Montag, 01.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
01.02.2016 Twitter streitet über Ai Weiwei, der am Strand von Lesbos die Pose des ertrunkenen Flüchtlingsjungen Alan Kurdi einnimmt. Im Standard spricht Orhan Pamuk über seinen Istanbuler Jedermann Mevlut: fleißig, religiös, konservativ. Die SZ erlebt, wie Yo-Yo Ma Träume mit einem Silberstift nachzeichnet. Die FAZ erklärt sich den Relevanzverlust des Gegenwartstheaters mit seiner moralischen Hyperhygiene.
9punkt - Die Debattenrundschau
01.02.2016 Nur Hirnforscher wissen, was Materialismus ist, sagt der Neurochirurg Henry Marsh im Gespräch mit der FR. Es gibt kein Verschweigen wesentlicher Informationen in den Medien, insistiert die NZZ, wohl aber Konformismus. In der FAZ erklärt Timothy Snyder, warum Genozide nicht aus der Perspektive nationaler Geschichte zu verstehen seien. In Frankreich erregt die ehemalige Justizministerin Christian Taubira mit einem heimlich geschriebenen Buch Aufmerksamkeit. In der SZ fordert Paul Scheffer eine Kultur des Diskutierens und Benennens.
Medienticker
01.02.2016 Lügen in Zeiten des Internets: Gerüchte, Falschmeldungen, Propaganda - Der Fortschritt am Ende: Felix Philipp Ingold über literarische Kreativität - Ende der Geschichte: Plagiatsvorwürfe gegen Kehlmann erledigt - Theater-Nachtkritiken aus Jena, München, Rostock & Wien - Fahnenträger der Frustrierten: Richard Ford noch einmal über Donald Trump - Kritische "Mein Kampf"-Edition: Das verkannte Genie schimmert immer durch, meint Patrick Bahners.
Bücherschau des Tages
01.02.2016 Überglücklich ist die SZ, Hector Oesterhelds dystopischen Comic-Klassiker "Eternauta" endlich einmal auf Deutsch lesen zu können. Absolut richtig findet die FAZ, dass Margot Friedlander ihre Erinnerung selbst als Hörbuch eingesprochen hat. Sehr emfpehlen kann sie auch Lesungen von Cervantes und Musil.
Tagtigall
01.02.2016 Über die Präzision von Fantasmen und den Band "Tumor Linguae" des polnischen Dichters Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki. (Foto (c) Marta Sputowska)
Dienstag, 02.02.2016
9punkt - Die Debattenrundschau
02.02.2016 Wie beängstigend die Stimmung in Deutschland ist, belegt ein Interview der Leipziger Volkszeitung mit dem Leipziger Polizeipräsidenten Bernd Merbitz, der vor Pogromen in Sachsen warnt. Kenan Malik benennt in seinem Blog das übelste Dilemma der europäischen Flüchtlingspolitik: Sie ist entweder machbar und nicht durchsetzbar oder unmöglich, aber populär. Der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi warnt im hpd vor einer zu engen Kooperation der Politik mit den konservativen Islamverbänden. In Frankreich stellen sich Intellektuelle gegen eine drohende Verfassungsänderung.
Magazinrundschau
02.02.2016 Die New York Review of Books und der Merkur lesen Ta-Nehisi Coates' Essay über den Rassismus in Amerika. In Telerama beschreibt Omar Sy die unterschiedlichen Erfahrungen amerikanischer und französischer Schwarzer. Im New Yorker denkt Elif Batuman über die Verlockungen der Unterwerfung nach. In Hospodarske noviny warnt der Komponisten Miroslav Srnka: Achtung, gleich kommt zeitgenössische Musik! Im New Republic ruft Werner Herzog das Jahrhundert der Einsamkeit aus. Himal porträtiert die Künstlerin Faiza Butt.
Efeu - Die Kulturrundschau
02.02.2016 In München wurde Miroslav Srnas Oper "South Pole" uraufgeführt. Die FAZ schmilzt frierend unter Gletscher-Glissandi und Frostgeist-Formeln dahin. Die SZ erlebte, wie Eisfelder in Lava umgeschmolzen wurden. Noch elektrisierender fand die NZZ allerdings Toshio Hosokawas Hamburger Fukushima-Oper "Stilles Meer". Und die NYRB bewundert die sowjetische Foto-Avantgarde aus einem neuen Blickwinkel.
Medienticker
02.02.2016 Manfred Schneider über das schlechte Gedächtnis des Internets - Unter dem Radar: Datenschutz bei Netzanbietern - Das Buch: Goldstandard in den Geisteswissenschaften & Öffentliche Bibliotheken bleiben wichtig - Börse: Google-Mutter Alphabet wertvoller als Apple - Warten auf den Exodus? Deutsche Beteiligungen an russischen Medien - Interviews mit Fritz Stern zu seinem 90. Geburtstag + Kafka. Ich mach mit!, ruft Jochen Schmidt.
Bücherschau des Tages
02.02.2016 Die NZZ erlebt in Orhan Pamuks neuem Roman "Diese Fremdheit in mir" den Zerfall Istanbuls. Die FAZ kommt voll auf ihre Kosten mit Gerd Haffmans Sammlung "Die komischen deutschen Erzähler". An Anja Reschkes Band "Und das ist erst der Anfang" zur Flüchtlingspolitik schätzt sie die Verbindung von humanitärer Idee und informiertem Realismus. Die SZ lernt von Ernst Peter Fischer, dass erst seit dem Barock die Nacht nicht nur zum Schlafen da ist.
Mittwoch, 03.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
03.02.2016 Der Guardian blickt zurück auf die feministische Porno-Kunst der siebziger Jahre. Die FAZ verteidigt Ai Weiwei. Die SZ wünscht sich eine Architektur, die Städte schafft, nicht nur Gebäude und Räume. Die NZZ lauscht Cowboy-Liedern im Nebel. Und Vanity Fair erzählt, wie Joan Didion das alte Los Angeles zerstörte.
9punkt - Die Debattenrundschau
03.02.2016 In dramatischen Farben schildert Pankaj Mishra im Guardian die Umtriebe der Hindu-Nationalisten, die nun sogar Arundhati Roy mit Gefängnis bedrohen. Die SZ erstellt eine Psychopathologie von AfD und Pegida und begegnet dem Thymos mit den Listen der Rhetorik. Silke Burmester legt in der taz offen, wie Gruner und Jahr mit den festen Freien umgeht. Nein, Twitter ist noch nicht am Ende, ruft Will Oremus in Slate. Und in der Berliner Zeitung fragt Götz Aly: "Wer macht denn die Arbeit? Die Politiker oder ich?"
Medienticker
03.02.2016 Im Silicon Valley der Medienbranche: Huffington Post, Upworthy, NowThis & Co. - Media for Equity-Deal: Springer steigt bei Clark.de ein - Amazons Expansion: Mehr als 300 Buchläden geplant - Wa-Po-Leaks: Jeff Bezos und seine "Washington Post" - Urheber-Vertrags-Reform: Verfassungsrechtlich bedenklich + Asket & Alphatier: Hans-Ulrich Wehler in einer biografischen Skizze + Tiefsinn & Nonsense: Felix Philipp Ingold über Dostojewski als Dichter des Absurden.
Bücherschau des Tages
03.02.2016 Die FR folgt staunend Erika Tophovens Geschichte des Hochstaplers und Beckett-Übersetzers Karl Franz Lembke. Die NZZ ist beeindruckt von Kathrin Schärers Bilderbuch über einen schlauen Fuchs und den Tod. Die SZ liest mit Angelika Krebs' "Zwischen Ich und Du" den ersten bedeutenden deutschsprachigen philosophischen Beitrag zu Henry James. Die FAZ empfiehlt die Neuübersetzung des Brontë-Klassikers "Jane Eyre" von Melanie Walz.
Im Kino
03.02.2016 Alexis Alexious faszinierender Neo-Noir "Mittwoch 04:45" suhlt sich in einem artifiziellen Lichterbad. In "Suffragette - Taten statt Worte" gelint Sarah Gavron eine umfassende Darstellung eines wenig bekannten Kapitels der für das Wahlrecht kämpfenden Frauenbewegung in Großbritannien in den 1910er Jahren.
Donnerstag, 04.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
04.02.2016 Die Sowjetunion lebt noch! Jedenfalls in der Sprache des russischen Autors Sergej Lebedew, dem Per Leo in der FAZ ein Ständchen bringt. Ulla Lenze lernt in Basra, dass auch konservative Frauen im Irak Entwicklungsspielräume fordern. Der Freitag begutachtet kopfschüttelnd neue deutsche Serien. Warum machen wir keinen Skandal, fragt sich der Filmemacher Christoph Hochhäusler in seinem Blog. Kein einziges 'klassisches' Repertoirestück figuriert unter den zehn 'bemerkenswerten' Aufführungen des diesjährigen Theatertreffens, notiert die NZZ.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.02.2016 "Hört das denn nie auf?", fragt der Jesuit und Psychologe Hans Zollner in der Zeit, nachdem neue Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche bekannt wurden. Hans Hütt reiht bei Zeit online Peter Sloterdijk, Rüdiger Safranski und andere Autoren in ein "intellektuelles Freikorps" ein. Die SZ will ihr Bargeld behalten. Techcrunch erläutiert, wie Google die Werbelandschaft ordnet. Politico.eu hofft, dass Wladimir Putins Scherge Ramsan Kadyrow in Bedrängnis gerät. Im Tagesspiegel fürchtet Sonja Margolina einen neuen Antisemitismus in Deutschland.
