Montag, 02.12.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
02.12.2024 Kamel Daoud schildert in Le Point die Schikanen, denen er seit seinem neuesten Roman "Houris" ausgesetzt ist. Darf man Botho Strauß zum Geburtstag gratulieren, obwohl ihm vorgeworfen wurde, "rechts" zu sein? Der Schauspieler Jens Harzer erklärt im SZ-Interview, warum er die Vorwürfe für unsinnig hält. Die Kritiker bewundern an der Schaubühne die Verwandlungskunst von Anna Schudt und Jörg Hartmann in Maja Zades "changes". Die Filmkritiker trauern um Karin Baal, einen der größten Stars des deutschen Nachkriegsfilms.
9punkt - Die Debattenrundschau
02.12.2024 Aleppo wurde von Milizen erobert. Aber wer sind diese Milizen? Die Zeitungen sind sich uneins. Die FAZ-Gruppe macht laut Welt über eine Unterfirma Millionen mit dem Auswärtigen Amt. Laut Jan-Werner Müller sind an der Polarisierung in Amerika allein die Republikaner schuld. Im Tagesspiegel erklärt Rechtsextremismusexpertin Veronika Kracher, was "Incels" sind. Und warum durfte Benny Morris an der Uni Leipzig nicht reden?
Bücherschau des Tages
02.12.2024 Die SZ heilt sich mit Norman Ohlers Aktualisierung des "Zauberbergs" selbst - und die Welt gleich mit. Die NZZ vertieft sich in Peter Sloterdijks Buch "Der Kontinent ohne Eigenschaften". Die taz taucht mit Reinhard Kleists Comic-Biografie über David Bowie ins wilde West-Berlin der Siebziger ab. Dlf entdeckt mit Ricardas Gavelis' "Vilnius Poker" einen Klassiker der litauischen Literatur. Von Regine Schwarz lässt er sich "Die Geschichte vom Nichts" erzählen.
Dienstag, 03.12.2024
Magazinrundschau
03.12.2024 New Lines erzählt von Spitzbergen, wo Ausländer plötzlich unwillkommen sind. Meduza und Verstka begutachten die Folgen des ukrainischen Vorstoßes auf russisches Gebiet. Der New Yorker lässt sich erklären, ob Javier Mileis drastisches Wirtschaftsprogramm in Argentinien funktioniert. Der Guardian erkundet kulturelle Missverständnisse zwischen den Cinta Larga am Amazonas, weißen Diamantensuchern und der Justiz. Lidove noviny erinnert an den Liedermacher Karel Kryl. Das New York Times Magazine überlegt, was die Menschheit zuerst auslöschen wird: Multiresistente Keime oder ein Atomkrieg, der gerade wegen der kleineren Atomwaffen wieder wahrscheinlicher wird.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.12.2024 Die FAZ lässt sich von brennenden Insektenarmen in einer David-Lynch-Ausstellung in Oldenburg umarmen. Bei aller Vorfreude über die Wiedereröffnung von Notre Dame würde die FAZ zudem ganz gerne wissen, weshalb sich weder Staat noch Klerus für die Brandursache interessieren. In der taz blickt die Schriftstellerin Verena Boos in Nischen der deutschen Geschichte, die in Spanien bekannter sind als hierzulande. Die NZZ ist entsetzt, dass das LWL Münster Otto Mueller als Rassisten und Sexisten präsentiert. Fünf NobelpreisträgerInnen haben den Aufruf für Boualem Sansal inzwischen unterzeichnet.
9punkt - Die Debattenrundschau
03.12.2024 In der FAZ erzählt Bülent Mumay, wie der türkische Präsident Erdogan Journalisten drangsaliert. Die SZ befürchtet, dass Donald Trump in den USA bald ähnliches tun könnte. Die taz warnt die Europäer, dass Bosnien und der Kosovo bald ebenso Schutz brauchen könnten wie die Ukraine. Im Tagesspiegel wünscht sich der Thriller-Autor Robert Harris, Britanniens Premierminister Keir Starmer hätte eine wenigstens klitzekleine Vision. Der Spiegel fragt sich, wieviel Tote es braucht, damit Uno-Generalsekretär António Guterres im Sudan aktiv wird.
Bücherschau des Tages
03.12.2024 Der Dlf empfiehlt dringend Lou Osborns und Dimitri Zuffereys informationsreichen Band über die Söldner des Kremls. Von David Blackbourn lässt er sich eine lehrreiche Geschichte der Deutschen in der Welt erzählen. Die FAZ erfährt auf 1200 Seiten alles, was sie über Barbra Streisand wissen wollte. Berührt liest die SZ Minigedichte von Jürgen Becker. Und die FR zündet ein Dialogfeuerwerk mit Ivy Compton-Burnetts Roman "Ein Haus und seine Hüter".
Mittwoch, 04.12.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
04.12.2024 Wird die Volksbühne bald abgewickelt? Die SZ zumindest befürchtet dies, nachdem Ida Müller und Vegard Vinge ihre Interimsintendanz abgesagt haben. Dass der verantwortliche Kultursenator Joe Chialo die eskalierende Krise der Berliner Kulturszene schulterzuckend abtut, ist skandalös, findet die FAZ. Kazuhiro Sodas Dokumentarfilm "Die Katzen vom Kogoku-Schrein" glänzt mit pittoresk herumliegenden Vierbeinern, freut sich die taz. Die SZ erkennt in den Impressionisten angesichts einer Ausstellung in der Alten Nationalgalerie die Apple-Watch-Träger des 19. Jahrhunderts. Wenig Verständnis hat sie dafür, dass "Dark Romance"-Romane aus Schulbibliotheken verbannt werden sollen.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.12.2024 In Afghanistan dürfen Frauen jetzt nicht mal mehr zu Hebammen ausgebildet werden - die Müttersterblichkeit dürfte drastisch steigen, fürchten taz und FAZ. In Rumänien gab es nie wirklich einen Bruch mit dem Kommunismus der Ceaușescu-Ära, erzählt Hubertus Knabe in der NZZ. Die SZ berichtet über eine von zwei von Rache getriebenen Hauptfiguren der französischen Politik, die heute Regierung stürzen könnten. Geier vertragen kein Diclofenac, und das ist schlecht für Indien, informiert Le Monde. Die FAZ erklärt, wen Ralf Dahrendorf mit der "protestantischen Mafia" meinte.
