Dienstag, 02.04.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
02.04.2024 Appeasementpolitik hat schon die Römer nicht vor den Hunnen geschützt, warnt in der FAZ der Althistoriker Mischa Meier mit Blick auf Putin. Welt, FAZ, SZ und taz sind sich nach den Kommunalwahlen in der Türkei einig: Erdoğans Götterdämmerung hat begonnen. Zeit online sieht einen neuen Faschismus in Europa heraufziehen. Die Rechten durch Regierungsbeteiligung zu entzaubern, hat schon in Österreich nicht funktioniert, warnt die taz. Wo sind eigentlich die Freunde des Globalen Südens, wenn es um die von Islamisten und korrupten Regimen verursachten Krisen in Afrika geht, fragt die Welt.
Efeu - Die Kulturrundschau
02.04.2024 Der Tagesspiegel schaut besorgt auf die Haltung der Comicszene im Nahostkonflikt, die wieder mal sehr einseitig ist. Die NZZ ist begeistert von David Schalkos und Daniel Kehlmanns "Kafka"-Miniserie. Die FR kann sich nicht satt sehen an den Werken der "Maestras" der Malerei, die eine exquisite Ausstellung in Remagen zeigt. Und Mies van der Rohes New Yorker Seagram-Gebäude gibt es nun als Anzug, schmunzelt die SZ.
Medienticker
02.04.2024 Lesekrise &
soziale Ungleichheit - Hörfunk-Buchkritik über
Clara Lodewicks "Merel" - ein Handy, das langweilt - Nachruf:
Marse Conde ist tot -
Marvin Gaye starb vor 40 Jahren +
Digitaler Overkill - Wie wir wieder frisch im Kopf werden ...
Bücherschau des Tages
02.04.2024 Die FAZ ist erschüttert von Tahir Hamut Izgils Schilderungen der brutalen Unterdrückung der Uiguren durch das chinesische Regime. Mit Janice Halletts Krimi der "Der Twyford-Code" betreibt sie fröhliches Rätsellösen. Nicht nur was die Schauspielerin Katja Riemann in ihrem Buch über Flüchtlingscamps erzählt, beeindruckt die FR zutiefst, sondern auch wie: nämlich sprachlich brillant. Die SZ hat viel Freude mit Fang Fangs Roman "Glänzende Aussichten" über eine chinesische Familie. Und die taz blättert hingerissen durch Bastien Vivès Comic über einen Comiczeichner.
Mittwoch, 03.04.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
03.04.2024 In der FAZ bezichtigt Nikolaus Klimeniouk die Zeitungen, über Jahre hinweg für Verständnis für Russland geworben und die deutsche Politik beeinflusst zu haben. Derweil wirft der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev der Berliner Zeitung vor, ein Sammelbecken der Russophilie geworden zu sein. Erdogans Handelsbeziehungen zu Israel sind mitverantwortlich für seine Wahlschlappe, glaubt Bülent Mumay in der FAZ. In der SZ sieht Meron Mendel die Kunstfreiheit sowohl von Pro-Palästina-Aktivisten als auch von der deutschen Kulturpolitik bedroht. Jemand muss Benjamin Netanjahu aufhalten, ruft der Tagesspiegel.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.04.2024 Die Feuilletons trauern um die afro-karibische Autorin Maryse Condé, die im Alter von 90 Jahren gestorben ist. Wer mehr Drogen kennen möchte als die Apotheke, sollte sich nach Düsseldorf aufmachen zur großen Mike-Kelley-Schau, empfiehlt die FAZ. Ebenfalls die FAZ warnt davor, Architektur von ihrer Geschichte zu reinigen. Auf Medium wird eine Kasseler "Carmen"-Aufführung jenseits exotischer Männerfantasien bejubelt. Campinos Marsch durch die Institutionen ist am logischen Endpunkt angelangt, jubelt die Welt.
Medienticker
03.04.2024 In einem ARD-Film über Gerhard Schröder sagt er, Putin sei sein großer Freund - 90. Geburtstag von Donald Duck - Gil Scott-Heron - Lady Day And John Coltrane & 69 Love Songs (25th Anniversary) - Fachmedienverlag Oberauer kauft Newsdienst Turi2 - Daniel Kehlmann hat eine brillante Kafka-Serie geschrieben - Wie Sprachassistenten das Denken manipulieren + Unda Hörner über Erika Mann + Marlon Brando: Titan der Schauspielkunst zm 100. ...
Bücherschau des Tages
03.04.2024 Benjamin Koppels Debütroman "Annas Lied" über eine jüdische Familie ist unterhaltsam zu lesen und gleichzeitig tieftraurig, findet die FAZ. Die FR lässt sich von Andreas Stichmanns neuem Erzählungsband "Loreley" verzaubern. Dlf Kultur möchte gerne sein, wie die leidenschaftlich rauchende und freiheitsliebende Heldin aus Clara Lodewicks Graphic Novel "Merel". Dlf begegnet in Thomas Leers Buch "Kafkas Schere" Kampfhunden, Riesenmaulwürfe und "Philosoffen".
Donnerstag, 04.04.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
04.04.2024 Die Filmkritiker staunen darüber, wie zeitgemäß Paola Cortellesi vom von Gewalt geprägten Alltag der italienischen Frauen in der Nachkriegszeit erzählt. Beschämend findet die FAZ, dass mit dem ukrainischen Schriftsteller Serhij Zhadan nun wegen des Desinteresses des Westens ein Friedenspreisträger in den Krieg zieht. Die SZ blickt in London auf Zombies, Körperängste und andere Traumata, die Künstlerinnen in Stoff gefasst haben. Streikaufrufe führen zu Spaltung und Positionierungszwang, stellt Marius Babias, Direktor des Neuen Berliner Kunstvereins, in der Berliner Zeitung klar.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.04.2024 Vor dreißig Jahren begann der Völkermord in Ruanda - und Deutschland hat es noch immer nicht geschafft, die eigenen Rolle im Konflikt aufzuarbeiten, ruft die Zeit. hpd.de berichtet mit Sorge davon, wie britische Behörden vor radikalen Islamisten zurückweichen. Die NZZ befürchtet, dass das schottische Hate-Speech-Gesetz nur der Anfang einer weltweiten Einschränkung der Meinungsfreiheit ist. Die FR ist im Kulturkampfmodus und teilt gegen Susanne Schröter und Ahmad Mansour aus.
Medienticker
04.04.2024 Die Angst ums Urheberrecht: Gespräch mit Nina George - Zur Marktkonzentration im Medienjournalismus - Professor Punk Campino hält Vorlesung über Gebrauchslyrik - US-Philosophin Judith Butler soll Adorno-Preis zurückgeben - Musik als Zeitstrahl: John Cages "Organ²/ASLSP" - Im Hirn der KI: Trainingsdatensatz für moderne künstliche Intelligenz - Hörfunk-Buchkritik: Anbruch der Zeit - KI und Urheberrecht & neue Literaturformate auf Youtube Café lit & in TV Longreads bzw. Bücher, über die wir nochmal reden wollen ...
