endlich: Uwe Johnson historisch-kritisch - Sensation aus der Schublade: Unbekannte Erzählungen F. Scott Fitzgeralds + Heute vor 60 Jahren: "Göttinger Erklärung".
9punkt - Die Debattenrundschau
12.04.2017 Bei Slate.fr erstellt der Historiker Michel Winock ein Psychogramm des französischen Wahlvolks. Die SZ befreit den Sündenbock "Neoliberalismus" aus der Haftung für alles. Der Perlentaucher veröffentlicht György Konrads zorniges "Antwortschreiben an den Ministerpräsidenten Ungarns". Und Timothy Garton Ash attackiert im Guardian Viktor Orbans beschämt schweigende Kollegen aus der European People's party.
Efeu - Die Kulturrundschau
12.04.2017 Der Tagesspiegel meint: Die Prügel, die Klaus Wowereit jetzt verteilt, hat er selbst verdient. Der Standard huldigt im Wiener Museumsquartier dem politischen Shootingstar Norbert Nadler. Die FAZ lauscht Charlotte Moormans Friedenssonate auf dem Rücken von Nam June Park. Die Welt tanzt an der Schaubühne mit einer Handvoll Nonnen eine satanische Nummernrevue.
Bücherschau des Tages
12.04.2017 Die Zeit versinkt in den graziösen, weltzugewandten Gedichten Zbigniew Herberts. Die SZ vertieft sich in einen internationalen Sammelband über die "Die große Regression". Die SZ schwebt durch Rivka Galchens
Erzählband "Amerikanische Erfindungen".
Donnerstag, 13.04.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
13.04.2017 Die Filmkritiker trauern um den Meister des Lichts, den großen Kameramann Michael Ballhaus. Der Freitag analysiert die metrosexuelle Wende im Literaturbetrieb. Auf Zeit online bekennt F.W. Bernstein seine Sympathie für Gottfried Benn. Selbst schuld, meint die NZZ in Richtung der Salzburger Osterfestspiele, wo die Besucher dutzendweise aus Salvatore Sciarrinos "Lohengrin" marschierten. Der Tagesspiegel schreibt die Geschichte des Requiems.
9punkt - Die Debattenrundschau
13.04.2017 Die taz fragt sich, ob ein "Nein" im türkischen Referendum nicht genau so unheimlich ist wie ein "Ja". Backchannel fragt: Was ist eigentlich aus Google Books geworden? Die FAZ schildert die Schwierigkeit des Gedenkens an die Oktoberrevolution in Russland. Facebook hat einen Weg zur Bekämpfung von Fake News gefunden: Ganzseitige Anzeigen in Zeitungen.
Medienticker
13.04.2017 Aktualisiert: Deniz Yücel: Erdogan schließt Auslieferung aus - Obama erhält Medienpreis - Götz Aly über Trump - Traffics: Aktuelle AGOF-Zahlen - "Überprüfe die Beweise": Facebooks flaue Gebote gegen Fake News - Politsponsoring: Lobbyisten-Werbung in Parteizeitungen - Das Stöhnen der Verlage - Schreiben Sie das jetzt! Dirk Pilz über Pressefreiheit in Theatern - Trump: Produkt der Kulturindustrie + Das fliegende Auge: Zum Tod eines Director of Photography.
Bücherschau des Tages
13.04.2017 Die FAZ feiert Nico Bleutges knisterfeinen Gedichtband "nachts leuchten die schiffe". Gut gefällt ihr auch der Berliner Alltag in Charlottenburg, wie ihn Ulrike Edschmid in ihrem Roman "Der Mann, der fällt" beschreibt. Die NZZ staunt über den helvetischen Furor des Antikommunismus im Kalten Krieg. Die taz interessiert sich auch nach Lektüre von Anja Rützels Buch nicht für "Trash-TV".
