Donnerstag, 01.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
01.10.2015 Die NZZ freut sich schon auf die Arbeiten von 35 Künstlern mit 35 berufstätigen Zürchern für die Manifesta 11. Regisseur Joshua Oppenheimer erklärt im Interview mit Negativ, warum selbst ein Film über die Massaker an Oppositionellen in Indonesien unterhaltsam sein muss. Und: Alle trauern um Literaturkritiker Hellmuth Karasek, den vorletzten großen Feuilleton-Promi der alten Bundesrepublik.
9punkt - Die Debattenrundschau
01.10.2015 Aktualisiert: Wie die Media-Agentur von Volkswagen französische Zeitungen unter Druck setzte. Laut Recode greift nun Google in die Debatte um Internetwerbung ein und verlangt "akzeptable Werbeformate". In der SZ versucht der ukrainische Autor Jurko Prochasko die "unheimliche Anziehungskraft der Kreml-Propaganda" zu ergründen. In der Zeit kritisiert Martin Roth vom Victoria & Albert-Museum die Staatsnähe deutscher Museen. In der Welt beschreibt Flemming Rose von Jyllands-Posten die Selbstzensur westlicher Medien zehn Jahre nach den Mohammed-Karikaturen.
Medienticker
01.10.2015 Adblock Plus: Axel Springer sieht Journalismus nur als Vehikel für Werbung & Warum Springer Kachelmann 635.000 Euro zahlen soll - Bertelsmann unterliegt: Buchclubs dürfen weiterleben - Bibliotherapie: Das Buch als Spiegel, Fenster oder Tür - Wurmlöcher in der Wand der Welt: Salman Rushdies Variation von "Tausendundeiner Nacht" - Abgasskandal: Unliebsame Berichte nicht erwünscht - wie Rassismus Sprache verändert: Richard Ford im Interview + Ulrich Wickert über seinen Freund Hellmuth Karasek.
Bücherschau des Tages
01.10.2015 In der FR empfiehlt Artur Becker die deutschen Tagebücher Stefan Chwins als eine so ernste wie ironische philosophische Beschäftigung mit den Deutschen. Wer Hammett, Chandler und Highsmith mag, dem werden auch die drei Laidlaw-Krimis des schottischen Lyrikers William McIlvanney gefallen, prophezeit die Zeit. Ebenfalls in Zeit liest ein angeregter und angeregt widersprechender Heinrich August Winkler Udo di Fabios kulturpessimistische Analyse über den "Schwankenden Westen".
Freitag, 02.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
02.10.2015 Die NZZ studiert die Bildgründe Joan Mirós. Die Jungle World hofft auf eine Sprechtextbombe von Rainald Goetz in Darmstadt. Die NZZ feiert den Pianisten Igor Levit, der gerade drei große Variationswerke von Bach, Beethoven und Rzewski eingespielt hat. Die Zeit stimmt für Wanda, reuelosen Sex und mitleidlose Romantik. Die nachtkritik beobachtet in Ivan Panteleevs "Peer Gynt"-Inszenierung fasziniert, wie der Theaterstaub aus den Handgelenken Margit Bendokats rieselt.
9punkt - Die Debattenrundschau
02.10.2015 Die taz bringt ein großartiges Dossier mit Texten von Flüchtlingen: Die tunesische Autorin Najet Adouani erzählt, wie die heimischen Probleme sie bis hierhin verfolgen. Der transnistrische Autor Alexander Nikiforov wundert sich über die Kaninchen im Tiergarten. Im Quotidien d'Oran dankt Kamel Daoud dem Hause Saud für das Privileg, in Mekka sterben zu dürfen. Die New York Times surft mit Adblocker und stellt fest: Das lohnt sich wirklich! Und Ulrike Simon fragt bei rnd-news.de: Ist Googles Innovationsfonds heiße Luft?
Medienticker
02.10.2015 Wegen Krankheit muss der Medienticker für einige Tage ausfallen. Volker Weidermann über sein Literarisches Quartett - Der letzte Deutsche: Botho Strauß zur Flüchtlingskrise & Der wehleidige Abgesang: Johano Strassers Replike - Reporter ohne Grenzen: Islamisten bedrohen Blogger in Deutschland - Urhebervertragsrecht: Mehr Kontrolle für die Urheber - Theater-Nachtkritik: Hitler überm Bett bzw. "Love Hurts" in Karlsruhe - Morrissey: Ein Tierfreund und Gentleman + Jazz-Highlights im Oktober.
Bücherschau des Tages
02.10.2015 Der forensische Psychologe Max Steller offenbart der FAZ die Mängel der deutschen Justiz. Die taz erfreut sich an Doppelbödigkeit und Ambivalenz in Monique Schwitters Roman "Eins im Andern". Für die hingerissene SZ ist Mikael Engströms Kinderbuch "Kaspar, Opa und der Monsterhecht" nicht weniger als ein Kunstwerk. Die Welt ist begeistert von György Dragománs Rumänien-Roman "Der Scheiterhaufen" und Manfred Mittermayers Biografie von Thomas Bernhard.
Montag, 05.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
05.10.2015 Ferdinand von Schirachs Stück "Terror" liegt den Kritikern in Frankfurt und Berlin schwer im Magen. Wer will schon Menschenleben aufrechnen? Dissidenz ist keine Schande, hält die SZ dem Museum Folkwang entgegen, das kunsthistorisch übergangene Autodidakten in die Moderne eingliedern will. Die NZZ stellt das Archiv des Prager Fotoateliers Langhans vor. Und wenn die "Hirn-Hengste" des Literarischen Quartetts Weidermann und Biller die Frauen nächstes mal aussprechen ließen, wäre auch die Stuttgarter Zeitung zufrieden.
9punkt - Die Debattenrundschau
05.10.2015 Botho Strauß erklärt im Spiegel, warum er lieber als letzter Deutscher in Brandenburg verkümmern würde, als "mit fremden Völkern aufgemischt" zu werden. Wesentlich nüchterner antwortet Armin Nassehi in der Welt auf die Frage: Einwanderung ja, aber auch Integration. Heise.de gratuliert der Free Software Foundation zum Dreißigsten. Brendan O'Neill blickt im Spectator erschüttert in die Abgründe der Political Correctness. Politico.eu schildert dänische Stimmungsschwankungen zehn Jahre nach den Mohammed-Karikaturen.
Bücherschau des Tages
05.10.2015 Durchaus auf ihre Kosten kommt die FAZ, wenn Christoph Peters in "Der Arm des Kraken" von den Konkurrenzkämpfen zwischen japanischer und vietnamesischer Mafia in Berlin erzählt. Schön unheimlich findet sie auch Jan Costin Wagners Geschichten "Sonnenspiegelung". Die SZ versinkt in Avtar Singhs "Nekropolis" - dem Moloch Delhi.
Mord und Ratschlag
05.10.2015 An der Grenze zu den USA wird niemand scheitern, der es durch Mexiko geschafft hat: In seinem Roman "Die Verbrannten" erzählt Antonio Ortuño, wie mexikanische Banden und Behörden die Flüchtlinge aus Mittelamerika zum Raub- und Handelsgut machen. Celil Oker besingt in "Lass mich leben, Istanbul" verruchte Schönheit und die Ineffizienz des Lebens.
Dienstag, 06.10.2015
Magazinrundschau
06.10.2015 The Nation porträtiert den libyschen Schriftsteller Alessandro Spina, der nicht universal, sondern einzigartig sein wollte. In Elet es Irodalom erklärt der krebskranke Peter Esterhazy seine Liebe zur Literatur. Die LRB freut sich über offene Grenzen in Europa: endlich sind die Schlepper arbeitslos. Roads & Kingdoms besucht Batumi, das georgische Las Vegas. Open Democracy besucht die zeltenden Demonstranten im moldawischen Chișinău. Harper's versteht in Thailand, was Royalisten und Linke eint. Ceska pozice stellt die vergessene Avantgarde-Künstlerin Toyen vor. Der Merkur untersucht den subtilen Aufbau von Hierarchien im Wissenschaftsbetrieb.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.10.2015 Drei fulminante Opernpremieren in Berlin, da staunen sogar die Kritiker in FAZ und SZ. Besonderen Eindruck machte die rauschhafte Wirkung von Meyerbeers "Vasco da Gama". Indonesiens Nationalsprache war eine Erfindung, um die Niederländer zu ärgern, lernt die NZZ. Wenig Sympathie bringt die SZ für Daniel Libeskinds luxuriöses Wohnhaus an der Berliner Chausseestraße auf.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.10.2015 Bei der BBC warnt Edward Snowden vor dem Traumschlumpf, der den Lärmschlumpf in Ihrer Hosentasche anmachen könnte. Slate.fr will sich nicht auf christlich-jüdische Wurzeln berufen. Die Berliner Zeitung und die FAZ fühlen sich in Botho Strauß' Deutschland nicht zuhause. Angela Merkel war keine Migrantin, ruft Monika Maron in der Welt. In der Zeit will die Politologin Antje Schrupp einen Rabbi solange zur Einsicht bringen, bis er ihr die Hand drückt. Und Springer kriegt laut politico.eu sein Leistungsschutzrecht auch auf europäisch.