Medienticker
04.02.2016 Leipziger Buchpreis: Die 15 Nominierten - Novitäten-Karussell: An Tempo zugelegt - Rezensions-Statistik: Balken & Kurven - E-Book-Buchpreisbindung: Passt nicht zum Markt, meint Kolja Mensing & Wolfgang Tischer fragt: Was ist daran bitte neu? - Blendle-Charts: Zehn Medien in der Top Ten - Recht & Medien: Die Lügenpresse - Leben im Netz: Cyberpsychologie - Transmediale 2016: Whistleblower-Ehrung.
Bücherschau des Tages
04.02.2016 Die SZ feiert Ivan Vladislavics magischen Roman "Double Negative" über Johannesburg kurz vor und nach Überwindung der Apartheid. Abbas Khiders Roman "Ohrfeige", der die verzweifelte Situation schlecht verwalteter Flüchtlinge in Deutschland aufs Korn nimmt, beeindruckt die FAZ und lässt die Zeit ungerührt. Die NZZ sieht Adolph Menzels Bilder dank Werner Busch mit ganz neuen Augen. Die Zeit hört den Klang der Wut des Pianisten James Rhodes.
Vorgeblättert
04.02.2016 Nacht für Nacht sitzt ein alter Mann in einer Bar in Oran und erzählt. Seine Geschichte und die seines Bruders Moussa, jenes Arabers, der 1942 von einem gewissen Meursault erschossen wurde. Daoud schreibt den berühmten Roman "Der Fremde" weiter - zugleich eine Reflexion auf das Verhältnis der ehemaligen Kolonie zu Frankreich und einer der meist beachteten Romane in Frankreich in den letzten Jahren.
Freitag, 05.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
05.02.2016 Alles Dada heute. Die taz sucht in einer ganzen Ausgabe nach dem Erbe von Dada. Die NZZ erkundet den Dadaglobe und den Geist von Dada. Außerdem: Die Welt kommt schreckensstarr aus Michael Bays Bengasi-Thriller "13 Hours". Die Filmkritiker blicken in die grünen Augen Charlotte Ramplings. Die Spex feiert das Musik-El-Dorado, das ihr Streamingdienste eröffnen. Die Jungle World hört die beste Queer-Politics-Hymne, die je von weißen heterosexuellen Männern geschrieben wurde.
9punkt - Die Debattenrundschau
05.02.2016 Thomas Schmid vernimmt in der deutschen Debatte einen beunruhigenden "Weimarer Ton", auch unter Intellektuellen, und fragt, woher der Hass kommt. Während die NZZ die düstere Wirtschaftslage Russlands ausmalt, zeichnet Politico.eu ein Porträt des Dissidenten Alexej Nawalny, der einsam, aber unverdrossen weitermacht. In der SZ ist dem niederländischen Autor René Cuperus sowohl das helle, als auch das dunkle Deutschland unheimlich. Die FAZ kritisiert das Internet. Und die taz wünschte, dass Lenin sich von Dada hätte anstecken lassen.
Medienticker
05.02.2016 Aktualisiert: Alle gegen Google & Co.: Das neue Wir-Gefühl der Print-Vermarkter - PR-Ankündigung von Julian Assange: Dieser Mann wusste, was er tat - Hinter den Kulissen: Wie Bestsellerlisten gemacht werden - Spaß-Autor: Dirk van Gunsteren über Thomas Pynchon - Friedenspreisträger: Ex-Verleger Krüger verteidigt Adonis - BR1 ohne Volksmusik: Es brodelt in der Szene + "Dada ist eine Rose, die eine Rose im Knopfloch trägt".
Bücherschau des Tages
05.02.2016 Als milde, klug, unprätentiös und wertfrei lobt die FR Franziska Gerstenbergs Erzählband "So lange her, schon gar nicht mehr wahr". Die SZ entdeckt mit "Wolke und Walzer" von Ferdinand Peroutka einen europäischen Jahrhundertroman und erkennt in Ta-Nehisi Coates' Manifest "Zwischen mir und der Welt" den Text zur Stunde. Und die faszinierte FAZ begibt sich mit dem von Sigrid Schneider herausgegebenen Fotoband "Frauen im Revier" auf Zeitreise durchs Ruhrgebiet.
Samstag, 06.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
06.02.2016 Die taz fordert, hofft, verspricht: Von jetzt an keine literarischen Routinen mehr. Die Welt bewundert das Anti-Design des Josef Frank. Der Standard staubt Monets Seerosen ab. Die NZZ erlebt in Mailand einen wahrhaft irritierenden Pirandello. Und die SZ feiert Dada als Proto- und Post-Punk, zeigt aber keine Gnade gegenüber seinen Epigonen.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.02.2016 Die Flüchtlingszuwanderung ist keine Krise, weil sie nicht verschwinden wird, meint Harald Welzer in der taz. Der Guardian wundert sich über das UN-Urteil im Fall Julian Assange. Bei der NSA teilen sich Bock und Gärtner bald ein Büro, meldet golem.de. Die NZZ bricht eine Lanze für François Margolins kontroverse Dokumentation "Salafistes". Georg Seeßlen denkt im Freitag über unsere Hyperinformationsgesellschaft nach. Und der polnische Außenminister Zbigniew Ziobro sorgt sich in der FAZ um die Pressefreiheit in Deutschland.
Bücherschau des Tages
06.02.2016 Ben Lerner beherrscht den Stil der Stunde perfekt, versichert die taz und lobt den Roman "22:04" für seine Mischung aus Theorie, Transzendenz und Atmosphäre. Mit Begeisterung liest sie auch Maria Sonia Cristoffs Geschichte einer anarchistischen Aussteigerin "Lasst mich da raus". Die Welt feiert Klugheit und Raffinesse von David Grossmans neuem Roman "Kommt ein Pferd". Die FR liest mit stockendem Atem Romane der Migration: Abbas Khiders Fluchtgeschichte "Ohrfeige" und Katharina Winklers Geschichte weiblicher Ohnmacht "Blauschmuck".
Montag, 08.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
08.02.2016 Von Karin Beiers Hamburger Houellebecq-Inszenierung hätten sich die Kritiker eher einen Energiestrom als einen Kraftakt erhofft. Wie virtuos Edgar Selge jedoch das Elend männlicher Dekadenz darstellt, hat sie begeistert. In der NZZ blickt Wolfgang Kemp nach Katar, wo Scheicha Al Mayassa wieder einmal den Museumsbetrieb um sich schart. Der Guardian wandert durch Daido Moriyamas Tokio. Die FAZ blickt auf die durchaus erfüllte Liebe von Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Die Welt fragt sich, warum im Berlinale-Wettbewerb nur ein einziger deutscher Film läuft.
9punkt - Die Debattenrundschau
08.02.2016 In der taz sucht die Kultursoziologin Juliana Roth nach historischen Gründen für Fremdenfeindlichkeit in Osteuropa. In der Welt diagonistiziert der blutjunge Denker Armin Nassehi eine "Geronto-Maskulinisierung" der Debatte. In der NZZ empfiehlt Hans-Ulrich Gumbrecht Wettbewerb. Der Tagesspiegel fürchtet, dass die Öffentlich-Rechtlichen ihre Gebühren demnächst hauptsächlich fürs Eintreiben der Gebühren ausgeben. BHL verteidigt den Film "Les Salafistes". Les Inrocks empfiehlt ein Buch über arabische Feministinnen. Und Twitter soll nicht algorithmisch werden!
Medienticker
08.02.2016 Aktualisiert: Roger Willemsen ist tot - Digital ist mehr als digitale Produkte: Interview mit HarperCollins-Digital-Chefin - Fortsetzungsromane: Belletristik-Rezepte für Smartphone-Leser - Ungemütliche Selbstbeschreibungen: Neue Romane des Frühjahrs - Schweizer Buchmarkt 2015: Starker Umsatzrückgang & Buchhandel in Frankreich: Die Stärke des Romans - In memoriam: Gert Jonke zum 70., der die Welt zum Singen brachte + Karte: Von Thomas Bernhard beschimpfte Orte.
Bücherschau des Tages
08.02.2016 Als höchst wirksames Antidot zu Nichtwissen und Unverständnis empfiehlt die SZ einen Sammelband "Deutsch-polnische Erinnerungsorte". Instruktiv findet sie auch das "Kleine Lexikon der Politik". Noch mehr als der spannende Plot gefällt der FR die plastische Figurenzeichnung in Jeong Yu-jeongs koreanischem Thriller "Sieben Jahre Nacht".