Samstag, 15.04.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
15.04.2017 In der NZZ geißelt Andrew Doyle Dummheit und bigotterie linker Identitätspolitik. Auch in der Debatte um Slut-Shaming sieht die Welt eine Infantilisierung der Kulturkritik. In der taz zeiht sich die französische Linke gespalten über den Präsidentschaftskandidaten Jean-Luc Mélenchon. Außerdem blickt die taz vor dem türkischen Referendum nach Izmir, in dem Erdogan nicht punkten kann. In der FAZ hält Bülent Mumay fest, welch hohen Preis Erdogans Kampagne gekostet hat. Die SZ erinnert an die Fundamentalistin und Zockerin Maria Theresia.
Efeu - Die Kulturrundschau
15.04.2017 Die SZ feiert Kendrick Lamars "Damn." als bestmögliches Rap-Album zur schlimmstmöglichen Zeit. Außerdem macht sie sich Sorgen, dass sich Yasuhisa Toyotas radikale Akustik durchsetzt. Die taz besichtigt die Kleinstwohnungen der Berliner Tinyhouse University. Publikum und Kritik feiern Nestroys Verwechslungskomödie "Liebesgeschichten und Heiratssachen" am Wiener Burgtheater. Und die NZZ wägt bei einer Berner Doppelausstellung Kunst gegen Kitsch ab.
Bücherschau des Tages
15.04.2017 Den derben Romanhelden Martin Luther in Feridun Zaimoglus "Evangelio" zieht die FAZ allemal dem freundlichen Jubiläums-Luther vor. Die SZ folgt mit großem Vergnügen Marcel Beyers hellwachen Reflexionen in "Das blindgeweinte Jahrhundert". Die taz lässt sich von Harriet Roth an die Berliner Frühphase des Architekten Richard Neutra erinnern. Und die NZZ nimmt sich schwergewichtige Klassiker vor: "Die Reise in den Westen" von Wu Cheng'en, "Die Drei Reiche" von Luo Guanzhong und "Die Fahnen" von Miroslav Krleža.
Dienstag, 18.04.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
18.04.2017 Der Guardian berichtet verstört von Damien Hirsts Bombast-Schau in Venedig, die Schönheit und Ungeheuerlichket zelebriert - in Gold, Bronze und Jade. Die NZZ freut sich, dass Europas Architekten wieder mit den guten alten Backsteinen bauen. Die Welt erinnert daran, dass der Klassizismus auch etwas mit schwulem Begehren zu tun hat. In der Welt huldigt die Berliner Autorin Annett Gröschner auch dem FC Union, den akute Aufstiegsgefahr erfasst.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.04.2017 Bestürzung herrscht über das starke Votum der Deutschtürken für Tayyip Erdogan: Hierfür ist auch die deutsche Politik verantwortlich, die die Ditib-Moscheen so förderte, meint Necla Kelek bei Emma. Die taz mahnt: "Es gibt eine Türkei jenseits von Erdogan", die andere Hälfte, mit der Europa weiter zusammenarbeiten sollte. Libération dekliniert die möglichen Konstellationen der ersten Wahlrunde in Frankreich durch: Klingt nicht gut. Im Observer registriert Nick Cohen die antisemitischen Töne gegen George Soros von Budapest bis Washington.
Medienticker
18.04.2017 Die mediale Inszenierung geht weiter im Erdogan-Land: Zwölf Journalisten in Untersuchungshaft, Was lesen die Türken? & IT-Angriff auf "Free Deniz"-Verlag - Haltung? Ja bitte!: Daniel Drepper über nicht-objektive Journalisten - Journalimus in Russland: Gefährliche Geschichte - e-Books: Der Reiz der ungedruckten Bücher - Gespräch mit Marcel Beyer über "Das blindgeweinte Jahrhundert" + Manien & Manierismen: Aus Anlass des Todes von Gerd-Peter Eigner.
Magazinrundschau
18.04.2017 Die Paris Review grübelt beim Anblick von Carson McCullers, Marilyn Monroe und Isak Dinesen beim Lunch über das Wesen weiblichen Heldentums. Der New Yorker schildert den Zusammenhang zwischen bürgerlichen Werten und Barbecue. Was Demokraten von Berlusconi lernen können, weiß Linkiesta.
