Freitag, 02.05.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
02.05.2025 Die NZZ wird in einer Ausstellung in Rom an jene Jahre erinnert, als die Kirche Caravaggio noch feierte. Nach acht Jahren PiS-Regierung sind auch wieder Themen wie Feminismus, LGBTQ-Rechte, aber auch die Shoah in der polnischen Kunst möglich, atmet Monopol auf. Die chinesische Kritikerin Chen Tian erzählt in der nachtkritik, wie die unabhängige Theaterszene Chinas die Zensur umgeht. Die SZ lässt sich von Steve Wilsons neuem Album das Hirn zerfressen. Und die taz hält nicht viel von beige-farbenen Clean Girls.
9punkt - Die Debattenrundschau
02.05.2025 Die Russen haben dem Leichnam der ukrainischen Journalistin Victoria Roshchyna Augen und Kehlkopf entnommen und ihn als männlichen Leichnam deklariert, bevor sie ihn an die Ukrainer zurückgaben - ein Rechercheteam von Forbidden Stories hat diese Lüge aufgedeckt, die FAZ berichtet. Die taz erklärt, warum des Massakers von Dersim nur in Deutschland gedacht werden kann. Mehrere Medien beklagen den Kulturkampf der Trump-Regierung gegen die amerikanische Linke. Aktualisiert um 11.20 Uhr: Joe Chialo tritt als Berliner Kultusenator zurück.
Bücherschau des Tages
02.05.2025 Die FR liest bewegt, wie Annie Ernaux in einem frühen Roman von der Demenz ihrer Mutter erzählt. Mit Charlotte Brandi taucht sie ab ins Dortmunder Drogenmilieu. Die NZZ erliegt indes der Sogkraft, mit der die norwegische Schriftstellerin Torborg Nedreaas vor fast achtzig Jahren von Abtreibungen berichtete. In der FAZ lobt Herfried Münkler die Frische, mit der Heinrich Detering Karl Marx begegnet. Und der Dlf lernt nach der Lektüre von Dietmar Daths monumentalen Science-Fiction-Roman zumindest: Der Autor versteht Spaß.
Samstag, 03.05.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
03.05.2025 Ausstellungen, die Stadt und das Zeitgeschehen fließen für die Kunstkritiker beim Gallery Weekend in Berlin ineinander, während sie Champagnerkorken knallen hören und in die Zelle eines russischen Straflagers blicken. "Ich stehe nie auf der Seite der Autoritäten", versichert die Autorin Rachel Kushner in der NZZ. Milo Rau erklärt der Welt seine Republik der Liebe. Die Literarische Welt durchforstet Joan Didions Nachlass. Die taz fordert mehr Tantiemen für U-Musik.
9punkt - Die Debattenrundschau
03.05.2025 Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat die AfD als "gesichert rechtsextremistisch" eingestuft und begründet die Entscheidung mit islam- und muslimfeindlichen Äußerungen der Partei. Die Zeitungen versuchen die Konsequenzen dieser Meldung auszuloten. Einfach die Krim aufgeben und dann ist Frieden? Nikolai Klimeniouk erklärt in der NZZ mit einem Beispiel aus weit entlegenen Weltgegenden, warum das nicht funktionieren wird. Achtzig Jahre Befreiung: Es gibt eine Flut von Gedenkartikeln - einige zitieren wir. Und über Wolfram Weimer und Joe Chialo wird auch weiter diskutiert. Die taz gibt schließlich eine Reiseempfehlung: Vielleicht läuft es ja auf dem Planeten namens K2-18b besser.
Bücherschau des Tages
03.05.2025 Die FR führt ihre sehr verdienstvolle ukrainische Bibliothek fort: Mit Oswald Burghardts "Dichtung der Verdammten" lernt sie die "Neoklassiker" kennen. Der Deutschlandfunk staunt über die messerscharfe Präsizion, mit der der norwegische Dichter Tor Ulven den "Abfall der Alltagsgeschichte" erkundete. Dlf Kultur wandelt durch die von Olivia Laing beschriebenen paradiesischen Gärten, in denen die britische Upper Class über den Klassengegensatz meditiert. Und die SZ lernt in Elin Anna Labbas Roman " Das Echo der Sommer", wie auch nachhaltige Energien das Leben indigener Bevölkerungen schädigen können.
Montag, 05.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
05.05.2025 Das Gedenken geht weiter - von wegen "Befreiung". Die Alliierten wollten besiegen, nicht befreien. Auch weil die Deutschen den Nazis bis zum Schluss treu ergeben waren, konstatiert Hubertus Knabe in der FAZ. In diesem Moment hatten die Westalliierten Mittelosteuropa bereits an Stalin ausgeliefert, ergänzt Jüri Reinvere ebenfalls in der FAZ. Über das Gutachten des Verfassungsschutzes zur AfD wird weiter diskutiert: Wird es in den Neuen Ländern irgendetwas ändern, fragt David Begrich in der taz. Michel Friedmann befürwortet in der Welt ein Verbot der AfD.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.05.2025 FR und Nachtkritik erfreuen sich an Clemens Setz' Stück "Die Erfindung" am Schauspielhaus Stuttgart, das die "hedonistische Selbstzufriedenheit" unserer Zeit aufs Korn nimmt. Die Beton-brut-Ästhetik kommt den Kunstwerken im Neubau des Musee des Beaux-Arts vom Architekturbüro Titan in Rennes entgegen, wie die NZZ staunt. Dem Musiker Christoph Annen ist es in der FAZ ganz recht, wenn die GEMA das E-Musik-Privileg abschafft. Die SZ denkt mit der Schriftstellerin Teresa Präauer über den "Old Money"-Look als Ausdruck gesellschaftlicher Unsicherheiten nach.
Bücherschau des Tages
05.05.2025 Die SZ vergegenwärtigt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges mit Büchern von Wolfgang Benz, Volker Heise und Louis Lewitan. Die NZZ trifft bei Ralf Konersmann berühmte "Außenseiter" von Diogenes bis David Bowie. Die FAZ ist begeistert vom Roman der Maori-Schriftstellerin Becky Manawatu, die vom Schicksal zweier Brüder in Neuseeland erzählt. Und Dlf freut sich über Olivia Laings in "liebender, rauschhafter Sprache" verfasste Kulturgeschichte des Gartens.