Bücherschau des Tages
04.12.2024 Die FAZ empfiehlt nachdrücklich Alain Finkielkrauts luizide und absolut aktuelle Analyse des linken Antisemitismus. Außerdem freut sie sich über eine frische Übersetzung von Simone de Beauvoirs Roman "Die Mandarins von Paris". In der SZ wirft Hannah Arendt-Biograf Thomas Meyer dem Philosophen Emmanuel Faye "grobe Fehllektüre" vor, wenn dieser eine intellektuelle Abhängigkeit Arendts von Heidegger behauptet. Die taz erinnert sich mit Caspar Battegay an die Feingeistigkeit von Leonard Cohen. Berührt liest Dlf Kultur Kriegsgedichte von Serhij Zhadan.
Donnerstag, 05.12.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
05.12.2024 Welt und taz resümieren einen Abend im Literaturhaus Leipzig, bei dem auch die Frage diskutiert wurde, wie weit Boualem Sansal rechts steht. Ganz gleich, wo ein Schriftsteller steht, er muss sich frei äußern dürfen, hielt Najem Wali fest. In Le Point berichtet Kamel Daoud indes von der Hasskampagne, der er in Algerien ausgesetzt ist: "Tausende von Menschen zu töten ist akzeptabel, während das Schreiben eines Buches zu einem Verbrechen wird." Die Zeit warnt vor: Notre Dame wird für viele Besucher ein ästhetischer Schock. Monopol lässt sich in Wien hypnotisieren von der kinetischen Kunst Liliane Lijns.
9punkt - Die Debattenrundschau
05.12.2024 In der FAZ fragt die georgische Schriftstellerin Nino Haratischwili, wieviele Blutopfer die "Secondhandmenschen" am Rand Europas bringen müssen, um von Europa beschützt zu werden. Le Monde lernt aus Michel Barniers Sturz, dass Kompromisse mit der extremen Rechten nie lohnen. Im Tagesspiegel will der Politikwissenschaftler Jacob Ross aber trotzdem mit Rechten reden, schon um einer wachsenden Betriebsblindheit der europäischen Debatte vorzubeugen. In der Zeit fürchtet sich Siri Hustvedt vor einer Zukunft, in der Sprache keine Bedeutung mehr hat. Die Welt veröffentlicht den Vortrag des von der Universität Leipzig ausgeladenen israelischen Historikers Benny Morris.
Bücherschau des Tages
05.12.2024 Dlf Kultur lässt sich mit Sy Montgomery von federleichten Kolibris verzaubern. Die FAZ amüsiert sich prächtig mit Hans Thills mal schwäbelndem, mal kalauerndem Gedichtband "Karaoke 2". Die FR bewundert den Lebenswillen Tezer Özlüs bei ihrer "Suche nach den Spuren eines Selbstmordes". Die NZZ lernt von Heinrich Schmidinger, wie Europa den Begriff der Toleranz entwickelte. Die Zeit erinnert sich mit Eva Rottmanns "Fucking fucking schön" an das erste Mal. Der Dlf lässt sich erfreut von Peter Scholz den römischen Aristokraten und Feldherrn Lucullus vorstellen.
Freitag, 06.12.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
06.12.2024 Die Glaubwürdigkeit Frankreichs ist schwer erschüttert, stellt die FAZ nach dem Aus der Regierung Barnier fest. Die Russen sind dagegen gut drauf, nur wird die Butter im Supermarkt inzwischen mit einem Schutz gegen Diebstahl gesichert, notiert Irina Rastorgujewa in der NZZ. Gesine Schwan wirft der israelischen Regierung vor, nach Devisen von Carl Schmitt zu handeln. Andreas Nachama widerspricht in der Jüdischen Allgemeinen. Israel hat angefangen, behauptet Amnesty in einem Bericht zum Gazakrieg. Der künftige Präsident Rumäniens knüpft unterdessen an den Klerikalfaschismus seines Landes an und reitet im Trachtenhemd auf weißem Pferd durch Tiktok-Videos.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.12.2024 Die FAZ betritt mit der Kunst von Almut Heise das Uncanny Valley. Wie Kunst und Identitätssuche auch in der Diktatur funktionieren können, lernt Monopol von Ana Lupas. Die nachtkritik entdeckt das klimakritische Potenzial von John Steinbecks Roman "Früchte des Zorns" in einer Theaterinszenierung von Max Lindemann. Die Académie Goncourt setzt ihren Preis für algerische Literatur im nächsten Jahr aus, Grund ist das Verbot von Kamel Daouds ebenfalls nominiertem Buch in Algerien. Laura Nyro war so etwas wie eine Prototyp-Songwriterin der sechziger Jahre, staunt die taz. Und Nan Goldin hat ihr Dia doch noch reingekriegt.
Bücherschau des Tages
06.12.2024 Der Dlf preist Robert Alters erste Amos Oz-Biografie, die kenntnisreich und klug an einen scharfsinnigen Humanisten erinnert. Mit Gaea Schoeters stößt der Dlf bei der Großwildjagd an moralische Grenzen. Dlf Kultur lässt sich von Lucie Rico die Biografien vakuumverpackter Hähnchen erzählen. Und die FR erfährt von Eva Biringer, warum der Schmerz von Frauen nie wahrgenommen wird.
Samstag, 07.12.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
07.12.2024 Für die Ukraine kommt es nicht nur auf die neue Trump-Regierung an, betont der Historiker Serhii Plokhy in der taz, sondern vor allem auch auf Deutschland. "Wir müssen selbst gefährlich werden", mahnte Manès Sperber die Europäer 1983 - die NZZ kommt auf den antitotalitären Autor zurück. Ist ein gemäßigteres Syrien denkbar? Die Zeitungen versuchen, die Ereignisse zu entschlüsseln.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.12.2024 Die FAZ bestaunt im Berliner Kupferstichkabinett Meisterwerke der grafischen Lichtmalerei vor den Impressionisten. In der Berliner Zeitung erklärt die Fotografin Rinko Kawauchi, wie das Fragment sie im Jetzt verwurzelt. Im Filmdienst findet Regisseur Omer Fast, dass Identität überschätzt wird: Maske tragen ist auch okay. Die taz schwärmt von der großen Ästhetik der Depression in den Kunstliedern von Anja Plaschg. Die FAS porträtiert die Künstlerin Karimah Ashadu.
Bücherschau des Tages
07.12.2024 Für den Deutschlandfunk vertieft sich Nico Bleutge in Friederike Mayröckers Gesammelte späte Lyrik und erklärt, was ein "Proëm" ist. Die Welt findet Han Kangs Roman "Unmöglicher Abschied" über Massaker auf der Insel Jeju vor fast achtzig zu pathetisch, manieriert und symbolisch überfrachtet. Die taz geht mit Navid Kermani "In die andere Richtung jetzt" und freut sich, dass sie hinterher nicht besser, sondern gerade weniger "Bescheid wisse". Und die SZ kommt aus Samantha Harveys "Umlaufbahnen" gar nicht mehr heraus.