Bücherbrief
08.02.2016 Walser in Bestform, Ivan Vladislavics Tryptichon Südafrikas, Handkes glänzende Literaturkritiken für Radio Steiermark, Alexander Ilitschewskis Kaukasusepos "Der Perser" und ein Prachtband übers Reisen - dies alles und mehr in unseren besten Büchern des Februar.
Redaktionsblog - Im Ententeich
08.02.2016 Was Mathias Müller von Blumencron da sagt, ist schon frech. Qualitätsmarken in der deutschen Medienlandschaft wachsen nicht nur nicht, sie schrumpfen und schrumpfen und schrumpfen. Von Thierry Chervel
Dienstag, 09.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
09.02.2016 Die Zeit feiert die Künstlerin Britta Thie als neue Meisterin der Ungezwungenheit inmitten aller Zwänge. Der Wiener Kurier geht noch einmal mit Thomas Bernhard zu den Alten Meistern ins Kunsthistorische. Die FR durchstreift die Chronik der Welt in 13 Sphären. Die taz resümiert den Club Transmediale. Und die SZ ist hin und weg von Beyoncé, aber natürlich diskurstheoretisch abgesichert.
9punkt - Die Debattenrundschau
09.02.2016 Bei Standpoint ist Nick Cohen empört über britische Verleger, die sich nicht trauen, ein "Lob der Blasphemie" herauszubringen. In der FR plädieren zwei Europapolitiker in der Flüchtlingskrise für eine große europäische Lösung. Bei Politico.eu macht sich Tim Parks Gedanken über das Wesen von Populismus. In Boingboing erzählt John Perry Barlow, wie und warum er vor zwanzig Jahren in Davos seine "Declaration of the Independence of Cyberspace" schrieb. Italienische Medien machen die katholische Kirche für die Folgen der Zika-Epidemie mit verantwortlich: Fast überall in Südamerika ist Abtreibung verboten. Alle deutschen Medien trauern um Roger Willemsen.
Magazinrundschau
09.02.2016 n+1 blickt mit Kamel Daouds "Der Fall Meursault" auf Algerien vor und nach der Entkolonialisierung. In der europäischen Linken rangieren die Rechte von Frauen ganz unten in der Werteskala, beschwert sich Telerama. In Kaschmir dagegen unterstützen muslimische Geistliche Frauenrechte, freut sich Outlook India. Starkoch René Redzepi kostet fürs California Sunday Magazine japanische Sägespäne. Die NYRB nimmt Psychologen aufs Korn, die uns die Moral austreiben wollen. Spatzen lieben zeitgenössische Melodien, lernt Bay Nature.
Medienticker
09.02.2016 Terra incognita: Medienselbstkontrolle - Prekär: Journalistische Nähe zur Macht - "Keiner hört keinem mehr zu": Dunja Hayali über die Lügenpresse-Schreier - Timeline-Debatte: Ist die Twitter-Kultur in Gefahr? - Safer Internet Day: Gegen Online-Extremismus & Überwachung - Gegen Facebook: Indien erteilt Zuckerberg eine Absage + Ein Gespräch mit Bov Bjerg: Warum lieben alle "Auerhaus"?
Bücherschau des Tages
09.02.2016 Die SZ lernt von Ulrich M. Schmid, dass in Russland selbst der bösesten Staatsmacht noch ein ruhmreicher Herrscher vorsteht. Groß und reich, nur leider überhaupt nicht tröstlich findet die NZZ Michail Ossegins Roman "Eine Straße in Moskau" von 1929. Die FR reist mit Alastair Bonnett zu den "Seltsamsten Orten der Welt". Und die taz lobt Adam Johnsons Erzählungen "Nirvana" als echte Weltuntergangsprosa mit Authentizitätsfaktor.
Mittwoch, 10.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
10.02.2016 In der Welt spricht Laura Poitras über ihre Ausstellung "Astro Noise" und warnt vor dem freien Campieren im Jemen. Vor der morgen beginnenden Berlinale erinnert Critic.de an die Frivolität des deutschen Kinos in den Sechzigern. Dominik Graf geißelt in der FAS Bürokratismus und Kleingeistigkeit in der Filmproduktion von heute. Irritiert bemerkt die FAZ beim Stuttgarter Eclat-Festival zur Neuen Musik einen Drang zu Aussagen. Und der Guardian bricht eine Lanze für die Anmaßung.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.02.2016 In der FR beklagt Udo di Fabio einen "Verlust an bürgerlicher Debattenkultur". In der SZ macht sich Ulrich Herbert Sorgen um die EU. Vox.com fürchtet einen Triumph Donald Trumps, während Gawker sehr alte Emails von Hillary Clinton zum Skandal macht. Nachdem er an Griechenland scheiterte, will Yanis Varoufakis nun ganz Europa reformieren - Spiegel online und taz sind skeptisch. Die Berliner Zeitung fürchtet: Die Friedrichwerdersche Kirche wird den Plattenbauten für die Berliner Neo-Bourgeoisie geopfert. Libération schließt sich dem internationalen Protest gegen den Mord an Giulio Regeni an. Und Ta-Nehisi Coates kämpft in Atlantic gegen einen Nebenwiderspruch.
Medienticker
10.02.2016 Was Leser wirklich wollen: Lange Texte - IVW-News-Top-50: Januar bringt Rekorde - Scharfes Paygate: Weniger Visits, größerer Umsatz - future!publish: Crowdfunding als Marketing-Tool - Presse & Strafrecht: Sprechchöre vermeintlicher Wahrheitskenner - Feuilletongoldstatistik: Die besten Feuilletons der Jahre 2005-2015 + Klaus Kinski: Gespräche mit Geistern.
Bücherschau des Tages
10.02.2016 Die SZ liest mit Hingabe Brigitte Desalms unbeschwerte, doch genaue Filmkritiken für den Kölner Stadt-Anzeiger. Die NZZ erkundet die Welt mit Jürgen Brôcans Gedichtband "Holzäpfel". Die FAZ wirft mit Ulrich M. Schmid einen tiefgründigen Blick auf die Konstruktionen der russischen Macht. Die taz empfiehlt die scharfzüngigen Essays Eike Geislers zur deutschen Erinnerungskultur. Die FR lernt mit Angela Rohr ein russisches Lager in den Vierzigern kennen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
10.02.2016 Die Berlinale führt uns dieses Jahr in die High Society Quebecs, in einen Sex-Streik in Chicago, an die Grenze Chinas zu Myanmar, ins swingende Hollywood der 50er, in deutsche Genrefilme der 70er und japanische Independentfilme der 80er. Ein Blick ins Programm und auf einen veritablen Koloss.
Redaktionsblog - Im Ententeich
10.02.2016 Ist die Zahl der Literaturkritiken in den großen Zeitungen nun gesunken oder nicht? Laut Perlentaucher-Zahlen ja, und sogar recht deutlich, wenn auch nicht so stark wie die Zahl der Sachbuchkritiken.
Redaktionsblog - Im Ententeich
10.02.2016 
Nur ein Hinweis: In zwei interessanten Ringvorlesungen widmet sich die
Freie Universität Berlin diesem Sommersemester der
Freiheit der Kunst und der
Kunst des Protestes. Heute geht es los. Die
Mosse Lectures der Humboldt Universität erkunden dagegen Bekehrung und innere Einkehr.
Donnerstag, 11.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
11.02.2016 Die Filmkritiker laufen sich warm für die Berlinale und geben erste Ausblicke auf das, was kommt. Tom Tykwer verspricht ein brutales, schnelles und schmutziges Berlin in seinem Serienprojekt "Berlin Babylon". Die FAZ verneigt sich vor dem so grausigen wie zärtlichen Mezzo Ekaterina Semenchuk und staunt über japanische Fotografen aus den 60ern. Die NZZ bewundert Jean Dubuffet.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.02.2016 Religionen operieren vor allem mit Furcht, um die Menschen zum Guten anzuhalten, fürchtet Spiegel online nach Lektüre von Nature. Auch Vice ist bewegt von Dunja Hayalis Rede zur Goldenen Kamera, findet aber, dass ihre Facebook-Postings nicht immer journalistischen Kriterien genügen. Misstrauen in Medien kann auch Beleg funktionierender Pressefreiheit sein, meint der Medienforscher Carsten Reinemann in der SZ. In einer E-Mail an Zeit online schildert der syrische Journalist Zouhir al Shimale die Zustände in Aleppo. In der Zeit nennt Herfried Münkler Peter Sloterdijk "unbedarft".
