Donnerstag, 01.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
01.12.2022 In der FR schlägt Mykola Gnatovskyy, Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, für Putin ein Tribunal nach dem "Modell Nürnberg" vor. In der NZZ fordert Alice Schwarzer "um Gottes willen nicht noch mehr Waffen" für die Ukraine. Die FAZ sucht nach Informationen zum Gesundheitszustand der belarussischen Oppositionellen Maria Kolesnikowa. Die taz begrüßt die neuen Einwanderungsgesetze der Bundesregierung. SZ und FR bejahen die Entscheidung des Bundestags, den Holodomor als Völkermord anzuerkennen.
Efeu - Die Kulturrundschau
01.12.2022 Welt, SZ und Perlentaucher freuen sich über das Chaos der Zivilisationen in Kurdwin Ayubs Filmdebüt "Sonne". Die FAZ erlebt in Nürnberg ein witziges Spiel mit Polystilistik und reinstes Komponistenglück bei der Uraufführung von Anno Schreiers Oper "Turing". Die Welt steht staunend vor den verstrahlten Kokosnüssen, die der Schweizer Künstler Julian Charrière vom Bikini-Atoll nach Neuss mitgebracht hat.
Medienticker
01.12.2022 Gespräch mit der Mitgründerin von "Planet A" Lena Thiede - Was Tolkien mit Kafka verbindet: Daniel Kehlmann schreibt Serie - Bundesverwaltungsgericht: Was die Öffentlich-Rechtlichen löschen müssen + Stiftung Warentest testet Paketdienste & wird von allen bis auf einen enttäuscht - Jan Böhmermann: Muss man das ertragen? - Sängerin von Fleetwood Mac : Christine McVie mit 79 Jahren gestorben ... + Tina Pruschmanns Wende-Roman "Bittere Wasser" über ein DDR-Zirkuskind
Bücherschau des Tages
01.12.2022 Die FAZ geht auf die Knie vor Melanie Waltz' Übersetzung von Virginia Woolfs "Mrs. Dalloway". Der Zeit stellen sich in "Unser wildes Zuhause" 35 Polartiere vor. Dlf übt "Figurenstehen" mit Günter Grass. Dlf Kultur hört es von Alexei Salnikow: "Petrow hat Fieber".
Freitag, 02.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
02.12.2022 In der SZ spricht Tatjana Chomitsch über die folterähnlichen Haftbedingungen ihrer Schwester Maria Kolesnikowa. Im Deutschlandfunk kritisiert Jörg Baberowski die Anerkennung des Holodomor als Völkermord durch den Bundestag: "Das ist eine Angelegenheit der Ukrainer, die das als ihren nationalen Mythos brauchen; wir brauchen das nicht." Bei geschichtedergegenwart.ch liefert Benjamin Kaufmann eine scharfe Polemik gegen die Wiener Honoratiorenschaft, der an Karl Lueger als "Stachel im Fleische" gelegen ist.
Efeu - Die Kulturrundschau
02.12.2022 Die Berliner Zeitung bewundert ungarische Kunst aus dem Untergrund der Nachkriegszeit. Das British Filminstitute versucht den Filmkanon umzuschreiben: Als bester Film aller Zeiten gilt ihm jetzt Chantal Akermans "Jeanne Dielman 23, quasi du Commerce, 1080 Bruxelles". Die SZ staunt bei der Pressekonferenz zum Nachlass von Rilke über die originellen Gründe des Literaturarchivs in Marbach, warum der Kaufpreis nicht genannt wird. Die Musikkritiker trauern um Christine McVie von Fleetwood Mac, die Architekturkritiker um Meinhard von Gerkan.
Medienticker
02.12.2022 Aktualisiert: Beim PEN-Berlin: Gespräch mit dem PEN-Amerika-Vorsitzenden Ayad Akhtar - Von Null auf Platz 2 der Krimibestenliste: Gu Byeong-mo - Als in München die Fäuste flogen: Oasis-Prügelei vor 20 Jahren - Den Schreibern des Mittelalters auf der Spur in niederösterreichen Klöstern - Nachlass eines Dichters: Rilke komplett im Literaturarchiv Marbach + TV+Hörtipps fürs Wochenende...
Bücherschau des Tages
02.12.2022 Die FAZ verbringt lange, schlaflose Nächte mit Samantha Harvey und sinniert über den Tod, Drogen und das Fernsehprogramm. Die FR schaut mit Nicolas Mathieu zu, wenn in der französischen Provinz bürgerliche Lebensträume verpuffen. Die SZ hebt mit Olga Ravn und den Angestellten eines Raumschiffes ab. Außerdem empfiehlt sie heute Kinder- und Jugendbücher. Die NZZ staunt, wie menschlich Peter Englund den November 1942 skizziert. Und der Dlf Kultur lernt von Gu Byeong-mo: Auch als Auftragskillerinnen werden Frauen chronisch unterschätzt.
Samstag, 03.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
03.12.2022 Die Ukrainer müssten unter anderem deshalb vom Westen noch viel stärker unterstützt werden, weil ihre Erfolge die Welt besser gemacht haben, sagt Timothy Snyder bei t-online.de. Auch Thomas Piketty ist im FR-Interview optimistisch: das europäische Modell sei stärker als das chinesische. Zwei Beiträge in der FAZ und bei bpb.de befassen sich mit Vorteilen und Tücken der Identitätspolitik. Die New York Times beklagt einen rasanten Anstieg von Hate Speech bei Twitter.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.12.2022 Die SZ wünschte sich, es gäbe heute mehr Schriftsteller mit dem ungeschützten Wagemut eines Heinrich Böll statt dem Gratismut einer salongeschützten Altlinken wie Annie Ernaux. Außerdem hofft sie, dass die Wahl von Chantal Akermans "Jeanne Dielman" als bester Film aller Zeiten eine diversere Filmgeschichtsschreibung einleitet. Toller feministischer Film, meint auch die Welt, nur leider kann man ihn in Europa nirgends im Stream sehen. Der Tagesspiegel feiert Anita Rocha da Silveiras feministische Horror-Groteske "Medusa", die von einem Brasilien der Zukunft erzählt, in dem Christenfundamentalismus herrscht.
Bücherschau des Tages
03.12.2022 Dlf Kultur liest beeindruckt "Looking for Trouble", Virginia Cowles Reportagen aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Welt kann kaum glauben, dass Marilynne Robinson die Ereignisse im Städtchen Gilead in ihrem Roman "Jack" noch weiter auf die Spitze treiben kann. Die taz stellt sich mit Pierre Rosanvallon den "Prüfungen des Lebens". Die SZ verfällt den schwebenden Assoziationsketten Rachel Kushners im Essayband "Harte Leute". Die FAZ empfiehlt wärmstens Marie Vieux-Chauvets grandiosen Roman "Töchter Haitis". SZ und NZZ lernen von Harold James einiges über die Schockmomente von Wirtschaftskrisen.