Bücherschau des Tages
04.04.2024 Durchs wilde Zarenreich zieht die FAZ mit Yaniv Iczkovits' messerschwingender Heldin und Schächterin Fanny, die gleich noch dem jüdischen Patriarchat eine Lektion erteilt. Hundert Jahre später, in der stalinistischen Sowjetunion, erging es Frauen auch nicht viel besser, lernt sie aus Vladimir Vertlibs "Die Heimreise". Etwas mehr Reibung hätte sich die NZZ gewünscht, wenn Annett Gröschner, Peggy Mädler und Wenke Seemann sich betrinken und den idealen Staat gründen. Die Zeit schwärmt von Maren Kames' "Hasenprosa".
Freitag, 05.04.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
05.04.2024 Der Autorenfilm ist sowas von zurück - zumindest in Italien, freut sich der Filmdienst. Die FR hüpft mit Daffy Duck durch die Schirn direkt hinein in die Abgründe von Cosima von Bonin. Joanna Chens Essay über ihre Ankunft in Israel ist vom Magazin Guernica offline genommen worden: "Ich wurde zensiert, weil ich Israeli bin", sagt sie in der Welt. Die NZZ fordert: Killt den Kult um Currentzis! Die FAZ stellt im Deutschen Theater fest: Die Nibelungen gehen auch böse aus, wenn sie feministisch sind.
9punkt - Die Debattenrundschau
05.04.2024 Die FAZ fragt: Warum gibt die ARD für Sport mehr Geld aus als für Politik und Gesellschaft? Philipp Oswalt fordert Claudia Roth jetzt auf, alle Teile am Berliner Stadtschloss, die von Rechtsextremen gespendet wurden, schwärzen zu lassen und die Spendenbeträge an antirassistische Initiativen weiterzureichen, meldet der Tagesspiegel. In der FR will Yanis Varoufakis Frieden schaffen, indem er der Ukraine den Eintritt in die Nato verwehrt. Der Spiegel erzählt, wie Microsoft ein Problem bei Linux entdeckte.
Bücherschau des Tages
05.04.2024 Die FR wendet sich mit düsteren Geschichten von George Saunders dem „sonnenbeschienenen Leben“ zu. Die FAZ lernt Élisée Reclus als „Denker der Mikromächte“ kennen. Die SZ bewundert, mit wieviel Witz und Lebensmut Karen Köhler Kindern Vergänglichkeit erklärt. In der Welt lässt sich Katja Hoyer von der Soziologin Uta Bretschneider und dem Historiker Jens Schöne durch Erotikshops im Osten führen. Dlf Kultur versucht indes mit Sabine Rennefanz die ostdeutsche Provinz hinter sich zu lassen. Dank Sonia Kleindorfer lernt er die Persönlichkeiten von Graugänsen kennen.
Samstag, 06.04.2024
Medienticker
06.04.2024 Aktualisiert: Endlich regt sich auch in den Anstalten Selbstkritik: ARD+ZDF müssen grundlegend reformiert werden - Der Tod ist obligatorisch, das Alter fakultativ: Am Telefon mit Gianna Nannini - 200 Stars kritisieren zunehmenden Einsatz von KI in der Musikbranche & in der Verlagsbranche: Stell dir vor, es ist Buchmesse und du kannst richtig viel Geld verdienen - Leonie Schöller entlarvt die sogenannten "großen Männer" - Warum es einen neuen Historikerstreit gibt + Unverstanden, glorifiziert und unsterblich: Kurt Cobain starb vor 30 Jahren + Wochenend-Hörtipps ...
9punkt - Die Debattenrundschau
06.04.2024 Die Universität Köln hat Nancy Fraser die Einladung zur Albertus-Magnus-Professur 2024 entzogen, weil sie den Brief "Philosophy for Palestine" unterschrieben hat - renommierte deutsche Geisteswissenschaftler protestieren. Die SPD hat sich das "ostpolitische Gute-Nacht-Lied" solange vorgesungen, bis das politisch-kritische Denken eingeschläfert wurde, meint der Historiker Jan C. Behrends bei Spon. Unterstützung bekommt Olaf Scholz indes von Juli Zeh in der Berliner Zeitung. In der taz berichten die ungarischen Schriftsteller Dénes Krusovszky und Ferenc Czinki, wie der Kulturbetrieb in Ungarn zunehmend zentralisiert wird.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.04.2024 Der chinesische Schriftsteller Yang Lian wirft in der FAZ Kollegen seiner Zunft vor, nur im Ausland die Position des Dissidenten einzunehmen, während man sich Zuhause regimetreu gibt. Außerdem verfolgt die FAZ die irritierende Museumspolitik in Russland. In Albert Ostermeiers Stück "Stahltier" in Berlin sieht die SZ Leni Riefenstahl als Nazi und Narzisstin. Die FAZ ist unbeeindruckt vom "Olympischen Dorf" in Paris. Und die FAS verneigt sich vor der iranischen Sängerin Googoosh.
Bücherschau des Tages
06.04.2024 Anna Seghers wiederentdeckter Roman "Der Weg durch den Februar" ist für die FAS schlicht ein literarisches Meisterwerk. Dlf liest gefesselt Anjet Daanjes Roman "Der erinnerte Soldat" und fühlt sich bei diesem literarischen Spiel mit Doppelgängern an E.T.A Hoffmann erinnert. Die taz findet bei Sabine Adler Antworten auf die Frage "Was wird aus Russland?". Fasziniert blättert sie außerdem in Ma Yuans Erzählungen "Drei Arten, Papierdrachen zu falten", die von Tibet und dem kolonialen chinesischen Blick erzählen.
Montag, 08.04.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
08.04.2024 Vor einem halben Jahr verübte die Hamas ihre Pogrome an israelischen Zivilisten. Die Medien bringen viele pessimistische Einschätzungen der Lage: Gegen Al Qaida oder den Islamischen Staat kämpften noch Bündnisse, Israel steht alleine da, meint Bernard-Henri Lévy im Midi Libre. Israel ist zum Paria-Staat geworden, findet Jonathan Freedland im Guardian. Das "Nie wieder" war nie so gemeint, fürchtet Howard Jacobson in Unherd. Serhij Zhadan hat sich zur Armee gemeldet, sein Übersetzer Juri Durkot erklärt in der Welt, warum. Russen würden nie eine Schuld zugeben, erzählt Viktor Jerofejew in der NZZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.04.2024 Migrantische Stimmen werden von der französischen Gesellschaft nicht gehört, sagt die Filmemacherin Alice Diop in der NZZ. Der Tagesspiegel fällt bei Hakan Savaş Micans Adaption von "Unser Deutschlandmärchen" fast vom Sitz des Gorki Theaters. Außerdem denkt er über gigantomanische Bauten nach. Die Welt hält den Beschwerden über Klaus Mäkeläs junges Alter entgegen: Dirigenten müssen nicht mehr reifen wie guter Wein.
Magazinrundschau
08.04.2024 Compact ruft uns die ethnische Säuberung der Armenier in Bergkarabach zurück ins Gedächtnis. In Eurozine erinnert der ukrainische Schriftsteller Mykola Rjabtschuk indes daran, wie auch die Westeuropäer die Ukraine verleugneten. Bei Denik Referendum prognostiziert der tschechische Politologe Jiří Pehe das Verschwinden Mitteleuropas im Spalt zwischen dem Westen und Russland. Newlines möchte von Nigeria wissen, wie es mit den restituierten Benin-Bronzen weitergeht. Und der New Yorker erinnert am Beispiel der Warhol-Muse Candy Darlin daran, wie trans Personen auch während der Schwulenbewegung im New York der Siebziger ausgegrenzt wurden.
