Mittwoch, 01.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
01.07.2015 Rigoletto als liebster Sparring-Partner Gildas, so kann sich Verdi sehen lassen, applaudiert die FR Jossi Wielers Stuttgarter Inszenierung des "Rigoletto". Im Perlentaucher antworten Nikola Richter, Jörg Sundermeier und Tilman Winterling auf Wolfram Schüttes Vorschlag zur Gründung eines Online-Literaturmagazins. Die taz fragt sich anlässlich einer Berliner Tagung, warum man die architektonische Moderne der 60er Jahre aufwerten soll.
9punkt - Die Debattenrundschau
01.07.2015 Mark Zuckerberg erzählt in einem Chat, wie sich die Medien Facebook anpassen sollen. Die taz erzählt, wie sich Facebook dem Kreml anpasst. Der Horror eines jeden Journalisten muss laut New York Times die Huffington Post sein. Die Feuilletons haben ihren Einfluss auf den Markt ganz von selbst preisgegeben, meint die Bloggerin Karla Paul bei WuV. Die österreichische Autorin Anna Kim fürchtet im Standard den Verlust der Privatsphäre. Die NZZ beschwört Schrecken und Zauber der toten Zeit an einem Sommernachmittag.
Medienticker
01.07.2015 Medienregulierung: Vorwärts in die non-lineare Zukunft - aber wie? - Anti-Glyphosat-Kampagne: Die Medienmaschinerie der Guten - Journalismus & Public Relations: Ohnmächtige Helden der vierten Gewalt - Reform des EU-Urheberrechts: Dokumentarfilmer fürchten um die Panoramafreiheit - Vollepulletheater mit Jan Fabres 24-Stunden-Großkunstwerk "Mount Olympus" + Genialer Koloss am Kontrabass: In memoriam Willie Dixon zum 100.
Bücherschau des Tages
01.07.2015 Analytisch klar und feinfühlig zugleich findet die SZ Ursula Krechels Porträts von Pionierinnen. Die faszinierte FAZ liest Sjóns Roman "Der Junge, den es nicht gab" als expressionistische Miniatur über die Befreiung zum Künstler. Die NZZ staunt über Notker Hammersteins detaillierte Geschichte der Universität Frankfurt. Und die taz lässt sich von den schlauen Gedanken von Tex Rubinowitz mitreißen.
Essay
01.07.2015 Die Bedeutung von Literaturkritik hat sich aus gutem Grund relativiert und kann nicht künstlich reanimiert werden. Die Idee einer Netzzeitung ist dennoch höchst reizvoll. Die Los Angeles Review of Books könnte ein Vorbild sein. Stellt sich nur die Frage der Finanzierung...
Im Kino
01.07.2015 Gut gelaunt und leicht und luftig: Franz Müllers Meta-Fußballkomödie "Worst Case Scenario". Veronika Franz' und Severin Fialas Horrorfilm "Ich seh, Ich seh" zeigt die Abgründe hinter kindlicher Unbedarftheit.
Donnerstag, 02.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
02.07.2015 Mutter, bist das du? Die Filmkritiker kommen nachhaltig beunruhigt aus Veronika Franz' und Severin Fialas Horrorfilm "Ich seh, ich seh". In der Zeit erklärt sich Regisseur Dietrich Brüggemann kurzerhand zur Gesundheitspolizei Deutschlands. Im Freitag erklärt Jonathan Meese en detail, was dem Bayreuther Publikum entgeht ohne ihn. Die NZZ sieht Musik mit Klee und Kandinsky. Die Welt hüpft mit einem Eichhörnchen durch Mahlers Dritte.
9punkt - Die Debattenrundschau
02.07.2015 Nun fangen auch die Feuilletons an und retten Griechenland: Das geht nur mit einer politischen Union, meint die Politologin Christine Landfried in der FAZ. Die Zeit teilt es sogar auf Griechisch mit: Liebe Griechen, bitte stimmt mit Ja zu uns. Nur aus Italien kommt laut FR eine unerwartete Hommage auf Deutschland. Wenigstens mit Scientology geht's kräftig bergab, berichtet slate.fr. Schuld ist das Internet.
Medienticker
02.07.2015 Googles Verkaufsmasche: Der große Internet-Irrtum - News-Websites: Die Heucheleien der Internet-Journalisten - Verletzung des Fernmeldegeheimnisses: Reporter ohne Grenzen verklagen den BND - Kampf um Begriffe: Der IS & der Kampf um Buchstaben - Das Ich meiner Wahl: Ina Hartwig über Andreas Maiers "Der Ort" - Unsichtbare Übungen: Die 123 Phantasien des Klaus Johannes Thies + Klagenfurt: Hubert Winkels über den Ingeborg-Bachmann-Preis 2015 & Was Schriftsteller so denken, zeigen jetzt Videos.
Bücherschau des Tages
02.07.2015 Mit "Venus siegt" erweist sich Dietmar Dath einmal mehr als einzig relevanter deutscher Science-Fiction-Autor der Gegenwart, meint die Zeit. Als Kreuzung aus Kafka und "Baumeister Bob" beschreibt die FAZ Heinrich Steinfests Roman "Das grüne Rollo". Die FR lässt sich von Ernest van der Kwast von der Liebe, vom Scheitern und vom Triumph erzählen. Und die NZZ lässt sich von Andrea Gersters Roman "Verlangen nach mehr" an der Nase herumführen.
Essay
02.07.2015 Apropos Leser: Eine digitale Zeitung muss sich, mehr noch als ein Printblatt mit Online-Ableger, darauf gefasst machen, dass eine bunte, lebendige und interessierte Leserschaft von sich hören lassen wird.
Freitag, 03.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
03.07.2015 Klagenfurt hat einen ersten Favoriten: Nora Gomringer, die Nora Bossong als Journalistin einen Selbstmord recherchieren lässt. Die FAZ hätte sich mehr Sinnlichkeit in der "Homosexulität_en"-Ausstellung gewünscht. Die Hochkultur zeigt gerade mehr soziales Engagement als Pop, stellt Kurator Christoph Gurk in der taz fest. Die Jungle World feiert das Noise-Album von Helm. Die NZZ bewundert Barbara Hannigans Dirigierkunst.
9punkt - Die Debattenrundschau
03.07.2015 Die taz staunt über die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen, die die Wikipedia wegen der Benutzung gemeinfreier Bilder juristisch belangen wollen. In Libération erzählt die Regisseurin Isabelle Boni-Claverie, wie Diskriminierung funktioniert. Warum Tunesien?, fragt das NYRBlog. Die Krautreporter erklären Hintergründe zum Verkauf der Olympia-Fernsehrechte und haben wenig Mitleid mit ARD und ZDF.
Medienticker
03.07.2015 Aktualisiert: taz: Chefredakteurin Ines Pohl geht zur Deutschen Welle - AWA: Printreichweiten schrumpfen, zum Teil dramatisch - Online-Kiosk Blendle: Journalistische Perlen, die Geld kosten - Zu viel gelesen: eBook Flatrate Scribd entfernt Tausende Liebesromane - E-Lektüren: Texte von Freunden und Freunden von Freunden - Glänzende Performance: Über den ersten Tag des Ingeborg-Bachmann-Preises 2015 + Besser gehts kaum: Ryan Adams Roots-Rock.
Bücherschau des Tages
03.07.2015 Matthew Thomas' Roman "Wir sind nicht wir" über eine irische Einwandererfamilie in New York ist nicht nur sehr dick, sondern auch wirklich groß, versichert die SZ. Außerdem folgt sie Otfried Höffe auf eine philosophische Ballonfahrt in die Freiheit. Die FR arbeitet sich in einer dritten Besprechung an Jan Assmanns Studie "Exodus" ab. Und die FAZ studiert, was der mittelalterliche arabische Philosoph Avempace "Über das Ziel des menschlichen Lebens" zu sagen hatte.
Essay
03.07.2015 Heute ist das Netz die literarische Öffentlichkeit. Und eine Gesellschaft, in der nicht nur Profis das Gespräch dominieren, kann nicht völlig missraten sein. Wozu also eine Printzeitung im Netz? Was wir dagegen gebrauchen könnten, wäre ein renovierter Alfred-Kerr-Preis!
