Mittwoch, 01.10.2014
9punkt - Die Debattenrundschau
01.10.2014 Heute ist Nationalfeiertag in China. In Hongkong wandten Studenten der offiziellen Zeremonie den Rücken zu. Twitter und Facebook wimmeln vor Bildern. Die FAZ informiert über Desinformationstechniken der Zentrale. Le Monde erzählt, wie man Online-Medien in Frankreich auch kaputt machen kann: mit der Mehrwertsteuer. Die SZ durchleuchtet die NS-Vergangenheit ihrer frühen Redakteure. Die Zeit versucht zu verstehen, warum sich junge Frauen von den IS-Marodeuren angezogen fühlen. Und Springer hat jetzt keine Angst mehr vor Big Data, sondern sammelt selbst, freut sich Kai Diekmann in Wien.
Efeu - Die Kulturrundschau
01.10.2014 Die Filmkritiker feiern David Finchers neuen Thriller "Gone Girl" als eine ziemlich abgefahrene Version weiblicher Emanzipation. Wer braucht Kritik von außen am Regietheater, wenn der Betrieb das selbst erledigt, fragt Zeit online. Die SZ schüttelt dagegen bedauernd den Kopf, betrachtet sie die ewige Vergangenheitsbeschwörung an den großen europäischen Opernhäusern. Im Pop ist es auch nicht besser, meint der Guardian und wendet sich Mozart und Webern zu. Der Tagesspiegel fordert mehr Übersetzungen osteuropäischer Literatur. Die FR lässt sich von Dayanita Singh ins Frankfurter MMK3 locken: Geh näher.
Medienticker
01.10.2014 Alle gegen Google: Patrick Bernau über Politiker, die sich harte Internet-Gesetze ausdenken - Was Anthony Bourdain über den Print-Journalismus in Deutschland verrät, kommentiert Thomas Knüwer - Jetzt zählt nur noch Geld: Paywalls für journalistische Inhalte - Urteil: BGH stärkt Rechte der Presse - "Die Feuilletons werden immer verletzender", beklagt Anne-Sophie Mutter - Geschichtswissenschaft: Über Pop als Forschung-Gegenstand + In memoriam: Truman Capote zum 90. Geburtstag.
Bücherschau des Tages
01.10.2014 Zart begruselt legt die FR Chloe Hoopers Thriller "Die Verlobung" aus der Hand. Die Welt überlegt dagegen nach Lektüre von Carl-Johan Vallgrens "Schattenjunge", ein schwedenkrimifreies Jahr einzulegen. Die NZZ empfiehlt wärmstens Holm Sundhaussens farbig erzählte Geschichte der Stadt Sarajewo. Die SZ erkennt das Potenzial von Thomas Melles Roman "3000". Die FAZ bespricht einen Band zu der von Jan Assmann im Perlentaucher initiierten Monotheismus-Debatte.
Essay
01.10.2014 Die Frage, wie wir leben sollen, um sterben zu können, stellt sich neu mit der längeren Lebenserwartung. Für eine neue Ethik des Sterbens jenseits des Bündnisses zwischen einer reaktionären Religion, einer progressiven Apparatemedizin und einer untätigen Politik.
Im Kino
01.10.2014 Das perfekte weiße, heterosexuelle Mittelschichtsglück und seine Abgründe: In David Finchers großem Anti-Hollywood-Film "Gone Girl" wimmelt es nur so vor unzuverlässigen Erzählungen.
Donnerstag, 02.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
02.10.2014 Der Freitag fragt: Hat David Finchers "Gone Girl" eine geschlechtertheoretische These? Die Welt fragt: Was wäre eine schlechte Trecartin-Arbeit? Die NZZ fragt: Ist die neue Musik am Ende? Kino-Zeit fordert eine feministische Filmkritik.
9punkt - Die Debattenrundschau
02.10.2014 Hongkong brodelt weiter. Seit den Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens hat sich Peking keiner solchen Herausforderung mehr konfrontiert gesehen, meint die FAZ. Der Streit zwischen Google und den in der VG Media organisierten Verlagen eskaliert: Google listet aus. Die Verlage fühlen sich erpresst. Und wir setzen Links. Die NZZ-Debatte über den Islam geht weiter: Man weiß mittlerweile, dass der Islam sehr wohl intellektuell lebendig ist, betont Islamwissenschafter Ulrich Rudolph in Antwort auf Necla Kelek.
Medienticker
02.10.2014 Aktualisiert: Das Geld reicht nicht für alle: Die Kehrseite der NZZ-Journalismusoffensive - Schlechte Nachrichten auch aus Übersee: New York Times streicht 100 Jobs im Newsroom - Die Mutlosen: Wie sollen Print und Online künftig "zusammenwachsen"?, fragt sich Christian Jakubetz & "Daten sind das neue Öl", meint Bild-Chef Kai Diekmann - Max Uthoff & Claus von Wagner behaupten: "Journalisten scheinen sich förmlich im Schützengraben einzubuddeln" + Reinhören: Bill Frisells neues Album "Guitar In The Space Age!".
Bücherschau des Tages
02.10.2014 Gar nicht so weit von der Realität wähnt sich die FAZ beim Lesen von Jörg Albrechts bitterböser Zukunftsvision "Anarchie in Ruhrstadt", in der das Kreativitätscredo groteske Züge annimmt. Anregend und überzeugend findet die NZZ Hans Küngs Beharren auf der Freiheit zur Selbstbestimmung in "Glücklich sterben?" Und die SZ begibt sich mit Neil Gaiman auf eine "verrückte Ballonfahrt mit Professor Stegos Total-locker-in-der-Zeit-Herumreisemaschine".
Vorgeblättert
02.10.2014 In den siebziger Jahren, in einem kleinen Dorf in Ungarn, wächst ein elfjähriger Junge auf. Die Familie ist sehr arm, doch das sind auch andere. Warum wird gerade sie im Dorf stigmatisiert? Und woher hatte der Großvater 1944 ein Fahrrad? In der Selbstbeobachtung des Außenseiters wächst dem Jungen ein unerhörter Scharfblick zu. Lesen Sie hier einen Auszug aus Szilárd Borbélys Roman "Die Mittellosen".
Samstag, 04.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
04.10.2014 Christoph Kappes will das Diskutieren über Literatur nicht Facebook überlassen und stellt deshalb im Standard das Projekt Sobooks vor. In der NZZ bevorzugt Kjell Westö den finnischen Pragmatismus vor schwedischer Gehässigkeit. Die SZ will im Museum nicht ehrfürchtig staunen müssen. Die Nachtkritik erlebt in Anja Hillings "Sinfonie des sonnigen Tages" ein großes globales Achselzucken. Und Slippe Disc meldet, dass Daniele Gatti Chefdirigent des Amsterdamer Concertgebouw wird.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.10.2014 In Hongkong gehen die Proteste weiter. Organisierte Schläger versuchen die Demonstranten einzuschüchtern, berichten die Medien. Wir bringen Bilder und Links. Peking freut sich unterdessen auf eine immer "objektivere" China-Berichterstattung der Deutschen Welle, und die SZ kann das mit Dokumenten belegen. Slate macht sich Sorgen um die ungarische Demokratie. In der NZZ erklären zwei ukrainische Historiker, warum es in der Politik so gefährlich ist, historisch zu argumentieren.
Bücherschau des Tages
04.10.2014 Als wunderbar furchtlos preist die SZ Franco Morettis Großessay "Der Bourgeois". Ganz verzaubert ist die NZZ von Nadja Küchenmeisters Gedichtband "Unter dem Wacholder". Geradezu kleinlaut wird die Welt angesichts der lebensklugen Heldin in Thomas Pynchons neuem Roman "Bleeding Edge". Außerdem entdeckt sie in Peter Burke ihren Universalgelehrten. Die taz liest Anne Wizoreks "Ein Aufschrei reicht nicht" und lässt sich den neuen vorlauten Feminismus gern gefallen.
Montag, 06.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
06.10.2014 In der Welt erzählt Autor Michael Ziegelwagner, wie er seine Kollegen dazu bringen wollte, den Buchpreisverleihern zu zeigen, was Autoren von Hierarchien und Konkurrenzdenken halten. Sehr viel, stellte sich heraus. Barenboims "Tosca" teilt die Kritiker: bezwingend wild, jubeln die einen, gepflegte Langeweile, stöhnen die anderen. Die FAZ prophezeit neue Verschwörungstheorien nach der Filmadaption eines Pynchon-Romans.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.10.2014 Die Basler Zeitung zeichnet das Psychogramm der FAZ, die einst fast soviele Auslandskorrespondenten hatte wie die NZZ. Die FAS deckt ein großes Problem der Kirchen auf: Wohin mit all dem Geld? In der Welt attackiert Hamed Abdel-Samad die Islamverbände. Der Guardian erklärt, warum Separatismus rational sein kann. Und Miriam Meckels Burn Out wird jetzt verfilmt. Und aktualisiert: Bertelsmann übernimmt Gruner und Jahr vollständig.
