Samstag, 02.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
02.05.2020 Die taz erinnert an den 8. Mai 1945, unter anderem trocknet die Schriftstellerin Manja Präkels die Tränen der alten Kommunisten. In der FAZ füchtet Ranga Yogeshwar Phase Zwei der Pandemie, in der sich der Volkszorn seine Opfer sucht. Heise.de verfolgt die Wendungen im Urheberrechtsstreit zwischen Moses Pelham und Kraftwerk. Die Jüdische Allgemeine lauscht mit Entsetzen den Sottisen von Lisa Eckart. Weiterdiskutiert wird außerdem um Achille Mbembe und den Wert des Lebens.
Efeu - Die Kulturrundschau
02.05.2020 Die SZ verabschiedet nach Corona das Tier aus der Kunst. Die Welt reist mit den Farben Vermeers einmal um den Globus. Die Musikkritiker sitzen mit feuchten Augen vor dem Bildschirm und lauschen dem traditionellen Mai-Konzert der Berliner Philharmoniker mit Kirill Petrenko. Niemand konnte so wunderbar verreißen wie Marcel Reich-Ranicki, erinnert sich die Literarische Welt in einem bislang unveröffentlichten Interview. Und die Film- und Kinobranche fordert eine Abgabe von den Streamingdiensten, meldet Artechock.
Bücherschau des Tages
02.05.2020 Die taz lässt sich von Jean Staffords "Berglöwin" in den Bann schlagen und jubelt über das Finale von Lewis Trondheims Erpel-Saga "Ralph Azham". Abgründig und atmosphärisch dicht findet die NZZ, wie Shahriar Mandanipur in seinem Roman "Augenstern" von der iranischen Revolution erzählt. Der DlfKultur liest Maryna Rakhleis belarussische Miniaturen "Ein Treppenhaus in Minsk". Und die FAZ schüttelt ihre langen Haare mit Erich Hofacker zum Sound der Siebziger.
Montag, 04.05.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
04.05.2020 Online diszipliniert, stellt die FR nach den ersten Aufführungen des digitalen Theatertreffens fest. Linke Schnulze oder alternative Geschichte? Netflix' neue Serie "Hollywood" stößt bei Berliner Zeitung und NZZ auf ein geteiltes Echo. Der Tagesspiegel erkundet mit Käthe Kruse die konkrete Poesie der Zeitungssprache. In der FAZ verliert Heinz Strunk einige Worte zum Stand der deutschen Comedy. Die taz erinnert daran, wie Thierry Mugler den Frauen breite Schultern und maschinelle Kraft gab.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.05.2020 Nun mobilisiert ein breites Bündnis von Professoren für Achille Mbembe. Ein Papier israelischer Akademiker fordert die Absetzung des Bundesbeauftragen für Antisemitismus, Felix Klein. Ein weiteres Professorenbündnis um die Assmanns, Eva Illouz, Wolfgang Benz und viele andere verteidigt den Vergleich als Methode des Erkenntnisgewinns. Aleida Assmann fürchtet außerdem in der Berliner Zeitung, dass die Debatte um Mbembe vom wahren Antisemitismus ablenke. Die taz erinnert an den israelischen Beitrag zur südafrikanischen Apartheid. Außerdem: Die SZ erinnert daran, dass Aufklärung nichts ist, wenn sie nicht an der Kanalisation arbeitet. Und Golem erklärt am Beispiel von Xiaomi, was eine "Hintertür mit Telefonfunktion" ist.
Bücherschau des Tages
04.05.2020 Die FR geht freudig mit, wenn Patrick Hofmann in "Nagel im Himmel" seine Helden in die Höhen der Mathematik schießt. Von Martha Nussbaums Revision des "Kosmopolitismus" lässt sich die SZ nur halb überzeugen. Die taz verneigt sich vor dem großen Essayisten Carl Weissner. Die FAZ empfiehlt neue Krimis, darunter Jérôme Leroys Genre-sprengenden Politthriller "Der Schutzengel". FR und DlfKultur begrüßen John Connellys neue Heldin Renée Ballard.
Dienstag, 05.05.2020
Magazinrundschau
05.05.2020 Corona ist alles, nur kein Gleichmacher, erkennt das New York Magazine. In Indien können Wanderarbeiter sich kaum vor Epidemien schützen, informiert La vie des idees. Erntehelfer in Deutschland auch nicht, kritisiert A2larm. Der New Yorker erklärt die Bedeutung von "Rauchmeldern" für Pandemien. Il Post forscht nach, warum gerade in der Lombardei so viele Menschen sterben mussten. Collector's Weekly bewundert die Rockkonzert-Plakate von Randy Tuten. Die LRB hält sich vor einem Grönlandhai die Nase zu.
9punkt - Die Debattenrundschau
05.05.2020 In Zeit online zeichnet George Packer ein verheerendes Bild vom Zustand der USA in der Coronakrise. Und Niall Ferguson sagt in der NZZ die nachfolgende Wirtschaftskrise an. In der FAZ fragt die Historikerin Bettina Hitzer, wie es sein wird, nach den akuten Höchstständen permanent mit der Drohung zu leben. Außerdem: In der Internationalen Politik fragt Richard Herzinger, wie es Wladimir Putin als Pate des Rechtsextremismus auch noch so weit bringen konnte, den Antifaschismus für sich zu kapern.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.05.2020 Die SZ blickt auf das Dokfilmfest München voraus, das zum Onlinefilmfestival umgemodelt wurde. Der Tagesspiegel fordert als erste bauliche Konsequenz nach Corona mehr Dachgärten. Statt die Debatte um kulturelle Aneignung lächerlich zu machen, sollte die deutsche Literaturkritik sie lieber führen, meint Johannes Franzen in der taz nach Lektüre von Jeanine Cummins' "American Dirt". Die FAZ steigt in die Diskussion um die Kabarettistin Lisa Eckhardt ein: Sie findet sie nicht witzig, aber böse. Und die Jungle World schwebt in den afrofuturistischen Klangwelten von Shabazz Palaces.