Bücherschau des Tages
06.10.2015 Der Islamische Staat ist kein Glaubenssystem, sondern eine Propagandamaschine, lernt die SZ von Christoph Reuter. Sehr anregend findet die NZZ Philip Pettits Nachdenken über die "Gerechte Freiheit". Mit seinem Roman "Sophia" gewährt Rafik Schami tiefe Einblicke in die syrische Gesellschaft. Als Dystopie mit Erkenntnisgewinn empfiehlt die FR Heinz Helles Roman "Eigentlich müssten wir tanzen". Die taz liest vergnügt Gerhard Henschels "Künstlerroman".
Mittwoch, 07.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
07.10.2015 Die Welt betrachtet die Abhörwanzen in Ai Weiweis Studio. Auf ZeitOnline erklärt Matthias Lilienthal, was er sich von seinem Schlepperkongress erhofft: mehr Flüchtlinge, weniger Schlepper. Die NZZ bewegt sich vorsichtig durch die scharfkantigen Bilder El Frauenfelders. Der Merkur hört Knausgard, wie er in Berlin den Knausgard gibt. Die SZ empfiehlt Ridley Scotts "Der Marsianer" allen, die sich für interplanetarische Agrokultur interessieren. Die FAZ hätte Matt Damon gern häufiger beim Denken zugesehen. Die SZ lobt das Leipziger Stadttheater für seine intelligente Jelinek-Inszenierung: Handwerk statt Stacheldraht.
9punkt - Die Debattenrundschau
07.10.2015 Alle begrüßen das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum Datenschutz. Nutznießer sind nun allerdings die nationalen Datenschutzagenturen, ergänzt politico.eu. Der Iran droht mit Boykott der Frankfurter Buchmesse, weil Salman Rushdie dort reden soll, berichtet der Guardian. Alle Identitäten verwischen sich, nur dass Schwarze schwarz sind, ist den Diskurswächtern wichtig, wundert sich Wesley Morris in der New York Times. Ilija Trojanow hat in der taz einen klaren Schuldigen für die vielen Flüchtlinge ausgemacht: Wir sind es gewesen wegen des von uns verschuldeten Kapitalismus. Die taz fragt aber auch, was Linke gegen Religionskritik haben.
Medienticker
07.10.2015 EuGH: Safe Harbor-Abkommen gekippt - Demokratie: Pressefreiheit ja, solange es die eigene Meinung deckt - Netzpolitik: Maas & das Anti-Whistleblower-Gesetz - Vom wilden Reporterleben: Wie gut waren "die guten alten Zeiten"? - Mobile Ads: Die Geschwindigkeit deutscher Nachrichtenseiten - New York Times: Redaktionen Print-Verantwortung abgenommen - Künstliche Intelligenz: Google erwirbt Anteil an deutschem Forschungsinstitut - Urheberrecht: Börsenverein kritisiert einen Gesetzesentwurf zur Novellierung.
Bücherschau des Tages
07.10.2015 Die FAZ lernt von Amy Stewart, wie man einen Regenwurm entspannt. Die NZZ vertieft sich in Ralf Nestmeyers Kulturgeschichte "Hotelwelten". Außerdem bespricht sie Kinder- und Jugendbücher, darunter Michael Morpurgos Geschichte über einen kriegsversehrten Großvater und seinen Enkel. Die SZ kentert mit J.J. Abrams' und Doug Dorsts "Schiff des Theseus".
Im Kino
07.10.2015 Ridley Scotts "Der Marsianer" ist ein Blockbuster ohne eindeutige Heldenfiguren, aber mit Menschen, die anpacken. In "The Tribe" beschreibt Miroslav Slaboshpytskiy die gemeinschaftliche Einschwörung auf die Horde in einem Internat für Gehörlose.
Tagtigall
07.10.2015 Die jüngste Ausgabe des Schreibhefts veröffentlicht zeitgenössische französische Dichter und ältere, deren Licht noch auf dem Weg zu uns ist.
Donnerstag, 08.10.2015
9punkt - Die Debattenrundschau
08.10.2015 Die taz fragt: Warum ist Warschau ein Hotspot - und Athen eine oligarchische Trümmerlandschaft? Die Zeit erkundet die exklusive Homosexualität katholischer Priester. In der FAZ überlegt die Direktorin der Stuttgarter Staatsgalerie, Christiane Lange, aus dem Kunstmarkt auszusteigen. Die NZZ attackiert mit Ralf Dahrendorf noch einmal Europas Harmonisierungswahn. Und der Freitag empfiehlt gegen zu viel Einvernehmlichkeit weniger Agamben und mehr Rancière zu lesen.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.10.2015 In der Zeit hält Adonis fest: Ich bin ein radikaler Gegner jeder institutionalisierten Religion. Die NZZ betrachtet die körperliche Kunst in der konkreten und umgekehrt. Warum soll Fritz Bauers Homosexualität nicht erwähnt werden, fragt die taz. Außerdem lobt sie sich das Zaudern und Zweifeln der neuen Fehlfarben.
Medienticker
08.10.2015 Aktualisiert: Swetlana Alexijewitsch erhält den Literaturnobelpreis - Maßnahmenpapier: Maas & Gabriel wollen eine "Digitalagentur" schaffen - Urheberrecht: Fair statt prekär - Literaturnobelpreis: Der seltsamste Preis der Welt, meint Wieland Freund - Zwischen Noten und Nachrichten: Ein Gespräch mit Ex-Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger über sein Buch "Play it again" - Wegen Salman Rushdie: Iran boykottiert Frankfurter Buchmesse - Video-Interview: Richard Ford & das N-Wort + Sein letzter Text: Was Henning Mankell kurz vor seinem Tod schrieb.
Bücherschau des Tages
08.10.2015 So reines Deutsch und so schön bürgerlich: Die SZ genießt die Erinnerungen des Zeit-Kollegen Ulrich Greiner. Nachdem Timothy Snyder ihr erklärt hat, wie ein Holocaust jederzeit wieder geschehen kann, fühlt sich die FR sehr unwohl. FAZ und FR empfehlen außerdem einen frühen, Fragment gebliebenen Text Hans Joachim Schädlichs über eine Ost-Berliner Taxifahrerin in den Siebzigern. Die heute erschienene Literaturbeilage der Zeit werten wir in den nächsten Tagen aus.
Bücherbrief
08.10.2015 Radikale Verzweiflung bei Karl Ove Knausgård, melancholische Phantastik bei Kazuo Ishiguro, moralische Primaten bei Frans de Waal und schräge Erkenntnisblitze bei Neil MacGregor. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats.
Meldungen
08.10.2015 Die Schwedische Akademie hat gesprochen: Der Nobelpreis für Literatur 2015 geht an Swetlana Alexijewitsch.
Redaktionsblog - Im Ententeich
08.10.2015 Warum verehren heute wieder so viele Russen Stalin? Wie arbeiten die ehemaligen Sowjetrepubliken den Stalinismus auf? Über diese Fragen diskutierten gestern abend in der Heinrich-Böll-Stiftung die Weißrussin Swetlana Alexijewitsch, der Georgier Lascha Bakradse und die Russen Arsenij Roginskij und Andrei Sorokin. Der Abend war ein weiterer Höhepunkt des bisher schon so reichen Internationalen Literaturfestivals Berlin.
