Samstag, 01.09.2018
Efeu - Die Kulturrundschau
01.09.2018 Die NZZ beklagt, dass nur noch körperpolitische Musik Revolutionen entfachen kann. Außerdem erliegt sie der bedrohlich unvertrauten Erotik von Balthus. Die FAZ lässt sich beim Tanz im August von Noé Soulier ganz verzaubert die Metaphysik des Tanzens zeigen. Im DlF-Kultur und in der taz erzählen Ai Weiwei und Adrian Piper von ihren Fluchterfahrungen. Und die Filmkritiker berichten von Tag zwei in Venedig.
9punkt - Die Debattenrundschau
01.09.2018 Mit Rechten reden ist ab einem bestimmten Punkt sinnlos, meint die taz mit Blick auf Chemnitz. Die Berliner Zeitung setzt dagegen auf die sanfte Macht des Arguments. Die NZZ beobachtet die Demontage des Rechtsstaats in Italien. In Österreich spüren die Rechtspopulisten erstmals etwas Gegenwind: Die Anhebung der Höchstgrenze der Wochenarbeitszeit auf 60 Stunden kommt nicht gut an. Auch unter NS-Opfern galt schwul sein oftmals als ehrenrührig, erinnert im Tagesspiegel die Historikerin Anna Hajkova.
Bücherschau des Tages
01.09.2018 Die SZ staunt, wie brillant David Christian Weltgeschichte vom Urknall bis zum Anthropozän auf 400 Seiten zusammenschnurren lässt. Die taz freut sich über einen vierzehnstündigen Tonbandschatz mit englischsprachiger Lyrik von Hemingway bis Atwood. Die Welt lernt von Paco Bacilieri, wie gut Umberto Eco und Kreuzworträtsel als Graphic Novel funktionieren. Einen neuen Puschkin entdeckt die FR mit der georgischen Schriftstellerin Ruska Jorjoliani. Und die FAZ liest Nino Haratischwilis neuen Roman "Die Katze und der General".
Montag, 03.09.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
03.09.2018 Viele in der Türkei denken modern und nicht tribalistisch oder religiös - der Westen sollte sie nicht alleinlassen, sagt Elif Shafak im Guardian. Die EU sollte Ungarn und Polen die Demokratieverstöße nicht durchgehen lassen, warnt der Jurist Nils Meyer-Ohlendorf in der SZ. Oswald Spenglers "Untergang des Abendlands" ist von bedrückender Aktualität, schreibt Andreas Kilb in der FAZ. In der NZZ sucht die DDR Erlösung. Und die republik.ch macht ein Feuilleton auf. So ein richtiges, mit Kritiken.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.09.2018 Immersion hatte von Anfang an etwas Autoritäres, meint der Tagesspiegel, doch mit dem Berliner Mauer-Spektakel "Dau" wird sie stalinistisch. Die NZZ begeistert sich für den Genueser Pragamatismus und Renzo Pianos Entwurf einer neuen Brücke für die Stadt. Der Standard folgt den migrantischen Spuren in der deutschsprachigen Literatur. Nach Luca Guadagninos Remake von Dario Argentos Horrorklassiker "Suspiria" kratzen sich die Kritiker in Venedig am Kopf: Ist das Blödsinn oder Camp?
Bücherschau des Tages
03.09.2018 Einblick in ein zerrissenes Land erhält die FR mit Goran Vojnovics Roman "Unter dem Feigenbaum". Die taz blickt mit Mana Neyestanis düsterer Graphic Novel "Die Spinne von Maschhad" in die bigott-sadistischen Abgründe des Iran. Die SZ feiert mit "Spirou in Berlin" von Flix die erste nicht-frankophone Episode der reihe. Die FAZ liest Krimis, darunter Lisa McInnerneys "Glorreiche Ketzereien".
Dienstag, 04.09.2018
Magazinrundschau
04.09.2018 Der New Yorker betrachtet mit Wolfgang Tillmans, was neu ist. Im Merkur diagnostiziert die Soziologin Cornelia Koppetsch eine Ära der gesellschaftlichen Schließung. Im Guardian erklärt Kwame Anthony Appiah das Problem mit der lupenreinen Identität am Beispiel seines Verhältnisses zu Taxifahrern. Das Smithsonian Magazine stellt Codeknackerinnen im Kalten Krieg vor. The Atlantic erzählt, wie russische Neonazis versuchten, Montenegro aufzumischen. Wired erzählt, wie russische Hacker die Ukraine lahm legten. Die New York Times feiert die Fluidität des Comme-des-Garcons-Mannes.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.09.2018 Selbst gutwillige Deutsche kapieren nicht, dass Rechtsextremisten nicht "Ausländer" angreifen, und offenbaren damit den strukturellen Rassismus im Land, schreibt Max Czollek bei Zeit online. In der SZ fühlt sich der Autor Klemens Renoldner an die Dreißiger erinnert. Reuters stellt noch einmal die große Reportage der beiden Journalisten aus Myanmar online, die sie für sieben Jahre ins Gefängnis brachte. Es gibt zwei Eliten in den westlichen Ländern, eine links, eine rechts, beobachtet die Financial Times.
Efeu - Die Kulturrundschau
04.09.2018 Die SZ blickt geschockt nach Rio de Janeiro, wo ein Brand das bedeutendste ethnologische Museum Lateinamerikas zerstörte. Kleinlich nationalistisch nennt die NZZ Forderungen, die Kunst wieder nach kultureller Zugehörigkeit zu sortieren. Die FAZ erkennt mit Balthus die Tragödie des Anti-Avantgardisten. Die taz beobachtet, wie die Mode die Kunst vereinnahmt. Die FR erkundet in Venedig eine große Filmruine.
Bücherschau des Tages
04.09.2018 Die SZ jubelt über Eckhart Nickels ersten Roman "Hysteria", der vielleicht dekadent und reaktionär, aber vor allem von unanfechtbarer Eleganz sei. Die FAZ feiert Heinz Strunks auf die Spitze getriebenen Erzählungen "Das Teemännchen". Von Roberto Simanowskis Studie "Stumme Medien" lernt sie, wie Informiertheit an die Stelle der Bildung treten konnte. Die FR lässt sich von Ronald Weber Leben und Werk des großbürgerlichen Sozialisten Peter hHacks erklären. Und die taz empfiehlt noch einmal nachdrücklich Francesca Melandris brisanten Roman "Alle, außer mir".
