Dienstag, 01.04.2008
Magazinrundschau
01.04.2008 In den Blättern nimmt Jürgen Habermas Stellung zu der vom Perlentaucher und signandsight.com lancierten Debatte über Islam in Europa. Der Merkur belegt, dass Adorno Hoffnungen in die Nazis setzte, die leider auch enttäuscht wurden. In La vie des idees feiert der Philosoph Philippe Lacour den wahren DJ des digitalen Wissens. In Literaturen bespricht Micha Brumlik die neue Carl-Schmitt-Biografie von Christian Linder. Nepszabadsag fühlt dem bewusstlosen Körper Ungarns den Puls. In Edge.org erklärt der Evolutionsbiologe Iain Couzin, warum die Mormonengrille ihre Artgenossen gern ins Hinterteil beißt. New Republic präsentiert im Titelbild den Wunschkandidaten der Demokraten.
Heute in den Feuilletons
01.04.2008 In der Berliner Zeitung herrscht Aufruhr über die jüngsten Stasi-Enthüllungen über zwei Redakteure. Die NZZ staunt wie gestern schon die FAZ über die Qualität der Pariser "Wozzeck" unter Christoph Marthaler und Sylvain Cambreling. In der Welt kritisiert Wolf Lepenies das Pariser Musee des arts premiers und fordert Konsequenzen für Berlin. Und Michail Gorbatschow verteidigt Gabriele Krone-Schmalz.
Bücherschau des Tages
01.04.2008 Dei FR feiert Peter Rühmkorfs unverklärte Gedichte "Paradiesvogelschiss". Die Erzählungen "Maschas Glück" beweisen der NZZ, dass Ljudmila Ulitzkaja eine ironische Realistin aus dem 19. Jahrhundert ist. Die SZ kann Tim Weiners Pannen-Geschichte der CIA ebenso empfehlen wie Wolfgang Schullers "Welt der Hetären". Die taz zeigt sich berührt von Alison Bechdels Comic "Fun Home".
Medienticker-Archiv
01.04.2008 ... hat keine Zukunft" - Kolumnisten: Nebeneinander geht?s durcheinander - Schieb Dich durch das Magazin - Reporter über Reportagen - Internetpiraterie bedroht Autoren - Brockhaus: Online-Start verzögert sich und doch eine 22. Auflage? + Schäubles Fingerabdruck.
Bücherbrief
01.04.2008 Auch wenn das Wetter etwas anderes sagt, bei den Büchern hat spätestens mit der Leipziger Buchmesse der Frühling eingesetzt. Die schönsten neuen Gewächse haben wir in den besten Büchern des Monats versammelt.
Mittwoch, 02.04.2008
Heute in den Feuilletons
02.04.2008 Im Standard rufen Andre Glucksmann und Bernard Henri Levy zu ein bisschen weniger Rücksicht auf Russland auf. Die Blogs diskutieren mal wieder über die Frage, ob Internet, Qualität und Journalismus zusammenpassen. NZZ und FAZ versuchen zu erklären, warum Bernd F. Lunkewitz den Aufbauverlag mindestens dreimal kaufen musste, bevor er ihn besaß. In der SZ annonciert Paolo Flores d'Arcais mindestens zwölf Jahre Berlusconi. Spiegel Online macht sich Sorgen um das deutsche Kino.
Bücherschau des Tages
02.04.2008 Als einen Meister der Leichtigkeit feiert die FAZ den slowenischen Dichter Uros Zupan für seinen neuen Band "Immer bleibt das Andere". Außerdem bergüßt sie den Band zum Kölner "Moscheestreit". Die FR versucht, Mordecai Richlers 68er-Roman "Cocksure" stoisch über sich hinweg gehen zu lassen. Die NZZ liest Kinderbücher, darunter Clement Freuds pädagogisch überhaupt nicht wertvollen "Grimpel".
Medienticker-Archiv
02.04.2008 Wilders Fitna - Wolfram Schütte über Gail Jones "Sechzig Lichter" - ZDF+SZ werden online kein Paar - FAZ unterliegt Grass - Maischbergers Frauenfrage: Wenig sagen, dreckig lachen + Robert Basic: Wie wichtig sind Blogs? + Das Internet machte sich lustig.
Im Kino
02.04.2008 Jack Black hat in "Abgedreht" aus Versehen alle Tapes seiner Videothek gelöscht - und macht mit Mos Def das beste daraus: In Heimarbeit nachgebastelte, "geschwedete" Remakes. Gregory Hoblits "Untraceable" dagegen ist nicht mehr und nicht weniger als unprätentiöses "meat-and-potatoes"-Kino.
Donnerstag, 03.04.2008
Heute in den Feuilletons
03.04.2008 Für die NZZ recherchiert Navid Kermani in Köln-Eigelstein über die Mitte unserer Gesellschaft. Die SZ gedenkt Karajans. Die FAZ an die Adresse der Tibeter: Gewalt ist keine Lösung! "Mann Mann Mann": Die Berliner Zeitung hat einen neuen Online-Auftritt. Die FR stellt fest: Im 17. Jahrhundert war auch in Japan Barock. Die taz ist traurig: Amerikas Westen ist allen Sinns beraubt. Diese Landschaft hat nichts Versöhnliches. Sie verspricht keinen Trost. Sie hat keine Kraft mehr.
Bücherschau des Tages
03.04.2008 Wie eine vollgestopfte Schatzkammer beglückt Roberto Bolanos Essayband "Exil im Niemandsland" die Zeit. Sehr beeindruckt haben sie auch die Erinnerungen "Es war einmal ein Land" des palästinensischen Notablen Sari Nusseibeh und Tim Weiners 20 Jahre lange recherchierte Geschichte der CIA. Ebenfalls ein investigatives Glanzstück sieht die FR in Jeremy Scahills Buch über die Söldnerfirma "Blackwater". Dänisch-bitter findet die FAZ Peer Hultbergs Roman "Eines Nachts". Die NZZ studiert die philosophischen Schriften Friedrich des Großen.
Medienticker-Archiv
03.04.2008 Internetdomains: Dem Internet gehen die Namen aus - Web-Glotze und surfen - YouTube ist eine Schatzkiste - Re: publica live! Die Qualitätsdebatte: Blogs vs. Journalismus? - Berliner Zeitung: Untersuchung kann Glaubwürdigkeit wiederherstellen + Walter Jens: In einer Welt jenseits der Sprache.