Medienticker
11.02.2016 Vernachlässigte Nachrichten: Journalistisches Rudelverhalten & kein Interesse an Zusammenhängen - Öffentlich-rechtlich: Die Fatale Allianz zwischen Medien & Politik - Blendle-Charts: Zeit vor Tagesspiegel - Von der "Pressfrechheit": Wo entstehen die schlimmsten Gerüchte? - Geschichte der Gegenwart: Wir denken immer flächiger, meint Andreas Rödder - "Die Geträumten": Ina Hartwig über die Verfilmung der Dichterliebe Bachmann/Celan.
Bücherschau des Tages
11.02.2016 Die FAZ liest mit Begeisterung die von Ralph Dutli übertragenen Heidelberger Gedichte Ossip Mandelstams. Die NZZ beugt sich über Kornel Ringlis Monografie des skulpturalen TWA-Terminals von Eero Saarinen. Die Zeit, die schon vor 20 Jahren Bell Hooks gelesen hat, findet nicht viel Neues in Ta-Nehisi Coates' Essay "Zwischen mir und der Welt".
Außer Atem: Das Berlinale Blog
11.02.2016 Badenixen, Römer in Sandalen, Technicolor - ist "Hail Caesar!", der Eröffnungsfilm der Berlinale, eine nostalgische Hollywoodkomödie? Ach, wenn es bloß so einfach wäre.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
11.02.2016 Ausgerechnet im "Silent Green" diskutierten internationale Filmkritiker die Misere des deutschen Films. Ist er zu deutsch oder nicht deutsch genug? Ist er zu kalt und starr? Nein, er ist überfinanziert.
Freitag, 12.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
12.02.2016 So viel gute Laune unter Filmkritikern gab's noch nie: "Hail Caeser!" ist ein Knaller! Die Coen-Brüder haben mit ihrer Hommage an das Hollywood der Fünfziger die Berlinale glanzvoll eröffnet. Im Freitag erklärt Regisseur Philip Scheffner sein Konzept für eine "Havarie". Die taz beklagt die selbstgerechte Israelkritik der Berlinale-Filme zum Nahen Osten. Außerdem: In der Spex feiert Georg Seeßlen den Comic. Die NZZ feiert eine neue Generation amerikanischer Jazzmusiker.
9punkt - Die Debattenrundschau
12.02.2016 In der huffpo.fr skizziert Liliane Kandel den alten Konflikt zwischen Feminismus und multikulturellen Ideen. Der New Yorker tanzt im Rhythmus der Gravitationswellen. Warum gibt's in Deutschland eigentlich nur "eingetragene Partnerschaften", aber keine Ehen für Schwule und Lesben, fragt die taz. In der NZZ wendet sich der Buchhistoriker Michael Hagner gegen die Idee einer Bibliothek ohne Bücher. Die Inder vergleichen Mark Zuckerberg laut Atlantic mit den britischen Kolonialherren. Und taz und Welt erzählen, wie Auslandskorrepondenten von türkischen Staatsmedien attackiert werden.
Medienticker
12.02.2016 Aktualisiert: Neueste Unübersichtlichkeit: Wolfram Schütte über den gesellschaftspolitischen Augenblick - "Der Soziopod": Soziologie & Gedöns als Podcast - Medienethik: Stimmt die Richtung noch? & Medien-Vertrauenskrise: Wie gross ist der Vertrauensverlust? - Studie: Datenjournalisten in Europa - Bildungsmedienbranche: 550 Millionen Euro Umsatz - Berlinale-Interviews mit Michael Ballhaus & Wieland Speck + "Mimikry": Das Salonpiel des Lesens.
Bücherschau des Tages
12.02.2016 Navid Kermanis Reportage "Einbruch der Wirklichkeit" hilft beim Verständnis der Flüchtlingskrise, Philippe Bucs Studie "Heiliger Krieg" beim Verständnis der Flüchtlingsdebatte, meint die FR. Die SZ begrüßt die Wiederentdeckung von Edward Lewis Wallant und Julia Decks Fortschreiben des nouveau roman. SZ und Welt sind tief erschüttert von Ryan Gattis' Dokuthriller "In den Straßen die Wut" über die Riots in Los Angeles 1992.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
12.02.2016 Hedi, ein junger Peugot-Vertreter, lernt kurz vor der Heirat das Glück der Freiheit im postrevolutionären Tunesien kennen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
12.02.2016 Kelly Norris' und TW Pittmans "Nakom" aus Ghana und Elite Zexers "Sand Storm" aus Israel erzählen vom Ausbruch junger Menschen aus traditionellen Strukturen.
Samstag, 13.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
13.02.2016 Auf der Berlinale erlebte die SZ mit Jeff Nichols den paranoiden bösen Bruder von Steven Spielberg. Überhaupt nicht witzig finden Freitag und Zeit online die Naziserie "Familie Braun". Die NZZ gerät in einen Dialog mit der Fliege auf dem Knie des Kardinals Bendinello Sauli. Die Welt porträtiert den Klarinettisten Martin Fröst als Derwisch. Will Düsseldorf etwa Metropole werden, fragt naserümpfend die FAZ.
9punkt - Die Debattenrundschau
13.02.2016 Die Diskussion um die Ereignisse von Köln flammt wieder auf: In der taz kritisiert eine anonyme Autorin den #ausnahmslos-Aufruf, der den Kontext der Taten nicht benennen will. In Le Monde antwortet ein ganzes Kollektiv auf Kamel Daoud, der über den arabischen Blick auf westliche Frauen geschrieben hatte. Sciencealert stellt den Dienst Sci-Hub vor, der Artikel wissenschaftlicher Zeitschriften online stellt - und nun von Elsevier verklagt wird. Die Welt inspiziert die Entwürfe für ein Museum des 20. Jahrhunderts in Berlin. Die taz berichtet über Streikbereitschaft bei Zeit online, deren Journalisten glatt mit dem vornehmen Printhaus gleichziehen wollen. In der NZZ räumt Wolfgang Sofsky mit den größten Illusionen über Demokratie auf.
Bücherschau des Tages
13.02.2016 Voller Begeisterung geht die FAZ mit Ayelet Gundar-Goshen "Löwen wecken". Die FR lernt mit Garry Disher die düsteren Seiten der australischen Provinz kennen. Die NZZ feiert die Romane Alexander Ilitschewskis. Die SZ pustet mit Boris Vian den Schaum von den Tagen. Die taz begibt sich mit Ryan Gattis nach Los Angeles, in die "Straßen die Wut".
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2016 Gianfranco Rosi zeigt das harte Leben auf Lampedusa - für die Einheimischen und für die Flüchtlinge, die es lebend auf die Insel schaffen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2016 Denis Côté führt seinen eitlen, stinkreichen Helden an der Nase herum, bis dem die Tränen kommen.
Redaktionsblog - Im Ententeich
13.02.2016 Heute abend diskutieren in Berlin die Reporterin Swetlana Alexijewitsch, der Historiker Andrei Sorokin, der Historiker und Mitbegründer von Memorial Arsenij Roginskij und der Historiker Lascha Bakradse über die Aufarbeitung des Stalinismus in den postsowjetischen Staaten.
Swetlana Alexijewitsch ist in Russland und Weißrussland berühmt für ihr
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2016 Avo Karealian filmt in "Houses without Doors" den syrischen Bürgerkrieg aus seinem Fenster. In Tamer El Saids Film "In the Last Days of the City" schließt die Trauer über die verlorenen Träume des ägyptischen Frühlings nahtlos an die Trauer über die verlorene Jugend.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2016 Jeff Nichols Wettbewerbsbeitrag "Midnight Special" sucht nach einem Geburtshelfer für das Licht.
Sonntag, 14.02.2016
Außer Atem: Das Berlinale Blog
14.02.2016 Ein filmischer Essay zu Antonio Lobo Antunes' Briefen aus dem Krieg in Angola.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
14.02.2016 Avi Mograbi und Chen Alon dokumentieren einen Workshop für Flüchtlinge im israelischen Internierungslager Holot.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
14.02.2016 Wu Tsang lässt den Dichter Fred Moten tanzen, Jen Liu untersucht den Zusammenhang zwischen Kulturrevolution und Würstchenproduktion. Kader Attia erforscht den Komplex Psychiatrie und außerwestliche Weltanschauungen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
14.02.2016 13 Algerier in einem Schlauchboot auf dem Meer, dreieinhalb Minuten gefilmt vom Passagier eines Kreuzfahrtschiffes - das ist genug Material für Philip Scheffner, die globalen Verstrickungen auszubreiten, in die die "Flüchtlingskrise" eingebettet ist.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
14.02.2016 Isabelle Huppert ist die wunderbare Heldin in einer Welt, in der nach einer Trennung zu allererst der Verbleib des Schopenhauer-Bands geklärt werden muss.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
14.02.2016 Ein Dokumentarfilm über die Jadegräber im Norden Myanmars und einen Onkel, der vom großen Fund träumt.
Montag, 15.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
15.02.2016 Die Berlinale hat am Wochenende ordentlich Fahrt aufgenommen. Auf große Begeisterung stößt Mia Hansen-Løve mit "L'Avenir", gestritten wird über Gianfranco Rosis Lampedusa-Doku "Fuocoammare", und die Wucht von Anne Zohra Berracheds Abtreibungsdrama "24 Wochen" hat alle ganz unvorbereitet getroffen. Einen geradezu komödiantischen Kafka erlebte die taz in Berlin. Im Guardian bemerkt Will Self: Mit dem öffentlichen Raum schwindet auch die Fantasie. Und die NZZ macht es sich schon mal im Übersee-Container gemütlich.