Medienticker
08.04.2024 Analyse von Franz Kafkas literarischem Schaffen - Gratulation: Christoph Hein wird heute 80 - Zauberflöte: Abschied von der Aufklärung + Der Archivar der DDR & Halles Ehrenbürger: der Schauspieler & Tatort-Kommissar Peter Sodann ist tot ...
Bücherschau des Tages
08.04.2024 Die SZ schaudert es, wenn sie in Christian Neefs Band "Das Schattenregime" von den Aktivitäten des sowjetischen Geheimdienstes nach dem Zweiten Weltkrieg liest. Außderdem zieht sie mit Klaus Bachmann Bilanz nach acht Jahren PiS-Partei in Polen. Die FR begibt sich mit Ulrich Peltzers Roman "Der Ernst des Lebens" auf Sinnsuche. Und der Dlf denkt mit Carolin Emckes Poetikvorlesungen darüber nach, "Was wahr ist".
Dienstag, 09.04.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
09.04.2024 Zornig reagiert Nancy Fraser in der FR auf die Absage der Kölner Uni: Statt zu canceln, sollten sich die Deutschen mit der Breite des Judentums auseinandersetzen, schimpft sie und spricht von "philosemitischem McCarthyismus". So ein Irrsinn, entgegnet Claus Leggewie im Kölner Stadt-Anzeiger, aber die Ausladung findet er trotzdem falsch. Die FAZ wirft Claudia Roths "Rahmenkonzept Erinnerungskultur" Revisionismus vor. Ein von rechten Spendern finanziertes Schloss ist nicht automatisch rechts, meint der Architektursoziologe Harald Bodenschatz ebenfalls in der FAZ. In der SZ berichtet der Kirchenhistoriker Reinhard Flogaus, wie die Russische Orthodoxe Kirche zum "heiligen Krieg" aufrüstet.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.04.2024 Der neue Song der Antilopen-Gang sorgt mit seiner Kritik am linken Antisemitismus für Aufregung: man hört auch nur, was man hören will, seufzt der Tagesspiegel. Die Welt dankt Steven Zaillian auf den Knien für dessen für Netflix entstandene Highsmith-Adaption des "talentierten Mr. Ripley". Die SZ bewundert in der Wiener Albertina Modern die Schönheit von Diversität. Die taz lernt, dass auch Architektur sexistisch sein kann.
Medienticker
09.04.2024 Verlagsporträts: Literarische Diverse Gespräch mit der Verlegerin Yasemin Altınay & ein solidarischer Kleinverlag für Kinder- und Jugendbuchautoren: Lieferbar - Buchkritiken zu B. Travens "Totenschiff" & Wolfgang Schäubles "Erinnerungen" - Deutschlandfunk-Hörfunk-Tipps: Europäische Jazz-Vielfalt & Hörspiel "Schnitte" von Rolf Dieter Brinkmann ...
Bücherschau des Tages
09.04.2024 Die FAZ empfiehlt Nona Fernandez' Roman "Twilight Zone", der die erschreckende Parallelität von Alltag und Gewalt während der Diktatur in Chile erzählt. Die SZ ist ganz baff von Delafs neuem Gaston-Comic: Nostalgie abfeiern und auf eine "neue Anarchie" hoffen, geht also zusammen, staunt sie. Dlf bejubelt die Wiederentdeckung von Margaret Drabbles Roman "Mühlstein" über eine ungewollte Schwangerschaft in den Swinging Sixties. Dlf Kultur denkt mit Ole Liebl über Liebe und Freundschaft nach.
Mittwoch, 10.04.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
10.04.2024 Antisemitismus ist ihnen nicht neu, aber die Erfahrung, von der universellen Gültigkeit der Menschenrechte ausgeschlossen zu werden, machen sie erst seit dem 7. Oktober, sagen Ofer Waldman und Sasha Marianna Salzmann im Tagesspiegel. Schon die junge Bundesrepublik machte Geschäfte mit Diktaturen, erinnert der Historiker Frank Bösch in der FR. Im taz-Gespräch wirft Nancy Fraser der Uni Köln Verleumdung vor. Nach einem 600-seitigen Expertenbericht hofft die taz auf Streichung von Paragraf 218. Und die FAZ weiß, was unter der neuen rechten slowakischen Kulturministerin Martina Šimkovičová blüht.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.04.2024 Die Filmkritik hat wenig Freude an Woody Allens neuestem Streich - die FAZ würde "Ein Glücksfall" am liebsten ins Museum verbannen. Die taz verteidigt die Antilopen-Gang und die ratlose Traurigkeit ihrer Antisemitismuskritik. Die SZ fragt sich, warum Jenny Erpenbeck im englischsprachigen Ausland gefeiert wird - in Deutschland jedoch nicht. In den Aufnahmen des Modefotografen Paolo Roversi verblühen und verglühen Farben, bewundert die FAZ. Die Welt feiert postmigrantisches Theater jenseits von Verzichtsethik im Berliner Gorki Theater.
Bücherschau des Tages
10.04.2024 Einen "anthropologischen Reiseführer" hält die FAZ mit Nino Vetris Band "Marcitero" in Händen, der mit beißendem Sarkasmus von einem sizilianischen Dorf und seinen wenig sympathischen Bewohnern erzählt. Zudem ist sie beeindruckt von der Lakonie, mit der Stefan Çapaliku in "Tirana - Ein kurzer Traum" über das Albanien des Jahres 1943 schreibt. Die SZ verfolgt mit Gundolf S. Freyermuth den sensationellen Lebensweg des Journalisten und Moderators Wolfgang Menge nach, der vieles war, nur kein Spießer. Die NZZ entdeckt in Philipp Felschs Habermas-Biografie Zorn hinter einer kühlen Fassade.
Donnerstag, 11.04.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
11.04.2024 Die Filmkritiker schweben im cinephilen Himmel, wenn Alice Rohrwacher in "La Chimera" von einer Gruppe toskanischer Grabräuber in den Achtzigern erzählt. Das Literaturhaus Leipzig hat eine Lesung von Matthias Jüglers "Maifliegenzeit" abgesagt, weil der keine Belege zu vorgetäuschten Säuglingstoden in der DDR bringen wollte. Jügler ist kein Archivar, schimpft die FAZ. Ausgerechnet jetzt ist Schluss mit dem deutsch-israelischen ID-Festival im Radialsystem, weil die Förderung des Bundes ausläuft, ärgert sich der Tagesspiegel. In der Zeit hat die israelische Künstlerin Yael Bartana Sorge Israels Regierung zu kritisieren, weil sie sonst "von Deutschen antisemitisch genannt werde".