Freitag, 04.04.2008
Heute in den Feuilletons
04.04.2008 Die NZZ staunt: Bertelsmann investiert jetzt nicht mehr in Medien, sondern in die Verwaltung der Stadt Würzburg. Die Blogger überlegen ernstlich, ob sie nicht kellnern sollten. Die taz ist böse: Die alten Rechten waren gegen alle Minderheiten, die neuen Rechten sind nur noch gegen die Muslime. In der Achse des Guten findet ein anonymer Professor: Geert Wilders hat recht. Die SZ erklärt, warum die Mazedonier etwas gegen "Skopianiten" haben. Der FAZ ist klar: Klimakollaps ist jetzt. Die Welt ist empört über Putins Duma, die den Holodomor nicht als Genozid bezeichnen will.
Bücherschau des Tages
04.04.2008 Erfreulich wenig Buena-Vista-Melancholie-Gesumm, dafür Wut und Biss hat die SZ in Antonio Jose Pontes "Die Ruinenwächter von Havanna" erlebt. Auf den Grund des Seins hat sie sich von Les Murrays Gedichten "Übersetzungen aus der Natur" führen lassen. Die FAZ liest Eileen Changs Shanghaier Erzählungen "Gefahr und Begierde". Und die NZZ findet es gekonnt, wie Ulrich Ladurner in seinem Pakistan-Buch "Bitte inormieren Sie Allah!" Reportage und Analyse verbindet.
Medienticker-Archiv
04.04.2008 Aktualisiert: Glaubwürdigkeit der Berliner Zeitung - Der moralische Impuls der 68er-Bewegung - György Konrad zum 75. - Medienfetzen und sechsmal um den Blog - Polizei hat das Web 2.0 erfunden - Bloomsbury Verlag ohne Harry Potter + Wetterfrösche auf LSD.
Samstag, 05.04.2008
Heute in den Feuilletons
05.04.2008 In der taz erklärt Ralf Dahrendorf: 1968 war ein Schlusspunkt. Was ist schweizerisch, fragt die NZZ: Und Sibylle Berg antwortet: die "größtmögliche Abwesenheit von Angst". Der Tagesspiegel kritsiert Alexander Solschenizyn, der den Holodomor nicht als Genozid anerkennen will. Die FAZ sucht nach verschwundenen Akten zur RAF. Alle gedenken Herbert von Karajans, aber nicht allen fällt viel ein.
Bücherschau des Tages
05.04.2008 Fröhlich ist das Leben in Irland nicht, aber die NZZ ist beeindruckt von den Erzählungen, die ihm Claire Keegan und William Trevor abgerungen haben. Außerdem entdeckt die NZZ den katalanischen Erzähler Josep Pla. Die SZ begibt sich mit Ilija Trojanow auf Reisen. Die FAZ empfihelt John Burnside. Die taz lässt sich von Gianrico Carofiglios Mafia-Roman "Das Gesetz der Ehre" mitreißen.
Montag, 07.04.2008
Die Buchmacher
07.04.2008 Warum der Aufbau-Chef heilen oder klagen kann. Wie sich die Börsenvereinianer unter dem Damoklesschwert der Haftung winden. Wieso Brockhaus durch die Heye-Übernahme jetzt verstärkt in Kalender macht. Und weshalb Karstadt auf der Suche nach Buchhandelspartnern in der Klemme steckt.
Heute in den Feuilletons
07.04.2008 Die FR dokumentiert einen Text der chinesischen Menschenrechtler Hu Jia und Teng Biao über Menschenrechtsverletzungen in Vorbereitung der kommenden Olympiade. Die FAZ resümiert den Bloggerkongress re:publika und bezweifelt, dass Blogger je die Zeit für einen Essay finden werden. Und dann Theater: Die FAZ fand Zadek gut und Thalheimer schlecht, Welt und SZ sehen's umgekehrt. Die NZZ fand beide schlecht.
Bücherschau des Tages
07.04.2008 Die taz ist begeistert, wie Christiane Rösinger "Das schöne Leben" in der Berliner Lo-Fi-Boheme gegen den Opferstatus Prekariat verteidigt. Als Meisterwerk preist die FAZ Robert Fossiers "Das Leben im Mittelalter". Die SZ liest fasziniert die Aufzeichnungen des Pastors Johann Christian Müller "Meines Lebens Vorfälle und Neben-Umstände" aus dem 18. Jahrhundert. Nichts einzuwenden hat sie gegen Bernd Mattheus' Cioran-Biografie, nur gegen Cioran selbst.
Mord und Ratschlag
07.04.2008 In Robert Littells um ein Weniges in eine mögliche Zukunft versetztem Roman "Die Söhne Abrahams" steht der Frieden im Nahen Osten unmittelbar bevor. Andrew McGahan dagegen blickt mit "Last Drinks" zurück auf einen Skandal aus dem Brisbane der späten Achtziger Jahre.
Medienticker-Archiv
07.04.2008 ... nachmittags Print - Blog till you drop - Re:publica 08: Gegen die Page Impressions - Im Rachen des Thesaurus - Dritter Versuch: Murdoch will immer noch Premiere Sat.1 kaufen - Stefanie Posavec: Wörter wie Ginko + Nicholson Baker über Wikipedia: Unlöschbar machen.
Essay
07.04.2008 Eine Antwort auf Jochen Hörischs offenen Brief an Burkhard Müller.
Dienstag, 08.04.2008
Magazinrundschau
08.04.2008 Die New Left Review stellt das einflussreichste intellektuelle Magazin Chinas vor. Outlook India fände es peinlich, den Dalai Lama peinlich zu finden. Die Generation "1.000 Euro" hat es ins italienische Kino geschafft, meldet Caffe Europa. In Nepszabadsag erklärt der Philosoph Gaspar Miklos Tamas, die Tage der antisemitischen Journalisten seien vorbei. Folio begeistert sich für die Kompositionen des Elektroingenieurs William Sethares. Vanity Fair nimmt den Chemie-Konzern Monsanto auseinander. Die Weltwoche empfiehlt eine Kulturgeschichte des abendländischen Geschlechtslebens.