Bücherschau des Tages
18.04.2017 Die SZ bespricht die politischen Bücher zur Lage Europas, sehr erhellend findet sie Gabriel Raths "Brexitannia", aber gut gefällt ihr auch Tanja Kuchenbeckers knackiges Marine-Le-Pen-Porträt. Der taz gefällt, dass Jochen Schmidt in seinem Vaterbuch "Zuckersand" auch die Mutter präsent lässt. Die FAZ bespricht neue Hörbücher, etwa zu Marguerite Duras' "Der Liebhaber" und Joseph Conrads "Geheimagent". Und die FR jubelt über den neuen Roman der fantastischen Krimi-Autorin Carol O'Connell.
Mittwoch, 19.04.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
19.04.2017 Theresa Mays Vorstoß zu Neuwahlen ist ein Schlag ins Gesicht aller Brexit-Gegner, meint Anne Perkins vom Guardian, aber es ist ein kluger Schachzug, entgegnet ihr Kollege Jonathan Freedland. Beim türkischen Referendum hat in Wahrheit niemand gewonnen, nicht mal Erdogan, schreibt Bülent Mumay in der FAZ. Huffpo.fr analysiert die falschen Versprechen der Populistinnen und Populisten. Und in der NZZ macht Karl-Heinz Ott Schluss mit postmoderner Ironie.
Efeu - Die Kulturrundschau
19.04.2017 Intendant Oliver Reese fordert in der FR, Frankfurts marode Bühnen nicht nur zu sanieren, sondern komplett neu zu bauen. Die SZ lässt sich vom Ensemble Modern ins musikalisch-extravagante Niemandsland des Harry Partch entführen. Die Berliner Zeitung amüsiert sich mit der unpathetischen Kunst des Juergen Teller. Die NZZ liest die Klassiker der dystopischen Literatur. Und im CulturMag rekonstruiert Krimi-Autor Frank Göhre das Italien von 1975, als Pier Paolo Pasolini ermordet wurde.
Medienticker
19.04.2017 Aktualisiert: Gegen Tabus: Arabische Autoren kämpfen um Freiheit - Urheberrechts-Wissensgesellschaftsgesetz: Enteignung von Autoren & Verlagen? - Nervöse Republik: Politiker & Journalisten unter Druck - G+J das lineare Internet: Jeden Tag eine neue Content-Welt - Lettland: Mehr Vertrauen in Zeitschriften als in Zeitungen - Seymour Hersh: Porträt eines Reporters - Meisterhafte Lakonie: Kleist-Preis für Ralf Rothmann - Nachruf: Bruce Langhorne ist tot.
Bücherschau des Tages
19.04.2017 Die SZ sympathisiert mit Valerio Magrellis "heimlichem Ehrgeiz, ein Bleistift zu sein". Großes Lob auch für Hanns Zischlers Band "Kafka geht ins Kino". Die NZZ bewundert Bjarte Breiteigs Mut, in "Meine fünf Jahre als Vater" einen labilen Mann zwischen zwei Frauen zu porträtieren. Die FAZ informiert sich mit Gilles Kepels "Der Bruch" über die gespaltene französische Gesellschaft.
Donnerstag, 20.04.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
20.04.2017 Schon Theodor Fontane war ein Produzent von Fake News - im Auftrag der Neuen Medien des 19. Jahrhunderts, informiert die FAZ. Kommunikation wird designtechnisch immer mehr zum reinen Dialog, ohne störende Materie, notiert die NZZ. Die Filmkritiker hätten sich John Lee Hancocks Biopic "The Founder" noch etwas kapitalismuskritischer gewünscht.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.04.2017 Franzosen, löscht nicht die Aufklärung aus, ruft Peter Sloterdijk in Le Monde. Jürgen Habermas blickt in der Zeit gelassen auf die französischen Wahlen. Europa wird sich auch dann verändern, wenn ein gemäßigter Kandidat gewinnt, meint die Welt. Unterdessen steckt Boris Groys in der NZZ mit Hilfe Jean-François Lyotards seinen Geist in die Maschine. Und Orlando Figes erklärt in der Berliner Zeitung, warum er Deutscher wird.