9punkt - Die Debattenrundschau
15.02.2016 Die polnische Regierung will dem Historiker Jan T. Gross, der den Antisemitismus im Land thematisierte, den Verdienstorden aberkennen - Intellektuelle protestieren, berichtet der Guardian. Im Journal du Dimanche erzählt die neue französische Kulturministerin Audrey Azoulay, wo sie zuerst Antisemitismus erlebte, jedenfalls nicht in ihrem Herkunftsland Marokko. In der NZZ wehrt sich Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich gegen ein Bild von Künstlern als Kreativitätsdienstleister. Und die Grünen wollen Open Access, berichtet cicero.de.
Medienticker
15.02.2016 Der Buchmarkt im Schatten der Content-Mauer: Es fehlt nicht an Büchern, sondern an Lesern - Papego App: Switchen zwischen Buch & Bildschirm - Digital only: The Independent bald nur noch digital - Die Zeit wird 70: Giovanni di Lorenzo will nicht mit den Wölfen heulen - Wo endet Meinungsfreiheit? Der Fall Bonke gegen Twitter + Der Pott liest Kitsch: Städteranking nach Romankonsum.
Bücherschau des Tages
15.02.2016 Sehr verdienstvoll findet die SZ, was Jospeh McVeigh in seiner biografischen Studie über Ingeborg Bachmanns Wiener Jahre zutage befördert. Skeptisch bleibt sie bei Pierre Bourdieus Vorlesungen über Manet. Nicht ganz leicht zu schultern findet die taz den Weltekel, den Karen Duve in ihrem Roman "Macht" ablädt. Die FAZ empfiehlt Kinderbücher, darunter Stian Holes "Morkels Alphabet" und Scott Westerfelds "Afterwords".
Vom Nachttisch geräumt
15.02.2016 Über Körper in der Kunst, sieben Päpste und fünf Todesfälle, Fontanes Schwindeleien, Karl Löwiths Blick auf Japan und Sabas Bohnen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
15.02.2016 Ein Hotel in Sarajewo, ein französischer Ehrengast, ein Streik, das Vermächtnis Gavrilo Princips, eine große Familie und ein Mord. Dies alles und mehr verwebt Danis Tanovic und bleibt dabei doch unspezifisch.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
15.02.2016 Eine Kabarettistin muss sich der Frage stellen, ob sie ihr Kind mit Down-Syndrom bekommen will oder abtreibt.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
15.02.2016 Ein Film über Roma, ein Film über afrikanische Flüchtlinge, die auf den Sprung nach Spanien warten - beide Male übergeben die Regisseure die Kamera ihren Protagonisten, die das Bild mitgestalten, das sich die Welt von ihnen machen soll.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
15.02.2016 Über das ereignislose Sozialleben eines Anti-Bartleby aus New Jersey.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
15.02.2016 Zwei jugendliche Außenseiter in der Provinz und eine Mutter: André Techiné zeigt mit großer Eleganz und Delikatesse verstohlene Blicke, gestohlene Berührungen und die vor Verlangen berstenden Körper.
Dienstag, 16.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
16.02.2016 Die Berlinale ist gestern mit einer Fallada-Verfilumg und Danis Tanovics "Death in Sarajewo" ein wenig ins Stocken geraten. Die Nachtkritik lernt von Völker Lösch, wie man mit Lessing junge Muslime und Bonner Bürgertum zusammenbringt. Etwas zu knallig findet die Welt die Restaurierung der Kathedrale von Chartres. Zeit Online trauert um Hamburgs am Wochenende abgebrannten Golden Pudel Club.
9punkt - Die Debattenrundschau
16.02.2016 Die neue polnische Regierung ist reaktionär, aber sie lässt sich nicht mit Putins Russland vergleichen, sagt Adam Zagajewski in der NZZ. In Europa ist noch eine rechtsextreme Regierung angetreten, schreibt Caroline Fourest mit Blick auf Kroatien, wo man katholischen und islamischen Fundamentalismus vereinen will. Was meint Russland, wenn es von "Kaltem Krieg" spricht, fragt die SZ. Die Zeitung ist tot, Online-Medien aber auch, meint die Financial Times, die von USA Today resümiert wird. In der FR jongliert Herbert Schnädelbach mit Normen, Werten und Gütern.
Medienticker
16.02.2016 Aktualisiert: Axels Vermächtnis: Erbstreit bei Springer - Penguin/Random House: Bertelsmann könnte Anteil auf 75 Prozent ausweiten - Drohen Drohnen? Über journalistischen Drohnen-Einsatz - Internet-Zensur in China: Anbieter sollen sich selbst zensieren - Versandhandel: Amazon verdoppelt sein Produktportfolio - "Vinyl": TV-Serie von Scorsese & Jagger + Glückwünsche: Alfred Kolleritsch zum 85. & Nils Landgren zum 60.
Magazinrundschau
16.02.2016 Hyperallergic erinnert an den großen schwarzen Fotografen Louis Draper. Eugene Ostashevsky singt in Music & Literature eine Hymne auf Galina Rymbu. In der New York Review of Books bespricht Robert Paxton zwei neue Bücher über die Résistance. Für La Vie des Idées duftet ein Roquefort nach der ganzen Geschichte der Lebensmittelindustrie in Frankreich. NPR stellt fest, dass das Wort "Establishment" fast wieder so en vogue ist wie im Jahr 1968. Und László Végel erklärt in Nepszabadsag, warum immer mehr serbische Ungarn nach Westeuropa kommen.
Bücherschau des Tages
16.02.2016 Großes Lob in der SZ auch für den zweiten Band von Riad Sattoufs autobiografischer Graphic Novel "Der Araber von morgen". Die NZZ empfiehlt David Grossmans so explosiven wie zarten Roman "Kommt ein Pferd in die Bar". Die FAZ lässt sich von Milena Busquets ins spanische Fischerdörfchen Cadaques entführen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
16.02.2016 Rafi Pitts begleitet seinen Protagonisten über drei Etappen auf seinem Weg zur amerikanischen Staatsbürgerschaft.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
16.02.2016 Eine Reise den Jangtsekiang hinauf, bei der Land und Wasser, Gegenwart und Vergangenheit, Dies- und Jenseits ineinander zerfließen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
16.02.2016 Kiyoshi Kurosawa schmiedet virtuos völlig harmlose Bilder zu Folterwerkzeugen um.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
16.02.2016 Ein Mädchen aus der belgischen Provinz verliebt sich in einen Muslim und macht sich mit ihm auf den Weg nach Syrien. Die Mutter bekommt hin und wieder eine SMS: Bin in der Türkei. Werde heiraten. Mein Name ist jetzt Oum Sana.
Mittwoch, 17.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
17.02.2016 Historisch finden alle das erste Konzert der Eagles of Death Metal in Paris nach den Anschlägen. Die SZ sieht allerdings eher in Kendrick Lamar den Musiker der Zeit. Der Tagesspiegel fragt: Seit wann hinkt das Theater dem Fernsehen hinterher? Die FAZ findet bei Heinz Strunk das Bedeutungsvolle in vollkommener Trostlosigkeit. Bei der Berlinale versetzt Spike Lee mit seinem knalligen HipHop-Musical "Chi-Raq" die ansonsten schon murrenden Kritiker in gute Laune.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.02.2016 Die arabische Welt ist am Ende, meint Adonis im Interview mit der Welt. Im Guardian hofft Thomas Piketty, dass nun endlich mal ein jüngerer und nicht weißer Präsident in den USA drankommt. Der britische Geheimdienst GCHQ darf einfach alles, hat Zeit online herausgefunden. Integration geht nicht multikulti, meint die NZZ. Die Fast Company erklärt, warum es BuzzFeed noch in hundert Jahren geben wird. Die SZ weiß, wie Museen ihre Besucherzahlen um 400 Prozent steigern können. Und The Next Web erklärt, warum Kanye Wests neues Album so oft schwarz kopiert wird.
Medienticker
17.02.2016 Aktualisiert: Guardian: Exklusive Online-Inhalte nur noch für Mitglieder? - New York Times: Technologie-Blog Bits eingestellt - E-Book-Hype endgültig vorbei: Umsatz steigt nur leicht - Website Sci-Hub: Kostenloser Zugang zu Fachzeitschriften - All Journalism is local: Nur welchen Lokaljournalismus brauchen die Leser? - Interview: Alexander Kluges Interesse am Blick eines Flüchtlings auf Deutschland + Ein Konzert als Heilung: Eagles of Death Metal in Paris.