Heute in den Feuilletons
08.04.2008 In der FR fordert Beppe Grillo die Abschaffung des Journalisten-Ordens. In der Welt verspricht Buchmessenchef Juergen Boos hoch und heilig, dass neben China auch Tibet auf der nächsten Buchmesse präsent sein wird. Die FAZ freut sich über Kunstwerke von Frauen im Stockholmer Moderna Museet. In der SZ erklärt Volkmar Sigusch: Nicht jede schmutzige kleine Perversion braucht einen Arzt.
Bücherschau des Tages
08.04.2008 Debütanten vor: Die NZZ begeistert sich für die geradezu kosmischen Verwerfungen in Clemens Setz' Roman "Söhne und Planeten". Die FAZ hat sich vom spröden Ton in Jacqueline Mosers "Lose Tage" in den Bann schlagen lassen. Sehr empfehlen kann sie auch Moa Martinsons neuaufgelegten Roman "Frauen und Apfelbäume". Die SZ liest noch einmal Milan Kunderas kluge Essays "Die Kunst des Romans" und George Orwells Kommentare zum Krieg "Von Pearl Harbor bis Stalingrad". Die FR preist die Erinnerungen des Diplomaten und Schriftstellers Jean Giraudoux "Doppelmemoiren".
Medienticker-Archiv
08.04.2008 Rudi + Ulrike: Zwei 68er-Ikonen, ein super Thema (?) - Pulitzer-Preise für Washington Post und Bob Dylan - Augstein jun. mit eigenem Wochenblatt? - New York Times bei Google Earth - Online-Lexika: Klasse statt Masse? - Geld und Blogs - Kultur im Internet - Max Goldt erhält Kleist-Preis + P.E.N.-Gedichtstaffellauf.
Essay
08.04.2008 Es ist nicht pöbelhaft, das Buch eines Würdenträgers unverblümt ein schlechtes Buch zu nennen. Eine Erwiderung auf Jochen Hörisch
Mittwoch, 09.04.2008
Heute in den Feuilletons
09.04.2008 Die FAZ weiß, wie es in der Kommune 1 wirklich zuging. Die Berliner Zeitung erklärt, wie sie die Stasi-Verstrickungen der Redaktion aufklären will. Die SZ bringt eine Seite über Simbabwe. Die NZZ fragt, warum Putins Duma den Holodomor nicht als Genozid anerkennen will. Die FR fürchtet das Ende der Zeitung.
Bücherschau des Tages
09.04.2008 Aus dem Traum von der gerechten Gesellschaft gerüttelt sieht sich die FAZ von Heinz Budes Studie "Die Ausgeschlossenen". Einen hervorragenden Einblick in die aktuelle Elitelandschaft verdankt die FR Michael Hartmanns "Eliten und Macht in Europa". Die SZ kann Silvia Bovenschens kluges Buch vom "Verschwinden" sehr loben.
Im Kino
09.04.2008 In seinem Thriller "Tödliche Entscheidung" schickt der große Hollywood-Handwerker Sidney Lumet eine ganze Familie in den Abgrund und feiert so ein fulminantes Comeback. Für die 18-Millionen-Euro-Produktion "Der rote Baron" fährt, fliegt und heilt Deutschland auf Weltniveau.
Medienticker-Archiv
09.04.2008 Kein "Zug der Erinnerung" in Berlin - Abruf-Fernsehen: Neues aus der Anstalt - Blog-Gezwitscher und innovationshemmendes kostenloses Web 2.0 - US-Wahlkampf im Netz: "Politics at the speed of light" - Deutsche Welle: Stimme der Freiheit erhalten + AZ: Münchner Kultur-Boulevard.
Donnerstag, 10.04.2008
Heute in den Feuilletons
10.04.2008 Machtgier wird zur Pest, schreibt Chenjerai Hove in der NZZ über Robert Mugabe. In der FR bezweifelt Sherko Fatah den Sinn der Forderung, dass Immigrantenkinder zuerst Deutsch lernen sollen. Im Tagesspiegel bekennt Goethe-Institutschef Klaus-Dieter Lehmann seine Sensibilität für Tibet. In der SZ klagt Najem Wali über das miserable Kulturleben im Irak. In der FAZ erklärt Florian Henckel von Donnersmarck, warum er zwar Wagner in Baden-Baden nicht macht, es aber trotzdem besser gemacht hätte als die ungepflegten Chaos-Regisseure, die das in Bayreuth machen.
Bücherschau des Tages
10.04.2008 Als großartiges Buch preist die FR Jiro Taniguchis geradezu makellos präzisen Comic "Die Sicht der Dinge". Die NZZ liest mit großer Heiterkeit Rainer Hoffmanns Buch über Putten in Venedig "Im Himmel wie auf Erden". Die SZ schwärmt von der grotesken Komik und dem magischen Realismus in Santiago Roncagliolos Politthriller "Roter April". Die Zeit stellt eine Reihe von Büchern zur Demokratie in Zeiten des Superkapitalismus vor.
Medienticker-Archiv
10.04.2008 Festival junger Literatur - Öffentlich-rechtliches Internet weitgehend ohne Text? - Neue Stimmen: Wettbewerb für Kritik - TV-Kritik: Besser nicht hingucken und ein echtes Desaster - Shortkicks: Moral siegt über Kunst - Ich glotz PC - Yahoo+Google gegen Microsoft - NYT: Rezeption Glückssache + Klatschblogger-Krieg.
Freitag, 11.04.2008
Heute in den Feuilletons
11.04.2008 Die Welt ist bestürzt über Charlotte Roches "Feuchtgebiete": eine kalkulierte Provokation! Ein Kommando Tita von Hardenberg hat die TV-Sendung Polylux mit einem Fake aufs Glatteis geführt und dankt für die "problemlose Umsetzung unseres Themenvorschlags". Im Tagesspiegel denkt der 68er Klaus Hartung über 68 nach: ein Trip. Die taz fragt: Brauchen wir heute einen Dutschke? Die SZ joggt mit Ipod. Das ist eben der Unterschied zwischen Berlin und München.
Bücherschau des Tages
11.04.2008 Hingerissen ist die FR von Jean-Henri Fabres Schriften "Ich aber erforsche sie mitten im Leben", die ihr die Poesie der Insektenkunde nahegebracht haben. Bewundern muss sie, wie knapp, kühl und lakonisch Peter Stamm das Drama einer ganzen Lebensgeschichte in seinen Erzählungen "Wir fliegen" zu fassen bekommt. Als großes Buch rühmt die SZ den zweiten Band der "Europäischen Romantik in der Musik" von Carl Dahlhaus und Norbert Miller. Die FAZ geht mit Matthias Politycki auf Kreuzfahrt.
