Samstag, 01.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
01.11.2025 Die Filmkritiker applaudieren Kleber Mendonça Filhos Noir-Thriller "The Secret Agent" über die brasilianische Militärdiktatur, der eine Gesellschaft am Abgrund zeigt. Die FAS skizziert die Kampagne der politischen Rechten in Israel gegen Shai Carmeli-Pollaks Film "Das Meer". In der deutschen Nachkriegsgeschichte drohte nie ein neuer Faschismus, konstatiert der Schriftsteller Peter Schneider in der Welt. Die FR bewundert in Frankfurt farbprächtige Comics aus Afrika. Und alle feiern das neue Album von Florence and the Machine.
9punkt - Die Debattenrundschau
01.11.2025 "Eine starke Klimapolitik schafft erst die Möglichkeit, in der Entwicklungspolitik voranzukommen", betont der Ökonom Ottmar Edenhofer im Zeit-Online-Interview als Reaktion auf einen Kommentar von Bill Gates zum Klimawandel. Die Massaker, die die RSF im Sudan begeht, kann man sogar aus dem All sehen, berichtet die taz. Die Demokratie braucht die Wirtschaft und die Wirtschaft braucht mehr Frauen, erklärt die Ökonomin Nicola Fuchs-Schündeln im taz-Interview. Die FAS blickt auf die Freundschaft zwischen Alexandr Lukaschenko und Donald Trump, die allerdings von Putin gestört wird.
Bücherschau des Tages
01.11.2025 Die FAZ bewundert, wie Fabio Andina über die KZ-Erfahrungen seines Großvaters schreibt, die dieser ein Leben lang verschwieg. Die FR wiederum lobt, wie Kaska Bryla gemeinsam mit einer Krähe über ihren Vater nachdenkt, der im Gulag interniert war. Die NZZ erfährt bei Ulrich Raulff von Vivienne Westwood bis zu den Weinkriegen der Franzosen alles, was es über Geschmack zu sagen gibt. Erschüttert folgt die taz Christiane Florin, die zu den Missbrauchsfällen in Heimen der Caritas recherchiert hat. Die Welt empfiehlt nachdrücklich Erika Thomallas Oral History des Popjournalismus.
Montag, 03.11.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
03.11.2025 Herfried Münkler will unser Ruhebedürfnis ja nicht stören, aber er macht in der SZ doch darauf aufmerksam, dass die Trennlinie zwischen Krieg und Frieden zerschlissen ist. Wer den Holocaust als singulär betrachtet, ist der eigentliche Leugner, fürchten Masha Gessen und Marianne Hirsch in der New York Times. Es ist für junge Frauen nicht mehr angesagt, sich mit ihrem Freund in sozialen Medien zu zeigen, informieren taz und Vogue. In der Welt warnt Ahmad Mansour vor ostentativen religiösen Praktiken an Schulen.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.11.2025 Die FAZ veröffentlicht die Büchner-Preisrede von Ursula Krechel, die an Georg Büchners Schwester und frühe Feministin Luise Büchner erinnert. In Bochum lassen sich die Kritiker von Jette Steckels Ágota Kristóf-Inszernierung erschüttern. Bach-Enthusiasten haben sich in Leipzig versammelt, wo auch die SZ zugegen war, um Johannes Lang 22 Stunden dabei zuzuhören, wie er das komplette Orgelwerk des Komponisten aufführt. Und die Zeitungen trauern um den Schauspieler Tchéky Karyo.
Bücherschau des Tages
03.11.2025 Die FAZ sieht in Gary Victors "An der Kreuzung der Parallelstraßen" eine scharfe Abrechnung mit seiner Heimat Haiti. Außerdem empfiehlt sie den Thriller "Dunkle Gewässer" der taiwanischen Schriftstellerin Ping Lu. Die NZZ rät nachdrücklich zur Lektüre von Kevin Chens Roman "Geisterdämmerung", in dem ein junger schwuler Taiwanese vor den Drangsalierungen in seiner Heimat nach Deutschland flieht und in einen Mordfall verwickelt wird. Die SZ macht mit Alexander Clapp eine erschreckende Reise dem Müll der Industrienationen hinterher.
Dienstag, 04.11.2025
Magazinrundschau
04.11.2025 Asterisk beschreibt die erstaunliche geistige Beweglichkeit chinesischer Tech-Entrepreneure. Überhaupt keine Bewunderung hat Eurozine für die gewaltsame Russifizierung ukrainischer Kultur. New Lines lernt einiges über Giftgaseinsätze in Syrien aus den laxen Memoiren des russischen Generals Alexander Zorin. Die London Review berichtet von Scam-Camps in Südostasien, in denen Horden von Arbeitssklaven abgerichtet werden, Chinesen und Westler abzuzocken. Die New York Times erkennt die konkrete Absicht hinter Donald Trumps Vagheitsdoktrin.
Efeu - Die Kulturrundschau
04.11.2025 Wie trauert Albert Camus um Algerien, fragt Dan Diner in seiner Sigmund-Freud-Preisrede, abgedruckt in der FAZ. FAZ und FR schälen den Boris in Keith Warners Frankfurter "Boris Godunov"-Inszenierung aus dem Fabergé-Ei. Monopol lernt in einer Ausstellung in Frankfurt, was "Solastalgie" bedeutet. Die Kritiker lassen sich von Kleber Mendonça Filhos Palme-d'Or-Gewinner "The Secret Agent" über die brasilianische Militärdiktatur in eine paranoide Grundstimmung bringen.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.11.2025 Die Brandmauer bröckelt, aber stärkt sie nicht ohnehin die AfD, fragen Philipp Manow im Stern und Jürgen Kaube in der FAZ. Darf Ahmad Mansour nach Antisemitismus bei muslimischen Schülern fragen, oder ist das nicht wissenschaftlich? Der Streit geht weiter. Streit dürfte es demnächst auch in der Linkspartei geben, wo die Jugendorganisation laut Welt einen strikt israelfeindlichen Kurs einschlägt, dem die Partei als ganze folgen soll.
Bücherschau des Tages
04.11.2025 Die FAZ vertieft sich in Irina Scherbakowas Erinnerungen aus Moskau, die das Abdriften Russlands in die Autokratie nachzeichnen. Von Martin Posselt bekommt sie Richard Coudenhove-Kalergi vorgestellt, der bereits in den 1910er Jahren zu den wichtigen Denkern eines geeinten Europas gehörte. Die SZ empfiehlt Andrea Bajanis Roman "Der Jahrestag" über eine Familie, die vom tyrannischen Vater unterdrückt wird. Dlf lässt sich ohne Zögern von der existenzialistischen Flut von Frank Witzels neuem Buch mitreißen, das Philosophie, Literatur und "gnomischen Humor" bietet.
