Montag, 01.02.2010
Heute in den Feuilletons
01.02.2010 Die Washington Post enthüllt, wie viele CDs man verkaufen muss, um auf Platz 1 der amerikanischen Klassikcharts zu landen. Die Beliebigkeit der Literaturkritik ist nicht nur ökonomischem Druck geschuldet, findet die Jungle World. In der NZZ erzählt Angelika Overath von der Verfertigung eines Schulhausromans in Sankt Moritz. Die Zerstörung in Haiti bestürzt mehrere Feuilletons. Die SZ legt nach im Islam-Streit. Die Berliner Zeitung bekennt in der gleichen Sache ihre Ratlosigkeit.
Bücherschau des Tages
01.02.2010 Ist es noch Leben oder schon Literatur?, fragt die SZ nach dem Briefwechsel von Siegfried Unseld und Thomas Bernhard. Außerdem liest sie zu Helmut Kohls anstehendem achtzigsten Geburtstag gleich zwei Biografien des Altkanzlers. Die FAZ bewundert die opulenten Panoramen von Henry Darger und liest Dieter Kühns Was-Wäre-Wenn-Geschichten "Ich war Hitlers Schutzengel" mit einigem Genuss. Und die taz konstatiert: Selbstdemontage betreibt Siri Hustvedt mit ihrem Buch "Die zitternde Frau" nicht.
Medienticker-Archiv
01.02.2010 Warum hängen so viele Literaten an der Flasche? Interview mit Michael Krüger - Der schillernde Rebell: Aribert Reimanns Geschichte der Avantgardebewegungen anhand der Biografie von Dieter Kunzelmann - Gespräch mit Jonathan Franzen und Adam Haslett: "Freiheit ist ein verkrüppelter Begriff" - Runasimi: Versuch über die Dichtkunst im Inkareich - Conan Doyles Krieg der Geister + Die Tismeronauten: Hitlerine an der Volksbühne Berlin.
Vorgeblättert
01.02.2010 Karlo Adum heißt der Held in Miljenko Jergovics neuem Roman "Freelander". Er ist ein pensionierter Lehrer und begibt sich eher widerwillig auf eine Irrfahrt durch Kroatien nach Bosnien und Herzegowina. Zu einer Testamentseröffnung. Lesen Sie hier einen Auszug.
Karikaturen und Cartoons
01.02.2010 Bergauf, bergab.
Dienstag, 02.02.2010
Magazinrundschau
02.02.2010 Alle Macht den Garagenfirmen! In Wired feiert Chris Anderson die nächste industrielle Revolution. Im Espresso erklärt Umberto Eco, warum einige Leute immer noch glauben, die Erde sei eine Scheibe. Der Boston Globe besingt sein Kamel - im Nabati-Stil. In El Pais Semanal beklagt der Soziologe Edgar Morin die Trägheit Europas. Outlook India fragt, warum die Aussies die Inder hassen. Odra und Tygodnik diskutieren immer noch den Wert der Freiheit für die Literatur. In open democracy klagt Salome Surabischwili über die welken Blüten der georgischen Rosenrevolution. In Prospect erklärt Martin Amis haargenau, was einen guten Autor ausmacht. Die NYT porträtiert einen waschechten Dschihadisten aus Alabama.
Heute in den Feuilletons
02.02.2010 Anders als die Kritikophoben gehen die Islamkritiker ein persönliches Risiko ein, meint die NZZ. Nichts ist wohlfeiler als Kritik am Islam, meint dagegen Stefan Weidner im Rheinischen Merkur. Die FR fühlt sich von der Islamdebatte verstört. Spiegel Online berichtet über die geheimen Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen ACTA. In der FAZ sieht der New York Times-Redakteur John Markoff den Ipad auch als ein Statement gegen die sozialen Netze.
Bücherschau des Tages
02.02.2010 Ganz hingerissen ist die FAZ von der schönen und vor Intelligenz sprühenden Modeste, der Heldin in Balzacs viel zu selten gelesener Sittenstudie "Modeste Mignon". Die NZZ liest mit Freude Jenny Erpenbecks Kolumnen "Dinge, die verschwinden". Und die taz begeistert sich für Katharina Sykoras Studie "Die Tode der Fotografie".
Medienticker-Archiv
02.02.2010 Marc Degens über Ruhr.2010 - Wolfram Schütte über Jean Echenoz: "Laufen" - Voynich-Manuskript: Neue Datierung sorgt für Aufsehen - ZDF: Ohne Zweites sieht man besser - Auflage, Auflage, Auflage: Schleuderpreise bei Abonnements - Die Kultur-Flatrate und das Urheberrecht im Internet - Thomas Knüwer: Wie Frank Schirrmacher sich seine Experten aufbläst - E-Books und Buchpreisbindung: Schuss in den eigenen Fuß.
Karikaturen und Cartoons
02.02.2010 Wir werden Touristen ausrauben!
Redaktionsblog - Im Ententeich
02.02.2010 Die heute bekannt gegebenen Oscarnominierungen (hier die Aufzeichnung der Bekanntgabe) waren, abgesehen vielleicht von der Nominierung von Oben in der Rubrik "Bestes Drehbuch", im wesentlichen überraschungsfrei. Rasch in Blogosphäre und auf Twitter kommentiert war freilich der "Rosenkrieg" zwischen Kathryn Bigelow und James Cameron, den geschiedenen Eheleuten, deren Filme in zahlreichen zentralen Rubriken miteinander konkurrieren.
Mittwoch, 03.02.2010
Heute in den Feuilletons
03.02.2010 Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee.
Bücherschau des Tages
03.02.2010 Leichten Herzens nimmt die SZ mit
Roberto Zapperi "Abschied von Mona Lisa". Die FAZ lernt von
Michael Gampels "Elektropoetologie" alles über die gemeinsamen Ursprünge von
Elektrizität und Dichtung. In
Jean-Michel Palmiers Biografie (
Leseprobe) begegnet ihr fast schon der
Walter Benjamin für das 21. Jahrhundert. Die NZZ liest mit Vergnügen
Bernard Becketts Science-Fiction-Roman "Das neue Buch Genesis". Und auch die FR schwärmt jetzt von
Helene Hegemanns "Axolotl".
Bücherbrief
03.02.2010 Joachim Sartorius nimmt uns mit auf die Prinzeninseln. Alma Guillermoprieto schickt uns ins Kuba der Siebziger. Alek Popov füttert uns mit Erzählungen für Fortgeschrittene. Helene Hegemann und Seyran Ates lassen Rezensentenschläfen pochen. Und Barbara Vine serviert eine bildschöne Leiche. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats.
Medienticker-Archiv
03.02.2010 DuMont erprobt neue journalistische Konzepte - Zeitungskrise: Brauchen Zeitungen staatliche Unterstützung? - E-Reader: Keine Alternative zu Tageszeitungen oder: iPad für Verlage sehr interessant? - Monopoly im E-Book-Markt: Amazon gegen Apple und die Rolle der Verlage - Cicero für "denkende Leser": Interview mit Michael Naumann - Freitag: Jakob Augstein im Interview + Privatsender wollen Anteil an Zwangsabgaben.
Karikaturen und Cartoons
03.02.2010 Schwarzgeld im Schwarzwald.
Im Kino
03.02.2010 Fast als Vergnügen stellt es sich Jason Reitmans Komödie "Up in the Air" vor, von George Clooney als luftreisendem Überbringer schlechter Botschaften gefeuert zu werden. In Bewegung gesetzt ist auch die Heldin von Guo Xiaolus preisgekröntem Spielfilm "She, a Chinese" - er erzählt allerdings vor allem, wie man von einer Abhängigkeit in die andere gerät am Rand der Gesellschaft.
Donnerstag, 04.02.2010
Heute in den Feuilletons
04.02.2010 Im Tagesspiegel erklärt der Pädophilie-Experte Klaus Beier, warum die katholische Kirche eine solche Anziehung auf Pädophile hat. Immer schon, wie die SZ vermerkt. Der Freitag bemüht sich um Differenzierung beim Islam: Dschihad heißt sich abmühen. Die taz wäre gegen die Burka, wenn es nicht islamfeindlich wäre, gegen die Burka zu sein. In der Zeit erklärt Werner Herzog, warum er keine andere Wahl hat als Filme zu machen. Die FAZ ermisst den realen Ernst der virtuellen Lage.
Bücherschau des Tages
04.02.2010 Mit Entsetzen und Erschütterung begleitet die SZ den italienischen Journalisten Fabrizio Gatti auf einem Flüchtlingstreck über die Sklavenpiste durch die Sahara. Als präzise und brutale Bestandsaufnahme eines Gefühls preist Pascale Hugue in der Zeit Catherine Millets Buch über die Kehrseite der Libertinage "Eifersucht". Mitunter Tränen gelacht hat sie bei Serhij Zhadans Erzählungen "Hymne der demokratischen Jugend". Gar nicht überzeugt ist die FAZ von Roberto Zapperis "Abschied von Mona Lisa".
Medienticker-Archiv
04.02.2010 Über Boris Groys' "Einführung in die Anti-Philosophie" - Journalismus 2.0: Ist ein Umdenken bei Kommentaren notwendig? - Carta: Zehn gute Gründe, warum man 2009 Blogs lieber gelesen haben sollte - Verkürzte Medienkritik: Liste der in den Medien vernachlässigten Themen - Grimme-Peis: Die Nominierungen - ZDF: Vorschlag zur Reform - Regisseur Jason Reitman im Interview + Welt online legt einen Editionsplan für "Mein Kampf" vor.
Karikaturen und Cartoons
04.02.2010 Genug, Frau Holle!
Freitag, 05.02.2010
Heute in den Feuilletons
05.02.2010 Die Welt staunt über Pat Metheny, der sich mit großem Tüftleraufwand ein Orchestrion zusammenbauen ließ. In der NZZ denkt Thomas Hettche über das Soldatische, aber auch über den Pergamon-Altar nach. Die FR fordert ein Wahlrecht für Migranten. Die FAZ begleitet Österreich in seinem verzweifelten Ringen um Restsouveränität. Die SZ erklärt, wie man Regeln der Scharia übernimmt, ohne den Rechtsstaat zu verraten.
