Donnerstag, 01.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
01.10.2020 Dreißig Jahre Einheit und immer noch Streit: In der Berliner Zeitung sieht es der letzte DDR-Innenminister Peter-Michael Diestel als Machtübernahme: "Es gibt unter den 200 deutschen Botschaftern und den 500 Generälen nicht einen einzigen Ostdeutschen." In der NZZ erinnert der Politologe Klaus Schröder daran, dass es sich um einen freiwilligen Beitritt handelte. Und zehn Jahre nach der Gründung muss sich die Welt von Wolfgang Ullrich in der Zeit fragen lassen, ob sie überhaupt instagramable ist.
Efeu - Die Kulturrundschau
01.10.2020 Die Zeit fühlt das "Schwert, das durch die Seele geht" mit Wolfgang Rihms "Stabat Mater". Dem Standard wird ungemütlich vor den Landschaftsbildern Gerhard Richters. Im Dlf Kultur erzählt Jan Koneffke von der existenziellen Hilflosigkeit eines Schrumpfkopfs. Der Tagesspiegel fragt, wie die Stiftung Deutsche Kinemathek jahrzehntelang übersehen konnte, dass Berlinale-Gründer Alfred Bauer ein Nazi war. Die nachtkritik fragt: Was wird aus dem Theater ohne eine Vielfalt der Kritiker?
Medienticker
01.10.2020 20 Millionen verkaufte Tonies & Weltbild-Gruppe wächst - Angefeindet Buch über homosexuelle Pinguine - Messedirektor Juergen Boos im Video-Podcast. DHL dreht an der Schraube - Wie geht es den Verlagen ohne Buchmessen? - Lesezeit: Kathrin Aehnlichs "Wie Frau Krause die DDR erfand".
Bücherschau des Tages
01.10.2020 Mit Bewunderung schwimmt Kurt Drawert in der FAZ mit Christian Haller "Flussabwärts gegen den Strom". Die FR freundet sich mit Iris Hanikas galliger Schriftstellerin Sophonisbe an. Die SZ entdeckt das Andere, Schatten, Traumwelten, Ungelebtes in in Gabriel Josipovicis Roman "Wohin gehst du, mein Leben?" Die Zeit liest in Hans Peter Duerrs "Diesseits von Eden" über Ekstase, Schauder und Sex mit Jesus.
Freitag, 02.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
02.10.2020 Die Vereinigten Staaten von Amerika sind noch länger vereinigt als die deutschen. Aber wie lange noch, fragt Richard Kreitner in der taz. Und in Deutschland? Joachim Gauck erinnert in der FAZ an das ungeheure Tempo der Ereignisse vor dreißig Jahren: "Es hat etwas Tragisches." Hubertus Knabe amüsiert sich in seinem Blog über die Grünen, die vor dem Mauerfall komplett daneben lagen. Emma hofft, dass der "alternative Nobelpreis" hilft, Nasrin Sotoudeh zu retten. SZ und Berliner Zeitung recherchieren zu Rechtsextremismus in der Polizei.
Efeu - Die Kulturrundschau
02.10.2020 Tagesspiegel und FAZ bewundern eine sarkastisch giftende und süß überschwallende Dagmar Manzel in Schönbergs "Pierrot Lunaire". Die NZZ betrachtet die Narben in der Kunst Kader Attias. In der FAZ hofft Ines Geipel für ostdeutsche Schriftsteller auf eine Würdigung von eigensinniger Lebenssubstanz. Der Tagesspiegel vermisst den Witz in Sofia Coppolas Komödie "On the Rocks". CR Fashion Book feiert das Pink der Elsa Schiaparelli.
Medienticker
02.10.2020 Aktualisiert: Streitfall deutsche Comedy - Google zahlt Verlagen weltweit eine Milliarde Dollar für journalistische Inhalte - Familienzwist in Endlosschleife: "Die Orestie" an der Volksbühne Berlin - 100. Todestag: Max Bruchs Tragischer One-Hit-Wonder - Fotografie: Der einzigartige Blick des Blinden - Onlineevent "Die blaue Hand": Livegespräche zur Buchmesse + Wochenend-TV+Hörtipps.
Bücherschau des Tages
02.10.2020 Die FAZ vergnügt sich mit tanzenden Tödlein und katzenköpfigen Menschen in Massimo Listris Wunderkammern. Als Glücksfall wertet sie auch die Begegnung mit "Noch-DDR-Bürgern" in Martin Gross' Briefroman aus dem Jahr 1992. Die taz liest berührt Joe Saccos Comicreportage über die Kolonisierung indigener Kanadier. Die SZ macht mit dem Autoren-Trio Bude, Munk und Wieland die Hausbesetzer-Szene der Achtziger unsicher. Welt und taz lassen sich mit Christine Wunnickes "Dame mit der bemalten Hand" auf zarten Flügeln durch Indien tragen.
Montag, 05.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
05.10.2020 Häme über Donald Trumps Corona-Erkrankung ist unangebracht. Marina Hyde rät im Guardian statt dessen zu Witzen. In Spiegel online spricht die Ärztin Bhramar Mukherjee über Corona in Indien. Die FAZ empfiehlt eine Ausstellung im niederländischen Haus Doorn, wo der Ex-Kaiser seine Exiljahre zugebracht hat, über die Hohenzollern und ihre Begeisterung für die Nazis. Charlie Hebdo beschreibt, wie Farid Benyettou, der Mentor der Brüder Kouachi, beim Charlie-Prozess "Taqiya" betreibt. Die Täter der DDR wurden so gut wie gar nicht zur Verantwortung gezogen, schreibt Hubertus Knabe in seinem Blog.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.10.2020 Rund hundert KünstlerInnen protestieren in einem offenen Brief in The Brooklyn Rail gegen die Absage der Philip-Guston-Ausstellung. Die New York Times erklärt, warum Guston seinen Nachfolgern so viel bedeutet . Die SZ jubelt über die "magische Alleskönnerin" Joana Mallwitz, die Monteverdis "Orfeo" in Nürnberg zum Swingen brachte. Der Tagesspiegel begrüßt die späte Neubewertung der Ostmoderne. Im Münchner Feuilleton wütet Oskar Röhler gegen die "geistige Idiotie und Mutlosigkeit" des deutschen Fernsehens. Die NZZ trauert um den Modemacher Kenzo Takada, der die Welt mit seinem Jungle Jap ein wenig chaotischer machte.
Bücherschau des Tages
05.10.2020 Die FAZ jubelt über Ayad Akhtars komisch-dramatischer Einwanderungssaga "Homeland Elegien". Auch James Andersons "Lullaby Road" kann sie empfehlen. Der Dlf begibt sich mit Nico Bleutge und Uljana Wolf auf Wortwanderungen zu den mystischen Momenten der Lyrik. Die SZ lernt von Elke Heidenreich, mit Bravour "gscheit aber nicht fesch" zu sein.
Dienstag, 06.10.2020
Magazinrundschau
06.10.2020 Amerikaner sind einem plötzlich so fremd wie die Yamomami. Jedenfalls wenn man amerikanische Magazine liest: Niemand scheint mehr einen Bürgerkrieg für ausgeschlossen zu halten. Vielleicht ließe sich der verhindern, würde man endlich verstehen, wie die Rivalen Cézanne und Pissarro zusammenarbeiten konnten? Ein Rätsel, das die LRB zu lösen versucht. Und auch das gibt es: Der New Yorker stellt das Lincoln Project vor, Republikaner, die die Wiederwahl Trumps verhindern wollen. Africa is a Country erzählt von den Widrigkeiten der Oromo in Kenia und Äthiopien. Hakai starrt auf 200 nordkoreanische Geisterschiffe.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.10.2020 Die FAZ bewundert belarussische Wissenschaftler, die die Bürger ihres Landes in einer "Fliegenden Universität" mit der Geschichte der Selbstorganisation in Städten vertraut machen. Die Deutsche Welle porträtiert die russische Journalistin Irina Slawina, die sich aus Protest selbst verbrannte. Qantara erzählt, wie der Krieg im Jemen die Lage der Frauen im Land noch verschlimmert. Und die Deutsche Datenschutzkonferenz streitet laut Golem.de über Microsoft.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.10.2020 Van erinnert an die Komponistinnen, die die Geschichte der Darmstädter Ferienkurse hätten prägen können, wenn sie nicht vergessen worden wären. Im Tagesspiegel wirft der Historiker Andreas Wirsching dem Kulturbetrieb im Fall Alfred Bauer wissendes Schweigen vor. Die FAZ genießt mit Christoph Honoré eine Dosis allerfeinsten Sadismus in Paris. Die SZ erlebt mit Aaron Sorkins "The Trial of the Chicago 7" den Showdown von Hippies und Nixon-Establishment. Die taz stattet sich für die neue Lockdown-Streamingsaison mit Balenciagas Hotelpantoffel-Schuhen aus.