Bücherschau des Tages
05.05.2020 Der DlfKultur durchwandert mit Amanda Lasker-Berlin die Abgründe, die sich zwischen drei Schwestern auftun. Berührt liest er auch Salome Benidzes und Dina Oganovas Frauenporträts aus Georgien "Nicht mal die Vögel fliegen mehr dort". Bewegt ist die FAZ von Drago Jancars traurigem Partisanenliebesroman "Wenn die Liebe ruht". Mit Gewinn, aber auch als Attacke auf den Theaterkanon liest die taz Simons Strauß' Band "Spielplan-Änderung!".
Mittwoch, 06.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
06.05.2020 In der SZ feiert Daniel Kehlmann Christian Drosten, aber nicht die grauen Beamten vom RKI. In Zeit online erklärt der Virologe Alexander S. Kekulé, was wir alles tun müssen, wenn wir S.M.A.R.T. sein wollen. Der Guardian findet heraus, warum in der Slowakei zehnmal weniger Menschen an Covid-19 sterben als in Österreich. Die SZ kritisiert das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Geldpolitik der EZB. Die taz bringt ein Dossier zum 75. Jahrestag des Kriegsendes.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.05.2020 In der NZZ erklärt die Innenarchitektin Sevil Peach, warum das Büro Mittelpunkt der Kultur einer Organisation bleiben wird. Sehr interessant findet die SZ das digitale Theatertreffen, vermisst aber Publikum, Foyer und alles andere Analoge. Welt und FAZ diskutieren, wie viel Härte eine Ballettschule erfordert. An Stelle von Serien empfiehlt ZeitOnline Videospiele als die wahren Hotspots der Großerzählung. Und der Guardian fände den BP-Preis der National Portrait Gallery noch überzeugender, wenn er ohne BP auskommen würde.
Bücherschau des Tages
06.05.2020 Lob für zwei Comics, die zwei herausragende Frauen würdigen: die Physikerin Marie Curie und die Dadaistin Emmy Ball-Hennings. Die FAZ freut sich außerdem über einen Katalog der Fotografin Charlotte Joël, die Benjamin, Adorno, Buber und die Dietrich verewigte, und empfiehlt einen Erzählband des brasilianischen Autors Geovani Martins, "Aus dem Schatten". Der Dlf staunt über die Souveränität des 21-jährigen Georges Perec, dessen Debütroman über eine menage a trois und "Das Attentat von Sarajevo" erstmals auf Deutsch erscheint.
Donnerstag, 07.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
07.05.2020 In der Zeit erklärt die israelische Soziologin Eva Illouz, warum sie die Absetzung des Antisemitismusbeauftragen Felix Klein will. In der SZ schließt sich Stefanie Carp von der Ruhrtriennale, deren Einladung von Achille Mbembe den Streit auslöste, der Kritik an Klein an. Die taz und der Freitag beleuchten die seltsame "Hygienedemo"-Szene, die vor der Volksbühne gegen Lockdown und Maskenpflicht demonstriert. Die Zeit erinnert an das Los der sowjetischen Kriegsgefangenen, die von Hitler zu Millionen ermordet und von Stalin in den Gulag geschickt wurden.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.05.2020 Die Musikkritiker trauern um Florian Schneider, der in den Siebzigern den neuen, coolen deutschen Schlagersound von Kraftwerk erfand. Die taz stöbert mit Begeisterung in den Online-Archiven der Kinematheken. Artforum staunt, wie frisch die Kunst von Donald Judd immer noch wirkt. Die SZ lässt sich erklären, wie man in Corona-Zeiten wieder Theater spielen kann. Monopol kann das Stöhnen über Kunst im Netz nicht mehr hören.
Bücherschau des Tages
07.05.2020 Die FAZ versenkt sich in Hans Freys informativer Geschichte der deutschen Science-Fiction-Literatur zwischen 1918 und 1945. Die SZ liest das juristische Buch zur Stunde: Anna-Bettina Kaisers Habil. zum "Ausnahmeverfassungsrecht". Sehr gut gefallen hat ihr auch Tanya Tagaqs Roman "Eisfuchs", der sie in die Arktis zu den Inuit mitnimmt. Die taz amüsiert sich mit Klaus Buhlerts Hörspieladaption von Thomas Pynchons Riesenroman "Die Enden der Parabel". Die Zeit lernt von Samuel Alexander und Rupert Read: "Diese Zivilisation ist gescheitert".
Freitag, 08.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
08.05.2020 8. Mai. Die vielen Beiträge zum 75. Jahrestags des Kriegsendes machen vor allem eines deutlich: Es gibt kein gemeinsames Gedenken. In der FAZ wenden sich die Außenminister der Ukraine und der baltischen Staaten gegen die neuen Geschichtsversionen aus Russland. In der FR bezeichnet Artur Becker die Niederschlagung des Warschauer Aufstands als "zweite Völkervernichtung". In der NZZ denkt Heinrich August Winkler über Instrumentalisierungen der Geschichte nach. Außerdem: Stefanie Carp, die Leiterin der Ruhrtriennale bringt in der Nachtkritik eine leidenschaftliche Verteidigung Achille Mbembes - und fordert ein neues Nachdenken über Israel im Licht des Postkolonialismus.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.05.2020 Wird es nach Corona noch den alten Konzert-Jetset geben, fragt das Van Magazin. Die NZZ sieht ein neues "Zeitalter der Dezenz" auf den Theaterbühnen heranrauschen. Damn Magazine blättert sich durch den catalogue raisonné der Wandzeichnungen von Sol LeWitt. Der Tagesspiegel fragt: Wann dürfen die Kinos wieder öffnen? Und er fordert er eine Neustrukturierung der Preußenstiftung. In der SZ erklärt der Fotograf Lois Hechenblaikner, wie die cleveren Bergbauern in österreichischen Apres-Ski-Orten die kalten, geizigen, neidischen, saufenden deutschen Touristen abmelken.
Bücherschau des Tages
08.05.2020 Die FAZ vertieft sich mit Gerard Raulet in Walter Benjamin und die französische Intelligenz und blickt mit Volker Ullrich auf die letzten acht Tage des Dritten Reichs. Die SZ erinnert sich mit Lars Gustafsson und Agneta Blomqvist an eine Kindheit im Schweden der 40er und 50er. Die FR legt sich mit den traurigen Tieren von Julian und Timon Meyer auf die faule Haut. Und Dlf-Kultur lernt von Bill Bryson: Unsere Lunge ist so groß wie ein Tennisplatz.