Bücherschau des Tages
05.02.2010 Hellauf begeistert ist die SZ von Thomas Strässles gelehrter, aber menschenfreundlicher Literaturgeschichte über das "Salz", die von Lots Weib bis Durs Grünbein reicht. Die FAZ empfiehlt Arno Geigers "Alles über Sally" als Roman über eine Frau, die während ihrer Ehe immerhin sich selbst treu bleibt. Die FR liest Marcuse.
Medienticker-Archiv
05.02.2010 Aktualisiert: Plagiatsvorwürfe gegen Helene Hegemanns Debüt "Axolotl Roadkill" - Was Vorratsdatenspeicherung wirklich bedeutet - Interview mit Mozilla-Chefin Mitchell Baker: "Wir arbeiten gegen die dunkle Seite" - Digitale Neandertaler: Wozu noch Journalismus? und Ernst Elitz' Check und Gegencheck - Revolution Now! in Berlin: Casting für den Ein-Frau-Aufstand - Peter Stamm über das schlechte Gewissen der Schweizer.
Karikaturen und Cartoons
05.02.2010 Kunststück.
Dokumentation
05.02.2010 Herta Müller unterstützt in einem Brief an die Nobelstiftung den Vorschlag, Liu Xiaobo mit dem Friedensnobelpreis auszuzeichnen, "weil er trotz aller Drohungen des Regimes in China und der Gefahr für sein Leben unbeirrt für die Freiheit des einzelnen Menschen eintritt".
Samstag, 06.02.2010
Heute in den Feuilletons
06.02.2010 In der FAZ sieht Stephen Baker das menschliche Gehirn auf dem Rückzug. Die NZZ fragt, ob Apple das Internet in kleine herstellerabhängige Netze zerschlagen wird. Die Welt trifft die Deutschen in der Kälteregion des Daseins. Die taz erkennt mit Thea von Harbou auf die List der Geschichte. In der FR beklagt Ulrich Beck die McDonaldisierung der Universitäten. Der Tagesspiegel begibt sich auf die Spur des Clans, der Hatun Sürücü ermorden ließ. Und im Perlentaucher unterstützt Herta Müller die Forderung nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo.
Bücherschau des Tages
06.02.2010 Mächtig beeindruckend und beeindruckend mächtig findet die NZZ Ma Jians Roman "Peking Koma" über die Ereignisse von 1989. Die NZZ bespricht außerdem moderne chinesische Lyrik und hat an einem Körper Obamas genug. Die FR feiert Ulrike Draesners neuen Roman. Der taz graut es vor den Karnevalisten der Nazizeit. Außerdem kann sie mit J.M. Coetzees "Sommer des Lebens" nicht allzuviel anfangen.
Essay
06.02.2010 Von Vaclav Havel bis zum amerikanischen PEN: Viele unterstützen die Nominierung Liu Xiaobos für den Friedensnobelpreis. In Deutschland aber bisher nur Herta Müller. Und sonst regt sich kaum ein Hauch.
Montag, 08.02.2010
Heute in den Feuilletons
08.02.2010 Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien.
Bücherschau des Tages
08.02.2010 Begeistert liest die FR Arno Geigers Roman "Alles über Sally" über ein ganz normales Akademiker-Paar in unglücklicher Ehe. Beeindruckt ist die SZ von Barbara Beuys' Porträt der Sophie Scholl. Peter Probst folgt sie freudig in den schmutzigen Teil Münchens.
Vorgeblättert
08.02.2010 Großartig erzählt Christopher Isherwood in "Löwen und Schatten" von seiner Schul- und Studienzeit in London und Cambridge in den zwanziger Jahren, von seinen ersten Schreibversuchen und seinen ersten Freunden und Liebhabern. Hier eine Leseprobe.
Medienticker-Archiv
08.02.2010 "Grasblätter": Walt Whitmans Hymnen auf eine erwachende Nation - Die Dekonstruktion mit den Mitteln der Spiritualität: Benjamin Steins Roman "Die Leinwand" - Der Streit der Nachrichtenagenturen - Augsteins "Freitag" druckt die Community - Kommentare: Die "Premium-Portale" und die Rolle der Leser - 25 Jahre Coen-Kino: Eine Retrospektive in Texten + Coole Selbstinszenierung nach szenetauglicher Maßgabe.
Karikaturen und Cartoons
08.02.2010 Ganzheitliche Partialgenesung?
Dienstag, 09.02.2010
Magazinrundschau
09.02.2010 England, nicht Nigeria gehört auf eine Liste mit Terrorstaaten, ruft der nigerianische Nobelpreisträger für Literatur, Wole Soyinka, in The Daily Beast. In Prospect bittet Tim Berners-Lee: Spielt mit unseren Daten! In Rue 89 erklärt Beppe Grillo, warum er Sarkozy gefährlicher findet als Berlusconi. In Tygodnik Powszechny trauert Stefan Chwin um die polnischen Idealisten. In The Nation erklärt Lawrence Lessig blitzklar, warum Großspenden den Parlamentarismus zerstören. Polityka erzählt, an wen ein Pole sich wendet, wenn er nicht heiraten darf. In Salon spaziert Olga Tokarczuk mit einem Weichselzopf durch Amsterdam. Der Guardian denkt an armenische Frauen, die ihre nackten weichen Brüste an einem Stein reiben.
Heute in den Feuilletons
09.02.2010 Das Wall Street Journal attackiert das "German Cultural Appeasement". Das Chinese Law Prof Blog bringt Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren verurteilte: eine Weigerung zu hassen. Die FR bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron. Die FAZ bringt: Hegemann - Hermeneutik und Kritik. Die NZZ bilanziert die Auswirkungen des Erdbebens auf die Kulturlandschaft Haitis. Und die Welt fragt: Was machen Niall Ferguson und Ayaan Hirsi Ali denn da? Schmusen die?
Bücherschau des Tages
09.02.2010 Großer Bahnhof für J.M. Coetzee: Zu seinem Siebzigsten preisen FAZ, FR, NZZ und SZ den neuen autobiografischen Roman "Sommer des Lebens" als "grandios", "raffiniert" und "wahrste, kühnste und unterhaltsamste Literatur". Sehr lieb ist der NZZ die Anti-Hysterie von Arno Geigers Eheroman "Alles über Sally". Die taz feiert Amir Hassan Cheheltans großartigen Roman "Teheran Revolutionsstraße".
Medienticker-Archiv
09.02.2010 Wolfram Schütte: Was in einer hessischen Schlangengrube alles möglich ist - Endgültiges Aus für Zensursula-Justiz: Koalition kippt Internet-Sperrgesetz - Christoph Schlingensiefs Zusammenführung von Leben und Kunst in Laogo - Martin Walsers Jenseits: "Sterbehilfe ist die Avantgarde", ein Interview - Theaterkritik online: Koltes, Schiller, Euripides und die Beatles - Irrt die Bibel? Das Alte Testament auf dem Prüfstand.
Karikaturen und Cartoons
09.02.2010 Mondsüchtige Vollbeschäftigung.
Virtualienmarkt
09.02.2010 Plötzlich ist die universale digitale Weltbühne nur noch von diversen Kaisern mit ihren Allmachtsansprüchen besetzt, und Steve Jobs führt die Truppen der Gegenreformation. Für alle anderen bleibt nur noch Platz in den Ritzen.
Dokumentation
09.02.2010 Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu, Autor von "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser", darf China nicht verlassen, um zur lit.cologne zu reisen. In einem Offenen Brief wendet er sich an die Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Lassen Sie es nicht zu, dass die Literatur erneut von der Macht gedemütigt wird!"
Redaktionsblog - Im Ententeich
09.02.2010 Im Jahr 2000 einigten sich 191 Regierungen darauf, die Weltarmut bis 2015 zu halbieren. NoTimeLeft ist eine Kampagne, den Verantwortlichen in Erinnerung zu rufen, dass die Frist in fünf Jahren abläuft. Acht namhafte Arthouse- und World-Cinema-Regisseure haben zu diesem Zweck Kurzfilme beigesteuert, um auf durch Armut verursachte Missstände hinzuweisen. Die Filme sind im YouTube-Channel des Projekts zu sehen. (via)
Mittwoch, 10.02.2010
Heute in den Feuilletons
10.02.2010 In der NZZ erklärt der Psychiater und Schriftsteller Ion Viona, warum das heutige Rumänien auf Treibsand gebaut ist. ReadWriteWeb äußert datenschutzrechtliche Bedenken gegen Google neuen sozialen Dienst Google Buzz. Der Spott auf Bernard-Henri Levy, dessen neueste Kant-Kritik auf einem Fake beruht, ist groß. Die Hegemann-Remix-Affäre ist in die Phase der Meta-Betrachtung eingetreten.
Bücherschau des Tages
10.02.2010 Für verlängerte Zugfahrten empfiehlt die FR das "Schwarzbuch Deutsche Bahn" von Christian Esser und Astrid Randerath. Gern gelesen hat die SZ Sebastian Barrys neoromantischen Irland-Roman "Ein verborgenes Leben". Aus gegebenem Anlass liest die FAZ noch einmal Philipp Theisohns Literaturgeschichte "Plagiat". Die NZZ liest Nietzsche und empfiehlt Oliver Jens Schmitts Biografie des albanischen Nationalhelden "Skanderbeg".
Medienticker-Archiv
10.02.2010 Das deutsche Spiel wird 100: Hommage an eine Institution - Wunschbilder und enttäuschte Hoffnungen: Über Marc Lindemanns Afghanistan-Buch - Was ist der Mensch? T. C. Boyles "Das wilde Kind" - Martin Suter über Affären, Abstimmungen und Autobiografien - Sperren oder Löschen? Die Vorteile eines freien Netzes überwiegen seine Nachteile - Brüllen gegen Google: Die Street-View-Debatte + Islamisten lesen keine Feuilletons.