Mittwoch, 05.09.2018
Efeu - Die Kulturrundschau
05.09.2018 Hyperallergic feiert Jugoslawiens Architektur als in Beton gegossene Utopie. Mit Entsetzen quittiert die FAZ Florian Henckel von Donnersmarcks in Venedig gezeigtes Gerhard-Richter-Biopic "Werk ohne Autor", die SZ fand ihn dagegen schön. Die taz erlebte beim #WirSindMehr-Konzert die Versöhnung verfeindeter Punk-Lager. Der Welt hätte das Event noch besser gefallen, wenn auch ein paar Frauen und migrantische Musiker auf der Bühne gestanden hätten. Und in der Spex klagt Schorsch Kamerun über eine neue Eskalation der Gentrifizierung: Jetzt wird in der Dortmunder
Nordstadt sogar das billige Saufen "Trend"!
9punkt - Die Debattenrundschau
05.09.2018 Google wird zwanzig, und es gibt immer noch ein paar Alternativen, stellt Netzpolitik fest. Buzzfeed untersucht unterdessen die Verwüstungen, die Facebook in den Philippinen anrichtet. Und von den Five Eyes will Spiegel online auch nicht schweigen. Die FAZ kämpft noch mal für ein europäisches Leistungsschutzrecht. Und Washington-Post-Reporter Bob Woodward bringt ein Buch über Trump.
Bücherschau des Tages
05.09.2018 Für die NZZ explodiert mit dem Wimmelbuch "Eins zwei drei VIELE" ein ganzes naturwissenschaftliches Museum. Die taz freut sich über einen Ostberliner "Spirou" von Flix. Die SZ denkt mit Perry Anderson über den Begriff der Hegemonie nach. Die FR entdeckt mit Luce D'Eramos Memoir "Der Umweg" einen Solitär in der Holocaust-Literatur. Empfehlenswert findet sie auch "Retroland", Valentin Groebners Buch über die Sehnsucht des modernen Touristen nach dem Authentischen.
Donnerstag, 06.09.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
06.09.2018 NZZ und Zeit online machen sich Sorgen über den Zustand der Debatte, die in Empörung und Hysterie zu versinken drohe. Der New Yorker liest nochmal die Stasi-Akten von Julia Kristeva und findet was. In der Welt fasst sich Alan Posener an den Kopf: Das Jüdische Museum Berlin plant eine Konferenz über "Islamophobie", in der sich Israelboykotteure über "Rassifizierungsprozesse "und "Empowerment" austauschen sollen.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.09.2018 Im Tagesspiegel kann Florian Henckel von Donnersmarck auch nicht erklären, warum er in "Werk ohne Autor" Gaskammerszenen mit Bildern von der Bombardierung Dresdens gegengeschnitten hat. Der Standard versucht mit Hilfe virtueller Realität sein Mitgefühlspotenzial zu steigern. Lasst Kinder lesen wie sie Lust haben, ermuntert in der FAZ die Kinderbuchautorin Frida Nilsson. Im Interview mit der neuen musikzeitung verspricht der neue Intendant der Semperoper Peter Theiler den Sachsen innovatives, verantwortungsvolles und zeitbezogenes Theater.
Bücherschau des Tages
06.09.2018 Die FAZ amüsiert sich königlich mit Thomas Klupps Hochstapler-Provinzkomödie "Wie ich fälschte, log und Gutes tat". Die FR gruselt sich mit Jo Nesbøs Thriller-Version von "Macbeth". Die NZZ reist mit Martin Zimmermann zu den seltsamsten Orten der Antike. Die taz feiert mit Annett Gröschner fünfzig Jahre Berliner Frauenbewegung. Die Zeit liest zwei Jugendbücher über Vergewaltigung.
Freitag, 07.09.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
07.09.2018 Zwei Tage vor einem möglichen Triumph der Rechtspopulisten in Schweden fragen SZ und FR, wie aus dem "Volksheim" eine Wagenburg werden konnte. In Zeit online erzählt die ungarische Schriftstellerin Noemi Kiss von dem unheimlichen Totenkult um Stalin in Georgien. Die FAZ bringt einen Nachruf auf den insolventen Stroemfeld-Verlag. Deutschlandfunk Kultur und Spiegel online fragen nach Chemnitz nach dem Selbstverständnis deutscher Medien.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.09.2018 Eva Menasse eröffnet das Internationale Literaturfestival Berlin mit einem Rundumschlag gegen den digitalen Zeitgeist. FAZ und SZ wagen leisen Widerspruch. Die taz würdigt die Minimal-Music-Komponistin Catherine Christer Hennix. Zeit online hört Anna Calvis gesungenen Wunsch nach abwechslungsreichem Geschlechtsverkehr. Die Filmkritiker streiten sich über Jennifer Kents Vergewaltigungsdrama "The Nightingale" in Venedig. Die FAZ möchte nicht mehr nackte Männer in der Kunst sehen, sondern mehr Malerinnen.
Bücherschau des Tages
07.09.2018 Die FAZ lässt sich von der jungen Bauingenieurin Roma Agrawal fasziniert in "Die geheime Welt der Bauwerke" einführen. Bei Franklin Foer liest sie, wie das Silicon Valley freies Denken und Selbstbestimmung bedroht. Die SZ bewundert mit Sonja Hnilica Großstrukturen in der Architektur der Moderne. Und die NZZ liest erschüttert Winnie M Lis Protokoll einer Vergewaltigung.
Samstag, 08.09.2018
Efeu - Die Kulturrundschau
08.09.2018 Die NZZ schnurrt vor Entzücken, wenn ihr Nagasawa Rosetsu mit einem Prankenhieb in den Nacken die Augen für japanische Bildwelten öffnet. Die SZ bewundert, wie György Kurtag aus Becketts "Endspiel" eine lichte und versonnene Oper machen konnte. Die Welt hält die neue dystopischen Romane von Frauen nicht mehr für feministisch, sondern für autoaggressiv. Auf ZeitOnline attackiert der britische Regisseur Peter Kosminsky Knebelverträge und der imperialistischen Streamingdienste.