Montag, 05.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
05.12.2022 Die Meldung, dass der Iran möglicherweise die Sittenpolizei auflöst, ist eher mit Skepsis zu betrachten, schreibt Gilda Sahebi in der taz. Die Medien fragen, ob China jetzt ein "Leben mit Covid" in Betracht zieht - allerdings sind gerade ältere Chinesen zu wenig geimpft. China weitet unterdessen seinen Einfluss in Europa, besonders in Italien, weiter aus, berichtet der Guardian. Was ist eigentlich ein "Stellvertreterkrieg", fragt ntv.de und holt sich Auskunft von Politologen. Die putinophile ehemalige ARD-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz sprach lange Zeit nur aus, was Millionen Deutsche dachten, und sie ist immer noch beliebt, konstatiert die NZZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.12.2022 In Berlin tagte zum ersten Mal der PEN Berlin. Schön divers ist er, freut sich die FAZ, jünger, weiblicher, migrantischer. Die politischen Konflikte waren allerdings schon ganz schön handfest, berichtet die SZ, und ZeitOnline stellt fest, dass der neue PEN nicht mehr links, sondern liberalkonservativ ist. Die Nachtkritik schluckt schwer bei Kirill Serebrennikows Schreckensinszenierung "Der Wij" in Hamburg. ZeitOnline lauscht den Tuareg-Jams, die im mauretanischen Flüchtlingscamp M'berra entstehen.
Medienticker
05.12.2022 Heinrich Böll & Irland: 50 Jahre nach der Verleihung des Literaturnobelpreises - Vor 75 Jahren uraufgeführt & immer noch aktuell: Tennessee Williams "Endstation Sehnsucht" - Vor 300 Jahren geboren: Preußens Lyrik-"Wunderfrau", die Dichterin Anna Louisa Karsch - Alice Schwarzer. "Wenn wir Frauen uns einig werden, wäre Feminismus kein Thema mehr".
Bücherschau des Tages
05.12.2022 Der Dlf liest mit Bewunderung Franziska Thun-Hohensteins Biografie des Warlam Schalamow, der mit seinen Erzählungen aus Kolyma das Leben am "Kältepol der Grausamkeit" in Literatur verwandelte. Die SZ begibt sich mit Gideon Rachman in die düstere Welt der Autokraten. Die FR folgt Jonathan Lee auf den Spuren des Stadtplaners Andrew Haswell Green, dem New York den Central Park, die Public Library und den Zoo in der Bronx verdankt. Die NZZ lernt von Andreas Beyer wie Leib und Eigensinn den Künstler schaffen.
Dienstag, 06.12.2022
Magazinrundschau
06.12.2022 Der Kampf um Frauenrechte im Iran hat eine Vorgeschichte, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreicht, erzählt Dissent. Wie nachhaltig der Sektionalismus scheitern kann, beschreibt Africa is a Country am Beispiel Sudans. In Respekt erklärt Ivan Krastev den Unterschied zwischen einer Gesellschaft, die bangt, und einer, die Angst hat. Das New York Magazine porträtiert die Sci-Fi-Autorin Octavia Butler. Im Merkur denkt Christoph Möllers über den Begriff der Werte nach. Die Boston Review zeigt den Kapitalismus auf seinem Peak - in China. Wired lässt sich von Journalisten in Simbabwe erklären, warum Twitter trotz allem unersetzlich ist.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.12.2022 Ein Grund für den Krieg Russlands gegen die Ukraine sind dessen Bodenschätze, meint die Politikwissenschaftlerin Olivia Lazard im Interview mit der Zeit, denn die Ukraine könnte helfen, die Welt von fossilen Energien zu entwöhnen. Die SZ resümiert etwas ratlos das erste Jahr von Claudia Roth als Bundeskulturministerin. Ist die Klimakatastrophe ein Realistätsschock, der der Naturverleugnung der Postmoderne ein Ende bereitet, fragt Daniele Dell'Agli im Perlentaucher. In seinem Substack-Blog schildert Matt Taibi einen Sündenfall amerikanischer Medien: die "Publikumsoptimierung".
Efeu - Die Kulturrundschau
06.12.2022 Peter Handke wird achtzig. Die Feuilletons feiern seine Poesie, weniger seine Lust an der Provokation und seine Serbien-Obsession. Als Stück der Stunde feiert die NZZ Francesco Cavallis Oper über den queeren Kaiser Eliogabalo von 1667. Die FAZ bewundert die neue, für Licht und Menschen durchlässige Kunstakademie von Jerusalem. Der Filmdienst beobachtet den großen Paradigmenwechsel in der Filmkritik. Kino ist nicht mehr fürs Publikum, sondern für Akademiker. Pitchfork kürt seine besten Songs des Jahres.
Medienticker
06.12.2022 "Ich, der Unsterbliche": Peter Handke zum Achtzigsten. Neue Bücher von, mit und über ihn von Lothar Struck & eine kritische Würdigung von Norbert Hummelt + Wikileaks: Australien wirbt um Freilassung Assanges.
Bücherschau des Tages
06.12.2022 Nachdrücklich empfiehlt der Dlf Adom Getachews Geschichte der Dekolonisierung "Die Welt nach den Imperien", derzufolge Nichtbeherrschtwerden mehr sein müsste als staatliche Souveränität . Die SZ lernt von Thomas Piketty, dass im Kampf gegen Diskriminierung
nicht das Sprechen über Identität weiterhilft, sondern nur eine Politik gegen
Benachteiligung. Die taz rühmt die Kriegserzählungen, die Héctor G. Oesterheld und Hugo Pratt in ihrer Graphic Novel dem legendären Reporter Ernest Pyle nachempfinden.
Mittwoch, 07.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
07.12.2022 Die taz beschreibt die Rolle der russischen Soldatenmütter, die zugleich besorgt und ergeben sind. In Deutschland wurde in einer riesigen Polizeiaktion das Netzwerk der "Reichsbürger" ausgehoben, melden alle Medien. Die SZ philosophiert mit Hilfe künstlicher Intelligenz über dieselbe. Eine Gruppe von Autoren und Forscherinnen wendet sich in der FAZ gegen die heute wieder beginnende Islamkonferenz, die alles, nur den Islamismus nicht thematisiere. Zeit online begleitet das Erzbistum Köln ins jüngste, nämlich weltliche Gericht und der Guardian Mark Zuckerberg auf dem Weg bergab.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.12.2022 Die FAZ bewundert die glamouröse Tilda Swinton in einer Mode-Performance mit Kostümen aus Pasolini-Filmen. Ebenfalls in der FAZ erinnert sich Christoph Ransmayr an eine Reise mit Enzensberger in den Kernschatten des Mondes. Die Jungle World verabschiedet sich nach elf Staffeln "The Walking Dead" vom Zombiefilm, der nur noch resignative Utopien formuliere. Und dem Standard graut vor Sidos Rückkehr auf den Rap-Dampfer.
Medienticker
07.12.2022 Wolfram Schüttes 50. petits riens: u. a. über bizarre Verlagsgründungen & die Zukunft der Gastronomie - "Angabe der Person" von Elfriede Jelinek: Rezensiert von Verena Auffermann - Maria Stepanova erhält den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung - Gespräch mit Adrian Daub über Cancel Culture Transfer & Wie eine moralische Panik die Welt erfasst + Die Weihnachtsdämonen: Erdmöbel veröffentlichen Weihnachtssong 2022.
Bücherschau des Tages
07.12.2022 Die SZ liest Chelsea Mannings Autobiografie als Dokument einer doppelten Befreiung. Die FR erfährt endlich, wie Hans Wollschläger Karl May auf den Sockel hob, die NZZ knabbert mit Wohlgefallen an der Kulturgeschichte der Rezepte des österreichischen Kochkolumnisten Christian Seiler. Die FAZ liest fasziniert bei Ed Young von Feuerkäfern, die mit ihren himbeerartigen Wärmeorganen Waldbrände aufspüren können. Dlf Kultur ergötzt sich an 14 Kindergedichten über Trennungen.