Samstag, 09.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
09.05.2020 In der FAZ liest der Historiker Thomas Weber einen alten Text von Achille Mbembe und stellt fest, dass das Thema Israel (und die "Wiederholung", die er dem Land vorwirft) am Ursprung seiner Philosophie liegt. Frank-Walter Steinmeiers Rede zum 8. Mai stößt auf ein gespaltenes Echo. Susan Neiman erklärt in der taz, was die Amerikaner aus der deutschen Vergangenheitsbewältigung lernen können. Die NZZ fragt, ob der Lockdown sinnvoll war: Ist Rauchen nicht gefährlicher? Die taz empfiehlt dagegen, den GMV einzuschalten.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.05.2020 Im Pophistory-Blog analysiert Florian Völker das Image des kühlen Deutschen, das Kraftwerk so perfekt inszenierten. Die Berliner Zeitung schildert das große Rätselraten der Kinobetreiber, die versuchen, die Corona-Richtlinien zu verstehen. Bei 54books würdigt Christian Johannes Idskov den verstorbenen dänisch-palästinensische Dichter Yahya Hassan. In der Welt schreibt Madame Nielsen den Nachruf. In Berlin geht der Me Collectors Room des Sammlers Thomas Olbricht, dafür kommt ein Samurai Museum, meldet der Tagesspiegel.
Bücherschau des Tages
09.05.2020 Die FAZ kniet Volker Sielaff "Barfuß vor Penelope" und auch vor seinen anderen Gedichten. Die taz empfindet mit Niklas Maak keine "Technophria" und mit Philipp Staabs "Digitalem Kapitalismus" natürlich erst recht nicht. Die Welt lobt Judith Shklars empathische, aber kritische Auseinandersetzung mit Hannah Arendt. Dlf Kultur empfiehlt einen düsteren Krimi aus China: Cai Juns "Rachegeist".
Montag, 11.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
11.05.2020 In der Debatte um Achillle Mbembe werden jetzt alle Schutzmasken fallengelassen. Mbembe selbst sieht sich in einem Beitrag für das kamerunische Magazin cameplus.com als Opfer von Rassismus und fordert einer Entschuldigung vom Antisemitismusbeauftragten Felix Klein. In der FAS wirft Jürgen Kaube Mbembe vor, gelogen zu haben. Die SZ mischt sich unter die Aluhüte auf dem Rosa-Luxemburg-Platz. In der NZZ protestiert die Politologin Regula Stämpfli gegen angeblich viel zu weit gehende Corona-Maßnahmen.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.05.2020 Die NYRB lernt von der japanischen Kunst in der Edo-Zeit, dass sich gerade in der Isolation Kreativität entfaltet. Nach dem virtuellen Theatertreffen wünscht sich die Berliner Zeitung nicht unbedingt mehr Streaming, aber mehr digitales Theater. In der FAZ wirft die Schriftstellerin Alawiya Sobh einen deprimierten Blick aus ihrem Beiruter Fenster. Der Guardian freut sich für die Athener über das nunmehr garantierte Recht auf einen unverstellten Blick zur Akropolis. Und die Musikkritiker rufen Little Richard ein zärtliches Whooo nach.
Bücherschau des Tages
11.05.2020 Die SZ lernt von Clive Hamilton und Mareike Ohlberg, wie China auch mehr und mehr seine Medienweltmacht ausspielt. Mit Erleichterung verzeichnet sie, dass David Runciman nicht nur pessimistisch in die Zukunft der Demokratie blickt. Mit Vergnügen und Erkenntnisgewinn liest der Dlf Charles Kings Ethnologiegeschichte "Schule der Rebellen". Die FR lässt den Tag elegant mit Elsemarie Maletzkes "Magnolienmord" ausklingen.
Dienstag, 12.05.2020
Magazinrundschau
12.05.2020 Die New York Times erklärt, warum die Republikaner gegen Briefwahlen sind. Die New York Review of Books und The Nation tauchen ein in die Schule der Anthropologie Franz Boas. Der New Yorker beobachtet einen Milliardär auf dem Weg in den Tongagraben. In Eurozine erklärt der polnische Politikwissenschaftler Ernest Wyciszkiewicz, wie Russland versucht, Polen zu einem Haupttäter des Zweiten Weltkriegs umzuschreiben.
Efeu - Die Kulturrundschau
12.05.2020 Die SZ lauscht mit Spike Lee dem leise pochenden Herzen des menschenleeren New York. Der Freitag hört lieber wachen Jazz in Chicago. In der FAZ warnt der Archäologe Andreas Schmidt-Colinet vor einer "westlichen" Rekonstruktion des Bel-Tempels in Palmyra. Hyperallergic lässt sich von den Pollen und Samen des abstrakten Expressionisten Norman Bluhm bespritzen. Und die Welt sieht in Christoph Ingenhovens Hainbuchen-Brutalismus in Düsseldorf das Licht vor lauter Bäumen nicht.
9punkt - Die Debattenrundschau
12.05.2020 Achille Mbembe schickt der taz einen sehr milden, versöhnlichen Text, in dem er ein bisschen weiter ausholt, um sein Denken zu erklären - eine Entschuldigung will er aber immer noch. Mbembe gehört auch zu den Unterzeichnern eines internationalen Aufrufs von Professoren, die erklären, nicht mehr in deutsche universitäre Kommissionen eintreten zu wollen, falls dort BDS-nahe Künstler oder Wissenschaftler unerwünscht sind. Im Tagesspiegel fragt Gerhart Baum: Wo war in der Stunde der Exekutive eigentlich die Legislative?
Bücherschau des Tages
12.05.2020 Die FAZ flitzt mit Ziemowit Szczerek durch die polnische Seele und lässt sich vom Islamwissenschaftler Hazim Fouad den Salafismus erklären. Die FR wird ordentlich durchgerüttelt von Juri Andruchowytschs freakigen Stories aus der Ukraine. Die NZZ durchleuchtet mit Gabor Steins "Der Schwede" ungarische Geschichte. Die taz durchlebt mit Anne Tyler die Krisen des alten weißen Mannes. Und Dlf-Kultur tanzt mit Martin Caparros' argentinischem Noir einen bitterbösen Tango.