Medienticker
20.04.2017 Aktualisierung: Russischer Journalist stirbt nach Prügelattacke - Reporter ohne Grenzen fordern, Journalisten der Nowaja Gaseta zu schützen - Nach Youtube-Einigung: Gema nimmt mehr als eine Milliarde Euro ein - Türkei: Inhaftierter Journalist Gabriele Del Grande - Diekmann, Springer & Uber: Beifahrer auf der Überholspur - Theater-Nachtkritik: Stefanie Sargnagels "Beisl, Bier und Bachmannpreis" - Surrealer Blick auf die Wirklichkeit: Cervantes-Preis für Eduardo Mendoza - US-Einreiseverbot: Microsoft, Google vs. Trump + Kinderfernsehen: Dass dieser verblödete Schrott gesendet wird!
Bücherschau des Tages
20.04.2017 Beeindruckt bespricht die taz das Fotobuch "Pigeon Hill" mit Jeffrey A. Wolin Porträts aus einer Sozialbausiedlung. Die Zeit feiert Zsuzsa Banks neuen Roman "Schlafen werden wir später" als virtuose Offenlegung weiblicher Befindlichkeit nach Anbruch des fünfzigsten Lebensjahres. Die SZ nimmt mit Staunen das geniale Schlammassel in Claudio Magris' Roman "Verfahren eingestellt" zur Kenntnis. Die Welt empfiehlt nachdrücklich die Krimis des Reginald Hill.
Freitag, 21.04.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
21.04.2017 In der NZZ erklärt Pascal Bruckner, warum er den Begriff der "Islamophobie" bekämpft. In Le Monde attackiert der Politologe Thierry Pech das Geschichtsverständnis der Marine Le Pen. Die Berliner Zeitung wendet sich gegen den Entwurf von Herzog & de Meuron für ein Museum der Moderne in Berlin. In der taz erklärt die Historikerin López Maya, wie das chavistische Regime sich die Armen in den Barrios gefügig macht.
Efeu - Die Kulturrundschau
21.04.2017 Beim Internationalen Filmfestival in Istanbul offenbart sich die Spaltung der türkischen Filmszene, berichtet die SZ. Philippe de Chauverons Abschiebungskomödie "Alles wird gut" ruft bei ZeitOnline Unbehagen hervor. Die taz wohnt bei der Berliner Ausstellung von Stefan Panhans und Andrea Winkler Formen des Unvermögens im Verhalten menschengesteuerter Avatare bei. Und Stefanie Sargnagel bereitet den Kritikern mit ihrem Stück "Ja, Eh!" einen launigen Beislabend im Wiener Rabenhof.
Medienticker
21.04.2017 Aktualisiert: Druck & Verfolgung: Viele Journalisten fühlen sich eingeschüchtert - Fake News im Alltag von Redaktionen - Neue Verdächtige: Wikileaks-Informanten im Bundeskanzleramt? - Entwicklerkonferenz F8: Facebook will Gedanken lesen - Türkei: Europa endet nicht am Bosporus - Gelbe Büchlein werden 150: Gehasst, geliebt, gelesen - Intellektuelle Erinnerungen: Über Karl Heinz Bohrers "Jetzt" - Interview: Ágnes Heller über Populismus + 30 Jahre Simpsons mit hellseherischen Fähigkeiten.
Bücherschau des Tages
21.04.2017 Mit ihrem Roman "Der Mantel der Erde ist heiß und teilweise geschmolzen" versetzt Nina Bußmann NZZ und SZ in helle Begeisterung. Die FAZ lässt sich von Natalie Lettner die Malerin Maria Lassnig nahebringen. Die taz liest mit Gewinn Matt Thornes Biografie von Prince und Tim Mohrs Überblick über Punk in der DDR. Und die FR empfiehlt Jérôme Leroys Krimi "Der Block" als Buch der Stunde.