Mittwoch, 05.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
05.11.2025 Ganz sicher ist die FAZ nicht, was sie davon halten soll, wenn etwa beim ukrainischen Literaturfestival Meridian alle Einflüsse russischer Kultur getilgt werden. Backstage Classical rechnet indes mit Justus Frantz ab, der sich ungeniert Putin andient. Die taz erinnert an die absurden Zensurmaßnahmen zu Sowjetzeiten. Außerdem reitet die FAZ in Potsdam durch 4.000 Jahre Geschichte des Einhorns. Der Tagesspiegel zündet ein Diskursfeuer um Koranverbrennungen mit Mehmet Akif Büyükatalays Film "Hysteria".
9punkt - Die Debattenrundschau
05.11.2025 "Herzlichen Glückwunsch an Zohran Mamdani", begrüßt das Editorial Board der New York Times den neuen Bürgermeister der Stadt, aber die Times macht auch darauf aufmerksam, dass es mit linken Bürgermeistern in amerikanischen Städten nicht immer gut lief. Deutsche Zeitungen fragen sich inzwischen, ob Mamdani nun der Anti-Trump ist. Es gibt gar keine Christenverfolgung in Nigeria, hat die taz herausgefunden. Der Sc-Fi-Autor Kim Stanley Robinson warnt in Zeit online davor, den Klimaschutz plötzlich nicht mehr so wichtig zu finden. In der Linkspartei wird es laut Tagesspiegel heftigen Ärger geben. Und im Perlentaucher startet Elke Schmitter eine neue Kolumne.
Bücherschau des Tages
05.11.2025 Die FAZ jubelt, wenn Walter Moers in seinem neuen Zamonia-Buch den Gallertprinzen "Qwert" zurückkehren lässt. Sie lobt außerdem Eva Schmidts leisen Roman über eine pensionierte Krankenschwester, die mit einem Campingbus aus ihrer Einsamkeit ausbricht. Die FR freut sich über den von Renate Heß herausgegeben Band "Der Pitangabaum der Nachbarin" mit Erzählungen aus Guinea-Bissau. Die SZ staunt, wie Oksana Maksymchuk in ihrem "Tagebuch einer Invasion" Kriegsbilder und Hoffnungsschimmer vereint.
Donnerstag, 06.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
06.11.2025 Die taz fragt sich, woher das plötzliche Kunstinteresse des usbekischen Präsidenten Shavkat Mirziyoyev kommt: Will da jemand von der Menschenrechtsproblematik im Land ablenken, fragt sie. Die FR erkennt in Rüsselsheim: Auch Simone de Beauvoirs Schwester Hélène kämpfte für Frauen - in Gemälden. Die Welt rauft sich die Haare, wenn jetzt plötzlich 200 Kasernen reaktiviert werden sollen, die man vorher ungeniert verfallen ließ. Die Zeit erleidet mit Florian Lutz und seiner Inszenierung von Verdis "Aida" in Kassel Schiffbruch. Die NZZ verliebt sich in Agnieszka Hollands Biopic "Franz K." in den Schauspieler Idan Weiss.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.11.2025 Von Zohran Mamdani lernen, heißt siegen lernen, sind Zeit, SZ und taz überzeugt. Nur ein Häufchen New Yorker Juden fragt sich, ob sie jetzt noch beschützt werden. Die SZ überlegt, ob die Brandmauer vielleicht nur vor einer nervigen Wirklichkeit abschotten soll. Aber rechte Wähler lassen sich kaum zurückgewinnen, warnt der portugiesische Politikwissenschaftler Vicente Valentim in der Zeit. Russische Soldaten töten nicht nur Ukrainer, sondern auch ihre eigenen Leute, erzählt im Spiegel der Journalist Ivan Zhadajew. Die FAZ stellt das geplante Musée-mémorial du terrorisme vor, mit dem Frankreich den Terrorismus seit 1794 länderübergreifend beleuchten will.
Bücherschau des Tages
06.11.2025 Als literarische Sensation wertet die Zeit den erstmals veröffentlichten Briefwechsel zwischen Anna Seghers und ihrem Ehemann. Die FAZ lässt sich von Lukas Potsch in die Ideengeschichte des Bürgerkriegs einführen. Die FR lernt mit Jörg Mühle, Bär und Wiesel zu verzeihen. Der Dlf staunt über das große Feingefühl, mit dem Gael Faye in "Jacaranda" vom Genozid in Ruanda erzählt. Und der Dlf Kultur entdeckt Bäckereien in Pompeji mit Gabriel Zuchtriegel.
Freitag, 07.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
07.11.2025 Die SZ besucht eine Ausstellung der designierten Documenta-Kuratorin Naomi Beckwith - mit viel French Theorie. Der NZZ bleibt in Lausanne das Lachen im Halse stecken, spätestens wenn sie sieht, wie Felix Vallotton Frauen darstellte. Die taz zweifelt, ob die saudische Desertrockband Seera wirklich eine Kulturrevolution auslösen kann. Die FAZ hört beim Festival Wien modern "dead wasps in the jam jar".
9punkt - Die Debattenrundschau
07.11.2025 Christian-Zsolt Varga beschreibt in der FAZ, wie sich der Krieg für die Journalisten durch die Drohnen verändert - sie müssen selbst damit rechnen, zum Ziel zu werden. Nun steht ein Revolutionär gegen einen Reaktionär: Jeffrey Goldberg, Chefredakteur von The Atlantic, äußert sich nach der Wahl Zohran Mamdanis pessimistisch über die amerikanische Politik. Melanie Mühl beobachtet in der FAZ einen Auftritt Björn Höckes: Seine kältesten Sätze sagt er mit einem Lächeln. Susanne Schröter verteidigt in der Jüdischen Allgemeinen Ahmad Mansour.
Bücherschau des Tages
07.11.2025 Die FAZ bricht mit dem finnischen Joyce Volter Kilpi auf zum maritimen Kirchgang. Dank Michael Maar entdeckt sie Nebensächliches bei Musil, Mann und Kafka. Die FR lässt sich anstecken von Trotz und Heiterkeit der Margaret Atwood. Die NZZ bewundert Malala Yousafzais Sinn für Ambivalenzen. Und der Dlf bangt mit Serhij Zhadans Theaterstück über die Schrecken des Krieges.
Samstag, 08.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
08.11.2025 Das Unheimliche entsteht durch das absolut Gute, lernen die hingerissenen Filmkritiker in der neuen Serie "Pluribus". In der FAS notiert der Architekt Gunnar Klack erleichtert das vorläufige Ende des saudischen Mammut-Bauprojekts Neom, für ihn ein maximal ungleiches Fortschrittsmodell. Die taz besucht Theater in der Ukraine, die Welt im Kosovo. Die FAZ blickt auf Lovis Corinths "Kuhstall" und fragt sich: Ist das schon Abstraktion? Die Musikkritiker versuchen immer noch, zu Rosalía zu tanzen.
