Freitag, 01.02.2013
Heute in den Feuilletons
01.02.2013 Die Welt erinnert sich mit Rainer Fetting wärmstens an das New York der siebziger Jahre. Im Perlentaucher definiert der Konstanzer Soziologe Bernhard Giesen monotheistische Gewalt als Reaktion auf die "Beleidigung Gottes". Die NZZ annonciert eine linguistische Revolution in der Schweiz. Die taz singt mit Heino Rammstein. Die SZ fordert mehr Mut von Beamten. Die FAZ fordert mehr Stellen für Provenienzforschung in Bayern.
Bücherschau des Tages
01.02.2013 Wahre Helden begegnen der SZ auf Tomasz Gudzowatys erhabenen Fotos vom Zerlegen gigantischer Schiffswracks in Bangladesch. Außerdem streift sie mit André Pieyre de Mandiargues durch Barcelonas Nuttenviertel. Die FAZ ist fasziniert von Hanns-Josef Ortheils Roman "Das Kind, das nicht fragte" über einen sprachgestörten Ethnologen. Und die FR sucht vergeblich nach Hoffnung in den Südafrika-Thrillern von Deon Meyer und Mike Nicol.
Medienticker-Archiv
01.02.2013 Der Journalismus ertrinkt in einem Meer von Texten, meint Wolfgang Michal - Qualitätsmedien im Web: Trägermasse für Klick-Fabriken - Bald FAZ-FR? Anfrage beim Kartellamt - AGOF: Spiegel bringt bei den Nachrichten-Websites Bild in Bedrängnis - Cyber-Angriff made in China auf New York Times & das Wall Street Journal - Hype oder Zukunft: Wie groß ist das revolutionäre Potential der Makers?
Karikaturen und Cartoons
01.02.2013 Case Closed.
Samstag, 02.02.2013
Heute in den Feuilletons
02.02.2013 Claude Lanzmann erzählt der taz, wie er die Nazis austrickste. In der SZ sucht Jörg Scheller vergeblich nach Arnold Schwarzeneggers semantischem Kern. Ahmad Mansour denkt in der FAZ über Ehrenmorde nach. Die NZZ widmet sich dem Judentum. Und in der Welt stellt die Ethnologin Ingrid Thurner fest, dass die jahrzehntelangen Anstrengungen zur schriftsprachlichen Gleichbehandlung der Geschlechter nach hinten losgegangen sind.
Bücherschau des Tages
02.02.2013 Tief bewegt zeigt sich die FAZ von David Grossmans Buch "Aus der Zeit fallen", in dem der Autor die Trauer über den Tod seines Sohnes im Libanonkrieg verarbeitet. Als einen Glücksfall preist sie außerdem Magdalenas Kempers Audiobook "Als Kind wünschte ich mir goldene Locken" mit Gesprächen mit Holocaust-Überlebenden. Die taz lässt sich von Willi Jasper das tragische Leben der Großschriftsteller-Schwester Carla Mann näherbringen, von Almudena Grandes ins franquistische Spanien entführen und von Holger Balodis und Dagmar Hühne in Sachen Altersvorsorge beraten.
Montag, 04.02.2013
Heute in den Feuilletons
04.02.2013 Das Wall Street Journal berichtet über ein Buch von Google-Chef Eric Schmidt, der China als die gefährlichste Macht im Netz beschreibt. Jan Assmann macht keinen wirklichen Rückzieher, meint die Presse in einem Bericht über die Debatte um Monotheismus und Gewalt. Die Welt berichtet über Stephen Kings E-Book gegen Waffen. Die SZ fordert mehr Feinfühligkeit in der politischen Debatte. Die FAZ ist enttäuscht: Google hat sich in Frankreich aus dem Leistungsschutzrecht freigekauft.
Bücherschau des Tages
04.02.2013 Als reine Poesie rühmt die SZ den neuen Roman der Kroatin Marica Bodrozic "Kirschholz und alte Gefühle". Außerdem lernt sie viel über Bier und Steinkrüge in Bayern. Beeindruckt verfolgt die FAZ, wie Amy Waldman in ihrem 9/11-Roman "Der amerikanische Architekt" Prinzipientreue und Machtinteressen aufeinanderprallen lässt. Gleich doppelt deprimiert haben die FR die Geschichten, die Autoren wie Vicki Baum, Fritz Kortner oder Heinrich Mann im Exil für Hollywood schrieben.
Medienticker-Archiv
04.02.2013 Michael Naumann über die gegenwärtige Debattenkultur - Formate der Freiheit: Michael Schikowski über Digitalisierung und Bibliotheken - Ein unbegrenztes Universum: Die erfundenen Bibliotheken der Weltliteratur - Theater-Nachtkritiken : u. a. Hau den Kasimir in Frankfurt und Kafkas Schloss in Salzburg - Literaturfestival Ham.lit: Buchverkostung mit Band + Stoiber on Drums: Ein getrommeltes Gedicht.
Karikaturen und Cartoons
04.02.2013 Neue Anreize.
Dienstag, 05.02.2013
Magazinrundschau
05.02.2013 In der NYRB bewundert Lorrie Moore das Shakespearesche Format der Agenten in "Homeland". In der LRB lernt Stephen Smith über Mali: Wenn nichts mehr hilft, bleibt nur noch "Schlag den Maulwurf". Der Sozialismus ist eine bürgerliche Idee, erklärt der Historiker Jacques Julliard in nonfiction. In Elet es Irodalom möchte Miklós Tamás Gáspár die Hochschulen revolutionieren. Der Economist feiert das neue skandinavische Supermodel. In Eurozine warnt Ivan Krastev vor dem transparenten Staat. Der National Geographic reist durch ein reformwilliges Libyen.
Heute in den Feuilletons
05.02.2013 In der taz liest Micha Brumlik Marx über Lincoln und findet, dass die Lektüre eher gegen Marx als gegen Lincoln spricht. Die NZZ staunt unterdessen über die hippe Zeitschrift Jacobin, die dem Marxismus Sinnlichkeit einhauchen will. In der FR erklärt der Sinologe Kai Vogelsang, warum die chinesische Geschichte umgeschrieben werden muss. The Nation befasst sich ausführlich mit Thomas Bernhard und Siegfried Unseld, Buzzfeed mit kalifornischen Techniken der Entkaterung. Und Stefan Niggemeier findet die neue Google-Bildersuche dreist.
Bücherschau des Tages
05.02.2013 Kühn findet die NZZ Ronald Dworkins moralphilosophisches Großwerk "Gerechtigkeit für Igel", vielleicht sogar tollkühn. Respektivoll arbeitet sich die SZ durch Anthony Kennys vierbändige "Geschichte der abendländischen Philosophie". Die taz liest mit nur mäßiger Begeisterung die Autobiografie des großen Menschenkenners Mark Twain.
Medienticker-Archiv
05.02.2013 Huffington Post: Macht Gruner + Jahr die deutsche HuffPo? - Historisches Abkommen oder Spaltpilz: Google legt Streit mit Verlegern in Frankreich bei - Reporter: Der aussterbende Berufsstand - Datenjournalismus 1/13: Eine Auswahl von Links - Rassismus & PC: Ijoma Mangold und Rene Aguigah über Neger und Blackfacing + Marietta Slomka über "Polit-Schönsprech" und Rock'n'Roll vergangener Tag.
Mittwoch, 06.02.2013
Heute in den Feuilletons
06.02.2013 In der NZZ erklärt John Burnside, warum er sich zu jener Minderheit von Briten zählt, die sich als Europäer fühlen. Die Welt kritisiert die Aberkennung von Annette Schavans Doktortitel als infam. Abschreiben kann auch eine Tugend sein, findet die FAZ - sofern man bei Meyerbeer abschreibt. Im Perlentaucher fragt Bernhard Lang: Warum hat Mose nicht getanzt? Und Lukas Förster blickt auf die Berlinale. Die SZ kann den Kummer der Professoren über ihre Besoldung verstehen. Und die FR erschrak bei Max Ernst.
Bücherschau des Tages
06.02.2013 Angenehm authentisch und ausgewogen findet die NZZ die von Jochen Hellbeck zusammengetragenen "Stalingrad-Protokolle". Die FAZ vollzieht mit Jeanloup Sieffs schwarzweißen Modefotografien den Wandel des Frauenbilds seit den fünfziger Jahren nach. Und in der taz freut sich Micha Brumlik über die Rückkehr der legendären Fischer Weltgeschichte.
Essay
06.02.2013 Ist es überhaupt sinnvoll, von einer "mosaischen Unterscheidung" zu sprechen? Nur die Lektüre der Bibel gibt hierüber Aufschluss. Ein Beitrag zur Monotheismus-Debatte.
Medienticker-Archiv
06.02.2013 Titelkampf: Doktor ade, Ministerin a.D.? Peter V. Brinkemper über Grundsätzliches - Frankfurter Rundschau: Türkischer Verleger will neues Übernahme-Angebot vorlegen - Rundfunkgebühr: ARD verspricht Änderungen bei GEZ-Beitrag - Mary Douglas Leakey: Ein Leben für menschliche Fossilienfunde - Kurzfilm, besonders wertvoll: Wendland Shorts: Gisberta - Bob Dylans "Like A Rolling Stone" als Theaterabend + Lex Po: Klaus Theweleit über die Sexismusdebatte.
Donnerstag, 07.02.2013
Heute in den Feuilletons
07.02.2013 Die Welt träumt von einer Tanzmetropole namens Berlin. Der Freitag verortet den deutschen Film zwischen Überproduktion und Desinteresse des Publikums. Stefan Niggemeier erklärt, warum man in Deutschland keine Bücher über eine langjährige Krimireihe der ARD mit sechs Buchstaben schreiben darf. In der Zeit macht sich Hans-Ulrich Wehler Sorgen über die wachsende Ungleichheit in Deutschland. Der SZ fehlen im Berlinale-Wettbewerb die Weltpremieren und Meisterwerke.
Bücherschau des Tages
07.02.2013 Anlässlich der Berlinale liest die FAZ Hans Helmut Prinzlers Studie über "Die Filme der Weimarer Republik" und betrachtet wehmütig Ulf Buschmanns Fotos von Berliner Kiezkinos. Die NZZ ist beglückt von Jean-Philippe Toussaints Essayband "Die Dringlichkeit und die Geduld". Die taz bejubelt Boualem Sansals "kleine Weltgeschichte" des Maghreb. Und die SZ wirft mit Jörg Winde einen Blick in "Bürgermeisterzimmer in Deutschland".
Vorgeblättert
07.02.2013 In ihrem Roman "Quasikristalle" erzählt Eva Menasse die Biografie der Xane Molin in dreizehn Kapiteln ausschließlich aus der Perspektive anderer: der Schulfreundin, des Vermieters, der Ehefrau ihres Geliebten, einer Jugendfreundin oder der Tochter. Lesen Sie hier einen Auszug.