Samstag, 22.04.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
22.04.2017 Die NZZ sucht ihr Drehbuch in Hans Op de Beecks Wolfsburger Rauminszenierungen. Die SZ reist durch die Konzertsäle Europas auf der Suche nach dem besten Klang. Keine Gummibäume mehr und keine toten Fische, verspricht der neue Leiter der Wiener Festwochen Tomas Zierhofer-Kin im Standard. Ilma Rakusa reist für die FAZ auf Rilkes Spuren durch Russland.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.04.2017 Es war der merkwürdigste Wahlkampf der Fünften Republik. Und es ist das Ende einer Ära, schreibt Laurent Joffrin in der taz vor der ersten Runde der französischen Wahlen. In Le Monde beschwört Martin Walser die Franzosen, Emmanuel Macron zu wählen. Der Konflikt zwischen der Religionsfreiheit der Eltern und der der Kinder ist noch nicht erledigt, sagt der Deutschlandfunk mit Blick auf eine neue Debatte über Beschneidung. Die New York Times berichtet über die Pogrome gegen Homosexuelle in Tschetschenien.
Bücherschau des Tages
22.04.2017 Die FR lässt sich vom Witz und der Schärfe des Luftgeists unter den zeitgenössischen Autorinnen, Margaret Atwood, gerne gefangen nehmen - und bespricht gleich zwei Romane von ihr. Die FAZ liest Michael Naumann und Toni Morrision. Die taz amüsiert sich mit Harry Rowohlt und Max Goldt, aber nicht mit Erik Olin Wright.
Montag, 24.04.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
24.04.2017 Immerhin: Es war ein grausames Wochenende für die Populisten, konstatiert politico.eu: Marine Le Pen schaffte es nur auf Platz zwei, und die AfD zerfleischt sich selbst. Die französischen Wahlen sind allerdings auch in anderer Hinsicht bestürzend: Unter anderem weil in nur zwei Jahren ein ganzes tradiertes Modell über den Haufen geworfen wurde, meint Anne Sinclair in der huffpo.fr. Außerdem: Ist es Zeit, Google zu zerschlagen, fragt die New York Times. Und in der NZZ zeigt sich die Lyrikerin Maria Stepanowa fassungslos über die Exportfähigkeit des russischen Modells der Autokratie.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.04.2017 Die Welt feiert den Lübecker Weg als großen Durchbruch in der Stadtplanung. Der Standard plädiert für eine Architektur des Sorgetragens. Der Nachtkritik offenbart sich mit "Einstein on the Beach" in Dortmund die Magie der Wiederholung. Die SZ lauscht den Hirtenliedern des Ensemble Graindelavoix. In der NZZ trauert Felix Philipp Ingold um den guten alten Literaturkanon, der im saisonalen Geschäft ausgedient zu haben scheint.
Medienticker
24.04.2017 Aktualisiert: Welttag des Buches - Journalistische Selbstzensur oder das Ende der Zukunft des Journalismus & Journalismus zum Heulen - Orden oder Wodka: Journalisten & der russische Staat - Festival "Europa der Muttersprachen": Frei von den Fesseln der Zensur - Facebook-Kooperation: Auch der Guardian steigt bei Instant Articles aus - Rücktritt als PEN-Präsident: Interview mit Josef Haslinger + Wo Lesen Luxus ist. Conakry ist Welthauptstadt des Buchs 2017.
Bücherschau des Tages
24.04.2017 Als altersweises Werk über Fehlbarkeit und Verantwortung liest die SZ Toni Morrisons neuen Roman "Gott, hilf dem Kind". Von Joachim Wagner lernt sie, dass die Justiz nicht mehr auf Wahrheitsfindung setzt, sondern auf Konfliklösung zu gegenseitigem Nutzen. Die FAZ lässt sich von Tatia Nadareischwili in den Schlaf zaubern und möchte keine Weltgeschichte mehr ohne Madame de Stael und die Pharaonin Hatschepsut lesen.