9punkt - Die Debattenrundschau
08.11.2025 9. November, Gedenksaison.In der SZ schildert der Historiker Volker Weiß, wie Gedenkstätten buchstäblich übermalt werden von aktueller Politik: Was rechts oder links ist an den Schmierereien, ist nicht immer zu erkennen. Man kann nicht gedenken, ohne die Rolle der eigenen Familie zu reflekieren, mahnt die Geschichtsinfluencerin Susanne Siegert in der FR. Die FAZ zeigt auf, wie massiv China eine europäische Universität unter Druck setzt. Der Tages-Anzeiger erklärt, warum in der Schweiz mehr Schülerinnen mit Kopftuch herumlaufen als in Kosovo.
Bücherschau des Tages
08.11.2025 Alles hängt von den Genen ab, schreibt Richard Dawkins im "Großen Buch der Evolution", wirklich alles ? Die FAZ zweifelt zwar, empfiehlt das prächtige Buch aber trotzdem. Die taz erhält durch den Band "Geteilter Himmel" wertvolle und erschütternde Einblicke in das Kriegsgeschehen in der Ukraine. Für die FR erweist sich Raphaela Edelbauer in "Die echtere Wirklichkeit" wieder einmal als eine großen Erzählerinnen der Gegenwart. Kein historisches Ereignis wird mit größerer Passion zum Verschwinden gebracht als der Holocaust, lernt die Welt bei Jan Gerber. Der Deutschlandfunk staunt über Helmuth Kiesels monumentale Geschichte der Literatur in der Nazizeit.
Montag, 10.11.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
10.11.2025 Vor zehn Jahren starb André Glucksmann. Marko Martin erinnert in der Welt an ihn. Die SZ erklärt, warum im neuen Museum of West African Art in Benin City die von Deutschland zurückgegebenen Benin-Bronzen fehlen. Die BBC ist in Aufruhr über sich selbst: Ihre Chefs sind wegen Vorwürfen einseitiger Berichterstattung zu Israel und anderen Themen zurückgetreten. Die Zeitungen befassen sich mit Rechtspopulismus in Deutschland, Frankreich, Amerika und Spanien.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.11.2025 Die Kritiker besuchen eine rechte Buchmesse in Halle und sind verwirrt: warum werden hier "formschöne Zigarrenschneider" gezeigt? Die taz entdeckt im Weltkulturenmuseum Frankfurt die Comics afrikanischer Zeichnerinnen und ihre Sheroes. Jean Nouvel schuf für die Fondation Cartier laut Tagesspiegel eine Arena für radikale Kunsteinfälle. Stefan Kaegi rettet in "Die Zauberformel von Zürich" am dortigen Schauspielhaus laut Nachtkritik und pünktlich zu Weihnachten die Gletscher und den Frieden.
Bücherschau des Tages
10.11.2025 Dlf Kultur versinkt in der dunklen "Poesie der Vergänglichkeit" der bulgarischen Dichterin Maria Virchov. Die SZ muss in der Biografie der ehemaligen finnischen Ministerpräsidentin Sanna Marin einige Plattitüden umschiffen, landet dann aber bei einer beeindruckenden Frau. Die FR streift mit Jan Röhnert dichtend durch Steinbrüche und Streuobstwiesen. Und Dlf lässt sich von Sheila Fitzpatrick die viel zu unbekannten Geschichten sowjetischer Displaced Persons erzählen.
Dienstag, 11.11.2025
Magazinrundschau
11.11.2025 Granta vermisst den indischen Literaturkontinent. HVG trauert um Peter György. Der New Yorker ist jetzt schon frustriert beim Gedanken an das 250-Jahr-Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeit. New Lines betrachtet fasziniert Fotos der jesidischen Bevölkerung Iraks in den 1930ern. In Eurozine erklärt der Historiker Gary Gerstle, wo sich Donald Trump und Bernie Sanders ähneln. Die New York Times vermisst die Golden Hour auf den Schlachtfeldern in der Ukraine.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.11.2025 Widersprüchliche Berichte über das Museum of West African Art (MoWAA) in Benin City. Während laut SZ gestern eigentlich alles in Butter schien, auch wenn in dem unter anderem dafür gebauten Museum wohl nie Benin-Bronzen zu sehen werden, berichten taz und Zeit online über Tumulte und Chaos. Das Museum selbst bekennt sich untertänigst zum Oba von Benin. In der SZ spricht Martin Schulze Wessel über den deutschen Blick auf die Ukraine. Über die BBC wird diskutiert. Und über Martin Hikel.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.11.2025 Die FAZ schließt in der Hamburger Inszenierung von Michail Glinkas Oper "Ruslan und Ljudmila" die Augen und hört lieber nur der Musik zu. Die SZ guckt hin und lernt, wie sich ein Machtapparat zum Unterdrückungsregime entwickelt. Die NZZ feiert den schwedischen Klarinettisten und Performancekünstler Martin Fröst. In der FR erklärt die angolanische Architektin Paula Nascimento, warum 2027 so viele afrikanische Künstler auf der Sharjah Biennale in den VAE zu sehen sein werden. Der Standard meditiert über den Wiglwagl der Filmkritik.
Bücherschau des Tages
11.11.2025 Die FR bejubelt die vor Ideen überquellende Prosa im neuen Erzählungsband Salman Rushdies: Es geht um Geister, den Tod und die Sprache selbst. Dlf vermisst hingegen bei all der Fabulierlust einen höheren Sinn. Die FAZ freut sich über feministische Literatur aus Südkorea von Kim Eui-kyung, die die Patientinnen einer Kinderwunsch-Klinik begleitet. Ulrich Haltern erklärt ihr derweil die komplexen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten. Die NZZ erfährt von Karl Banghard, dass die Germanen weniger Krieger und mehr Jäger und Sammler waren.
Mittwoch, 12.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
12.11.2025 Bundespräsident Steinmeier bittet seinen Amtskollegen Abdelmadjid Tebboune um Begnadigung von Boualem Sansal, melden die Zeitungen. Die SZ fragt, ob deutsche Verlage heimlich Literatur aus Israel boykottieren. Die FR bestaunt in Berlin die ersten Readymades der Literatur, geschaffen von Raoul Hausmann. Die taz empfiehlt die Kompositionen von Emilie Mayer als Mittel gegen Novemberblues. Außerdem gratulieren die Zeitungen Neil Young zum Achtzigsten und David Szalay zum Booker-Prize.