Medienticker
06.10.2020 Die Buch-Branche erholt sich: Das schwierige Jahr der Verlage - Einblicke in die kanadische Literatur - Darf man zu Männerhass aufrufen? Diskussion um die Streitschrift von Pauline Harmange - Wer bekommt den Literaturnobelpreis 2020? - De Gruyter lobt Preis aus: "10 Topics, 10 Books, 10 Weeks" - Nora Gomringer erhält Carl-Zuckmayer-Medaille - Digitale Landesentscheide im Vorlesewettbewerb + arte-Filmreihe zu François Truffaut.
Bücherschau des Tages
06.10.2020 Die taz geht mit Hervé Tanquerelle, Gwen de Bonnewal und Jörn Riel auf "Grönland Odyssee" und lernt, Wintermelancholie und Polarkoller zu trotzen. Die SZ staunt über die gleichbleibende Aktualität von zweitausend Jahren politischer Lyrik aus China. Die FAZ streift mit Lucian Hölscher durch die "Zeitgärten" der Geschichtswissenschaft und feiert noch einmal, wie Dorothee Elmiger in ihrer "Zuckerfabrik" marktkonforme Agenturprosa zerbröselt.
Mittwoch, 07.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
07.10.2020 In der taz sagt die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja, was sie Putin sagen würde. In der SZ berichten vier Forscher von ihren Begegnungen mit Corona-Querdenkern, die man nicht einfach als Aluhüte abtun könne. In der NZZ erzählt die Architektin Danièle Chikhani, wie private Initiativen beim Wiederaufbau Beiruts helfen. hpd.de liest ein Papier der polnischen Bischöfe, die Homosexualität immer noch gern heilen möchten. Bei cicero.de mahnt Ahmad Mansour: nur eine deutliche Politik gegen Islamismus hilft auch gegen Rechtsextremismus.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.10.2020 Die SZ erkennt in dem spektakulären Atrium, das Rem Koolhaas dem Springer-Verlag errichtet hat, den Architektur gewordenen Medienwandel. Die Welt erinnert daran, wie Koolhaas in Berlin beinahe zum Märtyrer geworden wäre. Außerdem möchte die SZ in Max Beckmann lieber nicht das Androgyne sehen. Die Berliner Zeitung berichtet aus dem coronageplagten Bollywood. Auf ZeitOnline mahnt Chuck D., den Ernst der politischen Lage zu erkennen.
Medienticker
07.10.2020 Prosa der Welt im Hier & Jetzt: Gespräch mit Hans Ulbricht Gumbrecht über Denis Diderot - Hotlist-Preis: Die Vielfalt der unabhängigen Verlage - Echte Gefahr durch unechte Mängelexemplare - Postwachstumsgesellschaft: Ein Spiel ohne Verlierer - Fernsehlandschaft der Wende: Für die Menschen berichten, nichts sonst - Lesezeit: Wie Frau Krause die DDR erfand - Gegen Repressionen in der Türkei + Meister des Wää-liuuwääh: Zum Tod von Eddie Van Halen + Buchcharts: Die aktuellen Bestsellerlisten.
Bücherschau des Tages
07.10.2020 Der Dlf amüsiert sich prächtig mit einem Roman, in dem sich der haitianische Autor Dany Laferriere in die Rolle eines japanischen Schriftstellers fantasiert. Dlf Kultur verliert sich mit Charlotte Fauve und Marc Jeanson in den Geschichten tollkühner Botaniker, die die Welt umreisten. 1934 veröffentlichte die britische Reedereierbin, Dichterin und Verlegerin Nancy Cunard mit "Negro" einen 900-seitigen Band über die Kunst, Musik und Literatur Afrikas, Afroamerikas und der Karibik. Einen Ausschnitt davon kann man jetzt mit "Nancy Cunards Negro" auf Deutsch lesen - interessant, aber für heutige Leser auch befremdlich, findet die FAZ. Die SZ vertieft sich in Heike Bungerts Geschichte der Indianer.
Donnerstag, 08.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
08.10.2020 "Der Westen war nicht interessiert an unserem Schicksal", klagt die syrische Frauenrechtlerin Huda Khaity in der Welt an. SZ und Tagesspiegel fragen sich, ob nicht eine zügige Klage in Karlsruhe angesichts der desaströsen Wahlrechtsreform für den Bundestag fällig ist. Seit Jahren verschärft sich der Antisemitismus aus allen Richtungen, sagt der Rabbiner Daniel Alter in der taz. Netzpolitik veröffentlicht den Referentenentwurf für die Übernahme der europäischen Urheberrechtsreform in deutsches Recht: Uploadfilter und Leistungsschutzrecht kommen.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.10.2020 Die Berliner Zeitung lässt sich mit den Fotos von Askan Sahihi noch einmal von den Energien New Yorks in den Achtzigern mitreißen. Ansonsten ist es ein schwarzer Tag für die Feuilletons: In den Kinos drohen derweil diesen Herbst endgültig die Lichter auszugehen, warnt die SZ. (Constantin-Vorstand Martin Moszkowicz meint allerdings: Alles Panikmache.) Die Theater- und Filmkritiker trauern um Herbert Feuerstein, die Musikkritiker um Eddie van Halen, die Literaturkritiker um Ruth Klüger.
Medienticker
08.10.2020 Der Literatur-Nobelpreis 2020 geht an die US-Lykerin & Essayistin Louise Glück + Feministin ist kein Beruf? Alice Schwarzer zu ihrem Lebenswerk + "Weiter Leben": Ruth Klüger ist tot. "Aufprall": Drei Ex-Hausbesetzer*innen schreiben gemeinsam einen Roman - Nobelpreiswüridg: Genschere "Crispr" - Nachruf: Günter de Bruyn ist tot - Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte: Corinna Belz' Handke-Film
Bücherschau des Tages
08.10.2020 Die FAZ rühmt die kongeniale Neuübersetzung von Fjodor M. Dostojewskis Lager-Buch "Aufzeichnungen aus einem toten Haus" durch Barbara Conrad. Exzellent gefällt ihr auch Hiromi Gotos experimenteller Roman "Chor der Pilze" über eine japanische Drei-Generationen-Familie in Kanada. Dlf Kultur empfiehlt Khaled Alesmaels Roman "Selamlik", der vom Leben eines syrischen Homosexuellen erzählt. Die FR freundet sich mit Joachim B. Schmidts Antiheld Kalli an, einem isländischen Einsiedler mit dem IQ eines Schafs. Die Zeit liest Karl Ove Knausgards Debütroman "Aus der Welt" als Literatur und nicht als Rechtfertigung für Sex mit einer 13-Jährigen. Die Notizen zur heute erschienenen Zeit-Literaturbeilage finden Sie hier.
Freitag, 09.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
09.10.2020 Facebook hat QAnon-Seiten gesperrt. Aber was hilft das, wenn die Algorithmen immer wieder die Logik des Extremismus bestärken, fragt Netzpolitik. Facebook hat auch die Website einer Gruppe von Facebook-Kritikern abschalten lassen, meldet Vice. Nachdem eine rechtsextreme Privatmiliz die Entführung der Gouverneurin von Michigan vorbereitet hat sollen, wirft die New York Times ein Blick auf die Selbstrechtfertigungen dieser bewaffneten Truppen. In der Berliner Zeitung berichtet Kai-Hinrich Renner über Einschnitte bei der SZ und anderen Medien.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.10.2020 Vor einigen Jahren fragten englischsprachige Medien leicht konsterniert: Elfriede who? als der Literaturnobelpreis an Jelinek ging. In diesem Jahr blickt die Welt überrascht auf eine amerikanische Dichterin, die kaum ein Mensch hierzulande kennt: Louise Glück hat den Literaturnobelpreis 2020 erhalten - und damit eine höchst formbewusste Dichterin, die Literatur nicht für Politik instrumentalisiert, freut sich die FAZ. Verrat, ruft die NYRB angesichts des Zumthor-Neubaus für das Kunstmuseum in LA, das nicht nur kleiner, sondern auch viel elitärer sei als das alte. Die taz huldigt der Soft Power von Elektropop-Musikerin Maria Minerva.