Medienticker-Archiv
07.02.2013 Gregor Keuschnig zur Grimme-Preis-Nominierung des Dschungelcamps - GEZ-Imagekampagne von ARD und ZDF: Steuerzahlerbund fordert Aufklärung - Angebot für die FR: "Nicht ernst zu nehmen" - Polizeirazzia bei Pressefotografen: Angeblich aus Versehen - Online-Geschäfte: Amazon patentiert Handelsplattform für gebrauchte Dateien & Googles Geheim-Abkommen wird in Frankreich noch geschrieben.
Meldungen
07.02.2013 Die Leipziger Buchmesse gibt die Kandidaten für den Preis der Buchmesse in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzungen bekannt.
Karikaturen und Cartoons
07.02.2013 Ohne Titel.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
07.02.2013
Bruce Lee war der große Pragmatiker und Eklektiker des Kung-Fu: "Sei Wasser", war sein Leitspruch - nicht die Verbundenheit zu einer bestimmten Schule, sondern die Situation beherrschte seinen Kampfstil: Gut ist, was praktisch ist, Stiltreue nur soweit von Belang, wie sie im Moment weiterhilft. Einen ganz ähnlichen Pragmatismus hört man zu Beginn von "The Grandmaster", dem Berlinale-Eröffnungsfilm von Jury-Präsident Wong Kar-Wai, der darin Schlaglichter auf das Leben von Ip Man (Tony Leung), Bruce Lees Lehrmeister, wirft: Im Grunde läuft bei Kung-Fu alles auf zwei Begriffe hinaus - horizontal und vertikal. Einer steht, einer liegt am Boden.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
07.02.2013 Lucy Raven: "RP 31"
Außer Atem: Das Berlinale Blog
07.02.2013 
Die Würdigung
japanischer Studioregisseure zählt zu den in den vergangenen Jahren am meisten liebgewonnenen, jüngeren Traditionen der Berlinale, respektive des Forums. Will einen aus dem Festivalprogramm womöglich auch sonst nichts anspringen - auf die japanische Hommage im Forum ist stets Verlass.
Freitag, 08.02.2013
Heute in den Feuilletons
08.02.2013 Die Welt besucht Luthers Sterbehaus. Die NZZ fordert - im Sinne Europas - Gerechtigkeit für Richard III.! In Faust Kultur will Detlev Claussen nichts wissen von einer Verteidigung Annette Schavans. Die taz diagnostiziert eine gewisse Betretenheit in Akademikerkreisen. Die SZ findet: Klagen ist auch nicht der richtige Weg. Paris Match weiß, welches Gesicht der Ursprung der Welt hat.
Bücherschau des Tages
08.02.2013 In ihrem satirischen post-Nine-Eleven-Roman "Der amerikanische Architekt" hält die Journalistin Amy Waldman der US-Gesellschaft einen blank geputzten Spiegel vor, staunt die FR. Nach der Lektüre von Julia Haig Gaissers Monografie über "Catull" meint die SZ: wenn schon Latein, dann bitte obszön! Die FAZ denkt sich in "Die Poesie der Zeichensetzung" ein und träumt mit Roberto Calasso den "Traum Baudelaires".
Bücherbrief
08.02.2013 In diesem Monat begleiten wir einen galizischen Rabenforscher, stürzen Haile Selassie, bewundern die russische Décadence, spazieren angespannt durch den Jardin du Luxembourg und träumen den Traum Baudelaires. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Februar.
Medienticker-Archiv
08.02.2013 Ein Dichter und sein Ort: Jan Philipp Reemtsma über Christoph Martin Wielands "Aristipp und einige seiner Zeitgenossen" - Drohender Gebühren-Boykott: GEZ-Proteste zeigen Wirkung - Düsseldorf setzt auf Digitales: Rheinische Post übernimmt Anzeigenportale - Peerblog: Aus die Maus & Die Spur der Scheine - Kids-TV 2013: "Nichts ist bei uns so konservativ wie Kinderfernsehen" + Lyrik-Verachtung: Bei Alfred Döblin und anderen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
08.02.2013
Wo man hinschaut: schmutzige Scheiben. Oft dreht Gus van Sant durch Scheiben hindurch, so dass man die Schlieren auf dem Glas sieht. Oder das Licht auf der Frontscheibe eines Autos reflektiert so, dass Matt Damon dahinter nur schemenhaft erkennbar ist. Ein Kontrast zu den weiten Panoramen oder den aus einiger Höhe aufgenommenen Gottesperspektiven: Hier, wo die USA am amerikanischsten sind, im Hinterland, wo die meisten - wenn auch zunehmend unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten - noch auf Farmen leben, hier also, wo manche Einstellung so aussieht, als sei sie der Rahmenhandlung vom "Wizard of Oz" entnommen, wo man den Eindruck gewinnt, als habe sich die USA in den letzten Winkel und ihren eigene Ursprungsmythos zurückgezogen, hier liegt das Land in aller Klarheit vor einem. Nur die Leute, die in die Stadt kommen, bleiben undurchsichtig.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
08.02.2013
Außer Atem: Das Berlinale Blog
08.02.2013 
Thom Anderson denkt in seinem Videoessay "Los Angeles Plays Itself" (2003) (
Youtube) unter anderem darüber nach, warum
modernistische Architektur im Hollywoodkino so schlecht wegkommt: es wohnen
immer die Bösen in den Richard-Neutra- und Frank-Lloyd-Wright-Häusern.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
08.02.2013 Geradezu fassungslos lässt einen dieser PLO-Film der jordanisch-palästinensischen Regisseurin Annemarie Jacir, mit dem die Guerillaschnulze ihren Weg ins Forum gefunden hat. "When I saw you" erzählt die Geschichte eines tapferen kleinen Jungen, der sich nicht damit abfinden will, aus der Heimat vertrieben, den Rest seines Lebens mit der Mutter in einem Flüchtlingslager zu verbringen. Entschlossen macht er sich auf in die Heimat seiner Väter und stößt zu einer Gruppe Kämpfer, die später die PLO werden sollen. In ihrem Ausbildungslager lässt sich der Junge in Kampftechnik und Marxismus schulen. Abends sitzen die Kämpfer edel ausgeleuchtet und in kleidsam um den Kopf geschlungenen PLO-Tüchern am Lagerfeuer, hören Cat Stevens, tanzen traditionelle Tänze oder singen vom Feigenbaum in ihrem Garten, von Jasmin und Granatäpfeln. Im Fernsehen erklärt Arafat: "Die Palästinenser waren Flüchtlinge, jetzt sind sie Kämpfer."
Außer Atem: Das Berlinale Blog
08.02.2013 
Der israelische Regisseur Yariv Horowitz besitzt ein beachtliches Gespür für absurde Situationen, bittere Ironie und alltäglichen Wahnsinn. Und da er sich auch mit den Gesetzen der Thermodynamik, der Klaustrophobie und der Labyrinthe auszukennen scheint, kann man ihm attestieren, dass er mit seinem Film "Rock the Casbah" die Pulverfass-Atmosphäre des Gaza-Streifen wirklich gut rüberbringt! Horowitz folgt darin einem Trupp junger Soldaten, der nach Ausbruch der ersten Intifada, im Frühsommer 1989, in einem Flüchtlingslager die Ordnung aufrecht erhalten soll. Trotz genauester Anweisungen und Vorschriften für jedes denkbare Vorkommnis eine unmögliche Aufgabe, denn die Gegner der Soldaten sind meist Kinder.
Samstag, 09.02.2013
Heute in den Feuilletons
09.02.2013 In der NZZ erklärt der lettische Regisseur Alvis Hermanis, warum man im globalen Theater viel weniger versteht als gemeinhin geglaubt wird. Im Tagesspiegel formuliert Thomas Arslan sein filmisches Credo. In der Welt lobt der polnische Schriftsteller Zbigniew Mentzel die therapeutische Wirkung von Börsenspekulationen. In der taz philosophiert Schorsch Kamerun über die einkaufbare Sichtbarkeit von Künstlern. In der SZ erklärt Jürgen Vogel den Geschlechterkampf für beendet.
