Samstag, 01.06.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
01.06.2024 Die Feuilletons quillen über mit Artikeln zum hundertsten Todestag von Franz Kafka, dem weltlichen Heiligen und Schutzpatron des unterdrückten Angestellten, wie die SZ schreibt. Die Literarische Welt erinnert, wie schwer man sich mit Kafka im Ostblock tat, überhaupt musste Kafkas heutiger Status erst errungen werden, weiß die taz: Er galt als zu dekadent. Im Freitag erklärt Roberto Saviano, weshalb er nicht zur italienischen Delegation auf der Frankfurter Buchmesse gehören wird. Die Theaterkritiker applaudieren, wenn Florentina Holzinger in Schwerin einen nackten Damenchor mit phallischem Baguette die Kirche zertrümmern lässt. Und die Welt schaut sich in Tansania David Walshs bizarre Privatsammlung an.
9punkt - Die Debattenrundschau
01.06.2024 In der FAZ betrachtet Ahmad Mansour mit Sorge, wie antijüdische Narrative wieder salonfähig werden - radikale Islamisten wissen das für sich zu nutzen, warnt er. In der FAS ruft Thomas Meyer indes dazu auf, wieder zu einer produktiven Gesprächskultur zurückzufinden. Leander Scholz sieht den Erfolg der Identitätspolitik in der NZZ als Folge des Scheiterns eines westlichen Universalismus. Zeit Online fragt, warum man der Ukraine erst jetzt erlaubt, westliche Waffen auf russischem Gebiet zu benutzen. Die SZ hält ein Plädoyer für Europa.
Bücherschau des Tages
01.06.2024 Die FAZ begibt sich mit Kurzgeschichten von Stephen King in ein Horrorkabinett und schippert mit Andreas Stichmann den Rhein entlang. Die FAS staunt, wie aktuell Rivka Galchen von der Hexenverfolgung zu erzählen vermag. Die FR liest gleichermaßen glühende und robuste Lyrik aus dem Carbonkosmos der ukrainischen Dichterin Svetlana Lavochkina. Dlf Kultur lernt von Cat Bohannon alles über die evolutionären Entwicklung des Weiblichen.
Montag, 03.06.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
03.06.2024 In der FAZ lehrt Herta Müller die Pro-Palästina-Demonstranten eine Redewendung aus dem Iran: Israel braucht seine Waffen, um seine Bevölkerung zu schützen. Und die Hamas braucht ihre Bevölkerung, um ihre Waffen zu schützen. In der NZZ fragt die indische Politikwissenschaftlerin Manali Kumar: Wie demokratisch ist Indien noch? Die FAZ sucht eine Religion namens Hinduismus und findet sie nicht. Die SZ beobachtet den Personenkult um Narendra Modi. Die taz warnt: Die Anti-Klimabewegung könnte das neue Europaparlament aggressiv dominieren.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.06.2024 Die Feuilletons verabschieden sich vom Schriftsteller John Burnside: Die FAZ ist bewegt von der "berührenden Zartheit und verstörenden Intensität" seines Werks. Die NZZ taucht ab in die Abgründe seines Schaffens. Die FAZ geht außerdem im Franz-Marc-Museum auf Seelenwanderung. Die SZ fühlt den Schmerz der Welt in Isabel Ostermanns Inszenierung von "Searching for Zenobia" bei der Musiktheaterbiennale in München.
Bücherschau des Tages
03.06.2024 Die Kritiker sind noch erschöpft vom Kafka-Marathon der letzten Tage - was sie gelesen haben, hat ihnen allerdings sehr gut gefallen. Die FAZ stellt neue Krimis vor: In John Brownlows rasantem Actionthriller "Seventeen" geht es um einen Auftragsmörder, der seinen Job von der Digitalisierung bedroht sieht. Ahmet Ümit verwebt in "Das Land der verlorenen Götter" geschickt deutsch-türkische Geschichte mit griechischer Mythologie. Die SZ widmet sich mit Raffael Scheck den Erinnerungen von deutschen und französischen Soldaten an den "Frühling 1940".
Dienstag, 04.06.2024
Magazinrundschau
04.06.2024 Wired untersucht am Beispiel des indischen Wahlkampfs, wie Wahlen durch Deepfakes und KI beeinflusst werden können. Der New Yorker schildert den Einfluss Mexikos auf die amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Desk Russie beleuchtet die "Putinophilie" der Republikaner und der amerikanischen Wählerschaft. New Internationalist schildert das Elend der sudanesischen Frauen im Bürgerkrieg. Der Guardian lauscht den Problemen der jungen Elite Kenias. Die LRB liest Adorno.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.06.2024 taz und FAZ porträtieren die neue mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum, die von ihrem Vorgänger López Obrador das Problem der Gewalt erbt. Vergesst Belarus nicht, ruft fast verzweifelt Natalia Pinchuk, die Ehefrau des inhaftierten Friedensnobelpreisträgers Ales Bjaljazki, in der FR. Gäbe es an den deutschen Unis Lehrstühle zur Geschichte der DDR und des Kommunismus, dann hätten wir auch weniger "DDR-Kitschbücher" wie die von Katja Hoyer und Jenny Erpenbeck, verspricht Ilko-Sascha Kowalczuk in der FAZ. In der SZ erinnert Julian Nida-Rümelin an das Subsidiaritätsprinzip.
Efeu - Die Kulturrundschau
04.06.2024 Die Kritiker begeben sich mit der Mussorgsky-Oper "Chowanschtschina" in Berlin auf Zeitreise in die politischen Wirren Russlands im 17. Jahrhundert: Putin taucht in Claus Guths Inszenierung zwar nicht auf, ist aber immer da, weiß der Tagesspiegel. FAZ und Standard hören bei den Wiener Festwochen erschüttert das "Kaddish Requiem 'Babyn Jar'" vom Kyiv Symphony Orchestra unter dem Taktstock von Oksana Lyniv. Die SZ fordert klimaresiliente Städte.
Bücherschau des Tages
04.06.2024 Die FAZ trifft in Anka Muhlsteins Biografie einen geselligen Camille Pissarro, der als Mittler innerhalb der Impressionisten-Gruppe wirkte. Außerdem schwelgt sie in Lawrence Ferlinghettis Reisejournalen. Die NZZ springt im neuen Roman von Sasa Stanisic fröhlich zwischen den Realitätsebenen. Der Dlf spitzt die Ohren, wenn Hannah Ritchie in
Sachen Klima- und Umweltschutz mehr
Großzügigkei statt Dogmatismus fordert. Dlf Kultur feiert mit Marie Dorleans "Wilde Blätter" das überbordende Chaos eines verwildernden Gartens.