Freitag, 09.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
09.10.2015 Gestern vergab die Schwedische Akademie den Literaturnobelpreis an die weißrussisch-ukrainische Autorin Swetlana Alexijewitsch, die in ihren vielstimmigen Reportage- und Interviewbänden ein großes Porträt des Sowjetmenschen zeichnet. Die SZ fragt: Ist das Literatur? Alle anderen antworten begeistert: Selbstverständlich. In der NZZ erklärt der Musiker Joe Jackson, warum ihm Klassifizierungsversuche auf den Keks gehen. Politico.eu stellt den russischen Aktionskünstler Petr Pavlensky vor, dem für seine Aktionen gerade drei Jahre Lagerhaft drohen. Und die Autorin Barbara Lehmann schwärmt in der NZZ vom Literaturfestival in Odessa.
9punkt - Die Debattenrundschau
09.10.2015 Slate.fr erzählt die Geschichte des syrischen Internetaktivisten Bassel Khartabil,der seit drei Jahren im Gefängnis sitzt, weil er sich für ein freies Internet einsetzte. In taz und FAZ wird über eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen nachgedacht. Bei Resonanzblog staunt die schwedische Autorin Majgull Axelsson darüber, wie sein Volk in seinem Heim vergaß, dass es einmal rassistisch war. Die FAZ schildert die Umtriebe des Hindu-Nationalismus in Indien.
Medienticker
09.10.2015 Aktualisiert: Neue Definition der Realität: Luciano Floridis Datenphilosophie - Zukunft: Zeitungsverlage sollten komplett auf Print verzichten - E-Book-Markt: Schwieriges Terrain - Zahlen des Monat: AGOF digital facts & IVW-News-Top-50 & Analyse - Alles noch mal als Farce: Vladimir Sorokins "Telluria" - Weltsichtungen: Wolfram Schütte über Swetlana Alexijewitsch & Karl-Markus Gauß - Flüchtlingskulturstreit: Dietmar Daths & Botho Strauß' Deutschstunde + In memoriam: John Lennon wäre heute 75 geworden.
Bücherschau des Tages
09.10.2015 Mit der "kürzesten Geschichte Europas" hat der australische Historiker John Hirst ein Meisterwerk der Vereinfachung vorgelegt, das jeder heutige und zukünftige Europäer lesen sollte, schwärmt die SZ. Die FAZ freut sich, dass es Werner Busch in seiner Biografie von Adolph Menzel gelingt, die Ambivalenzen im Werk des Künstlers ausgewogen zu behandeln. Mit dem Roman "Alles ist gut" nutzt Helmut Krausser die Literatur als ironisch verkleidete PR in eigener Sache, meint die FR.
Samstag, 10.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
10.10.2015 Die Welt begutachtet in London mit größtem Vergnügen die neureichen Aufsteiger des Francisco de Goya. Die taz erinnert sich angesichts aus den Wänden quellender Kabel sehnsüchtig an das improvisationsfreudige Nachwende-Berlin. taz und NZZ besprechen den Roman der Stunde: Jenny Erpenbecks Flüchtlingsroman "Gehen. Ging. Gegangen". Die SZ trauert um den Theatervorhang. Der Tagesspiegel sieht Hermann Fritsch an Carl Sternheims wortverspielter Sprache scheitern.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.10.2015 In der taz schildert Samar Yazbek, wie die demokratische Opposition in Syrien zerrieben wurde. taz und politico.eu würdigen die tunesischen Friedensnobelpreisträger: Ohne die Gewerkschafter und ohne die Unternehmer wäre der Friede nicht eingetreten. Die Welt fragt mit Jean-Pierre Bekolo: Gilt unsere Willkommenskultur allein den Syrern, aber nicht Afrikanern? Die indische Huffpo bewundert einen muslimischen Professor, der zum Schweinefleischessen einlädt, um gegen ein mögliches Rindfleischverbot zu protestieren. Twitter entlässt. Und der Spiegel gründet eine Abend-App.
Bücherschau des Tages
10.10.2015 Die taz lässt sich von Ece Temelkuran erzählen, wie die Türkei sich unter Erdogan zu einer muslimisch grundierten Gehorsamsgesellschaft entwickelt. Über die Manns kann man tatsächlich immer noch Neues erzählen, lernen FAZ und Welt von Tilmann Lahmes Familienbiografie. Als very british empfiehlt die NZZ Jane Gardams aus besten Kreisen kommenden "Untadeligen Mann". Und die Welt ist beeindruckt von Silvia Bovenschens Erkundung ihrer Liebe zu Sarah Schumann.
Montag, 12.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
12.10.2015 In der NZZ erklärt die indonesische Schriftstellerin Ayu Utami, wie sie nur aus der Literatur die Geschichte ihres Landes begreifen konnte. Außerdem erklärt uns die NZZ mit Chamisso die indonesische Gedichtform Pantun. Die FAS stellt das Literaturland Indonesien als Hort der Vielfalt vor. Oskar Roehler packt in der FAS die Wut. Shakespeares kurvenreichen "Kaufmann von Venedig" fand der Tagesspiegel in der Münchner Inszenierung von Nicolas Stemann eher flach.
9punkt - Die Debattenrundschau
12.10.2015 Es ist nicht wahrscheinlich, dass der "tiefe Staat" das Attentat in der Türkei anrichtete, meint die SZ, aber nur Erdogan profitiert von diesem Attentat, meint der Autor Emrah Serbes laut lustauflesen.de. Im Perlentaucher denkt Daniele Dell'Agli über die islamistischen Snuff-Videos nach und fragt, was sie mit dem Islam zu tun haben. Was heißt es, "dass der Holocaust begann, wo es vorher die Sowjetmacht gab", fragt Timothy Snyder im Standard. In der NZZ fürchtet der Politologe Markus Linden, dass im Internet eine populistische Szene entsteht.
Medienticker
12.10.2015 Aktualisiert: Frank Witzel erhält den Deutschen Buchpreis - Gefährliches Geschäft: Astrid Frohloff über Reporter ohne Grenzen - Terroristen & Flüchtlinge: Wie man mit Fehlalarmen Alarm schlägt, erklärt Stefan Niggemeier - München friert & tanzt: Danke-Konzert für Flüchtlinge - Comics! Boom! Boom? Thomas von Steinaecker zum Stand der Comic-Dinge - Für hippe Banklehrlinge: Handelsblatt startet auch ein junges Angebot + Heute im Radio: Beats für Jörg Fauser & Laurence Sternes "Tristram Shandy".
Bücherschau des Tages
12.10.2015 Mit großem Vergnügen lauscht die FAZ Christian Vulpius' klassischer Seifenopfer über den Räuberhauptmann "Rinaldo Rinaldini". Die Hörspielversion von Michel Houellebecqs "Unterwerfung" überzeugt sie mit einem starken Sprecherensemble. Die innere Heimatlosigkeit erlebt die SZ in Katharina Hackers Roman "Skip" und kürt ihn zu einem der besten des Jahres. Die FR empfiehlt Alexander Kisslers Schrift "Keine Toleranz den Intoleranten".
Essay
12.10.2015 Religiöses Bilderverbot und die globalisierte Bilderproduktion finden ihren Brennpunkt im Schrecken der terroristischen Snuff-Videos. Das hat mit dem Islam zu tun. Andere Überlegungen zu Religion und Ästhetik.
Dienstag, 13.10.2015
Magazinrundschau
13.10.2015 Der Boston Globe liest das unzensierte Tagebuch Iwan Maiskys, russischer Botschafter in London von 1932 bis 1943. In Nepszabadsag erklärt Attila Bartis, warum er 15 Jahre für seinen zweiten Roman brauchte. In Brooklyn Rail erklärt Zhao Liang, wie Dante ihn für seine Bergarbeiterdoku "Behemoth" inspirierte. In der New York Times beschreibt die weißrussische Dichterin Valzhyna Mort den Homo Sovieticus der Swetlana Alexijewitsch.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.10.2015 Cool irgendwie, findet die taz den Buchpreis für Frank Witzels Roman "Die Erfindung der Rote Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969". Die Welt beäugt die Opfergaben, die Künstler aus aller Welt in Basel vor dem heiligen schwarzen Quadrat Malewitschs ablegen. Die NZZ lernt die Grundregeln tropischen Bauens in Indonesien. Die SZ ermuntert deutsche Architekten, sich ein Beispiel an Hans Schwippert zu nehmen, der nach dem Krieg für Flüchtlinge baute. Tagesspiegel und SZ hören Beethovens Neunte mit Simon Rattle.