Samstag, 04.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
04.07.2015 In Klagefurt traf Ronja von Rönne auf eine enttäuschte Jury, die sich nicht einmal richtig provoziert fühlte. Viel interessanter fand Zeit Online ohnehin die Lesung von Monique Schwitter. Die taz erkundet, wann die Kreativität ihre Unschuld verlor. Die Welt picknickt mit Oper in Glyndebourne. Außerdem fragt sie seufzend, warum nur in Amerika Frauen aussehen können wie intellektuelle Statements. Die SZ erlebt beim Filmfest München mit dem Schauermärchen "Nachtmahr" einen heftigen Filmrausch.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.07.2015 Die FAZ beschreibt, wie sich Facebook mit seinen "Community Standards" bei der chinesischen Regierung anbiedert. Die UN leisten sich jetzt einen weitgehend macht- und mittellosen Datenschutz-Sonderberichterstatter, meldet Zeit digital. Auch der Spiegel war im Visier der US-Geheimdienste, berichtet der Spiegel. Die FR findet heraus, dass Willy Brandt wohl doch kein Spion war. Und die taz tröstet sich mit einem eigenen Craft Beer über den Rücktritt ihrer Chefredakteurin Ines Pohl hinweg.
Bücherschau des Tages
04.07.2015 Als editorische Großtat preist die NZZ Al Imfelds Anthologie "Afrika im Gedicht", die sich auch als Ideengeschichte des modernen Afrikas lesen lasse. Vergnügt liest sie zudem Emil Hackls "anarchistisch nonchalanten" Roman "Acht Tage bis Montag". Die FAZ freut sich über Saphia Azzeddine prallen Zuwandererroman "Mein Vater ist Putzfrau". Die Welt huldigt der österreichischen Dichterin Christine Lavant. Die SZ versinkt in Tim Parks' Kriminalromanen um den sympathischen Schurken "Mr. Duckworth". Und die taz liest Horror-Comics.
Bücherbrief
04.07.2015 Ralf Rothmann über Väter und Söhne, Paula Hawkins über scheinbar perfekte Ehen, 570 Gedichte aus Afrika und die Geburt des modernen Istanbul - dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Juli.
Montag, 06.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
06.07.2015 Guter Jahrgang in Klagenfurt! Und die Entscheidung für Nora Gomringer als diesjährige Bachmann-Preisträgerin wird ebenfalls gut aufgenommen. Die NZZ besucht die Volksbühne, wo man sich gegen Chris Dercon einigelt. Warum nur müssen ältere Literaturkritiker Romane schreiben, fragt im Standard der Germanist Klaus Zeyringer. Außerdem bewundert der Standard die schwebende Melancholie der Fotografien Mario Giacomellis.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.07.2015 Die Griechen haben nein gesagt, "und die Deutschen entscheiden", sagt Politico.eu. Die Briten machen sich zu den Butlern der Scheichs und Oligarchen, schreibt Peter Pomerantsev ebenfalls in Politico.eu. Der Spiegel berichtet, dass er von der NSA abgehört und eine seiner Quellen verraten wurde. Die FR untersucht Alain Badious totalitäre Metaphern.
Medienticker
06.07.2015 Die CIA hört mit: Spiegel stellt Strafanzeige - "Mich berührt das Netz überhaupt nicht", meint Hans Leyendecker über die Lügenpresse-Beschimpfungen - Die Heucheleien der Internet-Journalisten: Ich tue alles, um mit deinen Daten Geld zu machen - Ronnie Grob steigt bei 6vor9 aus: "Selbstmitleidiges Gejammere der Journalisten mag niemand mehr hören" & Warum die Industrie 4.0-Rhetorik nervt + Die Perlentaucher-Debatte im Hörfunk: Literaturkritik nur noch im Netz?
Bücherschau des Tages
06.07.2015 Makaber und vor Sarkasmus strotzend findet die SZ Hassan Blasims Geschichten aus dem Irak "Der Verrückte vom Freiheitsplatz" und deshalb umso wahrer und dringlicher. In Gerd Fuchs' Novelle "Liebesmüh" erlebt sie den Bahnhof als melancholisches Zentrum einer surrealen Romanze. Die taz liest mit Trauer um die früh verstorbene Autorin Marina Keegan den Erzählband "Das Gegenteil von Einsamkeit".
Essay
06.07.2015 Die Kunstbiennale in Venedig läuft noch bis November und wird auch dieses Jahr wieder Millionen Besucher anziehen. Doch die öffentlichen Reaktionen auf die von Okui Enwezor kuratierten Räume - zentraler Pavillon und Arsenale - sind durchwachsen. Von "Inhaltismus" und "Revolutionsromantik" ist die Rede. Überhört wurden im Trubel der Eröffnung die Stimmen, die in den Sälen umgehen, ein wenig wie Gespenster - oder sind es doch gute Geister?
Dienstag, 07.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
07.07.2015 Die NZZ kommt auf Hochtouren vor den Zeichnungen von Silvia Bächli in Besancon. In der FR erkennt der russische Theatermacher Iwan Wyrypajew, dass nicht nur in Russland das Traditionelle bevorzugt wird. Die FAZ kann dem mit Blick auf das Publikum für Neue Musik nur beipflichten. Im Dradio Kultur denkt Thorsten Jantschek über den Bedeutungswandel der Literaturkritik nach. Im Independent ist Dustin Hoffman sehr unzufrieden mit dem Zustand des amerikanischen Films.
9punkt - Die Debattenrundschau
07.07.2015 Die SZ erforscht die intellektuelle Genealogie des Linkspopulismus der Syriza. Slate.fr hat die Grenze des Fanatismus beim "Islamischen Staat" gefunden. Die taz fragt: Werden aus festen Freien bei SZ oder Dumont nun bald lose Freie? Oder gar feste Angestellte? Die NZZ demontiert den konstruktiven Journalisten. Wer über Indonesien spricht, muss auch über Islamisierung unter saudischem Einfluss sprechen, meint die FAZ mit Blick auf das Gastland der Buchmesse. Und Yanis Varoufakis ist laut WSJ jetzt der Minister seiner eigenen Großartigkeit.
Magazinrundschau
07.07.2015 Der Westen hat den arabischen Frühling gekapert und den syrischen Bürgerkrieg angefacht, klagt die London Review. Eurozine staunt, wie viel Ablehnung im Westen Dissidenten des Islam und der Ukraine entgegenschlägt. The Nation erzählt von einer Pakistanerin, die Freiheit bei den Islamisten sucht. Der Merkur weiß, warum Amerikaner, Briten und Franzosen Fernsehserien bessern können als wir. In El Universal verliebt sich der mexikanische Autor Álvaro Enrigue in Zagreb. Der Guardian vertieft sich in Southern Gothic. Und die New York Times untersucht den Erfolg der Huffington Post.
Medienticker
07.07.2015 Die Buchbranche zwischen Transparenz & Angriffsfläche im Netz - Brauchen wir die Buchpreisbindung?, fragt sich Antje Höning - Lesen Sie gefälligst Bücher!, fordert Jochen Jung - Axel Springer & ProSieben: Verhandlungen über Fusion - Was die Rundfunkräte kosten: Die Aufwandsentschädigungen der Aufseher - Datenspeicherung in Deutschland: EU-Bürgerbeauftragte rügt Kommission + Der traurige Beatle: Ringo Starr wird 75 und trommelt immer noch ...
Bücherschau des Tages
07.07.2015 SZ und FAZ lesen mit angehaltenem Atem Victor Klemperers Revolutionstagebuch von 1919 und erleben ihn als etwas überdrehten Kriegsfeuilletonisten, gewinnen aber erhellende Einblicke in das Münchner Bürgertum. Die NZZ geht vor dem Briefschreiber Goethe auf die Knie. Die SZ erhascht mit Xifan Yangs chinesicher Familiengeschichte "Als die Karpfen fliegen lernten" einen Blick in die Zukunft.
Maluma und Takete
07.07.2015 Es ist keine Performancekunst, die dafür gemacht ist, abgebildet zu werden. Aber eine, in der die Besucher sehr frei sind. Am 8. August ist "Tino Sehgal" im Berliner Gropiusbau schon wieder vorbei. Bis dahin sollte man seinen Figuren helfen, ein Mensch zu werden.
Mittwoch, 08.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
08.07.2015 Die Welt porträtiert Marianna Salzmann, Dramatikerin und Leiterin des "Studios Ya" am Maxim-Gorki-Theater. Die New York Times porträtiert den Fotografen und Filmemacher Robert Frank. Die Filmkritiker wenden sich mit Grausen vom fünften Terminator ab. Ausgenommen die FAZ. Die SZ würde gern im Kupfergraben baden.