Medienticker-Archiv
11.04.2008 ... aber was heißt das schon? - Nochmal Blogger vs. Journalisten: It?s not the form, stupid! - Journalismus, ein Helden-Geschäft - Porno? Pssst, sagen Sie Mama nichts! - Polt+Biermösl: Geld kann Aids bekommen - Cora Stephan über deutsche Memmen + Umstritten: Öffentlich-rechtliches Internet.
Essay
11.04.2008 Eine Kritik der Kritik der Kritik und ein Vorschlag zur Rezension von Rezensionen
Samstag, 12.04.2008
Heute in den Feuilletons
12.04.2008 In der Berliner Zeitung attestiert Tilman Spengler der chinesischen Regierung wilhelminische Züge. Für eine stabilere Weltwirtschaft empfiehlt die NZZ die globale Installierung kleiner Westentaschen-Napoleons nach schweizerischem Vorbild. In der Welt berichtet Raji Abdullah über die missliche Lage der Künstler in Bagdad. Benjam Barber verdammt den Konsumismus in der taz. Und die FAZ besucht Deutschlands Alphablogger und findet zu ihrer Erleichterung keine Konkurrenten vor.
Bücherschau des Tages
12.04.2008 Sehr gelobt wird heute Lukas Bärfuss' aufwühlender Roman "Hundert Tage" über den Völkermord von Ruanda, den die NZZ als Roman über die Schuld, die FAZ als Roman über die Schweiz gelesen hat. Die NZZ kann auch J.M. Coetzees raffiniert-irritierendes "Tagebuch eines schlimmen Jahres" empfehlen. Die SZ lobt Sergio Pitols "Kunst der Flucht" als Autobiografie eines Wörternarren. Die taz lässt sich von Alister McGrath' Verteidigung der Religion "Der Atheismus-Wahn" überzeugen.
Montag, 14.04.2008
Die Buchmacher
14.04.2008 Warum literarsche Wucht-Wälzer so beliebt sind. Weshalb der Fall der Buchpreisbindung eine Buchhandelskatastrophe wäre. Welche Romane für Frühlingsgefühle sorgen. Und wieso HarperCollins auf Autoren-Vorschüsse und Remissionsrecht verzichten möchte.
Heute in den Feuilletons
14.04.2008 Die NZZ sieht die Basler Architekten Herzog & de Meuron mit ihrem Olympiastadion zu Handlangern des chinesischen Regimes werden. In der taz warnt Verfassungsrichter Wolfgang Hoffmann-Riem vor Gefahren für die Pressefreiheit, die weniger vom Staat als aus der Wirtschaft kommen. In der FR erklärt der ukrainische Germanist Jurko Prochasko, warum die Ukraine in die EU gehört. In der SZ sieht Charles Simic schwarz für Serbien. In der FAZ und der Welt bayreuthet es sehr.
Bücherschau des Tages
14.04.2008 Die FR besingt in höchsten Tönen Cormac McCarthys Roman "Kein Land für alte Männer", der in seiner überzeitlichen Schönheit noch grausamer erscheine als der Film. Die FAZ goutiert Dan Lungus Roman aus Rumäniens postkommunistischer Provinz "Das Hühnerparadies" schön schräg. Empfehlen kann sie auch die Anthologie arabischer Dichtung "Die Minze erblüht in der Minze". Die SZ blickt mit Sorge auf die von Harald Welzer prognostizierten "Klimakriege".
Medienticker-Archiv
14.04.2008 Das neue Urheberrecht - LeMonde-Chef Fottorino geht's ums Überleben - Nur für Erwachsene: RBB vs. Roger Schawinski - Kurze Geschichte über die Unabhängigkeit - Hoffnungsmarkt Hörbücher - Früher im Fußballverein, heute bei Bohlen - Celan-Gedichte und Pop-up-Kunstwerke + Wie geht Dichtung?
Essay
14.04.2008 In einem hat Jochen Hörisch recht: ein Forum, in dem Rezensionen nachverhandelt werden, wäre eine Chance für das demokratische Potenzial des Internets
Dienstag, 15.04.2008
Magazinrundschau
15.04.2008 Elet es Irodolam weiß: Die "kleine Literatur" muss nicht politisch sein, um politisch zu sein. World Affairs verteidigt Hirsi Ali, Bruckner und Berman gegen Buruma, Garton Ash und Ramadan. Rue89 erarbeitet ein Schwarzbuch der Zensur. Im TLS stöhnt der Gerontologe Raymond Tallis: Zuviel Hirn ist des Feuilletonisten Tod. Outlook India ist ganz aufgeregt: Revolution im Cricket! Vanity Fair springt mit den Russen ins kalte Wasser. In Semana spricht sich Hector Abad gegen literarischen Protektionismus aus. In der New York Review of Books hat Tony Judt herausgefunden: die Amerikaner lieben den Krieg, weil sie ihn nicht kennen.
Heute in den Feuilletons
15.04.2008 In der SZ gibt Antje Vollmer die Antwort auf die Tibetfrage. In der taz kommentiert Marco Travaglio Berlusconis dritten Sieg: Er hat den Italienern mit seinem Fernsehen das Gehirn gewaschen. Der Tagesspiegel antwortet auf die Frage, ob es einen neuen Feminismus gibt mit Ja und Nein. Die Blogs streiten über ein Video von Robin Meyer-Lucht, der der Tagesschau vorwirft, in eigener Sache manipulativ berichtet zu haben. In der Welt erinnert Heinrich August Winkler an Richard Löwenthal. Die NZZ meint: Mit der Berliner Volksbühne geht's bergab. Die FAZ feiert Louise Bourgeois.
Bücherschau des Tages
15.04.2008 Immer wieder den Atem stocken ließ der FR György Dragomans Roman aus Ceausescus Rumänien "Der weiße König". Die NZZ bescheinigt Mircea Cartarescus Geschichten aus dem heutigen Rumänien "Warum wir die Frauen lieben" existenzielle Wucht. Die SZ fragt sich, warum Adolf Muschg in seinen Liebesgeschichten "Wenn es ein Glück ist" der Liebe keine Chance gibt. Und die FAZ lernt den Gottfried Benn als Reporter kennen.