9punkt - Die Debattenrundschau
08.09.2018 Das Blog der New York Review of Books erinnert daran, wie Baschar al Assad und Wladimir Putin in Syrien die Wahrheit besiegten. In der taz fragt Wenzel Michalski, dessen Sohn in einer Berliner Schule attackiert wurde, weil er Jude ist, warum der Antirassismus den Antisemitismus offenbar nicht so recht bekämpfen will. Golem.de staunt über die Arroganz der Google-Hierarchen, die zu einer Anhörung des amerikanischen Senats schlicht nicht anreisten. Und mehrere Medien prüfen für Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen die Fakten.
Bücherschau des Tages
08.09.2018 Juli Zeh hat mit "Neujahr" über die Überforderung eines Mannes beim Fahrradfahren in Lanzarote ihren bisher besten Roman vorgelegt, findet die SZ. Die FR entdeckt mit großer Freude Anita Brookners jetzt übersetzten Debütroman "Ein Start ins Leben". Die Welt empfiehlt Lukas Rietzschels Debütroman "Mit der Faust in die Welt schlagen" über eine Jugend in den neuen Ländern als Buch der Stunde.
Montag, 10.09.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
10.09.2018 Jeremy Corbyn soll sich nicht auf seinen Antirassismus berufen, meint Howard Jacobson im Jewish Chronicle - denn der Antisemitismus sei eigentlich kein Rassismus. Die taz berichtet über einen Streit der Feministinnen bei den Grünen. Im Guardian verteidigt Chantal Mouffe ihre Idee eines Linkspopulismus. Die FAS sammelt Protestnoten von AutorInnen gegen die Entlassung der Rowohlt-Verlegerin Barbara Laugwitz.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.09.2018 Zum Abschluss der Filmfestspiele von Venedig wurde der Goldene Löwen an Alfonso Cuaróns "Roma" vergeben. Die FR feiert die Qualität des Festivals, der Standard fürchtet jedoch nach diesem Erfolg für Netflix eine Neukalibrierung der Branche. Nachtkritik und SZ feiern zum Saisonauftakt am Deutschen Theater in Berlin mit René Pollesch eine tolle Pyjama-Party. Die SZ erlebt in Peking, wie Theater aufrütteln kann. Und die Jungle World berichtet, wie sich Techno-Clubs in Georgien vor homophoben Übergriffen schützen müssen.
Bücherschau des Tages
10.09.2018 Die FAZ lernt von Achim Wambach und Hans Christian Müller, dass "Digitaler Wohlstand für alle" möglich ist, wenn die Macht der Internet-Konzerne eingeschränkt wird. Die SZ erkennt mit Behnam T. Saids "Geschichte al-Qaidas", dass auch weiterhin mit der Terrorgruppe zu rechnen ist. Etwas befremdet liest sie Ronan Farrows "Das Ende der Diplomatie" als Empfehlungsschreiben in eigener Sache.
Dienstag, 11.09.2018
Magazinrundschau
11.09.2018 Popula schreibt über das Leben nach der Abschiebung. Der Rolling Stone lernt in Mexiko, was noch lukrativer ist als Drogenhandel. Eurozine denkt über Kryptowährungen nach. Die London Review geißelt das Duckmäusertum der Millennials. GQ zählt seine Spermien. Die NYT lässt sich von Lina Khan Amazon's Antitrust Paradox erklären. Longreads schnuppert den Duft der Zibetkatze.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.09.2018 Morgen wird im EU-Parlament ein zweites Mal über die Urheberrechtsreform mit den strittigen Punkten Leistungsschutzrecht und Uploadfilter abgestimmt. FAZ und Welt fahren nochmal alle Geschütze auf, um die widerspenstigen Abgeordneten umzustimmen. Bei boingboing schildert Cory Doctorow, wie nach dem Gesetz Verlinken geht. Buzzfeed hat herausgefunden, wie die Medien Klicks bekommen: mit "clickbait" vom Ströer-Konzern. Politico.eu und taz analysieren das schwedische Wahlergebnis.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.09.2018 The Nation stellt zwei führende Figuren des Pariser Impressionismus vor: Mary Cassatt und Berthe Morisot. Der Tagesspiegel bringt einen Offenen Brief gegen Ilya Khrzhanovskys Mauer-Projekt. Auf Dazed kann Blood Orange gar nicht genug kulturelle Aneignung empfehlen. Die FAZ freut sich, dass das Berliner Staatsballett endlich internationalen Rang erreicht. Und der taz zeigt die Insolvenz des Stroemfeld Verlags, dass Verlage mehr öffentliche Unterstützung brauchen.
Bücherschau des Tages
11.09.2018 Die FAZ möchte nach Norbert Sachsers Buch "Der Mensch im Tier" wieder über Tierethik nachdenken. Mit Perry Andersons "Hegemonie" erkundet sie das Machtgebaren politischer Eliten. Die SZ lernt mit Frederika Finkelkraut das Leben paranoider Millennials in Paris kennen. Die NZZ nähert sich mit Gregor Mayer dem ewigen Kind Egon Schiele. Und die FR liest Juli Zehs neuen Roman "Neujahr".
Mittwoch, 12.09.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
12.09.2018 Der CSU-Politiker Manfred Weber kann nicht EU-Kommissionspräsident werden, solange er einen Schutzschild vor Viktor Orban hält, schreibt der Politologe Jan-Werner Müller in der SZ. In Zeit online fordert auch die Europaabgeordnete Judith Sargentini Sanktionen gegen Ungarn - über das heute im EU-Parlament debattiert wird. Abgestimmt wird dort auch über die umstrittene Urheberrechtsreform, die Wyclef Jean in Politico kritisiert. In der FAZ rotieren Thilo Sarrazin und sein Kritiker Rainer Hermann. Und der Guardian fragt: Wo ist Fan Bingbing?
Efeu - Die Kulturrundschau
12.09.2018 Die SZ erlebt in Wolfgang Fischers Filmdrama "Styx" die große Fallhöhe der souveränen Westlerin. Georg Seeßlen erkundet in einem Essay auf epd Film den moralischen Film. Nach Bekanntgabe der Shortlist für den Deutschen Buchpreis imaginiert der Tagesspiegel schon die Dankesrede eines geschmeichelten Maxim Biller. Und die FAZ unterhält sich mit dem Direktor der Kunstsammlungen Chemnitz, Frédéric Bußmann, über Ängste und Phantome in der Stadt.