9punkt - Die Debattenrundschau
08.07.2015 Im Tagesspiegel und der NZZ kritisieren die Autoren Kostas Kalfopoulos und Soti Triantafillou den Starrsinn der Regierung Tsipras und das Freund-Feind-Denken der griechischen Intellektuellen. BHL nimmt in seiner Kolumne die Idee der Demokratie gegen Syriza-Freunde wie Marine Le Pen in Schutz. In The Nation rufen Ökonomen um Thomas Piketty die Königin von Europa auf, den Griechen die Schulden zu erlassen. Sonst droht der Untergang. Und die SZ hätte gern eine klare Antwort auf die Frage: "Hören US-Geheimdienste deutsche Journalisten ab?"
Medienticker
08.07.2015 Der Meta-Naturalist & die Wirklichkeit: Rainald Goetz bekommt den Büchner-Preis! - Konstruktiver Journalismus: Der Journalist, dein Freund und Helfer - Zweifelhafte Macht: Politischer Journalismus in Deutschland - Dachmarke: N24 heißt künftig Welt & Bild versucht sich als News-Sender - NSA: Auch Handelsblatt & NZZ im Visier - Konsumismus bei Buzzfeed: Was will dir dieser Artikel verkaufen? - Platzfragen: Michael Pilz' historische Einlassungen zur aktuellen Literatur-Debatte & Thomas Anz über Literatur, Justiz & Kritik.
Bücherschau des Tages
08.07.2015 Die FAZ staunt über den assoziativen lyrischen Kosmos von Ulf Stolterfoht, der von der Offenbarung des Johannes bis zur brasilianischen Dichterin Simone Homem de Mello reicht. T.C. Boyle macht die NZZ mit seinem Roman "Hart auf hart" auf Missstände in der amerikanischen Gesellschaft aufmerksam. Und Artur Beckers Novelle "Sieben Tage mit Lidia" zieht die FR mit soghaft antivirtuoser Sprache in ihren Bann.
Im Kino
08.07.2015 Nicht das Chaos bringt in David Robert Mitchells originellem Horrorfilm "It Follows" den Tod, sondern dessen kurzfristige Suspension. Verstrahltheiten unterschiedlicher Art häuft Alan Taylors 200 Millionen Dollar teure fan fiction "Terminator Genisys" an.
Donnerstag, 09.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
09.07.2015 Alle lieben Rainald Goetz: Ein Klassiker wäre er sowieso geworden, aber mit Büchner-Preis "fühlt es sich richtiger an". Niemand liebt den Terminator: Dass einzig Arnie sympathisch ist, sieht Daniel Kehlmann in der Zeit als größten Verrat an der Grundidee des Films. Für die Münchner Opernspiele hat Andreas Dresen die "Arabella" von Strauss gründlich entstaubt, freut sich die Welt. Die SZ beklagt die neue Unübersichtlichkeit in der Kunst. Die taz meint: Es gibt die von Wolfram Schütte geforderte Literaturzeitung Fahrenheit 451 schon. Und sie heißt Perlentaucher.
9punkt - Die Debattenrundschau
09.07.2015 Schon schreibt Fidel Castro späte Liebesbriefe an den geschätzten compañero Alexis Tspiras. Ein Grund mehr, warum die anderen Euroländer wohl einlenken werden, meint Politico.eu. Die NSA weiß sicher schon, was Angela Merkel darüber denkt - denn der Geheimdienst ist nach jüngsten Wikileaks-Enthüllungen ihr steter Schatten. In der Zeit nennt Bundestagspräsident Norbert Lammert den Völkermord an den Herero beim Namen. Zum Verzweifeln komisch: Das Tagesprogramm der ARD vom 6. Januar.
Medienticker
09.07.2015 taz: Georg Löwisch wird neuer Chefredakteur - Arm, aber kooperativ: Berliner Zeitungen schmieden Allianz - Russische Medien: Jenseits der roten Linie - "Alles Lüge?": Zeit-Leser über Vertrauen in die Medien - Endzeit im Treibhaus: Literaturjournalismus statt Literaturkritik - Panoramafreiheit: Facebook ist nun mal kein Fotoalbum - Neue Wikileaks-Dokumente: Nicht nur Merkel, auch Schröder & Kohl im Visier der NSA + Unter Popliteraten: Thomas Meinecke über den "Weltabschreiber" Rainald Goetz.
Bücherschau des Tages
09.07.2015 Nach der Lektüre von Jürgen Goldsteins Biografie Georg Forsters wünscht sich die Zeit eine Forster-Ausstellung zur Eröffnung des Humboldt-Forums. Großes Vergnügen hat ihr auch die von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell herausgegebene Lyrik-Anthologie "Juli" bereitet. In "Die alte Dame in Marrakesch" nimmt Fouad Laroui die französischen Vorurteile über Marokko aufs Korn, freut sich die SZ.
Essay
09.07.2015 Seit Wochen und Monaten wird (mal wieder) über den Zustand der Literaturkritik debattiert. Entstanden ist der Wunsch nach stärkerer Institutionalisierung. Warum wir keine neue Literaturzeitung brauchen, aber mehr Leidenschaft.
Redaktionsblog - Im Ententeich
09.07.2015 Berthold Seliger fordert in seinem Buch "I Have a Stream" die Abschaffung der öffentlich-rechtlichen Sender. Einen Tag wie den 6. Januar müssten wir dann immerhin nicht mehr überstehen!
Freitag, 10.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
10.07.2015 Die NZZ schwingt die Hüften zu karibischen Beats im Highlife. Die SZ beschwört den wohltuenden Einfluss halluzinogener Drogen auf Hip Hop. Die taz stellt eine Pionierin der elektronischen Musik vor, Daphne Oram. Die Welt zerschießt genussvoll Werke von Jeff Koons. Die FAZ freut sich über ein Hörspiel aus dem Nachlass von W.G. Sebald.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.07.2015 Slate.fr erklärt, worüber Caroline Fourest und die französische Linke streiten. Die Reiss-Engelhorn-Museen begründen, warum sie 250 Euro für das Zeigen gemeinfreier Werke verlangen. Die Welt fürchtet drastische Konsequenzen des geplanten Kulturgutschutzgesetzes. Die taz lotet die Mitschuld der UNO am Massaker von Srebrenica aus.
Medienticker
10.07.2015 Aktualisiert: Streamen von Literatur: Beschneidet Amazon die Gedankenfreiheit? - Meinungsforschung im Netz: Wer stellt die Mehrheit? - BGH-Urteil: Einbetten fremder Videos ist mit dem Urheberrecht vereinbar - Votum im EU-Parlament: Das Selfie bleibt frei - Perlentaucher-Debatte im Hörfunk: Ein Gespräch mit Jürgen Kaube über Literaturkritk - Vor 260 Jahren: Lessings "Miss Sara Sampson" uraufgeführt - Notabene 45: Erich Kästners Asyl am Schliersee + Unbekannte Ellington-Aufnahmen von 1970.
Bücherschau des Tages
10.07.2015 Mit "Domestik" gewährt Charly Wegelius einen faszinierenden Einblick in den Radsportkosmos, freut sich die FAZ. Außerdem liest sie sich durch "Hauptwerke" und "Ausgewählte Werke" und insgesamt knapp 7000 Seiten Hegel. Die FR verbringt mit Otto A. Böhmer einen vergnüglichen "Calwer Frühling". Und die SZ kommt mit Philip Waechters Kinderbuch "Endlich wieder zelten!" mächtig in Ferienstimmung.
Samstag, 11.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
11.07.2015 Dichter in die Galerien, ruft Zeit online. Das Gedicht muss "sein Schweigen im Gelärm der Jetztzeit" behaupten, forderte dagegen laut NZZ der Dichter Henri Meschonnic. Viktor & Rolf hängen Haute Couture an die Wand. In Vice spielt Ai Weiwei mit seinen Überwachern. Die Welt verzweifelt an der Allzuständigkeit der allerneuesten Kunst. Die FR stellt die beste Fernsehserie vor, die niemand sieht. Die taz schildert die Lage von Musikern im Iran.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.07.2015 In der NZZ ruft Wole Soyinka den Terroristen von Boko Haram zu: Nennt euch wie ihr wollt, wir nennen euch Boko Haram. In Causeur.fr betont Mona Eltahawy, dass im Nahen Osten nicht nur die muslimischen Frauen unterdrückt sind - den Koptinnen geht's nicht anders. In Le Soir holt Emmanuel Todd zu einer antideutschen Tirade aus. In der New York Times beklagt Kenan Malik die Tribalisierung der britischen Gesellschaft.