Bücherschau des Tages
09.02.2013 Eine
wahre Hymne singt die
FAZ auf
Eva Menasses Roman "Quasikristalle" (hier unser
Vorgeblättert). Hingerissen ist sie auch von der
Ruhe und Tiefe in
Stian Holes Geschichte über die Freundschaft "Garmans Geheimnis". Die
NZZ bewundert
Ales Stegers Gedichte im "Buch der Körper". Die
taz freut sich über
Serhij Zhadans absurd-romantische "Erfindung des Jazz im Donbass". Und die
FR liest Comics: Mit
Joe Daly lernt sie das
Südafrika der Kiffer kennen, mit
Manu Larcenet Frankreichs düstere Seite.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
09.02.2013
Keine Emphase: Der dem Strom entrissene Nugget liegt auf einer Hand, bestaunt von einer Gruppe Pioniere. Es fällt kein und damit auch nicht dieses Wort - Gold. Darin liegt, im Norden Amerikas des späten 19. Jahrhunderts, auch ein Versprechen: Die Aussicht darauf, beengtesten und elendsten Verhältnissen (beschrieben wird einmal eine Unterkunft in New York: Vier Leute, ein Zimmer, dunkel, Feuchtigkeit und Kälte nagen an der Gesundheit) zu entkommen - sofern man die Strapazen meistert, die zwischen den jungen städtischen Zentren und dem Goldvorkommen in unwirtlichem Gebiet lauern. So finden sich in Thomas Arslans Post-Berliner-Schule-Western denn auch eine Gruppe deutscher Migranten ein, die dem Ruf des Goldes, genauer: der Annonce eines windigen Reiseführers, der zum geringen Preis eine weniger strapaziöse Passage zum neuen Reichtum in Aussicht stellt, folgen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
09.02.2013
Wer kein Geld hat, dreht einen Hausfilm. Der Raum ist bühnenartig begrenzt, die Blickachsen liegen fest, die Blicke bleiben drinnen oder gehen nach außen oder gehen von außen nach innen. "Halbschatten", der Zweitling von Nicolas Wackerbarth, ist ein Hausfilm. Sein Debüt "Unten Mitte Kinn" war etwas anderes, ein Ensemble von Schauspielschülern, weitgehend improvisiert, ein Theaterfilm. Mit dem Improvisieren ist es vorbei. Die Dialoge sind sehr geschrieben, scheinen es jedenfalls. An die Stelle von Bernhard Kellers hochnervöser Kamera treten die hinreißend komponierten Bilder Reinhold Vorschneiders, die zwar das Licht schön haben, aber auch etwas leblos bleiben. So spielen sie leider dem Eindruck zu, den "Halbschatten" insgesamt macht. Er hat etwas Geklügeltes.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
09.02.2013 
Obwohl "A Long and Happy Life" ("Dolgaya schastlivaya zhizn") im Einzelnen wenig Ungewöhnliches versucht, ist er insgesamt ein sonderbarer, schwer fasslicher Film. Weil Regisseur Boris Khlebnikov keines seiner Motive mit irgendeiner Konsequenz weiterverfolgt, weil die
Signale des Films verlöschen, bevor sie zu einer Stimmung oder Tonlage sich verdichten könnten, kurz, weil "A Long and Happy Life" den unausgeschlafenen Kritikern in der frühmorgendlichen Pressevorstellung unentschlossen und
zielunsicher erschienen sein mochte, täten die Buchmacher gut daran, seine Wettbewerbsfähigkeit eher niedrig anzusetzen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
09.02.2013 
Ein Mann, der einen anderen Mann, seinen Vater, pflegt. In einem sparsam eingerichteten, fast durchweg von natürlichem Licht beleuchteten Zimmer liegt der Vater und wenn er sich ein wenig aufrichtet, das Kissen an die Wand hinter dem Bett gelehnt, das Gesicht umrahmt von
schütterem weißem Haar, dann hat das etwas Malerisches, als würde einer der alten holländischen Meister seinen eigenen Vater porträtieren. Der Vater selbst weiß, dass er aus einer anderen Zeit kommt, dass er in der Gegenwart nichts mehr zu erwarten hat. Die wenigen Worte, die er mit seinem Sohn wechselt, drehen sich entweder um seinen Todeswunsch, oder um die letzten um ihn herum wegsterbenden Bekannten.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
09.02.2013 Ahmad fährt Taxi in Jakarta, und wenn er dies nicht gerade tut, frönt er einem recht repetitiven Alltag. Entweder masturbiert er manisch zu raubkopierten Porno-DVDs, oder er lässt sich in der Koranschule vom rechten Glauben und dem Jihad vorschwadronieren. Heimlich ist Ahmad in seine Nachbarin, die schöne Prostituierte Santi, verliebt, doch bekommt der einigermaßen soziophobe junge Mann in ihrer Gegenwart kein Wort heraus. Dies ändert sich erst sehr allmählich, und zunächst vor allem durch Taten: ein wortlos gereichtes Taschentuch für das Blut im Mundwinkel der jungen Frau. Dann ein Einschreiten, als diese von zwei Kunden bedrängt wird. Und obgleich sie Ahmad, der sich wie zufällig stets in ihrer Nähe aufhält und sie wiederholt zu Treffen mit Freiern fährt – oder auch schon einmal die Rückbank seines Taxis als Ort der sexualgeschäftlichen Transaktion freigibt – schnell als potenziellen Stalker identifiziert, lässt sie sich schließlich doch auf den schüchternen, wortkargen Verehrer ein. Irgendwann schlafen sie miteinander – oder eher: sie mit ihm – und alles könnte gut werden. Wenn da nicht immer, der Titel spricht es aus, etwas im Weg stünde: Ahmad begreift sich selbst als (ungewollten) Ritter und Retter seiner neuen Geliebten und verlangt von
Außer Atem: Das Berlinale Blog
09.02.2013 
Fast hatte ich Angst vor dem, was Ulrich Seidels gnadenloser Blick mit einem
Teenager-Diätcamp anstellen würde – und vielleicht auch bisschen hämische Vorfreude. Schließlich ist es gerade die Denunziation von Figuren und Exploitation von Darstellern, die Seidl immer wieder vorgeworfen wird, bei allem Respekt für den aufklärerischen Impetus, der Seidl treiben mag. Man kann Entwarnung geben: in "Paradies: Hoffnung" zeigt Seidl ein Herz für dicke Kinder.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
09.02.2013 Eine bittere Lektion in politischer Ökonomie erteilt Raoul Peck mit seinem Film "Assistance Mortelle" über die internationale Hilfe für Haiti nach dem Erdbeben vom 12. Januar 2010, die keine Katastrophenhilfe war, sondern eine katastrophale Hilfe. Pecks Biografie ist sein filmisches Programm geworden: In Haiti geboren, in Zaire/Kongo aufgewachsen, hat er im Ost-Berlin der achtziger Jahre Wirtschaftswissenschaft studiert und in West-Berlin Film. Über den ermordeten kongolesischen Unabhängigkeitsführer Patrice Lumumba hat er gleich zwei Filme gedreht, im vorigen Jahr saß er in der Berlinale-Jury. Mit der ihm eigenen Mischung aus kommentierender Beobachtung und Zahlengewitter ist seine Dokumentation "Assistance Mortelle" eine wütende Abrechnung mit dem System internationaler Hilfe, das nicht in der Lage ist, guten Willen, Kompetenz und Gelder in zweistelliger Milliardenhöhe in sinnvolle Aufbauleistung umzuwandeln.
Sonntag, 10.02.2013
Außer Atem: Das Berlinale Blog
10.02.2013
Suzanne (Pauline Etienne), die jüngste von drei Töchtern, drängt es zum Noviziat.
Guillaume Nicloux' "La religieuse" gibt zunächst wenig Hinweise, warum Suzanne diesen Weg einschlagen möchte, aber man kann überschlagen, dass sie die Alternativen, die einer Frau im Frankreich des 18.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
10.02.2013
Mit Holz kann man gut arbeiten, auch als Filmemacher. Bäume werden gefällt und zersägt, Bretter gestapelt und gehobelt, mitunter fallen Späne, mal fängt man sich einen Splitter ein, mal kracht die ganze Chose zusammen. Und wenn das Holz erst einmal Feuer gefangen hat, brennt es natürlich wunderbar. Angesichts dieser symbolischen Qualitäten ist es kein Wunder, dass sich Thanos Anastopoulos für seine Parabel auf die griechische Krise "Die Tochter" ein Holzdepot als Ort der Handlung ausgesucht hat.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
10.02.2013 
Eine Kamerafahrt über zu fröhlichem Radiomainstream tanzende Menschen. An der Bar und am Ende der Kamerafahrt steht eine
Frau fortgeschrittenen Alters, mit einem irgendwie nervösen, irgendwie auch verschmitzten Lächeln im Gesicht. Einige Momente verharrt sie noch am Tresen, dann stürzt sie sich ins Getümmel, in den Tanz, an dem sie sich, etwas linkisch und
self-conscious, aber durchaus mutig beteiligt. Gloria, sagt einem der Film schon in der ersten Szene, ist eine Frau, die sich
aufs Leben einlässt, auch dann, wenn einiges gegen sie zu sprechen scheint. Ihr Alter vor allem, ihre leicht, aber dann doch wieder nicht allzu sehr verfahrenen familiären Umstände außerdem: Sie lebt geschieden, der Ex hat längst eine andere, die Kinder halten mal mehr, öfters weniger Kontakt.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
10.02.2013 
Der im Norden Mexikos tobende Drogenkrieg ist uns nicht fremd. Wir wissen von den Tausenden Toten in Ciudad Juárez und den anderen Grenzstädten zu den USA. Wer nicht
Roberto Bolano oder
Alma Guillermoprieto gelesen hat, der kennt Don Winslows
Thriller. Und doch fällt es schwer, sich ein Bild zu machen von einer Stadt, in der
jährlich 3000 Menschen getötet werden - ohne dass Polizei oder Armee in der Lage oder willens wären, diese Morde aufzuklären -, von ihrer Armut, ihrer Hoffnungslosigkeit und auch ihrer Desolatheit.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
10.02.2013 Es gibt viele bittere Wendungen, die das neue Südafrika genommen hat. Eine besteht darin, dass die Wiederbelebung der traditionellen afrikanischen Kulturen, die so lange Zeit verboten, verhöhnt oder ausgebeutet wurden, zu einer neuen Entrechtung der Frauen geführt hat. Nadine Gordimer beschreibt in ihrem Roman "Keine Zeit wie diese" sehr beeindruckend Frauen, die nach dem Tod ihres Mannes mittel- und obdachlos dastehen, da ihnen nach traditionellem Zulu-Recht kein Anteil am Erbe zusteht; es geht voll und ganz an den Bruder des Verstorbenen über. Auch der Regisseur Ntshavheni wa Luruli erzählt in seinem Film "Elelwani" von der Zerrissenheit südafrikanischer Frauen, die sich im Namen der neuen Vielfalt in die alte Unfreiheit begeben (müssen). Der erste überhaupt in der Sprache der Venda, in Tshivenda, gedrehte Film basiert auf dem gleichnamigen Roman des Venda-Autors Titus Maumela von 1954 und kann sich vor allem zu Beginn nicht ganz von der Lehrbuchhaftigkeit der alten afrikanischen Volksliteratur frei machen. Aber er verbindet sie mit den magisch-malerischen Bildern Afrikas, mit denen die Johannesburger Filmfabrik den Zuschauer in den Bann zu schlagen versteht. Manchmal auch trotz heftigster Gegenwehr.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
10.02.2013 Was es heißt, kein Geld, oder zumindest eindeutig zu wenig Geld zu haben, im Alltag, im Familienleben, in Beziehungen, für Versuche, Beziehungen aufzubauen, potentielle Partner kennenzulernen: Das war eines der zentralen Themen von "Men on the Bridge", einer bedrückenden, realistischen Milieustudie, dem außergewöhnlichen ersten Spielfilm der in Berlin lebenden Türkin Asl? Özge. Ein Leben auf der Brücke, im Freien und doch bedrängt von allen Seiten. Das Paar, das im Zentrum des Nachfolgefilms "Hayatboyu" steht, lebt dagegen im durchgentrifizierten Istanbuler Stadtteil Ni?anta??. Wer sich da eine Wohnung leisten kann, hat keine Geldsorgen, zumindest keine drängenden. Was noch lange nicht heißt, dass er (beziehungsweise in diesem Fall vor allem: sie) ein entspanntes Leben führen kann.
Montag, 11.02.2013
Heute in den Feuilletons
11.02.2013 Die FAZ fragt: Warum liest das neue Politbüro in China Tocqueville? Außerdem rät der Historiker Valentin Groebner angesichts des stets nur unfertigen Internets zu Buch und Zeitschrift. Die NZZ kritisiert die Angst der Museen vor Ruhe. Der Konzertagent Berthold Seliger wundert sich über die Honorarvorstellungen der ARD. Slate.fr ruft 2013 zum Jahr des Pferdefleischs aus. In der Welt wirft Kurt Biedenkopf der Uni Düsseldorf Feigheit vor. In der SZ zieht Anne Wizorek die Möglichkeit in Betracht, dass Männer Hirn haben.