Medienticker
09.10.2020 Aktualisiert: Louise Glück, die Literaturnobelpreis-Überraschungspreisträgerin: Ulla Hahn & Übersetzerin Ulrike Draesner über die Lyrikerin - Vietnam: Verlegerin & Prix-Voltaire-Preisträgerin Pham Doan Trang verhaftet - Lesemotive: Wie Verlage die neue Klassifikation erfolgreich einsetzen - Annett Gröschner über Günter de Bruyn - Clemens J. Setz über Ernst Herbeck - Spiegel-Bestseller Sachbücher - John Lennon: Der Trouble-Beatle, ein Mann voller Widersprüche wäre heute achtzig geworden - Anita Pallenberg: Königin des Undergrounds - Das Welternähungsprogramm erhält den Friedensnobelpreis + Wochenendtipps für das Wochenende.
Bücherschau des Tages
09.10.2020 Die FAZ lässt sich von Terje Tvedt die Geheimnisse des Nils verraten. Die SZ beginnt mit Anna Pritzkau "Fast ein neues Leben" und bleibt doch ewig fremd. Außerdem bespricht sie Kinder- und Jugendbücher und empfiehlt besonders Linn Skabers Interviews mit Jugendlichen aus Norwegen. Dlf Kultur verliebt sich in die Fotos schwuler Männer im Bildband "Loving" und annonciert ein neues Standardwerk mit Lyrik von Frauen aus zehn Jahrhunderten.
Samstag, 10.10.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
10.10.2020 Der Freitag träumt mit Pablo Heras-Casados kampfbereiter Aufnahme von Beethovens Neunter noch einmal den Traum von universeller Solidarität. Im Interview mit dem Van Magazin beklagt der EU-Abgeordneten Romeo Franz den Antiziganismus der Klassikszene. Die Theaterkritiker irren am BE durch Ibsens "Gespenster", die Mateja Koležnik im Dunkeln lässt. Die FAZ fragt angesichts von Philip Grönings Oktoberfest-Simulation: Ist KI der bessere Künstler?
9punkt - Die Debattenrundschau
10.10.2020 Heute ist der "Europäische Tag gegen die Todesstrafe": 86 Prozent der weltweit bekannten Hinrichtungen finden in nur vier Ländern statt: Iran, Saudi-Arabien, Irak und Ägypten. Das liegt aber nur daran, dass die Zahlen aus China nicht bekannt sind, erfahren wir bei hpd.de. Die New York Times setzt ihre Enthüllungen über Donald Trumps Steuergebaren fort: 2016 war er so knapp bei Kasse, dass ihm selbst die Deutsche Bank kein Geld mehr lieh - er musste sich Anteile an einem Hotel in bar auszahlen lassen. In der FAZ beleuchtet Marie-Luise Knott einen Brief Hannah Arendts an Ralph Ellison zum Thema Rassismus.
Bücherschau des Tages
10.10.2020 Die amüsierte FAZ liest Szczepan Twardochs Roman "Das schwarze Königreich" über die kriminelle Halbwelt im Warschauer Ghetto als veritablen Pageturner. Die FR empfiehlt Ralf Rothmanns Erzählband "Hotel der Schlaflosen". Die SZ erfrischt sich an der unverschämten Syntax Friederike Mayröckers. Dlf Kultur taucht mit Un-su Kims "Heißes Blut" in die Unterwelt Guams.
Montag, 12.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
12.10.2020 Mit Bangen blickt die FAZ auf die morgen beginnende virtuelle Buchmesse, die sich in einer Loose-Loose-Situation befinde. In der Berliner Zeitung glaubt die Schriftstellerin Kathrin Schmidt, dass die Gefahren, die von Covid ausgehen, vor allem von der Pharmaindustrie hochgespielt würden, um Kasse zu machen. Christian Wulffs Satz "Der Islam gehört zu Deutschland", den er vor zehn Jahren sagte, hat die Debatte nicht weitergeführt, fürchtet Seyran Ates bei cicero.de. Wenn Julian Assange nach Amerika abgeschoben und zu 175 Jahren Gefängnis verurteilt wird, war's das mit den Whistleblowern, warnt Milosz Matuschek in der Berliner Zeitung.
Efeu - Die Kulturrundschau
12.10.2020 Keine Theorie, nur Poesie und Ironie: NZZ und FAZ geben sich in Basel freudig dem exaltierten Spiel der Götter hin. Im Freitag spricht der Schriftsteller Jonas Lüscher über Schmerz, Demütigung und Hoffnung, die Corona für den Einzelnen bedeutet. Die Jungle World möchte doch noch einmal über Maïmouna Doucourés "Cuties" diskutieren. Die SZ will sich nicht von Spotifys Playlists ihre Gefühlslagen manipulieren lassen. Wahrhaft über der Welt zu schweben, lernt sie in einem Teehaus von Terunobu Fujimori.
Medienticker
12.10.2020 Publisher zwischen Coronakrise & Digitalisierungspush - "True Crime": wie Verlage Leser binden und Umfelder mit hohem Involvement schaffen - Bilanz eines Erfolgszeitalters: Die Marc-Thompson-Ära bei der New York Times - "Hotel der Schlaflosen": Gespräch mit Ralf Rothmann über seine Erzählungen & die Angst als Mutter aller Dinge - Kunst & Technik: Ein Porträt des Verlegers Gerhard Steidl - Soundtrack der Freiheit: Musik der Wende.
Bücherschau des Tages
12.10.2020 Als fantastische Lebensgeschichte und ungewöhnliches Sizilienporträt feiert die SZ Maria Attanasios Chronik "Der Kunstfertige Fälscher". Erfrischend findet sie auch Hans Ulrich Gumbrechts neuen Blick auf Denis Diderot in "Prosa der Welt". Dlf und DlfKultur vertiefen sich in Wilhelm Heitmeyers Studie zu "Rechten Bedrohungsallianzen". Der DlfKultur beendet etwas angeschlagen Elsa Dorlins Philosophie "Selbstverteidigung".
Dienstag, 13.10.2020
Magazinrundschau
13.10.2020 Die Bulgaren sind längst im 21. Jahrhundert angekommen, nur ihre Mobster-Eliten noch nicht, erzählt Eurozine. In Africa is a Country schildert der Filmemacher Bentley Brown die Identitätskonflikte der sudanesischen Diaspora. Die New York Review of Books wirft einen gründlichen Blick auf die Ungleichheit in Jordanien. Himal erzählt die Geschichte der Missionierung Assams. La vie des idees erinnert an das Massaker der SS in Oradour. In Deadline erklärt Alan Moore, warum er keine Comics mehr schreiben will: Das Genre ist ihm zu bürgerlich geworden.
9punkt - Die Debattenrundschau
13.10.2020 Es ist sozusagen Buchmesse. Die Büchertische biegen sich unter Identitätspolitik. Die tazlerin Tania Martini ist nicht einverstanden. Neben Putin macht Bernard-Henri Lévy in La Règle du Jeu Tayyip Erdogan als Public Enemy Nr. 1 der Demokratien aus und mit ihm das Emirat Qatar. In der FR schildert der Historiker Adam Tooze das komplett polarisierte Klima in Amerika. In der NZZ erklärt der konservative Publizist Michael Anton, warum er Trump für absolut alternativlos hält. Für seine Branche ist Corona längst eine Katastrophe, erzählt der Konzertagent Berthold Seliger bei Telepolis. In der Welt fordert Alice Schwarzer eine Ächtung von Prostitution.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.10.2020 Der Buchpreis für Anne Webers Heldinnenepos "Annette" trifft von FAZ bis taz auf fast einhellige Begeisterung. Auf ZeitOnline interveniert Ulrike Draesner gegen den Kitschverdacht, der über Nobelpreisträgerin Louise Glück schwebt. Die NZZ verteidigt Peter Zumthors Entwurf für das LACMA gegen die amerikanische Architekturkritik. Die SZ bewundert die versteinerte Bitterkeit im Spiel der Corinna Kirchhoff. Und Iris Berben geht noch einmal mit Klaus Lemke auf der großen Spielwiese des Kinos Gänseblümchen pflücken.