Donnerstag, 08.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
08.12.2022 In Time erzählt Dascha Nawalnaja, wie ihr Vater seit zwei Monaten in seinem Gefängnis gequält wird. In der SZ blickt Irina Scherbakowa von Memorial auf die jahrelange geduldige Zerstörung der russischen Zivilgesellschaft zurück. Die neuen rechtsextemen Minister in Israel sind schlimmer als europäische Rechtspopulisten, warnt Omri Boehm in der Zeit. Ebendort bleibt Angela Merkel unflexibel: Ihre Politik war alternativlos, für etwas anderes hätte es auch überhaupt keine Akzeptanz gegeben.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.12.2022 Annie Ernaux hat ihre Nobelpreisrede gehalten und der Tagesspiegel staunt, wen sie alles repräsentieren will. Im Interview mit der nachtkritik erklärt die iranische Dramatikerin Mahin Sadri den Unterschied zwischen Deutsch und Farsi. Die nmz hört sich in Frankfurt mit Tschaikowskis Oper "Die Zauberin" an die Grenzen der Tonalität. Die FAZ lernt in einer Tudor-Ausstellung, wie Heinrich der VIII. mit dem Heiland kommunizierte. Die Zeit beobachtet, wie Chimamanda Ngozi Adichie und Ayad Akhtar der Cancel-Culture die Zähne ziehen.
Medienticker
08.12.2022 Zwangsreform: Rundfunkkommission der Bundesländer verschärft Transparenz-Regeln für ARD+ZDF - Wie mit Julian Assange die Pressefreiheit bedroht ist - Ägypten: Regimekritischer Journalist nach sieben Jahren frei - Google-Jahresrückblick: Banksy bleibt der meistgesuchte Künstler - Umbau an der Bild-Spitze - Annie Ernaux hielt ihre Nobelpreis-Lecture - Festival in Hamburg: Ein Fest für Fanny und Felix.
Bücherschau des Tages
08.12.2022 Die FAZ irrt fasziniert durch Andrea Bajanis "Buch der Wohnungen". Die FR liest Gedichte aus Guantanamo. Die Zeit lässt sich von Claus-Steffen Mahnkopf einführen in die "Die Kunst des Komponierens". Dlf lernt mit Olga Ravns Roman "Die Angestellten" die schöne neue Arbeitswelt des 22. Jahrhunderts kennen.
Freitag, 09.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
09.12.2022 Einige Medien waren über die Razzia gegen die "Reichsbürger" überraschend gut informiert - ein PR-Coup? Der Tagesspiegel wirkt verärgert. Die FAZ hört ein Krachen im scheinbar soliden Gebälk des iranischen Regimes. Aber noch wehrt es sich mit größter Brutalität gegen die Demokratiebewegung. Der Guardian berichtet, dass Polizeikräfte bei Demonstrantinnen oft mit Vogelschrot auf die Brüste und den Unterleib schießen. Der Historiker Norbert Frei will den Holodomor in der SZ nicht als Genozid sehen.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.12.2022 Kollektivpanik ist Religionsausübung, ruft Jonathan Meese im Gespräch mit der SZ (zusammen mit Alexander Kluge) allen Aktivisten entgegen. Die Welt erzählt, wie deutsche Behörden den iranischen Filmemacher Ata Mehrad schikanieren. Der Tagesspiegel fragt nach der Premiere von Antoine Fuquas Sklavereidrama "Emancipation": Black Trauma Porn, wirklich? Die FAZ liest in Nora Kienasts Dissertation "Musikwettbewerbe unter Legitimationsdruck" von Seilschaften und Absprachen im Klassikbetrieb.
Medienticker
09.12.2022 Aktualisiert: Wort des Jahres: "Zeitenwende"
- Neu im Kino: "She Said" oder fünf Jahre danach: Was ist aus MeToo geworden? - Buchkritik: Ein literarischer Kommentar zum Grundgesetz - Vor 50 Jahren: Radio Bremen sendet den letzten "Beat-Club" - Amazons Alexa ist endlich am Ende - Der Messias von Kreuzberg: Krimikritik zu Johannes Groschupf: "Die Stunde der Hyänen" + TV-Tipps fürs Wochenende.
Bücherschau des Tages
09.12.2022 Die FAZ lauscht vergnügt, wenn ihr Alain Mabanckou und Abdourahman Waberi Afrika und seine Vielfalt in Kurzessays vorstellen. Anregender als Derrick selbst findet sie, wenn Frank Witzel über Derrick schreibt. Die SZ staunt, über die weisen Antworten einer KI auf existenzielle Menschenfragen. Die FR lernt von dem Judaisten Peter Schäfer, dass "unsere" Kultur der Freiheit in der Hebräischen Bibel wurzelt. Und Dlf Kultur geht mit Johannes Groschupf neue Wege und gibt dank des Science-Fiction-Bandes "Kollaps and Hope Porn" die Hoffnung noch nicht ganz auf.
Samstag, 10.12.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
10.12.2022 Rieke Süßkow schiebt Peter Handke in Wien ins Pflegeheim ab und die Feuilletons amüsieren sich über so viel Respektlosigkeit. Nur die FAZ schluchzt: Skandal! Wo bleibt da die Ehrfurcht? Außerdem sucht die FAZ nach den Gemeinsamkeiten französischer Literatur-NobelpreisträgerInnen. FR, Welt und FAZ verbrennen sich in Frankfurt an der beißenden Ironie von Rosemarie Trockel. "Europa bleibt zersplittert", erkennt der Tagesspiegel auch bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises. Und die taz stolpert auf den Algenteppichen von rRoxymore.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.12.2022 ZeitOnline bringt eine Dankesrede der Memorial-Historikerin Irina Scherbakowa, in der sie zu Widerstand gegen Diktatur und Hoffnungslosigkeit aufruft. Die taz wirft einen Blick auf den iranischen Unterdrückungsapparat. Die SZ erklärt den neuen Salatbar-Extremismus. In der FAZ stellt der Historiker Robert Heinze klar, dass Sklaverei und Kolonialismus nicht erst in der Rückschau verwerflich wurden. Die FAS hat noch einige Fragen an das Institut für Zeitgeschichte, das dem Schloss-Spender Ehrhardt Bödecker trotz seiner antisemitischen Schriften ein verquast-wohlmeinendes Gutachten ausstellte.
Bücherschau des Tages
10.12.2022 Die FR erschauert, wenn der ukrainische Autor Artem Tschech sie mit seinem Kriegsbericht aus dem Donbass an den seelischen "Nullpunkt" führt. Die FAZ erlebt mit dem Debüt der Lyrikerin Sirka Elspaß die Geburt der Poesie aus Verzweiflung. Die taz liest beeindruckt Anuk Arudpragasams Roman "Nach Norden". Und der Dlf bewundert noch einmal hingebungsvoll seinen Helden Georg Stefan Troller.
Montag, 12.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
12.12.2022 Olexandra Matwijtschuk prangerte in ihrer Friedensnobelpreisrede nochmal die Fahrlässigkeit des Westens an, die Putin möglich machte. Die Politologen Wilfried Jilge und Stefan Meister kommen in der FAZ zum selben Ergebnis und fordern eine "Ukraine zuerst"-Politik. Das Emirat Katar scheint Europapolitiker bestochen zu haben, hoffentlich ist das nicht nur die Spitze des Eisbergs, bangt die taz. In der NZZ beschreibt der Sinologe Junhua Zhang das Ausmaß der Gehirnwäsche unter Xi Jinping.