Mittwoch, 13.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
13.05.2020 In der taz verteidigt Charlotte Wiedemann Achille Mbembes Blick auf Israel und den Holocaust. In geschichtedergegenwart.ch erklärt der Historiker Caspar Battegay, warum gerade Mbembes Ideal der Versöhnung sein Verhältnis zu Israel so heikel macht. Es hat auch ganz praktische Gründe, warum sich Verschwörungstheoretiker jetzt gerade auf Bill Gates kaprizieren, erläutert golem.de. In der FAZ verteidigt der Bundesverfassungsrichter Peter M. Huber das Urteil des BVG gegen die EZB. In der FR fordert der Risikoexperte Gerd Gigerenzer mehr statistisches Denken und Kenntnis von der Mathematik in der Politik.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.05.2020 Die Kurzfilmtage von Oberhausen finden online statt: In der FAZ spricht Festivalleiter Lars-Henrik Gass über die neue Logistik. In ersten Sichtungen erleben taz und FR prophetische Vorwegnahmen sozialer Distanzierung. Die FR lernt von Albrecht Dürer, dem Löwen die Zunge zu zeigen. Die SZ erinnert daran, dass sich in der Renaissance die TänzerInnen auch nur wie Himmelsgestirne umkreisten. Der DlfKultur untersucht das Verschwörungsgeschwurbel im Deutschrap.
Bücherschau des Tages
13.05.2020 Der Dlf empfiehlt wärmstens Albrecht Selges Roman über den höchst widersprüchlichen "Beethovn". Die FAZ lernt mit Ulrike Ackermanns "Das Schweigen der Mitte" die Freiheit neu schätzen. Mit Cihan Acars Roman "Hawaii" schnuppert sie Heilbronner Lokalkolorit. Die taz lässt sich von Stefan Schweizers Band über "Die Hängenden Gärten von Babylon" zu einem neuen Umgang mit der Natur inspirieren. Man redet immer zu viel? Nicht Henri Cartier-Bresson, findet Dlf Kultur.
Donnerstag, 14.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
14.05.2020 Nicht nur Achille Mbembe, die postcolonial studies als Ganzes haben ein Problem mit Israel, schreibt der Philosoph Ingo Elbe in der taz. Trotz aller glänzenden Geschäfte, die man mit China macht, ist es Zeit zu begreifen, was es ist: eine Diktatur, schreibt der britische Politiker Denis Macshane in der Welt. Netzpolitik macht sich Sorgen: Es gibt nun auch außerhalb des Internets Verschwörungstheorien. In der Berliner Zeitung erklärt Ilko-Sascha Kowalczuk, warum es in Deutschland so wenige Ostdeutsche nach ganz oben schaffen: Eliten sind hier westdeutsch.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.05.2020 Die New York Times erzählt, wie der Buddha zu seinem Gesicht kam. Der NDR schafft das Bücherjournal ab: Gilt der Auftrag zur Grundversorgung nicht mehr, fragt Florian Illies empört im Börsenblatt. Eine Bankrotterklärung der Öffentlich-Rechtlichen, schimpft die FAZ. Die NZZ möchte die Grenzzäune zwischen Kino, Festivals und Streaming einreißen. Im Van Magazin ärgert sich der Konzertveranstalter Burkhard Glashoff über das bequeme Sicherheitsdenken öffentlich finanzierter Theater und Konzerthäuser, die die Freien im Regen stehen lassen. Blixa Bargeld hat die Nase voll von der ewigen Berlinophilie, erklärt er in der SZ.
Bücherschau des Tages
14.05.2020 Die FAZ blickt mit Albert Londres auf die Brutalität des französischen Kolonialismus, ohne zu vergessen, dass Londres diesen verbessern, nicht aber unbedingt abschaffen wollte. Die FR empfiehlt Georges Perros' "Klebebilder" - vor allem allen künftigen Schriftstellern. Die SZ widmet sich mit Michael Hampes "Die Wildnis, die Seele, das Nichts" echten Lebensfragen. Der Dlf versinkt im "Zorn des Meeres" von Bram Stoker.
Freitag, 15.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
15.05.2020 Aktualisiert: Neues zu Mbembe und BDS. Die Achille-Mbembe-Debatte in SZ und FR. Sonja Zekri möchte den Holocaust in der SZ aus Sicht der postcolonial studies neu betrachten. Claus Leggewie findet Mbembes Äußerungen in der FR misslich, aber sie sollten nicht vom Kampf gegen den eigentlichen Gegner ablenken. In der NZZ stellt sich Giorgio Agamben schon mal auf den Scheiterhaufen und erwartet, dass gleich jemand mit einer Lunte kommt: alles wegen Corona. Und da ist schon die Max-Planck-Forscherin Viola Priesemann, die in Zeit online gegen zu frühe Lockerungen plädiert.
Efeu - Die Kulturrundschau
15.05.2020 Rolf Hochhuth ist tot. Die Kritiker können nicht anders, als den ewig kampfbereiten Dramatiker zu würdigen, der immerhin den Vatikan ins Wanken brachte. Der Standard preist die fluviale Poesie des ungarischen Dichters István Kemény. taz und Freitag treiben mit dem neuen Album der Einstürzenden Neubauten durch die Straßen West-Berlins. Und in der SZ ruft Albert Ostermaier: Macht die Theater wieder auf!
Bücherschau des Tages
15.05.2020 Der DlfKultur feiert Stuart Halls Lebens- und Theoriegeschichte "Vertrauter Fremder", die vom Werden zwischen allen Stühlen erzählt. Schön provokant findet sie auch Roberto Simanowskis KI-Schrift "Todesalgorithmus". Die FR erkennt den ausgebufften Erzählplan hinter Susanne Gärtners Roman "Herrmann". Die FAZ liest mit Interesse Jürgen Overhoffs Biografie des Reformpädagogen Johann Bernhard Basedow.
Samstag, 16.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
16.05.2020 ZeitOnline bringt den internationalen Aufruf zur Demokratisierung der Arbeitswelt. In der taz erkennt Ranga Yogeshwar in der Angst das Motiv allen Handelns. Die NZZ laboriert an den Folgen der großen Schweizer Mobilmachung. Nach dem Rücktritt der Wiener Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek fragt der Standard, welche kulturpolitische Visionen die Grünen eigentlich haben. Und im LRB-Blog erklärt Arianne Shahvisi die Iraner zu Meistertänzern der sozialen Distanzierung.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.05.2020 Corona hilft Jair Bolsonaro, den "Genozid an den Indigenen" zu Ende zu bringen, schreibt die indigene Schauspielerin Kay Sara in ihrer von der taz dokumentierten Eröffnungsrede der Wiener Festwochen. Die SZ bewundert in Frankfurt karibischen Biedermeier von Frank Walter. Zeit Online lässt sich von Patrick Radden Keefe durch die irre Welt der Verschwörungstheorien führen. Im Tagesspiegel befreit die Zeichnerin Nina Bunjevac das Okkulte. Der Filmdienst blickt mit Ruben Östlund auf die Erschöpfung unserer Welt.