Medienticker
13.10.2020 Die Buchmessewoche hat begonnen. Trotz virtueller Veranstaltungen; das Messegefühl fehlt - Messe-Licht-Installation: Dienstag+Mittwoch zwischen 19 +21 Uhr - Hoffen auf das Weihnachtsgeschäft - Heldinnenepos: Buchpreis für Anne Weber - Zsuzsa Bánk über das Schreiben - Gratultation: Der zäheste Freiheitskämpfer & entschlossenste Träumer des deutschen Films: Iris Berben gratuliert Klaus Lemke zum achtzigsten.
Bücherschau des Tages
13.10.2020 Die FAZ liest in Sandra Gugic' Roman "Zorn und Stille", wie sich eine Fotografin von den Zuschreibungen "Serbin, Migrantin und Frau" zu befreien versucht. Bei Mohamed Choukris neu aufgelegtem Klassiker "Das nackte Brot" muss sie immer noch schlucken. Der Dlf erlebt ostdeutsche Identitätsverwerfungen mit Judith Zanders "Johnny Ohneland". Der DlfKultur lobt in höchsten Tönen Eric Plamondons "Taqawan".
Mittwoch, 14.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
14.10.2020 Eine seltsame Stille hat sich über die amerikanische Gesellschaft gelegt, durch die der Tumult kaum mehr hindurchdringt, schreibt Richard Ford in der FAZ, "wie die Stille vor einer Schlacht". In der taz erklärt die saudische Regimekritikerin Madawi al-Rasheed, warum die Frauen die Zukunft ihres Landes entscheiden werden. In der FAZ versichert Edo Reents, dass er als Fahrradfahrer zu den "Schwächsten unter uns" gehört. Le Monde und Guardian erzählen, warum in Nantes eine Ausstellung über Dschingis Khan abgesagt wurde.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.10.2020 Die SZ pocht darauf, dass anstrengende, herausfordernde Filme nur im Kino möglich sind. Die taz fragt sich beim Buchmesse-Stream, auf welchem Kanal eigentlich die diskreten Plaudereien stattfinden. Die NZZ erkundet in Winterthur die schweizerischen Ursprünge von Robert Franks Fotografie. Die Welt hört im Zürcher Opernhaus Karaoke de luxe. Und die FAZ huldigt den akustischen Explosionen des Pharoah Sanders.
Medienticker
14.10.2020 "Sonderedition" Buchmesse im Livestream eröffnet: "Das Buch ist krisenfest", Hoffnung statt Resignation, neue Möglichkeiten & mehr Politik - Virtuelles Treffen + Messesplitter: Gespräch mit Jo Lendle - Buchpreisgewinnerin Anne Weber in Interviews - Amanuel Asrat: "International Writer of Courage" - Schreiben gegen das Patriarchat: Irakisches Frauenprojekt "Inana" - Dokumentation über Margaret Atwood - KI hilft bei Zuordnung der Lesemotive - Facebook verbietet Holocaust-Leugnungen - Snoopy, der wichtigste Philosoph der Welt eir 70 + Openbooks + TV: Online-Messe live.
Bücherschau des Tages
14.10.2020 Die FAZ folgt in Meena Kandasamys "Schläge" entsetzt der Geschichte einer jungen Inderin, die versucht, der totalen Kontrolle ihres Ehemannes zu entkommen. Der Dlf muss zugeben, dass Alice Schwarzer keinen Grund hat, in ihrer Autobiografie ihr Licht unter einen Scheffel zu stellen und zieht den Hut. Die SZ liest in den Erinnerungen der Maryse Conde, wie diese zu ihrem Selbstbewusstein als Autorin der karibischen Dekolonalisierungsliteratur fand. Dlf Kultur amüsiert sich mit "Rico, Oskar und das Mistverständnis".
Donnerstag, 15.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
15.10.2020 Ganz gleich ob Finanzkrise oder Coronakrise - für die Mitgliedsstaaten der EU scheint es nur eine Antwort zu geben: den jeweiligen Nationalstaat zu stärken, klagt Robert Menasse in der Berliner Zeitung. Daphne Caruana Galizia wurde ermordet, weil sie die Machenschaften eines Mafiastaats aufdeckte, resümiert die Zeit den Stand der Ermittlungen. Ebendort beklagt Aminata Touré, Vizepräsidentin des schleswig-holsteinischen Landtags, den Rassismus in Deutschland. Und die taz fragt, ob der lange Arm der japanischen Regierung, wirklich bis nach Berlin-Moabit reicht.
Efeu - Die Kulturrundschau
15.10.2020 Die FAZ freut sich riesig über Max Beckmanns "Selbstbild mit Sektglas", das das Städel erworben hat. Zeit online bewundert, was der Modedesigner Martin Margiela alles mit einem Champagnerkorken anstellen kann. Der Tagesspiegel bestaunt die subversiven Strategien, mit denen Carmen Losmanns in ihrer Doku "Oeconomia" Geldexperten auf den Zahn fühlt. Der Guardian erinnert an den großen Fotografen Chris Killip, der jetzt gestorben ist.
Medienticker
15.10.2020 Alles so schön übersichtlich ... Buchmärkte 2020: Starkes Comeback nach Lockdown-Phase - Buchmesse digital ein seltsames Gefühl oder Fest in der Krise & Top-Buch-Messen-Termine am heutigen Donnerstag - Gewinner des Kalenderpreises - Hörtiipps: Thomas Pynchons "Die Enden der Parabel / Gravity's Rainbow" & Hans Falladas "Wer einmal aus dem Blechnapf frisst".
Bücherschau des Tages
15.10.2020 Die FAZ taucht mit Maggie O'Farrells Roman "Judith und Hamnet" in die Lebenswelt der Agnes Shakespeare ein und liest Maria Attanasios Geschichte des "Kunstfertigen Fälschers" Paolo Ciulla, der mit wunderschönen Blüten den Robin Hood gab. Die Zeit liefert sich mit den Bildern von Nikolaus Heidelbach der Corona-Paranoia aus. Dlf Kultur lernt aus einem Comic-Sachbuch, dass Vergebung ziemlich strange ist.
Freitag, 16.10.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
16.10.2020 Der Theaterregisseur Gerhard Willert erklärt in der FAZ den neuen Theaterrevolutionären, wie systemstabilisierend sie in Wahrheit sind. Zeit online erklärt, warum Horrorfilme eigentlich immer Filme über Schwarze sind. Die SZ nimmt Igor Levit seine Social-Media-Präsenz übel. Die FAZ beobachtet im Centre Pompidou, wie sich die Comic-Künstlerin Catherine Meurisse nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo neu erfand.
9punkt - Die Debattenrundschau
16.10.2020 Das Buch "Cynical Theories" fragt unter anderem, warum es Trans-Gender, aber nicht "Trans-Rasse" gibt. Die NZZ rezensiert es und spricht mit der Co-Autorin Helen Pluckrose. Politico.eu berichtet über die "giardini degli angeli" in Italien - Friedhöfe für abgetriebene Föten, markiert mit dem Namen der Mütter, betrieben von Ultrakatholiken. Die Berliner Zeitung zerbricht sich den Kopf über die Zeitungen: Sie sollen digitale Konzepte entwickeln. Dabei wollten sie doch nur Subventionen für ihre Austräger. Die FAZ sucht Moscheen in Xinjiang und findet Shopping Malls. Und die Uploadfilter kommen doch, konstatieren Netzpolitik und SZ.
Medienticker
16.10.2020 Aktualisiert: Medien-Vertrauen gestiegen - Buch, Messe & Zukunft: Reportage zum Bücherherbst - Herfried Münkler: "Die Weltordnung steht auf der Kippe" - Wie ist wer im Buchhandel durch die Corona-Krise gekommen? & Media Control Buchkäufe: 794 pro Minute - Happy Birthday 3sat-Kulturzeit! - Messesplitter: Antje Kunstmann & Daniel Kehlmann - Debütantensalon: Gespräche mit Bas Kast, Deniz Ohde & Mercedes Spannagel + Wochenend-Hör+Tv-Tipps & Messe-Tages-Highlights.