Medienticker-Archiv
15.04.2008 Warum Feminismus das Leben schöner macht - Focus+br nicht, aber Zeit+ZDF zusammen online - Le Monde: Ende der Unabhängigkeit - Relevanz-Firlefanz: 2482 Zeichen über Twitter - Nachverhandelte Rezensionen oder Kritik der Kritik - Künstliche Autorenintelligenz + Die Mythen des medialen Alltag.
Mittwoch, 16.04.2008
Heute in den Feuilletons
16.04.2008 In der Berliner Zeitung erklärt der Countertenor Philippe Jaroussky, warum er sich beim Anblick einer Bach-Partitur völlig kastriert fühlt. In der Welt beobachtet Benjamin von Stuckrad-Barre Claus Peymann und Roger Willemsen beim radikal kleingeschriebenen Denken. Die NZZ besucht die Frauensektionen in saudiarabischen Literaturvereinen. Die FR träumt vom Skelett einer Prostituierten. In der taz findet Hanif Kureishi Deutschland nicht dunkel genug. Die SZ sieht in Charlotte Roches Roman "Feuchtgebiete" einen Protest gegen die Heidi-Klum-Welt.
Bücherschau des Tages
16.04.2008 Die
NZZ reist mit dem Sonderkorrespondenten
Evelyn Waugh zur Krönung
Haile Selassies nach Äthiopien und lernt "Befremdliche Völker, seltsame Sitten" kennen. Mit
Jürg Ammann erlebt sie eine "Pekinger Passion". Die
FAZ lässt sich von
Leda Forgos Roman "Der Körper meines Bruders" (
Leseprobe) in das Ungarn zwischen 1953 und 1968 versetzen. Und die
SZ grübelt über den Erfolg von
Charlotte Roches "Feuchtgebieten".
Medienticker-Archiv
16.04.2008 ... des Kulturradios wdr3 - Schwarze Suchmaschine: Konkurrenz für Google - CBS News startet Bürger-Journalismus - Daumen runter: Sinkende Auflagenzahlen - Börsenkrach statt Beethoven - Verärgerte Politiker, Medien und Journalisten - "Laptop" von 1893 + Karl May mit Kafka vergleichbar (?).
Im Kino
16.04.2008 Irrungen, Wirrungen einer Theaterschauspielerin: In "Actrices", ihrem zweiten Film als Regisseurin bringt Valeria Bruni-Tedeschi Leben und Bühne aufs Tragikomischste durcheinander. Gerd Kroske hat für "Kehraus, wieder" ein drittes Mal die Protagonisten seines Straßenkehrer-Films "Kehraus" aufgesucht - die Lebenden und die Toten.
Donnerstag, 17.04.2008
Heute in den Feuilletons
17.04.2008 Die NZZ schildert, wie Berlusconi die Wahlen gewann, indem er das Fernsehen vermied. Der Freitag dokumentiert einen Aufruf von Memorial zur Gründung eines internationalen Forums für Vergangenheitsbewältigung. In der FR erklärt Harold Bloom, warum in Amerika nicht einmal die Katholiken katholisch sind. Die FAZ trauert um das Stefan-George-Weihe-Organ Castrum Peregrini, die SZ um die Kommunisten in Italien. Gawker kürt das Photoshop-Desaster des Monats.
Bücherschau des Tages
17.04.2008 Als Ereignis feiert die Zeit die Einlesung von Leonora Carringtons Erzählung "Das Hörrohr" durch die 81-jährige Rosemarie Fendel. Mitgenommen ist sie von Ulla Berkewiczs Buch über das Sterben Siegfried Unselds. Die FAZ berichtet begeistert von Madeleine Thiens Erzählungen "Einfache Rezepte". Heillos modern nennt die FR die Gedichte "Auf Moränen" des Lyrikers und Pastors Christian Lehnert.
Medienticker-Archiv
17.04.2008 ARD+ZDF kämpfen um "volle Online-Freiheit" - Goethe und die Wirtschaft - Deutsche Blogsphäre - Joseph Conrad: Fahrtenbücher eines Kapitäns zur See und zur Seele - Kurt Vonneguts Ratschläge - Holocaust-Comic als Einstiegshilfe + Schweighöfer ist Reich-Ranicki.
Freitag, 18.04.2008
Heute in den Feuilletons
18.04.2008 Die NZZ erzählt, wie die amerikanische Presse sich aus dem Klammergriff des Internets befreien will. Dummyblog, weiß jetzt schon, wer den Nannen-Preis für Fotografie gewinnt: der Stifter. Die Welt feiert die Tierbilder Jean-Baptiste Oudrys. In der FAZ sagt Cecile Wajsbrot eine neue Französische Revolution an. Die taz interviewt die italienische Satirikerin Sabina Guzzanti zu Berlusconi III.
Bücherschau des Tages
18.04.2008 Einen
lauen Meereswind spürt die
FR in
Mariolina Venezias Roman "Tausend Jahre, die ich hier bin", der die Geschichte von Italiens feudalistischem Süden erzählt. Die
SZ schwärmt von
Thomas Otts Comic "The Number 73304-23-4153-6-96-8". Und die
FAZ liest den "Officer Pembry" (
Leseprobe) des "Partisanenliteraten"
Giwi Margwelaschwili.
Medienticker-Archiv
18.04.2008 Moderne Gaunersprache: CEO, Consulting, Consumer - Spähangriff zum Schein - BKA-Gesetz und die Videoüberwachung - Wie China sich seine Internet-User erzieht - Schawinski gegen Alle - Verlage sauer auf Online-TV-Messung der Sender - Die SchwäZ beißt - Ciao Peppone! + Nachhilfe für Luca Toni.
Samstag, 19.04.2008
Heute in den Feuilletons
19.04.2008 In der NZZ erinnern Richard Wagner und Wlodzimierz Borodziej an 1968 in Rumänien und Polen. In der Welt kritisiert Amos Oz das Israelbild deutscher Medien. In der FR zieht Jürgen Boos von der Frankfurter Buchmesse eine Grenze für den Gastauftritt Chinas im nächsten Jahr. Die SZ zieht beim Tod als Live-Erfahrung eine Grenze in der Kunst. Für die taz spiegelt sich im neuen Feminismus der Egoismus der Mittelschicht. Die FAZ erklärt, warum es für Kulturstaatsminister Neumann gut ist, dass Katharina und Eva Wagner künftig Bayreuth leiten werden.