Karikaturen und Cartoons
10.02.2010 Hoffnung für die Hoffnung!
Donnerstag, 11.02.2010
Heute in den Feuilletons
11.02.2010 Im Freitag erzählen die Gregors, wo sie im Kino immer sitzen und wo man heute Filme von Hans Richter findet. Im Tagesspiegel erinnert sich Volker Schlöndorff an unvergessliche Berlinalemomente. In der SZ erklärt Werner Herzog wie man seine eigene Berlinale organisiert. In der FAZ sieht der Theologe Manfred Lütz keinen Zusammenhang zwischen Zölibat und Pädophilie. Die Zeit feiert Googles Street View als Glücksfall für den Verbraucherschutz.
Bücherschau des Tages
11.02.2010 Die Zeit preist Martin Walsers Novelle "Mein Jenseits", die immerhin Erlösung im Schrulligen verspricht. Als präzise auf den Ekelpunkt hin geschrieben lobt sie Don Winslows Krimi "Frankie Machine". Die FAZ liest Jacob Burckhardts "Geschichte des Revolutionszeitalters". Die NZZ empfiehlt noch einmal Katharina Hackers "Alix, Anton und die anderen". Und die SZ ist begeistert von dem Buch "Treppe Fenster Klo", das die verrücktesten Häuser der Welt versammelt.
Medienticker-Archiv
11.02.2010 Frank Schirrmacher im Gespräch mit Alexander Kluge - Neuer Plagiatsfall: Piper Verlag nimmt Jens Lindners Krimi-Debüt "Döner for one" vom Markt - Literaturhäuser ohne Geld - Tim Renner: Der berechenbare Pop - Der Autor und Videoblogger Markus Henrik: Generation Protest 2.0 - Robert Basis 5.442-Zeichen-Rage gegen Blog-Kritik - Viktor Klemperer: Populär aus Not - Hanna Schygulla: Vom Anti-Star zum Berlinale-Ehrenbären 2010 + Hegemann auf der Shortlist für den Leipziger Buchpreis.
Karikaturen und Cartoons
11.02.2010 Einheitsgröße für falsche Pillen?
Außer Atem: Das Berlinale Blog
11.02.2010 Eine pikante Situation: 50 Jahre nach der Trennung von China und Taiwan, die zahllose Familien zerriss, kehrt der einstige Soldat Liu zu seiner Ex-Frau Yu-E aus dem taiwanesischen Exil zurück. Seine taiwanesische Frau ist vor kurzem gestorben, Yu-E wiederum ist mittlerweile Großmutter einer ansehnlichen chinesischen Familie. Was als Wiedersehen beginnt, scheint bald eine Zerreißprobe in Aussicht zu stellen: Liu ist entschlossen, Yu-E nach Taiwan mitzunehmen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
11.02.2010 "Vom Gehen im Eis" lautet der erhabene Titel von Werner Herzogs Tagebuch über seine legendäre Wanderschaft per pedes von München nach Paris, mit der der Regisseur die kranke Lotte Eisner heilen wollte.
Kein Opfer, eine Erlaubnisverweigerung sah er darin: "Der Eisnerin wird mit physischem Nachdruck die Erlaubnis entzogen, zu sterben.", sagt er vor kurzem im Interview mit der Zeit, das mit "Herr der Schmerzen" passend pathetisch überschrieben war.
In der Berliner Zeitung macht Harald Jähner das deutsche Grimmig-Schöne als Ursache für Herzogs jüngste Popularität in den Staaten
Außer Atem: Das Berlinale Blog
11.02.2010 
40 Jahre ist das Forum alt und damit zwar zwanzig Jahre jünger als die große Berlinale, aber doch auch selbst ein wenig in die Jahre gekommen. Als politisch engagiertes
Gegenfestival war man 1970 angetreten, inzwischen ist das
Internationale Forum des jungen Films fest in die Berlinale integriert. Es sucht auch nicht mehr das Gegenkino, sondern
begreift sich als "Laboratorium für den Mainstream". Und doch: Die
besten (
neuen wie alten) Filme der Berlinale laufen auch dieses Jahr aller Voraussicht nach wieder im Forum.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
11.02.2010 Ein Filmfestival von der Größe der Berlinale ist immer vieles auf einmal. Ein Wirtschaftsunternehmen zuerst, das auf die Gunst von staatlichen Geldgebern und privaten Sponsoren angewiesen und von beiden darum zu einem gewissen Grad abhängig ist. Den Gönnern hat es etwas zu bieten, ein Renommee, das sich Stars auf roten Teppichen sehr viel eher als großer Filmkunst verdankt. Ein A-Festival wie die Berlinale ist zugleich ein Ereignis, auf das die machtvollen Interessen der nationalen Filmproduktion starken Druck ausüben. Man will eine Leistungsschau des im eigenen Land produzierten Kinos, also möglichst viele "eigene" Filme im Wettbewerb. Die Granden der Industrie, die in Deutschland gar keine, sondern ein stark fernsehgestützter Subventionsbetrieb ist, sitzen dem Festivalleiter unweigerlich im Genick. Dazu kommt ein längst globalisierter Verkaufsbetrieb mit den Filmverkäufern als einflussreichen Figuren, die jedes Festival in die Knie zwingen könnten, das sich den in Euro und Cent artikulierten Absichten allzu deutlich verweigert. Damit ist nicht der separat stattfindende Markt angesprochen, sondern insbesondere der Wettbewerb als Börse, die Aufmerksamkeitswerte handelt.
Freitag, 12.02.2010
Heute in den Feuilletons
12.02.2010 Die Welt verteidigt Jungfer Hegemann gegen alte Feuilletonbürokraten. Die taz wünscht sich, die Literaturkritik hätte Hegemanns Roman etwas weniger großkotzig gefeiert. In der FAZ erklärt Airen: Hegemanns Buch wäre auch ohne meine Stellen cool. Außerdem streitet sich Oscar Roehler mit Angela Schanelec und Benjamin Heisenberg. In der SZ möchte Hamid Dabashi, dass sich der Islam mit einem pluralistischen Gesellschaftsmodell abfindet. Die FR denkt über die Entstehung programmatischer Einheit nach. Die Berliner Zeitung fürchtet die Einführung einer Internet-Guillotine in Frankreich.
Bücherschau des Tages
12.02.2010 Ein dringende Empfehlung gibt die FAZ für John Cheevers Short Stories "Der Schwimmer" aus, in denen sie Ironie, urbane Eleganz und eine pointierte Erzählweise findet. Die FR schwärmt von Lukas Hammersteins Roman "Wo wirst du sein" aus den Zeiten der Finanzkrise. Und die NZZ lernt alles über Berner HipHop und Mundart-Rock bei Samuel Mumenthaler.
Medienticker-Archiv
12.02.2010 Manfred Bissinger: Wie Journalismus aussehen sollte - People-Magazine: Träumt weiter! - Islamisten: Wole Soyinka und die Angst der afrikanischen Eliten - Leben in der Zeitschleife: Charles M. Schulz starb vor zehn Jahren - Versuch, das "Kompositionistische Manifest" zu schreiben - Wer kümmert sich eigentlich um die Archäologie von Festplatten - Rocklegende Jeffrey Lee Pierce: Elektrisiert von dunkler Energie + Zölibat als Therapie für Pädophile?
Karikaturen und Cartoons
12.02.2010 Krisenmusik.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
12.02.2010 Am gnadenlosesten schnappen immer die Fallen zu, in die man sehenden Auges lief.
Polanski ist der Filmemacher der bösen Ahnung, einer uranfänglichen Unbehaglichkeit, aus der man wie im Alptraum nicht zurück kann.
Noch bevor irgendetwas passiert ist, spürt der amerikanische Arzt Richard Walker in "Frantic", dass Paris ihn nicht willkommen heißt.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
12.02.2010
"Howl", der Film, ist natürlich totaler Quatsch, aber er hat ein, zwei Attraktionen.
Quatsch ist er, weil nicht mehr als ein hochgepimpter Fernseh-Schulfilm, kleines ABC der Beat Generation, hipsterköpfiger Breloer.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
12.02.2010 Eine Klappe öffnet sich, ein Mann schaut heraus, blickt nach oben. Der Himmel verdunkelt sich. Dunkle Wolken mit Greifzangen an beiden Seiten fliegen auf ihn zu. Er schließt den Verschlag wieder. Mit diesem Mini-Prolog beginnt "Kanikosen", der neue Film des japanischen Regisseurs Hiroyuki Tanaka. Hiroyuki Tanaka aka Sabu, der bis Anfang des Jahrzehnts in schneller Folge eine Serie kleiner, kreativer Genrefilme vorgelegt hatte und durch sie mindestens zum Geheimtipp unter den jungen japanischen Regisseuren avanciert war, hatte vor diesem Film eine kreative Pause eingelegt. Nun ist er zurück, mit einem ziemlich sonderbaren Film.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
12.02.2010 
Vor vier Jahren präsentierte das Forum "Dear Pyongjang" (hier mehr in einem pdf-
Dokument), einen kleinen Dokumentarfilm über einen Besuch der Regisseurin
Yang Yong-hi und ihrer exilkoreanischen Familie bei der Verwandtschaft in Nordkorea. Eindrucksvolle Bilder aus einer im Allgemeinen hermetisch abgeriegelten Welt, aber auch die tragische Familiengeschichte, die hinter diesen Bildern zum Vorschein kam, machten den Film zu einem der stärksten seines Berlinalejahrgangs.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
12.02.2010 Bei Youtube gibt's zwei Ausschnitte aus Shimazu-Filmen. Der erste, aus "The Trio's Engagement", ist nicht untertitelt. Man guckt trotzdem fasziniert zu, weil der Boss - es scheint um ein Einstellungsgespräch zu gehen - ausgiebig an seinem Adolphe-Menjou-Bärtchen zupft. Die Männer tragen alle westliche - und sehr schick taillierte - Anzüge.
Samstag, 13.02.2010
Heute in den Feuilletons
13.02.2010 In der FR nimmt Axel Lottel zu der Affäre um Axolotl mutig, wenn auch anonym Stellung. Das Leben selbst liefert die Literatur ohnehin nicht, meint die taz in einem weiteren Nachtrag zur Debatte. Wer seine Vergangenheit unter den Teppich kehrt, bei dem gärt's halt unter dem Teppich, ruft die tschechische Autorin Radka Denemarkova in der Welt an die Adresse ihrer Landsleute. In der SZ besingt Stefan Weidner die reinigende Kraft der Islamdebatte in unseren Medien. Die NZZ sucht nach Vorläufern zur Wikipedia im 18. Jahrhundert.