9punkt - Die Debattenrundschau
13.10.2015 In der FAZ protestiert Roland Reuß gegen die Digitalisierung im Buchwesen. Die FAZ bedauert auch die "bedingungslose Kapitulationserklärung" der Kanzlerin in der Flchtlingsfrage. Die Welt fragt sich, warum Medien in der Frage, wer das Flugzeug MH 17 über der Ukraine abgeschossen hat, immer noch so zögerlich sind. Die Huffpo.fr erklärt, warum man Forderungen des Islamismus nicht im Namen von Multikulti akzeptieren sollte. Die SZ interviewt den Pirate-Bay-Gründer Peter Sunde.
Medienticker
13.10.2015 Messe-Splitter: Mehr Debatten bitte! - Schwellenländer: Die goldene Zeit für Buchverlage beginnt jetzt, weiß Rüdiger Wischenbart - Gegen den schlechten Ruf: Amazon will transparenter werden - Ein Viertel liest digital: Bitkom untersucht E-Book-Markt - "Ich sehe mich immer noch als Außenseiter": Interviews mit dem Buchpreisträger Frank Witzel - TTIP: Bundesregierung drängt auf Schutz von Urhebern & Medien - Fremdenfeinde: Pegida-Anhänger & der Galgen + Glückwunsch: Pharoah Sanders zum 75.
Bücherschau des Tages
13.10.2015 Wütend, böse und zynisch findet die NZZ Umberto Ecos Roman "Nullnummer" - und hält ihn für einen seiner besten. Transgression ohne Emanzipation erlebt die FR in Charlotte Roches "Mädchen für alles" und fragt, ob das jetzt raffiniert oder reaktionär ist. Bestens unterhält sie sich mit Robert Harris' drittem Cicero-Roman "Dictator". Die SZ wirt Timothy Snyder vor, mit "Black Earth" den Holocaust zur bloßen Chiffre im politischen Diskur zu degradieren. Die heutigen Literaturbeilagen von SZ und taz werten wir in den kommenden Tagen aus.
Mittwoch, 14.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
14.10.2015 Die Freiheit des Wortes ist nicht selbstverständlich, erinnerte Salman Rushdie auf der Frankfurter Buchmesse. Von taz bis Welt: Alle freuen sich über den Buchpreis für Frank Witzel. Die FAZ singt eine Hymne auf die Schauspielerin Jana Schulz. Die NZZ hätte gern einen Masterplan für das Berliner Kulturforum. Die taz sehnt sich zurück nach den sprechenden Vulven im Pornofilm der Siebziger. Und: Alle trauern um die Fotografin Hilla Becher.
9punkt - Die Debattenrundschau
14.10.2015 Der Guardian hält fest: Auch wenn der Abschuss des Fluges MH17 offiziell ungeklärt bleibt, die Separatisten haben seitdem Moskaus Unterstützung verloren. In der taz erinnert Daniel Dafert daran, wie Michel Foucault den Wahnsinn zum Teil des politischen Lebens machte. Die FR lotet die neuen Frontverläufe der französischen Intellektuellen aus. Zeit Online fürchtet, dass die Vorratsdatenspeicherung in dieser Woche beschlossen werden könnte. SZ und FR trauern nicht einmal verschämt um die nackten Frauen des Playboy.
Medienticker
14.10.2015 Navid Kermani & der Frieden in Europa: Ein Essay von Jürgen Nielsen-Sikora - Auskunftsanspruch: Netzwerk Recherche fordert schnelle gesetzliche Regelung - Onlinestudie: 55 Prozent nutzen das Internet mobil - Keine Werbung, kein Content: Bild.de sperrt AdBlocker-Nutzer aus - Identitätsdiebstahl: Juristisch falsche NDR-Berichterstattung + Man Booker Literaturpreis für Bob-Marley-Roman von Marlon James.
Bücherschau des Tages
14.10.2015 Fuminori Nakamura ist das nächste große Ding in der japanischen Literatur nach Murakami, prophezeit die Welt. Die FR folgt fasziniert dem Treiben der Prophetin "Tatarinowa" im Petersburg des 19. Jahrhunderts. Die NZZ liest Friedrich Torbergs Roman über das Schicksal eines jüdischen Künstlers in Wien nach dem "Anschluss". Die SZ empfiehlt Paul Noltes leichthändigen Essay über Hans-Ulrich Wehler.
Vom Nachttisch geräumt
14.10.2015 Über Harmonien und Dissonanzen im 20. Jahrhundert, die Familie de Maiziere, die Arbeit am Selbst der Bertha von Suttner, lichtdurchflutete Blumenarchitektur und geschlossene Museen.
Im Kino
14.10.2015 Ein beklemmender Film über das Scheitern der europäischen Migrationspolitik ist Jonas Carpignano mit "Mediterranea" gelungen. Aleksandar Nikolics "Der serbische Anwalt" porträtiert ruhig und konzentriert den Karadzic-Verteidiger Marko Sladojevic.
Donnerstag, 15.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
15.10.2015 Dem Standard tränen die Augen, wenn er sieht, wie radikal der Kunstbetrieb noch in den Neunzigern von Künstlern kritisiert wurde. Die Welt beraucht sich an den Bildern Zurbarans. Der Tagesspiegel fragt, warum deutsche Autoren, egal welcher Provenienz, so selten exportfähig sind. Die SZ hofft, dass das Musikmagazin Pitchfork auch als neues Conde-Nast-Eigentum unabhängig bleibt.
9punkt - Die Debattenrundschau
15.10.2015 Im Freitag beschreibt Peter Pomerantsev den Zynismus als die negative Ideologe des neuen Russlands. In der FAZ sorgt sich Lukas Bärfuss um die Schweiz, wo sogar die Extremisten stinkreich sind. In Italien reüssiert geschäftlich vor allem die Mafia, weiß Roberto Saviano in der Zeit. Die NZZ zeigt, wie ohne öffentlichen Raum aus Bürgern Konsumenten werden. Auf Spiegel Online brandmarkt Sascha Lobo den radikalrationalistischen Datenhunger der Behörden.
Medienticker
15.10.2015 Safe Harbor Germany? Die verlogene deutsche Datenschutzpolitik & Abhören unter Freunden: Neue Vorwürfe gegen den BND - ZAPP: Vorratsdatenspeicherung gefährdet Journalismus - Digitalisierte Gesellschaft: Schreiben & Lesen in digitalen Zeiten - Boulevard: Slalom durch das Volksempfinden - Blendle-Verkaufs-Charts: Umsatzbringer für Qualitäts-Journalismus? - ARD & ZDF: Chaos als Programm + Verfolgung von Bloggern: Der lange Arm der Gewalt.
Bücherschau des Tages
15.10.2015 Hochaktuell, aber unaufgeregt ist Meral Kureyshis autobiografisch gefärbter Roman über das Heimischwerden einer jungen Kosovarin in der Schweiz, lobt die NZZ. Die FAZ empfiehlt Matthias Nawrats kluge und witzige Geschichte Polens. Die SZ bewundert die intelligente Komposition von Leila Chudoris Roman "Pulang (Heimkehr nach Jakarta)". Die Zeit amüsiert sich über den Hass des 13-jährigen Protagonisten in Frank Witzels preisgekröntem Roman "Die Erfindung der Rote Armee Fraktion..." auf die Spießbürger.
Freitag, 16.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
16.10.2015 Anlässlich einer Shunga-Ausstellung in Tokio denkt die NZZ über Erotik und Prüderie in Japan nach. Viel Blut und viel Liebe sehen die Filmkritiker in Guillermo del Toros Gothic-Melodram "Crimson Peak". Auf den Sound kommt es an, erklärt in der Spex Buchpreisträger Frank Witzel über seinen Roman. In München atmen die Theaterkritiker bei Simon Stones Bühnenadaption von Viscontis "Rocco und seine Brüder" auf: Endlich Nahkampf statt Ferndiagnose.