Bücherschau des Tages
11.02.2013 Die FAZ liest bewundert Wilhelm Klemms lakonisch-lebenskluge Gedichte über Rausch, Hingabe und eiternde Schusswunden. E.O. Wilsons große Menschheitsgeschichte "Die soziale Eroberung der Erde" kommt bei ihr dagegen nicht so gut an. Die SZ liest Sylvia Plath und lernt von Jürgen Trabant und Wilhelm von Humboldt das Denken aus seinem Sprachgefängnis zu befreien.
Essay
11.02.2013 Es geht Jan Assmann nicht primär um die Gewalthaltigkeit des Monotheismus, sondern um das Projekt der Aufklärung, das "wahr/falsch" der mosaischen Unterscheidung in einem höheren "Sowohl - als auch" aufzuheben. Dies stellt aber keine Gegenposition zur christlichen Theologie dar, sondern bildet einen in ihr seit je präsenten Tiefenstrom.
Medienticker-Archiv
11.02.2013 Aktualisiert: Der Papst tritt zurück - Goldener Januar: Neue Zahlen der IVW Online - Von Dortmund bis Gelsenkirchen: Wo Armut herrscht, fallen die Zeitungsauflagen - Retter in der Not: Crowdfunding für Journalisten - Theater-Nachtkritiken u. a. aus Basel, Frankfurt, Hannover und München - Der springende Punkt ist die Menschlichkeit: Über Don DeLillos "Der Engel Esmeralda" - Ein schmales Werk mit nachhaltiger Wirkung: Vor 50 Jahren starb Sylvia Plath + Die Grammys wurden vergeben.
Karikaturen und Cartoons
11.02.2013 Titelverlust.
Vorgeblättert
11.02.2013 Fünf Jahre lang hat Shereen El Feki, Immunologin und Journalistin, Männern und Frauen in der arabischen Welt Fragen rund um das Thema Sex gestellt: Was sie selbst tun, was sie nicht tun, was sie über Sexualität denken und warum. Für El Feki ist die Sexualität ein Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse, die zur Arabellion führten. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sex und die Zitadelle".
Außer Atem: Das Berlinale Blog
11.02.2013
Nach "Before Sunrise" und "Before Sunset" liegt nun der dritte Teil von Richard Linklaters Trilogie des Lebens vor. Zuerst begegneten sich der ewig adoleszente Amerikaner Jesse und die sprunghafte Französin Céline in einem Zug nach Wien, wo sie eine kurze und weniger heftige als dialoglastige Nacht miteinander verbrachten. Dann trafen sie sich Jahre später in Célines Heimatstadt Paris wieder, wohin es Jesse auf einer Lesereise anlässlich seines Romandebüts verschlug. Die Handlung: Jesse und Célines Wiener Gspusi. Das Ende dieses zweiten Teils ließ offen, ob die beiden diesmal zusammenbleiben würden.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
11.02.2013
Damit ich es gleich los bin: "Das merkwürdige Kätzchen" ist, in meinen Augen, ein Wunder von einem Film. Ich habe mich in den ersten fünf Minuten in ihn verliebt und wenn ich im Folgenden diese Liebe nicht zu fassen bekommen sollte, dann liegt das an mir und an der vielleicht blind machenden Liebe, nicht an dem Film.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
11.02.2013 
Es ist schon klar, dass "Upstream Color" von Shane Carruth in gewisser Hinsicht ein ziemlich meisterhafter Film ist: ein unendlich
fluider Bilderstrom aus fragmentierten Bild- und Tonereignissen, organisiert durch eine sehr schnelle und elegante Montage, die gleichzeitig ganz organisch und rund ist. Alles passiert rasch und nah, in Bildern mit minimaler Tiefenschärfe. "Upstream Color" erlaubt, ermuntert, forciert ein Sehen, das zugleich hört und spürt, ein Sehen, das mitgeht und sich tragen lässt. Ein Film wie ein Wispern, das einen von allen Seiten, lauter und leiser werdend, umfasst.
Dienstag, 12.02.2013
Magazinrundschau
12.02.2013 In Newsweek liest Simon Schama aus den Knochen Richards III. Die Financial Times besucht die Amazon-Sklaven im britischen Städtchen Rugeley. Im New York Magazine erzählt Oscar de la Renta, wie der Schuldeneintreiber von Tennesse Willliams über ihn herfiel. In Salon schreibt Adam Michnik an Michail Chodorkowski. The Nation feiert den Avantgardisten Wiktor Schklowski. In Slate.fr holt uns Michel Serres in die Zukunft zurück. Und in n+1 singt Valery Nugatov ein Liebeslied an die zeitgenössische Kunst.
Heute in den Feuilletons
12.02.2013 Die Berlinale-Seiten der Zeitungen befassen sich Călin Peter Netzers rumänischem Wettbewerbsfilm "Child's Pose" und mit Jane Campions Mystery-Thriller "Top of the Lake". In seinem Blog lästert der Regisseur Dietrich Brüggemann über die Berliner Schule. Die FAZ ist ergriffen vom Rücktritt Benedikts XVI. - Martin Mosebach würdigt noch mal seine konservative Mission, so auch The Onion. Im Perlentaucher bekommt Klaus Müller, inspiriert von Karl Leonhard Reinhold sowohl Vernunft als auch Religion unter einen Hut. Außerdem stellt sich heraus: Der Perlentaucher hat die zweitwichtigsten Literaturseiten im Netz. Die drittwichtigsten hat die FAZ.
Bücherschau des Tages
12.02.2013 Die SZ wäscht sich mit Michael Götschenbergers Buch über die Wulff-Affäre die Hände in Unschuld. Die FR staunt über H.G. Wells' abwechslungsreiches Liebesleben, das David Lodge in der Romanbiografie "Ein ganzer Mann" verewigt hat. FAZ und SZ empfehlen Jörg Magenaus verführerische Biografie der Jünger-Brüder.
Medienticker-Archiv
12.02.2013 Journalismusforschung: Studie untersucht Berichterstattung von deutschen Spitzenjournalisten - Ein Lehrstück: Guardian, genial, geliebt, gefährdet - Gamification: Warum die Paywall für Medien ein Irrtum ist - Wolfgang Michal über die hohe Kunst des Rücktritts - Literaturkritik: Wem was glauben oder Welche Rezension ist die richtige? - My sweet Raskolnikow, Antigone in New York und Lech Walesa: Die tragikomische Welt des Janusz Glowacki + Beeindruckend Anne Sinclairs "Lieber Picasso wo bleiben meine Harlekine?"
Außer Atem: Das Berlinale Blog
12.02.2013
Der Richterspruch hat nach wie vor Bestand, allen Protesten zum Trotz: zu sechs Jahren Haft (bislang wohl vollzogen als Hausarrest) wurde der iranischer Regisseur Jafar Panahi im Jahr 2010 verurteilt, außerdem wurden ihm zwanzig Jahre Berufsverbot erteilt. Das hielt ihn nicht davon ab, 2010 einen gemeinsam mit Mojtaba Mirtahmasb inszenierten Film in den Wettbewerb von Cannes zu schmuggeln, der einen schlagenden, mit Blick auf das Urteil folgerichtigen Titel trägt; Filme drehen darf Jafar Panahi nicht mehr, also: "This Is Not a Film". Zwei Jahre später setzt sich Panahis Geisterexistenz auf internationalen Filmfestivals fort, mit einer weiteren kollaborativ entstandenen Regiearbeit: "Closed Curtain" heißt der Film, Kambuzia Partovi der Co-Regisseur.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
12.02.2013
Trotz offizieller Anfrage der Bundesregierung hat der iranische Regisseur Jafar Panahi zur Premiere seines Films natürlich nicht anreisen dürfen.
Aber sein Ko-Regisseur und Hauptdarsteller Kamboziya Partovi und seine Schauspieler-Kollegin Maryam Moghadan waren da, und sie konnten auf der Pressekonferenz zumindest einige Fragen beantworten, auch wenn die Veranstaltung immer ein wenig Gefahr lief, von den exiliranischen Journalisten gekapert zu werden, die ihr eigenes Süppchen mit dem Regime in Teheran kochen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
12.02.2013 
Südafrika, eine nächtliche Landstraße: Layla, alleinerziehende Mutter eines kleinen Sohnes, fährt seit Stunden Auto, es ist stockfinster, der Scheinwerfer rast über den Asphalt. Da steht plötzlich ein Auto quer auf der Fahrbahn, der kleine Sohn macht im Schlaf ein Geräusch, Layla ist eine Zehntelsekunde abgelenkt – und hat einen Mann angefahren, einen weißen, älteren, der kurz darauf stirbt.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
12.02.2013 Ende letzten Jahres starb Koji Wakamatsu, Exploitationfilmer und politischer Aktivist, Anfang dieses Jahres, vor wenigen Wochen erst, starb auch Nagisa Oshima, Kino-Revolutionär und eine der zentralen Figuren in der japanischen Öffentlichkeit der letzten dreißig Jahre. Das japanische Independentkino hat innerhalb weniger Monate zwei seiner zentrale Figuren verloren, zwei, die wie niemand sonst für eine radikal avantgardistische Position einstanden, die keinen Unterschied machte zwischen Politik und Ästhetik. Zwei, für die filmästhetisches Aufbegehren (Oshima: "My hatred for Japanese cinema includes absolutely all of it") nie zu trennen war von einer gesellschaftspolitischen Positionierung. Was bleibt von diesem Erbe? Es ist sicher nicht ganz fair, einen Film wie "Cold Bloom" von Atsushi Funahashi an diesen beiden Heroen des politischen Independentkinos zu messen und damit an Ansprüchen, die nie die seinen waren. Aber man darf sich doch fragen, warum das Internationale Forum des jungen Films ausgerechnet ein derart reaktionäres Machwerk für würdig befindet, den Status quo des japanischen Independentkinos mitzudefinieren.
Mittwoch, 13.02.2013
Heute in den Feuilletons
13.02.2013 Götz Aly erinnert in der Berliner Zeitung an alle Arbeiter, Arbeitslose, Kleinrentner, verarmten Bauern, Dienstboten, Mägde, die ... äh... Nazis waren. In der NZZ zieht der Theologe Jan-Heiner Tück eine keineswegs nur positive Bilanz des Pontifikats Benedikts XVI. Die SZ kritisiert die Schavan-Entscheidung der Uni Düsseldorf als jakobinisch. Gizmodo hat herausgefunden, dass der Iran eine neue Technik nutzt, um Kampfflieger in den Himmel zu schicken: Photoshop. Slate.fr teilt die jüngst gefundene Primzahl durch 1.Alle Zeitungen feiern Jafar Panahis Film "Closed Curtain".