Medienticker
06.10.2014 Komplettübernahme: Bertelsmann übernimmt Gruner + Jahr - Umstritten: Derrida ist Dada - Oskar Negt: Weder Traditionalist noch ein Schwärmer - Im rechtsfreien Raum: Thomas Stadler über Onlinerecht & Bürgerrechte 2.0 - News auf Suchmaschinen: Unnötiger Stress mit Google, meint Rainer Stadler - Ich-zentrierter Journalismus: Eine Frage der Angemessenheit, weiß Gregor Keuschnig + Der Hirnwütige beim Flirt: Theater-Kritik online aus Berlin & Dresden.
Bücherschau des Tages
06.10.2014 Das bestürzende Dokument einer Ehe- und Schaffenskrise erlebt die FAZ mit Scott und Zelda Fitzgeralds "Wir waren furchtbar gute Schauspieler". Von Wolf Haas lernt sie, dass die Weg zur Wahrheit mit Knacklauten gepflastert sind. Die Welt lernt mit "Erwarten Sie Wunder" einen erstaunlich erregten Kent Nagano kennen.
Bücherbrief
06.10.2014 Eduardo Halfon erweist sich als der Woody Allen Guatemalas. Nino Harataschwili führt durch hundert Jahre georgischer Geschichte. Scholastique Mukasonga erinnert an den Völkermord in Ruanda. Brendan Simms erzählt Europa als Beziehungsgeschichte zwischen Nachbarn. Ulrich Raulff blickt auf die Intellektuellenszene der siebziger Jahre zurück. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Oktober.
Essay
06.10.2014 Tibor Navracsics brachte Ungarn als Justizminister auf den Weg zum autoritären Regime. Er beschnitt mit Viktor Orbán die Kompetenzen der Gerichte und die Freiheit der Medien. Und ausgerechnet er soll EU-Kommissar für Kultur und Bürgerrechte werden?
Redaktionsblog - Im Ententeich
06.10.2014 Den Deutschen Buchpreis verleiht der Börsenverein an Lutz Seiler für "Kruso".
Dienstag, 07.10.2014
Magazinrundschau
07.10.2014 Der New Yorker begleitet die Müllmänner von Kairo. Nepszabadsag fragt, warum die EU einen Mann zum Bildungskommissar ernennen will, der in Ungarn die Medien kastriert hat. In Perfil erzählt Martin Kohan, warum die Vergangenheit nichts Unverrückbares ist. In Slate.fr erklärt Luc Dardenne, warum seine Filme mehr Intuition als Moral haben. Das New York Magazine lässt Drohnen fliegen. Der Mars ist die Grenze, ruft Elon Musk in Aeon.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.10.2014 Zur Buchmesse kündigt Amazon eine E-Book-Flatrate für Deutschland an. In der NZZ denkt Norbert Gstrein dabei sofort an den Tod. In der Saarbrücker Zeitung erzählt die finnische Autorin Leena Lehtolainen, wie oft man finnische Wörter beugen kann. In der Welt erzählt Stefan Moster, wie man aus dem Finnischen übersetzt. In der FR versichert Ernest Wichner: Übersetzen hält jung! Der Tagesspiegel bestaunt im Folkwang Museum die Vermischung japanischer und europäischer Kunst. Alle freuen sich über den Buchpreis für Lutz Seiler.
9punkt - Die Debattenrundschau
07.10.2014 Die Medienjournalisten kennen zwar keine Details zur Gruner-und-Jahr-Übernahme, aber raten können sie: Die Schätzungen über die Kaufsumme gehen von 100 Millionen Euro bis zum hohen dreistelligen Betrag. In Frankreich tobt eine seltsame Kontroverse um den Philosophen Marcel Gauchet, der zugleich in Le Monde erklärt, warum er kein Rebell ist. Antje Vollmer nimmt in der taz Wladimir Putin in Schutz.
Medienticker
07.10.2014 Aktualisiert: Siegfried Lenz ist tot - Bad News aus Gütersloh: Gruner ohne Jahr & ohne Rückversicherung für 200 Mio. Euro - Medienwandel: Warum die eigentliche Revolution erst noch bevorsteht - Aufhebung: Joffe & Bittner scheitern vor Gericht gegen ZDF-Anstalt - ARD-Bericht: Creative Commons im öffentlich-rechtlichen Rundfunk? - Deutscher Buchpreis: Interviews mit Lutz Seiler - Erfahrungsbericht: Im Bauch von Amazon - Der Kanzler der GemEinheit & der Streit um die Veröffentlichung seiner Schmähungen + Alte Bücher zwischen Antiquariat und Papiercontainer.
Bücherschau des Tages
07.10.2014 Einen tiefen Blick in die haitianische Seele gewährt Lyonel Trouillot der SZ mit seinem Roman "Die schöne Menschenliebe". Begeistert ist sie auch von Saskia Hennig von Langes Roman "Zurück zum Feuer". Die NZZ freut sich über die Wiederbegegnung mit dem Nomaden Bruce Chatwin. Die FAZ liest Erzählungen von Haruki Murakami und den Band, der das "Lager" als ein Herrschaftsinstrument der Moderne beschreibt.
Mittwoch, 08.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
08.10.2014 In der Berliner Zeitung bekennt Buchpreisträger Lutz Seiler sich zu Bleistift und Ringblock. Die FAZ reagiert stinksauer auf die Auszeichnung Seilers und wirft ihm vor, Uwe Tellkamps Erfolgsrezept übernommen zu haben. Die taz gerät völlig aus dem Häuschen nach der Ankündigung David Lynchs, die Serie "Twin Peaks" fortsetzen zu wollen. Im Standard fordert die finnisch-estnische Autorin Sofi Oksanen, in Europa einen unabhängigen russischsprachigen Fernsehsender zu gründen.
9punkt - Die Debattenrundschau
08.10.2014 In der Welt stellt Ian Buruma fest: Chinas Herrscher waren immer autoritär, aber selten so gesetzlos und korrupt wie heute. In der NZZ schildert Roberto Simanowski, wie flexibel Hongkongs Universitäten auf die Proteste reagierten. Netzpolitik fürchtet, dass die Netzneutralität dem Breitbandausbau geopfert wird. Twitter will offenlegen dürfen, wie es seine Nutzer überwachen lassen muss. In der Libération verweigert Edwy Plenel religiöse Antworten auf soziale Fragen. Die FAZ berichtet aus der Kurdenmetropole Diyarbakir.
Medienticker
08.10.2014 Gütersloh im Kaufrausch: Bertelsmann will Penguin Random House ganz kaufen - Onlineaffine Bücherleser: Über die Hälfte der Webnutzer interessiert sich für Bücher & Das E-Book-Lesen in der Zukunft - Institut für Digitales: Die Koalition will Internet-Themen erforschen lassen - Ab Mitte 2015: Spiegel Online bekommt kostenpflichtige Zusatzangebote - Ende eines Mammut-Projekts: Reiner Stachs Kafka - Die Grabenkämpfe in der Theorielandschaft oder Wie Ulrich Raulff die Siebziger erlebt hat + Hingabe an die Stille: Nachrufe auf Siegfried Lenz.
Bücherschau des Tages
08.10.2014 Einen unschätzbaren Einblick in "Die Lebenswelt des europäischen Spätmittelalters" gewährt Arnold Esch der FAZ mit seiner Sammlung von Bittschriften an den Papst im 15. Jahrhundert. Die NZZ ist begeistert von Patrick Chamoiseaus Robinsonade "Die Spur des Anderen" und dem Sardinien-Roman "Zwischen den Zeiten" von Marcello Fois. Und die SZ würdigt die empirische Großtat von Thomas Pickettys Studie über "Das Kapital im 21. Jahrhundert".
Im Kino
08.10.2014 Antoine Fuquas Actioner "The Equalizer" macht, dass wir uns noch einmal jung fühlen können. In Alex van Warmerdams "Borgman" sucht eine mysteriöse Erdgestalt eine Familie und deren brutal modernistisches Wohnhaus heim.