9punkt - Die Debattenrundschau
11.04.2024 All unsere munteren kleinen Kulturkriege werden zu immer neuen Peripetien getrieben. Nancy Fraser ist jedenfalls immer noch stinksauer, dass das mit der Ehrenprofessur in Köln nicht klappt - das sei ein Verstoß gegen die Verfassung, sagt sie in der Zeit. Sie hat noch weitere Aufrufe unterschrieben, informiert die FAZ, darunter einen, der Israel vorwirft, die Sexualmorde der Hamas für sich auszubeuten. Claudia Roth kriegt es auch ganz schön ab: Der Protestbrief von Gedenkstättenleitern gegen ihr Konzept von Erinnerungskultur zieht immer weitere Kreise.
Bücherschau des Tages
11.04.2024 Die FAZ erfährt aus Luna Alis Roman "Da waren Tage", was Flucht und Gewalt in einem jungen Menschen anrichten können, auch wenn er sich in einem sicheren Land aufhält. Trost findet sie in Dierk Wolters Familien-Roman "Dienstag". Die NZZ taucht mit Daniel Brösslers Biografie über den amtierenden Kanzler ein in die "Blackbox" Olaf Scholz und findet wenig Sympathisches. Dlf schwärmt von den Gedichten der verstorbenen Lyrikerin Barbara Köhler. Mit dem Erzählungsband "Als ich noch unsterblich war" von Christoph Ransmayr geht er auf Entdeckungsreise.
Freitag, 12.04.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
12.04.2024 Die Hamas hat überhaupt kein Interesse daran, den Krieg zu beenden, denn "jeder tote Palästinenser, der blutend in die Kamera gehalten wird, bringt ordentlich Cash, das fröhlich in Katar ausgeben werden kann", erklärt Mirna Funk in der Welt. In der SZ streiten Gesine Schwan und Martin Schulze Wessel über die Russlandpolitik der SPD. Deutschland "ist ein manisch-depressiver Musterschüler, der es allen recht machen möchte", ruft der Spiegel jenen entgegen, die die deutsche Haltung gegenüber Israel kritisieren. Und im Tagesspiegel weiß Bénédicte Savoy, wie viel Raubkunst noch in deutschen Museen lagert.
Efeu - Die Kulturrundschau
12.04.2024 Zeit, der deutsch-jüdischen Kunstvermittlerin Galka Scheyer endlich den Platz in der Kunstgeschichte freizuräumen, der ihr zusteht, finden taz und monopol. Das Filmprogramm in Cannes wird von SZ und Tagesspiegel als ausgewogene Mischung zwischen Klassikern und Debütanten gelobt, die Welt hingegen hätte sich auch deutsche Beiträge gewünscht. Die taz denkt mit dem Architekten Steffen Adam über die Möglichkeiten des sozialen Wohnungsbaus nach. In VAN befürchtet der estnische Komponist Jüri Reinvere, dass Estland zum Freiwild für russische Aggressionen wird.
Bücherschau des Tages
12.04.2024 Als "Weltliteratur" preist die NZZ Szczepan Twardochs mitten im Krieg entstandenen Roman "Kälte", der durch das 20. Jahrhundert in Russland führt. Die Welt bewundert, wie klug Robert Menasse über ein souveränes demokratisches Europa nachdenkt und nebenbei gegen Merkel austeilt. Dlf Kultur hat den Geruch von Stoffen geradezu in der Nase, so sinnlich schreibt Monika Helfer von ihrer Leidenschaft. Der Dlf kämpft mit Melanie Möller für die Freiheit der Literatur. Und die FR lässt sich von traurig-schönen Gedichten von Feodor Pellmann wachrütteln.
Samstag, 13.04.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
13.04.2024 Im Tagesspiegel diskutieren Nicole Deitelhoff und Peter Neumann über das Einfrieren des Kriegs gegen die Ukraine. In der SZ erklärt Marina Winkler, was sich hinter der russlandfreundlichen Rhetorik der slowakischen Regierung verbirgt: Das Ziel, den Rechtsstaat zu zerstören. Die taz entnimmt einer neue Studie, welche Strapazen Frauen auf sich nehmen müssen, die abtreiben wollen. Zwanzig Jahre Kopftuchverbot in Frankreich haben der Islamophobie die Türen geöffnet, glaubt der Guardian. Auf dem inzwischen aufgelösten Palästina-Kongress in Berlin wäre die Vernichtung des Staates Israels geplant worden, meint die FAZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.04.2024 Die FAZ bewundert in Seoul die Fresken des Künstlers Anri Sala, die Techniken der Renaissance, des albanischen Handwerks und analoger Fotografie in den Dienst der Auferstehung stellen. Zeit online rieselt mit Katharina Kollmanns Album "Haus" deutsch-deutsche Identitätspolitik fein durch die Finger. Die SZ mokiert sich über den riesigen neuen und "klimafreundlichen" King Salman Airport. Die NYT sieht den Modedesigner Roberto Cavalli mit Zigarre im Mundwinkel in seinem schillernd violetten Helikopter gen Himmel schweben. Die FAZ ruft leise Servus zum enfant terrible des Designs, dem wunderbaren Gaetano Pesco.
Bücherschau des Tages
13.04.2024 Die FAZ schwelgt in einem Bildband über Yves Saint-Laurent, der ihr zeigt, wie der Designer mit Form und Farbe spielte. Die SZ freut sich über einen Band mit bunten, wilden Erzählungen von Pedro Almodovar. Die taz lässt sich von der Osteuropa-Historikerin Tara Zahra die Globalgeschichte zwischen den beiden Weltkriegen erzählen. Außerdem denkt sie mit Leslie Jamison darüber nach, wie sich Kinder und Kunst vereinbaren lassen. Der Dlf staunt einmal mehr, wie es Mathias Enard vermag, anhand einzelner Figuren die große Weltgeschichte zu entfalten.
Montag, 15.04.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
15.04.2024 8,5 Millionen Flüchtlinge, Abertausende Tote, eine grassierende Hungersnot, Gewalt und Grausamkeit: Aber in diesem Fall ist die Öffentlichkeit eher desinteressiert, denn es handelt sich um die Krise im Sudan, die im Tagesspiegel aufgegriffen wird. Der iranische Angriff auf Israel löst unterschiedliche Reaktionen aus: Hat Israel ihn provoziert? Im Observer erzählt Kenan Malik, wie aus Antirassismus Identitätspolitik wurde. Die FAZ attestiert Claudia Roth "umfassendes kulturpolitisches Versagen".
Efeu - Die Kulturrundschau
15.04.2024 Die FAZ bewegt sich mit Eike Weinreichs Inszenierung von Viktor Jerofejews Roman "Der große Gopnik" in Freiburg in den "erogenen Zonen von Kultur und Macht". Die FAZ begegnet im Frankfurter Städel-Museum Käthe Kollwitz' "Schwarzer Anna" und ihrer Sense. Berlinale-Moderatorin Hadnet Tesfai und das ZDF wehren sich dagegen, als Sündenböcke für den Berlinale-Eklat herzuhalten: Die "Aufarbeitung" dieses Falls ist wirklich ein unwürdiges Schauspiel, seufzt der Tagesspiegel. In Backstageclassical warnt der New Yorker Intendant Peter Gelb: Die amerikanische Opernkrise wird auch nach Europa kommen.