Efeu - Die Kulturrundschau
12.12.2022 Nach der Verleihung des Europäischen Filmpreises an Ruben Östlunds "Triangle of Sadness" fragen sich Welt und Tagesspiegel, wie das europäischen Autorenkino der amerikanischen Übermacht entgegentreten kann. Die FAZ feiert mit dem Leipziger Museum für bildende Kunst die Malerin Olga Costa und mit ihr die mexikanische Moderne. Im Standard ätzt Wolfgang Prix gegen das neue Biedermeier in der Architektur. Die taz geht ins Atelier Friedl Dicker und Franz Singer. Die FAZ lauscht verzückt der pedallos perlenden Geläufigkeit des Pianisten Walter Gieseking.
Medienticker
12.12.2022 Abschiedsbrief: Markus Dohle verlässt Penguin Random House - Corinna Milborn: Österreichs journalistisches Aushängeschild des ORF mit klarem Kompass - Kleiner und flexibler: Auch der HR rechnet 2023 mit deutlichem Minus - Sensationelle Entdeckung Donald Byrd 1973: Cookin' with Blue Note at Montreux + Die Mädchen der Romanautorin Julia Wolf ...
Bücherschau des Tages
12.12.2022 Ziemlich wild, aber nicht falsch findet der DlfKultur Grégory Salles Polemik gegen Superyachten, diese 30 Meter langen Symbole exzessiven Reichtums. Spannend findet er auch Arundhatis Roys Essayband "Mein aufrührerisches Herz", hätte aber auch gern die Texte zu innerindischen Themen gelesen. Die SZ lernt von Mariano Barbato, dass Außenpolitik seit Bismarck Chefsache ist. Die FAZ lässt sich zum Jurastudium ermutigen
Dienstag, 13.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
13.12.2022 Das Entsetzen über die "Reichsbürger" hält an: Liberale und Konservative müssen sich scharf von der AfD abgrenzen, wenn sie nicht in ein Schlammassel geraten wollen, wie die Republikaner in den USA, warnt Hannes Stein in der Welt. Katar hat vor allem linke Politiker und Gewerkschafter geschmiert, damit sie sein "Arbeitsrecht" in sanfteres Licht setzen, notiert die taz. Die Mullahs betrachten den Protest gegen sie als "Krieg gegen Gott" und hängen Demonstranten an Baukränen auf - Natalie Amiri will in der NZZ die Hoffnung dennoch nicht aufgeben.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.12.2022 Die FAZ pilgert nach Madrid, wo das Museo Thyssen-Bornemisza Kunst der ukrainischen Avantgarde zeigt. Der DlfKultur fragt, wie das Zentrum für Politische Schönheit auf die Idee kommen konnte, in Otto Muehls ehemaliger Kommune eine Werkschau zu planen. Die SZ liest berührt Hans Wollschlägers Briefe, in denen sich der matte Glanz einer tragischen Schriftstellerexistenz offenbart. Die Welt sieht sich bestätigt: Die ganze moderne Architektur hätte nie gebaut werden dürfen. Außerdem entschwebt die SZ ein letztes Mal in den Wolkenfelder des Krautrock-Gitarristen Manuel Göttsching.
Magazinrundschau
13.12.2022 Der Guardian glaubt nicht an den Erfolg der iranischen Protestbewegung - solange sie nicht weiß, was nach den Mullahs kommen soll. Der New Yorker macht uns mit der Quantenverschränkung bekannt. In Le Monde diplomatique besingt die Schauspielerin Fatym Layachi die Nächte in Casablanca. Die LRB wirft in Saudi-Arabien einen Blick auf die Welt, wie Consultingfirmen sie erträumen. Atlantic bewundert den Schnitt in T.S. Eliots "The Waste Land".
Medienticker
13.12.2022 Kritischer Journalismus in Katar: Pressefreiheit bei WM nur auf dem Papier vorhanden - Rettet das Feuilleton: Oper und Onlinemedien - Und täglich grüßt das Sams: Paul Maar zum 85. Geburtstag - Nachrufe: Der Illustrator und Kinderbuchautor Wolf Erlbruch ist tot & Zum Tod des Filmkomponisten Angelo Badalamenti
Bücherschau des Tages
13.12.2022 Die SZ durchlebt mit Hans Wollschläger Höhen und Tiefen der Schriftstellerexistenz. Die taz wandert mit der Quetchua- und Aymara-Dichterin Elvira Espejo Ayca durch die Sprachen der Anden. Die FAZ zeigt sich unempfänglich für den Charme des intellektuellen Charismatiker Jacob Taubes, dem Jerry Muller mit seiner Biografie "Professor der Apokalypse" ein Denkmal setzt. Der Dlf versinkt im vierten Teil von Marilynne Robinsons Gilead-Saga.
Mittwoch, 14.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
14.12.2022 Russland schießt die Ukraine mit iranischen Raketen in Dunkelheit und Kälte. Die USA und Britannien wollen jetzt helfen. Derweil erklärt Putin: Glauben kann man nur mir. Die FAZ stellt die wichtigsten "Reichsbürger" vor, darunter ein Prinz, eine Richterin, ein Rechtsanwalt, ein Tenor und eine Ärztin. Der Korruptionsskandal im EU-Parlament ist ein schwerer Schlag für Italiens Linke, berichtet die NZZ. Die taz blickt in den Osten Deutschlands mit seiner Russophilie und begreift es nicht.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.12.2022 James Camerons Blockbuster "Avatar 2" soll Geld in die Kinokassen spülen, die Filmkritik ist berauscht von dem Meeres-Fantasy-Spektakel in 3D, auch wenn sich manche ein Drehbuch gewünscht hätten. Im Filmdienst beobachtet Lars Henrik Gass derweil, wie im deutschen Kino wirtschaftliches Unvermögen zu kultureller Relevanz umgedeutet wird. Die FAZ spürt in der Hamburger Kunsthalle dem Hauch der Inspration nach. Und in der SZ erzählt Stuart Murphy, wie der English National Opera von einem Tag auf den anderen die Subventionen gestrichen wurden.
Medienticker
14.12.2022 Neuer Berlin Krimi "Die Stunde der Hyänen": Gespräch mit dem Autor Johannes Groschupf - Neues Literatur-TV-Format "Studio Orange" ab heute 2. Folge online - Glückwunsch zum 70.Geburtstag: John Lurie + Paradiesvögel fängt man nicht ein: Heute wäre Tamara Danz 70 Jahre alt geworden ...
Bücherschau des Tages
14.12.2022 Die FAZ schwelgt im expressionistischen Adjektivsperrfeuer und den spitzen Pointen des Literaturkritikers Max Hermann-Neiße. Die SZ liest das Tagebuch von Ror Wolf als bundesdeutsche Kulturbetriebsgeschichte. Dlf Kultur bewundert den Sinn der Schnurrvögel für Ästhetik und Erotik, den ihr der Ornithologe Richard O. Prum nahe bringt.