Bücherschau des Tages
13.02.2010 SZ und taz haben Martin Walsers Novelle "Mein Jenseits" als erzähltes Glaubensbekenntnis und mit großem Vergnügen gelesen, die FAZ fand das Buch auch "ganz gut". Außerdem feiert die FAZ Paulus Hochgatterers Roman "Das Matratzenhaus". Die taz verortet Arno Geigers Roman "Alles über Sally" zwischen "Anna Karenina", "Ulysses" und den "Sopranos". Die NZZ liest bewegt Fabrizio Gattis Bericht "Bilal" über den Menschenhandel vor den Toren Europas. Und die SZ begrüßt "Die Form der Unruhe", ein vielleicht avantgardistisches Manifest von rebell-tv.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2010 Zum eigenen 60. Geburtstag hält die Berlinale allenthalben Rückschau. Eine (sacht sinnbefreite) DVD-Edition versammelt vornehmlich Filme aus dem Wettbewerb, die es ohnedies schon auf DVD gab, die tendenziell ähnlich konservativ kuratierte Retro ist davon nicht weit entfernt. Ein in Vergessenheit geratener Wettbewerbsgewinner findet auch hier keine Erwähnung: Der türkische Film "Trockener Sommer" von Metin Erksan aus dem Festivaljahrgang 1964. Unser Kritiker Ekkehard Knörer zeigt sich im Cargo-Blog begeistert.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2010 "Vernunft ist keine Option, für die man sich frei entscheidet", sagt Dr. Cawley (Ben Kingsley) an einer Stelle. Die Patientin, über die er spricht, lebt, seit sie ihren Nachwuchs ertränkt hat, in einer fiktiven eigenen Welt, in der Psychologen Postboten, Ärzte Milchmänner und die Kinder in der Schule sind. Im Verlauf von "Shutter Island", Martin Scorseses Rückkehr zum Psychothriller mit Gothic-Horroreinschlag, beschleicht einen zunehmend das Gefühl, dass es dem Regisseur mitunter ähnlich ergeht. Die Karnickel, die er mit großer Geste aus dem Hut zieht, die Tricks aus den Schubladen der Filmgeschichte, die Scorsese hier zur Anwendung bringt, stehen einem als solche lange schon vor Auge, während der Regisseur noch von der Virtuosität seines Treibens völlig überzeugt ist.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2010 
Silviu Chiscan ist 19 Jahre alt und Insasse eines rumänischen Jugendgefängnisses. Kurzrasierte Haare, bullig, eine Narbe auf der Stirn. Die anderen Insassen sehen mehr oder weniger genauso aus. Gemeinsam nehmen sie Mahlzeiten ein, spielen dazwischen Fußball oder arbeiten, handeln untereinander mit Zigaretten und prügeln sich. Silviu steht kurz vor seiner Entlassung. Der Oberwärter, der ihn im ersten Filmdrittel zu sich zitiert, scheint ihm keine Steine in den Weg legen zu wollen. Vor der Entlassung soll er einen Fragebogen ausfüllen, der seine psychosoziale Befindlichkeit betrifft. Er interessiert sich weniger für den Bogen, als für die
Praktikantin, die ihm beim Ausfüllen helfen soll. Aus der Bahn werfen wird ihn aber nicht das Mädchen, sondern der Besuch seines Bruders.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2010 Der journalistischen Transparenz wegen: Wir berichten live aus dem Innern des Berlinale Palast:
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2010 Benjamin verkauft Nachthemden im Textilgeschäft seiner Mutter in der örtlichen Mall. In einer großartigen Sequenz bekommt er Besuch von Tabatha (Halley Feiffer). Während hinter ihm die bunten, langen Nachthemden adrett nebeneinander geordnet sind, sieht man hinter Tabatha die Schusswaffen des Nachbargeschäfts. Benjamin wird bei Tabatha keine Chance haben. Er schreibt ohnehin lieber Science-Fiction-Romane, als Nachthemden zu verkaufen. Und auch seine Mutter designt in ihrer Freizeit lieber Kleider, die gut in die Romane ihres Sohnes passen würden. Außerdem backt sie bizarre Kugeln aus Popkorn, die sich wie eine Seuche im Film verbreiten und überall kleben zu bleiben drohen. Mutter und Sohn wohnen irgendwo in der amerikanischen Provonz, vielleicht in Utah, dem Heimatstaat des Regisseurs Jared Hess. Eigentlich wohnen die beiden natürlich zuallererst in Jared-Hess-Country. Einem Ort, den man in "Napoleon Dynamite", Hess' vorzüglichem Erstling, ausführlich kennengelernt hat. Einige Details scheinen direkt aus diesem Erstling übernommen, wie etwa der Zaun hinter dem Haus der Familie, von dem aus Benjamin und Dusty, der neue Freund der Mutter, ekelhafte Pfeile mit einem Blasrohr verschießen. In "Napoleon Dynamite" stand hinter dem Zaun ein Lama.Benjamin hat allerdings im Film nicht viel Zeit für solchen Unsinn.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2010 
In "Son of Babylon" reisen eine alte Frau und ihr 12-jähriger Enkel Ahmed durch den
Irak, um den Vater des Jungen zu suchen, den Musiker Ibrahim, der 1991 von der Republikanischen Garde verschleppt worden war. Die beiden sind Kurden und ihre Reise führt vom Nordirak über Bagdad in den Süden Babylons, nach Nasiriya. Hier soll Ibrahim im Gefängnis sitzen. Doch die Gefängnisse sind leer.
Männer mit langen Listen sitzen heute davor, die versuchen, den Angehörigen bei der Suche nach Verschollenen zu helfen. Ibrahim steht auf keiner Liste. Und irgendwann begreift die Großmutter: nicht in den Gefängnissen, in den
Massengräbern muss sie suchen, die überall im Land ausgehoben werden.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
13.02.2010 Nicht "Kaan", sondern "Chraan" spricht man den Nachnamen des größten lebenden Filmstars unserer Zeit aus. Das lernt man in aller Ausführlichkeit in Shah Rukh Khans neuem Film "My Name is Khan", in dem er die anderen Charaktere immer wieder zurechtweist: "Chraan, from the epiglottis, the epiglottis". Der Name ist nicht die einzige Gemeinsamkeit von Filmfigur und Schauspieler. Der gesamte Film hat eine starke autobiografische Note. Genauer gesagt: Er geht vom Autobiografischem aus und extrapoliert dasselbe ganz unverschämt ins Quasimythologische und Geopolitische.
Sonntag, 14.02.2010
Außer Atem: Das Berlinale Blog
14.02.2010 Wenn man für ein Festival akkreditiert ist und von Auftrags wegen auf eine Schiene des Festivals abonniert ist, ergeben sich manchmal hübsche Überraschungen: Da ich sowieso die Wettbewerbsvorführungen um 12 Uhr besuche, schaue ich (meist) im Vorfeld gar nicht erst näher hin, was mich erwartet.
Entsprechend erstaunt war ich, als sich in "Greenberg" plötzlich Ben Stiller (in der der Titelrolle) mit verwuschelter Frisur ins Bild dreht und - er hatte kurz zuvor einen Nervenzusammenbruch - verstört ins Telefon flüstert: "Da sind Leute im Pool."
An dieser Stelle ist der Film schon einige Minuten alt und hat bis dahin seine Signale deutlich gesendet: Indiewood.
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14.02.2010
Das Titelbild ist altmodisch.
Dann drei Schüsse und durch drei Risse im Bild dringen Lichtstrahlen.
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14.02.2010 Ich gebe, bevor ich hier als der Berliner Schlechte-Laune-Bär abgestempelt werde, zu Protokoll, dass mir die beiden Wettbewerbsfilme "My Name is Khan" (warum der außer Konkurrenz läuft, weiß der Kosslick) und "If I Want to Whistle, I Whistle" von Florin Serban auf ihre sehr unterschiedliche Weise jeweils sehr imponiert haben. "Submarino" von Thomas Vinterberg allerdings hat das nicht. Der Film ist eine Zumutung, was noch kein Werturteil ist. Aber er ist mächtig stolz darauf, eine Zumutung zu sein, darauf, seine Figuren und seine Zuschauer so richtig tief in die Scheiße tunken zu können. Und dieser Stolz ist zum Kotzen. Dieser Stolz, und mehr noch die Tatsache, dass er dem Film aus jeder Pore entströmt, machen diese Geschichte zweier Brüder, denen "das Leben" (in Wahrheit natürlich das Drehbuch) nichts erspart, zum Miserabilismusporno erster Kajüte. Kurze, unvollständige Aufzählung des Elends, das sie und wir mit ihnen durchwaten: trunksüchtige Mutter, "Schuld" am Tod des kleinen Bruders, erst kaputte, dann abbe Hand, Drogensucht, lautes Radio des Nachbarn, Taufname per Telefonbuch, schwer pathologischer fetter bester Freund, Geldsorgen sowieso, Vollbart, Ex-Frau jetzt mit Baby eines anderen Mannes, Tod der Mutter, schwermütige Indie-Musik, Höllenfahrt mit Frauenchören, überfahrene Ehefrau, grisselgraue
Außer Atem: Das Berlinale Blog
14.02.2010 
Zur Titelsequenz und laut aufgedrehter Musik tanzt Lea (Lea Seydoux) verführerisch und zieht sich dabei aus. Für die Kamera, der sie sehr dicht
zu Leibe rückt, und für Sam (Yannick Renier). Der ist für ihre Reize unempfänglich. Sam ist schwul, genau wie Leas Bruder Mathieu. Die drei sind gemeinsam im Auto unterwegs, in Richtung Süden und vorerst reagiert Sam auf Mathieus Avancen nicht anders als auf die Leas. In einem Einkaufszentrum treibt Lea einen brünett gelockten vierten Reisegefährten auf, was dem erotischen Gleichgewicht zumindest mittelfristig guttun wird.