Dienstag, 06.05.2025
Magazinrundschau
06.05.2025 Outlook India schwant im Kaschmirkonflikt nichts Gutes, wenn Indien Pakistan das Wasser abdreht. Himal erzählt die Geschichte der kastenbasierten Sklaverei in Indien. Africa is a Country wirft reichen schwarzen Künstlern aus den USA und UK vor, mit der postkolonialen Bourgeoisie Afrikas zu klüngeln. Quillette erklärt die jüngsten Bombenattentate in Thailand als Folge des thailändischen Kolonialismus. The Atlantic verfolgt entsetzt die Demontage des Rechtsstaats durch Trump. Le Grand Continent stellt den rumänischen Rechtsextremisten George Simion vor, der den ersten Wahlgang in seinem Land gewann. New Lines erzählt, wie in Syrien kurdische Identität systematisch durch arabische verdrängt wurde.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.05.2025 Die Filmkritiker schütteln den Kopf über Donald Trumps Zölle auf ausländische Filmproduktionen. Die FAZ taucht in Hamburg ein ins Werk des niederländischen Künstlers Bas Jan Ader, der vor fünfzig Jahren auf dem Atlantik verschwand. Propalästinensische Aktivisten haben es sich unter dem Motto "Escalate for Palestine" zum Ziel gesetzt, die Nova-Überlebende Yuval Raphael aus dem ESC-Wettbewerb zu mobben, berichtet der Tages-Anzeiger. Die FAZ beschäftigt sich mit der subversiven politischen Kritik in der Lyrik des russischen Exil-Dichters Igor Guberman.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.05.2025 Der Marathon zum 8. und 9. Mai ist noch nicht zu Ende. Heute erzählt Irina Scherbakowa in der taz, dass der 9. Mai in der Sowjetunion ein stiller Gedenktag war, bevor er 1965 von Breschnew zum offiziellen Feier- und Triumphtag umgeformt wurde. In der FR hofft Aleida Assmann auf migrantische Impulse im deutschen Gedenken. In der Welt appelliert Garri Kasparow an Friedrich Merz, eine schärfere Politik gegen den Putinismus durchzusetzen. Die FAZ freut sich sehr: Unser neuer Kanzler kann sprechen.
Bücherschau des Tages
06.05.2025 Die SZ feiert mit Amira Ben Saoud, Karla Caspari und Louise Meier den Eskapismus im Angesicht des Weltuntergangs. Die FAZ lässt sich von Virginia Mendoza erklären, dass die Geschichte der menschlichen Zivilisation mit der Suche nach Wasser begann. Aus Katja Petrowskajas beeindruckenden Fotografien aus der Ukraine blickt ihr außerdem der Krieg entgegen. Die NZZ schmiedet mit Martin Suters Roman "Wut und Liebe" potentiell lukrative Mordpläne.
Mittwoch, 07.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
07.05.2025 In der SZ ist der israelische Historiker Amir Teicher sehr, sehr müde vom Protestieren gegen seine immer absurder agierende Regierung. In Le point geißelt Kamel Daoud den wachsenden Rassismus in Algerien. Die FAZ denkt darüber nach, wie die Erinnerungspolitik in Deutschland durch Linke und Rechte verändert wird. In der taz erklärt Sachsens Innenminister Armin Schuster, warum es trotz Rechtsextremismus-Siegel, schwierig ist, die AfD zu verbieten.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.05.2025 Die FAZ wird in Wim Wenders Kurzfilm "Der Schlüssel zur Freiheit" über das Ende des Zweiten Weltkriegs von der Vergangenheit eingeholt. Endlich einmal eine Künstlerin, die weiß, was angesichts des politischen Rechtsdrifts zu tun ist, jubelt monopol in einer Monica-Bonvicini-Schau in Berlin. In Cord Meijerings Oper "Gramsci", die in Görlitz Premiere feierte, lernt die FR den Marxisten als coolen und klugen Typen kennen. Percival Everett hat den Pulitzer-Preis für seinen Roman "James" rundum verdient, findet die FAZ.
Bücherschau des Tages
07.05.2025 Die FAZ lässt sich von Charles Nodiers romantischem Räuber Jean Sbogar den Kopf verdrehen. Außerdem besucht sie mit Chantal Ackermann "Eine Familie in Brüssel", in deren emotionaler Kälte nur die Wärme kleiner Dinge bleibt. Dlf ist beeindruckt von Lizzie Dorons Buch "Wir spielen Alltag", das auf kluge und persönliche Weise die Traumata festhält, die der 7. Oktober in Israel ausgelöst hat. Dlf Kultur erlebt den isländischen Fährmann Jón Magnússon in Joachim B. Schmidts Biografie als "poetisch veranlagte Naturgewalt".
Donnerstag, 08.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
08.05.2025 Heute ist Tag der Befreiung. Oder doch nicht? Fühlen sich AfD-Wähler befreit, fragt Zeit online. Doch, die meisten Deutschen waren froh, glaubt der Historiker Peter Longerich in der FR. In der NZZ mahnt der Historiker Norbert Frei eine Änderung der deutschen Erinnerungskultur an. In der SZ sieht Herfried Münkler das vorläufige Ende einer Ära des Friedens und Wohlstands. Wir müssen über die angeblich unvermeidliche Aufrüstung reden, forderten kürzlich sechs Autoren in der Zeit. Gern, aber nicht so, antworten ihnen heute ebendort Carlo Masala und Armin Nassehi.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.05.2025 Die Filmkritiker denken mit Dag Johan Haugeruds Berlinale-Gewinnerfilm "Träume" über die Liebe und die Literatur nach. Die Zeit spürt in einer Ausstellung in der Collezione Marmotti mit Viviane Sassens Fotografien das "Entrückte im Gegenwärtigen" auf. Maxim Biller blättert ebenfalls in der Zeit fassungslos durch Jürgen Tellers Auschwitz-Fotoband. Iran will den unter Pseudonym schreibenden Dichter Peyman Farahavar hinrichten lassen, meldet die FAZ.
Bücherschau des Tages
08.05.2025 Die FAZ versinkt mit Viktor Remizovs "Permafrost" in einem Monumentalwerk über die sibirische Eisenbahnlinie, die Stalin von Gulaginsassen bauen ließ. Der Dlf liest Bela Winkens Brief an ihre in Auschwitz ermordete Mutter. Die Zeit freut sich über eine Neuausgabe des "Großen Gatsby", den sie als die poetische Prophezeiung eines Donald Trump liest. Die NZZ duckt sich mit Szczepan Twardoch im Schützengraben an der "Nulllinie" der ukrainischen Front. Dlf Kultur empfiehlt Justin Torres Roman "Blackouts", der die reale queere Forscherin Jan Gay vorstellt.