Bücherschau des Tages
17.02.2016 Mit Freude entdeckt die NZZ mit Sigismund Krzyżanowskis "Club der Buchstabenmörder" einen Klassiker der russischen Moderne wieder. Die FAZ stimmt ein in die Hymnen für Kamel Daouds Roman "Der Fall Meursault". Und die SZ liest mit großem Interesse eine Neuübersetzung von William Wordsworths "Gedicht, noch ohne Titel".
Außer Atem: Das Berlinale Blog
17.02.2016 Keine Hommage. Serpil Turhans Porträtfilm über Rudolf Thome zielt auf die Differenz zwischen Dokumentarischem und Fiktionalen, nicht auf die großen, letzten Enthüllungen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
17.02.2016 "Qapirangajuq" von Ian Mauro und Zacharias Kunuk führt uns in die Welt der Inuit, findet aber keine Bilder für seine Erzählung. Ciro Guerras "El abrazo de la serpiente" erzählt dafür höchst spannend vom Kampf eines Schamanen am Amazonas gegen westliche Forscher.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
17.02.2016 Nach dem Tod eines kleinen Mädchens bei einem Shoot-out haben die Frauen auf der Southside Chicagos die Nase voll und organisieren einen Sexstreik gegen die Gewalt.
Donnerstag, 18.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
18.02.2016 Mit seiner Stuxnet-Doku "Zero Days" bringt Alex Gibney wieder Spannung in den Berlinale-Wettbewerb, freuen sich die Kritiker. Die Welt nähert sich in Genf dem vielfältigen Werk der amerikanischen Malerin Rochelle Feinstein. Die SZ erlebt bei Tatjana Gürbacas "Jeanne d'Arc"-Inszenierung, wie die permanente Krise im Kölner Opernbetrieb das Theater beflügelt. Und die Zeit geht zum 500. Todestag von Hieronymus Bosch durch die Hölle.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.02.2016 Im NouvelObs erklärt die abservierte Fleur Pellerin, wie Kulturpolitik in Paris funktioniert. In der Zeit plädiert Udo di Fabio für Grenzen, Thomas E. Schmidt fragt, wie offen eigentlich noch die politische Debatte ist. Der Freitag lernt von Platon und Hannah Arendt den inneren Pluralismus. Die SZ erkennt in Adonis den Intellektuellen in der politischen Ausweglosigkeit. In der Welt bricht Ian Buruma eine Lanze für das Establishment.
Medienticker
18.02.2016 Aktualisiert: Use this news: Nachrichten für die Generation Smartphone - Beitragsformat: Facebook startet Instant Articles für jedermann - Sieben auf einen Streich: Yahoo Digital-Magazine eingestampft - Istanbul, Fremdheit, Veränderung: Interview mit Orhan Pamuk über seinen neuen Roman + "Ich ist nicht Gehirn": Achtung, Hochgeschwindigkeitsphilosophie!.
Bücherschau des Tages
18.02.2016
Bücherschau des Tages
18.02.2016 Großer Auftritt des verachteten Mannes: Michael Kumpfmülllers Roman über das Schwinden der Männlichkeit ringt der Zeit großen Respekt ab, ebenso Heinz Strunks Hamburger Serienmörder-Roman "Der goldene Handschuh" und Wolfram Siemanns Metternich-Biografie. Verstörend findet FAZ die Vergewaltigungsfantasien eines Ökospießers in Karen Duves "Macht", die SZ findet den Roman dagegen total reaktionär.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
18.02.2016 Gute acht Stunden dauert der Wettbewerbsbeitrag von Lav Diaz über den philippinischen Unabhängigkeitskriegs. Hier ein Halbzeitbericht.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
18.02.2016 Von der Nachrichtenlage überrascht und gänzlich unvorbereitet begleitet der Dokumentarfilmer Wang Bing Mitglieder der Ta'ang an der zu China auf ihrer Flucht vor dem Krieg mit dem burmesischen Militär.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
18.02.2016 Der Architekt Erik und seine berühmte Fernsehfrau Anna, erben eine Villa, die für sie allein viel zu groß wäre. Also holen sie sich lauter fantastische Menschen ins fantatische Haus.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
18.02.2016 Kein Geld, keine Crew? Eine Reihe mit japanischen Independentfilmen der achtziger Jahre setzt ein ergreifendes Denkmal für alle Loser dieser Welt.
Freitag, 19.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
19.02.2016 Die ersten Reaktionen auf Lav Diaz' Mammutfilm "A Lullaby to the Sorrowful Mystery" bei der Berlinale: Erschöpft, aber glücklich. Die NZZ lernt in der Casa de la Literatura Peruana, dass Peru 47 Sprachen hat. Außerdem begutachtet sie die chinesischen Leben des Managers, Diplomaten und Kunstsammlers Uli Sigg, den Michael Schindhelm in einem Filmporträt verewigt hat. Im Zeit-Magazin erklärt Demna Gvasalia, neuer Chefdesigner von Balenciaga: Ich liebe die Art, wie sich die Deutschen kleiden. Wow.
9punkt - Die Debattenrundschau
19.02.2016 Im Streit Apple gegen das FBI stellt sich Zeit online auf die Seite von Apple. Die SZ liest David Graeber, der nicht zufrieden ist mit der Entwicklung der neuesten Technologien. Francebleu.fr besucht das Memorial von Verdun, das nicht mehr nur der französischen Soldaten gedenkt. In der FAZ verlangt Armin Nassehi eine konservative Politik für verunsicherte Kleinbürger und verunsicherte Neubürger. Und bestehen die Programme der Öffentlich-Rechtlichen bald nur noch aus Sport und Wiederholungen?
Medienticker
19.02.2016 Aktualisiert: Umberto Eco & Harper Lee sind tot - Medien als Propagandawaffe: "Dschihad gegen Journalisten" - Schreiben, wie es ist! Das journalistische Selbstverständnis - Paid Content Summit: Springer sieht Bezahl-Inhalte auf dem Vormarsch - Streit: Verlage & Google vor Gericht - Effektvoll: Literatur & Gesellschaftsdiagnose + Glückwunsch: György Kurtág zum 90.
Bücherschau des Tages
19.02.2016 Die SZ lernt von David Graeber, dass der Neoliberalismus eigentlich gar kein Liberalismus ist. Und von Francois Cheng lernt sie, das Leben vom Tod aus zu betrachten. Die FAZ arbeitet sich durchaus gewinnbringend durch Ernst Machs mechanische Theorien. Die NZZ empfiehlt den neuen Erzählband des gerade mit dem Schweizer Grand Prix Literatur ausgezeichneten Tessiner Autors Alberto Nessi.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
19.02.2016 Was sollen die vielen Kritikerbeschwerden über die überladene Berlinale? Als ob für die großen Medien das beschworene "Niveau des Wettbewerbs" und die "Entdeckungen in den Nebenreihen", nach denen man sich sehnt, überhaupt relevant wären. Ein Resümee der Berlinale 2016.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
19.02.2016 Das Visionary Archive zeigt am Beispiel von Indonesien und Nigeria, wie man mit schwer verletztem Filmmaterial umgehen kann.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
19.02.2016 Im zweiten Teil seines Wettbewerbsbeitrags bleibt der philippinische Regisseur Lav Diaz im Dschungel. Die Revolution ist gescheitert. Der Film kreist um eine Art Nullpunkt der modernen philippinischen Geschichte.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
19.02.2016 Mit ihrer Dokumentation gibt Tatiana Huezo grausam misshandelten Frauen eine Stimme, die im eigenen Land nicht gehört werden.
Samstag, 20.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
20.02.2016 Die SZ erlebt Baukunst und Raumqualität im Düsseldorfer Untergrund. Der Perlentaucher feiert die Berlinale als bunten Flickenteppich des Weltkinos. So langsam finden die Kritiker Worte für Lav Diaz' achtstündigen Wettbewerbsbeitrag "A Lullaby to the Sorrowful Mystery". Die Welt singt den Komponisten Helmut Lachenmann, Friedrich Cerha, György Kurtág und Aribert Reimann ein Ständchen zum Dreihundertvierzigsten. Und große Trauer um Umberto Eco und Harper Lee.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.02.2016 In der Schlacht um Britannien entscheidet sich das Los zweier Unionen, schreibt Timothy Garton Ash im Guardian. In der NZZ schreiben Herfried Münkler über Verdun und Carlo Strenger über falsche Toleranz, und Peter Sloterdijk schaut an den nächtlichen Sternenhimmel. Philipp Ruch erklärt in der Welt, was politische Schönheit ist. Und Thomas Schmid beklagt in seinem Blog die Ikonenhaftigkeit der jüngsten Pressefotografie.
Bücherschau des Tages
20.02.2016 Mit dem Roman "Der goldene Handschuh" ist Heinz Strunk endgültig in der Hochliteratur angekommen, jubelt die taz. Die kraftvollen visuellen Schilderungen in Andrzej Stasiuks "Der Osten" lassen die Welt geradezu schmerzlich die Folgen des kommunistischen Erbes spüren. Die FAZ feiert Shida Bazyars Migrationsroman "Nachts ist es leise in Teheran" als das Buch der Stunde. Und die FR entwirrt fasziniert das Textlabyrinth von Reinhard Jirgls Roman "Oben das Feuer, unten der Berg".