Bücherschau des Tages
15.04.2024 Die FAZ reist mit dem Naturforscher Georg Forster in die Südsee. Außerdem lauscht sie der erschütternden Geschichte von Julien Greens "Adrienne Mesurat". Die SZ erkennt mit Gernot Bauer und Robert Treichler, wie der FPÖ-Politiker Herbert Kickl die Demokratie in Europa aushebeln will. Die NZZ ruft mit Daisy Hildyard den "Notstand" aus und ergründet die Verflechtungen von Natur und Menschheit.
Dienstag, 16.04.2024
Magazinrundschau
16.04.2024 In Desk Russie fragt Sergej Lebedew, wann die russischen Interellektuellen anfangen wollen, die stalinistischen Verbrechen aufzuarbeiten. Im New Statesman sieht John Gray schwarz für den akademischen Betrieb. The Critic fragt, warum sich niemand für das Elend im Sudan interessiert. Quietus hört sich durch die elektronischen Subgenres südafrikanischer Popmusik. The Insider nimmt eine Unterrichtsstunde in der U-Bahn von Charkiw. Und der New Yorker lädt 27 verschiedene Blutlachen bei Quixel herunter.
9punkt - Die Debattenrundschau
16.04.2024 Wird es zu einem großen Krieg im Nahen Osten kommen? Im Großen und Ganzen befürchten das weder Olivier Roy (FR) noch Michael Wolffsohn (Welt) noch Gilles Kepel (FAZ) und zwar vor allem deshalb, weil die meisten arabischen Staaten den Iran nicht unterstützen würden. Der Daily Mail fragt allerdings, was Britannien tun würde, regneten 150 Drohnen, 30 Cruise Missiles und etwa 120 ballistische Missiles auf es herab. In der Welt diagnostiziert der Schriftsteller Artur Weigandt eine Art Patho-Russophilie der Serben. § 218 ist ein Unrechtsparagraf, der abgeschafft gehört, fordert die FR.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.04.2024 "Die Geschichte von Salman Rushdie ist die Geschichte unserer Gegenwart", schreibt die SZ anlässlich der Erscheinung seines neuen Buches, in dem er das Attentat auf ihn verarbeitet. Die FAZ freut sich, dass der Autor trotz allem Grauen seinen Humor behalten hat. Der Tagesspiegel begegnet im Buch einem ungewöhnlich privaten Rushdie. Die NZZ besucht das neu sanierte Holocaust-Museum in Amsterdam. Die Nachtkritik tauchte beim Istanbuler Theaterfestival in faszinierende Parallelwelten ab. Die FAZ betritt bei einer Retrospektive von Roni Horn in Köln eine Wunderkammer der Fluidität.
Bücherschau des Tages
16.04.2024 Mit Spannung wurde Salman Rushdies Buch "Knife" erwartet: Die SZ ist schwer beeindruckt, wie Rushdie mit seiner persönlichen Erzählung auch die Geschichte unserer Zeit schreibt. Literarisch brillant und gleichzeitig tieftraurig, findet Dlf. Eine glühende und kluge Streitschrift gegen die Bedrohung des europäischen Nationalismus hält die SZ außerdem mit Robert Menasses "Die Welt von morgen" in den Händen. Die NZZ zieht den Hut vor Andrea Petkovic, die nicht nur hervorragend Tennis spielen, sondern auch begnadet über die Welt des Spitzensports schreiben kann.
Mittwoch, 17.04.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
17.04.2024 Auf der Biennale in Venedig bleibt der israelische Pavillon geschlossen. Ruth Patir, die dort ausstellen wollte, fordert die Freilassung der Geiseln und einen Waffenstillstand in Gaza. Boykott lehnt sie dennoch ab. Die Jungle World freut sich über ein satirisches Filmtableau, das die iranische Glaubensbürokratie aufs Korn nimmt. In Berlin wird DDR-Architektur abgerissen, die einst zur Hebung der Lebensfreude errichtet wurde, ärgert sich die SZ. Die FAZ freut sich: Am Hamburger Schauspielhaus wird endlich wieder in die Hände gespuckt.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.04.2024 Auf ZeitOnline diagnostiziert der Politikwissenschaftler Ali Fathollah-Nejad eine unumkehrbare Kluft zwischen iranischer Regierung und Gesellschaft. Die Welt fordert eine Zeitenwende auch mit Blick auf den Iran. Im Guardian wirft die israelische Politologin Dahlia Scheindlin Netanjahu vor, den zionistischen Gründungsgedanken aufs Spiel zu setzen. Die taz erfährt von dem Politologen Kai Arzheimer: Das Bündnis Sahra Wagenknecht ist die Partei für Menschen in der Midlife-Crisis. Und die FR fordert: Stärkt Kulturinstitutionen in ländlichen Gegenden.
Bücherschau des Tages
17.04.2024 Die FAZ lernt von Tom Mustill, wie man sich mit Walen unterhalten kann. Die FR widmet sich mit Thomas Medicus dem schillernden Leben von Klaus Mann. TAZ , FAZ und NZZ ziehen den Hut vor Salman Rushdies "Knife": Weder seine Kampfeslust noch seinen Humor hat er verloren, staunt die NZZ. Die Welt fragt sich mit Daniel Bogner, wie die Kirche wieder zu einem Orientierungspunkt in Sachen Liebe und Beziehung werden könnte.
Donnerstag, 18.04.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
18.04.2024 China hält dem Iran weiterhin den Rücken frei, weiß Zeit Online. Es ist hässlich, aber die diplomatischen Gespräche mit Iran dürfen auf keinen Fall abbrechen, warnt Spon. Im Guardian fürchtet die in Brüssel lebende saudische Menschenrechtsaktivistin Lina al-Hathloul um ihre Schwester: die darf nicht mehr aus Saudi-Arabien ausreisen, weil sie dafür kämpft, dass Frauen Autofahren dürfen. In der FAZ erklärt Hedwig Richter, warum die deutschen Politiker eine "Suppen-Kasper-Freiheit" propagieren und was daran gefährlich ist. In der SZ erzählt Wolfgang Tillmans, warum er ausgerechnet die SPD Sachsen mit einer 50.000 Euro Spende unterstützt.
Efeu - Die Kulturrundschau
18.04.2024 Erste ernüchterte Eindrücke von der Biennale in Venedig, die vor allem Kunst aus dem Globalen Süden zeigt: Was ist das denn nun, fragt die Welt und die Zeit stellt fest: Auch queere oder indigene Künstler können sehr altbacken sein. Immerhin der deutsche Pavillon ist überwältigend, meint die SZ, die von Ersan Mondtag lernt: Türkische Gastarbeiter und DDR-Bürger teilen ein Schicksal. Die Filmkritiker erfahren mit Alex Garland und Kirsten Dunst, wie man das Leid in einem amerikanischen Bürgerkrieg betrachtet. Und in der Zeit ekelt sich Feridun Zaimoglu vor zeitgenössischem Theater.
Bücherschau des Tages
18.04.2024 Die FAZ versinkt in den Love Letters, die Virginia Woolf und Vita Sackville-West tauschten. Die FR liest Erzählungen von Pedro Almodovar. Die NZZ kostet koreanische Tempelküche von Jeongkwan Snim. Die Welt kann die Predigt von Hedwig Richter und Bernd Ulrich zu Verzicht und Entsagung nicht ganz ernst nehmen. Die Zeit lässt sich von den berühmtesten Fußballern die schönsten Tore malen.