Mittwoch, 05.06.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
05.06.2024 "Wir erleben jetzt die Selbstabschaffung des Westens", sagt Michael Wolffsohn in der Berliner Zeitung mit Blick auf die antisemitischen Proteste. Im Tagesspiegel nennt der Historiker Moshe Zimmermann den Boykott israelischer Universitäten und Akademiker "nicht unbedingt antisemitisch", die SZ schildert derweil das Ausmaß des Boykotts. In der FAZ erinnert Dieter Lenzen, ehemals Präsident der FU, die Universitäten an ihre Rechtspflichten. Die NZZ setzt nach den Wahlen in Indien leise Hoffnung auf die gestärkte Opposition.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.06.2024 Auch in den Hamburger Deichtorhallen meint Kunstfreiheit vor allem Hauptsache gegen Israel, ärgert sich die FAZ. Die SZ lernt im British Museum Aufregendes über das Liebesleben Michelangelos. Der Tagesanzeiger erlebt die nackte Existenzangst in der Kevin-Costner-Serie "Yellowstone". Die FAZ wohnt in Hamburg dem Befreiungsschlag von Kent Nagano als Operndirigent bei. Die SZ bejubelt indes die noble Leidenschaft des Bratschisten Timothy Ridout.
Bücherschau des Tages
05.06.2024 Dlf Kultur feiert den Erzählband "Europas Hunde" des belarussischen Autors Alhierd Bacharevic als Sieg der Fantasie über die düstere europäische Realität. Außerdem freut er sich über zwei prächtige Bände des "Kafkalogen" Hartmut Binder. Die FAZ wohnt mit Maria Jose Ferradas Helden auf einem riesigen Coca-Cola-Plakat und betrachtet die Siedlungen der Armen von oben. Die SZ spielt mit Jean-Philippe Toussaint Schach und folgt gerne dessen komfortabler Lebensgeschichte.
Donnerstag, 06.06.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
06.06.2024 In der Zeit hält Rem Koolhaas nichts vom "europäischen Zeigefinger" gegenüber autoritären Regimen: Wir müssen undemokratische Religionen und Regime akzeptieren, fordert er. Der diesjährige Preis der Nationalgalerie geht erstmals an alle vier Nominierten. Die Berliner Zeitung preist vor allem das Werk von Dan Lie: Eine Liebesgeschichte zwischen Pilzen, Bakterien und Insekten. Der Tagesspiegel badet in Dahlem in den Plüsch-Bunkern von Andreas Mühe. Die SZ zertrümmert in Köln Kafkas Käfer mit Axt und Golfschläger. Und der Perlentaucher fährt in Ali Ahmadzadehs "Critical Zone" im Taxi durch Teheran bei Nacht.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.06.2024 In der Zeit verteidigt sich Claudia Roth und hält die Vorwürfe gegen ihr neues Konzept für Erinnerungskultur für absurd. Zeit Online ruft hingegen: Die deutsche Erinnerungskultur ist kein Instrument, bei dem man beliebig Module umstecken kann! Die AfD fordert in ihrem Wahlprogramm eine "Einheitskultur" und weiß dabei nicht zu sagen, was deutsche Kultur überhaupt ist, kritisiert die SZ. In der FAZ äußert sich Philippe Lazzarini zu den Vorwürfen gegen die UNRWA.
Bücherschau des Tages
06.06.2024 Die FAZ zieht den Hut vor Alhierd Bacharevičs großem politischen Roman "Europas Hunde". Dass Sprache weit über Worte hinausgeht, lernt der Dlf mit Caro Van Thuynes Roman "Birkenschwester". Der liest auch in Alexander Kambers "Nachtblaue Blumen" vom Leid einer Tänzerin in der französischen Psychiatrie des 19. Jahrhunderts. Die Zeit widmet sich mit Murmel Clausens Roman "Leming" dem schwierigen Thema Suizidgefahr bei Jugendlichen.
Freitag, 07.06.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
07.06.2024 Die Direktoren von Berliner NS-Erinnerungsorten fordern die Berliner Universitäten auf, Antisemitismus auf ihrem Campus zu benennen. Der Westen ist so bedroht wie selten zuvor, auch von innen, warnt Heinrich August Winkler in der SZ. ZeitOnline erinnert Europas Konservative, die mit den Rechten anbändeln, derweil an die Geschichte. Der Vorsitzende der Giordano-Bruno-Stiftung Michael Schmidt-Salomon fordert die Abschaffung des "Gotteslästerungsparagrafen". In der NZZ gibt Dmitri Bykow die Hoffnung auf ein Ende des russischen Faschismus in den 2030er Jahren nicht auf.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.06.2024 Weiter geht es bei der Documenta mit halbgaren Selbstverpflichtungen, berichtet die FR. Die Band Laibach denkt in der Welt darüber nach, wie Europa besser scheitern kann. Unisono wird von den Zeitungen der bevorstehende Verkauf der Suhrkamp-Villa in Frankfurt bedauert, einst geistiges Zentrum der Bundesrepublik. Was passiert, wenn Steuerfahnder in das Leben der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek eindringen, schaut sich der Standard in der Wiener Volksbühne an.
Bücherschau des Tages
07.06.2024 Die FAZ flaniert mit Renate Müller-Buck und Nietzsche durch Venedig und lässt sich von Aaron Gebler die Bedeutung von Losverfahren im antiken Athen erklären. Die taz feiert eine Party mit den Protagonistinnen und Protagonisten der Hamburger Schule. Der Dlf blickt mit Ingo Elbe auf "Antisemitismus und postkoloniale Theorie" und mit Hans Christoph Buch hinter die surreale Fassade der Wirklichkeit. Und Dlf Kultur dokumentiert mit Ron Leshem die Geschehnisse seit dem 7. Oktober.
Samstag, 08.06.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
08.06.2024 Einen so expliziten Warhol hat man selten gesehen, jubeln die Kritiker nach ihrem Besuch in der Neuen Nationalgalerie: Der Welt treibt manches Exponat die Schamesröte ins Gesicht, die FAZ fragt, ob wir nun anders auf Warhol blicken. Der Standard lernt im Wiener Mumok, wie sehr Werke von Frantz Fanon und James Baldwin in der Kunst des Globalen Südens nachwirken. Der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan ist auch aufgrund westlicher Ignoranz der Nationalgarde beigetreten, glaubt die FR. Die NZZ bewundert den Kometen, den der südkoreanische Architekt Minsuk Cho vor der Serpentine Gallery geschaffen hat.