Bücherschau des Tages
13.02.2013 Von Ratgebern, die "Miese Stimmung" und "Unglücklich sein" propagieren, bekommt die FAZ schlechte Laune. Außerdem horcht sie mit Björn Kuhligks Gedichten auf "Die Stille zwischen null und eins" und lässt sich von Garfield Simon erklären, was Rooney, Ronaldo und Messi unterscheidet: die Schrift auf ihrem Trikot. Die SZ setzt sich mit der Kritik am Diskurs zur Bombardierung Dresdens in dem Band "Gedenken abschaffen" auseinander. Die NZZ zieht derweil sich mit Kevin Kuhns Debütroman "Hikikomori" ins stille Kämmerlein zurück.
Medienticker-Archiv
13.02.2013 Medienwandel: Jan Tißler erklärt, warum Online-Journalist inzwischen ein Traumberuf ist - Vor 125 Jahren: In London erschien die erste Ausgabe der Financial Times - Media Control 2012: 12,3 Millionen E-Books wurden in Deutschland verkauft - Brecht & Büchner: Zwei Dichter der Revolution - Causa Suhrkamp: Gericht vertagt Entscheidung auf Ende September + Das Karlsruher ZKM zeigt aktuelle Videokunst aus Asien.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2013 David Hudson und Kevin B. Lee (beide von Fandor) unterhalten sich mit Cristina Nord von der taz über die bisherigen Festivalhighlights. Sehenswert:
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2013
Andrew Bujalski interessiert sich für das Obsolete: Seine Filme sind für gewöhnlich in 16mm gedreht, in seinem "Beeswax" von 2009 (unsere Kritik) steht ein Secondhandladen im Mittelpunkt. Warum er seinen neuen Film "Computer Chess" nun auf einer alten Sony-Videokamera aus den frühen 80ern gedreht hat, erklärt er verschmitzt im Q&A nach der Vorführung: "Die Leute fragte mich immer, warum drehst Du noch immer auf 16mm, warum nicht auf Video? Nun, da dachte ich mir, euch geb ich Video!"
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2013 
"An Episode in the Life of an Iron Picker", der bosnisch-herzegowinische Wettbewerbsbeitrag von Danis Tanovic, ist ein wohlmeinender Film über eine
Romafamilie aus dem Hinterland, erzählt aus der Perspektive des Vaters Nazif, der seinen Unterhalt und den seiner Familie als Eisensammler bestreitet. Fast ist mit dieser Berufsbezeichnung schon zu viel gesagt: Er schaut eben, wo in seinem völlig verarmten Umfeld noch Gegenwerte zu bergen sind. Und die finden sich nun einmal vornehmlich in der Gestalt von Altmetall, einer provisorischen Müllhalde oder – hierin verdichtet sich das sisyphos'sche Zentralmotiv – seinen eigenen Subsistenzmitteln abgerungen. Die stärkste Szene zeigt Nazif und seine Nachbarn bei der Demontage seines Autos mit rostigen Sägen und schweren Hämmern: Autodestruktion im Wortsinn.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2013 
Yoichi sitzt am Fenster, im ersten Stock des Hauses, den Rücken der Kamera zugewandt und blickt durch ein Fernglas nach draußen. Und gleichzeitig, sagt der Voice Over, auf die Vergangenheit, auf sein
vier Jahre jüngeres Ich, das noch nicht war, was er jetzt ist: ein Fischverkäufer, wie der Vater vor ihm, Ernährer einer kleinen Familie, die Dank ihm gerade einmal so über die Runden kommt.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2013 Ein Mann kehrt heim. Meist sagt man: in das Land seiner Väter, in diesem Fall muss man sagen: in das Land seiner Tochter. Baio hatte als Kämpfer in der portugiesischen Kolonialarmee gedient und musste Guinea-Bissau verlassen, als es unabhängig wurde, er wäre seines Lebens nicht sicher gewesen. Seine Tochter Fatou ist Lehrerin in diesem von Bürgerkrieg und etlichen Putschen gebeutelten Land. Ihre Studenten erinnert sie an die stolze Geschichte der Mandinga, die vor 4500 Jahren in Mali den Ackerbau erfanden, vor 2000 Jahren die gerechte Herrschaft, vor 1000 Jahren die Musik, aus der Reggae und Jazz hervorgingen – während die Europäer Kriege führten. Fatou will den Musiker Idrissa heiraten, der in der angesagtesten Band des Landes spielt und im Radio die stolze Geschichte der Mandinga erzählt. Idrissa, in dessen Rolle der real existierende Musiker Mamadu Baio auftritt, spielt Kora und Balafon, Fatous Instrumente sind Radio, iMac und Smartphone. Der Vater schleppt in seinem Koffer altes Gerät mit sich herum. Vielleicht haben ihm die Portugiesen erzählt, dass der rostige Wasserhahn ein Funkgerät sei.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2013 
Wie verstörend ein Lachen sein kann, unter anderem davon handelt Shirley Clarkes großartiger Film "Portrait of Jason" aus dem Jahr 1967. Jason Holliday ist ein selbsterklärter "Hustler", einer, der mal hier und mal dort arbeitet, einer, der auf alle möglichen Weisen Geld verdient – etwa als
Haushälter bei reichen weißen Damen, manchmal aber auch mit illegaleren Aktivitäten. Eigentlich träumt Jasons davon, durch kleine Clubs und Bars zu tingeln, zu schauspielern, auf der Bühne zu stehen. "Portrait of Jason" ist genau das: eine Bühne für Jason.
Donnerstag, 14.02.2013
Heute in den Feuilletons
14.02.2013 "Semlerpedia: ein Schatz, ein Strom von Anekdoten, Analysen, zu jedem Thema mindestens ein Titel des dazugehörigen Standardwerks." Die taz trauert um Christian Semler, auch die anderen Zeitungen würdigen den 68er und großen Journalisten. Anderes Thema des Tages: Der Gerichtstermin in Sachen Suhrkamp, der zwar nur zu einer Verschiebung des Prozesses führte, aber trotzdem zu großen Kommentaren Anlass bietet. In der Zeit spricht Joschka Fischer über 1968.
Bücherschau des Tages
14.02.2013 Der Kapitalismus kriegt von
Frank Schirrmacher ordentlich was aufs "
Ego", freut sich die
Zeit, wo man allenfalls ein bisschen staunt, dass sich Kapitalismuskritik nun auch im bürgerlichen Schwesterblatt bestens verkauft. Die
Zeit blickt auch in
Eva Menasses "Quasikristalle" (
Leseprobe). Und die
FR schreitet mit
Jiri Langer duch die "neun Tore" des
Chassidismus.
Medienticker-Archiv
14.02.2013 Papier-Beschnitt: Time Warner will Printmagazine abstoßen - Michael Schmalenstroer über Blogs, die noch fehlen - Pressefreiheit: Beugehaft gegen Onlineredakteur & Staatsanwaltschaft nervt Pressefotografen - Bildungsfernsehen: "Kulturakte" auf Arte - Drehbuchautor Peter Henning fragt sich: Ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk noch zu retten? - Bilder kochen: Otto Piene und seine flambierten Leinwände & Sky Art.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
14.02.2013
Vorletzter Wettbewerbstag, die Pressevorstellung liegt auf der Frühschiene, um neun Uhr morgens, der Film ist ein fast zwei Stunden langes Debüt aus Kasachstan: Dass der Berlinalepalast auch bei "Harmony Lessons" gut gefüllt ist, spricht für die Ausdauer der akkreditierten Festivalgänger.
Als dann gleich in den ersten drei Minuten ein Schaf direkt vor der Kamera erst eingefangen, dann geschlachtet und ausgeweidet wird, geht zwar ein hörbares Stöhnen durchs Publikum (nebenbei bemerkt: Das ist bei weitem nicht die erste derartige Szene des Festivals; im Gegenteil sind derartige, von der Kamera beglaubigte Tiertötungen eines der quintessentiellen Motive des Festivalkinos, fast könnte man meinen, dass die Schlachtung im Weltkino wieder eine rituelle Bedeutung zurückgewinnt, ein Band über Raum und Zeit hinweg zum Zuschauer knüpft).
Außer Atem: Das Berlinale Blog
14.02.2013
In ihrem Film "La Plaga" erzählt die junge spanische Filmemacherin Neus Ballús von einer Reihe ganz normal faszinierender Menschen, die sich am Stadtrand von Barcelona durchs Leben schlagen: Raul ist Gabelstapelfahrer und führt den Baunernhof seiner Eltern, dessen Existenz grundsätzlich bedroht ist, im Moment der großen Hitze aber besonders durch einen Schädlingsbefall.
Bei der Ernte hilft der Moldawier Iurie Timbur, der nach der Arbeit als Ringkämpfer trainiert.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
14.02.2013 Wohin man auch blickt, überall Bäume auf dieser Berlinale: Besonders im Wettbewerb jagt ein Waldfilm den nächsten. Nina Hoss schlägt sich bei Thomas Arslan als Teil einer exildeutschen Reisetruppe durchs unwirtliche, grenzmystische Nadelholz. Tendenziell mindestens ebenso aggressiv (genauer gesagt: mindestens eine Bärenfalle aggressiver) gebärt sich der - gleichfalls kanadische - Wald, in dem Vic und Flo bei Denis Côté abhängen. Von der freundlichen Seite zeigt sich die Pflanzenwelt bei David Gordon Green: Obwohl er gleich zu Filmanfang abbrennt, bietet ein (wieder aufgeforsteter und dezent verzauberter) Wald Paul Rudd und Emile Hirsch Unterschlupf, hilft ihnen beim bonding und beim Verarbeiten von Liebesproblemen. Den Waldfilm to end all Waldfilme hat, wen wundert’s, James Benning gedreht: Gut zwei Stunden lang steht im Forumsfilm "Stemple Pass" eine Hütte im Wald herum; die Jahreszeiten wechseln, die Lichtverhältnisse aus, manchmal werden Texte des Unabombers Theodore Kaczynski verlesen, der sich jahrelang in einer ähnlichen Hütte verkrochen hatte, dann herrscht wieder minutenlang, viertelstundenlang Stille, gelegentlich tritt Rauch aus dem Schornstein der Hütte - aber der Wald, der bleibt.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
14.02.2013 Es heißt ja, der diesjährige Wettbewerb sei einer voller "Frauenfilme" (was immer das sein mag). "Prince Avalanche" von David Gordon Green ist nun endlich ein Männerfilm – ein richtig großartiger. Alvin (Paul Rudd mit hochgezogenen Tennissocken und Tom-Selleck-Schnurrbart) und Lance (Emile Hirsch, der hier an Jack Black erinnert) verbringen den Sommer 1988 als Straßenarbeiter in einem Waldgebiet in Texas, das vor kurzem von einer Feuerkatastrophe heimgesucht wurde. Nie sah Texas untexanischer aus: statt Sonne, Öl und Cowboys gibt es halbverkokelten Laubmischwald, kleine Tümpel mit schmutzig-braunem Wasser und gelbe Blumen, die an Mitteleuropa erinnern. Ziemlich unpittoresk. Auch die Arbeit ist monoton: kilometerweit müssen Alvin und Lance gelbe Fahrbahnmarkierungen auf die Straße malen und Reflektorenposten aufstellen. Ganz genau nimmt "Prince Avalanche" das dafür nötige Gerät und die Handgriffe in den Blick, zeigt die zähe Textur der dickflüssigen Farbe auf dem Asphalt. Banales und Bodenständiges, in Großaufnahme.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
14.02.2013 Pascal Merciers Roman "Nachtzug nach Lissabon" erzählt die Geschichte des Berner Lateinlehrers Raimund Gregorius, der über all seinen Büchern den Anschluss an das Leben verloren hat. Eines verregneten Morgens gelangt er durch eine junge Frau, die sich wahrscheinlich von der Brücke stürzen möchte, an das Buch des geheimnisumwitterten portugiesischen Autors Amadeu Prado. Völlig in den Bann gezogen von der Frau, dem Buch und seiner Poesie, bricht er aus seinem Lateinlehrer-Leben aus und auf nach Lissabon, um der Geschichte dieses Schriftstellers, Arztes und Widerstandskämpfers gegen Salazar nachzuspüren. Aus dem - fiktivem - Werk zitiert der Roman seitenweise die Prado'schen Ausführungen, was durchaus etwas Peinliches hatte: "Kein Ernst ist so ernst wie der poetische Ernst", heißt es darin zum Beispiel und ganz ohne Ironie lässt Mercier dann Gregorius tief ergriffen ausrufen: Welch Brillanz! Welch Wucht! Welch stilistische Eleganz!