Montag, 09.12.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
09.12.2024 Damaskus ist gefallen. Assad gehört zu den seltenen syrischen Flüchtlingen in Moskau. Die Zeitungen sind sich nicht ganz einig, wie sie das Ereignis deuten sollen. Ist die Wandlung des Rebellenführers Abu Muhammad al-Dscholani zu einem gemäßigten Einiger Syriens glaubhaft? Anne Applebaum hofft in Atlantic, dass nach Syrien Russland, Iran und Venezuela folgen. In der NZZ informiert der russische Journalist Andrei Kolesnikow, dass Putins freundliche Politik gegenüber bestimmten Regimen nicht zum Abbau von Ausländerfeindlichkeit in Russland führt.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.12.2024 Am Samstagabend hat Han Kang ihre Nobelpreisrede gehalten, die die FAZ abdruckt. In der taz spricht die Literaturwissenschaftlerin Marion Eggert über die Rolle von Trauma und Gewalt im Werk der südkoreanischen Schriftstellerin. Die Verleihung des Europäischen Filmpreises für die beste Dokumentation an Basel Adras und Yuval Abrahams Film "No Other Land" zeigt es mal wieder: Israelkritik ist angesagt, hält die NZZ fest. Die FAZ berichtet außerdem über einen kuriosen Fall von Befehlsverweigerung bei ChatGPT.
Bücherschau des Tages
09.12.2024 Die NZZ taucht mit einer neuen Biografie ein in das Leben Barbara Streisands und lernt den Star als Tochter einer in prekären Verhältnissen lebenden jüdischen Familie kennen. Die FR ist erschüttert vom Band der französischen Fotografin Garance Le Caisne, der dokumentiert, wie brutal das Assad-Regime wirklich war. Die SZ erfährt vom Militäranalysten Franz-Stefan Gady, warum Europa mehr über Krieg nachdenken sollte. Dlf Kultur empfiehlt Kerana Angelovas Roman "Sonnenblumen für Maria", in dem Van Gogh die zweite Hauptrolle spielt.
Dienstag, 10.12.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
10.12.2024 Auf Zeit Online erklärt der nach Deutschland geflohene Schriftsteller Ahmad Katlesh, was es bedeutet, erstmals nach zwölf Jahren wieder Sehnsucht nach der Familie in Syrien empfinden zu dürfen. Die FAZ staunt in Maastricht, wie vertraut ihr die sieben Todsünden sind. Der Tagesspiegel bewundert im Berliner Brücke-Museum die kraftvoll gewirkten Harmonien der Davoser Weberin Lise Gujer. Und der Perlentaucher publiziert den Text der PEN-Berlin-Schriftsteller, die sich von der Resolution zum Nahost-Konflikt distanzieren.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.12.2024 Wie wird es in Syrien weitergehen? Droht eine islamistische Regierung? Der Menschenrechtsanwalt Anwar al-Bunni erklärt im SZ-Interview, warum er das nicht glaubt. Für Israel bedeutet der Umsturz in jedem Fall eine Entlastung, weiß der Politikwissenschaftler Olivier Roy in der FR. Der türkische Migrationsforscher Murat Erdogan hält es für eine komplette Fantasie, dass alle syrischen Geflüchteten aus Europa nach Syrien zurückkehren werden, wie er im Tagesspiegel-Gespräch festhält. Der brasilianisch-indigene Philosoph Ailton Krenak erklärt ebenda, warum sich die westliche Welt Rat bei indigenen Völkern in Sachen Klimaschutz holt.
Magazinrundschau
10.12.2024 Der New Statesman sieht das Ende der Woke-Ära heraufdämmern. Der New Yorker lernt, warum die beste Beinprothese dumm ist. Der Philosoph Miklós Mesterházi kämpft um den Erhalt des Lukács-Archivs. Der Guardian rechnet die Kosten einer Heiligsprechung durch. Hakai sucht Doggerland. Die New York Times berichtet vom Bürgerkrieg in Äthiopien.
Bücherschau des Tages
10.12.2024 Die NZZ vertieft sich in Gedichte aus dem Krieg von Serhij Zhadan, der statt auf Hass auf den Gesang und die Sprache setzt. Die FR ist fasziniert von Max Gross' Roman über die Bewohner eines Stetls im polnischen Nirgendwo, die durch das Verschwinden einer Frau die Tore zur Außenwelt öffnen müssen. Dlf schwelgt in Dora Kaprálovás "Winterbuch der Liebe". Dlf Kultur erfährt von Olivier van Beemen vom neokolonialistischen Treiben der millionenschweren NGO "African Parks". Die FAZ verbringt mit Nancy Mitford eine "Schöne Bescherung auf Compton Bobbin".
Mittwoch, 11.12.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
11.12.2024 In der SZ hofft der syrisch-deutsche Schriftsteller Rafik Schami auf Demokratie in Syrien unter der HTS. Für Frauen in Syrien dürfte es deutlich ungemütlicher werden, befürchtet in der FAZ indes die Integrationsexpertin Rasha Corti, denn: HTS erkennt die Scharia in ihrer strengsten Auslegung an. Im Perlentaucher erinnert der Historiker Ernst Piper daran, dass das jüdische Leiden in der Gedenkstätte Auschwitz erst nach dem Ende des kommunistischen Regimes 1990 wirklich ein Thema wurde. Die FU sagt derweil lieber eine Ausstellung zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz ab, Besucher könnten zu stark emotionalisiert werden, so die FAZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.12.2024 Amnesty International bekleckert sich in Sachen Boualem Sansal nicht gerade mit Ruhm, kritisiert lejournal.info. Die Kampagne für Sansal wird intensiviert. Die Feuilletons laben sich an Jon M. Chus Filmmusical "Wicked" - drüber, aber toll, findet der Tagesspiegel. Der Streit um die Nahostkonflikt-Resolution des PEN Berlin eskaliert - unnötigerweise, findet die Zeit. Jetzt sind Teile der propalästinensischen Fraktion ausgetreten. Amoaka Boafas Kunst zerlegt Klischees schwarzer Macho-Männlichkeit, freut sich die taz in einer Ausstellung im Wiener Belvedere. Elfriede Jelinek fällt nicht viel Erhellendes zu Trump ein, ärgert sich die FAZ in der Premiere von "Endsieg" am Schauspielhaus Hamburg.