Bücherschau des Tages
19.04.2008 Ziemlich drastisch geht es zu, wenn Ulla Berkewicz das Sterben ihres Mannes Siegfried Unseld schildert - aber die FR schätzt diese Direktheit und Berkewicz' "Mänadentum" in "Überlebnis". Die NZZ empfiehtl Alek Popovs Roman "Die Hunde fliegen tief" als Einblick in die bulgarische Nachwendezeit. Die taz entdeckt den jungen Autor Finn-Ole Heinrich. Die FAZ ist von Hanif Kureishis neuem Roman nicht restlos begeistert.
Montag, 21.04.2008
Die Buchmacher
21.04.2008 Wie Buchhändler für Ladenhüter und blöde Bestseller an Autoren Vergeltung üben. Wer sich im Zeitalter des "funktionalen Analphabetismus" über die Ausdünnung des Buchhandelsnetzes Sorgen macht. Und worüber die Branche auf der London Book Fair diskutiert hat.
Heute in den Feuilletons
21.04.2008 Jetzt, wo Eva & Katharina durch sind, könnte Wolfgang Wagner doch wirklich abtreten, drängt die SZ. In der NZZ meint Amitav Ghosh: Harvard ist ja okay, aber versuch' mal, in Delhi angenommen zu werden. In der Welt erklärt Benjamin Barber: Zuviel Kapitalismus verdirbt die Demokratie. Ebenfalls in der Welt erklärt Gregor Schneider, wie er sterben will, "in einem von mir ausgewählten Raum, in einem privaten Bereich des Museums". Erstmal will er aber jemand anders öffentlich sterben lassen und wird dabei ohne die Approbation der FAZ auskommen müssen. Die FR geht mit Dietmar Dath in den Widerstand.
Bücherschau des Tages
21.04.2008 Die SZ preist die spröde Komik von Miranda Julys Geschichten "Zehn Wahrheiten". Begeistert ist sie von Dieter Hildebrandts Geschichte der Sonne und ihrer Anbetung. Die FAZ liest schaudernd Frido Manns Erinnerungen an sein Leben und seine Familie "Achterbahn". Und die FR lobt Marlene Streeruwitz' "Der Abend nach dem Begräbnis der besten Freundin" als brillantes Zwischen-Prosastück.
Medienticker-Archiv
21.04.2008 Der Briefwechsel Handke-Kolleritsch - Nabokovs "Laura"-Fragment - Meine eigene Zeitung - Location based SMS - Bloß nicht alles glauben! - Bestseller mit Brandschaden - Britannica auf Blogger-Kuschelkurs - Verfassungsschutz von Unten - Blogger müssen die Minen räumen + Einer wie Winnetou: Kleber auf Tour.
Dienstag, 22.04.2008
Magazinrundschau
22.04.2008 In der Weltwoche plädiert Tom Ford für volles, natürliches Schamhaar. Vanity Fair gibt Bill Keller die Schuld an der schwindenden Timeshaftigkeit der Times. Im Espresso bedauert Umberto Eco die schwindende Bedeutung der Zeitungen insgesamt. Die Times streitet um das English Breakfast. In L'Express will der Werbefachmann Maurice Levy die Werbung von Grund auf revidieren. Die LRB erlebt das Glück französischer Malerei, Nepszabadsag das Glück Leipziger Malerei, das TLS das Glück deutscher Romantik, der Economist das Glück japanischer Konzeptkunst, Al Ahram das Glück russischer Fotokunst. Und der New Yorker lernt Englisch mit Li Yang.
Heute in den Feuilletons
22.04.2008 Die Welt investiert Energie in das Sparhaus und stellt fest: Es spart gar nicht. Die taz würdigt die Theaterkritik 2.0 in Gestalt der Nachtkritik. Die NZZ findet: Das Theater von Zittau überstrahlt die sächsische Provinz. Die SZ feiert den Bürgerjournalismus (zumindest den amerikanischen). Die Berliner Zeitung beobachtet den Propagandakrieg um Tibet im Internet. Die FAZ fragt: Warum sind die Franzosen bei Lovis Corinth so scheu?
Bücherschau des Tages
22.04.2008 Die SZ begreift dank Bernard Stieglers "Logik der Sorge", dass der Kapitalismus keine Biomacht mehr ist, sondern eine Psychomacht. Mit gewisser Skepsis liest sie den bericht "Der Skandal um die Hitler-Tagebücher" des früheren Stern-Redakteurs Michael Seufert. Die NZZ liest mit Schrecken Jan Roß' Szenario von Ende der westlichen Weltherrschaft "Was bleibt von uns". Die FAZ hat sich freudig mit Karen Russells Erzählungen "Schlafanstalt für Traumgestörte" auf Krokodilfarmen und in Werwolfsheime begeben. Und die FR liest die zwei Versionen von "Josef in Ägypten".
Bücher der Saison
22.04.2008 Okay, da sind die "Feuchtgebiete", da sind Jonathan Littells SS-Fantasien, da sind ein paar wackere deutsche Romane. Aber es gibt nur zwei Bücher, die auf einhelliges Echo der Kritiker stießen. Eins ist gut, das andere ist böse. Außerdem lasen die Kritiker herausragende Comics. Kroatien interessierte nicht alle, aber einige um so mehr. Ein Blick auf die Bücher des Frühjahrs 2008.
Medienticker-Archiv
22.04.2008 "Laienkritiker" im Internet - Netzwertig.com: Web, Internetökonomie und Technologie - Print-Überlebenskampf in der Online-Sinnkrise - Bertelsmanns gedruckte Wikipedia - Politische Kriminalliteratur aus Deutschland - Ulla Berkewicz und Siegfrieds Sterben - Am Nullpunkt des Denkens + Zauberflöte in der U-Bahn.
Mittwoch, 23.04.2008
Heute in den Feuilletons
23.04.2008 Spiegel Online glaubt anders als Kulturstaatsminister Bernd Neumann an die Lesekompetenz der heutigen Jugend. In der taz erklärt die Elitenforscherin Julia Friedrichs: Hoch kommt in Deutschland nur, wer schon oben anfängt. Im Tagesspiegel fragen Christian Petzold und Robert Thalheim: Warum gehen die Deutschen nicht mehr ins Kunstkino? Die Welt berichtet über die Shakespeare-Krawalle in New York (20 Tote). Die FAZ findet einen Befürworter für Gregor Schneiders Projekt des öffentlichen Sterbens: den Jesuitenpater Friedhelm Mennekes.