Bücherschau des Tages
12.09.2018 Die NZZ lässt sich von Alex Capus nach Versailles versetzen, an den Hof Ludwigs XVI., wo sich ein armer Kuhhirte in eine reiche Bauerstocher verliebt. Eckhart Nickel wiederum lehrt sie mit "Hysteria" die Kunst des feinen Genusses. Die SZ freut sich über die stilistische Eleganz von Maxim Billers Roman "Sechs Koffer". Die FAZ amüsiert sich mit David Schalkos Ganovenroman aus dem Nachkriegswien, "Schwere Knochen".
Donnerstag, 13.09.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
13.09.2018 Das EU-Parlament hat gestern für Uploadfilter und Leistungsschutzrecht gestimmt. Zugunsten der Kulturindustrie "werden Prinzipien über den Haufen geworfen, ohne die das Internet nie seine heutige Bedeutung erlangt hätte", schreibt die EU-Abgeordnete Julia Reda. FAZ und Bild sagen (aus urheberrechtlichen Gründen geschwärzt). Das Marta Herford bleibt wacker und fordert in einer Konferenz: "Gebt endlich die Bilder frei!" Und im Guardian prangert George Monbiot eine der schlimmsten Abzock-Industrien der Gegenwart an - die wissenschaftlichen Verlage.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.09.2018 SZ und Tagesspiegel erleben mit Alice Rohrwachers "Glücklich wie Lazzaro" ein italienisches Kinowunder. Die SZ durfte einen Schritt in die Retrodiktatur des Dau-Projekts setzten. Die Welt fragt: Worin steckt mehr DDR - im
Wiederaufbau der Mauer oder im Verbot eines Kunstprojekts? Die taz bemerkt schockiert, dass sich selbst die All-Time-Favourites ihrer Playlist der BDS-Kampagne gegen den European Song Contest in Israel angeschlossen haben. Und der Guardian läuft noch einmal im Begräbniszug für Prinzessin Diana mit.
Bücherschau des Tages
13.09.2018 Die Zeit lässt sich von Nicola Gardini und Andrea Marcolongo für die Schönheit und köstliche Präzision des Lateinischen und Altgriechischen begeistern. Die NZZ sieht uns mit Karl Pilny ins asiatische Jahrhundert steuern. Die FAZ sitzt mit Philipp Weiss "Am Weltenrand", lacht ein bisschen und weint ein bisschen. Die FR freut sich über Mercedes Rosendes herrlich unberechenbaren Kriminalroman "Krokodilstränen".
Freitag, 14.09.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
14.09.2018 Masha Gessen informiert im New Yorker über den Pussy-Riot-Aktivisten Pjotr Wersilow, der wohl vergiftet wurde und im Krankenhaus liegt. Chefärzte, die ein zweites Mal heiraten, entlässt die Katholische Kirche, Priester, die Kinder missbrauchen, nicht, wundert sich die Welt. Künstler wollen auf Kuba auch ohne staatliche Registrierung Kunst machen, berichtet die NZZ. Aung San Suu Kyi rechtfertigt laut taz die Gefängnisstrafen für zwei Reporter, die zu den Massakern an Rohingya berichteten.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.09.2018 Die Nachtkritik berichtet, dass Tänzerinnen nun auch dem Choreografen Jan Fabre sexuelle Übergriffe vorwerfen. Es galt die Devise: Kein Sex, kein Solo. Euphorisiert von Anne Teresa de Keersmaekers Choreografie zu Bachs Brandenburgischen Konzerten blicken Tagesspiegel und Berliner Zeitung sogar mit Nachsicht auf Chris Dercon. In der SZ huldigt Kat Kaufmann dem Jazz-Giganten Wayne Shorter, von dem sie träumendes Fliegen lernte. Die NZZ hört wieder Blues. Und die FAZ freut sich, dass Frankfurt nach Auto Center und Eros Center jetzt auch ein Fassbinder Center bekommt.
Bücherschau des Tages
14.09.2018 Die SZ lernt in Stephan Thomes Roman "Gott der Barbaren" eine Menge über den über den Taiping-Aufstand, aber auch über die Schwierigkeiten des Historischen Romans. In der FAZ erledigt Stephan Lessenich einen Bullshit-Job: nämlich die Rezension von David Graebers Buch gleichen Titels. Außerdem empfiehlt die SZ zwei Jugendbücher.
Samstag, 15.09.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
15.09.2018 Bellingcat und ein Kiezblog aus Brooklyn zeigen, dass das Internet nicht nur Fake News, sondern auch Wahrheit produzieren kann, zum Beispiel über Russland und seine engsten Freunde. Der Integrationsforscher Aladin El-Mafaalani erklärt im Interview mit der taz, was er mit dem "Integrationsparadox" meint. Bei den Salonkolumnisten fühlt sich der Historiker Jan C. Behrends von der antifaschistischen Rhetorik einiger Redner im Bundestag eher abgestoßen. So schlecht steht es um die schwedische Demokratie nicht, erklärt Aris Fioretos in der Welt.
Efeu - Die Kulturrundschau
15.09.2018 In der Berliner Zeitung vermisst Stephan Wackwitz schmerzlich etwas Lässigkeit und Pragmatimus in deutschen Diskursen. In der FAZ sieht Hans Christoph Buch die Geier über den Parolen des sandinistischen Nicaragua kreisen. NZZ und Nachtkritik sehen in Zürich Barbara Freys klugen, leicht unterkühlten "Hamlet". Die taz übersteht mit Pierre-Laurent Aimard verletzungsfrei die gehämmerten Cluster in Stockhausens Klavierstück 9.
Bücherschau des Tages
15.09.2018 Mit ihrem Roman aus der ostdeutschen Provinz eröffnet Kathrin Gerlof der SZ bleibende Bilder für diesen aufgeheizten Herbst. Schön viel Stoff zum Ärgern bieten ihr Jana Hensel und Wolfgang Engler mit ihrer Ostseelen-Erkundung "Wer wir sind". Die NZZ feiert Heinz Helles wunderschöne Brüdergeschichte "Die Überwindung der Schwerkraft". Die Welt bewundert den Hochmut in Alexa Hennig von Langes Achziger-Abrechnung "Kampfsterne". Die "Poets' Collection" zeigt ihr, dass Lyrik akustische Kunst ist. Und die FAZ widmet sich mit Ingrid Haslinger der "Wiener Küche".