9punkt - Die Debattenrundschau
08.06.2024 Das Verhältnis zwischen Orient und Okzident wird sich auch innerhalb der westlichen Demokratien entscheiden, schreibt Michael Kleeberg in der FAZ. In der FAS bestätigt Güner Yasemin Balci: Islamistische Bewegungen wurden auch in Deutschland zu lange ignoriert. taz und Zeit Online wundern sich darüber, wie gut sich deutsche Politiker mit rechten Regierungen verstehen. Jetzt drehen die Kritiker des Berliner Schlosses völlig durch, seufzt die Welt angesichts der neuen Initiative "Schlossaneignung". Die FAZ empfiehlt Claudia Roth ein bisschen mehr Mut zum Streit.
Bücherschau des Tages
08.06.2024 Die FAS schöpft mit Steffen Mau Hoffnung auf ein Zusammenwachsen von Ost- und Westdeutschland. Die FAZ unternimmt mit Philip Manow eine Bestandsaufnahme der liberalen Demokratie. Von Andreas Bernard lässt sie sich beim Flippern trösten. Die SZ liest eindringliche Gedichte von Marianna Kijanowska über Babyn Jar. Dlf und taz überlegen mit Levin Westermann, wie das Zusammenleben von Mensch und Natur gelingen kann. Die taz lernt außerdem von Lea De Gregorico: „Unter Verrückten sagt man du“.
Montag, 10.06.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
10.06.2024 Diese Katastrophe muss jetzt verkraftet werden. Viele Staaten in Europa haben bei den EU-Wahlen einen Tritt mit dem Hufeisen bekommen. Deutlich ist das in Deutschland vor allem in den Neuen Ländern: In Sachsen haben Rechtsextreme und Populisten 49 Prozent. In Sachsen-Anhalt kommen die Parteien der Ampel zusammen auf so, naja, 14 Prozent. In Frankreich haben Rechtspopulisten und -extreme 37 Prozent, Linksextreme 10 Prozent, und Macron löst das Parlament auf. Unterdessen feiert die Hamas einen Propagandasieg nach der Befreiung von vier Geiseln durch Israel.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.06.2024 Der nachtkritik wird von Ingo Kerkhof am Staatstheater Wiesbaden ein traumhaftes Spektakel geboten: Luigi Pirandellos "Die Riesen vom Berge" ist ein wahres "Zauberkunststück", jubelt sie. Der Freitag durchlebt bei einer bislang ungespielten Variane von Arnold Schönbergs Violinkonzert op. 36 an der UdK Berlin alle denkbaren Emotionen. Die taz erfährt in einer Ausstellung in der "Draiflessen Collection" Räume, die unter die Haut gehen. Die SZ lässt sich von einer KI ihre Wunschserie zusammenstellen.
Bücherschau des Tages
10.06.2024 Der Dlf hebt mit Hilary Leichters Roman "Luftschlösser" die Gesetze von Zeit und Raum auf. Die FR freut sich über die geschliffenen Sätze in Valerie Fritschs Roman "Zitronen". Die NZZ erkennt in dieser Erzählung über das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom eine faszinierende Idee, aber mangelnde Umsetzung. Dlf Kultur lässt sich von Ursula Muscheler in Bertolt Brechts Lebenswelt herumführen und findet heraus, dass dieser durchaus eine Schwäche für Luxus hatte.
Dienstag, 11.06.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
11.06.2024 Ist Sahra Wagenknecht eine Linke, eine Rechte? In Zeit online versenkt sich Anne Rabe in dies menschliche Vexierbild. In den Niederlanden unterwerfen sich die ersten Hochschulen Europas den Vorgaben von BDS, berichtet die taz. In Frankreich träumen Linke laut Le Monde angesichts des Neuwahlcoups von Emmanuel Macron von einer neuen "Volksfront". Gambia will sich "nicht länger von der westlichen Philosophie diktieren lassen was wir tun sollen" und Genitalverstümmelung wieder zulassen, berichtet die NZZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.06.2024 In der NZZ erzählt der ukrainische Dichter Andri Ljubka, wie viele Ukrainer versuchen dem drakonischen Mobilisierungsgesetz zu entgehen: Sie verlassen ihre Wohnungen nicht mehr. In Lugano vollführt die NZZ halsbrecherische Kunststücke im Miniatur-Zirkus von Alexander Calder. Die SZ stellt im Kunstmuseum Wolfsburg fest, wie prächtig ein Haus floriert, wenn es Volkswagen im Rücken hat. Die FR macht sich mit Juezhi Tang, dem Preisträger des Internationalen Wettbewerbs für Choreografie, zur Schnecke. Und Van ist froh, dass sich Dirigent Vladimir Jurowski nicht für die Elefantenblechchöre in Bruckners Siebter schämt.
Magazinrundschau
11.06.2024 Der polnische Historiker Tomasz Kamusella lernt auf einer Reise, wie russlandfreundlich Katalonien ist. Der New Yorker staunt über übermenschliche Israelis. Der Guardian recherchiert, wie man ganz ohne Training Muskeln zulegt. New Lines durchleuchtet die Anti-Abtreibungskampagnen in Lateinamerika. In Persuasion überlegt Cameron Hudson, warum sich niemand für den Krieg im Sudan interessiert. The Dial besucht das Disneyland Schanghai.
Bücherschau des Tages
11.06.2024 Die SZ bekommt von Wolfgang Kraushaar das perfekte Rüstzeug für eine Diskussion über den Nahostkonflikt. Die FAZ schöpft Hoffnung mit Moussa Abadis Roman "Die Königin und der Kalligraph" über Damaskus im frühen 20. Jahrhundert. Dlf erlernt von Lorenz Jäger "Die Kunst des Lebens, die Kunst des Sterbens". Dlf Kultur wird in Albert Cohens Roman "Oh, ihr Menschenbrüder" Zeuge davon, wie ein antisemitischer Zwischenfall eine Jugend beendet. Mit Amy Liptrot beginnt er ein neues Leben in Berlin.
Mittwoch, 12.06.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
12.06.2024 Die FAZ entdeckt in der Komischen Oper dank Axel Ranisch den Zauber des Normalen. Die SZ schlendert durch Istanbul, wo derzeit das Restaurierungsfieber ausgebrochen ist. Die FR fordert eine klimafreundliche Architektur, die sich nicht nach Verzicht anfühlt. Souleymane Bachir Diagne widmet sich im Standard der Übersetzung als Kunst des Brückenbauens. Ronya Othmann denkt im Perlentaucher über Kino und Lyrik nach.