Freitag, 09.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
09.05.2025 Noch glaubt der vom Spiegel befragte Politologe Chietigj Bajpaee zwar nicht, dass sich der Konflikt zwischen Indien und Pakistan zum großen Krieg auswächst - aber die Situation ist brenzlig. In der New York Times kritisiert Bill Gates scharf die Streichung humanitärer Gelder durch die Trump-Regierung: Das Leben von Millionen Kindern sei gefährdet. Wir sind Papst, rufen die Amerikaner, aber nicht Päpstin, kritisieren einige. In hpd.de fordert die SPD-Politikerin Lale Akgün auch in Deutschland Trennung von Staat und Religion. Zeit und RBB haben herausgefunden: SPD- und CDU-Politiker pflegen weiterhin den "Petersburger Dialog". Zur Not auch heimlich.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.05.2025 Die FAZ spürt im deutschen Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig die Hitze des Klimawandels am eigenen Leib. Die deutsch-algerische Autorin Naila Chikhi appelliert im Perlentaucher an die neue Bundesregierung, ein Zeichen für Boualem Sansal zu setzen. Die SZ schaut bei Francesco Filideis Vertonung von "Der Name der Rose" an der Mailänder Scala vergnügt zu, wie sich Mönche auf der Bühne prügeln. Die FR summt in einer Ausstellung in Wiesbaden mit der Biene durch die Kunstgeschichte.
Bücherschau des Tages
09.05.2025 Eines der interessantesten populärwissenschaftlichen Sachbücher der letzten Zeit bespricht die FR: Staunend lässt sie sich in Ferris Jabrs "Das Erwachen der Erde" erzählen, wie belebte und unbelebte Natur einander bedingen. In mehreren heute besprochenen Büchern spielt Künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle, so etwa in dem Roman "Tokyo Sympathy Tower" von Rie Qudan und in Tom Hillenbrands "Thanatopia", besprochen in FR und Dlf Kultur. Die FAZ empfiehlt den ersten für den Sachbuchpreis empfohlenen Comic: Ulli Lusts "Die Frau als Mensch".
Samstag, 10.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
10.05.2025 Der Spiegel hat das 1.108 Seiten lange Verfassungsschutzgutachten zur AfD gelesen. Die bisher nur bekannte Pressemitteilung hatte es demnach gut zusammengefasst. Nun stellt sich die Frage des AfD-Verbots, das von einer Mehrheit der Deutschen laut Tagesspiegel befürwortet wird. Die Medien arbeiten sich an Kulturminister Wolfram Weimer ab: Wird es eine konservative Wende geben? Er hätte zu tun, denn "Kultur ist zu einer Leerstelle in unser Gesellschaft geworden", klagt der E-Musik-Blogger Axel Brüggemann in Backstageclassical. Die FAS hat unterdessen eine linke Antwort auf die neue rechte Hegemonie: nicht "Degrowth", sondern "Abundance".
Efeu - Die Kulturrundschau
10.05.2025 Festivalpräsidentin Iris Knobloch setzt in Cannes auf Parität, aber nur in der Jury, nicht bei der Filmauswahl, erzählt sie in der WamS. Die SZ sieht in Yael Ronens Stück "Collateral Damage" am Schauspiel Köln einer Familie beim moralischen Verfall zu. Die FAS besucht den Künstler Heinz Mack, der einst die "Stunde Null" der Nachkriegskunst ausrief. Die israelische Regierung hat eine Reisewarnung für Basel während des ESC-Wettbewerbs ausgerufen, berichtet die NZZ.
Bücherschau des Tages
10.05.2025 Die taz entwirft mit Tomasz Rozyckis literarischem Essayband "Feuerprobe" eine "trügerische Kartographie Europas". Außerdem amüsiert sie sich prächtig mit Katja Kullmanns Roman "Stars", in dem eine Astrophilosophin Reichen ihr Geld abknöpft. Die FAZ vertieft sich in jüdische Lieder aus dem Wilnaer Ghetto, neu übersetzt von Dieter Koller und Sebastian Wogenstein. Die SZ feiert mit Sol Undurragas Fuchs "Schnitzel" den Vegetarismus. Und Dlf Kultur bekommt von Sebastian Peters die erste Biografie über Hitlers persönlichen Fotografen Heinrich Hoffmann vorgelegt.
Montag, 12.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
12.05.2025 Das Treffen von Emmanuel Macron, Friedrich Merz, Keir Starmer und Donald Tusk in der Ukraine war denkwürdig. Damit es historisch wird, müssen die Politiker allerdings auch ihre Drohungen gegen Putin wahrmachen, falls er nicht reagiert, meinen taz und SZ. Die Linkspartei hat sich bei ihrem Parteitag zur "Jerusalemer Erklärung" bekannt - Andrej Hermlin ist in der Jüdischen Allgemeinen empört darüber. Die SZ zeichnet den Weg Roger Koeppels von einem als seriös geltenden Journalisten zum haltlosen Putin-Groupie nach.
Efeu - Die Kulturrundschau
12.05.2025 Die Theaterkritiker trauern um Carl Hegemann, den "führenden Kopf der Volksbühne", wie ihn die SZ nennt. Er war die "Instanz, die über das Verhältnis von Theater und Welt" Auskunft gab, meint die Welt. Der Tagesspiegel wartet in einer Ausstellung der Künstlerin Aneta Grzeszykowska nur darauf, dass ihre ledernen Puppen plötzlich lebendig werden. Im Gespräch mit der Jungle World erklärt der frühere Charlie-Hebdo-Redakteur Luz, warum sein neuer Comic über NS-Raubkunst mit jedem Tag aktueller wird.
Bücherschau des Tages
12.05.2025 Die SZ lässt sich von von Norbert F. Pötzl die Geschichte des kommunistischen Kapitalisten Alexander Schalck-Golodkowski erzählen, der als Leiter der "KoKo" versuchte, die DDR mit Geld aus verbrecherischen Geschäften am Leben zu erhalten. Die NZZ fragt mit Martin Puchner, wie originär "Kultur" überhaupt sein kann. Die FR schaudert, wenn Joyce Carol Oates in ihrem feministischen (Horror)-Roman "Der Schlächter" die grausamen Anfänge der Gynäkologie zu Beginn des 19. Jahrhunderts schildert.
Dienstag, 13.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
13.05.2025 Offenbar zeichnet sich ein Kompromiss im Hohenzollern-Streit ab. Die Familie darf genug Memorabilien verscherbeln, um damit Millionen zu machen - wenn auch nicht den Watteau - und dafür in künftigen Ausstellungen über die deutsche Geschichte kräftig mit kuratieren, resümiert die FAZ. In Zeit online kritisiert Martin Puchner den Begriff der "kulturellen Aneignung". Nochmal die FAZ thematisiert mit Deborah Schnabel und Eva Berendsen von der Bildungsstätte Anne Frank die allseitige Relativierung des Holocaust. Und hpd.de stellt fest: Die Bundesregierung ist weitaus frommer als ihr Volk.