Donnerstag, 09.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
09.10.2014 Der Standard lernt in der Grazer Ausstellung "Ordinary Freaks", wie man cool ist. Wenig Experimente, dafür dem Publikum zugewandtes Schreiben findet der Tagesspiegel in finnischen Büchern. Virales Musikmarketing ist Spam, schimpft der Freitag. Die taz beglückwünscht Mainz zu seiner neuen Intendantengeneration.
9punkt - Die Debattenrundschau
09.10.2014 Im Guardian plädiert der Nordirland-Chefunterhändler Jonathan Powell für Verhandlungen mit ISIS: rein militärisch waren Terroristen noch nie zu besiegen. Dounia Bouzar beschreibt in der NZZ die Rekrutierungspraxis islamischer Extremisten. Jeff Bezos hat doch etwas vor mit der Washington Post, stellt die FAZ fest. Die SZ bemängelt die unpragmatische Gründlichkeit der Taskforce zur Untersuchung der Gurlitt-Sammlung. Überall in Deutschland werden Asylbewerberheime geschlossen oder abgerissen, berichtet die Zeit.
Medienticker
09.10.2014 Aktualisiert: Patrick Modiano erhält Literatur-Nobelpreis - Buch/Handel 2020: Wenn Amazon mit WriteOn gegen Wattpad antritt & Digitales auf der Buchmesse - E-Book-Flatrate: Es muss nicht immer Amazon sein - Eric Schmidt: Der Google-Chef fürchtet die Zerstörung des Internets & wettert gegen NSA - Frisch erblühte Liebe: ARD legt sich mit Sky ins Bett - Floskeln, Jargon & Geschwafel: Rolf Schneider über abgebrochene Gesprächsfäden & andere sprachliche Ungetüme + Lyrik mit leisem Witz und zarter Ironie. Über Marcel Beyers "Graphit".
Bücherschau des Tages
09.10.2014 Nach der Lektüre des vom finnischen Filmhistoriker Peter von Bagh herausgegebenen Bandes "Kaurismäki über Kaurismäki" möchte die FAZ am liebsten gleich einen Film von Aki Kaurismäki sehen. Die Regisseurin und Schauspielerin Lena Dunham versetzt die SZ mit ihrem Essaybuch "Not That Kind of Girl" in Verzückung. Dirk von Petersdorff begegnet der NZZ auch in seinem neuen Lyrikband "Sirenenpop" als verlässlicher Sprachartist und Formkönner. Und die Zeit reist in "Der Junge muss an die frische Luft" in die Kindheit Hape Kerkelings.
Redaktionsblog - Im Ententeich
09.10.2014 Der Literaturnobelpreis wird in diesem Jahr an den französischen Autor Patrick Modiano verliehen. Laut Erklärung des Komitees erhält Modiano die Auszeichnung "für die Erinnerungskunst, mit der er die unbegreiflichsten menschlichen Schicksale wachruft und die Lebenswelt der Besatzung aufdeckt."
Freitag, 10.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
10.10.2014 Das war eine Überraschung, auch für die Literaturkritiker, aber dann sind doch alle zufrieden mit dem Literaturnobelpreis für den französischen Autor Patrick Modiano. Nur die taz fragt: Warum nicht Hoellebecq? Warum machen deutsche Verlage Amazon keine Konkurrenz, fragt auf NDR Kultur Julia Franck. Die FAZ ärgert sich über mediokres Touristentheater an der Wiener Staatsoper. Die NZZ begutachtet Einfamilienhäuser in Tokio. Die taz schwingt das Tanzbein mit Caribou, SZ und NZZ wippen zum Calypso Craze.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.10.2014 Die taz stellt die ausländischen ISIS-Milizionäre in die Tradition von internationalen Brigadisten wie Lord Byron und Giuseppe Garibaldi. Der Psychiater Norbert Nedopil definiert in der Welt die Grenze zwischen Wahn und Fanatismus. Russland ist keine ein wenig defekte Demokratie, stellt Jerzy Mackow im Tagesspiegel klar. Und die taz besucht die kulturell verödete Stadt Mostar.
Medienticker
10.10.2014 Aktualisiert: Reporter müssen umlernen, meint Cordt Schnibben - IVW-Analyse: Online-Nachrichtenmarkt stagniert & Mobile-Apps-Zahlen explodieren - Ein Jahr Huffington Post in Deutschland: Kritik zum Jubiläum von Tobias Schwarz - Die Suchmaschine im Kopf: Peter Burkes "Explosion des Wissens" - Gnadenfrist: Google gewährt Verlagen Aufschub - Theater-Nachtkritik: "Algorithmen" in Berlin & "Hoppla, wir leben" in München + Wiener Literaturgeschichte: Vor 50 Jahren nahm sich Konrad Bayer das Leben.
Bücherschau des Tages
10.10.2014 Mit "Nagars Nacht" haben Astrid Dehe und Achim Engstler einen verstörenden Roman über den Henker Adolf Eichmanns geschrieben, meint die FR. Die SZ liest Barbara Yelins Graphic Novel "Irmina" über eine Mitläuferin im Nationalsozialismus. Und die FAZ lässt sich von Konrad Paul Liessmann und Julian Nida-Rümelin das Ausmaß der Bildungsmisere erläutern, bleibt aber skeptisch hinsichtlich der aufgezeigten Auswege.
Samstag, 11.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
11.10.2014 "Schlucken Sie die Aprikosen und die Pfirsiche / Und die Klingen des Rasierers / Erstaunen Sie mich!" Slate.fr erinnert sich an die Chansontexte, die Patrick Modiano einst für Francoise Hardy schrieb. In der NZZ erklärt der französische Autor Mathias Enard, warum er lieber dokumentarische Romane als literarische Reportagen schreibt. Die Theaterkritiker suchen den Reflexionsraum in Anne Lenks Inszenierung von Ernst Tollers "Hoppla, wir leben!". Die Welt sucht in der Bremer Kunsthalle nach der Energie Jason Rhoades. Die SZ erliegt der abgründigen Dialektik der Luisa Casati.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.10.2014 Der BND interessiert sich auch für die Kontakte der Kontakte der Kontakte der Kontakte von Verdächtigen, meldet Zeit digital. Die Sharing-Ideologie des Internets befördert eine Zweiklassengesellschaft, befürchtet Jaron Lanier in der Welt. Google hadert mit der vom EuGH auferlegten Rolle als Zensor seiner Suchergebnisse, berichtet der Tagesspiegel. Alle sind einverstanden mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi. Genau daran stört sich die taz.
Bücherschau des Tages
11.10.2014 Die SZ beobachtet Postmoderne in Bewegung in Ulf Erdmann Zieglers London-Roman "Und jetzt du, Orlando". Die Welt versenkt sich in Stimmung und Klang von Marcel Beyers neuen Gedichten. Die FAZ liest in Jennifer Clements Roman "Gebete für die Vermissten" über knallharte Frauenschicksale in der indigenen Bevölkerung Mexikos. Die FR freut sich über Ruckzucksätze und finnischen Humor in Mooses Mentulas Eheroman "Nordlicht - Südlicht". Unsagbar souverän findet die NZZ Nino Haratischwilis Roman "Das achte Leben (Für Brilka)".
Montag, 13.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
13.10.2014 Die Musikkritiker amüsieren sich prächtig mit Offenbachs "Schöner Helena" in Barrie Koskys Inszenierung an der Komischen Oper. Wie in einem Shakespearedrama fühlt sich der Guardian vor dem Spätwerk Rembrandts. Die NZZ taucht ein ins musikalische Werk Dieter Roths. In der Welt erklärt Filmregisseur Zach Braff, warum er Kickstarter liebt.
9punkt - Die Debattenrundschau
13.10.2014 Jaron Lanier kritisiert in seiner Friedenspreisrede die Idee des offenen Netzes. Die Medien loben seinen hinreißenden Auftritt. Der Perlentaucher ist nicht einverstanden mit seinen Thesen. Kein Abwesender ist anwesender als Edward Snowden: In New York feiert Laura Poitras' Film über ihn Premiere, berichtet zeit.de. Der New Yorker interviewte ihn per Video. Die NZZ erinnert an den Rücktritt Nikita Chruschtschows. Und die taz erzählt, wie russische Soldaten wider Willen in die Ukraine geschickt wurden.