Bücherschau des Tages
16.05.2020 Die Welt lässt sich von Simon Raven in die fadenscheinige Bürgerlichkeit der britischen Upper Class einführen. Die FAZ therapiert mit Delphine de Vigan die französische Gesellschaft. FR und taz empfehlen neue Bücher über Antisemitismus. Die SZ erlebt mit Olivia Wenzel Rassismen und Sexismen im Alltag einer schwarzen ostdeutschen Frau. Die taz entdeckt das Funkeln im Unscheinbaren der Erzählungen von Dorthe Nors. Dlf Kultur lauscht den Intimitäten von Ana Schnabls Alkoholikern und Kiffern.
Montag, 18.05.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
18.05.2020 Die SZ feiert den italienischen Designer Enzo Mari, dessen legendäre Möbelserie Autoprogettazione auch als Modell Lampedusa hervorragend funktioniert. Licht, Luft und Sonne sind vielleicht für den Menschen gut sein, meint die Welt, aber nicht für Stadt und Umwelt. Im Standard lernt Alexander Kluge von den Biokosmisten die Wiederbelebung der Toten. In der Berliner Zeitung will Thomas Ostermeier sein Publikum zurück. Und die FAZ schmilzt unter dem Sopran des Venezolaners Samuel Mariño.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.05.2020 In der FR fordert die Kabarettistin und Schauspielerin Maren Kroymann eine 50/50-Quote für Männer und Frauen in der Film- und Fernsehbranche. Postkolonialismus und Zionismus sind einander ähnlicher als man glauben mag, schreibt der Soziologe Natan Sznaider im Tagesspiegel. Ist der Starreporter Ronan Farrow "zu gut, um wahr zu sein", fragt die New York Times. Und heise.de erwartete sich nicht allzu viel vom Bundesverfassungsgericht in Sachen Datenschutz.
Bücherschau des Tages
18.05.2020 Der DlfKultur verhert Rachel Cusk für die vehemente Offentheit in ihrem Scheidungsbuch "Danach". Außerdem steigert er mit Jim Holt in die Cocktail-Klasse der Wissenschaftsgeschichte auf. Die FAZ fühlt sich mit Bill Bryson auch in der Wissenswelt des Alltags sehr wohl. Außerdem goutiert sie Lesungen von und zu Wolfgang Herrndorf und Thomas Hürlimann. Der Dlf kämpft mit Yves Grevets dystopischem Roman "Vront" gegen den Überwachungsstaat. Und die SZ erinnert sich mit Thorsten Nagelschmidt ans Berliner Nachtleben.
Dienstag, 19.05.2020
Medienticker
19.05.2020 Coronawortschatz: Corona-Krise & Buchbranche soowie das Ringen um die Frankfurter Buchmesse 2020 - Alexander Kluge über Ausnahmezustände - Eilmeldung: Urteil zum BND-Gesetz: Verfassungsgericht kippt Abhörpraxis - Literatur & Buchbesprechungen im Hörfunk + Radio+TV-Tipps des Tages.
Magazinrundschau
19.05.2020 The Atlantic bringt eine tolle Reportage zu Verschwörungstheorien und ihren Fans. In Eurozine erzählt Enda O'Doherty vom herzlichen Hass zwischen den politischen Parteien Irlands. Der New Yorker sucht im Iran den Nachfolger von Ali Chamenei. Wired gruselt sich vor einer chinesischen Stimmmuster-Datenbank. Der Guardian gruselt sich vor einer westlichen Public-Private-Partnership zwecks Massenüberwachungen. Richtig geweint wird nur im Cinéma d'Auteur, behauptet La Regle du jeu. Elet es Irodalom geißelt den "Vulgärschmittismus" Viktor Orbans.
Efeu - Die Kulturrundschau
19.05.2020 Michel Piccoli ist tot. Die Feuilletons trauern um einen Giganten des französischen Kinos, der Bürger und Aristokrat zugleich war, Stimme und Schweigen, aber immer ein großer Liebender. Geht mit ihm die Geschichte des europäischen Kinos zu Ende? Der Frankfurter Stadtplaner Roland Burgard erinnert in der FR daran, wie er den Architekten das Museumsufer abtrotzte. Die Welt feiert das Berliner Grau des Malers Hans Baluschek. In The Quietus erzählt der britisch-indische Musiker Paul Purgas vom Aufbruch der indischen Elektro-Musik in den sechziger Jahren.
9punkt - Die Debattenrundschau
19.05.2020 Der Streit um Achille Mbembe geht immer noch weiter. Nach einem Brief von 700 afrikanischen Intellektuellen an Angela Merkel insistiert Tobias Rapp bei Spiegel online, dass der Holocaust nicht nur in Deutschland als singulär angesehen werde. Daniel Bax sieht in der taz durch einen Boykott Mbembes die Meinungsfreiheit gefährdet. Wer sich künftig als Experte im Fernsehen äußern will, sollte sich in seiner Wohnung schon mal eine Ecke abteilen, meint Anton Schaller in der NZZ. Warum ist der Deutsche Ethikrat mehrheitlich religiös, fragt hpd.de. Und in der FAZ rät Simon Strauss, mit schlagendem Herzen durch die Bundesländer zu reisen.
Bücherschau des Tages
19.05.2020 Als Abgesang auf ein vernichtetes Bürgertum liest die FAZ Amir Cheheltans "Zirkel der Literaturliebhaber" und versinkt mit Barbara Beuys in Bewunderung für Asta Nielsen. Die FR reibt sich voller Wonne mit Sy Montgomery am "Herzensguten Schwein". Die NZZ hofft mit Katja Eichinger auf ein Ende der Exzesse in der Mode. Die SZ liest verstört Nina Bunjevacs "Bezimena" und erschrickt mit Emanuele Coccia darüber, wie wenig die Philosophie über die Natur und den Menschen weiß. Der Dlf analysiert mit Anna Fifields Biografie des nordkoreanischen Herrschers Kim Jong-un.