9punkt - Die Debattenrundschau
12.06.2024 Der Osten wird sich dem Westen nicht weiter angleichen, meint Steffen Mau bei Spon, zu stark wirken "Osttrotz" und "Oststolz". Die SZ (aber nicht die FAZ) erinnert an Frank Schirrmacher, der vor zehn Jahren gestorben ist. Auf Spon wirft der Historiker Martin Schulze Wessel seinem Kollegen Jörg Baberowski mangelnde Faktenkenntnis und Empathielosigkeit gegenüber der Ukraine vor. Im Tagesspiegel antwortet Peter R. Neumann auf die Frage, ob Sahra Wagenknecht links oder rechts ist: "Beides!"
Bücherschau des Tages
12.06.2024 Die taz steigt mit einem unerschrockenen Siddharth Karas hinab in die Kobalt-Minen des Kongos. Dlf Kultur sieht in diesem Report ein helles Licht in den dunklen Korridoren des modernen Lebens. Die FAZ wärmt sich an Hiromi Itos Roman "Hundeherz". Die SZ wird vom eigentümlichen Sog von Karl Ove Knausgard "Das Dritte Königreich" erfasst. Dlf Kultur freut sich außerdem über ein Wiedersehen mit den schrulligen Figuren Richard Russos.
Donnerstag, 13.06.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
13.06.2024 Die Filmkritiker schauen irritiert zu, wenn Daniela Völker in "Der Schatten des Kommandanten" die Tochter der Auschwitz-Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch und die Nachfahren des KZ-Kommandanten Rudolf Höß aufeinander treffen lässt. In der taz blicken der ukrainische Filmemacher Oleksiy Radynski und Hito Steyerl auf die kolonialen Hintergründe der russischen Gasgeschäfte. Der Tagesspiegel bewundert die Liaison von japanischer Moderne und amerikanischem Utilitarismus im neuen Reinhard Ernst Museum in Wiesbaden. Und alle trauern um Françoise Hardy, die so zart und zivilisationskritisch hauchte.
9punkt - Die Debattenrundschau
13.06.2024 Die Jugend ist nach rechts gerückt- in der SZ glaubt Heinz Bude, es sei an der Zeit, mehr über "Heimat" und die "Zugehörigkeit zur Gesellschaft" zu diskutieren. Die NZZ enttarnt Putins Mär von einem gescheiterten Friedensvertrag in Istanbul. In der FAZ versucht Matthias Platzeck den Wahlerfolg der Rechten im Osten zu erklären. In der Zeit streiten der Fluchtforscher Marcus Engler und der Migrationsexperte Gerald Knaus hitzig über die Abschiebung von Geflüchteten nach Ruanda. Das neue Konzerthaus in München wird nun doch nicht wie geplant realisiert - die SZ ist fassunglos.
Bücherschau des Tages
13.06.2024 Die FR ist mit Ingo Schulze "Zu Gast im Westen". Die Zeit amüsiert sich mit Jakob Noltes Hannoverkrimi "Die Frau mit den vier Armen". Die FAZ lässt sich zum Reflektieren anregen durch die Graphic Novel "Die sieben Leben des Stefan Heym". Der Dlf empfiehlt ein tolles Kinderbuch: Selma Noorts "Das kleine Haus am Fluss".
Freitag, 14.06.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
14.06.2024 In der FAZ erklärt der Historiker Nicolas Roussellier, worauf die Macronsche Auflösung der Nationalversammlung hinauslaufen könnte: auf einen schwachen Ministerpräsidenten der extremen Rechten, dem eine wutentbrannte Linke gegenübersteht. An deutschen Unis kursieren im Kontext der Pro-Hamas-Proteste weitere Professorenbriefe, diesmal fordern sie den Rücktritt von Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger, die FAZ berichtet. Eva Illouz wiederholt in der Berliner Zeitung ihre Kritik an der westlichen Linken - und an der israelischen Regierung.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.06.2024 Milo Rau klagt auf den Wiener Festwochen "Die Heuchelei der Gutmeinenden" an, die BDS unterstützen, der Standard berichtet. Die NZZ fragt, warum #metoo in Frankreich auf so viele Widerstände stößt. VAN lernt von Dirigent Vitali Alekseenok, wie man im Charkiwer Bombenhagel ein Musikfestival veranstaltet. Mit der für eine Auktion zerschlagenen Sammlung Renault ist das Zeitalter der sozialen Industriekultur in Frankreich wohl endgültig vorbei, mutmaßt die FAZ. Die Zeit ärgert sich über den Aufschwung nostalgischer DDR-Bücher. Die FAZ trauert um den japanischen Architekten Fumihiko Maki.
Bücherschau des Tages
14.06.2024 Die taz gruselt sich mit Charles Burns' Comic "Daidalos". Der Dlf verliert den Glauben an Literatur und Freundschaft nicht nach der Lektüre des Briefwechsels zwischen Rene Char und Peter Handke. Außerdem bewundert er die Harmonie von rosa Sonnenaufgängen und der Haut gerupfter Hähnchen in Janko Polic Kamovs Opus magnum "Austrocknen". Die FAZ begibt sich mit dem Historiker Erik Schumacher auf die Spuren von Sobibor. Die SZ empfiehlt Kindersachbücher über KI und Fußball.
Samstag, 15.06.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
15.06.2024 "Angekündigter Selbstmord einer Nation." Bernard-Henri Lévy bekennt auf Twitter seine Bestürzung über Macrons Auflösung der Nationalversammlung und den Pakt der gemäßigten Linken mit dem Populisten Jean-Luc Mélenchon. Eduard Louis hofft in Zeit online dagegen auf die Wiederholung der "Volksfront". Aber ist sie radikal genug? Unterdessen spielt sich im Sudan eine "gespenstische Tragödie" ab, über die der Spiegel berichtet. In der FAZ beschreibt der Historiker Stephan Malinowski erinnerungspolitische Konzepte à la Claudia Roth als "Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit".
Efeu - Die Kulturrundschau
15.06.2024 Der Tagesspiegel stellt die Auto-Perforations-Artisten der DDR vor: Else Gabriel, Michael Brendel, Rainer Görß und Via Lewandowsky, die in der DDR die Temperatur steigen ließen. Die SZ feiert Paris als neue alte Kunsthauptstadt der Welt. In der NZZ erklärt das Leitungsduo des Jüdischen Filmfestivals Berlin, warum das Festival gerade jetzt stattfinden muss. Critic.de empfiehlt die Thomas-Arslan-Retrospektive im Arsenal. Die Zeit zeichnet ein Stimmungsbild des italienischen Literaturbetriebs. Die taz wirft einen Blick auf die DDR-Jazzszene.