Freitag, 15.02.2013
Heute in den Feuilletons
15.02.2013 In der Welt findet Antje Ravic Strubel die Sexismusdebatte in Deutschland mehr als überfällig. Schwulenehe ist möglich, aber keine Ehe zwischen Postkolonialismus und Homosexualität, berichtet die taz aus Frankreich. Die Berlinale-Seiten der Zeitungen und des Perlentauchers feiern ein Wiedersehen mit River Phoenix in "Dark Blood". Die NZZ hat herausgefunden: Die DDR lebt, zumindest im Jazz. Im NYRBlog rät Nicholson Baker, nicht übers Träumen zu schreiben, sofern man weiterträumen will. Die FAZ erzählt, wie Springteufel Berlusconi die italienische Politik ruiniert.
Bücherschau des Tages
15.02.2013 Kein guter Tag für Bücher: Mittelprächtig findet die FAZ Camille de Perettis biografischen Roman "Der Zauber der Casati" und Madison Smartt Bells "Die Farbe der Nacht". Die SZ kann der Streitschrift "Demokratie!" von Michael Hardt und Antonio Negri nur wenig abgewinnen, Birk Meinhardts DDR-Roman "Brüder und Schwestern" wird genüsslich verrissen. Richtig gut, ja unentbehrlich findet die NZZ dagegen Ekkehard Josts "Jazzgeschichten aus Europa".
Medienticker-Archiv
15.02.2013 Happy Birthday! The New York Review of Books wird 50.: Ein Gespräch mit dem Editor Robert B. Silvers - Das Wissen neu denken: Über David Weinbergers "Too Big to Know" - Kapitalkurs für Pokerfans: Georg Seeßlen über Frank Schirrmachers "Ego" - Wolfgang Schivelbusch über die verschwundene Penn Station - Dr. Michael Angele weiß: Promovieren macht glücklich - Susan Arndt über "Edle Wilde" und den ganzen Schmarrn + 20:24 Uhr: Asteroid "2012 Da14" ist im Anflug ...
Karikaturen und Cartoons
15.02.2013 Hottehü?
Außer Atem: Das Berlinale Blog
15.02.2013
Abrechnung auf grünen Wiesen: Kaum kommt der Deneuve das französische M-Wort über die Lippen, hält der enervierend gut gelaunte Dreikäsehoch - im Film ihr Enkel, zu dem sie kaum eine Beziehung hat - die Hände auf: Für jeden Kraftausdruck ist ein Euro fällig. Deneuve kann nicht zahlen, denn sie hat kein Geld. Mit Reichtum gesegnet bin auch ich nicht, aber den Euro leg' ich gerne hin: Dieser Film ist richtig Scheiße! Kassier' mich ab, wer will!
Außer Atem: Das Berlinale Blog
15.02.2013
Ein paar Hong-Sangsoo-Filme habe ich gesehen und immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ich mich hinterher schon bald nur noch schemenhaft an sie erinnern konnte. Immer wieder greift Hong die gleichen Motive, Schauplätze und Figuren auf, rekombiniert und rearrangiert sie, als wären alle seine Filme in Wirklichkeit ein einziger. Differenz und Wiederholung, Verschiebung und Variation, darum kreisen Hongs Filme, so sind sie gemacht. Das Resultat ist eine Ähnlichkeit, aber auch eine ganz eigene spielerische Leichtigkeit und Flüchtigkeit, die es so schwer machen, Hongs Filme zu fassen zu kriegen, sie festzunageln und ordentlich in Gedächtnisschubladen abzulegen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
15.02.2013 Eher Screwball statt Sitcom: Der athletische Körper der Greta Gerwig in einem schwarzweißen New-York-Film von Noah Baumbach - Frances Ha.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
15.02.2013 George Sluizers "Dark Blood" blickt auf eine bewegte Produktionsgeschichte zurück. Zehn Tage vor Drehschluss starb Hauptdarsteller River Phoenix an einem drogeninduzierten Herzinfarkt; das abgedrehte Material wurde von der Versicherungsgesellschaft in Verwahrung genommen. Das war im Oktober 1993. 2012 gelang es Sluizer, der vor einige Jahren ein Aneurysma erlitten hatte, die existenten Aufnahmen zu sichern und "Dark Blood" doch noch fertigzustellen – allerdings ohne den Film zu vollenden: Die Lücken, die Phoenix’ Tod ins Narrativ gerissen hat, sind nicht trickreich kaschiert, sondern mit einem voice-over markiert. Sluizer verliest mit unmerklichem Akzent (er ist gebürtiger Niederländer) und fast ohne Emphase die nicht realisierten Drehbuchpassagen, manchmal über eine ausklingende Spielfilmszene gelegt, manchmal über ein Still gesprochen. Ganz zu Beginn erläutert er dieses Konstruktionsprinzip. Das Bild dazu zeigt ihn Arm in Arm mit einem verkniffen dreinblickenden River Phoenix. "Dark Blood" ist – und bleibt – Sluizers Unvollendeter.
Samstag, 16.02.2013
Heute in den Feuilletons
16.02.2013 In der Welt macht sich Boualem Sansal keine Illusionen: auf den arabischen Frühling folgt ein islamischer Sommer. Der Kleinverleger Christopher Schroer geißelt in einem offenen Brief die Marktmacht von Amazon. In der FAZ wünscht sich der Wirtschaftswissenschaftler Philip Mirowski einen ergebnisoffenen Diskurs über den Kapitalismus. Die SZ sieht im Kapitalismus eher einen Gegenstand für Literaturwissenschaftler und Feuilletonisten. Die NZZ beklagt das Verschwinden der Ränder. Der Perlentaucher zieht eine Bilanz der Berlinale: Was bleibt, sind die starken Frauen.
Bücherschau des Tages
16.02.2013 Wenigsten in den Büchern machen Neoliberalismus und Kapitalismus richtig Spaß! Ersterer wird in David Eggers' in Gestalt eines erfolglosen Geschäftmanns symbolisch exekutiert - zur Freude der taz und der SZ. Letzterer erweist sich unter dem kritischen Blick Frank Schirrmachers in "Ego" als Narration - ebenfalls zur Freude der SZ. Die NZZ vergnügt sich unterdes mit Ezra Pounds "Cantos".
Außer Atem: Das Berlinale Blog
16.02.2013
Goldener Bär für den besten Film: "Child's Pose" (Poziția copilului) von Călin Peter Netzer
Außer Atem: Das Berlinale Blog
16.02.2013
Lucien Castaing-Taylor, zuletzt mit "Sweetgrass" (zusammen mit seiner Frau Ilisa Barbash) auf der Berlinale vertreten, und seine Ko-Regisseurin Véréna Paravel haben - an Bord eines Industrie-Fischereiboots in den Gewässern vor Neuengland - ein Monstrum von einem Experimentalfilm geschaffen. Sein andeutungsreicher Name: "Leviathan". Die halb akademische, halb künstlerische Disziplin, woraus "Leviathan" seine ästhetischen Impulse bezieht, heißt "Sensory Ethnography": eine multisensorielle Ableitung und Ausweitung der visuellen Anthropologie, die Castaing-Taylor am Department of Visual and Environmental Studies in Harvard lehrt.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
16.02.2013 "How to do things with women": Das könnte, spätestens seit der Nouvelle Vague, ein Motto des internationalen und hinter der Kamera nach wie vor weitgehend männlichen Autorenkinos sein. Der aktuelle Berlinalewettbewerb ist da keine Ausnahme; schon alleine in den Filmtiteln tauchen sechs Frauennamen auf und kein einziger Männername. Bei den Regisseursnamen sieht die Verteilung anders aus: drei weibliche, siebzehn männliche. Das ist eine offensichtliche Schieflage, aus der man andererseits auch nicht zuviel machen muss, schließlich wird auch diese Perlentaucher-Kolumne sexistische Strukturen nicht aus der Welt schaffen. Was man aber schon machen kann: sich etwas genauer anschauen, was die Filme von den vielen Frauen wollen, die sie in ihre Zentren stellen. Denn das sind jeweils durchaus unterschiedliche Dinge.
Montag, 18.02.2013
Heute in den Feuilletons
18.02.2013 Die Berlinale-Resümees fallen alles in allem etwas mau aus - laut Welt steckt das Festival in der Datumsfalle, die FAZ sah Kino aus aller Welt, aber kein Weltkino. Bei aller politischen Korrektheit: Der taz graut vor einem Sexualleben, das reguliert ist wie ein Verkehrsgarten. In der SZ will Ingo Schulze Bertolt Brecht wieder politisch lesen. Die NZZ bewundert schwarze Frauen in Heldenposen, wie sie von afrikanischen Künstlerinnen in Szene gesetzt werden. Und style.com präsentiert die definitive Wintertracht.