Bücherschau des Tages
11.07.2015 Die FAZ bekommt mit Luigi Pirandello "Angst vor dem Glück", aber längst nicht genug! Die NZZ wird mit Alain Mabanckou morgen zwanzig. Die Welt möchte mit Victor Klemperer "immer weinen und lachen in einem". Die taz geht mit Uwe Nettelbeck in den Kaufhausbrandstifterprozess.
Montag, 13.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
13.07.2015 Antonio Fian entwirft im Standard eine Poetikvorlesung über Werner Kofler. Die SZ versinkt in einem kongolesischen Knall aus Farben, Kurven und Licht. Die Welt kommt auf den Hund. Die taz verlangt Neubauten-Sounds im ganzen Englischen Garten. Und Hermann Parzinger möchte keine Badehosen auf der Museumsinsel sehen.
9punkt - Die Debattenrundschau
13.07.2015 Die Welt erklärt, warum gerade die Sozialdemokraten so sauer sind auf Syriza, während Phillip Ther im Tagesspiegel die Konsequenzen des Neoliberalismus für die baltischen Länder schildert. Flüchtlingen aus Syrien verdanken wir, dass wir Getreide haben, bringt Raoul Schrott in einem taz-Dossier über das Mittelmeer in Erinnerung. Der Standard weiß, warum in Charlie Hebdo keine Mohammed-Karikaturen mehr erscheinen. In der NZZ erinnert sich Bettina Blumenberg an die Mechanik-Baukästen ihres Vaters. Und manipuliert Google?
Medienticker
13.07.2015 Aktualisiert: Gerhard Zwerenz ist tot: Ein Nachruf von Arno Widmann - Die schlimmsten Schlagzeilen zur Griechenland-Debatte von Bild, Spiegel, FAZ gesampelt & Interviews mit Heribert Prantl & Herfried Münkler sowie eine Satire-Anleitung von der Ericusspitze - Zuschauen als Beruf: Jürgen Kaubes Börne-Rede - Vorbild USA? Zehn zentrale Trends für Journalisten - Vorwegnahme des Internets: Der Zettelkasten von Niklas Luhmann + Dokumentarfilm "Amy": "Wir sind alle Voyeure gewesen".
Bücherschau des Tages
13.07.2015 Die SZ geht mit Arthur Conan Doyle als jungem Schiffsarzt auf Walfang im Polarmeer und empfiehlt Christiane Neudeckers "Sommernovelle" als leichthändige Lektüre zu Leben und Tod, Unschuld und erste Liebe. Die FAZ liest Kinderbücher, zum Beispiel von Peter Hacks, der schon in den Siebziger wusste, dass Ratten wie Kraken durchs Bücherfressen schlau werden.
Dienstag, 14.07.2015
Magazinrundschau
14.07.2015 Der Guardian staunt, wie viele britische Sklavenhalter es gab. In Literarni noviny erklärt Katja Petrowskaja: Ich bin viel russischer als Putin. Wer glaubt noch an Europa, fragt Timothy Garton Ash in Hospodarske noviny. Roads & Kingdoms bestellt Schweinswürstchen in Tel Aviv. Der New Yorker bebt vor dem Andreasgraben.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.07.2015 Die Welt feiert Sion Sonos Hip-Hop-Filmmusical "Tokyo Tribe", auch auch wenn es diesmal keinen Tentakel-Sex gibt. In der Presse nimmt der Autor Aleksander Hemon die Selbstlügen der Amerikaner aufs Korn. Die taz amüsiert sich in Kopenhagen mit dem Noise des FE Denning Descension Orchestra. Die Berliner Zeitung wird vor den Bildern Dieter Kriegs blass über unseren Vergeudungswahn.
9punkt - Die Debattenrundschau
14.07.2015 In der SZ spricht Schanna Nemzowa, Tochter von Boris Nemzow, über die immer schärfere Repression in Russland. Bernard-Henri Lévy erklärt in seinem Blog, warum man Griechenland retten musste. Das geplante Kulturgutschutzgesetz sorgt nach wie vor für erbitterten Widerstand beim Kunsthandel. Die Berliner Zeitung verteidigt das Gesetz mit Blick auf alte Herrscherfamilien, die sich mit "ihrer" Kunst schon manches Mal wässerten.
Medienticker
14.07.2015 NSA-Abhörskandal: So wichtig bin ich doch nicht oder Die Politik gibt sich machtlos & nahezu desinteressiert. - Blog-Umzug: Zeit Online übernimmt Frauenblog von FAZ.net - Comic-Con 2015: Neuigkeiten von Tarantino und "The Walking Dead" & Ein Superhelden-Selfie geht viral - Im Verborgenen: Das zweite Leben der Harper Lee - Literaturkritik digital: Die Perlentaucher-Debatte im Hörfunk + Die Frühvollendeten der Rockmusik: Der traurige Club der 27-Jährigen.
Bücherschau des Tages
14.07.2015 Die NZZ blickt entsetzt mit Werner Bätzing in die Zukunft der entvölkerten und zum Freizeitpark verkommenen Alpen. Vom britischen Naturschriftsteller Robert Macfarlane lässt sie sich dann versichern, dass die Nachbarschaft von Tier und Mensch möglich ist. Die FAZ liest fasziniert Jürgen Goldsteins Biografie des Reiseschriftstellers und Jakobiners Georg Forster. Die FR rühmt Victor Klemperers Revolutionstagebuch "Man möchte immer weinen und lachen in einem".
Mittwoch, 15.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
15.07.2015 In der NZZ bittet Christian Saehrendt die gestrengen Feuilleton-Gouvernanten von der SZ und FAZ zum Documenta-Tanz. Peter Urban-Halle stellt uns eine große Dichterin vor: die slowenische Lyrikerin Anja Golob. Die taz sieht Amys Absturz zu. Die FAZ bewundert den Bariton Lucile Richardots.
9punkt - Die Debattenrundschau
15.07.2015 In Le Monde erläutert Jonathan Israel seine Genealogie der radikalen Aufklärung. In Italien wird laut Presse das Grab Dantes beschützt - aus Angst vor Anschlägen belesener Dschihadisten. Welt und FAZ zitierten Gerhard Richter, der mit dem Gedanken spielt, Leihgaben aus Museen abzuziehen und schnellstens "zu verkloppen", um dem Kulturgutschutzgesetz zuvorzukommen. Und Lena Dunham plant einen Newsletter.
Medienticker
15.07.2015 BDZV: Verleger jubeln über steigende E-Paper-Nutzung & fordern "Chancengleichheit" gegenüber Google & Co. - Machtpolitik & Qualitätspresse: Was für ein Europa soll das werden? - Gonzo-Politik oder Die Odyssee des amerikanischen Traums: Hunter S. Thompsons Briefe - Populistische Sprachverwirrung: Wer Schulden hat, ist schuld? - Ein doppelter Außenseiter: Jacques Derrida zum 85. + Musik-Streaming: Deutscher Musikmarkt wächst.
Bücherschau des Tages
15.07.2015 Die FAZ bejubelt James Purdys wiederaufgelegten Roman "Die Preisgabe" aus dem Jahr 1967. Harper Lees zehn Jahre zuvor entstandener Debütroman "Gehe hin, stelle einen Wächter" stimmt die Welt hingegen nachdenklich. Die NZZ liest mit großem Gewinn Vea Kaisers Familiensaga "Makarionissi" und Marianna Butenschöns Biografie der deutschstämmigen Romanow-Zarin Maria. Und die SZ reist mit Andrzej Stasiuks Fernwehgeschichten in die Tiefe der Zeit.
Im Kino
15.07.2015 Es gab alles beim 33. Filmfest München, jede Art von Film. Bling-Ring und Cannes-Kunst, Warhol und neues deutsches Kino. Was fehlte, war der Maßstab.
Im Kino
15.07.2015 Jeder der will darf rappen in Sion Sonos Hip-Hop-Extravaganz "Tokyo Tribe". Noah Baumbachs "Gefühlt Mitte Zwanzig" blickt trotz gelegentlichem Situationswitz abschätzig auf seine Figuren.