Bücherschau des Tages
23.04.2008 Thomas Pynchons Roman "Gegen den Tag" ist jetzt auch auf Deutsch zu haben: Der Meister beglückt seine Anhänger und die NZZ mit höchst virtuosen, doppelbödigen und natürlich unglaublich raffinierten 1569 Seiten. Die SZ entdeckt William Faulkner wieder, dessen Helden wenigstens noch echte Probleme haben. Mit großem Vergnügen liest die FR die "Texte" von Gerhard Richter. Die FAZ begibt sich mit Charif Majdalani an die Hänge des Libanon.
Medienticker-Archiv
23.04.2008 Wissen für alle - Bertelsmanns Wikipedia: Weniger wissen - Feridun Zaimoglu über den "Neuen Feminismus" - Schlechte Reklame für ein gutes Buch - Heute werden das Buch und das Lesen gefeiert - Österreich hat seine Buchlieblinge gewählt - Klicken im Blätterwald + Google zeigt "grüner" Suche die kalte Schulter.
Im Kino
23.04.2008 Die deutsch-türkische Frauen-Amateurmannschaft BSV AL-Dersimpor spielt in Teheran gegen das iranische Frauen-Nationalteam: Wie es dazu kommt, erzählt der Dokumentarfilm "Football under cover". Tamara Jenkins schildert, mit seltsamen Wechseln der Tonlage in "Die Geschwister Savage" vom Leiden und Sterben eines Vaters und davon, wie seine Kinder damit umgehen.
Essay
23.04.2008 Verraten wurde der Geist des Mai von der heutigen Linken, die ihn sich gern als Feder an den Hut steckt, und bei Korruption und Staatsverbrechen züchtig die Augen senkt.
Donnerstag, 24.04.2008
Heute in den Feuilletons
24.04.2008 In der FR weist Hans-Christoph Buch auf die Verbrechen des ruandischen Präsidenten Paul Kagame hin, der heute von Bundespräsident Horst Köhler empfangen wird. "Wir waren verrückt", schreibt Paul Auster zu 1968 in der New York Times. Die Welt erinnert an den Skandalkünstler Michelangelo, der für seine Malerei Leichen sezierte. In der NZZ meint Robert Schindel: Der Antisemitismus war in 68 inkludiert, ist den 68ern aber nicht aufgefallen. In der Zeit kommt Dominik Graf ein schrecklicher Verdacht über den deutschen Film.
Bücherschau des Tages
24.04.2008 Die Zeit jubelt über Michael Chabons irrwitzigen Roman "Die Vereinigung jiddischer Polizisten", den sie als tragikomische Pulp-Fiction-Variante der Great American Novel empfiehlt. Ein ganz neuer Kontinent erschließt sich ihr mit dem Briefwechsel zwischen Arnold Schönberg und Alban Berg. Die SZ ist hingerissen von Russel Greenans aus der Versenkung geholten Roman "In Boston?". Die FAZ ist sehr bewegt von Aliza Olmerts Roman "Ein Stück vom Meer".
Medienticker-Archiv
24.04.2008 ... sind jährlich in der Republik unterwegs (?) - Ich, der Dieter, Superstar - Yaez bundesweit - Generation Google leidet an Informationsmangel - Lügendrehbuch: Ärger um "Walküre"-Film - BND-Journalisten-Affäre - Daten, Karten, Lagebilder - Eine Frage des (Verlags-)Standortes + Twitterland ist abgebrannt.
Post aus Istanbul
24.04.2008 Im April wartet man in Istanbul nicht nur sehnsüchtig auf den Frühling, sondern auch auf das Internationale Film Festival. Auch in diesem Jahr erwies es sich wieder als Paradies für Cinephile und nicht zuletzt als Treffpunkt für jene, die türkisches Kino abseits des Mainstreams suchen.
Essay
24.04.2008 Die Gefechte um die Meinungshoheit über Tibet zeigen es: das Internet hat die Medienlandschaft nicht unbedingt demokratischer gemacht. Es gilt das Gesetz der großen Zahl.
Freitag, 25.04.2008
Heute in den Feuilletons
25.04.2008 In Großanzeigen in den Zeitungen wirft die kulturindustrielle Fraktion ihre liberalen Prinzipien über Bord. Schließlich geht es um ihr geistiges Eigentum. Die Blogs antworten schon: "Hören Sie endlich auf, sich in Ihrer beknackten Opferrolle heimisch zu fühlen." Die taz feiert Alexander Kluge, der zusammen mit Kollegen Karl Marx' "Kapital" verfilmen will. Die NZZ gratuliert Google zum Zehnten und findet es ganz schön unheimlich. Die Welt plädiert für den Komponisten Walter Braunfels, der in Berlin wiederentdeckt wird. Außerdem tötet sie Löwen, zu Recht.
Bücherschau des Tages
25.04.2008 Die SZ lobt noch einmal nachdrücklich die blasse, feine Ironie von Detlef Kuhlbrodts Kreuzberger Skizzen "Morgens leicht, später laut". Sehr düster und sehr schwedisch findet die FAZ Stieg Larssons Krimi "Vergebung. Fast gar nicht aufregen kann sie sich über Jana Hensels und Elisabeth Raethers Bekenntnis "Neue deutsche Mädchen". Die NZZ liest Bücher zum Libertarismus.
Medienticker-Archiv
25.04.2008 ... vor 25 Jahren - Spiegel-Geschäftsführer Franke muss wohl gehen - Journalisten im Fadenkreuz, beispiellos - AngryJournalist: "Journalists get laid (off)" - Tag des geistigen Eigentums - Bertelsmanns US-Clubgeschäft an Ripplewood? - Endlich mal eine Zeitschrift, die gefällt: Neon im Test - Post 68: Burgen der Solidarität? + Zeit-ige Internettrends.
Samstag, 26.04.2008
Heute in den Feuilletons
26.04.2008 Wurde die vor einigen Wochen in Berlin tot aufgefundene russische Künstlerin Anna Mikalchuk doch ermordet, fragt der Berliner Kurier. Die deutsche Nationalkultur ist gut und schön, meint Mely Kiyak in der Welt, die Migranten sind in ihr aber leider unsichtbar. In der NZZ unterhalten sich Ulrich Peltzer und Michael Kümpfmüller über politische Literatur und all das Buchmessengeschwurbel der Feuilletons. SZ und FAZ verbeugen sich vor Preisträgern, erstere vor Anne-Sophie Mutter, letztere vor Alexander Kluge.