Bücherschau des Tages
18.02.2013 Andrea Hirata wurde mit seinem autobiografischen Roman "Die Regenbogentruppe" völlig zu Recht zum meistgelesenen Autor Indonesiens, findet die FR. Die FAZ erfährt von Katrin Passens, wie sich das Unterdrückungsmittel der Untersuchungshaft unter Erich Honecker entwickelte, und von Arnd Bauerkämper, weshalb Europa nicht zu einem Erinnerungskonsens über den zweiten Weltkrieg findet. Die taz erliegt nolens volens Tom Wolfe.
Medienticker-Archiv
18.02.2013 In welcher Welt leben wir? Hans Christoph Buch über die Verrohung der Gesellschaft - Auf allen Kanälen: Joachim Rohloff sinniert darüber, wenn ein FAZ-Herausgeber einen Bestseller schreibt - Gegen das Zeitungssterben: Wie Neugründungen funktionieren können & Holt euch die Medien zurück - Theater-Nachtkritieken & Die "Half-A-Wind Show" der Heiligen Hexe: Eine Annäherungen an Y. O. zum 80. + Tony Sheridan ist tot.
Dienstag, 19.02.2013
Magazinrundschau
19.02.2013 In La vie des idées erklärt Timothy Snyder den Historikerstreit für erledigt. In The New Republic fragt Ian McEwan, warum er sich für irgendeinen Henry interessieren soll. Die Global Mail beschreibt die grauenvollen Hexenjagden in Papua-Neuguinea. In Syrien macht jeder seinen eigenen Aufstand, seufzt die LRB. Gibt's diesmal auch Frauen, fragt Wired angesichts der geplanten neuen Star-Wars-Folgen. Bloomberg warnt vor chinesischen Hackern. Im Espresso geißelt Roberto Saviano die italienischen Konservativen. In der NYT lassen junge Republikaner aus ähnlichen Gründen die Köpfe hängen.
Heute in den Feuilletons
19.02.2013 Die FAZ bringt einen Vorabdruck aus Wolfgang Kraushaars Buch "München 1970" über das Attentat auf ein jüdisches Altenheim und die Kooperation zwischen deutschen und palästinensischen Terroristen. Die Welt geht vor Alexander Tsymbalyuk in die Knie. In der Berliner Zeitung legt Götz Aly ein gutes Wort für die Linkspartei ein. Die taz besucht die stark beschäftigte Sensenfrau Santa Muerte in Mexiko. Und WuV liefert den Anmerkungsapparat zu einer Pressemitteilung des Handelsblatts.
Bücherschau des Tages
19.02.2013 Endlich hat sich jemand getraut, eine umfassende Biografie des preußischen Juristen Friedrich Carl von Savigny zu schreiben, freut sich die SZ. Außerdem taucht sie mit Navid Kermani in die "beunruhigte Welt" des Orients ein. "Ego" ist lesenswert, aber deshalb ist Schirrmacher noch lange nicht links, meint die FR. Die NZZ verfolgt mit Hilary Mantel die Intrigen Thomas Cromwells am Hof Heinrichs VIII. und untersucht mit Anna Kim elf Selbstmorde in der arktischen Nacht Grönlands.
Medienticker-Archiv
19.02.2013 Nur einen Klick entfernt: Unseren täglichen Shitstorm gib uns heute - Lektion Medienbildung: Vom Eigenleben eines Zitats - Thomas Kochs sieben Thesen zur Zukunft von Medien & Werbung - Der nicht gerechtfertigte Rundfunkbeitrag: Das Prinzip der Willkür und die ARD & ZDF müssen mehr bieten - Googles großer Bilderklau und Google startet Taxi-Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht + GEMA & YouTube schränken durch Ihren Streit die Pressefreiheit in Deutschland ein.
Mittwoch, 20.02.2013
Heute in den Feuilletons
20.02.2013 Die taz und andere Zeitungen berichten über offizielle iranische Proteste gegen die Vorführung von Jafar Panahis Film "Pardé" bei der Berlinale. "Die Welle gegen Amazon rollt", titelt die FAZ, nachdem einige Kleinverlage und Blogger ihr Konto beim Konzern gelöscht haben. Es hat gewisse Vorteile, bestimmte Bücher digital lesen zu können, antwortet Ulrich Johannes Schneider in der FAZ auf den Internetkritiker Roland Reuß. Die SZ erkundet Vor- und Nachteile des Dark Web.
Bücherschau des Tages
20.02.2013 Große Begeisterung allerorten über englischsprachige Klassiker in deutscher Erstübersetzung: die SZ bereist mit John Dos Passos den bereits unruhigen Orient der zwanziger Jahre, die FAZ geht mit Edward Lewis Wallant Mietschulden eintreiben im noch unglamourösen Manhattan der Sechziger, und die NZZ schaudert bei "Sydney Bridge Upside Down" vom neuseeländischen Autor David Ballantyne.
Medienticker-Archiv
20.02.2013 Aktualisiert: Otfried Preußler ist tot - Journalistenklage gegen den BND: Pressefreiheit vor dem Bundesverwaltungsgericht - Investigativer Journalismus: Brendan O'Neill über Journalisten auf Abwegen - Strategien: Zeitung von Morgen - So ändern sich die Zeiten: Schmidt lästert über "Wabbelkopf" Herres - Der Autismus unserer Zeit: Monika Scheele Knight zur Popularität einer Metapher + Wolfgang Müller über die Tödliche Doris & die Westberliner Subkultur der 80er.
Karikaturen und Cartoons
20.02.2013 Falscher Hase.
Im Kino
20.02.2013 Wo sind Energie, Eleganz, Exzess? Lang und dünn sind nicht nur die Hauptfiguren in Tom Hoopers durchgesungenem Musical "Les Misérables". In Paul Thomas Andersons "The Master" liefert sich ein leidender Zweiter-Weltkriegs-Veteran (Joaquin Phoenix) einem dämonischen Zuchtmeister (Philip Seymour Hoffman) aus und wird am Ende von einer Frau kuriert.
Donnerstag, 21.02.2013
Heute in den Feuilletons
21.02.2013 Der frisch gekürte Börne-Preisträger Peter Sloterdijk interveniert in der Perlentaucher-Debatte zu Monotheismus und Gewalt. Der Kreisanzeiger aus Kirchheim meldet Zweifel an der Amazon-Reportage der ARD an. In Berlin werden die ersten Bauten der IBA von 1987 abgerissen, berichtet der Tagesspiegel. In der NZZ befürwortet die tunesische Autorin Hélé Béji einen Dialog mit den Islamisten. Die SZ denkt darüber nach, wie die Fernsehsender ihre Erfolgsquoten bei jüngeren Zuschauern aufbessern können. Alle trauern um Otfried Preußler.
Bücherschau des Tages
21.02.2013 Angesichts seines neuen Romans "Nilowsky" ist die FR äußerst zufrieden mit der Entwicklung von Torsten Schulz. Die SZ plädiert mit Vladimir Jankélévitch für "Die Ironie" und staunt, dass Antonio Lobo Antunes auch in seinem neuen Roman "Der Archipel der Schlaflosigkeit" wieder aufs Ganze geht. Die Zeit ist begeistert von Henning Ritters elegantem Essay über die Grausamkeit und von "Bonita Avenue", dem Romandebüt des Niederländers Peter Buwalda. Die taz möchte nicht auch noch zu Frank Schirrmachers "Ego" beitragen.
Medienticker-Archiv
21.02.2013 Pressefreiheit: BDZV kritisiert das gestrige Leipziger Urteil & Juli Zeh unterliegt in Karlsruhe - Transparenz & offene Daten: Die Internet-Plattform Lobbyplag & Das nicht erreichbare Deutsche Datenportal - Kann die Meinungsfreiheit das Urheberrecht einschränken?, fragt Thomas Stadler - "Shitstorm": Sascha Lobo über den inflationären Gebrauch des Begriffs - E-Books: Bezahl nur Buchseiten, die du auch gelesen hast + Dreihundert nackte Museums-Besucher in Wien.
Essay
21.02.2013 Die Erzählung vom Bundesbruch durch den Tanz um das Goldene Kalb und die darauf durch Mose entfesselte Schlächterei ist grundlegend für das Judentum, aber auch für Christentum, Islam und säkulare Religionen. Dieses "Sinai-Schema" konfrontiert Gläubige mit der Forderung, Vertrauen in Gottes Gnade zu fassen, da er sie sonst gnadenlos vernichten wird. Wie umgehen mit den Intoleranz-Resten von Religion?
Karikaturen und Cartoons
21.02.2013 Red Nose Day.
Freitag, 22.02.2013
Heute in den Feuilletons
22.02.2013 Die Welt setzt Jan Assmanns Begriff der "mosaischen Unterscheidung" den Begriff der "abrahamitischen Unterscheidung" entgegen. Die taz wundert sich, wie wenig welthaltig Martin Kippenberger war. Die NZZ sucht den Kommunismus im neuen China. Die SZ wirft Wolfgang Kraushaar vor, einen Generalverdacht gegen die Linke zu schüren. Die FAZ fordert die noch lebenden Haschrebellen auf, endlich zu sagen, was sie wissen.
Bücherschau des Tages
22.02.2013 Viel Aufmerksamkeit für Wolfgang Kraushaars Buch über die "antisemitischen Wurzeln des deutschen Terrorismus": Die SZ fordert Beweise für seine Thesen, die FAZ fordert Geständnisse von Beteiligten. Außerdem liest die SZ mit großem Gewinn Johannes Birgfelds monumentale Studie über "Krieg und Aufklärung". Die FAZ vergnügt sich mit Eckhard Henscheids Lebenserinnerungen und schaut erschüttert auf die Katastrophenfotos von Enrique Metinides.
Medienticker-Archiv
22.02.2013 Leistungsschutzrecht & Presse-Zukunft: Verleger beim Kulturausschuss des Bundestages - Forderung nach
Förderung: Fonds für Online-Journalismus - Der Philosoph und Ökonom
Hartmut Kliemt über Antrieb und Anreizsysteme - Football Season is over: Gonzo-Journalist
Hunter S.Thompson im Porträt - Wenn aus Fernsehen Literatur wird:
David Hewsons Kommissarin Lund -
Fremdes Essen: Die Schweinebraten-Konkurrenz + Der Blues-Gitarrist
Magic Slim ist tot.
Karikaturen und Cartoons
22.02.2013 Bunga Bunga.
Samstag, 23.02.2013
Heute in den Feuilletons
23.02.2013 Spiegel online sagt leise Servus zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Anlass für eine Schimpfkanonade der FAZ über den Urheberrechtsvernichter Google. In der taz erklärt der Regisseur Kamboziya Partovi, warum ein schwaches Urheberrecht im Iran verbotenen Regisseuren nützt. In der NZZ huldigt Michail Schischkin Sergei Rachmaninow. In der Welt denkt Dan Diner über linken Antisemitismus nach. Die FR staunt über den Medienhansdampf Martin Kippenberger. In der SZ verficht Rick Smolan einen Big-Data-Humanismus.