Dienstag, 25.04.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
25.04.2017 Die NZZ fragt, wie viel Sozialkompetenz der Kunstbetrieb braucht. Die taz huldigt den grellbunten Wandmalerein, mit denen Klaus Paier
einst das Aachener Bürgertum entsetzte. SpOn erkennt in Angela Schanelecs neuem Film "Der traumhafte Weg", dass auch Bilder Lust aufeinander haben können. Und die SZ verneigt sich vor Uderzo, der sie die Egalité zwischen Gallier, Römer, Wildschwein und Leser lehrte.
9punkt - Die Debattenrundschau
25.04.2017 Daniel Cohn-Bendit attackiert in der taz Jean-Luc Mélenchon und Didier Eribon, die einer "Neuauflage der These vom Sozialfaschismus" anhingen - die Mélenchon-Anhänger rufen bisher nicht zur Wahl Macrons gegen Le Pen auf. In der New York Times verteidigt der Uni-Funktionär Ulrich Baer die Einschränkung von Redefreheit an amerikanischen Unis zum Schutz der "Schneeflocken". Und Jimmy Wales gründet laut Niemanlab die Wikitribune - die die Arbeitsweisen der Wikipedia auf ein neues Medium übertragen soll.
Magazinrundschau
25.04.2017 n+1 ergibt sich dem Transhumanismus. Atlantic sucht 25 Millionen eingescannte Bücher. Der New Yorker besucht die FARC, der Guardian die innerirische Grenze. Die LA Review verteidigt die ägyptischen Surrealisten gegen arabisches Geld.
Medienticker
25.04.2017 Aktualisiert: IVW-Analyse Zeitungen: Auflagen-Verlierer kommen aus dem Hause Axel Springer - Wissenschaftliches Rezensionswesen: Der enttäuschte Autor lässt seinen Anwalt schreiben - Facebook soll Hilfssheriff, Richter & Henker spielen, meint Markus Beckedahl zum geplanten Hatespeech-Gesetz - Klar positionieren: PEN sieht Meinungsfreiheit gefährdet - Plagiatsfall: Tom Kummer hat es wieder getan - Künstlicher Bummelstil: Briefschreiber Fontane digitalisiert - Vor siebzig Jahren: Anna Seghers kehrt aus dem Exil zurück + In memoriam: Vor hundert Jahren wurde Ella Fitzgerald geboren.
Bücherschau des Tages
25.04.2017 Die FAZ liest vergnügt Arno Franks Retro-Reportage "So, und jetzt kommst du". Von Carl Safinas Buch über "Die Intelligenz der Tiere" hätte sie sich etwas mehr Wissenschaftlichkeit gewünscht. Die NZZ tappt in die stählerne Fußangel, die Toni Morrison mit ihrem Roman "Gott, hilf dem Kind" auslegt. Die SZ verfällt Jérôme Ferraris Roman "Ein Gott ein Tier" über einen heimkehrenden Söldner. Und die Welt bejubelt Kanae Minatos "Geständnisse" als allgemeingültige Geschichte der Kaltherzigkeit.
Mittwoch, 26.04.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
26.04.2017 ZeitOnline spricht mit Jonathan Littell über seine Doku "Wrong Elements", die sich mit Ugandas Kindersoldaten befasst. Die SZ lernt mit Pierre Klossowski, an den profanen Eros zu glauben. Die NZZ feiert den Jazzpianisten Jean-Paul Brodbeck, der soulige Hitze in die deutsche Innigkeit brachte.
9punkt - Die Debattenrundschau
26.04.2017 In Le Monde kann es der Historiker Pascal Ory kaum fassen: Ein Zentrumsmann könnte Präsident in Frankreich werden. Aber es könnte ihm ergehen wie Matteo Renzi, fürchtet Politico.eu. Sigmar Gabriel wird nicht von Benjamin Netanjahu empfangen. Dabei fühlt er stark mit Israel, erklärt er in der Berliner Zeitung, denn "Sozialdemokraten waren wie Juden die ersten Opfer des Holocaustes". Der Freitag fürchtet, dass linke und rechte Identitätspolitik verwandter sind, als ihnen klar ist. Und die FAZ staunt über die brummende Musikindustrie.