9punkt - Die Debattenrundschau
12.11.2025 In der SZ warnt Pussy-Riot Aktivisten Maria Aljochina: Sie habe auch nicht geglaubt, dass es in Russland so schlimm kommen könnte: Aber "es wurde Realität". Die Diskussion um die BBC geht weiter - sie hat sich allerdings auf die Auseinandersetzung mit Trump verengt. Ein richtiger Eklat war die Rede von Jason Stanley in der Frankfurter Westend-Synagoge nicht, findet Ronen Steinke in der SZ, und intellektuell sei sie ein bisschen dürftig. Die Zeitungen trauern um Micha Brumlik.
Bücherschau des Tages
12.11.2025 Die NZZ sieht in Salman Rushdies neuem Buch "Die elfte Stunde" eine reichhaltige, zärtlich-melancholische Reflexion aufs eigene Überleben im Angesicht des Todes. Die FAZ liest im fünften Band der "Brautbriefe" von Sigmund Freud und Martha Bernays von der Sehnsucht des jungen Psychoanalytikers nach Frankreich und seinen Geldproblemen. Die FR freut sich über psychologische Feinheiten in den Erzählungen der argentinischen Schriftstellerin Samantha Schweblin, in denen das "Übel überall lauert". Die Welt stürzt sich mit Clemens Marschall ins Leben der Wanda Kuchwalek, die als "erster Zuhälter" die Straßen von Wien unsicher machte.
Donnerstag, 13.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
13.11.2025 Boualem Sansal ist nach der Begnadigung bereits in Deutschland eingetroffen: "Letztlich war es Deutschland, das Boualem Sansal - und Algerien - einen Ausweg bot", muss der Figaro konzedieren. Im Standard findet der in Bulgarien geborene Schriftsteller Dimitré Dinev den Begriff "migrantische Literatur" demütigend und "rassistisch". Zum wirklichen Skandal taugte die Raubkunst-Affäre bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen nicht, muss die SZ nach einem Expertenbericht einräumen. VAN beerdigt das repräsentative Zeitalter des Klassischen Konzerts. In seinem Film "Yes" über Israel nach dem 7. Oktober bricht Regisseur Nadav Lapid alle Tabus, staunt die FR.
9punkt - Die Debattenrundschau
13.11.2025 Und es gibt sie doch: Bürger, die AfD wählen, aber die durch Verbesserungen ihres Alltags für die Demokratie zurückgewonnen werden können, erklärt der ehemalige Verfassungsgerichtpräsident Andreas Voßkuhle in der SZ. Die NZZ besucht in Washington das "Milken-Zentrum für die Förderung des amerikanischen Traums" des Multimilliardärs Michael Milken. In der FAZ beklagt der Strafrechtler Michael Kubicielist die Abschaffung des Schuldprinzips durch die geplante Verschärfung des Terrorismusstrafrechts. In der Zeit fragt Ahmad Mansour, warum er eigentlich nachweisen muss, kein Muslimfeind zu sein.
Bücherschau des Tages
13.11.2025 Welt und Dlf freuen sich, dass Salman Rushdie mit seinen neuen Erzählungen wieder ganz der Alte ist. Die FAZ irrt mit Tomasz Rozycki in 130 Kurztexten durch Europa und findet die Wahrheit. Die SZ unterhält sich in Patti Smith’ zweiter Autobiografie Kröten und Beckett. Von Anthony Hopkins erfährt sie, wie er dem Alkoholismus entkam. Die taz blickt mit Sonja Eismann gnadenlos auf den Sexismus der Musikbranche. Und Dlf Kultur erfährt von Steven Pinker, wie wichtig gemeinsames Wissen ist.
Freitag, 14.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
14.11.2025 Das dänische Architekturbüro Bjarke Ingels Group gewinnt den Wettbewerb für Hamburgs neue Oper: Sieht aus wie Klingsors Zaubergarten - und teurer wird's bestimmt auch, mault die SZ. Hier wird eine neue architektonische Gattung begründet, freut sich indes Zeit Online. Die FAZ erklärt, weshalb es keinen Nachwuchs in der Architektur gibt. In Le Point gibt Kamel Daoud sein erstes Telefongespräch mit dem endlich aus der Haft entlassenen Boualem Sansal wieder. Die FR begegnet in Frankfurt dank August Gaul einem Orang-Utan auf Augenhöhe.
9punkt - Die Debattenrundschau
14.11.2025 Der Spiegel unternimmt einen Ausflug in die seltsame Welt der Öffentlich-Rechtlichen, wo es zu einem frechen Fernbleiben Daniel Günthers bei der Gala für den neuen NDR-Intendanten kam. Ein Gedenkstättenkonzept ohne Sichtbarmachung der Kolonialverbrechen hat heute keinen Sinn mehr, sagt der Historiker Jörg Ganzenmüller im Tagesspiegel. Jason Stanley wurde nicht zum Schweigen gebracht, er hat nur arg lang geredet, stellt Benjamin Graumann in der Jüdischen Allgemeinen klar.
Bücherschau des Tages
14.11.2025 Die FAZ lässt sich von Jörg Blech und Matthias Rillig in das brennende Problem der Bodenausbeutung- und erhaltung einführen. Wie bedroht die Natur und vor allem die Tiere sind, wusste die amerikanische Schriftstellerin Josephine W. Johnson schon 1969, bemerkt die FR. Um den Verlust der Arten geht es auch in dem von Matthias Jügler herausgegebenen Band, in dem Schriftsteller wie T.C. Boyle oder Clemens J. Setz Porträts der Stellerschen Seekuh oder des Schuppenkehlmohos zeichnen und den der Dlf empfiehlt. Dlf Kultur lernt die belarusische Lyrikerin Julia Cimefieva als fantastische Künstlerin kennen.
Samstag, 15.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
15.11.2025 Macron ist der Gehörnte in dieser Geschichte, sagt Pascal Bruckner, der dem französischen Präsidenten in der Welt vorwirft, im Fall Boualem Sansal versagt zu haben. Die FAZ erinnert indes an all jene, die weiterhin in Algerien inhaftiert sind. Auch in Düsseldorf wurde der Wettbewerb für einen Opernneubau entschieden - und zwar demokratischer als in Hamburg, meint der Tagesspiegel. Die Welt huldigt der Dokumentarfotografie auf der Paris Photo. Und alle trauern um den Schauspieler und Filmemacher Hark Bohm.
9punkt - Die Debattenrundschau
15.11.2025 Die Feuilletons klingen heute optimistisch: "Die neue Weltordnung wird die nachnationale Welt sein", ist sich der Schriftsteller Robert Menasse in der FAZ sicher. Der Soziologe Philipp Staab phrophezeit in der taz, dass sich rechte Klimawandel-Leugner nicht mehr lange vor der Realität verstecken können. Die FAS stellt derweil einen besonderen Unsympathen der Marke MAGA vor: Nick Fuentes, der die Bewegung mit seinem Antisemitismus spaltet.