9punkt - Die Debattenrundschau
16.10.2015 Im Dradio Kultur erkennt Garri Kasparow: Diktatoren fragen nicht nach dem Warum. Sie fragen: Warum nicht? Auf Zeit Online lässt Malte Spitz keine Ausreden gelten: Die Vorratsdatenspeicherung ist eine Tat mit Vorsatz. Die SZ wagt einen Blick in die chinesischen Sweatshops der Pronto Moda. Die taz ist nicht einverstanden mit dem neuen Anti-Roma-Gesetz. Der Tagesspiegel fragt, wie qualifiziert Historiker eigentlich sind, um über die Gegenwart zu sprechen. Die Welt beobachtet beglückt ein wachsendes Interesse am Christentum von außen.
Medienticker
16.10.2015 Aktualisiert: Navid Kermani: "Letzter Weckruf" für ein faires Flüchtlingsrecht - Im Informationsraum: DJV zum "Keulenschlag" Vorratsdatenspeicherung - Qualitätsjournalismus: Die Fairness ist verloren gegangen - Der Brockhaus kehrt zurück: Wissensservice im Netz - Messe-TV+Radio: Der Lesemarathon geht weiter & Friedrich Ani und die Sieben-Stunden-Umarmung - Interview mit Michael Krüger: Der Ex-Hanser-Verleger über das Feilschen um Lizenzen + "Mops des Jahres": Auf die Suche nach dem kuriosesten Buchtitel des Jahres.
Bücherschau des Tages
16.10.2015 Einen tiefen Einblick ins Indonesien unter dem Suharto-Regime gewinnt die beeindruckte FR mit Ayu Utamis Roman "Larung". Die SZ empfiehlt Kinderbücher, darunter Jasmin Adams Jugendroman "Felsenmond" und "Wie heißt dein Gott eigentlich mit Nachnamen?" von Jane Baer-Krause und Jan von Holleben. Die FAZ liest den ersten Band von Richard David Prechts "Geschichte der Philosophie" sowie Daniel Fuhrhops Streitschrift "Verbietet das Bauen!"
Samstag, 17.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
17.10.2015 Auf Zeit Online erklärt der Medienaktivist Caram Kapp, was er an "Homeland" rassistisch findet. Die Zeit diskutiert auch, ob Karl Ove Knausgards "Mein-Kampf"-Reihe wirklich Literatur ist. Ist es vielleicht Punk?, fragt die SZ. Die Welt fragt, wie deutsche Kunst eigentlich aussehen soll, Jonathan Franzen trifft auf Baudrillard in der Serengeti. artechock verfolgt erbost die neueste Wendung im Streit um die dffb-Leitung. Die SZ schwenkt ihr Muscle-Shirt zu Michael Wollnys "Hammer"-Jazz.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.10.2015 Die Vorratsdatenspeicherung höhlt Bürgerrechte aus und stellt jeden unter Generalverdacht, schimpfen die Medien. Die informationelle Selbstbestimmung macht uns überhaupt erst zu würdigen Menschen, meint Juli Zeh in der FAZ. Nur der Tagesspiegel beruhigt: Missbrauch mit Metadaten kann auch ohne die VDS betrieben werden. Moritz Rinke warnt in der Welt Angela Merkel davor, für Zugeständnisse an Erdogan die Werte der EU zu verraten. Die NZZ erlebt im Pariser Musée de l'Homme einen geradezu kämpferischen Humanismus. SpOn und taz sind schockiert über die neuen Enthüllungen zum Drohnenkrieg.
Bücherschau des Tages
17.10.2015 Die FAZ fängt mit Benedetta Craveris Erzählung "Marie Antoinette und die Halsbandaffäre" pornografische Libellen in Paris. In Arthur Miller entdeckt sie den Erzähler. Die NZZ ist ganz higerissen von Zsuzsanna Gahses "elegant aus dem Handgelenk geschüttelten" Texten "Jan, Janka, Sara und ich". Auf ein geteiltes Echo stößt Matthias Nawrat bei taz und FR mit seinem Roman "Die vielen Tode unseres Opas Jurek", der nicht weniger als die Geschichte Polens im 20. Jahrhundert erzählt. Die Welt erfährt bei Peter Pomerantsev, welche Rolle die Medien in Putins postsowjetischem Autoritarismus spielen.
Montag, 19.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
19.10.2015 Große Ergriffenheit der Kritiker beim gemeinsamen Gebet mit Friedensbuchpreisträger Navid Kermani in der Paulskirche. Perlen vor die Reichen geworfen sieht die FAZ mit dem originellen neuen Gemeindezentrum The River. In der Welt versichern die Popmusiker von The Hurts: Ein guter Anzug hilft in allen Lebenslagen, selbst auf dem Arbeitsamt. Der Tagesspiegel lässt noch einmal Simon Rattles Beethoven-Zyklus Revue passieren.
9punkt - Die Debattenrundschau
19.10.2015 In politico.eu fordert Shirin Ebadi, dass sich Unternehmen wie Siemens künftig an ethische Standards halten, um nicht wieder iranische Oppositionelle ins Gefängnis bringen zu helfen. Im Guardian blickt der chinesische Autor Ma Jian fassungslos auf den Roten Teppich, den die britische Regierung für Chinas Präsidenten Xi Jinping ausrollt. In der FAZ begibt sich der Politologe Hans Vorländer auf die Spur der "rechtspopulistischen Empörungsbewegung" Pegida.
Medienticker
19.10.2015 Türkei: Pressefreiheit in der Atemnot - Der Abend vor dem Messe-Abschied: Jörg Plaths Nachlese & Frank Witzels Buchmessen-Nachlese: Vom Außenseiter zum meistgefragten Autor - Paid Content für Verlage: Indirekte Erlösmodelle via Infrastruktur-Netzbetreiber - Marktforschung: Media Control & GfK Entertainment - Bestandsaufnahme: E-Book-Reader sind erwachsen geworden + Umweltjournalismus: Einbettung in den Kontext fehlt.
Bücherschau des Tages
19.10.2015 Die taz liest Witold Gombrowiczs intimes Journal "Kronos" und erkennt in Promiskuität, Hypochondrie und Depressionen des polnischen Autors die exzentrische Basis für seinen klassisch-intellektuellen Tagebücher. Die FR sucht das Licht in Jan Costin Wagners dunklen Geschichten "Sonnenspiegelung".
Redaktionsblog - Im Ententeich
19.10.2015 Warum ich zu Navid Kermanis Gebet nicht aufgestanden bin. Von Thierry Chervel
Dienstag, 20.10.2015
Magazinrundschau
20.10.2015 In Outlook India erklärt der Autor Kiran Nagarkar, wie das Schweigen von Premier Modi die Gewalttaten radikaler Hindus beflügelt. In Caravan erklärt der karnatische Musiker T.M. Krishna, warum Perfektion nur entsteht, wenn das Unperfekte noch eine Chance hat. Ohne kulturelle Aneignung gibt es keine Kultur, erklärt der Musiker Yo Zushi in The New Statesman. Jürgen Habermas erinnert sich in Eurozine an seine Begegnungen mit Foucault. Das Netz vergisst, ruft besorgt The Atlantic. In Ungarn hofft Victor Orban auf das Scheitern der liberalen politischen Elite der EU, erklärt der Philosoph János Kis in HVG. Der Guardian beobachtet einen Boom der irischen Literatur.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.10.2015 Der Autor Chandrahas Choudhury beschreibt in der NZZ die zunehmende religiöse Radikalisierung in Indien. SZ und nachtkritik packte doch Unbehagen beim Anblick der Betenden ausgerechnet in der Paulskirche. Die taz berichtet vom Elektrofestival "Unsound" in Krakau. Die Welt ergeht sich in der Art-deco-Villa des Fabrikanten Cavrois. Im Art Magazin erklärt Museumsdirektor José Lebrero, warum deutsche Künstler Picasso hassten.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.10.2015 Im Blog lesenmitlinks.de erklärt der Historiker Peter Trawny, wie man über Heidegger forscht, wenn man institutionell nicht angebunden ist. Politico.eu stellt die römische Eliteschule Vivarium Novum vor, wo Studenten (aber nicht Studierende) auf Latein parlieren lernen. Die NZZ skizziert das Eigenleben der Big Data in der Wissenschaft. In der FAZ erklärt der Historiker Manfred Hettling, warum er am liebsten deutsche Einwanderer hätte. Die Welt verteidigt Timothy Snyder. Und Historiker streiten über die "lange Dauer".