Bücherschau des Tages
11.12.2024 Die FAZ verschlingt Res Strehles Biografie über den Streetart-Künstler Harald Naegeli, der einst noch per internationalem Haftbefehl gesucht wurde. Außerdem wird sie mit Büchern über Abstinenz von Mia Gatow und Bas Kast nüchtern. Die SZ lässt sich von Franz Friedrich in "Die Passagierin" an einen utopischen Ort entführen, an dem verlorene Seelen aus allen Epochen Zuflucht finden. Außerdem empfiehlt sie Daniel Clowes lässige Graphic-Novel "Monica". Die taz erhält mit Selma Kay Matters Roman "Muskeln aus Plastik" eine queere Perspektive auf Long-Covid-Leiden.
Donnerstag, 12.12.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
12.12.2024 Boualem Sansal bleibt weiterhin in Haft, sein Anwalt durfte nicht nach Algerien einreisen, meldet Le Point. Derweil zerlegt sich der PEN Berlin weiter selbst: Im Freitag führt Jörg Phil Friedrich der Gruppe um Per Leo nochmal vor Augen, welche zwielichtigen Gestalten sie da als Kollegen bezeichnen. In der Berliner Zeitung meint Deniz Yücel: Das ist Demokratie. Die Zeit notiert in Mannheim: Die Neue Sachlichkeit ist die Kunst der Stunde, warnt aber vor der Agonie der Zeitgenossen. Außerdem reibt die Zeit Balzac mit Balsamico ein. Die Welt rauft sich die Haare, wenn Rosa von Praunheim in Berlin Alice Weidel als Hitler gegen Sahra Wagenknecht als Stalin mit Pimmelwürsten kämpfen lässt.
9punkt - Die Debattenrundschau
12.12.2024 "Der Sturz Assads reicht weit über den Nahen Osten hinaus", hält die Zeit fest, denn die "Achse des Widerstands" hat einen empfindlichen Schlag erhalten. Die NZZ dämpft den Optimismus in Bezug auf Syrien: Al-Dscholani ist immer noch ein Dschihadist. Zeit Online beschäftigt sich mit dem Mord am United-Healthcare-Chef Brian Thompson, der ohne die wachsende Ungleichheit in den USA nicht zu erklären sei. Die taz verbittet sich "Westsplaining" in Bezug auf die Proteste in Georgien.
Bücherschau des Tages
12.12.2024 Dlf Kultur empfiehlt wärmstens Tom Haugomats Graphic Novel "Ein ganzes Leben". Die FR begibt sich mit Christoph Nix in Sardinien auf die Suche nach "Gramscis Geist". Die NZZ liest mit Ayana Mathis' Roman "Am Flussufer ein Feuer" eine beeindruckende Geschichte von Gewalt, Rassismus, aber auch Eigenverantwortung. Die Zeit findet mit Jordan Peterson nicht zu Gott. Dlf empfiehlt als das beste und spannendste Buch des Jahres Tana Frenchs "Feuerjagd".
Freitag, 13.12.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
13.12.2024 "Wir Frauen sollten mit am Tisch sitzen und mit entscheiden", ruft in der taz die syrische Menschenrechtsanwältin Joumana Seif in einer Mischung aus Hoffnung und Sorge. Und die syrische Schriftstellerin Dima Wannous fragt in der NZZ, wie angesichts der Gräueltaten des Assad-Regimes Versöhnung in Syrien möglich sein wird. Im SZ-Gespräch erinnert Marko Martin an sein Vorbild André Glucksmann. In der Welt erinnert der ukrainische Historiker Yaroslav Hrytsak an einen Grundsatz zivilisierter Völker: "Geschichte wird nicht genutzt, um Politik zu legitimieren.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.12.2024 "Wie schwierig es ist, ein Schriftsteller und zugleich ein freier Algerier zu sein", erinnert Kamel Daoud in seiner Le Point-Kolumne, in der er Boualem Sansal gegen Vorwürfe des Rechtsextremismus verteidigt. Auch dessen Anwalt fordert eine "Schriftstellerfront für die Meinungsfreiheit." Die NZZ findet in Zürich "letzte Zuflucht bei der Malerei" in den Werken des Kanadiers Matthew Wong und seines Seelenverwandten Vincent van Gogh. Die Berliner Zeitung macht sich Sorgen um die Zukunft der Volksbühne. Artechock möchte verstehen, was "europäischer Film" heutzutage bedeutet. Raven ist politisch, lernt die taz von georgischen DJs.
Bücherschau des Tages
13.12.2024 Die FAZ reist mit Thomas de Padova durch das Jahrzehnt der Physik. Die SZ empfiehlt Kinderbücher, darunter vor allem den Band "Elektrizität und Himmelsfische", der aus Kinderperspektive und mit Momenten konkreter Poesie vom Krieg erzählt. Die taz lernt dank Sarah Raich die sagenhafte Mittelalter-Dichterin Hrotsvit von Gandersheim kennen. Erschüttert liest Dlf Kultur die Korrespondenz der Schweizer Erzählerin Adelheid Duvanel. Und der Dlf bewundert in 365 Texten die Kunst der Monika Helfer.
Samstag, 14.12.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
14.12.2024 "Hat man den Genozid an den Jesiden vergessen und all die anderen Verbrechen", fragt Ronya Othmann in der FAS angesichts der Freude über die neuen Machthaber in Syrien. Die SZ rät Deutschland, schnell Kontakt zu Syriens neuer Führung aufzunehmen - um Ansehen in der arabischen Welt zurückzuerlangen. Auf Zeit Online erklärt der Politologe Jeffrey Winters die Macht amerikanischer Oligarchen. In der Rheinischen Post sorgt sich Peter Sloterdijk weniger vor einem Dritten Weltkrieg als vor Russen und Oktopussen.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.12.2024 PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel mahnt im SZ-Gespräch mit Blick auf den aktuellen Streit um eine Nahostkonflikt-Resolution, sich mehr auf Gemeinsamkeiten als auf Unterschiede zu konzentrieren. Saba-Nur Cheema und Meron Mendel attestieren der Pro-Palästina-Fraktion um Per Leo in der FAZ hingegen Eitelkeit und Narzissmus. Die Kritiker nehmen mit "Der Schnittchenkauf" an der Volksbühne endgültig Abschied von René Pollesch. Und die Filmkritiker trauern um den Regisseur Wolfgang Becker, der die "Jammerzeit" des deutschen Kino der Neunziger beendete.