Montag, 17.09.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
17.09.2018 Im Perlentaucher kritisiert Wolfgang Ullrich den Missbrauch von Urheberrechten als Kontrollinstrument. Politico.eu schildert das Denken der "No-Deal-Jakobiner", während sich die Brexit-Verhandlungen einem möglichen Kompromiss nähern. Der Guardian beleuchtet in zwei Artikeln die russische Häme bei der Inszenierung der mutmaßlichen Skripal-Mörder. Le Monde entdeckt eine lange vergessene Art der Fortbewegung: zu Fuß gehen.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.09.2018 Nach einem Bad in lauwarmem Humanismus macht die SZ auf dem Literaturfestival echte Entdeckungen: Carmen Boullosa und Patrick Chamoiseau. Im Standard erklärt Jennifer Egan ihre neue Lust am Epischen. SZ und Nachtkritik winken sich in Kay Voges "Parallelwelten" von den Bühnen in Dortmund und Berlin zu. Die NZZ zieht die Lederschuhe aus, streift die Senakers über und baut Muskelmasse auf. Critic gibt sich mit Dorothy Arzners Filmen der Macht des Gefühls hin.
Bücherschau des Tages
17.09.2018 Die FAZ lauscht höchst vergnügt, wenn Claus Peymann Thomas Bernhards Tiraden gegen den österreichischen Kulturbetrieb liest. Die SZ unterhält sich prächtig mit Wolf Haas' hakenschlagendem Roman "Junger Mann". Max Czolleks Attacken auf diedeutsche Mehrheitsgesellschaft hakt sie als linke Vulgärversion identitären Denkens ab. Die taz liest etwas erschöpft Heinz Strunks dauerpessimistische Erzählungen "Das Teemännchen".
Dienstag, 18.09.2018
Magazinrundschau
18.09.2018 Anne Applebaum hört in Polen einen Haufen mittelgroßer Lügen. Ivan Krastev sucht den Bürger. Respekt fürchtet sich vor der Angst der Tschechen. Micromega untersucht die Konstruktion des Multikulturalismus. Die New York Times vermisst eine neue Gewerkschaftsbewegung. Bloomberg besucht das schwarze Schaf der EU - und es ist nicht Ungarn.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.09.2018 Die NZZ sucht nach Ursachen für die Lähmung der Gesellschaft in Polen. In einem gleichen sich die klassischen Parteien und die AfD, findet Necla Kelek im Redaktionsnnetzwerk Deutschland: Beide haben kein Konzept für Integration. Im Standard knüpft sich Samuel Schirmbeck die Linke und den Islam vor. In der taz sucht ein linker Brexit-Gegner nach Argumenten. Und Lokaljournalismus in Deutschland ist doch eher unkritisch, hat eine Studie in Trier herausgefunden.
Efeu - Die Kulturrundschau
18.09.2018 In der SZ spaziert Horst Bosetzky ein letztes Mal durch die Berliner Bleistreustraße. Der Standard lernt im Centre Pompidou von Franz West das heiter-produktive Nichtstun. Die NZZ plädiert gegen allzu viel Lockerheit und für ein bisschen mehr Stilbewusstsein. In der Berliner Zeitung erklärt Peter Eötvös Stockhausen zu Besten, was der Musik im 20. Jahrhundert passieren konnte. Ebenda ruft Paul Weller den von der Politik Enttäuschten zu: Packt selber an!
Bücherschau des Tages
18.09.2018 Die NZZ jubelt über den Abschlussband von Virginie Despentes' glitzernd-hyperrealistischer Vernon-Subutex-Trilogie, auch wenn in ihm Dogmatismus und Grausamkeit Oberhand gewinnen. "Schmerzhaft schöne Poesie" sieht die FAZ in Donatella DiPietrantonios Roman "Arminuta". Die FR lobt Hélène Gesterns Roman "Der Duft des Waldes". Und die SZ empfiehlt David Armitages instruktive Geschichte des "Bürgerkriegs".
Mittwoch, 19.09.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
19.09.2018 In der Welt erklärt Sineb El Masrar die Nöte des muslimischen Mannes. Der Richter Malte Engeler erklärt in Netzpolitik, warum man von Facebook nicht die Einhaltung von Grundrechten verlangen kann und dann irgendwie doch. In der taz diskutieren vier SchriftstellerInnen über Chance und Verheißung eines linken Populismus - aber Tanja Dückers beißt nicht an.
Efeu - Die Kulturrundschau
19.09.2018 Die Welt freut sich über die Wiederentdeckung der schwermütigen Malerin Lotte Laserstein. In der NZZ sieht David Claerbout im Bild die Macht des Proletariats. In der FR denkt Olga Martynova darüber nach, was die Literatur dem Individuum schuldet. Die Zeit feiert die Jazzcombo Shake Stew, die auch da Melodien spielt, wo andere Bässe schlagen. FAZ, SZ und Berliner Zeitung verdammen Erik Poppes Film "Utøya 22. Juli", der aus dem Massenmord des Anders Breivik ein frivoles Spektakel macht.
Bücherschau des Tages
19.09.2018 Die NZZ empfiehlt nachdrücklich Christine Fischers Werkausgabe von Boris Pasternak, die ihr vor allem dessen lyrisches Werk näher bringt. Die FAZ liest Thomas Gaethgens Buch über den Brand der Kathedrale von Reims als lehrreiche Geschichte eines Kulturkampfes. Die SZ erkennt in Michal Hvoreckys Sci-Fi-Dystopie über das Trollunwesen im Internet die finstere Realität in Osteuropa.
Donnerstag, 20.09.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
20.09.2018 Die New York Times weiß, warum Ian Buruma bei der New York Review of Books heftigen Ärger bekommen hat, aber nicht, ob er aus freien Stücken ging. In Brüssel eröffnet das Afrikamuseum neu, das einst gebaut wurde , um die blutige belgische Kolonialgeschichte zu feiern und nun ein ganz neues Konzept hat. SZ und politico.eu berichten. Und Bülent Mumay schildert in der FAZ das Leben unter einem Autokraten, der sich ein Flugzeug im Wert von 500 Millionen Euro "schenken" lässt, während die Arbeiter an der Baustelle des Großflughafens nicht mal bezahlt werden.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.09.2018 Zwei Vibrafone. Vier Trompeten. Zwei mal vier Hörner: Dem Tagesspiegel dröhnen noch die Ohren von 60 verschiedenen Lautstärkegraden bei der Aufführung von Stockhausens "Inori" in Berlin. Die taz sieht mit Aneesh Chagantys Thriller "Searching" die Zukunft des Films: Screen Movies. Die NZZ sucht den Surrealismus in der Schweiz. Er baut den Wandel, verkündet Renzo Piano in der Zeit.