Donnerstag, 16.07.2015
9punkt - Die Debattenrundschau
16.07.2015 In der SZ geißelt der malische Autor Ousmane Diarra den arabischen Kultur-Imperialismus in Afrika. FAZ und Zeit berichten von einer Massenverhaftung von Rechtsanwälten in China. In der Zeit möchte Yanis Varoufakis keinen Haushaltsoberaufseher für Europa. In der FR plädiert Herfried Münkler für ein neues altes Kerneuropa. Die Briten gehören eigentlich nicht zu Europa, behauptet ein Manifest britischer Historiker. Aber nur, solange man ihre Kolonialgeschichte vergisst, kontern zwei Historiker in der Zeit.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.07.2015 Die Rezensenten grübeln, was Harper Lees lange verschollener Debütroman für ihren Zweitling, den Klassiker "Wer die Nachtigall stört" bedeutet. Der Freitag nimmt Le Corbusier gegen den Faschismusverdacht in Schutz. Dietrich Brüggemann beschert den Kritikern mit seiner Gesellschaftsgroteske "Heil" mehr Klamauk als Erkenntnis. Und die Zeit wird in Manchester Zeuge, wie Hélène Grimaud die Musik von allen albernen Konventionen befreit.
Medienticker
16.07.2015 Weniger Auflage & trotzdem gute Stimmung: Zeitungsverleger plötzlich sorgenfrei? & Die Branche schneidet Zeitungsanzeigen aus und klebt sie ins Internet - Discounter-Boulevard: Bild bei Aldi - Kriegsreporterin-Kolumne: Ein Warmduscher mit Erklärzwang - BBC kooperiert mit Bloggern, um lokale Nachrichten voranzubringen & Bloggende Studenten: Die Professoren-Stalker + Kino: Erster Amazon-Spielfilm kommt von Spike Lee.
Bücherschau des Tages
16.07.2015 Harper Lees wiederentdeckter Debütroman "Gehe hin, stelle einen Wächter" wird sämtlichen hohen Erwartungen gerecht, versichert die FAZ. Die FR findet, er wäre besser nicht veröffentlicht worden. Die SZ ist tief beeindruckt, wie Stevan Tontic in seinen Gedichten Ästhetik und Ethik vereint. Und die Zeit amüsiert sich prächtig mit Joachim Lottmanns Roman "Happy End" (von dem die FAZ vehement abrät).
Freitag, 17.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
17.07.2015 Die NZZ feiert Bob Dylan für seine Kunst der ständigen Erneuerung und den Architekten und radikalen Marxisten Hannes Meyer für seine vertikalen Brigaden. Die Autorin NoViolet Bulawayo erklärt in der Deutschen Welle, warum sie in Amerika verstummte. Die Nachtkritik fragt, warum alle über Rassismus auf deutschen Bühnen diskutieren, Sexismus aber immer durchgeht.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.07.2015 In der Basler Zeitung fordert der irische Historiker Brendan Simms einen europäischen Superstaat. In der FAZ dringt Asfa-Wossen Asserate mit Blick auf die Flüchtlingsproblematik auf eine neue europäische Afrika-Politik, die im wesentlichen den eigenen Werten treu sein solle. Überall im Netz wird über Angela Merkel und das palästinensische Flüchtlingsmädchen diskutiert. Daily Mail schildert die entsetzliche Lage der Albinos in Tansania.
Medienticker
17.07.2015 Aktualisiert: Bild-Sprache: FAZ bringt Tages-Konzentrat aufs iPhone - 3,9 Milliarden Dollar: Google beeindruckt mit starken Quartalszahlen - Buchumsätze auf Achterbahnfahrt: Branchen-Monitor Buch sieht Markt wieder im Aufwind - 20 Jahre Amazon: Wie ein Unternehmen uns alle verändert hat - Traditionshaus: Porsche-Erbe kauft den Residenz Verlag - Spotify, Apple Music & Co.: Neil Young will nicht mehr gestreamt werden & "Fuck off, weiter geht's": Interview mit Pete Townshend.
Bücherschau des Tages
17.07.2015 Harper Lees frühes "Mockingbird"-Manuskript "Gehe hin, stelle einen Wächter" beschäftigt weiter die Kritik: Hochaktuell, staunt die SZ. Aber das Zeug zum Klassiker hat es nicht, meint die NZZ. Die FAZ ist beeindruckt, wie Michaela Krützen anhand dreier Klassiker eine ganze Filmgeschichte entwirft. Und die SZ freut sich, dass das Sams zurück ist, und zwar doppelt.
Vom Nachttisch geräumt
17.07.2015 Ein Blick auf den grammatischen Selbstmord Goethes, das Ich von Kate Moss, die offenen Münder der Engel und den Geiz des Weltalls.
Essay
17.07.2015 Wolfram Schüttes Idee einer Literaturzeitung im Netz könnte die falschen Finanziers anlocken, und sie pflegt einen Begriff von Literatur, der den Entwicklungen im Netz hinterhinkt: Das heißt nicht, dass es nicht Orte einer durchaus auch elitären Reflexion über Literatur im Netz braucht.
Samstag, 18.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
18.07.2015 In Basel offenbart sich Marlene Dumas der FAZ als eine der bedeutendsten Künstlerinnen unserer Zeit. Der Regisseur Dietrich Brüggemann erklärt in der SZ, weshalb man dem NSU nicht mit konventionellem Drehbuchhandwerk begegnen kann. Mirna Funk erzählt in der Welt, wie sie den Gaza-Krieg unter dem israelischen Raketenabwehrschirm erlebte. Und der Tagesspiegel rät zur Opernreise nach Posen.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.07.2015 Im Guardian fürchtet Jürgen Habermas nicht um Deutschlands Kredite, sondern beklagt das politische Kapital, das in der berühmten Nacht in Brüssel verspielt wurde. In der Welt blickt Karl Ove Knausgard in die inneren Abgründe des Massenmörders Anders Breivik. Im Stern fragt Charlie-Hebdo-Chef Riss, was eine Freiheit wert ist, die niemand mehr zu nutzen wagt. In der FAZ erklärt Laura Poitras, warum sie die amerikanische Regierung verklagt. Die taz besucht die Witwen Kabuls.
Bücherschau des Tages
18.07.2015 Das Gründungsprogramm eines literarischeren Journalismus oder einer journalistischeren Literatur meint die taz im Werk von James Agee auszumachen. Voller Faszination liest sie auch Tobias Sommers Roman "Jagen 135". Elif Shafak versetzt die NZZ mit ihrem märchenhaften Roman "Der Architekt des Sultans" ins Istanbul des 16. Jahrhunderts. Und Bov Bjerg erzählt der bewegten Welt in "Auerhaus" ganz unnostalgisch von der Magie des Erwachsenwerdens.
Montag, 20.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
20.07.2015 Im Standard erklärt der Fotograf Joel Meyerowitz, warum immer bessere Bilder nicht das Ziel sind. Was soll noch kommen nach 13 Documentas, fragte sich ein Symposium in Kassel. Griechenland natürlich, antwortet laut Welt der neue Documenta-Leiter Adam Szymczyk. Die nachtkritik berichtet vom Theaterfestival in Avignon. In der Welt schildert Peter Wawerzinek ein Ereignis von Welt in Bad Doberan.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.07.2015 Im Guardian fordern Historiker nach dem von der Sun veröffentlichten Video mit Edward, der späteren Queen und dem Hitler-Gruß eine Freigabe der königlichen Archive. Die Welt feiert den Atomdeal mit dem Iran als Sieg der israelischen Außenpolitik. In der NZZ erklärt Viktor Jerofejew, wie Wladimir Putin die Unsicherheiten des Westens ausnutzt. Horizont erklärt, warum Mobil die Zukunft der Inhalte, aber wohl nicht der Medien ist. In der FR hofft der britische Historiker Faramerz Dabhoiwala auf sexuelle Befreiung im Rest der Welt.
Medienticker
20.07.2015 Zukunft des Journalismus: Was Leser wollen & was sie sollen - beme: Eine Video-App stürmt die sozialen Netzwerke - Zornige junge Männer: Urs Hafner über die ersten NZZ-Redaktoren - Ein Großmeister geht: Hans Leyendecker gibt Ressortleitung ab - NSA-Ausschuss: Assange will aussagen - Freiheiten im Schatten der Mauer: Literatur übers Lebensgefühl in West-Berlin + Die Krux mit dem Staat: Liberalismus als Nostalgie?, fragt sich Jürgen Kaube.
Bücherschau des Tages
20.07.2015 Die SZ spürt geradezu körperlich die Wucht, mit der Jean Prévost in "Das Salz in der Wunde" seinen Parvenü-Helden auf die Karrierebahn katapultiert. Die FR lernt von Claire Hajajs Roman "Ismaels Orangen", dass Love and Peace nicht unbedingt für den Nahen Osten taugen. In der taz erkennt Stephan Wackwitz in Emily Dicksons Gedichten eine radikale Form des Poesiebucheintrags.