Donnerstag, 15.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
15.12.2022 Navid Kermani hat für Zeit mit Menschen gesprochen, die dem ersten hingerichteten Demonstranten, Mohsen Schekari, nahestanden oder seine letzten Tage miterlebten. Wolfgang Kraushaar erklärt in der Berliner Zeitung, wie sich Extremismen zugleich immer weiter entgrenzen und in der Mitte der Gesellschaft ansiedeln. Auch Polen fragt sich laut taz mit Blick auf Rechtsextremismus im Land, ob es sich aus der Spirale von Hass und Gewalt selbst befreien kann. Anne Applebaum erkundet in Transatlantic, was Demokratien von Taiwan lernen können.
Efeu - Die Kulturrundschau
15.12.2022 Die NZZ bewundert in einer Basler Ausstellung ukrainische Künstler, die oft als Russen galten. Die FAZ unterhält sich mit Autor Kai Sina über Enzensbergers Zeitschrift Transatlantik. Zelda Biller staunt über den antiisraelischen Kitsch des Netflixfilms "Farha". Die taz erliegt den extrem assoziativen Klangsprache Fritz Brückners. Die designierte neue Schauspielchefin in Salzburg Marina Davydova erzählt im Interview mit der SZ von ihrer Flucht - erst aus Baku, dann aus Moskau.
Medienticker
15.12.2022 Das Prinzip Surrender im Pop: Zwischen Eskapismus und einfach mal loslassen - Polit-Thriller: "Extrem teures Gift" am Burgtheater Wien - Bela B wird 60: Ein bescheidener Alleskönner - Mehr als krumme Bananen: Serie "Parlament" über Politiker in der EU + Wie hoch steigt der Rundfunkbeitrag?
Bücherschau des Tages
15.12.2022 Dass Liebeskummer, Adorno und Benjamin gemeinsam zu einem berauschenden Buch inspirieren können, lernt der hingerissene Dlf mit Gesa Jessens Roman "Ein lautes Lied". In der Zeit empfiehlt der Afrikanist Andreas Eckert "Die Welt nach den Imperien", ein Buch der äthiopisch-amerikanischen Politikwissenschaftlerin Adom Getachew, als wegweisendes Werk über die Vordenker des Anti-Kolonialismus. Die FAZ lauscht mit Vergnügen der angeregten Unterhaltung von Luise Gottsched mit Dorothea und Anna Magdalena Bach in Angela Steideles Roman "Aufklärung". Die taz feiert Ian McEwans "Lektionen" als im traditionellen Sinne große Literatur.
Freitag, 16.12.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
16.12.2022 Die FAZ erkennt in Paris das politische Anliegen hinter Frida Kahlos Mix aus präkolumbianischem Schmuck und europäischem Gouvernantenstil. Im Jüdischen Museum in Frankfurt begegnet sie dem Who's who der Nachkriegszeit im Nachlass von Gisèle Freund. artechock wünscht sich weniger Geschlecht und mehr Geschmack im Kino. Die SZ tanzt mit John Neumeier und Johann Sebastian Bach in Hamburg durch Kampfzonen der Hoffnung entgegen. Und die nachtkritik feiert in Zürich mit Elfriede Jelinek und Nicolas Stemann eine Strandparty im Angesicht der Klimakrise.
9punkt - Die Debattenrundschau
16.12.2022 In der SZ erklärt der Historiker Orlando Figes, warum die Russen "genetische Angst" haben. Die FAZ schildert die immer grausamere Schikanierung Alexei Nawalnys in der Strafkolonie von Melechowo. In der SZ prangert Avraham Burg nicht nur die rechtsextremen Kräfte in der neuen israelischen Regierung an, sondern gleich das "Prinzip des auserwählten Volks", das Israel zur Demokratie unfähig mache. In Berlin wurde ein Papier mit Handlungsempfehlungen zu "antimuslimischen Rassismus" vorgelegt, das die religiöse Rechte stärkt, fürchtet hpd.de. Elon Musk setzt laut Guardian seine Twitter-Zerstörung fort, indem er die Konten von Journalisten sperrt.
Medienticker
16.12.2022 Aktualisiert: ARD-Chef Tom Buhrow: Rundfunkbeitrag kann "mathematisch" nicht sinken - Heribert Schwans "Vermächtnis - Die Kohl-Protokolle": Kohl-Witwe scheitert mit Verfassungsklagen - Nachruf auf Wulf Kirsten: Gespräch mit dem Landschaftslyriker - E-Commerce: Die verlorene Online-Dynamik & erreicht der Online-Handel eine Sättigung? + Berlin: Freier Eintritt zu Nosferatu-Ausstellung gegen Blutspende + TV+Hörtipps fürs Wochenende.
Bücherschau des Tages
16.12.2022 Die FAZ macht mit Grégory Salle die Superyacht als Symbol des Kapitalozäns aus. Die FR blickt mit Jerry Z. Mullers ohne Häme auf das verquere Genie Jacob Taubes. Die NZZ versinkt mit Frank Schäfer in German Metal. Die SZ freut sich, dass die Neuübersetzung von Roald Dahls "Matilda" ganz ohne zeitgeistige Achtsamkeit auskommt. Und Dlf Kultur lässt sich von Michael D. Gordin über die die Geschichte von Ufologie, Eugenik oder Astrologie aufklären und verdankt Sefi Atta schmerzliche Einsichten in die amerikanische Gesellschaft.
Samstag, 17.12.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
17.12.2022 Die FAZ notiert betrübt die Gemeinsamkeiten Michel Houellebecqs mit dem rechtspopulistischen Philosophen Michel Onfray. Außerdem feiert sie die die Modernetauglichkeit katholischer Intelligenz in Charles Tournemires Oper "La Légende de Tristan", deren Uraufführung nach knapp hundert Jahren jetzt das Theater Ulm besorgt hat. Die NZZ berichtet vom Filmfestival in Havanna. Und: "Der Esel ist der ultimative Laienspieler", erklärt Filmregisseur Jerzy Skolimowksi in der taz. Der Standard hört Free Jazz zweier heiliger Narren aus dem Jahr 1977.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.12.2022 Mehrere Artikel beleuchten heute die Vernetzungen im Rechtsextremismus: Stephan Malinowski weist in der FAS auf die Kontinuität von Adelskult und rechtsextremen Ideologien hin. Die taz begibt sich nach Thüringen, wo sich die Verbindung zwischen "Reichsbürgern" und AfD am deutlichsten zeigt. Die NZZ wirft einen Blick auf die "Organische Christus-Generation", eine Sekte in der Schweiz, die ebenfalls Beziehungen zur AfD unterhält. Ist die Kritik an Katar eurozentrisch, fragt die SZ. Auch Wolfgang Ullrich wundert sich in der NZZ über die Politisierung von Veranstaltungen wie Documenta und Fußball-WM.
Bücherschau des Tages
17.12.2022 Die taz lernt den Horror neu mit T.E.D. Kleins Roman "The Ceremonies" - und das unheimlichste sind seine Vorahnungen der Gegenwart. Die SZ lässt sich von Olivier Guez' "Lob des Dribbelns" über den tänzerischen Ursprung fußballerischer Eleganz informieren. Evelyn Grills Roman"Der Nachlass" reflektiert die Coronakrise aus Sicht einer "vulnerablen Person", und das mit feinstem Handwerk, lobt die FAZ. Dlf Kultur erfährt in "Vom Traum zum Trauma" von Caroline Wenzel, wie oft auch Männer Opfer psychischer Gewalt sind.