Bücherschau des Tages
15.11.2025 Die FAZ erfährt von Jaime Bayly, weshalb Mario Vargas Llosa seinem Freund Gabriel García Márquez einst die Nase brach. Bei Gayl Jones lernt sie eine moderne Medusa kennen. Die FR reist mit Claudia Sievers durch ukrainische Mikrogeschichte in Peremoha. Die taz begibt sich derweil mit Alpa Shah und einer Gruppe maoistischer Guerillas, den Naxaliten, auf eine Reise durch Ostindien. Die Welt verliebt dich dank Roland Kaehlbrandt einmal mehr in die deutsche Sprache. Und der Dlf Kultur versucht zu ergründen, weshalb sich die Priester in Michal Ajvaz’ tschechischem Meisterwerk nur auf Skiern fortbewegen.
Montag, 17.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
17.11.2025 Nachtkritik und FAZ hören in Karin Henkels Hamburger Adaption von Ágota Kristófs "Das große Heft" den Überlebenden des Hamburger Feuersturms zu. Die NZZ lernt in Cyrill Boss' und Philipp Stennerts "Nibelungen"-Serie einen fast menschlichen Hagen kennen. Auch für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist das Risiko eines Museumseinbruchs allgegenwärtig, erfährt der Tagesspiegel im Interview mit Leiterin Marion Ackermann. Den palästinensischen Dichter Yousef el-Qedra stellt die Zeit vor.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.11.2025 Bei der Debatte um die Benin-Bronzen handelt es sich keineswegs nur um einen Innernigerianischen Streit, bei dem die hiesige Öffentlichkeit gleichgültig abwinken sollte, meint Nikolaus Bernau im Tagesspiegel. Der Neubau der Hamburgischen Staatsoper, ein Geschenk des Steuerflüchtlings Klaus-Michael Kühne, wird die Stadt Hamburg so roundabout 700 Millionen Euro kosten, meint die FAZ. Nicht Jason Stanley war das Problem, sondern die deutsche Printpresse, meint die Jüdische Allgemeine. Und laut Historikerin Dagmar Herzog in der FR handeln Rechtspopulisten nach der Devise "Du darfst".
Bücherschau des Tages
17.11.2025 Die FAZ ist hingerissen vom Humor, dem Freiheitsdrang und der unbedingten Theaterliebe Angela Winklers, die charmant ihre Autobiografie vorliest. Die NZZ lässt sich von Josefine Rieks' Influencer-Roman "Wie es euch gefällt" in einen fatalen Strudel aus Diät, Workout, Tierporn und Gewalt ziehen. Die SZ wird von Susanne Götze und Annika Joeres vor der europäischen Abhängigkeit von russischem Öl und Gas gewarnt. Dlf stellt sich mit Franziska Meiers Biografie den unzähligen Rätseln im Leben des Boccaccio.
Dienstag, 18.11.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
18.11.2025 Die FAZ beschreibt Friedrich Merz' begründete Angst vor der AfD, die ihn auch vor der Versuchung einer Minderheitsregierung bewahren dürfte. FAZ und t-online.de untersuchen zugleich die herzlichen Beziehungen von AfD und BSW zu Putins Russland. In der FR vergleicht Aleida Assmann Vergleichen und Gleichsetzen. In der SZ feiert Jimmy Wales seine Wikipedia als Modell der Öffentlichkeit. Zeit online findet heraus, dass Trump nicht von Armen, sondern von Rassisten gewählt wurde.
Efeu - Die Kulturrundschau
18.11.2025 Der Schriftsteller Ivo Andrić wird heute von allen Seiten vereinnahmt, besonders von großserbischen Nationalisten, erzählt in der Welt der Germanistikprofessor Vahidin Preljević. In der NZZ kennt der Dichter Michael Krüger kein Pardon für Unterhaltungsliteratur. Der Tagesspiegel lässt sich bei Lydia Steiers Inszenierung der Offenbach-Oper "Hoffmanns Erzählungen" in ein funkelndes New York entführen, die FAZ versinkt hingegen im Chaos. Die Feuilletons trauern um die Kessler-Zwillinge.
Magazinrundschau
18.11.2025 In New Lines erklärt der Politologe Mohamed Kheir Omer den schwelenden Konflikt zwischen Äthiopien und Eritrea. In HVG denkt Laszlo Darvasi über den Unterschied zwischen Fiktion und Autofiktion nach. Die London Review wiegt die Bösewichteigenschaften von Google und OpenAI gegeneinander ab. Der Guardian lernt die Rachegedanken in Syrien zu lesen. Hussein Aboubakr Mansour analysiert moralischen Sadismus am Beispiel der Filme Quentin Tarantinos. In Equator erklärt Amitav Ghosh, warum er dystopische Romane nie bis zum Schluss liest.
Bücherschau des Tages
18.11.2025 Die FAZ watschelt begeistert mit Thomas Steinfeld und der nordeuropäischen Wildgans durch das zwanzigste Jahrhundert. Die FR widmet sich mit Till Kösslers Biografie dem ewigen Faschisten Franco. Die taz begeistert sich für einen Bildband der DDR-Fotografin Sibylle Bergemann, die den Bau des Marx-Engels-Forum Westberlins festhielt. Dlf empfiehlt Sophia Klinks Roman "Kurilensee". Und Dlf Kultur wohnt mit Alaa al-Aswani den nächtlichen Sitzungen einer Gruppe von Freigeistern im diktatorischen Ägypten Gamal Abdel Nassers bei.
Mittwoch, 19.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
19.11.2025 Die FAZ erklärt die komplizierte Entschlüsselungsarbeit der beiden neu aufgetauchten Bach-Werke. Nicht mehr als "Fingerübungen eines Minderjährigen", winkt der Tagesspiegel hingegen ab - und freut sich mehr über die Wiederentdeckung des deutschen Impressionisten Theo von Brockhusen in Potsdam. Die taz erinnert sich in Leipzig daran, wie früh DDR-Künstler sich mit Digitalisierung auseinandersetzten. Die Welt erkennt die wahren Probleme im Stadtbild. Oliver Frljics Adaption von Adania Shiblis Roman "Eine Nebensache" wurde kurz vor der Premiere am Gorki-Theater abgesagt, meldet die Berliner Zeitung.
9punkt - Die Debattenrundschau
19.11.2025 Zeit online beleuchtet die frauenverachtenden Gesetze zu Vergewaltigung im Iran. In der FAZ erzählt die ehemalige Kulturkorresondentin Kerstin Holm, wie sie in Russland zur persona non grata wurde. Die SZ fragt, warum die Kimabewegung den Klimawandel langweilig findet und sich lieber gegen Israel positioniert. Wolfram Weimers halbseidene "Summits" für Leistungsträger werden nun auch von den Qualitätsmedien unter die Lupe genommen.