Medienticker
26.04.2017 Aktualisiert: Documenta spaltet Athen - Reporter ohne Grenzen: Pressefreiheit weltweit in Gefahr - PEN-Tagung in Dormund fordert Freiheit für Autoren in Gefangenschaft - Snapchat-App mit deutschen Medienpartnern & Erfolgreiche Apps lösen sich vom linearen Charakter des Buches - Fake News: Jimmy Wales will den Journalismus retten & Google mit dem Project Owl auch - Auflagen: Zeitungen verlieren mehr als 10 Prozent - Klaus Böldl & die Sehnsucht nach dem eigenen Verschwinden + Gespräche mit Jagoda Marinic & Wladimir Kaminer.
Bücherschau des Tages
26.04.2017 Die FAZ erlebt mit Colin Jones die Revolution des Lächelns. Mit polnischem Witz übersteht man auch kräftezehrende slawische Identitätsdebatten, freut sich die SZ und empfiehlt Ziemnowit Szczereks Satire "Mordor kommt und frisst uns auf". Die NZZ lernt mit E.C. Osondu die Familie eines nigerianischen Patriarchen kennen. Die taz wagt sich unter Sachsen.
Donnerstag, 27.04.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
27.04.2017 FAZ und FR lernen in den monumentalen Fotografien der Becher-Schüler in Frankfurt die Möglichkeiten der Kunst kennen. Die taz lässt sich von dem Schriftsteller und "Wrong Elements"-Regisseur Jonathan Littell die Psyche von Tätern erklären. Das art-magazin wird von der Starpower auf der Art Cologne erschlagen. Und die Feuilletons vermissen die Zeiten, als Alben der Gorillaz noch relevant waren.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.04.2017 Emmanuel Macrons Wahlsieg ist noch keineswegs gesichert: Zwei Strömungen könnten ihn noch verhindern, sagen die französischen Medien: die radikale Linke und die Katholiken. Die franzöische Regierung bringt einen Bericht heraus, wonach der Giftgaseinsatz auf das Dorf Chan Scheichun der syrischen Regierung zuzuschreiben ist, berichtet die taz. Die Zeit stellt die Bildrechtehändlerin Harriet Bridgeman vor, die Museumsbesuchern das Fotografieren verbieten will.
Medienticker
27.04.2017 Aktualisiert: Neuausrichtung der Berliner Kulturpolitik - Urheberrecht: "Schutz des geistigen Eigentums ist essentiell" - EuGH erschwert illegales Filmstreaming - Focus: Die Ratlosigkeit eines Verlages - Schwerer Schlag: Uni Leipzig bildet keine Journalisten mehr aus - Whataboutismus: "Und was ist mit…?" oder Perfider Trick aus der Mottenkiste der Rhetorik - Vulgäre Buchtitel: Ein Marketing-Trend greift um sich - Roman Crowdfunding: Tim Krohn verhökert Begriffe an seine Leser + The bestest:"President Show" ab heute im US-Fernsehen.
Bücherschau des Tages
27.04.2017 Die SZ bewundert Philipp Schönthalers zwischen Literatur und Essayismus balancierende Erzählungen. Die Zeit verliert sich in Helen Macdonalds Biografie eines fliegenden Räubers. Großes Lob geht auch an Christine Wunnickes hintersinnigen Roman "Katie", der die esoterische Gespenstergläubigkeit im London des 19. Jahrhunderts aufspießt, und an die Bände 6,7 und 8 von Anthony Powells Romanzyklus "Ein Tanz zur Musik der Zeit" über die britische Upperclass kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.