Medienticker
20.10.2015 Vorratsdatenspeicherung: 404 Privatsphäre not found - Geflüchtete statt Asylant: Swantje Unterbergs Wortfindungshilfe der Neuen deutschen Medienmacher - Lesen, Ermutigung zum Denken: Interview mit Martin Walser - Deutschland = Bücherland: Eine Infografik - Innerlichkeit mit iPhone: Über Clemens J. Setz' "Stunde zwischen Frau und Gitarre" - Verdacht: Der Fall Georges Simenon + Verrückt nach dem Cello: Die Wiederentdeckung des Oscar Pettiford.
Bücherschau des Tages
20.10.2015 Die FAZ reist mit Karl Schlögel nach Kiew, Charkiw und Donezk und lernt von seinen "Ukrainischen Lektionen", dass auch Städte ermordet werden können. Bei Margarte MacMillan erfährt sie, dass der Versailler Vertrag durchaus ein Erfolg war. Die SZ feiert Bryan Stevenson als einen der größten Bürgerrechtler der USA und empfiehlt vorbehaltlos sein Buch "Ohne Gnade" über die Irrungen der amerikanischen Justiz. Und die FR empfiehlt zur Pflege deutscher Wunden: Lest Eike Geisel!
Mittwoch, 21.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
21.10.2015 Die NZZ hört in Donaueschingen eine Theorieoper. Der Tagesspiegel erliegt dem Charme der Hippie-Harfen-Elfe Joanna Newsom. Die taz betrachtet den Künstler als exemplarischen Fernsehzuschauer. Die FAZ steht staunend im karakalpakistanischen Nukus vor erstklassiger russischer Avantgardekunst. Die Welt feiert den jungen iranischen Film.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.10.2015 Die Snuff Videos des Islamischen Staats machen Schule, konstatiert Bernard-Henri Lévy in Le Point mit Blick auf die Messerattacken in Israel. Die NZZ zeigt, wie sich russische Künstler ans Gängelband des Staates ketten lassen. In der SZ fordern Aladin El-Mafaalani und Mark Terkessidis ein Bundesministerium für Migration. Slate.fr fragt, ob der Islamismus ein Totalitarismus ist.
Medienticker
21.10.2015 Richtschnur: Redaktions-Leitlinien zum Thema Flucht - Nach Pegida-Rede: Random House kündigt Verträge mit Akif Pirinçci - Strategic News: Google News & Qualitätsjournalismus - Facebook warnt künftig vor Lauschangriffen durch die Regierung - Literaturkritik: Zwischen Feuilleton & Haul - Theater: Nachtkritiken aus Bamberg, Berlin, Hamburg, Wien, Zürich & die Theater-Magazinrundschau + Zu wenig Mut: Sechs Thesen über Radionachrichten.
Bücherschau des Tages
21.10.2015 Tolle Frau, meint Joseph von Westphalen in der FAZ nach Lektüre einer Biografie über Jenny Marx, und das nicht nur, weil sie nicht aus der Familie stammt. Ulrich Raulffs Buch über Pferde eignet sich auch für Schweine-Freunde, findet die NZZ. Dort ist auch Michail Bulgakow am Ende nicht zum Schweigen verdammt. Die SZ fröstelt's in Jörg Baberowskis "Räumen der Gewalt".
Im Kino
21.10.2015 In Francesco Clericis Dokumentarfilm "Scultura - Kunst. Hand. Werk." kann man einem postheroischen Bronzehund bei der Entstehung zusehen. Das Berliner Kino Arsenal widmet derzeit dem dänischen Regisseur Nils Malmros eine Retrospektive. Dessen großartiger neuester Film, "Sorg og glæde", konfrontiert uns mit unseren Irrationalitäten.
Donnerstag, 22.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
22.10.2015 In der Welt staunt Necla Kelek über die Islamkritik Navid Kermanis. Der Freitag warnt: Die Zwangsbeglückung des Zwangsfinanziers deutscher Theater wird nicht mehr lange gutgehen. Mehr Wohnungen gibt's nur, wenn die Standards gesenkt werden, erklärt der Architekt Philipp Meuser in der Zeit. Die Welt feiert den neuen Asterix-Band: eine Gallileaks-Geschichte! In einer Genfer Ausstellung bewundert die NZZ den Einfluss der japanischen Kunst auf die europäische.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.10.2015 Tut uns leid, Einstein, aber Quantenspuk existiert, meldet die New York Times. Der Kollaps der Volkskirche ist eine Sache von Jahren, meint die FAZ (aber finanziell geht's der katholischen Kirche prächtig). In Hundertvierzehn.de macht sich Yu Hua Sorgen um seine Lunge. In der SZ verweist Okwui Enwezor auf die Hard Power der Soft Power im Kunstbetrieb. In New Eastern Europe erklärt der ehemalige Putin-Berater Andrei Illarionow, warum Putin in Europa so beliebt ist.
Medienticker
22.10.2015 IVW-Zahlen: Auflagen-Verluste der Magazine & Regionalzeitungen - Goldene Zeiten: Audiovisuelle Umsätze durchbrechen die 10-Milliarden-Marke - Plädoyer für den Algorithmus: Retter des Qualitätsjournalismus - Europäische Intellektuelle: Vom Gewissen der Gesellschaft zum rechten Polemiker - Medientage: Miriam Meckel über Resterampen der digitalen Zerstreuung - Digitalisierung? Ja, aber: Technologiekompetenz von Medienhäusern + Mighty Quinn: Manfred Mann zum 75.
Bücherschau des Tages
22.10.2015 Datenleaks, Twittertauben, Wildschweine und Prügelorgien - endlich wieder ein witziger, schwungvoller Asterix, freuen sich die Kritiker. Die FAZ taucht mit Ismail Kadares Erzählband "Die Schleierkarawane" ein in das Albanien unter der osmanischen Herrschaft. Die SZ begleitet mit Richard Flanagans Roman "Der schmale Pfad durchs Hinterland" australische Zwangsarbeiter beim Bau einer Eisenbahnstrecke in Siam. Die taz reist mit Helene Hanffs Tagebuch ins London der Siebziger. Und die Zeit betrachtet die Welt mit Adolph Menzels Augen aus 1,40 Meter Höhe.
Freitag, 23.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
23.10.2015 Die Welt bewundert den Auftritt des Charolais-Ochsen "Easy Rider" als Goldenes Kalb in Schönbergs "Moses und Aron". Die NZZ informiert über das geplante "Erste irakische Filmfestival gegen den Terrorismus". Die Berliner Zeitung verwandelt sich unter den Harfenklängen Joanna Newsoms zum großäugigen Fan. Die Presse deutet das Unbehagen an Kermanis Gebetsaufforderung.
9punkt - Die Debattenrundschau
23.10.2015 Die SZ freut sich auf den Google-Innovationsfonds und unterhält sich mit dem milde gestimmten Google-Kommunikator Carlo D'Asaro Biondo. Die taz berichtet über sehr harsche Sparmaßńahmen beim Tagesspiegel. Hilary Mantel und J. K. Rowling unterzeichnen im Guardian einen Aufruf gegen Israelboykott. In der FAZ plädiert der Medienrechtler Rolf Schwartmann für zahlbare Angebote von Facebook und Co., die im Gegenzug aufs Datensammeln verzichten müssten. Und wir gratulieren Robert Mugabe, der den Konfuzius-Friedenspreis erhält!
Medienticker
23.10.2015 Aktualisiert: Rechtlich nicht hinnehmbar: Journalistenverbände kritisieren Sparmaßnahmen beim Tagesspiegel - Warum wir Literatur brauchen: Nachrichten aus imaginären Welten - Hans Magnus Enzensberger: #Schwärmt ihr noch, oder denkt ihr schon? - Wettbewerb der Exzellenz im Digitalen: Das Reichweite-finanzierte Geschäftsmodell ist am Ende - Aussperrung: Geo.de für Adblock-Nutzer + Jazz-Nachrufe auf Wilton Felder, Dave Pike & Mark Murphy.
Bücherschau des Tages
23.10.2015 Wäre Musik ohne ein bisschen Illegalität am Ende nicht frei geworden, fragt die NZZ mit Stephen Witt. Die taz fährt mit Domestiken und auf den neuen Asterix einigermaßen ab. In der FAZ empfehlen Medizinethiker Medizinethiker und Kirchenhistoriker Kirchenhistoriker ähnlicher Provenienz und Observanz.