Medienticker
13.10.2014 September-Begegnung mit Peter Handke: Lothar Strucks Besuch in Chaville - Vier Zeitungsteile mehr: Süddeutsche baut Wochenendausgabe aus - Bremer Sprachblog: Wie Medien Wörter machen - Die Blauäugigen: Eine Diskussion über Rassismus am Hamburger Schauspielhaus - Keksdose Internet: Theater-Nachtkritiken aus Hannover, Karlsruhe & Wien + Schreiben und Leben: Ein Gespräch mit Martin Walser über seine Tagebücher von 1979 bis 1981.
Bücherschau des Tages
13.10.2014 bestens unterhalten und viel küger fühlt sich die SZ dank Peter Burkes Kulturgeschichte "Explosion des Wissens". Unerbittlich, aber großartig findet die FAZ Sally Nicholls Jugendbuch über die Pest im englischen Mittelalter. Sehr empfehlen kann sie auch Cao Wenxuans dunkles konfuzianisches Märchen "Bronze und Sonnenblume".
Essay
13.10.2014 Man kann nicht permanent die Persönlichkeitsrechte des Individuums als höchste Errungenschaft des Rechtsstaates feiern und ihm dann die Bestimmung der Art und Weise, wie er sein Leben beenden will, vorenthalten.
Dienstag, 14.10.2014
Magazinrundschau
14.10.2014 Drei amerikanische Medien sehen schwarz in Afrika: Die Newsweek überprüft George Clooneys Engagement für den Südsudan. Der New Yorker schildert die von Frankreich gerade so gestoppte Selbstzerfleischung der Zentralafrikanischen Republik. In der New Republic bezweifelt Martha Nussbaum den Sinn westlichen Engagements. Ungarische Magazine beschreiben, wie Intellektuelle sich vom Regime glattschleifen lassen. Im New Statesman unterhält sich Grayson Perry mit Martin Amis. Télérama widmet sich der krisenhaften Beziehung von Truffaut und Godard.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.10.2014 In der Welt erklärt Fatih Akin, warum es in seinem Film über den armenischen Genozid kaum Gewaltszenen gibt. Das TLS stellt die russische Dichterin Regina Derieva vor, die das Meer liebte, aber in einer staubigen Ecke Kasachstans leben musste. Die Berliner Zeitung lauscht ganz ohne Ohrstöpsel dem grell leuchtenden Klanggewitter von Glenn Branca. Die taz singt der schönen Nana Mouskouri ein Geburtstagsständchen.
9punkt - Die Debattenrundschau
14.10.2014 Die SZ ist traurig: Ganz so weit, auch Homosexualität anzuerkennen, geht der neue Papst offenbar nicht. Caroline Fourest graut's in huffpo.fr vor den Scharia-Familiengerichten in Großbritannien. In der taz fühlt sich Ulrich Beck "von der Wirklichkeit überrollt". In der FAZ erklärt Neil MacGregor, warum es Zeit wird, dass sich die Briten mit den Deutschen auseinandersetzen. Propublica beschreibt, wie Telekom-Konzerne gegen Netzneutralität mobilisieren. In der New Republic ruft BHL: Schande über die Türkei.
Medienticker
14.10.2014 Braucht die Branche mehr "Media Entrepreneurs"?, fragt sich Stefan Aigner - Tweets ersetzen keine Interviews: 65 Jahre Bundespressekonferenz - Red Bull verleiht Flügel & Zeitunglesen macht klug, weiß Boris Rosenkranz - Amazon ist der größte Konkurrent von Google, meint Eric Schmidt - Zukunft des Fernsehens - Mediennutzung 2024: Wie sieht die Mediennutzung der Zukunft aus? + Wenn der alte den jungen HME befragt: Enzensbergers autobiografisches Kabinettstück.
Bücherschau des Tages
14.10.2014 Die FR liest nach langer Zeit mal wieder die Gefängnisbriefe von Antonio Gramsci und staunt über seinen unaufhörlichen Drang, wissen zu wollen. Die NZZ bewundert Rainer Stach für seine sorgsame, diskrete und doch schwingende Kafka-Biografie, deren dritter Teil "Die frühen Jahre" nun vorliegt. Die FAZ sucht im "Labor der Moderne" Auswege aus der europäischen Nachkriegsarchitektur. Außerdem geht sie vor dem "Riesenstaatsmann" Winston Churchill in Habacht.
Mittwoch, 15.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
15.10.2014 Der Freitag fragt: Wozu ein Michael-Althen-Preis für Kritik, wenn damit keine Kritiker ausgezeichnet werden? Die Welt besucht eine Ausstellung der "Zero"-Künstler in New York. Mohamed Alabbar aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, baut Belgrad ein neues Zentrum am rechten Ufer der Save, berichtet die NZZ. Die Nachtkritik fragt, warum Karin Bergmann nur einen Fünfjahresvertrag am Burgtheater bekommt, wenn sie den Karren schon aus dem Dreck ziehen soll? Die taz feiert legt sich die Feuerameisen der Metal-Dröhn-Mönche um den Hals.
9punkt - Die Debattenrundschau
15.10.2014 Wir brauchen mehr Whistleblower, ruft Lawblogger Thomas Stadler, denn die Parlamente bringen's nicht. Rue89 erklärt, was Wirtschaftsnobelpreisträger Jean Tirole gegen Google hat und was nicht. Die FAZ will kein Recht auf Beihilfe zum Suizid. Die New York Times schafft ihre Schachkolumne ab, Garry Kasparow ist aber nicht traurig. Google übersetzt für uns Joseph Brodskys Spottgedicht über die ukrainsche Unabhängigkeit, über das laut FAZ im russischen und ukrainischen Netz gestritten wird.
Medienticker
15.10.2014 Das Feuilleton als Gesamtzusammenhang: Frank Fischer über die Einstellung des Feuilletonpressegesprächs auf Deutschlandradio Kultur - Auszeichnung: Man Booker Prize 2014 für den Australier Richard Flanagan - Mächtige neue Medien: Doch wie einflussreich sind sie? - Pressefreiheit auf Türkisch: Reporter festgenommen - Kungel-Räte: Ministerpräsidenten-ZDF - Krautreporter von innen: So funktioniert das Online-Magazin, erklärt Jakob Steinschaden + Wiener Burgtheater: Es wird weiter gemistet, meint Dirk Pilz.
Bücherschau des Tages
15.10.2014 Statt schwarzer Austria-Folklore verhandelt Wolf Haas im neuen Brenner-Krimi "Brennerova" gesellschaftliche Realitäten, ansonsten ist zur Freude der NZZ aber alles beim Alten. Die SZ erinnert sich mit dem Band "Liebling, ich bin im Kino" wehmütig an die unglaubliche Lässigkeit des Filmkritikers Michael Althen. Und die Welt verfolgt vergnügt, wie Ingrid Noll in "Hab und Gier" einen Mittelstandsbürger in ihre literarische Mangel nimmt und all die Schlechtigkeit aus ihm herauspresst.
Im Kino
15.10.2014 Udo Kier weiß sich in Hermann Vaskes "Arteholic" in Szene zu setzen - als der Extremsportler unter den Kunstenthusiasten. Fatih Akin lässt in "The Cut" den Völkermord an den Armeniern zu einer bloßen Gemeinheit verkommen.
Redaktionsblog - Im Ententeich
15.10.2014 Trotz ihres Milliarden-Budgets kommen die Öffentlich-Rechtlichen nicht an die Jugend heran. Ein Grund mehr zu expandieren! Mit unverschämten Argumenten setzen sie die Politiker unter Druck.
Donnerstag, 16.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
16.10.2014 Die Welt würdigt den feinen Humor Nick Caves. In der Presse erzählt Juliette Gréco von den revolutionären Manieren des Erzkatholiken Mauriac. In der taz erklärt die kuwaitische Künstlerin Shurooq Amin, warum Erotik und Rebellion zusammengehören. Theater der Zeit kritisiert das Reflexionsniveau deutscher Theater in Sachen Blackfacing.
9punkt - Die Debattenrundschau
16.10.2014 Die Zeit sieht den Suizid Udo Reiters als Provokation für Befürworter, aber auch für die Gegner der Sterbehilfe. Die NZZ analysiert den Retro-Kitsch in der russischen Speiseeis-Produktion. Vice erinnert daran, dass in Saudi Arabien in diesem Jahr bereits 59 Menschen geköpft wurden. Komponisten, die für die ARD arbeiten, sträuben sich gegen Creative-Commons-Lizenzen in dem Sender, berichtet Netzpolitik. Dafür wollen die Sender aber einen Jugendkanal, den der Perlentaucher aber ablehnt.