Magazinrundschau
13.05.2025 In der London Review macht sich der irische Dichter Colm Tóibín Gedanken über Robert Prevost, jetzt Papst Leo XIV. In HVG improvisiert der ungarische Pianist Zsigmond Gerlóczy. In Le Grand Continent meditiert der polnische Autor Tomasz Rozycki über das zusammengewürfelte Europa. Der New Statesman versichert: Die Linke hat die besten Argumente für den Brexit. Bei Tenoua erinnert der Historiker Claude Nataf daran, dass die Tunesier sich unter der Nazi-Besatzung weigerten, ein Pogrom gegen die tunesischen Juden zu entfesseln. *Alarm denkt über eine tschechische Erzählung zum Kriegsende nach.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.05.2025 Heute beginnen die Filmfestspiele in Cannes - und angesichts des "absurd star-gespickten" Programms kann die Berlinale mal wieder nicht mithalten, konstatiert die SZ. Die FAZ bewundert im Wiener Belvedere 21 "Kleine Ausschnitte von Frauen", gezeigt von der Künstlerin Maria Hahnenkamp. Die taz erlebt in Kathrin Mayrs Inszenierung von Tena Štivičićs Stück "Drei Winter" in Osnabrück die Geschichte Kroatiens als "emotionssattes" Familienepos.
Bücherschau des Tages
13.05.2025 Die NZZ birgt einen Schatz mit den Aufzeichungen von Friedl Benedikt, die Elias Canettis Geliebte, aber vor allem eine begnadete Schriftstellerin war. Die taz empfiehlt Paul Wassermanns sinnliche Prosaminiaturen über das Lieben und Trauern der "Moskovian Kinder". Die FAZ liest sich mit Amitav Goshs Band "Rauch und Asche" über die Geschichte des Opiums in einen Rausch. Und Dlf schaut mit Anna Hope dabei zu, wie eine englische Familie durch den Tod ihres steinreichen Hippie-Patriarchen aus der Bahn geworfen wird.
Mittwoch, 14.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
14.05.2025 Bestimmen die Hohenzollern die öffentliche Geschichtspolitik mit, fragt die SZ. Die taz empfiehlt der Koalition die gerade in Österreich erprobte Rhetorik der Vernünftigkeit als Mittel gegen Rechts. Der Spiegel fragt die Linke, warum sie lieber über Antisemitismusdefinitionen spricht als über Antisemitismus. Rupture-mag.fr erzählt, wie Algerier in Frankreich vom algerischen Geheimdienst unter Druck gesetzt werden. Nius veröffentlicht das Gutachten des Verfassungsschutzes über die AfD.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.05.2025 Das gab es noch nie: Cannes eröffnet mit einem Debütfilm und zwar mit Amélie Bonnins "Partir un jour". Viel Gespür für die Irrungen und Wirrungen des Lebens macht die SZ in dem Film aus. Das Urteil gegen Gérard Depardieu markiert eine Zeitenwende in der französischen Filmbranche, sind sich die Kritiker einig. Die FAZ erklärt, warum die Münchner Alte Pinakothek zu Recht fünf Millionen Euro für ein Mariengemälde von Hans Baldung Grien bezahlt hat. Die GEMA muss ihre Verteilungsschlüssel ändern, und zwar zugunsten von Jazz und Chanson, meint Georg Oeller aus dem GEMA-Vorstand im SZ-Gespräch.
Bücherschau des Tages
14.05.2025 Die FR fühlt sich von Barbi Marcovics Salzburger Poetikvorlesung bestens unterhalten. Ocean Vuong offenbart dem Dlf mit seinem Roman über den vietnamesischen Studienabbrecher Hai die "dunkel schimmernden" Schattenseiten des modernen Amerikas. Die FAZ erfährt aus Noemi Harnickells vergnüglich-gruseligem Pflanzenbuch, wie man Gin Tonic mit Tollkirsche versetzt. Außerdem empfiehlt sie nachdrücklich Friedhelm Marxs und Julian Volojs Graphic Novel über Thomas Manns Rückkehr nach Deutschland.
Donnerstag, 15.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
15.05.2025 Big Data hat viel Ähnlichkeit mit großen Kolonialunternehmen wie der Britischen Ostindien-Kompanie, meint in der taz der Afrikanist Joel Glasman. In der NZZ flirtet der rumänische Ultranationalist und Favorit bei den Präsidentschaftswahlen George Simion mit dem Gedanken einer Monarchie in Rumänien. Die taz begutachtet den faschistischen Kampf gegen den Faschismus, der Serben und Russen eint. Bei uns träumen nicht nur Rechtsextreme von einem besonderen Verhältnis zu Russland, warnt Gerd Koenen in der Zeit. Die Bauernkriege vor 500 Jahren wären ohne neue Medien nicht möglich gewesen, schreibt Uta Ruge im Perlentaucher.
Efeu - Die Kulturrundschau
15.05.2025 Die Filmkritiker freuen sich, dass mit Mascha Schilinskis "In die Sonne schauen" mal wieder ein deutscher Film in Cannes zu sehen ist, und dann noch eine solche "Sensation", wie die Zeit schwärmt. Die SZ huldigt in einer Kölner Ausstellung den Meistern der Street-Photography Garry Winogrand, Lee Friedlander und Joseph Rodríguez. Die Zeit fragt sich, warum der Goldene Löwe der klimagerechten Architekturbiennale in Venedig ausgerechnet an den Petrostaat Bahrain ging.
Bücherschau des Tages
15.05.2025 Die Zeit bewundert die Zartheit von Georgi Gospodinovs Roman über seinen bis zum Tod gärtnernden Vater. Als skurril-kluge Heimathommage empfiehlt der Dlf Andreas Maiers zehnten Teil seiner Wetterau-Chronik, die FAZ ist nicht ganz so glücklich. In der NZZ bestaunt der Historiker Ulrich Schlie das detektivische Gespür seines Kollegen Gerhard Paul, der die letzten Kriegstage im Mai 1945 untersucht. Die SZ lässt sich von der Domina Herta Lueger durch die Münchner Schickeria der Achtziger führen. Und der Dlf Kultur erlebt einen Sommernachtstraum mit Nell Zink.
Freitag, 16.05.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
16.05.2025 Im Tagesspiegel erklärt die im Libanon geborene Schrifstellerin Hoda Barakat, wie sie weiblichen Stimmen Gehör verschafft, ohne Feministin zu sein. In der SZ erklärt Milo Rau, weshalb es an der Zeit ist, Elfriede Jelineks in Österreich geschmähtes Stück "Burgtheater" über die NS-Verstrickungen des Hörbiger-Clans genau jetzt aufzuführen. Die taz erkennt in Sergei Loznitsas Cannes-Beitrag "Zwei Staatsanwälte" einen Appell zum Erhalt der Demokratie. Und der Perlentaucher freut sich über seinen neuen Podcast "Bücherbrief live".