Freitag, 19.04.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
19.04.2024 In der NZZ versucht der ukrainische Schriftsteller Sergej Gerassimow, das Wesen des von Putin verkörperten Bösen zu definieren. Appeasement bringt auch gegenüber Serbien nichts, warnt der Politologe Alexander Rhotert in der Welt. Der 7. Oktober war kein Terroranschlag. Er war der Beginn eines neuen globalen antisemitischen Krieges, schreibt Esther Shapira in der Jüdischen Allgemeinen. In auffälliger Parallelität zum Drohnenangriff auf Israel verschärft das iranische Regime seinen Rollback gegen Frauen ohne Kopftuch, berichtet die taz.
Efeu - Die Kulturrundschau
19.04.2024 Die FAZ ist ganz zufrieden mit der Kunstbiennale in Venedig. Die taz erzählt, wie die Biennale zum Wohle des "Globalen Südens" westliche Sanktionen gegen Russland unterläuft. Im Blick auf Ryūsuke Hamaguchis Film "Evil Does Not Exist" fragt sich die Filmkritik, ob es eine ökologische Filmästhetik gibt. Der Schriftsteller Christof Weigold erzählt im Filmdienst, warum er keine Drehbücher mehr schreibt.
Bücherschau des Tages
19.04.2024 Die FAZ lernt von Frank Trentmann, dass die Deutschen, je weiter sie sich vom Zweiten Weltkrieg entfernen, den europäischen Nachbarn immer ähnlicher werden. Die FR liest in drei Essays, wie Volker Braun versucht, mit Gewalt zu leben. Dlf Kultur bewundert, wie eindringlich Tierno Monénembo die Schreckensdiktatur von Ahmed Sékou Touré in Guinea beschreibt. Und der Dlf lobt das Feingefühl, mit dem Lutz van Dijk Kindern vom Schicksal der Holocaust-Überlebenden Rozette Kats erzählt.
Samstag, 20.04.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
20.04.2024 Die Präsidentin des Goethe Instituts, Carola Lentz, äußert sich im FAS-Gespräch doch ein wenig unklar zu den jüngsten Streitereien im Kulturbetrieb - vor allem rät sie doch nicht immer über "einige wenige Fälle" zu reden, wo Probleme auftauchen. Ebenfalls in der FAS findet es Ronya Othmann überhaupt nicht provinziell, sich gegen Antisemitismus zu wehren. In der taz erklärt Gabriel Zuchtriegel, Leiter der archäologischen Stätte von Pompeji, warum der Begriff des "Sklaven" so wichtig ist. Und alle Feuilletons üben sich mit Blick auf Kant im Selbergedenken.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.04.2024 Die Kritiker drehen weiter Runden auf der Biennale von Venedig. Die SZ lernt im Ukraine-Pavillon die Sprache von Tod und Vertreibung. Die taz findet das Motto "Foreigners everywhere" gut - nur warum muss man das Fremde denn noch fremder machen als es ist? Die FAS beklagt, dass man beim Deutschen Filmpreis eher auf Konsens denn auf Kunst setzt. Und alle hören Taylor Swifts neues Album - auf dessen Veröffentlichung gleich noch ein zweites folgte. Die Nachtkritik hat Depressionen selten schöner gesehen als bei Alexander Giesches Abschieds-Inszenierung in Zürich.
Bücherschau des Tages
20.04.2024 Die FAZ freut sich: Florian Wackers Roman "Zebras im Schnee" über die Architektur- und Designbewegung "Neues Frankfurt" erscheint pünktlich zu deren Jubiläum. Die taz durchlebt mit Olena Sachartschenkos vielschichtigem Roman "Kämpferinnen" die Proteste auf dem Majdan in Kyiv. Dlf hat einen heißen Tipp für alle Philosophie-Fans: Onur Erdurs Essay "Schule des Südens", der die koloniale Vergangenheit und die postkoloniale Gegenwart der "französischen Theorie" aufarbeitet. Dlf Kultur reist mit Tom Holland ins Alte Rom, wo blutrünstig gemordet und heiß geliebt wird.
Montag, 22.04.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
22.04.2024 In der Zeit entwirft Michael Walzer ein Szenario für einen Frieden zwischen Palästinensern und Israelis nach dem Sieg über die Hamas. Die arabischen Länder haben ein Drogenproblem, von dem vor allem das Assad-Regime in Syrien profitiert: Captagon - die taz geht ihm nach. Erleichtert nimmt die FAZ zur Kenntnis, dass die USA der Ukraine nun endlich wieder Waffen liefern. Die taz berichtet, wie dem Schriftsteller Antonio Scurati ein Auftritt im italienischen Staatsfernsehen verwehrt wurde - er wollte über Melonis Postfaschisten und ihr Verhältnis zur Geschichte sprechen.
Efeu - Die Kulturrundschau
22.04.2024 Der Goldene Löwe der diesjährigen Venedig-Biennale geht an den australischen Künstler Archie Moore - damit gewinnt die "strengste und stillste" Installation des Wettbewerbs, findet die SZ. Wegen Solidaritätsbekundungen mit Israel werden die Kurzfilmtage Oberhausen nun boykottiert, erklärt der Festivalleiter Lars Henrik Gass in der SZ. Vollkommen irre findet es Dirigent Antonio Pappano in der FAZ, dass Klassik und Oper der Vorwurf gemacht wird, zu sehr in den Archiven der eigenen Geschichte zu stecken. Die FAZ-Kritiker bekommen außerdem große Augen bei einer Pracht-Ausstellung in Konstanz über das Kloster Reichenau.
Bücherschau des Tages
22.04.2024 Die SZ empfiehlt Matthew Desmonds wütendes Manifest über Armut in den USA, von der vor allem Reiche profitieren. Für die FR ist Vigdis Hjorths Roman "Ein falsches Wort" über Missbrauch in der Kindheit keine leichte, aber eine faszinierende Lektüre. Dass sich Gegensätze anziehen, sieht die NZZ in den "Love Letters" von Virginia Woolf und Vita Sackville-West bestätigt. Die taz fühlt sich durch Sonja Yakovlevas explizite Scherenschnitte überfordert, aber selbstermächtigt.
Dienstag, 23.04.2024
Magazinrundschau
23.04.2024 Die London Review beschreibt den staunen machenden internationalen Drogenhandel, den das kleine Montenegro betreibt. New Lines beleuchtet das Schicksal der Pamiri, einer Minderheit in Tadschikistan. Meduza porträtiert die estnische Glasmeisterin Dolores Hoffmann. Artforum sucht einen neuen Blick auf den Impressionismus. Harper's sucht nach den Gründen für den Niedergang der US-Filmindustrie.