Medienticker
16.10.2014 Neues Genre? Laurenz Bolliger über Amazons "Singles" - Autoren kommen ins Wohnzimmer: Random Houses digitales Marketing - Gabor goes global: Handelsblatt startet globale Digital-Ausgabe - Roman der letzten Künste: Dietmar Dath über sein neues Buch "Feldeváye" - Buchmessen Nachlese: Digitale Trends - Schlagerernst und Castingknäuel: "Tessa Blomstedt gibt nicht auf" an der Volksbühne Berlin - Googles Internet: Überwachungskapitalisten unter sich oder Löschbeirat in Berlin: Das Recht, Google zu zwingen, einen Link zu entfernen.
Bücherschau des Tages
16.10.2014 François Gardes Debütroman "Was mit dem weißen Wilden geschah" ist zugleich packende Robinsonade und profunde Reflexion über Fragen nach Identität und Zivilisation, staunt die NZZ. Die SZ liest ergriffen den Roman "Der Himmel meines Großvaters", in dem Stefan Hertmans den Ersten Weltkrieg aus belgischer Perspektive schildert. Und die Zeit informiert sich mit Jan Eckels Studie "Die Ambivalenz des Guten" über die Geschichte der Menschenrechte in der internationalen Politik.
Freitag, 17.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
17.10.2014 Die Welt trainiert ihr Hirn mit den Videos von Elizabeth Price. Die Theaterkritiker spüren in Christoph Marthalers "Tessa Blomstedt gibt nicht auf" den "cool wind in my hair". Peter Handke würde am liebsten den Nobelpreis für Literatur abschaffen, meldet die Presse. Die NZZ fürchtet, Radiohead-Sänger Thom Yorke könnte Musikhörer auf den Geschmack des Filesharing bringen. Die Berliner Zeitung experimentiert weiter mit ihren Ohren und setzt sie sadomasochistischen Unter- und Obertönen aus.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.10.2014 Die Vergewaltigungen und Versklavung von Frauen durch die IS-Bande ist vor allem wirtschaftlich lukrativ, meint die Feministin Monika Hauser in der taz. Libération stellt eine Open-Source Initiative vor, die zu jedem Alpha-Service im Netz von Google oder Facebook Alternativen sucht. Berlin ist ein Failed State, ruft der Ex-Pirat Christopher Lauer in der Welt, und es liegt auch an den Medien. In der NZZ warnt der Medizinhistoriker Robert Jütte vor Ebola-Panik. Im Telegraph kritisiert John Grisham die drakonischen Strafen der USA für das Betrachten von Kinderpornografie.
Medienticker
17.10.2014 Aktualisiert: VG Media vs. Google: Modifizierter Snippet-Streit & sinkende Werbepreise schmälern Googles Gewinn - Frankreich: Internet ohne Pressefreiheit - Nachrichten-Klickcharts: FAZ unter den Top 10 - Tweets: Journalismus am Limit - Was wird aus den gedruckten Medien? "Nichts verschwindet ganz", meint Jakob Augstein - Der Bauschutt der Moderne: Theaterkritik aus Graz, Stadttheater-Debatte & welches Theaterbild vermittelt eigentlich der "Tatort"? + Jedes Jahr im November: 50 Jahre Berliner Jazztage / JazzFest Berlin.
Bücherschau des Tages
17.10.2014 Nicht ohne Wehmut liest die FR "Nackt", den letzten Teil von Jean-Philippe Toussaints Romanzyklus um Marie Madeleine Marguerite de Montalte. Die FAZ begegnet mit "Der Tramp und die Bombe" einem nie realisierten Filmprojekt von James Agee für Charlie Chaplin. Die SZ ist schwer beeindruckt von Sven Beckerts Kapitalismusgeschichte "King Cotton". Von Martijn Icks lässt sie sich außerdem den vermeintlich faszinierenden römischen Kaiser Elagabal entzaubern.
Essay
17.10.2014 Gegen das antisuizidale "Dammbruch"-Argument: Wenn der Staat die Pflicht hätte, die Bürger zu ihrem eigenen Wohl vor sich selbst zu schützen, dann müsste man auch Rauchen, Motorradfahren und Currywürste verbieten.
Samstag, 18.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
18.10.2014 In der Welt sieht David Cronenberg ein Leben nach dem Tod auf seinem Iphone. Die SZ hört Beethoven in einem syrischen Lager für palästinensische Flüchtlinge. Die Berliner Zeitung wirft einen Blick auf Fotos vom anderen Europa. Der Guardian fragt: Wie wichtig ist Picasso für das 21. Jahrhundert?
9punkt - Die Debattenrundschau
18.10.2014 Was wird aus dem Museum der Moderne in Berlin? Vielleicht nichts, meint die FAZ. Die taz porträtiert Karen Duve, die in ihrem neuen Buch "Warum die Sache schiefgeht" das Ende der Menschheit ansagt. In Nonfiction.fr erklärt der Sinologe Nicolas Idier, warum Simon Leys besser ist als Orwell. Russland ist vom Westen keineswegs gedemütigt worden, insistiert Anne Applebaum in Slate. Die Süddeutsche präsentiert sich samstags jetzt als eine Art Sonntagszeitung.
Bücherschau des Tages
18.10.2014 Die Welt stimmt ein in den großen Lobgesang auf Brendan Simms "Kampf um Vorherrschaft" und durchlebt mit Johannes Willms Tugend und Terror der Französischen Revolution. Die FAZ will sich Martha Nussbaums Kopftuch nicht überziehen. Die SZ ist bewegt von Hape Kerkelings Kindheitserinnerungen. Die FR feiert Barbara Yelins Comicroman "Irmina". Und die taz will mit Tania Witte "Bestenfalls alles".
Montag, 20.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
20.10.2014 Die NZZ bestaunt die riesige neue Markthalle in Rotterdam. Der Tagesspiegel bewundert die Stille in den Fotografien von Michael Wesely. Die Jungle World erliegt dem extremen Charisma Isild le Bescos. Die FAZ erlebt eine intensive Verschmelzung in Hans van Manens Choreografie "Alltag". In der Welt donnert Werner Spies gegen die neue Hängung im Picasso Museum: So nicht!
9punkt - Die Debattenrundschau
20.10.2014 In der FR spricht Gerd Koenen über die Psychologie des Terrorismus und die neue Qualität der IS-Miliz. In Frankreich graut es dem Premier und den Zeitungen vor dem Polemiker Eric Zemmour, der das Vichy-Régime verteidigt - und damit Erfolg hat. In deutschen Zeitungen herrscht große Empörung über die Idee des "Social Freezing". In der SZ spricht der Hongkonger Kulturtheoretiker Oscar Ho über die Proteste seiner Studenten.
Medienticker
20.10.2014 Geeks & Gadgets: Wired wagt Neustart in Deutschland - House of Cards in echt: Den Machtwechsel bei der Washington Post, erläutert Wolfgang Michal - Janusköpfige Allianz: Spiegel & Amazon - Kraut & Rüben: Deutsche Zeitungen und ihre Desinformationsvielfalt - Qualität im Überfluss: Wir haben bereits mehr guten Onlinejournalismus als wir lesen können, meint Jürgen Vielmeier - Print & Online: DJV-Tagung "Besser Online" in Berlin + Strahlende Brillanz: Rainer Moritz über Howard Jacobsons "Im Zoo".
Magazinrundschau
20.10.2014 Nicht das Virus, sondern das katastrophale Gesundheitswesen in Liberia ist schuld an Ebola, schreibt Harvard-Experte Paul Farmer in der LRB. Micromega verortet Papst Franziskus zwischen Sein und Schein. Vice betreibt die Archäologie des Northern Soul. In Quietus verlangt Teju Cole mehr Gehör für Nigeria. Télérama schüttet die Gräben zwischen den Generationen zu. Wenn Hector Abad mit nur einer einzigen Website auf eine einsame Insel surfen dürfte, dann wäre das die Wikipedia, erklärt er in El Espectador.
Bücherschau des Tages
20.10.2014 Die Erfolge von Menschrechtspolitik lassen sich allenfalls in Graustufen messen, lernt die taz von Jan Eckel, der ihr mit "Die Ambivalenz des Guten" einen guten Überblick über Idealismus, Rhetorik und Kalkül verschafft. Als eine Geschichte der Niedertracht nimmt die SZ Stephanie Barts Roman "Deutscher Meister" auf.
Vorgeblättert
20.10.2014 Erkundungsreisen über das Leben, die Liebe, die Verschiedenheit von Männern und Frauen und die Kunst, im Wetterleuchten Karten zu studieren. Lesen Sie hier einen Auszug aus Anne Carsons "Anthropologie des Wassers".