Mittwoch, 20.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
20.05.2020 In der Zeit erklärt der Antisemitismusbeauftrage der Bundesregierung Felix Klein, warum er überhaupt keinen Anlass sieht, sich bei Achille Mbembe zu entschuldigen. Das Urteil des BVG gegen die Auslandsaktivitäten des BND, das dem BND auch im Ausland Beachtung der Grundrechte vorschreibt, wird begrüßt und kritisiert. In der NZZ erzählt die Historikerin Ekaterina Makhotina, wie sich die Erinnerungskultur in Russland verändert. Le Monde inspiziert Michel Onfrays neue rechtsextreme Zeitschrift. Die taz versucht Entschwörung.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.05.2020 Der Standard feiert die Transzendenz-Erlebnisse der Kurzfilmtage Oberhausen, die FR protestiert allerdings gegen eine sich abzeichnende Abwanderung ins Virtuelle. In der Berliner Zeitung kündigt Oliver Reese auch Pärchensitze fürs Berliner Ensemble an. Die Welt verehrt den Heiligen Sebastian, dessen Hingabe sich so elegant in Überlegenheit wandelte. Die SZ hebt noch einmal ihr Cocktailglas für den verstorbenen Filmkomponisten Peter Thomas.
Bücherschau des Tages
20.05.2020 Die FAZ lässt sich von Juri Buidas Roman "Nulluhrzug" in einen absurden Mikrokosmos der späten Sowjetunion ziehen. Viel Lob auch für Benjamin Labatuts "Das blinde Licht", das die FAZ rasant und mit viel Krimi-Suspense zu den Grundlagen moderner Physik und Chemie führt. Die SZ vertieft sich in einen Fotoband über "Masculinities". Alice Schwarzer liest für die Zeit Kate Kirkpatricks Simone-de-Beauvoir-Biografie. Dlf Kultur erkundet mit David MacNeal den "Planet der Insekten".
Freitag, 22.05.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
22.05.2020 In der FAZ blickt der Schriftsteller Marius Ivaškevičius traurig auf seine letzte gelöste Theaterkarte. In der SZ trauern Matthias Brandt und Christian Petzold um den schönen, kindlichen, versunken rauchenden Michel Piccoli. Die taz freut sich über Schutzschilde für Krankenhäuser aus dem 3D-Drucker der Kunsthochschule Weißensee. Das Van Magazin möchte Musiker lieber nicht als systemrelevant einstufen. In der New York Times zeigt Christoph Niemann, wie man die Tonleiter spielt: mit acht Fingern an einer Hand.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.05.2020 Die Coronakrise unter Putin erinnert den Historiker Stefan Kirmse in der NZZ an die Cholera im Zarenreich. So ganz nebenbei erlässt der Nationale Vonkskongress in Peking ein Gesetz, um Hongkong gleichzuschalten - die Washington Post berichtet. In der Welt verteidigt Heinrich August Winkler das Urteil des Bundesverfassungsgerichts gegen EZB und EuGH. Und wenn wir kein Fleisch äßen, gäbe es diese Pandemie nicht, schreibt Jonathan Safran Foer in der New York Times.
Bücherschau des Tages
22.05.2020 Die SZ tanzt mit den Dämonen von Max Jacobs "Saint Matorel". Die FAZ vergnügt sich lieber mit Füchsen: Katrin Schumacher erzählt ihr die Kulturgeschichte des Fuchses, Adele Brand wirbt für ein Miteinander zwischen Mensch und Fuchs. Die NZZ lässt mit Michelle Winters einen knallroten Versuchsballon aus Kanada aufsteigen. Die taz empfiehlt Eberhard Schmidts Franz-Radzwill-Biografie. Dlf-Kultur liest Horst Eckerts packenden Hufeisen-Thriller "Im Namen der Lüge" und amüsiert sich mit Karosh Taha "Im Bauch der Königin". SZ und FR empfehlen außerdem Kinder- und Jugendbücher.
Samstag, 23.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
23.05.2020 Hongkong wird durch ein neues Sicherheitsgesetz gleichgeschaltet, fürchten die Zeitungen. Auch internationale NGOs in Hongkong dürften durch das neue Gesetz gefährdet sein, warnt der Guardian. Vor drei Jahren tobte eine kurze Debatte um das Kreuz auf der Kuppel des Humboldt-Forums: Jetzt wird es aufgesetzt, und ein frommer Spruch fordert, dass die Menschheit die Knie vor Jesus beugt, konstatiert ein verzweifelter Jens Bisky in der SZ. Er könnte sich aber auch direkt gegenüber mit Mund- und Nasenschutz auf der Einheitwippe abreagieren, so die Berliner Zeitung. Im Freitag ist Claus Leggewie unzufrieden mit der Mbembe-Debatte.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.05.2020 Regisseur Christian Petzold entziffert in der Welt Georges Simenons kinematografische Schreibweisen anhand von Tonspuren für Sehbehinderte. Margaret Atwood erinnert sich in der FR an die Quarantänen im Kanada der Vierziger. Die New York Review of Books denkt über den Sinn von Lipgloss unter der Schutzmaske nach. In der SZ hofft Klaus Lemke, dass die Coronakrise dem deutschen Film einen dringend nötigen Neustart verpasst. Die FAZ hofft, dass eine Entscheidung des Denkmalamts die Frankfurter Bühnen vor dem Abriss rettet. Die Neuen Musikzeitung diskutiert über das Für und Wider des elektronischen Komponierens.
Bücherschau des Tages
23.05.2020 Die rätselverliebte FAZ folgt der Dichterin Kerstin Preiwuß auf ihren mäandernden Gedanken. Die FR freundet sich in Emma Viskics Thriller "No Sound" mit einem gehörlosen Privatdetektiv an. Die SZ amüsiert sich mit Penelope Bagieus Comicadaption von Roald Dahls "Hexen hexen". Die Welt lernt von Jhumpa Lahiris Heldin das Einzelgängersein. Dlf Kultur vertieft sich in Ann Pettifors "Green New Deal".