Dienstag, 21.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
21.07.2015 Jaja, Abenteuer Internet, danke O2. Spät, aber doch noch: Für die Welt ist die Malerei der Jungen Wilden alles, aber keine Konzeptkunst. Im Standard erklärt der Comiczeichner Ben Katchor, warum er lieber kurze Geschichten zeichnet. Vergesst bei der Digitalisierung das Experimentelle nicht, ruft Kinemathek-Leiter Rainer Rother in der Berliner Zeitung. Die taz bleibt ungerührt von Abdullah Kenan Karacas "Romeo und Julia". Die NZZ geißelt den Krämergeist Bayreuths, der eine kritische Auseinandersetzung mit Richard Wagner verhindert.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.07.2015 Politico fürchtet, dass die Kampagne gegen Charlie Hebdo erfolgreich war. In Politico möchte auch Peter Pomerantsev Putin lieber nicht mit den Größenordnungen des Kalten Krieges messen. In der SZ begklagen die Soziologen Richard Alba und Nancy Foner die German Angst vor der Migration. Die taz wirft der Türkei eine indifferente Politik gegenüber dem Islamischen Staat vor. Und die NZZ lernt, auch mit dem Smartphone in der Hand zu flanieren.
Magazinrundschau
21.07.2015 Guernica schreibt eine Poetik der Informationsflut. The Hedgehog Review beobachtet das Verschwinden des Körpers im Datenstrom. Auch Polen muss sich an mehr ethnische Vielfalt gewöhnen, fordert der Soziologe Alexander Smolar. Migranten können auch durch ihre Abwesenheit sehr präsent sein, versichert László Szilasi in HVG. Chinesische Schriftsteller spekulieren lieber an der Börse als zu schreiben, lernt Rue89. El Pais Semanal begutachtet den Reiskorn-Look der Koreanerinnen.
Medienticker
21.07.2015 IVW-Blitz-Analyse: Erneut schrumpfende Verkaufszahlen bei Print-Titeln - NSA-Affäre: Die deutsche Lethargie ist der wahre Skandal, meint Hans Leyendecker - Self-Publishing-Plattform neobooks: Neue Autorinnen im Wettbewerb - Darf Ralf Rothmann sich dem Deutschen Buchpreis verweigern? Eine Diskussion zwischen Jörg Magenau & Thorsten Jantschek - Literarische Soundpostkarten von Philipp Scholz & Nora Gomringer + Hypnotischer Jazz aus England.
Bücherschau des Tages
21.07.2015 Die NZZ erkennt beim Lesen von Ulrich Peltzers neuem Roman "Das bessere Leben": Hilfe bei der Kontingenzbewältigung ist hier nicht zu erwarten. Die SZ liest beeindruckt, wie Sebastian Voigt in seinem Buch "Der jüdische Mai '68" die Biografien von André Glucksmann, Daniel Cohn-Bendit und Pierre Goldman zusammenführt. Von Wilfried Buchta lässt sie sich die penible Bürokratie des Islamischen Staats erklären. Die FAZ übt das wollüstige Versinken mit Frank Witzels Roman "Die Erfindung der Roten Armee..."
Redaktionsblog - Im Ententeich
21.07.2015 Sowohl Internet als auch Telefon wegen eines Problems von O2 in Berlin-Mitte zusammengebrochen.
Aber per Handy sind wir erreichbar: 0162/205 65 83.
Mittwoch, 22.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
22.07.2015 Die Filmkritiker feiern Jafar Panahis Film "Taxi" als heiteren Akt zivilen Ungehorsams, der einen guten Einblick in das Leben des modernen Teherans gibt. In der Welt sieht ein faszinierter Airen Googles Algorithmen beim freien Assoziieren zu. Die SZ findet Doug Aitken seit 2000 stark gealtert. Deutsche Indie-Musiker sind fett und faul, beschwert sich Zeit online. Die NZZ stellt eine fantastische neue Webseite für zeitgenössische Musik vor: Explore the Score.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.07.2015 In der Welt diagnostiziert Zafer Senocak mit Blick auf den Islam "Obdachlosigkeit in der eigenen Kultur". Im NYRBlog fragt Alma Guillermoprieto, ob die mexikanischen Behörden zu blöd oder zu korrupt waren, Joaquin Guzmán zu bewachen. Ebendort schreibt Timothy Snyder über die Ukraine als Prüfstein des europäischen Universalismus. Sieben Tote in sieben Wochen: Nicht nur auf dem Weg nach Europa, sondern auch in Europa selbst kommen Flüchtlinge ums Leben, berichtet Libération.
Medienticker
22.07.2015 Nachruf: Daniel Kehlmann zum Tod von E. L. Doctorow - Spekulationen: Springer hat Interesse an der Financial Times - Journalisten & die Themen-Ticker: Social Media als Nachrichten-Quelle - Die Schreib-Maschinen: Ortstermin bei Wordsmith - USA: Paketdrohne liefert erstmals aus - Wikipedia-Gründer wirbt für neue Social Media Plattform - Philosophie-Emoticons: Warum ist Peter Handke ein Giftpilz? + Autonomie & Kommerz: Vom Anfang und Ende der Literaturkritik.
Bücherschau des Tages
22.07.2015 In seiner Biografie von Georg Forster gelingt es Jürgen Goldstein, den Naturforscher mit dem Revolutionär zu verbinden, stellt die NZZ begeistert fest. Von der Leidenschaft, Wissensgier und Eifersucht dreier junger Ethnologen erzählt Lily King in "Euphoria" der faszinierten SZ. Und die FAZ liest die Erinnerungen der Wiener Burgschauspielerin Elisabeth Orth.
Maluma und Takete
22.07.2015 Ein Popsong als Diorama auf sämtlichen Kanälen, Tiere in Hotelzimmern auf Videobillboards, Chloë Sevigny als einsame Reisende in einem Spiegelkabinett: In Doug Aitkens Kunst gibt es nichts, was es nicht gibt, nichts, was nicht geht. Einstmals gefeiert als postmoderner Erzähler auf "multipler Leinwand", bespielt er nun die Frankfurter Schirn, als wäre sie sein Flagship-store.
Essay
22.07.2015 Muss der Betrieb gerettet werden oder die Kritik? Was wollen wir überhaupt von Kritik? Wie können wir sie verbessern? Indem wir die subjektlose Objektivität der heutigen Literaturkritik durch eine kollektive Subjektivität ersetzen. Dazu muss der Kritiker Kollaborateur werden, Gesprächspartner und Gastgeber.
Im Kino
22.07.2015 Ein ameisenkleiner Paul Rudd bekommt es in Peyton Reeds "Ant-Man" mit allerlei bösen Bösewichten zu tun. Die Frage nach Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit verhandeln auch eine Reihe von Künstlerfilmen, die derzeit in der Berliner Galerie Johnen präsentiert werden.
Donnerstag, 23.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
23.07.2015 Der Standard genießt schamlos die Tanznummern in Gregory Jacobs' Stripperfilm "Magic Mike XXL". Die NZZ reist in ihrem Zimmer. In der Zeit erklärt Gary Shteyngart, warum es höchste Zeit für ihn war, seine Memoiren zu schreiben. In der Schirn denkt die taz, vor den Videos von Doug Aitkens auf einer Strandmatte lagernd, über die Unwirtlichkeit unserer Städte nach. Im Van-Magazine erklärt Ingo Metzmacher, warum er Schönbergs "Die Jakobsleiter" aufführen will.
9punkt - Die Debattenrundschau
23.07.2015 "Heute würde man mich nicht mehr verteidigen" - so die bittere Konsequenz Salman Ruhdies in einem Interview in L'Express nach der Debatte um Charlie Hebdo. Der iranische Blogger Hossein Derakhshan schildert bei Medium und Zeit online seine Begegnung mit dem Netz nach Jahren der erzwungenen Abstinenz durch einen Gefängnisaufenthalt: Er ist eher entgeistert. Libération fragt nach den Mechanismen islamistischer Radikalisierung.
Medienticker
23.07.2015 Geheime Straftäter: Bundesverfassungschutz verklagt Whistleblower - Interview mit Julian Assange. "We Are Drowning in Material" - Rundfunkgebühr: Was Jauch verdient, kann man nicht prüfen - kress Challenge: Welche Journalisten sind starke Marken? - Freies Internet: W-Lan-Wüste Deutschland - I-Business: Coworking Space Blogfabrik bastelt an Verlagsmodell - Patrick Modianos Vermessung unscharfer Pariser Bezirke + Die coole Renaissancemusik von Capella de La Torre.