9punkt - Die Debattenrundschau
23.04.2024 In der FAZ kritisiert Masha Alekhina von Pussy Riot die Ukrainepolitik der Deutschen und ruft Olaf Scholz zu: Hab endlich Eier! Die NZZ stellt Claudia Roths Geschichtsbewusstsein in Frage. In der taz fordert Alexander Schwarz vom Verein ECCHR die Einhaltung des internationalen Rechts im Gazakrieg - aber nur von Israel. Bei den Ruhrbaronen fordert Thomas Wessel die Kulturinstitutionen auf, BDS-Anhängern nicht einfach nur abzusagen, sondern sich endlich mit dem Phänomen inhaltlich auseinanderzusetzen. Die Hamburger Morgenpost soll künftig nur noch einmal die Woche im Print erscheinen, meldet die FR.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.04.2024 Die taz sucht auf der Biennale nach dem iranischen Pavillon und findet nur ein Phantom. Backstage Classical beäugt skeptisch die Entourage der Klassiklegende Justus Frantz, der wohl kein Problem hat, mit Rechts- wie Linkspopulisten das Glas zu heben. Die FAZ singt "Es lebe der Zentralfriedhof" - allerdings findet sie in Herbert Fritschs neuem Stück in Wien keine makabre Friedensutopie. Die NZZ fragt, ob wir uns dank KI bald mit Romanen unterhalten können.
Bücherschau des Tages
23.04.2024 Die SZ wandelt mit Natasha Tretheweys autobiografischem Roman über den Mord an ihrer Mutter zwischen "bleischwerem Gegenstand" und "federleichter Poesie". Die taz freut sich über den zweiten Band von Pirkko Saisios autobiografischer Romanreihe: In "Gegenlicht" setzt sich die finnische Autorin mit ihrer Homosexualität auseinander. Die FAZ lässt sich von André Uzulis erklären, warum der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr vergeblich war. Die NZZ schwelgt in den Briefen, die Guillaume Apollinaire an seine Geliebte Louise de Coligny-Chatillon verfasste.
Mittwoch, 24.04.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
24.04.2024 Knapp die Hälfte der nominierten Autoren und Übersetzer wirft dem PEN America eine zu israelfreundliche Haltung vor, in Folge ist die Verleihungsfeier des Literaturpreises abgesagt worden, meldet unter anderem die SZ. Die FAZ listet die Werke auf, die der russische Großverlag Eksmo-AST auf Druck einer "Experten"-Kommission canceln muss. Es gibt keine russische Nation, sondern nur eine "Ansammlung von zig Kulturen unter einem imperialen Dach", sagt die Schauspielerin Valery Tscheplanowa in der Berliner Zeitung. Die Filmkritiker bewundern, wie Matthias Glasner die schwachen Stellen des Schmerzes in seinem Film "Sterben" auslotet.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.04.2024 Was für ein trauriger Sinkflug: Die Losung "Frieden schaffen ohne Waffen" ist inzwischen bei Björn Höcke gelandet, notiert der Historiker Volker Weiß in der SZ. In der FAZ will Jürgen Kaube Hedwig Richters vegane Suppe partout nicht essen. Im Tagesspiegel erhofft sich Marina Weisband durch ein AfD-Verbot mehr Zukunft für die Demokratie. Nochmals in der FAZ wirft Armin Nassehi einen "dritten Blick" auf den Gaza-Konflikt. Und was macht Steinmeier mit Erdogan?
Bücherschau des Tages
24.04.2024 Dlf empfiehlt den neuen Roman von Abdulrazak Gurnah "Das versteinerte Herz" über eine Jugend im von Revolutionen erschütterten Sansibar der siebziger Jahre. Außerdem bewundert er den "stilistischen Mut" der US-amerikanischen Wissenschaftlerin und Aktivistin bell hooks. Die FAZ freut sich über Tessa Hadleys Roman "Das Jahr der Veränderungen", in dem mehrere Familiengenerationen in ihrem walisischen Heimatort Cardiff aufeinandertreffen. Die taz wohnt mit Tuvia Tenenbom ein Jahr lang im ultraorthodoxen Jerusalemer Viertel Mea Sharim. Die NZZ begleitet Elizabeth Pichs abgedrehtes "Fungirl" ins Emoji-Ministerium.
Donnerstag, 25.04.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
25.04.2024 Im Tagesspiegel erzählt Ronya Othmann, wie schwierig es war, über das Massaker des IS an den Jesiden zu schreiben. Die Berliner Zeitung schaut im Barberini in die sphinxhaft leeren Mandelaugen von Amedeo Modiglianis selbstbewussten Evas. Die Filmkritiker wundern sich, dass in Luca Guadagninos "Challengers" erstaunlich wenig auf dem Tennisplatz gebumst wird. Und die SZ blickt mit Alexander Zeldin an der Schaubühne in die Schmutzecken der Klassengesellschaft.
9punkt - Die Debattenrundschau
25.04.2024 Auf Spon fordern Politiker aus Brasilien, Südafrika, Spanien und Deutschland eine Globalsteuer für Milliardäre, die sich vor der Einkommenssteuer drücken können. Die SZ fürchtet mit der Teil-Legalisierung von Cannabis kriminelle Zustände wie in den Niederlanden. In der Welt hat der Philosoph Philipp Hübl die Nase voll vom großen Moralspektakel in Debatten. Ähnlich geht es dem Pädagogen Bernd Ahrbeck, der in der FAZ die Wissenschaftsfreiheit in Gefahr sieht. Im Tagesspiegel erklärt Berlins Kultursenator Joe Chialo, wie er den deutschen Kolonialismus mehr in unsere Erinnerungskultur rücken möchte.
Bücherschau des Tages
25.04.2024 Die FAZ versinkt in einem Band mit deutscher erotischer Literatur des 18. Jahrhunderts. Die FR lernt vom neoklassischen Dichter Vittorio Alfieri, warum Aufklärung der Passion nicht entgegenstehen muss. Die NZZ liest mit Alexander Hemons "Die Welt und alles, was sie enthält" die inzwischen utopisch anmutende Liebesgeschichte zwischen einem Juden und einem Muslim. Der Spionagethriller lebt, freut sich die Zeit und empfiehlt Charles den Tex' "Repair Club" als Beweis. Der Dlf fährt mit Eric de Kuyper Ende der 1940 in die Sommerferien nach Ostende.
Freitag, 26.04.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
26.04.2024 "Einfrieren" ist nicht der richtige Weg, sagt der Historiker Jörn Leonhard, Autor des Buchs "Über Kriege und wie man sie beendet", in der SZ. In Zeit-Online warnt die italienische Philosophin Donatella di Cesare vor einer "Orbanisierung Italiens". Die FAZ schildert einen seltsamen Streit zwischen russischen Faschisten, die glauben, sie seien Antifaschisten. Auf den Seiten der Naumann-Stiftung erzählt die deutsch-israelische Journalistin Sarah Cohen-Fantl, warum sie mit ihrer Familie nach Israel zurückzieht.
Efeu - Die Kulturrundschau
26.04.2024 Die Volksbühne verabschiedet sich mit einer Trauerparty von ihrem Intendanten René Pollesch, Tagesspiegel und Berliner Zeitung sind froh und wehmütig zugleich. Alle wichtigen Schriftsteller leben im Exil, sorgt sich die NZZ um die Zukunft der russischen Literatur. Die Kritiker freuen sich über die intime Kenntnis der deutschen Schlagerszene, die die Pet Shop Boys auf ihrem neuen Album zeigen. Artechock und Blickpunkt Film machen sich Gedanken zum Antisemitismus auf Filmfestivals. Wolfgang Tillmans macht sich im Interview mit dem Tagesspiegel für die differenzierende Mitte in der Kulturpolitik stark.