Bücherschau des Tages
14.12.2024 FAZ und taz tauchen mit Han Kangs neuem Roman "Unmöglicher Abschied" in ein düsteres Kapitel der Geschichte Südkoreas ein und sind schwer beeindruckt. Die SZ begibt sich mit Monica Rincks Gedichten "Höllenfahrt und Entenstaat" auf die lyrische Überholspur. Die NZZ ergründet mit "Trinken wie ein Dichter" den Zusammenhang zwischen Trinker(in) und Werk. Die taz empfiehlt Enrico Palandris Roman "Lichter auf der Piazza Maggiore", der sie mitten in die italienischen Studentenrevolten der Siebziger Jahre katapultiert.
Montag, 16.12.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
16.12.2024 In der taz erzählt der in Berlin lebende georgische Schriftsteller Zaza Burchuladze, wie qualvoll es für ihn ist, dem Kampf seines Landes um Demokratie von ferne zuzusehen. In einer Zeitschrift für Sozialforschung wirft BSW-Vordenker Wolfgang Streeck der deutschen Regierung "Nibelungentreue" zu Israel vor. In Le Point prangert Kamel Daoud die "Versöhnung" zwischen dem algerischen Regime und den Islamisten an. Und mehrere Zeitungen machen sich Hoffnungen für Syrien.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.12.2024 Die iranische Sängerin Parastoo Ahmadi, die ein Konzert ohne Kopftuch gab, ist nach ihrer Verhaftung wieder frei, berichtet unter anderen die taz. Die FAZ staunt im niederländischen Wassenaar über die Keramik-Figuren von Musiker Nick Cave, der sich selbst zum Teufel macht. Yael Ronen breitet mit ihrem neuen Stück "Replay" in Berlin ein großes Geschichts-Tableau vor den Kritikern aus, die damit aber nicht ganz glücklich werden.
Bücherschau des Tages
16.12.2024 Die NZZ hält mit Olga Tokarczuk spiritistische Séancen im Breslau des frühen Zwanzigsten Jahrhunderts ab. FAS und SZ preisen Han Kangs neuen Roman "Unmöglicher Abschied". Die FAZ lässt sich von Ulrich Noethen Hermann Hesses Gedanken zu Weihnachten vorlesen. Dlf erfährt von Jóhanna Katrín Friðriksdóttir, wie es den Frauen in der Welt der Wikinger erging. Und Dlf Kultur lässt sich von Carlos Moreno das Konzept der "15-Minuten-Stadt" erklären.
Dienstag, 17.12.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
17.12.2024 Al-Dscholani ist kein Demokrat und er betreibt Unterdrückung, aber er verspricht, dass Frauen in Syrien keine Burkas tragen müssen, erzählt der amerikanische Journalist Martin Smith, der den HTS-Führer für eine Dokumentation getroffen hat, auf Zeit Online. Die taz glaubt derweil: Die HTS macht Utopien möglich. Die FR schildert, wie die islamische Strömung der Baha'i, die sich für mehr Frauenrechte einsetzt, im Iran drangsaliert wird. Auf Spon ruft die Politikwissenschaftlerin Jessica Gienow-Hecht Europa nach der Trump-Wahl auf, mehr in die eigene Sicherheit zu investieren. In der Welt beerdigt Hubertus Knabe Sahra Wagenknecht und ihr BSW.
Magazinrundschau
17.12.2024 Der amerikanische Journalist Theo Padnos erzählt von den syrischen Islamisten, die ihn zwei Jahre gefangen gehalten hatten. Auch nach dem Sturz Assads ist der türkische Imperialismus nicht die große Erfolgsgeschichte, die Erdogan gern daraus machen würde, meint die New Left Review. La vie des idees skizziert den Mileismus. Words without Borders erklärt uns, was Amazighitude ist. Al Jazeera schwärmt vom Maya-Blau. Das New York Magazine staunt, wie linke und rechte Naturapostel sich problemlos im Ruf MAHA vereinen: Make America Healthy Again!
Efeu - Die Kulturrundschau
17.12.2024 Die FAZ jubelt: Mit seinem Beethoven-Stück "Tiefer Graben 8" findet Christoph Marthaler am Theater Basel wieder zu alter Größe zurück. In der SZ verrät der iranische, vor dem Regime geflohene, Regisseur Mohammad Rasoulof, wie man heimlich einen Film dreht. Rainald Goetz ist wieder online! So freut sich der Tagesspiegel über die heimlichen Instagram-Aktivitäten des Schriftstellers. Backstage Classical bittet um Mithilfe: die unabhängige, kritische Berichterstattung gefällt nicht allen.
Bücherschau des Tages
17.12.2024 Die FAZ kreist mit Sibylle Anderl und Claus Leggewie um die Sonne. Von Jouanna Hassoun und Shai Hoffmann lernt sie, wie man über den Nahostkonflikt sprechen kann. Die SZ lernt in Colum McCanns Band "American Mother" die Mutter des vom IS getöteten Journalisten James Foley kennen. Dlf sucht mit Alexandra Stahl und "Frauen, die beim Lachen sterben" nach dem Lebenssinn in Berlin. Und Dlf Kultur freut sich über vor Sprachwitz sprühende Burlesken von André Gide.
Mittwoch, 18.12.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
18.12.2024 Die Berliner Zeitung verliert sich in David Schnells farbstarken Halluzinationen im Berliner Mies-van-der-Rohe-Haus. Monopol schaut Martina Morger im Baseler Museum Tinguely beim Ablecken von Schaufenstern zu. Der Tagesspiegel spaziert mit dem Verlegerpaar Angelika und Bernd Erhard Fischer durchs Berliner Umland und entdeckt Löcher in der Zeit. Die Pianistin Hanni Liang erklärt der FAZ, wie ihre Konzerte der Vereinzelung in der modernen Welt entgegen wirken. Und die SZ rät Kindern zu Gruselfilmen, um zu lernen, mit Furcht umzugehen.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.12.2024 Algerien stand stets an der Seite Assads, erinnert Le Point mit Blick auf die Parallelen zwischen Syrien und Algerien. In der SZ fürchtet Herfried Münkler eine Ära der großen Koalitionen und der Vertrauensfragen. Schon mit dem Einmarsch in Tschetschenien im Jahr 1994 wurde Russlands imperialer Appetit entfacht, meint der russische Schriftsteller Sergei Lebedew in der NZZ. Derweil schließt Russland Kinder von Migranten von der Schulbildung aus, berichtet die taz. Der Guardian setzt seine Hoffnung auf den Nordostkorridor der Nato. Und SZ und Monopol werfen Joe Chialo Zynismus vor.