Bücherschau des Tages
23.07.2015 Die Tagebücher von Hitlers Chef-Ideologen Alfred Rosenberg gewähren der Zeit einen beklemmenden Einblick in die Spitze der NS-Polykratie. Die FAZ staunt über Gunhild Küblers Mammutprojekt, sämtliche Gedichte von Emily Dickinson ins Deutsche zu übertragen. FAZ, FR, SZ und Zeit lesen Ulrich Peltzers Roman "Das bessere Leben". Und die taz erfährt von Ashlee Vance, wie Elon Musk die Welt verändert.
Freitag, 24.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
24.07.2015 In der Berliner Zeitung träumt Mircea Cartarescu von seiner Zukunftsstadt. Gleich drei Isolden verspricht in der Welt Heldentenor Stephen Gould morgen in Bayreuth. Die NZZ sucht politisches Theater in Südafrika und ein kennerhaft kuratiertes Plattenregal. Slate erinnert an den Tag vor 50 Jahren, als Bob Dylan elektrisch wurde.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.07.2015 Politico berichtet über kartellrechtliche Untersuchungen der EU gegen Giganten der Kulturindustrie. Vice gibt einen tiefen Einblick ins Seelenleben des Veganismus. FAZ und SZ lesen Charbs "Brief an die Heuchler". Die SZ erzählt, wie die katholische Kirche die Caritas zur Marke machte. Und Huffpo.fr verteidigt den Strand der Côte d'Azur gegen die saudische Königsfamilie.
Medienticker
24.07.2015 Aktualisiert: Ulrich Zieger ist tot - Nikkei: Die Financial Times wird japanisch - Es gibt auch gute IVW-Nachrichten: 151 Publikumszeitschriften mit steigenden Auflagen - Arbeitsrecht: Acht Stunden sind kein (Arbeits)-Tag - Mediennutzung der Studenten: TV & Videoclips spitze, WhatsApp vor Facebook - Monopol in der Buchbranche: Autoren klagen Amazon an, unerwarteter Quartalsgewinn & Gutscheine-Rabattaktion verstieß gegen Buchpreisbindung + Sir Van Morrison: Ein überwältigender Moment mit dem Belfast Cowboy.
Bücherschau des Tages
24.07.2015 Warum nicht die Zeichner von Charlie Hebdo, sondern ihre Kritiker Rassisten sind, erfahren FAZ und SZ aus Charbs kurz vor seiner Ermordung fertiggestellten "Brief an die Heuchler". Die FAZ reist mit den Biografien "Der Bauernjörg" von Peter Blickle und "Thomas Müntzer" von Hans-Jürgen Goertz ins frühe 16. Jahrhundert. Und die taz ergründet mit Michaelangelo Matos den Ursprung der House-Musik.
Samstag, 25.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
25.07.2015 In der Welt erklärt der bulgarische Autor Georgi Gospodinov das Wunder der Literatur. Und Laurence Kardish, Kinokurator des Moma, erklärt, warum das Filmesammeln immer teurer wird. in Parlons Piano spricht der Sieger des Tschaikowsky-Wettbewerbs, Lucas Debargue, über seine klavierlosen Jahre. Die NZZ lernt in der Lausanner Ausstellung "reGeneration", was ein gutes Foto ausmacht. In Bregenz amüsieren sich die Kritiker bei einer maximal mitreißenden Inszenierung von "Hoffmanns Erzählungen".
9punkt - Die Debattenrundschau
25.07.2015 In der taz schreibt György Dalos über das schwierige Erbe der Diktaturen in Spanien, Portugal und Griechenland. Correctiv.org erzählt eine erstaunliche Korruptionsgeschichte aus Russland. In der SZ erinnert Jens Malte Fischer an Richard Wagners Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain, einen Gründervater des modernen Antisemitismus. Die taz ist skeptisch über das neue Einverständnis zwischen Internetkonzernen und Medienhäusern.
Bücherschau des Tages
25.07.2015 Die NZZ stellt Literatur von den Färöer-Inseln vor. Die FAZ empfiehlt Lily Kings "Euphoria", eine literarische Lebensgeschichte der Ethnologin Margaret Mead. Die SZ findet in Udo Bermbachs Band über Houston Stewart Chamberlain, einem Vordenker des Nationalsozialismus, reichlich Diskussionsstoff. Die taz feiert Ulrich Peltzers "Das bessere Leben". Die Welt warnt: Peltzer bleibt ganz ideologiefrei.
Montag, 27.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
27.07.2015 "Tristan und Isolde" ist das Thema Nr. 1. Katharina Wagners Inszenierung wird mit hochgezogenen Augenbrauen aufgenommen: Zu staatstragend, finden die einen. Die anderen sehen interessante Ideen, die ausbaufähig sind. Unumstrittener Held in Bayreuth ist aber Christian Thielemann, dessen herzklopfende Dynamik die FAZ in die Knie zwang. Außerdem: Die taz liest Modeblogs für Dicke.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.07.2015 In der NZZ erklärt Olivier Roy, warum der "Islamische Staat" als säkular zu gelten hat. In der taz wendet sich Gabriele Goettle gegen 85.000 Schweine, die 15 Arbeitsplätze schaffen. Im Guardian plädiert Naomi Wolf gegen den bei südkalifornischen Mädchen so modischen "Vocal Fry". Im Deutschlandfunk spricht Juan Villoro über Gewalt in Mexiko. Und in Politico.eu knüpft Larry Sefiha von der jüdischen Gemeinde in Thessaloniki alle Hoffnungen an Europa.
Medienticker
27.07.2015 Geschichte neu erzählen: Dieter Kühn ist tot - New Online-Journalism: Anne Fromm über Instant Articles & Journalismus - Nach dem Financial-Times-Verkauf: Pearson will auch den Economist verkaufen - Reporterhölle: Abdalle Ahmed Mumin über Journalisten in Somalia - Shitstorms: Empörung hat stets ein Doppelgesicht - Frankreich: Geheimdienste dürfen alle Metadaten aufzeichnen - In memoriam: Wilhelm von Sternburg über die Wirklichkeiten der Elisabeth Langgässer.
Bücherschau des Tages
27.07.2015 Die FAZ stürzt sich vergnügt mit William Shaws "Kings of London" in die Subkultur der Sixties, auf die der Kolonialismus bereits seinen Schatten wirft. Die SZ würdigt David Nirenbergs Geschichte des westlichen Antijudaismus. Die FR geht mit Albert Ostermaiers Roman "Lenz im Libanon" streng ins Gericht.
Dienstag, 28.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
28.07.2015 Die Kritiker feiern die radikale Verheutigung von Wolfgang Rihms Azteken-Oper "Die Eroberung von Mexiko" durch Ingo Metzmacher und Peter Konwitschny in Salzburg. In Italien protestieren Arbeiter gegen die Ausbeutungsmethoden hochbudgetierter Kunstveranstalter, berichtet die taz. In der NZZ am Sonntag beklagt Literaturkritiker Volker Weidermann die fehlende Streitlust in deutschen Feuilletons.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.07.2015 Tagesspiegel und FR sind sich im Unklaren, ob sie die "kreative Ungenauigkeit" der griechischen Linken kritisieren oder begrüßen sollen. Mobylives resümiert den weiter köchelnden Streit zwischen Salman Rushdie und Teju Cole über Charlie Hebdo. Und die Welt hat herausgefunden: Die Berliner, von islamischen Verbänden organisierte Soli-Demo nach den Pariser Massakern war wohl eher Fassadenzauber.
Magazinrundschau
28.07.2015 Computer und das Netz entwickeln sich kaum noch weiter. 2045, ja selbst 2060 wird nicht viel anders aussehen als 2015, behaupten John Markoff in Edge und Maciej Cegłowski in seinem Blog Idle Words. Dafür stellt die Gentechnologie gerade unser Leben auf dem Kopf, behauptet Wired und fordert Regeln für Biologen. In der New York Review of Books fragt ein sich als Anonymus tarnender Politiker angesichts von Isis: Was haben wir übersehen? Im Guardian entgegnet Pankaj Mishra: Dass Geld alle Ideale zerstört? Die New York Times schildert die bedrückende Lage der Christen im Nahen Osten. Außerdem gibt es zwei große Mathematikerporträts: von Terry Tao in der NYT und von John Horton Conway im Guardian.
Medienticker
28.07.2015 Google+: Der Suchriese läutet den Anfang vom Ende ein oder Ist Google an der Börse das neue Cisco? - Onlineportal "Ze.tt": Ködern mit den Alpha-Kevins - Wie teuer ist (uns) Literatur?: Kahlschlag beim BR-Fernsehen - Handarbeit im Morgengrauen: Artikel-Kiosk Blendle stellt eigene Journalisten ein - "Pulp Christian": Die Bibel als B-Movie - Salzburger Festspielen: Frau Clavigo verlässt Herrn Marie + James Taylor: Der Mann fürs Herdfeuer.