Bücherschau des Tages
20.09.2018 Die Zeit liest überwältigt Ursula Krechels Roman "Geisterbahn" über das Schicksal einer Schaustellerfamilie im Nationalsozialismus: Wie die Jelinek, meint sie. Die FAZ begibt sich mit Eckhart Nickel auf einen verschwörungstheoretischen Horrortrip mit Retroschick. Die SZ liest Tom Boumans Krimi "Im Morgengrauen" als Milieustudie über Pennsylvania. Und die FR legt Peter Reichels Biografie des Weimarer Reichskanzlers Hermann Müller nicht nur Politikern wärmstens ans Herz.
Freitag, 21.09.2018
Efeu - Die Kulturrundschau
21.09.2018 In der taz vermisst der Popjournalist Matthew Collin die subversiven Wurzeln von House und Rave. Die Welt verteidigt die Rekonstruktionsarchitektur. In der Berliner Zeitung warnt die Regisseurin Karen Breece: Obdachlosigkeit droht auch der Mittelschicht. Die NZZ sucht nach Gründen für das Scheitern des Stroemfeld Verlags. Die taz würdigt die verstorbene Grande Dame der rumänischen Konzeptkunst, die Künstlerin Geta Brătescu.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.09.2018 Im Spectator hält Anne Applebaum eine Gardinen-Predigt an alle Brexiteers, die mit Orban und Kaczynski paktieren wollen. In der SZ spricht der zu Lebenslang verurteilte Schriftsteller Ahmet Altan über die Absurditäten der türkischen Justiz. SZ und Welt kommentieren Ian Burumas Kündigung bei der New York Review of Books. Alle trauern um die große Verlegerin Inge Feltrinelli.
Bücherschau des Tages
21.09.2018 Die FAZ erliegt dem diskreten Charme der Anthropologie mit Irene Albers' Streifzug durch das Werk des Ethnologen Michel Leiris. Die NZZ versinkt lieber in Patrick Modianos "Schlafenden Erinnerungen" an das melancholische Paris der Sechziger. Die FR liest Bücher zum Dreißigjährigen Krieg und empfiehlt besonders Andreas Bährs Studie "Der grausame Komet".
Samstag, 22.09.2018
Efeu - Die Kulturrundschau
22.09.2018 Die Absage des Dau-Projekts in Berlin versetzt die Feuilletons in Aufruhr: Innerdeutschen Postkolonialismus wirft in der FAZ Intendant Thomas Oberender den Kritikern vor. Wer Diktatur erleben will, soll nach Hohenschönhausen fahren, meint Lea Rosh im Dlf-Kultur. In der taz spricht Igor Levit darüber, wie ihn aktuelle deutsche Debatten plötzlich zum Migranten machen. Ebenfalls in der taz spricht die Schriftstellerin Dima Wannous über Frauen in Syrien. Der Standard ärgert sich über Selbstgefälligkeit im Theaterbetrieb.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.09.2018 In ganz Europa gewinnen die AbtreibungsgegnerInnen, begünstigt durch den Rechtspopulismus, die Oberhand, konstatiert die taz. In der Welt beklagt Francis Fukuyama einen Mangel an konservativen Intellektuellen. Der Tagesspiegel findet: Die Medien haben zuviel "Haltung" bei Chemnitz und zu wenig im Hambacher Forst. Die SZ geißelt die Monopolisierung der Nacktmulle durch Google.
Bücherschau des Tages
22.09.2018 Die SZ liest im neuen Buch des Historikers Timothy Snyder, wie Russland die westlichen Demokratien schwächt. Einer Russlandreise mit Honoré de Balzac kann sie trotzdem nicht widerstehen. Berührt lauscht die FAZ Frank Schulz' Erzählungen von "Anmut und Feigheit". Erschüttert, aber ohne Sympathie liest die Welt Briefe von Elias Canetti. Die taz verdankt der Künstlerin Patrizia Bach einen tiefen Einblick in Walter Benjamins Denkgebäude. Beeindruckt liest sie auch Sebastian Barrys Western "Tage ohne Ende".
Montag, 24.09.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
24.09.2018 Wer glaubt, er habe seine "Wurzeln" gefunden, weil ein paar seiner Gene auf
Native Americans oder Afrikaner verweisen, irrt sich wie ein Rassist,
meint Kenan Malik im Observer. Im Tagesspiegel wünschen sich Max Czollek und Hadija Haruna-Oelker ein buntes Deutschland. Ebenfalls im Tagesspiegel wird über die Frage gestritten, ob Linksextremismus so schlimm sein kann wie Rechtsextremismus. In Amerika gründet laut New York Times der Erfinder von Craig's List ein Blog, das die Tech-Giganten unter die Lupe nimmt.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.09.2018 Nachtkritik und NZZ geraten in Zürich mit Chris Kraus ins feministisch-crossreferentielle Delirium. Die SZ reiht sich beim Steirischen Herbst in die Volksfronten ein, während Yoshinori Niwa den Grazern kostbare Memorabilien abluchst. Außerdem steigt sie noch einmal mit Prince in zärtlichste Falsetts auf. Die Jungle World würdigt die obskuren Expertisen, die sich in den Kellern des kanadischen Edmonton entwickeln. Wolf Wondratschek wünscht sich mehr Leser mit Stift in der Hand.
Medienticker
24.09.2018 Aktualisiert: Wie die Zeitung lebt: 15 Gedanken über Print, Journalismus & die Zukunft - Qualität von Lokalzeitungen: Bloß nicht kritisieren & Brauchen wir mehr Journalismusförderung? - Vielfalt & Ausgewogenheit: Sind Medien, die keine "rechten" oder "populistischen" Meinungen bringen, "einseitig"? - Ian Buruma: Der Chefredaktor der New York Review of Books verlässt das Blatt + "Tübinger Memorandum": Glanz und Elend kleiner Verlage.