Bücherschau des Tages
18.12.2024 Die FAZ lässt sich vom Band "1 Nervensommer" verzaubern, in dem die Worte Friederike Mayröckers in den Bildern von Andreas Grunert lebendig werden. Die FR folgt Christoph Ransmayr und seinen Mikroromanen "Egal wohin, Baby". Die SZ schätzt Ines Geipels Ost-Analyse "Fabelland". Die taz empfiehlt Daniel Clowes Comic "Monica", der schonungslos mit der US-amerikanischen Gesellschaft ins Gericht geht. Und Dlf Kultur sucht mit dem polnischen Lyriker Jacek Dehnel nach "Chopins Herz".
Donnerstag, 19.12.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
19.12.2024 Großes Aufatmen in der Kunstwelt: Mit der Entscheidung für Naomi Beckwith als Leiterin der Documenta 16 setzt die Kommission nicht mehr auf "Experimente aus dem globalen Süden". Derweil bangen die Filmkritiker angesichts der Diskussion, die heute im Bundestag über die Reform der Filmförderung geführt wird: In der FAZ fleht Volker Schlöndorff: Sichert das Überleben des Films in unserem Land. taz und FAZ blicken in Berlin mit Baudelaire in die Abgründe von Covid-Zellen und Kabuler Schönheitssalons. Und der Perlentaucher feiert mit Payal Kapadias "All We Imagine as Light" die neonlichtfunkelnde Schönheit Mumbais.
9punkt - Die Debattenrundschau
19.12.2024 Islamismus ist nicht Islamismus, glaubt der syrische Schriftsteller Yassin al-Haj Saleh in der Zeit, wo er auf ein freies Syrien unter HTS hofft. Ein türkisch geprägter Islamismus hat in Syrien über die schiitisch geprägte "Achse des Widerstands" gesiegt, hält der Islamwissenschaftler Gilles Kepel in der FAZ fest. Der Sturz Assads ist wenig wert, wenn jetzt nicht auch Frauen über die Zukunft Syriens mitbestimmen, ruft die syrische Menschenrechtsaktivistin Joumana Seif im Tagesspiegel. Abtreibungsbefürworterinnen haben Donald Tusk ins Amt gebracht - wo bleibt die Legalisierung, fragt die SZ.
Bücherschau des Tages
19.12.2024 Die entzückte FAZ lernt von Anne C. Bomanns "Rosa", wie man freundschaftliche Beziehungen zu einem Oktopus knüpft. Una Mannions anspielungsreichen Roman "Sag mir, was ich bin" sieht sie schon als Film vor sich. Der Dlf lernt Konsumverzicht mit Julia Friedrichs und John von Düffel. Die SZ liest mit Tom Hillenbrands Roman "Lieferdienst" eine gruselig-lustige Zukunfts- wie Abstiegsgeschichte. Und hier noch ein Tipp für alle, die noch ein Weihnachtsgeschenk suchen: Edward Brooke-Hitchings große, schön illustrierte Kulturgeschichte der Liebe lässt dlf Kultur stöbern und staunen über die verrückten Dinge, die wir für die Liebe tun.
Freitag, 20.12.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
20.12.2024 "Man darf den Islamisten nie vertrauen", warnt in der NZZ der syrische Schriftsteller Omar Youssef Souleimane, der auch darauf hinweist, wie sich der religiöse Fanatismus in Syrien unter Assad ausbreiten konnte. Im Tagesspiegel macht die Aktivistin Sophie Bischoff Hoffnung: Es sei möglich, "Islamisten in die Schranken zu weisen". Im Zeit-Interview kann Marko Martin das "unerwachsene Rumgequengel" vieler Ostdeutscher nicht mehr hören. In der FR hofft Claus Leggewie auf einen Dreierbund aus Deutschland, Frankreich und Polen. FAZ und taz verneigen sich vor Gisèle Pelicot.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.12.2024 Der Filmemacher Jean-Pierre Lledo fragt sich im Gespräch mit Times of Israel, inwieweit Frankreich mit der Inhaftierung Boualem Sansals unter Druck gesetzt werden soll, die von Algerien gewollte Grenze zu Marokko zu akzeptieren. Die FAZ fährt mit Richard Strauss' "Salome" in Antwerpen Richtung Untergang. Weder FAZ noch Artechock sind mit der Novelle des Filmförderungsgesetzes zufrieden. Monopol schildert, wie sich die Jüdische Kunstschule Berlin für Verständigung und gegen Boykott einsetzt. Umweltfreundliche Architektur hat eine lange Geschichte, wie die taz in Schleswig-Holstein lernt.
Bücherschau des Tages
20.12.2024 Die FAZ verdankt Stephan Thome ein besseres Verständnis des Konflikts zwischen China und Taiwan. Die taz staunt, wenn Alexander Kluge Filmclips mit KI generiert. Die NZZ ist ganz verzaubert von denn sinnlich-zärtlichen letzten Gedichten von Friederike Mayröcker. Der Dlf erfährt alles, was es über Möwen zu wissen gilt, von Holger Teschke. Und Dlf Kultur sucht mit Marta Barone einen Vater in den Straßen von Turin.
Samstag, 21.12.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
21.12.2024 Der Attentäter von Magdeburg war offenbar der Psychiater Taleb Al-A., der auf Twitter als ein scharfer Islamkritiker bekannt war - der FAZ hatte er vor fünf Jahren ein Interview gegeben, in dem er erzählte, wie er saudi-arabischen Frauen auf der Flucht half. Wir zitieren aus diesem Interview. Außerdem: Richard Herzinger warnt in seinem Blog davor, Trump als "Friedensbringer" zu sehen. In der FR blickt die in Deutschland lebende Iranerin Noshin Shahrokhi mit Skepsis auf Syrien.
Efeu - Die Kulturrundschau
21.12.2024 Der Tagesspiegel verliert sich in Paris staunend in den schimmernden Fäden der kolumbianischen Webkünstlerin Olga de Amaral. Der russische Maler Nikolai Estis erklärt in der FAZ, warum er es hasst, seine Bilder zu verkaufen. Der ukrainische Schriftsteller Sergej Gerassimow wirft in der NZZ Schlaglichter auf Weihnachten in Charkiw im dritten Jahr des Ukrainekriegs. Die Autorin Lea Streisand erzählt in einem FAS-Essay von Weihnachten und Sparkultur. Der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof rühmt im Interview mit der taz die Kunst und den Mut der jüngsten Generation iranischer Regisseure. Van freut sich über das Weihnachtswunder Bach in der ARD.