Montag, 22.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
22.02.2016 Der Goldene Bär für Gianfranco Rosis Lampedusa-Doku "Fuoccoammare" spaltet die Kritik: Typisches Konsenskino, ächzt der Tagesspiegel. Die FAZ sieht mit dem Film dagegen nicht das Kino, aber unseren Wirklichkeitsbegriff erneuert. Großes Schauspiel erlebte die Nachtkritik in John von Düffels Stuttgarter Antiken-Collage, mit Astrid Meyerfeldt als Klytaimnestra. Die Presse untersucht unser Sprechen über Migranten. Und der Standard spürt dem Geburtsort der Moderne im arkadischen Dalmatien nach.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.02.2016 Angesichts der Bilder grölender Ausländerfeinde in Sachsen hätte sich die FR auch ein paar Bilder eines souverän eingreifenden Rechtsstaats gewünscht. Der Economist kritisiert Boris Johnson, der sich jetzt für den Brexit stark macht. Eine Gruppe von Autoren wehrt sich gegen eine nachträgliche Legitimierung der Verlegerbeteiligung an den Ausschüttungen der VG Wort. Die iranischen Mullahs und ihre Staatsmedien loben ein neues Kopfgeld auf Salman Rushdie aus, berichtet der Independent. Die Welt bringt die Dankrede von Adonis für den Remarque-Preis: ein Plädoyer für die laizistische Demokratie.
Medienticker
22.02.2016 Aktualisiert: Bundestrojaner genehmigt - Leistungsschutzrecht: Dämpfer für Verlage - Hashtag-Debatte: Wie viel eigene Meinung lässt der Journalismus zu? - VG Wort: Autoren gegen Verlegerbeteiligung - Junge Freiheit: Leitmedium der Neuen Rechten - Literaturkritik: Blogger sorgen für Frischekur - Erstveröffentlichung: Peter Handkes Aufzeichnungen aus dem Vorwinter 2015.
Bücherschau des Tages
22.02.2016 Wie eine Granate schlägt bei der SZ Ece Temelkuras geladenes Buch "Euphorie und Wehmut" über Erdogans Türkei ein. Humor und Herz enmtdeckt sie in Erhard Epplers Erinnerungen "Links leben". Nicht ganz überzeugt ist sie von Joe Saccos Brachialsatire "Bumf". Die taz empfiehlt Shlomo Avineris Biografie Theodor Herzls, der auf dem Weg zum jüdischen Staat sich und anderen keine Anstrengung ersparte.
Dienstag, 23.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
23.02.2016 Die NZZ sieht das Literarische Quartett schon zur Kölner Runde werden. Die FAZ besucht Wolf Wondratschek, der seine Gedichte jetzt lieber dem solventen Kunstmarkt anbietet als einem Verlag. In Johannes Kalitzkes in Heidelberg uraufgeführten Oper "Pym" taucht sie unter Möwengeschrei in ein Meer von Zwölftönen. Die Presse unterhält sich mit Peter Handke übers Theater von heute und sein Stück "Die Unschuldigen". Der Standard reist mit Hans Schabus durch den Körper der Zeit. Die SZ findet, dass DJ-Kultur schwarz sein muss, um nicht nur Spaß zu machen.
9punkt - Die Debattenrundschau
23.02.2016 Ist die Polizei in Sachsen überfordert, oder kollaboriert sie gar?, fragen FAZ und FR. Die Berliner Zeitung rät, das Berliner Einheitsdenkmal schlicht und einfach zu vergessen. In der FAZ erklärt die Historikerin Gundula Bavendamm, warum sie sich auf die Leitung der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung freut. Glaubt man Zeit online, sollte man sein Handy möglichst bandagieren und abschalten. Der marokkanische Verleger Ahmed Charai erklärt in der Huffpo.fr, wie der Begriff "Islamophobie" zur Allzweckwaffe gegen Kritiker gemacht wird.
Magazinrundschau
23.02.2016 Das TLS klärt endgültig über den Unterschied zwischen erotischer und pornografischer Literatur auf. HVG liest mit Imre Kertész das Tagebuch von Sandor Marai. Die New Republic weiß, wo sich Teenager am lustvollsten schämen. Große Dokumentarfilmer verzichten auf Kommentar, insistiert François Margolin in La Règle du Jeu. Der New Yorker transportiert eine ganze Fabrik mit einem Luftschiff. Und Hospodarske noviny hörte zu, wie Ljudmila Ulitzkaja in Prag in den Samizdat zurückkehrte.
Medienticker
23.02.2016 Interview mit Spiegel-Chef Klaus Brinkbäumer: Über Print & Online, Glaubwürdigkeit & Fehlerkultur - Studien: Wer Nachrichten teilt, teilt sie auf Facebook & beim Paid Content können sich die Verleger nicht zurücklehnen - Großbritannien: Nutzungs-Zuwächse bei Zeitungs-Websites - Jörg Magenau über die "Gruppe 47" auf Klassenfahrt + Der Lektor Raimund Fellinger über Autoren.
Bücherschau des Tages
23.02.2016 Erschüttert und begeistert zugleicht liest die SZ Kettly Mars' haitianischen Roman "Ich bin am Leben". Geradezu berückt lässt sie sich von Friederike Mayröckers "fleurs" umkränzen. Die NZZ jubelt über Noemi Lerchs Prosadebüt "Die Pürin", dessen Leichtigkeit durch Unendlichkeit gegangen sein muss. Die FR erkennt mit David Graeber in der "Bürokratie" eine Erfüllungsgehilfin des Neoliberalimus. Und die FAZ erfährt von Stephen Witts "How Music Got Free", wer und was wirklich die Musikindustrie revolutionierte.
Mittwoch, 24.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
24.02.2016 In der FR beklagt Andreas Scholl das überholte Männerbild im klassischen Gesang. Die Welt verabschiedet die letzte deutsche Ballerina. Die NZZ freut sich, mit Stratis Tsirkas endlichen einen griechischen Klassiker der Moderne entdecken zu dürfen. Die FAZ erlebt in der großen Frankfurter Manierismus-Schau die Gegenwart des Cinquecento. Und: Kurtag spielt Bach nach Kurtag.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.02.2016 Nach der "Islamophobie"-Attacke von 19 Akademikern erkärt Kamel Daoud nun in Le Monde, dass er mit dem Journalismus aufhört. Bei Zeit online wendet sich Najem Wali an die Flüchtlinge, besonders die männlichen: "Zu Hause wart ihr Paschas, hier werdet ihr nichts sein." Der Tagesspiegel macht sich Sorgen um den Prenzlauer Berg, wo die einstigen Verdränger verdrängt werden. In der Berliner Zeitung empfiehlt Götz Aly dringend, Jan Gross zu lesen. In der Washington Post fordert die Publizistin Danielle Allen einen journalistischen Trump-Boykott.
Medienticker
24.02.2016 Sortimentsmix: Belletristik bleibt das Brot - Mehr Rumms pro Rubel: BDZV-Exekutivkomitee - Lokaljournalismus muss seine Richtung ändern, meint Paul-Josef Raue - Absolut loyal: Presse in China - Paid Content: Musik beliebt, Medien haben das Nachsehen + 75. Todestag: Die vergessene Naturlyrik von Oskar Loerke.
Bücherschau des Tages
24.02.2016 In der SZ blickt Tex Rubinowitz mit Heinz Strunk in die Abgründe der Hoffnungslosigkeit. Die FAZ blickt zurück auf Rom und reist mit Carlos Fraenkel zu den philosophischen Brennpunkten der Weltpolitik. Die Welt lernt aus Briefen an die DDR-Führung, dass in Sachsen schon immer die Ausländer schuld waren. Die NZZ erkennt mit Wolfram Siemann in Metternich den wahren Europäer. Und die FR berauscht sich mit Aquarellen von Jean-Henri Fabre an der Welt der Pilze.
Donnerstag, 25.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
25.02.2016 Die Filmkritiker staunen in "Spotlight" über journalistische Praktiken vor der Digitalisierung. Die FAZ bewundert Francisco Mangados surrealistischen Anbau für das Kunstmuseum in Oviedo. Die FR erliegt dem Reiz der überschwänglichen Ambivalenz des Manierismus. Die taz resümiert das Theaterfestival Europoly. Gerhard Richter erklärt in der FAZ, warum man gegenständlich abhebt, aber abstrakt landet. Und: das neue Video von Massive Attack, in dem Rosamund Pike Isabelle Adjanis berühmte U-Bahnszene aus Zulawskis "Possession" nachspielt.