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14.02.2010 Abu Jandal war einst Osama bin Ladens Leibwächter. Die Attentäter des 11. September kannte er allesamt persönlich, aus ihrer Zeit in Al-Qaida-Trainingscamps in Afghanistan. Jandal selbst saß im Jemen im Gefängnis, als das World Trade Center kollabierte. Ob er mit in eines der Flugzeuge gestiegen wäre, wenn bin Laden ihn gefragt hätte, will Regisseurin Laura Poitras an einer Stelle von ihm wissen. Er sagt nein, aber man darf da, angesichts seiner sonstigen Aussagen, als Zuschauer durchaus Zweifel anmelden. Nach 9/11 wurde Abu Jandal dann von der CIA verhört und war schnell geständig. Seine Aussagen erwiesen sich im Zug des Afghanistanfeldzugs als äußerst hilfreich für die USA. Zwei Jahre darauf wurde er aus der Haft entlassen, im Rahmen des jemenitischen Al-Qaida-Aussteigerprogramms, das erst kürzlich für Schlagzeilen sorgte, weil an der Vorbereitung des gescheiterten Attentats auf den Flughafen Detroit zwei Absolventen des Programms beteiligt gewesen sein sollen. Dass der Jemen nicht gerade der perfekte Ort ist, um islamistische Terroristen zu rehabilitieren: auch das zeigt dieser Film. Vor allem aber ist "The Oath" ein Porträt, das schon ob seiner bloßen Existenz erstaunt. Unglaublich nah heran kommt Laura Poitras an Abu Jandal, der nach seiner Entlassung begonnen hat,
Montag, 15.02.2010
Heute in den Feuilletons
15.02.2010 Der Fall Hegemann treibt die Medien doch noch um: Die FAZ am Sonntag brachte eine flammende Verteidigung der Jungautorin gegen den Hass, der ihr entgegenschlage. Auch die New York Times berichtet jetzt. Und in BoingBoing erklärt ein Leser den Unterschied zwischen Remix und Plagiat. In der taz spricht die Regisseurin Feo Aladag über ihren Film "Die Fremde", der das Thema Ehrenmord aufgreift. Die FAZ erläutert die Kritik der Chinesen am Universalismus.
Bücherschau des Tages
15.02.2010 Sehr gern gelesen hat die SZ Ioanna Karystianis ganz eigene Geschichte einer Odyssee "Die Augen des Meeres". Nicht recht überzeugt ist sie dagegen von Heike B. Görtemakers Biografie der Eva Braun. Die FAZ liest mit Interesse Bücher über die Europäische Einigung.
Medienticker-Archiv
15.02.2010 John Gray und der apokalyptische Heilsglaube in der Politik des Westens - Docupedia: Zeitgeschichte online - Deutsche Medien und China: Verschwörungstheorien und Mythen - Nachtkritik: Einsame Menschen in Frankfurt, Hunger in Leipzig und Les Naufrages du Fol Espoir in Paris - Konkurrenz, Karriere und Kollaps: Neue Männer braucht die Gesellschaft + Die Kunst der Berieselung: Charlie Englishs "Buch vom Schnee".
Vorgeblättert
15.02.2010 Der senegalesische Anthropologe Tidiane N'Diaye beschreibt in "Der verschleierte Völkermord" die Versklavung der Schwarzafrikaner durch muslimische Eroberer, beginnend im 7. Jahrhundert. Der Autor schätzt die Zahl der Toten des arabischen Sklavenhandels auf mindestens 17 Millionen. In Darfur währt dieser Horror bis heute. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Der verschleierte Völkermord".
Karikaturen und Cartoons
15.02.2010 Karnevaleske Dekadenzen.
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15.02.2010
Der erste Schnitt ist gleich einer in die Bewegung: Johann Rettenberger (Andreas Lust) rennt, mit beachtlicher Geschwindigkeit in Sportkleidung.
Um ihn herum sind Menschen, Alltagslärm vermischt sich mit seinem Atemgeräusch.
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15.02.2010 
Rein publikumsmäßig gesehen ist die Berlinale auch in diesem Jahr ein voller Erfolg. Saal 8 im Cubix-Kino am Alexanderplatz ist
fast ausverkauft, nur in den ersten zwei Reihen bleiben ein paar Plätze frei. Gezeigt wird ein russischer Film, und die russische Community ist gut sichtbar vertreten: viele
pelzgefütterte Ledermäntel, in der Luft hängt mehr als nur ein Hauch Chanel. Anna Fenchenkos Film "Missing Man" ist ein sehr ruhiger Film über einen russischen Webdesigner - man sieht ihn in einer Szene kurz vor zwei großen Apple-Bildschirmen sitzen - der plötzlich aus seinem Leben gestoßen wird. Das Mietshaus, in dem er wohnt, wird abgerissen, seine Schwester verschwindet spurlos und seine Sachen ebenfalls. Er soll in eine andere Stadt ziehen und sich dort in der Behörde melden.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
15.02.2010 Die Titelsequenz liegt über einem Straßenzug in Berlin Mitte. Ampeln und Leuchtreklamen dominieren das Bild und werfen bunte Schlieren, die nahelegen, dass die Kamera hinter einer Glasscheibe positioniert ist. Danach, in kurzer Folge, drei Einstellungen von Trojan (großartig in seiner körperlichen Präsenz: Misel Maticevic, zuletzt unter anderem in den beiden tollen Dominik-Graf-Filmen "Eine Stadt wird erpresst" und "Das Gelübde" und auf der Berlinale außerdem in Grafs sehnsüchtig erwarteter Serie "Im Angesicht des Verbrechens" zu sehen). Er steht an einer Häuserfassade, blickt sich um und macht sich schließlich auf den Weg in einen Berliner Gangsterfilm. Trojan, gerade aus dem Gefängnis entlassen, betritt zunächst einen Hausflur, dann eine Wohnung, bald darauf eine weitere, er wartet in Straßencafes, er besorgt sich ein Auto, ist damit auf Berliner Straßen und in Berliner Parkhäusern unterwegs, bezieht ein Hotelzimmer mit denkbar unglamouröser Aussicht, funktionalisiert sein Leben wie der Film ihn und die Stadt funktionalisiert. Ziel der Funktionalisierung ist ein Geldtransporter, den Trojan mit einem alten Kollegen gemeinsam ausrauben will. Kriminalität als Handwerk, in Autowerkstätten, Straßencafes und unter Autobahnbrücken: Wie Can in Arslans erstem Genrefilm "Dealer" seine Drogenbriefchen verpackt hat, so lädt Trojan seine Waffe und die Kamera beobachtet ihn dabei: Patrone für Patrone. Und genau wie
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15.02.2010 
Nach der Vorführung des Films fragt eine Zuhörerin die Regisseurin Ilona Ziok sichtlich genervt, warum sie diese
schrecklich dräuende Musik für ihren Film benutzt hat. Und für den Abspann dann auch noch Frank Sinatras "My way" herhalten musste. Ziok nimmt die Frage übel: "Das ist halt mein Stil. Das kann man mögen oder nicht", pampt sie zurück Als sich einige Zuschauer mit dieser Antwort nicht zufrieden geben, erklärt der Cutter Pawel Kocambasi: "Wir wollten unsere
Sympathie für Fritz Bauer ausdrücken."
Dienstag, 16.02.2010
Magazinrundschau
16.02.2010 Osteuropa druckt den Briefwechsel zwischen Michail Chodorkowski und Ljudmila Ulitzkaja. The Atlantic lässt sich erklären, warum nicht die Chinesen die größte Bedrohung im Cyberspace sind. Elet es Irodalom fragt, warum sich in Ungarn kaum jemand für die Stasi-Spitzel interessiert. Im New Statesman weiß Tariq Ramadan auch nicht, was ein gemäßigter Muslim ist. Im Nouvel Obs erklärt V.S. Naipaul den Aufstieg Indiens zur Chimäre. Der Guardian untersucht die Salven, die Emily Dickinsons Hirn in ihren Körper schoss.
Heute in den Feuilletons
16.02.2010 Laut Schriftsteller Sigfrid Gauch hat auch Peter Esterhazy abgeschrieben, ganze Kapitel sogar, allerdings ohne ein Hehl daraus zu machen. Die Debatte um Helene Hegemann geht ebenfalls weiter und entzweit sogar die FAZ. In der Welt spricht der iranische Regisseur Rafi Pitts über die explosive Stimmung in seinem Land. Die FAZ hat einen Ausbeuter freier Journalisten gefunden: Demand Media. In der SZ erzählt Ingo Schulze, wie er in Dresden den Aufmarsch der Neonazis verhinderte.
Bücherschau des Tages
16.02.2010 Die Kritik lässt es heute entspannt an: Die FAZ vergnügt sich mit James Hamilton-Patersons exzentrischem Roman "Heilige der Trümmer". Die SZ versinkt in Robert Harris' spannendem und gut recherchierten Cicero-Roman "Titan". Und die NZZ unterhält sich bestens mit Kristof Magnussons "Das war ich nicht".
Medienticker-Archiv
16.02.2010 Albrecht von Lucke über den Abschied vom Aufstiegsversprechen der Republik - Von Seelenriffen und monogamen Betten: Tucholsky-Hörbuch "Ich vertreibe mir so mein Leben" - Googles Datenschutzalbtraum Buzz - Kampf Papier gegen Internet - Getöse sterbender Verlage? Bizarre Diskussion um tagesschau.de - 720P oder 1080I? HD-Start bei ARD und ZDF offenbart das HDTV-Dilemma + So what!: Larven der Literatur und Karneval der Feuilletonisten.