Bücherschau des Tages
16.10.2020 So bewegend wie lehrreich findet die FAZ Iris Därmanns Geschichte der Gewalt. Bei Alexander Demandt lernt sie den Sinn von Grenzen kennen. Günter Grass hätte die bei Steidl erschienene neue Werkausgabe gefallen, ist sich die FR sicher. Mit Harald Jähners Bildband "Wolfszeit" lernt sie das Berlin der Nachkriegszeit ganz neu kennen. Die taz streift mit Heinz Bude, Bettina Munk und Karin Wieland derweil durch das Westberlin der Achtziger.
Samstag, 17.10.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
17.10.2020 Die Kunstkritiker suchen im Gropius-Bau den modernen Mann und finden Cowboys, Nazis und Schwule. Die FAZ vergnügt sich in Rüsselsheim derweil mit den Lecksteinen von Bongos und Elchen. Helmut Mauros Polemik gegen Igor Levit ruft in den Zeitungen und auf Twitter heftige Empörung hervor. Schlicht "obszön" erscheint der FAZ der Wüstenstaat, der im Berliner Regierungsviertel entstehen soll. Ebenfalls in der FAZ erzählt Artur Becker, wie er als Nachtportier seine katholischen Antennen ausfährt.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.10.2020 Paris steht unter Schock nach dem grausigen Mord an einem Lehrer, der in der Schule die Mohamed-Karikaturen zeigte. Das Wall Street Journal rekapituliert, wie sich Mark Zuckerberg an Donald Trump heranmachte, laut New York Times "der größten Gefahr für Amerika seit dem Zweiten Weltkrieg". Frankfurts Jüdisches Museum setzt gegen Fanatismus auf Offenheit und Diversität. Die NZZ hinterfragt die Hermeneutik des Faktenchecks. Die SZ fürchtet einen Buchmarkt, der auch ganz ohne gesellschaftlichen Widerhall gut läuft.
Bücherschau des Tages
17.10.2020 Die FR geht freudig mit der kenianischen Yvonne Owuor auf eigensinnige Weltentdeckung im "Meer der Libellen". Joni Seagers "Frauenatlas" zeigt ihr einen Planeten der Ungleichheit. Die SZ bewundert mit Wolfram Eilenberger die Geistesgegenwart von Simone Weil, Ayn Rand, Hannah Arendt und Simone de Beauvoir. Die taz lernt von Jakob Simmank, dass "Einsamkeit" keine Krankheit ist. Von geradezu klassischer Schönheit erscheint der FAZ Miguel Delibes' Roman "Frau in Rot auf grauem Grund".
Montag, 19.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
19.10.2020 Nach dem Mord an Samuel Paty haben in Paris trotz Corona Tausende demonstriert: #jesuisprof. Caroline Fourest macht in Marianne auf die symbolische Dimension des Mords an einem Lehrer aufmerksam. Kenan Malik erklärt im Observer, warum er den Begriff der "beleidigten Community" ablehnt, denn es handele sich um einen Streit innerhalb dieser Communities. Außerdem: Die SZ ist begeistert vom neu gestalteten Jüdischen Museum in Frankfurt. SZ und Zeit online sind sich uneins über die Rolle der sozialen Netze im amerikanischen Wahlkampf.
Efeu - Die Kulturrundschau
19.10.2020 Der Guardian wandelt im Prado durch eine Galerie grandioser Frauenverachtung. FAZ und Freitag bangen um die Kinos, die von der zweiten Coronkrise schwer getroffen werden dürften. Die NZZ stemmt sich gegen eine Literatur der Wahrhaftigkeiten. Der Standard fragt, welchen Platz Frauen in der Lyrik haben. Und der Fischer Verlag trennt sich von Monika Maron, erzählt sie in einem Interview in Welt am Sonntag.
Medienticker
19.10.2020 Buchmesse: Jedem seine eigene Messe - Global gerecht geteilt: Amartya Sen erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels - So unterirdisch kann "Musikkritik" sein: In der SZ wird Pianist Igor Levit attackiert + Beste Suchergebnisse in Ihrem VLB-Online-Shop.
Bücherschau des Tages
19.10.2020 Nur bewundern kann der Dlf, wie Nadeschda Mandelstams in ihren neu übersetzten "Erinnerungen an das Jahrhundert der Wölfe" von einer Epoche der Angst erzählt. Die FR liest Santiago Amigorenas argentinischen Roman "Kein Ort ist fern genug". Der politischen Mitte, die sich aus falscher Toleranz gegenüber dem radikalen Rand auf die Lippen beißt, reicht die SZ mit Hamed Abdel Samad ein Taschentuch. Und die FAZ schaltet auf geringsten Prüfwiderstand und feiert das Hörbuch "500 Meisterwerke deutscher Dichtung und Erzählkunst".
Dienstag, 20.10.2020
Magazinrundschau
20.10.2020 Die New York Times fragt sich, ob die Demokratie überleben kann, wenn Meinungsfreiheit auch Falschinformation umfasst. In Elet es Irodalom denkt der Dichter Csaba Báthori über verschiedene Formen des Übersetzens nach. Die London Review erklärt, warum viele Chinesen einen kompetenten Diktator einem inkompetenten, aber demokratisch gewählten Staatsoberhaupt vorziehen. Eurozine erkundet die ethno-linguistische Segregation in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Tablet fragt, warum selbst Medien wie die New York Times einen antisemitischen Hassprediger wie Louis Farrakhan hofieren. Der New Yorker trifft sich mit Moxie Marlinspike, Mitbegründer von Signal.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.10.2020 Die SZ beleuchtet noch einmal eingehend das "Trauerspiel" um Monika Maron und den Fischer Verlag. Die NZZ fürchtet die Entgrenzung von Feindbildern in der Kunstwelt. FAZ und ZeitOnline feiern die neue HBO-Serie "I May Destroy You", in der Michaela Coels auch ihre eigene Vergewaltung thematisiert. Außerdem trauert die SZ um den italienischen Designer Enzo Mari, der gegen Portoentschädigung die Anleitungen für seine Möbel verschickte.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.10.2020 "Wehret den Anfängen, hieß es früher. Heute werden die Wehrhaften des Rassismus verdächtigt", kritisiert Alan Posener in der Welt die deutsche Linke - auch mit Blick auf den Islamismus. Der Mord an Samuel Paty beschäftigt die Medien weiter. Außerdem: In der NYRB fordert der französische Autor Olivier Rolin mehr Aufmerksamkeit für den inhaftierten Historiker Juri Dmitrijew. In der Welt fürchtet Norbert Bolz, dass sich die sozialen den Mainstreammedien anpassen. Und woher kommt eigentlich das Mehl, das das Welternährungsprogramm der UN aus Flugzeugen wirft, fragt Uta Ruge im Perlentaucher.
Medienticker
20.10.2020 Wie war sie nun, die digitale Messe?: Die Zahlen & Welche Trends bleiben? - Der Literarischer Herbst startet in Leizig - Ist Monika Maron zu rechts für den S. Fischer Verlag: Falsches Signal, meint Jörg Magenau & ein Gespräch mit Durs Grünbein - Woodward-Buch "Wut": Übersetzung im Hauruckverfahren - "Verhaltenslehren der Kälte": Gespräch mit Helmut Lethen - Der ganze Grass im Holzschuber - Hallgrímur Helgason "60 Kilo Sonnenschein" oder Islands Aufbruch in die Moderne - Zur Debatte um Igor Levit: Das Recht des Pianisten zu twittern Der Mensch als größter Unsicherheitsfaktor+ China: Joshua Wong droht Gefängnisstrafe.
Bücherschau des Tages
20.10.2020 Ganz hingerissen ist die taz von Diane Obomsawins Comic über die Befreiung der lesbischen Liebe, in dem sich Hasen, Pferde und Bären freudig in den Betten tummeln. In der SZ feiert Hanns Zischler Thomas Medicus' Biografie der beiden großen Volksschauspieler Heinrich und Götz George. Die FAZ folgt Pieter Waterdrinker gefesselt in die Petersburger "Tschaikowskistraße 40". Und die FR bewundert die klischeefreien Fotografien in Roger Melis' Band "Paris zu Fuß".
Mittwoch, 21.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
21.10.2020 "Wie ist es denn in den Schulen in Deutschland, was darf da denn gezeigt und diskutiert werden", fragt die Grünen-Mitbegründerin Eva Quistorp im Perlentaucher. Marianne spricht mit französischen Lehrern, die kaum mehr wissen, wie sie den Abgrund überbrücken sollen. Schulen sind ein erklärtes Ziel des Islamismus, warnt Mina Ahadi bei hpd.de. In der FR plädiert Ahmad Mansour für einen nationalen Gedenktag, der an sämtliche Terroropfer - rechts wie links wie islamistisch - erinnert. In Persuasion kommt John McWhorter auf die Fälle Rachel Dolezal und Jessica Krug zurück: Warum erklären sich Weiße als schwarz?