Bücherschau des Tages
28.07.2015 Schartig wie die Trümmer seiner Heimat findet die NZZ Hassan Blasims groteske Geschichten aus dem Irak "Der Verrückte vom Freiheitsplatz". Vergnügt durchlebt sie mit Lizzie Dorons "Who the Fuck is Kafka?" israelische und palästinensische Neurosen. Die FR geht mit Stephan Wackwitz' Erinnerungen an seine Mutter durch die harte Theorieschule der Siebziger. Großartig findet die SZ Newton Thornburgs todtraurigen, ohne jede Larmoyanz erzählten Noir-Klassiker "Cutter und Bone".
Mittwoch, 29.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
29.07.2015 Böse durchgefallen: Stephan Kimmigs Salzburger Inszenierung des "Clavigo". Die NZZ stellt neue Lyrikbände vor. Der Tagesspiegel bewundert die Algorithmen in Viktoria Binschtoks Kunst. Der Freitag möchte festhalten: Freiwild sind keine Rechtsrockband. Aber eine rechte Rockband.
9punkt - Die Debattenrundschau
29.07.2015 Die taz zeigt, wie die türkische Regierung ihre Politik durch Zensur flankiert. Politico.com erzählt die Geschichte der strategischen Partnerschaft zwischen Barack Obama und John Stewart. Das Weiße Haus ist laut Techcrunch duchaus bereit, Edward Snowdens Positionen zur Kenntnis zu nehmen, aber dann soll er gefälligst in den Knast gehen. Russland gibt Ostsibirien auf, und niemanden kümmert's, staunt die SZ.
Medienticker
29.07.2015 Selbstjustiz im Internet: China jagt das Menschenfleisch - Boulevardisierung der Dritten: Studie kritisiert WDR & MDR - Buchhandel: Ex-Weltbild-Logistik stellt Insolvenzantrag - Onlinehandel: Amazon will eigenen Luftkorridor für Drohnen - Ufos auf Domstufen: Als Wolfgang Behrens noch ein Zuschauer war - Theater-Nachtkritik: Christian Rakows zehn maßgebliche Ereignisse der Saison 2014/2015 - Strebsamkeit, Geisterglaube & Unheil: Über Chigozie Obioma "Der dunkle Fluss" + Der Erfinder des Sirtaki:
Mikis Theodorakis zum 90.
Bücherschau des Tages
29.07.2015 Mit "Der Untergang Barcelonas" hat Albert Sánchez Piñol einen veritablen Pageturner in der Tradition spanischer Abenteuerliteratur vorgelegt, freut sich die NZZ. Die FR informiert sich bei Ulf Jonak über "Architekturwahrnehmung" und bei Avempace "Über das Ziel des menschlichen Lebens". Und die SZ empfiehlt die mit dem vierten Band abgeschlossene Comicreihe "Blast" von Manu Larcenet als ein Meisterstück der modernen Melancholie.
Im Kino
29.07.2015 Ein wunderschöner, das Genre reflektierender Western ist John Maclean mit "Slow West" gelungen. In Naomi Kawases "Still the Water" stehen sich großspurige Themen und kleinformatige Schönheiten unversöhnlich gegenüber.
Donnerstag, 30.07.2015
9punkt - Die Debattenrundschau
30.07.2015 Politico.eu beschreibt den kühnen Schachzug der kurdischen Partei HDP gegen Erdogans AKP. Die taz erklärt, warum die Proteste in Armenien keine Maidan-Revolution sind. In der FAZ fürchtet der Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger, dass das Humboldt-Forum der "falschen Art von Globalisierung" anheimfällt. Netzpolitik fragt sich, warum der BND auf Bitten der NSA ausgerechnet Polen so intensiv ausspionierte.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.07.2015 Der Freitag staunt über die Selbstironie moderner Protestkunst in der Türkei. Völlig ironiefrei war dagegen die Begründung britischer Behörden, warum Ai Weiwei nur ein 20-Tage-Visum fürs Königreich bekommt. Ben Kingsley erklärt der Welt: Wir brauchen mehr Regisseurinnen. Die Filmkritiker feiern die Wiederauferstehung des Western in Form von John Macleans "Slow West". Die Musikkritiker verdammen die umwerfende Nettigkeit von Sven-Eric Bechtolfs Salzburger Inszenierung des "Figaro".
Medienticker
30.07.2015 Digitalplattformen vs. Verlage: Zeit-Online-Chef glaubt nicht an Apple-Korrespondenten in Athen - Patrick Modiano zum 70.: Sätze wie unterm Mikroskop - "F": Wofür das "F" in FAZ steht, fragt sich Boris Rosenkranz - Bezahlen statt Werbung: Google öffnet Contributo - Bilanz 2014/15: Sky Deutschland erstmals mit über vier Millionen - Theatergeschichte: 125 Jahre Volksbühnen-Bewegung - Wieder nix: Keine Fusion zwischen Axel Springer & ProSiebensat aber gemeinsame Startup-Förderung + Willkommen in Entenhausen: Das Erika-Fuchs-Haus in Schwarzenbach.
Bücherschau des Tages
30.07.2015 Zum siebzigsten Geburtstag von Patrick Modiano lesen alle seinen neuen Roman "Damit du dich im Viertel nicht verirrst" und fühlen sich in seiner unverwechselbar melancholischen Stimmung sofort zuhause. Popliteratur lebt!, jubelt die FAZ über Karl Wolfgang Flenders Debütroman "Greenwash, Inc." Und die Zeit trauert nach der Lektüre von "In Andrews Kopf" erst recht um E.L. Doctorow.
Freitag, 31.07.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
31.07.2015 Der Independent ahnt, warum die Briten Ai Weiwei nur ein 20-Tage-Visum gewährt haben: Damit der Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping im Oktober nicht von einem aufmuckenden Künstler gestört wird. Die NZZ denkt über die Realität der Bilder im Zeitalter von Photoshop nach. Artechock stellt Cem Kayas Dokumentarfilm "Remake, Remix, Rip-Off" über das klassische türkische Genrekino vor. 40 Jahre nachdem sie den Bolero tanzte, ist FAZ immer noch hin und weg von Maja Plissezkaja.
9punkt - Die Debattenrundschau
31.07.2015 Gegen zwei Reporter von Netzpolitik wird wegen Landesverrats ermittelt: Zeit online zweifelt am Zustand unserer Demokratie. Google erklärt den französischen Medien, warum es keine Lust hat, die thailändische Zensur zu respektieren. In einem Video von Nick Knight spricht Naomi Campbell über Rassismus in der Modebranche. Und die FAZ verzweifelt am Firmennetz von ARD und ZDF.
Medienticker
31.07.2015 Aktualisiert: "schtzngrmm t-t-t-t": Ernst Jandl zum 90. - Spiegel-Affäre reloaded: "Ein Abgrund von Landesverrat" & Scharfe Kritik an Ermittlungen gegen netzpolitik.org - Digital Humanities: Wie die Digitalisierung die Wissenschaft verändert - "I Dream Of Wires": Die Rückkehr der modularen Synthesizer - Zu Hause bei Gianis: Deutsche Zeitschriften und Varoufakis - Von Beruf Lektor. Die meisten Manuskripte haben keine Chance - Die Zukunft der Literatur im BR: Kein Kahlschlag? + Lebensraum Riff: Robert Plant in Frankfurt.
Bücherschau des Tages
31.07.2015 Mit der Neuauflage des 1933 von den Nazis verbrannten Romans "Ruhe und Ordnung" ermöglicht der Hasenverlag die lohnende Wiederentdeckung von Ernst Ottwalt, freut sich die SZ. Haru Hamanakas Wissenschaftsgeschichte der Lichtenbergischen Figuren lässt die FAZ über Natur und Geist, Funktion und Zauber nachdenken. Und die FR lässt sich von Christoph Türcke und Franco Berardi in die Philosophie und Poesie des Geldes einführen.
Mord und Ratschlag
31.07.2015 Ken Bruen lässt in seiner Jim-Thomson-Hommage "Kaliber" viel schwarzes Blut fließen. Charles Willeford schickt in seinem Achzigerjahre-Klassiker "Miami Blues" einen unbekümmerten Psychopathen in die noch ganz und gar unglamouröse Drogenmetropole.