Bücherschau des Tages
23.02.2013 Die NZZ ergibt sich entzückt Wsewolod Petrows "Manon Lescaut von Turdej" und gruselt sich vor Joachim Zelters "Untertan". Etwas altmodisch, aber doch beeindruckend findet die taz Steven Naifehs und Gregory White Smiths große Vincent-van-Gogh-Biografie. Auch bei "Falken", dem zweiten Band von Hilary Mantels Trilogie über Thomas Cromwell, staunt die FAZ, wie die britische Autorin es ganz allein geschafft hat, das Genre des Historienromans zu nobilitieren. Die FR flüchtet sich zu Nathanael Wests Kummerkastentante "Miss Lonelyhearts".
Montag, 25.02.2013
Heute in den Feuilletons
25.02.2013 In der taz porträtiert Gabriele Goettle den Aktivisten Timo Lange, der eine Registrierungspflicht für Lobbyisten fordert. Frankreich diskutiert anlässlich der Césars über die Gagen seiner Schauspieler. Die Welt stellt die feministische aserbeidschanische Künstlerin Aidan Salachowa vor. Im NYRBlog entwickelt Colm Toibin Mitgefühl für die Mutter von Proust. Die FAZ hofft, dass der Kampf ums Leistungsschutzrecht nicht ausgestanden ist. Alles über die Oscars der Österreicher und auch einiger Amerikaner in der Presse, der New York Times und anderswo.
Bücherschau des Tages
25.02.2013 So poetisch wie politisch findet die FAZ Grace Paleys Geschichten "Die kleinen Widrigkeiten des Lebens" aus den 50er Jahren. Größten Respekt flößen ihr Vernunft und Sachlichkeit des römischen Rechts ein, das sie im "Corpus Iuris Civilis" vorbildlich aufbereitet sieht. Die SZ versinkt in Hilary Mantels Cromwell-Roman "Falken" und versichert nach dem Auftauchen: Große Literatur!
Medienticker-Archiv
25.02.2013 Zoë Beck zur Amazon-Debatte: "Ach, Frau Beck, da hätte ich aber was für Sie" - AGOF-Studie: Bücher top beim Online-Kauf - Marktumsätze 2012: Zeit legt am meisten zu, stern im Sinkflug - Ich habe das Mammut gemolken: Theater-Nacht-Kritiken aus Berlin, Bonn, Hamburg und München - Happy End mit Zukunft: Der Papst der Bücher - Eine Sekunde Ruhm: Design & Punk + Der trotzige Stoiker: Hermann Lenz zum Hundertsten.
Vorgeblättert
25.02.2013 Marseille, Sanary und Haiti sind die Orte der Erinnerungen von Hans Christoph Buch. Eine Zeitreise, die ihn zu sich selbst führt und Raum für Fiktionen öffnet. Lesen Sie hier einen Auszug aus seinem neuen Roman "Baron Samstag oder Das Leben nach dem Tod".
Karikaturen und Cartoons
25.02.2013 Guru Meditation.
Dienstag, 26.02.2013
Magazinrundschau
26.02.2013 In The Brooklyn Rail erzählt der Animationsfilmer Ralph Bakshi, warum er Glück hatte, arm aufzuwachsen. Die NYT erklärt, warum wir Zucker, Salz und Fett nicht widerstehen können. Genau darum muss der Staat uns vor uns selbst schützen, lernt die NYRB. Und The Atlantic sammelt schon mal die Daten, die beweisen, wie sehr wir beim Essen gesündigt haben. Im New Statesman singt Jeannette Winterson ein Loblied auf den kreativen androgynen Geist. Im Guardian erzählt Aleksandar Hemon, warum er als Erwachsener seine ästhetischen Prinzipien revidieren musste. Und in El Pais erklärt Sergio Alvarez, warum der magische Realismus nicht mehr zeitgemäß ist.
Heute in den Feuilletons
26.02.2013 Nun will die Koalition die von der Presselobby servierte Kröte doch noch schlucken: Am Freitag soll das Leistungsschutzrecht verabschiedet werden. Im Internet kursiert eine Art Plakatkampagne gegen das Vorhaben. Im Tagesspiegel beschreibt der bulgarische Autor Georgi Gospodinov das System aus Korruption und Selbstbetrug in Bulgarien. Die SZ ist nicht zufrieden mit dem Oscar für "Argo". Die FAZ verfällt der aparten Traurigkeit des Martin Kippenberger.
Bücherschau des Tages
26.02.2013 Die SZ lässt sich vom Turiner Charme des Carlo Fruttero bezaubern, der als "Ein Herr mit Zigarette" von Italo Calvino, Paolo Conte und dem Kohlgeruch auf der Frankfurter Buchmesse erzählt. Geradezu frech findet die NZZ, wie Tom Wolfe in "Back to Blood" sein poetisches Können versteckt. NZZ und FAZ entdecken außerdem Hermann Lenz' Kriegsroman "Neue Zeit". Und die taz gewinnt Felix Saltens "Bambi" ganz neue Seiten ab.
Medienticker-Archiv
26.02.2013 Nur Mut!, ruft Tim Renner dem zdf.kultur-Killer Bellut zu - Über Gebühr: ARD, ZDF und die Sache mit der Transparenz - Deutsche Verlage als Datenkraken? Richard Gutjahr über die Datenfänger von Gütersloh & Wenn Schwarz-Gelb am Schwarzen Freitag die Peitsche schwingt - Strich drunter: Konstantin Neven DuMont gibt Verlagsanteile ab - Tilo Jungs Videoblog "Jung und naiv" + Hubert Spiegel besucht Botho Strauß in der Uckermark.
Karikaturen und Cartoons
26.02.2013 Mit den Tieren sind wir durch!
Mittwoch, 27.02.2013
Heute in den Feuilletons
27.02.2013 Die Zeitungen kriegen ihr Leistungsschutzrecht. Aber Google bleibt außen vor. Denn nach dem neuesten Entwurf bleiben Textsnippets erlaubt - nur was soll das Ganze dann noch?, fragen Netzpolitik, der Lawblogger Thomas Stadler, heise.de und Meedia. Warum paktieren die Öffentlich-Rechtlichen eigentlich so unanständig mit Springer und Burda?, fragt die taz. Die NZZ begrüßt die Neuübersetzung von John Stuart Mill. Die SZ feiert Roy Lichtenstein. Die FAZ bringt ein Manifest für das IT-Grundrecht.
Bücherschau des Tages
27.02.2013 "Frösche", der hochpolitische neue Roman von
Mo Yan, hat das Zeug, unser China-Bild zu verändern und das des Literaturnobelpreisträgers gleich dazu, staunt die
FAZ. Die
NZZ empfiehlt "Freiheit und Gleichberechtigung" als Einstieg ins Werk des britischen Liberalismus-Theoretikers
John Stuart Mill (
hier unser Vorgeblättert). Die
SZ hätte sich in
Anna Weidenholzers Romandebüt "Der Winter tut den Fischen gut" etwas weniger Graustufen und etwas mehr Erbaulichkeit gewünscht.
Medienticker-Archiv
27.02.2013 ... Geld für seinen Eigentümer zu verdienen: Über das Berufsbild des Journalisten & die Zukunft der Branche - Gregor Keuschnig über Anton Hungers "Blattkritik" - Vom Netz und zum Buch: Roland Reuß plädiert für ein vom Netz genommenes neues Selbst-Bewußtsein - Selfmade-Verleger Hugh Howey über seine e-Book-Erfolge - Erstmals seit 1999: Musikmarkt wächst wieder - Zelda Fitzgerald: Die Amy Winehouse der Roaring Twenties + Stephane Hessel ist tot.
Im Kino
27.02.2013 Nick Loves Polizeifilm "The Crime" ist verliebt in die kraftmeierischen Posen seines bulligen Protagonisten. Mel Gibsons Karriere ist derweil, wenn man Adrian Grunbergs Actionkomödie "Get the Gringo" zum Maßstab nehmen kann, im Untotenstadium angekommen.
Donnerstag, 28.02.2013
Heute in den Feuilletons
28.02.2013 Das Leistungsschutzrecht ist ein doppelter Sieg der Lobbyisten, meint Udo Vetter in seinem Lawblog: Google bleibt außen vor. Und die Zeitungen haben ein Instrument, mit dem sie Netzbürger einschüchtern können. Auch Justus Haucap, früherer Chef der Monopolkommission, sieht im Handelsblatt eine Abmahnwelle anrollen. Nüchtern blickt die Welt auf den entzauberten Papst. In der Zeit fordert der Roma István Forgács mehr Eigeninitiative von den Roma. Alle Zeitungen nehmen Abschied von Stéphane Hessel.
Bücherschau des Tages
28.02.2013 Die Zeit liest die DDR-Romane der Saison und stellt fest: der originellste stammt aus der Feder einer Westschnepfe: "Dichterliebe" von Petra Morsbach. Die NZZ geht in Tom Schulz' Lyrikband "Innere Musik" sinnliche Verstrickungen mit der Sprache ein. Die SZ sucht den Wandel im Stillstand (oder vice versa) in den Fotos von Bien-U Bae. Und die FAZ empfiehlt die frühen "Aufzeichnungen aus dem Krieg" als Anlass, alles von Julien Gracq zu lesen.
Medienticker-Archiv
28.02.2013 Der Staat lässt sich nur ungern von Journalisten in die Karten schauen: Stefan Aust fordert mehr Licht - Leben im Transit oder Dürfen Journalisten Politiker beraten? Politikberatung zwischen Mythos und Machbarkeitsglaube - "FRAZ": Die FAZ hat heute die FR gekauft - Wie ein Trüffelschwein: Die Videoplattform Watchever - Interview mit Slavoj Zizek über Waterboarding, Schlafentzug und überlaute Musik + Fußrubbelding: Was Einkaufszettel verraten.
Vorgeblättert
28.02.2013 200.000 Deutsche wurden zwischen 1939 und 1945 ermordet, weil sie psychisch krank oder zuweilen auch nur alt und dement oder tuberkulosekrank waren. Götz Aly konzentriert sich auf die Opfer, lässt sie in Dokumenten sprechen und zeigt, wie die Nazis operierten, aber auch die Bürger mitmachten, um diese Morde zu ermöglichen. Widerstand kam allenfalls von katholischer Seite. Lesen Sie hier einen Auszug aus Götz Alys "Die Belasteten".
Karikaturen und Cartoons
28.02.2013 Unglückskekse.