Bücherschau des Tages
19.11.2025 Die FAZ sieht die nach vierzig Jahren wiederentdeckte türkische Autorin Tezer Özlü in einer Reihe mit Ingeborg Bachmann und Sylvia Plath. Mit Colette Andris' Roman "Eine Frau, die trinkt" verliert sie sich im Rausch. Die FR plädiert mit Thomas Piketty "Für einen ökologischen Sozialismus". Die NZZ folgt Lili Körber ins New Yorker Exil der Dreißiger Jahre, "durchweht von den Stimmen der Emigration". Dlf Kultur wird von Basma Hallaks Jugendroman darüber aufgeklärt, was Kinderfotos im Internet anrichten können.
Donnerstag, 20.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
20.11.2025 Die NZZ lernt in Aarau kritisch auf KI-generierte Bilder zu schauen. Die Welt spekuliert, weshalb das Gorki-Theater Oliver Frljićs Adaption von Adania Shiblis Roman "Eine Nebensache" so kurzfristig aus dem Programm genommen hat. Die Zeit fordert verpflichtende Abgaben für Streaming-Dienste, um dem deutschen Kino wieder auf die Beine zu helfen. Die taz vergnügt sich mit Menschen angelnden Fischen in Kassel.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.11.2025 Es sind Muslime, die ihre Kinder vor Islamisten schützen wollen, ruft Güner Balci Linken zu, die den Kampf gegen Islamisten rassistisch finden. In der FAZ schreibt Amir Hassan Cheheltan über die Selbstverbrennung des Studenten Ahmad Baldi im Iran, der nur eines wollte: leben. NZZ und taz erinnern an das Ende der Franco-Diktatur vor fünfzig Jahren: Die Vergangenheit wurde in Spanien bis heute nicht wirklich aufgearbeitet, kritisiert die NZZ. Immerhin gibt es heute eine Debatte, erklärt der Journalist Emilio Silva in der taz. In der Zeit erklärt George Packer, warum ein Roman heute die Welt realer macht als jeder politische Kommentar.
Bücherschau des Tages
20.11.2025 Fasziniert blickt die FR in einem Bildband über Insekten der Hirschlausfliege in die Augen. Begeistert begibt sich der Dlf mit Oswald Egger in den Kopf von Oskar Fiala. Außerdem staunt er über die Aktualität von Aldous Huxleys "Aufruf zu Wachsamkeit und Engagement". Dlf Kultur tröstet sich mit der sizilianischen Schriftstellerin Maria Messina und gerösteten Kichererbsen über die Härte des Lebens hinweg. Die Zeit erscheint heute mit einer kleinen Weihnachtsbeilage - und legt uns besonders Manfred Pfisters Prachtband über die englische Renaissance ans Herz, auf den selbst England neidisch sein dürfte.
Freitag, 21.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
21.11.2025 Monopol lässt sich von Kara Walker in Berlin jenen Teil amerikanischer Geschichte servieren, der so gern verschwiegen wird. Der Tagesspiegel erinnert sich im Berliner Club Ritter Butzke wehmütig an eine untergegangene Clubkultur. SZ und Welt fragen sich mit Blick auf den Fall Konstantin Wecker, wann sich die Linke dem strukturellen Machtmissbrauch in den eigenen Reihen stellen möchte. In Eran Riklis' Film "Lolita lesen in Teheran" kämpft eine Literaturdozentin gegen das iranische Regime - die SZ feiert eine "Ode an die Freiheit", der FAZ fehlt's an Tiefe. Hat das heutige Theater ein Gewaltproblem, fragt die nachtkritik.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.11.2025 In der SZ sieht Jürgen Habermas schwarz für die Zukunft Europas. Vom Ukrainekrieg profitiert nur einer: Xi Jinping, meint Viktor Jerofejew in der FAZ. Xi ist allerdings von Paranoia geplagt, das lässt für China nichts Gutes erwarten, warnt in der NZZ der amerikanische Politikwissenschaftler Brahma Chellaney. Die Brandmauer muss bleiben, fordert in der SZ die Politikwissenschaftlerin Heike Klüver. Die nützt allerdings nichts mehr, wenn die AfD stärkste Partei wird. Die Zeit fragt: Wo sind eigentlich die anderen Parteien in Sachsen-Anhalt?
Bücherschau des Tages
21.11.2025 Die FAZ lässt sich von der portugiesischen Autorin Lidia Jorge in den Mikrokosmos eines Altenheims entführen. So schreibt man klug über Popmusik, lobt die taz nach der Lektüre von Hendrik Otrembas Essays über die Kölner Band Can. Die Welt erfährt von dem Politikwissenschaftler Jan Gerber, wie der Erinnerung an den Holocaust immer wieder ausgewichen wurde. Der Dlf staunt, wie Sasa Stanisic selbst das öde Genre der Dankesreden sprengt. Dlf Kultur empfiehlt mit Tezer Özlüs Erinnerungen an "Die kalten Nächte der Kindheit" ein "dunkel schimmerndes" Buch und schaut amüsiert Tine Steens kochenden Affen über die Schulter.
Samstag, 22.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
22.11.2025 Die NZZ schwelgt in London in den hingehauchten Reifröcken der Marie Antoinette. In der FAS erklärt der russische Lehrer und Dokumentarfilmer Pavel Talankin, wie Kinder in Russland zu "Patrioten" erzogen werden. Die SZ verneigt sich in München vor dem Werk des Malers und Bildhauers Hermann Glöckner, der sich von keiner deutschen Diktatur vereinnahmen ließ. Und Zeit Online bleibt das Lachen im Halse stecken, wenn sich das Kollektiv Frankfurter Hauptschule in München 482 Titel der Kulturgeschichte entgegen ruft.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.11.2025 Die Ukraine muss entscheiden zwischen dem Verlust ihrer Würde oder dem Verlust ihres wichtigsten Alliierten, sagt Wolodimir Selenski in einer ersten Reaktion auf Trumps "Friedensplan", der eine notdürftig abgesicherte Kapitulation der Ukraine vorsieht. Kriegstreiber Putin wird von Trump belohnt, kommentieren Carlo Masala in Zeit online und Phillips Payson O'Brien im Atlantic. Die NZZ schildert die politische Macht der hindunationalistischen Bewegung RSS, die ihren hundertsten Geburtstag feiert.