Bücherschau des Tages
24.09.2018 Warum soll das Drunter und Drüber nicht als poetisches Konzept taugen?, fragt die taz vergnügt nach Philipp Weiss' tausendseitigem Romandebüt "Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen". Suggestiv findet sie auch Danielas Dröschers auf Eribons Spuren wandelnden Essay "Zeige Deine Klasse". Die SZ überschreitet mit Dirk Baecker die Schwelle zur Epoche 4.0. Und die FAZ stellt neue Kinderbücher vor, berühtt ist sie von Nikola Huppertz' und Tobias Krejtschis Bilderbuch "Meine Mutter die Fee".
Dienstag, 25.09.2018
Magazinrundschau
25.09.2018 Die NYRB vollführt den Sturz des Mannes. Im New York Magazine beobachtet Andrew Sullivan, wie die USA in Stämme zerfallen. Dass russische Trolle dies mit 126 Millionen Facebook-Account befördert haben, erfährt der New Yorker. Für La vie des idées gilt auch in Flüchtlingsfragen: Nicht jede schlagkräftige Metapher trifft. Elet es Irodalom fürchtet um Ungarns säkulare Erinnerungskultur. Und auf Pitchfork erzählt Simon Reynolds die Geschichte des Autotunes.
Efeu - Die Kulturrundschau
25.09.2018 Der Guardian steht in der Ozeanien-Ausstellung der Royal Academy vor der Göttin Dilukai und erblickt den Ursprung moderner Kunst. Die NZZ erlebt in Barrie Koskys Züricher Schreker-Inszenierung, wie die geschundene Kreatur zurückbeißt. In der FAZ erkennt Wilhelm Genazino: Werke sagen nicht zuwenig, meist sagen Worte zuviel. Als Pizza mit ein bisschen viel drauf genießt Republik.ch Terry Gilliams Cervantes-Verfilmung ""The Man Who Killed Don Quixote".
9punkt - Die Debattenrundschau
25.09.2018 Das österreichische Innenministerium weist die Polizei an, mit bestimmten Medien nur noch selektiv zusammenarbeiten - sofern die Berichterstattung positiv ist, berichten Kurier und Standard. Rumänien reiht sich mit einem Referendum gegen Homoehe in die ultrakonservativen Bewegung in Osteuropa ein, warnt die Aktivistin Evelyne Paradis bei politico.eu. Die New York Times erzählt, wie der stellvertretende US-Justizminister Rod Rosenstein fast gefeuert wurde. Und in der SZ verteidigen zwei Bayern Chemnitz.
Medienticker
25.09.2018 Aktualisiert: BND will der Presse nichts mehr sagen müssen - "Staatliche Aufgabe": ARD-Chef Ulrich Wilhelm will "Super-Mediathek" nicht aus Gebühren finanzieren - Türkei: Gericht lehnt Entschädigung für Denis Yücel ab - US-Netzpolitik: Trump gegen Google & Facebook - Judith Schalansky erhält den Wilhelm-Raabe-Preis - "Deutschland spricht": Von der "Schnapsidee" zum internationalen Vorbild & "Wir entscheiden, wie Deutschland heute spricht", meint Frank-Walter Steinmeier - Analyse: Wie argumentieren Rechtspopulisten? + Brauchen wir Eliten? Gespräch mit Svenja Flaßpöhler über die Beziehung zwischen Volk und Politik.
Bücherschau des Tages
25.09.2018 Wie H.P. Lovecraft, nur besser geschrieben findet die FAZ Rasha Abbas' syrische Geschichten "Eine Zusammenfassung von allem, was war". Die SZ feiert Emil Ferris' innovativen, maßlosen und prall gefüllten Comic "Am liebsten mag ich Monster". Einen schönen Sinn für Dramatik und Atmosphäre attestiert die NZZ dem georgischen Autor Aka Morchiladse. Und die FR streift mit der Fotografin Maria Sewcz durch Istanbul.
Mittwoch, 26.09.2018
Efeu - Die Kulturrundschau
26.09.2018 Im Guardian
fragt Kunstkritiker Jonathan Jones seine deutsche Kollegen, was sie
bitte an der kaltherzigen Pornografie des Martin Eder so toll finden. Die FAZ feiert mit Vasarely die Rückkehr der Siebzigerjahre-Kunst in die Museen. In der SZ erzählt Terry Gilliam von 25 Jahren katastrophaler Produktionsgeschichte seines Cervantes-Epos "The Man Who Killed Don Quixote". Auf ZeitOnline ärgert er sich über die Spießigkeit der Öffentlichkeit. Die Jungle World huldigt dem Krimi-Schriftsteller Cornell Woolrich.
9punkt - Die Debattenrundschau
26.09.2018 Ian Burumas Entlassung oder Weggang bei der New York Review of Books ist ein Schlag für die intellektuelle Freiheit, schreibt Laura Kipnis in der New York Times. In der NZZ fordern die Juristen Thomas Geiser und Ursula Uttinger ein "Recht auf Vergessen" auch gegenüber staatlichen Datensammlern. Und mit der Kanzlerin geht's zuende, spätestens jetzt, vielleicht auch irgendwann, mindestens aber seit 2000, warnt Stefan Niggemeier in den Uerbermedien.
Medienticker
26.09.2018 Aktualisiert: Pressefreiheit international in Gefahr: Eingeschränkte Information, Mediengesetze in Polen & Ungarn und für Trump sind Medien sowieso "Feinde des Volkes"- Morddrohungen gegen Deutsche Welle nach Sendung zu Frauen in Sudan - Türkei: Merkel soll Freilassung von Journalisten öffentlich einfordern - Österreich: Keine "Zuckerln" für Wiener Presse - Zukunft der Zeitung: Wie machen es die anderen? + Claude Monet in der Wiener Albertina.
Bücherschau des Tages
26.09.2018 "Die Hoffnung stirbt am Bosporus": Yavuz Baydars Geschichte der Türkei von 1976-2016 liest sich für die FAZ als fesselndes Protokoll einer Desillusionierung. In der FAZ bespricht Stephan Wackwitz außerdem Mark Mazowers Geschichte seiner Familie, die zugleich einen Einblick in das untergegangene Judentum Osteuropas bietet. Die FR empfiehlt Gerhard Henschels "Erfolgsroman".