Dienstag, 21.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
21.10.2014 Der Tagesanzeiger rühmt die drei Augen des René Burri. Die taz freut sich, dass die Malerin Florine Stettheimer auch ganz ohne Mann Odaliske sein konnte. Thomas Meinecke feiert in der SZ die eklektische Splitterung des Oeuvres von NRBQ. Den Donaueschinger Musiktagen steht eine Zukunft als wirbellose Molluske bevor, fürchtet die FAZ. Die Welt besucht Arvo Pärt und Robert Wilson in Tallin.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.10.2014 In der NZZ fordert die tunesische Philosophin Zeineb Ben Saïd-Cherni ein emanzipatorisches Gedächtnis. Spiegel Online läuft mit der Bundesregierung der Digitalisierung hinterher. Die taz hat ein Land gefunden, in dem noch weniger Kinder geboren werden als in Deutschland: Südkorea. Die FAZ will die NRW-Warhols behalten.
Medienticker
21.10.2014 IVW-Zahlen: Print, wie es sinkt und kracht oder Von Einquartalsfliegen und wankenden Riesen - Gesetz mit Tücken: Google bittet Kartellamt um Untätigkeit - Konditionsstreit: Amazon einigt sich mit Bonnier - Kölle vorn: DuMont startet Nachmittagszeitung "Xtra" - Spiegelfechtereien: Giovanni di Lorenzo will nicht "Spiegel"-Chef werden - Deutsche "Wired": Wo ist der Wahnsinn? - Experimentelle Rockmusik: Kevin Ayers & Frank Zappa und ihre Anleihen beim Jazz.
Bücherschau des Tages
21.10.2014 Die SZ geht mit Daniel Alarcon auf Theatertournee durch Peru. Die FAZ lernt bei Tanguy Viel alles über den amerikanischen Roman und "Das Verschwinden des Jim Sullivan". Die NZZ verliert sich mit Ulf Erdmann Ziegler im London der Achtziger und verneigt sich vor Felix Philipp Ingold, der mit "Leben und Werk" sein eigenes Monument errichtet hat. Und die FR empfiehlt Wolfgang Schieders kurze, aber präzise Mussolini-Biografie.
Mittwoch, 22.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
22.10.2014 Die taz lernt von südostasiatischer Kunst in Istanbul, wie sinnlich politische Aufklärung sein kann. Die NZZ bewundert die stumme Aufgeladenheit in den Bildern Edouard Vuillards. Zeitonline fragt, wie stereotyp männliche Popstars sind. Die Nachtkritik erklärt, was Wolfgang Wagner und Fidel Castro gemeinsam haben. Beim Theaterdebüt des Filmemachers Wenzel Storch weisen Gefäße Gottes der Welt neue Wege zur Sexualität.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.10.2014 Die SZ staunt über die Logistik von Amazon. Der postkoloniale Faschist Dieudonné gründet in Frankreich eine Partei, denn der Front national ist ihm nicht mehr antisemitisch genug, berichtet Médiapart. Die Hauptquelle der Gewalt in der Welt ist nicht der Krieg, sondern die Familie, schreibt Björn Lomborg in der Welt. Die NZZ beschreibt die pikierten Mienen der grauen Eminenzen des Dschihad angesichts der Erfolge der IS-Miliz. Die NZZ schildert auch die immer schwierigere Arbeit freier Kriegsreporter. Und Spiegel online wird zwanzig und hält Rückschau.
Medienticker
22.10.2014 Leistungsschutzrecht: VG Media will Entscheidung vom Bundeskartellamt - Das Pro & Contra von Hintergrundgesprächen diskutiert die taz - Lieber Sensationen: Warum die Wahrheit im Netz niemanden interessiert - Zukauf: Bertelsmann kauft E-Learning-Plattform - Martin Walser: "Solche wie mich verachte ich, mich aber nicht" - ARD & ZDF: Echternacher Springprozession der Öffentlichrechtlichen - Säuferleben: Über Charles Jacksons "Das verlorene Wochenende" + Der Mann mit dem abseitigen Blick: Zum Tod des Fotografen René Burri.
Bücherschau des Tages
22.10.2014 Mit großem Vergnügen lässt sich die FR von Malcolm Tait und Olive Tayler Wissenswertes über "Vögel" zusammentragen. Im Kinderroman "Emil und Karl" von Yankev Glatshteyn erkennt die FAZ eine Allegorie der deutsch-jüdischen Geschichte. Die SZ ist beeindruckt von Johanna Holmströms Roman "Asphaltengel". Faszinierend findet sie außerdem, dass der Kunsthistoriker Martin Warnke seine publizistische Karriere mit Berichten vom Frankfurter Auschwitz-Prozess begann, die sich im Band "Zeitgenossenschaft" gesammelt finden.
Im Kino
22.10.2014 Ein Sturm im katholischen Wasserglas entfacht John Michael McDonaghs "Calvary". In Tim Storys "Think Like a Man Too" zappelt Kevin Hart gegen ein rigoros gebändigtes Drehbuch an.
Donnerstag, 23.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
23.10.2014 Die HuffPo.fr würdigt die Schwärze des Universalkünstlers Topor. Die Welt erlebt einen Kulturschock beim Filmfestival von Busan. In der taz erklärt die südkoreanische Regisseurin Cho Sung-Hyung, wie man in Nordkorea dreht. Die Zeit und Martha Agerich feiern einen neuen russischen Pianisten: Daniil Trifonow.
9punkt - Die Debattenrundschau
23.10.2014 Laut Slate hat das Google-Auto ein "schmutziges Geheimnis": Es kann nur innerhalb von Google Maps fahren. Eine rote Ampel, die es nicht kennt, wird konsequent überfahren. Die taz fragt: Ist die Empörung über die IS-Miliz ungerecht? Die VG Media gibt gegenüber Google klein bei. Ihre Zeitungen wollen auf die Klicks von Google vorerst nicht verzichten. Andere Medien fordern mehr Vertrauen in folgende drei Player: Gott, Kultur und Journalismus.
Medienticker
23.10.2014 IT-Gipfel: Warum Merkel eine wertelose Digitalpolitik macht - Vertrauensvorschuss: Krautreporter vor dem Start - Journalismus: Christian Lüscher erklärt, warum Journalisten nerven & Fritz Dittlbacher weiß, warum Journalismus der beste Job der Welt ist - Jürgen Neubauer stellt sich vor, es ist (Amazon-)Flatrate und keiner geht hin - Theater-Nachtkritik: Erzählen und erzählen lassen oder "Der Argentinier" in Aargau - Gesetzentwurf. Ungarn plant eine Gigabyte-Steuer + In Ewigkeit Elvis: Zum Tod des Fotografen Alfred Wertheimer, der das Bild vom "King of Rock'n'Roll" prägte.
Bücherschau des Tages
23.10.2014 Genuss und Gewinn der Lektüre des großen Rolling Stone-Interviews mit Susan Sontag von 1978 wird für die FAZ nur von der Bildungshuberei des Gesprächspartners Jonathan Cott gestört. Gar nichts auszusetzen hat sie hingegen an der Interviewtechnik von Giovanni di Lorenzo, dessen im Band "Vom Aufstieg und anderen Niederlagen" gesammelte Gespräche sich ihr zu einem zeithistorischen Roman der jüngeren Vergangenheit fügen. Die Zeit lässt sich indessen von Jim Holt so plausibel wie unterhaltsam auseinandersetzen, warum die Welt existiert.
Freitag, 24.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
24.10.2014 Der Standard badet im Lichte Monets. Frank Gehrys Fondation Louis Vuitton in Paris symbolisiert für die Zeit vor allem die neue Macht des Geldes. In der taz erklärt der Künstler Dries Verhoeven, warum wir gleichzeitig immer prüder und pornografischer werden. Der Standard erlebte im Wiener "Tannhäuser" einen grandiosen Christian Gerhaher. Und das Art Magazin weiß schon, welche Künster bei der Biennale Venedig 2015 Deutschland vertreten werden.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.10.2014 Nun gerät auch noch das Internet über eine Steuer in den Würgegriff der ungarischen Zensoren, fürchtet die taz. Es ist Zeit, die PKK als Alliierten anzusehen, ruft Bernard-Henri Lévy in der New Republic. Die Zeitungen der VG Media kuschen vor Google, aber nicht vor den kleineren Suchmaschinen, schreibt Lawblogger Thomas Stadler. In der Welt setzt Wolf Lepenies Hoffnung in die tunesische Demokratie. Und die NZZ macht sich Sorgen um das Wienerische.