Bücherschau des Tages
22.11.2025 Dlf Kultur und die Welt sind tief beeindruckt vom Augenzeugenbericht Eli Sharabis über seine "491 Tage" Geiselhaft in den Tunneln der Hamas, der ganz ohne politische Botschaft auskommt. Nicht weniger berührt liest der Dlf die Erinnerungen Irina Scherbakowas an eine Zeit, als sie zusammen mit Memorial auf den endgültigen Niedergang des Stalinismus hoffen konnte. Außerdem empfiehlt der Dlf empfiehlt Roberto Grossis Graphic Essay über den Klimawandel "Die große Verdrängung" für Jugendliche. Die taz vertieft sich mit roten Ohren in Steffen Martus' Literaturgeschichte seit 1989. Die SZ sieht mit Nava Ebrahimi "Federn überall", auch in Gestalt weißer Geisterhühner.
Montag, 24.11.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
24.11.2025 Der Witkoff-Dmitriev-Pakt steht in der Tradition des Hitler-Stalin-Pakts, notiert Anne Applebaum im Atlantic. Angesichts der "hybriden Kriegsführung" Russlands fordert Herfried Münkler im Tagesspiegel eine dezidiertere Gegenwehr. Im Spiegel empfiehlt sich der Politologe Daniel Marwecki als Abstiegsmanager für den Westen. Im Standard kritisiert Hanno Loewy linkes Identitätsdenken. Im Blog von Michael Miersch zieht Marko Martin eine Linie vom Antitotalitarismus zu den Dissidenten des Islam. Und die Erasmus-Uni Rotterdam entschuldigt sich bei Eva Illouz.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.11.2025 Boualem Sansal gibt erste Interviews nach seiner Freilassung. Cherien Dabies' Film "Im Schatten des Orangenbaums" beeindruckt die Kritiker durch bewegende Aufnahmen von Orangenhainen und palästinensischen Familien - politisch hat er hingegen blinde Flecken. Die FAZ staunt, wie die Tokioter Art Week Natur und Kultur vereint. Evgenji Titovs "Salome"-Inszenierung gibt den Kritikern avantgardistische Rätsel auf. Der Tagesspiegel schwingt die Beine zu den jazzigen ukrainischen Schlagern, die der Lwiwer Homin-Chor performt.
Bücherschau des Tages
24.11.2025 Die SZ macht sich mit Büchern von Daniel Marwecki, Martin Kobler und Peter Köpf Gedanken darüber, wie die neue Weltordnung aussehen wird. Die FAZ geht mit Emily Baker-White dem Phänomen "TikTok" auf den Grund. Mit Cornelia Funkes Geisterjägern vertreibt sie einen WBS, einen Weihnachtsbaumspuk. Die FR empfiehlt Andras Viskys "Die Aussiedlung" über eine Familie, die sich gegen die Grausamkeit der rumänischen Arbeitslager mit Poesie zu helfen weiß.
Dienstag, 25.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
25.11.2025 Die Filmwelt trauert um den Schauspieler Udo Kier: der konnte Bösewichte wie kein anderer, erinnert die SZ. Die FAZ schaut dank des Sanierungsentwurfs der heneghan peng architects in den Himmel über der Berliner Gedächtniskirche. Die NZZ freut sich über kuriose Klangperformances beim "Forward"-Festival für zeitgenössische Musik in Berlin, bei dem auch schonmal gefaucht und geschnurrt wird.
9punkt - Die Debattenrundschau
25.11.2025 FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube lässt kein gutes Haar an Kulturminister Wolfram Weimer. In der SZ stellt sich Claudius Seidl ebenfalls kulturpolitische Fragen: Sollte man die Subvention großer Häuser in Berlin nicht einfach reichen Leuten überlassen? Die taz zieht eine recht positive Bilanz des Kulturhauptstadtjahrs in Chemnitz. Die NZZ hat herausgefunden, warum es mit den Tories und Labour parallel bergab geht.
Magazinrundschau
25.11.2025 Der New Yorker bringt eine große Reportage aus dem Ostkongo, in dem sich über hundert Milizen bekämpfen. In Africa is a Country bedauert und kritisiert der Dichter Efe Paul-Azino die Intellektuellen in Nigeria. Die LRB blickt auf 15 zerschnittene Gutenberg-Bibeln. In Eurozine sprechen die Investigativjournalisten Andrei Soldatov und Irina Borogan über "Our Dear Friends in Moscow". In Irozhlas kritisiert der tschechische Sicherheitsanalytiker und Oberst Otakar Foltýn den absoluten Dilettantismus des US-Friedensplans für die Ukraine. Die London Review lernt, wie Cybercrimes in Indien das Kastenwesen in Frage stellen.
Bücherschau des Tages
25.11.2025 Die FAZ lässt sich mit der niederländischen Schriftstellerin Connie Palmen auf sieben intellektuelle Liebschaften ein. Mit Peter Licht versucht sie, die vom Kapitalismus befeuerte Depression in poetische Energie umzuwandeln. Die SZ staunt darüber, dass Aldous Huxley in seinem Essay "Zeit der Oligarchen" schon 1945 die Energiewende forderte. Und Dlf Kultur findet es großartig, wie der finnische Autor Volter Kilpi in seinem Roman "Zur Kirche" die Einwohner der nördlichen Schären porträtiert.
Mittwoch, 26.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
26.11.2025 Im von der Welt übersetzten Figaro-Interview spricht Boualem Sansal über seine Verhaftung. Die SZ singt eine Hymne auf Shermin Langhoff, die das Gorki-Theater verlässt. Monopol fragt sich in London: Ist Peter Doig der aufgeklärte Gauguin? Die FAZ träumt mit dem Animationsfilm "Zoomania 2" von einer von Tieren verwalteten Welt. Die taz schaut sich um in georgischen Clubs, in denen der Techno noch brennt.
9punkt - Die Debattenrundschau
26.11.2025 Im Spiegel schildert die Uno-Mitarbeiterin Denise Brown die grausame Gewalt im Sudan. Der Tagesspiegel hört bei der Gründungsveranstaltung der "Bundesarbeitsgemeinschaft Shalom" haarsträubende Beispiele für linken Antisemitismus. Die taz geißelt die neu besetzte Taskforce Islamismusprävention als rechts, weil Islamkritiker wie Ahmad Mansour und Güner Balci beteiligt sind. Unterdessen steigt die Zahl der Selbstmorde im Iran, berichtet ebenfalls die taz. Die FAZ blickt auf das traurige Spektakel um die BBC.
Bücherschau des Tages
26.11.2025 Die SZ erfährt aus einer neuen Essay-Sammlung von Karl Ove Knausgard, was ein ABBA-Hologramm mit Odysseus zu tun hat. Die NZZ verfolgt gespannt Peter Waterhouse' Recherche über das Leben seines Großvaters, der sich vom passionierten Karl-Krauss-Leser zum Nazi wandelte. Die FR wandert duch Louise Erdrichs Panorama des ländlichen Amerikas und findet dort mysteriöse Frauen, "Monstermaschinen" und viel Glyphosat. Dlf Kultur stöbert mit dem isländischen Schriftsteller Ragnar Helgi Ólafsson durch die sagenhafte Bibliothek seines Vaters.