Bücherschau des Tages
26.04.2024 Die FAZ denkt mit Lorenz Jäger über die Kunst des Lebens und Sterbens bei Homer, Marx, Joni Mitchell und vielen anderen nach. Peter Gülke verdankt sie einen packenden Bericht aus dem Konzertalltag. Der Dlf zerlegt mit Nora Schramm poetisch und ironisch eine Ehe nach vierzig Jahren. Außerdem profitiert er von Volker Brauns Erfahrungen im Umgang mit Gewalten. Dlf Kultur reist mit dem Historiker Andreas Renner die Nordostpassage entlang und analysiert die Interessen russischer Herrscher.
Samstag, 27.04.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
27.04.2024 Die Filmkritiker trauern um Michael Verhoeven, mit dem ein Stück westdeutscher Autorenfilmgeschichte zu Ende geht. Nachtkritik und Tagesspiegel sitzen gebannt in ihren Waben, wenn Kay Voges Sibylle Bergs Systemumsturz-Spektakel "RCE" auf die Bühne des Berliner Ensembles bringt. Die SZ berichtet, wie der Berliner Technoclub about blank, ein Safe Space für die LGBTQ-Szene, für seine proisraelische Haltung von queerfeministischen Kollektiven angefeindet wird. Die taz ist mit Rainald Goetz entsetzt, wie brutal Michael Rutschky in seinen Tagebüchern mit engsten Freunden abrechnete.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.04.2024 Im Interview mit Zeit online plädiert die Ethikprofessorin Ingrid Robeyns dafür, dass niemand mehr als 1 Million Euro oder höchstens 10 Millionen besitzen sollte. Die NZZ erklärt, warum die polnische Erinnerungspolitik eines Wandels bedarf. In der taz fordern Sylvie Goulard und Daniel Cohn-Bendit ein föderales Europa. Der Rapper Toomaj Salehi wurde im Iran zum Tode verurteilt, berichtet die SZ. Die Welt ist einigermaßen fassungslos, welche Rechte das neue Selbstbestimmungsgesetz Eltern über ihre Kinder gibt. Die FAZ erzählt, warum syrische Flüchtlinge im Libanon nicht integriert werden.
Bücherschau des Tages
27.04.2024 Der hingerissene Dlf taucht mit Aris Fioretos' Roman "Die dünnen Götter" in die Punkszene New Yorks in den Siebzigern ein. Dlf Kultur lässt sich von einer Fee verführen, die Angela Krauß im Traum erscheint. Die taz lernt mit Kristin Höllers Roman "Leute von früher" Erwachsenwerden an der Nordsee. Die FAZ vertieft sich in die "Hackbibel 3" des Chaos Computer Clubs und stellt fest: Die Hacker sind in die Jahre gekommen, aber immer noch weit vorne in punkto Netzdebatte.
Montag, 29.04.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
29.04.2024 Die antiisraelischen Studentenproteste gehen weltweit weiter. Londoner Behörden packen jetzt Holocaust-Mahnmale ein, um sie vor Vandalen zu schützen, berichtet Daily Mail. Die SZ greift einen Artikel des Tech-Kritikers Cory Doctorow auf und prangert neue Formen des Überwachungskapitalismus an: Du merkst es an der Sitzheizung in Deinem BMW! In Zeit online will Politikwissenschaftler Marcus Bösch nicht mehr nur Jugendliche vor Tiktok schützen.
Efeu - Die Kulturrundschau
29.04.2024 Der Musikwissenschaftler Esteban Buch fordert in Backstage Classical eine Aufarbeitung von Karajans Sympathien für Hitler - und eine neue Europa-Hymne. Der Leiter der Kurzfilmtage Oberhausen Lars Henrik Gass schildert in der taz, wie das Filmfestival nach seinen Solidaritätsbekundungen mit Israel boykottiert wird. Die NZZ bekommt von Romeo Castellucci am Theater Basel gezeigt, wie man Mozarts Requiem aufführt - als "Feier des Lebens". Die FAZ sieht in einer Ausstellung in Venedig himmlische Brüste.
Bücherschau des Tages
29.04.2024 Die SZ erfährt von Walter J. Lindner, was Deutschland von Indien lernen kann und muss. Außerdem lobt sie, dass Daniel Mullis in seinem Band "Der Aufstieg der Rechten in Krisenzeiten" nicht moralisiert - seine Gesprächspartner hätte sie aber gerne besser kennengelernt. Die NZZ kämpft mit Melanie Möller für die Freiheit der Literatur. Die FAZ freut sich über Gabriel Felbermayrs luziden Essay zur europäischen Wirtschaftspolitik.
Dienstag, 30.04.2024
Magazinrundschau
30.04.2024 Granta beobachtet nervös die mörderischen Aktivitäten der Wagner Söldner in Zentralafrika und die Bewegungen der Drogenkartelle in den Bergen Mexikos. New Lines besucht in Ruanda die Kinder der Täter des Genozids. Himal berichtet über die Deportation von Afghanen aus Pakistan. Im New Statesman fragt der Historiker Quinn Slobodian: Was bleibt von Thomas Pikettys "Kapital im 21. Jahrhundert"? Artalk besucht den tschechisch-slowakischen Pavillon in Venedig. In Persuasion plädiert der Philosoph Kwame Anthony Appiah dafür, Identität ein bisschen leichter zu nehmen.
9punkt - Die Debattenrundschau
30.04.2024 Im Interview mit Zeit online ärgert sich die Schriftstellerin Mithu Sanyal über die "Sündenbock-Funktion", die dem Postkolonialismus seit dem 7. Oktober zugeschoben werde. Die FAZ wundert sich nicht über die antisemitische Stimmung an amerikanischen Universitäten: Hass auf Israel und den Westen sei dort signifikanter Bestandteil des Kerncurriculums. Antisemitische Proteste? Überhaupt nicht, wehrt sich auf CNN ein jüdischer Student, der die kollektive Entscheidungsfindung der Demonstranten in Yale lobt. Die SZ fragt, warum nur der § 218 einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit eines Menschen erlaubt.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.04.2024 Die Welt sieht für den Schriftstellerverband PEN nach den jüngsten Entgleisungen von BDS-nahen Mitgliedern keine große Zukunft mehr. Außerdem staunt sie über die "Immaterialität" des gigantischen Bauprojekts "Neom" in der Wüste Saudi Arabiens. Das hätte Wagner nicht gefallen: FAZ und FR sehen Matthew Wilds homosexuellen "Tannhäuser" in Frankfurt. Die israelische Sängerin Eden Golan sollte ihr Hotelzimmer während des ESC in Malmö nicht verlassen, berichtet die taz.
Bücherschau des Tages
30.04.2024 Die FAZ taucht mit Kettly Mars tief in den haitianischen Vodoo-Kult ab. In Hanna Kiels literarischen Tagebüchern liest sie über die Besatzung von Florenz durch die deutsche Wehrmacht . Die taz ist hin und weg von Thomas Kunsts Gedichtsammlung "Wü", in der es Kritik an wohlfeiler Befindlichkeitslyrik hagelt. Die Welt überschüttet Thomas Medicus' Biografie über Klaus Mann mit Lob: Endlich lässt ihn jemand aus dem Schatten seines Vaters heraustreten.