Medienticker
24.10.2014 Aktualisiert: Das volle Ausmaß der Print-Krise: 89 Prozent der Zeitschriften verloren Auflage - Doppelstrategie: Springer schickt Welt in den Google-Kampf - Crowdfunding: Die Crowd, die nicht misstraut - Partizipativer Journalismus: "Moderatoren statt Meinungsdiktatoren sein", meint Mathias Müller von Blumencron - Büchnerpreisträger: Interview mit Jürgen Becker - Rechtsstreit: Suhrkamp kann zur AG werden - Rimbaud vom Cwmdonkin Drive. Auf den Spuren von Dylan Thomas + Storytelling: Das goldene Radio-Zeitalter steht noch bevor.
Bücherschau des Tages
24.10.2014 "Nahrung fürs Herz" entdeckt die FAZ in Tadeusz Dąbrowskis Gedichten "Die Bäume spielen Wald". Sehr gut gefällt ihr auch Ursula Harters lehrreicher und prächtiger Band "Aquaria". Die FR rät dringend zur Lektüre von "Bücherdämmerung". Die SZ liest James Joyces Mini-Epene "Finn's Hotel".
Samstag, 25.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
25.10.2014 Im Standard staunt Luc Dardenne über den neuen italienischen Stil seines Regiebruders Jean-Pierre. Außerdem huldigt der Standard mit Martin Schnur Velázquez. Etwas entgeistert reagieren die Kritiker auf Stefan Nüblings Berliner Hebbel-Inszenierung "Der Untergang der Nibelungen". Die Berliner Zeitung wirft dem Regisseur vor, ein Verhältnis zur Geschichte zu haben "wie der Metzger zur Leberwurst". Die Welt erkennt: Gehry is so over! Allgemeines Aufatmen über das endgültige Ende des Streits um Suhrkamp.
9punkt - Die Debattenrundschau
25.10.2014 Mit der Digitalen Agenda will die Bundesregierung die Anonymität im Netz abschaffen, stellt die FAZ fest. Ello und die Schweiz haben hingegen den Standortvorteil von Anonymität und Datenschutz erkannt. Wo im Mittelalter Judenpogrome stattfanden, kaufen die Menschen heute weniger Aktien, berichtet die Welt. In der taz gewährt Vamik Volkan Einblick in die Psychologie von Selbstmordattentätern. Und Frank Golczewski rät der Ukraine, die russischen Propagandalügen nicht auch noch zu bestätigen.
Bücherschau des Tages
25.10.2014 Die Welt liest in George Dysons Buch "Turings Kathedrale" nach, wie Mathematik und Militär gemeinsam in Princeton die Digitalisierung ausheckten. Bittere Erkenntnisse über die Intelligenzen von Primaten entnimmt sie Bettina Suleimans Roman "Auswilderung". Die NZZ lässt sich ein bisschen Antiimperialismus in Yasushi Inoues Roman "Die sieben Rosen von Tokyo" gern gefallen. Großes Lob spendet sie auch Andrej Kurkows für "Jimi Hendrix live in Lemberg". Und die taz freut sich über Liza Codys Roman "Lady Bag".
Montag, 27.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
27.10.2014 Zu fatalistisch findet die Theaterkritik Jan Bosses Inszenierung von "Dantons Tod" am Burgtheater: Es gibt kein Erbleichen vor der Realität allgegenwärtigen Mordens, notiert der Tagesspiegel. Eine satte Viertelstunde applaudiert die FAZ in Stuttgart Andrea Breths Inszenierung der Rihm-Oper "Jakob Lenz". Die Welt begibt sich auf die Pirsch nach guten Pornos. Die NZZ porträtiert den koreanischen Dichter und Kollaborateur Lee Kwang Soo.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.10.2014 Die Welt fragt, warum die Zahl der Hinrichtungen im Iran steigt. In der taz denkt Laura Poitras über die Option der Rückkehr zum Analogen nach. In der SZ erklärt der Schriftsteller Sergej Lebedew die gruselige Ergebenheit der Russen gegenüber Putin. Das Niemanlab berichtet, dass Springer und die New York Times gemeinsam drei Millionen Dollar in eine Plattform für zahlbare Artikel investieren. In der FAZ kritisiert der Kabarettist Dieter Nuhr Medien, die Salafisten Raum geben. Und wir binden ein Videogespräch zwischen Lawrence Lessig und Edward Snowden ein.
Medienticker
27.10.2014 Leistungsschutzrecht: Holzmedien verlassen den Holzweg oder auch nicht, Michael Frenzel über die Absurdität einer Debatte - Experimentell & düster: Patti Smith interpretiert Nico-Gedichte in der Berliner Volksbühne - Die Rückkehr der Räuberbarone: Ökonom Paul Krugman fordert die Zerschlagung von Amazon - Journalismus: Professionelles Schreiben für lau & Stefan Niggemeier untersucht die Wahrheit über die Lügen der Journalisten + Büchnerpreisträger Jürgen Becker: Seine Gedichte lehrten eine neue Wahrnehmung der Sprache und der Welt.
Bücherschau des Tages
27.10.2014 Die SZ preist den großen jugoslawischen Schriftsteller Danilo Kiš, der so wunderbar Reales mit Groteskem, Surreales mit Mythischem verband. Die FAZ freut sich über Orkun Erteners gelunges Krimi-Debüt "Lebt" und fährt bestens mit Franz Doblers Roman "Ein Bulle im Zug".
Tagtigall
27.10.2014 Wer erinnert sich noch an Uwe Greßmann, in dessen Versen die Straßenbahnen Geige spielten und "die Firma" Irma hieß? Der 1969 im Alter von 36 Jahren verstorbene Dichter galt in der DDR als Sonderling; im Westen, wo man damals auf "Ermittlungen" und "neue Schlichtheit" setzte, blieb er nahezu unbekannt.
Snapshots Blog - von Sascha Josuweit
27.10.2014 Geologisches Zeitalter, gekennzeichnet durch die intensive Um- und Neugestaltung des Erdsystems durch den Menschen seit Beginn der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Dienstag, 28.10.2014
Magazinrundschau
28.10.2014 Péter Nádas erklärt in Élet és Irodalom, was er von seinen Übersetzern über seine Texte lernt. Wired sorgt sich um die seelische Belastung der Internet-Zensoren. Atlantic und Guardian lesen Stephen Kotkins große neue Stalin-Biografie. In Damaskus lässt sich der Krieg mittlerweile ganz gut ignorieren, berichtet die NYRB. Outlook India untersucht, wieviel Mephisto im Smartphone steckt. Der New Yorker rät in Ernährungsfragen von Selbstdiagnosen ab. Und Slate.fr fragt: Fällt der Paella-Tourismus der katalanischen Autonomiebewegung zum Opfer?
Efeu - Die Kulturrundschau
28.10.2014 Die taz erlebt beim Dokumentarfilmfest in Lissabon die "realistische" Filmsprache bis zur Hoffnungslosigkeit verdunkelt. Mehr Hoffnung sieht die FAZ in den Kriegsfilmen bei den Hofer Filmtagen. In der Welt erklärt Corinne Pulver, warum sie als Geliebte von Siegfried Unseld und Martin Walser gern im Hintergrund blieb. In der Nachtkritik fürchtet Ulf Otto, die endgültige Entpolitisierung des Theaters durch Twitter und Co. Die SZ will Leif Podhajskys Plattencover nur noch im Internet sehen.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.10.2014 In der Berliner Zeitung beschwört Götz Aly die humane Wärme der DDR-Erziehung. In Libération macht Alain Badiou auch kein Omelett, ohne Eier zu zerschlagen. Laut Handelsblatt will EU-Kommissar Günther Oettinger ein europäisches Urheberrecht. Und Google soll bezahlen. In der Huffpo.fr begrüßt Caroline Fourest die Niederlage der Islamisten in Tunesien.
Medienticker
28.10.2014 Blendle-Gründer im Interview: "Wir sind nicht Google oder Apple, die Verlage auspressen wollen" - Ungarn: Demonstration gegen Internet-Steuer - Debatte um die Zukunft des Stadttheaters: Deutsche Bühne und kalifornische Ideologie - Twitter-Aktie gibt nach: Chef Dick Costolo & Investoren haben andere Vorstellung von den Nutzern - Musikmagazin: Ein "Rolling Stone" von 20 Jahren + Zum Tod von Jack Bruce: Mastermind, Improvisator, der Mann, der immer zu viele Noten spielte.