Montag, 19.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
19.12.2022 Wladimir Putin hat Russland und der russischen Kultur mehr Schaden zugefügt, als Amerika es je könnte, schreibt Timothy Garton Ash im Guardian. Die Journalistin und Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa erklärt in Zeit online, warum sie nicht mehr an die sozialen Medien glaubt. Unterdessen bangt die taz um Twitter, das von Elon Musk mutwillig zerstört wird - Business Insider erklärt, wie. Die Feuilletons trauern um die große Reporterin Marie-Luise Scherer.
Efeu - Die Kulturrundschau
19.12.2022 SZ und FAZ beobachten hingerissen, wie sich Elfriede Jelinek in ihrem neuen Stück "Angabe der Person"" die Wunden aufreißt, die ihr das deutsche Finanzamt schlug. Die FR erklärt, warum dagegen Tyrannen auf der Bühne so wenig hergeben. Die SZ berichtet von der Verhaftung der iranischen Schauspielerin Taraneh Alidoosti. Und die NZZ beleuchtet den skurrilen Kosmos klassischer Orchestermusiker.
Bücherschau des Tages
19.12.2022 Die Feuilleton nehmen die dreißiger Jahre fest in den Blick, allerdings die des 20. Jahrhunderts: Die SZ lernt in Büchern von Thomas Weber und Ralf Zerback, wie schnell Demokratie in Diktatur umschlagen kann. Der Dlf zeigt sich interessiert, aber unempfänglich für Ernst Jüngers kritisch-historisch edierte "Strahlungen". Die FAZ lauscht bedrückt, aber auch begeistert Stefan Zweigs "Welt von Gestern" in der Lesung von Walter Andreas Schwarz. Der DlfKultur häuft freudig mit Joachim Kalka unnützes Wissen über "Schatten und Schnee" an.
Dienstag, 20.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
20.12.2022 Sollte Deutschland anerkennen, dass Polen recht hatte und sich von der deutsch-französischen Achse abwenden, fragen AutorInnen in der Welt und New Eastern Europe. In der FR erklärt Meron Mendel, warum es quasi unmöglich ist, Postkolonialisten und BDS-Kritiker an einen Tisch zu holen. Der niederländische Premier Mark Rutte hat für sein Land wegen der jahrhundertelangen Praxis der Sklaverei um Entschuldigung gebeten, die FAZ berichtet. Das Volk hat gegen Elon Musk gestimmt, aber bisher ist er noch nicht als Twitter-Chef abgetreten, notiert die New York Times.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.12.2022 Die SZ opponiert gegen den Kuschelfeminismus, mit dem Leonie Böhm in Hamburg Schillers Jungfrau von Orleans dezidiert nicht in die Schlacht ziehen lässt. Außerdem schwärmt sie von lässigen Licks und schlurfenden Grooves bei Little Simz. Die NZZ geht den Ursachen der Kinokrise nach und verirrt sich im Dickicht der Vertriebsförderung. Die FAZ berichtet vom Tauziehen um Joshua Reynolds Porträt eines jungen Polynesiers, für das die National Portrait Gallery bis März 50 Millionen Pfund aufbringen muss, um das Bild im Land zu halten.
Magazinrundschau
20.12.2022 New Criterion sucht nach dem Einfluss Spaniens in den Gemälden von John Singer Sargent. Im New Statesman verabschiedet John Gray den Glauben an die Utopie einer demokratischen Weltordnung. Die New York Times rekonstruiert die russischen Entscheidungsprozesse im Ukrainekrieg. In Novinki erklärt die Politologin Eszter Kovátsová, wie AfD und Fidesz die Genderdebatte für ihre rechte Agenda nutzen. Poesie von Computern? Niemals, erklärt im MIT Press Reader der Psychologe und Dichter Keith J. Holyoak.
Bücherschau des Tages
20.12.2022 Als tolles Debüt feiert die FAZ Przemek Zybowskis Roman "Das pinke Hochzeitsbuch": Er erzählt von einem jungen Polen, der von seinen in die BRD flüchtenden Eltern zurückgelassen wird. Der DlfKultur liest mit Interesse Simone Scharberts Psychiatrie-Roman "Rosa in Grau". Die NZZ bewundert die gedankliche Tiefe in Dieter Henrichs zartem Brevier "Furcht ist nicht in der Liebe". Und der Dlf blickt mit Sebastian Pittelkow und Katja Riedel auf die AfD nach "Rechts unten".
Mittwoch, 21.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
21.12.2022 Die schlimmste Niederlage für Putin wäre eine Ukraine, in der die Rechte aller Menschen geschützt sind, sagt die Regisseurin Hanna Kopylova in Zeit online, und das gilt besonders für die Rechte der Frauen. Die Ukraine selbst wurde vom Westen lange Zeit wie eine Frau behandelt, deren Kampf um Souveränität nicht ernstgenommen wurde, schreibt die Historikerin Olesya Khromeychuk im New Statesman. Trump mag geschwächt sein, der Trumpismus ist es nicht, warnt der Historiker Thomas Zimmer in der NZZ. Die Zeitungen freuen sich, dass erste Benin-Bronzen an Nigeria zurückgegeben wurden, auch wenn ihr weiteres Schicksal unklar ist.
Efeu - Die Kulturrundschau
21.12.2022 Die SZ fragt angesichts des Streits um Wajdi Mouawads "Vögel", ob künftig Wahrheitskommissionen darüber entscheiden, welche Stücke gespielt werden dürfen. Der Standard meldet, dass Stefan Bachmann neuer Direktor des Burgtheaters wird. Die Welt bewundert in Mailand die Kunst der Römer, Schönheit zu recyclen. Die FAS versucht Jerzy Skolimowskis geheimnisvollen Filmhelden EO zu ergründen. Außerdem trauern die Feuilletons um Terry Hall, bei dessen Specials Weiß und Schwarz noch zusammen gegen die Deindustrialisierung anspielten.
Bücherschau des Tages
21.12.2022 Die FAZ begibt sich mit Mark Andrews auf den schwarzen Planeten der Sisters of Mercy. Außerdem empfiehlt sie Lena Anderssons Roman "Der gewöhnliche Mensch" über die Geschichte des schwedischen Volksheims als außerordentliches Lektürevergnügen. Die SZ erfährt im Tagebuch von Michel Leiris, wie das koloniale Frankreich afrikanische Kunst raubte. Die FR reist mit dem spanischen Journalisten Manuel Chaves Nogales durch das nationalsozialistische Deutschland. Und der Dlf Kultur versinkt in Timo Luks' Kulturgeschichte der Bewerbung.
Donnerstag, 22.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
22.12.2022 Der Raum für Widerstand in Afghanistan hat sich stark verkleinert, sagt die afghanische Menschenrechtlerin Shaharzad Akbar in der taz nach dem Ausschluss von Frauen aus Hochschulen - was bleibt sind Stipendien westlicher Länder. Es gibt kein "blühendes jüdisches Leben" in Deutschland, nur ein potemkinsches Stetl, das die Deutschen feiern, während nicht weit entfernt davon ein Genozid stattfindet, schreibt Henryk M. Broder in der Welt. Bertelsmann geht's zwar prächtig, aber Schöner wohnen, Brigitte und Geo werden noch gründlicher entsorgt als bisher bekannt, berichtet die SZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
22.12.2022 Die FAZ betrachtet den neuen Geschwisterfrieden in der Kunsthalle Tübingen. Die Welt würdigt Sivan Ben Yishais "Bühnenbeschimpfung" am Gorki Theater als Angriff auf die eigene Blase aus der Blase heraus - hätte ihm nur Regisseur Sebastian Nübling nicht den Stachel gezogen. Die SZ fragt entgeistert, was an der "Harry & Meghan"-Netflix-Serie bitte schön dokumentarisch sein soll? Das VAN-Magazin unterhält sich mit dem Youth Symphony Orchestra of Ukraine. Die taz erinnert an die deutsch-litauische Malerpoetin Aldona Gustas.