Karikaturen und Cartoons
16.02.2010 Heroische Verlierer.
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16.02.2010 Ein Mann läuft durch den Wald und nähert sich der Kamera. An der Hand führt er einen Lastesel. Im Bildvordergrund angekommen, beginnt er, auf einen Baum zu klettern. Dort oben, auf dem Baum, möchte er, das wird man allerdings erst in der Mitte des Films erfahren, Bienenstöcke aufhängen. Als er schon einige Meter über dem Boden schwebt, beginnt der Ast, an dem er sein Kletterseil befestigt hat, verdächtig zu knacken. Bald hängt er frei in der Luft. Während er verzweifelt um sich blickt, kommt die erste von mehreren Bienen in den Film gesummt.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
16.02.2010 Was haben ein trockener Alkoholiker, ein Knasti und ein Flüchtling aus Tschetschenien gemeinsam? Sie können keine Wiegenlieder singen! Und das bedeutet, dass sie keine schöne Kindheit hatten, zumindest, wenn man dem Film "Wiegenlieder" glaubt.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
16.02.2010 
"Wer auf der diesjährigen Berlinale nur drei Filme sehen möchte: der sollte
exakt diese drei auswählen", schreibt Perlentaucher-Kritiker Lukas Foerster in seiner einführenden
Forumsschau. Gemeint sind die drei Filme von
Yasujiro Shimazu, die im Forum als eine Art "Mini-Hommage" laufen. Fraglich bleibt dabei, ob ein Festival - mit seinem Stress, seinen blank liegenden Nerven, dem Geschubse an Eingängen und Transiträumen - wirklich die passende Umgebung für die kleinen Alltagsdramen (
shomingeki) des japanischen Regisseurs darstellt (wenn man denn überhaupt Karten bekommen hat).
Außer Atem: Das Berlinale Blog
16.02.2010 
So abspannhaft nüchtern ist noch selten ein Vorspann über die Anfangsbilder eines Spielfilms getickert. Die Bilder, über die die Schriftzeichen laufen, sind Dokumentaraufnahmen von Kämpfen und Zerstörungen aus dem
Zweiten Weltkrieg, allerdings nachträglich mit Kriegskampfkrach und Kriegsfeuerlärm synchronisiert. Vom Dokumentarfilmkriegsfeuerlärm schneidet in einer Art trockenem
Match Cut Koji Wakamatsu dann hinüber ins Spielfilmbild. Man sieht: eine Vergewaltigung hinter mit billigem Digitaleffekt in die Bilder kopiertem Feuer. Der Effekt und das Geschehen gehen eine Verbindung ein, aber sie ist sichtlich künstlich. In diesem
extrem sachlich dissoziierten Dokumentarbild-Spielfilmübergang setzt Koji Wakamatsu die Parameter, an die er sich fortan konsequent hält.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
16.02.2010 An obskurem Sex ist dieser Wettbewerb gewiss nicht arm. Im begähnenswerten "Greenberg" geht Ben Stiller Greta Garwig sehr unvermittelt an die Wäsche und bricht ebenso unvermittelt wieder ab. Im sehr großartigen "Caterpillar" gibt es mehrfach Amputiertensex. Dass in "En Ganske Snill Mann" dann eine Frau fortgeschrittenen Alters mit deutlich ins Bild gesetzten schwieligen Beinen plötzlich ihre ranzige Unterhose auszieht, sich flach aufs Bett legt und den in ihrem Kellerloch untergebrachten Ex-Knasti mit traurig-fahlem Altherrenhintern anfährt, ob er denn zum Beischlaf noch eine Einladung benötige, um anschließend, bei erfolgter mechanischer Bebeischlafung, auf wildes "Jesus Christus"-Schreien zu verfallen, hat dann aber doch eine sehr eigene Qualität. Die erstgenannten Filme verhalten sich in der Zwischenzone von Hinsehen und Distanzwahren. "En Ganske Snill Mann" verfolgt nur ein Projekt: Die konsequente Desavouierung jeder seiner Figuren. Dass dabei plump um die Komplizenschaft eines amüsierwilligen Publikums gebuhlt wird, ist das eigentlich Unappetitliche.
Mittwoch, 17.02.2010
Heute in den Feuilletons
17.02.2010 Die Welt staunt über einen Friedhofsflirt. In der NZZ wünscht sich Hans Ulrich Gumbrecht mehr riskantes Denken beim geisteswissenschaftlichen Nachwuchs. In der taz spricht der iranische Regisseur Rafi Pitts über seinen Wettbewerbsbeitrag "Zeit des Zorns". In der FR schüttelt der haitianische Filmregisseur Raul Peck den Kopf über zottelige westliche Journalisten. In der SZ erzählt der Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase vom Filmemachen in der DDR.
Bücherschau des Tages
17.02.2010 Die FAZ freut sich, wie wenig weise und auftrumpfend Rainer Malkowskis Gedichte daherkommen. Von Detlef Rost lernt sie, dass wir nicht unbedingt intelligenter werden, wenn unser IQ steigt. Die NZZ liest Walter Gronds Roman Der gelbe Diwan". Und der SZ kommt über David Albaharis Roman "Ludwig" der Verdacht, dass sich das Leben in der Literatur nicht offenbart, sondern verbirgt.
Medienticker-Archiv
17.02.2010 FAZ, das neue Zentralorgan der Nerds? - Demand Media, die Antwortmaschine: Journalismus von der Resterampe - MySpace: Die Verzweiflung des Rupert M. - Amputierte Pressefreiheit in Kolumbien - Wolfram Schütte über Axolotl unter Lemmingen: Naturkundliche Ansicht der deutschsprachigen Literaturkritik - Hart aber fair? Über die deutsche Islam-Debatte + 25 Jahre Coen-Kino: Epilog zur Retrospektive.
Karikaturen und Cartoons
17.02.2010 Inszenierte Köder.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
17.02.2010
Eine Standardszene: Die Eltern mit dem Sohn am Tisch, unausgesprochen liegt die Frage in der Luft: "Sag' mal, bist Du eigentlich schwul?" Eine solche Szene gibt es in "The Kids Are All Right" auch, doch with a twist: Die Eltern sind in diesem Fall ein lesbisches Paar. Und weil diese nicht recht herauskommen wollen mit ihrer Frage, kommt es zum Missverständnis: Ja, er habe eine Beziehung zu einem anderen aufgebaut. Zu seinem biologischen Vater, einem Samenspender.
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17.02.2010 Jetzt hat Dieter Kosslick mich also doch erwischt, es war wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Bisher hatte ich wenig Grund, mich über den diesjährigen Berlinale-Wettbewerb zu ärgern. Teilweise deshalb, weil ich einigem, vor allem den Alterswerken Polanskis und Scorseses, mehr abgewinnen konnte als meine Mitstreiter Thomas Groh und Ekkehard Knörer. Vor allem aber, weil ich dank unserer internen Arbeitsteilung verschont geblieben bin von dänischer Miserabilismuspornografie, norwegischer Zynik und ähnlichem. Burhan Qurbanis Debütfilm "Shahada" aber konnte ich leider nicht entgehen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
17.02.2010 Kein Grand Hotel, aber ein Ex-Motel Abgrund ist das Altersheim, das Jean-Claude Caissy in seinem Dokumentarfilmdebüt "La Belle Visite" porträtiert. Der Abgrund, an dem es steht, ist so tief nicht, der Blick, den man hat, geht sehr großzügig sogar ins Weite, hinaus aufs Meer. Im Sommer können die Bewohner des Heims direkt vor ihrer Tür sitzen, die Sonne im Gesicht, nichts als den Ozean zwischen sich und dem, was hinterm Horizont kommt. Im Film ist allerdings das Wetter die meiste Zeit schlecht. Und so richtig Augen für Naturschönheiten haben die hier lebenden Menschen, dies der Eindruck, den Caissys Film vermittelt, ohnehin nicht.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
17.02.2010 
Nach einigen Festivaljahrgängen hat man auf der Berlinale
geheime Freundschaften geschlossen: Im Fall des Hongkong-Kinos sind es einige Straßen, die mit hoher Regelmäßigkeit auftauchen, im Fall des japanischen Kinos sind es die
Zikaden, die bei Außenaufnahmen vernehmlich schnattern und spotten. Die typische Rhythmik des Zikadenschnatterns steht meist für den Sommer, mitunter für eine gewisse Angespanntheit, sehr häufig: Für die
Provinz und das Landleben.
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17.02.2010 Wenn es so etwas wie einen identifizierbaren "Sundance-Stil" gibt, dann gibt es sicher ebenso "den Forumsfilm" (und diese geflissentlich neutrale Bezeichnung meint nicht immer positives). Ein "Forumsfilm" ist langsam und spröde, nicht sonderlich um herkömmliche Strategien des Erzählens bemüht, eher diffus oder naturalistisch ausgeleuchtet und schließlich auf der Tonspur dem akustischen Ambiente seines Drehorts offen zugewandt (im Gegensatz zur zugerichteten, komplex manipulierten Tonspur eines Hollywoodfilms). Es steht völlig außer Zweifel, dass eine solche Filmkonzeption großartig sein kann (nur ein Beispiel: "Los Muertos" von Lisandro Alonso). Auf der anderen Seite gerinnen solche Merkmale auch schnell zur Zugehörigkeitsbehauptung.
Donnerstag, 18.02.2010
Heute in den Feuilletons
18.02.2010 In der FR erinnert sich der Opernregisseur Calixto Bieito an den sexuellen Missbrauch in seinem Jesuiten-Kolleg. Spiegel Online erklärt, warum das Internetsperregesetz in Kraft tritt, obwohl es niemand mehr will. Die NZZ bewundert eine japanische Scheibe Emmentaler Käse auf dem Campus der ETH Lausanne. In der Zeit tritt Iris Radisch dem backenbärtigen Teil des männlichen Kulturestablishment gegens Schienbein. Die FAZ findet Tutenchamuns Mutter.
Bücherschau des Tages
18.02.2010 Hingerissen ist die SZ von Jean Echenoz' Roman "Laufen" über die tschechische Läuferlegende Emil Zatopek. Auch wünscht sie sich mehr Bücher wie Richard Blanks Geschichte von "Film und Licht". Die Zeit bescheinigt Heike Görtemakers Biografie der Eva Braun eine unabgelenkte Sachlichkeit. Gut gefallen ihr zudem Anne Webers Roman "Luft und Liebe". Die FR liest mit Entsetzen Aram Mattiolis Analyse des neuen Duce-Kults "Viva Mussolini".
Medienticker-Archiv
18.02.2010 Mitgründer von Pirate Bay will User zum Bezahlen bewegen - Netzsperregesetz: Wortbruch, Dummheit oder ein Gesetz, das keiner will? - Teuflische Dreifaltigkeit von Kirche, Staat und Medien - Hat jetzt Social Media eine Krise? - Kurz nach Erfindung des Buchdrucks: Interview mit Rüdiger Ditz, Chefredakteur von Spiegel Online - Gruner + Jahr prüft Klage gegen iPhone-Tagesschau - Interview mit Oskar Roehler über seinen "Film ohne Gewissen".