Samstag, 24.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
24.10.2015 Die Kritiker ziehen den Hut: Auch in Stuttgart geht Frank Castorf aufs Ganze mit seiner Inszenierung von Platonows Revolutionsroman "Tschewengur". In der Welt beschreibt Sergej Lebedew die Stimmung in Russland und die Fehler der Perestroika. In der FAZ erklärt uns Raoul Schrott, warum wir die Ilias bisher falsch verstanden haben. Die taz steht staunend im Diskursraum der Malerin Amelie von Wulffen.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.10.2015 Ohne Flüchtlinge aus Nordsyrien hätten wir keinen Ackerbau, schreibt Raoul Schrott in der Welt. Die NZZ bringt eine Hymne auf die Papyrologie. Niemanlab fragt sich, "warum Google seit neuestem so viel Zeit und Geld investiert, um Journalisten zu überzeugen, dass man ein Freund ist". Den Hass, der in Rechtsextremismus münden kann, gibt es nicht nur in Sachsen, meint die taz. Und der Spiegel trauert Frank Schirrmacher nach.
Bücherschau des Tages
24.10.2015 Endlich lässt sich auch in Deutschland Hugo Pratts berühmte Graphic Novel um Corto Maltese wiederentdecken, freut sich die taz. Die FAZ amüsiert sich mit Will Selfs "Leberknödel"-Protagonisten sozusagen zu Tode. Und sie empfiehlt Martin Gayfords Chronik der stürmischen Tage van Goghs und Gauguins. Die FR lässt sich in Serhij Zhadans überraschendes Mesopotamien entführen. Und die SZ fragt mit Astrid Lindgren, ob die Menschheit den Verstand verloren hat.
Montag, 26.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
26.10.2015 In einer Munch-Ausstellung träumt die Welt mit drei Mädchen auf einer Brücke. In der NZZ erklärt Karl Ove Knausgard, warum er keine Fiktion schreiben wollte. Die SZ vermisst Visionen in den Entwürfen für die Bauhaus-Erweiterungen. Die nachtkritik steht ratlos vor den rechtsextreme Delirien der intellektuellen Boheme in Jan Bosses "Wintersonnenwende" am Deutschen Theater.
9punkt - Die Debattenrundschau
26.10.2015 Auch in Frankreich wird über die Veröffentlichung von "Mein Kampf" diskutiert. Der Historiker Christian Ingrao erklärt in Libération, warum man vor dem "erbärmlichen Pamphlet" keine Angst haben muss. In der Welt fordert Timothy Snyder einen neuen Blick auf den Holocaust. Netzpolitik wirf einen kritischen Blick auf den Google Innovationsfonds. Peter Raue und den Kunsthändlern geht's ums Geld, aber ihr geht's beim Kulturgutschutzgesetz um die Kunst, schreibt Monika Grütters im Tagesspiegel. Große Sorgen machen sich auch die belgischen Mayonnaise-Hersteller.
Medienticker
26.10.2015 Sehnsucht nach Relevanz: Der digitale Literaturbetrieb & Sehnsucht nach Autorität: Der Schriftsteller als öffentlicher Intellektueller - Ich bin, was ich verberge: Privatsphäre und Literatur & Tagebücher des öffentlichen Lebens im Netz - Reich werden mit Amazon? Die Kindle-eBook-Industrie - Homophobie im "Börsenblatt": Eine Akif Pirinçci-Werbung und ihre Folgen + NSA: Zweites Ermittlungsverfahren in Deutschland.
Bücherschau des Tages
26.10.2015 "Das schmutzige Geschäft mit der Antike" lohnt sich: Die FAZ lernt von Günther Wessel, dass Kunstschmuggler kaum Konsequenzen befürchten müssen. Die SZ liest beeindruckt Norman Maneas Essay "Wir sind alle im Exil". Die taz preist Bora Cosic' Jahrhundertroman "Die Tutoren" als Riesenpalaver.
Dienstag, 27.10.2015
Magazinrundschau
27.10.2015 msnbc und Atavist erzählen Heldengeschichten von Ärzten. Der Guardian versucht, in Karatschi Wasser zu kaufen. In Novinky ist Regisseur Petr Zelenka froh, dass Milos Forman und Vaclav Havel keinen Film über das Münchner Abkommen gemacht haben. Hector Abad wirft in El Espectador VW sein Auto vor die Füße. Der New Yorker isst gesundes Fast Food. Music & Literature reist zum Festival für Neue Musik ins tschechische Ostrava.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.10.2015 Wie können wir Flüchtlingen angemessen begegnen, wenn wir immer noch unsere eigenen Fluchtgeschichten verdrängen, fragt Barbara Lehmann in der NZZ. Zensur und Kommunistenhatz nehmen wieder zu in Indonesien, erzählt Laksmi Pamuntjak im Guardian. Das Börsenblatt meldet zufrieden: Niemand will mehr Akif Pirinçcis Bücher verkaufen. Die Presse rechnet mit den Anstandsdamen ab und singt ein Loblied auf den österreichischen Horrorfilm.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.10.2015 Die FR spürt dem besonderen Gusto der Fremdenfeindlichkeit in den Neuen Ländern nach. Die New York Times erklärt, warum sie nur noch zwanzig Blogs hat und nicht mehr achtzig. Die SZ schildert das Grauen des endlosen Wehrdiensts in Eritrea. Die französische Huffpo verteidigt die Idee des Laizismus. Die FAZ möchte Meinungsfreiheit nicht mit "zivilreligiöser Inbrunst" verfechten. Im Guardian erklärt Brian Eno, warum er Israel boykottiert.
Medienticker
27.10.2015 Aktualisiert: Netzneutralität eingeschränkt: EU-Parlament beschließt Internet-Gesetz - Supermacht Internet- Inszenierung: Wenn Nachrichten zur Waffe werden & Aufnahmen mit Wirklichkeitsbruch - Google, Facebook & Amazon sind so wertvoll wie nie - Daten-Moloch: Wie verführt uns Google? - Zukunft der Medien: Unkreative Zerstörung in der Medienbranche - Open-Access im Aufwind: Springer kooperiert - Digitale Souveränität: Wer unsere Daten anzapft, soll dafür zahlen + Die "Schlange" im Jazz: Michel Godard spielt das Serpent.
Bücherschau des Tages
27.10.2015 SZ und FAZ empfehlen Oleg Chlewnjuks Stalin-Biografie, in der ihnen der schlichte Tyrann in seiner ganz eigenen Kombination aus Unerklärlichem und Horror entgegentritt. Die SZ verehrt zudem Hans Magnus Enzensberger und die FAZ stößt in Gerhard Henschels "Künstlerroman" auf die witzigste Zahnarztszene der Literaturgeschichte. Erschüttert liest die taz Steve Sem-Sandbergs Roman "Die Erwählten". Die NZZ liest fasziniert die Fortsetzung von Jan Koneffkes pommerscher Familiensaga "Ein Sonntagskind".
Mittwoch, 28.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
28.10.2015 Auf den Hofer Filmtagen reist die Welt mit deutschen Jesiden in den Nordirak. Im Standard erzählt der Regisseur Gerd Kroske von zwei Strichen - entlang der Berliner Mauer und entlang der israelischen Mauer. Slipped Disc wünscht sich mehr Musikerinnen bei den Wiener Philharmonikern. Die SZ begutachtet jüngste Theaterinszenierungen rund um Pegida und diagnostiziert ein Wellness-Programm an Selbstvergewisserung für die linke Bourgeoisie.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.10.2015 Ensaf Haidar alarmiert heute, dass die Auspeitschung ihres Mannes Raif Badawi womöglich noch in dieser Woche wieder aufgenommen werden soll. Hunderte britischer Professoren antworten heute mit einem Israel-Boykott-Aufruf im Guardian auf die von J.K. Rowling und Hilary Mantel mit lancierte Verteidigung des Dialogs. Der französische Streit um "Mein Kampf" geht weiter: Historiker schlagen vor, eine wissenschaftlich Übersetzung ins Netz zu stellen. Die FAZ staunt über die Sprachverteidiger von Pegida. Reuters meldet: VG Media und Google streiten jetzt vor Gericht um das Leistungsschutzrecht.