Bücherschau des Tages
15.06.2024 Die FAZ freut sich, mit Albert Ehrensteins Roman "Räuber und Soldaten" zugleich eine chinesische Saga aus dem 13. Jahrhundert und einen expressionistischen Schriftsteller erster Güte zu entdecken. Die NZZ empfiehlt Alhierd Bacharevičs bis ins Jahr 2050 reichenden belarusischen Roman "Europas Hunde". Der Dlf lernt in Brandon Taylors Stories "Die letzten Amerikaner" kennen. Die amüsierte SZ lässt sich von Mona Karstens Soap "Save me" an ein Elite-College führen, wo Männer reich und arrogant und Frauen schön und anlehnungsbedürftig sind. Das reicht zwar nicht für einen intelligenten Satz, aber möglicherweise für die Weltherrschaft.
Montag, 17.06.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
17.06.2024 Viel sagt das Rassemblement National nicht über seine kulturpolitischen Ideen, auf kommunaler Ebene hat es sich aber durchaus als Elefant im Porzellanladen erwiesen, erzählt die FAZ. Die taz schildert die Kompromisse, die die verschiedenen Strömungen der "neuen Volksfront" in Frankreich machen mussten, um eine Allianz eingehen zu können. In der NZZ zeichnet der Historiker Volker Ullrich am Beispiel Hitlers nach, wie leicht Demokratie in eine Diktatur umkippen kann. Zornig verteidigt die FAZ die italienische Küche gegen ihren Kritiker Alberto Grandi.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.06.2024 Was ist in Leipzig los? Die FAZ ist fassungslos darüber, wie Rod Stewart bei einem Konzert für seine Putin-Kritik ausgebuht wurde. Die russische Musik gehört nicht Putin, sondern der ganzen Welt, erinnert der Pianist Jewgeni Kissin in Backstage Classical. Die FR geht in einer Ausstellung in Bad Homburg "Waldbaden". Die FAZ spaziert beglückt durch das Schloss Belvedere in Weimar, wo sie die Skulpturen von Olaf Metzel bewundert. Die NZZ empfiehlt der großen Friederike-Mayröcker-Ausstellung mehr Mut zum Fetisch.
Bücherschau des Tages
17.06.2024 Die FAZ möchte sich von Alberto Grandis Buch "Mythos Nationalgericht" nicht ihre Spaghetti Carbonara verderben lassen. Außerdem verfällt sie Axel Cortis' zärtlichem Raunen, wenn dieser die traurige Geschichte von Joseph Roths Eichmeister Eibenschütz vorliest. Die SZ lernt von Christoph Butterwegge, warum die Reichen immer reicher werden. Bei Andrea Löw liest sie erschüttert von den Schicksalen deportierter Juden und Jüdinnen. Die NZZ verfolgt fasziniert, wie George Saunders im Erzählungsband "Tag der Befreiung" kunstvoll das Grauen spinnt.
Dienstag, 18.06.2024
Magazinrundschau
18.06.2024 Shakespeare ist Burkiner, aber es gab ihn auch im arabischen Mittelalter, da hieß er al-Mutanabbi, erzählt uns New Lines. In La vie des idees erinnert die Soziologin Marie Ladier-Fouladi an die erste Frauendemo gegen die Mullahs im Iran am 8.3.1979, zwei Tage nach Einführung des Verschleierungszwangs. Im Ideas Letter erklärt der britisch-nigerianische Autor Tomiwa Owolade, wo seine eigentliche Heimat liegt: Bei den New York Intellectuals. New Eastern Europe schildert den Kampf für den EU-Beitritt in Moldau.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.06.2024 In der NZZ wirft der Soziologe Gilles Kepel Europa vor, den Islamismus zu lange toleriert zu haben. In der FAZ hat der Menschenrechtler Oleg Orlow den Glauben an die russische Zivilgesellschaft noch nicht verloren: Immerhin leisten noch mehr Menschen Widerstand als zu spätsowjetischen Zeiten. Der Kapitalismus ist Schuld, dass sich die progressive Linke als Opfer sieht, meint Eva Illouz in der SZ. Ebenfalls in der FAZ denkt der Demokratieforscher Torben Lütjen über die polarisierte USA nach. FR und SZ gratulieren Jürgen Habermas zum 95.
Efeu - Die Kulturrundschau
18.06.2024 FAZ und FR loben Tatjana Gürbacas Frankfurter Inszenierung von Fromental Halévys Oper "La Juive" in höchsten Tönen. Die CDU ruft zum Boykott einer Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück auf: Die taz kann da nur den Kopf schütteln. Die FAZ freut sich über eine geplante "Piazza auf dem Wasser" in Bordeaux. Der Freitag ist genervt von der Debatte um Jenny Erpenbeck. Zeit Online erinnert daran, wie der Film "Matrix" die Kinogeschichte umgekrempelt hat.
Bücherschau des Tages
18.06.2024 Die SZ feiert Anthony Passerons Roman "Die Schlafenden" über den Beginn der Aids-Epidemie als große Kunst. Die FAZ reist mit Andreas Renner durch die Nordostpassage. Bei Olga Ravn lernt sie vieles über die Ängste und Hoffnungen einer schwedischen Mutter. Dlf Kultur empfiehlt Stella Gaitanos Kurzgeschichtenband "Endlose Tage am Point Zero" über Gewalt- und Fluchterfahrungen im Sudan. Die taz staunt, wie Franz Suess in seinem Comicband "Drei oder vier Bagatellen" im Kleinen das Große sichtbar werden lässt.
Mittwoch, 19.06.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
19.06.2024 Das eigentliche Ziel der Regierung Netanjahus sei die Annexion des Westjordanlands, glaubt Avi Primor, ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland, in der FR. In der SZ befürchtet der Historiker Frank Bösch, dass China uns künftig sanktionieren könnte. In der taz rät der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch den Pazifisten hierzulande, in Moskau gegen den Krieg zu demonstrieren. Die NZZ porträtiert den georgischen Schattenpräsidenten Bidsina Iwanischwili, einen waschechten Putinisten, der die Bevölkerung narkotisiert. Und die FAZ wirft einen kritischen Blick auf das Institut für Islamische Theologie an der HU.
Efeu - Die Kulturrundschau
19.06.2024 Arundhati Roy steht in Indien für eine 2010 gehaltene Rede vor Gericht, die SZ erschrickt darüber, wo in Indien das Recht auf freie Meinungsäußerung aufhört. Käthe Kollwitz trifft im MoMA den Nerv der verzweifelten New Yorker, staunt die taz. Die Welt entdeckt im Keller zart spröden Pop von Maria Herz. Die nmz galoppiert mit Ondrej Adámeks Orpheus-Oper "INES" durch die postnukleare Einöde. Und alle trauern um Anouk Aimée, die "Garbo aus dem Geist der Nouvelle Vague", wie die Welt schreibt.