Efeu - Die Kulturrundschau
21.10.2020 ZeitOnline und Dlf berichten von bizarren Ereignissen auf der Museumsinsel - einem Anschlag, der offenbar dem Thron des Satans gegolten hat. Die FAZ beobachtet mit Victoria Butler die extraterrestrische und vegetative Verwandlung des Menschen auf Alpha Centauri. Die Filmkritiker feiern Pablo Larrains Drama "Ema" als Kino des Augenblicks und reine Kinetik. Die Causa Monika Maron sorgt weiterhin für heftige Diskussionen. Und die SZ entschuldigt sich in aller Form bei Igor Levit.
Medienticker
21.10.2020 Kulturdebatten oder Tischtuch zerschnitten: Gespräch mit Michael Krüger über die Causa S. Fischer vs. Monika Maron ("Meine Haltung ist demokratisch, liberal und freiheitlich") - Schatzkammern: Deutscher Buchhandlungspreis - Buchcharts: Aktuelle Bestsellerlisten - Buchblogs sorgen für Abwechslung & Spaß im Literaturbetrieb - Verlags-Materialien: Social-Media-Lounge startet Laf Überland über Manfred Mann zum 80.Geburtstag + "Gimme Some Lovin": Spencer Davis ist tot ... "Somebody Help Me".
Bücherschau des Tages
21.10.2020 Dlf Kultur badet mit Martin Gayford in der britischen Kunstszene der 50er und 60er Jahre. Die taz freut sich über Marko Martins anklagefreie Erinnerung an die kulturellen Leistungen der DDR in "Die verdrängte Zeit". Reizvoll findet die FAZ findet Günter Müchlers Napoleon-Biografie, die Napoleon als flexiblen "Held der Umstände" zeichnet.
Donnerstag, 22.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
22.10.2020 Es ist ein Fehler zu denken, dass der Islamismus des Paty-Mörders nichts mit dem 'Islam' zu tun hat, meint Bernard-Henri Lévy in Le Point. Wie kann die deutsche Linke jetzt noch schweigen, fragen Kevin Kühnert und Sascha Lobo auf Spon. In der Welt zeichnet der Schriftsteller Viktor Jerofejew den Niedergang der russischen Intelligenzija nach. In der Zeit glaubt Andrew Sullivan an einen erdrutschartigen Sieg über Trump. Es gibt keine gute Zensur, entgegnet der Historiker Niall Ferguson Facebook und Co. in der NZZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
22.10.2020 Die Feuilletons streiten über Helmut Maurós Kritik an Igor Levit in der SZ, die einige für antisemitisch halten. Die Chefredaktion der SZ hat sich jedenfalls schon mal entschuldigt. Caroline Emcke reicht das nicht: Auch ahnungslos transportierte Ressentiments sind Ressentiments, ruft sie in der SZ. In der Welt fragt Ulf Poschardt entsetzt, wer nach dieser Entschuldigung noch frei in der SZ denken oder schreiben soll. Die SZ hat insgesamt ein Antisemitismusproblem, meint die Berliner Zeitung. Auch die Debatte um die Trennung des Fischer Verlags von Monika Maron läuft weiter: Die Welt wirft Fischer doppeltes Spiel vor. Die taz wünscht sich renitente Intellektuelle wie Maron, aber nicht bei Fischer.
Medienticker
22.10.2020 Fundgrube: BR2-Hörspielpool - Interview mit Corona-Leugner: HR handelt fahrlässig & Corona als Armutsfalle - Trotz Corona: Kulturfestival & 44. Leipziger Jazztage - Vorgeblättert: Bücher + Autoren in der ZEIT & im Freitag - "Käuzchenkuhle"-Autor Horst Beseler gestorben - Vorläufig letztes Kapitel einer Farce: Neo Rauchs "Anbräuner" + Keith Jarrett wird keine Konzerte mehr geben ...
Bücherschau des Tages
22.10.2020 Die FAZ bewundert die glückhafte Leichtigkeit der Erzählungen Iwan Bunins. Die SZ blickt mit Lola Randl in "Die Krone der Schöpfung" von einem Brandenburger Dorf aus im 1:1,5 Format auf die Coronakrise. Der Dlf versinkt in den atmosphärischen Erzählungen Ralf Rothmanns. Dlf Kultur liest mit Vergnügen die Erinnerungen des Germanisten Helmut Lethen.
Freitag, 23.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
23.10.2020 Islamistische Messermörder sind in der Regel Einzeltäter, und man muss die Umstände berücksichtigen, meint der Islamwissenschaftler Michael Kiefer in der taz. So sieht es auch die SZ und plädiert für einen sozialpädagogischen Ansatz. Netzpolitik blickt mit Skepsis auf die amerikanische Kartellklage gegen Google. In der NZZ versucht der indische Psychologe Sudhir Kakar zu erklären, warum die Inder Narendra Modi mögen.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.10.2020 Der neue Borat-Film bringt selbst die Daily Mail zum Lachen. Die SZ hört, wie Bruce Springsteen mit seinem neuen Album den kosmischen Motor anwirft. Die nachtkritik freut sich über die Rückkehr der Rampensau auf TikTok. Die FAZ hat herausgefunden: Monika Maron ist auch nicht mittelbar mit dem Antaios Verlag in Verbindung zu bringen. Für die Jüdischen Allgemeine hat die ganze SZ ein Antisemitismusproblem.
Medienticker
23.10.2020 Aktualisiert: Aktivismus im Internet: Proteste werden kommerzialisiert - BR-Intendanz: Katja Wildermuth, die Erste Frau an der BR-Spitze - Carolin Emcke über Igor Levit - Jakob Funke: Vom Laufburschen zum Verleger - Auf der neuen Krimiliste: "Kalmann" - Paid-Content-Check - Zeitungsverlage planen Anzeigenblatt-Joint-Venture - Auflagen der deutschen Presse - Bruce Springsteens "Letter to you" + Und immer wieder Frohburg: Zum Tod von Guntram Vesper - TV+Hörtipps fürs Wochenende.
Bücherschau des Tages
23.10.2020 Die FAZ begrüßt die Wucht, mit der Nina Gladitz Leni Riefenstahl den Heiligenschein nimmt. Mit Ludwig Hirschfeld flaniert sie durch das Wien der zwanziger Jahre. Die taz lernt in Axel Schildts postum erschienenen Vermächtnis, wie Medien-Intellektuelle die frühe Bundesrepublik prägten. Die SZ bespricht Kinder- und Jugendbücher und empfiehlt besonders Laurel Snyders Dystopie "Insel der Waisen". Dlf vergnügt sich mit den Tanjas, Sonjas und Annas im vorrevolutionären Russland des Iwan Bunin.
Samstag, 24.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
24.10.2020 Das erneut verschärfte Abtreibungsrecht in Polen zeigt auch, in welchem Ausmaß die demokratischen Institutionen in diesem Land bereits unterhöhlt sind, fürchtet Florian Hassel in der SZ. In der Welt blickt Deniz Yücel auf die immer größere Zahl der Morde an Frauen in der Türkei. Eine Studie zu Rechtsextremismus in Polizeibehörden ist sehr wohl fällig, insistiert Wilhelm Heitmeyer im Tagesspiegel. Der Mord an Samuel Paty zeigt auch, wie alleingelassen die LehrerInnen an französischen Schulen kämpfen müssen, berichtet politico.eu. Die FAZ begrüßt die neue "Gedenkstätte Stille Helden" im Berliner Bendlerblock.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.10.2020 Schwarz ist die einzige Farbe, erkennt die FAZ vor den Bildern des Malers Pierre Soulages. Die nachtkritik erlebt mit der Kölner "Walküre" von T.B. Nilsson und Julian Wolf Eicke eine immersive Radikalkur. Der Filmdienst geht hart mit der Stadt Köln ins Gericht, die ungerührt den Filmclub 813 untergehen lässt. Die FAZ muss erkennen, dass Keith Jarretts Konzert am 15. Februar 2017 sein letztes war. Die FR lässt sich von der Ägyptologin Dora Goldsmith erklären, wie Kleopatra roch. Monopol würde gern vom Künstlerkollektiv "Frankfurter Hauptschule" wissen, wass die Hehe mit einem Multiple von Joseph Beuys sollen.