Medienticker
28.10.2015 Studie: Europäer informieren sich am liebsten online (und im TV) - Netzneutralität: EU-Parlament lässt Schlupflöcher - Pegida, AfD & die Folgen: Der Hass auf die Medien ist im Westen angekommen - Falschmeldungen: Sechs Wege um sie zu entlarven - Deutschstunde mit Ingo Schulze, Katja Lange-Müller & Dirk Kurbjuweit - Deutschland im Visier. Amazons TV-Pläne + Mobilitätsmaschine & Pathosgeschöpf: Ulrich Raulff über das Pferde in der Geschichte.
Bücherschau des Tages
28.10.2015 Gebannt und entsetzt liest die FAZ den Briefwechsel zweier skrupelloser Karrierejuristen: Carl Schmitt und Ernst Rudolf Huber. Die FR landet mit Fred Vargas' Kommissar Adamsberg bei Robbespierre. Die NZZ rauscht mit Alexander Demandt durch eine Kulturgeschichte der Zeit, und sie bewundert mit Vasari die Vollendung der Grazie in der Renaissance. Die SZ amüsiert sich mit den Briefen der Wolfskehls an Stefan George.
Im Kino
28.10.2015 Jean-Jacques Annaud demonstriert den Chinesen mit "Der letzte Wolf", wie man eigene historische Verfehlungen in Erkenntnisgeschichte umdeutet. Benni Diez motzt in seinem Spielfilmdebüt "Stung" mit Monsterwespen die eigene Showreel auf.
Donnerstag, 29.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
29.10.2015 Interessant gescheitert, so könnte man die Reaktionen auf Jossi Wielers Stuttgarter "Fidelio" resümieren. Die Zeit bewundert Erfolgsstrategien, Vernetzungsvermögen und Selbstmarketing zweier holländischer Malerstars des 17. Jahrhunderts. Danach tanzt sie mit Drake Hotline Bling. Der Freitag stampft den neuen Bond ein. Die SZ besucht Naypyidaw, die neue Hauptstadt Burmas. Die NZZ bewundert die Architektur Vancouvers.
9punkt - Die Debattenrundschau
29.10.2015 Adieu Netzneutralität, rufen Spiegel online, Zeit digital und die Welt. Dass Benjamin Netanjahu eine Dummheit über den Mufti von Jerusalem gesagt hat, heißt nicht, dass dieser Mufti keine fatale Figur war, meint Gil Yaron in der Welt. Im Quotidien d'Oran erklärt Kamel Daoud, warum in Beirut der Müll nicht entsorgt wird. In der Zeit wird über die Flüchtlingspolitik in Deutschland gestritten. In Libération erinnert sich Michel Wieviorka an die Jugendunruhen in der Pariser Banlieue vor zehn Jahren.
Medienticker
29.10.2015 Sätze, die nicht vergessen werden: Politischer Druck, Zensur & Selbstzensur in der Türkei - "Messe der Meinungsfreiheit": Über Grenzen der Meinungsfreiheit - Leistungsschutzrecht: Einigung zwischen Google & VG Media scheitert - Blendle-Charts: Spiegel erneut auf Platz 1 - Mittendrin statt nur dabei: Virtuelle Realität & Journalisten - LesensArt wird bis Ende November abgewickelt - Die sind doch nicht blöd: Media Markt startet Entertainment-Plattform + 150 Jahre "Max & Moritz": Wilhelm Busch waren sie erst peinlich.
Bücherschau des Tages
29.10.2015 Wie ein Gebet liest sich für die SZ Peter Kurzecks Prosa im nachgelassenen Romanfragment "Bis er kommt". Wer Thomas Mann liebt, sollte vielleicht besser die Finger von Tilmann Lahmes erhellender Biografie der Mann-Familie lassen, seufzt die Zeit. Die NZZ lässt sich von Paolo Giardanos "Schwarz und Silber" ins bürgerliche Milieu Turins führen und liest mit Ralph Dutlis "Die Liebenden von Mantua" eine irrlichternde Persiflage auf Historienkrimis.
Freitag, 30.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
30.10.2015 Margarete Stokowski und David Berger streiten über die Buchhändleraktion gegen Akif Pirinçci. Colin Pantall lässt sich von Ai Weiwei gern zum Fotografieren im Museum auffordern. Die NZZ begutachtet das Verhältnis von Kunst und Jazz. Die SZ begutachtet das Verhältnis von Kunst und Selfies. Die Jungle World feiert die lebendige Maschinenmusik der Krautrocker "Harmonia". Der Freitag kritisiert das alte Denken von Wanda.
9punkt - Die Debattenrundschau
30.10.2015 Kaum hat die Telekom die Abschaffung der Netzneutralität durchgesetzt, will sie auch schon Geld sehen, berichtet Spiegel online. Die SZ fordert angesichts der Flüchtlingkrise eine "reflektierte Eigen- und Andersheit" der demokratischen Gesellschaften. Die NZZ fühlt sich fremd unter Indigenen. Und sie fragt sich, ob der Feminismus ausgerechnet in der PKK eine Bastion hat. Dank Adblocker und Internetgiganten geht Medien im Netz immer mehr die Luft aus, berichten FAZ und taz.
Medienticker
30.10.2015 Aktualisiert: Medienqualität: Leichtes & Seichtes dominiert - DJV. "Wir brauchen eine Haushaltsabgabe für Printmedien", fordert Michael Konken - Indonesiens Rückkehr zur Zensur & In China funktioniert die Zensur am besten - Auszeichnung: Sacharow-Preis für Raif Badawi - Wer schützt Dichter vor den Erben?: Streit um Thomas Bernhards Nachlass & Interview mit der Brecht-Erbin Johanna Schall - "Aufklärung": Kant & Co. als Schöpfer eines unvollendeten Projektes? + Richard Ford über Frank Bascombe + "Grammatik-Berserker": Die Sprache des Rainald Goetz.
Bücherschau des Tages
30.10.2015 Mit seiner Analyse von Nahtod-Erfahrungen und Jenseitsreisen bringt der Ethnologe Hans Peter Duerr Licht in "Die dunkle Nacht der Seele", meint die FAZ. Mit großem Interesse liest sie außerdem die Tagebücher von Michael Eberth, dem ehemaligen Chefdramaturgen am Deutschen Theater in Berlin. Die SZ bereitet sich lieber mit der Studie "Martin Luther - Lehrer der christlichen Religion" von Reinhard Schwarz als mit Heiner Geißlers Buch "Was müsste Luther heute sagen?" aufs Reformationsjubiläum vor.
Samstag, 31.10.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
31.10.2015 Art news besucht die Frank-Stella-Retrospektive im Moma. Die NZZ sieht mit Beckett und Imogen Kogge dem Verrinnen der Zeit zu und singt eine Hommage auf den Seil tanzenden Büchner-Preisträger Rainald Goetz. Die FAZ hört feurigen und präzisen Mozart in Havanna. In der Welt zieht Dieter Wellershoff Lehren aus dem Krieg. Historiker sind schlechte Romanciers, behauptet in der taz der ungarische Autor György Dragoman.
9punkt - Die Debattenrundschau
31.10.2015 David Remnick würdigt im New Yorker die heroische Arbeit des Bürgerjournalistenteams Raqqa is Being Slaughtered Silently. Zwei seiner Journalisten wurden von den IS-Milizen in dieser Woche umgebracht. Die NZZ bringt ein großes Dossier zur Flüchtlingskrise. Zu den Autoren gehören Colm Toibin, Abdelkader Benali und Wolfgang Sofsky. Die taz erkundet die "Neue Rechte", die der Pegida-Bewegung ein intellektuelles Cachet geben will. In der Welt macht sich die Autorin Ece Temelkuran Hoffnungen auf eine breite Demokratiebewegung in der Türkei. In der Wiener Zeitung hat Isolde Charim keine Angst vor der Angst vor der Angst.
Bücherschau des Tages
31.10.2015 Die Welt lässt sich vom britischen Historiker Thomas Asbridge in die Welt des Turnierritters und Kämpfers Guillaume le Maréchal ziehen. Die SZ blickt mit Helen Macdonalds "H wie Habicht" verstört aus der Vogelperspektive auf Mensch und Leben. Die NZZ springt mit Karl Heinz Bohrer munter durchs Dionysische. Die FAZ folgt gebannt den Affären einer Hausfrau und lässt sich von Lambert Wiesing zum Luxus anstiften.