Bücherschau des Tages
21.12.2024 Die FAZ liest Jan Hafts unorthodoxes Buch zum Thema Wald, dessen Ideal der Biologe als von Weidehaltung und Schneisen durchsetzten "Mittelwald" beschreibt. Die FR blickt mit Andreas Rödder auf den neuen Ost-West-Konflikt. In der SZ empfiehlt Herfried Münkler David Blackbourns Geschichte über "Die Deutschen in der Welt". Die taz lernt von Samira Akbarian zivilen Ungehorsam. Der Dlf sinkt mit Osamu Dazais modernem Klassiker "No Longer Human" auf die tiefste Stufe der menschlichen Existenz.
Montag, 23.12.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
23.12.2024 Die Zeitungen versuchen den Motiven des Mörders von Magdeburg auf die Spur zu kommen, der aus Hass auf den Islam und die deutsche Gesellschaft ein Attentat nach dem Muster islamistischer Taten verübte. Er ist am ehesten dem Rechtsextremismus zuzuordnen, sind sich die Experten einig. Putins Krieg gegen die Ukraine ist das zweite große Thema: Irina Rastorgujewa erzählt in NZZ und FAZ, wie Putin sowohl Frauen als auch Männer für den Krieg drangsaliert.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.12.2024 Die Kritiker sind begeistert von Mohammad Rasoulofs heimlich im Iran gedrehten Film "Die Saat des heiligen Feigenbaums". Die Nachtkritik freut sich in Hakan Savaş Micans Berliner Adaption von Necati Öziris Roman "Vatermal" über "schön rotzige" Frauenfiguren. Der Filmdienst führt durch das ungarische Gegenwartskino unter Viktor Orbán. Zeit Online erklärt uns, wie sich die Musik der Neuen Neuen Deutsche Welle nochmal genau anhört. Und die NZZ stellt fest: Die Luxusmodemarken haben es die letzten Jahre übertrieben mit der scheinbaren Exklusivität.
Bücherschau des Tages
23.12.2024 Die FAZ erfährt von Yuval Noah Harari, "Wie aus Feinden Freunde werden". Außerdem gruselt sie sich ein bisschen mit Nikolaus Heidelbachs und Ole Könneckes "Gutenachtgeschichten für Celeste". Die FR hat große Freude daran, wie Joachim Meyerhoff in seinem Roman "Man kann auch in die Höhe fallen" seine Mutter zum heimlichen Star macht. Die NZZ lernt beim früheren BND-Mitarbeiter Gerhard Conrad, warum Geheimdienste manchmal versagen. Und die SZ lässt sich von Stephan Thome den Konflikt in der Taiwanstraße erklären.
Dienstag, 24.12.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
24.12.2024 Frauen müssen mindestens einen Löwen zähmen, um zur Ikone zu werden, lernt der Tagesspiegel in Frankfurt. In der Zeit erkennt Navid Kermani in Mohammad Rasoulofs "Die Saat des heiligen Feigenbaums" das mythische Drama der iranischen Gesellschaft. Ebenfalls in der Zeit erklärt Han Kang, welche Bedeutung Träume für ihre Romane haben. Die FAZ gibt sich in Paris mit Hexern, Göttern und Zombis auf einem haitianischen Friedhof die Klinke in die Hand. Und die Welt fragt fassungslos: Warum braucht Berlin vier Jahrzehnte, um am Molkenmarkt drei Blocks zu bebauen?
9punkt - Die Debattenrundschau
24.12.2024 Religionen können auch in ihrer Negation extreme Auswirkungen haben, hält der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad im Focus mit Blick auf den Magdeburg-Attentäter fest. Nicht nur die Behörden, auch die Zivilgesellschaft hat in diesem Fall versagt, ruft die NZZ. Die Baath-Partei wurde aus Syrien vertrieben, der von ihr gesäte Hass wirkt aber nach, warnt der irakische Schriftsteller Najem Wali in der FAZ. Der Islamforscher Reinhard Schulze hält eine "Talibanisierung" der syrischen HTS in der NZZ für unwahrscheinlich.
Bücherschau des Tages
24.12.2024 Die FAZ sinnt über die romantische und barocke Prosa von Wolf von Niebelschütz nach. Mit Ulrich Rüdenauers Roman "Abseits" vertreibt sie die Gespenster der dunklen deutschen Vergangenheit - mit Fußball. Die SZ fragt sich mit Sandra Maß, wie man im Anthropozän noch Geschichte schreiben kann. Die Zeit kämpft mit Lyndal Ropers Buch über den Bauernkrieg von 1525 "Für die Freiheit". Dlf vertreibt mit Anke Kuhls und Moni Ports musikalischen Comics den Winterblues. Und der Perlentaucher wünscht all seinen Leserinnen und Lesern ein frohes Fest!
Freitag, 27.12.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
27.12.2024 Warum keine Bundesrepublik Syrien? In der Welt skizziert Michael Wolffsohn, wie eine föderative Friedensordnung des Nahen Ostens aussehen könnte. In der taz kritisiert Alan Meish vom kurdischen Sender Rohanî TV in Nordostsyrien das internationale Schweigen angesichts der türkischen Angriffe auf kurdische Journalisten. Dass russische Bücher in der Ukraine zu Klopapier verarbeitet werden, hilft auch nicht weiter, beklagt der russische Journalist Vladimir Esipov in der Welt. Auf Zeit Online fühlt sich Armin Nassehi angesichts der libertären Forderung nach mehr "Disruption" an die radikalen Linken der Siebziger erinnert.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.12.2024 Monopol gibt sich im Museum Küppersmühle Miquel Barcelós rauschhaften Genüssen hin. In der Welt erzählt die iranische Schauspielerin und Frauenrechtlerin Mahsa Rostami von ihrer schmerzhaften Begegnung mit der iranischen Polizei. Die FAZ besucht in Nordostnorwegen das erste samische Theater von Snøhetta. Die GEMA verklagt OpenAI wegen Urheberrechtsbedenken, die SZ berichtet. Alle Jahre wieder lauschen Medium und Tagesspiegel Bachs Weihnachtsoratorium mit dem Rundfunk Sinfonieorchester Berlin.