Montag, 25.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
25.05.2020 In der SZ erzählt Katharina Funke, wie Jair Bolsonaro für Brasilien die Weltmeisterschaft der bestätigten Corona-Fälle erringt. Der Streit um Achille Mbembe geht weiter. Perlentaucher Thierry Chervel sieht ihn als Historikerstreit mit umgekehrten Vorzeichen. Im Deutschlandfunk polemisiert Stephan Detjen scharf gegen den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung. Und in der FAZ fragt Patrick Bahners, wer eigentlich die 700 afrikanischen Intellektuellen sind, die einen Aufruf für Mbembe unterzeichneten. Le Monde schildert die Angst Macrons vor einem neuen Populisten, die von einer prophetischen Serie bereits bebildert wurde.
Efeu - Die Kulturrundschau
25.05.2020 In der SZ verrät Dominik Graf, welche Tricks beim Filmemachen auch nicht über die Quarantäneregeln hinweghelfen. Der Freitag erkundet in Karl Lagerfelds Fotografien die symbolische Sinnlichkeit der Pose. Die taz lässt sich von Bernhard Martin mit Juwelen überhäufen. In der Abendzeitung fragt Barbara Mundel, in welche Polarisierung sich das Feuilleton immer wieder treiben lässt. Die FAZ besucht die wiedergeöffneten Museen in Italien . Der Guardian fordert eine Revitalisierung der Kleinstädte.
Bücherschau des Tages
25.05.2020 Die NZZ feiert den literarischen Reichtum von Jean Staffords wiederentdecktem Roman "Die Berglöwin". Die FAZ ist ganz verzaubert von Gerda Raidts Kinderbuch "Limonade im Kirschbaum", das von der Emanzipation des kleinen überbehüteten Otto erzählt. Die SZ liest mit Mareike König und Elise Juliens "Verfeindung und Verflechtung" deutsche und französische Geschichte parallel. Der DlfKultur bergeift mit Gerhard Pauls "Bilder einer Diktatur", wie die Nazis selbst noch unser Bild von ihnen prägten.
Dienstag, 26.05.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
26.05.2020 Die FAZ opponiert gegen zwanghafte Stellenlektüre, die auch bei Goethe und Anne Frank Corona-Hinweise erblickt. Le Monde schreibt zum Tod des Autors Albert Memmi. Die NZZ beharrt trotz Corona auf der Verdichtung im Städtebau. Die taz observiert im ZKM mit Bruno Latour den Lifestatus des Strengbach. Boredpanda bewundert einen Magritte mit Sonnenschirm und Maske. ZeitOnline und Berliner Zeitung lernen von The 1975, auch der flüchtigsten Liebe ein Denkmal zu setzen.
9punkt - Die Debattenrundschau
26.05.2020 Wer demnächst das Zentrum der Weltkulturen im Berliner Stadtschloss besuchen will, erhält als erstes die Aufforderung, im Namen Jesu die Knie zu beugen - dagegen hilft auch der Protest der Berliner Zeitung nicht! China kann einfach machen und sich das rebellische Hongkong einverleiben. Der abhängige Westen wird schon nicht mucken, ist sich die SZ sicher. Die Financial Times sieht mit Schrecken, wie der Populist Jair Bolsonaro Brasilien in den Abgrund führt. Wie wär's, wenn die Bundesregierung die Corona-App von einer Bürgerplattform begleiten lässt, die über die Überwachung wacht, fragt der Jurist Karl-Heinz Fezer in der FAZ.
Magazinrundschau
26.05.2020 In der New York Review of Books hält die Schriftstellerin Marilynne Robinson einen großen Abgesang auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In HVG ist der Philosoph Gáspár Miklós Tamás entsetzt über die giftige Atmosphäre zwischen Ungarn und Rumänien. The Intercept erklärt die Strategien, mit denen evangelikale Trump-Anhänger gläubige Schwarze und Latinos vom Wählen abhalten wollen. In Nautilus erklärt der Erfinder Joe Jones, warum Roboter nie die Weltherrschaft übernehmen werden.
Bücherschau des Tages
26.05.2020 Der Dlf feiert die zauberhaft leichte Geschichte, in der Helen Wolff ihrem Mann ein bisschen "Hintergrund für Liebe" liefert. Mit Jürgen Wertheimer galoppiert er durch dreitausend Jahre europäische Kulturgeschichte. Die SZ besucht mit Thomas Wolfe auf "Deutschlandreise in sechs Etappen" selbstverständlich auch das Oktoberfest. Die FAZ verbringt mit Leonid Zypkin und Dostojewski einen "Sommer in Baden-Baden". Von Thomas Galli erfährt sie, warum Gefängnisse eigentlich niemandem nützen.
Mittwoch, 27.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
27.05.2020 Eine zweite Amtsperiode Donald Trumps könnte an der Coronakrise scheitern, hofft Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz im Interview mit Zeit online. "Welche Israel-Kritik ist antisemitisch", fragt der israelische Philosoph Omri Boehm in der SZ anlässlich der Mbembe-Debatte. Ja, Grundrechte waren eingeschränkt, aber sie waren nie außer Kraft, schreibt die ehemalige Bundesverfassungsrichterin Gertrude Lübbe-Wolff in der FAZ. Und Handauflegen wirkt bei Corona. Aber tödlich, muss hpd.de feststellen.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.05.2020 Der Standard fragt, wieso das Düsseldorfer Museum Kunstpalast acht Millionen Euro für ein Foto-Konvolut schnöder Abzüge ausgibt. Die FAZ streift im Hamburger Bucerius Forum durch die Welten britischer Postavantgardisten. In der Jungle World erkunden Tobias Premper und Martin Lechner den Übergang vom Gedanken zur Schrift. Und zum Tod von Renate Krößner beteuert die SZ, dass ihre roten Glitzerschuhe wirklicher waren als das Hinterhofgrau der DDR.
Medienticker
27.05.2020 Buchcharts: Die aktuellen Bestsellerlisten - Büchersendungen zwischen Deutschland und den USA eingestellt - Türkei: Repressionen als "Segen Gottes" - "Total Digital" wird fortgesetzt: Förderprogramm des Deutschen Bibliotheksverbands - Alan Posener & Stephan Detjen streien über Mbembe und den Antisemitismus-Vorwurf.