Bücherschau des Tages
24.10.2020 Wie Mallarmé in den Prenzlauer Berg kam: Die FR findet den Büchner-Preis für Elke Erb sehr verdient. Bei Suhrkamp erscheint eine Auswahl ihrer Gedichte. Die Welt feiert die Neuübersetzung von Gustave Flauberts "Lehrjahren des Ge..", äh "der Männlichkeit". Die FAZ amüsiert sich mit Stefan Kutzenbergers Bob-Dylan-Verschwörungsroman "Jokerman". Die taz empfiehlt Stephan Lohses Roman "Johanns Bruder. Der Dlf bespricht Kinderbücher über Transgender.
Montag, 26.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
26.10.2020 "Trump wird die Wahl verlieren, und es wird nichts klar sein am 3. November", prophezeit Timothy Snyder in der SZ. Die FAZ veröffentlicht ein vom Bundespräsidenten in Auftrag gegebenes Papier von Professoren, die eine Neugestaltung der Paulskirche fordern. Die taz notiert, dass Alexander Lukaschenko eine annoncierte Pro-Regime-Demo am Wochenende nicht zustande brachte. Die Probleme an deutschen Schulen sind nicht so groß wie in Frankreich, aber auch nicht so anders, sagt Ahmad Mansour in der FAZ. Und in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz brennt die Luft.
Efeu - Die Kulturrundschau
26.10.2020 Die SZ schlägt sich auf der Çanakkale-Biennale die Fäuste an Marmor blutig. In der FR erklärt sich Siv Bublitz zum Rauswurf von Monika Maron beim Fischer Verlag. Nachtkritik und Berliner Zeitung singen mit Sibylle Berg eine Hymne in Moll auf Katja Riemann. ZeitOnline lauscht berührt dem wunden Alt der Folksängerin Shirley Collins. Die Welt verabschiedet den Architekten Klaus Humpert, der in den röhrenden Hirschen einen Verzweiflungsschrei gegen den Funktionalismus erkannte.
Medienticker
26.10.2020 Buch & Film: Trump & die amerikanische Katastrophe - Gustave Flauberts Ringen um den wahren Roman - Interview mit Lars Eidinger: "Es ist unmöglich, sich selbst zu spielen" - Wissenschaft ist nicht gleich Wahrheit aber kein Argument gegen Verschwörungstheorien - Monika Marons Verlagsrauswurf: Unsouverän, maßlos unehrlich & Verlegerin Siv Bublitz sieht keine gemeinsame Zukunft, da das Vertrauen fehle - Buch ist Buch: Onleihe Verbund + Die ARD Hörspieltage 2020 ausschließlich online.
Bücherschau des Tages
26.10.2020 Der DlfKultur bewundert, wie leicht und witzig Sylvia Townsend Warner über Empowerment schreiben konnte. Die SZ feiert die Wiederentdeckung des unbekannten, aufsässigen Grimm-Bruder, den Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz in "Der fremde Ferdinand" aufspüren. NZZ und SZ rüsten sich mit Axel Honneth zur Verteidigung von Hegel, Solidarität und Empörung. Die taz schippert mit Ilona Hartmann auf Vatersuche donauaufwärts von Wien nach Passau. Und die FAZ stürzt sich mit anhaltender Begeisterung in den mittlerweile vierten Band von Cornelia Funkes "Reckless"-Serie.
Dienstag, 27.10.2020
Magazinrundschau
27.10.2020 The Baffler stellt den neuesten biometrischen Überwachungscoup vor: Gefühlserkennungssysteme. Phenomemal World bezweifelt, dass Eigentumsrechte an unseren Daten das Problem der Überwachung lösen werden. Africa is a Country erinnert das Nobelpreiskommittee daran, dass Ernährungshilfe vor allem Big Business ist. Tablet erinnert daran, dass Antifaschismus in der Sowjetunion erfunden wurde, um den Hungermord an den Ukrainern zu überdecken. Der New Yorker lernt, wie sich die Briten ihre Kolonialvergangenheit schön reden.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.10.2020 "Es ist völlig berechtigt, den westlichen Kolonialismus zu kritisieren, aber soll man darüber den osmanischen Imperialismus vergessen", fragt Pascal Bruckner in der FAZ. Alexander Fanta und Ingo Dachwitz stellen bei Netzpolitik ihre Studie über die äußerst großzügige Google-Finanzierung von Medienprojekten etwa der Zeit, des Spiegel oder der FAZ vor. Ebenfalls in Netzpolitik beschreibt Leonhard Dobusch den Kampf des Wissenschaftsverlags Elsevier gegen Open Access. In der Welt fordert Thomas Schmid ein Denkmal nur für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.10.2020 Die SZ erzählt die Geschichte des schwulen Mario Cruz, der seit fünfzig Jahren ein unterdrücktes Leben in Santiago de Chile führt. Standard und FAZ erleben Tschaikowskis "Eugen Onegin" an der Wiener Staatsoper als kühles Schachspiel der Herzen. Die Berliner Zeitung macht sich mit dem Zentrum für politische Schönheit auf die Suche nach elf Schnellfeuergewehren und 60 Kilogramm Plastiksprengstoff. Und im Guardian wächst die große Joni Mitchell immer weiter über sich hinaus.
Medienticker
27.10.2020 Monika Maron, Susanne Dagen & die Antidemokraten - Medientage München: Digital - Appell der "101 Weisen" von Börsenverein & PEN-Zentrum: Kritik an türkischer Regierung - Jugendliteratur-Lexikon startet im Oktober - Buchhandel-Koopertation: "Thalia spielt Monopoly" -Gesrpäch: Jonas Jonasson über Corona in Schweden - Film: "Paul Auster - Was wäre wenn" + Bestenliste: "Sachbücher des Monats November 2020.
Bücherschau des Tages
27.10.2020 Die FAZ feiert Mona Horncastles Biografie der schwarzen Künstlerin und Resistance-Kämpferin Josephine Baker. Die NZZ rühmt die meisterhaften Figurengestaltung in Szczepan Twardochs Boxerroman "Das schwarze Königreich". An Pasoloni erinnert fühlt sich die SZ von Mario Cruz' zwischen Zärtlichkeit und Krassheit wechselndem Roman "Der Prinz" aus dem Chile von 1972. Der DlfKultur liest bewegt Pierre Lemaitres Roman "Spiegel unseres Schmerzes" und lernt von Rebecca Dautremers "Punkt 12" das sehnsüchtige Warten.
Mittwoch, 28.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
28.10.2020 Laut Olivier Roy in der FR sind es nicht religiöse Gefühle, sondern "De-Kulturalisierung und der narzisstische Kult des Heroismus", die die heutigen Terroristen antreiben. Charlie Hebdo reagiert mit einer Karikatur auf Tayyip Erdogans Frankreich-Attacken. In der Welt fürchtet Yuval Noah Harari weniger die medizinische als die politische Gefahr der Coronakrise. Alle werden froh sein, wenn Donald Trump in der nächsten Woche abgewählt wird, nur Boris Johnson nicht, meint der New Stateman. Die FAZ erzählt die Geschichte eines ungeheuerlichen Datendiebstahls in Finnland.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.10.2020 In der SZ wirft Ingo Schulze seinen Schriftstellerkollegen Monika Maron und Uwe Tellkamp vor, sich von der völkischen Rechten vereinnahmen zu lassen. In der FAZ erklärt Christian Petzold, warum das Kino die Zukunft kennt. In der taz geißelt der Architekturhistoriker Martin Kieren die formalästhetische Banalität des Berliner Flughafens. Tagesspiegel und Berliner Zeitung begutachten den Siegerentwurf von Kadawittfeldarchitektur im Wettbewerb um die Komische Oper. Und die NZZ fürchtet, dass mit Madonnas sinkendem Stern auch der Mainstream niederging.
Medienticker
28.10.2020 Nicht nur ein Notbehelf: Die digitalen Medientage München - Gespräche mit Michel Abdollahi & Jonas Jonasson - "Der Steppenwolf" heute Hermann Hesse wieder gelesen - "Lehrjahre der Männlichkeit": Gustav Flaubert neu übersetzt - Abgesagt: Gratis Comic Tag - Kulturell Skandalös: Die Thalia-Mayersche-Osiander Kooperation - Louise Glücks Werk bald verfügbar+ Buchcharts: Die aktuellen Bestsellerlisten.