Donnerstag, 27.09.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
27.09.2018 "Wie konnte das geschehen", fragt die taz vor dem Erdogan-Besuch: Wie konnte ein einst gefeierter Reformer zum Autokraten werden? Der Recherchedienst bellingcat enthüllt die wahre Identität eines der Skripal-Attentäter. Der BAMF-Skandal war ein Presseskandal, aber über diesen Skandal spricht die Presse nicht, schreibt Lorenz Matzat bei Medium. In der Welt erzählt der Kulturwissenschaftler Manfred Osten, wie China den Westen bis 2050 überholen will.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.09.2018 Die Presse berichtet von einer Düsseldorfer Weltverschwörung gegen Künstlerinnen. Die Welt bummelt mit Christoph Mäckler durch die Frankfurter Neu-Altstadt. Spon kommt mit Depressionen von einem Branchentreff der Kinobetreiber. Die SZ dokumentiert Volker Brauns kapitalismuskritische Kamenzer Rede.
Medienticker
27.09.2018 Aktualisiert: Medien als Spielzeuge von Milliardären - Repräsentativ daneben? Meinungsforschungsinstitut Civey - "Korrekturbitten": Maaßen hat sich bei diesen sieben Redaktionen beschwert & Der BAMF-Skandal ist ein Presse-Skandal - Nach Tumulten im Vorjahr: Buchmesse will rechte Verlage besser kontrollieren + Börsenverein-Solidaritätsaktion zu Erdoğan-Staatsbesuch: Livestream "Lesen für die Freiheit".
Bücherschau des Tages
27.09.2018 Warum der Glaube an die Schönheit des Universums fatal ist für die Physik, lernt die NZZ von Sabine Hossenfelder. Mit Maggie Nelsons "Bluets" verfällt sie der Farbe Blau. Die FAZ liest angeregt einen Sammelband mit Relektüren von zwanzig Klassikern der Holocaustliteratur. Die Zeit denkt mit Stuart Hall über das "Verhängnisvolle Dreieck" Rasse, Ethnie, Nation nach. Und taucht ab mit Guram Dotschanaschwilis so hochtraditonellem wie avantgardistischem Roman "Das erste Gewand".
Freitag, 28.09.2018
Efeu - Die Kulturrundschau
28.09.2018 Die Filmkritiker erliegen der stillen, nachhaltigen Wucht von Eva Trobischs Filmdebüt "Alles ist gut", das die Geschichte nach einer Vergewaltigung erzählt. Die SZ befällt ein leichter Grusel beim Besuch der neuen Frankfurter Altstadt, wo jeder Quadratmeter 5000 bis 7000 Euro wert ist. Die FAZ amüsiert sich bei einer Lesung mit 14 weiteren Besuchern über das literarischen Gaunertum von Arno Schmidt und Hans Wollschläger. Die SZ erleidet einen Zuckerschock mit Nile Rodgers Comeback-Album.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.09.2018 Netzpolitik bringt ein Dossier über Google und die Presse: Millionen Euro werden von Google an deutsche Medien ausgeschüttet - das meiste davon an etablierte Traditionsmedien wie FAZ und Wirtschaftswoche, so die Autoren. In der SZ spricht Julia Angwin von The Markup über algorithmische Tendenzen. In 54books.de weist Berit Glanz Kulturkritik am Medienwandel zurück und fordert doch Subventionen für die Verlage.
Medienticker
28.09.2018 Aktualisiert: 40 Jahre taz: Einst ein Sammelsurium linker Ansichten ist die taz längst erwachsen geworden - Vertrauen in die Verlagszukunft: Julia Jäkel & Peter St John über den Neubau von G+J - Ausverkauf beim Jahreszeiten Verlag: Der unaufhaltsame Niedergang eines Zeitschriften-Imperiums - Kampfaufgabe für Verlage: Change Management: - Alternativer buchästhetischer Diskurs: Offener Brief von Grafikdesignern an die Stiftung Buchkunst + Der Späteste der Späten, eine Huldigung: Eduard Graf von Keyserling zum hundertsten Todestag + TV+Hör-Wochenendtipps.
Bücherschau des Tages
28.09.2018 Die FAZ lernt bei W. Daniel Wilson den antisemitischen Geist der Goethe-Gesellschaft zwischen 1933 und 1945 kennen. Die SZ freut sich über aus dem Nachlass herausgegebenen "Stimmen" von Wolfgang Herrndorf. Außerdem bespricht sie Kinderbücher und empfiehlt besonders einen kindertauglichen Bauhaus-Bildband. Die FR verdankt Louise Penny knallharte Krimikost aus Quebec. Und die NZZ reist mit Markus Ganz zurück zu den Seen und begegnet wundersamen Mischwesen.
Samstag, 29.09.2018
Efeu - Die Kulturrundschau
29.09.2018 Der Tagesspiegel meditiert anlässlich des Europäischen Monats der Fotografie über Zeit und Licht. Die SZ liegt in Paris Annie Ernaux zu Füßen. In seinem Kracauer-Stipendiumsblog feiert Lukas Foerster Claudia Weills Indie-New-York-Film "Girlfriends". Nachtkritik und SZ begutachten am Münchner Residenztheater die Revolution.
9punkt - Die Debattenrundschau
29.09.2018 Der Populismus bricht sich jetzt auch in westeuropäischen Medien Bahn: Für die taz liegt die selektive Versorgung von Medien mit Informationen ganz auf der Linie des österreichischen Innenministers Herbert Kickl. Die New York Times ist entsetzt über die Ernennung des Putinisten und Impfgegners Marcello Foa zum Chef des italienischen Staatssenders RAI. Politico.eu erzählt, wie russische Oligarchen eine Mitgliedschaft Mazedoniens in der EU verhindern wollten. Mehrere Zeitungen berichten vom Historikertag, und über die die Frage über es eine Historiker-Resolution gegen rechts braucht.
Bücherschau des Tages
29.09.2018 Nach Lektüre von Chantal Mouffes "Für einen linken Populismus" entscheidet sich der Politologe Jan-Werner Müller in der FAZ doch lieber für die gute alte Sozialdemokratie. Die FR liest mit Gewinn Wolfgang Englers und Jana Hensels Gesprächsband über "die Erfahrung, ostdeutsch zu sein". Schön aufklärerisch findet die NZZ Stephan Thomes chinesischen Historienroman "Gott der Barbaren". Die SZ versteht mit Annie Ernaux was Klasse ist. Die taz hört James Baldwin.