9punkt - Die Debattenrundschau
16.05.2025 Am Sonntag könnte ein Rechtsextremist zum Präsidenten Rumäniens gewählt werden - die taz erklärt, was die unaufgearbeitete Vergangenheit des Landes damit zu tun hat. In der NZZ schreibt Richard C. Schneider über die Krise der jüdischen Identität angesichts des rasenden Antisemitismus weltweit und einer israelischen Regierung, die zugleich zentrale Elemente dieser Identität preisgibt. hpd.de fragt bei deutschen Islamverbänden nach: Betrachten Sie die Fatwa der "International Union of Muslim Scholars (IUMS)", die zum Dschihad gegen "das zionistische Gebilde" aufruft, als bindend? Keine Antwort.
Bücherschau des Tages
16.05.2025 Die NZZ erschließt sich neue Welten in virtuos übersetzten Gedichten und Essays von Oleg Jurjew. Die FAZ blättert mit Georg Wiesing-Brandes in Walter Benjamins illustrem Adressbuch und denkt mit Omer Bartov über Genozide nach. Die SZ amüsiert sich prächtig mit den fetzigen Frisuren, die Noemi Vola ihren unglücklichen Regenwürmern verpasst. Der Dlf Kultur erliegt der Augenblicklust in Nadja Küchenmeisters Langgedicht "Der Große Wagen" und fürchtet sich in Jerome Leroys Krimi über die französische Rechte und Islamophobie.
Samstag, 17.05.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
17.05.2025 Die FAZ entdeckt mit Rashid Johnson im New Yorker Guggenheim zwischen Monstera und Palmen den schwarzen Beuys. Der Guardian erkennt dank Helen Chadwick im britischen Wakefield die Schönheit saftiger Würmer. Warum läuft Fatih Akins famoser Heimatfilm "Amrum" in Cannes eigentlich nicht im Wettbewerb, fragen sich FR und Welt. Die taz tauscht dank der Zürcher Designerin Bitten Stetter das hässliche Flügelhemd im Krankenhaus gegen einen frechen Turnarounder.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.05.2025 Das "Zeitalter einer neuen Wirklichkeit" ist angebrochen und es wird beherrscht von "Panzermenschen" wie Trump und Musk, meint der Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit im Zeit-Online-Interview. Der Osteuropa-Historiker Oliver Jens Schmitt fragt in der NZZ, warum die massiven Proteste in osteuropäischen Ländern keinen dauerhaften politischen Wandel herbeiführen. FAZ und taz blicken auf die morgigen Wahlen in Rumänien und Polen.
Bücherschau des Tages
17.05.2025 Die FAZ bewundert mit För Künkel und Mirjam Hildbrand die vergessene Zirkuskunst in Berlin um 1900. Im Garten von Georgi Gospodinovs Vater denkt sie über existentielle Grenzerfahrungen und das Schweigen in Bulgarien nach. Die SZ braust mit Jasna Fritzi Bauers und Katharina Zorns Oma Else im Taxi durch die Sechziger. Die taz lernt von der Wissenschaftshistorikerin Anke te Heesen, warum Frauen in der Kunst gern vor Mustern platziert werden. Mit Nell Zink liest sie eine "nachtschöne Parodie" auf den Literaturbetrieb.
Montag, 19.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
19.05.2025 Die Grünen fordern einen Untersuchungsausschuss zu Angela Merkels Gaspolitik - an der waren allerdings mehr Kräfte beteiligt als Merkel, meint der SPD-Politiker Michael Roth auf Twitter. Die NZZ ist erleichtert, dass der Pro-Europäer Nicusor Dan die rumänischen Wahlen gewonnen hat. Die SZ zeichnet den Niedergang der Washington Post unter Jeff Bezos nach. Es wird weiter über die "Jerusalemer Erklärung" gestritten.
Efeu - Die Kulturrundschau
19.05.2025 Mit dem Countertenor JJ hat zum ersten Mal ein Opernsänger den Eurovision Song Contest gewonnen, die Zeitungen gratulieren. Die Nachtkritik verfolgt in Jette Steckels Inszenierung von Annie Ernauxs "Die Jahre" am Thalia Theater gebannt, wie eine Frau gegen gesellschaftliche Zwänge ankämpft. Sowohl Standard als auch taz sind reichlich erschöpft von den anspruchsvollen Filmen, die in Cannes auf dem Filmfestival laufen. Die NZZ bestaunt die wundersamen Pappmaché-Insekten von Monster Chetwynd im Kunsthaus Zürich. Und alle trauern um die Schauspielerin Elisabeth Orth.
Bücherschau des Tages
19.05.2025 Die FR rauscht mit Volker Reinhardts Kulturgeschichte Frankreichs vorbei an gotischen Bauten, Flaubert, dem Eiffelturm und Mitterrand. Von Nora Weinelt lernt sie, wie der Kapitalismus eine Kaste der Versager erschaffen hat. Die FAZ trifft in Robert N. Blochs Roman "Psycho", der Vorlage zum Hitchcock-Film, auf die multiplen Persönlichkeiten des Mörders Norman Bates, gelesen von Jens Wawrczecks. Die NZZ kämpft mit Tilo Held und Christina von Braun ums Unbewusste. Und Dlf Kultur freut sich, wie die Essays der Philosphin Rebecca Solnit heute noch Hoffnung geben.
Dienstag, 20.05.2025
Magazinrundschau
20.05.2025 Der New Yorker zieht eine grauenhafte Bilanz des Bürgerkriegs im Sudan. New Lines schildert die unaufhörliche Zerstörung Somalias seit Siad Barre. Qantara beobachtet die massenhaften Abschiebungen von Afghanen aus Pakistan. Die London Review beschreibt die nervenzerfetzenden Fluchtversuche des Eritreers Even nach Europa. The Atlantic porträtiert J. D. Vance als den Lucien du Rubempré des 21. Jahrhunderts. HVG, Desk Russie und Elet es Irodalom beobachten die Folgen einer revisionistischen Erinnerungspolitik in Ungarn und Russland.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.05.2025 Erleichterung nach den rumänischen Wahlen: Die Zeitungen bringen einige interessante Analysen. Marc Knobel schreibt in La Règle du Jeu über einen Streit unter französischen Juden: Natürlich geht's um Israel. hpd.de erklärt, was "kulturell intime Fotos" sind und warum ihr Besitz in Großbritannien verboten werden könnte. Dem Abbau der Rechtsstaatlichkeit in Amerika haben Juristen leider Vorschub geleistet, meint die Historikerin und Juristin Rebecca Roiphe in Persuasion. Warum kümmern sich Christen nicht um Christenverfolgung, fragt die NZZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.05.2025 Die Filmkritiker feiern Richard Linklaters Film über die Entstehung von Jean-Luc Godards "Außer Atem": Die FR schwebt hier auf einer Wolke aus "kreativer Energie", die Welt staunt über die detaillierte Recherchearbeit für das "Wunderwerk". Nachtkritik bekommt bei Milo Raus Inszenierung von Elfriede Jelineks Stück "Burgtheater" in Wien Atemnot, die FAZ hätte gerne mehr von den überragenden Schauspielern und weniger Moralpredigten gesehen. Jungle World erinnert an die feministische Schriftstellerin Caroline Muhr.