Bücherschau des Tages
28.10.2020 Die FAZ lässt sich von 22 französischen AutorInnen durch das neue Berlin führen. Der Dlf entdeckt die Identitätsminiaturen der Schweizer Autorin Annemarie von Matt. Dlf Kultur lernt die Mücke schätzen. Die NZZ amüsiert sich mit Stefanie Sargnagels Debütroman "Dicht".
Donnerstag, 29.10.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
29.10.2020 Der Jazzmusiker Till Brönner fragt in einem Video wütend: Warum hat die Kulturbranche keinen Gewerkschafts-Boss wie Claus Weselsky, der der Politik im Nacken sitzt. "Wenn man Kitas und Schulen offen halten will, warum dann nicht auch die Theater?", fragt Barbara Mundel von den Münchner Kammerspielen in der SZ. In Belarus wurde der Dichter Dmitri Strozew verhaftet, berichtet die FAZ, und es war nicht das erste Mal! Der Guardian besucht eine Ausstellung über "Turner's Modern World", die schon die ganze Geschichte der Luftverschmutzung erzählt. Die FAZ fragt, ob Cancel Culture nicht mitverantwortlich ist für die jüngsten Anschläge auf Kunstwerke.
9punkt - Die Debattenrundschau
29.10.2020 Das Kopftuch für Mädchen, die noch nicht in der Pubertät sind, wird an deutschen Schulen häufig akzeptiert, kritisiert Necla Kelek in der Zeit. Dabei zementiert es "eine Rollenzuschreibung, die sich nicht mit dem Grundgesetz verträgt". Ebenfalls in der Zeit wehrt sich Mouhanad Khorchide gegen die "angebliche Spaltung unserer Gesellschaft nach Religionszugehörigkeit". Dank Trump geht es New York Times, Washington Post und CNN besser denn je, sagt der New-York-Times-Kolumnist Ben Smith in der SZ. Überall, nicht nur in Polen, verschlechtert sich die Lage beim Thema Abtreibung, konstatieren die taz, Alice Schwarzer bei emma.de und die SZ. Wenig Berichte in den großen Medien über die Google-Finanzierung großer Medien.
Medienticker
29.10.2020 Lockdown Light:- Harte Maßnahmen gegen steigende Infektionszahlen & Einzelhandel bleibt offen - Nach der Ermordung von Samuel Paty: Macron vs Erdogan - USA: Wahlunterdrückung - Chemnitz: Kulturhauptstadt 2025 - Schweizer Oscarkandidat: "Schwesterlein" + Wissenschafts- und Fachverlage: "Brain & Books" startet digital
Bücherschau des Tages
29.10.2020 Die
FAZ taucht mit
Rebecca Makkais Roman "Die Optimisten" in die von Aids gebeutelte
schwule Chicagoer Partyszene der Achtziger. Angesichts des kosmischen Horrors der
Schwarzen Löcher findet die
FR "Licht im Dunkeln" mit dem Astrophysiker
Heino Falcke. Die
taz blättert beklommen durch den Fotoband "Divided We Stand" mit
Porträts von 82 Amerikanern. Die
Zeit entziffert mit
Michael Maar die Geheimnisse der Literatur. Die
SZ galoppiert mit
Lucky Luke durch die Baumwollfelder der
Südstaaten der USA. Und hingewiesen sei unbedingt auch auf die
Krimibeilage der
SZ, die wir
hier ausgewertet haben.
Freitag, 30.10.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
30.10.2020 Der Terrorismus ist nur die Spitze des Eisberges des politischen Islam, schreibt Alice Schwarzer in der Welt und wirft Medien und Politik vor, dass sie ihn viel zu lang gewähren ließen. Im Gegenteil: Der Terror ist eine Folge des Kolonialismus, versichert dagegen die postkoloniale Philosophin Elsa Dorlin ebenfalls in der Welt. Trump mag nächste Woche wegen seines Versagens in der Coronakrise abgewählt werden, aber der Trumpismus wird bleiben, meint der italienische Journalist Fabio Ghelli in der taz. Und voilà: Künftig wird die deutsche Presse nicht mehr nur von Google, sondern auch vom Staat subventioniert, meldet dpa.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.10.2020 Wo bleibt der Aufstand gegen die Schließung der Kinos, fragt ein wütender Rüdiger Suchsland auf artechok. Die Situation ist verheerend, auch für die Theater, ruft Ulrich Khuon in der Berliner Zeitung. Monopol trägt enttäuschte Stimmen aus den Museen zusammen. Oh bitte, protestiert dagegen Zeit online. Kultur braucht bessere Argumente, Lautstärke macht einen nicht zum Rückgrat der Gesellschaft. Die FAZ wird sehr müde im neuen Berliner Flughafen. Bei Tell gibt Frank Heibert Einblick in seine Übersetzerwerkstatt. Und epd Film feiert das neue lateinamerikanische Kino.
Medienticker
30.10.2020 Aktualisiert: Überwachung im Homeoffice: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? & Wieviele Menschen stecken sich im Theater, Restaurant, Museum mit SARS-CoV-2 an? - USA: Traurige Brisanz - PEN kritisiert Äußerung Erdogans zu ermordetem Lehrer Paty - Was die App von Whatsapp unterscheidet - Fillm "The Booksellers": Gespräch mit Antiquar Werner Fernengel - Corona-Bücher sind da: Schreiben über die Pandemie in der Pandemie - Lesbisch, muslimisch, prekär: Frankreichs literarische Entdeckung Fatima Daas + TV+Hörfunk-Tipps fürs Wochenende.
Bücherschau des Tages
30.10.2020 Die FAZ bewundert auf den Fotos von Tariq Zaidi die Eleganz der Sapeurs im bitterarmen Kongo. Die Welt lauscht den Klängen des Klingonischen, des Esperanto und des Volapük in Clemens J. Setz Liebeserklärung an Plansprachen. Die SZ blickt mit Santiago Amigorenas Großvater aus Buenos Aires auf Nazi-Deutschland. Die NZZ fliegt mit Patrick Leigh Fermors Briefen quer durch Europa. Und Dlf Kultur flieht mit Peter Handke in die Welt der Pilze.
Samstag, 31.10.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
31.10.2020 Die SZ verneigt sich in tiefer Ehrfurcht vor Igor Levit, der ihr mit einem feurigen Mozart in München nochmal Kraft für die Zeit des Lockdowns schenkt. Der Büchnerpreis für Elke Erb kommt mindestens ein Vierteljahrhundert zu spät, findet Annett Gröschner in der taz. Der Freitag rät, das Wochenende noch einmal mit George A. Romeros Zombie-Klassiker "Dawn of the Dead" in den Kinos zu verbringen. An der Kultur soll ein Exempel statuiert werden, glaubt Thomas Ostermeier auf Zeit Online. Und der Tagesspiegel sagt leise Servus zu Udo Kittelmann, hält aber auch fest: "Der Mann fehlte zuviel".
9punkt - Die Debattenrundschau
31.10.2020 In der Welt beklagen Necla Kelek, Seyran Ates und andere die Indifferenz in Deutschland gegenüber dem islamistischen Terror. Die SZ erkennt das Kalkül in Erdogans Tiraden gegen Frankreich. In der FAZ offenbart DFG-Präsidentin Katja Becker die rationalen Irrationalitäten der Rassismus-Forschung. Die taz fragt, wem Künstliche Intelligenz überhaupt zugute kommt. Und Netzpolitik trauert um den institutionalisierten Geist der Revolte und Internetverächter Peter Grottian.
Bücherschau des Tages
31.10.2020 Die taz geht mit Pascal Bruckners Streitschrift gegen den pauschalen Rassismusverdacht vor. Mit Rafael Seligmann staunt sie über die eigene Geburt. Die FAZ liest Bücher zur US-Wahl und empfiehlt besonders Ezra Kleins Analyse der gespaltenen amerikanischen Gesellschaft. Die NZZ tastet sich mit Büchnerpreisträgerin Elke Erb an das Eigenleben der Welt heran. FR und taz kämpfen mit Lucky Luke gegen den Rassismus in den Südstaaten.