Bücherschau des Tages
19.06.2024 Die FAZ spielt mit Walter Tevis in verrauchten Hallen Billard. Außerdem schmökert sie in Sebastian Guggolz' Kafka-Anthologie. Die NZZ liest schaudernd Tahir Hamut Izgils Gedichte vom düsteren Alltag der Uiguren in China. Dlf Kultur erfährt von Rahul Jandial, wie man Träume steuern kann. Dlf reist mit Gary Phillips Krimi "One-Shot Harry" in die jazzgetränkten Sechziger Jahre. Nach der Lektüre von Konstantin Ferstls "Die blaue Grenze" über eine Zugreise in den Osten ist er erschöpft, aber glücklich.
Donnerstag, 20.06.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
20.06.2024 Die Zeit füllt mit Pussy-Riot-Gründerin Nadya Tolokonnikova in Linz Putins Asche in Glaszylinder. "Die Würde der Kunst ist unantastbar", erklärt Jonathan Meese, der in der NZZ bedingungslose Kunstfreiheit fordert. Die FAZ feiert die Kurzgeschichte, denn der Roman werde immer mehr zum "Parkplatz für langweiligen Identitätskitsch". Die Filmkritiker erkunden mit Jeff Nichols schönen Männern, warum Biker tun was Biker tun. Die nachtkritik dankt Milo Rau, dass er die saturierten Wiener aus ihrer Erstarrung geweckt hat. Und der Tagesspiegel bewundert in Hamburg die strammen Pos von William Blakes Engeln.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.06.2024 Europa ist aus seinem Nachkriegs-Schlummer erwacht, stellt Peter Sloterdijk in der Zeit fest, jetzt gilt es, sich von "ängstlicher Blanko-Scheck-Politik" zu verabschieden. Der Imperialismus ist lebendig wie nie, schreibt Jürgen Osterhammel in der FAZ, vor allem der russische. Es ist unmöglich, Frieden mit Terroristen zu schließen, weiß Fania Oz-Salzberger bei IPG. Zeit Online wartet sehnlich darauf, dass der klassische Liberalismus seinen Kampf gegen linken Autoritarismus wieder aufnimmt.
Bücherschau des Tages
20.06.2024 Die Zeit lernt von Philip Manow, dass nicht nur Populismus, sondern auch eine zu starke Legislative die Demokratie gefährden kann. Und mit Hark Bohm erlebt sie die Nachkriegszeit auf Amrum. Der Dlf empfiehlt wärmstens die Lektüre des Antitotalitaristen Manes Sperber. Die FAZ entdeckt mit Alain Damasios "Die Horde im Gegenwind" ein Meisterwerk der Fantastik, dass auch poststrukturalistische Theoretiker erfreuen wird. Dlf Kultur versenkt sich in Jörg Späters Geschichte von "Adornos Erben". Und hofft mit einem kleinen Jungen namens Gurke auf ein Wunder.
Freitag, 21.06.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
21.06.2024 Die Ruhrbarone raten zu einer robusten Politik gegen den "Raumkampf" an Universitäten und Kulturinstitutionen. Fiebrige Stimmung diagnostizeren die Medien in Frankreich: Bernard-Henri Lévy ruft in Le Point auf, gegen die "doppelte populistische Infamie" zu stimmen. Der ungarische Soziologe Tibor Dessewffy warnt Europa im Tagesspiegel vor dem "Budapester Handbuch" der populistischen Rechten. Bülent Mumay erklärt in der FAZ, wie Erdogan die Europäer sehr sehr nervös machen könnte.
Efeu - Die Kulturrundschau
21.06.2024 Für die Mark Rothko-Ausstellung reist die FAZ gerne nach Norwegen. Der Spiegel wundert sich über eine abgesagte Kolonialismus-Ausstellung in Dresden und fragt nach Gründen. Die taz lässt sich vom Vulgärfeminismus im Hamburger Schauspielhaus zum Lachen bringen. Die NZZ spornt zur (Wieder-)Entdeckung von Komponistinnen auch außerhalb der Forschung an. Mit Frank Witzel fragt sich die FR, wie Gerechtigkeit im Literaturbetrieb aussehen könnte. Und die Feuilletons trauern um Donald Sutherland.
Bücherschau des Tages
21.06.2024 Die FAZ versteht dank David Bellos Jacques Tatis Gags kinetisch, akustisch und autobiografisch besser. Die FR lernt in Lilly Gollackners Science Fiction-Roman "Die Schattenmacherin": Auch Feminismus löst nicht alle Probleme. Die SZ feiert Roger Van de Veldes hochkonzentrierte Miniaturen aus der Psychiatrie. Die taz lobt den Realismus, mit dem Jens Beckert sich der Klimakrise und den Chancen auf ein Leben unter ihren Bedingungen widmet. Und Dlf Kultur macht 500 Streifzüge mit Malern, Musikern und Schriftstellern und empfiehlt einen Band über Friedensethik.
Samstag, 22.06.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
22.06.2024 Die FAZ denkt auf der Frankfurter Fototriennale Ray darüber nach, wie wir uns mit Fotos erinnern. Beim Pen Deutschland fliegen wieder mal die Fetzen, nach einer Generalabrechnung der zurückgetretenen Präsidiumsbeisitzerin Gabriele Gillen, berichtet die SZ. Im Filmdienst möchte Sebastian Seidler mehr Menschen mit der Liebe zum Film infizieren - zur Not auch mit Knutschen und Tanz. In der taz erklärt der iranische Autor Amir Gudarzi, warum die Götter die Menschen erschufen. Van erklärt, warum die klassische Musik schuld daran ist, dass Brasiliens Nationalbaum ausstirbt.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.06.2024 In einem SZ-Essay fürchtet die in Kopenhagen lebende Autorin Kathrine Tschemerinsky, dass liberale und säkulare Juden nach dem 7. Oktober nirgends mehr einen Ort haben, in Israel nicht, und auch nicht in der Diaspora. Auch Zeruya Shalev macht sich in einem FAS-Essay größte Sorgen um Israel. Der moldawische Künstler Alexandru Cosmescu erzählt in "Bilder und Zeiten", wie sich die moldawische Identität zusammensetzt. Der Tagesspiegel erzählt, wie Olaf Scholz die Trump-Regierung bezirzte, um Nord Stream 2 doch noch durchzukriegen.
Bücherschau des Tages
22.06.2024 Olga Martynovas Gedichtband "Such nach dem Namen des Windes" ist ihrem 2018 verstorbenen Lebenspartner Oleg Jurjew gewidmet - die FR feiert ihn als ein vielschichtiges Monument der Trauer. Die taz folgt Szczepan Twardoch zu den "Cholodzern", die im Mittelpunkt seines großen Romans "Kälte" stehen. Die FAZ liest Barbara Kingsolvers Roman "Demon Copperhead" über das Unglück in Appalachen gern, findet den Pulitzer-Preis für das Buch allerdings übertrieben.