Bücherschau des Tages
20.05.2025 Die Kritiker schwärmen vom zweiten Band der Max Frisch-Biografie von Julian Schütt: Die NZZ schätzt, dass hier nicht nur Frischs, sondern auch Ingeborg Bachmanns "Abgründe" zur Sprache kommen, Dlf ist ebenfalls rundum überzeugt. Die FAZ schmökert in den Erinnerungen des Schauspielers Will Quadflieg, der unter den Nazis zum Star wurde, und findet einen hoffnungslosen Narzissten vor. Und die SZ lobt in den höchsten Tönen, wie Wolfgang Engler in seiner Autobiografie die "Brüche" seiner ostdeutschen Identität seziert.
Mittwoch, 21.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
21.05.2025 Die Linke braucht wieder eine Vorstellung von nationaler Gemeinschaft, wenn sie den Rechten das Wasser abgraben will, meint Kenneth Roth, ehemaliger Director von Human Rights Watch, in Foreign Policy. Wenn die linke Brandmauer fällt, dann fällt auch die rechte, warnt die FAZ. In der NZZ erklärt der amerikanische Soziologe Musa al-Gharbi, wie leicht sich soziales Bewusstsein in Doppelmoral auflöst. In der FR warnt der Unternehmer Sebastian Klein vor toxischen Reichen.
Efeu - Die Kulturrundschau
21.05.2025 Die Feuilletons erinnern an Yuri Grigorovich, den nun verstorbenen langjährigen Leiter des Bolschoi-Balletts. Zu seinem Erbe, weiß die Welt, gehört nicht zuletzt das fragwürdige Frauenbild sowjetischer Tanzkunst. Der Künstler Leon Kahane fragt im SZ-Interview: Warum muss Gerhard Richter ausgerechnet in Auschwitz einen Götzen in Form eines Museumspavillons errichten? Jafar Panahi, dessen neuer Film "Ein einfaches Urteil" in Cannes uraufgeführt wird, sieht im Zeit-Gespräch das Ende des iranischen Regimes nahen. Die FR begeistert sich in Frankfurt für die zartfühlenden Pressefotos von Werner Bischof.
Bücherschau des Tages
21.05.2025 Die FAZ ist verblüfft und begeistert von Tilmann Lahmes Biografie über Thomas Mann, die die Homosexualität des Schriftstellers aus einer ganz neuen Perspektive betrachtet. Mit Paolo Rumiz begibt sie sich auf eine besondere Italienreise durch die Untiefen der Erde. Die SZ wird mit Paul Ruban Zeuge, wie ein Wal am Strand vor einem Luxushotel explodiert - und ist hellauf begeistert. Und die NZZ empfiehlt mit Nachdruck die Graphic Novel des französischen Zeichners Luz, die die Geschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts aus der Sicht eines Otto-Mueller-Gemäldes erzählt.
Donnerstag, 22.05.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
22.05.2025 Die SZ ist glücklich mit dem International Booker Prize für die indische Schriftstellerin Banu Mushtaq, die auch schon Zielscheibe einer Fatwa wurde. Die taz lernt in Jafar Panahis iranischem Cannes-Beitrag "Ein einfacher Unfall", was man als Zivilist mit Schergen des Regimes tut. Die FR wird indes in Kirill Serebrennikovs "Das Verschwinden des Josef Mengele" von der Angst vor der Gegenwart gepackt. Und die taz lässt sich in Athen aus den traurigen Augen von Mastschweinen anblicken.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.05.2025 Es sieht ganz danach aus, als wolle die israelische Regierung die Palästinenser zwangsumsiedeln, meint der israelische Rechtsanwalt Michael Sfard in einem Kommentar für Haaretz, den die FAZ abdruckt. "Antisemitismus wird von Parteien und Organisationen immer dann kritisiert, wenn es ins eigene Narrativ passt", kritisiert der neue Präsident der Jüdischen Studentenunion Ron Dekel im taz-Interview mit Blick auf die Links-Partei. Der Kurator und Filmemacher Hans-Peter Riegel erklärt im Welt-Interview das haarsträubende Geschichtsbild der Anthroposophen.
Bücherschau des Tages
22.05.2025 Als perfekten Mix aus Horror, Porno und Märchen empfiehlt die taz Maren Kames' Neuübersetzung von Angela Carters Horror-Märchenadaptionen. Die Zeit folgt mit Jake Tapper und Alex Thompson bedrückt dem Niedergang Joe Bidens. Der Dlf Kultur begibt sich mit Michi Strausfeld auf deutsche Spuren in Lateinamerika. Mit Gedichten von Isabella Feimer versucht er vor der Gegenwart zu fliehen. Und die Welt sucht mit Rainer Metzner nach dem Ursprung von Sprichworten.
Freitag, 23.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
23.05.2025 "Wir sind in keinem Jahr 1933", sagt der Historiker Michael Wildt in der FR mit Blick auf die AfD: Ein Verbot der Partei befürwortet er unter Bedingungen trotzdem. Finster auch der militante Rechtsextremismus unter Jugendlichen, so Zeit online. In Frankreich zeigt der Regierungsbericht über die Muslimbrüder, wie diese auf lokaler Ebene agieren - Le Point kommentiert. Empörung löst eine Kampagne des Verlegers Holger Friedrich gegen den Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen, Philipp Peyman Engel, aus.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.05.2025 Artechock wünscht sich nach erzkonservativen Filmen in Cannes dringend eine Revolution des Gegenwartskinos. Die SZ hofft, dass die Ansprachen des Rock-Veteranen Bruce Springsteen gegen Trump einen Urknall auslösen. Die Kritiker lassen sich von Florentina Holzinger auch nicht mehr provozieren, wenn sie die Volksbühne mit Kot flutet. Im Perlentaucher führt Peter Truschner in die ätherischen Blumenbilder von Kathrin Linkersdorff ein, die in Berlin zu sehen sind.