Donnerstag, 27.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
27.11.2025 Die Kritiker spüren mit Julian Radlmaiers Film "Sehnsucht in Sangershausen" der deutschen Seele nach. Die FAZ reist ins wohlhabendste Viertel von Barcelona, wo das Büro Vivas Arquitectos eine Obdachlosenunterkunft gebaut hat. Die taz staunt im Berliner Savvy Contemporary, wie Künstler dem Material der Kolonisierung seine Bedeutung zurückgeben. Die Feuilletons lauschen dem Komponisten Helmut Lachenmann zum Neunzigsten - vom tonlosen Blasen bis zum Klappenschlag.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.11.2025 Erbarmungslose Gewalt setzt sich durch, wenn es Russland am Ende mit Trumps Hilfe gelingt, der Ukraine Land zu rauben, kommentiert Reinhard Müller in der FAZ - dennoch hat man den Eindruck, dass sich viele Akteure mit einem Trumpschen "Friedensplan" arrangieren könnten, etwa der Soziologe Hartmut Rosa in der Zeit. Im Spiegel warnt der Historiker Andreas Wirsching die gegenüber Schurken stets knieweiche deutsche Wirtschaft vor einer Annäherung an die AfD. Der Hamburger Antisemitismusbeauftragte Stefan Hensel erklärt in der Jüdischen Allgemeinen, warum er hinschmeißt - kein Rückhalt in der Politik.
Bücherschau des Tages
27.11.2025 FR und taz lernen von Booker-Preisträger David Szalay, was auf der Strecke bleibt, wenn man ein "Mann von Format" werden möchte. Bewegt liest die FAZ die Texte, die der Musiker Yuriy Gurzhy den stillen Charkiw-Fotos seines Vaters gegenüberstellt. Die Zeit kommt dank Monika Kim auf den Geschmack von Fischaugen. Der Dlf staunt, dass Stephen King das Märchen von "Hänsel und Gretel" kindgerechter erzählt als die Gebrüder Grimm. Und der Dlf Kultur bricht mit Eva Baltasars eigenwilliger Heldin mit allen Konventionen.
Freitag, 28.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
28.11.2025 Der Tagesspiegel schaut mit John Singer Sargent den Reichen und Schönen von Paris in die Augen. Der amerikanische Künstler Richard Hawkins enthauptet indes eben jene, stellt Monopol verstört in Wien fest. Die FAZ wendet sich in Wien lieber frischen Avantgarde-Stimmen der Neuen Musik zu. Im SZ-Gespräch glaubt die amerikanische Schriftstellerin Jamaica Kincaid, dass der Holocaust "1492 in Spanien seinen Ursprung nahm". Und die Welt feiert einen Roboterhund in Wolfgang Menardis Inszenierung des "Richard III." am Burgtheater.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.11.2025 Die Deutschen haben keine positive Zukunftsvision mehr, sie wissen nur, was sie nicht wollen, meint die Politikwissenschaftlerin Florence Gaub im Interview mit der Zeit. Im Interview mit der FR beschreibt der Osteuropahistoriker Martin Schulze Wessel das von Russland-Nostalgie geprägte Verhältnis Deutschlands zur Ukraine. Der Tagesspiegel überlegt, welche Folgen die Verurteilung des britischen Politikers Nathan Gill wegen Bestechlichkeit für die AfD-Mitglieder Peter Bystron und Maximilian Krah hat. Und eine gute Nachricht: Verschwörungstheorien sind in Deutschland längst nicht so populär wie in Ungarn, Polen oder den USA, meint in der SZ der Kulturwissenschaftler Michael Butter.
Bücherschau des Tages
28.11.2025 Die taz feiert Verena Luekens Porträts "Alter Frauen" als echte Welterweiterung. Die FAZ verdankt Dava Sobel eine gut lesbare Biografie über Marie Curie. Die NZZ liest indes zwei Hannah Arendt- und eine Max Imboden-Biografie. Die FR dringt mit märchenhaften Geschichten von Sabrina Orah Mark zum Wesen der Dinge vor. Und Dlf Kultur empfiehlt Christiane Hawraneks und Katja Paysen-Petersens Beitrag über Machtmissbrauch im Yoga.
Samstag, 29.11.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
29.11.2025 Vielleicht ist Christian Marclays "The Clock" der beste Film überhaupt, überlegen die Kritiker ob des 24-stündigen Mammutwerks. Claude Lanzmanns "Shoah" bekommt eine Ausstellung im Jüdischen Museum, die FAS ist beeindruckt. Enrico Lübbes Inszenierung von Lukas Rietzschels Stück "Der Girschkarten" überzeugt die Kritiker in Leipzig durch Schauspielkunst und intellektuellen Furor. Die FAZ ärgert sich über den Bärendienst, den Louis C.K. und Woody Allen der Literatur erweisen. Der Sound der New Yorker Band Say She She geht für die taz einfach richtig gut rein.
9punkt - Die Debattenrundschau
29.11.2025 Zwar ist Trumps "Friedensplan" für die Ukraine nicht das Münchner Abkommen von 1938, stellt der Osteuropa-Historiker Martin Schulze Wessel in der FAZ klar, Putins Propaganda ähnelt aber sehr der von Hitler. Die FAS trifft den Schriftsteller Ezzio Gavazzeni, dessen Enthüllungen über Menschenjagd-Tourismus während des Jugoslawienkrieges für Entsetzen sorgen. In der SZ fragt die Schriftstellerin Nava Ebrahimi, warum Frauen in Japan und Deutschland keine Kinder mehr bekommen wollen. In der FAZ erinnert die Literaturwissenschaftlerin Sigrid Weigel daran, wie Hannah Arendt aus der Flüchtlings-Perspektive Einsichten für die europäische Geschichte gewann.
Bücherschau des Tages
29.11.2025 Die FAZ wandelt fasziniert durch die "labyrinthische Identitätsprosa" Ishbel Szatrawskas und erlebt die letzten Tages Königsbergs. Die taz fährt mit Hu Anyan in China Pakete aus - unter unwürdigen Bedingungen, aber mit Raymond Carver, Kafka und Joyce im Gepäck. Außerdem schmökert sie in Barbara Yelins Comic über das Leben der jüdischen Theaterschauspielerin Therese Giehse. Dlf erlebt Arno Schmidt in seinen Tagebüchern als unsäglichen Unsympathen. Und Dlf Kultur empfiehlt den Roman "Wir sind das Leben" der britischen Jungautorin Saba Sams.