Montag, 24.06.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
24.06.2024 Wer die Morde der Hamas als Befreiungstaten ansieht verdient den Vergleich mit rechtsextremen Holocaustleugnern, die seinerzeit die Attentäter des 11. September als Helden feierten, findet Jan-Philipp Reemtsma in der FAZ. Serge Klarsfeld hat bekannt, er würde Rassemblement national wählen, falls die einzige Alternative ein Kandidat von Mélenchons La France Insoumise wäre. In der taz sieht es Beate Klarsfeld ganz genauso. In insider.ru warnt der russische Schriftsteller Boris Akunin: Putin ist nicht mittelmäßig. Die Berliner Zeitung bringt den Beitrag eines DDR-Juristen, der findet, dass es die Ukraine mit der Selbstverteidigung übertreibt.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.06.2024 Die SZ bekommt große Augen bei der überbordenden Bilderflut von John Adams Oper "Nixon in China" in Berlin, die das Kollektiv "Hauen und Stechen" auf die Zuschauer hereinbrechen lässt. Das Jüdische Filmfestival Berlin-Brandenburg zeigt eine Doku über das Massaker der Hamas beim Musikfestival Supernova: Bei Zeit Online löst vor allem die Geräuschkulisse Entsetzen aus. Die FAZ kann erstmals Lucia Moholy-Nagys Glasplatten in Prag bewundern.
Bücherschau des Tages
24.06.2024 Die NZZ schaut gebannt dabei zu, wie Hryhir Tjutjunnyk in "Drei Kuckucke und eine Verbeugung" das Trauma vom Aufwachsen in der Sowjetukraine in die "ewige Gegenwart" des alltäglichen Lebens verwandelt. Die Welt schwelgt in den Briefen Friedrichs des Großen an seinen Freund Albert von Hoditz und wird hier durchaus von einem Hauch Erotik angeweht. Peter Longerich legt mit seinem Buch "Abrechnung" eine wichtige Darstellung der Ereignisse während des von den Nazis so benannten "Röhm-Putschs" vor, nickt die SZ. Die FAZ reist mit R.J. Palacio und ihrem jungen Helden Silas in die Welt der Geister und findet dort einen Freund.
Dienstag, 25.06.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
25.06.2024 Julian Assange ist frei! Er hat sich mit dem amerikanischen Justizministerium auf einen Deal geeinigt, berichtet die FAZ. Der Spiegel porträtiert die angesagte linke Theoretikern Lea Ypi und weiß danach immer noch nicht, was ihr "moralischer Sozialismus" sein soll. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats Olaf Zimmermann hat den Kulturbetrieb als "extrem exklusiv" bezeichnet: Die SZ ist empört. In der FAZ analysiert Wolfgang Matz das Scheitern Emmanuel Macrons.
Efeu - Die Kulturrundschau
25.06.2024 Die FAZ lernt beim Jüdischen Filmfestival Berlin-Brandenburg, wie einfach es sich der Antisemitismus oft macht. Außerdem berichtet sie von den Protesten italienischer Schriftsteller gegen die Frankfurter Buchmesse. Die Welt vermisst in der großen Basler Schau zu afrikanischer Malerei Formen subtiler Kritik. Überwältigt ist sie von der rauen Schönheit harter Jungs in Frauenkleidern in der JVA Tegel. Die SZ versinkt in der rauchigen Melancholie der pakistanischen Sängerin Arooj Aftab. Aktualisiert: Anne Applebaum erhält den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.
Magazinrundschau
25.06.2024 New Lines staunt über die Freiheiten arabischer Autoren. Auch die Sängerin Hanna Cseri verteidigt in HVG die Schimpfwörter in ihren Texten. Der Spectator sieht in Britannien die Gewaltenteilung in Gefahr. Im Philosophie Magazin skizziert Lea Ypi einen moralischen Sozialismus. Himal beschreibt das komplizierte Verhältnis von Indien und China. Der New Yorker sucht mit Harriet Tubman Möglichkeiten der Erlösung. La regle du jeu warnt: Das Rassemblement National hat nur Kreide gefressen.
Bücherschau des Tages
25.06.2024 Dlf Kultur feiert die Aufzeichnungen und Essays des jüdischen Soziologen Zygmunt Bauman als "literarisches Ereignis". Die SZ reist mit der überzeugten Sozialistin Larissa Reissner durch die deutsche Republik des Jahres 1924. Die FAZ bewundert, wie kunstvoll Dana von Suffrin in "Nochmal von vorne" die Geschichte Siebenbürgens mit der ihrer deutsch-jüdischen Familie verknüpft. Die NZZ beobachtet mit Rührung, wie in Paul Irmschlers "Alles immer wegen damals" eine Mutter und ihre Tochter am Ostseestrand das Kriegsbeil begraben.
Mittwoch, 26.06.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
26.06.2024 Die Welt schüttelt den Kopf über die Naivität der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die erst knapp vor der Ausstellungseröffnung Gesprächsbedarf mit der Aktivistin Zoe Samduzi erkannten. Dennoch: Museen müssen Orte bleiben, an denen freier Meinungsaustausch möglich ist, meint sie. Die SZ staunt, was mit der neuen KI-Plattform Uido in Sachen Musikgenerierung mittlerweile möglich ist. Mit Pinar Karabulut reitet sie in Nancy gut behütet durch Bellinis Belcanto-Oper "I Capuleti e i Montecchi". Die FAZ taucht in London mit einer Naomi-Campbell-Ausstellung ein in eine ganze Epoche des Glamour.
9punkt - Die Debattenrundschau
26.06.2024 Die Erleichterung ist groß: Julien Assange ist frei. Während er selbst und auch die US-Regierung klar als Gewinner aus der Affäre herausgehen, macht Zeit Online eine große Verliererin aus: die Pressefreiheit. Es sind vor allem jüdische Stimmen, die sich gegen die französische Linke unter Jean-Luc Mélenchon richten: der Autor Boris Cyrulnik fühlt sich an die dreißiger Jahre erinnert, sagt er im Gespräch mit La Tribune. "La France Insoumise ist eine antisemitische Partei", warnt auch Bernard-Henri Levy in der SZ . Die Feuilletons freuen sich über die Verleihung des Friedenspreises an Anne Applebaum.