Bücherschau des Tages
23.05.2025 Mit viel Vergnügen liest die SZ Taffy Brodesser-Akners satirisches jüdisches Generationenepos über den Untergang eines Familienunternehmens. Die NZZ schließt sich Obama an und empfiehlt Kaveh Akbars Erweckungsgeschichte eines drogenabhängigen US-Einwanderers aus dem Iran. Die FR verschluckt sich beim Lachen während der Lektüre von Georg Kreisler "Unbeabsichtigten Gedichten". Die FAZ vertieft sich in den Briefwechsel zwischen Klee und Kandinsky. Und Dlf Kultur lässt sich die Augen öffnen von Ingeborg Bachmanns neu editierter Dankesrede für den Büchnerpreis.
Samstag, 24.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
24.05.2025 Die New York Times schildert den Hergang des antisemitischen Mords an Sarah Milgrim, 26, und Yaron Lischinsky, 30, in Washington. Deutsche Zeitungen beschäftigen sich mit Trumps Hass-Aktion gegen Harvard. SZ und taz erörtern die Frage, wie Deutschland sich zu Israel stellen soll. In der NZZ schildert Sonja Margolina das heikle russische Selbstbild: Aus sich heraus ist man nur halb. Das Deutsche Historische Museum erinnert an das Erinnern - Raphael Gross, Direktor des DHM, erklärt in der FAS, warum das sinnvoll ist. "Am 7. Oktober wurden wir wieder zu Juden", sagt die israelische Autorin Lee Yaron in der taz.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.05.2025 Die Welt lässt sich in der Neuen Nationalgalerie von den "Objetos relacionais" der brasilianischen Künstlerin Lygia Clark einwickeln. Die FAZ hört bei den Ruhrfestspielen den Minotaurus singen. Die NZZ beschuldigt den Thomas-Mann-Biografen Tilmann Lahme des Voyeurismus. Die FR feiert den schönsten Film in Cannes: Oliver Hermanus' "History of Sound" über die Anfänge des American Folk. Zeit online entdeckt ganze Popwelten im neuen Album von Stereolab.
Bücherschau des Tages
24.05.2025 Die Literaturkritik ist heute recht feministisch gestimmt. Die FAS etwa schlägt Lauren Elkins Roman "Fassaden" auf und findet einen nachdenklich gestimmten, leicht lacanistischen Roman auf zwei Zeitebenen über Menschen, die aneinander vorbei lieben, dabei aber intelligent zu reden wissen. Die SZ feiert Angela Carters "Die blutige Kammer", teils recht drastische Märchen-Adaptionen, in denen das Menschliche und das Tierische munter miteinander verschmelzen. Die FAZ wiederum bewundert die Kühle, mit der die dänische Autorin Cecilie Lind in "Mädchentier" einen "Lolita"-Roman aus der Perspektive der Lolita erzählt.
Montag, 26.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
26.05.2025 In der SZ kritisiert Etgar Keret sehr scharf die israelische Regierung: "Es gibt wirklich nur sehr wenige Menschen auf diesem Planeten, die denken, dass das, was gerade hier passiert, Sinn ergibt." Die taz stellt die polnische Autorin Klementyna Suchanow vor, die zu der von Putin gesponsorten weltweiten "Pro Life"-Bewegung recherchiert. Die FAZ bringt Dan Diners Börne-Preis-Rede: eine Meditation über die Börne-Zeit und die Gegenwart. Die Jüdische Allgemeine sammelt Stilblüten zu Israel, die taz "kontextualisiert".
Efeu - Die Kulturrundschau
26.05.2025 Die Goldene Palme geht in Cannes dieses Jahr an den iranischen Regisseur Jafar Panahi - eine Auszeichnung, die sowohl aus künstlerischen als auch aus politischen Gründen überzeugt und einen starken Jahrgang abschließt, meinen die Zeitungen. Die FR blickt am Schauspiel Frankfurt in die psychologischen Abgründe von E.T.A. Hoffmanns "Sandmann". Die taz sieht den EU-Granden im Mannheimer Nationaltheater zu, wie sie in einer Robert-Menasse-Dramatisierung dahinsiechen.
Bücherschau des Tages
26.05.2025 Die FAZ begleitet Nils Mohls Helden Kester auf einer letzten Reise durch eine verrückte Nacht. Die SZ erfährt von David A. Graham alles über das "Project 25", mit dem Trump und Co den amerikanischen Staat auseinandernehmen wollen. Dlf blickt mit J.G. Ballards Roman "Super-Cannes" in die dunklen Abgründe hinter den Luxusfassaden einer "Gated Community" in Südfrankreich. Und Dlf Kultur schafft mit Clara Mattei den Kapitalismus ab.
Dienstag, 27.05.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
27.05.2025 In der FAZ erinnert sich der iranische Cannes-Preisträger Jafar Panahi an sein Verhör im Evin-Gefängnis. Die Feuilletons trauern um den Dokumentarfilmer Marcel Ophuls, der ein Filmleben lang gegen die "feigen Neutralisten" ankämpfte. Die taz ärgert sich über die Ignoranz deutscher Verlage gegenüber ukrainischer Literatur. Die Welt versucht sich in Baden Baden nicht von der abweisenden Würde des abstrakten Expressionisten Richard Pousette-Dart abschrecken zu lassen. Und die FAZ rät in Zeiten des wachsenden Totalitarismus Schostakowitsch zu hören.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.05.2025 "Ich halte zu Israel, weil es ein winziges Land ist, unendlich zerbrechlich und von allen Seiten bedroht", sagt Bernard-Henri Lévy in einer Rede, die er in Israel hielt - aber er warnt auch vor den Rechtsextremen in Netanjahus Regierung. Die taz besucht den NSU-Gedenkort in Chemnitz - nur Michael Kretschmer fehlte bei der Eröffnung. Auf geschichtedergegenwart.ch erzählt Claus Leggewie, wie die amerikanische Regierung anfängt, die Geschichte zu bereinigen. Verhandlungen bringen nichts, meint der Osteuropa-Experte Andreas Umland in der NZZ - Russland braucht eine demütigende Niederlage.
Magazinrundschau
27.05.2025 In Harper's denkt Karl Ove Knausgard sehr schön über die Materialität der Welt nach. Elet es Irodalom und HVG kritisieren das geplante Gesetz zur "Wahrung der Souveränität": Es soll vor allem Regierungskritiker mundtot machen. La vie des idees fragt: Was wurde eigentlich aus den Neocons? Der New Yorker untersucht die Kultur der Korruption in den USA, die Donald Trump gerade installiert. New Lines porträtiert den einzigen schwarzen Urdu-Dichter Pakistans, Noon Meem Danish. Wired erklärt das neue Geschäftsmodell für KI-generierte Musik.