Bücherschau des Tages
26.04.2008 Eine Klage vor Gott über das Sterben entdeckt die NZZ in Ulla Berkewicz' Bericht vom Tod ihres Mannes Siegfried Unseld "Überlebnis", und die FAZ begreift: "Gegenüber dem Tod ist alles erlaubt." Die taz fordert mit Daniele Ganser mehr Aufklärung über die kriminellen "Nato-Geheimarmeen in Europa". So schön, geschmackvoll und hellsichtig kommen Alain de Bottons Gedanken über "Glück und Architektur" daher, dass die SZ fast über die theroetische Frivolität hinwegsieht.
Montag, 28.04.2008
Heute in den Feuilletons
28.04.2008 Gabriele Goettle befragt in der taz Dorothea Ridder zum Leben mit den Machos von der Kommune 1. Die Welt ist zufrieden mit der Vertragsverlängerung für Simon Rattle. Netzpolitik.org kommentiert die braven Reaktionen der Politik auf den Offenen Brief der Musikindustrie und fragt sich, was Angela Merkel mit dem "Herunterladen von Computern" meint. In der SZ beschreibt der Nahostexperte Bernard Haykel Osama bin Ladens poetische soft power.
Bücherschau des Tages
28.04.2008 Die SZ genießt, mit welch teuflischer Lust Margriet de Moor in ihrem Divertimento "Der Jongleur" menschliche Beziehungen seziert. Die FR kann Parag Khannas Buch über die künftigen Imperien und ihren "Kampf um die zweite Welt" empfehlen. Ergriffen liest die FAZ den Briefwechsel zwischen Hans Fallada und seiner Frau Anna Ditzen "Wenn du fort bist, ist alles nur halb". Für eine lohnende Lektüre hält sie auch Simon Ings informatives Buch über "Das Auge".
Medienticker-Archiv
28.04.2008 Spiegel setzt auf Selbstrekrutierung - Deutsche Geschichte im Wandel der Wahrnehmung - Herbert Köfer war gern ein DDR-Bürger - Buch und Internet - buchreport relauncht - Kulturzeitschrift DU im schicken Kleid - Miami in Berlin - Runterkommen mit Mozart + Klarnamen oder Pseudonyme: "Terroristentochter" und "Stasi IM".
Dienstag, 29.04.2008
Magazinrundschau
29.04.2008 Literaturen sucht im aktuellen Publikationsrausch zu '68 ein Buch über die Gleichberechtigung. Das TLS porträtiert den Mann, der in England dem Sex eine Sprache gab. In Outlook India sieht der Politologe Kishore Mahbubani die kulturelle Dominanz des Westens versiegen. Die New York Review of Books untersucht die Dominanz der Nationalkonservativen in Putins Russland. Le Monde des livres berichtet von einem Streit unter Historikern über die Rolle des Islam im Mittelalter. Der Economist sieht die Pressefreiheit in Osteuropa in Gefahr. Die New York Times porträtiert den ägyptischen Schriftsteller Alaa Al Aswany.
Heute in den Feuilletons
29.04.2008 In der FR meint der Soziologe Peter Wagner: Die Italiener haben eine korrupte Regierung gewählt, weil sie selbst korrupt sind. Die Blogs antworten auf den Offenen Brief der Musikindustrie. Im Perlentaucher fragt Andre Glucksmann: Warum hat die Linke den Geist von 1968 verraten? Christoph Schlingensiefs Inszenierung von Werner Braunfels' Jeanne-d'Arc-Oper hat die Kritik fasziniert. SZ liegt im Balkanfieber.
Bücherschau des Tages
29.04.2008 Ein vielversprechendes Debüt sieht die FAZ in Judith Schalanskys Roman "Blau steht dir nicht", der sehr poetisch von der Liebe zur Freiheit und den Matrosen erzählt. Die NZZ kann Jürgen Habermas in seinen Gedanken über "Ach, Europa" nur zustimmen. Dunkel, aber gut findet sie Olivier Adams Roman "Klippen". Die SZ lässt sich von Boris Reitschuster Dmitrij Medwedew vorstellen, den "neuen Herrn im Kreml".
Medienticker-Archiv
29.04.2008 68er-Ausstellung - Politikjournalismus: Wer ist denn hier apolitisch? - Kavaliersdelikt des kritischen Journalismus? - Frühling: Die Blogger schlagen aus oder "Bücher liest ja keiner mehr" - LITERA 2008: Buchmesse für Anfänger? - Gassenhauer mit Schopenhauer - Lenz' "Schweigeminute" - Künstler für Kriminalisierung von Fans und Kunden + Sing, mein Kunde sing.
Mittwoch, 30.04.2008
Heute in den Feuilletons
30.04.2008 Wolfgang Wagner tritt ab. FR und SZ raspeln schon mal Süßholz beim designierten Halbschwesterntandem. In der Zeit nimmt Alfred Brendel tränenlos Abschied vom Konzertleben. Die FAZ hätte die Literatur gern ein bisschen wilder. Die taz findet: Undogmatisches Kino ist bieder.
Bücherschau des Tages
30.04.2008 Die NZZ bewundert Georges-Arthur Goldschmidts Essays "Die Faust im Mund" und das mondän Möblierte der französischen Sprache. Ziemlich amüsant findet sie Rohan Kriwaczeks Geschichte der Begräbnis-Violine, die leider der Gegenreformation zum Opfer fiel. Den "Sound des Tötens" hört die FAZ aus Uzodinma Iwealas Roman "Du sollst Bestie sein!" heraus.
Medienticker-Archiv
30.04.2008 Humanglobaler Zufall nur ein Magazin für die Augen - Schriftsteller an Bord - WR-Chefredakteurin kommt aus einer anderen Welt - Buchkritiker: Auch Laien sind vom Fach - Peer-to-Peer-TV: Fernsehen im Schwarm - Eröffnung: Dok.fest München 2008 - E-Books: Gefahr der Spaltung.
Im Kino
30.04.2008 Die Comic-Verfilmung "Iron Man" weiß, politisch und auch sonst, nicht unbedingt, was sie will. Dafür macht sie aber erstaunlich viel Spaß. Und Alexis dos Santos gibt der Ereignislosigkeit einer Jugend im Nirgendwo Patagoniens in "Glue" überzeugende Form.