Bücherschau des Tages
22.12.2022 Dlf Kultur bewundert, wie Dorota Maslowska eine Art Warten auf Godot mit David Bowies kurzem Aufenthalt in Warschau verbindet und dabei ein so surreales wie realistisches Bild Polens in den Siebzigern zeichnet. Unerträglich selbstgefällig findet die NZZ das Geplauder Luisa Neubauers mit ihrer Oma Dagmar Reemtsma "Gegen die Ohnmacht". Die FAZ leidet in Sarah Crossans "Verheizte Herzen" mit einer Frau, deren verheirateter Liebhaber stirbt. Gefeiert wird außerdem eine kleine literarische Sensation: der Fund von "Walter Benjamins Auerbach" samt Anmerkungen.
Freitag, 23.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
23.12.2022 Es weihnachtet ziemlich, und es dominieren quasi religiöse Debatten. Aleida Assmann versucht in der FR, den antipostkolonialen Historiker Egon Flaig mit dem Höcke-Nolte-Stoß ins definitive Aus zu katapultieren. Der Ökonom Otmar Issing fragt in der FAZ, warum Intellektuelle eigentlich immer schon gegen den Kapitalismus sind und macht als Ursprung das Christentum aus. Die amerikanische Kusnthistorikerin Christiane Gruber erzählt im Newlinesmag, dass eine Kollegin an der Hamline University gefeuert wurde, weil sie islamische Kunst gezeigt hat. Und der Politikwissenschaftler Ali Fathollah-Nejad fragt in der FR, warum ein Teil der Linken die säkulare Freiheitsbewegung im Iran lieber nicht unterstützt .
Efeu - Die Kulturrundschau
23.12.2022 Die FAZ erlebt einen historischen Wendepunkt beim Konzert des Israel Philharmonic Orchestra in Abu Dhabi. Zugleich kritisiert sie den Whataboutism von Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, ab dem neuen Jahr Leiter des Hauses der Kulturen der Welt. Warum wird die Filmkunst in Deutschland so wenig ernst genommen, fragt im Filmdienst der Regisseur Daniel Sponsel. Die SZ feiert Nduduzo Makhathinis "In the Spirit of Ntu" als Jazzalbum des Jahres.
Bücherschau des Tages
23.12.2022 Die FAZ lauscht angetan Raimund Schulz' und Uwe Walters vielstimmiger Geschichte Griechenlands. Außerdem verdankt sie Kathrin Müllers Objektgeschichte des Kreuzes schon ein wenig Weihnachtszauber. Die SZ fragt sich mit David Graeber und Marshall Sahlins, ob der Mensch beherrscht werden muss. Mit Dmitry Glukhovsky reist sie im Ufo nach Moskau. Der Dlf Kultur taucht mit Jonas Dahm und Carl Douglas lieber zu den Geisterschiffen der Ostsee.
Samstag, 24.12.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
24.12.2022 Die SZ schaut in Hannover erschüttert auf die blutverschmierten Frauen, die Paula Rego in den Neunzigern malte, um die Legalisierung der Abtreibung in Portugal voranzutreiben. artechock fragt ungehalten, wann der deutsche Film eigentlich zuletzt echte Debatten und ästhetische Fantasien entfesselt hat. Die taz lauscht in Berlin der iranischen Komponistin Aida Shirazi, die ein Gedicht Walt Whitmans wie kriechende Termiten klingen lässt. Und alle trauern um den Lyrikkritiker Michael Braun, der sich mit Neugier und Offenheit auch unbekannten Dichtern widmete.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.12.2022 In Atlantic zeigt Anne Applebaum auf, was die Ukrainer geleistet haben und was ihnen und der Welt gedroht hätte, wenn Putins Pläne aufgegangen wären. Der Westen ist kein ideologisches Konstrukt des Kalten Krieges, betont Heinrich August Winker in der SZ, sondern durch Gewaltenteilung und Pluralismus entstanden. Er sollte allerdings die Idee der Menschenrechte entkolonisieren, findet die FAZ. In der taz hält Noshin Shahrokhi den Mullahs vor, den Iranern die Religion verhasst gemacht zu haben. Im Guardian schöpft Jonathan Freedland allerdings für die Welt leichte Hoffnung. Ist ja schließlich Weihnachten!
Bücherschau des Tages
24.12.2022 Die FR liest von den „verstörenden Verrücktheiten“ des Ukraine-Kriegs in den Tagebüchern von Yevgenia Belorusets, die SZ lässt sich von der Osteuropa-Kennerin Gwendolyn Sasse die Ursachen für den Krieg erklären, die FAZ hätte sich in Orlando Figes’ Geschichte Russlands indes mehr kritische Analyse gewünscht. Außerdem vermisst die FAZ mit Thomas Clerc dessen Pariser Wohnung. Die taz beobachtet friedlichen Nacktschneckensex in den Gedichten von Margaret Atwood. Der Dlf feiert mit Jochen Jung das Wunder des Lesens. Und nun wünschen auch die Perlentaucher allen Leserinnen und Lesern ein frohes Fest!
Dienstag, 27.12.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
27.12.2022 Die NZZ lernt von japanischer Architektur das Jetzt zu flicken und zu stopfen. FAZ und SZ sehen in München eine Supersonne über dem Bayerischen Staatsballett aufgehen. Die SZ seufzt: Björn Andrésen, ist nicht mehr Viscontis Ikone der Schönheit, sondern eine des Leidens. Die Welt porträtiert Orkun Ertener, früher Autor, jetzt Creative Producer von "Neuland". Die taz schließt sich den Freunden von Reibegeräuschen an.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.12.2022 In der Welt beschwört Karl Schlögel die "Resilienzreserven, an die wir nicht mehr denken". In der NZZ erzählt Sergej Gerassimow , wie man im ukrainischen Winter ohne Strom überlebt. Claudia Roth will die Stiftung Preußischer Kulturbesitz umbennen, und Hermann Parzinger ist auch dafür, melden Spiegel, SZ und FAZ. In der FAZ untersucht der Religionswissenschaftler Reinhard Flogaus religiöse Motive in der Kriegspropaganda Putins und des Patriarchen Kyrill. Die SZ blickt entsetzt auf das Elend der Frauen in Afghanistan.
Bücherschau des Tages
27.12.2022 Der Dlf annonciert zwei Großwerke über Thomas Mann: Dieter Borchmeyers gravitätische Monografie "Werk und Zeit" sowie Hanjo Kestings pointierte Schrift "Glanz und Qual". Der DlfKultur liest mit Vergnügen Dino Pesuts Abrechnung mit dem kroatischen Bürgertum "Daddy Issues". Die FR freut sich über Günter Grass' postum entdeckte Erzählung "Figurenstehen", eine Liebeserklärung an die Uta von Naumburg. FAZ und SZ nehmen sich eine schwere Kiste voller Kinderbücher vor - über die Freundschaft, den Krieg und einen Prinzesserich namens Rusalko.