9punkt - Die Debattenrundschau
25.02.2016 Die SZ lotet die Untiefen religiöser Moral aus. Die Zeit erklärt den Konnex von Ausländerfeindlichkeit und Antikommunismus in Osteuropa. In der FAZ beobachtet der Historiker Stephan Stach, wie die polnische Regierung die polnische Geschichte kapert. Im Freitag fürchtet der Bibliothekar Donald Barclay, dass das Urheberrecht in Amerika bis ins Unendliche ausgedehnt wird. In Frankreich wird weiter über den "Islamophobie"-Vorwurf gegen Kamel Daoud diskutiert.
Medienticker
25.02.2016 Aktualisiert: Tom Hillenbrand über die Wertschätzung der Arbeit der Autoren - Spekulation: Kauft der Time-Verlag Yahoos Kerngeschäft? - Öffentlich-rechtlich: Warum der BR nicht zur Ruhe kommt - Experiment: Der Online-TV-Sender Rocket Beans - Theaterbrief über die Absurditäten der polnischen Kulturpolitik - Peter-Matthias Gaede: Kommt nach der "Lügenpresse" die "Lügenfotografie"? + Street Art: Barbaras Botschaften.
Bücherschau des Tages
25.02.2016 Die FAZ ist überwältigt von den freihändig geschossenen, intimen Kollegenporträts des Fotografen Volker Hinz. Die NZZ amüsiert sich königlich mit Eric Chevillards clownesker Verlängerung des Grimmschen Märchens vom tapferen Schneiderlein. Die Zeit streift mit Misha Glenny durch die Favelas.
Freitag, 26.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
26.02.2016 Die Stadt Leverkusen plant, das renommierte Museum Schloss Morsbroich zu schließen, um ihren Haushalt zu sanieren. In einem Offenen Brief protestiert Gerhard Richter, meldet die Welt. Braucht es eine Quote für Diversität im Kino? Ein pro und contra in Zeit online. Statt Blackfacing Whitefacing: Die SZ bewundert Christian Weises "Othello"-Inszenierung am Maxim Gorki Theater. Claus Peymann wird an der Burg die Uraufführung von Peter Handkes "Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße" inszenieren, freut sich jetzt schon die FR.
9punkt - Die Debattenrundschau
26.02.2016 Im Perlentaucher verteidigt Pascal Bruckner den algerischen Autor Kamel Daoud gegen die "neokoloniale Verachtung" von Experten, die Kritik am Islam als "islamophob" denunzieren. In Le Monde setzt sich eine Gruppe von Historikern für den polnischen Kollegen Jan T. Gross ein. Kroatische Kulturschaffende wehren sich laut der Historikerin Martina Bitunjac in der taz gegen den Kulturminister des Landes, der Schulen nach SS-Kommandeuren benennt. Die FAZ bringt eine Verteidigung von Open Access. In der SZ wünscht sich Gustav Seibt eine Annäherung zwischen EU und Türkei.
Medienticker
26.02.2016 Aktualisiert: Der Informatiker David Gelernter meint: "Hört auf, den Computer zu lieben!" - Generös: Google verschenkt Geld & Facebook Hochleistungsserver - Apples Schlachtplan gegen das FBI-Urteil - Medien-Startups: Wie funktioniert Nonprofit-Journalismus? - Initiative Urheberrecht: Mehr als 6.000 Unterzeichner - Theater-Nachtritiken aus Hamburg, Wien & Zürich + Vor hundert Jahren starb Henry James.
Bücherschau des Tages
26.02.2016 Die NZZ versinkt mit Jiri Kratochvils Roman "Gute Nacht, süße Träume" im Brünn des Jahres 1945. Die FR bekommt mit dem Band "Spiegelblicke" der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland einen Blick für die eigenen Privilegien. Die FAZ ist hoch angetan von Irma Nelles' unsentimentalen Erinnerungen an ihren Chef Rudolf Augstein. Und sie liest zwei interessante Bücher zur heutigen Bestattungskultur.
Essay
26.02.2016 Eine Gruppe von "Experten" nimmt ihren ganzen Mut zusammen, um kollektiv gegen die Meinungsäußerung eines für sich sprechenden Autors zu protestieren. Kamel Daoud wird durch ihre Petition zum Apostaten gestempelt. Er hat sich die Freiheit genommen, die eigene Sphäre zu kritisieren, ein Recht das ihrer Meinung nach nur westlichen Intellektuellen zusteht. Eine Antwort an die Adresse der Wachhunde der Fatwa.
Samstag, 27.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
27.02.2016 Aktualisiert: Karl Dedecius ist gestorben, meldet das Deutsche Polen Institut. In der taz denkt die Kuratorin Susanne Pfeffer über den epochalen Bruch nach, den die Digitalisierung für die Kunst bedeutet. Die Welt feiert den slowenischen Autor Aleš Šteger als wahren Europäer. Wer wissen möchte, wie Palmyra bis vor kurzem noch aussah, betrachte die im 18. Jahrhundert gefertigten akribischen Zeichnungen Louis-François Cassas', empfiehlt die FAZ. Viele Oscars wünscht sich Variety für "Mad Max: Fury Roads". Die taz tanzt mit Fatima Al Qadiri zu explodieren Gaskartuschen. Die Spex beklagt die Diktatur der Angepassten in Indie-Deutschland.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.02.2016 Der Guardian erzählt, wie Boris Johnson mit selbsterfundenen "Euromythen" Karriere macht. In der NZZ kritisiert der russische Soziologe Igor Eidman die deutsche Öffentlichkeit, die sich von Wladimir Putin bereitwillig unterwandern lasse. In Libération fordert Julia Kristeva, "das Religiöse zu untersuchen, das wir aus den Augen verloren hatten". Bei Boingboing begrüßt Cory Doctorow die Nominierung Carla Haydens als Chefin der Library of Congress, wo sie großen Einfluss auf Copyright-Fragen hat. Und auch die SZ findet: Zu viel Kiwi im Quartett.
Bücherschau des Tages
27.02.2016 Die taz amüsiert sich prächtig mit einem Comic von Anna Haifisch über Künstler in einer Schaffenskrise. Sehr gut unterhalten hat sie sich auch mit Hanns Zischlers Lesung der Henry-James-Novelle "Im Käfig" über eine Londoner Telefonistin. Die Welt legt uns Aleš Štegers slowenische Groteske "Archiv der toten Seelen" ans Herz. Und allen Impfgegnern empfiehlt sie Eula Biss' Essay "Immun". Anregend und aktuell findet die FAZ zwei neue Bücher über Theodor Herzl. Die NZZ liest Neuübersetzungen von Wharton, Brontë und Rhys. Die SZ empfiehlt mit Nachdruck Siegfried Lenz' Kriegsroman "Der Überläufer".
Montag, 29.02.2016
Efeu - Die Kulturrundschau
29.02.2016 Claus Peymanns Rückkehr an die Burg mit einem Handke-Stück erfüllt alle Erwartungen: obsoleter Theaterdonner!, Ernsthaftigkeitsverzweiflung!, mittleres Desaster!, schimpfen die Kritiker von Tagesspiegel bis Standard. Nur Christopher Nell fanden alle großartig. Die SZ nimmt schon leise Abschied vom SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden. Die Welt feiert den FeTAp 751 des Tönis Käo. Und große Erleichterung in der Filmbranche: Leonardo di Caprio hat endlich seinen Oscar.
9punkt - Die Debattenrundschau
29.02.2016 Stoßseufzer aus Zürich. Ein unerwarteter Player hat in der Ausweisungsinitiative gegen die Rechtspopulisten entschieden - das Volk. In der FR erklärt Markus Hilgert vom Vorderasiatischen Museum in Berlin, warum Kulturschätze für die Demokratie so wichtig sind. In der SZ fragt sich Valentin Groebner, was sich im Wissenschaftsbetrieb seit Leibniz eigentlich geändert hat - das Patronagesystem jedenfalls nicht. In der Berliner Zeitung erklärt die Historikerin Gundula Bavendamm, wie sie die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung neu organiseren will.
Medienticker
29.02.2016 Zersplitterter Kulturbegriff: Reden von Kultur ist Müll, beklagt Eberhard Straub - Jahresbilanz 2015: Penguin Random House mit Gewinnsprung - Buchcharts: Kriminell gute Bestseller - Digitaler Werbemarkt: Wachstum 2016 um 6,3 Prozent - "Journalismus als Instanz wird seine Funktion nicht verlieren", meint Stefan Aust + Postmodernes Mysterienspiel: Theater-Nachtkritiken aus Hamburg, Köln & Wien.
Bücherschau des Tages
29.02.2016 Die SZ genießt noch einmal in "Gesammelter Prosa" den reinen und herben Barock H.C. Artmanns. Überzeugend und richtig findet sie, wie der frühere Verfassungsrichter Dieter Grimm Europa demokratischer machen will. Die FAZ rät dringend zu Garry Dishers australischem Western "Bitter Wash Road". Etwas zögernd folgt sie Gioacchino Criacos "Schwarzen Seelen" nach Kalabrien.