Karikaturen und Cartoons
18.02.2010 Keine Kommentare!
Post aus Köln
18.02.2010 Bisher war das fröhliche Köln nicht zu erschüttern, höchstens sein Stadtarchiv. Doch der Bau der U-Bahn wird mit gleicher Sorglosigkeit weiterbetrieben. Aber geht es hier wirklich nur um Pfusch am Bau oder um konzertierte Sabotage mit womöglich katastrophalen Folgen? Ein Entsetzensschrei aus dem noch nicht ganz eingestürzten Köln.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
18.02.2010
Wie umgehen mit diesem Film? Oskar Roehlers "Jud Süß - Film ohne Gewissen" mangelt es an eben diesem ganz gehörig und dies, aber nur vielleicht, zum Glück. Ein Monstrum ist dieser Film, zwischen deutsch-mehlspeisigem Melodram aus Opas Kino, bizarrer Clownerie und einer den Produzenten, wenn auch nur sacht, untergejubelten Prise Punk.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
18.02.2010 Be careful what you wish for... Gestern hatte ich mich angesichts des noch in seinen didaktischsten Momenten unbeholfenen "Shahada" nach einem echten Thesenfilm gesehnt. Heute habe ich einen bekommen und habe mir prompt Burhan Qurbanis wirre Dialektik zurück gewünscht. Die hat auf ihre Art wenigstens ein klein wenig riskiert. Jasmila Zbanics "Na putu" geht nicht das geringste Risiko ein.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
18.02.2010 Zu den erstaunlichen und manchmal gelinde verstörenden Erfahrungen, die man im Sturm eines Festivals macht, gehört die, dass beinahe jeder Film, so sehr man selbst unter ihm leidet, seine Freunde, Anhängerinnen und Fürsprecher findet. Ein besonders eklatanter Fall ist da für mich der vorgestern im Wettbewerb gelaufene Rafi-Pitts-Film "Shekarchi". Ich saß in meinem Cinemaxx-Sessel und konnte, je länger er dauerte, desto weniger fassen, was mir da zugemutet wird. Den Saal verließ ich im Bewusstsein, eines der wirklich unerfreulichen Berlinale-Erlebnisse hinter mich gebracht zu haben. Die Lektüre der Kritiken, der Blick in den Kritikerspiegel belehrten mich dann - nun ja, nicht eines anderen, denn ich sehe den Film noch ganz genauso; ich bin jetzt aber doch um die Erkenntnis reicher, dass viele Kolleginnen und Kollegen in "Shekarchi" ein vollkommen respektables Werk sehen.
Freitag, 19.02.2010
Heute in den Feuilletons
19.02.2010 Die Welt erzählt, wie die israelische Regisseurin Yael Hersonski einen Nazi-Propagandafilm über das Warschauer Ghetto rekonstruierte. Die NZZ lauscht dem Tee-und-Kräuter-Rap des taiwanesischen Sängers Jay Chou. In der FR streiten Paul Krugman und Niall Ferguson über die Krise Griechenlands und den Euro. In der FAZ erklärt die Informatikerin Constanze Kurz, wie der Hacker tickt.
Bücherschau des Tages
19.02.2010 Als poetische Reflexion über die nicht vergehende Zeit liest die FR Olga Martynovas Roman "Sogar Papageien überleben uns". Die FAZ staunt selbst ein wenig, wie sehr sie Paolo Giordanos Bestsellererfolg "Die Einsamkeit der Primzahlen" berührt. Und die SZ liest mit Begeisterung den Interpretationskatalog zu Ludwig van Beethoven.
Medienticker-Archiv
19.02.2010 Gerrit Bartels: Das Flüchtige des Pop oder Warum sich Literatur und Clubkultur nicht vertragen - Hans Werner Henze: Grenzgänger und Rebell - Angriff auf die Buchpreisbindung: Der Preis läuft heiß - Berliner Zeitung: Kampf mit dem Verleger - Memoiren eines Pudels: "Das Urteil der Geschichte kommt jetzt und hier" - Gedichte aus dem Untergrund: Zettelpoet Helmut Seethaler verurteilt + Nicolaus Mahlers trauriger Alltag im Literaturbetrieb.
Karikaturen und Cartoons
19.02.2010 Gekürzte Qualifikationen.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
19.02.2010 Der Berlinale-Wettbewerb bewegt sich schnurstracks in den Abgrund. Die letzten Jahre waren schlimm genug, in diesem ist die Katastrophe monumental. Unter den zwanzig zur Bärenvergabe präsentierten Filmen gab es, bei großzügiger Betrachtung, vielleicht eine Handvoll, die im Wettbewerb eines A-Festivals etwas verloren haben. (Bei Lichte betrachtet ist die Berlinale keins mehr.) Der Rest sind nicht etwa Werke, die Nobles im Gemüt gehabt hätten, das ihnen leider misslang. Sondern es ist konzeptuell, ästhetisch, intellektuell minderwertige Ware, für den Zustand des Weltkinos von vorneherein ohne jede Bedeutung.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
19.02.2010 Mit einem Standbild beginnt der Film: ein dunkles, statueskes Etwas in einem Zimmer. Sobald sich das Bild in Bewegung setzt, wird das Etwas zu Jean-Pierre Leaud. Der Pullover, den er sich gerade über den Kopf zieht, hat ihn im Standbild enthumanisiert. Jetzt ist Leaud Mensch geworden, schick angezogen und bereit, loszulegen. Er zögert nicht, wie überhaupt der Film nie auch nur einen Moment zögert.
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19.02.2010 "... und diese letzte Strophe sing' ich nur für Dich, Rainer:
Aus dem stillen Raume,
Aus der Erde Grund,
Hebt mich wie im Traume
Dein verliebter Mund.
Wenn sich die späten Nebel dreh'n,
Werd' ich bei der Laterne steh'n
Wie einst, Lili Marleen."
Samstag, 20.02.2010
Heute in den Feuilletons
20.02.2010 In der NZZ erklärt Don DeLillo, warum die Regierung Bush den Irak angegriffen hat. In der Berliner Zeitung erzählt Arthur Becker, wie er als 16-Jähriger allein in Polen auf seinen Pass für die Ausreise wartete. Die FR sieht ein Beckett-Licht aus Don DeLillos neuem Roman aufscheinen. Die taz geht mit Benjamin von Stuckrad-Barre spazieren. Die SZ besucht Rapidshare. In der FAZ führt Frank Rieger in die Überwachungsmöglichkeiten des Staates ein.
Bücherschau des Tages
20.02.2010 Heißer Stoff für die Oberseminare der Amerikanistik: Don DeLillos neuer Roman ist erschienen. FR und NZZ liefern erste Kritiken. Außerdem: in der FAZ feiert Peter Demetz die surrealen Qualitäten des tschechischen Erzählers Jiri Kratochvil. Die NZZ fragt sich leicht beklommen, wie man mit den Büchern des geschätzten Autors Peter Altenberg umgehen soll, der eine Vorliebe für junge Mädchen hatte. Die taz empfiehlt Wilhelm Heitmeyers Beschreibung Deutscher Zustände in der achten Folge.
Außer Atem: Das Berlinale Blog
20.02.2010 Die Bären sind vergeben. Der
Goldene Bär geht an "Bal" (Honey) von
Semih Kaplanoglu. "Vielleicht ist auch "Bal", wie mindestens auch
"Süt" und eventuell schon der erste Teil der Trilogie
"Yumurta", ein Film
über die Dunkelheit",
meinte unser Kritiker Lukas Foerster in unserer Koumne zu dem Film.
Montag, 22.02.2010
Heute in den Feuilletons
22.02.2010 Der Goldene Bär für den türkischen Film "Honig" stößt auf laue Zustimmung nach einer allgemein als etwas fad resümierten Berlinale. Gefeiert wird allerdings noch Dominik Grafs Fernsehserie "Im Angesicht des Verbrechens". Nutzer des Iphones werden künftig ohne Sex auskommen müssen, meldet Techcrunch. Aber man kann zur Not sogar ohne Google auskommen, meldet Gizmodo. Wenn die jetzt bekanntgwordenen ACTA-Bestimmungen durchgesetzt werden, kommt demnächst vielleicht auch das Netz ohne Nutzer aus, wenn man BoingBoing glauben darf.
Bücherschau des Tages
22.02.2010 Die FAZ stellt den Horaz der Tang-Dynastie vor: den chinesischen Klassiker Du Fu. Die SZ liest Benjamin Steins Roman "Die Leinwand" von vorn genauso gern wie von hinten. Bei Franz Walter informiert sie sich über den Niedergang der Volksparteien.
Medienticker-Archiv
22.02.2010 Drei Nachtkritiken: Alle Toten fliegen hoch in Wien - Der Geizige in Berlin: Der Kreislauf muss in Bewegung bleiben - Kein Schiff wird kommen in Stuttgart: Welt aus Blei - ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender rechnet ab - John Grays Negative Aufklärung - Antonio Negri zur politischen Entdeckung des Gemeinsamen - Das Feuilleton als Affirmationsboutique für posierende Wohlstandsverwahrloster + Lest Schopenhauer!: Zitatensammlung zu seinem 222. Geburtstag.
Vorgeblättert
22.02.2010 Zeit für ein bisschen Kapitalismuskritik: Die beiden Autoren Michael Hardt und Antonio Negri entwerfen in ihrem neuen Buch ein globales Gesellschaftssystem, in dem natürliche Ressourcen, aber auch Wissen und Information zum gemeinsamen und geteilten Gut werden. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Common Wealth".
Karikaturen und Cartoons
22.02.2010 Hungrige Töne.
Dienstag, 23.02.2010
Magazinrundschau
23.02.2010 In Eurozine erzählt die transsylvanisch-ungarisch-armenische Schriftstellerin Kinga Kali, was eine "virgjinesthe" ist. Prospect feiert den neuen Star des Kunstmarkts, den argentinischen Maler Guillermo Kuitca. Die Gazeta Wyborcza erklärt, wie junge Menschen das Netz nutzen. Der New Yorker warnt alle Depressiven: lest keine psychologische Literatur. Outlook India lernt im Internet, wie man karnatische Musik spielt. Die London Review empfiehlt: Lachs essen.