Freitag, 28.04.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
28.04.2017 Die französischen Wahlen belegen, dass der Links-Rechts-Gegensatz in der Politik ausgedient hat, meint der Politologe Gérard Grunberg in huffpo.fr. Die taz erzählt, wie Thomas Ostermeier in seiner Schaubühne das Wort entzogen wurde. Die FAZ schlägt vor, dass alle Männer für einen Tag Kopftuch tragen sollten - aus Solidarität mit Frauen, die zur Verhüllung gezwungen werden. Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird sicher mit gutem Beispiel voran gehen.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.04.2017 Die Welt besucht den neuen Konzertsaal im Dresdner Kulturpalast, die NZZ besichtigt das Konzerthaus La Seine Musicale in Boulogne-Billancourt. Nach wie vor hin und weg sind die Filmkritiker von Angela Schanelecs "Der traumhafte Weg". Le Monde fragt sich, was Netflix-Produktionen auf einem Filmfestival wie Cannes zu suchen haben. Computerspielemusik wird immer komplexer, berichtet die SZ. Außerdem schreibt sie einen Nachruf auf Joe Ouakam, Afrikas ersten modernen Künstler.
Medienticker
28.04.2017 Aktualisiert: Türkei blockiert Wikipedia - Eine Million Euro für pikante Äußerungen: Hans Leyendecker über den Schadenersatz für Helmut Kohl - Journalistisches Crowdfunding: Online-Magazin Republik erzielt Weltrekord - ARD & ZDF: Die Öffentlich-Rechtlichen & das Internet - Tom Kummer: Gonzo wohnt nicht mehr hier - Streaming: Auch das Anschauen kann verboten sein - Tutorial: Manipulierte Statistiken entlarven - Hundert Tage: Die Simpsons rechnen mit Trump ab + Flow: Statt mit Drogen mit Jazz "high" werden.
Bücherschau des Tages
28.04.2017 Als herausforderndes Wortkunstwerk empfiehlt die NZZ Olga Slawnikowas düstere Zukunftsvision "2017". Die FAZ lässt sich von Michael Köhler in "Recht und Gerechtigkeit", von Christian Felber in "Ethischem Welthandel" unterweisen. Der Fotoband "The North Koreans" verschafft der SZ aufregende Einblicke in den nordkoreanischen Alltag. Und die FR liest Christian Bommarius' Geschichte des "Fürstentrusts" als spannenden Wirtschaftskrimi.
Samstag, 29.04.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
29.04.2017 Die SZ fühlt den Pistolenlauf im Mund, wenn Oliver Frljić im Münchner Marstall sehr unhipp eine Revolution anzettelt. Der Freitag erlebt mit Jim Jarmuschs Film "Gimme Danger" Iggy Pops hedonistische Selbstdemontage. Im Filmdienst erklärt Regisseurin Angela Schanelec: "Ich mache meine Filme, um nicht sprechen zu müssen." Und auch die Welt übt jetzt mit den Schülern der Becher-Klasse den frontalen Blick.
9punkt - Die Debattenrundschau
29.04.2017 Facebook gibt zu, im US-Wahlkampf von Russland für Manipulationen und Meinungsmache missbraucht worden zu sein, berichtet Zeit Online. Beim Thema Europa kommen Emmanuel Macron und Michel Houellebecq in der Welt auf keinen grünen Zweig. Cora Stephan erinnert in der NZZ daran, dass auch in Zeiten von Diversität die "Normalos" die Mehrheit stellen. Die Novelle des Wissenschaftsurheberrechts tritt Autorenrechte mit Füßen, schreiben der Germanist Roland Reuß und der Jurist Volker Rieble in der FAZ. Und die taz beschreibt, wie sich in Israel das Klima für politische Aktivisten und oppositionelle Meinungen verschärft.
Bücherschau des Tages
29.04.2017 Einfach mitreißend findet die SZ Rachel Kushners Roman "Telex aus Kuba", der mit ethnologischem Blick aus dem vorrevolutionären Havanna erzählt. Der FAZ gefällt, wie in Gerhard Henschels Roman "Arbeiterroman" immer wieder die schmutzige Wirklichkeit hereinbricht. Glücklich macht Klaus Böldl die FR mit seinem Roman "Der Atem der Vögel". "Schön experimentell findet die taz Hendrik Otrembas Road Novel "Über uns der Schaum". Und die Welt findet bei Gerhard Staguhn Abhilfe gegen den "Penis-Komplex".