Mittwoch, 28.12.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
28.12.2022 Die New York Times huldigt dem kubanischen Bildhauer Juan Francisco Elso. Der New Yorker diagnostiziert bei der Filmkritik eine Art Stockholm-Syndrom. Die Welt erlebt Annie Ernaux in dem Essayfilm "Die Super-8-Jahre" genauso unfroh wie in ihren Büchern. Der Standard erschauert vor der gigantomanischen Nationalkathedrale, die Bukarest direkt neben Ceausescus Palast errichten lässt. Auf Telepolis beschreibt Berthold Seliger, wie sich der Fonds-Kapitalismus durch die Musikbranche gräbt.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.12.2022 In der FAZ pocht Reinhard Merkel auf die moralische Pflicht der Ukraine zu verhandeln. Die Ukrainer werden nicht einknicken, die Deutschen vielleicht schon, glaubt Carlo Masala in der SZ. Corona ist nicht vorbei, warnt die SZ. Das Kopftuch ist ein Symbol der Unterdrückung, aber auch ein Symbol der Freiheit, finden Saba-Nur Cheema und Meron Mendel in ihrer FAZ-Kolumne. Im Guardian bekennt George Monbiot seine "brennende Scham" darüber, dass er mit Holz heizt.
Bücherschau des Tages
28.12.2022 Die FAZ lernt aus Marco Tamborinis "Entgrenzung", dass Natur und Technik keine Gegensätze sind. Großes Leseglück erlebt die SZ mit Jean Malaquais' Roman "Planet ohne Visum", der lebensprall vom Marseille des Jahres 1942 erzählt. Lob gibt's auch für die Essays von Norbert Miller über "Die künstlichen Paradiese". Dlf Kultur amüsiert sich mit dem Thriller "Lupus Noctis".
Donnerstag, 29.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
29.12.2022 Die ukrainische Friedensnobelpreisträgerin Oleksandra Matwijtschuk sagt den Deutschen und Europäern in der Welt ein paar ungemütliche Wahrheiten: "Die Menschen in Deutschland und im gesamten Westen haben die Demokratie geerbt. Sie sind nur noch Konsumenten demokratischer Werte." Die SZ erinnert an die herzliche Verbundenheit deutscher Dienste mit den syrischen. Die taz beleuchtet die katastrophale chinesische Coronapolitik. In der FAZ kommentiert David Grossman die Lage in Israel.
Efeu - Die Kulturrundschau
29.12.2022 Die NZZ fröstelt in einer Ausstellung über "Kunst und Krieg", wo die Greuel in den Grafiken von Goya und Callot sich in den Bildern aus der Ukraine spiegeln. Der Tagesspiegel freut sich über die Unmittelbarkeit der Prosa Stephen Cranes, wenn der von Slums oder dem amerikanischen Bürgerkrieg erzählt. Die FAZ hört sich begeistert durch den Klassik-Streamingdienst Symphony.Live. Die Jungle World begutachtet die Diversitätsstrategien bei Disney.
Bücherschau des Tages
29.12.2022 Triumphiert die Kunst letzten Endes über das Leben oder ist es umgekehrt? Eine Frage, die die FAZ bei der Lektüre von Tatsuo Horis Novelle "Der Wind erhebt sich" beschäftigt. Die FR vertieft sich mit roten Ohren in Ben Wilsons Weltgeschichte der Metropolen. Die NZZ empfiehlt wärmstens Zigmunds Skujins Roman von 1984, "Das Bett mit dem goldenen Bein", der im Rahmen einer Familiengeschichte auch die bewegte Geschichte Lettlands schildert. Außerdem amüsiert sie sich mit Noëlle Gogniats Roman "So ist es eben", der Freunde und Gegner der Veggie-Fraktion im Mikrokosmos eines Dorfs aufeinander prallen lässt.
Freitag, 30.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
30.12.2022 Die Russen haben kaum Mitgefühl mit den Ukrainern, fast niemand spricht darüber, dass Menschen in der Ukraine getötet werden, sagt der Meinungsforscher Lew Gudkow im Spiegel. Es gibt keine Pflicht der Ukraine, dem Aggressor Konzessionen zu machen, erwidert Philosoph Peter Strasser in der NZZ heute dem Rechtsprofessor Reinhard Merkel. In der SZ erzählt Michael Brenner, wie die Ultraorthodoxen durch Kinderzeugen die israelische Demokratie umstülpten. Und Pelé spielt zehn wunderschöne Tore heraus.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.12.2022 Die Welt erfreut sich im Leipziger Museum für Völkerkunde an Enotie Paul Ogbedors farbsatten Gemälden von Benin-Bronzen und erfährt nebenbei auch noch etwas über die Rolle der Frauen in Benin. In der Berliner Zeitung kämpft der polnische Theaterregisseur Jakub Skrzywanek für Meinungsfreiheit in Polen. Die FR ertastet die Oberflächenstruktur in der Musik von Barre Phillips und György Kurtág jr. NZZ und FAZ bringen erste Nachrufe auf Vivienne Westwood, die so wunderbar jedem Bild entsprach, das man sich von britischen Exzentrikern macht.
Bücherschau des Tages
30.12.2022 Die FAZ geht mit Hans von Trotha den Spuren des französischen Gartenbaus nach. Die FR lernt von Günther Rühle: „Theater muss wehtun!“ Dlf Kultur reist mit Doreen Cunningham in die Arktis und lauscht dem Gesang in den Meeren. Von Nikole Hannah-Jones lässt er sich die Geschichte der USA noch einmal ganz neu unter Einbezug der Sklaverei erzählen.
Samstag, 31.12.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
31.12.2022 Silvester 2022: Im Iran gehen die Menschen nach wie vor auf die Straße, auch wenn das Interesse der hiesigen Medien erlahmt. In der taz bekennt die Aktivistin Sanaz Azimipour ihre Enttäuschung über deutsche Linke, die sich mit den Frauen im Iran nicht solidarisieren. In der New York Times erklärt Anshel Pfeffer, wie die neue israelische Regierung das Judentum weltweit spaltet. FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube ist sehr böse auf Claudia Roth, die die Stiftung Preußischer Kulturbesitz umbenennen will. Die Berliner Linken-Politikerin Saraya Gomis geht im Tagesspiegel noch weiter und will die Nofretete zurückgeben.
Efeu - Die Kulturrundschau
31.12.2022 Die SZ bewundert das Zusammenspiel von Action und Intellekt in Noah Baumbachs Verfilmung des DeLillo-Romans "Weißes Rauschen". In der taz möchte Kim de l'Horizon mit allen Männern die Schönheit männlicher Körper erdreamen. Der Guardian badet in den Farben der Annie Sloane. Die NZZ erinnert an eine Zeit, als Architektur auf Sperrholz, Dachpappe oder Eternit setzte statt auf Marmor und Edelhölzer. Und: Dirigent Franz Welser-Möst verspricht in der FR unbekannte Strauss-Musik beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr und viel purple rain to you!
Bücherschau des Tages
31.12.2022 Die FAZ lässt sich gut gelaunt von Claus-Steffen Mahnkopf "Die Kunst des Komponierens" erklären - bis er zur Popmusik kommt. Die FR verfällt dem Sound der melancholischen Prosa Cormac McCarthys. Die taz freut sich, dass mit "Die Unsichtbaren" endlich auch mal die höchst erfolgreichen weiblichen Spione gewürdigt werden. Dlf Kultur taucht ab mit Monique Roffeys "Meerjungfrau von Black Conch". Die NZZ beugt sich anlässlich des 100. Todestags von Jaroslav Hašek noch einmal über dessen Schwejk.