Heute in den Feuilletons
23.02.2010 "Dass jeder Satz und jeder Dialog durchatmet und durchströmt wird von der Inspiration einer großen Schöpferin": Durs Grünbeins feierliche Verteidigung der Helene Hegemann steht in der FAZ. In der NZZ gesteht Volker Braun, wie ihn die Schweiz zum Schreiben brachte. Für Gabriele Goettle erzählt der ehemalige Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl aus seinem Leben. Im Blog der New York Review of Books erinnert Charles Simic an den Dichter Heimrad Bäcker. BoingBoing rätselt über das Phänomen der singenden Hunde.
Bücherschau des Tages
23.02.2010 Die FR versenkt sich glücklich in Carol O'Connells neunten Krimi mit der spröden Ermittlerin Kathleen Mallory. Sehr gelobt wird auch Olivier Kas Comic über sexuellen Missbrauch: "Warum ich Pater Pierre getötet habe". Die NZZ liebt Anne Webers Roman über "Luft und Liebe". Die SZ hat mit Simon Sebag Montefiores Potemkin-Biografie ein die Sinne betörendes Buch über das Russland des 18. Jahrhunderts gelesen.
Medienticker-Archiv
23.02.2010 Wolfram Schütte über Pasolinis "Die lange Straße aus Sand" und das Schreibheft Nr. 73 - Billy Pilgrims Reise durch Zeit und Raum: Kurt Vonneguts "Schlachthof 5" im Klassiker-Check - Tornisterschriften: Lektüre für Soldaten - New York Times im Web immer lokaler - Juan-Luis Bunuel: "Dali war eine miese Type" - Kunstmarkt: Der graue Markt für bunte Bilder - 10 Fragen an Pat Metheny: Wenn der Staubsauger groovt.
Karikaturen und Cartoons
23.02.2010 Wer nicht fragt, bleibt dumm.
Mittwoch, 24.02.2010
Heute in den Feuilletons
24.02.2010 Grünbeins Hegemann-Verteidigung in der FAZ ist zwar von Benn, aber er nimmt kein Wort zurück! Die SZ bringt nochmal mehrere Sonderseiten zum Fall Hegemann. Besonders rigide gegen jegliches Plagiat äußert sich hier der noch selber schreibende Feridun Zaimoglu. In der Welt versichert Petros Markaris: die Griechen sind selber schuld. Jakob Michael Reinhold Lenz ist nicht Kurt Cobain, erfahren wir von Frank Castorf in der taz. In der NZZ fragt Adam Krzeminski: Wie weit im Westen liegt heute der Osten? Oder umgekehrt?
Bücherschau des Tages
24.02.2010 Die NZZ begreift Andrzej Stasiuks galizische Geschichten
"Winter" als mal zynischen, mal tröstlichen Gegenentwurf zum Brüsseler Europa. Die FAZ bewundert die philosophische Selbstbehauptung des Averroes "Die entscheidende Abhandlung und die Urteilsfällung über das Verhältnis von Gesetz und Philosophie". Auch Gerard Manley Hopkins' Gedichte "Geliebtes Kind der Sprache" hat sie in Dorothea Grünzweigs Übersetzung sehr gern gelesen. Die FR empfiehlt Kathrin Schmidts Gedichte "blinde bienen".
Medienticker-Archiv
24.02.2010 Gott zu spielen macht müde - Schön, dass es abgeschrieben wurde: Airens "Strobo" und die Roaring Twenties - James Ellroy: Sie nennen ihn Hund - Haben Sie mehr Macht als die FAZ, Herr Fuchs?: Interview mit dem beliebtesten Amazon-Buchkritiker - Schriftsteller Daniel Depp: Der größere Depp - S. Fischer: Mutmaßungen über Samuel - Spiel mit der eigenen Endlichkeit: Urs Widmer und Herr Adamson + John Updikes Verse des Abschieds.
Karikaturen und Cartoons
24.02.2010 Keine Kompromisse.
Im Kino
24.02.2010 Mit seinem "Bad Lieutenant"-Nicht-Remake liefert Werner Herzog eine Hollywood-Auftragsarbeit von äußerstem Eigensinn ab. Ein Genre-Film mit bizarren Tieren und irren Stellen, mit Wahnsinn, Gelächter und Song. Das muss man mit eigenen Augen sehen, um es zu glauben.
Donnerstag, 25.02.2010
Heute in den Feuilletons
25.02.2010 War das wirklich ein guter Scherz?, fragt Dirk von Gehlen in seinem Blog zum Grünbeinschen Hegemann-Späßchen. "Plagiat. Was denn sonst", diagnostiziert der Experte Philipp Theisohn in der NZZ zum selben Fall. Außerdem verweisen wir auf zwei instruktive Prä-Hegemann-Texte. Timothy Snyder klärt im Blog der NYRB über Stepan Bandera und ukrainischen Nationalismus auf. In der Berliner Zeitung krümmt sich der gekerbte Raum der ortsgebundenen Dienste. Die FAZ feiert Caravaggio.
Bücherschau des Tages
25.02.2010 Als scharfe, lupenreine Prosa preist die FR Annette Pehnts Erzählungen "Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen das muss gar nicht lange dauern". Die Zeit ist sehr beeindruckt von Sarah Blaffer Hrdys Studie über die Empathie in der Evolution "Mütter und Andere". Die FAZ liest noch einmal mit ganz neuer Begeisterung Gisela Elsners Romangroteske "Fliegeralarm" von 1989. Auch Andreas Unterwegers Debüt "Wie im Siebenten" hat sie genossen.
Vorgeblättert
25.02.2010 Mit der Biografie ihres 1945 verschwundenen Vaters erzählt Eva Züchner auch eine Geschichte des Journalismus im Dritten Reich. Volontariat, Reichspresseschule und Propagandaministerium waren die Stationen des Gerhart Weise, der, ohne Parteimitglied gewesen zu sein, einen klassischen Schreibtischtäter abgab. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Der verschwundene Journalist".
Medienticker-Archiv
25.02.2010 Eine Gratulation an die Macher des kürzesten Hörspiels der Radiogeschichte - Michael Angele: Die neuen Leiden des Zeitungssüchtigen - Verlags-Kiosk im Web: Deutsche Verleger gemeinsam gegen Apple - L.I.S.A.: Internet-Portal für Geschichte - Promis unter Beobachtung: Wie weit darf Recherche gehen? - Trouvaille: Stefan Zweig, die Pepsi der österreichischen Literatur.
Karikaturen und Cartoons
25.02.2010 Fahrvergnügen.
Freitag, 26.02.2010
Heute in den Feuilletons
26.02.2010 Von jenseits des Grabes erklingt nochmal die Stimme Johnny Cashs und lässt den einen oder anderen Feuilletonisten erschauern. Die NZZ präsentiert eine gute Idee für einen großen Teil der neuesten Kunst: Michael Landys' Kunstabfallcontainer. Die Welt bringt ein Gespräch mit dem Historiker Norbert Leithold, der einst das Pornokino reformieren wollte. Die FAZ feiert Michael Lentz' Sprache der Liebe, die SZ den Architekten Ole Scheeren, der den Westen schon hinter sich hat.
Bücherschau des Tages
26.02.2010 Die SZ hat Freude an frühen Texten von Albert Camus über die wirklich wichtigen Dingen im Leben: Sonne, Küsse und erregende Düfte. Die FR erlebt mit Thomas Langs Roman "Bodenlos" noch einmal eine Spätpubertät in den achtziger Jahren. Und die FAZ liest Norman Ollestads Extrem-Roman "Süchtig nach dem Sturm".
Medienticker-Archiv
26.02.2010 Jean-Michel Palmiers monumentale Studie zu Leben und Werk Walter Benjamins - Wie unsere Zukunft planbar wurde: Keith Devlins "Pascal, Fermat und die Berechnung des Glücks" - Nachtkritik: Soldaten in Berlin, Mädchen in Uniform in Hamburg und die Passion ein Wochenend-Wohnzimmergottes in Wien - Stern vs. Bunte: Im Schatten der Politiker - FDP warnt: Bloß keine Interviews mit dem NDR - 11 Freunde: Zehn Jahre Fußball-Journalismus.
Karikaturen und Cartoons
26.02.2010 Vergangenheitsbewältigung.
Essay
26.02.2010 Mahmud Ahmadinedschad und Hugo Chavez werden zu Protagonisten eines "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" und ernten dafür die dumme Duldung aller Freiheitsfeinde im Westen. Ein Vorabdruck.
Samstag, 27.02.2010
Heute in den Feuilletons
27.02.2010 In der NZZ erklärt der Pianist Krystian Zimerman den Unterschied zwischen Lautstärke und Dynamik. Die taz war dabei als Frank Schirrmacher Martin Walser pathologisch nannte und Walser Schirrmacher quotensüchtig. In der Welt polemisiert Sonja Margolina gegen die Gesinnungskontrolle der liberalen Mainstream-Medien. Sascha Anderson (im ND) und Josef Haslinger (im Standard) nehmen Stellung zu Helene Hegeman. Die FR beobachtet, wie She She Pop auf der Bühne mit ihren Väter diskutieren. In der FAZ erklärt die "Human-Resources-Managerin" Anke Maruschka, wie man seinen Mitarbeitern kündigt. Die SZ weiß auch nicht, warum sie gerade beim Computerspiel "Heavy Rain" Probleme hat, jemanden zu erschießen.
Bücherschau des Tages
27.02.2010 Eine Hymne singt die FAZ auf den Abschlussband von Javier Marias' Romantrilogie "Dein Gesicht morgen". Sehr gut gefällt ihr auch Armin Thurnhers Pianistenroman und Bernhard-Umschreibung "Der Übergänger". Nur zögerlich folgt sie allerdings der Philosophin Karen Gloy nach Westpapua und "Unter Kannibalen". Die taz ist sehr beeindruckt von Andreas Schäfers Roman "Wir vier". Und die SZ lauscht Blixa Bargelds Lesung von Nick Caves Roman "Der Tod des Bunny Munro".