Bücherschau des Tages
27.05.2025 Die FAZ schwelgt in den "Variationen über ein Thema von Silfverstolpe" von Lars Gustafsson. Außerdem vertieft sie sich in Kurt Bauers historisches Kaleidoskop vom Endes des Zweiten Weltkriegs in Österreich. Die SZ lungert mit dem Helden aus Olivier Schrauwens Graphic Novel begeistert auf dem Sofa herum, liest C.G. Jung und träumt sich in andere Welten. Mit Katja Riemann plappert sie sich in "Nebel und Feuer" zurück ins Leben.
Mittwoch, 28.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
28.05.2025 In der SZ denkt Timothy Garton Ash über den am wenigsten unrealistischen Weg zur Beendigung des Ukrainekriegs nach. In der FAZ erklärt der Jurist Michael Meyer-Resende, wie aussagelos Begriffe wie links und rechts, liberal oder illiberal geworden sind. Die taz fürchtet um die Sicherheit der Juden hierzulande (natürlich nur von rechts), wenn die deutsche Regierung Israel weiter unterstützt. Natürlich muss Benjamin Netanjahu in Deutschland verhaftet werden, ruft die SZ. In der Zeit erklärt der britische Historiker Richard Evans die Vor- und Nachteile von kontrafaktischer Geschichtsschreibung.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.05.2025 Die Zeit porträtiert den neuen Shooting-Star des deutschen Kinos: die Regisseurin Mascha Schilinski, die gerade in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Die FR staunt in Chemnitz über ein Stück von Karin Breece, das Vergangenheitsbewältigung als höchst realistisches Figurentheater auf die Bühne bringt. Außerdem fragt sich die Zeit: Was hat es nur mit dem Wohlfühl-Hype in der Museumswelt auf sich? Die FAZ lässt sich in einer Wiener "Tannhäuser"-Aufführung von Malin Byströms glühendem Sopran betören.
Bücherschau des Tages
28.05.2025 Die SZ möchte sich von Svealena Kutschkes Psychiatrie-Roman "Gespensterfische" am liebsten jeden Satz "ins Gehirn tätowieren". Die Zeit geht mit Julia Friese auf einen wilden Trip in die Welt der Nullerjahre samt MTV, Fanta und Kellog's Cornflakes. Die FAZ ist beeindruckt von Jente Posthumas Roman über eine Frau, die den Tod ihres Zwillingsbruders verarbeiten muss. Dlf Kultur findet bei Jaime Bayly heraus, warum Mario Vargas Llosa seinem Freund Gabriel Garcia Márquez 1976 in einem Kinosaal auf die Nase gehauen hat.
Freitag, 30.05.2025
Efeu - Die Kulturrundschau
30.05.2025 Die Feuilletons trauern um den kenianischen Schriftsteller Ngũgĩ wa Thiong'o, der wie kaum ein anderer für einen radikalen Begriff von Emanzipation stand, wie die taz schreibt. Die Welt lernt bei den Wiener Festwochen dank des Künstlerduos Signa ihr "pflegebedürftiges Ich" kennen. Backstage Classical ärgert sich über Klassik-Kritiker, die sich erst auf Häppchen einladen lassen und dann distanzlose Texte abliefern. Die taz erlebt in Chemnitz ukrainische Gegenwartskunst auf der Suche nach Identität.
9punkt - Die Debattenrundschau
30.05.2025 Packt die Badehose ein: "Vielleicht ist es der letzte Sommer in Frieden", warnt der Militärhistoriker Sönke Neitzel in der taz, und wenn Putin angreifen würde, könnte er den 9.000 Nato-Soldaten in Estland mal eben eine Truppe von 100.000 Mann entgegenstellen. In der Zeit fragt sich die Harvard-Professorin Sheila Jasanoff, was die Universitäten selbst dazu beitrugen, sich so angreifbar zu machen. Im Perlentaucher denkt Pascal Bruckner über die Pathologie der algerisch-französischen Beziehungen nach. In der Welt beobachtet Michael Wolffsohn, wie sich der Genozidvorwurf gegen Israel durchsetzt, auch wenn er falsch ist.
Bücherschau des Tages
30.05.2025 Der Dlf Kultur begibt sich mit Yasmina Liassines Debütroman auf verschlungenen Pfade zum wahren Algerien. Die SZ lauscht mit dem Archäologen Graeme Lawson Knochenflöten und 5000 Jahre alten sumerischen Leiern. Die FR löst sich lässig mit Marlene Streeruwitz in New York auf. Mit Constanze Debré zerlegt der Dlf die französische Bourgeoisie von innen. Die NZZ lernt dank Ursel Braun die Frauen hinter den Exilanten in L.A. kennen. Und die FAZ liest einen ganzen Stapel Bücher über Friedrich Merz.
Samstag, 31.05.2025
9punkt - Die Debattenrundschau
31.05.2025 In der NZZ skizziert der Schriftsteller Michail Schischkin die radikale Verwüstung der russischen Kultur. Die FAS zitiert aus einem offenen Brief, in dem mehr als tausend israelische Akademiker der Regierung "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" vorwerfen. Auch immer mehr Militärs kritisieren Armeeführung und Politik, sekundiert Zeit Online. Der erste Araber, der zu Verhandlungen mit Israel aufrief, war der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser, entnimmt der Schriftsteller Najem Wali in der FAZ einer Aufzeichnung aus dem Jahr 1970. Kann Papst Leo XIV. im Krieg gegen die Ukraine vermitteln, fragt sich der Historiker Volker Reinhardt im Spiegel.
Efeu - Die Kulturrundschau
31.05.2025 Die Literaturkritiker freuen sich, dass Sebastian Haffners Roman "Abschied" nun zur Veröffentlichung freigegeben wurde. Die taz reist auf die Philippinen, die das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse werden. Die WamS erinnert anlässlich einer Ausstellung in Zürich an den schwarzen Maler Ed Clark, der sich vom Kunstbetrieb nie unterkriegen ließ. Und die FAS lernt in einer Ausstellung in Mailand, warum schmutzigere Architektur das Überleben der Menschheit sichern wird.
Bücherschau des Tages
31.05.2025 SZ und FAZ stürzen sich auf Sebastian Haffners autobiografischen Roman "Abschied" und kosten in Paris die Früchte der Existenz als Bohémiens. Die FAS feiert mit Rebecca Godfrey und Leslie Jamison das wilde Leben Peggy Guggenheims. Welt und Dlf baden in Robert Macfarlanes Buch "Sind Flüsse Lebewesen?". Die taz schmökert derweil in Mangas über die Manga-Szene von Taiyo Matsumoto und Ville Ranta.