Bücherschau des Tages
26.06.2024 Die FAZ erhält von Ernst Paul Dörfler witzige Einblicke in das Liebesleben der Vögel und lernt: Auch die halten es nicht so mit der Treue. Die NZZ lauscht in Marianna Kijanowskas Gedichten erschüttert den Stimmen der Opfer von Babyn Jar. Die SZ lobt Jane Gardams Briefroman "Gute Ratschläge" über eine Hausfrau, die ihren Nachbarn gründlich auf die Nerven geht und dabei ihren eigenen Wahnsinn entdeckt. Und die taz blättert begeistert durch Laurent Hopmans und Renaud Roches Comicbiografie über den Star Wars-Schöpfer George Lucas.
Donnerstag, 27.06.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
27.06.2024 In der FAZ erklärt der italienische Schriftsteller Fabio Stassi, dass er gerade jetzt zur Frankfurter Buchmesse fährt, um sich mit zensierten Schriftstellern zu solidarisieren. Im Standard hat Wolfgang Ullrich keine Angst vor KI-generierter Kunst. Die NZZ möchte lieber nicht allzu viel Fluchtgut restituieren. Carl Hegemann besucht für die Zeit das Osten-Festival in Bitterfeld. Die SZ bestaunt den Staraufwand beim Filmfest München. Und die FAZ nimmt dem Fusion-Festival seinen Ferienkommunismus nicht ab.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.06.2024 Warum sehnen sich die Menschen nach einer glorreichen Vergangenheit, wie sie Populisten propagieren, fragt der Schriftsteller Georgi Gospodinov in der Zeit: Weil ihre Zukunft so düster aussieht, antwortet er. Gibt es einen deutschen "Schuldkult" in Bezug auf Israel? So ein Quatsch, ruft die SZ. Die Zeit blickt außerdem besorgt auf den um sich greifenden Boykott israelischer Universitäten. Im Tagesspiegel findet Don Winslow, man müsse auch angesicht eines Donald Trump nicht ständig den Untergang prophezeien. Der Kulturwissenschaftler Daniel Hornuff analysiert auf Zeit Online die Bildsprache von Wiki-Leaks.
Bücherschau des Tages
27.06.2024 Die Zeit empfiehlt Strandlektüre. Die FAZ feiert Hari Kunzrus "Blue Ruin" als extraordinären Künstlerroman. Die taz durchleidet Todesverehrungsrituale bei Black-Metal-Konzerten in Karl Ove Knausgards "Das dritte Königreich". Dlf kultur durchstreift mit Emmanuelle Guattari "New York, Little Poland".
Freitag, 28.06.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
28.06.2024 Das Bachmann-Lesen in Klagenfurt hat begonnen und die Zeitungen machen mit Tijan Sila einen ersten Favoriten aus. Die FAZ warnt davor, dass die Abrissbirne der Öffentlich-Rechtlichen die Kultur platt macht. Der Regisseur Edward Berger macht sich in der SZ für deutsche Filmförderung stark. Die FR entdeckt mit Selma Selman "die gefährlichste Frau der Welt." VAN lässt sich von Georg Friedrich Haas' "11000 Saiten" ins Innere eines Bienenstocks versetzen, während die taz von Tony Conrad und Jennifer Walsh schier weggeblasen wird.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.06.2024 Große Panik nach der ersten TV-Debatte des amerikanischen Wahlkampfs: Ist Joe Biden noch als Präsidentschaftskandidat geeignet, fragt die New York Times. Auch individuelle Freiheit ist ein Zwang, meint Rechtsprofessor Christoph Möllers im Tagesspiegel, auch mit Blick auf die Klimapolitik. In Le Point erläutert der Historiker Iannis Roder Jean-Luc Mélenchons Begriff des "residuellen" Antisemitismus. Die Ruhrbarone porträtieren Andreas Görgen. Die FAZ interviewt Thomas Meyer über die Zionistin Hannah Arendt.
Bücherschau des Tages
28.06.2024 Die FAZ wird selbst zum Fan, wenn ihr Ilija Trojanow und Klaus Zeyringer vom unterschiedlichen Fantum in Indien, Kenia oder auf der Schweizer Alm erzählen. Die NZZ beleuchtet derweil die Schattenseiten mit Daniel Dreppers und Lena Kampfs Buch über Machtmissbrauch in der Musikindustrie. Die SZ widmet sich mit unbekannten Texten von Hannah Arendt der Palästina-Frage. Bewegt liest der Dlf Barbaras Skargas Bericht über Liebe, Sehnsucht und Abtreibungen im Gulag. Dlf Kultur überlegt mit Daniel Gerritzen sehr ernsthaft, ob uns Außerirdische bei der Lösung der Klimakrise helfen können.
Samstag, 29.06.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
29.06.2024 Wenn der RN an die Macht kommt, droht ein sozialer Bürgerkrieg, befürchtet im Tagesspiegel der Politikwissenschaftler Frédéric Sawicki. Die Franzosen beharren zu sehr auf ihrem depressiven Trotz, um sich vom Schamanen Macron heilen zu lassen, glaubt Peter Sloterdijk, der sich in der FR weniger Sorgen um Europa als um "aufgeblasene Kunstprodukte" wie Russland und China macht. In der SZ ermutigt Ahmad Milad Karimi, Professor für Islamische Philosophie, Muslime, Haltung gegen Islamismus zu zeigen. Die Flüchtlinge im Gazastreifen müssen sofort nach Hause zurückkehren, fordert Omri Boehm, der in der FAS vor einer "ethnischen Säuberung" warnt.
Efeu - Die Kulturrundschau
29.06.2024 Die taz schäumt vor Wut, wenn sie sieht, wie die öffentlich-rechtlichen Sender, die Literatur auf die Straße setzen - und das während die Neue Rechte die Literatur immer mehr umschmeichelt. Die Welt blickt zurück auf die Theatersaison und ärgert sich über einen neuen Trend: das politisch korrekte Umschreiben. Die taz sieht die Kunstfreiheit in Gefahr. Die Musikkritiker trauern um Kinky Friedman: Sein Leben sollte von den Coen-Brüdern verfilmt werden, findet die FR.
Bücherschau des Tages
29.06.2024 Die FAZ spürt in Carlos Fonsecas Erzählung "Austral", in dem ein Literaturprofessor den Roman einer Verstorbenen zu Ende führen soll, einen "dunklen Sog", der vom Süden ausgeht. Die SZ ist gebannt von den "ungezähmten" Essays James Baldwins, die in einer neuen Übersetzung von Miriam Mandelkow erschienen sind. Die taz vermisst den Satiriker Wiglaf Droste nach der Lektüre von Christof Meuelers Biografie "Die Welt in Schach halten" umso schmerzlicher. Dlf Kultur empfiehlt wärmstens die Essays der amerikanischen Queerfeministin Joan Nestlé.