Bücherschau des Tages
27.05.2020 Die FR lauscht dem Konzert David Rothenbergs mit den Berliner Nachtigallen. Der Dlf liest Gedichte von Ocean Vuong. Die FAZ empfiehlt die Erinnerungen des Theatermachers Ernst Lothar. Dlf Kultur taucht mit Desmond Morris in "Das Leben der Surrealisten".
Donnerstag, 28.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
28.05.2020 Ob in Russland, China, in der Türkei oder in Bangladesh - überall auf der Welt werden oppositionelle Künstler und Aktivistinnen, die die Wahrheit über Corona berichten, bedroht und verfolgt, beobachtet der Tagesspiegel. Der Theologe Christoph Markschies erklärt das Kreuz auf dem Humboldt-Forum in der Berliner Zeitung zum "Teil einer Ausstellungsarchitektur". Die Debatte um Achille Mbembe wird in Zeit und taz weitergeführt, die um Drosten überall. Und die Frankfurter Buchmesse findet statt!
Efeu - Die Kulturrundschau
28.05.2020 Die taz erforscht mit dem Künstler Erich Reusch den unendlichen Raum. Im Interview mit dem Van Magazin erklären Friedrike Hofmeister und Matthias Mohr vom Berliner Radialsystem, warum die ständige Antragsstellerei für Projektmittel total unkünstlerisch ist. Die Welt schildert Tolstois schmerzhafte Begegnung mit einem Bären.
Bücherschau des Tages
28.05.2020 Die FR blickt mit Peter Englund auf einen "Mord in der Sonntagsstraße" im Stockholm der 50er Jahre. Die SZ versinkt mit Juri Andruchowytschs parahistorischem Roman "Die Lieblinge der Justiz" in einem Karneval der Gewalt. Dlf Kultur freut sich, dass mit Jeremy Tiangs Roman "Das Gewicht der Zeit" Singapur wieder auf der literarischen Landkarte aufgetaucht ist. Die FAZ durchleidet mit Ivana Sajkos "Familienroman" die kroatische Geschichte zwischen 1941 und 1991.
Freitag, 29.05.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
29.05.2020 Die Berliner Zeitung protestiert noch einmal gegen das goldene, 17 Tonnen schwere Kreuz für die Kuppel des Humboldt-Forums: Eigentlich war es gar nicht geplant, aber die Initiatoren der Attrappe suchten unverdrossen nach Finanziers und fanden sie. Der ehemalige Berliner Senatsbaudirektor Hans Stimmann schaut derweil in der Welt rüber zum Marx-Engels-Forum (oder lieber doch nicht!) Wenigstens am Berliner Olympiastadion könnte man noch etwas abreißen: die Nazi-Skupturen. Aber viele Anhänger finden sich für die Idee nicht. Außerdem: Trump und Twitter. Rassistische Polizeigewalt in den USA. Und die gerupfte Buchmesse.
Efeu - Die Kulturrundschau
29.05.2020 Die Filmkritiker trauern um die wunderbar trotzige, unerschrockene Schauspielerin Irm Hermann. ArtReview staunt über den kronenartigen Umfang der Bilder von Ida Applebroog aus den Sechzigern. Die deutschen Theater bitten Angela Merkel um Geld, damit sie nicht von den Kommunen kaputtgespart werden. In der taz erklärt Berliner Songwriter Hans Unstern, wie er mit seiner selbstgebauten Harfe aus Holz und Stahl und vierzig automatisierten Hubmagneten spielt.
Medienticker
29.05.2020 Pro & Contra der Frankfurter Buchmesse 2020; gerechnet wird mit einem Drittel der Aussteller - Judith Butlers "Corona-Tagebuch" - Irm Hermann im Gespräch (2015) - Bücher zum 75. Geburtstag von R.W. Fassbinder - Buchmarkt: Buchabsätze erholen sich sowie Literatursendungen im Runfunk + TV.
Bücherschau des Tages
29.05.2020 Die NZZ berauscht sich an Jean-Henri Fabres "Erinnerungen eines Insektenforschers". Die FAZ empfiehlt indes Jan Mohnhaupts Studie über Tiere im Nationalsozialismus und begleitet Walter Schüblers "Komteß Mizzi" durch das Wien des 19. Jahrhunderts. Die SZ hat großen Spaß an den Volten, die Uli Oesterle in seiner Graphic Novel "Vatermilch" schlägt. Und Dlf Kultur folgt dem Historiker Peter Englund in seine Jugend in der Stockholmer Sonntagsstraße.
Samstag, 30.05.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
30.05.2020 Die Feuilletons verlassen für einen Moment die Corona-Müdigkeit, um auf Lady Gagas schrillem Partyplaneten zu tanzen. Die taz kehrt mit Eribon, Stanisic, Bjerg und Witzel zu den eigenen Wurzeln zurück. Die Filmkritiker gratulieren dem zärtlichen Clint Eastwood zum Neunzigsten. Die FAZ lässt sich von den Wespen, Käfern und Fliegen der Niederländerin Juul Kraijer bedecken. Und die NZZ hebt ab mit den aufblasbaren Latexhosen von Harikrishnan.
9punkt - Die Debattenrundschau
30.05.2020 In den Postcolonial Studies wird zu viel Frantz Fanon gelesen und zu wenig Edward Said, erklärt Hans Ulrich Gumbrecht in der Welt: Das musste in den Niedergang führen. Der New Yorker beklagt, dass selbst progressive Bürgermeister in den USA die Polizei in ihren Städten nicht in den Griff bekommen. Die SZ betont im Streit um Twitter und Facebook, dass Algorithmen nie neutral sind. Die FR erkennt eine ganz ähnliche Staatsfeindschaft bei Reichsbürgern, Impfgegnern und Veganern.
Bücherschau des Tages
30.05.2020 FAZ und Welt erleben in den Wuhan-Tagebüchern der chinesischen Schriftstellerin Fang Fang die ganze desaströse Lage der abgeriegelten Stadt. Der Dlf erinnert sich mit Günther Emig und Peter Engel daran, wie Gegenliteratur in den Siebzigern aussah. Die taz denkt mit Till Randolf Amelungs "Irrwege" über queere Politik und Intersektionalität nach. Mit Hari Kunzru tanzt sie aber auch um mystische Felsformationen in der Mojave-Wüste und stürzt sich in das Universum des japanischen Comic-Meisters Shigero Mizuki.