Bücherschau des Tages
28.10.2014 Einfach großartig findet die
FAZ Pierre Lemaitres Roman "Wir sehen uns dort oben", in dem zwei
Weltkriegsveteranen auf die schiefe Bahn geraten. Als literarisch vollkommen preist die
NZZ Charles Jacksons Trinkerroman "Das verlorene Wochenende" und liest mit viel Sympathie
Yannick Haenels literarische Revolte "Die bleichen Füchse". Die
FR versenkt sich im Anblick von
Desmond Morris' "Eulen". Und die
taz empfiehlt
Gabriele Weingartners Roman über die Siebziger "Die Hunde im Souterrain" (hier unser
"Vorgeblättert").
Mittwoch, 29.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
29.10.2014 In Deutschland wird Frank Gehrys Bau der Fondation Louis Vuitton vor allem als private Machtgeste des LVMH-Chefs Bernard Arnault interpretiert. Le Monde fragt nun, wie privat diese Geste eigentlich ist, wenn sie zur Hälfte von den Bürgern finanziert wird. Mit den Brüdern Dardenne erkunden die Filmkritiker Reste der Menschlichkeit in postkapitalistischen Zeiten. Die taz lässt es mit Blunt krachen, Pitchfork mit Grouper ätherisch rauschen. Die Presse findet die Wahrheit im nackten Rücken der Venus von Velazquez.
9punkt - Die Debattenrundschau
29.10.2014 Das Problem der arabischen Staaten mit der IS-Miliz ist, dass sie ihre Ideologie zumeist teilen, meint der Guardian. FAZ und SZ fröstelt es in der russischen Kulturwelt. Die Welt fürchtet, dass sich die Tierrechtsethik als die Idiotie erweist, die sie sei. Günther Oettingers Vorschlag für eine Art europäisches Leistungsschutzrecht stößt in der FAZ auf Sympathie, aber nicht in zeit.de. Und Helen Epstein warnt im NYRBlog vor Ebola-Panik.
Medienticker
29.10.2014 G+J-Kahlschlag: Brigitte entlässt alle Textredakteure - Bundesverfassungsgericht stärkt schnelles Auskunftsrecht - Journalismus zum Kuscheln: Die Magazine "mindart" und "my harmony" - Kiosk oder Fitnessstudio: Die Verlage sollten Blendle & Readly den roten Teppich ausrollen, meint David Hein - Das Internet muss schuld sein: Bodo Morshäuser über das Netz - Fragen über die Zukunft: György Dalos über Ungarn & die Andersdenkenden + Alexander von Schlippenbach über die Wühlmäuse des Freejazz.
Bücherschau des Tages
29.10.2014 Nach dreimaliger Lektüre atmet die FAZ auf: Michel Houellebecqs Gedichtband "Gestalt des letzten Ufers" ist kein Buch gewordener Trauerflor, sondern bietet auch zarte, heitere Momente. Die SZ ist sehr angetan von Norbert Niemanns Desillusionsroman "Die Einzigen" über den Tod des Pop durch die Hand der Werber und Verkäufer. Und die NZZ lernt in Friederike Hausmanns Biografie die durchsetzungsfähige Monarchin Maria Carolina schätzen.
Im Kino
29.10.2014 Eine Versuchsanordnung von beklemmender Sachlichkeit, trotzdem nicht ohne Hoffnung: "Zwei Tage, Eine Nacht", der neue Film der Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne. Der amerikanische Independentregisseur Ti West beweist derweil mit "The Sacrament" seine Lust an der Irritation.
Donnerstag, 30.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
30.10.2014 Die Welt porträtiert den Drehbuch- und Krimiautor Orkun Ertener. Der Freitag fordert Modejournalisten auf, sich bei ernsten Themen einzumischen. Im Standard erklärt der Regisseur Lav Diaz, wie die malayische Kultur auf den Philippinen zerstört wurde. In der taz erklären die Dardenne-Brüder, warum man für Gewerkschaften keinen Film drehen kann. Slate.fr fragt, wieviel von Bach von Bach ist. Zeit online hört transhumanistische Musik von Arca.
9punkt - Die Debattenrundschau
30.10.2014 Kulturpolitik ist eine anstrengende Sache, stöhnt Tim Renner in der Welt. Die Presse berichtet über die "Culture Wars" über den Geschichtsunterricht an amerikanischen Schulen. Ein Video über sexuelle Belästigung macht eine Riesenkarriere im Netz - und wird jetzt des Rassismus verdächtigt, berichtet die New Republic. Der "sowjetische Leichnam" ist "als Zombie auferstanden in der Gestalt von Putin", sagt Vladimir Sorokin in der Zeit. Das Handelsblatt macht kühne Reformvorschläge für das öffentlich-rechtliche Fernsehen.
Medienticker
30.10.2014 45 Jahre Internet: "Wir haben nicht aufgepasst", meint Markus Beckedahl & Ein Algorithmus gegen Trolle - Die Zeitung spielt keine große Rolle mehr: Warum Online und Print nicht zusammen gehören, weiß Wolfgang Blau - Der integrierte Newsroom ist Geschichte: Mit der Drohne durch den Welt-Newsroom - G+J-Kahlschlag, 2. Teil: 14 Geo-Redakteure müssen gehen - Spiegel 3.0: Betriebsrat schießt massiv gegen Saffe und Büchner - Der Philosoph der einfachen Dinge: John Berger wird 88 - Das Hohe Lied der Freundschaft: Wolfram Schütte über die 48.Hofer Filmtage.
Bücherschau des Tages
30.10.2014 Nichts Geringeres als die Geburt der Moderne erlebt die SZ in Robert Warshows Essayband "Die unmittelbare Erfahrung". Außerdem gibt sie sich dem Groove von Marcel Beyers Lyrik hin. Die FAZ liest Alain Felkels Geschichte der Bekämpfung der Seeräuberei und wittert einen Stoff fürs Fernsehen. Und der Zeit begegnet mit Michael Zantovskys Biografie von Václav Havel eines der seltenen wahren Märchen.
Freitag, 31.10.2014
Efeu - Die Kulturrundschau
31.10.2014 Im Standard erklärt Burgschauspielerin Elisabeth Orth, wie sie sich auf eine Rolle vorbereitet. Die taz fühlt sich mit Mouse on Mars wieder wie 21. Zeit online nimmt ein kosmisches Blutbad in Till Kleinerts Film "Der Samurai". Berlin liegt im Mittleren Westen, lernt die SZ aus den Fotos von Will McBride. Der Guardian fragt sich, warum das Fernsehen im Film immer so schlecht weg kommt.
9punkt - Die Debattenrundschau
31.10.2014 Spanien schafft jetzt auch ein Leistungsschutzrecht und lässt "Google bluten", berichten mehrere Medien. In Großbritannien werden unterdessen neue Straftatbestände für Netzsperren geschaffen, berichtet der Guardian. Aber immerhin: Ungarn verzichtet auf die Internetsteuer, so aktuelle Meldungen. Libération erzählt, warum Asia Bibi gehenkt werden soll. In The Baffler streiten Thomas Piketty und David Graeber. Die Krautreporter erzählen, wie Apple Journalisten gefügig macht. Und neu: Die FAZ schafft einen Kulturkorrespondenten für ganz Europa.
Medienticker
31.10.2014 Aktualisiert: Kulturfinanzierung: Der Kapitalismus frisst die Klassik - Republik der Wichtigtuer: Die Entschleunigung des Hauptstadtjournalismus - Partizipativer Journalismus: Soziale Medien & der öffentlich-rechtliche Rundfunk - Investigatives Magazin: Stefan Aust bastelt an einer Beilage für Springer - Alfred Brendel & Peter Esterházy diskutieren über Unsinn - Buchhandel: Internethandel wächst viel langsamer als erwartet + Lebensversager und Wortträumer: Georg Trakl starb vor 100 Jahren.
Bücherschau des Tages
31.10.2014 Als eine kleine Sensation feiert die taz Petra Reskis packenden Mafiakrimi "Palermo Connection". Die FR genießt andächtig die in "Chefinnen in bodenlangen Jeansröcken" gesammelten grafisch-literarischen Kostbarkeiten von Max Goldt und Martin Z. Schröder. Die FAZ widmet sich Samuel Becketts Briefen zwischen 1941 und 1956. Und die Welt liest am Reformationstag Thomas Kaufmanns Studie über Martin Luthers Antisemitismus.