Bücherschau des Tages
27.12.2024 Handverlesene Empfehlungen zwischen den Jahren: Der Dlf Kultur freut sich über eine vom PEN Berlin und vom The Poetry Project zusammengestellte Anthologie, in denen junge Geflüchtete teils essayistisch, teils lyrisch von Flucht, Heimat- und Sprachverlust erzählen. Die FAZ lässt sich von der kanadischen Historikerin Erika Dyck eine anekdotenreiche "Kulturgeschichte der Psychedelika" erzählen. Und die FR erkennt im mehr als fünfzig Jahre währenden Briefwechsel zwischen Hans-Georg Gadamer und Martin Heidegger, wie wenig zimperlich Heidegger mit seinem Schüler umging.
Samstag, 28.12.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
28.12.2024 Der Guardian gleitet auf Zen-Wolken in London durch die superflachen Gemälde von Takashi Murakami. Politische Kunst verlor ihre Bedeutung, als Haltungen selbst zur Marke der Künstler wurden, konstatiert Zeit Online. Die FAZ lacht, seufzt und grübelt in Fritz Senns im Laufe von Jahrzehnten aufgebauter James-Joyce-Spezialbibliothek in Zürich. Die SZ nimmt Abschied vom guten alten Esszimmer. Und alle trauern um Hannelore Hoger, die kühle Laborantin mit dem rauen Charme, wie die FR schreibt.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.12.2024 In der taz glaubt der Schriftsteller Najem Wali zwar nicht an Demokratie in Syrien unter HTS, dafür sieht er die Herrschaft der Mullahs im Iran erheblich schwanken. Der Historiker Gerd Koenen hofft in der FAZ inständig darauf, dass das deutsche Lavieren in der Ukrainepolitik endlich ein Ende hat. Der Literaturwissenschaftler und Verleger Jörg Bong beschwört die Franzosen, sich auf ihre Tradition des Universalismus zurückzubesinnen. Die Historikerin Ute Frevert erklärt im FAS-Gespräch, warum das Einnehmen der "Opferrolle" im aktuellen Diskurs so beliebt ist.
Bücherschau des Tages
28.12.2024 Die FAS lernt dank Emma Southon 21 Frauen kennen, die das Römische Reich mehr prägten als angenommen. Die taz staunt, wie „irritierend exakt“ Maylis de Kerangals im Original bereits 2012 erschienener Roman „Weiter nach Osten“ unter die Epidermis Russlands blickt. Die FR begibt sich mit Ingolf Blühdorn auf einen Weg in eine andere Moderne jenseits der liberalen Demokratie. Dlf Kultur entdeckt mit José Maria Eça de Queirós einen portugiesischen Flaubert. Und der Dlf lässt sich von Magdalena Platzová die unbekannte Geschichte der Kafka-Verlobten Felice Bauer erzählen.
Montag, 30.12.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
30.12.2024 Ohje, jetzt will Elon Musk auch noch Deutschland regieren. Sein Wahlaufruf für die AfD in der Welt stört den nachweihnachtlichen Verdauungsfrieden im Land. In der Redaktion der Welt rumort es. Die Kommentare der anderen Medien gelten eher dem Springer-Konzern als dem Text von Musk, der die AfD als eine Art weichgespülte FDP präsentiert und die Moskauhörigkeit der Partei nicht mal erwähnt. In der SZ fragt Eva Illouz, warum die UN Monate brauchte, um die Völkermorde in Ruanda oder Kambodscha zu benennen, aber in Israel schon da waren, bevor es seine Offensive gegen die Hamas wirklich startete. Die FAZ erzählt die finstere Geschichte Syriens unter den Assads.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.12.2024 Die Initiativen für die Freilassung von Boualem Sansal lassen nicht nach: Eine Gruppe aus Autoren und Universitätsleuten veröffentlicht einen Aufruf in L'Express. Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune griff Sansal in seiner Neujahrsansprache derweil scharf an, berichtet Marianne. Die FAZ amüsiert sich in Tallinn mit den Bildern des estnischen "Kosmo-Erotikers" Ülo Sooster, dem auch die Sowjets das Lachen nicht austreiben konnten. Die Filmkritiker bejubeln Dominik Grafs neuen "Polizeiruf"-Krimi "Jenseits des Rechts".
Bücherschau des Tages
30.12.2024 Die NZZ geht mit Roman Ehrlich auf ein Videoabenteuer zwischen pfeilschnellem Attraktionskino und gemächlicher Provinztristesse. Außerdem zieht sie den Hut vor Tore Renbergs historischem Roman "Die Lungenschwimmprobe" über einen Kindsmord-Prozess zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. Der FR schwirrt der Kopf von Phillip B. Williams überbordendem Buch über einen magischen Schutzort namens "Ours". Die SZ erkennt in der Lyrik von Daniela Seel einen zutiefst existenziellen Anspruch. Und die FAZ lernt von Amy Claire Adams, wie man erfolgreich scheitert.
Dienstag, 31.12.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
31.12.2024 In der SZ warnt der Historiker Quinn Slobodian vor den drei Säulen der neurechten Ideologie der jüngsten Marktradikalen: Gold, IQ und Rassismus. Wir steuern auf eine katastrophale Zukunft zu, aber Verharren in der Opferrolle bringt ja auch nichts, meint der Historiker Philipp Blom in der Welt. In der Zeit schildert der Menschenrechtsaktivist Maksym Butkevych die brutalen Haftbedingungen in Russland. Die Russen können durchaus wissen, was vor sich geht, denn so restriktiv ist der russische Buchmarkt keineswegs, bemerkt die NZZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
31.12.2024 Dass Feuerwerk auch eine Kunst sein kann, lernt die taz in einer Berliner Ausstellung. Auf critic.de erzählt Lukas Foerster von seinem Mammut-Projekt: alle deutschen Filme mit Kinostart aus dem Jahr 2024 gesehen zu haben. Boualem Sansal wird bei der Neujahrsamnestie des algerischen Präsidenten nicht freigelassen, meldet sein französisches Unterstützerkomitee. Kunst ist keine Wohlfühloase, erinnert in der Zeit Rainer Moritz. Die taz betrachtet die Architektur in Bulgarien. Die Zeit trauert um den Berliner Watergate-Club, der im neuen Jahr dicht macht.
Bücherschau des Tages
31.12.2024 Eher politische Bücher werden am letzten Tag des Jahres besprochen: Jens Balzer vermisst im Deutschlandfunk bei Hamed Abdel-Samads "Der Preis der Freiheit" ausgerechnet den Freiheitsbegriff. Die FAZ lässt sich von Leon Erlenhorst und Arndt Freytag von Loringhoven über "Putins Angriff auf Deutschland" informieren. Und die SZ lernt mit Markus Krajewski die "Kulturtechnik Kochen". Und nun wünscht der Perlentaucher einen guten Rutsch! Am 2. Januar 2025 sind wir wieder da.